Deutlich zu spät

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Synnover
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Re: Deutlich zu spät

Beitrag von Synnover » Donnerstag 11. Dezember 2025, 11:48

Synnover war im Grunde fast die ganze Zeit ehrlich zu ihr gewesen, seit er und Lariana sich kannten. Und selbst seine letzten Worte, reserviert und nahezu kalt, beinhalteten eine Spur Wahrheit. Er hatte nur mit ihr gespielt. Das stimmte! Zumindest ging es ihm am Anfang so, als er frisch in Hymlia eingetroffen war. Er hatte nicht nicht aufrichtiger Freundlichkeit gerechnet und seinen Vorteil daraus gezogen, dass Larianas Vater und sie ihn so herzlich in ihrem Heim empfangen hatten. Dort kam er unter, bis er sich an alles hätte gewöhnen können. Deshalb war er mit Lariana übermäßig herzlich umgegangen, hatte mit ihr geflirtet und sie schließlich binnen kürzester Zeit verführt. Nichts davon war echt gewesen. Auch nicht der Kuss, den er ihr vor versammelter Klasse in Professor Filius' Unterrichtsstunde geschenkt hatte. All das war nur eine Vorstellung gewesen. Da hatte er noch Masken getragen! Auch, als er mit ihr in derselben Nacht geschlafen hatte. Erst der Morgen danach besaß eine seltsame Aufrichtigkeit, die begann ihn zu verändern. Erst dann schlichen sich echte Situationen in sein neues Leben, auch wenn Synnover sie nie hatte wahr haben wollen. Seine Beziehung zu Lariana, gegründet auf Falschheit wie alles andere in seinem Leben, besaß plötzlich winzige Splitter an Ehrlichkeit. So sehr, dass es ihn schmerzte, tiefer zu gehen, nachdem er hatte fürchten müssen, Zarrah und seine Freunde für immer verloren zu haben. So sehr, dass er sich vor dem Schmerz fürchtete, Lariana jemals zu verlieren. Und nun forcierte er es!
Er musste es tun, auch um sie zu schützen. Er wollte sie vor sich selbst schützen. Bereits jetzt zeigten sich erste Konsequenzen, dass er zugelassen hatte, sein Herz für sie zu öffnen. Sie war so kalt, ihre Hände rau, ihre Augen ständig glitzernd von den Tränen, die sie aktuell zurückzuhalten versuchte. Er beschmutzte sie, riss sie aus ihrem Wolkenreich und hinunter dorthin, wo sie bereits gewesen war. Sie würde enden ... wie er. Synnover wurde speiübel. Selbst wenn Lariana behauptete, ihn nicht zu fürchten, so sprach sie doch voll Abscheu und Abneigung von Zarrah. Dabei waren sie gleich. Er mochte keinen Dämon in sich tragen, wohl aber gezeichnet sein von Morgerias Dunkelheit und das so massiv, dass er davon überzeugt war, niemals nach Hymlia passen zu können. So viele Anzeichen hatten es ihm bewiesen. Er wollte auch kein Himmelsreiter werden. Er wollte diese Stadt nicht bechützen, in der alle so wunderschön waren wie er selbst. Sogar das störte Synnover auf eine groteske Weise. Er war unter ihnen nur einer von vielen. Er stach nicht heraus wie er es in Morgeria getan hatte und wie es einen Großteil seiner Bedeutung überhaupt ausmachte. Er war ... normal in Hymlia und am Ende doch nicht. Denn am Ende lag ein Stigma auf ihm, das er niemals würde loswerden können. Etwas, das sich sogar wie eine Krankheit auf andere ausbreitete und ihnen die reine Unschuld nahm. Er durfte das nicht zulassen, denn dafür liebte er Lariana zu sehr, schätzte Layan oder auch S'idan zu sehr. Er würde sie vermissen, aber er durfte nicht zulassen, ihnen die Finsternis zu bringen.
All seine guten Absichten, seine Sorgen, seine Liebe verbarg Synnover nun hinter einer alten Maske. Eine, die ihm bis jetzt treu geblieben war und nur darauf gewartet hatte, dass er sie erneut aufsetzte. Seine Miene war neutral, etwas distanziert, was ihn fast arrogant zu Lariana schauen ließ. Er schuf Grenzen, nicht nur physisch. Er versteckte sich hinter dieser neutralen, reservierten Miene, beschoss sie mit aller Munition, die ihm hinter dieser Festung verblieb und hoffte, sie zu vertreiben anstatt zu zerstören.
Er kappte alle Bande zu ihr. Ihr Entsetzen zu sehen war die Strafe für all das. Er prägte sich diese Züge gut ein. Sie würden ihn für immer begleiten, sein Herz bluten lassen und ihn dennoch darin bestätigen, dass er hier das Richtige tat. Er war nicht dafür geschaffen, ein Teil ihrer Welt zu werden. Er musste verhindern, dass sie ein Teil seiner Welt wurde. Er würde bei Zarrah bleiben, denn sie beide trugen Dunkelheit. Sie beide waren Opfer. Sie beide liebten einander und würden es gemeinsam irgendwie durchstehen. Er sah keine andere Option und je länger Synnover darüber nachgegrübelt hatte, desto überzeugter war er, dass er genau das wollte. Er wollte Lariana nicht noch unglücklicher sehen, aber er wollte versuchen, Zarrahs Leben etwas glücklicher zu gestalten und dadurch selbst vielleicht ein wenig Glück in ihrer Nähe zu finden. So wie er es bisweilen erleben durfte.

