Notfalltransport
Verfasst: Mittwoch 5. Dezember 2007, 21:42
<b>@Roxas</b>
Der Löwenhybrid konnte verschwommen zwei Sanitäter erkennen die immer wieder von einem Patienten zum anderen gingen. Da einen Verband anlegten, dort eine Pastille verabreichten, hier einen Puls massen. Sie kamen auch regelmässig zu ihm. Fühlten seinen Puls. Tätschelten ihn, versuchten ihn wach zu behalten. Einer hob seine Augenlider an und leuchtete mit einem seltsamen, mit Lichtmagie gefüllten Stift in seine Augen. Kontrollierte seine Pupillenreflexe, auch jene einer Katze funktionierten gleich wie die eines Menschen. Sie verengten sich bei Licht… und weiteten sich bei Dunkelheit. „Könnt ihr mich hören?“ Fragte eine verzerrt wirkende Stimme. Roxas wusste eigentlich, dass diese Stimme bestimmt vom Sanitäter stammte, doch er konnte ihn kaum erkennen, so verschwommen sah er inzwischen. Er sah nur wie sich der Kopf bewegte. Mehr nicht. „Habt ihr Schmerzen?“ Der Kopf wandte sich ab als sein Kollege sich kurz mit ihm über einen anderen Patienten beriet.
„Ich kann ihre Blutung nicht stoppen, soll ich abbinden oder gleich amputieren?“ „Versuche es erst mit Abbinden. Solange sie wach bleibt.“ „Gut.“ Der eine sah wieder zu Roxas. Er begann ihn zu Untersuchen. Roxas spürte wie er seine Wange abtastete, dann seinen Kiefer, schliesslich seine Schulter, Arme, Brustkorb, Bauch, Leisten, Beine, Füsse. Überall wurde er angetatscht und gerüttelt, gedrückt. Der Sanitäter verschaffte sich so einen schnellen Überblick über die Verletzungen seines Patienten. Unabhängig davon ob dieser es mochte oder nicht…
<b>@Shantih</b>
Pulsierender Schmerz machte sich in ihrem linken Fuss breit und kroch langsam nach oben. Es tat höllisch weh und sie musste entsetzt feststellen, dass sich weder Zeh noch Knöchel bewegen liess. Der Pein betäubte ihre Sinne, sorgte dafür, dass sie Stimmen nur noch verzerrt wahrnahm und langsam begann verschwommen zu sehen. Gesichter wurden zu undeutlichen Maskenähnlichen Flächen, die kaum noch einen Blick auf Emotionen zuliessen. Sie wusste nur, dass sie angestarrt wurde. „W…a…ch….b.lei…ben…!“ Hörte sie eine entfernte Stimme auf sie Einreden. Es war der Medicus. Ihre Wange wurde getätschelt, oh ja sie konnte es spüren. Es… störte, denn eigentlich gierte ihr Körper danach einfach einzuschlummern. Schlaf. Ja sie war müde. Sehr müde. Nur ein kleines Nickerchen vielleicht? Plötzlich wurde es eisig kalt um ihren Fuss. Man packte Schnee darauf, kühlte. Mehr tat man nicht – konnte man nicht tun. Nicht hier. Fremde Stimmen riefen sich gegenseitig etwas zu. Sie konnte es nicht mehr verstehen. Ihre Augen fielen ihr ungewollt immer wieder zu.
Ein Ruck folgte. Sie wurde angehoben. Sie sah wie sich die Umwelt bewegte. Schwebte sie? Sie tat nichts und dennoch bewegte sie sich… wurde getragen. Sie spürte jeden Schritt denn sie selbst doch gar nicht tätigte an ihrem Körper. Ein leichtes Holpern. Man eilte.
Sie hörte gequältes Aufstöhnen und sie roch, roch den süsssaueren Geruch von verbranntem Fleisch… und den eigentümlichen Duft verbrannten Haares…Blut… schlechter Atem… Rauch… viel Rauch. Feuer. Sie wurde in diese Wolke aus unangenehmen Gerüchen herein getragen. Man legte sie ab. Sie spürte harten Grund unter sich. Ihre Hand streifte einen kalten Körper. Es war Roxas Arm, der direkt neben ihr Lag.
