Schicksalsreise

Rumdett hat kein Stadttor. Hier kann kommen und gehen, wer will. Die drei Anführer werden schon merken, wenn sich Neue in „ihrer“ Stadt herumtreiben. Zugang nach Rumdett erhält man durch mehrere unbewachte Torbögen in der recht rustikalen Stadtmauer.
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Schicksalsreise

Beitrag von Erzähler » Freitag 30. Oktober 2009, 08:26

Alea und Sethek kommen von -> Das Reich der Dunsthügel -> Schatzsuche

Sethek war zielstrebig auf die Stadt zu marschiert. So wurde nun also nichts mehr mit der Schatzsuche für Alea und Rejan. Nun, Letzterer konnte sich wohl auch kaum noch daran beteiligen. Er hing auf Setheks Schulter wie ein erlegtes Tier. Einzig seine sich hebende und senkende Brust kündete davon, dass der Wüstendieb noch lebte. Die Schatten tanzten unter seiner Haut, bildeten dunkle Flecke, die durch seinen Körper huschten und wer-weiß-was anrichteten! Ja nicht einmal Sethek konnte genau sagen, was geschehen war oder wie man diesen Mann noch davon hätte befreien können. Deshalb trug er ihn ja nach Rumdett.
Wenn er sich an seine eigentliche Aufgabe erinnerte, sollte sich Sethek dort mit einem Priester namens Kelalast Sen treffen. Vielleicht konnte er helfen, er war Faldorianer. Die Schatten, Blut und Tod waren seine Bereiche.

Auch Alea standen noch Aufträge offen und dabei nicht wenige. Eigentlich hätte sie sich längst mit einem Kontaktmann der Wüstendiebe treffen müssen, der hier in Rumdett auf sie warten sollte. Doch diesbezüglich konnte Alea wenig Eigeninitiative ergreifen. Der Kontaktmann würde sie und Rejan finden, so hatte man es ihnen gesagt. Da blieb nur warten.
Ob die Amazonen bereits auf sie warteten? Alea hatte ihre kleine Gruppe schließlich wegen der Wüstendiebe nach Rumdett bringen sollen, zugleich war sie aber mit einem ganzen Schiff voller tapferer Frauen hierher gekommen. Sie alle hatten sich der furchtlosen Cattie und ihren schwarzen Augenklappen anschließen wollen. Ob die Verhandlungen zwischen der Piratin und der Kapitänin der stolzen Gloria bereits abgeschlossen waren? Ob man Alea noch einmal brauchte?

Es entwickelte sich aber auch überhaupt nichts so, wie es geplant war. Das durfte nun auch Sethek bemerken, der plötzlich von einigen Piraten aufgehalten wurde. Die Stadt war doch frei zugänglich! Es gab nicht einmal Wachen an den offenen Toren! Was wollten diese Männer von ihm? Sie sahen allesamt zum Fürchten aus, kamen aber nicht ans Setheks Erscheinungsbild heran. Trotzdem wirkten sie einschüchternd.
Es waren ihrer drei. Einer trug eine schwarze Augenklappe, ein anderer besaß so viele Narben im Gesicht, dass sie ein Muster bildeten und der dritte hatte feuerrotes Haar, das sich nur einigermaßen bändigen ließ, weil er es unter einem Kopftuch zusammenhielt. "He, du, Fremder! Wenn du in die Piratenstadt willst, solltest dir lieber schnell eine Fraktion suchen, der du dich anschließt", meinte der Rothaarige und zückte einen kleinen Dolch, mit dem er scheinbar beiläufig herumspielte.
"Wäre besser für dich", fiel der Vernarbte dazwischen. "Wollen deinen Körper ja nicht abgestochen in der nächsten Gosse finden, ausgenommen und so hehe."
"Schließ dich den Schwarzen Augenklappen an. Cattie ist die Mutigste unter den Anführern. Sie lässt Finn und Roderick wie kleine Fische aussehen ... und sie macht die größte Beute."
"Gar nicht wahr!" Die Männer gerieten in eine heftige Diskussion und das alles fand direkt vor Sethek statt. Sie zückten Säbel und Entermesser, waren bereit, sich hier und jetzt gegenseitig an die Gurgeln zu gehen.

Unterdessen wurde Alea von jemand anderem abgelenkt. Ein Mann in Lumpen, ein Bettler vermutlich, schlurfte an sie heran. Ein Auge war verbunden und unter dem Tuch rann Eiter heraus. Dem Kerl musste es ziemlich schlecht gehen. Er stützte sich auf einen Krückstock und streckte Alea einen Holzkrug entgegen, in dem eine einsame Fuchsmünze träge klimperte. "Almosen für einen Bettler, der nichts mehr hat, außer seinem Leben ... dabei wäre er einem Handel nicht abgeneigt." Die letzten Worte, die er auf Rendinea sprach, waren so leise, dass Alea sich schon anstrengen musste, sie zu verstehen. War der Mann in einem Diebesbund, dass er die Sprache beherrschte?

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Sethek » Montag 2. November 2009, 09:55

Noch kurz zuvor hatte sich Sethek die Häuser angeschaut, die sich mitlerweile überall um sie herum befanden. Hier, wo die Stadt noch nahe an der Einsamkeit der Dunshügel lag, konnte man bei so einigen Häusern erkennen, dass es den Errichtern mehr um ein schnelles und trockenes Dach über dem Kopf als um ein schönes Heim gegangen war. Doch umso mehr sie in die Stadt vordrangen, umso stattlicher wurden auch die Häuser um sie herum.
Langsam war Sethek durch die Menschen, die sich wie eine große Schar Armeisen durch die Straße schob, marschiert. Keiner hatte dabei sonderlich Notiz von ihm oder dem Körper, der leblos über Setheks Schulter hing, genommen. Es schien fast so, als wäre solch ein Anblick in dieser Gegend normal zu sein. Nur der düstere Anblick, den Sethek selbst ausstrahlte, ließ einige Schwächlinge zusammenzucken.
Zunehmend verschlechterte sich Setheks Stimmung. Das sollte die Piratenstadt sein? Mehr als ein zusammengewürfelter Haufen von Halbstarken und Möchtegernbanditen sah Sethek nicht.

"Ehh, diese Stadt ist enttäuschend! Hier lohnt es sich ja nicht mal etwas Grausamkeit zu verbreiten ... besonders da ich dank unserem Jungen und seiner Begleiterin ganz gut mit Angst versorgt bin ... vorerst". Während seiner Worte tätchelte er leicht den armen Rejan und promt schienen sich erneut ein paar kleinere Schattenstücke unter seiner Haut ermuntert zu fühlen, ein Rennen gegeneinander zu starten.

"ich bin mir sicher auch hier werdet ihr auf wesen treffen, die es mit euch aufnehmen können!" antwortete Seth dem Halbdämon, der darauf zunächst mit einem Grinsen antwortete. "Oh das hoffe ich! Seitdem ich wieder die Kontrolle übernommen habe, habe ich mich nur gelangweilt.", fügte er dann hinzu.

Während sich Sethek und Alea weiter ihren Weg durch die Straße bahnten, stellten sich ihnen plötzlich 3 Piraten in den Weg.

"He, du, Fremder! Wenn du in die Piratenstadt willst, solltest dir lieber schnell eine Fraktion suchen, der du dich anschließt"
"Wäre besser für dich. Wollen deinen Körper ja nicht abgestochen in der nächsten Gosse finden, ausgenommen und so hehe."
"Schließ dich den Schwarzen Augenklappen an. Cattie ist die Mutigste unter den Anführern. Sie lässt Finn und Roderick wie kleine Fische aussehen ... und sie macht die größte Beute."


Sethek blieb verdutzt stehen. Hatten es diese 3 Würmer wirklich gewagt sich ihm in den Weg zu stellen? Und vorderten sie ihn gerade auf, sich einem Menschen unterzuordnen? Zu überraschend kam diese Situation für Sethek und so blieb er einfach stehen und starrte die 3 Männer vor sich an, während diese begannen, sich jetzt auch noch gegenseitig an die Gurgel gehen zu wollen. Noch ein paar Augenblicke starrte er weiter die Piraten an, die mitlerweile ihre Messer gezückt hatten und sich kampfbereit gegenüber stellten. Dann jedoch kehrte das Leben zurück in seinen Körper. Er ließ Rejan los, der unsanft auf dem Boden aufschlug. Noch mit der selben Armbewegung griff er seinen Zweihänder auf dem Rücken und zog ihn heraus. Dann starrte er die Männer mit eiskaltem Blick an.

"Es gibt nur einen wahren Herrscher dieser Welt und der heißt Faldor, Meister der Finsterniss und Herr des Todes! Und wenn ihr erbärmliche Kreaturen mir nicht augenblicklich aus dem Weg geht, dann werde ich euch zusammen mit euren hellsten Schmerzensschreien zu ihm schicken!", donnerte Setheks Stimme durch die Straße.

Was hinter ihm bei Alea passierte bemerkte er nicht.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 4. November 2009, 12:05

Grundsätzlich galt das ungeschriebene Gesetz in Rumdett, dass jeder, der die Stadt betrat, sofort von jeweils einem Vertreter der drei Piratengemeinschaften aufgesucht wurde. Diese sollten ihn daran erinnern wie gefährlich die Straßen sein konnten und wie sinnvoll es wäre, sich einer Gemeinschaft anzuschließen. Lehnte der Besucher ab, gab es natürlich noch die Möglichkeit, nicht Pirat zu werden, aber wenigstens Schutzgeld zu zahlen, solange man sich in Rumdett aufhielt. Natürlich verlangte jede der drei Gemeinschaften separat eine ordentliche Summe, allein schon, um den armen, "hilflosen" Besucher vor den beiden anderen Banden zu beschützen.
Lehnte er auch in diesem Fall ab, garantierten die Piraten für nichts mehr. Ihre vorgeschickten Sprecher würden nur im Falle einer eindeutigen Überlegenheit attackieren, ansonsten zog man sich üblicherweise zurück, behielt besagten Ablehner im Auge und erleichterte ihn irgendwann im Laufe des Tages nicht nur um seine Geldbörse und Habseligkeiten, sondern meistens auch gleich um sein Leben.