Nur Lariana wollte nicht mitspielen. "Das ... du ... lügst."
"Ein Jahr lang schon, ja", hielt er ihr eiskalt entgegen, ohne dass sein Blick flackerte. Er kannte das Spiel. Man hatte ihn darauf trainiert. Er beherrschte es so gut wie seine Schritte auf dem Sand der Schwarzen Arena. Er tanzte auf beiden Böden geradezu perfekt und er würde diese Kür vollenden, ohne aus der Rolle zu fallen. Es ging nicht darum, ob sie ihm gefiel. Darum war es nie gegangen. Man legte ihm auf, was erwartet wurde und das weiße Kaninchen erfüllte diese Erwartungen. Der einzige Unterschied zu damals bestand nun darin, dass er nicht länger das weiße Kaninchen war. Er war Synnover ... ein wenig Federflug noch, aber nicht genug, um dem Namen Ehre zu machen. Er würde seine eigenen Erwartungen erfüllen und ein wenig Leid zufügen, um vor der größeren Welle zu bewahren.
"Du lügst! Du redest davon, dass du in deinem Leben am Boden nur Leid und Schrecken erfahren musstest - aber ICH habe gesehen, wer du hier warst! DAS war nicht gespielt, Synnover Federflug! Du bist ein hervorragender Schauspieler, das muss man anerkennen, aber du lügst!"
Er lachte - kalt und herzlos. "Ich nehme das Kompliment gern an, Lari. Du behauptest, ich lüge und bestätigtst doch gleichzeitig, wie gut ich es kann. Ohja, es war alles nur Schauspielerei. Ich bin nicht nur hervorragend, ich bin der Beste. Das einzig gute Erbe, das Morgeria mir angedeihen ließ."
Lariana ließ sich nicht beirren, im Gegenteil. Sie redete sich in Rage. Sie hielt ihm vor, weiterhin an Zarrah zu hängen, obwohl er ihr nichts schuldig wäre. Das hatte die Dunkelelfe sogar selbst gesagt. Sie erwartete auch nichts von ihm. Sie hatte nicht einmal erwartet, dass er zurückkam ... und dennoch hatte sie ihn vor Karrish und diesen schaurigen Dämonenbeschwörern nicht verraten. Er mochte ihr nichts schuldig sein. Er wollte es! Larianas Worte stießen in seine Maske und ließen sie an winzigen Stellen bröckeln. Aber dahinter wartete nicht seine Liebe für sie. Die rissigen Löcher füllten sich mit Zorn, weil sie so schlecht über Zarrah sprach. Zarrah, die ihn gerettet und so viel für ihn getan hatte, nur um nun ihrerseits zu leiden. Sie waren beide Opfer der Nachtklingen, Morgerias Opfer.
Synnover erhob sich, um von höherer Position mit dieser kalten, verachtenswerten Maske auf Lariana herab zu blicken. "Du hast Recht. Ihre Familie ist für all das verantwortlich, nicht sie", erwiderte er und erstmals verspürte er Abneigung gegenüber der Hymlianerin. Das bestätigte ihn auch im Wissen, dass er Zarrah letztendlich in bisschen mehr liebte, denn er verteidigte sie.
"Bei mir durftest du einfach sein, wer du warst und hast es genossen. DAS kann keiner über so lange Zeit vorspielen!"
Er log. Sie behielt Recht. Oh, er hatte es genossen, einfach mal Dinge zu tun, die er wollte. Er hatte es genossen, im Schatten zu stehen und ihrem Glück zusehen zu können ... und zugleich jedes Mal von ihr eingeladen zu werden, es auch zu spüren. Wirklich zu spüren. Er hatte sich verliebt, weil sie ihn sein ließ. Synnover log. Er blieb konsequent.
"Lange Zeit? Es war nur ein Jahr, Lariana. Glaubst du, das schaffe ich nicht?" Er schnaubte auf. Dann wurde seine Stimme nur noch dunkler. Synnover zog jegliches Gefühl heraus, das er für sie verspürte. Es durfte jetzt nicht an die Oberfläche geraten, sonst würde sie ihm nicht glauben. Sie musste glauben. Sie musste fest daran glauben, dass es keine LIebe für sie von ihm gab. Nur dann könnte sie seine herbeigeführte Trennung annehmen, ihn vergessen oder hassen, in jedem Fall aber ohne ihn weiterleben ... ohne Makel Morgerias auf ihrer so wunderschönen Seele. "Ich habe sechs Jahre lang gespielt. Jeden Tag, jede Minute. Ich durfte mir keine Blöße geben, denn jede Form von Schwäche bedeutet am Boden den Tod, Lariana. Hymlia etwas vorzugaukeln - dir etwas vorzuspielen - war die leichteste Herausforderung, der ich mich hab stellen können. Nur ein Jahr ... gewiss, ich verspürte Kummer, als das Schiff unterging, zusammen mit Zarrah, die meine Herrin war. Es nahm mir gewisse Pläne. Aber nun kann ich vieles davon wieder aufgreifen und ... weiterspielen. Aber nicht hier, nicht mit dir. Ich bin ... deiner überdrüssig geworden."
