Immer schön achtsam

Viele kleine und große Häuser reihen sich hier aneinander. Bunte Farben zieren die kahlen Wände und vor allem die Dächer. Mit diesen Farben symbolisieren die Magier ihren Rang und ihr Können in einer oder mehr Magiearten.
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Immer schön achtsam

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 19. August 2026, 12:14

Asahi kommt von: Mit gehangen, mit gefangen

Es hat nun gut eine Stunde gedauert, bis der Papierkram erledigt war und die durchmischte Truppe im Sternenweg ankam. Erasmus blieb stets an Elandra’s Seite und beobachtete sie mit Argusaugen, was die Elfe aber scheinbar völlig kalt ließ. Elandra blieb vor einem alten Eckgebäude stehen, das die besten Jahre schon hinter sich hatte und trotzdem einen eigenen Charme verströmte. Es hatte ein Stockwerk und zu jeder Seite drei Fenster. An den Rahmen waren schnörkelige Verzierungen und ganz oben, kurz unter dem graumelierten Dach, gab es einige interessante Figuren zu entdecken. Bei näherer Betrachtung handelte es sich um die Gottheiten. Elandra betrachtete das Gebäude und stemmte die Hände in die schmalen Hüften. “Wie kommt man zu so einer Bleibe?”, fragte Isidora sichtlich beeindruckt. Elandra verzog die feinen Lippen zu einem vielsagenden Lächeln und trat auf die rote Eingangstür zu. “Halt!”, rief Erasmus, kurz bevor sie die Tür öffnen konnte und stapfte an ihr vorbei, um selbst als erster durch die Tür zu gehen. “Ich gehe voran - man weiß ja nie!”, brummte er und Elandra hob abwehrend die Hände und überließ ihm schweigend den Vortritt.
Nacheinander übertraten sie die Schwelle und tauchten in einen großen Raum ein, der sicherlich mal die eigentliche Poststelle gewesen war. Hier gab es inzwischen keinen Tresen mehr, aber Teile davon bildeten einen geräumigen Tisch an dem viele Leute Platz hatten. Ringsherum standen acht Stühle mit mehr oder weniger abgegriffenen Polstern in rot. Im hinteren Bereich, der Eingangstür gegenüber, befand sich eine Küche. Die ehemaligen Regale der Post, in denen man Briefe sortiert hatte, waren nun Aufbewahrung für Geschirr, Gewürze und Kochutensilien. Es gab eine Feuerstelle, die nachträglich eingebaut worden war. An den Fenstern hingen dicke Vorhänge, die den Blick von der Straße verhinderten. Es war sauber hier und ordentlich, ein feiner Geruch nach Zimt lag in der Luft. Elandra durchquerte den Raum auf die rechte Seite der Eingangstür und öffnete hier einen der Vorhänge, um etwas Licht hereinzulassen. Draußen vor dem Fenster konnte man dann und wann einige Zyraner flanieren sehen, ohne dass jemand besondere Notiz nahm. Genau wie im ersten Stock, gab es auch hier im Erdgeschoss sechs Fenster. Alles war darauf ausgelegt, den Raum zu erhellen, um den Kunden bestmöglichen Service zu bieten.

