Das neue Heim

Die Gebäude hier zeigen deutlich den Stand eines Bürgers in Morgeria. Niedere leben in heruntergekommen Barracken, Krieger & Söldner in bunkerartigen Unterkünften oder Zelten. Mächtige Familien leben in finsteren Anwesen, die kleinen Schlössern gleichen.
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Maruka
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Maruka » Sonntag 18. August 2013, 11:51

„Du musst keine Angst haben!...Auch wenn du nicht bei mir bist, weiß ich das du stark sein wirst…davon gehe ich fest aus“
Valas Worte trugen Kraft für sie beide in sich.
Ich hoffe, ich enttäusche dich nicht.
Sie wurden je unterbrochen und Maruka folgte dem Hundeführer, der sie mit den Worten:
„Valas wird schon noch leben, wenn du zurückkommst“
sicher nicht beruhigen wollte. Seine Wut stand ihm immer noch ins Gesicht geschrieben, genauso wie die Strieme auf seiner Wange und Katze glaubte eher, dass er sie provozieren wollte. Ihre geflüsterte Antwort war fast mehr an sie selbst gerichtet als an ihn:
„Sicher wird er das.“
Es klang wie eine Feststellung. Valas bei Dry’ol, dem Foltermeister von Sademos zurückzulassen wog schwer in ihrem Herzen, aber genauso wohnte dort die Gewissheit, dass sie sich irgendwann wieder sehen würden. Der alte Dunkelelf, dem man das Leben geraubt hatte, war ihr schon zu sehr ans Herz gewachsen, als dass sie ihn einfach vergessen würde, sobald sie um eine Ecke war. Doch dann gingen sie auch schon die Flure entlang und Marukas Neugierde wurde übermächtig. Ganz wie der Spender ihrer Gene, ganz wie ein echter Serval, lebte sie fast augenblicklich nur noch im hier und jetzt. Ihre Neugierde und ein etwas mehr von Instinkten getriebenes Wesen in ihr, lenkte sie schnell ab und schnell und hart bekam sie zu spüren, wie die Regeln in ihrem neuen Leben lauteten. Vranyk, der Tierwärter von Sademos, hatte sie im Nacken bei den Haaren gepackt, als sie einmal zu vorwitzig einen Schritt vor ihn gemacht hatte, ohne dass er es erlaubt hatte. Sein Griff war hart, er riss ihr ein paar Haare aus und holte sie zurück auf den Boden der Tatsachen. Auch die Stelle ihrer körperlichen dominierung war perfeckt gewählt. Der Nackengriff ließ sie fast in eine Art Starre verfallen. Leise wimmernd gehorchte sie sofort und folgte ihm weiter in geduckter Haltung.
"Ich hoffe, du hast gut gegessen."
Seine Anspielung kam ihr wieder in den Sinn.
Was hatte er noch gesagt? “Sademos will dich nachher auf einer Feier präsentieren…Was für eine Feier? ... aber nicht wie du jetzt aussiehst. Du brauchst etwas, was dich etwas ansehnlicher macht ... Schon wieder neue Kleidung? ... Zumindest riechst du nicht mehr wie am ersten Tag ... Wiebitte???„
Maruka musterte Vranyk von hinten, als er sich wieder abwandte und zog die Oberlippe hoch und die kleine Nase kraus. Der „Duft“, der ihm anhing war sicher sogar für einen reinen Menschen gut wahrnehmbar und ihre feine Nase, konnte sogar ungefähr die Anzahl der Tiere analysieren, mit denen er in den letzten drei Stunden verkehrt hatte. Ihr kleine Grimasse verschwand aber sofort, als auch nur seine Schulter in ihre Richtung zuckte. Mit dem Alpha-Rüden wollte sie sich gewiss nicht anlegen und noch weniger ihn verärgern, deshalb wartete sie auf einen günstigen Moment, in dem sie alleine auf einem der weitläufigen Gänge waren und flüsterte:
„Tut mir leid.“
Es tat ihr wirklich leid, auch wenn dieser Mann eigentlich ihr Feind sein sollte. Sicher wusste er, was sie meinte. Schweigend ging sie weiter hinter ihm her und schaute nur noch nach links und rechts um sich den Weg einzuprägen. Wieder kamen sie um eine Ecke, sahen hohe Treppen, die sich in einem weiteren Stockwerk zu erstrecken schien. Manchmal huschten Sklaven und Diener an ihnen vorbei. Sichtbar trugen sie die Armschienen an ihrem Körper, die auch Cassiel getragen hatte. Nur hatten sie eine andere Farbe, was Maruka noch nicht recht einordnen konnte. Anscheinend gab es da Unterschiede und sie begann sich zu fragen, welche Farbe sie einmal tragen würde.
Hoffentlich keine.
Doch Gedanken an Freiheit, an ein Leben ohne Fesseln und Zwänge waren noch so fern, dass sie sie einfach noch nicht ertrug. Doch ein neuerlicher Geruch von Feuer und seltsamen in der Nase brennenden Gerüchen, kam ihr mehr und mehr entgegen. Der Gang war schmaler geworden und sie standen jetzt vor einer hölzernen Tür, die Vranyk ohne Klopfen öffnete. Ein großes, geräumiges Laboratorium erstreckte sich dahinter, mit seltsamen kleinen Geschöpfen darin. Maruka hatte noch nie in ihrem Leben etwas anderes als Mantroner gesehen und um so seltsamer war da wohl der Eindruck den diese kleinen Gestalten auf sie machten. Ein kleiner Gnom blickte erschrocken auf und Vranyk trat ihn mit einem Tritt aus seinem Weg.
„Sie sind nicht mal das Essen wert, was wir ihnen schenken“
Erklärte er ihr. Der getretene Gnom keuchte auf, versuchte vergebens das Gefäß in seinen Händen noch zu halten, doch dieses zerplatze und eine beißende Flüssigkeit austrat. Maruka zuckte allein vor dem beißenden Geruch ein ganzes Stück zurück und wäre fast dabei gegen eines der Regale gestoßen, wenn sie es nicht noch im letzten Moment gesehen hätte. Ihre schnellen Reflexe halfen ihr wenigstens, das Schlimmste zu verhindern. Der Schrei des Gnoms, als das scheinbar heiße Zeug auf seine Hand spritzte und dort gleich unschöne Blasen aufwarf, war herzzerreißend. Zwei andere kleine Gestalten eilten zur Hilfe, während Katze nur ängstlich angeschaut wurde. Was für ein seltsames Bild musste sie in diesem Moment abgegeben haben. Sie hielt sich beide Hände vor Nase und Mund und ihre Augen waren vor Schreck weit aufgerissen.
Vranyk trat einfach über dieses Gewürm hinweg, zischte Maruka zu, sie solle folgen. Sehr vorsichtig, suchte sie sich einen Weg, der an den kleinen Kerlen vorbei führte. Der verletzte kleine Mann tat ihr schrecklich leid und vielleicht sah man das ihr sogar ein bisschen in den geweiteten Augen an, doch sie konnte ihm nicht helfen und befürchtet, wenn sie es auch nur versuchen sollte, würde sie alles nur noch schlimmer machen.
Sie konnte noch andere Dunkelelfen sehen, doch senkten diese ehrfürchtig den Blick, als der Hundeführer an ihnen vorbei, zu einem Schrank ging, diesen öffnete und unter den vielen Fläschchen etwas suchte. Vranyk murmelte leise vor sich hin:
Wo ist es denn?...Schneller Tod, nein! Faldors Schrei..nein!....Ach, Stärkung!“
Marukas Kenntnisse in der dunklen Sprache waren noch nicht voll ausgereift, doch vereinzelte Worte glaubte sie schon zu erkennen. Er griff das Fläschchen und hielt es Maruka entgegen.
„Nimm schon! Trink es!“
befahl er barsch und schloss auch schon die Tür des Schrankes. Machte kehrt und zog sie wieder mit sich.
„Das ist ein Stärkungsmittel! … Glaubst du, ich würde mir die Mühe machen, wenn du sterben solltest. Nein! Es wird dir zu Kräften helfen und dich körperlich aufbauen … Du bist in einen üblen körperlich Zustand.“
, erklärte er und strich ihr dann tatsächlich über die Ohren. Maruka erstarrte und hielt die Luft an. Die Art dieser Berührung, der Ort an dem sie sich befanden, die Wesen um sie herum, das alles fühlte sich falsch an. Und dann war da noch dieses seltsame Funkeln in seinen Blick und im nächsten Moment hatte er eine Klinge … und *ratsch* … hatte er ihr nur eine Haarsträhne gestohlen. Diese reichte er einem der Dunkelelfen im Labor und steckte seinen Dolch weg. Eine Münze wanderte kurz zu den Elfen rüber.
„Ich will es analysiert habenob es eine Möglichkeit gibt für die Verwandlung ... Mach dich davon!“
Flüsterte er leise und zog dann Maruka wieder mit sich. Der angesprochene Dunkelelf machte sich sofort an die Arbeit. Katze starrte kurz dem anderen Dunkelelfen hinterher. Sie versuchte sie seine Gesichtszüge genaustens einzuprägen. Es war um ihre Verwandlung gegangen!!!
Ich darf mir nichts anmerken lassen! Sonst nimmt er mich nie wieder mit!
Brav folgte sie wieder Vranyk, doch ihre Gedanken kreisten, so dass sie das kleine Fläschchen in ihren Händen geistesabwesend hinunter stürzte.
Sie haben von Verwandlung gesprochen! Da bin ich mir ganz sicher! Ob … ?
Sie fühlte sich komisch. Vielleicht setzte schon die Wirkung des Tranks ein.
Ob ich hier, an diesem schrecklichen Ort einen Weg finden könnte wieder normal zu werden? Ob das dunkel Volk auch einen Weg kennt, mich wieder zu einem Menschen zu machen?
Sie hatte unbewusst das Wörtchen „auch“ in Gedanken verwendet, denn aus einem vollkommen irrationalen Grund glaubte sie ihrem Schicksal, dass er oder es sie wieder zurück verwandeln könnte. All ihr Streben geriet kurz ins Wanken.
Wenn es eine Möglichkeit gibt, eine Chance, einen gnädigen Umstand oder einen Gott der mich … ? Wenn … dann muss ich vielleicht doch nicht meinem Schicksal folgen …
Sie hatte es nicht mal wirklich bewusst begriffen, aber seltsamer Weise schämte sie sich sofort für diesen Gedanken, als würde sie ihr Schicksal damit verraten und verleumden. Aber hatte nicht sogar Valas ihr versucht zu sagen, dass sie sich ihr Schicksals selbst erwählen müsse? War das Hoffnung was Vranyk ihr da ungewollt gegeben hatte??? Hatte sie eine Wahl??? Unwillkürlich legte sich ihre rechte Hand auf die Stelle links unter ihrem Herzen, dort wo sich die schwarze Feder unter ihrem Harnisch befand. Maruka fühlte wie wild ihr Herz schlug und zwang sich zur Ruhe. Als Jägerin und ausgebildeter Fährtenleser wusste sie, wie sie ihr Äußeres zur Stille zwingen konnte um sich ihrer Beute nicht zu früh zu verraten. Sie atmete betont langsam. Ihre Hand ruhte auf ihrem Magen und das warme Gefühl darin, rührte sicher nicht nur von den verwirrenden Gedanken, sondern auch von der alchimistischen Flüssigkeit.
Warum hat Vranyk meine Haarsträhne diesem Mann gegeben? War verspricht er sich davon? Oder ist es Sademos Befehl gewesen? Ich muss ihn irgendwie dazu kriegen, darüber zu reden, ohne den Verdacht zu erregen, dass ich mitbekommen habe, was er gesagt hat.
Sie wusste nicht wohin er mit ihr ging, also folgte sie ihm wieder brav und als sie wieder durch einen leeren Gang liefen fragte sie:
„Darf ich dich … euch etwas fragen?“
Sie hatte ihn schon die ganze Zeit ein eher persönlich behaftetes Verhältnis zu dem Hundeführer gehabt. Sie hatte ihm in einer Anwandlung der Schwäche auch ihr Leid gestanden, wie verletzbar sie sich fühlte, seit dem sie das Tier ins sich trug. Dann war der unsägliche Unfall passiert, aber Katze wollte sich dadurch nicht entmutigen lassen, selbst wenn er sie nun hasste. Sie konnte sich unterordnen. Er war der Alpha! Vielleicht waren Dunkelelfen auch einfach nicht zu anderen Empfindungen als Hass fähig? Es würde ein Leben dauern dies zu ergründen, aber diese Zeit hatte sie nicht und aus irgend einem Grund fühlte sie sich von Minute zu Minute stärker. Ihr Blut floss prickelnd durch ihre Adern und noch nie, seit ihrer Verwandlung, hatte sie sich so gut gefühlt. Geistesabwesend betrachtete sie ihre Krallen beim Gehen und ließ sie willentlich ein- und ausfahren. Vranyk hatte nicht geantwortet und weiter nach vorne gestarrt, während er sie an scheinbar unsichtbaren Leine durch das Anwesen führte, also stellte Katze ihre Frage, ob nun zuhörte oder nicht:
„Was waren das für komische kleine Menschen? Was war das für ein Raum. Es hat bestialisch gestunken, mehr als … Was machen die kleinen Männer da? Sie sind auch Diener des Herrn, oder?“
Unverfänglich, ja so könnte es vielleicht gehen. Mal sehen ob er zum reden bereit ist?
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 19. September 2013, 08:21