Jede Silbe schlitzte ihm die Brust auf und riss tiefe Wunden in sein eigenes Herz. Nichts davon drang nach außen. Er war wirklich ein hervorragender Schauspieler. Kein Muskel zuckte. Syn blieb eiskalt und lächelte dennoch, überheblich wie er es in all den Jahren Dutzend Male bei Dunkelelfen gesehen hatte, die ihre Sklaven malträtierten, denunzierten und dann wegwarfen. Er brauchte sich nur seiner Erinnerungen zu bedienen und darzustellen, was täglich die Leinwand gewesen war, auf die er gestarrt hatte. Nun malte er darauf, seine eigene Interpretation von Schrecken und Hass.
Synnover fiel nur ein einziges Mal aus der Rolle, dennoch passte es. Er behielt soweit die Kontrolle, Lariana nicht zu schlagen, aber die erhobene Hand ob ihrer Worte gegenüber Zarrah - ihrer Verachtung seiner Liebsten gegenüber - ließen ihn sich beinahe vergessen. Er hätte zuschlagen können. Er wollte es tun und wusste nicht, was ihn letztendlich davon abhielt. Vielleicht Larianas zorniger Blick oder die blanke Schönheit ihrer Präsenz. Trotzdem stand Syn plötzlich da, die Hand erhoben. Er starrte auf sie herab, nachdem sie verkündete, Zarrahs Rettung wäre der größte Fehler von allen gewesen.
"Geh", zischte er sie an, aber Lariana war ohnehin schon auf dem Weg hinaus. Trotzdem wollte sie ihn nicht aufgeben. Sie würde bleiben, ihn retten, denn sie sah ihn nach wie vor als unfreiwilliges Opfer in den Fängen einer Frau, in der mehr als ein Dämon schlummerte. "GEH!", fauchte Synnover ihr zu, dann knallte die Tür. Er ließ die Hand sinken, ließ sich zurück auf das Sofa fallen. Mit beiden Händen umklammerte er seine Knie, bis die Fingerknöchel weiß hervortraten und Schmerz durch seine Beine jagte. Bis sich blutrote Abdrücke in seiner Hand bildeten, die wie eine Reihe kleiner Sichelmonde an seiner Kniescheibe entlang führten. Winzige Rinnsale von Blut bildeten sich, aber Syn ignorierte sie. Er japste, löste die Finger schmerzlich aus seinem Fleisch und verbarg dann das Gesicht in Händen. Er weinte, stumm.
Lariana zu verlassen schmerzte unendlich tief. Sein Herz fühlte sich schwer an, brannte bei jedem Schlag und sandte diese peinigenden Impulse in seinen gesamten Körper. Synnover konnte sich nicht rühren. Er saß da, ertrug den Schmerz und lauschte dem Grollen des Donners. Das Gewitter zog auf. Es ... beruhigte ihn auf seltsame Art und Weise, lenkte seine Gedanken ab. Er sehnte sich mit einem Mal danach, mit Turok durch schwarze Wolkendecken zu fliegen und Blitze zu jagen. Er wollte das Elektrisierende spüren im Glauben, dass es sich besser anfühlte als der Kummer in seinem Herzen. Er behielt Recht mit der Annahme von damals: Lariana zu verlieren ertrug er nicht. Es zerriss ihn innerlich und er saß lang allein auf dem Sofa, um tonlos zu weinen. Erst als seine Augen tiefrot, aber endlich trocken waren, erhob er sich. Seine Glieder fühlten sich bleischwer an. Er fühlte sich wie in Ketten, die ihn unablässig zu Boden ziehen wollten, aber Synnover tat Schritt um Schritt. Er nahm die Treppe, jede Stufe eine neue Herausforderung. Es dauerte ewig, aber schließlich kam er wieder an der Zimmertür seiner Schwester an.
Ohne zu klopfen trat er ein und beim Überschreiten der Schwelle setzte er eine neue Maske auf. Eine, die ihn neutral erscheinen ließ. Sie fiel herab, als er zum Bett schaute, um nach Zarrah zu sehen. Nein, vor ihr musste er keine Maske tragen. Das unterschied sie von Lariana. Sie war dunkel und gezeichnet wie er. Sie waren beide Sklaven.
"Zarrah", grüßte er sie, schloss die Tür und trat an das Bett heran. Er ließ sich schwerfällig auf der Kante nieder. "Hast du gesehen? Ich hab dir gerade gezeigt, was Liebe ist." Er atmete durch. Die letzten nötigen Worte. Dann wäre es geschafft. "Ich bleibe bei dir. Ich habe Lariana verlassen. Denn ... ich liebe dich ein bisschen mehr."