In Setheks Fall würden die Piraten möglicherweise aber eine Ausnahme machen, sollte er ablehnen. Der Kerl kam keinem der drei vollkommen geheuer vor. Andererseits wäre er ein einschüchternder Gewinn, sollte er sich als Pirat anschließen wollen. Sein Auftreten würde andere Neuankömmlinge bestimmt schnell von einer Mitgliedschaft überzeugen.
Doch zunächst musste man Sethek erst einmal von den Qualitäten der eigenen Gemeinschaft überzeugen. Dies stellte sich shcwieriger heraus als gedacht, schließlich waren auch Vertreter der beiden anderen Gruppierungen da und so kam es, dass man sich zunächst einmal giftige Worte entgegen warf und die Klingen zückte, ehe man überhaupt die Antwort des Dämons in Menschengestalt erwartete.
So bemerkte auch niemand von den dreien - dem mit der Augenklappe, dem Vernarbten und dem Rothaarigen -, dass Sethek seinen Zweihänder zog. Nicht einmal Rejans unsanfter Aufprall, der als dumpfer Schlag in der Gasse laut wurde, vermochte, sie voneinander abzulenken. Als Rejan auftraf, stieß er ein gepresstes Ächzen aus. Er war also nicht bewusstlos oder noch schlimmer: tot. Er schien irgendwie einfach nur nicht richtig wach zu sein. Von allein rührte der Wüstendieb sich jedenfalls keinen Zentimeter. Er atmete und existierte vor sich hin.

Unterdessen wandte sich Sethek mit bedrohlich klingender Stimme an die drei Piraten und unterrichtete sie darin, dass er keiner der Gemeinschaften beitreten würde - schließlich gäbe es nur einen einzigen, dem er sich unterstellen würde und das wäre Faldor persönlich. Die Nennung des Gottes von Mord und Blutlust ließ die Piraten endlich aufsehen.
Der Kerl mit der Augenklappe knurrte etwas Unverständliches und zog sich so rasch zurück wie er aufgekreuzt war. Offensichtlich wollte er niemanden in die Gemeinschaft holen, der sich dem Finsteren verschrieben hatte. Der Vernarbte und der Rothaarige allerdings blieben, musterten Sethek einen Moment, ließen ihn allerdings noch nicht vorbei. Schließlich meinte Narbengesicht: "Faldor, wie? Dann solltest du dich am besten mit dem finsteren Kerl im Teufeslrochen, einer Taverne am Hafen, treffen. Der hat auch irgendwas von Faldor gequatscht. Sei ein Diener des einen Gottes oder so ähnlich ... und der hat sich auch niemandem angeschlossen."
"Bah, welche Schätze verspricht dir schon Faldor? Götter verteilen keine bare Münze. Ich sag, du solltest dich den Blutsäufern anschließen, jawohl!", brummte Rotschopf, wagte aber nicht, sich noch länger dem dunkel dreinblickenden Sethek in den Weg zu stellen. Irgendwo hörte die Loyalität zur eigenen Piratengemeinschaft auch auf, vor allem dann, wenn es um das eigene Leben ging. Er steckte seinen Säbel weg.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Donnerstag 5. November 2009, 19:03

Der Anblick der Stadt schenkte ihr nur ein wenig Hoffnung. Wie viel Zeit blieb ihnen noch? Sie warf Rejan nicht zum ersten Mal einen besorgten Blick zu. Jetzt war sie wieder in Rumdett. Bisher war ihr Aufenthalt hier gut und erfolgreich verlaufen. Sie hatte Finn überrumpelt - zumindestens war sie sich sicher, dass Cattie und Gloria das tun würden - und hatte fünf Amazonen hier her gebracht. Jetzt war sie sich allerdings nicht sicher, ob ihr weiterer Ausflug genauso gut verlaufen würde. Es hätte eine schöne Nacht werden können. Sie hatte sich mit Rejan schon vor Truhen voller Gold und wer weiß was für Schätzen gesehen. Und nun waren sie hier..

Sie schaute zu den drei Piraten, die sich ihnen plötzlich in den Weg stellten und blieb sofort stehen. Fragend schaute sie zu ihnen hinüber. Alea hatte zwar schon einen ersten Eindruck von den finsteren Gestalten in dieser Stadt bekommen, aber letztes Mal hatte sie die Stadt über den Hafen betreten. Im Gegensatz zu Sethek hatte sie keine Entscheidung zu treffen gehabt, wem sie sich anschließen sollte. Das war das kleinste Problem gewesen.
Nachdem sie ihren dunklen Begleiter bedroht hatten, glaubte Alea schon, erneut Zeugin einer Schlägerei zu werden. Sie schüttelte kurz den Kopf und kam sich merkwürdig sicher in Setheks Begleitung vor. Er hatte sie bisher verschont, dabei zweifelte sie kein bisschen mehr daran, dass er sie in Sekunden töten oder zu dem machen könnte, was Rejan im Moment war. Da aber nichts dergleichen geschehen war, fühlte sie sich immun gegen ihn.

Deshalb verspürte sie auch keine Angst in diesem Moment. Sie wusste, dass dieser Mann stärker war als diese Kerle. Doch sie konnte das Ganze nicht weiter verfolgen, denn aus den Augenwinkel fiel ihr der Bettler auf, der, scheinbar wie sie unbeeindruckt von den Piraten, zu ihr heran trat. Sein Verhalten wunderte sie, und auch wenn sie Mühe hatte, die Wunden, die ihn gezeichnet hatten, anzusehen, schaute sie ihm fragend entgegen.

Seine Worte verstand sie. Zumindestens bildete sie sich das ein. Sie schaute ihm länger ins Gesicht, als suche sie eine Information darin. Dann holte sie eine Fuchsmünze hervor und trat näher an ihn heran. Jemand, der Rendinea mit ihr sprach, konnte ihr normalerweise nur Geld entlocken, damit er ihr Informationen gab.
"In fremden Städten betreibe ich nur Handel mit jenen, die mir Kunde aus Sarma schicken", ihre Worte sprach sie leise und bedacht, während die Münze klirrend in den Becher fiel. Sie gab diesem Mann nichts aus Mitleid. Sie war sich sicher, dass er trotz allem - ob Tarnung und Gehabe oder nicht - genug Geschick besaß, um eigenhändig an sein Geld und täglich Brot zu kommen.
Der Wüstenbund in Sarma hatte sie hier her geschickt. Mit dem Auftrag fünf Amazonen her zu bringen und dann auf weitere Anweisungen zu warten. Genau das würde sie tun.

Aus Angst, ein Wort oder ein geheimes Zeichen zu verpassen, wenn sie auch nur blinzelte, starrte sie den Bettler durchweg an, auch wenn sie solch ein Verhalten normalerweise für unhöflich gehalten hätte. Doch das hier war etwas anderes. Trotzdem fiel es ihr schwer, keine Augen für das zu haben, was hinter ihr geschah. Nicht zu sehen, was ihr Begleiter mit den drei Piraten machte und wie es Rejan ging.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 8. November 2009, 23:02

Alea zahlt 1 Fuchsmünze an den Bettler

Für Alea stand definitiv fest, dass sich die Schatzsuche erledigt hatte. Ohne Rejan würde sie sich kaum mehr anderen Aufgaben widmen, jedenfalls nicht, solange er sich in diesem seltsamen Zustand befand. Ihr Blick glitt zwar immer wieder zum Wüstendieb hinüber, aber das änderte auch nichts an seiner Lage. Er gab außer Atmen und ab und zu einem Zucken kein Lebenszeichen von sich. Unter der Haut tanzten Schatten wie wabernde Flecken, verdunkelten seinen ansonsten ergrauten Teint und ließen Rejan unheimlich erscheinen. So passte er wenigstens zu seinem finsteren Träger - Sethek -, welcher sich im Augenblick durch drei um seine Mitgliedschaft werbende Piraten abgelenkt sah.

Alea musste sich derweil mit einem Bettler herumschlagen. Dass dieser Rendinea beherrschte, schien sie nicht zu verblüffen. Vielleicht, weil sie aus Sarma stammte und dort so ziemlich jeder mutmaßliche Dieb in der Gaunersprache unterwiesen wurde - andernfalls kümmerte sich der Bund der Wüstendiebe um sie, so dass sie nie wieder irgendeine Sprache würden sprechen können.
In Rumdett kam es seltener vor, dass die Bewohner der Stadt Rendinea beherrschten. Verstoßene Schurken und diebische Halunken brachten die Sprache aus Gaunergilden und Banditenvereinigungen zu den Piraten, lehrten sie einigen möglicherweise, aber nur ein geringfügiger Teil beherrschte sie wirklich so gut wie Sarmas Wüstendiebe.
Der Bettler, der vor Alea stand und sich auf seine Krücke stützte, redete Rendinea fließend. Außerdem konnte die Diebin erkennen, wie klar doch der Blick seines unverbundenen Auges war. Er schaute wachsam, musterte Alea gar aufmerksam, als suchte er etwas an ihr. Dann aber wirkte er einfach nur wie ein armseliger Mann, der sich über ihre Fuchsmünzenspende erfreute. Der Mann lauschte, seine Aufmerksamkeit widmete er aber gespielt dem Inhalt seines Bechers. Er ließ die Füchse darin klimpern.
"Sarma", antwortete er schließlich bedacht und dieses Mal schaute er Alea so direkt, klar und durchdringend an, dass sie keinerlei Zweifel mehr würde haben können. Er wusste mehr als er preisgab. Er musste der Kontaktmann aus Sarma sein. Seine folgenden Worte bestätigten es. "Vergessen wir den Handel, denn er ist geplatzt. Die Kunde aus der Heimat wird Euch nicht erfreuen, Alea von den flinken Fingern des ungesehenen Bundes." Damit waren die Wüstendiebe gemeint. Er umschrieb sie nur, selbst in ihrer eigenen Sprache. So konnte ihn niemand beschuldigen, direkt etwas mit dem Bund der Wüstendiebe zu tun zu haben. Ihren Namen hatte er schließlich nicht erwähnt.
Der Bettler schaute kurz zu Sethek, der seinen Zweihänder gegen die Piraten erhob. Einen Moment schwieg der Kontaktmann. "Euren Begleiter Rejan habe ich mir anders vorgestellt - für einen der unseren. Doch lassen wir das, es gibt Wichtigeres. Bedeutenderes." Er leckte sich über die Lippen. "Schlechte Nachrichten, Mädel. Sarma ist angegriffen worden, von Orks und Dunkelelfen. Sie haben die Stadt eingenommen und alle Verteidigungslinien überrannt wie eine Flutwelle den Strand. Wir müssen uns im Untergrund halten und daher habe ich nur eine Information für Euch und Euren Gefährten: der Auftrag ist abgeblasen, aber kehrt nicht nach Sarma zurück. Noch nicht. Es ist immer gut, ein paar Hilfskräfte in der Hinterhand zu haben und solange Ihr nicht in der Wüstenstadt fest sitzt wie die meisten der unseren, sollt ihr untertauchen, bis man euch braucht. Wir müssen die Sachlage analysieren, reagieren und uns Sarma von den dunklen Horden zurückholen! Die listige Gemeinschaft wird sich ihre Stadt nicht nehmen lassen. Wir werden Sarma bald wieder kontrollieren, aber bis dahin ..." Ein letztes Mal blickte der Kontaktmann Alea in die Augen. Dann zog er sich langsam humpelnd und den Almosenbecher schwingend zurück. "Hütet Euch! Das dunkle Volk ist auf dem Vormarsch!" Er verbeugte sich mehrmals tief und gespielt, dankte in alberner Weise für die Münze, ehe er sich abwandte, um sich wieder der Bettelei zu verdingen.

