An den Toren Andunies

Die Wachen empfangen dich hier meist freundlich und höflich. Das Tor ist aus schwerer Eiche und kann nur von innen geöffnet werden. Dazu rufen die Wächter vor dem Tor ihrem Kameraden auf der Brüstung die Befehle zu.
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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 18. Juli 2007, 15:31

<b>@Julia</b>

Die Stadtwachen waren heute viel beschäftigt und Julia und die Luchsners nicht die einzigen am Tor, welche um Einlass begehrten. Allerdings war Erje bei den Wächtern wohl bekannt. Einer von ihnen winkte ihm zu.
"Reite nur durch, Erje. Dich brauch ich nicht extra warten zu lassen!"

Der Jäger nickte und winkte ebenfalls dankbar zurück. "Na, los, Julia. Ihr gehört zur Gruppe, also reitet einfach mit." Langsam führte der Jäger seine Fuchsstute durch das offene Tor. Sein Sohn und Julia folgten.

Die Stadt war wirklich riesig. Endlich wieder Zivilisation! Julia mochte wohl nur staunen. Diese vielen kleinen Häuser, mit ihren lieblichem Fachwerkstil. Und die Steinbauten, alle strahlten so hell und freundlich. Aber wo mit ihrer Suche nach Mak beginnen?

"Hier trennen sich unsere Wege leider, wertes Fräulein Julia. Wenn Ihr Hilfe braucht, so schaut doch in ein paar Stunden mal auf dem Marktplatz vorbei. Dort haben mein Sohn und ich einen Stand. Jetzt aber müssen wir den Fasan zu unserem Auftraggeber bringen. Lebt wohl bis dahin." Erje lächelte und Kieto deutete eine halbe Verbeugung an. Hoch zu Ross sah das wirklich sehr komisch aus. Dann preschten beide mit ihren Pferden davon. Das klackernde Geräusch der Hufe auf dem Asphalt verlor sich langsam im alltäglichen Geräuschpegel der Stadt.

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 19. Juli 2007, 01:10

Die Wachen standen etwas verwirrt da und schauten Julia nur entgeistert an, als sie meinte, das Pferd einfach stehen zu lassen. Schließlich sprang eine Elfenwache aus dem kleinen Wachhaus am Tor. "He, das ist doch Pascani! Der ist aus dem Neldoreth und wird manchmal für Ausflüge hierher verliehen. Vielen Dank fürs Abgeben!" Der Wächter winkte Julia noch zu, aber diese sah es schon nicht mehr.

Sie raffte ihre Kapuze und schlenderte den gepflasterten Weg entlang. "Und wohin? Nicht zum Markt, da war ich schonmal!" Gryl erinnerte sich nur zu gut an den feisten Händler, der ihn damals in den Käfig gesteckt hatte.
"Lass uns runter zum Hafen gehen! Dein <i>Freund</i> Mak" – der Feen-Mann betonte das Wort sehr genau – "hat sich da in einer Taverne ein Zimmer genommen. Da gab's wenigstens mal was zu Essen für mich. Der Wirt und seine Frau sind dumm, aber nett."

So gab Gryl aus der Kapuze heraus Anweisungen und schon bald fand sich Julia nahe der Docks wieder, wo sie die Schenke "Zum Seemann" entdeckte.

<i>[weiter in Die Schenke zum Seemann]</i>

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Stadtwache » Donnerstag 19. Juli 2007, 21:56

@ Nerika

Nachdenklich schaute der Wächter auf Nerika und ihre beiden Begeleiter. Die Worte der Dunkelelfe schienen der Wahrheit zu entsprechen und alle drei waren auf den ersten Blick .... keine Gefahr.

<b>Die Dunkelelfe ist freundlich ... eher diese beiden Männer wirken feindselig, aber .... solang sie sich gut verhalten, soll es nicht meine Sorge sein.</b>

"Ihr könnte passieren, Dunkelelfe. Aber wisst, dass die Stadtwache jeden findet und bestraft, der innerhalb dieser Mauer Ärger macht! ..... Öffnet das Tor!!"

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Nerika » Donnerstag 19. Juli 2007, 22:32

"Vielen Dank"<b>für euer Vertrauen</b>, sagte und dachte Nerika und blickte sich nach Gilbert und Frederick um. Sie lächelte verschmitzt. "Ich werd' schon auf dioe beiden aufpassen, sie sind nur etwas... in Sorge."

Das Tor schwang langsam auf und der Lärm von den Straßen drang heraus. In Morgeria war es nie so laut gewesen, aber das lag wahrscheinlich auch an der Dsunkelheit, oder irgendetwas anderem.

<b>Ich bin wirklich neugierig. Wenn Gilbert, oder Frederick schon einmal hier waren, vielleicht kann ich sie dazu überreden, mir die Stadt zu zeigen, oder mir wenigstens zu sagen, was ich wo finde.</b>

Nerika überlegte kuz, stieg dann von iohrem Pfred ab und führte es in die Stadt hinein. Die beiden Anderen würden ihr sicher folgen. Wohin sollte sie gehen? Vielleicht erstmal in eine Schenke, wo wir uns etwas ausruhen und essen können. Ohne die anderen zu fragen ging sie in Richtung.. ja in was füpr eine Richtung? Auf alle Fälle ging sie eingfach mal los und lies sich von ihrem Gefühl leiten.