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Re: Deutlich zu spät

Beitrag von Erzähler » Sonntag 21. Dezember 2025, 11:58

Dass er Lariana Wolkenlos verletzte, war ein notwendiges Übel. Er wollte ihr nicht noch mehr antun, als er eh schon getan hatte und doch war es eine harte Aufgabe. Die schöne Lari, die sich stets sehr um ihn und seine Seele bemüht hatte, hatte besseres als das verdient. Doch er musste sie von sich stoßen, damit er sie nicht mit hinab in das dunkle Reich zog, das er sein eigen nannte. Er hatte sich für Zarrah entschieden und das würde er wohl immer. Als Larianan harte, klare Worte für die Dunkelelfe fand, wandelte sich aber plötzlich sein Ausdruck. Er erhob sich, blickte kühl auf sie herab, weil ihre Worte tatsächlich etwas in ihm auslösten. "Du hast Recht. Ihre Familie ist für all das verantwortlich, nicht sie" Lariana schnaubte nur. Das war Augenwischerei! "Lange Zeit? Es war nur ein Jahr, Lariana. Glaubst du, das schaffe ich nicht?" Sie funkelte ihn an und ließ sich von seinem Gehabe nicht beeindrucken. “Ja, das denke ich. Denn entgegen deiner Annahme, bin ich nicht so naiv!”, murmelte sie, verschränkte die Arme und wandte den Blick ab. Sie blieb bei ihrer Meinung und er würde sie auch durch das beste Maskenspiel nicht umstimmen können. Lariana zeigte, dass sie zwar freundlich, herzlich und zeitweise unbescholten war, aber sie war gewiss nicht unintelligent. Sie besaß ein feines Gespür für Menschen und Synnover musste alles aufwenden, damit die Maskerade hielt. "Ich habe sechs Jahre lang gespielt. Jeden Tag, jede Minute. Ich durfte mir keine Blöße geben, denn jede Form von Schwäche bedeutet am Boden den Tod, Lariana. Hymlia etwas vorzugaukeln - dir etwas vorzuspielen - war die leichteste Herausforderung, der ich mich hab stellen können. Nur ein Jahr ... gewiss, ich verspürte Kummer, als das Schiff unterging, zusammen mit Zarrah, die meine Herrin war. Es nahm mir gewisse Pläne. Aber nun kann ich vieles davon wieder aufgreifen und ... weiterspielen. Aber nicht hier, nicht mit dir. Ich bin ... deiner überdrüssig geworden."

Rumms. Das saß. Lariana wandte den Kopf so ruckartig zu ihm herum, dass es beinahe knackte. Sie funkelte ihn mit nassen Augen an. Seine Worte waren hart und wie Dolche in ihrem Fleisch. Sie erhob sich und baute sich vor ihm auf. “Wie kannst du nur”, zischte sie verletzt und zornig. Lariana fand deutliche Worte, die Synnover sogar die Hand heben ließen. Lariana zuckte vor Schreck zurück und riss entsetzt die Augen auf. Sie duckte sich hinter ihren empor gerissenen Armen und harrte einen Moment aus, in Erwartung des Schmerzes. Dann, als dieser ausblieb, schaute sie langsam auf und war kreidebleich geworden. Ihre Augen hatten eine rötliche Farbe angenommen, während das Entsetzen sich nicht mehr verbergen ließ. ”Geh”, wies er sie an und sie straffte ihre Schultern, reckte ihr Kinn und engte die Augen. Die Deutlichkeit ihrer Haltung nahm nur noch zu, sodass er ihr hinterher brüllte, sie solle verschwinden. Lari aber war schon längst hinaus gegangen und hatte ihn verlassen. Syn spürte die Auswirkungen dieser Auseinandersetzung. Er war es gewohnt, anderen etwas vorzumachen, aber er war es nicht gewohnt, wenn diese sich dagegen wehrten und es ihm schwerer machten. Er brauchte eine lange Zeit, um überhaupt wieder klar denken zu können. Tränen seinerseits zeigten, dass ihm das nicht egal war. Dass es ihm leid tat und er Lariana so nicht behandeln wollte. Aber er musste, wie er glaubte. Um ihretwillen. Aber… war das auch so? Tat er ihr denn wirklich einen Gefallen damit? Oder… sich selbst, damit er bei Zarrah bleiben konnte? Nachdem er eine Weile geweint und dem Gewitter gelauscht hatte, schaffte er es wieder aufzustehen. Mühsam erklomm er Stufe um Stufe, aber es fiel ihm unsagbar schwer. Er war hin- und hergerissen zwischen seinem alten und diesem Leben. Lariana hatte Recht gehabt. Er hatte es genossen, in Hymlia zu sein. Aber sein Herz schlug eben auch für die Jüngste der Nachtklingen. Er war zerrissen und würde wohl nie ganz sein können. Als er den Raum mit der Verletzten betrat, setzte er Neutralität auf, die sich schließlich im Nichts auflöste. Er schaute Zarrah an, die im Bett lag und den Blick müde erwiderte. Sie sah blass aus, geschwächter als noch zuvor, vor dem Streit mit Lari. “Zarrah”, sprach er sie an und setzte sich auf die Kante am Bett. "Hast du gesehen? Ich hab dir gerade gezeigt, was Liebe ist. Ich bleibe bei dir. Ich habe Lariana verlassen. Denn ... ich liebe dich ein bisschen mehr." Zarrah musterte Synnover einen Moment und senkte