Erkennst du es nicht, meine Schöne? Siehst du nicht, dass du nur ein kleiner Teil in einem riesigen Puzzle bist. Ein Spielball, der so lange hin und her geworfen wird, bis jemand das Spiel beendet. Ich werde es sein…ich werde dein Schicksal entscheiden und du wirst mir dienen, bis ich es satt habe… doch tröste dich, wir alle sind nur Spielbälle…Sind Ameisen, die ihre Chancen ergreifen wollen, dass sie der Stiefel werden… doch es gibt Figuren, die werden nie mehr als Figuren sein…nie der Spieler, der die Zügel in den Händen hält…egal was man versucht…egal ob selbst das eigene Blut einen verraten will… am Ende, gehörst du mir! Ich bin dein Schicksal!...alles andere ist nur die Vorbereitung auf mich“
Diese Worte würde jetzt, in diesen Minuten jemand sagen. Jemand, der sich über das Leben der kleinen Katzenhybridin informierte. Sich über ihr stellte. Jetzt konnte er sie wieder sehen und bei jedem Windzug, der ihr entgegen wehte, das Heulen des Windes in den anderen Etagen säuselte ihr die Worte entgegen.
Und war es nicht schlussendlich wirklich so?
Sie merkte es ja selber! Sie war ein kleiner Spielball oder eher das Spielzeug ihres neuen Herrn. Woher sollte sie denn wissen, dass Vranyk nicht ihr komplettes Wohl im Kopfe hatte? Vielleicht gab es wirklich eine Lösung und er würde ihr helfen, aber vielleicht war er nur zu sehr von der Verbindung Tier und Mensch fasziniert. Vranyk war ein Dunkelelf, wie er im Buche stand- immer auf seinen Vorteil bedacht und doch gab es etwas, was er so anziehend empfand, dass er sich manchmal in den Gedanken floh. Floh, wenn er sein Leben satt war und seine Tiere beobachtete. Wie leicht und unbeschwert, wie kraftvoll und tödlich sie sein konnte.
Und da kam ihn die kleine Maruka gerade recht. Sademos war mit sich beschäftigt und Vranyk jagte seinen Leben nach.
Ihn kümmerte nicht das Gewürm im Laboratorium. Es zählte nur, dass sie das Geheimnis entschlüsselten, welches Katze umgab.
Bis jetzt hatte er nicht auf ihre Versuche reagiert, dass sie ein Gespräch beginnen wollte. Nicht das er sie nicht wahrgenommen hatte, aber ihm war nicht danach. Dieser seltsame Trank hingegen stärkte Katze, ließ ihr Fell glänzen und nährte sie auf eine Weise, die nur vernünftige Nahrung nach Tagen und Wochen schaffte. Ihre Kleidung begann zu spannen, dort wo sie die Schnürung zu eng am Körper hatte. Dann wandte er sich abrupt um, sah die Hybridin an. Ein Funkeln war zu sehen, doch dann schwand es wieder. Ihre Entschuldigung war doch nicht ganz an ihm vorbei gegangen, wenn es jetzt auch etwas an Zeit verstrichen war.
„Es waren Gnome, sie sind nicht viel wert. Mindere Kreaturen, die weder den Sinn in ihrer Existenz sah, noch unsere Barmherzigkeit danken. Sie arbeiten dort und ja, sie arbeiten für Sademos, wie jeder hier.“ Er legte den Kopf leicht schräg musterte sie und schüttelte dann leicht amüsiert den Kopf.
„Du weißt nicht, was das für ein Raum war? Du kennst kein Labor?...scheinbar…nun, dort werden Sachen untersuchte, Tränke gebraucht und Heilmittel sowie auch Gifte erfunden und erforscht. Es dienst der Erforschung und der Experimentieren….Dein Freund Valas kennt diese Orte nur zu gut, immer war er selber ein Experiment“ Er lächelte. Kalt und unbekümmert.
„doch nun …warte.“ Er schritt um Katze rum, begann nun ihre Kleidung zu lockern und sie neu zu binden. Es war fachmännisch ohne auch nur die Spur, dass er ihr körperlich zu nah kommen wollte. Zufrieden betrachtete er sein Wert und ließ sie dann wieder folgen.
Wieder liefen sie durch den Gang und dann standen sie vor einer deckenhohen Tür, welche die grausamsten Todesdarstellungen präsentierte, die man sich vorstellen konnte. Tiefer Gesang drang von innen, melodisch und doch grausam kalt. Unheimlich und sinnlich.
„Der Gebetsraum, nur betreten, wenn es dir erlaubt ist, hörst du?...sonst landest du schneller auf dem Opferaltar, als dir liebt ist. Dort findet gerade eine Anpreisung statt…sie endet gleich“
Und tatsächlich dauerte es nicht mehr lange bis sich die Türen öffnete. Schwerer Geruch von Rauchwerk kam einem entgegen und zwei erhabene Frauen, in einem Hauch von violetten Seide schritten hervor, bevor ein Mann in einer leichten fallenden Hose und einem langen tiefblauen Mantel, der nur durch einen Knopf in der Mitte der Brust gehalten wurde. Die Haare wehten seidig, waren jedoch seitlich zu kunstvollen geflochtenen Zöpfen an den Schädel verwoben. Der Mantel wirkte durch das schwere Material steif und Maruka konnte sehen, dass es sich um winzige Schuppen handelte, die wohl von einer Schlange kamen.
Der Mann war jedoch unverkennbar und auch sein Lächeln, als er seinen Freund und seine Katze sah.
Es war Sademos!
Die Frauen, die sich bei ihm einharkten lächelten Sademos an, warfen nur einen verabscheuungswürdigen Blick auf die Hybridn. Dieser hatte jedoch sich von den Frauen gelöst, umarmte seinen Freund freudig und trat dann auf Katze zu. Seine Hand griff unter ihr Kinn, während seine Augen sie genaustens betrachteten.
„Hmm, Du siehst gut aus.“ Mit einer Bewegung der Hand entließ der Elf die anderen beiden Frauen. Deutlich sah man ihre Empörung und Katze konnte den Geruch von Sex an dem Dunkelelfen riechen. Dieser lächelte sie nur an.
„Und, hast du dich inzwischen eingelebt?“ wie widersprüchlich doch jetzt die sanfte Art war, wenn der Hohn doch deutlich war.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Maruka » Donnerstag 19. September 2013, 21:37

Katze folgte Vranyk durch die Gänge, während ein Luftzug die dämonischen Worte ihres Schicksals in ihren Geist wehten:
„Erkennst du es nicht, meine Schöne? Siehst du nicht, dass du nur ein kleiner Teil in einem riesigen Puzzle bist. Ein Spielball, der so lange hin und her geworfen wird, bis jemand das Spiel beendet. Ich werde es sein…ich werde dein Schicksal entscheiden und du wirst mir dienen, bis ich es satt habe… doch tröste dich, wir alle sind nur Spielbälle…Sind Ameisen, die ihre Chancen ergreifen wollen, dass sie der Stiefel werden…“
Hast du das selbst erlebt?
„ … doch es gibt Figuren, die werden nie mehr als Figuren sein…nie der Spieler, der die Zügel in den Händen hält…egal was man versucht…egal ob selbst das eigene Blut einen verraten will… am Ende, gehörst du mir! Ich bin dein Schicksal!...alles andere ist nur die Vorbereitung auf mich“
Auch wenn die Worte düster waren und sich ihr Fell im Nacken sträubte, so war Maruka doch auch ein empfindsamer Mensch. In ihren Gedanken verstand sie den Inhalt, auch wenn die Worte fremd und unnatürlich klangen. Ein Mensch der zwischen die Schatten der Zeilen schaute und ein vor Leben und Liebe pulsierendes Herz besaß. Sie fröstelte bei seinen Worten doch gleichzeitig beschäftigte sich ihr Geist mit den Worten. Einerseits präsentierten sie sich grausam und endgültig, doch andererseits auch erfahren, wissend und mitfühlend. Ein Funke glomm in ihrem Herzen, ein Funke von Mitleid der nur durch ein Leben in Liebe und Vertrauen hatte entstehen können. Die Stimme die zu ihr sprach, hatte von Willkür, Puzzeln und Bällen gesprochen. Sie kannte das Gefühl der Ohnmacht, sie lernte es gerade kennen und vielleicht hatte ihr Schicksal es sogar in der Hand dieses Spiel zu beenden, wie er es versprach. Die bildhaften Worte schmeichelten ihrem Geist, erklärten einfach und höchst menschlich ihre Situation und Maruka fühlte sich wirklich wie eine Ameise unter dem Stiefel ihres Herrn. Sademos brauchte nur die Lust zu verspüren zu zutreten und ihr Leben wäre beendet. Doch noch weckte irgend etwas an ihr sein Interesse. Sie war seine Sklavin. Einzig das mit dem Blut und dem Verrat verstand sie nicht. Als Mantronerin war das Wort *Verrat* ihr fremd und es ergab keinen Sinn. Waren hier Familienbande gemeint? Eltern und Kinder waren doch verbunden in Liebe und Fürsorge! Niemals würde sie auf den Gedanken kommen, das ein Kind sich gegen seine Eltern stellen würde. Das Blut könnte sich auch auf ihre eigene Verunreinigung beziehen, auf die Katze in ihr, die Hybridin. Aber die Stimme im Wind hatte Recht. Es war immer so. Jeder, ob hoch wohl geboren oder der Dreck im Rinnstein, jeder bekam nur das, was ihm das Leben zuteilte und musste mit seinem eigenen Willen daraus sein Schicksal formen, egal wohin er führte.