[OTweiter: die schenke "zum seemann"(ich hab sie jetzt einfach mal gefunden^^)]
Zuletzt geändert von Nerika am Donnerstag 19. Juli 2007, 23:41, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Stadtwache » Mittwoch 14. November 2007, 19:50

Romus stand gelangweilt angelehnt am Tor. Wie lange dieser Beruf sein konnte ... Vielleicht wäre es doch besser gewesen er wäre in die Lehre eines Meisterschmiedes gegangen? Seuftzend fuhr sich der junge Mann durch das haselnussbraune, kurze Haar. Doch plötzlich... Hufgetrappel? Romus sah auf und fand mit erstaunen eine junge, äußerst hübsche Dame auf einem Schimmel vor sich stehen. Verlegen hüstelte er, richtete sich auf, reckte den Oberkörper etwas und versuchte den typischen, strengen Stadtwachenblick hinzubekommen. Nunja, ein sonderlicher Erfolg war das ja nun wirklich nicht, denn immer wieder blieb er mit seinem Blick an dem wunderschönen, rot-bräunlichem Haar hängen.

,,Dürfte ich fragen...", Romus räusperte sich etwas, kam immer wieder vom eigentlichen Thema ab, doch schließlich sog er tief die Luft ein, sah zu der jungen Halbelfe auf und sammelte sich um so glaubwürdig wie mölich zu klingen, ,,...Dürfte ich nach dem Grund fragen, warum sich ein so junges Mädchen wie ihr es seid, sich alleine auf die Reise machen will?", der Versuch scheiterte kläglich.

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Stadtwache » Mittwoch 14. November 2007, 22:18

Romus konnte spüren wie ihm das Blut zu Kopf stieg, als er dieses himmlische Lächeln des jungen Mädchens erhaschte. Doch wie mochte eine Stadtwache aussehen die vor einer jungen Dame verlegen wurde. Seuftzend kratzte sich Romus leicht am Hinterkopf, räusperte sich danach erneut und lies den Blick erneut zaghaft über die Halbelfe schweifen. Wahrlich, sie war alles andere als hässlich und genau das Gegenteil.

Nun bemerkte sie auch noch die Unsicherheit des jungen Romus, welcher sich darauf schnell erneut zurecht stellte. Nervös an seinem Schwert herum fummelte und daraufhin versuchte die junge Dame gelassen anzusehen.
,,Aber natürlich", meinte er, wandte sich zum Tor um.
,,Öffne das Tor!", kurz danach war ein leises poltern zu hören und daruf ein ärgerliches Grummeln. Hatte es doch tatsächlich den Mann vom Hocker gerissen. Romus wartete noch einen Augenblick, drehte sich um und trat zur Seite um Azura Platz zu machen. ,,Sichere Wege", murmelte er und daraufhin öffnete sich das Tor mit knarrenden Geräuschen und schrillem Quietschen.

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 15. November 2007, 14:47

(<b>@Azura:</b> Versuche deine Posts etwas weiter auszuschmücken <img src="http://images.rapidforum.com/images/i25.gif" border="0">
Weiter in -> Durch die Stille Ebene)
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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Reith » Montag 5. März 2012, 18:54

Reith war schon einige Tage unterwegs gewesen und erschöpft. Zudem musste er die ganze Strecke hinter sich legen, ohne wirklich viel im Schatten gehen zu können.
Jedoch dämmerte es schon, und diese Tatsache machte die Situation wenigstens etwas besser.
Renka erkundete die Umgebung, als würde sie niemals müde, so kam es Reith vor.
Seid mehreren Monaten begleitete die junge Wölfin Reith nun schon auf seiner Reise. Reith war froh, dass er jetzt nicht mehr alleine wandern musste. Aber dennoch sehnte er sich danach, wieder unter Leute zu kommen. Denn ein Gespräch konnte man wohl kaum mit einer Wölfin führen, solange man zumindest die Sprache nicht beherrschte. Es war zumindest recht einseitig.
Auf der anderen Seite war dort die starke Ungewissheit, was ihn erwarten würde. Früher hatte er das Reich der Nachtelfen so gut wie nie verlassen, und auch in seinem jetzigen Dasein hatte er nichts größeres als ein Dorf betreten. Und dies auch nur selten. Andunie war eine Hürde, die es zu bewältigen gab, und er freute sich darauf. Wenn es nicht geht, dann... kann man nur daraus lernen.

Reith blieb stehen und ließ seinen Blick noch einmal über die Umgebung schweifen. Nicht weit entfernt lag die große Handelsstadt. Er wusste nicht welche Situation dort gerade herrschte und ob man überhaupt so einfach hinein kam. Eigentlich wusste er kaum etwas über Andunie.

Renka blieb einige Meter weiter auch stehen und lauschte, dann lief sie weiter. Weit würde sie nicht mehr mitkommen.
Je näher sie der Stadt kamen, desto mehr Einzelheiten konnte Reith erkennen, und umso mehr breitete sich die Nervosität in ihm aus. Nach einer Weile blieb die Wölfin stehen und setzte sich hin. Sie legte die Ohren an. Andunie war nun nicht mehr weit entfernt. Renka kam ab hier nicht mehr mit. Sie würde warten, bis Reith die Stadt wieder verließ.
Ich werde auch nicht all zulange bleiben, hoffentlich.
Er näherte sich dem Stadttor.