„Wir….mü….ss….en…..das….Bein….abbinden.“ Hörte sie entfernt. „Die Blutung ist zu stark… ich kann es nicht verbinden….“ Ein Band legte sich um ihr Schienbein. Man zog es stark an. Sehr stark. Es tat weh. Ihr Fuss wurde taub. So lag sie da. Zwischen fremder Schwerverletzten, die von zwei Sanitäter betreut wurden, welche immer wieder nach allen Patienten sahen. Immer wieder kam einer zu ihr und tätschelte sie, rieb seine Faustknöchel schmerzhaft an ihrem Brustbein um sie wach zu halten.
Trotz Schmerzpastille… tats unendlich weh, es war zum schreien… zum verrücktwerden… und dann noch diese Kälte…. Man deckte sie zwar zu… doch ihr Fuss lag noch immer auf Eis.
<b>@Luziver</b>
Übelkeit war noch gar kein Ausdruck für das, was Luziver gerade empfand, doch es dauerte nicht all zu lange bis das Mittel wirkte und sie sich von dem pechschwarzen Gebräu, bestehend aus ihrem Mittagessen und Russ trennen konnte. Schnell war die Nierenschale weggestellt – bei diesem Tumult würde sie wohl auch vergessen gehen. Der Sanitäter wischte ihr den Mund ab und massierte ihren Rücken. „Gut so… geht’s besser?“ Fragte er und spritzte ihr etwas Kräuterhaltiges in den Mund um den grässlichen Geschmack zu vertreiben. Sie fühlte sich wahrlich wohler. Der Magen grummelte zwar noch immer und es war ihr auch nach wie vor übel, aber zumindest konnte sie etwas besser Atmen.
Man legte sie seitlich auf die Trage und schnallte sie fest damit sie nicht runter fiel. Der Söldner welcher mit ihr gesprochen hatte packte mit an und trug sie ebenfalls zur Rettungskutsche.
Sie hörte gequältes Aufstöhnen und sie roch, roch den süsssaueren Geruch von verbranntem Fleisch… und den eigentümlichen Duft verbrannten Haares…Blut… schlechter Atem… Rauch… viel Rauch. Feuer. Sie wurde in diese Wolke aus unangenehmen Gerüchen herein getragen. Schreckliche Gerüche… doch Luziver verstand vermutlich nicht was es hiess, wenn es nach Tod und Zerstörung roch. Was dies für die Menschen die dort lagen Bedeutete… welch gottlosigkeit hier geschehen war. Sie wusste dass es böse war, schlecht, doch vermutlich verwirrte es sie, dass der eine Mann geweint hatte. Sie um Verzeihung gebeten hatte. Verwirrende Geschehnisse zu einer verwirrenden Zeit. Denn eigentlich herrschte in der Stadt gerade prinzipiell eine vorfreudige Stimmung, man freute sich auf das Turnier… die Zusammenkunft der Völker sagte man sich. Doch es gab Gruppierungen und Organisationen in der Stadt, die dafür sorgten, dass die dunklen Völker davon ausgeschlossen werden würden. Nicht wegen dem Turnier… oh nein. Deren Hass ging tiefer und sie selbst, unschuldig wie sie war, war in eine gewaltige Mühle reingeraten.
Man legte sie ab. Sie spürte harten Grund unter sich. Sie lag zwischen Shantih und einem fremden Mann mit pechrabenschwarzem Gesicht. Die Wunde sah grässlich aus und man konnte nur noch etwa erahnen, dass selbst dieser Mensch mal so etwas wie ein Gesicht gehabt hatte. Er rührte sich nicht. Der eine Sanitäter machte die Runde. Fühlte den Puls des Mannes. Blieb einige Zeit bei ihm und versorgte die Wunde. Ehe er sich an Luziver wandte. „Geht es?“
Der Söldner blieb vor der Kutsche stehen. „Hör nie auf zu lächeln.“ Gab er ihr mit auf dem Weg… dann rannte er zurück zu den anderen um zu Helfen.
Wieder war es ein wildfremder Mann der sie berührte. Er tastete bei ihrem Handgelenk nach dem Puls und zählte unauffällig ihre Atemzüge die sie nahm. Er schaute ihr in die Augen. „Hast du Schmerzen?“ Fragte dieser namenlose Helfer. Er hatte grüne Augen, schwarzes Haar und einen blutbesudelten Kittel. War schlank und klein. Doch er hatte zarte Hände, die des Söldners waren grober gewesen.
