(Erzählerpost zu: "Wo alles beginnt..." )
Hauptquartier der heiligen Inquisition - Haupthalle
„Eminenz ist zu gütig mich zu empfangen!“
Eine in einem Handschuh aus rotem Leder befindliche Hand wurde an die verborgenen Lippen unter der grauen Kapuze geführt. Der Ring, den die Lippen ehrfurchtsvoll berührten, trug das Zeichen der Inquisition.
„Ihr dürft euch erheben, Templer.“
Die Kutte des Mannes hob sich und ein leises Klingen verriet das Amulett, das an seinem Gürtel gegen seine Rüstung schlug. Das Sonnensymbol von Lysantor schaukelte kurz und glänzte kupfern. Das Abzeichen der Inquisition, das offene Auge des Gottes, sowie die Reiter der Templer waren im Rund gebunden und die Strahlen der Sonne waren schon ein wenig abgerundet, was auf langes Tragen hin wies. An einer Kette um den Hals prangerte ein weiteres Symbol, der goldene Löwenkopf der Templer. Gregorius Faust sah milde von seiner erhöhten Sitzposition auf den Mann hinunter, der sein Knie vor ihm gebeugt hatte und sich jetzt erhob. Der lange Mantel war leicht geöffnet und gab so die Ehrenzeichen preis, genauso wie die hochwertige Rüstung die jeder Templer sein eigen nannte.
„Was habt ihr zu berichten?“
„Ich habe wie befohlen die Spur soweit es ging zurück verfolgt und bin auf einen Bericht eines Hauptmanns aus Jersa gestoßen. Ein Trupp ausgesandter Soldaten ist nicht zum erwarteten Zeitpunkt zurück gekehrt. Ein Wagen mit den Leichen der Gruppe kam herrenlos nach Jersa, woraufhin ein Suchtrupp ausgesandt wurde. Der Schauplatz der Abscheulichkeit, den ich daraufhin besuchte, befand sich mitten in einem Waldstück. Es gab keine Überlebende. Kleidung und Äußeres gaben keine erkennbaren Hinweise mehr auf Herkunft, oder Abstammung. Die Verwundungen der Opfer zeigten die Merkmale des Feindes. Alles Leichen, einschließlich die der gefallenen Soldaten aus Jersa, sind exkommuniziert und verbannt worden, wie befohlen. Die Anathema wurde feierlich gesprochen, damit die Dunkelheit an diesen Ort nicht zurückkehren kann. Ihre Angehörigen erhielten den üblichen Brief und der Hauptmann ist instruiert zu schweigen. Doch wie es aussieht hat sich dennoch jemand vom Ort des Verbrechens gegen Lysantor entfernt. Einer der Soldaten wird vermisst.“
Der Inquisitor runzelte die Stirn, denn ihm gefiel nicht, was er da vernehmen musste.
„Ich konnte die Spur bis in eine Taverne hier in der Stadt verfolgen. Der Feind hat die Mauern Jorsas betreten und besudelt nun die Herzen der guten Menschen hier. Die Befragung eines Zeugen, ergab keinen Hinweis, da er sich an nichts erinnern konnte. Seine Worte waren frei von Lüge, aber der Auswurf der Finsternis wurde gefunden. Der junge Mann ist der Sohn des hiesigen Hauptmanns und dieser arbeitet eng mit uns zusammen. Sein Name ist Mark und er ist bisher das erste Opfer, soweit ich es herausfinden konnte. Leider hat sich die Spur auf dem Marktplatz verloren. Es ist auch kein Auswurf gefunden, oder sonstige Absonderlichkeit berichtet worden, neben dem üblichen kleinen Problemen mit Dieben und kleineren Streitereien.“
„Kleine Streitereien, können durchaus die Signatur des Feindes tragen. Ihr solltet das wissen!“
Der Templer schlug peinlich berührt die Augen nieder und sein Rücken versteifte sich unter der jähen Zurechtweisung. Die Stimme war scharf und duldete keine Fehler. Der Feind würde ebenfalls keine begehen!
„Kehrt auf die Straße zurück! Haltet Ohren und Augen offen. Ich bin mir sicher, dass er bereits wieder gespeist hat und gewachsen ist. Wenn er genügend Macht angesammelt hat werden wir einer Spur aus Leichen folgen, anstatt kleinen Hinweisen! Wir können uns jetzt keine Hysterie in Jorsa erlauben! Klärt das, bevor es entartet! Die Leute sind schon durch die grandessarischen Unruhen aufgebracht. Wenn wir Pech haben, gibt es schlimmstenfalls eine Verbindung zum Nachbarkönigreich und diesen Dämonenjägern, die sie dort angeblich anwerben. Ihr habt alle Befugnisse die ihr benötigt! Ich will Erfolge sehen! Ihr dürft euch entfernen!“
Der Templer machte eine tiefe Verbeugung und zog sich rückwärts zurück.