Damit war es vorbei. Aleas und Rejans Aufgabe, der ganze damit verbundene Ärger und Stress ... alles umsonst. Die Mission war aufgehoben, die Amazonen vollkommen sinnlos hierher beordert. Und ihre Gruppe wartete noch immer in Catties Viertel auf Aleas Rückkehr.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Dienstag 10. November 2009, 20:16

Er war tatsächlich ihr Kontaktmann. Alea war erstaunt, wie schnell dies ging. Doch ihre Gedanken kreisten nicht lange darum. Jetzt hatte er sie gefunden und konnte ihr weitere Instruktionen erteilen. Alea lauschte erwartungsvoll.
Der Handel war geplatzt? Aleas Augen wurden größer. Kurz stutzte sie auch, als er auf ihren Begleiter ansprach. Was sollte an Rejan so seltsam sein? Er war schlank, wendig, schon fast zu gut für seinen Beruf gebaut. Doch dann fiel ihr ein, was der Bettler sehen musste und wie es auf ihn wirken würde. Doch um ihn aufzuklären gab es nicht genug Zeit. Es gab Wichtigeres. Wie er sagte.

Sie sah den Kontaktmann an, starrte auf seine Lippen und nahm jedes Wort in sich auf. Ein gutes Gedächtnis war stets von Vorteil. Doch was er ihr dann erzählte, hätte sicher auch kein normaler Sarmaer vergessen. Sarma war eingenommen worden. Orks und Dunkelelfen hatten ihre Heimat eingenommen! Alea wurde bleich, als ihre schlimmsten Befürchtungen durch seine Worte wahr wurden. Der Wüstenbund musste sich jetzt im Hintergrund halten und somit war alles abgeblasen. Es gab keinen Auftrag mehr, keine weiteren Anweisungen.

Alea starrte ihn noch immer fassungslos an, als er davon humpelte. "Gehabt Euch wohl", murmelte sie ohne ein Anzeichen von Fröhlichkeit oder Freundlichkeit. Sarma war eingenommen. Der Auftrag geplatzt. Es war alles umsonst gewesen. All die Arbeit, all die Lügen... Es hatte sie von Sarma weg geführt. Das war das Gute. Aber mehr als das gab es nicht.

Ihr Auftrag war abgebrochen. Es gab nichts mehr zu tun. Noch nie hatte sie einen Auftrag abbrechen müssen. Und noch nie hatte der Wüstenbund untertauchen müssen. Es war eine schreckliche Lage. Sie waren in einer fremden Stadt, Rejan war dem Tode sehr nahe. Sie hatte ihre Amazonen mit einem Netz aus Lügen hier her gebracht. In diese gefährliche Stadt, wo dunkle Mächte in die Körper unschuldiger Menschen drangen.
Alea schluckte. Sie fühlte sich hilflos und schuldig. Wenigstens den Amazonen dürfte jetzt nichts mehr passieren.
Wie aus weiter Ferne hörte sie dumpf die Geräusche hinter sich. Wie durch Watte nahm sie gesprochene Worte und andere Geräusche nur gedämpft wahr. Sie versuchte sie zu fassen und zu verstehen, bis alles etwas klarer wurde. Sie musste Rejan helfen. Das war jetzt das oberste Ziel.
Also drehte sie sich, blass wie sie war, nachdem ihr die schrecklichen Neuigkeiten verkündet worden waren, um. Da sah sie Rejan auf dem Boden liegen und ihr Verstand kehrte zurück. "Rejan." Sie hockte sich neben ihn und ergriff trotz der dunklen Flecken, die unter seiner Haut tanzten, seine Hand. "Bitte halte durch", flüsterte sie und schaute verzweifelt in sein Gesicht. Nur kurz warf sie einen Blick zu Sethek. Sie wollte weiter und zwar schnell.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Erzähler » Dienstag 24. November 2009, 21:13

OT: Aufgrund der wartenden Alea mal schnell noch ein zwischengeschobener Erzählerpost :) Falls du, Sethek, schon ein Posting vorbereitet hast: dieser hier sollte inhaltlich so geschrieben sein, dass du nichts wirst ändern müssen.

Rejan bekam von alledem, was Alea beschäftigte, nichts mit. Er hatte eigene Probleme und niemand wusste, wie man ihm hätte helfen können. Nicht einmal Sethek konnte es sagen. Ein derartiges Phänomen seiner Schattenmagie hatte er nicht einmal erlebt, als er sich noch im Harax herumgetrieben hatte. Und da waren seine Kräfte wesentlich größer gewesen. Seths nachtelfischer Körper schien seine Stärke zu blockieren. Oder war es Celcia selbst? War er zu entfernt vom Harax, um hundert Prozent geben zu können?
Auch hierauf wusste niemand eine Antwort.

Unter Rejans Haut beruhigten sich die Schatten etwas, die wie schwarze Flecke durch seinen Leib huschten. Als Alea nach seiner Hand griff, sammelte sich die Dunkelheit in ihm an einem zentralen Punkt. Man erkannte, dass es die Brust war. Sogar durch Rejans Kleidung konnte man den finsteren Flecken magischer Natur erkennen. Dann strömte er über Schlüsselbein und Schulter den Arm entlang, bis sich Teile der Schatten in jener Hand sammelten, die die Wüstendiebin festhielt. Die Haut färbte sich schon fast schwarz von all der gesammelten Dunkelheit.

Ein Bürger der Piratenstadt torkelte an Sethek und Alea vorbei. Vermutlich wäre er nur sich bewegende Kulisse gewesen, hätte er die knieende Frau nicht angesprochen. Eine Alkohol-Fahne erreichte Alea zusammen mit den Worten: "Noch ein Toter. Trauer nich', Püppchen ... der is' wech. Hmm ... seine Hand is' ganz faulig. So schwarz. Besser du wäschst dich, ehe du 'nen Freier nimmst." Er schwankte hicksend weiter. Die Welt drehte sich und in dieser Welt hatte der Säufer eine Hure gesehen, die um einen armen Tölpel beängstigt war, der nie wieder aufstehen würde. So glaubte es der Säufer. Hatte er Recht?

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Mittwoch 25. November 2009, 19:49

OT: Oh, danke! :knuddel: Werde diese Woche aber wohl selbst keine Zeit für mehr Posts finden :drop: Heute wurde plötzlich alles so stressig..^^

Alea sah auf die unheilvollen Flecken nieder, die sich plötzlich in Rejans Brust sammelten. Sie beobachtete sie dabei, wie sie bis zu der Hand wanderten, die sie festhielt. Ihre Augen wurden größer... ihre Sorge auch. War das ein gutes Zeichen? Reagierte der Körper nur auf sie? Vielleicht konnte sie doch mehr ausrichten, als sie glaubte. Oder war es schlechter, wenn sich die Flecken an einem zentralen Punkt sammelten? Fügte ihm das mehr Schmerzen zu? Wurden die Schatten dann mächtiger? Die Diebin wusste es nicht, hoffte aber selbstverständlich, dass es Ersteres war.

"Noch ein Toter. Trauer nich', Püppchen ... der is' wech. Hmm ... seine Hand is' ganz faulig. So schwarz. Besser du wäschst dich, ehe du 'nen Freier nimmst."
Alea presste die Lippen aufeinander, als sie die Worte hörte, die eindeutig für sie bestimmt waren. Sie knirschte mit den Zähnen und ihr Blick verfinsterte sich. Sie wusste, es war nur ein dummer Narr, der keine Ahnung davon hatte - weniger als sie noch - und vermutlich den gesamten Tag damit zugebracht hatte, all sein Geld zu vertrinken.
Trotz dieses Wissens machten sie seine Worte wütend und sie musste sich zusammen reißen, um ihn nicht anzufahren, dass er gefälligst nicht von Dingen, die zu groß für sein Hirn waren, um sie zu verstehen, faseln sollte. Es kostete sie einiges an Beherrschung, ihn nicht anzuschreien und all ihre aufgestaute Wut und Angst an ihm auszulassen. So sehr, dass ihre Hand sogar leicht zitterte.

Ihre Finger hatten sich enger um Rejans Hand geschlossen. Sie holte tief Luft und konzentrierte sich auf sein Gesicht, das in seiner Bewusstlosigkeit so verzerrt und fremd aussah. "Halte durch, Rejan." Ihr Hals fühlte sich trocken an und ihre Stimme klang kratzig. Kurz sah sie dahin, wo der Betrunkene zuletzt gewesen war. Sollte er bloß weg bleiben. Und sie hoffte, dass nicht noch mehr solcher Gestalten darauf warteten, sie als Hure eines verfaulten Freiers zu betiteln..

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Sethek » Dienstag 1. Dezember 2009, 07:22

Sethek, noch immer kampfbereit und mit seinem schwarzen Zweihänder bewaffnet, schaute vergnügt zu, wie sich der erste Pirat sofort aus dem Staub machte und die anderen ihn zumindest eingeschüchtert anstarrten. Sie konnten nicht wissen, dass die Waffe, die er gewählt hatte, keineswegs für den Kampf gedacht war. In Harax und auch auf der Oberfläche, die Celcia genannt wurde, war er schon immer wesentlich effektiver im Kampf mit seinem Langschwert gewesen. Wehmut durchzuckte ihn bei dem Gedanken an seine Ausrüstung in Harax. Mit seiner Vollendeten Gestalt hatte er auch diese so perfekt zu ihm passende Ausrüstung zurücklassen müssen nur um ein Halbes Leben auf dieser Welt leben zu müssen. Zorn kroch erneut in seine Gedanken.

"Verfluchtes Dunkelelfenpack! Ich weiß gar nicht, warum ich ihnen helfe. Sie sind doch für meine Lage verantwortlich! Sie haben mich nur wegen IHRER Unfähigkeit meiner Kräfte beraubt. Wie kann mein Vater sich mit solchen Versagern abgeben?"

Wütend starrte er die beiden verbleibenden Piraten an. Der Schwarze Stahl in seinen Händen schien nach Blut zu lechzen und Sethek selbst nach Vergeltung.

Vielleicht war es die Tatsache, dass die Piraten keine Dunkelelfen waren oder einfach, dass er sich bei seinem letzten Kampf reichlich gesättigt hatte, die in dazu veranlasste seinen Gedanken nicht Folge zu leisten, auch wenn es ein großer Teil seines Verstandes forderte. Vielleicht war es aber auch der unerwartete Kommentar eines der Piraten, der ihn überraschte.

"Bah, welche Schätze verspricht dir schon Faldor? Götter verteilen keine bare Münze. Ich sag, du solltest dich den Blutsäufern anschließen, jawohl!"