Langsam, in Gedanken versunken, setzte sie einen Fuß vor den anderen, während ihr Körper sich durch die Macht des Trankes veränderte. Was sonst Wochen, oder sogar Monate gebraucht hätte um zu heilen, wurde auf diesem kurzen Weg beseitigt. Dort wo Knochenspitzen unter dem kurzen, glatten Fell hervorstachen und kleine, abstehende Wirbel bildeten, straffte sich das umgebene Gewebe. Dort wo eingefallene Muskeln hässliche Kuhlen bildeten, glätteten sich ihr Leib zu eleganten Formen. Bald spürte es Maruka, wie die Kleidung an manchen Stellen wieder zu spannen begann. Ihr einstiges Selbstbild, das einer stolzen Mantronerin, voller südländischer Weiblichkeit, Agilität und Lebenslust begann sich mit den schlanken, eleganten und grazilen Formen der Raubkatze zu mischen. Sinnliche Rundungen wölbten sich gegen den harten Brustharnisch, raubten ihr Stück für Stück den Atmen und ließen die Verschnürungen an den Seiten leise knirschen. Bei jedem Atemzug hob sich ihr Brustkorb und presste sich gegen das feste Leder. Das Fleisch ihrer Beine straffte sich und formte die langen, glatten Silhouetten aus, die sich unter der weiten Haremshose klar abzeichneten. Ihr Körper hatte seit ihrer Verwandlung nie die Möglichkeit erhalten sein volles Potenzial zu entfalten, doch was über die Zeit ihrer Gefangenschaft auf See ihr an Nahrung und Fürsorge gefehlt hatte, machte nun ein einziger Trank binnen Minuten wieder gut. Maruka lockerte die Peitsche um ihre Hüfte, da drehte sich Vranyk zu ihr um und kurz sah sie ein Funkeln in seinen Augen, welches sie nicht zu deuten wusste. Etwas in diesem Blick ließ sie den Rücken strecken und die Muskeln spannen. Sie stand aufrecht vor ihm und obwohl er größer war, fühlte sie sich für einen Bruchteil so unglaublich gut, dass sie sich durchaus zugetraut hätte in zu überwältigen … doch was dann? Ihn töten? Warum? Davonlaufen? Wohin? Ein anderer Gedanke stahl sich für den Bruchteil einer Sekunde in ihr Katzenhirn:
Würde ein ehrlicher Kampf mit dir Spaß machen, Vranyk? Würde dein Blut ebenso kochen wie meines? Hättest du die Disziplin, die Selbstbeherrschung mich nicht zu töten? Bist nicht auch du ein Ball den die Götter lenken? Hättest du die Ausdauer für dieses Spiel? … Was mach ich hier?!?
Das Glitzern in seinen Augen spiegelte sich in ihren von Gold umrahmten Pupillen und erlosch dann wieder, als sie wohl weißlich den Blick demütig senkte. Es war nicht die Zeit und nicht der Ort um zu spielen!
Er antwortet auf ihr Nachfragen nach den Gnomen recht einsilbig und ihn kümmerte nicht das Gewürm im Laboratorium. Es zählte nur, dass sie das Geheimnis entschlüsselten, welches Katze umgab. Was für ihn nur eine Randbemerkung war, ließ in ihr die Hoffnung auf Erlösung wachsen. Denn noch hoffte Maruka wieder ganz Mensch zu werden. Das Tier in ihr war gerade erst geweckt worden.
„Es waren Gnome, sie sind nicht viel wert. Mindere Kreaturen, die weder den Sinn in ihrer Existenz sehen, noch unsere Barmherzigkeit danken. Sie arbeiten dort und ja, sie arbeiten für Sademos, wie jeder hier.“
Er legte den Kopf leicht schräg musterte sie und schüttelte dann leicht amüsiert den Kopf. Hatte er ihre aufmüpfigen Gedanken erraten? Hatte der Tank ihr so viel Mut eingelöst, dass er sie nun in Schwierigkeiten brachte? Vranyk redete unbeirrt weiter und Maruka entspannte sich wieder etwas.
„Du weißt nicht, was das für ein Raum war? Du kennst kein Labor?...scheinbar…nun, dort werden Sachen untersuchte, Tränke gebraucht und Heilmittel sowie auch Gifte erfunden und erforscht. Es dienst der Erforschung und der Experimentieren….Dein Freund Valas kennt diese Orte nur zu gut, immer war er selber ein Experiment“
Er lächelte. Kalt und unbekümmert.
Er ist doch einer der Euren. Wie könnt ihr so grausam zu einander sein? … Und wie schafft ihr es, unter diesen Umständen, euch nicht selbst auszurotten?
„Doch nun …warte.“
Er schritt um Katze herum, begann nun ihre Kleidung zu lockern und sie neu zu binden. Sie zuckte an manchen Stellen überempfindlich berührt zusammen, da der Zauber des Trankes noch wirkte und ein Kribbeln auf der Haut hinterließ. Seine Berührungen waren fachmännisch ohne auch nur die Spur, dass er ihr körperlich zu nah kommen wollte. Sie beeilte sich ihn zufrieden zu stellen und ihm zur Hand zu gehen. Wenn er auf der einen Seite die Verschnürungen neu flocht, so nahm sie sich schon die andere Seite vor. Nicht ganz ohne Hintergedanken natürlich, denn sie wollte nicht, dass er die Feder entdeckte, die sie unter ihrem Herzen verbarg.
Zufrieden betrachtete er am Ende sein Werk und ließ sie dann wieder folgen. Katze konnte nun wieder frei atmen. Sie stoppten vor einer Tür, die alle nur erdenklichen und unerdenklichen Scheußlichkeiten zeigte.
„Der Gebetsraum, nur betreten, wenn es dir erlaubt ist, hörst du?...sonst landest du schneller auf dem Opferaltar, als dir liebt ist. Dort findet gerade eine Anpreisung statt…sie endet gleich“
Maruka lauschte der Musik und den fremden, mystischen Klängen. Verstand sie einzelne Worte der Anrufung die sich hinter diesen Toren verbarg?
Nur wenig später trat Sademos in Begleitung zweier weiblichen Dunkelelfinnen heraus. Maruka hatte nur Augen für ihren Herrn. Sobald sie ihn sah, neigte sie das Haupt, ging sie auf die Knie, ganz so wie der Kapitän es sie gelehrt hatte. Allein sein Anblick löste diesen Reflex in ihren Beinen aus. Der Geruch von Räucherwerk und Körperflüssigkeiten streifte ihre feine Nase und verriet ihr, was neben den „Gebeten“ noch dort drinnen getrieben worden war. Die spärlich behaarte Innenseite ihrer Ohren wechselte in schneller Folge von Rot zu Weiß, da ihr erst der Gedanke Scham und dann Angst bereitete. Nein, diesen Raum würde sie höchst ungern betreten!
Die Frauen, die sich bei ihm einharkten lächelten Sademos an, warfen nur einen verabscheuungswürdigen Blick auf die Hybridin, die ihnen keine Beachtung schenkte. Sademos hatte jedoch sich von den Frauen gelöst, umarmte seinen Freund Vranyk freudig und trat dann auf Katze zu. Seine Hand griff unter ihr Kinn und sie erhob sich brav der Bewegung folgend, während seine Augen sie genaustens betrachteten.
„Hmm, Du siehst gut aus.“
Mit einer Bewegung der Hand entließ der Elf die anderen beiden Frauen, sie sich mürrisch entfernten. Deutlich sah man ihre Empörung und Katze konnte den Geruch von den beiden Weibchen an dem Dunkelelfen riechen. Dieser lächelte sie nur an.
„Und, hast du dich inzwischen eingelebt?“
Wie widersprüchlich doch jetzt die sanfte Art war, wenn der Hohn doch deutlich war.
Katze blinzelte. Was sollte sie auf diese Frage antworten? Etwas zögerlich antwortete sie, so wie sie glaubte zu müssen:
„Danke, Herr. Es verläuft alles nach euren Wünschen, Herr.“
Furcht und Neugierde teilten sich den Platz in ihrem Herzen, auf das was nun geschehen würde. Viel Raum für eigene Aktionen gab es in diesem Moment nicht. Allein das unumstößliche Gefühl, dass dieser ganze Albtraum hier irgendwann ein schicksalhaftes Ende nehmen würde, ließ sie ruhig und seltsam selbstbeherrscht erscheinen. Katze glaubte an das Schicksal, wie einst zu den Göttern, die sie verlassen hatten und betete still zu ihm:
Lass ihn nicht Macht über mich gewinnen! Lass nicht zu, dass ich mich in seinen Irrwegen verliere. Gib mir die Kraft ihm zu widerstehen.
Ob sie nun zu einem Wesen, einem Gott oder nur dem Gedanken an sich betete, war ihr nicht wichtig. Wer ihrem flehen lauschte, wer es erhören würde, oder ob sie die Kraft in sich selbst finden würde, stand in den Sternen. Einzig das Resultat am Ende würde zeigen, ob der eingeschlagene Weg zum Ziel geführt hatte.
Egal wie das Ziel aussah.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Sonntag 27. Oktober 2013, 14:42

Wie sollte es enden, wenn Katze immer nur der Spielball sein würde? Aus Vranyk wurde sie ebenso nicht schlau wie aus dem Volk der Dunkelelfen oder ihrem Schicksal. So, war es aber. Die verächtlichen Worte die über Valas gesprochen wurden, zeigten umso deutlicher, dass man sich nicht mal um das eigene Volk kümmerte. Jeder für sich! Nur das gemeinsame Ziel schien dieses Volk zu einen, obwohl es auch Freundschaften gab- wenn sie auch nur halb so herzlich wie im Volk der Mantroner waren.
Sie würde sich dem anpassen müssen. Überleben müssen und durfte nicht der Versuchung erlegen… die auch von ihrem Herrn ausging.
Obwohl sie genau vor der Türe stand, so konnte Maruka nicht einen Satz verstehen. Sie konnte Worte wie Faldor, Tod und Ehre raushören…aber nichts Genaues. Sie hörte nach einer Weile, eine Anpreisung an einen Meresin und glaubte Gestöhne und Schreie wahrzunehmen, wie man sie sonst nur beim Lustspiel hörte. Jedoch lauter und fast brutaler.
Nein, dies war wirklich kein Ort, wo jemand wie Katze hingehörte oder hinwollte. Als sich dann die die Türe öffnete, nahm sie schnell die Gerüche war, die aus dem Inneren kamen und auch die enorme Präsenz von Sademos, als er sie musterte. Die anderen Frauen waren gegangen, der Blick den Katze erhielt war mörderisch.
„Sademos, du wirst auf sie achten müssen. Der Neid ist unverkennbar in ihren Augen meinte der Hundezüchter, nachdem er sich von seinen Freund gelöst hatte.
Sademos, der nur einen flüchtigen Blick zu den gehenden Frauen geworfen hatte, lächelte kalt. Trat mit geschmeidigem Schritt um Katze rum und ließ seinen Blick über die schöne Gestalt von der Katzenhybridin gleiten. Er hatte sie am Kinn gepackt gehabt und bevor er losgelassen hatte, waren seine schlanken Finger an ihrer Wange entlang gestrichen. Fast schon zärtlich über ihr Fell und dass durch ihr langes Haar.
Natürlich, sind sie eifersüchtig! Sie sehen Konkurrenz und befürchten, ich könnte jemand die Gunst erteilen, die Wonne mich zwischen den Beinen zu haben. Sie waren gut…aber auch zickig, wie eh und jäh“ Er grinste zu seinen Freund, der nur den Kopf lautlos schüttelte.
„Der Trank hat wirklich Wunder bewirkt…erstaunlichund ist sie nicht brav, wie sie sich mir gleich unterwirft…
"Der Trank hat nur ihr natürliches Potenzial hervorgeholt…sie war im jämmerlichen Zustand. Wäre sie so draußen bei der Jagd gewesen, hätten wir sie nie erwischt“ Sademos nickte.
Der Satz von Maruka ließ ihn wieder kühler werden. Der Elf war wirklich eine grausame Schönheit und gerade das er sich gepaart hatte, ließ auch bei Katze etwas wie Begierde wecken. Ihre Triebe reagierten auf so vieles.
„nein, nach meinen Wünschen läuft es noch nicht! Aber du willst, das ich zufrieden bin, nicht wahr Katze?“ er blickte auf sie herab, warf kurz einen Blick hinter sich, wo der Beschwörungsraum war. Vranyk war gerade in Inbegriff die Türe zu schließen. Nachdenklich tippte er sich mit einem Finger an sein Kinn, blickte wieder zu Katze und dann in den Saal. Dann lachte er auf, die Tür schloss sich.
„weißt du, mein Kätzchen… ich werde dich irgendwann dort reinholen…. Bist du noch unberührt?“ Sein scharfer Blick lag auf Katze, musterte ihre Reaktion. Ein kaltes Lächeln, war auch eine Ausstrahlung hatte, war immer in seinen Augen.
„ nun gut, wenn du meinen Wünschen vollkommen entsprichst, doch jetzt will dir noch die Möglichkeit geben mir wirklich gefallen zu dürfen. Ausziehen!“ das Wort kam so plötzlich und mit so einer Heftigkeit, dass es durch den Gang hallte. Vranyk blickte zu seinen Freund, sagte jedoch nicht ein Wort. Seine eine Hand ballte sich kurz zur Faust.
Als Sademos das Zögern merkte, hatte er Katze schon am Genick gepackt.
„Hör mir gut zu! Wenn ich dir einen Befehl gebe, wirst du ihn ausführen…Verstanden..“ er rüttelte sie ein wenig.
„Wenn ich sage, springe…wirst du springen…wenn ich will das du jemanden auspeitscht, wirst du es ohne Zögern tun…zögerst du, werde ich dir dein schönes Fell über die Ohren ziehen und dir dann einen heiltrankgeben, der dich wieder generiert. Ich werde dir die Krallen ziehen und noch schlimmeres. Du gehörst jetzt mir, also wenn ich was sage, wirst du es tun! VERSTANDEN! Und wenn ich möchte, dass du mir als Gespielin dienlich sein sollst, hast du weder das recht noch willige ich dir ein nein.“ Damit ließ er sie los, dass er ihren Kampfgeist entfacht hatte, ließ ihn kalt. Vranyk hatte alles aufmerksam beobachtet und wäre im Falle eines Angriffs für seinen Freund eingesprungen.
„Ich sehe den Trotz von Valas in deinen Augen… lege diesen besser schnell ab“ jetzt war die Stimme ihres Herrn wieder sanft, fast schon versöhnlich. Sie schritten wieder durch die Gänge.
Diener verneigten sich wenn Sademos in sich kam, Soldaten standen noch eine Spur strammer. Jeder wich dem Trio aus, wenn sie auch bei den Sklaven fragende und auch ängstliche Blicke sehen konnte. Besonders wenn sie die Peitsche von Maruka sahen. Ein neuer Foltermeister war im Hause, zumindest wurde es unter vorgehaltener Hand geflüstert. Eine Servalhybridin, die wenig zutraulich in der dunklen Kleidung aussah. Dafür musste nichts laut gesagt werden. Die Blicke sprachen für sich.
„Los, folge mir….“ Er wartete nicht ab, sondern erwartete dass sie folgte.
„Eigentlich wollte ich dich jemanden vorstellen, doch das hat noch Zeit…Höre, ich erwarte, dass du schnell alles wichtige hier erlernst. Unsere Etikette und Sprache, den Umgang mit der Peitsche…wie man jemanden bricht…“
„Sie sollte auch grundlegende Sachen erlernen. Sie wusste nicht mal was ein Labor ist. Ihr Volk scheint recht dumm zu sein…eben wie die meisten Menschen.“ Meinte Vranyk, während er sich neben seinen Freund gesellte. Sie hatte hinten zu laufen, nahe an der Seite des Hundezüchters.
„Gut, dann wirst du noch die Schulbank drücken müssen…hmm, ach wieso nicht, dass kann dir dann Valas beibringen. …“ er drehte sich blitzschnell zu Katze um.
„Dry‘ol wird der den PeitschenUmgang dir beibringen wird… du wirst an Valas trainieren und ich werde mir deine Resultat ansehen. …keine Sorge, du wirst nicht ewig hier bleiben, wir bereiten dich nur vor….für alle Lebenslagen..“ So würde es also aussehen. Maruka würde in diesem grausamen Haus unterrichtet und gelehrt werden. Die Ausbildung würde von Valas, Dry‘ol und Vranyk kommen…Sademos, würde sie beobachten und sie prüfen. Erst wenn er sie für bereithielt, würde er sie anderen Leuten vorstellen. Ihr neues Leben würde hier beginnen.
Dry‘ol würde das Training übernehmen, ob mit den Waffen oder körperlich.
Valas sollte die Grundbildung liefern, also was er schon in geheimen getan hatte.
Vranyk sorgte dafür, dass sie alles im Haus kennen würde, was wichtig war…wer unter und über ihr stand.
„Noch Fragen? Jetzt darfst du gerne welche stellen…“ diesmal sagte es Vranyk, der wieder ihr Fell beruhigend streichelte. Bei ihm war es immer anders als bei Sademos…er sah die Katze, weniger die Frau.
„Wenn nicht, dann bringe sie zu Dry‘ol…ich denke er ist bei Valas…ich werde mich fürs Bad zurückziehen, Gäste kommen gleich. Ach ja, und sorge bitte dafür, dass Valas nicht so laut schreit, das stört…“ damit lächelte der kalte Herr seine Katze und seinen Freund an, strich ihr noch mal über den Hals und die Wange und nahm eine Treppe zu seinen Privat-Gemächern.
Vranyk selber machte sich mit Katze auf den Weg zu ihrem Zimmer bzw das von Valas. Nachdem er abgebogen war und keiner da war, legte er eine Hand auf die Schulter von der Frau.
„du kannst es schaffen! Er wird es erwarten und ich meine nicht deinen neuen Herrn“ Sprach er und entließ sie in das Zimmer.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Maruka » Dienstag 29. Oktober 2013, 16:42