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. März 2012, 05:38

Reith hatte sich auf den beschwerlichen Weg nach Andunie gemacht … warum, das wusste er selber nicht. Vielleicht, weil es ihm als logische Folgerung erschien. Er hatte monatelang mit seiner treuen Gefährtin in den Wäldern des Nordostens gelebt und hatte dabei meist versucht, jeder Seele aus dem Weg zu gehen. Aber da er nun mal ein Nachtelf war, zog es ihn durchaus mal wieder in die Gesellschaft von anderen Humanoiden. Auch wenn er vermutlich mit keinem sonderlich warm werden würde, gegen die Annehmlichkeiten, die so eine Stadt bot, hatte er auch nichts einzuwenden.
Er war nun schon seit vielen Tagen zielstrebig unterwegs und hatte bereist die Stadt im Blickfeld, hinten am Horizont, konnte er sie grau im Schatten kauern sehen. Was doch ein wenig seltsam war, wie es Reith fast beiläufig durch den Kopf ging. Die Geschichten, die er über Andunie gehört hatten, hatten irgendwie ein besseres Bild der Stadt in seinem Kopf entstehen lassen.
Es ging langsam auf den Morgen zu, eine Zeit, die er gar nicht gerne mochte, aber er musste sich damit arrangieren. Jetzt, wo er sich befand, gab es nur noch vereinzelte Bäume, die meist zwischen zwei Feldern wuchsen und so als natürlich Grenze fungierten. Bisher war er an Feldern, auf denen Getreide angebaut wurde, vorbeigekommen. Da er auch des Tages reiste, konnte er sich zumindest an den schönen Blumen am Wegesrand erfreuen, wenn er dafür ein Auge hatte.
Mittlerweile, war er aber so dicht an die Stadt heran gekommen, dass die Getreidesorten von gedrungenen und knorrigen Bäumen, die in Reih und Glied wuchsen, abgelöst wurden. Da die Natur gerade erst erwachte, waren die Bäume logischerweise kahl und lediglich das gefrorene Gras, schimmerte zwischen den Wurzeln. Nach ungefähr hundert Schritt, konnte Reiht etwas erkennen, etwas, was so gar nicht in das bisher idyllische Bild passen wollte. Nach und nach, waren die Apfelbäume verschwunden, die Fläche wurde gerade zu gerodet … und anstelle der eigentlich so schön abstrakten Obstbäume, standen Galgen! … und daran hingen Leichen, die stumm der kalte Wind wiegte.
Die Gebilde konnte Reith vorher nicht sehen, da sie von einem langläufigen Hügel verdeckt wurde.
Je weiter er dahin schritt, desto mehr wurden es … was war hier geschehen?
Wenn er sich die Toten näher ansah, konnte er größtenteils Menschen erkennen, aller Schichten und aller Professionen. Zumindest der grausige Anblick der Verwesung und der Geruch des Gebeinhauses, blieben ihm, dank das Kalten Wetters, erspart.
Tief betäubt lief Reith einfach weiter, vielleicht stolperte er auch über den gefrorenen Boden … er wusste es nicht mehr so genau. So etwas grausiges hatte er noch nie gesehen und logischerweise hatte er keine Erklärung dafür, obwohl sein Hirn fieberhaft nach einer suchte.
Beiläufig wurde ihm auch klar, warum Renka bereits so früh verweilt hatte und dann den Weg zurück ins Wäldchen angetreten hatte. Hätte sie ihn warnen können, sie hätte es getan … sie hatte es mit Sicherheit getan.
Nun stand er vor den Mauern Andunies oder vielmehr vor dem, was noch übrig war. Einst, muss diese Stadt von dicken Mauern geschützt gewesen sein, das zeigten die Teile der Mauer, die noch standen.
Ein groteskes Bild tat sich ihm auf.
Vor ihm direkt, standen noch zwei Wachttürme, die fast unversehrt waren, dazwischen, hing ein schweres, doppelflügiges Tor in den Angeln und jeweils in der Mitte beider Torhälften, war ein riesiges Loch zu sehen. Von den Türmen jeweils, hingen zwei große Banner herab, die in grün und purpur gehalten waren. Sie zeigten einen grünen, unausgefüllten Kreis, der von acht stilisierten Pfeilen durchkreuzt wird. In der Mitte dieses Kreises, war eine finster dreinblickende Fledermaus gesehen. Dies alles, auf purpurnem Grund, was alles insgesamt die Form eines Schildes hat.
Rechts und links, war die Mauer mindestens, von der Höhe her, nicht mehr existent. Da der Bruch nicht gerade verlief, musste irgendetwas schweres sie zum Einsturz gebracht haben oder aber schwere Geschosse. Denn neben den ganzen Trümmern, die nicht nur außerhalb er Stadt lagen, konnte reicht auch noch große, fast rund geschliffene Felsbrocken sehen … warum hatte diese Stadt unter Beschuss gestanden?
Wenn Reith sich gefasst hatte, konnte er einer seltsamen Aura gewahr werden, die von dieser Stadt ausging oder von dem, was noch übrig war. Auf jeden Fall war sie bewohnt, denn oben, auf den Wachttürmen, konnte er ab und zu einen Soldaten sehen und manchmal auch ein paar Menschen auf der Hauptstraße … manchmal, konnte er sogar gedämpfte Geräusche aus der Stadt vernehmen.
Urplötzlich riss ihn eine harsche Stimme aus seinen Gedanken.
“He da Wanderer … wohin des Weges?” Die Stimme sollte freundlich klingen, aber sie war markant, kalt, mit einem starken Akzent behaftet du kam wortwörtlich von oben. Offensichtlich war die Person nicht alleine, denn nach dieser Frage, konnte Reith bösartiges Lachen vernehmen.
Wenn er nach oben sah, konnte er sehr zu seinem Schrecken, einen Dunkelelfen sehen … einer jener grausamen Vettern, die von vielen verachtet wurden … eindeutig, fast schwarze Haut und rote Augen, die hin kalt anblickten.
Was zum Harax, hatte ein dunkelelfischer Soldat auf einem der Wachttürme Andunies zu suchen?!
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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Reith » Mittwoch 14. März 2012, 20:24

