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von Erzähler » Donnerstag 27. Juni 2019, 18:16
"Unberührtes Gras? Aber ... ein Traum sagst du?"
Rhudos glaubte, er habe das nur geträumt. So hatte er es gesagt, aber vielleicht war seinem Geist schlimmeres geschehen, als nur ein Traum. Das alles war schlicht unmöglich und wenn es wirklich so war, wie Rhudos behauptete, dann waren definitiv Mächte im Spiel, die über einen sterblichen Verstand hinaus gingen. Unberührtes Gras auf einer Wiese, wo zuvor ein ganzes Lager gewesen war? Ohne Spuren zu hinterlassen? Wenn Kazel etwas Zeit bekam um intensiver über die Schilderungen nachzudenken, könnte vielleicht eine Theorie in ihm aufkeimen, die das Zutun vom Gevatter bestätigte. Als Janay vom Tod geheilt wurde, da verschwanden die Verletzungen, als wären sie nie geschehen, als wären die Sekunden der Zeit in denen die Pfeile eindrangen fort genommen worden. Zeit - eine Macht die nur Gevatter Tod beherrschte und nun auch ein klein wenig ein Mischlingself in seinen Diensten.
"Du hast keine Beule, Prinz... Hier scheinen komplexere Dinge im Hintergrund abzulaufen, als wir sie uns erklären können. Beeinflussen erst Recht nicht, also nehmen wir sie hin und sollten nach vorn schauen. Ja, du hast mich gefunden, irgendwie. Doch ... unsere Wege werden sich erneut trennen müssen."
Der Elf versuchte, so viel Autorität in seine Worte zu legen, wie er aufbringen konnte. Er straffte die Schultern ein wenig und richtete sich gerader auf. Sein Blick besaß die nötige Schärfe, um zu signalisieren, wie ernst ihm das Folgende war:
"Janay kann nicht allein zurückbleiben. In diesem Lager ohnehin nicht. Aber sie sollte in ihrem ... Zustand auch nicht weiter dem Trupp folgen. Es geht in den Krieg und sie erwartet ein Kind! Zudem scheint sie sehr schwach zu sein."
Rhudos sah zum Zelt und nickte zustimmend. Ein trächtiges Weibchen hatte auch in seiner jugendlichen Vorstellung nichts in einem Krieg zu suchen, erst recht, da er sich selbst als erwachsenen Krieger sah. Kazel holte tief Luft und schaute zum Orksklaven herüber. Der Leonide folgte seinem Blick.
"Ich könnte ihn abstellen, sich um sie zu kümmern und mit dir wieder zu den Leoniden stoßen, aber ich kenne den Ork nicht gut genug, ihm eine derart wichtige Aufgabe anzuvertrauen. Hörst du, Prinz? Das ist mir wichtiger als alles andere. Mein Kind wächst in ihr heran. Ich will es, als auch Janay beschützt wissen."
Jetzt kam es darauf an, den Leoniden zu überzeugen. Kazel neigte den Kopf leicht, verschränkte die Arme und nickte Rhudos zu. Er hatte seine ganze Aufmerksamkeit.
"Wer wäre für eine derart wichtige Mission besser geeignet als ein Leonidenkrieger von königlicher Abstammung? Und es würde dich eine Weile vom Trupp fernhalten, bis ich dort die Sache unseres Verschwindens geklärt habe. Natürlich, ohne dich zu verpetzen. Das bin ich dir schuldig, wenn du dich um Janay kümmern und sie an einen sicheren Ort bringen kannst."
Er lockerte seine Haltung wieder und musterte Rhudos, versuchte so gut es ging, aus seiner Miene schlau zu werden. Der Prinz hatte die runden Ohren aufgestellt und die Schultern wie ein Krieger gestrafft. Er wirkte stolz, als fühlte er sich von der bevorstehenden Aufgabe und dem damit in ihn gesetztem Vertrauen geehrt.
"Wirst du meine Bitte erfüllen, Prinz Rhudos?"
, hakte Kazel nochmal nach und betonte den Namen des anderen.
"Ich selbst werde den Ork zum Schutz mitnehmen, falls er mir folgen will. Du kannst alle Ausrüstung aus dem Lager, den Karren samt Pferden haben. Ich bewege mich schneller ohne all das. Was sagst du?"