Die heilige Inquisition - Hauptquartier
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Re: Die heilige Inquisition - Hauptquartier
Zwischensequenz
(Inquisition - Kellergewölbe)
Ein Finger wurde gebieterisch zum Schweigen an die spröden Lippen geführt. Es herrschte Grabesstille in den Katakomben der heiligen Inquisition unter Jorsa. Der Schüler, schon ein Mann in seinen besten Jahren, sah seinem Meister zu. Dieser hielt einen gläsernen Kolben schräg vor seine von Falten umrahmten Augen. Die Flüssigkeit darin schwappte leicht hin und her, obwohl die Hand des Mannes vollkommen still hielt. Über Stunden hatten sie die Überreste aus dem Kupferkessel gesammelt, gefiltert, aufbereitet und extrahiert, bis nur noch diese winzige Probe übrig geblieben war. Es war kaum mehr als ein Tropfen der unwillig in seinem gläsernen Gefängnis die Wände hinauf glitt doch näherte er sich zu sehr der Öffnung, so hielt der alte Mann seiner Hand darüber und murmelte unverständliche Worte. Seine Hand glühte kurz auf und setzte einen Pfropfen aus Licht, gleich einem Funken in die Öffnung und der Tropfen zog sich tief in den untersten Winkel zurück. Ein Korken wurde darüber gesetzt und mit Wachs versiegelt. Vorsichtig betrachtete der Meister sein Werk und wog es vorsichtig in seinen Händen. Er drehte es langsam auf den Kopf, mal hier mal da lang, aber Licht und Dunkelheit blieben an ihren zugewiesenen Stellen im Reagenzglas fest verankert. Dann schaute er zu seinem Schüler und sprach:
„Es ist vollbracht. Gib Inquisitor Faust Bescheid.“
Der Schüler verließ sofort den dunklen Raum und sah noch kurz über seine Schulter zurück zum Meister. Dieser beugte sich lächelnd über eine Schale Wasser in die er das Reagenz langsam hinein gleiten ließ. Sein Lächeln wurde breiter als sich der Kolben zu drehen begann und dann in einer Richtung stehen blieb.
(Inquisition - Kellergewölbe)
Ein Finger wurde gebieterisch zum Schweigen an die spröden Lippen geführt. Es herrschte Grabesstille in den Katakomben der heiligen Inquisition unter Jorsa. Der Schüler, schon ein Mann in seinen besten Jahren, sah seinem Meister zu. Dieser hielt einen gläsernen Kolben schräg vor seine von Falten umrahmten Augen. Die Flüssigkeit darin schwappte leicht hin und her, obwohl die Hand des Mannes vollkommen still hielt. Über Stunden hatten sie die Überreste aus dem Kupferkessel gesammelt, gefiltert, aufbereitet und extrahiert, bis nur noch diese winzige Probe übrig geblieben war. Es war kaum mehr als ein Tropfen der unwillig in seinem gläsernen Gefängnis die Wände hinauf glitt doch näherte er sich zu sehr der Öffnung, so hielt der alte Mann seiner Hand darüber und murmelte unverständliche Worte. Seine Hand glühte kurz auf und setzte einen Pfropfen aus Licht, gleich einem Funken in die Öffnung und der Tropfen zog sich tief in den untersten Winkel zurück. Ein Korken wurde darüber gesetzt und mit Wachs versiegelt. Vorsichtig betrachtete der Meister sein Werk und wog es vorsichtig in seinen Händen. Er drehte es langsam auf den Kopf, mal hier mal da lang, aber Licht und Dunkelheit blieben an ihren zugewiesenen Stellen im Reagenzglas fest verankert. Dann schaute er zu seinem Schüler und sprach:
„Es ist vollbracht. Gib Inquisitor Faust Bescheid.“
Der Schüler verließ sofort den dunklen Raum und sah noch kurz über seine Schulter zurück zum Meister. Dieser beugte sich lächelnd über eine Schale Wasser in die er das Reagenz langsam hinein gleiten ließ. Sein Lächeln wurde breiter als sich der Kolben zu drehen begann und dann in einer Richtung stehen blieb.