Isidora betrat ebenfalls den Raum und staunte nicht schlecht. Sie konnte die Bewunderung nicht verbergen und pfiff leise. “Wahnsinn… wie schön das hier ist!”, rief sie. Sie setzte sich in die gemütliche Sitzecke, die zur Rechten vom Eingang ausgehend eingerichtet war. Hier gab es zwei Polstermöbel, ebenfalls in rot, die zum Verweilen einluden.
“Ja, schön.”, murrte Erasmus und sah immer noch misstrauisch aus. “Oben befinden sich 2 Schlafräume und ein Bad”, sagte Elandra und deutete auf einen Treppenaufgang zwischen Sitzgruppe und Küche. “In Ordnung, aber wo sollen wir hier üben? Man kann ja überall reinschauen”, bemerkte Isidora und Elandra nickte. “Es gibt einen Lagerkeller unterhalb. Die Tür dort führt dorthin. Er müsste noch aufgeräumt werden, damit Platz ist - da ist viel altes Zeug aus den Zeiten der Post, aber es müsste gehen”, erklärte die Elfe. Sie stand weiterhin am Fenster. “Bedient euch in der Küche. Viel ist nicht da.”, meinte sie schulterzuckend. Und tatsächlich konnte man in der Küche sehen, dass die Elfe offenbar kein kulinarisches Genie war. Es gab lediglich Salz als Gewürz und das meiste Geschirr war eingestaubt, weil sie offenbar keine großen Parties veranstaltete oder häufig mit Freunden aß. Generell sah es hier nicht sehr persönlich aus. Aber es war genug Platz für sie vier.
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Re: Immer schön achtsam