den Blick. “Ich kann sehen, wie sehr es dich verletzt, das getan zu haben. Ich sehe dir an, dass es dich zerreißt und ich verstehe, was Liebe ist. Dass sie schwere Entscheidungen von uns verlangt, die wir nicht immer voller Elan treffen können.” Sie schaute zurück zu Synnover. Dann griff sie nach seiner Hand. Ihre Finger waren so kalt, wie der Tod. Schließlich wurde ihr Giff ungewöhnlich stark und plötzlich breitete sich ein unnatürlich hämisches Grinsen auf ihrem Gesicht aus. Ihre Augen füllten sich mit schwarzem Gift und ihre Stimme veränderte sich als sie wieder das Wort an ihn richtete: “Sehr gut, kleiner Mensch. Erfreue mich mit deinem Kummer und stärke mich! Ich sehe dir gern dabei zu, wie du deine Seele verbrennst für dieses Stück Fleisch, das du zu lieben glaubst! Oh, sie haben mir prophezeit, dass sie dich liebt, aber das hier… das ist so viel besser als in meiner Vorstellung. Ich labe mich an dir, Himmelskind und du gibst mir die Kraft, die ich brauche, um diesen Körper vollständig zu besitzen!” Ein seltsam abstraktes Lachen entkam der schlanken Kehle Zarrah’s, doch das war nicht sie. Nicht ein Funken von ihr. Draußen gewitterte es abermals, donnerte und blitzte, während Agash im Zimmer lauthals lachte. Sie lachte über ihn, lachte über seinen Schmerz. Dann richtete sich Zarrah’s Körper puppenhaft auf. Ihre Bewegungen waren unstet und hölzern, während sich Agash in ihr ausbreitete. “Sieh, wie ich über sie herrsche und du willst sie retten? Womit, Menschenkind? Mit welcher Macht, willst du das tun? Du hast eben gezeigt, dass du lieber dein Verderben wählst, als das Glück, das du hättest haben können!”, rief Agash schadenfroh, ehe die puppenhafte Zarrah aus dem Bett aufstand und zum Fenster ging. Sie schaute hinaus und hob die Arme, während draußen der Sturm noch größer wurde. “Ahhh”, seufzte Agash zufrieden. “Macht. Meine Macht. Wie viele überleben wohl, wenn ich diese Stadt auf die Erde zurückschmettere?”, fragte sie dann voller Freude über das Unglück von so vielen.
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Re: Deutlich zu spät

Beitrag von Synnover » Montag 29. Dezember 2025, 14:16

Das eben Erlebte begleitete Synnover. Sein Herz sagte ihm, an der Entscheidung zu zweifeln. Es rief ihn an, wieder nach unten zu rennen, die Tür aufzureißen und Lariana zu suchen. Es sehnte sich danach, um Vergebung zu bitten und auch, ihr alles zu erklären. Nämlich, dass er eben gespielt hatte. Die kalte Maske, die er aufsetzte und die sie verletzte wie ein schneller Schwertstreich, war die Fassade. Dabei sollte es nur zu ihrem Besten sein. Sie wäre nicht unversehrt aus allem herausgekommen, so aber würde sie über Zeit die Wunde heilen lassen können. Vielleicht blieb nicht einmal eine seelische Narbe zurück, je nachdem wie schnell sie den Hymlianer vom Boden vergessen konnte. Aber genau darum ging es. Lari würde weiterleben - ohne ihn und ohne die Gefahr, zu werden wie er. Sie würde niemals den Boden sehen, niemals durchmachen müssen, was sein Leben prägte. Ihre Gedanken blieben frei von dieser Gewalt, mit der Synnover hatte aufwachsen müssen, ohne je eine Wahl erhalten zu haben.
Bis Zarrah kam...
Und deshalb hatte er sich für sie entschieden. Sie waren gleich, wenn auch aus unterschiedlichen Völkern. Doch selbst dabei konnte man doch von ihnen beiden als Sklaven ihrer Leben sprechen. Geprägt von Dunkelheit, einer kalten und blutigen Welt, in der sie benutzt wurden wie Spielzeuge und fortgeworfen, sobald sie im Auge des Betrachters nicht mehr funkionierten. Oder geopfert wie in Zarrahs Fall. Syn stand ihr aus dieser Perspektive einfach näher und würde es wohl immer. Er fühlte sich nicht nur ob ihrer Art oder Schönheit zu ihr hingezogen, sondern auch, weil sie dieses Leidensschicksal irgendwie verband. Außerdem wollte er sie von dort herausholen, denn es bestand Hoffnung für ihn, danach bei ihr zu bleiben, mit ihr zu bleiben. Immerhin hatte sie ihn geküsst und seine Frage nach Liebe bestätigt.
Sein Herz suchte die Dunkelelfe, entschied sich für sie und ließ Lariana zurück.
Synnover ließ die letzte Treppenstufe ebenfalls hinter sich, betrat Kiras Schlafzimmer und fand Zarrah im Bett vor. Sie hatte sich wohl zu Herzen genommen, was er ihr geraten hatte und die Zeit genutzt, um sich auszuruhen. Er setzte sich zu ihr ans Bett und teilte ihr seine Entscheidung mit.
"Ich kann sehen, wie sehr es dich verletzt, das getan zu haben. Ich sehe dir an, dass es dich zerreißt und ich verstehe, was Liebe ist. Dass sie schwere Entscheidungen von uns verlangt, die wir nicht immer voller Elan treffen können."