<b>@Niniane</b>
Man hielt sie an mit ihnen mitzugehen als sie Shantih zum Wagen trugen. Sie war nicht so benebelt wie Shantih und nahm daher die rein optischen Eindrücke der Kutsche viel klarer und intensiver wahr als ihre Freundinnen es konnten dazu gesellten sich die Gerüche. Sie selbst roch auch danach. Nach Rauch. Verbranntem. Sie sah Blut und all die grässlichen Wunden welche die sich teilweise windenden Opfer entstellten. Es sah grässlich aus. Vielleicht waren dies, Mütter, Väter, Grossmütter, Grossväter, Ehemänner, Ehefrauen… man wusste es nicht, es waren nur Namenlose Opfer die schrieen und vermutlich nicht verstehen konnten, warum dies hatte geschehen müssen. Verstand dies überhaupt jemand? Gab es eine Erklärung für solch eine Tat?
Nun… im Wachturm von Burgstein, stand ein Mann der seelenruhig seinen Tee trank und davon überzeugt war, das Richtige getan zu haben. Er sah im Gegensatz zu Niniane den Wahnsinn nicht so überdeutlich in Form des Leides und Leidens welches verursacht worden war. Er hörte die Schreie nicht und konnte auch nicht in die Augen dieser Opfer sehen. Eine junge Frau, deren Brustkorb völlig verschmort war, sah Niniane an. Starrte sie regelrecht an. Tränenbahnen verrieten, dass sie weinte. Sie hatte Angst. „Hilfe.“ Hauchte sie.
Wahrlich hier hatte man nur die am schwersten Verletzten aufgebahrt. Es schien so als wären die beiden Mädchen beinahe noch am besten dran. Man half ihr auf den Wagen. Sie fand eine kleine Ecke direkt neben Shantih wo sie sich einigermassen hinkauern konnte, ohne dass sie auf jemanden trat. Noch immer wurde sie von der Fremden beobachtet. „Hilfe.“ Keuchte sie wieder. Einer der beiden Sanitäter wandte sich ihr zu und gab ihr eine Pastille. Danach schlief die Frau. Schaute sie nicht mehr an.
Sein Kollege kümmerte sich gerade um Shantih. Er winkte Niniane zu. „Du da. Du musst mir helfen. Tätschle ihre Wange damit sie wach bleibt, sollte dies nicht ausreichen, dann kneif sie biss es weh tut. Sie muss wach bleiben… kannst du dies tun? “ Er sah sie eindringlich an und legte seine blutigen Hände auf ihre Schultern. „Kannst du dies für mich und für sie tun?“
<b>@alle</b>
Endlich setzte sich die Kutsche langsam in Bewegung. Obwohl die Zeit bei vielen Patienten drängte raste man nicht durch die Pflastersteinstrassen, das Holpern würde die Verletzungen nur noch verschlimmern. So versuchte man möglichst schonend zu fahren. Es war bitterkalt und auch die Notdecken welche man eilig über die Patienten legte, verschafften nur wenig Abhilfe.
Ruhig fuhr die Kutsche durch das nächtliche Pelgar. Einige Menschen schauten aufgeschreckt durch den Rauch und den entstandenen Lärm aus ihren Fenstern. Sie hatten Schlafmützen an und waren in ihre Nachthemden gekleidet. Stumm verfolgten ihre Augen die Kutsche. Entsetzen stand darin geschrieben. Eine unruhige Zeit stand bevor. Die Zeichen waren deutlich. Erst Faldors Horden… und nun der Brand. Brachte die Dunkelheit der Jahreszeit… auch jene der Gemüter über die Stadt?
Haus reihte sich an Haus und es entstand dadurch diese steinige Landschaft. Etwas abseits konnte man der grosse Klinikkomplex bereits erkennen.
Der Sanitäter ging wieder zu dem Mann neben Luziver. Fühlte den Puls. Seufzte und zog dem Mann die Decke über den Kopf. Ehe er sich wieder Luziver zuwandte. Es war keine Zeit für Trauer. Für die Toten blieb hier keine Zeit, denn Leben mussten gerettet werden. Die Fahrt dauerte an.
