Wer bin ich?

Dieses leblose Gebiet liegt im hohen Norden. Es ist unfruchtbar und die Pflanzen, die dort wuchern, sind genau so leblos wie das Land. Die dunkle Stadt Morgeria wurde inmitten dieser Ebene erbaut, aber auch ein Orkdorf befindet sich dort.
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Wer bin ich?

Beitrag von Maruka » Mittwoch 6. Mai 2026, 08:40

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(Charmusik)

SCHMEEEERZ!
Ein Blitz, so heiß wie glühendes Eisen, dass sich ins Fleisch brennt. Der Geruch von verbrannter Haut, abschreckend und doch auch merkwürdig appetitanregend, so dass sich Speichel in meinem Mund sammelt und über meine Wange rinnt. Sengende, gesegnete Dunkelheit.

Dann zuckende Lichter hinter geschlossenen Augen und Fetzen von Bildern die keinen Sinn ergeben. Atemlose Laute von tauben Lippen, aus ausgedörrter Kehle. Ein Knacken von Knochen. Ist das meine Stimme, die da schreit?

Pochender Schmerz! Kalte Hitze, Fieberträume ohne Erinnerungen. Tanzende Gesichter, raue Stimmen, ferne Laute und der Geruch von ...Kräutern? Meine Augen schmerzen als ich sie öffnen will. Sie reißen an den Rändern. Blut oder...Tränen laufen über meine Haut. Ich sehe braunes Leder, will meinen Kopf wenden, aber es geht nicht. Dunkelheit.

Mein Kopf! Es tut so weh! Das quälende Pochen hat nachgelassen und sich in ein heißes Brennen unter der Schädeldecke gewandelt. Was? … Wer?... Wo bin ich? Ich muss blinzeln und mein ganzes Gesicht tut weh. Alles ist dunkel und unscharf und etwas kaltes liegt auf meinem Gesicht. Garnicht schlecht...Was ist passiert? Ich will meinen linken Arm heben... Schmerzen! Au, meine Hand! Dann eben den anderen... auch Schmerzen, aber höher in der Schulter! Was ist mit dem Rest? Ich muss ruhig bleiben! Wo fang ich an? Oben? Kopf ist kaputt! Das weiß ich schon. Hals drehen? Geht, aber knirscht. Rücken? Vorsichtig mal rein fühlen. Ich liege auf dem Rücken, alle Rippen tun weh und das Atmen nervt. Mein Bauch fühlt sich an ein paar Stellen an, als wäre da was gerissen. Weiter machen. Ich spüre den harten Untergrund und etwas juckt an meiner linken Hüfte. Es juckt fürchterlich! Ich will kratzen, aber der Arm gehorcht mir nicht. Oh, wie das juckt und kribbelt! Verdammt! Auf was anderes konzentrieren! Steiß...geht so, rechte Arschbacke pocht. Bin ich gefallen? Der linke Oberschenkel brennt. Mein rechtes Knie pocht und weiter unten der Knöchel fühlte sich merkwürdig instabil an. Wo ist mein linker Fuß? Der fühlt ich taub an.
Ich stöhne.
Ich höre Schritte. Ist mit meinem Ohr alles gut? Ich hör auf der einen Seite alles so gedämpft? Das angenehm kalte verschwindet von meinen Augen und ich blinzel. Auauau! Heh! Komm zurück, ich brauch das! Schwimmende Umrisse schweben über meinem Gesicht. Wer ist das? Eine dumpfe Stimme. Meine Ohren summen. Jemand bewegt meinen Kopf und die Geräusche werden lauter. Aua! Au! Lass das! Ich will meine Fäuste ballen! AU! Dumme Idee!

„HALT STILL!“
Au.
Nicht so laut. Wer ist das? Sie sieht wütend aus und murmelt:

„Wie kann man nur so dumm sein! Nein! Dummheit ist es nicht! Lebensmüde! Sich mit der Häuptlingstochter anzulegen! Natürlich musstest du auch gleich noch ihre Gefährtinnen beleidigen! Sechs zu eins … musste ja so ausgehen. Ganz tolle Idee! Wie kann man nur so schlau und gleichzeitig so dumm sein!“
Etwas zieht sich um meine Stirn fest und der Schmerz schenkt mir wieder selige Dunkelheit.

Immer noch Schmerzen! Langsam gewöhne ich mich dran – glaub ich. Vielleicht auch nicht. Erneute Bestandsaufnahme... Hm. Kopf dröhnt am meisten. Linke Hand pocht, aber erträglich. Rechte Schulter kribbelt. Linke Seite juckt immernoch so krass und kribbelt noch mehr! Zum wahnsinnig werden. Kratzen geht nicht... weil... kann meine Arme nicht bewegen. Moment. Bin ich gefesselt? Vorsichtig mal in die andere Richtung ziehen. Oh, bin gefesselt. Beine anscheinend auch und was ist mit meinem Fuß? Ich muss mal den Kopf anheben...
ARRRG...
Diese Schmerzen! Aber das erste mal nicht gleich wieder ohnmächtig geworden. Das ist ein Vorschritt oder? Den Kopf mal drehen... AH! Geschafft! Das kalte Tuch ist von meiner Stirn gerutscht, also Augen auf!
Autsch. Blinzeln ist anstrengent... alles verschwommen. Mehr blinzeln... hm... es wird besser. Über mir ist eine Zeltwand...Leder...sagt mir das was? Ich erkenne es irgendwie, aber woher? Hm. Was ist das hier? Wo bin ich? Wer bin ich? Mal an mir runter schauen. Au! Kopfheben ist anstrengend. Durchatmen! Langsam noch mal versuchen. Olive Haut mit jeder Menge Verbänden. Da Unten... was ist das? Sind das MADEN??? URGS! IST mir schlecht! Die krabbeln in mir rum! Ich muss mich überge... Mist! Ich ersticke! ...SCHEISSE das ist nicht gut! ZUR SEITE! DREH DICH VERDEAMMT! AHHH.. ICH FALLE!

*Rums*
AU! Zum Glück nicht tief. Die Schmerzen sind alle wieder da! Willkommen zurück, selige Dunkelheit.

„Ich glaub, du bist wach.“
Ach? Bin ich das?
„Mach die Augen auf!“
Muss ich?
„Ich hab was zu trinken für dich, Mund auf.“
Überredet. Uiiihhhhh! Das tut gut! Es knistert in der Kehle. Bin ich durstig...
*Hust*
„Nicht so hastig!“
AUUU! Mist, das tut weh! Husten ist scheiße! ...Langsam. Schlucken. Noch mal... Jetzt ist es besser. Ich mach die Augen auf. Immer noch alles verschwommen. Das Gesicht kenn ich aber schon. Die Stimme auch. Ich versuch mal was zu sagen:
„Waächzlm...“
Oh. Das klang gauenvoll! Was ist mit meiner Stimme?
„Lass das. Dein Kehlkopf ist Matsch.“
Na toll.
„Das brauch noch etwas Zeit. Versuch nicht zu sprechen.“
Sie schaut nach unten. Was ist da? Kribbelt meine Hüfte noch? JA... igitt! Will garnicht drüber nachdenken. Nicht hingucken!
„Ich werd dich jetzt den Verband wechseln. Das könnte unangenehm werden. Beweg dich nicht! Und wehe du versuchst dich noch mal zu drehen! Noch mal hiev ich dich nicht zurück! Auch wenn du hier die kleinste bist wiegst du mir doch zu viel!“
Es ziept... Ok das geht... AUUUUauauaua! Das hat WEH getan! Und ich dummes Rindvieh schau doch hin! Alles voller Maden!
„Na das sieht doch besser aus!“
WIE? Wenn DAS besser ist, wie sah es denn vorher aus??? Jetzt nimmt sie zwei Holzstäbchen und wühlt damit drin rum... Ich glaub ich muss gleich wieder ko... NEIN! ATME! Nicht hingucken! Atmen! Igitt ist das eklig!
„Noch ein paar, dann ist es vorbei. Sieht schön sauber aus. Jetzt können wir es mit Fett abdecken und dann kann es in Ruhe von innen hoch heilen.“
Will ich das wissen? Moment, da kommen Schritte... Oh. GROOOSS! Irgendwie kommt der mir bekannt vor... ich hab irgendwie... Angst... still sein. Nicht bewegen.
„Lebt sie?“
„Ja, sie lebt. ...Die Ahnen scheinen wohl gesonnen und haben noch etwas vor mit ihr.“
„Hmpf.“

Puh, er ist gegangen. Sie hat auch ganz still gehalten. Hat sie auch Angst vor ihm? Ihre Hände zittern ein bisschen, aber sie hat ihm aufrecht und stolz in die Augen gesehen.

Es sind ein paar Tage vergangen und ich habe heraus gefunden, dass ich bei einer Schamanin im Zelt liege. Die Heilung schreitet voran. Ein paar mal hab ich schon mich mit ihrer Hilfe aufsetzen können. Ich kann jetzt den Topf benutzen. Ist so viel besser als im Liegen zu pinkeln. SEHR viel besser! Ich kann trinken und Brei schlucken. Dem Hals geht es besser, der Kopf ...Naja. Geht so. Manchmal ist es noch, als würde ein glühender Stab darin plötzlich umkippen und dann fegt es mir die Beine weg. Muss alles ganz langsam machen. Aber sonst geht es. Bestandsaufnahme: Ich hab mein Gedächtnis verloren. Die Frau, die mich pflegt weiß davon anscheinend noch nichts, aber sie kennt mich. Sie nennt mich manchmal Maruka oder Marukani, was so viel wie 'kleine Wölfin' heißt. So nennt sie mich auch manchmal. Körperlich geht es mir besser. Ich hab einige Verletzungen, die aber langsam heilen. Die linke Hand ist noch geschient, weil wohl ein Knochen gebrochen war. In der rechten Schulter war eine Wunde, die sie genäht hat. An der linken Hüfte hab ich ein Loch, als hätte mir das jemand was heraus gebissen. Das hat sie mit den Maden geheilt, igitt! Hat aber geholfen. Dem Knie geht’s besser und am linken Fuß fehlt mir der kleine Zeh, aber ist nicht schlimm, den fühl ich meistens noch stechen, aber wenn ich hingucke, dann ist er nicht da. Soweit so gut. Ich lebe. Heute will ich noch mal versuchen zu sprechen. Hab heimlich geübt. Ah da kommt sie ja. Ah, es gibt wider Schleim zum essen... widerlich. Ich räusper mich und frage:

„W..wie - heißt - du?“
Auwei, ich kling rau wie ein Kerl. Ich weiß nicht genau was passiert ist, deshalb muss ich fragen. Sie... sieht mich so komisch an. Hab ich was falsch gemacht?
„Maruka, mach keine Scherze!“
Ich schüttel langsam den Kopf. Sie starrt. Langsam wird’s unangenehm.
„Du... du weißt nicht meinen Namen?“
Nö.
„Weist du deinen Namen?“
Nein. Ja. Ich deute mal auf sie und ihren Mund. Sprechen ist anstrengend.
„Ich hab dich ja so genannt, stimmt. Weist du was passiert ist?“
Ich zucke mit den Schultern, was sie anscheinend verzweifeln lässt. Jetzt versteckt sie ihr Gesicht hinter ihren Händen und... lacht sie etwa??? Na toll. Sie lacht.
„Entschuldige, das ist zu komisch!“
Braucht sie noch lange um sich einzukriegen? .. Na endlich. Jetzt hat sie aufgehört.
„Weist du, alle zerreißen sich das Mal über dich und Okani und du vergisst einfach was passiert ist. *grunz – kicher*“
Wer ist jetzt wieder Okani?
„Du guckst so blöd ... oh jeh. Du hast wirklich ALLES vergessen. Jetzt guckst du frustriert. Versteh ich. Ach ja, mein Name. Ist das alles verwirrend. Echt! Ich bin deine Schamanin. Skola. Erkennst mich echt nicht? “
Was soll ich denn machen? Ich kann nur die Schultern heben und den Kopf schütteln. Ich versucht es mit einem rauchigen leisen:
„Nein.“
Ist das schlimm? Sie guckt etwas traurig. Kannte ich sie gut? Mein Instinkt sagt mir, dass sie mir nichts böses will, außer sie wechselt die Verbände, dann könnt ich sie erwürgen. Es macht ihr etwas zu viel Spaß mich leiden zu sehen. Aber jetzt wirkt sie verunsichert. Das passt nicht zu ihr. Sie ist eine sehr stolze und weise Frau. Ich leg ihr einfach mal meine Hand auf den Arm.
„Ist schon gut. Ich bin nicht traurig.“
Gut. Sie lächelt wieder. Warum ist es mir wichtig, dass sie lächelt. Ich mag sie und das mehr als nur, weil sie mich die letzten Tage gepflegt hat. Sie ist mir wichtig. Huch, sie steht auf.
„Dann wollen wir mal. Aufstehn!“
WAS?
„Guck nicht so!“
Aber... Auzumharaxwasmacht sie da!!!? Hat sie mich doch einfach... ui schwindlig, aber ich stehe.
„Gut so.“
Uff. Aber gut. Eine neue Perspektive. Viel wärmer die Luft hier oben. Ich reich ihr trotzdem grad mal bis zur Schulter. Sie hält mich fest und ich fühl mich sicher, dass ist gut. Leider wird mir immer schwindliger. Ich wimmer.
„Hinsetzten.“
Gern.

Weitere Tage sind ins Land gezogen.
Bestandsaufnahme: Kopf – meistens in Ordnung, außer ich streng mich zu sehr an. Linke Hand bandagiert, aber stabil. Schulter verheilt. Hüfte fast zu, aber das wird ne richtig wulstige, hässliche Narbe. Macht mir aber nix aus. Der Zeh fehlt und wird auch nicht nachwachsen. Manchmal sticht er trotzdem. Ich kann inzwischen wieder laufen, aber Skola lässt mich nicht allein raus. Ist vielleicht auch besser so.
Es hat sich rum gesprochen, dass ich lebe und mich an nichts erinnern kann. Der große Mann, unser Häuptling war wieder da und hat mir Fragen gestellt auf die ich keine Antworten hatte. Es war brenzlig, aber jetzt glauben sie mir. So wie es aussieht, will jedoch seine Tochter, dass ich aus dem Dorf geworfen werde. Skola findet das nicht gut und will mit den darüber Ahnen reden. Wenn die kein Zeichen geben, dann muss ich gehen, sobald ich stark genug dafür bin. Wenn es nach Okani gehen würde, wäre ich tot oder sie würde mich sofort verstoßen. Was hab ich nur gemacht??? Die Erzählungen, die zu mir dringen, wechseln da etwas in ihren Aussagen... Dem was SIE erzählt glaub ich nicht. Sie lügt eh andauernd und mochte mich wohl noch nie. Ich bin ihr zu zart, zu schwach, zu menschlich... immer zu schlecht. So ist das einfach und sie hat ja auch recht. Ich bin halb menschlich. Ich bin schwächer als alle hier, kleiner, hab winzige Eckzähne. Manche Männer finden das interessant, hab ich gemerkt, aber das mögen die Frauen wider nicht. Hab ich was gemacht, dass Okani mich hasst? Hatte ich was mit jemanden, den sie wollte? Ich hab keine Ahnung. Ständig hör ich was anders. Aber es klingt alles erfunden und gelogen.
Wem ich aber glaube, dass ist Skola. Sie erzählte mir, dass man mich bewusstlos in einer Grube gefunden hatte, die man für die Fütterungszeit der kleinen Orklinge vorbereitet hatte.