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Re: Die heilige Inquisition - Hauptquartier
(Theia kommt von: Aufbruch nach Norden)
Das Geräusch der beschlagenden Hufe der Pferde hallte über das steinige Pflaster und warf sein Echo von den massiven Wänden des Innenhofes zurück. Eilige Schritte kamen herbei und es wurden ihnen die Zügel abgenommen. Nioma tänzelte ein wenig, denn sie spürte die Unruhe ihrer Reiterin, aber gehorchte brav.
Was war anders?
Wieso war dieses 'nach Hause kommen' so viel anders als alle davor?
Theia fröstelte es. Auch wenn sie ihre Gewandung gegen einen trockenen Satz getauscht hatte, so schienen die Tränen der Nacht, der Regen und die Kälte sich in ihren Knochen gehalten zu haben. Der Blick über den Hof verriet nur alt bekanntes und doch fühlte es sich unwirklich an, als müsste sie das alles träumen. Vielleicht würde sie auch morgen erwachen und die vergangenen Stunden und der letzte Tag wäre alles nur eine trügerische Einbildung gewesen? - Wunschträume einer Novizin.
Ihr Blick wanderte über die Gebäude in denen sie aufgewachsen und erzogen worden war, seit dem Vikram sie aus dem Kloster geholt hatte. Sie kannte jeden Winkel, jeden Flur und jede Nische. Sie kannte die Namen und Gesichter, die hier ein und ausgingen. Selbst den Großinquisitor Gregorius Faust hatte sie aus der Ferne schon ein paar Mal beobachten dürfen. Sie selbst war nie in seine Nähe gelangt, aber Bruder Calvin pflegte guten Kontakt zu ihm. Wo er der linke Arm der heiligen Inquisition in Jorsa war, da war ihr Mentor Vikram Talfaeren die Schwerhand und die richtende Axt. Und eben jene trat nun aus dem Portal, zwischen den hohen Flügeltüren hervor und schenkte ihr ein Lächeln.
Sein Mantel schwang leicht im Wind und bewegte das weiße Fell seines Pelzkragens. Hauptmann Talfaern war ein ansehnlicher und charismatischer Mann, aber vor allem war er Theia wie ein Vater. Seine blauen Augen wurden von ersten kleinen Falten umspielt, aber sein goldenes Haar zeigte noch keine Spuren des Alterns. Sein Anblick schenkte ihrem aufgewühlten Herzen sofort eine kleine Welle der Ruhe und Erleichterung. Sie war Zuhause. Dann ließ er seinen Blick von ihr abgleiten und zu Bruder Calven wandern, der gerade von seinem Pferd abstieg und dabei leise stöhnte. Er schob seine Kapuze von seinem kahl rasierten Schädel und streckte den Rücken durch. Dieser Mann war nicht für lange Ritte gemacht. Vikram überblickte die Szenerie und blieb an dem Kastenwagen hängen. Seine Brauen hoben sich. Calven trat vor und wedelte mit dem Arm:
„Bringt den Ketzer zur Späteren Befragung in den Kerker. Teilt Wachen ein und dann seid ihr entlassen.“
Vikrams Gesichtsausdruck gab kaum etwas preis, aber Theia kannte ihren Ziehvater gut. Er mochte es nicht, wenn Bruder Calven sich heraus nahm seine Männer zu befehligen, aber in diesem Fall hatte er ihm eben die vier Männer schließlich überlassen und es war nur rechtens, dass sie ihren Auftrag nun auch richtig zu ende brachten. Ritter Pablo, der ruhige Templer mit dem kleinen Spitzbart, öffnete den Karren und zog den Dunkelelfen heraus. Er musste ihn stützen, denn in der Enge waren dem Mann die Beine eingeschlafen und einige neue wund gescheuerte Stellen von der Reise fielen Theia ins Auge. Ansonsten schien es Rhaev soweit gut zu gehen. Die Verbände hatten gehalten, so wie seine Wunden. Vikram trat ein paar Schritte die Stufen hinunter und empfing Bruder Calven:
„Willkommen zurück, Bruder. Es hat länger gedauert als erwartet, wie ich meine. Gab es Schwierigkeiten?“
„Ich berichte euch gern gernauer, nur lasst mich erst etwas frisch machen und etwas essen. Die Reise war lang und entbehrungsreich für uns Diener des lichten Gottes und die Nacht war lang, nass und uns nicht wohl gesonnen.“
„Nun denn.“
Vikram trat beiseite und folgte Bruder Calven mit dem Blick, als dieser die Stufen erklomm und im Innern verschwand. Eine steile Denkfalte hatte sich auf seiner Stirn gebildet. Dann wandte er sich zu Theia. Der Hof war inzwischen fast leer und die Pferde wurden in die Stallungen geführt.