Der Löwenhybrid konnte verschwommen zwei Sanitäter erkennen die immer wieder von einem Patienten zum anderen gingen. Da einen Verband anlegten, dort eine Pastille verabreichten, hier einen Puls massen. Sie kamen auch regelmässig zu ihm. Fühlten seinen Puls. Tätschelten ihn, versuchten ihn wach zu behalten. Einer hob seine Augenlider an und leuchtete mit einem seltsamen, mit Lichtmagie gefüllten Stift in seine Augen. Kontrollierte seine Pupillenreflexe, auch jene einer Katze funktionierten gleich wie die eines Menschen. Sie verengten sich bei Licht… und weiteten sich bei Dunkelheit. „Könnt ihr mich hören?“ Fragte eine verzerrt wirkende Stimme. Roxas wusste eigentlich, dass diese Stimme bestimmt vom Sanitäter stammte, doch er konnte ihn kaum erkennen, so verschwommen sah er inzwischen. Er sah nur wie sich der Kopf bewegte. Mehr nicht. „Habt ihr Schmerzen?“ Der Kopf wandte sich ab als sein Kollege sich kurz mit ihm über einen anderen Patienten beriet.
„Ich kann ihre Blutung nicht stoppen, soll ich abbinden oder gleich amputieren?“ „Versuche es erst mit Abbinden. Solange sie wach bleibt.“ „Gut.“ Der eine sah wieder zu Roxas. Er begann ihn zu Untersuchen. Roxas spürte wie er seine Wange abtastete, dann seinen Kiefer, schliesslich seine Schulter, Arme, Brustkorb, Bauch, Leisten, Beine, Füsse. Überall wurde er angetatscht und gerüttelt, gedrückt. Der Sanitäter verschaffte sich so einen schnellen Überblick über die Verletzungen seines Patienten. Unabhängig davon ob dieser es mochte oder nicht…
<b>@Shantih</b>
Pulsierender Schmerz machte sich in ihrem linken Fuss breit und kroch langsam nach oben. Es tat höllisch weh und sie musste entsetzt feststellen, dass sich weder Zeh noch Knöchel bewegen liess. Der Pein betäubte ihre Sinne, sorgte dafür, dass sie Stimmen nur noch verzerrt wahrnahm und langsam begann verschwommen zu sehen. Gesichter wurden zu undeutlichen Maskenähnlichen Flächen, die kaum noch einen Blick auf Emotionen zuliessen. Sie wusste nur, dass sie angestarrt wurde. „W…a…ch….b.lei…ben…!“ Hörte sie eine entfernte Stimme auf sie Einreden. Es war der Medicus. Ihre Wange wurde getätschelt, oh ja sie konnte es spüren. Es… störte, denn eigentlich gierte ihr Körper danach einfach einzuschlummern. Schlaf. Ja sie war müde. Sehr müde. Nur ein kleines Nickerchen vielleicht? Plötzlich wurde es eisig kalt um ihren Fuss. Man packte Schnee darauf, kühlte. Mehr tat man nicht – konnte man nicht tun. Nicht hier. Fremde Stimmen riefen sich gegenseitig etwas zu. Sie konnte es nicht mehr verstehen. Ihre Augen fielen ihr ungewollt immer wieder zu.
Ein Ruck folgte. Sie wurde angehoben. Sie sah wie sich die Umwelt bewegte. Schwebte sie? Sie tat nichts und dennoch bewegte sie sich… wurde getragen. Sie spürte jeden Schritt denn sie selbst doch gar nicht tätigte an ihrem Körper. Ein leichtes Holpern. Man eilte.
Sie hörte gequältes Aufstöhnen und sie roch, roch den süsssaueren Geruch von verbranntem Fleisch… und den eigentümlichen Duft verbrannten Haares…Blut… schlechter Atem… Rauch… viel Rauch. Feuer. Sie wurde in diese Wolke aus unangenehmen Gerüchen herein getragen. Man legte sie ab. Sie spürte harten Grund unter sich. Ihre Hand streifte einen kalten Körper. Es war Roxas Arm, der direkt neben ihr Lag.