Es folgte sofort ein eifriges Nicken, gleich einem Kind, dem versprochen worden war mit Süßigkeiten belohnt zu werden, wenn es etwas tat, was es sowieso lieber selbst tun wollte. Das Nicken passte nicht so ganz zu der kriegerischen Haltung, aber es zeigte einmal mehr, wie jung der Prinz eigentlich noch war und das er wirklich nicht in einen Krieg gehörte. Kazels Verantwortung als sein Vorbild, mahne ihn, dass seine Entscheidung, ihn mit Janay fort zu schicken, richtig sein würde. Beide gehörten an einen sichereren Ort, wo Janay genesen und ihr Kind austragen konnte und der Prinz, noch nicht ganz ein Mann, war zwar stark im körperlichen Sinne, aber noch zu unerfahren. Janay konnte ihn sicher leicht händeln, sie war klug und gewitzt. Ein leichtes Schmeicheln genügte um seine Meinung in die eine oder die andere Richtung zu lenken. Janay würde sicher ihren Spaß mit ihm haben. Jetzt verkündete Rhudos mit stolz geschwellter Brust:
„Es wäre mir eine große Ehre, über deine Familie zu wachen!“
und verneigte sich vor Kazel. Damit war es kurz und knapp entschieden, also gingen sie an die Umsetzung ihres Plans, zu dem auch gehörte, den Ork von seinem Gestell zu befreien. Es war kein Leichtes, dafür mit Schmerz verbunden und Kazel musste die Wunden notdürftig versorgen, die das Entfernen der Schrauben hinterließ. Ein Heiler wäre angebracht. Für den Bruchteil einer Sekunde suchte der stürmische Blick des Mischlings die Umgebung nach Judukas Leiche ab. Dann schüttelte er den Kopf. Nein. Es war besser, dass sie tot war. Eine Dienerin weniger, auf die Raxtian Tausendtod sich verlassen konnte. Wer wusste schon, wie lange noch er seinem "Spielzeug" nachjagen würde. Kazel hatte nicht vor, es mit ihm bewusst aufzunehmen.
Aber du könntest die Zeit anhalten und ihn ausschalten...
Verführerisch süß und zähflüssig wie Honig zog sich der Gedanke durch seinen Kopf.
Es wäre möglich... Ein merkwürdiger Nachhall ließ seine Handfläche kribbeln, in der er seine Sanduhr wusste. Kazel würde es in Erinnerung behalten und sicherlich handeln, wenn er diesem gruseligen Wesensveränderer und Seelendieb noch einmal begegnete, aber er hatte nicht vor, seine Prioritäten nach dessen Verfolgung auszulegen. Und doch hatte sein Weg wieder einmal zu Dienern seines Feindes geführt, die ihn suchten.
Jetzt gab es jedoch Wichtigeres zu tun.
Den Leoniden wieder anschließen.
In den Krieg ziehen.
Aber da waren noch Xenia und die Bruderschaft des Lichts. Auch sie brauchten Hilfe. Ganz Pelgar brauchte Hilfe! Pelgar, eine Stadt, die ihn hatte hängen wollen für das, was er war ... und seither hatte sich Kazel nicht zum Besseren geändert. Ein wenig Säure bildete sich unwillkürlich in Kazels Magen bei diesen Gedanken. Er hatte sich großen Plänen verschrieben, doch eins nach dem anderen.
Gemeinsam mit Rhudos gelang es ihm schließlich den Ork zu erlösen.
"Du bist frei"
Es gefiel ihm ohnehin nicht, wenn Kazel mit ihm auf Celcianisch kommunizierte, aber langsam schien er sich daran zu gewöhnen, denn sein neuer Herr tat es viel und sprach ihn damit auch direkt an – also konnte es doch nicht falsch sein, oder? Wann immer Kazel Celcianisch sprach zog der Ork ein bisschen den Kopf ein, aber er wandte sein Gesicht nicht mehr angsterfüllt ab. Es waren Fortschritte zu verzeichnen. Kazel versuchte es trotzdem anders:
"Nicht ... Gefängnis. Du können Flucht. Weg, wenn ... Wille."