"Ja, es ... war nicht leicht. Aber es war zu ihrem Besten und ... letztendlich musste ich mich entscheiden." Um der Willen beider Frauen, denn er hatte bereits bemerkt, dass es nicht nur Lariana schwer fiel, eine mehrgleisige Beziehung zu akzeptieren. Eine von ihnen dreien würde stets leiden. Er hatte einen Schlussstrich gezogen, auch wenn es schmerzte.
Sein Handgelenk schmerzte plötzlich nicht minder, als Zarrah unnatürlich fest zupackte. Das war er nicht gewohnt und entgegen jeglichem Entsetzen schaltete sich bei ihm der Instinkt des weißen Kaninchens ein. Es war zu spät, diesem Griff zu entkommen und Syn wollte Zarrah nicht verletzen, also schlug er ihre Hand nicht beiseite. Aber er war wachsam, sämtliche Sinne mit einem Mal messerscharf, der Körper angespannt und bereit zu handeln. Dann sah er das Grinsen, das überhaupt nicht ihres war. Er runzelte die Stirn.
"Zarrah?"
Es wurde noch schlimmer, als das Grün ihrer Iriden einer tiefen Schwärze wich, die so unnatürlich und jensetis Celcias wirkte, dass man einfach schwarz als hell empfinden mochte. Synnover starrte direkt dort hinein und fand ... nichts. Wo war das Leuchten ihrer Seele hin, wann immer er in das eigentliche Smaragdgrün ihrer Augen schaute?
"Sehr gut, kleiner Mensch. Erfreue mich mit deinem Kummer und stärke mich! Ich sehe dir gern dabei zu, wie du deine Seele verbrennst für dieses Stück Fleisch, das du zu lieben glaubst!"
Eine dunkle Vorahnung machte sich breit. Das hier war nich länger Zarrah. Es war Agash. Dieses Dämonenwesen, das er im Vulkan gesehen hatte und welches sich tatsächlich hatte in ihr einnisten können. Aber wie kam es nun zum Vorschein? Zarrah hatte ihm doch versichert, sie besäße keine Macht, solange sie sich selbst erinnerte, was sie für Syn empfand. Hatte sie plötzlich Zweifel? War seine Entscheidung falsch gewesen, Lariana zu verlassen und hatte dies Zarrah aus irgendeinem Grund sich von ihm entfernen lassen? Wie konnte das sein?!
"Ich labe mich an dir, Himmelskind und du gibst mir die Kraft, die ich brauche, um diesen Körper vollständig zu besitzen!" Das Dämonenwesen lachte. Es nutzte Zarrahs Mund, der aber grotesk dabei aufgerissen wurde. Der Anblick war verstörend angesichts dessen, was Synnover kannte. Das Gefühl von Schuld breitete sich in ihm aus und er versuchte, es herunterzuspielen, um Agash nicht noch mehr Nahrung zu liefern. Sein Kummer war es. Weil er unter der frischen Trennung von Lariana litt, hatte Agash durchbrechen können.
Sie ließ Syns Handgelenk endlich los, verließ das Bett und lenkte den Körper mit befremdlich hölzernen Bewegungen zum Fenster. Es sah aus, als wollte man eine Marionette zum Laufen bringen, bei der die Hälfte der Fäden gerissen waren. Die Füße schlurften geräuschvoll über den Boden, die Arme schlingerten unkontrolliert und ihr Kopf kippte immer wieder von einer Seite auf die andere, während der Körper sich fortbewegte. Der Anblick setzte Schrecken in Synnovers Seele frei.
Sie machte sich über ihn lustig, ohne zu ihm zu schauen. Sie zweifelte an jeglichem Willen, Zarrah retten zu können und amüsierte sich über Syn. Ganz unrecht hatte das Wesen aus dem Harax nicht. Synnover kannte keine Dämonen. Es waren keine Gegner, denen er in der Schwarzen Arena jemals hatte begegnen müssen. Er wusste nicht, was sie waren. Er kannte weder ihre Stärken noch ihre Schwachstellen. Das einzige, was er hier erkannte, waren Parallelen zu Karrishs wahrer Persönlichkeit. Agash war herrisch, eine Tyrannin wie Yolintha und machtbesessen wie beide Nachtklingen-Geschwister. Nicht einmal vor Hymlia wollte sie Halt machen. Gegen solche Charaktere kannte Synnover nur eine einzige Methode, um zu überleben und sei es nur lange genug, um einen richtigen Plan auszuklügeln.
"Du wirst Zarrah doch nicht umbringen, oder?" Die Furcht in seiner Stimme war echt. "Ich wollte das Glück mit ihr wählen, aber ... ich bin bereit, auch das Verderben zu nehmen, wenn du mir sie nur lässt. Wenn wir zusammen sein können." Syn erhob sich vom Bett. Sein Körper war angespannt, sträubte sich gegen seine Worte, sein Vorhaben. Er wollte nie wieder so sein und doch ... warf er sich vor Agahs nun in den Staub. Er kniete nieder, beide Hände flach auf die Oberschenkel gelegt und den Kopf gesenkt wie er es unzählige Male vor dunkelelfischen Adligen hatte tun müssen. Unterwürfig, nichts weiter als ihr Spielzeug. Ein Sklave.