„Willkommen, mein liebes Kind.“
Sein Lächeln war warm, wenngleich sein Blick fragend.
„Komm rein. Wie ist es dir ergangen? Du siehst durchgefroren aus.“
An seiner Seite traten sie in die tiefen Schatten des Anwesens am Rande der Stadt, wo Theia mit vielen anderen studierte, lernte und lebte. Hier wurden neue Templer ausgebildet, Novizen geformt und Seelen geprüft.
„Magistra Vasileos hat nach dir gefragt. Sie ist noch unpässlich, aber du sollst sie besuchen, sobald es dir möglich ist. Sie erwartet wohl einen Bericht, wie du dich geschlagen hast.“
Damit sprach er an, dass Theia als Vertretung mitgeschickt worden war. Nun war sie aber erst einmal mit ihrem Ziehvater allein und dieser führte sie zu seinen Gemächern, wo sie sich oft privat unterhielten, wenn es die Zeit zu ließ. Auch Theia hatte in diesem Trakt des Anwesens ihr Zimmer, was im stillen so manch ein anderer Novize ihr vielleicht neidete. Sie war nun mal das Mündel des Hauptmanns und hatte damit eine gewisse Sonderstellung, auch wenn sie es gewiss nicht zur Schau stellte. Ihr Vater öffnete die Tür zu eben jenem Raum, vor dem sie Tags zuvor ihn und Bruder Calven zufällige belauscht hatte. Der Raum empfing sie mit seiner Wärme, dem Duft nach Kaminholz und flackernden Licht der Flammen, dem vertrauten Anblick des Holzfußbodens, dicker Vertäfelungen an den Wänden, dem massiven Schreibtisch und den etwas chaotisch anmutenden Schriftstücken darauf. Vikram hatte einmal mehr vergessen seine Schreibfeder zu säubern und das Tintenfass offen gelassen, so dass es eintrocknen könnte.
An der gegenüberliegenden Seite des Raums standen Regale mit Büchern und zwei Sessel. In einem nahm er Platz und schien sein Mündel zu beobachten. Kannte er sie so gut, dass er ahnte, dass ihr etwas auf der Seele brannte? Und was würde sie ihm berichten?
Das Geräusch der beschlagenden Hufe der Pferde hallte über das steinige Pflaster und warf sein Echo von den massiven Wänden des Innenhofes zurück. Eilige Schritte kamen herbei und es wurden ihnen die Zügel abgenommen. Nioma tänzelte ein wenig, denn sie spürte die Unruhe ihrer Reiterin, aber gehorchte brav.
Was war anders?
Wieso war dieses 'nach Hause kommen' so viel anders als alle davor?
Theia fröstelte es. Auch wenn sie ihre Gewandung gegen einen trockenen Satz getauscht hatte, so schienen die Tränen der Nacht, der Regen und die Kälte sich in ihren Knochen gehalten zu haben. Der Blick über den Hof verriet nur alt bekanntes und doch fühlte es sich unwirklich an, als müsste sie das alles träumen. Vielleicht würde sie auch morgen erwachen und die vergangenen Stunden und der letzte Tag wäre alles nur eine trügerische Einbildung gewesen? - Wunschträume einer Novizin.
Ihr Blick wanderte über die Gebäude in denen sie aufgewachsen und erzogen worden war, seit dem Vikram sie aus dem Kloster geholt hatte. Sie kannte jeden Winkel, jeden Flur und jede Nische. Sie kannte die Namen und Gesichter, die hier ein und ausgingen. Selbst den Großinquisitor Gregorius Faust hatte sie aus der Ferne schon ein paar Mal beobachten dürfen. Sie selbst war nie in seine Nähe gelangt, aber Bruder Calvin pflegte guten Kontakt zu ihm. Wo er der linke Arm der heiligen Inquisition in Jorsa war, da war ihr Mentor Vikram Talfaeren die Schwerhand und die richtende Axt. Und eben jene trat nun aus dem Portal, zwischen den hohen Flügeltüren hervor und schenkte ihr ein Lächeln.