Jeder für sich! Kann ich das?
Sie würde sich all dem anpassen müssen.
Obwohl sie genau vor der Tür stand, so konnte Maruka nicht einen Satz verstehen. Nur einzelne Worte wie Faldor, Tod und Ehre drangen durch das dicke Holz, aber nichts genaueres. Nach einer Weile, drang wiederholt ein Wort, gleich einer Anrufung eines höheren Wesens, an ihre feinen Ohren: Meresin
und auch die Schreie stiegen ihrem Höhepunkt entgegen.
Als sich dann die die Türe öffnete und die anderen Frauen gegangen waren, natürlich nicht ohne ihr einen tödlichen Blick zuzuwerfen, wisperte Vranyk Sademos zu:
„Sademos, ...“
Diesen Namen würde sie in jeder Sprache verstehen. Die Ohren der Katze zuckten leicht, was man aber auch als Nervosität deuten könnte.
„… ist unverkennbar in ihren Augen.“
Er lächelte kalt, umkreiste Katze und ließ seinen Blick über die schöne Gestalt gleiten. Er hatte sie am Kinn gepackt gehabt und bevor er losgelassen hatte, waren seine schlanken Finger an ihrer Wange entlang gestrichen. Fast schon zärtlich wanderten seine Berührungen über ihr Fell und durch ihr langes Haar. Katze hielt ganz still, aber im Innern schrie die Mantronerin. Die Frauen, mit denen er sich vergnügt hatte, sie waren ihr egal. Sie gehörten ihm, aber Maruka gehörte ihm nicht! Er durfte sie nicht anfassen! Nicht so! Nein, überhaupt nicht!
Wenn er doch nur nicht ihren Gestank an mir abwischen würde!
Der Ekel kroch ihr in die Kehle. Sie wollte nicht nach diesen lüsternen Dirnen riechen. Sie waren irgendwie auch Konkurrenz. Katze wollte sich putzen, doch der Mensch hinderte sie daran und hielt brav still. Sie war für etwas anders bestimmt … für jemanden, für ihr Schicksal. Darauf konnte sie sich konzentrieren, das konnte ihr Halt geben, selbst wenn er trügerisch war.
„Natürlich, sind sie … … mich zwischen den Beinen zu haben. Sie waren gut…“
Er grinste zu seinen Freund, der nur den Kopf lautlos schüttelte.
„... Trank hat wirklich Wunder… erstaunlich… und ist sie nicht … , wie sie sich mir gleich unterwirft…“
Danke, Valas. Dein Unterricht macht sich schon bezahlt!
"Der Trank … hervorgeholt… Sie war in ...Wäre sie so draußen bei der Jagd ..., hätten wir sie nie erwischt“
Die letzten Worte ließen Marukas Hoffnung wieder aufflackern. Sademos hatte eben unwissentlich eine Stärke von ihr zugegeben, bzw., vielleicht sogar eine Schwäche von ihnen eingeräumt.
… Wenn ich damals stärker gewesen wäre, hätten sie mich nicht erwischt ...
Ihre Gedanken klangen noch in ihr nach, als Sademos nickte und sich wieder kühler Maruka zuwandte. Der Elf war wirklich eine grausame Schönheit und gerade, dass er sich gepaart hatte, ließ auch bei Katze etwas wie Begierde aufkeimen. Ihre tierischen Triebe reagierten auf so vieles und standen im heftigen Widerstreit mit ihrer menschlichen Seite, die das nicht wahr haben wollte.
„Nein, nach meinen Wünschen läuft es noch nicht! Aber du willst, das ich zufrieden bin, nicht wahr Katze?“
Sie nickte sofort. Er blickte auf sie herab, warf kurz einen Blick hinter sich, wo der Beschwörungsraum war. Vranyk schloss gerade die Tür.
„Weißt du, mein Kätzchen… ich werde dich irgendwann dort rein holen…. Bist du noch unberührt?“
WAS?
Sein scharfer Blick lag auf Katze. Er musterte ihre Reaktion.
Einen unendlichen Moment lang war ihr sämtliche Kontrolle entglitten. Die Ohreninnenseite war kalkweiß, ihr Herz raste, ihr Atem hielt an und ihr Pupillen waren so groß und weit, dass sie fast wieder jenen eines Menschen glichen. Mehr konnte man sich kaum verraten.
NEIN!
„Nun gut, wenn du meinen Wünschen vollkommen entsprichst, doch jetzt will dir noch die Möglichkeit geben mir wirklich gefallen zu dürfen. Ausziehen!“
Katze zuckte zusammen und ihre Haut begann vor Angst unter ihrem Fell zu kribbeln. Kalte Schauer wollten sich schon über ihren Körper ausbreiten und stachen in ihre Nerven.
Das letzte Wort war so plötzlich und mit so einer Heftigkeit gekommen, dass es durch den Gang hallte. Vranyk blickte zu seinen Freund, sagte jedoch nicht ein Wort., nur seine eine Hand ballte sich kurz zur Faust, was Maruka eher noch mehr verängstigte. Wie sollte sie eine solche Reaktion von dem Hundeführer deuten? Hatte sie überhaupt eine Bedeutung? Wieso hatte sie überhaupt etwas anziehen müssen, wenn sie ihr damit nur trügerischen Trost spendeten. Trotz Fell, trotz messerscharfer Krallen und tödlichen Eckzähnen fühlte sie sich plötzlich angreifbar.
Als Sademos das Zögern merkte, hatte er Katze schon am Genick gepackt. Seine Finger drückten sich hart zwischen die Muskelstränge, aber seltsamer Weise tat es nicht so weh wie es sollte. Der Nacken-griff war bei Katzen, Hunden und vielen anderen Tieren für das Tragen der Nachkommenschaft gedacht und ließ so Maruka in eine Art Starre verfallen, aber tat eben deutlich weniger weh. Vielleicht war es auch das Fell, oder die Haut war einfach durch die Verwandlung dicker geworden. Maruka wunderte sich über diese trivialen Gedankengänge, wären Sademos sie fixierte.
„Hör mir gut zu! Wenn ich dir einen Befehl gebe, wirst du ihn ausführen…Verstanden..“
Er rüttelte sie ein wenig und Katze zeigte körperlich keinerlei Gegenwehr.
„Wenn ich sage, springe…wirst du springen…wenn ich will das du jemanden auspeitscht, wirst du es ohne Zögern tun…zögerst du, werde ich dir dein schönes Fell über die Ohren ziehen und dir dann einen Heiltrank geben, der dich wieder regeneriert. Ich werde dir die Krallen ziehen und noch schlimmeres. Du gehörst jetzt mir, also wenn …“
Tu ich nicht.
„… ich was sage, wirst du es tun! VERSTANDEN! Und wenn ich möchte, dass du mir als Gespielin dienlich sein sollst, hast du weder das Recht noch willige ich dir ein Nein.“
Der Teil, nach dem „Du gehörst mir“ war ihr etwas unverständlich und nicht ganz klar zu ihr hindurch gedrungen. Was für ein Recht? Zu was? Sie war verwirrt. Sie war Sklavin und versuchte zu nicken. Als er sie los ließ, tat sie es.
„Ich tue was ihr wollt, Herr!“
Trotzdem wusste sie tief in sich, dass es eben nur sein Wunsch war, dass sie ihm gehören möge. Irrwitziger Weise fragte sie sich, ob er vielleicht ahnte, dass ein anderer Anspruch auf sie erhob. Egal was er tun würde, egal wie sehr er ihr weh tun würde, sie vielleicht sogar misshandelte oder missbrauchte, sie würde niemals sein sein. War es das was ihn abermals zu dieser Machtdemonstration trieb? Frustrierte ihn das vielleicht? Maruka versuchte aus seinem Verhalten schlau zu werden, doch alles war so irrwitzig verzerrt und schon fast schizophren. In einem Moment dominierte er sie, im nächsten war er zärtlich und dann gleich wieder dieser Hass. Maruka überlegte, ob sie ihn töten könnte, wenn sich die Gelegenheit bot. Konnte sie wirklich so leicht einem anderen Wesen das Leben nehmen? Hatte sie das nicht schon getan? Konnte sie es wieder? Könnte sie sich daran gewöhnen?
Dass Sademos ihren Kampfgeist entfacht hatte, ließ ihn offensichtlich kalt. Nein, so leicht würde ihre Seele ihm nicht gehören. Und um so mehr er sie wollte, um so mehr wusste sie, dass es nicht so war. Er konnte einem fast leid tun. Vranyk hatte alles aufmerksam beobachtet und wäre im Falle eines Angriffs für seinen Freund eingesprungen, doch außer einen kurzen Augenblick der wahnsinnigen Gleichgültigkeit, die Marukas Glaube ihr schenkte, gab es kein Zeichen von Gegenwehr.
„Ich sehe den Trotz von Valas in deinen Augen… lege diesen besser schnell ab.“
Nicht Valas …, aber wenigstens musste ich mich nicht ausziehen.
Jetzt war die Stimme ihres Herrn wieder sanft, fast schon versöhnlich. Sie schritten wieder durch die Gänge. Diener verneigten sich wenn Sademos in Sicht kam, Soldaten standen noch eine Spur strammer. Jeder wich dem Trio aus, wenn sie auch bei den Sklaven fragende und auch ängstliche Blicke sehen konnte, besonders wenn sie die Peitsche von Katze sahen. Ein neuer Foltermeister war im Haus, zumindest wurde das unter vorgehaltener Hand geflüstert. Eine Servalhybridin, die wenig zutraulich in der dunklen Kleidung und dem nachtschwarzem Fell aussah. Dafür musste nichts laut gesagt werden. Die Blicke sprachen für sich und Katze nahm sie mit einer gewissen Verwunderung auf. Was wollte Sademos wirklich von ihr?
„Los, folge mir….“
Er wartete nicht ab, sondern erwartete dass sie folgte und das tat sie ohne zu zögern.
„Eigentlich wollte ich dich jemanden vorstellen, doch das hat noch Zeit… Höre, ich erwarte, dass du schnell alles wichtige hier erlernst. Unsere Etikette und Sprache, …“
Eure Sprache? Ich dachte, die Niederen bekommen sie nicht gelehrt, sie sein der dunklen Worte nicht würdig. Was willst du aus mir machen, Sademos?
„… den Umgang mit der Peitsche…wie man jemanden bricht…“
Ich soll jemanden brechen? Ich … ich kann das nicht! Ich bin … ich bin doch selbst nur ein Wrack auf offener See, eine blutige Wunde die nicht schließen will. Was lässt ihn glauben, ich könnte das?
Das Maruka vielleicht gerade durch ihr Martyrium auf See, ihre Qualen, die sie erlitten hatte, ein Quell reinster Aggressionen sein könnte, konnten die Dunkelelfen wohl am ehesten erahnen. Sie waren dafür geboren worden. Gebar Hass denn nicht wieder Hass? Entsprang nicht jedem Leid auch die Folter der Seele? Doch wie wollten sie das fragile Konstrukt ihres Panzers knacken, dass sich Liebe in Hass verkehrte, und Schmerz in Aggression verwandeln würde?
„Sie sollte auch grundlegende Sachen erlernen. Sie wusste nicht mal was ein Labor ist. Ihr Volk scheint recht dumm zu sein…eben wie die meisten Menschen.“
Unwissend, nicht dumm.
Meinte Vranyk, während er sich neben seinen Freund gesellte. Sie hatte hinten zu laufen, nahe an der Seite des Hundezüchters.
„Gut, dann wirst du noch die Schulbank drücken müssen…hmm, ach wieso nicht, dass kann dir dann Valas beibringen. …“
Er drehte sich blitzschnell zu Katze um, so dass sie sofort stehen blieb und wieder auf die Knie ging. Dabei musste sie einen äußerst demütigen Eindruck machen.
„Dry’ol wird dir den Peitschen-Umgang beibringen … Du wirst an Valas trainieren und ich werde mir deine Resultate ansehen. … Keine Sorge, du wirst nicht ewig hier bleiben, wir bereiten dich nur vor….für alle Lebenslagen..“
So würde es also aussehen. Maruka würde in diesem grausamen Haus unterrichtet und einiges gelehrt bekommen. Die Ausbildung würde von Valas, Dry’ol und Vranyk kommen…Sademos, würde sie beobachten und sie prüfen.
Wo würden sie sie dann hin bringen? Von was für Leuten redete er?
Ihr neues Leben würde hier beginnen, aber nicht hier enden, da war sie sich sicher.
Dry’ol würde das Training übernehmen, ob mit den Waffen oder körperlich. Davor hatte sie noch ganz schön Angst. Der Kerl war ein Sadist. Valas sollte die Grundbildung liefern, also was er schon in geheimen getan hatte und dafür war sie sogar ehrlich dankbar. Vranyk sollte dafür sorgen, dass sie alles im Haus kennen würde, was wichtig war. Wer unter und über ihr stand, die Hierarchien, die Etikette, also lernen ihrer Feinde von ihrem Rudel … ihren Verbündeten zu unterscheiden, wenn es hier so etwas überhaupt gab. Die Aufgabe des Hundeführers war ebenso wichtig, wie alles andere. Seine Rolle war vielleicht sogar die entscheidende, da er am ehesten das Tier in ihr verstand und zu lenken wusste.
„Noch Fragen? Jetzt darfst du gerne welche stellen…“
Diesmal sagte es Vranyk, der wieder ihr Fell beruhigend streichelte. Bei ihm war es immer anders als bei Sademos. Er sah die Katze, weniger die Frau und das beruhigte sie tatsächlich. Seine Berührungen waren nicht lockend, oder suchend nach irgendwelchen Reaktionen, die sie nicht wollte. Sie waren dem Raubtier bestimmt, damit es nicht irgendwann ganz durchdrehte und alles zu einem vorzeitigem blutigen Ende kam. Katze blinzelte langsam mit den Augen, was Dankbarkeit ausdrückte und deutete ein Kopfschütteln an. In Sademos Gegenwart war es ihr einfach nicht möglich klar zu denken, geschweige denn zu sprechen. Zu vieles lag im Widerstreit in ihr, wenn er ihr nahe war.
„Wenn nicht, dann bringe sie zu Dry’ol. Ich denke er ist bei Valas. Ich werde mich fürs Bad zurückziehen, die Gäste kommen gleich. Ach ja, und sorge bitte dafür, dass Valas nicht so laut schreit, das stört.“
Damit lächelte der kalte Herr seine Katze und seinen Freund an, strich ihr noch mal über den Hals und die Wange und nahm eine Treppe zu seinen Privat-Gemächern.
Vranyk selber machte sich mit Katze auf den Weg zu ihrem Zimmer, bzw. das von Valas.
„Sag mir bitte, warum tötet ihr nicht einfach eure Feinde? Wäre das nicht effektiver, als sich mit dem Quälen aufzuhalten?“
Die Frage war einfach aus ihr heraus geplatzt, ohne groß darüber nachgedacht zu haben, was sie auch über sie selbst verraten könnte. Als Mantronerin dachte sie in klaren Linien. Ein Feind wurde schnellst möglichst vernichtet, ein Problem gelöst, eine Leben gelebt, solange man es hatte. Warum sich mit „Dingen“, in diesem Fall schrecklichen Taten, aufhalten, die kostbare Zeit vertrödelten?! Das genau die Zeit bei Völkern die eine deutlich länger Lebensspanne hatten, oder ein sicheres und bequemeres Leben führen konnten, der Grund sein könnte, darauf kam sie natürlich nicht. Ein Mensch lebte alles viel intensiver, da seine Zeit begrenzter war. Das Leben an sich war ein Geschenk und sollte nicht vertrödelt werden. Vielleicht war auch diese Einstellung der Grund, warum Katze hinter Vranyk her lief und sich über alles Neue, über Aufgaben, über Lernstoff insgeheim freute.
Vielleicht war es aber auch nur die Neugierde des Tiers?!
Nachdem Vranyk um die letzte Biegung gegangen war und keiner da war, der sie beobachten konnte, legte er eine Hand auf ihre Schulter. Maruka sah ihn mit großen aufmerksamen Augen an.
„Du kannst es schaffen! Er wird es erwarten und ich meine nicht deinen neuen Herrn.“
, sprach er und entließ sie in das Zimmer.
Abermals stand Verwirrung im Gesicht der Hybridin.
Nicht mein neuer Herr? Was meint er?
Vranyk blieb erst mal da und öffnete ihr die Tür. Die Sorge um Valas und die abscheulichen Phantasien, die Katze im Kopf herum spukten, lenkten sie einen Moment lang ab. Sie schaute in das Zimmer und sah, dass Dry’ol nicht mehr da war. Was auch immer hier geschehen war, sie hatten die Spuren bereits beseitigt. Ihre feinen Ohren lokalisierten Valas im Bad. Schnell huschte sie zum Türrahmen und spähte um die Ecke. Ihr Freund stand in der Nähe des Spiegels und säuberte sich die Wunden, die er an den Handgelenken hatte. Die Spuren die auf ihm hinterlassen worden waren, waren dafür um so verheerender! Wieder einmal mehr war Maruka irritiert über die Tatsache, dass ihre Augen das Blut sahen, aber ihre Nase nichts roch. Tiefe dunkle Risse zogen sich kreuz und quer über den blanken Rücken des Elfen. Es war ein bisschen so, als wären die Bilder vor ihren Augen nur zur Hälfte wahr und irgendwie war es ja auch so. Einerseits war Valas nicht ganz … hier und andererseits … Das Tier in ihr nahm nichts von den Gräueltaten wahr, mit denen sich der Mensch beschäftigen musste. Ein seltsamer Gedanke schoss ihr durch den Kopf:
Vielleicht ist die Wahl meines Herrn sogar gut gemeint gewesen … Valas ist der einzige, bei dem ich kein Blut rieche, keine Angst oder Leid, keine Emotionen. Er ist tatsächlich der perfekte Kandidat für mich, um sein schändliches Handwerk zu lernen. Bei einem Anderen müsste ich mich wohl möglich unentwegt übergeben, oder brächte es überhaupt nicht fertig. Es … es fühlt sich so weniger … real an. Oh, ihr Götter die ihr mich verlassen habt! Ich denke schon tatsächlich darüber nach, wie ich das Leder nutzen kann, ohne Valas zu sehr leiden zu lassen …, aber muss ich das nicht? Um Sademos zufrieden zu stellen, muss ich überlegt handeln und seine Wege zu lernen, lehrt mich ihn einzuschätzen. Ich muss es schaffen!
Valas drehte kurz ihr sein Gesicht zu. Er sah furchtbar aus. Die Erschöpfung ließ ihn fast durchsichtig wirken. Sie hob die Hände, ohne ihn zu berühren, als könnte sie die Schmerzen fort streicheln, aber griff dann nur eines der Tücher, tunkte es in kaltes Wasser und legte es vorsichtig ihm auf den Rücken. Maruka hatte in ihrer Heimat häufig den Heilern bei ihrer Arbeit zugesehen und Mantroner hatten die Angewohnheit, gern mit tiefen Wunden nach Hause zu kommen. Das Eis, das kalte Meerwasser war ihre beste Behandlung. Das Salz brannte die Wunden aus und die Kälte nahm dann den Schmerz. Wie sehr sie sich in diesem Moment nach dem Meer und seinem Geruch sehnte, war nicht zu beschreiben, aber die Sehnsucht war so groß, das sie fast glaubte den salzigen Geruch von Tang und Seegras zu riechen. Sie vermisste die kurzen Sommer, in denen manchmal sogar in Mantron, das Eis für kurze Zeit zurück wich und die Brandung allerlei Treibgut an die Ufer spülte. Wahre Schätze waren dort zu finden, wenn das Eis seine verborgenen Geheimnisse preis gab. In der Sonne kristallisierte dann der Strand und das Salz glitzerte im hellen Licht des Tages. Salz hatte sie nicht, aber Valas Wunden benötigten es sicher auch nicht. Er heilte von selbst. Er brauchte … einen Freund.
Katze legte ihm ohne Druck die Hand auf die Schulter und sah ihm mitleidend in die Augen. Ja sie litt mit ihm und genau das hatte wohl ihr Herr mit seiner Folter gewollt. Sie hätte lieber die Schmerzen selbst ertragen, aber tatsächlich war es so, dass Valas Leiden tatsächlich logischer war. Sie selbst wäre einfach nicht so … belastbar, wie er. Ihre Wunden würden Monate brauchen um zu heilen, seine nur Stunden, oder Minuten. Ihr müsste man jede Menge von dem Heiltrank einflößen, der sicher nicht billig war, da war Valas zu foltern, einfach lukrativer. Ganz abgesehen von dem psychologischen Effekt auf Maruka. Auch wenn es unlogisch war, fühlte sie sich schuldig und Schuld war ein mächtiger Motivator. Egal wie intensiv sie sich zu sagen versuchte, dass Sademos allein an allem schuld war, so war sie auch der Meinung:
Ach Valas, wenn du mir nicht begegnet wärst, wenn ich dir nicht über den Weg gelaufen wäre, wärst du immer noch frei und könntest gehen wohin du willst. Ich bin schuld, dass du hier bist. Ich bringe Unglück.
Ein Schauer überfiel sie und sie legte unbewusst, die Hand auf die Stelle an der Rüstung, wo die Feder ruhte. Ihre Bernsteinfarbenen Seelenfenster zogen die Vorhänge vor ihren Pupillen enger zusammen, bis nur noch ein schmaler Strich zu sehen war.
Ich muss es schaffen! … Moment, ich hab was vergessen.
Maruka hob nur kurz die Hand um ihm zu zeigen, dass sie gleich wieder da sein würde. Es waren zwischen ihnen nur ein paar Sekunden vergangen, angefüllt mit schweigendem Verstehen und stillen verständigen Blicken. Etwas rührte sich aber gerade wieder in ihrem Geist. Sie huschte zurück zu Vranyk, der regungslos in der Tür wartete.
„Ich muss…“
Sie sortierte ihre Gedanken neu.
„Ich will es schaffen. Ich werde alles lernen, was ihr mir beibringt. Meintest du das?“
Lerne deinen Feind kennen und nutze die Stunde seiner Schwäche.
Das hatte ihr Vater immer wieder gesagt. Bei Piraten war es die Stunde nach ihrem Sieg. Ließ man sie in dem Glauben, sie hätten gesiegt, zog man sich vorzeitig zurück, so feierten sie ihren Sieg oft mit viel Rum und schliefen dann fest und waren langsam Kämpfer. Manch eine Übermacht hatte man schon besiegt, in dem man klug taktierte. Wenn es um den Schutz der Lieben ging, war ein Mantroner bereit alles zu tun. Für einen geliebten Menschen den Tod zu finden, war dabei das kleinste Opfer. Für einen geliebten Menschen mit List und Tücke vorzugehen, tödliche, oder abscheuliche Taten zu vollbringen war da deutlich schwerer. Vielleicht konnte sie eines Tages all das, was man ihr hier beibringen würde, gegen ihren Feind verwenden und damit ihre Freunde, ihre Familie, ihr Rudel und vielleicht sogar ihre Heimat beschützen. Dafür würde sie alles tun. Aber der Blick mit dem sie Vranyk nun fragend ansah, ließ noch zu einem Punk alles offen.
„Du hast gesagt, … „nicht meinen neuen Herrn“ … Ich verstehe das nicht.“
Sie sah von unten hinauf in seine dunklen Augen und betrachtete sie eingehend.
Was weiß er?
Wieder lag unbewusst die Hand auf ihrer Rüstung, dort wo die Schicksalsfeder verborgen war. Darüber waren die Arme unter der Brust verschränkt.
„Bitte erkläre es mir.“
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 11. Dezember 2013, 22:46