NPC'S
Skola – Shamanin
Okani - Häuptlingstochter
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Maruka » Samstag 16. Mai 2026, 12:25

Ich hasse sie alle!
Ein paar Tage sind wieder ins Land gegangen und das Leben im Orkdorf hat sich für Maruka nicht zum besseren entwickelt. Seit dem gestrigen Tage ziert ein neues Veilchen ihr linkes Auge und damit ist nicht die Blume gemeint, auch wenn es in wunderschönen Tönen von Violett, Blau und Burgunder schimmert. Einer der halbwüchsigen Orks hatte sich vor kurzem einen Spaß erlaubt, was sich gerade zu einem sich immer weiter steigernden Witz im Dorf entwickelt. Ein Witz auf ihre Kosten der ganz einfach geht: Man schlägt Maruka und behauptet dann sie müsse ja wissen wofür das war.
Sehr KOMISCH!!! Grrrr...
Allein das hämische Funkeln in den Augen der Anderen verrät ihre Lüge.
...Was mach ich nur?
Mit vor Wut und Hass glänzenden Augen kauerte sie im Zelt der Schamanin und knirschte mit den Zähnen. Der Schlag ins Gesicht hatte sie wie einen Baum gefällt, da ihr Kopf noch empfindlich war. Sonst hat sie eigentlich einen ziemlichen Dickschädel wie alle Orks, aber ihre Verletzungen waren eben nur 'fast' ausgeheilt und irgendwie fühlte sie sich heute menschlicher und somit schwächer als an anderen Tagen. Leise vor sich hin murmelnd macht sie sich Luft:
„Sie spielen mit mir, als wäre ich...“
...nichts wert!
Das Gefühl der Frustration war übermächtig. Ohnmacht ergriff sie und schnürte ihr die Kehle enger. Durch den Spalt am Eingang des Zeltes konnte sie das Dorfleben ein bisschen beobachten. Skola holte gerade vom großen Feuer ein paar warme Steine für die Nacht. Ein paar der Anderen saßen noch drum herum und lachten.
Vermutlich über mich.
In der toten Ebene waren die Nächte immer eisig. Die Felsen hielten immer nur ein paar Stunden die Wärme, dann wurde es kalt.
Kalt... wie in meinem Herzen. Ich hasse sie! Alle... bis auf Skola.
Maruka atmete schwer ein und aus.
Was mach ich hier noch?
Ein Gedanke wuchs in ihr zur Gewissheit heran. Was auch immer sie hier vielleicht einmal gehalten hatte, es war nicht mehr da. Wenn es etwas mal gegeben hatte, was sie an diese Wesen band, dann war es im Nebel des Vergessens verschwunden. Dumpf vor sich hin brütend überlegte sie und ging ihre Optionen durch.
Ich muss hier weg. Aber wo hin? Soll ich wie die großen Kämpfer nach Morgeria? Schwachsinn!Auf gar keinen Fall! Ich will in keinem Krieg kämpfen, der mich nichts angeht nur um zu beweisen, dass ich es kann, wie diese Vollidioten! … Aber was will ich? Ich will hier weg. Werden sie mich gehen lassen? Für niedere Arbeiten bin ich ihnen ja gut genug und für die Jagd. Aber hier hab ich niemals eine Chance Anerkennung zu finden... Für eine Flucht, egal wohin, muss ich aber schnell sein! Sonst jagen sie mich einfach aus Spaß und verfüttern mich an die Jungen.
Sie kaute auf ihre Unterlippe.
Was will ich also da draußen? Hab ich noch nie so richtig drüber nachgedacht. ...Hm.
Diese Fragen gingen ihr schon länger durch den Kopf. Maruka stand an einem Scheideweg in ihrem Leben. Ein zartes bösartiges Schmunzeln schlich sich in ihre Mundwinkel. Es war gut verborgen hinter ihren auf den Knien abgelegten Unterarmen und sie grinste in sich hinein.
Ich könnte Okani ihren Warg stehlen. So als letzten Arschtritt. Er mag mich eh lieber als sie. Sie ist zu schwer und zu grob. Ich müsste etwas Fleisch abzweigen, damit ich ihn bestechen kann. Und ich muss auch für mich etwas zu essen horten. Ob mir Skola helfen würde?
Maruka musterte die näher kommende Schamanin. Sie wusste es einfach nicht mehr. Konnte sie ihr ihre Pläne anvertrauen? Ihr Bauch war sich sicher, aber ihr Kopf schwankte. Im Moment konnte sie manchmal nicht mal alleine durchs Dorf laufen ohne gleich wieder in Schwierigkeiten zu geraten. Sie brauchte einen Verbündeten wenn sie ihre Flucht planen wollte. Skola war 25 und eine angesehene weise Frau im Dorf. Ihr würde nichts geschehen, selbst wenn sie erwischt werden würde. Es war auch allgemein bekannt, dass Skola Maruka half. Die anderen verstanden es nicht, aber sie hinterfragten auch nicht ihr Urteil... und das der Ahnen. Maruka grübelte und suchte in ihrem lädierten Kopf immer wieder nach Erinnerungen was die Macht der Schamanin anging. In letzter Zeit brubbelte diese leise häufiger vor sich hin, aber sonst war da nichts woraus die Menkin Rückschlüsse ziehen könnte, was sie da genau tat. Skola war ihre einzige Vertraute und sie hatte ihr inzwischen ein wenig aus ihrer Vergangenheit erzählt, woran Maruka sich aber immernoch nicht erinnern konnte. So wusste Maruka inzwischen von der Schamanin, dass Ihre Mutter Xana hieß und wohl dem Trüffelkeilerstamm angehört hatte und kurz nach ihrer Geburt gestorben war. Sie hatte außer ihr während der Schwangerschaft niemandem verraten wer der Vater war, was ein Grund gewesen war, dass sie im Dorf schon schräg angesehen wurde. Einzig Skola hatte sie verraten, dass es ein Mensch gewesen war, aber nach der Geburt ließ sich das Geheimnis nicht länger leugnen. Maruka war zu klein, zu zierlich und so entschied Bantera, dass sie ausgesetzt werden sollte. Selbst zum verfüttern wäre nicht genug an dem Winzling dran. Aber Xana kämpfte um sie und wurde schwer dafür betraft und verprügelt. Skola konnte das nicht mitansehen und setzte sich für die beiden ein. So wie auch heute noch, gab sie ihren Lieblingssatz zum Besten:
„Die Ahnen haben noch etwas mit ihr vor!“
Man ließ von ihr ab, aber Xana spielte ihre Verletzungen herunter. Sie war im Innern seelisch wie körperlich 'gebrochen' und erholte sich nicht mehr von dem Vorfall. Sie begab sich viel zu früh nah der Geburt auch wieder auf die Jagd nach den beliebten Pilzen und verblutete. Skola übernahm die Verantwortung für das viel zu kleine Balg.
Sie wollten mich von Anfang an nicht bei sich haben.
Über allen stand Bantera, der Anführer der Orks, Häuptling und Vater von Okani. Laut Skolas Worten, denen Maruka durchaus glaubte auch wenn sie sich nicht erinnern konnte, so war es von Beginn an kein einfaches Leben für sie gewesen. Schwäche wurde unter den Orks verachtet und sie war der Inbegriff dieses Makels. Niemals reichte sie aus. Besonders Okani nahm das zum Anlass sie von klein auf zu quälen. Maruka sah zum Feuer wo die Häuptlingstochter mit ihren Gefährtinnen saß und lachte. Sie war groß und massig, muskulös und über allem spannte sich eine ordentliche Fettschicht, die ihr erstaunlicher Weise sogar etwas weibliches gab, auch wenn es erdrückend wirkte. Ihr riesiger Busen hüpfte beim Lachen auf und ab.
So sieht man aus, wenn man immer viel gefüttert wurde.
, grummelte Maruka in sich hinein und schaute auf ihre vergleichsweise dünnen Ärmchen. Okani holte gerade einen dicken Popel aus ihrer Nase und schnipste ihn einer Freundin an die Wange. Die wischte ihn auf und aß ihn. Dieses Verhalten war normal unter Orks, aber Maru hatte sich nie richtig eingefügt. Selbst wenn sie es versucht hatte, hatte Okani dafür gesorgt, dass es nach hinten los ging und sie missverstanden, ausgelacht oder verprügelt wurde. Bei Witzen wurde jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, wenn sie versuchte ernst zu sein, wurde sie ausgelacht und einen Grund um sie zu quälen gab es fast immer. Gewalt war an der Tagesordnung. Dafür brauchte Maruka sich nicht mal an ihre Jugend zu erinnern, die letzten Wochen reichten vollkommen aus um diesen Eindruck zur Gewissheit werden zu lassen. Laut Skola war es seit ihrem 'Unfall' nur schlimmer geworden. Maruka sehnte sich zur Seite um besser das Gehege der Warge einsehen zu können. Die meisten Tiere schliefen oder dösten. Die späten Abendstunden oder frühen Morgenstunden waren in der toten Ebene für jedes Wesen am angenehmsten, egal ob Ork, Mensch oder Tier. Man saß ums Feuer, die Männer prahlten von ihren Kampferfolgen, die jüngeren Frauen himmelten sie an und die älteren kümmerten sich um das Essen oder die Kinder. Auch wenn es klare Rollenverteilungen gab, so gab es auch immer Ausnahmen. Okani hatte auch schon den ein oder anderen Plünderzug angeführt und brüstete sich mit ihren Erfolgen. Vielleicht hielt sie sich deshalb auch einen kleinen 'Harem' aus Gefährtinnen, die von anderen männlichen jungen Orks umworben wurden. Ihr selbst fehlte nach Marukas Empfinden jeglicher Reiz.
Selbst wenn sie mich akzeptieren würden... würde ich hier bleiben wollen?
Maruka schüttelte energisch den Kopf und ließ die Stirn auf ihre gekreuzten Arme sinken. Innerlich war es bereits beschlossene Sache. Sie würde gehen. Wie genau und wann würde sich noch zeigen.
„Schläfst du im sitzen, kleine Wölfin?“
Skola war die Einzige, die sie so nennen durfte. Maruka hob wieder den Blick. Ein kleiner Schwall warme Luft traf sie und sie rückte näher an die heißen mitgebrachten Steine. Sie schenkte der Schamanin ein warmes Lächeln.
„Kann ich mit dir reden?“
„Komische Frage, aber ja. Immer.“

Dann begann Maruka Skola flüsternd in ihre noch unausgegorenen Pläne einzuweihen.
...
Nach ein paar Stunden hockten sie gemeinsam unter einem großen Fell und hielten die Füße an die nur noch lauwarmen Steine.
„Was hältst du davon?“
„Ich werd dich vermissen.“

Die Wärme in ihrer Brust war inzwischen stärker als die der langsam erkaltenden Felsbrocken. Skola hatte einige gute Vorschläge gemacht und andere Gefahren aufgezeigt, die Maruka nicht in ihren unausgegorenen Plänen bedacht hatte. Sie brauchten noch ein bisschen Zeit für die letzten Vorbereitungen und es sollte auf jeden Fall eine Neumondnacht sein, damit es besonders dunkel war. Der Moment der Entdeckung war dann am gefährlichsten, wenn Maruka den Ork stahl und mit ihm davon schlich. Die nächsten Tage sollte sie ihn schon mal heimlich 'anfüttern' und an ihren Geruch gewöhnen. Er kannte sie zwar schon, aber um ihn zu entführen, da brauchte es noch ein paar mehr 'Leckerli'. Skola plante indes ein aufwendiges Opferritual für die Ahnen, zum Teil zur Ablenkung des Dorfes, zum Teil wohl auch um die Ahnen wirklich milde zu stimmen.
„Ich bitte die Ahnen um eine gute Reise für dich. Ein bisschen Hilfe kann nie schaden.“
Maruka nickte zustimmend, zuckte aber auch mit den Schultern.
„Jetzt lass uns schlafen.“

((ooc: Ob es zu einem Besuch von Goblins im Dorf kommt, oder ob Maruka vorher die Flucht schafft und erst später auf deinen Char trifft, das überlass ich gern dir.))
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 20. Mai 2026, 10:15

In ihrem alten Leben war es schon nicht leicht für Maruka, aber der Gedächtnisverlust trug nichts zur Besserung dessen bei. Im Gegenteil! Nach wie vor wurde sie von den halbstarken Orks drangsaliert. Das Problem war jetzt, dass sie kaum mehr wusste, warum. Dennoch erwartete das gesamte Orkdorf von ihr, eine Lösung für ihr Problem zu finden, ohne ihr Informationen zu geben oder sie ein wenig an die Hand zu nehmen.
"Werde eben stärker!", blafften einige der älteren Orks, wenn überhaupt eine direkte Reaktion kam. Hinter ihrem Rücken hörte sie das Gebrummel und dass sie als Orklingfutter noch den größten Nutzen hätte. Man ging nicht gerade zimperlich mit ihr um. Einzig die Schamanin Skola stand ihr in gewisser Weise bei. Sie stellte sich zwar nicht zwischen sie und jene, die sie ärgerten, ja, sie hatte nicht einmal einen guten Rat für sie übrig, aber sie versorgte stillschweigend Marukas Wunden und verscheuchte die Mischlingsorkin nicht, wann immer sie es sich in ihrem Heim bequem machte.

