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Lokus, Hinterhof oder der Vorhof zum Harax

Verfasst: Dienstag 18. August 2026, 08:14
von Maruka
Lokus, Hinterhof oder der Vorhof zum Harax
(durch den Schankraum, wie auch durch ein separates Tor von außen zu betreten)


Der Hinterhof der Taverne ist umrandet von den übrigen Gebäudeteilen und genau das was man erwartet. Nur kleine Fenster schauen in diesen Bereich, wenn überhaupt und die Luft ist etwas stickig und erfüllt von einem Geruch, der nur schwer zu beschreiben ist. Fäkalien, Verwesung und ...Schwefel? Kisten, Fässer, Gerümpel häufen sich in den Ecken, Ungeziefer nistet in den Nischen und in der Mitte steht ein kleines Häuschen aus dunklem Holz mit einer Tür in dessen Mitte ein kleines Herz als Guckloch hinein geschnitzt wurde. Daneben steht ein winziger runder Tisch mit einem leeren Teller und einem Schild darauf:
**2 Lysanthemer**
Wer meint, zwei Silbermünzen sei viel zu teuer um die Notdurft zu benutzen, der weiß nicht was für ein Erlebnis ihn erwartet, denn daneben steht ein Stuhl und eine kleine Gestalt thront darauf.


Eine kleine runzlige Fingerkuppe, Gelenke so alt und deformiert, dass allein der Anblick Schmerzen bereitete, puhlte in ihrem Ohr und förderte eine Ladung graugrünliches Schmalz ans Tageslicht. Abschätzend betrachtete die kleine Frau ihren Fund, öffnete ihr Dekolletee und fütterte den darin wohnenden kleinen Gast. Das leise Schmatzen ließe so manchen würgen, doch Rukulla grinste und bleckte dabei eine Reihe alter Zähne die mehr an ein Ruinenfeld erinnerten, als an eine Kau-leiste. Gemütlich ließ sie ihre kurzen Beine von dem für sie etwas zu großen Stuhl baumeln und freute sich wie ein Kind.
„Ich hab einen neuen Job!“
, erklärte sie ihrem Mitbewohner freudig und aus den Tiefen ihres faltigen Busens antwortete es:
„Supi! Als was denn?“
„Ich bin Lokus-Dame.“
„Und was machen die?“
„Ich sitze hier und verlange Geld dafür, dass die Gäste das Scheißhaus benutzen dürfen.“
„Können wir uns dann von den ersten Einnahmen was anständiges zu fressen kaufen?“
„Was willst du denn?“

Der arme Kleine hatte einfach immer Hunger.
„Ne saftig junge Seele!“
„Ich hab dir doch gesagt, du musst Diät halten. Wenn du zu fett wirst dann nennen sie dich nicht mehr Wurm, sondern Made. Willst du das etwa?“

Ein leises Grummeln erklang aus ihrer Bluse und sie lächelte. Bei seiner Eitelkeit kriegte sie ihn immer.
„Na bitte. Und jetzt sei still.“
Rukulla schloss ihre Bluse mit den Bändern wieder und band sich eine hübsche Schleife unter dem Kinn, dort wo die Haut am schlaffsten war und wie der Kehllappen eines Hahnes herab hing. Aus der Ferne betrachtet wirkte sie auf den ersten Blick wie eine Goblinfrau, doch traute man sich, wand genug Mut auf und wagte einen zweiten Blick, da war sie nur eine sehr sehr kleine Menschenfrau, hatte runzlig braune Haut mit so vielen Falten, dass jede Baumdryade sie für ihre Rinde beneidete. Und vielleicht wuchst hier und da wirklich etwas Moos in diesen Falten oder Schimmel, wer wollte das schon so genau wissen. Ihr meist weißes langes Haar, mit gelblich grünen Flecken darin, war zu einem langen Zopf geflochten und am Hinterkopf hoch gesteckt. Es wirkte schon sehr dünn und licht am Oberkopf, aber war so lang, dass sie es sich einige hundert Mal um den Kopf wickeln konnte und damit eine weiche warme Mütze bildete. Die Ohren hingen wie verfaulte Blumenkohlröschen schlaff herab, aber wer ihr in die Augen blickte, der erkannte darin das reinste LEBEN!
Munter und wach schaute sie in die Welt und sah all ihre Abgründe. Rukulla griff in eine ihrer vielen bunten Taschen und holte eine Silbermünze hervor die sie auf den Teller legte, damit das Geld sich mehren würde. Dann strich sie die Falten ihrer vielen Röcke glatt und ordnete ihre Weste.
Ich will ja einen guten ersten Eindruck machen.
Dabei rieselte etwas Dreck aus den Lagen des Stoffes und fiel zu Boden. Sich dort mit dem vorhandenen Matsch verbindend schlug es Blasen und schien für ein paar Sekunden zu kochen. Ein dünner Faden Rauch stieg auf und sie verwischte das kleine Malheur schnell mit ihrem Stiefel. Dann setze sie sich wieder aufrecht hin und wartete auf ihren ersten Besucher.