Vielleicht wurde es Katze inzwischen bewusst, aber Sademos war ein grausamer Mann. Dieses Blitzen in den Augen als er sie auf ihre Unberührtheit ansprach, sprach für sich. Es gefiel ihm sie zu demütigen und doch schien es ihm nicht zu passen, dass er wohl nicht die Person sein würde, der ihre Unberührtheit nehmen durfte. Vielleicht war es deshalb so wankelmütig, weil er es nicht durfte oder sie schon versprochen war. Versprochen an ihr Schicksal?? So schien es zumindest und nachdem er sich von Ihr und seinem Freund verabschiedet hatte, verzog er sich. Die Aufgaben waren verteilt und jeder hatte dort seinen Platz. Auch Katze, die nur noch nicht wusste, wo genau ihrer war.
So schritt sie ein wenig später wieder neben den Hundeführer und ihre Frage, ließ ihn mal wieder innehalten. Mit einer Geste, die an genervt sein erinnerte, fuhr er sich durch die Haare und strich sich die auch einzige abstehende Haarsträhne wieder platt an den Kopf.
„Sag mir bitte, warum tötet ihr nicht einfach eure Feinde? Wäre das nicht effektiver, als sich mit dem Quälen aufzuhalten?“
„eindeutig hast du viel zu lernen…Man tötet seine Feinde nur, wenn sie es nicht wert sind, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Sehe es so, es ist ein Test, ob die Person es wert ist unter unserer Anleitung weiter existieren zu dürfen. Wieso soll man jemanden töten, wenn der gebrochene Mann oder Frau einen höheren Wert haben kann. Sie ihre Fähigkeiten in unsere Dienste zu stellen. Zudem ist es leicht in den Tod zu fliehen, weil sie es ja angeblich ihre Seele oder so retten wollten….jemand der gebrochen wurde braucht sich über seine Seele keine Sorgen mehr zu machen…er ist praktisch unsterblich, weil ihn niemand mehr wirklich schaden kann. Tja und Folter wie du es nennst, ist eine Methode jemanden wachsen zu lassen…also deswegen töten wir nicht.“ Ob ihr die Antwort passte war ihm dabei recht egal, es war ebenso, wie es war. Vranyk gehörte wie Sademos zu dem stolzen Volk der Dunkelelfen, dem Volk welches es von Faldor in die Wiege gelegt wurde über die anderen Völker zu Herrschen. Die Elfenart, die nicht komplett sich in den Wäldern versteckte und mit schönen Gesang und Kunst der niederen Elfenvölker sich im Leben beweisen mussten. Die Dunkelelfen waren in der unliebsamen Gegend Morgerias aufgewachsen und waren so unverwüstlich wie die Ebene und das Gebirge, welchen sich in ihrem Land verbreitet war.
Sie waren die geborenen Herrscher, die Faldor durch auslese der Stärksten zu dem stolzen Volk gemacht haben, was sie heute waren und immer sein werden.
Vranyk sah Katze nach, als diese in das Zimmer förmlich reinstürmte. Angesäuert verzog er die Mundwinkel, da er Dry’ol nicht vorfand. Was Katze machte, war ihm recht egal, er blickte sich im Raum rum.
„Valas, noch fähig zu reden?...wann ist Dry’ol gegangen?“ rief er schlicht hinterher, als wenn nichts wäre. Ihn interessierte der Zustand des anderen Dunkelelfen nicht mal.