Und Maruka entwickelte Hass aus Hilflosigkeit, denn sie fand keinen Weg aus ihrer Situation heraus. Doch den Hass, den konnte sie nähren. Futter dafür besaß sie reichlich. Das ganze Dorf stand inzwischen in den Flammen ihrer Wut, die tief in ihrem Herzen vor sich hin flackerte. Nur Skola blieb außen vor. Die Schamanin war so nett wie alle anderen gemein zu ihr waren. Maruka konnte es sich nicht erklären, letztendlich war sie aber froh darüber, dass sie sich nicht vollkommen allein fühlen musste. Die alte Orkin reichte aber nicht, um sie zu halten. Das Dorf war keine Heimat mehr für sie, falls es das jemals gewesen war. Sie würde sich nur unnötig quälen, bliebe sie hier und Skola konnte daran langfristig auch nichts ändern. Insgeheim hatte Maruka sich bereits entschieden: Das Orkdorf würde ein Leben ohne sie weiterführen.
Der einzige Grund, warum sie noch nicht aufgebrochen war, war das Ziel. Sie wusste noch nicht, wohin. Morgeria kam nicht in Frage. Dort wurden Orks nicht besser behandelt als sie hier. Dort würde es ihr als Mischling aus Mensch und Ork nur noch schlechter ergehen. Sich freiwillig von einer Tortur in die andere zu begeben, war schwachsinning. Der Rest der Welt war ihr jedoch unbekannt. Vielleicht sollte sie einfach losmarschieren und schauen, wohin ihre Füße sie trugen. Wenn sie ihre Abreise passend vorbereitete, sollte das doch klappen!
Dazu gehört auch, schnell unterwegs zu sein, damit Verfolger sie nicht einholten. Zu Fuß wäre das ein Problem, aber mit einem Warg unter ihrem Hintern könnte es gelingen. Okanis Warg mochte sie und als das Reittier ihrer Feindin wäre es ein größerer Hieb in ihre zahnige Visage. Außerdem galt Okanis Warg als eines der schnellsten Tiere. Es war die perfekte Idee für einen guten Abgang.
Langsam tüftelte Maruka einen Plan in ihrem heilenden Dickkopf aus. Es war wichtig, dass sie ihn jetzt zusammenstellte, damit es später keine Probleme gäbe. Also dachte sie lang und angestrengt nach, ging die Details durch. Letztendlich entschied sie sich sogar, Skola alles anzuvertrauen. Die Schamanin hörte zu. Sie kommentierte nichts, bis Maruka nachfragte und selbst dann blieb sie vage. Sie sprach ihrem Schützling wieder zu, diesen Plan zu verfolgen, noch versuchte sie, sie davon abzuhalten. Es war Marukas Entscheidung und Skola spielte lediglich die vertraute Beobachterin in ihrer Geschichte. Jene, die sie unterstützen würde, bat man sie darum, aber auch jene, die sich nicht gegen ihr eigenes Volk stellen würde. Und das war wohl mehr Unterstützung als Maruka sich erhoffen könnte.
Tatsächlich aber half sie dann doch mehr als erwartet, denn sie fädelte mit Maruka deren Pläne aus. Sie brachte immer wieder neue Perspektiven und Gedanken ein, damit Marukas Verschwinden auch gelänge. Sie erinnerte sie an einige Punkte, für die sie eine Lösung benötigen würde und riet ihr am Ende, bis zu einer Neumondnacht zu warten. Es wäre dunkler und die Augen ihrer Verfolger getrübt. Maruka würde auf Okanis Warg vorankommen. Warge konnten gut im Dunklen sehen. Er würde sie leiten.

"Das Problem, kleine Wölfin, ist hierbei noch, dass die verbliebenen Warge nun einmal auch gut sehen können", meinte Skola, während sie einige schrecklich stinkende Utensilien für das Ritual zusammen mischte. Sie hielt Maruka die Schale unter die Nase. Der Geruch war kaum erträglich. "Riecht furchtbar, nicht wahr?" Skola kicherte. Dann hob sie einen Zeigefinger an. Für das Ritual hatte sie ihn mit Dreck schwarz gefärbt. "Wir machen uns das zunutze. Nun, diese Substanz kann ich nicht verwenden. Die Warge würden krank werden. Wir wollen sie daran hindern, dich zu verfolgen, aber nicht dafür sorgen, dass sie leiden. Du besitzt als Mitglied der Schwarzen Trüffelkeiler. Als solches besitzt du eine überdurchschnittliche Riechfähigkeit, vor allem, wenn es darum geht, Trüffel aufzuspüren. Genau das wirst du nun tun." Skola stellte die Schale mit dem stinkenden Ritualgemisch beiseite, winkte Maruka ihr zu folgen und verließ das Zelt. Draußen dämmerte es bereits. Neumond war noch einige Nächte entfernt, aber langsam musste sie sich auf ihre Flucht vorbereiten, sonst wäre es zu spät.
Skola ging voraus. Sie steuerte nicht das große Feuer im Zentrum ihres Dorfes an, wo sich einige der Orkjäger verschiedener Clans versammelt hatten. Ihre Fresslaute zeugten von einer erfolgreichen Jagd. Sie ging aber auch nicht zu dem kleinen, mit Steinen umsäumten Loch, aus dem die Clans ihr Wasser bezogen. Ebenso mied sie die Felder mit den kümmerlich wachsenden Wildkarotten und -kartoffeln.
Stattdessen näherte Skola sich dem offenen Loch im Palisadenzaun, der das Dorf umgab: Der von zwei Orks auf ihren Wargen bewachte Haupteingang. Sie beäugten die Orkin und den Mischling flüchtig. Es war nicht unüblich, um diese Tageszeit noch das Dorf zu verlassen. Allerdings...

"Brauchst du Begleitschutz, Skola? Du bist keine ausgebildete Kriegerin, nicht einmal eine Jägerin. Du solltest nicht allein in die Tote Ebene gehen." Maruka wurde komplett ignoriert, als wäre sie nicht einmal einen Blick wert. Skola winkte ab.
"Nein, nein, ich bleibe hier. Ich habe das Ritual zur Neumondnacht vorzubereiten. Aber Maruka wird gehen. Sie soll mir einige Zutaten bringen."
Einer der Orkwächter lachte: "Jau, schick sie. Falls sie verloren geht, ist's kein Verlust!" Sein Kumpane stimmte ein. Skola kommentierte es nicht. Sie tippte Marukas Oberarm an, damit die Menkin sich zu ihr herab beugte und sie ihr etwas zuflüstern konnte: "Finde so viele gute Trüffel wie möglich. Ich weiß, dass deine Nase das kann. Danach komm zu mir zurück." Sie reichte ihr einen geflochtenen Weidenkorb mit Deckel und wartete nur darauf, dass Maruka sich auf den Weg machte.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Maruka » Donnerstag 21. Mai 2026, 10:01

Skola half Maruka deren Fluchtpläne auszuarbeiten, nachdem sie sie eingeweiht hatte. Sie brachte immer wieder neue Perspektiven und Gedanken ein, damit Marukas Verschwinden auch gelänge. Warge konnten gut im Dunklen sehen, dafür waren die Neumondnächte am besten geeignet. Er würde sie leiten, wo sie selbst dann im Nachteil wäre. Doch Skola sah auch hier eine Hürde die es noch zu meistern galt.
"Das Problem, kleine Wölfin, ist hierbei noch, dass die verbliebenen Warge nun einmal auch gut sehen können."
, meinte Skola, während sie einige schrecklich stinkende Utensilien für das Ritual zusammen mischte.
Himmel, was ist das??? Ja....äh...igitt... Die anderen Warge könnten uns folgen,weil sie auch gut sehen...
Sie hielt Maruka die Schale unter die Nase. Der Geruch war kaum erträglich und Marukas Nase ...nein, eher ihr Gehirn weigerte sich strikt auch nur an die Zutaten zu denken, die sich da in ihre Nase brannten. Ihre Hirnwindungen schienen sich regelrecht zu verknoten.
"Riecht furchtbar, nicht wahr?"
Maruka würgte anschaulich, aber trocken und Skola kicherte.
"Wir machen uns das zunutze. ...“
Ihr Verstand war so sehr mit dem Geruch beschäftigt, dass er das Problem mit dem 'gut sehen' und dem Gestank nicht in Zusammenhang bringen konnte.
Unter diesem Gestank könnte man meine Fährte auf jeden Fall verbergen.
„Nun, diese Substanz kann ich nicht verwenden.“
Also nicht?
„Die Warge würden krank werden. Wir wollen sie daran hindern, dich zu verfolgen, aber nicht dafür sorgen, dass sie leiden.“
Maruka nickte eifrig. Kein Wesen sollte ihretwegen leiden. Aber der Zusammenhang erschloss ich ihr gerade nicht.
„Du besitzt als Mitglied der Schwarzen Trüffelkeiler eine überdurchschnittliche Riechfähigkeit, vor allem, wenn es darum geht, Trüffel aufzuspüren. Genau das wirst du nun tun."
Gut, mach ich... aber warum?
Maruka verstand den Plan der Schamanin noch nicht so ganz. Trotzdem vertraute sie ihr. Skola stellte die Schale mit dem stinkenden Ritualgemisch beiseite, winkte Maruka ihr zu folgen. Draußen dämmerte es bereits und außerhalb Skolas Hütte konnten sie sich auch nicht gut unterhalten, also fragte Maruka auch nicht nah. Sie steuerten das offene Loch im Palisadenzaun an, der das Dorf umgab. Er wurde von zwei Orks auf ihren Wargen bewacht. Sie beäugten die Orkin und den Mischling flüchtig. Es war nicht unüblich, um diese Tageszeit noch das Dorf zu verlassen und Skola war schon häufig in Marukas Begleitung gesehen worden. Allerdings nutzten die Beiden natürlich die Gelegenheit für eine kleine Erniedrigung:
"Brauchst du Begleitschutz, Skola? Du bist keine ausgebildete Kriegerin, nicht einmal eine Jägerin. Du solltest nicht allein in die Tote Ebene gehen."
Maruka wurde komplett ignoriert, als wäre sie nicht einmal einen Blick wert. Maruka biss die Zähne fest aufeinander um jetzt nichts unbedachtes zu sagen. Es war nur mehr Zunder für ihren Hass. Skola winkte ab.
"Nein, nein, ich bleibe hier. Ich habe das Ritual zur Neumondnacht vorzubereiten. Aber Maruka wird gehen. Sie soll mir einige Zutaten bringen."
Einer der Orkwächter lachte:
"Jau, schick sie. Falls sie verloren geht, ist's kein Verlust!"
Sein Kumpane stimmte ein.
Ja ja, ich weiß. Es würde niemanden stören, wenn ich einfach verschwinden würde.
Skola kommentierte es nicht. Sie tippte Marukas Oberarm an, damit sie ihr etwas zuflüstern konnte:
"Finde so viele gute Trüffel wie möglich. Ich weiß, dass deine Nase das kann. Danach komm zu mir zurück."
Maruka nahm den geflochtenen Weidenkorb mit Deckel und machte sich auf den Weg.
Nur kurz hinter der Palisade, kam ihr tatsächlich der Gedanke:
Was wenn ich JETZT wirklich einfach los laufe?... Skola würde mich vermissen und ich hätte bald Hunger und Durst. Nein. Ich würde nicht weit kommen, selbst wenn sie mich gehen lassen und nicht mal einfach so zum Spaß jagen würden.
Sie kaute auf der Innenseite ihrer Wange. War die Selbstversorgung wirklich ein Problem? Maruka war eine fähige Jägerin und eine gute Trüffelsucherin. Sie kannte sich in der Wildnis aus, aber eben nur in ihrem Revier. Sie zweifelte an ihren Fähigkeiten, da es alle anderen auch taten. Wirklich weit weg war sie noch nie gewesen, zumal sie auch keinen eigenen Warg hatte.
Mit Warg wäre alles leichter. Ohne würden sie mich vermutlich sofort gehen lassen. ...Außer Okani, die würde mich so oder so jagen wollen, einfach nur aus Bosheit.
Missmutig vor sich hin stapfend, schnupperte sie immer mal wieder hier und da in der Luft oder an den Wurzeln der hiesigen Pflanzen um den vertrauten würzigen Duft einzufangen. Bald verwarf sie ihre düsteren Gedanken und sie konzentrierte sich ganz auf die Suche. Die Dämmerung schritt voran und langsam legte sich die Nacht über die tote Ebene. Hier oben im Norden war sie jedoch garnicht so tot wie manch einer glauben mochte. Schließlich fand man hier das schwarze Gold der Erde. Trüffel waren nicht nur bei den Orks beliebt. Sie waren in vielen Kulturen eine Delikatesse und ihr Armoma war eine intensive Köstlichkeit, mit herben erdigen Noten und der Würze des geballten Lebens. So empfand es auch Maruka. Manche Trüffeljäger hielten sich sogar Wildschweine für die Suche, aber die dummen Viecher fraßen auch leider immer einen großen Teil, bevor man sie zurück halten konnte. Im Laufe der Evolution hatte sich im Trüffelkeilerstamm bei einigen die Fähigkeit heraus gebildet, dass sie besonders gut diesen exquisiten Pilz selbst erschnüffeln konnten. Maruka war sich dieser Fähigkeit zwar bewusst, aber wusste sie leider (noch) nicht zu schätzen, da sie meist mit Arbeit und Stundenlangen Märschen verbunden war. So lief sie weiter und schnupperte an der noch warmen Erde. Die Dämmerung war dafür perfekt, denn wenn der Boden noch vom Tage aufgeheizt war und die Luft der Nacht dann kühler wurde, stiegen die Aromen aus dem Erdreich empor und man konnte sie am besten finden. Sicher roch sie auch noch vieles anderes, aber Maruka konzentrierte sich ganz auf ihre Aufgabe. So war sie auch ein wenig in Gedanken versunken und leicht abgelenkt. Sie bewegte sich der Natur angepasst leise und wo ihre Nase suchte, da wanderten ihre Augen hin und her um direkte Gefahren auszumachen. Schließlich wollte man auch als Halbork nicht auf eine Schlange oder einen Skorpion treten, auch wenn die Haut ihrer Sohlen dick waren. Orks trugen keine Schuhe und Maruka auch nicht, auch wenn es vielleicht manchmal ein Vorteil wäre. Derzeit war barfuß gehen aber die einzige Option und so schlich sie geduckt durchs spärliche Unterholz, die Nase nah am Boden. Ohne ihren Bogen und die Orkdolche ging sie nie aus dem Dorf und am Leib trug sie einen etwas längeren Lendenschurz und eine einfache kurze Weste, beides aus Leder. Den Korb hatte sie an einem Band an der Hüfte befestigt, damit sie die Hände zum wühlen frei hatte.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 28. Mai 2026, 09:57