Reith konnte garnicht erklären wie er es geschafft hatte weiter zu gehen, als sich die Galgen schockierend vor ihm offenbart hatten. Schon allein die Landschaftsveränderung hatte ihn zweifeln lassen. Sein ungutes Gefühl wurde bestätigt und seine Instinkte drängten ihn zur Umkehr. Die Geräusche, welche aus der Stadt kamen, nahm er kaum wahr.
Das war nicht das Andunie von dem er gehört hatte. Möglicherweise hatte man auch übertrieben bei der Geschichte über diese Stadt, aber das wahren ja dann eher Lügen bei dem Anblick der sich ihm offenbarte.
Die Mauern waren zerstört und von dieser 'Handelsstadt' ging etwas furchtsames aus. Wann war das passiert?
Hatte sich in diesen Jahren so viel verändert? Oder hatte man ihm doch nur Dinge erzählt, die nicht der Wahrheit entsprachen?
Aber Reith war nun schon zu weit gekommen um jetzt doch noch den Rückzug anzutreten. Und jetzt umzukehren wäre zwar das schlauste gewesen, aber er wollte es nicht. Vielleicht war es Neugierde die ihn dazu veranlagte, oder einfach die Angst vor dem was nun hinter ihm lag... So war er fast gefangen vor der Furcht gegenüber der Stadt und was ihn dort erwarten könnte als gleich dem Anblick der Leichen am Galgen hinter ihm, und doch wollte er wissen was hier passiert war. In ihm hatte sich die Übelkeit hoch gekrochen. Reith wollte sich nicht noch einmal umdrehen und in die Gesichter der Toten sehen. Er hatte fast das Gefühl sie würden ihn durch ihre leblosen Augen anstarren...
Die Stimme des Wächters riss ihn aus seinen Gedanken und Reith wurde noch bleicher, als er es ohnehin schon war.
Das alles hatte ihn neben sich gebracht. Zuerst wollte Reith nicht hochsehen und schauen, wem diese Stimme gehörte, tat es aber doch, als ihm ein böses Lachen zu Ohren kam. Ohnehin gefiel ihm der Ton dieses Mannes nicht, welcher zu Reiths Überraschung und Entsetzen auch noch ein Dunkelelf war. Dunkelelfen in Andunie? Das machte keinen Sinn. Das alles war nicht das, was er erwartet hatte zu sehen, geschweigedenn sehen wollte.
Trotz seiner Verwirrung zwang er sich zu sprechen und verbarg seine Furcht hinter vorgespielter Ruhe.
„Ich bin schon lange unterwegs und wollte mich ausruhen, bitte gewährt mir Einlass in eure Stadt.“, antwortete Reith ihm ruhig und doch war es schwierig sein Missfallen darüber zu verbergen, wie herablassend der Drow mit ihm sprach. Noch weniger gefiel es ihm, dass man ihn von Oben ansah.
Reith wusste wie grausam Dunkelelfen sein konnten und er fürchtete sich davor, es vielleicht beim eigenen Leibe feststellen zu müssen. Somit zügelte er seine Zunge um den Zorn des Wächters nicht auf sich zu ziehen. Gerade in diesem Moment überkam ihn der Wunsch, sich nicht erst auf den Weg nach Andunie gemacht zu haben.

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Dienstag 20. März 2012, 04:46