„Wir….mü….ss….en…..das….Bein….abbinden.“ Hörte sie entfernt. „Die Blutung ist zu stark… ich kann es nicht verbinden….“ Ein Band legte sich um ihr Schienbein. Man zog es stark an. Sehr stark. Es tat weh. Ihr Fuss wurde taub. So lag sie da. Zwischen fremder Schwerverletzten, die von zwei Sanitäter betreut wurden, welche immer wieder nach allen Patienten sahen. Immer wieder kam einer zu ihr und tätschelte sie, rieb seine Faustknöchel schmerzhaft an ihrem Brustbein um sie wach zu halten.
Trotz Schmerzpastille… tats unendlich weh, es war zum schreien… zum verrücktwerden… und dann noch diese Kälte…. Man deckte sie zwar zu… doch ihr Fuss lag noch immer auf Eis.
<b>@Luziver</b>
Übelkeit war noch gar kein Ausdruck für das, was Luziver gerade empfand, doch es dauerte nicht all zu lange bis das Mittel wirkte und sie sich von dem pechschwarzen Gebräu, bestehend aus ihrem Mittagessen und Russ trennen konnte. Schnell war die Nierenschale weggestellt – bei diesem Tumult würde sie wohl auch vergessen gehen. Der Sanitäter wischte ihr den Mund ab und massierte ihren Rücken. „Gut so… geht’s besser?“ Fragte er und spritzte ihr etwas Kräuterhaltiges in den Mund um den grässlichen Geschmack zu vertreiben. Sie fühlte sich wahrlich wohler. Der Magen grummelte zwar noch immer und es war ihr auch nach wie vor übel, aber zumindest konnte sie etwas besser Atmen.
Man legte sie seitlich auf die Trage und schnallte sie fest damit sie nicht runter fiel. Der Söldner welcher mit ihr gesprochen hatte packte mit an und trug sie ebenfalls zur Rettungskutsche.
Sie hörte gequältes Aufstöhnen und sie roch, roch den süsssaueren Geruch von verbranntem Fleisch… und den eigentümlichen Duft verbrannten Haares…Blut… schlechter Atem… Rauch… viel Rauch. Feuer. Sie wurde in diese Wolke aus unangenehmen Gerüchen herein getragen. Schreckliche Gerüche… doch Luziver verstand vermutlich nicht was es hiess, wenn es nach Tod und Zerstörung roch. Was dies für die Menschen die dort lagen Bedeutete… welch gottlosigkeit hier geschehen war. Sie wusste dass es böse war, schlecht, doch vermutlich verwirrte es sie, dass der eine Mann geweint hatte. Sie um Verzeihung gebeten hatte. Verwirrende Geschehnisse zu einer verwirrenden Zeit. Denn eigentlich herrschte in der Stadt gerade prinzipiell eine vorfreudige Stimmung, man freute sich auf das Turnier… die Zusammenkunft der Völker sagte man sich. Doch es gab Gruppierungen und Organisationen in der Stadt, die dafür sorgten, dass die dunklen Völker davon ausgeschlossen werden würden. Nicht wegen dem Turnier… oh nein. Deren Hass ging tiefer und sie selbst, unschuldig wie sie war, war in eine gewaltige Mühle reingeraten.
Man legte sie ab. Sie spürte harten Grund unter sich. Sie lag zwischen Shantih und einem fremden Mann mit pechrabenschwarzem Gesicht. Die Wunde sah grässlich aus und man konnte nur noch etwa erahnen, dass selbst dieser Mensch mal so etwas wie ein Gesicht gehabt hatte. Er rührte sich nicht. Der eine Sanitäter machte die Runde. Fühlte den Puls des Mannes. Blieb einige Zeit bei ihm und versorgte die Wunde. Ehe er sich an Luziver wandte. „Geht es?“
Der Söldner blieb vor der Kutsche stehen. „Hör nie auf zu lächeln.“ Gab er ihr mit auf dem Weg… dann rannte er zurück zu den anderen um zu Helfen.
Wieder war es ein wildfremder Mann der sie berührte. Er tastete bei ihrem Handgelenk nach dem Puls und zählte unauffällig ihre Atemzüge die sie nahm. Er schaute ihr in die Augen. „Hast du Schmerzen?“ Fragte dieser namenlose Helfer. Er hatte grüne Augen, schwarzes Haar und einen blutbesudelten Kittel. War schlank und klein. Doch er hatte zarte Hände, die des Söldners waren grober gewesen.