Erschrocken fuhr Valas rum, als Maruka das Bad betrat. Sie hatte ihn fast überrascht, als sie so plötzlich an der Tür stand. Ein schwaches Lächeln zeigte sich auf seinen Gesicht, während er den Lappen wieder ins Wasser tauchte und über seine Hand wusch. Valas musste schon gestehen, dass er schon lange nicht mehr so geblutet hat. Zudem das die Schmerzen selbst für ihn grenzwertig waren, nur die Gnade der Ohnmacht fiel bei ihm weg. Wie so vieles. Er fragte sich in solchen Momenten ob Manthala ihn gestraft hatte- ob er irgendetwas getan hatte, was die dunkle Göttin erzürnt hatte.
Er hörte wie Vranyk ihn rief und fast schon sah es aus, als würde Valas danach sein, dem anderen Elfen ein der Blutigen Tücher an den Kopf zu werfen. Atmete dann aber aus und beruhigte sich.
„Er ist verschwunden…keine Ahnung wann…vermutlich als ich bewusstlos war…“ grollte der ältere Dunkelelf und ballte seine Hand zur Faust. Schmerz machte sich auf seinem Gesicht wieder breit.
Der Schmerz war inzwischen wieder besser, aber wäre Maruka noch vor früher gekommen, so hätte sie gerade gesehen, wie er mühselig auf gestanden wäre. Es gab nichts was nicht in schmerzen bei ihm gestanden hatte. Dry‘ol beherrschte die Folter und Valas konnte sich denken, dass Cassiel durch den Foltermeister seine üblen Narben im Gesicht hatte. Normalerweise, wäre er auch komplett vernarbt…aber egal ob ein Knochen gebrochen wurde oder man ihm das Fleisch von den Knochen schälte, er regenerierte so schnell, dass man beim Heilen zusehen konnte. Trotzdem war er froh, dass die Hybridin jetzt erst eingetreten war, wo er nicht noch übler aussah und gedemütigt worden war. Sie half so gut sie konnte und der friedliche Blick in den Augen des Dunkelelfen trafen die Augen der Katzenhybridin.
„Du siehst irgendwie besser aus. Man hat dir einen Trank gegeben, oder? Das ist gut“ er nickte, zuckte jedoch bei der Bewegung zusammen. Zischend atmete er aus, spürte jedoch wie die Wunden sie mehr und mehr schlossen.
„Mache dir bloß keine Schuldgefühle, Mädchen! Hörst du“ Sie legte das Tuch auf seinem Rücken und er sackte mit einem Seufzen in die Knie, hielt sich an der kleinen Kommode fest, auf der sich die Waschschüssel befand.

Vranyk wandte sich indes zum Gehen.
Besser ich lasse sie erstmals hier, bevor ich nicht weiß, wo Dry‘ol ist.
„ Valas, du sollst übrigens leiser sein…Befehl von Sademos.“ Sprach er noch und wandte sich zur Tür, als Maruka plötzlich wieder vor ihm stand. Von Bad aus, hörte man nur eine wilde Beleidigung gegen Sademos, was jedoch Vranyk ignorierte.
„was sollte ich sonst meinen. Lerne zu überleben , Katze…sei der Beweis, dass du besser bist als…“ er nickte in Richtung Baderaum.
„was das andere betrifft, …das ist irrelevant. Gehorche und du wirst leben…vielleicht auch in Freiheit und als….Mensch.“ damit ließ er sie stehen und schloss die Tür vor ihr. Viele Fragen und weniger antworten! Wie würde es weitergehen?
„ Möchtest du mir erzählen, was war…ich habe nämlich einen Weg gefunden, wie ich dich von hier wegbekomme, zumindest wenn Sademos mir unbewusst zuspielt.“ kam es von hinter Maruka. Valas lehnte mit einem Arm an der Tür des Bades. Trotz der Wunden und des Schmerzen schien wie der Schalk in seinen Augen zu blitzen.

Er ließ sich alles erzählen hörte zu und sein Lächeln wurde breiter, als er die Geschichte erfuhr, die Sademos vorhatte. Sie passte in seine Planung und er verriet Maruka einen Geheimgang, der sich in die Katakomben unter die Stadt führen würde. Natürlich müsste sie bis zu diesem Punkt mitspielen.
„Also Kind, lerne…lerne viel und schnell…ich helfe dir wo ich kann…und dann flüchtest du, hörst du? Schaue nie zurück, sorge dich nicht um mich, denn ich lebe nicht wirklich…du musst aber leben und zwar in Freiheit“ Diese Worte gab er ihr mit, sagte sie immer wieder. Während er sie unterrichtete, während Vranyk sich in dem Gebäude rumführte, ihr zeigte wer alles in der Hierarchie über und unter ihr stand. Wenn sie nicht gehorchte oder etwas bei seinen Nachfragen nicht wusste, erhielt sie eine ohrschelle. Dry‘ol dagegen sprach nie viel, er zeigte ihr nur zu deutlich, wie sie die Peitsche zu nutzen hatte. Und es gefiel ihm viel zu sehr, wenn Valas vor ihm auf die Knie fiel…manchmal war da sogar etwas anderes in den Augen des Schinders, dass er perversen Spaß daran empfand gerade Valas zu demütigen und zu foltern…wenn nicht sogar so etwas wie Begierde dort war…natürlich konnte so was auch täuschen.
Valas hingegen nahm ihr nie was übel, lehrte sie verstärkt die Sprache, aber auch woran sie die Hinterlist in den Augen sehen konnte. Woran sie sah, dass in den Bediensteten noch ein Funke versteckter Wiederstand war und wie sie zu ihrer Freiheit kam.
Und dann war endlich einer der tage, wo sie alleine zu Valas ins Zimmer kommen sollte…keiner so von ihrem Zimmer abholte, sondern man sie zum Unterricht dort erwartete.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Maruka » Samstag 14. Dezember 2013, 10:06

(In Absprache mit meinem Moderator, habe ich die Erlaubnis bekommen die Handlung bis zum Zwischenspiel selbstständig zu übernehmen.)

„Eindeutig hast du viel zu lernen…Man tötet seine Feinde nur, wenn sie es nicht wert sind, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Sehe es so, es ist ein Test, ob die Person es wert ist unter unserer Anleitung weiter existieren zu dürfen. Wieso soll man jemanden töten, wenn der gebrochene Mann oder Frau einen höheren Wert haben kann. Sie ihre Fähigkeiten in unsere Dienste zu stellen. Zudem ist es leicht in den Tod zu fliehen, weil sie es ja angeblich ihre Seele oder so retten wollten….jemand der gebrochen wurde braucht sich über seine Seele keine Sorgen mehr zu machen…er ist praktisch unsterblich, weil ihn niemand mehr wirklich schaden kann. Tja und Folter wie du es nennst, ist eine Methode jemanden wachsen zu lassen…also deswegen töten wir nicht.“
Vranyks Worte beschäftigten sie noch lange. Waren Folter und Gewalt wirklich für sie Mittel um den Wert eines Wesens zu bestimmen? Aus Vranyks Mund klang es fast so. Er schien wirklich das zu glauben was er sagte. Doch Maruka zweifelte.
Ach Vranyk, es gibt einen viel leichteren Weg als die Folter um ein Wesen unter seine Dienste zu stellen und der heist Freundschaft und Liebe. Jemanden auf diese Art zu dienen, der schwächer und zarter ist als du, bestimmt den wahren Wehrt des Lebens.
Jedoch brauchte sie nur an Sademos oder Dry’ol nur zu denken, um tief in ihre Seele zu wissen, dass es aber auch noch andere Motive gab, um jemanden Schmerzen zu bereiten. Die Begierde, die sie in den Augen ihres Herrn gesehen hatte, war Beweis genug dafür. Auch die Augen des Foltermeisters sprachen eine ganz andere Sprache. Vranyk mochte rationaler denken, als die meisten Dunkelelfen hier, aber seine Ansichtsweise der Welt und wie sie funktionierte, waren letztendlich genauso grausam, wie die der anderen. Das Resultat blieb das gleiche.
„...jemand der gebrochen wurde braucht sich über seine Seele keine Sorgen mehr zu machen…er ist praktisch unsterblich,...“
Dieser Satz spukte ihr noch etwas länger durch den Kopf und sie fragte sich, ob Valas in seiner Unsterblichkeit und das missglückte magische Experiment, das ihm zu dem gemacht hatte, was er heute war, auch etwas mit diesen Worten zu tun hatte. Später verwarf sie allerdings diesen Gedanken, denn Valas macht auf sie nicht den Eindruck, als sei sein Wille gebrochen worden. Ganz im Gegenteil, an seiner Seite konnte ihre eigene geschundene Seele wachsen und neu erstarken. Auch sie als Mantronerin war eher der Meinung, dass man aus großem Leid nur gestärkt hervor gehen konnte, doch gleichzeitig erinnerte sie sich noch tief beschämt an die dunkelste Stunde in ihrem Leben, als sie den Tod dem Leben vorgezogen hatte. So sehr sie auch versuchte ihre Scham darüber zu verdrängen, dass sie vor der Folter, in dem Bauch des finsteren Schiffes, hatte in die Endgültigkeit fliehen wollen, so brauchte es doch nur einen Blick auf ihre Hände um ihr, die nun für immer sichtbaren Zeichen ihrer Verwandlung zu zeigen. Vranyk hatte seit dem Besuch im Labor einen Funken der Hoffnung in ihr geweckt, eine dünner Streifen am Horizont, der ihr versprach, sie wieder zu einem Menschen zu machen. Doch durfte sie hoffen? War ihre jetzige Gestalt nicht vielleicht die vorgesehene Bestrafung der Götter? Hatte Venthas Wille sie vielleicht so getroffen, weil sie sich selbst und das Leben verleugnet hatte? Vielleicht verdiente sie ihr jetziges Schicksal.