Um sein brachiales Orkisch zu unterstreichen machte Kazel einen Schritt fort von dem Wesen und breitete seine Hand einladend in die Umgebung aus. Ja, er ließ den Ork frei. Verwirrung machte sich auf dessen Gesicht breit. Es war eine schwere Prüfung für ihn, überhaupt eine Entscheidung treffen zu dürfen, wo das bislang vermutlich nie möglich gewesen war. Er sah auf Kazels ausgebreiteten Arme, sah den Leoniden an, der nur mich verschränkten Armen da stand und die Szene mit Misstrauen beobachtete und schaute dann in die Umgebung. Er schaute in die Richtung wo die Leichen lagen und wieder zu Kazel. Er war maßlos überfordert, dass war ihm deutlich anzusehen. Vielleicht war es tatsächlich noch zu früh für diese Geste, denn er ließ sich plötzlich vor Kazel auf die Knie fallen und kroch auf allen vieren zu seinen Füßen um sie vorsichtig mit den Fingerspitzen zu berühren. Das Zeichen seiner Unterwerfung hätte nicht größer sein können! Als er aufsah glänzten sogar seine Augen und er drückte immer abwechselnd eine Hand auf sein Herz und vorsichtig einen Fuß seines neuen Herrn. Es war fast wie eine Bitte, sein Herz unter seinen Stiefel zu nehmen. Seltsam, aber sehr eindringlich. Es brauchte eine Geste und am besten eine Aufgabe, damit er damit aufhörte. Der Mischlingself sah sich um und am leichtesten war der Ork wohl abzulenken, in dem er ihn Feuerholz für Janay holen schickte. Dann würde es später Rhudos nicht tun müssen.
Kazel gab dem Ork Zeit sich seiner Aufgabe zu widmen und widmete sich selbst dann noch einmal Rhudos.
"Ein Elfentrupp, sagst du? Und das waren mit Sicherheit keine von .. meinem Volk? Dann sind es vielleicht Verbündete...“
„Ja, das dachte ich auch, aber ich war mir halt nicht sicher und wollte ja dich finden. Als letztes lagerte sie gar nicht so weit von hier in einer kleinen Senke.“
Er zeigte grob in eine Richtung, die sich Kazel natürlich merkte.
„... Danke, ich werde nach ihnen Ausschau halten. Im Schnee sollten sich ihre Spuren leichter ausmachen lassen.... Weißt du, wo die übrigen Leoniden hin wollten?"
, fragte er. Rhudos machte eine Geste, die er nicht ganz deuten konnte und erklärte:
„Da sie meistens in Bewegung sind, weiß ich nicht, wo genau sie jetzt sein werden, aber sie suchen nach jedem Anzeichen auf die dunkle Armee. Pelgar wäre natürlich da am naheliegendsten. Wahrscheinlich ziehen sie nach Pelgar.“
Man merkte, dass der Prinz sich nicht wirklich mit dem Grund für den Krieg befasst hatte, sondern einfach nur des Kämpfens und des Ruhmes wegen mitgehen hatte wollen. Er war denkbar schlecht vorbereitet und so langsam schien ihm das auch aufzugehen. Etwas peinlich berührt huschten seine Augen hin und her und wollten keinen Punkt so recht fixieren, also richtete Kazel sein Denken wieder auf die wichtigen Dinge, in dem er ihn ablenkte:
"Ich will meine Rüstung mit etwas Schnee reinigen, ein paar Vorräte mitnehmen und vielleicht bessere Waffen, sowie Ausrüstung, dass ich in der Kälte nicht erfriere. Sobald ich alles zusammen habe, reise ich weiter. Vorausgesetzt, du wirst deinen Auftrag annehmen und Janay in Sicherheit bringen."
„Das nach ich! Ich werde sie mit meinem Leben beschützen!“
Wie leicht sich so etwas doch daher sagte, wenn man jung war!
„Ich bringe sie nach Hause! Ihr wird nichts geschehen!“
Blieb zu hoffen, dass Janay da auch mitspielte. Der Wille dieser Frau hatte sie hinter Kazel her geschickt und heimatlose Überlebenskünstler hatte in ihr einen Anker, einen Hafen, eine Familie gefunden zu der es sich lohnte zurück zu kehren. Aber wenn es keine Welt mehr gab, in der es sich zu leben lohnte, was blieb ihnen dann? Wenn die dunklen Völker siegen würden, dann würde sein Kind in die Sklaverei geboren werden! Janay trug seine Hoffnung in sich und er als Vater musste dafür sorgen, dass dieses Kind eine Chance erhielt. Dazu gehörte halt auch, dass sie sich eine Weile trennen mussten.