Mit einer vortrefflichen Nase gesegnet worden zu sein, konnte auch seine Nachteile haben. Vor allem, wenn man eine Schale unaussprechlich stark miefender Substanz unbekannter Herkunft vorgesetzt bekam. Zum Glück verlangte Skola von Maruka nicht, das Zeug zu essen! Es war für die Warge bestimmt und man konnte mit nur einem kurzen Schnuppern sofort überzeugt sein, dass der Plan auf diese Weise aufginge. Unter den Schnauzen der Tiere verteilt, würden sie nicht einmal mehr einen Trollfurz riechen, selbst wenn sie ihren Kopf vorher in dessen Hintern stopfen würden.
Zur Überraschung der Halb-Orkin aber wollte die Schamanin das Stinkezeug für die Warge gar nicht einsetzen. Auf der einen Seite bedeutete dies Erleichterung, denn dann würde auch Maruka es nicht mehr schnuppern müssen. Zum anderen verstand sie nicht ganz, warum die andere es dann überhaupt ansprach, nur um nun auf das Thema der Trüffelsuche überging. Viel mehr verriet Skola auch nicht, sondern brachte ihren Schützling bis an das Palisadentor ihres Dorfes. Dort plauderte sie kurz mit den Wachen und machte ihnen klar, dass Maruka nun unbedingt Trüffel für sie suchen musste und wenig später verabschiedete wie sich auch schon wieder. Das Ritual zur Neumondnacht musste vorbereitet werden.
Maruka blieb am Tor zurück. Für einen Moment wägte sie ihre Situation ab. Die Orkwächter hatten ihr durch ihr herablassendes und ignorantes Verhalten bereits deutlich gemacht, dass niemand sie vermissen würde. Warum nicht also jetzt abhauen? Sie bräuchte nur auf ihrer Suche "verloren gehen". Die meisten würde es gar nicht interessieren und jene, die ihr Fehlen feststellten, würden ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit Dummheit unterstellen. Aber Maruka könnte es dann egal sein, denn sie wäre längst fort.
Aber ihr Verstand hielt sie zurück. Dass Skola sie vermissen würde, wie die Ältere bereits angekündigt hatte, wäre zu verschmerzen. Hunger und Durst aber nicht und die Tote Ebene bot nicht gerade reichhaltige Angebote an beidem. Ohne ausgebildete Jäger, Fährten- und Wassersucher käme sie nicht weit. Das bedeutete nicht, dass sie außerhalb des Dorfes nicht überlebensfähig wäre. Die Region machte es schwer, zumindest zu Fuß. Sie brauchte Okanis Warg, dann könnte sie größere Strecken nicht nur schneller zurücklegen, sondern auch weiträumiger nach Nahrung, Wasserstellen und sicheren Lagerplätzen suchen. Eine Flucht als Kurzschlussreaktion kam also wirklich nicht in Frage. Nicht ohne ein Reittier.
Es trübte ihre Stimmung für eine Weile so sehr, dass Maruka kaum bemerkte, wie sie das Dorf verließ. Gedankenverloren ließ sie sich einfach von ihrer Nase leiten. Ihre Hornhaut bewährten Füße taten den Rest. Die vielen kleinen Steinchen spürte sie darunter überhaupt nicht, dem orkischen Teil ihres Blutes sei Dank. Wahrschienlich könnte sie sogar über den einen oder anderen spitzen Dorn laufen, ohne Schaden zu nehmen. Sie war eben auch robust und sollte mehr an sich selbst glauben. Wenn andere sie jedoch ständig als wertlos bezeichneten, wurde es mit jeder weiteren Aussage von außen schwerer, das zu tun. Umso wichtiger für ihr eigenes Selbstwertgefühl wäre es, diesem Leben zu entkommen. Also wieder auf den Plan konzentrieren, den Skola ausgearbeitet hatte, auch wenn Maruka die Details nicht kannte. Sie wusste nur, dass sie Trüffel suchen musste; gute Trüffel! zurück an die Arbeit!

Die Tote Ebene besaß ihren eigenen Charme und bei Dämmerung, wenn die Luft nicht so aufgeheizt wurde, wirkte es fast mystisch. Staub wirbelte sanft von einigen trockenen Erdstellen auf. Dicke, fleischige Krautflechten wuchsen flach am Boden. Dornsträucher boten zwischen den Felsen ungesehene Gefahren, wenn es noch dunkler würde.
Maruka verließ sich vollkommen auf ihre Nase. Sie wurde von einem angenehmen Duft angezogen. Etwas, das ihren Riechkolben kitzelte und die Erinnerung an etwas Süßliches zurückließ. Das war nicht das Aroma von Trüffeln und dennoch anziehend. Dem Geruch folgend fand sie tatsächlich eine graugrüne Stelle hinter einigen hohen Felsen, die sich wie die kantigen Finger einer Hand zu immer tiefer sinkenden Sonne streckten. In sanftem Lila schimmerten dort die Blüten einiger Disteln. Sie wuchsen dermaßen zahlreich an dieser Stelle, dass man sie fast für einen einzigen, dicken Strauch halten könnte. Aber die Menkin sah mehr als die Schönheit der Pflanzen, von der der angenehme Duft ausging. Wo Disteln gedeihen konnten, war der Boden fruchtbar. Das bedeutete, er hatte Zugang zu Wasser und das musste heißen, dass es hier auch eine Stelle mit weicherer Erde geben mochte. Feuchte, nahrhafte Erde - der perfekte Ort für die saftigen Trüffel.
Maruka setzte erneut ihre Nase ein. Gezielt schnüffelte sie jetzt und musste sich etwas vorbeugen, da sie das Trüffelaroma näher am Boden auch leichter würde ausmachen können. Oh, diese herbe, würzige Mischung! Sie stieg ihr in die Nase. Ja, das mussten definitiv Trüffel sein! Und dort vorn wuchsen einige Brennesseln, was noch mehr für guten Boden sprach. Maruka brauchte nur der Fährte zu folgen. Ihre Nase würde sie schließlich zum schwarzen Gold des Bodens leiten. Sie konnte darauf vertrauen!

Das tat sie auch, weshalb ihre Augen wachsam die Umgebung absuchen konnten, während der Rest von ihr ganz ihrer Nase folgte. So blieb sie vor Hinterhalten gefeit. Aber es waren weder ihre Nase, noch ihre Augen, die ihr Bestätigung schenkten, dass sie nicht allein war. Ihre Ohren meldeten ein Geräusch, welches sie nicht zuordnen konnte. Kein Tier machte solche Laute, jedenfalls keines, das sie kannte. Und irgendwie klang es fast wie eine Sprache. Je nachdem, ob Maruka des goblinischen Terkin fähig war, würde sie das Gefluche auch verstehen, das von jenseits einiger Felsen käme.
"...flixt und zugenäht! Höhle, Trollarsch und Zwirn! Jaha, neuen Zwirn werde ich brauchen. So ein Ärgernis! Und all diese Dornen...AUA!" Was sie in jedem Fall ausmachen konnte, war der Schmerzlaut, der das Zetern unterbrach. Es stammte von einem kleineren Wesen als sie selbst. Sehr viel kleiner, nicht einmal anderthalb Meter groß, mit grüngrauer Haut und schwarzem Haar. Es sah beinahe aus wie ein Orkkind, nur bei weitem nicht so hässlich ... und nicht so kräftig. Dürr wie ein Stecken zerrte es an selbigen, weil sich die Tunika am unteren Saum in einem widerspenstigen Dornenstrauch verfangen hatte. So sehr der kleine Mann auch zog, er konnte sich nicht befreien. Dafür riss der Stoff mehr und mehr, was ihn nur noch lauter schimpfen ließ. In seinen Unterarmen steckten bereits einige Dornen des Strauchs, so dass er dort bald einem Igel ähneln würde. Das Schlimmste an der Situation aber war, dass von seiner Position ein starker Trüffelgeruch ausging. Er musste genau auf der Stelle stehen, die Maruka suchte und wenn er mit seinen Lederstiefel so weitertrampelte, würde er am Ende noch das kostbare Gut zerstören.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Maruka » Samstag 30. Mai 2026, 10:20

Trüffel … Trüffel! … Trüffel!!
Marukas Aufmerksamkeit galt ganz und gar ihrer Umgebung und damit verblassten die stumpfsinnigen Gedanken bald. Die Umgebung hatte auch einiges an Schönheit zu bieten, die manch einer nicht zu schätzen wissen würde. Doch die Menkin hielt sehr gern einen Moment inne, als sie die Sandteufel tanzen sah und der süße Duft der Disteln ihr in die Nase stieg.
Wunderbar...!
Dem Geruch folgend fand eine fruchtbare Stelle Erdreich hinter einigen hohen Felsen. Die länger werdenden Schatten malten lange Finger einer Hand in den Sand und schienen ihr den Weg zu weisen.
Trüffel! Trüffel! Wo Disteln gedeihen können, da gibt es Wasser im Boden.
Gezielt schnüffelte sie jetzt mit ihrer Nase dicht über dem Erdreich. Teilweise kroch sie sogar und hätte aus er Ferne wirklich für ein Wildschwein her halten können.
Oh, diese herbe, würzige Mischung! ... Brennsesseln! Ich komm näher. Trüffel wo seid ihr?
Wachsam suchte sie ihre Umgebung ab, bis ihre Ohren ein Geräusch vernahmen, was sie nicht zuordnen konnte. Sofort hielt sie mitten in der Bewegung an und lauschte.
Was quiekt da? Ein Ferkel? Nein... es hört sich anders an... spricht da jemand?
"...flixt und zugenäht! Höhle, Trollarsch und Zwirn! Jaha, neuen Zwirn werde ich brauchen. So ein Ärgernis! Und all diese Dornen...AUA!"
Es klingt wie …
Ihr fiel nichts passendes ein. Das Orkdorf hielt sich bewusst von Fremden fern und mied den Kontakt zu Morgeria, da man sonst schnell seine Leute an die dunkle Armee verlor. So war Maruka nie in die Situation gekommen andere Wesen als Orks kennen zu lernen. Skola hatte ihr vielleicht mal die ein oder andere Geschichte erzählt, aber dann hatte der „Unfall“ mit Okani ihr das Gedächtnis geraubt. So war sie ein unbeschriebenes Blatt und näherte sich nun lautlos den quengelnden Lauten.
Es klingt ...meckernd.
Ein Schmerzlaut unterbrach das merkwürdig unverständliche Zetern und sie spähte vorsichtig über einen der Felsen. Er stammte von einem kleinem Wesen. Sehr viel kleiner als sie selbst, nicht einmal anderthalb Meter groß, mit grüngrauer Haut und schwarzem Haar.
Ein Orkkind? Sehr mager und was hat es da an?
Ihr Verstand stolperte noch über weitere Details die ihre fälschliche Annahme widerlegen wollten, wo ihr Instinkt sie bereits handeln ließ. Sie näherte sich von hinten. Das Balg hatte sich in einem Dornenstrauch verfangen. Um so mehr es zog, um so schlimmer wurde es. Maruka hörte wie etwas riss und dass ließ das Kind noch lauter schimpfen. In seinen ausgezehrten Unterarmen steckten bereits einige Dornen, so dass es einem Igel ähnelte. Innerlich grummelnd stellte die Jägerin fest:
Und diese Kackbratze sitzt auch noch auf meinen Trüffeln! Und was hat es da an den Füßen? Mach damit nicht meine Trüffel kaputt!!!
Maruka war mit wenigen Schritten da, packte das Balg am Kragen und hob es ein Stück an.
„Halt still!“
, grummelte sie ungehalten natürlich in Krzner. Die Dornenranken wurden geschickt mit dem Messer zerteilt und dann das zappelnde kleine Wesen in sicherer Distanz zu ihrer Beute abgesetzt.
Wahrscheinlich eins der Orklinge, die von ihrer großen Orka nicht zurück gekommen sind...
, dachte sie noch missmutig und wedelte mit der Hand, dass 'er' verschwinden solle. Sie nannte ihn mental 'Der Kleine', denn sie glaubte inzwischen, es könnte ein Junge sein. Ein echter Ork hätte das Kind seinem Schicksal überlassen, oder es schlicht getötet, denn sie verabscheuten Schwäche. Orks fraßen Fleisch und manchmal sogar einander, also hätte das Balg auch auf dem Teller eines Artgenossen landen können. Maruka war aber anders. Sie würde ihn jetzt nicht unbedingt füttern oder helfen die Dornen los zu werden, aber sie hatte geholfen.
...oder vielleicht doch füttern?
Er wirkte schon arg verhungert, dass es schon fast weh tat ihn nur anzusehen. Sie hatte aber eh nichts dabei und ihre Trüffel kamen nicht in Frage! Sie spähte aus dem Augenwinkel zu ihm und hockte sich hin, was im ersten Moment fast sozial hätte wirken können, wollte man sich auf Augenhöhe unterhalten.
Hoffentlich läuft er einfach weg.
Sie drehte ihm aber gleich den Rücken zu und grub sodann vorsichtig nach den kostbaren Pilzen.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Erzähler » Montag 8. Juni 2026, 08:53