Als sie an diesem Tag zurück zu Valas Zimmer kamen fanden sie ihn alleine vor. Dry’ol war schon gegangen.
„Valas, du sollst übrigens leiser sein…Befehl von Sademos.“,
sprach Vranyk und wandte sich zur Tür, als Maruka plötzlich wieder vor ihm stand. Vom Bad aus, hörte man nur eine wilde Beleidigung gegen Sademos, was Vranyk ignorierte.
„Was sollte ich sonst meinen. Lerne zu überleben , Katze…sei der Beweis, dass du besser bist als…“
Er nickte in Richtung Baderaum. Katze folgte nun noch verwirrter seinem Blick. Besser als Valas? Valas war zu einem Vorbild an Willenskraft für sie geworden. Maruka konnte sich nicht vorstellen, wie sie besser als er werden könnte? Vranyk meinte sicher etwas anderes, doch ihre Gedankengänge fanden nur diese eine Richtung.
„Was das andere betrifft, …das ist irrelevant. Gehorche und du wirst leben…vielleicht auch in Freiheit und als… Mensch.“
Damit ließ er sie stehen und schloss die Tür vor ihr. Seine Worte hallten nach und sanken in den fruchtbaren Boden ihrer stillen Hoffnung, doch eines Tages wieder eine stolze Mantronerin zu sein … doch durfte sie das hoffen? Sie hatte viele Fragen und noch weniger Antworten erhalten! Wie würde es weitergehen? Sie sah dem Hundeführer noch hinterher, als dieser schon lange verschwunden war.
„Möchtest du mir erzählen, was war…ich habe nämlich einen Weg gefunden, wie ich dich von hier wegbekomme, zumindest wenn Sademos mir unbewusst zuspielt.“
Kam es von hinter Maruka.
Was? WIE?
Valas lehnte mit einem Arm an der Tür des Bades. Trotz der Wunden und des Schmerzen schien wie der Schalk in seinen Augen zu blitzen. Maruka musste sich zügeln, ihn nicht an den Schultern zu packen, um alles an Ideen zu ihrer Flucht aus ihm heraus zu schütteln. Sie ballte die Fäuste, leckte sich dann schnell einmal über eine Stelle am Handgelenk, wo es unter ihrem Fell nervös zuckte und setzte sich dann betont entspannt im Schneidersitz auf das Bett. Einmal tief durchatmend begann sie zu berichten:
„Sademos hat … Er hat mich bis vor einen Raum führen lassen, wo er es mit zwei Frauen … wo sie sich gepaart haben. Ich weiß jetzt was er will. Ich habe es in seinen Augen gesehen! Ich konnte es an ihm riechen ...“
Beschämt sah sie auf ihre Hände und zupfte an den langen Krallen.
„Valas ich habe schreckliche Angst … Ich schäme mich, dass ich so empfinde, ich war früher mutiger, musst du wissen! Aber jetzt … Ich fürchte mich in einem Fort und erzittre bei der Vorstellung, was er mit mir machen will.“
Das junge Wesen, was da vor ihm saß, war kurz davor die Fassung zu verlieren. Ihre Ohreninnenseiten waren blass und flach angelegt. Die Schnurrhaare zitterten.
„Valas, wenn du mit einen Weg zeigen kannst, wie ich ihm entkomme, werde ich alles dafür tun! Ich will nicht, dass er mich … so anfasst. Das darf er nicht, das wäre nicht richtig! So bin ich nicht erzogen worden.“
Maruka sehnte sich in diesem Augenblick so sehr in die Arme ihrer Mutter zurück, dass es schmerzte. Die körperliche Vereinigung zweier Menschen sollte immer ein Geschenk der Liebe sein und niemals etwas anderes, hatte sie immer wieder gesagt. Diese Verbindung mit Sademos einzugehen, wäre als würde ihr gesamtes Weltbild auf den Kopf gestellt und alles was gut und schützenswert, in sein Gegenteil verkehrt werden. Die Vorstellungen in ihrem Kopf begannen zu kreisen und Maruka verirrte sich immer tiefer in ihrer Panik, bis der Schmerz ihrer eigenen Krallen, die sich in ihre Oberschenkel bohrten, sie zurück holte.
„Bitte, erkläre mir, wie ich entkommen kann! BITTE!“
Valas hatte zugehört und sein Lächeln wurde breiter, als er die Motive erfuhr, die Sademos antrieben. Sie passte in seine Planung und er verriet Maruka einen Geheimgang, der sich in die Katakomben unter die Stadt führen würde. Natürlich müsste sie bis zu diesem Punkt mitspielen.
„Also Kind, lerne…lerne viel und schnell…ich helfe dir wo ich kann…und dann flüchtest du, hörst du? Schaue nie zurück, sorge dich nicht um mich, denn ich lebe nicht wirklich…du musst aber leben und zwar in Freiheit“
Diese Worte gab er ihr mit, sagte sie immer wieder. Noch einige Stunden saßen sie an diesem Tag und vielen weiteren zusammen und schmiedeten Fluchtpläne. Das allein half Marukas geschundener Seele sich zu beruhigen und vieles noch einmal gründlich zu überdenken.
Während Valas sie unterrichtete, zeigte Vranyk ihr das Gebäude und erklärte ihr, wer alles in der Hierarchie über und unter ihr stand. Wenn sie nicht gehorchte oder etwas bei seinen Nachfragen nicht gleich wusste, erhielt sie eine Ohrschelle. Dry’ol dagegen sprach nie viel, er zeigte ihr nur zu deutlich, wie sie die Peitsche zu nutzen hatte. Katze lernte alles schnell und mit Fleiß, denn nun hatte sie ein Ziel. Hier konnte sie unmöglich bleiben!
Valas nahm ihr nie etwas übel, egal wie tief sie seine Haut verletzte. Er lehrte sie verstärkt die Sprache, aber auch woran sie die Hinterlist in den Augen sehen konnte. Woran sie sah, dass in den Bediensteten noch ein Funke versteckter Widerstand war und wie sie zu ihrer Freiheit kam. Er brachte ihr bei, wie sie immer mehr zu „Katze“ wurde und „Maruka“ tief in ihrem Innern zu verbergen hatte, damit die anderen ihrer Fassade langsam vertrauen würden. Er brachte ihr die erste Lüge bei.
Die Lüge, dass sie nur noch eine willige, brave Sklavin sei.
Geraume Zeit verging und Katze lernte sich unterschiedliche Schichten über ihre Seele zu legen. Ganz tief in ihrem Innern gab es noch immer irgendwo das stolze Kind der Mantroner, die junge Frau die lieben und leben wollte, die Freundschaft, Zuneigung und Mitleid für die Wesen um sie herum empfand. Dann kam eine Schicht „Katze“ die einzig aus Instinkten und wilden Emotionen bestand. Dies war das Erde des Servals. Darüber lagen die Ergebnisse ihrer Folter und des Leids das sie schon hatte ertragen müssen. Dies war die wahre Sklavin. Willig, ängstlich, devot und unterwürfig. Bis zu dieser Schicht durfte sie die Geschehnisse um sich herum zu sich vordringen lassen, aber nicht tiefer. Doch darüber legte sie nun auch mit Hilfe ihrer Neugierde, die „Katze“ die lernbereit, fügsam, fleißig und dann und wann einen Funken Blutlust durchblicken ließ. Diese winzigen Momente galt es aber vorsichtig einzusetzen, da sie sonst nicht mehr glaubhaft waren.
So dauerte es lange, bis sie in Dry’ols Unterricht nach einer gut abgeschlossenen Übung und einem bissigen Grinsen von ihm plötzlich ebenfalls lächelte. Sie ließ es auch gleich wieder verschwinden, doch erst als der Foltermeister es auch sicher bemerkt hatte. Er sollte glauben, dass Katze begann stolz auf ihre Leistungen zu sein, selbst wenn sie Blut und Schmerz zur Folge hatten.
Vranyks Unterricht war der schwerste, denn die Hierarchie der Dunkelelfen und auch die Hierarchie unter den Sklaven war nicht leicht zu durchschauen und änderte sich auch teilweise von Mord zu Mord. Ständig kamen neue Sklaven und alte verstarben auf die ein oder andere Weise. Katze wurde aus irgend einem Grund immer von ihnen getrennt gehalten, so dass dort auch keine Beziehungen entstehen konnten. Auch viel es ihr am schwersten, dem Hundeführer etwas vorzumachen und immer versuchte sie so nah wie möglich an ihren wahren Gefühlen ihm gegenüber zu bleiben, da er in ihr besser lesen konnte als manch anderer. Ihre Vergangenheit, ihr Leben mit den Wölfen Mantrons hatte sie für ihn sensibel gemacht. In einem sehr sehr kleinen Teil ihres Herzens, mochte sie ihn sogar irgendwie.

Viele weitere Tage vergingen, bis Sademos auch wieder vermehrt Interesse an ihrer voranschreitenden Ausbildung zeigte. Er fragte Vokabeln der dunklen Sprache ab und Katze konnte inzwischen mit holpernden Worten auf seine Fragen in Lerium antworten. Wenn sie sich jedoch unterhielten, er ihr seine Befehle gab, benutzten sie noch meistens die Celcianische Handelssprache. Als er ihr einmal lobend über den Kopf streichelte, ließ sie zu dass ein leises Schnurren ihre Kehle entwich und schlug sofort beschämt die Augen nieder, als schäme sie sich dafür, dass es ihr heraus gerutscht sei. Ihr Herr sollte glauben, das sie vor seiner Hand keine Furcht empfand, sie vielleicht sogar mochte. Dieses Spiel sollte jedoch das gefährlichste werden! Wann immer er sie betrachtete, so sah sie in seinen Augen das lodernde Feuer seines Begehrens. Doch gleichzeitig war da auch eine verborgene Wut, die er zu unterdrücken versuchte. In solchen Momenten fand er immer einen Grund um besseres vor zu haben und verschwand. Aus irgendeinem Grund rührte er sie nicht an und wollte es doch so sehr. Wenn sie Valas davon in ihren geheimen Absprachen berichtete, würde sein Lächeln immer breiter. Sein Plan war es, Sademos Gier zu schüren und sie somit an einen ganz bestimmten Ort zu bringen. Gleichzeitig wuchs in Maruka aber auch die Angst, dass Sademos doch irgendwann die Kontrolle verlieren würde. Eines Nachts saß sie mit Valas wieder in seinem Zimmer und sie trugen ihre Informationen zusammen.
„Ich habe sofort weg gesehen, wie du gesagt hast. Er hat gelacht und die Frauen auch. Ich glaube, es war gut, dass ich ihn so „überrascht“ habe.“
Valas grinste.
„So wie du dich verhalten hast, denkt er sicher, du findest ihn insgeheim attraktiv und schämst dich deiner Gefühle. Nichts streichelt seine Eitelkeit mehr. Ja, das war gut.“
„Und was kommt jetzt?“
„Ich denke, du bist soweit.“
„Nein, bin ich nicht. Ich … ich kann das nicht. Du … Ich kann dich hier doch nicht alleine lassen!“
„Du kannst und du wirst.“
Maruka schwieg betroffen.
„Lass dir Zeit. Schlaf noch einmal darüber, aber ich weiß, dass du es schaffen kannst. Du musst nur auf den richtigen Zeitpunkt warten, so wie wir es besprochen haben.“
„Ich habe Angst.“
Valas legte seine Hand auf ihre.
„Ich weiß.“
Diese Nacht plagten Albträume die junge Hybridin.