In Synnovers Nacken stellten sich die Härchen auf, die langsam über das Hautbild wucherten. Er konnte es verbergen, aber seine Vergangenheit wohl niemals ablegen. Sie hatte sich ihm unter die Haut gestochen. Sie war ein Teil von ihm. Zeit, die Masken wieder aufzugreifen. Er senkte den Kopf noch etwas tiefer. "Es muss doch einen Kompromiss geben ... Herrin. Gewährt Zarrah und mir das Leben, das wir uns gemeinsam erhofft hatten. Im Gegenzug erhaltet Ihr ... Loyalität. Meinen Kummer, der Euch nährt. Denn ich ... ich weiß wirklich nicht, was ich gegen Euch ausrichten sollte, selbst wenn ich es noch wollte. Ich habe Euch im Vulkan gesehen und es hat mir Angst eingejagt. Ich habe meinen einstigen Herrn Karrish nicht einmal eliminieren können und er ist nur ein Dunkelelf. Mir höhergestellt, das weiß ich, aber letztendlich wohl kaum eine Gefahr für Euch. Ich bleibe realistisch, nun da ich Eure Macht erlebe ... ich habe keine Chance. Wenn ich Euch also nicht bekämpfen kann, würde ich mich lieber anschließen und auf ein wenig Gnade hoffen - für mich und für Zarrah. Ich bitte Euch!"
Lariana hätte es wohl geglaubt und so viele andere, denen er über Jahre hinweg Nacht für Nacht ähnliche Szenarien vorgespielt hatte. Romantischer als das hier, aber letztendlich auch nur Schauspiel. Doch wie stand es bei einem Dämon? Würde Agash seine wahren Beweggründe erkennen und ihn dafür ausmerzen? Synnover war bereit, mit einem schnellen Sprung zur Tür zu fliehen, sollte es zum Äußersten kommen. Dann müsste er Zarrah vorerst verlasen, was ihm die Brust enger schnürte. Sein Herz schlug sofort etwas schwerer bei dem Gedanken, aber er hatte keine Wahl. Sterben oder überleben und sie möglicherweise doch noch retten können ... da entschied er sich für Letzteres und dabei würde er alle Waffen einsetzen, die ihm zur Verfügung standen.
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Re: Deutlich zu spät

Beitrag von Erzähler » Sonntag 1. Februar 2026, 10:55

Kummer war etwas, dem man sich nicht entziehen konnte. Synnover’s Leben war aus Kummer gewachsen und Kummer hatte ihn geformt. Er hatte immer nur einen kurzen Moment des Glücks empfunden und schmerzlich gelernt, wie flüchtig das war. Dass er Lari verlassen und zu Zarrah zurückkehren musste, war notwendig und auch nicht falsch, aber es konnte dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ihm Kummer bereitete. Lariana Wolkenlos war gewiss niemand, der verdient hatte, so behandelt zu werden. Sie war ehrlich, aufrichtig und liebte bedingungslos. Nunja, fast. Alles, was sie gewollt hatte war, dass man ihr das gleiche entgegnete. Aber das konnte Syn nicht. Er war an Zarrah gebunden und sein Herz sehnte sich nach der Dunkelelfe, die so vieles für ihn war. Ihn an so vieles erinnerte und die ihm Halt gab, wo Lari es nicht könnte. Und noch etwas war entscheidend: Er wollte Zarrah das gleiche zeigen. Es ihr zurückgeben, damit sie selbst dieses flüchtige Glück erfahren und erleben durfte.
Als er in dem Zimmer auftauchte, war sein Herz dennoch schwer. Die Trauer und Lethargie von den Stunden zuvor war nicht vorbei, aber er bemühte sich. Er wollte Zarrah zeigen, was Liebe war und zeigte ihr gleichzeitig, dass sie nicht immer nur aus purem Glück bestand. Dass Gefühle vielschichtig waren und beides sein konnten. Und Syn musste lernen, dass die Probleme noch gar nicht richtig begonnen hatten, seit er Zarrah aus der Höhle befreit hatte. Plötzlich änderte sich die Temperatur der Elfe, ihr Ausdruck wurde kalt und berechnend, während sich ihre grünen Augen dunkel färbten. Erschrocken traf Syn die Erkenntnis, dass es nicht länger Zarrah war, sondern Agash. Die Dämonin, die sich in ihren Körper eingenistet hatte, die mutwillig in ihren Körper implantiert worden war, damit sie eine Aufgabe erfüllte, die niemals etwas Gutes hervorbringen konnte. Zarrah hatte von Anfang an nach der Schriftrolle der Ritualmagie gesucht. Diesen Auftrag hatte sie Syn und Razag damals offenbart. Und jetzt war auch klar, wieso sie das unbedingt gewollt hatte. Zum Selbstschutz.