Maruka hatte schon viele Schweine quieken hören. Gerade die kleinen Ferkel waren besonders laut, wenn die Jungorks sie roh verspeisen wollten und einfach in sie hinein bissen. Doch das hier klang nur beim ersten Hinhören so. Als sie ihre Ohren spitzte, stellte sie nämlich fest, dass dieses mutmaßliche Schweinchen auch sprechen konnte. Zumindest nahm sie an, dass es einer Sprache nahe kam. Die Worte verstand Maruka nicht wirklich, obwohl sie ihr vertraut vorkamen. Der Rhythmus besaß ein Muster, so wie das Krz'ner, das sie gelernt hatte. Manchmal konnte man schon anhand der Lautstärke oder der Tiefe eines Brummtons feststellen, was der andere wohl zu sagen hatte. Nutzte sie dieses Wissen auf das Gequieke vor ihr, so war wer auch immer da blökte entweder ängstlich oder ziemlich ungehalten. Vielleicht galt beides.
Bei Maruka weckte es allerdings die Vorsicht. Nicht umsonst hielt ihr Dorf sich von Morgeria fern. Die Orks lebten nomadisch und zogen lieber weiter als sich mit anderen anzulegen. Ein Verhalten, das man den gorßen, kriegerisch aussehenden Gestalten nicht zuordnen wollte, letztenlich aber waren ihre einzigen Ambitionen, in Frieden ihren Alltag zu bestimmen. Und da gerade die morgerianischen Dunkelelfen keine Freunde davon waren, anderen Völkern Frieden zu gönnen, war es das beste, ihnen aus dem Weg zu gehen. Trotz ihres Gedächtnisverlusts schien diese Vorgehensweise auch in Maruka irgendwo verwurzelt. Sie war aber nicht stark genug, als dass die Neugier nicht obsiegte. So näherte die Menkin sich vorsichtig dem Keckern und Zetern.
Zum ersten Mal in ihrem Leben entdeckte sie etwas, das zwar ähnlich klein wie sie in ihren ersten Jahren unter Jungorks war, aber trotzdem nicht so aussah. Dafür waren die Ärmchen, die Beine, ja schlichtweg alles an ihm viel zu dünn. Das Wesen besaß nicht einen Muskel in seinem Sack aus Fleisch und Haut! Selbst Maruka könnte ihn wie einen Zweig in der Mitte durchbrechen, würde sie ihre Pranken um den schmalen Leib legen. Jener Leib, der mit seiner Kleidung an dem Dornstrauch festhing.
Generell würde Maruka das auch tun oder dieses Balg von einem unterernährten Orkkind einfach vertreiben, aber wenn der Kleine zu viel herum trampelte, dann würde er noch all die Trüffel zerstören, die sich unter seinen Füßen befinden mussten. Füße, die in ... etwas steckten. Im Orkdorf hatte Maruka auch vor ihrer Amnesie niemals die Gelegenheit erhalten, Schuhe zu sehen und auch jetzt wirkten diese seltsamen Dinger irgendwie bizarr. Aber robust sahen sie trotzdem aus. Robust genug, all die köstlichen Trüffel platt zu trampeln! Das musste sie unbedingt verhindern, zumal der Geruch ihr so zielsicher in die Nase stieg. Dieser Spur war sie die ganze Zeit gefolgt. Wenn sie diese Trüffel verlöre, wäre all die Arbeit von vorhin umsonst gewesen. Nein, das wollte und konnte sie nicht zulassen. Schon gar nicht, wenn das Problem an der Sache nicht mehr als ein dummes, viel zu dürres Balg irgendeines Orkenstammes war.
Sie reagierte schnell und bewegte sich überraschend still auf den Kleinen zu. Überraschend für das mutmaßliche Kind, denn als Jägerin wusste Maruka, ihren Körper so einzusetzen, dass sie weder Wild noch Trüffel unnötig aufscheuchte. Sie zählte zwar nicht zu den klassischen Jägern ihres Clans - ha! Die würden sie niemals mitnehmen und mit gleichem Respekt behandeln! - aber auch sie hatte sich einiges angeeignet. Wie Skola sagte: Sie besaß Talente, die sie selbst nicht sah, obwohl sie jene ständig erfolgreich zum Einsatz brachte. So auch hier, als sie sich unbemerkt dem kleineren Wesen näherte und es plötzlich am Nacken packte, um es ein Stück anzuheben.
"Verdammt, so komme ich niemal-! Hey! HEY! WAS SOLL DAS?! AHHHHHH!!!!" Und dann verstummte es, anstatt am ausgestreckten Arm der Halborkin wild zu zappeln. Marukas Aufforderung, still zu halten, fruchtete. Das bedeutete doch, dass der Kleinere sie verstand. Aus verwirrten Augen blickte er ihr entgegen. Sie waren schwarz und glänzten wie diese kleinen, dicken Käfer, die so schön zwischen den Zehen knackten, wenn man sie zerquetschte. Dass Maruka jenes mit dem Kind vor hatte, schien ihn nicht zu erschrecken. Vielleicht aber handelte es sich gar nicht um ein Kind. Dem Kerlchen wuchs ein Bart! Recht spitz, aber ordentlich gepflegt bildete die Spitze beinahe eine Locke, weil sie sich ein wenig kringelte. Das mochte daran liegen, dass dieses Wesen auch jetzt noch nervös wie fasziniert daran herum zupfte. Nein, keines von beidem. Es keckerte wieder.
"Wenn du Dank erwartest, bist du bei mir an der falschen Stelle. Du kannstm ich jetzt herunter lassen, dann bin ich dir nicht böse, dass du dich so angeschlichen hast. Hmmm, was bist du? Ein Ork?"
Sie musterten einander geraume Zeit. Für einen Orkling war der Kleinere arg dünn, im Gesicht viel zu behaart und außerdem funkelte etwas Goldenes in seinem Ohr. Ein Ring, den er vermutlich nur als Ohrschmuck tragen konnte, weil seine Finger viel zu dürr waren, um ihn zu halten.

Endlich setzte Maruka den anderen ab, weit genug weg, um die Trüffel zu sichern. Mit ihrem Messer hatte sie ihn nicht nur von den Dornen befreit, sondern auch sogleich auch etwas Platz geschaffen. Sie wollte nicht wie das Kind aussehen, würde sie gleich im Boden wühlen. Dafür waren ihre Arme ihr dann auch zu schade. Der Dornstrauch musste teils weichen, das Kind hoffentlich ganz. Doch jetzt stand es noch neben ihr, guckte und musterte sie. Wenigstens blieb es erst einmal still. Trotzdem störte es, so dass Maruka ein Handzeichen gab, dass es verschwinden konnte. Ihre Trüffel würde sie gewiss nicht mit dem Kleinen teilen. Die Große Orka bestand auch darin, sich sein Essen selbst zu suchen. Sie würde für das Kind nicht solche Leckereien ausbuddeln, zumal sie sie selbst benötigte. Immerhin entschied sie sich nicht, ihn zu ihrer Mahlzeit zu machen, was mehr Gnade war als sich der Kleine vom Rest ihres Clans erhoffen könnte.
Sie hockte sich einfach nur hin, beobachtete das Kind noch einen Moment aus dem Augenwinkel.

Der Fremde, ein Goblin seines Zeichens und bereits ausgewachsen, ließ den Blick über Maruka wandern. Er konnte sie nicht ganz einordnen. Sie besaß orkische Züge und doch war da noch etwas Anderes. Etwas, das auch der Goblin nicht so recht bestimmen konnte. Noch nicht. Er würde sich Gedanken in seinem kleinen, aber mit Gedanken gut trainierten Schädel machen müssen - sobald er sich beruhigt hätte. Dieses unglücklich Ereignis saß ihm noch mächtig in den Gliedern, so wie die Dornen noch immer in seiner Haut steckten. Außerdem hatte er sich ein wenig ... nun ... eingenässt. Maruka konnte die leichte Note Urin zwischen dem Trüffelgeruch nun auch ausmachen, wenn sie sich darauf kozentrierte. Denn das war der eigentliche Grund, weshalb es den unbekannten Goblin in diese Felsennische verschlagen hatte. Dass er sich im Dornstrauch verhedderte, stand nicht auf der Agenda. Jetzt musste er seinen Zwirn nicht nur flicken, sondern auch noch waschen. Am besten suchte er sich sofort Ersatz in seinem Lager. Wichtig war, dass niemand sein Missgeschick bemerkte.
Maruka nahm es jedenfalls nicht zum Grund, ihn vorzuführen. Sie wandte ihm ihren Rücken zu udn begann damit, den Erdboden vorsichtig beiseite zu schichten, um nach den Trüffeln zu sehen. Schon entdeckte sie die erste, dunkle Knolle. Heil, wohlriechend und ein bisschen erdig. Perfekt!
"Ich schätze, du erwartest keine Belohnung für meine ... ähem ... nun ... Rettung. Ich lass dich einfach dein Ding machen. Auf nimmer Wiedersehen!" Bewusst sprach er nicht auf Krz'ner mit ihr, obgleich er es beherrschte. Doch diese seltsame Orkin schien ihn nicht zu verstehen und bevor er doch noch etwas an sie abdrücken musste, verzog er sich lieber. Maruka hörte noch, wie er mit seinen seltsamen Fußlappen davonstapfte, aber ihre Konzentration galt bereits den köstlichen Trüffeln. Und schon war das andere Wesen wieder verschwunden.
Sie aber konnte sich nun einige Stunden damit beschäftigen, die wertvollen Pilze nach bester Manier ihrer Art freizulegen und einzusammeln. Der festgebundene Korb an ihrer Hüfte war bald reichlich gefüllt. So sehr, dass sie sich durchaus einen eigenen Anteil würde abzwacken können und allein der Gedanke einer leckeren Trüffelmahlzelt erfüllte ihr Herz mit Freude. Inzwischen war es dunkel geworden und nur ihr orkischer Anteil Blut in ihrem Körper gestattete es ihr, in der Dunkelheit noch mehr als nur Schemen auszumachen. Trotzdem verließ Maruka sich auf ihre Nase, würde sie den Heimweg antreten. Oder doch nicht? Sollte sie vielleicht ebenfalls wie das kleine Monster von vorhin, allein zurechtkommen? War das hier ihre Große Orka, Stufe zwei? Oder nur eine Gelegenheit, sich aus dem Staub zu machen? Aber die Gedanken hatte sie bereits geführt und entschieden, dass es ernünftiger wäre, zum Dorf zurückzukehren. Den Weg kann sie. Weit war es nicht und sicher wartete Skola auch schon mit einer trüffelfreien Mahlzeit auf sie. Hoffenltich gäbe die Schamanin ihr dann endlich Antworten, was sie mit den gesammelten Pilzen und den Wargs denn vor hätte.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Maruka » Mittwoch 10. Juni 2026, 06:15

Marukas Aufforderung, still zu halten, hatte Wirkung gezeigt.
Versteht er mich?
Aus verwirrten Augen blickte er ihr entgegen.
Vielleicht doch nicht.
Seine Augen waren so aus der Nähe betrachtet wie diese kleinen, dicken Käfer, die so schön zwischen den Zehen knackten, wenn man sie zerquetschte. Kurz zuckte ihr Mundwinkel.
Vielleicht ...doch kein Kind. Dem Kerlchen wächst ein Bart!
Bartwuchs und andere haarige Angelegenheiten gab es reichlich unter Orks. Brustbehaarung, Kopfbehaarung, Gesichtsbehaarung und der allseits beliebte Flausch auf dem Rücken, der diese Art in kalten Nächten wärmte wie eine Decke. Manche Orks hatten mehr oder weniger davon, aber nie und wirklich niemals hatte sie so etwas bei einem Kind gesehen. Die Zahnräder hakten fast hörbar in ihrem Kopf und rasteten ein.
Kein Kind... aber was dann?
Er hatte nach dem Absetzen auch noch was in dieser unverständlichen Sprache gesagt, aber Maruka widmetet sich erst einmal weiter ihrer Aufgabe. Mit ihrem Messer schnitt sie geübt noch ein paar Ranken weg um sich nicht selbst zu verletzten. Ihre Haut mochte dicker als die der meisten Wesen sein, aber war eben doch nicht unverwundbar. Aus dem Augenwinkel beobachtete sie das kleine Wesen, während sie ihren Schatz ausgrub. Er stand noch neben ihr, guckte und musterte sie.
Lauf weg! Sonst fress ich dich.
Sie guckte ein wenig grimmig, rein zur Abschreckung. Es waren nicht unübliche Gedanken bei einem Ork, aber in ihrem Kopf waren sie eher ein Scherz. An dem Kerlchen war eh nichts dran.
Wenigstens bleibt es erst einmal still.
Trotzdem störte er, so dass Maruka ein Handzeichen gab, dass es verschwinden konnte. Das Kommunikationsproblem ergab sich schlicht noch nicht, da sie ihm nichts zu sagen hatte und auch noch nie in ihrem leben Celcianisch hatte sprechen müssen. Zwar war diese Sprache auf magischem Wege irgendwie in allen Wesen dieser Welt verwurzelt, aber Maruka hatte es schlicht noch nie gebraucht. Deshalb kam sie auch noch nicht auf die Idee es zu versuchen.
Der Fremde, was auch immer er war, ließ den Blick über Maruka wandern.
Was glotzt der so?
, dachte sie und schaufelte vorsichtig ihre Beute in den Korb, schwenkte diesen dann wie ein Sieb um letzte Erdreste zu entfernen und hakte ihn wieder an ihrem Gürtel ein. Da wehte noch einmal der Wind seine Note ihr unter die Nase. Maruka konnte Urin erschnuppern.
Hab ich ihm Angst gemacht, oder war das schon vorher?
Ihre Brauen hoben sich fragend, aber sie schüttelte den Gedanken ab, wie den Sand von den Pilzen.
Plötzlich brabbelte er wieder etwas und sie senkte ihre Brauen zu einem Stirnrunzeln, grummelte den Kopf schüttelnd und zuckte mit den Schultern. Dann drehte er sich endlich um und Maruka hörte noch, wie er mit seinen seltsamen Fußlappen davon stapfte, aber ihre Konzentration galt bereits den köstlichen Trüffeln. Sie nickte mit sich zufrieden und leckte sich die Lippen. Die Ausbeute war reichlich gewesen und sie würde sich selbst davon ein oder zwei Knollen gönnen.
Das andere Wesen war wieder verschwunden und verblasste auch schnell aus ihren Gedanken. Inzwischen war es dunkel geworden und nur ihr orkischer Anteil Blut in ihrem Körper gestattete es ihr, in der Dunkelheit noch mehr als nur Schemen auszumachen. Trotzdem verließ Maruka sich auf ihre Nase, wollte gerade den Heimweg antreten.
Oder doch nicht?
Sie witterte in der Luft die noch frische Fährte des kleinen Mannes.
Er war kein Kind...kein Ork. Was war er? So etwas wie ihn hab ich noch nie gesehen. Was macht er hier? Diese komische Kleidung und die Lappen an seinen Füßen...
Es war merkwürdig und ihre Neugierde zupfte an ihr, ihm zu folgen.
War er allein?
Sie hatte ihn befreit und nicht gefressen, was ungewöhnlich für einen Ork war. Die Geschichten über ihr Volk hielten gewöhnlich Fremde erfolgreich fern. Dass sie eben auch nicht ganz wie ein Ork aussah unterstrich nur dieses erneute 'Fehlverhalten'. Sie war eben anders. Sie war immer das Opfer gewesen und es widerstrebte ihr andere zum Opfer zu machen. Nachdenklich sah sie ihm hinterher, bzw. in die Richtung in die er verschwunden war. Ihm zu folgen wäre ein leichtes, bei der Duftnote die er hinterlassen hatte.
Wohin will er denn jetzt? Woher kam er?
Marukas Welt war klein und sie konnte sich nicht mal vorstellen, wie groß die Welt in Wirklichkeit war. Sie kannte nur Geschichten und die nördlichen Jagdgründe ihres Stammes.
Wird er zurecht kommen?
Sie schüttelte sich noch mal. Woher kamen diese Gedanken?
Quatsch! Ich hab selbst genug Probleme!
An einem anderen Tag, wäre sie ihm aus reiner Neugierde gefolgt, aber nach ihrem Unfall und den laufenden Plänen mit Skola, da wollte sie doch erst einmal zurück ins Dorf. Sie fühlte sich zu unsicher nach allem was geschehen war und … was sie an Wissen verloren hatte. Die Schamanin war in ihrem Leben ihre einzige Konstante und Hilfe.
Skola wartet sicher schon mit was zu futtern auf mich. Hoffentlich verrät sie mir dann, was sie mit den gesammelten Pilzen und den Wargs vor hat.
Maruka nickte sich still selbst zu und machte sich auf den Rückweg. Noch einmal hob sie die Nase in den trockenen Wind, lauschte mit ihren spitzen Ohren auf ihre Umgebung und tauchte dann in die Dunkelheit. Fast gänzlich unsichtbar verschmolz ihre Gestalt mit der Umgebung. Die Dunkelheit war ihr Freund und ihre Augen geübt sich in ihr zu orientieren. Die nördlichsten Gebiete der Toten Ebene grenzten ans Meer und waren entgegen landläufiger Meinung erstaunlich lebendig. Hier wuchsen dichte Flechten auf dem Boden, die man sogar essen konnte, wenn man sonst verhungerte. Auf Jagdausflüge hatte man sie nicht mitgenommen, aber sie hatte gelernt zu überleben. Es gab noch weiter nördlich niedrige Waldstücke mit dichtem Unterholz und das Land bot mit seinen Felsen und Höhlen einige gute Verstecke und manches 'Gemüse' was ein echter Ork niemals angerührt hätte. Einige Wurzeln waren eine gute Feuchtigkeitsquelle, wenn man mal kein Wasser fand und sogar Rinde konnte man kauen, wenn der Hunger zu groß wurde. Einiges hatte Skola ihr beigebracht, anderes hatte sie selbst heraus gefunden. Das Wissen darum war ihr zwar gerade nicht bewusst, irgendwo in ihr verschüttgegangen, aber es war doch da. Genauso gab es ein motorisches Gedächtnis, dass man ihr mit dem Schlag auf den Kopf nicht hatte nehmen können. So hatte sie ihre Fähigkeiten sich gut verstecken und lautlos bewegen zu können auch nicht vergessen.