Wie auch immer es Reith gelang, bei den grausigen Anblicken, die Füße voreinander zu setzen, wusste er nicht mehr. Er hatte ja mit so allerlei gerechnet, aber auf das, was sich ihm da nun bot, war er definitiv nicht vorbereitet. Aber mit den Gedanken und Bildern, die sich ungebeten einstellten, aufgrund der Toten, konnte er sich nicht befassen oder auseinander setzen. Etwas anderes, forderte seine ganze Aufmerksamkeit, eher gesagt, eine Person … es war ein Dunkelelf!
Mühsam gelang es ihm, seine Beherrschung zu bewahren und höfflich um Einlass zu bitten. Ob er damit richtig lag, sollte er schon alsbald erfahren.
Reith, der ja och oben sah, um besser sehen zu können, wer da eigentlich mit ihm sprach, konnte das Schaben von Stein auf Stein hören, eher er den Dunklen genauer sehen konnte.
Reith war zuvor noch keinem dunklen Vetter begegnet, aber die Beschreibungen stimmt genau und as kalte Glanz in den Augen seines Gegenübers, mahnte Reiht eindringend, sich keine Fehler zu erlauben.
Natürlich würde er kämpfen, wenn er angegriffen werden würde, aber sein Innerstes sagte ihm auch, dass er vermutlich schnell den Kürzeren ziehen würde.
“Meine Stadt ?! …”, echotet der Dunkelelf. Dann dreht er sich zu anderen um, die Reith nicht sehen konnte. “Habt ihr das gehört, meine Freunde … ist das nicht nett?” Die Stimme troff nur so, vor Verachtung.
“Dann nur herein mit euch, Bleicher! … Lass dich nicht von den Ratten fressen!” Letzteres, klang wie eine Drohung. Damit, wendetet sich der Elf ab und sprach zu den Anderen, was Reith nicht verstehen konnte.
Der Weg nach Andunie herein, war also frei … aber wollte er das wirklich?! Seine Schritte hatte ihn hier hergeführt, warum, konnte er sich immer noch nicht beantworten. So setzte er auch jetzt, einen Fuß vor den Anderen und versuchte sicheren Schritte die Stadt zu betreten.
Kaum hatte er die Stadt betreten, fuhr ihm erneut der Schreck in die Knochen. Gleich hinter dem Tor, wachten zwei Orks, die dort im Schatten hockten und ihn finsteren Blickes ansahen … so lange, wie er sich auf der Hauptstraße in Sichtweite befand, konnte er ihre bohrenden Blicke fast schon spüren.
Je weiter er in die Stadt hinein ging, desto mehr fiel ihm noch etwas merkwürdiges auf.
Das Gestein, aus dem die meisten Häuser erbaut wurden, war aus irgendeinem Grund ‘zweifarbig’. Der Boden, auf dem er ging und ungefähr ein Drittel der Häuser, war von er Farbe her, pechschwarz und schimmerte eigenartig. Das nächste Drittel, war nur um ein weniges heller und das letzte Drittel, hatte die Farbe, von normalem Stein. Wenn Reith Dächer sehen konnte, ob nun mit Schindeln, Reet oder Ziegeln bedeckt, war ihm, als wenn dort ein gräulicher Schleier drüber lag.
Was war hier los? Eine Frage, die er sich wahrlich noch öfter hier stellen würde.
Je näher er dem Zentrum der Stadt kam, desto belebter wurden die Straßen, belebt eher auf die Anzahl der Humanoiden bezogen. Zentrum, hie in dem fall, dass er den Weg zum Marktplatz nehmen musste, denn wenn er geradeaus gehen wollten, wurde im die Zutritt verwehrt.
Denn fröhlich, ging es hier keinesfalls zu. Neben den Menschen, die eher ruhig und betont unauffällig ihrem Tagewerk nachgingen, konnte Reith besonders viele Dunkelelfen, Orks und anderes, schäbiges Gesindel auf den Straßen beobachten.
Auf seinem Weg, kam er links, an einem imposanten Gebäude vorbei, was mächtig offiziell aussah.
Viele Drow, standen davor Wache und von der Galerie oben, hingen viele Banner herunter, die er schon vor der Stadt gesehen hatte.
Reiht brauchte dann auch nicht mehr lange, bis er auf dem Markt ankam. Überall auf dem großen Platz, standen Verkaufsstände, an denen Händler ihre Waren feilboten, überraschenderweise, nicht so wortreich, wie Reith es sonst von einem Markt kannte und vor allem, nicht so laut.
Nun hatte er mehrere Möglichkeiten … er konnte sich eine Taverne suchen, davon gab es einige oder, er ‘schlenderte’ über den markt oder aber, er verließ die Stadt wieder. Irgendetwas musste er bald tun müssen, denn auch hier, war er vor allzu neugierigen Blicken nicht sicher.
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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Reith » Mittwoch 21. März 2012, 19:58

Reith wollte dem Wachposten eigentlich noch irgendetwas abfälliges an den Kopf werfen, aber er hatte es vorgezogen zu schweigen. Lieber ein feiges Hündchen, als ein toter Löwe. Er war erleichtert sich nicht weiter mit dem Dunkelelfen unterhalten zu müssen. Aber wie er sich nun in der Stadt befand überkam ihn ein weiteres unangenehmes Gefühl. Zum einen, und das war wohl der mehr beunruhigendere Punkt, waren dort die Orks, welche ihn mit ihren Blicken eine ganze Zeitlang anstarrten. War ja klar, kaum waren Dunkelelfen anwesend, so waren diese von den meist unklugen Kreaturen begleitet. Zum anderen beunruhigte ihn die Stadt an sich. Ihr ganzes Erscheinungsbild war finsterer als Reith es sich vorgestellt hatte.
Mit wachem Geiste und stets auf der Hut, besah er sich seiner Umgebung. Hatte das dunkle Volk diese Stadt tatsächlich unter ihrer Kontrolle? Und wenn, wie lange schon? Es musste zumindest schon länger sein, schließlich schien es keine Aufstände oder dergleichen zu geben... Vielleicht hatte man auch nur Angst- höchstwahrscheinlich. Schließlich befürchtete er, dass er in der Situation selber auch nicht viel unternommen hätte. Was genau passiert war, wollte er dennoch wissen.
Als er sich auf dem Weg zum Markt befand beobachtete er misstrauisch die dunklen Gestalten, vermied jedoch Blickkontakt.
Warum versperrte man ihm den Zutritt? Das herauszufinden, war wohl gescheiter in der Nacht.
In der Nähe des bewachten Gebäudes blieb er kurz stehen. Er besah es sich und überlegte, ob er diese Banner vielleicht schon einmal gesehen oder von ihnen gehört hatte.
Sie schienen aber allen Anscheins den Dunkelelfen zu gehören.Grauenhaft.

Mit dem Gedanken, wo er nun als nächstes hingehen sollte, riss er sich davon los und betrat den Marktplatz. Zudem hatte er keine Lust, die Aufmerksamkeit der Wachen auf sich zu ziehen.
Reith entschloss sich dazu, vorerst über den Markt zu gehen und zu warten, bis es dunkler wurde. Vielleicht konnte er hier und da interessante Gesprächsfetzen aufnehmen.
Um Renka machte er sich nicht allzu viele Sorgen. Schließlich war sie nicht auf ihn angewiesen und er zweifelte nicht daran, dass sie auf ihn warten würde. Aber zu lange wollte er nun trotzdem nicht bleiben.
Dennoch, die Neugierde hatte ihn gepackt. Er wollte unbedingt herausfinden was hier genau passiert war, denn die Frage stellte er sich nun schon zu häufig um sie zu ignorieren...