<b>@Niniane</b>
Man hielt sie an mit ihnen mitzugehen als sie Shantih zum Wagen trugen. Sie war nicht so benebelt wie Shantih und nahm daher die rein optischen Eindrücke der Kutsche viel klarer und intensiver wahr als ihre Freundinnen es konnten dazu gesellten sich die Gerüche. Sie selbst roch auch danach. Nach Rauch. Verbranntem. Sie sah Blut und all die grässlichen Wunden welche die sich teilweise windenden Opfer entstellten. Es sah grässlich aus. Vielleicht waren dies, Mütter, Väter, Grossmütter, Grossväter, Ehemänner, Ehefrauen… man wusste es nicht, es waren nur Namenlose Opfer die schrieen und vermutlich nicht verstehen konnten, warum dies hatte geschehen müssen. Verstand dies überhaupt jemand? Gab es eine Erklärung für solch eine Tat?
Nun… im Wachturm von Burgstein, stand ein Mann der seelenruhig seinen Tee trank und davon überzeugt war, das Richtige getan zu haben. Er sah im Gegensatz zu Niniane den Wahnsinn nicht so überdeutlich in Form des Leides und Leidens welches verursacht worden war. Er hörte die Schreie nicht und konnte auch nicht in die Augen dieser Opfer sehen. Eine junge Frau, deren Brustkorb völlig verschmort war, sah Niniane an. Starrte sie regelrecht an. Tränenbahnen verrieten, dass sie weinte. Sie hatte Angst. „Hilfe.“ Hauchte sie.
Wahrlich hier hatte man nur die am schwersten Verletzten aufgebahrt. Es schien so als wären die beiden Mädchen beinahe noch am besten dran. Man half ihr auf den Wagen. Sie fand eine kleine Ecke direkt neben Shantih wo sie sich einigermassen hinkauern konnte, ohne dass sie auf jemanden trat. Noch immer wurde sie von der Fremden beobachtet. „Hilfe.“ Keuchte sie wieder. Einer der beiden Sanitäter wandte sich ihr zu und gab ihr eine Pastille. Danach schlief die Frau. Schaute sie nicht mehr an.
Sein Kollege kümmerte sich gerade um Shantih. Er winkte Niniane zu. „Du da. Du musst mir helfen. Tätschle ihre Wange damit sie wach bleibt, sollte dies nicht ausreichen, dann kneif sie biss es weh tut. Sie muss wach bleiben… kannst du dies tun? “ Er sah sie eindringlich an und legte seine blutigen Hände auf ihre Schultern. „Kannst du dies für mich und für sie tun?“
<b>@alle</b>
Endlich setzte sich die Kutsche langsam in Bewegung. Obwohl die Zeit bei vielen Patienten drängte raste man nicht durch die Pflastersteinstrassen, das Holpern würde die Verletzungen nur noch verschlimmern. So versuchte man möglichst schonend zu fahren. Es war bitterkalt und auch die Notdecken welche man eilig über die Patienten legte, verschafften nur wenig Abhilfe.
Ruhig fuhr die Kutsche durch das nächtliche Pelgar. Einige Menschen schauten aufgeschreckt durch den Rauch und den entstandenen Lärm aus ihren Fenstern. Sie hatten Schlafmützen an und waren in ihre Nachthemden gekleidet. Stumm verfolgten ihre Augen die Kutsche. Entsetzen stand darin geschrieben. Eine unruhige Zeit stand bevor. Die Zeichen waren deutlich. Erst Faldors Horden… und nun der Brand. Brachte die Dunkelheit der Jahreszeit… auch jene der Gemüter über die Stadt?
Haus reihte sich an Haus und es entstand dadurch diese steinige Landschaft. Etwas abseits konnte man der grosse Klinikkomplex bereits erkennen.
Der Sanitäter ging wieder zu dem Mann neben Luziver. Fühlte den Puls. Seufzte und zog dem Mann die Decke über den Kopf. Ehe er sich wieder Luziver zuwandte. Es war keine Zeit für Trauer. Für die Toten blieb hier keine Zeit, denn Leben mussten gerettet werden. Die Fahrt dauerte an.