Re: Auf nach Dessaria
Verfasst: Samstag 13. Januar 2007, 16:34
Den ganzen Ritt über, von der Stadt Pelgar aus bis hin zum Rand des Sumpfes, hatte Amberle geschwiegen. Mehr aus Erstaunen und Verwunderung, denn aus diskreter Höflichkeit oder weil sie schüchtern wäre. Denn dies war sie keineswegs. Tiberius hatte sie in ihrer Zeit als Novizin des Tempels immer als liebreizend bezeichnet.
Doch was sie in Erstaunen und ihr seltsames Schweigen gebracht hatte, war das Verhalten von Séréna und Xoél. Sie hatte die beiden im Tempel gesehen, Hand in Hand. Außerdem war ihr nicht entgangen, wie die Elfe den jungen Mann oft genug angeschaut hatte: mit einem gewissen Glimmen in den Augen.
Dies war auch kein Wunder, denn Xoél besaß eine durchaus anziehende Ausstrahlung. Aber für Amberle und jede andere Priesterin Lysanthors würde kein Mann zwischen sie und ihren Gott treten. Eine Priesterseele musste rein und frei sein.
Sie war verwirrt darüber, warum sich beide Begleiter nun so seltsam verhielten. Die Elfe so kalt und Xoél absolut ausweichend, als hätte er jemandem das Herz gebrochen.
Mit diesem Gedanken kam ihr die Erkenntnis und Amberle musste schmunzeln.
<b>So ist das also. Lysanthor steht für die Wahrheit, diese muss ich ihnen nun mitteilen, sonst könnte es eine beschwerliche Weiterreise werden und im Sumpf müssen wir uns wahrlich auf wichtigere Dinge konzentrieren.</b>
Nachdem Xoél ihr seinen Namen genannt und Amberle aus dem Sattel geholfen hatte, setzte er sich missmutig unter einen Baum. Er wirkte wie ein Häuflein Elend.
Die elfe hingegen, deren Namen Amberle noch nicht kannte, stand am Rand des Sumpfes und blickte auf das morastige Gebiet vor sich.
Amberle trat zwischen die beiden. "Habt Dank, dass ihr mich schon bis hierher begleitet habt. Dieser Auftrag ist sehr wichtig für Pelgar und Dessaria, deshalb sollte es innerhalb der Reisegruppe keine Zwistigkeiten geben. Mir ist jedoch aufgefallen, dass ihr beiden euch seltsam benehmt, seit wir Pelgar verlassen haben. Nein, die Wahrheit ist, seit wir im Stall der Schenke waren. Lysanthor gab mir ein Zeichen, er möchte, dass ich euch die Wahrheit über dieses Missverständnis verkünde."
Amberle schwieg einen Moment, um ihre Worte sacken zu lassen. "Es hat allem nach den Anschein, als schwebe Eifersucht in der Luft, doch diese ist bei weitem nicht nötig. Elfenfrau – Euer Name ist mir leider noch nicht bekannt – kann es sein, dass ich Eurem Gefährten zu nahe gekommen bin? Ich möchte Euch aufklären, dass dies aus reiner Neugierde entstand. Fürwahr, sein Aussehen mag geholfen haben, dass er mich neugierig machte, doch ist eine Zusammenkunft mit sterblichen Wesen einer Priesterin meines Ranges untersagt. Außerdem sah ich euer beider Zuneigung bereits im Tempel, als ihr euch an den Händen hieltet. Niemals würde eine Priesterin Lysanthors, die ich nun einmal bin, zwischen eine solche Bindung treten wollen. Das wäre nicht gerecht, nachdem ihr euch gefunden habt. Und Lysanthor steht für Gerechtigkeit."
Sie schaute zum Baum. "Xoél, ich hoffe, ich bin Euch nicht zu nahe getreten. Es war wirklich nur meine ungezügelte Begierde, den Namen meines Reisebegleiters zu erfahren. Immerhin seid Ihr und Eure Gefährtin zu meinem Schutze hier. Ich möchte hier und jetzt in aller Form entschuldigen, sollte ich der Grund für euer Verhalten sein. Lysanthor sei mein Zeuge, ich will mich nicht zwischen Euch drängen. Denn nur ihm allein will ich dienlich sein."