So kam sie nach einiger Zeit wieder am Dorf an und als die Wächter sie sahen, senkte sie den Blick, in der Hoffnung, dass sie wie gewohnt einfach schnell an ihnen vorbei huschen konnte. Manchmal war ihre Schnelligkeit ihre einzige Möglichkeit um schlimmeren zu entgegen. Leider stachelte das auch hin und wieder den Jagdinstinkt einiger Orks an und so hoffte sie einfach, dass die beiden für diese Nacht bereits lange genug auf den Beinen waren und sie ihre Aufgabe wichtig genug nahmen und sie nicht verfolgen würden. Ihren Posten zu verlassen brächte das Dorf in Gefahr. Innerlich bereitete sie sich auf die gewohnten Beleidigungen vor und legte die Ohren an.
Einfach weiter gehen... und notfalls rennen.
Sobald sie in Skolas Nähe war, war sie halbwegs in Sicherheit. Dann würde sie sie nach den weiteren Plänen befragen und ihr von ihrer Begegnung mit dem kleinen Mann erzählen.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Erzähler » Montag 22. Juni 2026, 04:31

Maruka wusste nicht, wen sie vor sich hatte oder was dieses Wesen war. Zunächst hielt sie das deutlich kleinere Geschöpf für ein Kind, doch bei genauerer Betrachtung konnte sie es ausschließen. Es sei denn, Celcias Wildnis besaß auch ein Volk, bei denen Kindern es auch schon in so jungen Jahren im Gesicht spross. Fast wie bei einem Tier, sähe es nicht so gepflegt aus. Überhaupt trug dieses Kerlchen mehr als sie je an einem Ork gesehen hatte ... und auch noch so ordentich. Hätte er sich nicht in den Dornensträuchern verfangen, sähe seine Aufmachung gut aus. Nichts für hier draußen, aber doch passend zu ihm ... oder ihr? Nein. Da konnte Maruka sich recht sicher sein, dass es wohl zumindest ein männliches Wesen seiner Art sein musste. Er klang jedenfalls danach. Seine Augen gefielen ihr, weil sie wie schwarze Käfer glänzten. Glückskäfer, denn dort, wo man die winzigen Gesellen vorfand, galt der Boden als besonders nährreich. Auch der Fremdling durfte sich heute Glückskind nennen - selbst dann, wenn er wirklich kein Kind mehr war. Denn Maruka hatte nicht vor, ihn zu ihrer Beute zu machen oder ihm dieses seltsam modische Hemd zu entreißen. Die Halborkin ignorierte ihn. Sie hatte Wichtigeres zu tun. Trotzdem ging der kleine Mann nicht sofort. Auch er betrachtete sie sich, erheblich länger als umgekehrt.
Und auch Maruka war mit Glück gesegnet worden. Zum einen fand sie eine gute Portion Trüffel, die sofort in ihrem Korb landeten. Wobei man hier eigentlich nicht von Glück sprechen konnte, sondern von ihrer Fähigkeit, diese eben aufspüren zu können. Sie besaß Talent dafür, selbst wenn nur die Hälfte ihres Blutes orkisch war! Das Glück hierbei war, dass der Fremde ihr diesen Fund offensichtlich nicht streitig machen wollte. Er interessierte sich überhaupt nicht dafür, sondern glotzte sie nur weiterhin an. Irgendwann reichte es aber auch ihm und mit weiteren Worten in seiner eigenen Sprache verließ er sie. Endlich! Ruhe! Nun konnte sie die restliche Arbeit konzentriert erledigen, ohne sich über unbekannte Wesenheiten Gedanken machen zu müssen.

Erst als sie mit ihrem Werk fertig war und zum Rückweg aufbrach, dachte sie überhaupt noch einmal an den Fremden. Vielleicht, weil sie seine Duftnote noch seicht in der Umgebung wahrnehmen konnte und ihre Nase ihr deshalb die Erinnerung an ihn hervorrief. Die Fragen, die sie sich zu ihm stellte, konnte sie nicht beantworten, aber vielleicht ergäbe sich Gelegenheit mit Skola darüber zu sprechen. Doch auch hier hatte die unbekannte Begegnung keinen Vorrang. Maruka wollte viel lieber wissen, warum sie hatte so viele Trüffel beschaffen müssen und wie diese Teil ihres Fluchtplans sein würden.

Sie ließ sich den ganzen Weg zurück von ihrer Nase leiten. Zwar konnte sogar sie in der Dunkelheit verhältnismäßig gut sehen, doch ihr Riecher schien noch besser zu sein. Den Weg kannte sie, so dass ihre Augen die Umgebung im Blick behalten konnten, während Nase und Füße sie führten. Es war still. Die Nacht war schon ein Stück weit fortgeschritten und Ruhe hatte sich auf die Ebene gelegt wie ein Grabtuch über einen Toten. Der Horizont wirkte ein wenig heller als der Rest des Himmels, was aber nicht hieß, dass man noch von Licht sprechen konnte. Jenes befand sich nur dort, wo ihr Clan das Heim aufgebaut hatte, das sie bewohnten. Der Schein des Lagerfeuers erhellte den mit Palisaden umgebenen Dorfbereich fast wie eine Kuppel und wo die Zugänge zum Orkdorf lagen, hatte man inzwischen große Feuerschalen entzündet. Die Wachen hatten inzwischen gewechselt, trotzdem schauten auch diese Orks Maruka mit erkennbarer Abneigung an, als sie zwischen ihnen ins Innere schlich. Ihre Schritte waren schnell und lautlos, denn sie trug keine seltsamen Lappen an ihren Füßen wie der kleine Mann. Wie man ihn wohl behandeln würde, wäre er mit ihr gekommen?

Der Alltag ihres Dorfes hatte sie zurück. Zwar war es schon Nacht und nur noch einige weniger hockten um das Feuer in der Dorfmitte herum, um sich eine späte Mahlzeit zu gönnen, aber so würde sie zumindest Okani und ihren Mitläuferinnen nicht begegnen. Die Orkin gönnte sich stets einen ausgiebigen Schlaf, was vielleicht auch daran liegen mochte, dass sie bevorzugt zur morgendlichen Dämmerung mit den anderen Jägern ausritt, um Beute zu machen. Für Maruka war nur wichtig, dass sie unbehelligt bis in Skolas Zelt zurück gelangte.

Der Duft einer kräuterlastigen Mahlzeit begrüßte sie im Inneren. Skola hatte dort ihren eigenen kleinen Kessel über die Feuerstelte gehängt. Er war nicht groß, aber was immer darin blubberte, reichte gewiss für zwei. Marukas feine Nase konnte das Aroma von Zwiebeln, wildem Knoblauch und gehacktem Ingwer ausmachen. Ein scharfer Eintopf blubberte dort. Skola hatte sogar Fleisch mit hinein geschnitten. Gerade rührte sie in einer Schale eine Paste aus Nüssen und gemischten Kräutern mit einigen tierischen Fetten zusammen. Das würde der Suppe den richtigen Geschmack verpassen. Daneben lagen auch schon einige Brotfladen bereit. Man konnte hierbei gewiss nich von dem qualitativen Brot der celcianischen Städte sprechen, sondern mehr von einer Art wildem Teigfladen aus Getreideflocken, klein gehacktem Wildgemüse, Eiern - vermutlich von Schlangen der Gegend - und eben Wasser. Seltener gab man Milch bei, wenn sich irgendwo eine wilde Ziege auftreiben ließ. Die letzte hatte es knapp eine Woche im Dorf überlebt, bevor irgendein zu hungriger Ork sie heimlich mit dem Speer aufgespießt und dann über dem Feuer gebrutzelt hatte. Das Clanoberhaupt hatte den Ork ermahnt, denn das köstliche Abendessen gäbe es nur einmal, Milch aber hätten sie längerfristig haben können. Seither war es dem Clan aber nicht mehr gelungen, eine neue Ziege zu finden.

"Maruka, kleine Wölfin, komm und setz dich zu mir!", grüßte Skola sie freundlich. Auf dem Boden um den Kochkessel herum warteten mehrere Felle darauf, den Hintern auf ihnen zu platzieren. Das Feuer würde Marukas Fußsohlen wärmen, während sie sich der alten Schamanin widmen würde. Diese setzte geduldig ihre Arbeit fort und ihne hinzuschauen, wusste sie um den Erfolg ihres Schützlings. "ich rieche die Trüffel. Gut gemacht! Die werden den Wargen so richtig schön schmecken." Sie lächelte und zwinkerte dann zu Maruka herüber. "Wo wir das Dorf ein bisschen ... sagen wir ... mit einer Magenverstimmung ablenken werden, so dass niemand in der Lage sein wird, loszureiten, ohne sein Tier mit einer ordentlichen Schicht Durchfall zu bekleckern, da werden die Tiere nicht einmal in der Lage sein, dem Ausrittsbefehl zu folgen. Die bekommen nämlich die beste Mahlzeit ihres Lebens! Ich nenne sie Trüffel des guten Schlafes." Sie kicherte wie ein Kind, das einen irrwitzigen Plan ausgeheckt hatte und nun kaum noch abwarten konnte, ihn in die Tat umzusetzen. Dann aber lächelte sie Maruka mild an. "Du wirst alle Warge füttern, bis auf Okanis. Ihm gibst du zum Trost ein paar unbehandelte Trüffel oder ein Stück Dörrfleisch ... und dann verschwindet du für immer in die Nacht hinein, mein Kind. Es wird funktionieren. Vertrau der alten Skola und ihren Tricks."
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Maruka » Samstag 27. Juni 2026, 11:36