Sethek starrte den Mann an. Seine Augen musterten ihn langsam von oben bis unten bis sich seine Gesichtszüge von dunkler Boshaftigkeit zu verhöhnender Arroganz änderten.
"Was mir Faldor verspricht fragst du? Ich finde die Genugtuung all meine Feinde vor mir im Staub zu sehen und so grauenhafte Schmerzensschrei von sich geben zu hören, dass ganz Celcia vor Angst zittert reichlich ermunternd. Und das verspricht er nicht, er hat es mir schon einige Male gegeben.“

Kurz danach wuchtete er ohne weitere Probleme den schweren Zweihänder auf seine Schulter, so dass die Spitze nach hinten zeigte und drehte sich dabei unerwartet schnell zu Alea und Rejan um. Die Klinge seiner Waffe sirrte dabei durch die Luft und schien sie förmlich zu durchschneiden bis sie nur einige wenige Zentimeter vor dem Gesicht des Piraten, der es als letzter gewagt hatte Worte an Sethek zu richten, stehen blieb. Für einen kurzen Moment bildete sich dieser ein, Schattenwesen auf der Klinge erkennen zu können, die sich nach ihm verzehrten und ihre Glieder nach ihm ausstreckten, als würden sie ihn zu sich ziehen wollen. Dann wuchtete Sethek sein Schwert mit einer ähnlich eleganten Bewegung gekonnt zurück in seinen Rückenhalfter und kümmerte sich nicht weiter um das Piratengesindel hinter ihm.

Alea kniete bei Rejan und hielt seine Hand. Sein Zustand war nicht besser geworden. Noch immer schienen sich Schatten den Weg durch seinen Körper zu bahnen und noch immer war keine Spur von Leben in ihm sichtbar.
Ohne auf Alea zu reagieren oder auf ihre Sorge Rücksicht zu nehmen, packte er Rejan grob und warf ihn sich erneut über die Schulter, doch nicht ohne Alea dabei genau zu beobachten. Auch wenn ihr Freund mittlerweile das Interesse Setheks in wesentlich größerem Maße gewonnen hatte, spürte Sethek noch immer, dass an der Frau etwas Besonderes zu sein schien. Eine talentierte Anwenderin seiner Macht. Vielleicht sogar ein Wunderkind das bis zu diesem Zeitpunkt nichts davon wusste. Vielleicht konnte sie ihm mehr über die Schattenkraft auf Celcia verraten, als sie selbst ahnte. Natürlich war er, Sethek der Herr der Schatten, in den Schattenkünsten nicht zu schlagen … als er damals in Harax lebte. Hier in Celcia schienen die magischen Linien anders zu laufen und die sterblichen Körper schienen die Magie in einem Maße mit zu beeinflussen das Sethek noch völlig fremd war. Sie hingegen war bereits mit diesem Umstand geboren worden und auch wenn sie es noch nicht entdeckt hatte, könnte sie wesentlich besser als Sethek in der Lage sein, diese Macht zu kontrollieren und zu konzentrieren und so das Maximum wesentlich besser herauszuholen, als es Sethek mit seiner oft übertriebenen Kraftverschwendung tat.

Als Rejan einigermaßen sanft auf seinen Schultern platziert war, drehte er sich erneut der Straße zu, die sie gezielt an allen Vierteln der Stadt vorbeibringen würde.
„Wir gehen!“ ertönte seine Stimme donnernd und dunkel wie immer und schon einen Augenblick später ging er bereits die Straße entlang auf der Suche nach dem Teufelsrochen. Jener Kneipe, in der er sicher war seinen Kontaktmann zu treffen.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Donnerstag 3. Dezember 2009, 19:56

Alea schaute kurz überrascht, als Sethek ihr Rejan einfach aus der Hand riss. Normalerweise war sie aufmerksamer, doch die Sorge um Rejan hatte alle andere Sinne überschattet. Sie hatte auch nicht mitbekommen, was aus den Piraten geworden war. Jetzt waren sie weg. Wieso wusste sie nicht, aber an Sethek klebte kein Blut.
Ihre dunklen Augen schauten geradewegs in die seinen und sie erwiderte seinen Blick. Wenn auch irritiert. Wieso schaute er sie so an? Ihr kam wieder das Bild in den Sinn, als sich Rejan für sie geopfert hatte. War er im Prinzip noch immer hinter ihr her? War Rejan nur das Lockmittel, einem Stück Speck gleich, mit dem er eine Maus in die Falle locken wollte?

Aleas Misstrauen waberte wieder an die Oberfläche. Würde er Rejan tatsächlich helfen? Oder sie nur in einen dunklen Keller locken, damit sie nie wieder das Tageslicht sah? So viele Fragen, die ihr im Kopf herum schwirrten. Sie betrachtete ihn einen Moment lang von hinten, dann folgte sie ihm. Auch wenn ihr Misstrauen jetzt wieder allgegenwärtig war. Sie erwischte sich dabei, wie sie verstohlen nach links und rechts schaute. Was plante er? Sie nahm sich vor, vorsichtig zu sein und ihn, wie sie schon sagte, tatsächlich nicht aus den Augen zu lassen.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Sethek » Samstag 5. Dezember 2009, 18:51

Sethek schlenderte weiter die Straße enlang, die Ihn und Rejan vorbei an den selbst zusammengezimmerten Häusern und den dunklen Gassen brachte, die an der Landseite der Stadt häufig vorkamen. Sein Blick blieb dabei stehts nach vorne gerichtet. Kein Wesen, war es auch noch so merkwürdig anzuschauen, interessierte ihn. Piraten, die ihm nicht schnell genug den Weg freigaben, bekamen seinen stählernen Körper zu spüren, den er wie einen Rammbock einsetzte, um seinen Weg weiter schnurr gerade aus fortzusetzen. Der dunkle Stoff seiner Nachtelfenkleidung flatterte in der Meeresbrise und seine pechschwarzen Haare wehten heroisch im Wind. Sein Schritt war schnell und zielsicher.

In den dunklen Gassen der Stadt konnte man kaum etwas erkennnen, und die Gestalten, die ihnen begegneten, sahen auch nicht wirklich vertrauensseelig aus, als dass man sich eine korrekte Auskunft von ihnen hätte erwarten konnte, wenn das Sethek denn gewollt hätte. Die Stadtwanderung dauerte noch einige Zeit, denn Sethek war noch nie in der Stadt gewesen und hatte niemanden nach dem Weg zu seinem Ziel gefragt.

"Hättest du doch nur mehr auf die Fledermaus aufgepasst. Sie hätte uns sicher zum Ziel gebracht", spottete Seth, doch Sethek ignorierte ihn, den genau in diesem Moment erspähnte er ein Haus, in dem verdächtig viel Leben zu sein schien. Die lauten und kräftigen Stimmen der Piraten waren weit bis in die Straße zu hören und hin und wieder konnte man auch das eine oder andere Glas zerbrechen hören. Ohne weiter zu zögern schritt Sethek auf das Gebäude zu und trat ein.

weiter in: Reich der Dunsthügel --> Die Piratenstadt Rumdett --> Taverne "Teufelsrochen" --> Der dunkle Mann

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Dezember 2009, 18:11

weiter bei Taverne "Teufelsrochen" -> Der dunkle Mann

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Sethek » Donnerstag 14. Januar 2010, 17:05

Kommend von Taverne "Teufelsrochen" --> Der dunkle Mann



Aleas Stimme klang entschlossen, als sie Sethek zum Warten aufrief. Der beendete seinen letzten Schritt und blieb mitten auf der großen Straße stehen. Er drehte sich nicht zu ihr um oder zeigte eine andere Regung. Still Verharrte er und wartete auf die Worte seiner Begleiterin.

"Ihr müsst ihn heilen. Ihr habt gesagt, dass es hier Wesen gibt, die ihm helfen können. Heilt ihn und Ihr könnt nach Grandea. Dann werde ich Euch nicht mehr aufhalten."

Auch nachdem Alea ihre Bitte ausgesprochen hatte, bewegte sich Sethek nicht. Es schien als würde er über ihre Worte nachdenken. Der kalte Wind pfiff an dem großen Hindernis vorbei, dass er darstellte. Gefühlte Stunden vergingen, dann drehte sich Sethek langsam zu Alea um und schaute ihr direkt in die Augen. Sein Blick war kalt und emotionslos wie immer, doch war keinerlei Böses darin zu erkennen. Alea konnte seine schwarzen Augen erkennen. Die Schatten, die normalerweise darum wirbelten, schienen wie schwarze Schleierfetzen seicht in der Luft zu schweben. Trotz seines nach wie vor dunklen Aussehens, war eine Art von Ruhe spürbar. Doch niemand konnte sagen, ob es wirklich die Ruhe des Friedens, oder nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm war.

Noch einen kurzen Moment starrte er in Aleas Augen, dann antwortete er.

"Glaubt ihr wirklich, ihr könntet mich aufhalten nach Grandea zu reisen?“
Sethek legte eine kleine Pause ein und begutachtete Alea, diesesmal jedoch komplett. Sein Kopf legte sich dabei leicht schief. Nachdem er die Beobachtung der Reaktion Aleas abgeschlossen hatte, fuhr er fort.

„Wenn ihr das tatsächlich glaubt, dann solltet ihr die Gelegenheit endgültig nutzen! Tötet mich! Rettet ganz Celcia! ... Tötet mich und verliert dafür das kostbarste, was ihr habt.“
Es bestand kein Zweifel daran, dass Sethek damit Rejan meinte.

“Se’thek, dass meinst du doch nicht ernst, oder? Du weißt, dass sie uns sehr wohl besiegen kann. Abgesehen davon will sie uns ja gar nicht aufhalten. Sie will doch nur ihren Freund zurück. Sie hat niemandem Leid zugefügt, im Gegensatz zu diesem schändlichen Dunkelelfen, in dessen Namen wir arbeiten! Keine Seife der Welt wird diese Schande von mir abwaschen können! Wieso muss sie darunter leiden Se’thek?“

Seth erhielt keine Antwort. Weiter beobachtete Sethek die junge Menschenfrau, die sich noch zu keiner Antwort hatte durchringen können. Dann erhob er erneut seine Stimme.

„Nur das Wissen der Schriftrolle kann ihn retten. Helft ihr mir, helft ihr ihm und dem dunklen Gott!“

“Woher willst du das denn jetzt wissen. Du hast doch eben auch erst von der Schriftrolle erfahren. Wie willst du dann wissen, ob sie Rejan helfen kann?“ „Wenn sie nur halb so viel Wissen besitzt wie ich in meiner vollkommenen Gestalt, wird das den Menschen retten. Wenn nicht ... ist das nicht mein Problem.“ „Du wirst sie nicht töten oder? Selbst wenn sie dich angreift, nicht wahr?“
Ein Grinsen bildete sich in Setheks Gesicht.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Sonntag 17. Januar 2010, 18:20

Immerhin blieb er stehen. Noch immer schaute sie ihn bittend an, flehend, dass er ihren Worten nachging. Gleichzeitig spiegelte sich die Angst in ihren Augen, dass er sie und ihre Worte einfach übergehen würde. Als er sich dann endlich zu ihr umdrehte, versuchte sie selbstsicher zu wirken, damit er sie nicht für weich hielt, damit er nicht auf die Idee kam, dass sie es nicht wert wäre, ihre Bitte in Betracht zu ziehen. Ihr Blick lag auf den schwarzen Löchern, was ihr einiges abverlangte, denn noch immer gruselte sie sich vor ihm, auch wenn sie sich dies nie lange vor Augen hielt.