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Montag 2. April 2012, 05:55

[weiter geht’s für Reith in: ‘Der Platz der Heiterkeit’ viewtopic.php?f=42&t=45&p=45819#p45819
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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. August 2015, 11:02

Einstiegspost - Thomas Mercer

Mittlerweile, war der Wagen so dicht an die Stadt heran gekommen, dass die Getreidesorten von gedrungenen und knorrigen Bäumen, die in Reih und Glied wuchsen, abgelöst wurden. Da die Natur gerade erst erwacht war, waren ihr Blätterdach noch hell und grün und das junge Gras, schimmerte zwischen den Wurzeln. Die Tage waren langsam wärmer geworden und die Zeit des Übergangs stand vor den Toren Andunies. Noch herrschte böiger Wind, der an der Kleidung zerrte und die Temperaturen stiegen kaum über neun Grad, aber ein warmes Versprechen lag schon jetzt in der Luft, dass einen heißen Sommer ankündigte.

Ungefähr hundert Schritt vom Tor entfernt, konnte man etwas erkennen, etwas, was so gar nicht in das bisher idyllische Bild passen wollte. Nach und nach, waren die Apfelbäume verschwunden, die Fläche wirkte gerade zu gerodet … und anstelle der eigentlich so schön abstrakten Obstbäume, standen Galgen! … und daran hingen Leichen, die stumm der kühle Wind wiegte.
Je weiter sie fuhren, desto mehr wurden es.
Wenn er sich die Toten näher ansah, konnte er größtenteils Menschen erkennen, aller Schichten und aller Professionen, soweit man es erkennen konnte. Ein paar Auffälligkeiten drängten sich jedoch sofort auf. Einige der geschändeten Körper trugen zerrissene, blaue Priesterroben auf denen noch hier und da eine Sturmwolke zu erkennen war. Die hauptsächlich weiblichen Dienerinnen Venthas zu betrachten schnürte jedem Wesen das ein Herz besaß die Kehle zu.
Die Fahrt ging einfach weiter. Doch so etwas grausiges hatten viele noch nie gesehen und die drückende Stille im Wagen schrie förmlich zum von Wolken verhangenen Himmel. Das Fuhrwerk kam ruckelnd zum stehen.
Sie waren vor den Mauern Andunies angekommen, oder vielmehr vor dem, was noch übrig war. Einst, muss diese Stadt von dicken Mauern geschützt gewesen sein, das zeigten die Teile der Mauer, die noch standen. Ein groteskes Bild tat sich auf. Vor ihnen standen noch zwei Wachttürme, die fast unversehrt waren, dazwischen, hing ein schweres, doppelflügliges Tor in den Angeln und jeweils in der Mitte beider Torhälften, war ein riesiges Loch zu sehen. Von den Türmen jeweils, hingen zwei große Banner herab, die in grün und purpur gehalten waren. Sie zeigten einen grünen, unausgefüllten Kreis, der von acht stilisierten Pfeilen durchkreuzt wurde. In der Mitte dieses Kreises, war eine finster dreinblickende Fledermaus gesehen. Dies alles, auf purpurnem Grund, was alles insgesamt die Form eines Schildes hat. Thomas kannte diese Symbolik nur zu gut aus Pelgar, denn dort war sie allgegenwärtig gewesen.
Rechts und links vom Stadttor, war die Mauer mindestens, von der Höhe her, nicht mehr existent. Da der Bruch nicht gerade verlief, musste irgendetwas schweres sie zum Einsturz gebracht haben oder aber schwere Geschosse. Denn neben den ganzen Trümmern, die nicht nur außerhalb er Stadt lagen, konnte man auch noch große, fast rund geschliffene Felsbrocken sehen, die hinter den Mauerresten zwischen den zerstörten Häusern lagen. Die Zerstörung, die hier überall unter der dünnen Ascheschicht der Niederlage lag, war noch frisch im Gegensatz zu Pelgar.
Just in diesem Moment gellte irgendwo in der Ferne ein Schrei zur Begrüßung. Geison, der neben Thomas kauerte, kniff unwillkürlich die Augen zusammen. Seine rissigen Finger pressten sich ineinander und dann schob er sie unter die jeweils gegenüber liegende Achsel, als müsse er sich selbst davon abhalten etwas dummes zu tun. Es blieb wohl nur zu hoffen, dass sie nicht zu viel Grausamkeiten zu Gesicht bekamen.
- Hoffnung -
Gab es die hier noch? Von vorne hörte man schwere Schritte und ein Ork lief am Wagen vorbei und betrachtete die „Insassen“ wie Frischfleisch. Weiter vorne und schlecht einzusehen vor dem Gespann aus Ochsen hörte man die Soldaten in ihrer Sprache reden und der Name „Dragsil“ fiel ein paar mal. Anscheinend wurden Papiere überreicht und über ihr weiteres Schicksal bestimmt.
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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Thomas Mercer » Sonntag 9. August 2015, 12:08