„Ich geh mich mal mit den Pferden anfreunden.“
, verkündete Rhudos und schlenderte in Richtung Wagen, was Kazel die Möglichkeit gab, nach seiner Geliebten zu sehen. Sie schlief tief und fest. Ihr Atem ging ruhig und ihre Haut war wieder angenehm warm. Es ging ihr besser, aber ihr Körper brauchte noch Zeit ins Leben zurück zu finden. Vielleicht sollte er ihn eine Nachricht schreiben, oder Rhudos ein paar Worte für sie ausrichten lassen, bevor er letztendlich ging. Nach einigem Umsehen fand er auch etwas zum schreiben im Zelt des Anführers. Danach konnte er sich aus den Sachen der Dunkelelfen eine ausreichende Ausrüstung zusammen suchen. Als kleiner Suchtrupp waren sie gut ausgerüstet, hatten aber keine schweren Waffen oder Rüstungen dabei. Alles war sehr funktionell und für eine schnelle Reise auf den Wargs ausgelegt. Einzig der Gefängniswagen mit den Pferden hatte, wie er wusste, ein paar schwere Dinge transportiert.
Ihn...
, das Zeltmaterial, zwei Töpfe, etwas Geschirr, Decken, usw.
Die persönlichen Dinge, wie das Schreibmaterial, Ersatzwaffen und Kleidung fand er in den jeweiligen Zelten. Aman hatte einen hervorragenden Bogen bei sich gehabt und in seinem Zelt gab es auch noch Ersatz sehnen und Pfeile. Dorun hatte gute Klingen und Saerembor... vor seinem Zelt zügelte Kazel vielleicht doch noch einmal, ...aber hier fanden sie ein paar kleine Fläschchen mit dubiosem Inhalt. Eines davon roch nach Bittermandel, ein anders nach Nichts und hatte eine ölige Konsistenz, ein drittes roch nach Essig und etwas anderem undefinierbarem.
Der Ork, der sich um Holz und den Warg kümmerte, kam nach einer Weile wieder zu seinem Herrn und bat ihn mit Gesten ihm zu folgen, während Rhudos derweil die Wacht über Janay übernahm.
Ein Stück weit vom Lager entfernt unter einem Felsvorsprung im Wald verborgen, lag eine halboffene Höhle in der die anderen Reittiere der toten Elfen angekettet waren und inzwischen hungrig wirkten. Ihr Knurren Kazel gegenüber war deutlich, aber als der Sklave sich näherte verstummten sie. Sie hatten noch Reitsättel auf und Satteltaschen an ihren stämmigen Körpern, die sich jedoch als leer erwiesen. Der Ork machte eine Geste, die auf Essen hinwies und zeigte auf die Tiere und dann Kazel. Entweder meinte er, die Tier sollten ihn fressen, oder Kazel sollte die Tiere füttern. Zweiteres wahr am naheliegendsten, da er damit auch gewiss ihre Zuneigung gewinnen konnte, denn er würde mit einem Ork und vier Wargs reisen und Janay mit einem Leonidenkrieger und vier Pferden. Anders ging es nicht. Also so oder so musste jetzt Fleisch her! Doch wie konnte er jetzt schnell das Futter für die Tiere jagen?
Der Ork schien einen Plan zu haben. Er ging in die Höhle und holte das kleinste Tier heraus. Es war ein Weibchen und etwas heller in der Fellfarbe, als die Anderen. Er führte sie etwas von der Höhle weg und befahl sie mit ein paar schnellen Gesten dann auf den Boden. Er drehte sie auf den Rücken, damit sie ihren ungeschützten Bauch präsentierte und winkte dann Kazel heran. Mit Gesten zeigte er Kazel, wie er das Tier übernehmen sollte und es am effektivsten am Boden hielt, denn es begann sich zu wehren. Dann biss er dem Wargweibchen in die Kehle, was durch seinen ramponierten Kiefer eher schlecht gelang und forderte Kazel dann auf, es ihm gleich zu tun, aber fester!
Nur eine Feststellung am Rande:
Wargfell schmeckt scheußlich!