Beitrag von Asahi » Mittwoch 19. August 2026, 20:13

Es hat nur gut eine Stunde gedauert, bis der Papierkram erledigt war und die durchmischte Truppe im Sternenweg ankam. Den Weg dort hin hatte sich Asahi spektakulärer vorgestellt. Irgendwie hatte er vermutet, dass die beiden Stadtwachen wenigstens sich verkleiden würden, damit sie nicht so auffielen. Andererseits zuckte er darüber auch nur kurz mit den Schultern, denn etwas anderes war ihm auch klar geworden. Uniformen waren auch eine Art Verkleidung, denn als sie durch die Straßen marschierten war es wie immer. Die meisten Leute sahen als erstes IHN. Er überragte nur mal selbst den zyranischen hoch gewachsenen Durchschnittsbürger gut um einen Kopf. Dass da zwei Wachen bei ihm waren, passte gut ins Bild und man würde sich vielleicht nicht mal ihrer Gesichter erinnern und Elandra fiel komplett durchs Suchraster in seiner Nähe. Solange sie nicht ihre Kapuze absetze war sie nur eine von vielen Passanten. Hier und da musste er immer mal wieder in den engen Gassen abwarten, bis der Weg frei war oder sich unter einem Vordach hindurch ducken. Dann erreichten sie aber den Sternenweg und „die alte Post“.
Das es für diesen Dienst ein ganzes Haus gab, war schon erstaunlich. Asahi kannte durchaus das Konzept von Briefen die man schrieb, Boten übergab, die sie dann von A nach B brachten, aber ein Haus dafür war ihm in seiner Funktion dafür fremd. Seine Allgemeinbildung mochte gut sein, aber doch eher theoretisch erworben, trotzdem bestaunte er ebenfalls das Gebäude. Fast alle Gebäude in dieser Stadt waren besonders und es würde noch eine Weile dauern, bis er wirklich gelassen und entspannt durch die Straßen laufen könnte. Das Erasmus als erster in die Post eintreten wollte, verstörte ihn eher.
Er misstraut der Elfe von Kopf bis Fuß, aber denkt nicht an womögliche Fallen die sie in ihrem Zuhause angebracht haben könnte? Wäre es da nicht besser SIE vorgehen zu lassen?
Er zuckte wieder nur mit den Schultern und akzeptierte still die Vorgänge und Gegebenheiten um ihn herum. Beim Eintreten bückte er sich tief unter den Türrahmen durch und sah sich um. Sein Augenmerk lag vor allem erst einmal auf der Decke und ggf. auf tiefer hängenden Balken an denen er sich mit seinen 2,22m den Kopf stoßen könnte. Dann ließ er ebenfalls den Blick wandern. Das zweckentfremdete Mobiliar war nützlich zusammen gestellt worden und die Einrichtung sogar recht gemütlich. Asahi war deutlich weniger gewohnt, weshalb er alles als Luxus empfand. Sein Interesse lag da eher auf anderen Dingen.
Ach du meine Güte.......
Tief erschüttert starrte er auf die winzige Kochstelle. Nein, er würde nicht schon wieder weinen, aber er war wirklich kurz davor. Entsetzten stand in seinen Augen.
Wie soll man sich denn hier anständig ernähren? Punkt eins.
Er sah Elandra kurz zweifelnd an und fragte sich:
Ist sie deshalb so dünn?
Sie beendeten erst einmal die kurze Führung durchs Haus und Isidora meinte:
“Wahnsinn… wie schön das hier ist!”
, rief sie und ließ sich in die gemütliche Sitzecke fallen.
“Ja, schön.”
, murrte Erasmus. Asahi stand einfach nur still da und machte sich im Kopf eine Karte des Gebäudes.
“Oben befinden sich 2 Schlafräume und ein Bad.”
, sagte Elandra und deutete auf einen Treppenaufgang zwischen Sitzgruppe und Küche.
Das Bad ist oben?
Das machte ihn schon ein wenig neugierig.
Wie bekommen die das Wasser dort hin? Das muss ja dann irgendwie aufwärts fließen. Vielleicht diese berühmte Goblintechnik oder.. Magie?
“In Ordnung, aber wo sollen wir hier üben? Man kann ja überall reinschauen.”
, bemerkte Isidora und Elandra nickte.
“Es gibt einen Lagerkeller unterhalb. Die Tür dort führt dorthin.“
Asahi folgte ihrem Blick.
„Er müsste noch aufgeräumt werden, damit Platz ist - da ist viel altes Zeug aus den Zeiten der Post, aber es müsste gehen."
Punkt zwei.
"Bedient euch in der Küche. Viel ist nicht da.”
, meinte sie schulterzuckend und das konnte der Koch leider nur bestätigen. Selbst in sein Reiseproviant war nährreicher als das hier. Es gab lediglich Salz als Gewürz und das meiste Geschirr war eingestaubt. Asahi zog seinen Rucksack vom Rücken und ließ ihn an Ort und Stelle fallen.
„Ich mach hier erst mal sauber.“
Beim Rundgang war er aufmerksam gewesen, einen Überblick verschafft und hatte sich kleine Dinge, die für ihn als Diener wichtig waren sofort gemerkt, wie wo ein Eimer stand oder was man als Lappen benutzen könnte. Die Wasserquelle hier im Haus war auch sehr wichtig und ob die Feuerstelle gereinigt werden musste. Das Geschirr musste gespült werden, die Schlafräume inspiziert und Nischen erkundet wo er später die überschüssigen Dinge aus dem Keller lagern konnte, damit sie dort unten üben konnten. Innerlich hatte er sich einen Plan bereit gelegt, als ihm unangenehm auffiel, dass die Lebensmittel niemals für sie vier reichen würden. Er kannte sich in der Stadt nicht aus und würde ewig herum irren, also fragte er:
„Könnte jemand ein paar Dinge einkaufen gehen? Etwas frisches Gemüse wäre gut, Fisch oder Hühnchen und Reis, wenn möglich. Ich kann eine Liste machen. Was meint ihr, für wie viele Tage soll ich planen? Erst einmal für zwei?“
Die wichtigsten Gewürze die er normaler weise brauchte, hatte er in kleinen Mengen dabei. Ohne die ging er nicht aus dem Haus. Es gehörte zu seinem Berufsethos wie das Mitführen seiner Küchenmesser. Und irgendwo gab es hier Zimt den er gerochen hatte. Ein seltenes Gewürz, dass hervorragend zu Süßspeisen passte.
In Milch gekochter Reis mit Zimt... oder ein Pudding? Ein kleiner Kuchen mit Rosinen...
Seine Vorliebe für alles Süße brach durch und er musste einmal schlucken, als ihm der Speichel im Munde zusammen lief. Das Gewürz passte auch gut zu Geflügel, wenn man es in Öl und Sesam mit etwas Kurkuma kurz anröstete. Dann wären die Speisen zudem auch noch entzündungshemmend. Zu gerne hätte er den Einkauf selbst übernommen, aber er erregte einfach zu viel Aufmerksamkeit. Es war besser wenn er das anderen überließ. Also legte er seinen Reisemantel ab und darunter kam die schlichte eng anliegende Kleidung des Ordens zum Vorschein. Sie betonte auch seine Muskelberge sehr schön. Die Handschuhe ließ er vorerst an, zumindest bis er mit Wasser arbeiten würde und fing an Ordnung zu schaffen. Gleich an zweiter Stelle, nach der „Küche“ stand der Keller auf seiner Liste. Dort konnte er seine körperliche Kraft als Vorteil nutzen und hoffentlich schnell einige der Dinge an eine Wand stapeln oder eben zum Teil nach oben bringen, wenn nötig. Auf jeden Fall wurde klar, Asahi war kein Mann vieler Worte, sonder er packte sofort an, hielt man ihn nicht davon ab. Ließen sie ihn machen, dann würde innerhalb weniger Stunden, alles sauber sein, der Keller vorbeireitet und ein gesundes und köstliches Mahl auf dem Tisch stehen. Erst dann wäre er mit sich und seiner Umwelt gänzlich zufrieden und im reinen. Genauso achtsam sorgte er sich um seine Mitstreiter und befragte sie auch ganz nebenbei nach Unverträglichkeiten und Vorlieben. Vielleicht ließ sich Erasmus überreden im Keller mit anzupacken, so konnte körperliche Arbeit vielleicht auch sein etwas hitziges Gemüt besänftigen. Genauso freute er sich, wenn ihm jemand beim Kochen zur Hand ging, auch wenn sich da sehr schnell heraus stellen würde, dass er keine Fehler duldete und ungewöhnlich hart klingen konnte. Ja regelrecht wie ein General. Vielleicht war dieser Ton, den er da offenbarte auch ein Weg ihn auch in anderen Dingen härter klingen zu lassen, wenn man ihn darauf aufmerksam machte. Eine falsch geschnittene Schalotte würde sich faserig im Mund anfühlen und da griff er gnadenlos durch. Seine tiefe Stimme grollte dann regelrecht und konnte so manch eine zarte Seele erschaudern lassen. In der Küche war Asahi erbarmungslos!
„Falsch! NEIN! Das kommt weg! Mach es neu!“
, waren scharfe Befehle und sein Gesicht entsprechend finster, obwohl er selbst sich dabei nur eher als sachlich und klar formulierend bezeichnen würde. Beim essen wäre er dafür dann um so scheuer und zurückhaltend, da er unbedingt in den Gesichtern lesen wollte, ob es ihnen schmeckte. Da stand er dann still, fast ein wenig bebend da und knibbelte nervös am Schnürband seines Hemdes. Wenn die anderen ihn machen ließen, würde bis zum Abend alles erledigt sein und ein rechtschaffend müder Riese würde hoffentlich erholsamen Schlaf finden.