"Glaubt ihr wirklich, ihr könntet mich aufhalten nach Grandea zu reisen?“
Die Wüstendiebin blieb stumm und widerstand einem Kopfschütteln. Nein. Sie glaubte nicht daran, dass sie ihn aufhalten konnte. Doch das wollte sie ihm nicht zeigen, denn was würden ihre Worte dann noch für einen Sinn haben. Sie musste einfach den Schein wahren, als könnte sie es. Als glaubte sie daran, ihn aufhalten zu können. Sie bemühte sich um eine selbstsichere Haltung, als er sie unverhohlen musterte, auch wenn ihr dies nicht gefiel. Doch wenn es nötig war, um Rejan zu helfen, dann würde sie wohl alles über sich ergehen lassen.

„Wenn ihr das tatsächlich glaubt, dann solltet ihr die Gelegenheit endgültig nutzen! Tötet mich! Rettet ganz Celcia! ... Tötet mich und verliert dafür das kostbarste, was ihr habt.“
Zu gerne hätte sie sich auf seine Worte eingelassen. Sie hätte ihn getötet. Sonst hegte sie kaum solche grausamen Gedanken. Doch wenn es nötig war, würde sie töten. Zumal sie ihn als keinen freundlichen Zeitgenossen kennen gelernt hatte, der ihrer Meinung nach unbedingt leben musste. Doch da war noch etwas anderes. Wenn sie ihn tötete, tötete es auch Rejan. Stimmte das? Ihr Blick flog zu dem schlappen Sarmaer auf Setheks Schulter.
Sie spürte die kleinen Stiche in sich, nahe ihres Herzen. Und sie spürte auch, wie ihre Bitte, ihr Vorhaben Risse bekam. Als wäre sie aus Glas gewesen. Und Sethek scherte sich nicht darum. Er hegte kein Interesse daran.

„Nur das Wissen der Schriftrolle kann ihn retten. Helft ihr mir, helft ihr ihm und dem dunklen Gott!“
Zuerst hatte sie wie erstarrt da gestanden, seinen Worten gelauscht. Den Ton, der in ihnen mit schwang, vernommen und geduldet. Doch was sie nicht hinnehmen konnte war seine Ignoranz. Seine Vorstellung davon was sie tun sollte. Dass sie tun sollte, was er wollte. Und das war, dem dunklem Gott zu helfen. Faldor.
Alea sah die Gestalt vor sich nur noch verschwommen. Wie um sie zu verhöhnen fiel ihr dazwischen besonders scharf das Grinsen auf.
"Ich will Eurem idiotischen Gott nicht helfen und das werde ich auch nicht!" Die Worte waren im Grunde nur Gemurmel, aber hinter ihnen steckte so viel Abschaum, das sie wohl mehr als ein Schreien wirkten.

Bevor sie wusste was sie tat, spürte sie schon die vertrauten Griffe ihrer Dolche in den Händen. Links den Langdolch, rechts den normalen, aber nicht weniger geschärften. Sobald sie nach den Dolchen gegriffen hatte, hatte sich ihr Körper angespannt, war in eine offensive Kampfstellung getreten. Als wäre es ein Tanz, der genau so einstudiert wie geschmeidig schien. Jede Bewegung folgte der vorherigen in einem fließenden Übergang.
"Ich renne Euch schon den ganzen Weg hinter her. Ihr habt ihm das angetan. Wegen Euch wird er sterben. Und Ihr meintet auch, dass er hier in Rumdett Heilung finden wird."
Mit jedem Wort wurde ihre Stimme lauter, wobei sie betonte, wessen Schuld das alles war. Sie achtetet nicht auf die Lautstärke ihrer Stimme. Es war ihr egal, wenn jemand auf sie aufmerksam wurde, wenn sie jemand so sah. Wie sie diesem viel stärkeren Mann gegenüber stand, einer Raubkatze gleich, die gleich zum Sprung ansetzen würde. Zu einem gefährlichen, vernichtenden Sprung.
"So wenig wie für Euch werde ich schon gar nicht für Tod und Verderben arbeiten. Ihr braucht mir keine leeren Versprechungen geben. Ich bin nicht euer Hund, der macht, was ihr befiehlt und den ihr für dumm verkaufen könnt." Funkelnd lagen ihre Augen auf ihm. Die Tränen waren für den Moment in den Hintergrund gerückt. Ganz scharf sah sie den Mann vor sich, der all ihre Wut auf sich projizierte. "Was ihr dummen Sklaven eures Gottes macht, könnt ihr unter Euch ausmachen. Kriecht ihm meinetwegen bis in den Tod hinter her. Aber erzählt mir nicht, dass ihr diese Schriftrolle braucht, um euren Fehler wieder gut zu machen! Wenn Ihr mir nicht sofort helft, ziehe ich Euch hier und jetzt für Eure Taten zur Rechenschaft." Sie war bereit.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Sethek » Montag 18. Januar 2010, 08:45

Sethek beobachtete genau, wie Aleas Haltung sich veränderte. Er erkannte die Verzweiflung, die sich in ihr ausbreitete. Er fühlte sie. Er schmeckte sie. Und sie wuchs jede Sekunde in extremem Maße. Er beobachtete wie sie sicher ihre Dolche in die Hand nahm und sich zu einem Angriff bereit machte.
Auch wenn Sethek nicht mit dieser Reaktion gerechnet hatte, sie war sehr wohl diejenige, welche er sich erhofft hatte. Die Verzweiflung schmeckte besonders gut wenn sie mit wahnsinniger Hilflosigkeit und Angst um einen Geliebten gepaart wurde. Gleichzeitig war er in allem was jetzt kam ihr überlegen, denn er wusste genau, wie er ihr entgegentreten wollte. Mit diesem Selbstvertrauen grinste er sie weiter an und ließ ihre Worte über sich ergehen.

“Da siehst du, was du angerichtet hast! Sie wird uns töten.“ „Das einzige was mir Sorgen macht ist, dass sie noch immer zögert! Ist ihre Verzweiflung denn noch nicht groß genug? Soll ich etwa nachhelfen?“ „Du bist Wahnsinnig!“

Sethek sog noch einmal den herrlichen Duft ihrer Verzweiflung ein, während sie noch immer nicht aufgehört hatte, ihn anzubrüllen.

"… Was ihr dummen Sklaven eures Gottes macht, könnt ihr unter Euch ausmachen. Kriecht ihm meinetwegen bis in den Tod hinter her. Aber erzählt mir nicht, dass ihr diese Schriftrolle braucht, um euren Fehler wieder gut zu machen! Wenn Ihr mir nicht sofort helft, ziehe ich Euch hier und jetzt für Eure Taten zur Rechenschaft."

Sethek riss die Augen auf. Der Schattenqualm begann erneut aus ihnen zu brodeln. Ohne dass er weiter überlegen konnte brüllte er ihr entgegen:
„Ich bin kein Sklave Faldors! ICH … BIN … SEIN … SOHN!!! Und du wirst unsere tödliche Macht zu spüren bekommen!“

Mit diesen Worten ließ er Rejan nach vorne von seinen Schultern fallen, achtete diesesmal jedoch darauf, dass er nicht zu hart auf dem Steinboden aufschlug und so nicht zu Tode kam. Immerhin war dieser Rejan nicht nur sein Köder für Alea, sondern auch nach wie vor ein Objekt des Wissensdurstes des Dämons.
Kaum lag Rejan auf der Straße, wuchsen schwarze Schattenkörper um ihn herum aus dem Boden. Sie starrten Alea mit ihren Augen an, die noch schwärzer als die des Dämons zu sein schienen. Helle Todesschreie begannen die Luft zu erfüllen, wie sie Alea noch zu gut kannte. Sethek stand hinter dem Schauspiel und begann etwas vor sich her zu murmeln, was Alea nicht verstand. Aber die Worte klangen ähnlich denen, die Sethek schon bei dem Prister verwendet hatte. Dann breitete Sethek seine Arme aus und im selben Moment schossen die Schatten aus dem Boden und wirbelten wild umher, während sich ein weiterer Schatten aus Rejan selbst erhob und sie traurig anstarrte. Seine Form begann sich zu verändern und nach wenigen Augenblicken stand Rejan vor Alea. Seine Augen starrten sie traurig an und sein Mund versuchte ihr etwas zuzuflüstern, doch kein Wort kam von seinen Lippen. Seine Gestalt war mager, ja fast schon verhungert und seine Glieder hingen schlaff und leblos herab. Während er so dastand und sie anstarrte, begann seine Haut plötzlich die Farbe zu wechseln. Sie wurde immer fauliger. Schwarze Schatten huschten durch sie hindurch und sein trauriger Ausdruck verwandelte sich in eine schmerzverzogene Miene. Nachdem sich Rejan ein paar Augenblicke lang vor Schmerzen gewunden hatte, begann sich seine Haut langsam aufzulösen. Blut spritzte aus seinem Körper und verwandelte sich zu Schattenfetzen, die in der Luft vergingen, noch bevor sie den Boden erreichten. Mit letzter Kraft streckte er seine Arme nach Alea aus um sie nach Hilfe anzuflehen. Dann durchzuckte wieder eine Welle des Schmerzes seinen Körper und er begann sich erneut zu winden. Seine Hände verkrampften und sein Kopf schwenkte hin und her, während er seinen Mund weit aufgerissen hatte. Auch wenn aus Rejan selbst kein einziger Ton kam, die Todesschrie der übrigen Schatten gaben die passende Musik zu dem Drama. Noch immer tanzten diese wie wild um Rejan.

Sethek beobachtete wie sein Schrecken der Finsternis langsam auf Alea zu kroch. Er wusste nicht welche Gestalt er für Alea angenommen hatte, doch er war sich sicher, dass sie ihre Wirkung nicht verfehlen würde. Dann beobachtete er wieder Rejan, der nachwievor unverletzt vor ihm auf dem Boden lag.