Aber – das Tier hörte auf zu strampeln und ergab sich seinem neuen Reiter. Nach weiteren Minuten des Kennenlernens konnte Kazel aufsteigen und reiten. Diese Art, der Unterwerfung hatte er sicher noch nie erlebt, aber anscheinend hatten auch Orks so ihre Tricks und Kniffe, von denen man etwas lernen konnte. Mit dem Wargweibchen konnte er eine größere Umgebung ab reiten und so am effektivsten jagen, zumal sie gut auf Handzeichen reagierte, die ihm sein neuer Sklave noch beigebracht hatte. Eines war z.B. die ausgestreckte Hand in Richtung Boden bewegen und sie legte sich flach hin. Nach einer halben Stunde, war sich Kazel sicher, sie gut händeln zu können und nach zwei weiteren war er von einem kleinen Jagdausflug zurück, mit gerade genug Beute um die Tiere ruhig zu halten und zwei Eichkatzen, für das Abendessen.
Rhudos berichtete, ganz stolz, dass es nichts zu vermelden gab und Janay weder aufgewacht noch irgendetwas sich in der Umgebung geregt hatte. Also setzten sie sich zu dritt an das kleine Lagerfeuer und knabberten ihre Eichhörnchen. Kazel und Rhudos teilten sich die Nachtwache unter sich ein, da vielleicht beide dem Ork noch nicht so 100%tig vertrauten. Kazel tat es dabei eher, aber der Prinz eben nicht. So entfernte sich Rhudos nach dem kleinen Mahl und begann seine Patrullie. Kazel blieb mit der werdenden Mutter und dem Sklaven zurück, konnte sich aber zu Ruhe begeben. Schlafen – Ruhe – etwas das sein Körper nach diesem anstrengenden Tag sehr willkommen hieß. Die nächste Zeit würde sicher einiges an Aufregung mit sich bringen und die Erwähnung der elf Elfen spukt noch in seinem Kopf herum, genauso wie die Einmischung des Gevatters und Raxtian Tausendtod, während er Manthalas Reich betrat.
„Es ist möglich...“
Die hohl klingende Stimme aus seinem Traum, hauchte Eiseskälte auf seine Wange. Sofort war Kazel wach und saß aufrecht neben Janays schlafenden Körper. Sein Atem ging schnell und bildete kleine Wölkchen vor seinem Gesicht. Jedes lebende Wesen reagierte so auf den Tod. Der Überlebenswille war stark in Kazel und vielleicht hatte der Tod ihn deshalb ausgesucht, in seine Dienste zu treten. Kazel ließ sich nicht so leicht beeinflussen und gab auch nicht einfach auf.
Er rieb sich unwillkürlich ein paar Mal mit beiden Händen über das Gesicht. Kazel hatte geträumt, aber erinnerte sich wenn dann nur an wirre Bruchstücke aus Erinnerungen der letzten Tage. Jetzt war er sowieso wach. Also sah er nach Janay, kümmerte sich um sie, gab ihr Trinken und Essen, dass sie leise murmelnd annahm, half ihr wo er konnte und spähte dann aus dem Zelt. Es war noch Nacht und bald wäre er sowieso mit seiner Wache an der Reihe. Kaum verließ er das Zelt, gesellte sich auch der Ork wieder hinzu. In seiner großen Hand hielt er Kazel ein paar kleine vereiste Beeren vom Vorjahr hin. Sie wirkten wie verschrumpelte Rosinen, schmeckten irgendwie hart, sauer und staubig, aber sättigten ungemein. Als der Elf sich den Kiefer und Schädel seines Sklaven genauer ansah, stellte er erfreut fest, dass es keine Anzeichen einer Entzündung gab und sich schon dicker Schorf gebildet hatte. Der Kiefer machte ihm noch Probleme und wenn er sich gerade auf etwas anderes konzentrierte, dann klaffte er immer noch auf. Sobald er sich jedoch beobachtet fühlte, hielt der Ork den Mund nun geschlossen, auch wenn es anstrengend aussah.
Bald erschien Rhudos und Kazel konnte seinen Wachtposten übernehmen.
Außer ein paar neugierigen Nachttieren, bekamen sie bis der Himmel sich rot färbte auch keinen Besuch. Der Morgen begann unspektakulär und Kazel gab Rhudos letzte Anweisungen um seine Janay in guten Händen/Pfoten zu wissen. Derweil füllte der Ork die Satteltaschen der Warge und bereitete ein spärliches Frühstück.