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Re: Immer schön achtsam

Beitrag von Erzähler » Freitag 11. September 2026, 09:21

Sich zu verstecken, war etwas, das Asahi niemals in Betracht gezogen hatte. Im Orden war er bekannt und musste sich nicht verbergen. Und der Orden selbst verbarg ihn bereits vor der Welt. Die Umstände hatten den Hünen nun aber in die Zivilisation gebracht und auf einmal sah sich der Koch damit konfrontiert auffällig zu sein.
Dass sich die Stadtwache trotz ihres Vorhabens nicht verkleidete, war auch ein trauriges Merkmal: In der großen Stadt fiel einfach irgendwann nichts mehr auf. Die Menschen verlernen das wahre Sehen und alles wurde irgendwie gleichförmig und rauschte nur noch an einem vorbei. Auf dem Weg zum Versteck geschah nichts Spannendes. Asahi konnte sehen, wie man ihn musterte, weil er dann doch ein seltenes Bild bot, aber ansonsten regte sich kaum etwas in den gestressten Gesichtern Zyranus. Jeder hatte seine Päckchen zu tragen und niemand lud sich mehr als nötig auf.
So gelangte die Gruppe unbehelligt an das derzeitige Zuhause der blauhaarigen Elfe. Jene war weiterhin in ihrem Mantel verborgen und schaffte damit genug Ton-in-Ton, um ebenfalls uninteressant genug zu sein. Asahi erkannte, wie leicht man doch in einer Stadt wie Zyranus versinken konnte. Und wie schnell man womöglich auch einsam wurde.