“Und das alles, weil du deine Freundin beschützen wolltest“

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Samstag 30. Januar 2010, 15:46

Alea wich unweigerlich einen Schritt zurück vor dem unheimlichen Begleiter. Doch ihr fester Griff um die beiden Dolche blieb genauso hart und unbeweglich. Sie starrte ihn erschrocken an, als sich schwarze Wolken einen Weg direkt aus seinen Augenhöhlen suchten und er davon sprach, er sei Faldors Sohn und sie würde seine tödliche Macht zu spüren bekommen. Nicht, dass Alea ihm glaubte, nein, seine Worte bestätigten eher ihren Verdacht, dass sie es mit einem überheblichen, selbstsüchtigen und vollkommen Wahnsinnigen zu tun hatte nur noch. Dennoch verspürte sie Angst vor ihm und konnte sich, wenn auch nicht gerne, vorstellen, dass er über Leichen ging, wie es ihm passte. Zu Faldors Anhänger gehörten schließlich keine kuscheligen Gesellen.

Als er Rejan wieder einmal fallen ließ, starrte sie mit voller Aufmerksamkeit Sethek an. Zuerst glaubte sie, er lege ihren Gefährten ab, damit er die Hände frei hatte. Schnell jedoch sah sie die zahllosen Schatten vom Boden auftauchen, direkt um Rejan herum. Alea hörte Sethek Worte murmeln und sah die darauf hin umher wirbelnden Schatten. Ihr Gesicht wurde schreckensbleich und die hellen Schreie erweckten abermals das tiefe Grauen in ihrem Inneren.
Als sie nach einigen Momenten des Beobachtens der vielen Schatten über Sethek, der sich nicht bewegte, zurück zu Rejan sah, entfuhr ihr ein überraschter Schrei, als dieser plötzlich vor ihr stand. Sie zitterte und in ihrem Inneren versuchte eine anderes Gefühl das Grauen zu durchdringen und sie zum Fliehen zu bringen. Alles in ihr sträubte sich gegen die Schatten um sie herum. Es war unmenschlich, übernatürlich und deshalb nicht zu fassen für Aleas Geist. Unnatürliches und Unbekanntes bereiteten ihr Angst und Schrecken und weckten instinktiv den Weg der Flucht.

Und doch war ein anderer Teil in ihr größer. Die Angst um Rejan, die Verbindung, die sie bei ihn hielt und die sie immer bei ihm halten würde. Sie starrte in seine Augen, seinen Mund an, der sich bewegte, aber aus dem kein Laut drang. Doch er musste nicht einmal etwas sagen. Seine Gestalt, sein Anblick und seine Mimik waren Worte genug für die Diebin, die nur da stand und nichts zu tun vermochte, als ihn nur anzustarren und zu beobachten.
Als er sich vor Schmerzen krümmte, wollte sie ihm helfen, doch konnte nur seinen Namen stammeln, vollkommen entsetzt über seinen Zustand und die Hilflosigkeit, die sie darüber verspürte. Mit Erschrecken sah sie, wie seine Haut zuerst immer dunkler wurde, eine absonderliche Farbe abnahm und sich auflöste. Alles passierte so schnell. Als das Blut spritzte und sich in Schatten verwandelte schrie Alea auf und war gleichzeitig irritiert davon, hatte es doch überhaupt nichts Menschliches an sich.

Erst als er sich nur noch vor Schmerzen wand und die Hände nach ihr ausstreckte, erwachte Alea wieder aus ihrer Starre. Sie glaubte, das alles hier würde wirklich passieren. Dementsprechend geschockt war sie auch. Bis sie den einen Dolch in die andere Hand legte und mit der freien Hand nach Rejan griff - und hindurch fasste. An der Stelle löste er sich plötzlich auf und als sie reflexartig die Hand zurück zog, wurde er wieder sichtbar. Alea starrte zuerst nur die Stelle an, erst dann realisierte sie, dass es nur eine Täuschung war. Nicht Rejan stand vor ihr. Ihre Augen fixierten Sethek, der noch immer an der selben Stelle stand. Dann fiel ihr Blick wieder auf Rejan, der sich unverändert krümmte. War es wirklich nur eine Täuschung. Oder wollte Sethek, dass sie sah, was Rejan fühlte? Was der echte, am Boden liegende Rejan empfand? Oder wollte er sie das nur glauben machen?

Alea wusste es nicht. Sie konnte weder das eine, noch das andere ausschließen. Noch immer wirbelten Schatten um sie herum und die Klaue voll Grauen hielt sie immer noch fest im Griff. Die hellen Schreie drangen weiter an ihre Ohren und folterten sie innerlich. Die Diebin schaute Rejan gequält an. War das die Macht Faldors von der Sethek gesprochen hatte?
Stumm sah sie Rejan an, Verzweiflung beherrschte ihre Miene, als sie die Hand hob und an seine Wange legen wollte und stattdessen ins Nichts fasste. Nichts. Sie fühlte nur die Luft, die statt der Illusion da war. Da war kein Rejan. Konnte sie ihm überhaupt noch helfen? Woher sollte sie wissen, ob Sethek überhaupt jemals Rejan heilen konnte, wollte und würde?
Sie konnte nicht solch einen Verrat begehen. Dem dunklen Herrscher behilflich sein, der ihre und Rejans Heimat zerstört hatte und Sethek dazu befähigte, Rejan das anzutun.

Tief atmete sie ein und wieder aus. Dann trat sie durch Rejan hindurch und sah sich jetzt Sethek gegenüber. Wieder hielt sie in jeder Hand einen Dolch. "Hört auf damit." Sie erkannte ihre eigene Stimme nicht mehr, als sie ihm die Worte ruhig ins Gesicht sagte. Dabei hatte sie alle Mühe, die Schattengestalten um sich herum auszublenden, die Schreie in ihren Ohren, das Grauen in ihr und keinen Gedanken an das Übernatürliche zu verschwenden. Sonst hätte sie wohl überhaupt nichts mehr tun können und wäre einfach von dem Wahnsinn überrannt worden. Doch sie wollte nicht durchdrehen. Sie wollte Rejan nicht verlieren, genauso wenig wie sie mit Sethtek reisen wollte.
"Woher soll ich wissen, dass Ihr ihm überhaupt helfen werdet und mich nicht durch das Land schleift wie eine Sklavin?" Auch wenn er sie eben vor Kelalast verteidigt hatte, sie nicht so zu nennen, fühlte sie sich nicht sicher bei ihm und hätte auch nicht gewettet, dass er sie nicht selbst so behandeln würde. "Nicht mal Euren Namen wollte Ihr mir nennen. Ihr könnt mich nicht mit Eurer Magie und Eurem Gott erpressen. Lasst ihn einfach hier und geht nach Grandea meinetwegen. Oder behandelt mich wie eine Reisegefährtin und gebt mir etwas, damit ich Euch vertrauen kann."
Der Anblick Rejan hatte ihr Angst eingeflößt. Sehr viel Angst. Genauso wie die restliche Demonstration seiner Macht. Und doch war sie niemand, der einfach so aufgab. Lieber würde sie jemand anderen suchen, der Rejan heilte als mit diesem Kerl in eine ungewisse Zukunft zu laufen.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Sethek » Sonntag 28. Februar 2010, 18:24

"Das ... kann nicht sein! Sie ... hat dem Schrecken widerstanden! ... Niemand hat das zuvor geschafft. Unser Ende ist gekommen Se'thek! Unser Ende steht direkt vor uns!"
Resignation machte sich in Seth breit. Er war davon überzeugt, dass Sethek nichts tun konnte um diese Entschlossenheit zu brechen. Als langjähriger Begleiter Setheks wusste Seth, dass seine schrecklichste und wirkungsvollste Waffe die Furcht war, die er in seinen Opfern weckte. Nur auf Grund dieser Furcht war es ihm möglich seine Opfer mit Leichtigkeit und einem überlegenem Lächeln zu zerfleischen. Doch was würde jetzt passieren? Jetzt, wo es tatsächlich jemanden gab, der dieser Macht widerstehen konnte. Seth war sich sicher, gegen diese Entschlossenheit konnte Sethek nichts ausrichten.
Sethek selbst sah die Situation scheinbar anders. Er starrte nach wie vor unbeeindruckt auf Alea. Er hatte genau beobachtet, wie sie einfach durch seinen Schrecken hindurch gegangen war. Sein Grinsen war zwar einer ernsten Mine gewichten, aber ansonsten machte er keinerlei Anstalten sich auf den bevorstehenden Angriff vorzubereiten. Selbst seinen mächtigen Zweihänder hatte er noch nicht ergriffen.

"Hört auf damit."

Die Forderung Aleas war eindeutig. Kalt und unbeeindruckt durchschnitten ihre ruhigen Worte die Luft. Selbst die Schreie der Schatten schienen sie in keinster Weise ablenken oder übertönen zu können. Doch es waren nicht die Worte, die selbst Sethek beeindruckte. Es war die Ruhe und Entschlossenheit, die mit ihnen mitklang. Als hätte sie nicht vor ein paar Sekunden gesehen, wie ihre große Liebe auf grausame Weise gelitten hatte. Es schien fast so, als hätte der Schrecken sie nur noch entschlossener gemacht.

„Sie ist wirklich beeindruckend. Es gibt keinen Zweifel. Sie ist etwas Besonderes“ „Ja, etwas das uns einfach so töten wird!“

Sethek musterte sie noch kurz, dann schnipste er mit seiner rechten Hand und hinter Alea zersprang sein Schrecken in millionen Schattenfetzen, die sich sofort in der Luft zerstreuten.

"Woher soll ich wissen, dass Ihr ihm überhaupt helfen werdet und mich nicht durch das Land schleift wie eine Sklavin? Nicht mal Euren Namen wollte Ihr mir nennen. Ihr könnt mich nicht mit Eurer Magie und Eurem Gott erpressen. Lasst ihn einfach hier und geht nach Grandea meinetwegen. Oder behandelt mich wie eine Reisegefährtin und gebt mir etwas, damit ich Euch vertrauen kann."

Sethek musterte sie noch einmal, dann hob er seine rechte Hand befehlend in die Luft. Sofort begannen die Schatten, die noch immer um die Beiden kreisten noch schneller zu kreisen. Es schien als würden sie eine schwarze Wand um sie formen, die kaum Lücken zuließ. Dennoch schien das Licht des Tages noch immer von oben in den Kreis und ermöglichte es den Beiden, sich nachwievor ohne Probleme zu sehen. Mit einem weiteren Schnipser der rechten Hand verstummten die Schreie der Schatten augenblicklich. Was Alea nicht mitbekam war, dass die Schreie nach außen dafür umso stärker wurden. Somit waren allen Zeugen, die es auf einer öffentlichen Straße wie dieser mit Sicherheit gab, die Sicht und der Ton genommen.

Noch immer musterte Sethek die junge Menschenfrau während er langsam den Arm herunter nahm. Dann senkte er seinen Blick zu Boden und begann mit seiner donnernden Stimme zu sprechen.