Celcia war eine unglaubliche Welt. Weitläufig und von unendlich großer Vielfalt. Es war eine Welt wie aus tausend Phantasien geboren und von den Göttern in ihren besten Stunden gemalt. Es gab Länder voller Wälder, weite Wiesen, tiefe Klüfte und sogar jene die mit Eis bedeckt waren. Aber Maruka kannte nichts davon. Sie kannte nur die Tote Ebene. Trotzdem liebte sie die sie umgebene Natur und war mit ihr tiefer verbunden als die meisten Orks. Sie liebte die Details, wie den kleinen Käfern zuzusehen, wie sie ihre Gänge in die Erde gruben um die feuchten und kühleren Bereiche ihrer Bauten zu erreichen. Sie liebte es zu jagen, wenn auch keine großen Tiere, da sie immer allein unterwegs war. Sie liebte die Stille in der Toten Ebene wenn nur der Wind sein Lied für sie sang und sie von fernen Orten träumen durfte. Und sie liebte Trüffel!!!
Bevor sie den Rückweg zum Dorf angetreten hatte, hatte es diesen einen Moment gegeben, in dem sie versucht gewesen war dem kleinen Wesen zu folgen, doch... Was dann? Oder hätte sie ihn mitnehmen sollen? Nein. Am Ende wäre er noch in einem Topf als Mahlzeit gelandet. Sie hatte ihn nicht befreit nur damit irgend einer der Vollidioten seinen Spaß mit ihm haben und dann fressen würde. Außerdem – Es war ja kaum was an ihm dran gewesen.
Er muss seinen Weg schon selbst finden.
Trotzdem hallte die Begegnung noch lange in ihr nach, als sie schon am Lagerfeuer der Schamanin saß, ihren Worten lauschte und den Eintopf in sich hinein schaufelte.
"Ich rieche die Trüffel.“
Maruka schob ihr den Korb mit ihrer Beute hin.
„Gut gemacht! Die werden den Wargen so richtig schön schmecken."
Den Wargen? Die übergroßen Wolfsmonster bevorzugten zwar Fleisch, aber sie fraßen auch gerne mal etwas anderes, wie eben auch Trüffel. Natürlich bekamen sie nur sehr selten welche, da sie schwer zu finden und eigentlich zu kostbar waren um sie zu verfüttern. Skola lächelte und zwinkerte dann zu Maruka herüber und erklärte dann auch ihren Plan:
"Wo wir das Dorf ein bisschen ... sagen wir ... mit einer Magenverstimmung ablenken werden, so dass niemand in der Lage sein wird, los zureiten, ohne sein Tier mit einer ordentlichen Schicht Durchfall zu bekleckern, da werden die Tiere nicht einmal in der Lage sein, dem Ausrittsbefehl zu folgen. Die bekommen nämlich die beste Mahlzeit ihres Lebens! Ich nenne sie Trüffel des guten Schlafes."
Maruka grinste breit, dass man ihre verlängerten Eckzähne sah. Sie waren nicht so schön lang wie bei Skola, aber auch damit konnte man gut zubeißen. Sie sah ihrer Freundin zu, wie sie die Trüffel präparierte. Die Schamanin kicherte wie ein Kind, das einen irrwitzigen Plan ausgeheckt hatte und nun kaum noch abwarten konnte, ihn in die Tat umzusetzen. Dann aber lächelte sie Maruka mild an.
"Du wirst alle Warge füttern, bis auf Okanis. Ihm gibst du zum Trost ein paar unbehandelte Trüffel oder ein Stück Dörrfleisch ... und dann verschwindet du für immer in die Nacht hinein, mein Kind. Es wird funktionieren. Vertrau der alten Skola und ihren Tricks."
Das tat sie! Auch wenn ihr Gedächtnisverlust ihr einiges genommen hatte, so hatte sie etwas zu dieser Frau, was man wohl am ehesten „Urvertrauen“ nennen konnte. Sie mochte nicht ihre Mutter sein, aber sie hatte Maruka groß gezogen, umsorgt und beschützt. Einen kurzen Moment lang ließ diese Verbundenheit, die tiefer verwurzelt war als oberflächliche Geschichten, die sie vergessen hatte, sie zögern ihren Plan in die Tat umzusetzen. Maruka mochte alles vergessen haben was geschehen war, was sie gemeinsam erlebt und überstanden hatten – ob gut ob böse. Sie war weiß wie ein geschliffener Felsen, der darauf wartete mit Holzkohle bemalt zu werden. Für Maruka war dieser Abschnitt ihres Lebens ein Neustart, ein Neuanfang eine Wiedergeburt die sie vielleicht auch erneuern, erwachen und lernen lassen würde, wie großartig diese Welt sein konnte. Doch unbewusste Erinnerungen gingen manchmal auch nicht nur sprichwörtlich in Fleisch und Blut über. Sie waren ein Teil der Menkin. So griff sie nach dem Essen ganz selbstverständlich nach den tönernen Schalen um sie mit Sand aufzuscheuern. Damit streifte sie Skolas Hand und verharrte einen Moment. Still sah sie auf ihre Finger hinunter. Kräftige Knochen, dicke Gelenke, straffe Muskeln und sichtbare Adern zogen sich über den Handrücken der Älteren wie ein lang vertrautes Bild. Diese Hände hatten sie nie geschlagen, sondern geheilt und behütet. Ein Klos steckte in Marukas Hals fest:
„... Ich werde dich vermissen.“
Die Worte waren leise gekommen. Maruka musste blinzeln, denn ihre Augenwinkel brannten ungewöhnlich. Sie erinnerte sich nicht, je geweint zu haben. Das wäre ein Zeichen von Schwäche gewesen und hätte ganz sicher zu ihrem Tod geführt. Doch dieser Moment da sie ganz allein waren, der Abschied bereits greifbar war und die Pläne Form annahmen – Es war schwer.
Maruka riss den Kopf hoch, zog einmal die Nase kräftig hoch und schüttelte ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ihre Augen funkelten gelb golden als sie Skola angrinste.
„Legen wir los!“
Maruka war sich sicher, Skola würde ihr gewiss noch einige kleiner Aufträge geben, was wann in welcher Reihenfolge zu tun war, aber sie vertraute ihr. Schief gehen konnte natürlich auch einiges, aber dann müssten sie improvisieren. Wenn die Sterblichen planten, lachten die Götter – so hieß es doch. Maruka packte ihre Tasche mit den wenigen Habseligkeiten die sie brauchte und legte sie in einer Ecke versteckt bereit. Gewiss mussten sie erst einmal das Essen im lager verderben, bevor dann die Warge dran waren? Oder anders herum? Maruka wurde nervös und aufgeregt, musste sich aber verhalten wie immer. Ihr unauffälliges herum huschen war sowieso allen vertraut, selbst wenn sie sie sahen. Sie ging jedem persönlichen Kontakt aus dem Weg und bereitete alles vor. Das Okani bereits schlief war Segen und Fluch zugleich, denn so würde sie nichts mehr essen, aber lief ihre eben auch nicht noch einmal über den Weg. Die Nacht war lang und voller dunkler Stunden, die darauf warteten mit Plänen und Handeln gefüllt zu werden. Erst als alles soweit vorbereitet war, die Wirkung der verdorbenen Lebensmittel und/oder auch die Warge in tiefen Schlaf gefallen waren, gab es noch einen kleinen Moment des Innehaltens. Da fiel ihr ein, dass sie der Schamanin noch garnicht von ihrer seltsamen Begegnung erzählt hatte:
„Skola, ich hab übrigens beim Sammeln der Trüffel vorhin einen winzigen Mann aus den Dornen in der Nähe vom Fingerfelsen befreit. Der trug ganz merkwürdige Sachen und Lappen an den Füßen.“
Dabei hatte sie die ungefähre Höhe des Winzlings mit der abgespreizten Handfläche angezeigt um seine 'Kleinheit' zu verdeutlichen.
„Erst dachte ich, es wäre ein übrig gebliebener Orkling von der letzten großen Orka, so halb verhungert wie der aussah, aber er hatte einen Bart und sprach auch ganz komisch. Er ist dann nach Süden gelaufen.“
Vielleicht hatte seine Fährte später die Richtung geändert, aber das wusste sie nicht, da sie ihr ja nicht nachgegangen war. So ziemlich alles lag im Süden des Dorfes, da sie im höchsten Norden siedelten. Maruka musterte Skola ob sie sich mit diesen Informationen darauf einen Reim machen konnte. Fremde in der Umgebung des Dorfes mussten immer sofort gemeldet werden, denn dann wurde die Gefahr ausspioniert und auch schon mal das ganze Dorf umgesiedelt. Die 'Wilden' Orks blieben nie lange an einem Ort und lebten nomadisch. Teils aus praktischeren Gründen wie dem Wild hinterher zu ziehen. War eine Umgebung an natürlichen Recourcen 'abgegrast', bzw. das Wild dezimiert und das wenige was die Tote Ebene zu bieten hatte erschöpft, dann zog man weiter und die Stelle die man vorher besiedelt hatte, konnte sich erholen. Anderen teils zog man auch immer wieder um, um den Fängen Morgerias zu entgehen und weiterhin in Freiheit zu leben. Dafür war es wichtig, dass eben jede Begegnung mit Fremden sofort gemeldet werden musste. Maruka hatte das zwar früher verinnerlicht, aber eben durch die ganze Aufregung und Vorbereitung zu ihrer Flucht halt ein wenig verschwitzt, bzw. vielleicht sogar der Amnesie geschuldet. Ihr war der Stamm nicht egal und sie wollte auch nicht für ihren Untergang verantwortlich sein, also teilte sie jetzt ihre Informationen mit Skola, die sie dann weiter tragen könnte. Man konnte nicht wissen, ob der kleine Mann allein gewesen war. Das Dorf lag gut in der Landschaft versteckt und wurde nicht leicht gefunden, aber ab und an hatte früher Skola auch mal Besucher erwähnt, die mehr oder weniger zufällig auf sie gestoßen waren. Maruka selbst erinnerte sich auf jeden Fall an keine Begebenheit dieser besonderen Art. Deshalb war sie auch etwas besonderes und jetzt da sie wieder an den kleinen Mann gedacht hatte, war er auch wieder ganz präsent in ihrem Kopf. Besonders die kleinen schwarzen Augen waren ihr gut im Gedächtnis geblieben. Mit hochgezogenen Brauen schaute sie zu Skola auf. Warf diese Info vielleicht noch irgendeinen Plan über den Haufen? Gab es deswegen Probleme? Manchmal machte das Schicksal einem ja einen Strich durch die Rechnung... nicht das Orks gut rechnen könnten! Selbst ihre Art zu zählen war einzigartig:
Ork-zählen bis 10:
1 einer
2 beide
3 einer und beide
4 beide und beide
5 viele
6 viele und einer
7 viele und beide
8 für einen genug
9 mehr als genug
10 mehr als genug für alle
Der kleine Mann war nur einer gewesen, aber wo einer war, da waren manchmal auch viele oder mehr als genug für alle. Also einer, fünf oder sogar zehn. Alles darüber galt nicht mehr als Gruppe, sondern war ein Heer. Und je nach dem wie groß das Heer war wurde das 'E' länger gedehnt gesprochen. Aber manche Orks sparten sich auch das und zählten überhaupt nicht. Okani hatte Maruka immer damit aufgezogen solche überflüssigen Dinge zu lernen, das ja dann kein Platz mehr im Kopf war für die wirklich wichtigen Sachen, wie man sich zum Beispiel hin hocken musste, damit der Haufen Scheiße eine bestimmte Form annahm und natürlich dann aussah wie Marukas Kopf, oder ihr Haar, oder ihr irgendwas anderes worüber man sich lustig machen konnte.
Maruka wusste wie man zählte auf orkische Art, aber der Unfall hatte ihr das Wissen um einige Umstände genommen, was auch gewiss sein Gutes hatte. Exkremente oder Losung von Wildtieren würde sie nicht mehr an Okanis Gemeinheiten erinnern. Aber auch die kurze Zeit nach ihrer Genesung hatte ausgereicht um zu erkennen, dass sie hier weg musste. Plan 1A blieb also immer gleich. Sich noch mal halb tot schlagen zu lassen war einfach keine Option und ihr Bauch sagte, dass Okani sich nicht lange zurück halten würde um erneut ihre Launen an ihr auszulassen. Wann immer ihre Blicke sich trafen, da war etwas lauerndes und hinterhältiges in diesen Augen zu sehen gewesen. Maruka schüttelte sich kurz bei dem Gedanken daran und konzentrierte sich dann wieder ganz auf Skola. Die heiße Phase ihres Plans müsste jetzt anlaufen...
Wird schon alles gut gehen.
...wenn nicht noch irgendwas schief ging.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Erzähler » Samstag 4. Juli 2026, 16:14

Maruka besaß ein Auge für kleine Dinge, wie zum Beispiel Käfer. Sie gab sich genügsam, aber nicht aus Mangel, sondern, weil es ausreichte, auch an den kleinsten Dingen Celcias Freude finden zu können. Was sie empfand, darum beneideten sie viele. Vor allem in den großen celcianischen Städten besaßen nur wenige die Gabe, aus kleinen Dingen große Zufriedenheit zu ziehen. Dort war es zu laut, zu hektisch. Sämtliche Sinnesreize wurden überflutet. Bunte Farben, interessante Geräusche, Gerüche und Geschmäcker, all das mochte auf seine Weise ebenso spannend sein, aber die Menschen, Elfen, Orks und anderen Lebewesen der Städte konnten sich nicht erden. Sie erschufen ihr eigenes Gefängnis, das die Freude nach und nach aus ihnen heraus saugen würde. Maruka hingegen konnte nichts beneiden, denn sie vermisste nichts. Noch nicht. Bald würde sie fliehen. Mit etwas Glück könnte sie mehr als die Tote Ebene entdecken und schon bald würde ihr Geist sich auch nach Größerem sehnen als nur eine Ameisenstraße zu beobachten oder dem leisen Plätschern einer Quelle zu lauschen. Wichtig wäre dann, dass sie nicht vergaß und vor allem, es nicht zerstörte. Die Geschöpfe Celcias würden immer kleine Dinge brauchen. Das, sowie den Zugang zu Natur, um sich zu erden. Wie auch immer diese Form aussah, denn selbst die Tote Ebene steckte voller Leben.
Das jüngste Leben, das ihr begegnet war, ließ die Halb-Orkin nicht ganz los. Immer wieder ertappte sie sich auf dem Weg zurück zu ihrem Dorf dabei, dass sie über das Männlein nachdachte. Letztendlich konnte sie aber keine Antworten erhalten. Es war fort und vermutlich hätte sie es gar nicht verstanden, selbst wenn es das Männchen gefragt hätte. Seine Sprache war für sie eine fremde Anreihung von Lauten gewesen. Nun, das konnte sie auch, aber der Sinn bliebe dabei auf der Strecke. So entschloss sie sich, selbst Strecke zu machen und den Weg zurück zu Skola zu finden.

Die Schamanin erwartete sie bereits. Sie hatte ihren Plan ausgereift. Es würde ein Festmahl für das Dorf geben, aber wo die Warge an mit Schlafmittel versetzten Trüffeln eine lange Ruhezeit erhalten sollten, da würden die Orks keine Sekunde zum Schlafen kommen, wollten sie ihre Lager nicht in eine stinkende Masse verwandeln.
Dass Maruka der Plan gefiel, erkannte Skola an ihrem Grinsen. Sie nickte. Beide wussten, was auf sie zukäme. Maruka würde mit Okanis Warg in die Nacht fliehen, während das ganze Dorf auf den Beinen wäre. Und Skola würde sie vermissen. Für einen Moment zögerte die Menkin zu gehen. Sie hatte doch auch gute Momente hier und jene, an die sie sich erinnern konnte, drehten sich um die Alte. Doch bei längerer Überlegung würde sie feststellen dürfen, dass das nicht ausreichte. Skolas Fürsorge musste es mit einem ganzen Dorf auf Ignoranz und Schikane aufnehmen. Zu viel, als dass eine einzelne Schamanin es stämmen könnte. Außerdem würde sie Maruka nicht immer schützen können. Die Flucht war die bessere Entscheidung, zum Wohle Marukas. Auch wenn es Abschied bedeutete, das musste nicht für immer sein. Maruka könnte sich im restlichen Celcia etwas aufbauen, vielleicht sogar endlich etwas verdienen, das sie im Dorf schwerlich misste: Anerkennung und Akzeptanz. Wenn sie beides endlich fände, würde auch ihr Selbstvertrauen steigen und eines Tages könnte sie mit erhobenem Haupt zu ihrem Dorf zurückkehren. Wenn Skola dann noch lebte, würde sie die kleine Wölfin mit der gleichen Fürsorge empfangen, die sie ihr auch jetzt hatte zukommen lassen. Darauf konnte Maruka vertrauen.
"Ich werde dich vermissen..."
Skola erwiderte nichts. Sie lächelte einfach, aber es blieb schwer zu deuten, ob sie die Worte gehört hatte. Mit Sicherheit dürfte ihr Herz sie aber vernommen haben, mit jeder Geste, jedem Wort und jeder Berührung, die Maruka ihr zukommen ließ. Sie wusste es. Sie fühlte das gleiche und trotzdem würde sie die Jüngere nicht aufhalten. Sie wusste, dass es das Beste für die kleine Wölfin war, sich ein neues Rudel zu suchen. Ein starkes, in dem sie aufblühen und mitjagen konnte, anstatt selbst gejagt zu werden.

Und dann ging es los. Maruka sollte nicht sofort zu den Wargen gehen, sondern beim Aufbau für das Festritual mithelfen. Leider hieß das, dass sie einen Großteil er Arbeit machen musste. Unter lautem Gebell auf Krz'ner, Stößen und Tritten musste sie schwere Steine schleppen, gegerbte Haut darüber spannen, Felle ausbreiten und Fackeln anzünden. Okani und die anderen Orks ihres Alters erhielten leichtere Aufgaben. Sie hingen Leinen zwischen den Zelten auf und schmückten sie mit Windspielen aus gebrannten Tonscherben, und Holzstücken. Andere hängten überall schöne Knochen-, Krallen- und Federornamente auf. Wieder andere verzierten die Zelteingänge mit geflochtenen Figuren aus Weidenzweigen und Stroh. Die dorfältesten Orks ließen sich von ihren engsten Vertrauten mit Blut, Kohle und gemahlenen Mineralien bemalen, so dass wunderschöne Hautbilder entstanden. Sie waren nicht beständig, aber das sollten sie auch nicht. Dieses Zeichen für die Anerkennung von Traditionen und Ahnen galt nur dieser Nacht. Während die jüngsten Orklinge sich nahe des Feuers in einer extra angelegten Grube aus Schlamm um ein Stück Fleisch balgten, schickte man Maruka endlich fort. Sie hatte alles aufgebaut, das meiste davon allein. Doch an den großen Grillrost über dem Feuer wollte man sie nicht lassen. Ebenso wenig durfte sie Wasser für den dicken Wurzeleintopf holen. Man vertraute ihr nicht. Mit ihren schmutzigen Mischlingspranken würde sie doch nur Ungeziefer heran schleppen und zwar von jener Sorte, das nicht schmeckte! Unter Hähme und Spott durfte Maruka zu Skolas Zelt zurückkehren.