Beim Betreten des Hauses fiel ihm als erstes die nicht existente Küche auf. Asahi konnte nicht anders, als erschüttert zu starren. Während sich alle anderen ein wenig umsahen, konnte er die Bestürzung über das, was er sah - bzw., was er nicht sah, nicht verbergen. Sein zweiter Blick glitt nun verstehend zu der Elfe, die sich ihres Mantels entledigte. Deshalb war sie nur ein Hungerhaken! Das musste der Grund sein. Und nicht etwa die Eigenart der Elfen, ohnehin schlank und hochgewachsen zu sein. Für Asahi stand fest, dass Elandra bemitleidenswert war. Tatsächlich erklärte die Elfe, wo hier welche Räumlichkeiten waren und versetzte Asahi erneut in Staunen. Wie bekamen die Zyraner ihr Wasser nach oben? Asahi besaß genug Fantasie, um sich vorzustellen, dass es mechanisch oder durch Magie passieren musste. Neugierde regte sich, denn offenbar musste man hier kein Wasser aus dem Brunnen holen. Auch die Kochstelle - so winzig sie war - besaß eine für Asahi vermutlich seltsame Apparatur. Ein gebogenes Rohr über einem Becken mit Löchern. Die Löcher führten unterhalb zu einer Sickergrube. Alles sehr spannend!
Elandra zeigte einen Hauch von Gastfreundschaft, wenn man es wohlwollend betrachtete. Im Endeffekt bot sie jedoch an, dass man den Hauch von Nichts zu sich nehmen konnte und Asahi wollte direkt protestieren. Immerhin war hier nichts an Nährstoffen vorhanden! Er konnte nicht glauben, wie sich jemand SO ernähren konnte… „Ich mach hier erst mal sauber.“ , erklärte er also und Isidora, die weiterhin im Sessel lümmelte und ihre Polizeikappe abgenommen hatte, räusperte sich “sooo schlimm ist es doch nicht”, lenkte sie ein, mit einem Seitenblick auf Elandra. Man könnte Asahi’s Kommentar auch herablassend auslegen, doch die Elfe schien sich damit nicht zu befassen. Sie schaute durch einen Spalt im Vorhang, was sich auf der Straße tat und schien gar nicht richtig zuzuhören.