„Ihr seid eine Auserwählte der Schattenmagie! Es gibt keinen Zweifel! Niemand sonst hätte meinem Schrecken wiederstehen können. Ihr habt euch meinen Respekt verdient!“

Sethek hob seinen Blick und schaute Alea direkt in die Augen

„Mein Name ist Sethek. Ich komme aus dem Reich Harax, dem Reich der Dämonen. “ Kurz hielt er inne, bevor er fortfuhr. „Ihr wollt wissen, ob ihr mir trauen könnt? Ihr könnt mir nicht trauen! Genauso wie ihr von nun an niemandem auf dieser Welt mehr trauen könnt. Nicht einmal eurem Begleiter.“
Setheks rechte Hand erhob sich während seiner Worte und deutete auf Rejan, der noch immer vor ihm auf dem Boden lag.

„Woher wollt ihr wissen, dass er euch treu sein wird, sobald er erwacht ist? Woher wollt ihr wissen, dass er euch nicht verraten wird, sobald er weiß, dass ihr nicht einfach eine Schattenmagierin seid, sondern eine Auserwählte der dunkelsten aller Magiearten. Eure ganze Welt hat sich verändert, ob ihr wollt oder nicht! Euer Weg wird von nun an immer mit Misstrauen und Verrat gepflastert sein und nichts wird daran etwas ändern können.“

Sethek verstummte abermals um Alea eine Pause zum verkraften zu gönnen. Dabei ließ er sie nicht aus den Augen. Nach ein paar Augenblicken donnerte seine Stimme von neuem durch die Stille.

„Kelalast Sen ist ein weiser Mann. Er mag nichts von Schattenmagie verstehen und seine Arroganz blendet ihn oft genug, aber er weiß, wann es sich lohnt aktiv zu werden. Er wird nicht tatenlos herumsitzen und euch laufen lassen. Er wird euch Testen um herauszufinden, ob ihr wirklich über außergewöhnliche Kräfte verfügt und hat er die Wahrheit einmal herausgefunden wird er euch nicht mehr in Ruhe lassen, für den Rest eures Lebens!“

„Mir liegt nichts daran der dunkeln Armee zu helfen. Sie sind Massen von intelligenzlosen Orks und arroganten Dunkelelfen. Sie benutzen den Namen Faldors und kämpfen in Wirklichkeit nur für ihre eigene Macht. Mich interessiert Faldors wahre Macht, jenseits dieser Ebene im Reich der Dämonen und Götter. Nur dort kämpfen die wahren Heerscharen der Götter. Leider ist ein für Faldor wichtiger und mächtiger Gegenstand hier auf dieser Ebene erschienen. Die Schriftrolle der Schattenmagie.

Noch einmal musterte Sethek Alea ausgiebig bevor er fortfuhr.

„Ich sehe, dass eure Entschlossenheit groß ist. Ihr wollt trotz alle dem euren Begleiter retten. Nun, wenn ihr das wirklich wollt, dann solltet ihr es auch tun. Alles was ihr benötigt ist die Schattenschriftrolle. Mit ihr könnt ihr selbst erlernen, wie ihr Rejan wieder aus seinem Zustand holen könnt. Seid allerdings gewarnt. Um die Macht der Schriftrolle nutzen zu können habt ihr keine andere Wahl als eure Fähigkeiten in eben jener Magie zu verbessern. Ihr besitzt die Begabung, doch die Fähigkeit sie einzusetzen muss erlernt werden wie alles andere auch. Nur so könnt ihr euren Freund retten.

Noch einmal legte Sethek eine kurze Pause ein.
“Ok, das die Geschichte mit Faldos Armee im Reich der Dämonen Blödsinn ist hab ich nioch verstanden, aber woher wollt ihr wirklich wissen, ob in der Schriftrolle steht, wie man dem Jungen helfen kann?“ „Du hast nichts begriffen erbärmlicher Wurm! Es ist vollkommen unwichtig was genau in der Schriftrolle steht. Die Hauptsache ist, dass wir sie am Ende in Händen halten“
Dann fuhr er fort.

„Das Böse hat euch bemerkt. Glaubt nicht, dass Kelalast euch einfach so ziehen lassen wird. Ich bin nur an der Schriftrolle interessiert und könnte dabei eine mächtige und furchtlose Menschenfrau wie euch an meiner Seite gebrauchen. Der Krieg auf dieser Welt interessiert mich nicht. Folgt mir und genießt den Schutz vor der dunklen Armee den meine Begleiter haben oder versucht es alleine in der Wildnis. Ohne Informationen und mit dutzenden Feinden im Nacken. Ich verlange nur eins von euch. Nachdem ihr Rejan geholfen habt übergebt ihr mir die Schriftrolle und ich werde in das Reich zurückkehren, aus dem ich gekommen bin“

“Das ist Wahnsinn. Das glaubt sie dir nie. Und selbst wenn sie mit dir kommt, oder selbst versucht die Schriftrolle zu bekommen, sie wird auf dem Weg stark werden. Stärker als du Se’thek! Sie wird uns einfach töten“ „Unterschätze meine Macht nicht Seth! Ich bin weitaus stärker, als du es bisher gesehen hast. Es war einfach noch nie nötig mein ganzes Potential einzusetzen. Habt keine Angst, sie wird keine Chance haben“

In Gedanken fuhr Sethek nur für sich selbst hörbar fort:
Aber falls doch, wirst nur du sterben und ich werde ihren mächtigen Körper als neuen Wirt beherrschen! Hahahahahaha ….

Erneut hob Sethek seinen rechten Arm und im selben Moment zersprang die schwarze Mauer aus Schatten. Die Schreie verstummten und die Horrorwesen lösten sich in Luft auf.

„Die Wahl liegt bei euch!„
Mit diesen Worten drehte sich Sethek um , bereit loszuziehen und Alea und Rejan zurückzulassen.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Samstag 13. März 2010, 13:30

Es fiel ihr schwerer den Blick auf Sethek gerichtet zu halten, je schneller die Schatten um sie kreisten. Immer wieder sah sie zu ihnen, aber immer nur kurz, da sie ihren Gegenüber beobachten und nicht aus den Augen lassen wollte. Sie brauchte etwas von ihm und sie war gespannt, was er ihr geben konnte.
Viel leichter fiel es ihr, sich auf ihn zu konzentrieren, als die Schreie endlich verstummten. Sie brauchte einen Moment, bis sie sich der plötzlichen Ruhe bewusst wurde. Sie hatte sich schon fast daran gewöhnt und jetzt schien eine unglaubliche Entspannung durch ihren Körper zu fließen. Was nicht stimmte, es war nur eine Erleichterung, weil das Extreme mit einem Mal aufgehört hatte.

Ob der plötzlichen Lautstärke seiner Stimme oder dem Sinn seiner Worte, zuckte sie kurz zusammen, als er sie eine Auserwählte der Schattenmagie nannte. Das sollte sie sein? Sie hatte seinem Schatten widerstanden? Damit musste er die Illusion Rejans meinen und erst mit seinen Worten wurde ihr bewusst, wie grausam diese gewesen war. Fast überraschender noch war, als er von Respekt sprach, sodass sie ihn mit vor Erstaunen gehobenen Augenbrauen betrachtete. Nie hätte sie gedacht, dass sie solche oder ähnliche Worte aus seinem Mund zu hören bekommen würde.

Sie wurde nervös unter seinem direkten Blick und seine nächsten Worte zu verdauen, kostete sie so viel Kraft, dass sich ihre Hände mit den Dolchen langsam senkten und sie einfach nur dastehen und ihm zuhören konnte.
Er schien tatsächlich verrückt zu sein. Er sprach davon, ein Dämon zu sein und direkt aus Harax zu kommen. Alea wusste nicht, was das war, aber so wie er es sagte, wohl nichts Gutes. Das einzige, was sie dazu brachte, in Betracht zu ziehen, dass er die Wahrheit sprach, war die Tatsache, dass er seinen Namen nannte. Zum ersten Mal, seit sie ihm getroffen hatte.
Sie musste sich konzentrieren, um dem Rest seiner Worte zu folgen. Er sprach von Vertrauen, dass sie ihm nicht trauen konnte und dass vielleicht Rejan ihr nicht mehr trauen würde. Das verunsicherte sie am meisten und als sie seiner Hand mit den Augen folgte, sah sie zu ihrem bewusstlosen Geliebten und tat schwer daran, den Blick abzuwenden.

Während Sethek schwieg, schaute sie nur Rejan an und es fiel ihr zunächst schwer zu glauben, dass Sethek Recht hatte. Sollte sie wirklich eine Auserwählte der Schattenmagie sein? Sie hatte schon andere Verrückte von den Wegen der Götter reden hören, die sich sicher waren, auserwählt zu sein und aufgrund dessen nichts gegen ihr Schicksal tun konnten. Was war, wenn Sethek nicht durch Zufall auf sie gestoßen war, sondern dass das alles geplant war? Die Schattenmagie hatte sie schon immer fasziniert, aber sie hätte nie gedacht, viel mehr erreichen zu können – oder zu müssen.

Plötzlich sprach Sethek weiter, von Kelalast Sen, und Alea schaute zu ihm, da sie alles wissen wollte, was er zu sagen hatte. Bei seinen Worten wurde ihr kalt und sie wusste, dass sie es nicht darauf ankommen lassen wollte, noch einmal auf diesen Dunkelelfen zu treffen. Allein sein Blick war ihr unangenehm gewesen, ganz zu schweigen von den herablassenden Worten über Menschen wie sie.
Sie versuchte seinen Worten über Faldor und seine Beweggründe zu folgen und wieder fragte sie sich, ob es wirklich eine Ebene gab, auf der man auf die Götter treffen konnte. Manchmal dachte sie an Manthala und rief sie um ihre Macht an. Doch Faldor.. das war noch einmal ganz etwas anderes. So grausam wollte sie nie werden und ihr Wesen verbot es ihr, so jemanden zu dienen und für dessen Ziele zu kämpfen.

Als Sethek von ihrer Entschlossenheit sprach, Rejan zu retten, bewegte sie sich zum ersten Mal und brachte ein kurzes Nicken zu Stande. Er hatte schon so lange auf sie eingeredet, dass sie inzwischen ihre Wut und ihren Vorsatz, ihn wenn nötig auch mit Waffengewalt dazu zu bringen, hier und jetzt Rejan zu helfen ganz vergessen hatte.
Stattdessen stand sie, bis auf diese kleine Regung, einfach nur da und hörte seinen Worten zu, während er sie Stück für Stück damit umwebte, einfing und dafür sorgte, dass sie seine Worte mehr als Tatsache als Gerede, über dessen Wahrheit und Richtigkeit sie zuerst nachdenken musste, in sich aufnahm.

Sie brauchte die Schriftrolle der Schattenmagie.
Sie musste ihre Fähigkeiten darin verbessern.
Sie musste Rejan retten.