Die lange Reise steckte Thomas tief in den Knochen. Sein Kreuz schmerzte und langsam aber sicher bekam er unruhige Beine. Immer wieder spähte er durch die engen Gitterstäbe nach draussen. Im Wagen herrschte Stille. Jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, seinen eigenen Dämonen. Sie wurden hier in eine unbekannte Zukunft manövriert. Alle hofften, dass ihr Leben in Andunie etwas besser würde, gleichzeitig zweifelten wohl alle an der eigenen Vernunft, weil sie so etwas auch nur zu hoffen wagten. Sie schwitzten. Schulter an Schulter hockten sie zusammengepfercht da. Im Wagen stank es nach den unterschiedlichen Ausdünstungen aller Art und obwohl es kalt war, schwitzten sie. Thomas schob seine Finger zwischen die Gitter und krallte sich daran fest. Blickte wieder nach draussen. Er kannte das Umland von Andunie, hatte er die Stadt doch bei seiner Walz besucht. Unschuldig reihte sich Apfelbaum an Apfelbaum, als wäre nichts gewesen. Als hätte die Invasion nie stattgefunden. Der andunische Apfelwein war eben allseits beliebt, sogar die Dunkelelfen schätzten ihn, darum hatten ihre Bäume überdauert, während rund herum alles in Schutt und Asche lag. Die Erstürmung der Stadt war schon lange her, dennoch war das Umland noch immer gänzlich verwüstet. Die Besatzer schienen kein Interesse an einem Wiederaufbau der einfachen Bauerhäuser und Gehöfte zu haben. Abgebrannte Steingerippe waren stumme Zeugen von erloschenem Leben. Steine erzählten einem die Geschichte und das Schicksal einer ganzen Stadt, wenn man sie zu lesen wusste.

Er schloss die Augen für einen Moment, als sie an den ersten Galgen vorbeifuhren. Von vielen Leichen hing praktisch nur noch das Gerippe am Galgen, da das Fleisch bereits von den Aasfressern verschlungen worden war. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus. Er konnte sich an diesen Anblick einfach nicht gewöhnen, obwohl er in Pelgar ebenfalls allgegenwertig gewesen war. In den ersten Tagen nach der Kapitulation hatte Thomas kaum einen Bissen runter gebracht, angesichts des ganzen Verwesungsgestankes und der allgegenwärtigen Gewalt in Pelgar. Doch irgendwann wurde der Überlebensinstinkt geweckt und man ass. Die Angst vor dem Tod schien bei ihm noch immer grösser zu sein, als jene vor diesem Leben. Warum eigentlich? Was hatte er denn noch? Sein Handwerk. Das war alles. Dennoch hatte er sich mit den neuen Lebensumständen irgendwie arrangiert. Wer leben wollte, musste sich adaptieren. Für ihn war es leichter gewesen als für andere, weil er die körperlich harte Arbeit schon gewohnt war. Besonders hart hatte es in Pelgar die gebildete Schicht getroffen. Man hatte nur für wenige von ihnen Verwendung in der neuen Verwaltung, der Rest wurde zu körperlichen Arbeiten abkommandiert. Damit waren einige von ihnen schnell überfordert gewesen. Für Thomas waren viele der bleichen Gesichter auf dem Boden nicht unbekannt gewesen. Er selbst hatte schliesslich der oberen Mittelschicht angehört und hatte das soziale Leben in Pelgar reichlich gepflegt. War es angesichts dieses Massensterbens nicht vermessen, ja gar unerhört, nur um das Wohl seiner eigenen Familie zu beten? Wo das Sterben doch allgegenwärtig war und alle Betraft, die einst Teil seiner Welt gewesen waren.

Die Dunkelelfen liessen für gewöhnlich keine Gelegenheit aus, um die Unterworfenen von ihrer Bedeutungslosigkeit zu überzeugen. Gehorsam verlängerte möglicherweise das Leben – und das Leiden – doch er war ebenfalls kein Garant für Sicherheit. Manchmal wurde man auch einfach so Opfer von Übergriffen. Sie waren alle Sklaven und an solchen herrschte im Moment ein massiver Überschuss. Die Dunkelelfen sagten immer, dass viele von ihnen das Korn nicht wert waren, welches sie verschlangen. Die Stille im Wagen wurde noch drückender, als sie an den Toten vorbeifuhren. Alle von ihnen starrten vor sich hin und dachten an jene, die es nicht geschafft hatten oder an jene, deren Schicksal im Dunklen lag. Beth, Louisa. Seine die Knöchel seiner Hände traten weiss hervor, als er sich fest an das Gitter klammerte. In Pelgar hatte er noch gehofft ihnen zufällig irgendwo zu begegnen, jetzt aber war er so unendlich weit von ihnen fort. Der folgende Gedanke schnürte ihm förmlich die Kehle zu: Er wusste nicht, ob es überhaupt angebracht war, um ihr Überleben zu beten. Angesichts der aktuellen Lage erschien der Tod doch beinahe eine Erlösung zu sein. Beth war eine schöne Frau und Louisa eine wundervolle Tochter, zu hübsch, zu liebreizend. Am liebsten hätte er geschrien, doch kein Ton drang aus seinem Mund.

Die Beschädigungen an der Mauer waren gigantisch und bisher war noch nicht einmal das ganze Geröll beseitigt worden. Offenbar hatten es die Dunkelelfen nicht für nötig erachtet, die Wehrhaftigkeit der Stadt wiederherzustellen. Woher wohl der Sinneswandel? Thomas rechnete nicht damit, dass man sie hierhin abgestellt hatte, um eine Sommerresidenz für den Dunklen Herrscher zu bauen, doch was wusste er schon? Die geschliffenen Mauern gab ihm einen Funken Hoffnung, denn wenn man sie wieder hochziehen musste, dann gab es wohl Widerstand. Irgendwo. Widerstand, der stark genug war, dass sich die Dunkelelfen um ihre Defensive bemühten.
Er musterte seine Kameraden. Rasmussen guckte grimmig wie immer und strich sich immer wieder mit seiner Zunge über seine Zähne. Geison war angespannt, noch ein bisschen mehr, seit sie an den Galgen vorbeigefahren waren. Thomas konnte nur hoffen, dass der gute Mann nicht wütend war. Wut war gefährlich. Grimm hockte in der Ecke und schlief. Seine Stirn glänzte. Er hatte doch nicht etwa Fieber? Besorgt nahm Thomas Blickkontakt mit Geison auf, als dieser seine Hände unter seine Achseln steckte. Langsam schüttelte er den Kopf.