Asahi aber widmete sich der ‘Küche’. Tatsächlich bot sie ein klägliches Bild. Es war hier und dort verstaubt, aber lediglich dort, wo Elandra scheinbar keinen Nutzen hatte. Das Bild ließ den Schluss zu, dass die Elfe meist allein aß und keine Gäste bewirtete. Lediglich ein Satz Besteck, ein Becher und ein Teller waren sauber. Alles andere war unbenutzt. „Könnte jemand ein paar Dinge einkaufen gehen? Etwas frisches Gemüse wäre gut, Fisch oder Hühnchen und Reis, wenn möglich. Ich kann eine Liste machen. Was meint ihr, für wie viele Tage soll ich planen? Erst einmal für zwei?“ Erasmus war nach oben gestiefelt und hatte sich dort umgesehen. Er kam just in dem Moment hinunter und sah Asahi fragend an, während Isidora sich seufzend aus dem Sessel stieß und die Kappe aufsetzte. “Ich mach’ das!”, bot sie an und kam zu Asahi hinunter. “Ihr könnt also kochen?”, fragte sie den Hünen mit einem interessierten Lächeln auf den Lippen. Erasmus zuckte nur die Schultern und verschwand geschäftig im Keller. Elandra beobachtete weiter die Straße. Isidora aber beobachtete Asahi einen Moment, ehe sie ihr Notizbuch herausholte und sich alles notierte. “Geht auf Staatskosten”, meinte sie grinsend und legte den Finger an die Lippen. “Bleibt aber unser Geheimnis, in Ordnung?”, wisperte sie verschwörerisch. “Soll ich noch etwas besorgen?”, fragte sie laut genug für alle und Elandra wandte sich um. “Belladonna, Schlafmohn”, gab Elandra in Auftrag. Isidora sah sie zweifelnd an, notierte sich das aber. Die Elfe schob den Vorhang wieder vor die Fenster und schob dann einen Sessel zur Seite. Sie klopfte auf ein Dielenbrett, ehe sie es anhob und darunter ein Loch hervorkam. Sie entnahm dem Versteck eine Kiste, wie Asahi sie bereits kannte und ließ das Brett wieder in den Boden sinken. Den Sessel verschob sie wieder an den Platz, ehe sie zur Küche kam und dort auf der kleinen Ablage die Kiste öffnete. Sie enthielt allerhand Pergamente, die alle mit einer feinsäuberlichen Handschrift beschrieben worden waren. Allerdings konnte man auf den ersten Blick nichts entziffern. Elandra schob die Pergamente zur Seite und förderte einige Säckchen mit Schriftzeichen hervor, die für die feine Nase des Koches verschieden dufteten. Hier lagerten auf alle Fälle Pflanzen drin. “Alraune habe ich auch nicht mehr viel. Schierling - wenn du schon dabei bist. Geh zu Zerberus in der Gauklergasse, der verkauft die beste Qualität. Und nimm vom Markt etwas Edelbitter mit, damit kannst du ihn im Preis drücken.”, erklärte sie stoisch, als hätte sie ebenso, wie Asahi, eine gewöhnliche Einkaufsliste. Isidora sah zweifelnd zu der Elfe. “Wenn ich da auftauche”, deutete sie auf ihre Uniform, “werden sie mir gar nichts verkaufen. Nicht in der Gauklergasse.” Elandra musterte Isidora etwas genervt, seufzte dann und verschwand im oberen Teil des Hauses. Es dauerte nicht lange, da kam sie mit einigen Kleidungsstücken auf dem Arm zurück und reichte sie wortlos der Polizistin. Diese blinzelte perplex, ehe sie sich ein wenig verlegen räusperte. “Oh… ja… wir hätten uns vielleicht umziehen sollen für unser Unterfangen…”, murmelte sie betreten und bestätigte schließlich auch Asahi’s Gedanken. Elandra verschränkte die Arme und nickte. “Hättet ihr wohl.” Isidora verschwand, um sich umzuziehen und kam zeitgleich mit Erasmus wieder in den Raum. Der Polizist musterte sie fragend, dann zuckte er die Schultern erneut. “Der Keller ist ein Saustall, aber das kriegen wir hin. Dort unten sind keine Fenster, also abhörsicher und geschützt.” Er sah von Asahi zu Elandra. “Also. Wenn Isidora euren Kram gekauft hat, beginnen wir.”, entschied er und trat schließlich an den Platz, den Elandra zuvor am Fenster eingenommen hatte. Isidora verabschiedete sich und lief los, die Besorgungen zu machen. Elandra setzte sich an die Küchenzeile und betrachtete Asahi einen Moment still. “Bemüh dich nicht. Ihr werdet nicht lange bleiben.”, versuchte sie ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, ohne zu ahnen, dass es für den großen Mann eine Lebenseinstellung war, vernünftig zu kochen.