Als sich Zarrah unnatürlich aus dem Bett bewegte und ihre Arme und Beine sich staksig bewegten, sah es unvorstellbar grotesk aus. Aber woran lag das? War sie nicht sicher, wenn er ihr die Liebe zeigte? Wenn sie sich erinnerte, was sie empfand? Zweifelte sie? Synnover zweifelte ebenfalls und erkannte darin, dass es sein eigener Kummer war. Dass die Schwere seines Herzens dazu angeraten war, Agash zu nähren. Er wusste nichts über Dämonen, aber er hatte genug erlebt und die Natur der Wesen Celcias erkunden dürfen, um die Erkenntnis zu haben, dass ein Dämon nichts Menschliches an sich hatte. Dass die Gefühle ihm nichts bedeuteten und er sich von allem Schlechten ernährte. "Du wirst Zarrah doch nicht umbringen, oder? Ich wollte das Glück mit ihr wählen, aber ... ich bin bereit, auch das Verderben zu nehmen, wenn du mir sie nur lässt. Wenn wir zusammen sein können.” Agash wandte sich vom Fenster ab und drehte sich zu Syn um. Sie sah ihn emotionslos an. Ungerührt und gleichgültig. Es muss doch einen Kompromiss geben ... Herrin. Gewährt Zarrah und mir das Leben, das wir uns gemeinsam erhofft hatten. Im Gegenzug erhaltet Ihr ... Loyalität. Meinen Kummer, der Euch nährt. Denn ich ... ich weiß wirklich nicht, was ich gegen Euch ausrichten sollte, selbst wenn ich es noch wollte. Ich habe Euch im Vulkan gesehen und es hat mir Angst eingejagt. Ich habe meinen einstigen Herrn Karrish nicht einmal eliminieren können und er ist nur ein Dunkelelf. Mir höhergestellt, das weiß ich, aber letztendlich wohl kaum eine Gefahr für Euch. Ich bleibe realistisch, nun da ich Eure Macht erlebe ... ich habe keine Chance. Wenn ich Euch also nicht bekämpfen kann, würde ich mich lieber anschließen und auf ein wenig Gnade hoffen - für mich und für Zarrah. Ich bitte Euch!"
Agash lauschte und ihr Kopf zuckte knackend hin und her. Sie passte noch nicht richtig in die Elfe. Aber Syn konnte sicher sein, dass das nur eine Frage der Zeit sein würde. Die Dämonin hatte einen Wirtskörper, der trainiert, stark und gestählt war. Sie hielt eine Menge aus und die Dämonin konnte sich glücklich schätzen, sie zu besitzen. Aber das war keine Option. Das sollte nicht Zarrah’s Schicksal sein. Syn tat das, was er am aller besten konnte: So tun als ob. Er schmierte Agash Honig ums hässliche Maul und der Dämonin entlockte es ein überhebliches Lächeln. “Oh, sie sagten, du wärst ein guter Diener. Sie versprachen, dass sie dich hervorragend ausgebildet haben”, offenbarte sie ihm grausam und verzog die Lippen zu einem hungrigen Blecken. Agash trat vor und griff mit diesen eisigen Fingern um sein hübsches Kinn. Es war Zarrahs Körper, aber nichts von ihr sah ihm entgegen. “Du wirst bei mir bleiben, weil ich es so will. Du wirst mir dienen, mir bei meinen Plänen helfen und vielleicht, wenn mir gefällt, was du tust, dann gewähre ich dir vielleicht mal einen Blick auf diese mickrige Seele.” Wie zur Erinnerung, dass sie diese Macht besaß, ließ sie einen kurzen, grünen Schimmer hervorblitzen, damit er wusste, dass sie es konnte. Damit die Hoffnung darauf ihn alles tun ließ, was sie wollte. Synnover wollte nie mehr so sein und jetzt reichte der Arm der Nachtklingen selbst bis hierher. Marionetten. Figuren in einem finsteren Plan, mehr waren sie niemals. Weder er noch Zarrah. Und sie nutzten jetzt seine Schwäche erneut aus, weil er Zarrah liebte. Wäre er doch nur in Hymlia geblieben. Wäre sie doch nur tot. Dann würde er jetzt endlich dieses selbstbestimmte Leben führen, das er hatte sehen können. Hatte Lari am Ende doch Recht? War Zarrah sein Verderben? Agash wandte sich ab und ging erneut zum Fenster. “Wie viel bedeutet dir dieses Himmelsland, Diener?”, fragte die Dämonin und atmete tief ein. “Es riecht nach Angst, Verzweiflung und… Sorgen.” Sie lächelte dabei. “Komm, ich zeuge dir, wie mächtig ich sein kann”, sagte sie schließlich und wandte sich dem Ausgang zu. Dann warf sie einen Überheblichkeit Blick auf Synnover, ehe sie mit einer einzigen, schnellen Bewegung durch das Fensterglas sprang und auf dem Boden landete. Kira's Zimmer wurde von dem Sturm durchwühlt und Regen peitschte ihm ins Gesicht. Der Himmel war dunkel und wolkenverhangen. Draußen watete Zarrah barfuß durch das einst so schöne Reich. Die Hymlianer hatten noch nicht die Bedrohung erfasst. Diejenigen, die draußen waren, wunderten sich nur, dass der Sturm so heftig war. Sie kämen niemals auf die Idee, dass sich unter ihnen ein Dämon befinden würde. Und sie alle in Gefahr waren. Das weiße Haar der Dunkelelfe wehte im zornigen Wind und es sah gespenstisch aus, wie sie dort draußen das Mahnmal allen Übels wurde. Niemand wusste, dass Agash das alles tat. Man wärde Zarrah dafür verantwortlich machen. Und sie brandmarken als das, was ihre Geschwister aus ihr machten: Das Böse.
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