Ein Schatten legte sich über sie, als ein Ork an den Wagen trat. Thomas liess die Gitterstäbe los und sah den Grünen nur kurz an, ehe er seinen Blick senkte. Die Sache mit dem Blickkontakt war eine Kunst für sich. Zu viel, wurde als Provokation und Unverschämtheit aufgefasst und bestraft, zu wenig konnte als Schwäche oder gar Krankheit ausgelegt werden.

Dennoch wurden unter den Männern eifrig Blicke getauscht, als immer wieder der Name „Dragsil“ fiel. Jeder von ihnen hatte wohl seine eigene persönliche Erfahrung mit diesem Arschloch gemacht. Die Aussicht diesen Kerl loszuwerden war durchaus...positiv. Obwohl Dragsil immerhin inzwischen ein bekanntes Übel war, das man langsam einschätzen konnte. Ein neuer Aufseher, ein neuer Herr... das könnte gefährlich werden. Vor allem am Anfang, wenn es noch darum ging das Revier zu markieren und die Kräfteverhältnisse zu demonstrieren. Thomas stiess Grimm immer wieder mit dem Fuss an um ihn zu wecken. „Mach schon... wach auf.“ Zischelte er leise. Die Warterei vor dem Tor machte ihn nervös. Die Ungewissheit vor dem, was nun kommen würde, nagte an seinem Geist. Für einen wahnwitzigen Moment musste er an seine Walz denken, an das Mädchen, das er hier getroffen hatte und der er das Versprechen abgegeben hatte, eines Tages zurück zu kommen. Nun war er da.

Er leckte sich über seine spröden Lippen und späte wieder durchs Gitter. Er hatte Hunger und vor allem Durst, ausserdem sehnte er sich nach einer einfachen Liegestätte. Etwas Stroh, ein Brett, ein nackter Boden, irgendwas, hauptsache er konnte die Beine strecken. Doch was zählten seine Bedürfnisse schon? Bedürfnisse eines einfachen Sklaven?

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Re: An den Toren Andunies

Beitrag von Erzähler » Montag 10. August 2015, 18:19

Thomas Mercer leckte sich über seine spröden Lippen und schmeckte den Geruch der Stadt auf ihnen. Er war seltsam vertraut und doch nie gleich. Es roch nach vergossenem Blut. Man mochte meinen, ein solcher Geruch könne einem den Appetit verderben und so war es auch, doch was der Steinmetz und seine Männer hatten, war kein Appetit, es war Hunger. Sie alle hatten Hunger und vor allem Durst, außerdem sehnte er sich nach einer einfachen Liegestätte. Etwas Stroh, ein Brett, ein nackter Boden, irgendwas, Hauptsache er konnte die Beine strecken. Seine Füße hatten vor Stunden aufgehört zu kribbeln, was bestimmt kein gutes Zeichen war. Sie alle waren angeschlagen.
Der Ork beendete seine Runde um den Wagen und begutachtete sogar seine Unterseite, indem er sich bückte und sich zwischen den Rädern abstützend nach unten beugte. Seine großen fleischigen Finger berührten dabei fast Toms Knie, das er nicht einmal weg ziehen konnte, ohne einen seiner Gefolgsmänner zu treten. Als er sich wieder erhob fiel noch einmal sein Blick in den Wagen. Er knurrte, dann drehte er sich weg, hob die Hand und von vorne konnte man den Ruf hören:
"WEITERFAHREN!"
Das man sich in Andunie seit der Eroberung viel in der Gemeinsprache unterhielt war nicht all zu verwunderlich. Die Stadt hatte multikulturellen Zuwachs erhalten. Es gab nicht nur die Menschen, die aus allen Ecken Celcias hier zusammen gekommen waren, die hier Garmisch sprachen, es gab auch das dunkle Volk, ihre Diener die Orks, Goblins und sogar manchmal Sumpfechsen. Für eine leichtere Verständigung hatten die Machthaber dafür gesorgt, dass das "Volk" im allgemeinen und öffentlich Celcianisch sprach. Wer es nicht tat und dabei erwischt wurde, nun ja, der endete wie der junge Mann, den man deutlich sichtbar an der gegenüberliegenden Wand aufgeknüpft hatte. Als der Wagen kurz nach dem Tor nach links schwenkte, konnten ihn alle gut sehen. Er trug ein Schild auf, bzw. IN die schmale Brust genagelt.
Ich habe
genuschelt
und nicht in
Celcianisch
geantwortet!
Damit hätten sie es nicht deutlicher machen können. Die Besatzer konnten bestimmt nicht alle die fremde Sprache und die Andunier konnten auch kein Lerium. Tom saß nah an den Gitterstangen und als sie den Scheitelpunkt der Kurve erreicht und dem Mann am nächsten waren, konnte er noch den Namen des Autoren der blutrünstigen Nachricht lesen, die in den unteren Bauch seiner „Notiz“ geritzt war:
„Sinth“
Tom hörte die leise Stimme von Geison neben sich, der anscheinend laut gelesen hatte. Das Rumpeln des Wagens war angenehmer Weise so laut, dass man sich im Innern ungehört unterhalten konnte.
„Netter Empfang was?! - Der Name kommt mir aber irgendwie bekannt vor.“
Sein Gesicht verzog sich zu einem finsteren Grübeln.
„Ich glaube, das ist der neue Stadtherr. Soll nen ziemlicher Bastard sein.“

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