Sein Mantel schwang leicht im Wind und bewegte das weiße Fell seines Pelzkragens. Hauptmann Talfaern war ein ansehnlicher und charismatischer Mann, aber vor allem war er Theia wie ein Vater. Seine blauen Augen wurden von ersten kleinen Falten umspielt, aber sein goldenes Haar zeigte noch keine Spuren des Alterns. Sein Anblick schenkte ihrem aufgewühlten Herzen sofort eine kleine Welle der Ruhe und Erleichterung. Sie war Zuhause. Dann ließ er seinen Blick von ihr abgleiten und zu Bruder Calven wandern, der gerade von seinem Pferd abstieg und dabei leise stöhnte. Er schob seine Kapuze von seinem kahl rasierten Schädel und streckte den Rücken durch. Dieser Mann war nicht für lange Ritte gemacht. Vikram überblickte die Szenerie und blieb an dem Kastenwagen hängen. Seine Brauen hoben sich. Calven trat vor und wedelte mit dem Arm:
„Bringt den Ketzer zur Späteren Befragung in den Kerker. Teilt Wachen ein und dann seid ihr entlassen.“
Vikrams Gesichtsausdruck gab kaum etwas preis, aber Theia kannte ihren Ziehvater gut. Er mochte es nicht, wenn Bruder Calven sich heraus nahm seine Männer zu befehligen, aber in diesem Fall hatte er ihm eben die vier Männer schließlich überlassen und es war nur rechtens, dass sie ihren Auftrag nun auch richtig zu ende brachten. Ritter Pablo, der ruhige Templer mit dem kleinen Spitzbart, öffnete den Karren und zog den Dunkelelfen heraus. Er musste ihn stützen, denn in der Enge waren dem Mann die Beine eingeschlafen und einige neue wund gescheuerte Stellen von der Reise fielen Theia ins Auge. Ansonsten schien es Rhaev soweit gut zu gehen. Die Verbände hatten gehalten, so wie seine Wunden. Vikram trat ein paar Schritte die Stufen hinunter und empfing Bruder Calven:
„Willkommen zurück, Bruder. Es hat länger gedauert als erwartet, wie ich meine. Gab es Schwierigkeiten?“
„Ich berichte euch gern gernauer, nur lasst mich erst etwas frisch machen und etwas essen. Die Reise war lang und entbehrungsreich für uns Diener des lichten Gottes und die Nacht war lang, nass und uns nicht wohl gesonnen.“
„Nun denn.“
Vikram trat beiseite und folgte Bruder Calven mit dem Blick, als dieser die Stufen erklomm und im Innern verschwand. Eine steile Denkfalte hatte sich auf seiner Stirn gebildet. Dann wandte er sich zu Theia. Der Hof war inzwischen fast leer und die Pferde wurden in die Stallungen geführt.
„Willkommen, mein liebes Kind.“
Sein Lächeln war warm, wenngleich sein Blick fragend.
„Komm rein. Wie ist es dir ergangen? Du siehst durchgefroren aus.“
An seiner Seite traten sie in die tiefen Schatten des Anwesens am Rande der Stadt, wo Theia mit vielen anderen studierte, lernte und lebte. Hier wurden neue Templer ausgebildet, Novizen geformt und Seelen geprüft.
„Magistra Vasileos hat nach dir gefragt. Sie ist noch unpässlich, aber du sollst sie besuchen, sobald es dir möglich ist. Sie erwartet wohl einen Bericht, wie du dich geschlagen hast.“
Damit sprach er an, dass Theia als Vertretung mitgeschickt worden war. Nun war sie aber erst einmal mit ihrem Ziehvater allein und dieser führte sie zu seinen Gemächern, wo sie sich oft privat unterhielten, wenn es die Zeit zu ließ. Auch Theia hatte in diesem Trakt des Anwesens ihr Zimmer, was im stillen so manch ein anderer Novize ihr vielleicht neidete. Sie war nun mal das Mündel des Hauptmanns und hatte damit eine gewisse Sonderstellung, auch wenn sie es gewiss nicht zur Schau stellte. Ihr Vater öffnete die Tür zu eben jenem Raum, vor dem sie Tags zuvor ihn und Bruder Calven zufällige belauscht hatte. Der Raum empfing sie mit seiner Wärme, dem Duft nach Kaminholz und flackernden Licht der Flammen, dem vertrauten Anblick des Holzfußbodens, dicker Vertäfelungen an den Wänden, dem massiven Schreibtisch und den etwas chaotisch anmutenden Schriftstücken darauf. Vikram hatte einmal mehr vergessen seine Schreibfeder zu säubern und das Tintenfass offen gelassen, so dass es eintrocknen könnte.
An der gegenüberliegenden Seite des Raums standen Regale mit Büchern und zwei Sessel. In einem nahm er Platz und schien sein Mündel zu beobachten. Kannte er sie so gut, dass er ahnte, dass ihr etwas auf der Seele brannte? Und was würde sie ihm berichten?