Es dauerte eine Weile, bis Isidora von ihrem Einkauf zurückkehrte. In der Zeit hatte Asahi genügen Raum, um die Küche nach seinen Vorlieben herzurichten. Elandra erhob keine Einwände, wenn er etwas umstellte oder anders sortierte. Es schien ihr schlicht egal zu sein. Danach räumten sie alle drei den Keller soweit auf, dass man dort gut üben und im Geheimen planen konnte. Auch fiel hier auf, dass Elandra ein kleines Labor zu haben schien, was ihrer Vergangenheit bei Giftmischern nur unterstrich. Als sie gerade den letzten Karton bewegt und den letzten Besenstrich getan hatten, kehrte Isidora zurück und ächzte unter den ganzen Dingen, die sie einkaufte. Sie stellte alles auf der Küchenzeile ab und griff nach einem nun sauberen Glas, das sie an der gebogenen Apparatur mit Wasser füllte indem sie einen Hebel betätigte. Sie trank es in einem Zug leer. "Ich habe alles bekommen und noch ein paar Früchte eingekauft. Ich muss sagen, ich war ewig nicht auf dem Markt. Das hat so viel Spaß gemacht, die ganzen Gewürze, die Auslagen, die Probierstände..." Sie kicherte bei dem Gedanken daran und ihre fülligeren Wangen hatten eine gesunde, rosige Farbe. "Ich sollte das öfter machen", murmelte sie und summte leise, während sie die Speisen ausräumte. Isidora und Elandra boten sich schließlich an, dem Koch zur Hand zu gehen. Doch sobald Asahi zu streng wurde, legte Elandra das Messer zur Seite und ging wortlos aus der Küche. Sie ließ sich das nicht gefallen, während Isidora sehr bemüht war, alles richtig zu machen.
Durch den Willen der Stadtwächterin, Asahi's Wissen zu verinnerlichen, pendelten sich die beiden alsbald in der Küche ein und Asahi erhielt mit Isidora eine gelehrige Schülerin. Sie gestand ihm, dass sie selbst nicht wirklich Talent in der Küche besaß, ihr das ganze aber Spaß machte. Während sich also nach und nach aus den Zutaten ein Mahl entwickelte, blieben Erasmus und Elandra still und sprachen kein Wort miteinander. Immer wieder beobachtete die Elfe die Straße, doch vorerst schienen sie sicher zu sein.