Er warnte sie vor dem Bösen. Vor Kelalast, den sie nicht mehr begegnen wollte. Und nannte sie furchtlos und mächtig. Das überraschte Alea, aber sie machte sich auch darüber keine Gedanken, ob es nur so daher gesagt hatte. Er wirkte vollkommen ernst und seine feste Stimme ließen keine Zweifel mehr zu.
Er bot ihr ihren Schutz an und er hatte Recht. Wie sollte sie alleine die Schriftrolle finden? Wer wusste schon, was auf dem Weg dorthin lag und sie besaß kaum die Mittel, sich gegen diejenigen, die die Schriftrolle ebenfalls suchen, zu verteidigen. Denn sie war sich sicher, dass sie allesamt böse und mächtig waren und auch wenn Sethek sie eben mächtig genannt hatte, glaubte sie nicht, dass er sie in diesem Moment meinte. Zuerst noch musste sie ihre Fähigkeiten ausbauen, damit sie überhaupt eine Chance hatte.
Wenn sie Rejan erst befreit hatte, würde sich zeigen, was zu tun war. Und bis dahin wüsste sie sicherlich, ob Sethek tatsächlich ein Dämon war, so wie er sagte. Denn das war im Moment das einzige, woran sie noch zu zweifeln mochte.

Sie blinzelte und auf einmal waren die Schatten weg und Sethek wandte sich ab.
Die Wahl lag bei ihr. Aber stimmte das überhaupt? Sie besaß keine Wahl. Entweder folgte sie ihm, fand die Schriftrolle und rettete Rejan.
Oder sie ließ ihn ziehen, schlug sich alleine bis zur Schriftrolle durch, von der sie nicht einmal wusste, wo diese war, verteidigte sie, verbesserte sich selbstständig und rettete dann Rejan. Das war ein weitaus längerer und mühsamer Weg und Alea musste sich eingestehen, dass die Chance, dies alleine zu schaffen, mehr als gering waren.
Stattdessen konnte sie unter Setheks Schutz reisen, der selbst nichts auf das Dunkle Volk hielt und sie scheinbar ehrlich als Gefährtin ansehen konnte.
Nein, es gab nur den einen Weg.

"Ich komme mit Euch." Es war ungewohnt, als sie sich nun selbst sprechen hörte. Ohne die Schatten klang ihre Stimme viel klarer. Ihr Entschluss stand fest und das konnte er hören. "Wir suchen sie zusammen. Ich werde ihn von seinem Zustand befreien und dann könnt Ihr sie haben." Mit sie meinte sie natürlich die Schriftrolle, doch das wollte sie nicht heraus schreien, falls jemand zuhörte. Das war sie als Diebin gewöhnt. Über Aufträge und Missionen plauderte man nichts einfach so laut aus.
Ob sie ihm die Schriftrolle dann wirklich überlassen würde, stand für sie allerdings noch nicht fest. Doch bei den wenigen Worten, die sie sprach, klang sie überaus glaubwürdig und überzeugend - vor allem aber überzeugt von dem, was er ihr gesagt hatte. Sie glaubte ihm. Sie glaubte seinem Plan. Und sie war bereit alles zu tun.
Bis auf die letzte Sache. Zuerst wollte sie mehr über ihn in Erfahrung bringen, bevor sie ihm die Schriftrolle aushändigte. Doch es lag noch ein weiter Weg vor ihnen, genug Zeit um eine Entscheidung darüber zu treffen.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Sethek » Samstag 5. Juni 2010, 10:45

"Ich komme mit Euch."

Die Worte Aleas bewirkten bei Sethek ein sofortiges Stehenbleiben. Wartete er nur oder war es doch ein wenig Verblüffung über Aleas Entscheidung, das wusste Sethek selbst nicht so genau. Zumindest legte sich wieder sein Grinsen auf sein Gesicht, welches noch immer von Alea abgewandt in Richtung einer der Ausgänge der Stadt blickte. Immerhin war es genau diese Entscheidung, die Sethek bei Alea erwirken wollte. Er hatte Macht über sie und konnte sie kontrollieren. Nichts machte ihm mehr Spaß, außer natürlich ihr die Angst in alle Glieder zu zaubern, was ihm bei Alea ja leider bisher nur mäßig gelungen war.

"Sie ist wahnsinnig! ... Das kann sie unmöglich ernst meinen." flüsterte Seth Sethek zu.

"Wir suchen sie zusammen. Ich werde ihn von seinem Zustand befreien und dann könnt Ihr sie haben." , fuhr Alea unterdessen fort.

Noch immer stand Sethek da und bewegte sich nicht. Sein Grinsen verharrte genauso wie seine Füße, die wie festgeklebt zu sein schienen. Es verging einige Zeit in der absolute Stille in der Gasse herrschte. Obwohl um sie herum noch immer der Alltag der Piratenstadt fortlief schien es fast so, als wären sie die einzigen Lebewesen weit und breit. Nach einem kurzen Augenblick fing sich die Kaputze Setheks endlich an sich zu bewegen.

"Wie ihr wünscht. Dann lasst uns nach Grandessa aufbrechen, doch habe ich keine Lust mehr zu Fuß zu reisen. Ich werde für eine beschleunigte Reise sorgen. Folgt mir!"
Mit diesen Worten löste Sethek die Stille auf und lief weiter in Richtung einer der vielen Ausgänge der Stadt und folgte dabei dem Geruch einiger Pferde in der Hoffnung auf dem Weg einen Stall mit Reittieren zu erblicken. Das er dadurch Alea mit dem bewusstlosen Rejan in der Gasse zurückließ machte ihm wenig aus. Wenn er die Reittiere geholt hatte konnten sie auch Rejan bequem transportieren. So viel Rücksicht auf Andere war allein schon befremdlich für Sethek, da musste er nicht auch noch dafür sorgen, dass Rejan auch zum Pferd kam.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Alea » Sonntag 6. Juni 2010, 16:23

Unentwegt starrte sie auf seinen Rücken. Offenbar hatte er nicht mit ihrer Antwort gerechnet, das glaubte sie zumindest, als er plötzlich stehen blieb. Ihr war es eigentlich egal, was er dachte - Hauptsache, sie gingen gemeinsam. Was wohl erst einmal nicht der Fall zu sein schien, da er davon redete für eine beschleunigte Reise zu sorgen. Sie verzog kurz das Gesicht. Vermutlich besorgte er Pferde für sie, und da lag ihr Problem. Sie konnte nicht sehr gut reiten. Rejan war derjenige, der die Kamelrennen ritt und oft auch gewann oder knapp nicht. Sie jedoch hatte auf den Rücken von Kamelen und Pferden noch nie Talent bewiesen.
Sollte sie das Sethek sagen? Sie hob den Kopf und sah, dass er schon einige Meter entfernt war. Trotz seiner Aufforderung musste ihm klar sein, dass sie allein mit Rejan schlecht folgen konnte. Genau deshalb hatte sie seinem Plan zugestimmt.
Doch wegen letzterem war die Sache mit den Pferden gar keine schlechte Idee. Sie würden Rejan hinauf setzen können und könnten ihn viel leichter bewegen. Sie hoffte nur, dass er nicht mehr lange darauf angewiesen sein würde.
"Ich warte hier", rief sie noch halblaut, da sie sich langsam doch nicht mehr so sicher war, ob ihm klar war, dass sie Rejan nicht tragen konnte und sicherlich auch nicht gewillt war, ihn hinter sich her zu ziehen. Doch er musste sich der Abwegigkeit seiner eigenen Worte bewusst sein und würde doch sicher nicht erwarten, dass sie ihm folgte. Oder?
Stattdessen kniete sie neben Rejan nieder, musterte ihn, suchte nach Anzeichen für eine Besserung, und ergriff abermals seine Hand, hoffend, dass er ihren Halt spürte und nicht wirklich solche Qualen litt, wie es ihr Sethek gezeigt hatte.

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Re: Schicksalsreise

Beitrag von Erzähler » Dienstag 8. Juni 2010, 00:21

Es war ruhig in ihrer Gasse. Niemand sonst befand sich bei ihnen. Ob es an Setheks Schattenmagie gelegen hatte oder einfach an der Tatsache, dass sich die Piraten Rumdetts zu dieser Zeit nicht am nördlichen Eingang herum trieben? Dort gab es keine Tavernen und die Gasse führte nur hinaus ins Reich der Dunsthügel. Piraten mieden es, zu tief ins Land hinein zu ziehen. Ihre Heimat waren die See, Küsten und Strände und nicht zu vergessen jede dreckige Spelunke, aus der sie nicht heraus geworfen wurden. Hauptsache, der Rum begleitete sie stets.

So jedoch fand es Sethek zu Anfang schwer, passende Reittiere zu finden. Rumdett war nicht gerade bekannt dafür, öffentliche Märkte zu führen. Außerdem fand man in jedem der drei Piratenviertel einen eigenen Hehlerring, bei dem Huren, Vieh, Drogen und Schnaps verkauft wurden. Am schwierigsten war es wohl, dort das beste Angebot zu finden. So dauerte es seine Zeit, bis Sethek endlich an einen Pferdehändler geriet, der passable Tiere zu einem annehmbaren Preis hergab - nämlich nichts. Sethek schüchterte ihn gut genug ein, dass er rasch das Weite suchte. Er wolle mit anderen Piraten zurück kehren, so drohte er, aber seine übereilte Flucht strafte dieser Worte Lügen.
Sethek kehrte mit drei schönen Pferde zurück. Sie waren allesamt schwarz und kaum zu unterscheiden. Nur die Stute besaß einen weißen Fleck auf der Stirn. Die beiden Hengste glichen sich wie ein Ei dem anderen.

Sethek hatte seine Sache überraschend gut gemacht. Man wollte es dem Dämon schließlich nicht zutrauen, wo er doch so kaltherzig mit Rejan umgesprungen war. Alea kniete bei ihrem Geliebten, der wie schon zuvor keine Spur von Leben aufwies. Er rührte sich nicht, abgesehen vom stetigen jedoch flachen Atmen. Sie konnte allerdings erneut beobachten, dass die Schatten unter seiner Haut sich bei seinen Fingern sammelten, als die Diebin Rejans Hand ergriff. Sie zog die Schatten geradezu magisch an. Hatte es das Schicksal deshalb vorgesehen, dass sie auf den wohl größten Schatten getroffen war, der über Celcias Boden wandelte?
Selbst neben den schwarzen Pferden wirkte Sethek noch immer weitaus finsterer. Wenigstens konnten sie nun bequemer reisen. Rejan musste nur noch verladen werden und schon konnte die Reise Richtung Grandessa beginnen. Der König wartete darauf, den Dämon kennen zu lernen. Die Schriftrolle der Schattenmagie wartete darauf, in Aleas und Setheks Hände zu fallen - der einen zur Rettung, dem anderen zur Machtsteigerung.


Wir überspringen das Reich der Dunsthügel. Ihr dürft direkt im Königreich Jorsan und dort im Handelsdorf Ganda weiterspielen. Die Reise dorthin dauerte anderthalb Tage. Bitte benachrichtigt mich per PN, sobald ihr gepostet habt (damit ich euch nicht versehentlich übersehe ;) )
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