Amberle verstummte. Das war ein langer Vortrag. Jetzt aber wollte sie Sérénas Vorschlag nachkommen und alles für eine Rast vorbereiten. Sie ging zu ihrem Pferd zurück und holte bötiges Material, um ein Lagerfeuer zu entfachen und ein leckeres Mahl zu kochen. Denn auch wenn sie Priesterin war, so hatte sie gelernt, sich zu versorgen.
Doch was sie in Erstaunen und ihr seltsames Schweigen gebracht hatte, war das Verhalten von Séréna und Xoél. Sie hatte die beiden im Tempel gesehen, Hand in Hand. Außerdem war ihr nicht entgangen, wie die Elfe den jungen Mann oft genug angeschaut hatte: mit einem gewissen Glimmen in den Augen.
Dies war auch kein Wunder, denn Xoél besaß eine durchaus anziehende Ausstrahlung. Aber für Amberle und jede andere Priesterin Lysanthors würde kein Mann zwischen sie und ihren Gott treten. Eine Priesterseele musste rein und frei sein.
Sie war verwirrt darüber, warum sich beide Begleiter nun so seltsam verhielten. Die Elfe so kalt und Xoél absolut ausweichend, als hätte er jemandem das Herz gebrochen.
Mit diesem Gedanken kam ihr die Erkenntnis und Amberle musste schmunzeln.
<b>So ist das also. Lysanthor steht für die Wahrheit, diese muss ich ihnen nun mitteilen, sonst könnte es eine beschwerliche Weiterreise werden und im Sumpf müssen wir uns wahrlich auf wichtigere Dinge konzentrieren.</b>
Nachdem Xoél ihr seinen Namen genannt und Amberle aus dem Sattel geholfen hatte, setzte er sich missmutig unter einen Baum. Er wirkte wie ein Häuflein Elend.
Die elfe hingegen, deren Namen Amberle noch nicht kannte, stand am Rand des Sumpfes und blickte auf das morastige Gebiet vor sich.
Amberle trat zwischen die beiden. "Habt Dank, dass ihr mich schon bis hierher begleitet habt. Dieser Auftrag ist sehr wichtig für Pelgar und Dessaria, deshalb sollte es innerhalb der Reisegruppe keine Zwistigkeiten geben. Mir ist jedoch aufgefallen, dass ihr beiden euch seltsam benehmt, seit wir Pelgar verlassen haben. Nein, die Wahrheit ist, seit wir im Stall der Schenke waren. Lysanthor gab mir ein Zeichen, er möchte, dass ich euch die Wahrheit über dieses Missverständnis verkünde."
Amberle schwieg einen Moment, um ihre Worte sacken zu lassen. "Es hat allem nach den Anschein, als schwebe Eifersucht in der Luft, doch diese ist bei weitem nicht nötig. Elfenfrau – Euer Name ist mir leider noch nicht bekannt – kann es sein, dass ich Eurem Gefährten zu nahe gekommen bin? Ich möchte Euch aufklären, dass dies aus reiner Neugierde entstand. Fürwahr, sein Aussehen mag geholfen haben, dass er mich neugierig machte, doch ist eine Zusammenkunft mit sterblichen Wesen einer Priesterin meines Ranges untersagt. Außerdem sah ich euer beider Zuneigung bereits im Tempel, als ihr euch an den Händen hieltet. Niemals würde eine Priesterin Lysanthors, die ich nun einmal bin, zwischen eine solche Bindung treten wollen. Das wäre nicht gerecht, nachdem ihr euch gefunden habt. Und Lysanthor steht für Gerechtigkeit."
Sie schaute zum Baum. "Xoél, ich hoffe, ich bin Euch nicht zu nahe getreten. Es war wirklich nur meine ungezügelte Begierde, den Namen meines Reisebegleiters zu erfahren. Immerhin seid Ihr und Eure Gefährtin zu meinem Schutze hier. Ich möchte hier und jetzt in aller Form entschuldigen, sollte ich der Grund für euer Verhalten sein. Lysanthor sei mein Zeuge, ich will mich nicht zwischen Euch drängen. Denn nur ihm allein will ich dienlich sein."
Amberle verstummte. Das war ein langer Vortrag. Jetzt aber wollte sie Sérénas Vorschlag nachkommen und alles für eine Rast vorbereiten. Sie ging zu ihrem Pferd zurück und holte bötiges Material, um ein Lagerfeuer zu entfachen und ein leckeres Mahl zu kochen. Denn auch wenn sie Priesterin war, so hatte sie gelernt, sich zu versorgen.