Nach einigen routinierten Handgriffen und der Optimierung der Küche, gelang Asahi es schließlich eine wahre Gaumenfreude zu zaubern. Als das Essen fertig war, bekam jeder eine saubere Schüssel und konnte sich mit dem leckeren Gericht einen Platz zum Essen suchen. Eine große Tafel, an der jeder Platz fand, war aus den Teilen des alten Posttresens gefertigt worden. Als alle saßen und das Essen eröffnet wurde, kehrte Stille ein. Erasmus schnupperte zögerlich an dem Gemüse und dem Fleisch, ehe er mit spitzen Zähnen etwas probierte. Als das Essen seinen Gaumen aber berührte, konnte Asahi sehen, was er schon oft hatte sehen dürfen: Genuss. Erasmus angespannte Züge erweichten sich und der Mann setzte endlich seine Kappe ab, um hungrig sein Essen mit großem Geschmatze in sich hineinzuschaufeln. Ihm schmeckte es scheinbar sehr! Elandra roch ebenfalls an ihrem Essen, vermutlich aus Gewohnheit und ihrer Vergangenheit. Dann aber löffelte sie gleichmütig ohne große Regung den ersten Löffel und schien Nahrung eher als nötig denn als Lebensfreude anzusehen. Allerdings konnte Asahi auch hier etwas beobachten: Nachdem sie den zweiten Löffel geleert hatte, stutzte die Elfe kaum sichtbar. Sie betrachtete das Essen einen Moment, ehe auch sie weicher in ihrer Art wurde und sich deutlich enthusiastischer über das Essen hermachte. Wenngleich nicht so lautstark, wie Erasmus. Noch bevor Asahi den Blick von Elandra zu Isidora wenden konnte, hörte er Erasmus, der gerade seine Schüssel ausgeschlürft hatte: "Ist noch was da?". Isidora kicherte. "Schmeckt fantastisch oder? Wo habt ihr so kochen gelernt, Asahi? Ich hätte niemals diese Gewürze und Komponenten vermischt. Es ist... es ist... eine Symphonie!", stieß sie aus und zeigte einmal mehr ihr sonniges Gemüt. Elandra beobachtete Isidora doch war die Elfe eine ganz andere Natur. Dennoch hob sie den blauen Blick zu Asahi und nickte. "Schmeckt gut.", stimmte sie ein, was bei ihr vermutlich schon Euphorie war.
Schließlich, als alle satt und zufrieden sein konnten, war es dieses Mal Elandra, die beim Spülen half. Die Elfe tat das alles mit wenig Emotion und regelrechtem Gleichmut. Sie wirkte wie jemand, der selten Spaß hatte oder etwas gern tat. Ganz anders als Isidora, die ein paar Karten aus ihrer Gürteltasche geholt hatte und Erasmus gerade zum zweiten Mal verlieren ließ. Dieser war seit dem Essen deutlich besser gelaunt und zugänglicher. Asahi durfte stolz auf sich sein. Allerdings war das auch ein äußerst anstrengender Tag gewesen und nicht lange nach dem Essen, übermannte auch ihn eine gewisse Müdigkeit. Elandra bot den 'Gästen' die beiden Zimmer an und blieb selbst in der Wohnstube zurück. Asahi, Isidora und Erasmus konnten sich im Obergeschoss also auf funktionale Betten legen, in kleineren Räumen, die jedoch praktisch genug für das waren, was sie tun sollten: Einen Ort zum Ruhen bieten.
Die beiden Stadtwachen teilten sich das größere Zimmer. Das musste Elandra's Schlafbereich sein, denn es gab auch eine Sitzgarnitur, auf der Erasmus schlief und einige Regale und Schränke. Viel war nicht darin, was Erasmus dennoch alles durchsuchte. Er hatte nicht vergessen, wem sie hier die Obdach zu verdanken hatten.
In Asahi's Zimmer befanden sich ebenfalls Regal, Tisch und Bett, allerdings befand sich hier nicht viel. Es wirkte unbewohnt. Auch lag eine feine Staubschicht auf Regalboden oder Tisch. Das Bettzeug war allerdings ganz annehmbar. Als Asahi sich in das etwas kleinere Bett legen wollte, stieß er aufgrund seiner Körpergröße den kleinen Nachttisch an, der daraufhin umfiel. Als er ihn wieder aufstellen wollte, blitzte ein kleines Schmuckstück am Boden zwischen Bettpfosten und Wand auf. Es war ein Medaillon, das ein kleines Mädchen in den Armen eines Mannes zeigte. Das Mädchen besaß ebenfalls blaue Haare und verriet, wer sie sein könnte. Schließlich aber brach die Nacht über die magische Stadt und alle fanden irgendwann auf die eine oder andere Weise Schlaf.

Am nächsten Morgen war Asahi nicht der erste, der aufstand. Elandra war bereits wach und hockte auf einem der Stühle. Sie betrachtete ihr Kästchen und schien sich mit dem Inhalt zu beschäftigen. Die Polizisten schienen noch zu schlafen. Auch Zyranus war ruhiger als am Abend, die Sonne noch nicht aufgegangen. Elandra nickte Asahi zu. "Morgen. Du solltest dich stärken. Heute werde ich aus dir ein Mitglied der Venenum machen. Und es wird ungemütlich. Du wirst dich ranhalten müssen und wenn ich am Abend das Gefühl habe, das wird nichts, wars das mit unserer Vereinbarung und ich bin raus.", meinte sie klar, wenn auch nicht unfreundlich.
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