Die Schamanin erwartete sie. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Bring den Wargen die köstlichen Trüffel. Danach gehst du dich waschen und wartest ab, bis die Tiere schlafen und der Rest von uns wild umher rennt. Ich werde das Spielchen mitmachen, mein Kind, sonst fällt es auf." Sie drückte Marukas Hände, ohne sich von dem Schmutz zu scheuen, der sich durch die Arbeit darauf abgesetzt hatte. "Ganz gleich, wo du hingehst, die Ahnen wachen auch über dich."
Beide Frauen schauten einander noch einmal lang an, ehe sich ihre Wege trennten. Maruka verteilte die präparierten Trüffel an die Warge und gab nur Okanis Tier etwas Dörrfleisch. Der Warg wirkte zufrieden, mochte er doch das Fleischige lieber als die Pilze. Letztendlich fraßen sie aber alle. Skola war inzwischen zum Dorfplatz gerufen worden. Sie sollte das Fleisch und den Eintopf segnen und ja, das tat sie. Unter wirbelnden Bewegungen ihrer Arme, bei denen sie mit Hilfe einiger kleiner Tricks Dämpfe, Funken und anderes aufsprühen ließ, pfefferte sie die Mahlzeiten für das Fest auch mit einem Kräutermittelchen, das den Darm so richtig ... entschlacken sollte. Sie streute im Vorbeigehen sogar ein wenig davon in die Schlammgrube der Orklinge, wohl wissend, dass die bei ihrer Balgerei genug vom Matsch in die Mäuler bekämen. Anschließend wartete sie darauf, dass alle Orks sich versammelt hatten. Dann hielt sie eine kurze Rede über die Ahnen, das Dorf und das Glück, welches dem Clan hold wäre. Sie zeigte zu den Sternen, sprach von einem guten Omen, das alle in Bewegung halten würde, gluckste ein wenig und wünschte allen ein großartiges Fest. Das Dorfoberhaupt ließ eine Trommel schlagen und schon bald mampften sich die Orks durch das viele Fleisch, welches die Jäger zusammengetragen hatten. Skola aß nichts, ließ sich zum Schein dennoch eine Schale Eintopf reichen. Der Inhalt landete unauffällig zwischen einigen Steinen.
Während das Gelage weiter anhielt, zog sie sich irgendwann zurück unter dem Vorwand, sich unruhig zu fühlen und ein wenig spazieren zu müssen. Sie kehrte in ihr Zelt zurück, wo Maruka mit ihren gepackten Habseligkeiten die schwerste aller Prüfungen ablegte: Geduld zu haben.

"An deinem Blick kann ich sehen, dass du deine Trüffelaufgabe gemeistert hast. Aber da ist noch etwas, das dir auf dem Herzen liegt, nicht wahr? Jaja, eine Schamanin weiß auf die Kleinigkeiten zu achten. Erzähl mir, Kind!"
So begann Maruka von ihrem unvorhergesehenen Treffen mit dem kleinen Wesen zu erzählen, das sie aus dem Dornenstrauch gerettet hatte. Skola hörte aufmerskam zu. Schließlich kommentierte sie: "Im Süden liegt das östliche Drachengebirge. Große Berge, die wie die Zacken einer Ebenen-Echse aussehen. Aber das Gestein ist kantig und scharf. Die Überquerung der Berge kein Kinderspiel. Irgendwo soll es einen sicheren Tunnel geben, der zum Sumpf Mashmoor und der Stillen Ebene führt. Ich selbst habe ihn nie benutzt, aber ich konnte mit Reisenden sprechen, die von dort kamen - bevor der Clan sie gehäutete und gefressen hat." Sie schüttelte geradezu mütterlich mild den Kopf. "Du wirst so viel mehr sehen als nur fremde kleine Männchen. Vielleicht war es ein Zwerg, obwohl die eher kräftig sind. Möglicherweise ein Goblin. Wirkte er denn intelligent? Sie sind es, glaub mir. Manchmal etwas zu viel für meinen Geschmack, aber man muss ihnen ja nicht zuhören. Wie auch immer: Celcia wartet auf dich. Es ist groß und vielfältig. Steh allem aufgeschlossen gegenüber, dann wirst du mehr erleben als die Verbohrten. Ich wünsche dir nun alles Glück, denn ich glaube... ja ... es geht los."
Auf den kleinen Mann ging sie nicht mehr ein. Ebenso mied sie es, in Maruka Unsicherheit zu schüren, denn sollte der nicht gemeldete Fremde das Dorf finden und vielleicht mehr Leute bei sich haben, würden sämtliche Orks es schwer haben, sich zu verteidigen. Nicht mit den Magenproblemen, die sie nun allesamt befielen. Man hörte es. Man hörte das Stöhnen und klägliche Brüllen. Nicht wenige hatten Schmerzen. Andere rannten bereits aus dem Dorf heraus zur angelegten Grube für körperliche Bedürfnisse. Nicht alle schafften es rechtzeitig dorthin. Man hörte das Chaos im Dorf ausbrechen. Nur die Warge, die blieben still.
"Es wird Zeit. Mach dich auf den Weg, kleine Wölfin. Erkunde Celcia und erobere es auf orkische Art ... oder auch nicht. Pass einfach nur auf dich auf. Ich muss mich jetzt dem Chaos anschließen." Schon setzte sie ein wehleidiges Gesicht auf und stapfte aus dem Zelt, wobei sie sich den Bauch hielt und schmerzhafte Laute von sich gab.
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Re: Wer bin ich? (Experiment)

Beitrag von Maruka » Montag 6. Juli 2026, 19:02

Marukas Zeit an diesem Ort neigte sich dem Ende zu. Es war nicht so, dass sie hier viel vermissen würde, aber doch war es ihr Zuhaue ...kein gutes, aber ein Zuhause! Man hatte sie versucht zu ermorden, Teile ihrer Seele gefoltert, bzw. erst garnicht entstehen lassen. Ihr Selbstbewusstsein war ein verkümmerter kleiner Trieb, der kaum Wasser der Zuneigung empfangen hatte. Einzig Skola hatte für sie gesprochen. Die häufigen Prügel waren dabei noch nicht mal das schlimmste gewesen. Schlimmer war, immerzu gedemütigt zu werden und so etwas wie Wertschätzung kannte sie überhaupt nicht. So war es letztendlich zu dem Entschluss gekommen zu gehen. Das alles wollte sie hinter sich lassen und eben auf die kleinen Dinge konzentrieren, die ihr Herz berührten. Sie stellte sich vor, wie sie mit „ihrem“ Warg weit davon ritt, Teile der Toten Ebene erforschte und Dinge entdeckte, die noch nie ein Ork zuvor gesehen hatte... Na gut, da lag sie vermutlich falsch, aber ihr Kopf war voller Träumereien, selbst wenn sie sich hauptsächlich um eben jene „kleinen Dinge“ drehten.
Wie würden wohl diese Berge aussehen, die Skola ihr da eben beschrieben hatte?
Wie würde es sich anfühlen unter die Erde zu gehen und diesen Tunnel zu überwinden?
Wie roch die Luft da unten?
Würde sie andere Pflanzen sehen?
Andere Wesen wie diesen kleinen Mann?
Sollte sie vielleicht versuchen, ihn wieder zu finden? Vielleicht war er ja wirklich einer dieser „Gobbelins“, die Skola erwähnt hatte. Sie sollten schlauer sein, intelligent und ihren Worten nach manchmal ZU intelligent. Aber Maruka wollte auch lernen was die Welt da draußen zu bieten hatte. Sie selbst war schlauer als die Wesen die sie kannte und selbst Skola konnte manchmal nicht mithalten. Aber wie würde sie im Vergleich mit dem Rest der Welt abschneiden, oder gar gegen einen Goblin. Ungebildet war sie. Vielleicht ein bisschen schlau in ihren speziellen Bereichen und Fähigkeiten, aber sonst eher weltfremd und gewiss etwas langsam. Die Prägung durch die Orks in ihrem Umfeld hatten viele Türen in ihr verschlossen von denen sie nicht mal wusste, dass sie rudimentär angelegt waren. Maruka war aber auch unendlich neugierig auf diese fremde Welt darauf, mit all ihren Wundern und … ihre Zeit hier an diesem Ort lief ab.

Man hörte es! Man hörte das Stöhnen und klägliche Brüllen. Nicht wenige der Dorfbewohner hatten Schmerzen. Andere rannten bereits aus dem Dorf heraus zur angelegten Grube für körperliche Bedürfnisse. Nicht alle schafften es rechtzeitig dorthin. Man hörte das Chaos im Dorf ausbrechen. Nur die Warge, die blieben still. Maruka grinste.
Ein würdiges Abschiedsgeschenk.
Man würde sie vielleicht nicht mal in Verdacht haben, denn sie hatte sich nicht am Braten zu schaffen machen dürfen. Viel wahrscheinlicher war, dass man die Schuld auf die Jäger schieben würde, vielleicht sogar Okani, denn sie hatten schließlich das „Kranke Tier“ ins Dorf gebracht! Skola war schlau genug um die Geschichte in diese Richtung zu lenken, zumal es so aussah, als ob es ihr ebenfalls schlecht ging. Ihre angemischte Passte konnte also auch nicht schuld sein! Maximal würden sie glauben, dass die verhasste Menkin die Gunst der Stunde, das Chaos genutzt hatte um sich davon zu machen.
HA!
Maruka musste ihr Grinsen hinunter schlucken. Sie war sonst nicht so gehässig, aber das hier war doch eine schöne „Scheißerei“!
"Es wird Zeit. Mach dich auf den Weg, kleine Wölfin. Erkunde Celcia und erobere es auf orkische Art ... oder auch nicht. Pass einfach nur auf dich auf. Ich muss mich jetzt dem Chaos anschließen."
Maruka nickte und ihr Grinsen wurde ein letztes Mal zu einem warmen Lächeln. Schon setzte Skola ein wehleidiges Gesicht auf und stapfte aus dem Zelt, wobei sie sich den Bauch hielt und schmerzhafte Laute von sich gab. Maruka griff sich ihre Tasche, die sie wie ein Bündel dreckige Wäsche gewickelt hatte und einen Nachttopf, den sie hinter Skola her mit angewiderter Miene quer durchs Lager trug. Die umgebenen Gerüche machten das Schauspielern leicht. Überall sah sie sich windende Orks. Selbst die Kleinsten hatte Skola nicht verschont und so waren auch die zahnlosen Ältesten und Lahmen unter ihnen schwer beschäftigt, selbst wenn sie selbst nichts gegessen haben sollten. Das ganze Dorf war in Aufruhr. Jedes der von Darmwinden und Zwicken im Bauch verzerrte Gesichter, jedes feuchte Knattern war ihr ein Abschiedsgeschenk. Und keiner beachtete sie. Alle waren sie mit sich selbst beschäftigt. So musste nur noch der letzte Teil ihres Plans aufgehen. Maruka warf einen Blick zum Tor, wo bereits ein Wächter fehlte und der andere auf unsicheren Beinen sich wand und litt. Er hielt sich den Bauch und trat von einem Fuß auf den anderen. An ihm würde sie leicht vorbei kommen, also trennten sie sich nun die Wege der Menkin und der Schamanin ein letztes Mal. Maruka hatte nicht vor zurück zu kehren, selbst wenn sie in Not geraten sollte. Lieber würde sie die kleine Chance ergreifen und ein besseres Leben irgendwo da draußen finden. Noch viel weiter „unten“ als sie konnte man wohl kein neuen Lebensweg beginnen. Es gab auch kein verräterische Nicken, nicht mal einen letzten Blick für Skola. Sie hatten sich bereits verabschiedet und Maruka musste sich nun auf ihre Flucht konzentrieren. Der Pferch für die Wargs war quasi unbewacht. Vielleicht löste sie sogar noch einen Wächter ab, der unbedingt ganz schnell wo hin musste und lockte dann den letzten wachen Warg zu sich. Flüsternd kraulte sie ihm den breiten Kiefer.
„Komm mein Großer. Lass uns reiten. Hier stinkst.“
Die besonders leise geflüsterten Worte trugen die Hoffnung auf ein neues Leben, auf Abenteuer und das Ende einer Zeit in sich, die sie beide nun hinter sich lassen würden. Maruka sah sich noch mal kurz um und passte einen guten Moment ab, da der Weg zum Tor frei war. Dann schwang sie sich auf den Rücken des Tiers und ließ ihn laufen. Vielleicht sahen sie doch hier oder da ein Augenpaar, aber das durfte sie jetzt nicht mehr aufhalten.
Auf in die Freiheit!
Sie grub ihre Finger in das dichte Nackenfell, presste die Schenkel zusammen und lenkte den Warg mit sanften Bewegungen und mit dem Verteilen ihres Gewichts. Er streckte sich unter ihr und sie konnte seine starken Muskeln an ihrem flach auf ihm liegenden Körper spüren. Sie liebte das reiten, auch wenn sie es nicht häufig hatte genießen können. Sie mochte nicht so viel Übung haben wie Okani z.B. aber sie vertraute auf den Instinkt und die Fähigkeiten des Tiers.

Sehr bald umfing sie die Nacht wie ein samtener Mantel und verbarg sie hinter dem Vorhang der Dunkelheit. Auf den ersten Metern hatte sie sich noch ab und an umgedreht, ob ihr doch jemand folgte und ob sie schneller reiten musste. Dann hatte sie das Tier laufen lassen und ab und an die Luft angehalten, gelauscht ob Schreie ihren Namen riefen.
Aber es war ihr egal.
!WEG!
Das war ihr einziger Gedanke. Ihr Plan war soweit geglückt, dass sie das Dorf verlassen hatte. Jetzt musste sie nur noch ...ihre Flucht überleben.



Irgendwann würde sie sich über andere Dinge Gedanken machen. Zum Beispiel, wie sie jetzt den Warg nennen sollte. Es mussten ähnliche Laute wie zuvor sein, damit er sie als seinen Namen erkannte.
Raso. Also A und O muss vorkommen. Fasko, Bano, Tamo ...Mato. Mato ist gut.
Der Name gefiel ihr. Er bedeutete Bär und stand für Liebe und Stärke. Dann gab es noch zu entscheiden, ob sie den kleinen Mann wieder finden wollte, aber das hing auch von äußeren Faktoren ab. Erst einmal musste sie etwas Raum zwischen sich und ihre Vergangenheit bringen. Das Lager in der Toten Ebene mit einem Warg zu teilen hatte viele Vorteile. Wenn es in der Nacht kalt wurde, würde sein Körper sie wärmen und stärkte die Bindung zueinander. Außerdem waren die großen Tiere hervorragende Jäger, wenn man sie laufen ließ. Verhungern war so eher unwahrscheinlich, aber erst einmal musste Maruka Strecke machen, wenig schlafen und aufmerksam bleiben. Zum Glück war sie gut vorbereitet. Der Proviant für Tier und Menkin war spärlich, aber würde sie über die ersten Tage bringen. Wasser zu finden in dieser Einöde war nicht unmöglich, aber es bedeutete auch, sich den Treffpunkten von allerlei Jägern und Opfern gleichermaßen nähern mussten. Maruka erwartete einen spannende Zeit, aber freute sich auf die Einsamkeit.
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