… Der Geruch von verbranntem Fleisch hing an ihm. Das leise Schleifen von Metall auf Stein war zu hören, genauso wie das Rauschen von gewaltigen Schwingen. Nachtschwarzer Nebel floss aus seinen Haaren, die in Flammen standen und doch nicht brannten. Dort wo sein Gesicht hätte sein sollten war nur Dunkelheit. Er kam näher. Seine sphärische Stimme sprach die fremden Worte, die sie doch tief in ihrer Seele verstand:
„Es ist Zeit. Du gehörst mir!“
Das Bild änderte sich. Aus der Tiefe des Nebels schienen sich Schleier über die Gestalt zu legen und gaben ihm einen dünnen Überzug der mehr und mehr Sademos glich. Die Hand ihres Herren streckte sich aus und wollte sie gierig berühren. Doch um so näher er kam, um so verdorrter wirkten seine Finger, als zöge etwas jedes Leben aus seinem Körper. Seine vertrockneten Lippen rissen bei jedem Wort und bluteten die Silben hervor:
„Es ist Zeit. Du gehörst mir!“
Abermals verdichtete sich der Nebel und formte eine Gestalt über das Bild. Der Körper kippte vornüber und wuchs in die Länge. Er wurde schmaler und deutlicher, bis der Serval vor ihr stand. Seine Augen warnen so blau wie der endlose, weite Himmel. Sein Fell war so schwarz, dass die Sterne auf ihm wohnen konnten. Er nickte ihr zu und wandte sich von ihr ab um mit ihr davon zu laufen. Dabei sah er über seine Schulter und schlug heftig mit dem Schwanz.
„Es ist Zeit. Du gehörst mir!“
Der Nebel verschluckte seine Gestalt und Maruka versuchte ihn noch zu erreichen, doch er war schon nicht mehr greifbar, war er nie gewesen, denn er war tot und fern jeden Lebens. Seine Formen richteten sich wieder auf und winkten ihr zu. Sein Antlitz lächelte und Valas Züge verabschiedeten sich von ihr. Dann brach die Welt zusammen.

Schwer atmend erwachte Katze in ihrer Mulde, hoch oben auf ihrem Kranzbaum.
Immer wieder flüstere sie, sich selbst noch in den Armen haltend:
„Ich gehöre mir! Ich gehöre mir! ...“
Alles stürzte erneut auf sie ein. Alle Erinnerungen der letzten Tage und Monate, wie sich ihr Leben so rasend schnell verändert hatte. All die Wut über ihre Machtlosigkeit bündelte sich in einem einzelnen wilden Gedanken!
ICH GEHÖRE MIR!!!
Mit einem Anflug von Verzweiflung sprang sie, nackt wie sie war, von ihrer erhöhten Position und rannte ins Bad. Sie verschloss die Tür, drehte wütend den Spiegel zur Wand und blockierte die Tür mit dem Stuhl der Frisierkommode. Sie war allein und niemand sollte jemals Anspruch auf sie erheben können! Niemand sollte sich rühmen dürfen sie sich Untertan gemacht zu haben! Der fast erloschene Funke ihres Willens loderte hoch und war in dieser Nacht zum Feuer geworden. Das Adrenalin in ihren Adern kochte wie flüssiges Metall. Einen kurzen Moment starrte sie auf ihre ausgefahren Krallen ihrer Hand und dann tat sie es.
Ein kurzer Schmerz und als sie die Hand wieder hob, war sie keine Jungfrau mehr. Ihr erstes Blut gehörte nur ihr! Ihr allein!
Schwer atmend sackte sie immer noch erschüttert von ihren Träumen und bebend in sich zusammen. Der Anblick der purpurnen Spur auf ihren Fingern hatte etwas seltsam beruhigendes und das erste Mal, seid dem sie aus Mantron verschleppt worden war, fühlte sie so etwas wie Frieden.

Noch am gleichen Morgen fasste sie den Mut, ihren Plan auszuführen, doch eins gab es noch zu tun. Endlich war es einer der Tage, wo sie alleine zu Valas ins Zimmer kommen sollte, keiner der sie von ihrem Zimmer abholte, sondern man sie zum Unterricht dort erwartete. Dry’ol erwartete sie schon finster grinsend mit einer nagelneuen Peitsche, die er extra mit kleinen Klingen hatte versehen lassen. Eine Spezialanfertigung, nur für Valas, wie er mit loderndem Blick verkündete.
Katze nickte und machte sich an ihre Arbeit. Immer härter und schneller ließ sie das schneidende Leder auf Valas Körper nieder fahren, als sei jeder Hieb ein Danke an ihre gemeinsam verbrachte Zeit. Sie wusste, ob ihr Plan gelingen oder fehlschlagen würde, beides hätte höchst wahrscheinlich zur Folge, dass sie sich nicht wieder sehen würden. Während der letzten Schläge raunte sie atemlos vor Anstrengung:
„Auch wenn dein Fleisch heilt, so wirst du das hier nie vergessen!“
Dry’ol nickte selbstzufrieden, denn seine Schülerin hatte heute ihr Meisterwerk in Valas Rücken geschnitten.
Auch wenn ich heute gehe, so werde ich dich nie vergessen!
Einzig die Anstrengung verhinderte, dass die Tränen nicht flossen und Maruka sie tief in ihrem Innern zurück halten konnte. Valas war ihr ein guter Lehrmeister gewesen, bis zu seiner Bewusstlosigkeit.

Nach dieser für Dry’ol sehr befriedigenden Lehrstunde, zog sich dieser schnell zurück. Vielleicht verlangten seine Triebe nach einem Ausgleich oder einem kalten Bad, Katze wollte nicht zu sehr darüber nachdenken. Sie hatte anderes vor. Dry’ol hatte sie gelobt und dieses Lob wollte sie nun benutzen um sich ihre Freiheit zu erstehlen. Mit der blutigen Peitsche spazierte sie nun mit stolz geschwellter Brust durch die Gänge. Die Diener machten instinktiv Platz, denn sie bot ein Bild voller düsterer Grausamkeit. Sie wollte ihren Herrn mit ihrer Leistung überraschen und beeindrucken, zumindest sollte er das glauben. Vor seinen Gemächern musste sie zwei Wachen weg knurren, damit diese Platz machten. Aufgeladen vom Rausch des Blutes wie sie war, schien ihr Auftritt auch Wirkung zu zeigen und man ließ sie durch. Maruka zögerte keine Sekunde, sonst hätte sie wohl möglich doch noch der Mut verlassen. Ungebremst ging sie weiter und stieß die Tür zu Sademos Schlafgemach auf, wo sie ihn mit seinen zwei Lieblings-Gespielinnen vorfand. Der ganze Raum roch nach Schweiß und Wollust. Sademos hob etwas müde den Kopf und seine wohlige Erschöpfung stand ihm noch ins Gesicht geschrieben. Ein Ausdruck von Verwunderung legte sich auf seine Züge.
„Was … Was willst du hier?“
„Mein Herr und Meister, Sademos ...“
Katze hielt stolz und anscheinend vollkommen ihre Umgebung vergessend, ihm die Peitsche entgegen. Da er sie nicht sofort hinaus befohlen hatte kam sie schnell näher, bevor er ganz wach wurde und sich besinnen konnte. Sie musste ihn emotional überraschen, überrumpeln, so war der Plan.
„Ich hab es geschafft! Dry’ol ist mit mir zufrieden! Ich habe Valas in die Bewusstlosigkeit gepeitscht. Er meint, ich war … gut!“
Das Strahlen ihrer Augen spiegelte sich in seiner Verwirrung. Sah sie denn nicht, dass sie störte? Maruka hatte sein Bett erreicht, das für 10 Personen Platz gehabt hätte. Sie kniete sich auf das Fußende und redete einfach weiter, als gäbe es kein Morgen. Eine der Frauen rollte sich, durch die nervtötende Stimme langsam erwachend, murmelnd zur Seite.
„Ich hab mir solche Mühe gegeben und er meint, ich bin gut! Herr, bitte … seid ihr stolz auf mich?“
Sademos rieb sich die Augen, als könnte er nicht glauben, was hier gerade geschah. Doch was er sah, schien im zu gefallen. Auf allen Vieren krabbelte seine Katze über die seidenen Laken auf ihn zu. Sie trug wieder einmal den schmalen Brustharnisch aus schwarzem Leder, der ihre grazile, schlanke Gestalt so martialisch wirken ließ. Überall, an ihren Schultern, auf ihrer Brust, in ihrem Haar waren blutige Spritzer. Die Silhouette ihrer langen Beine zeichnete sich bei jeder Bewegung deutlich unter dem Stoff der Wickelhose ab und ihr langer Schwanz zuckte aufgeregt hin und her. So unschuldig wie es nur ging und sie auch eben war, kam sie zu ihm. So unberührt, so rein und naiv. All das frische Blut seines Bruders an den Händen der jungen Frau, die er nicht haben durfte, weckte seine ungestillte Lust. Vielleicht waren es seine Triebe, die ihn nun handeln ließen, vielleicht auch etwas anderes. Vielleicht glaubte er auch nur, dass das Schicksal ihm nun gerade einen Gefallen tat. Er lächelte schmal und zog eine Braue in die Höhe. Seine Hand hob sich zu Marukas Wange und liebkoste sie. Seine Finger stanken nach der Frau links von ihm.
„Das hast du gut gemacht.“
Ein mürrisches Räuspern erinnerte ihn daran, dass noch zwei weitere Personen sich in diesem Bett befanden.
„Lasst uns allein!“
Die Überraschung in den Gesichter der beiden Schönheiten, war nicht zu überbieten. Eine, die Linke, wollte gerade entrüstet den Mund öffnen, als sie auch schon seine Hand hart traf. Durch die Wucht des Schlages fiel sie zur Seite. Ein gutes Beispiel, dass man sich nicht gegen sein Wort stellen sollte. Auch Maruka zuckte zusammen und kauerte sich flach zwischen die Kissen.
„Ich wiederhole mich äußerst ungern!“
Sofort machten sich die beiden Dunkelelfinnen daran zu verschwinden, während Katze sich verunsichert umsah, als würde ihr gerade erst bewusst, wo sie sich befand. Sademos streichelte ihren Kopf.
„Schhhhh … du hast … fast … nichts falsch gemacht.“
Die drohende Gefahr schnürte Maruka die Kehle zu. Sie spürte sie bis in die Spitzen ihrer Schnurrhaare. Sademos warf den beiden Damen noch einen wütenden Blick hinterher und lehnte sich dann zurück. Sein Blick verengte sich und er ließ seine Zunge ein paar Mal leise tadelnd schnalzen.
„Was mach ich nur mit dir, mein ungezogenes kleines Kätzchen.“
Maruka horchte auf und ihre Ohren zuckten verräterisch. Sademos lachte leise. Dann so plötzlich, dass sie es kaum hatte kommen sehen, hatte er sie an der Kehle gefasst und drückte sie in das Kissen neben sich. Sie wehrte sich nicht.
„Ich muss dich bestrafen. Du bist hier eingedrungen, ohne dass ich dich zu mir befohlen habe … wenigstens ein bisschen, jetzt wo du schon mal hier bist!“
Katze zitterte und bekam kaum Luft. Leise winselnd rang sie um Atem. Sademos lockerte ein wenig seinen Griff, denn tot könnte sie ihm seine Wünsche nicht erfüllen. Seine Augen waren dunkel vor Begierde. Mit der freien Hand strich er über ihren Brustkorb und leckte dann das noch klebrige Blut von seiner Fingerspitze. Katze röchelte:
„Bitte...“
„STILL! Ein Laut von dir und ich reiß dir die Kehle auf! Wage es nicht einmal zu denken! Oder nein, … wenn du auch nur einen Laut von dir gibst, werde ich Valas Körperteile abschneiden, die nicht mehr nachwachsen und Dry’ol seinen Maulkorb abnehmen. Was? Glaubtest du, dass er schon richtig angefangen hat? Alles was er tut, tut er auf meinen Befehl, genauso wie Vranyk, genauso wie Valas und auch du meine kleine Katze!“
Während er sprach schob sich seine Hand langsam ihren Bauch hinunter und löste die seitlichen Schnallen ihrer Kleidung. Marukas Atem wurde immer schneller, was ihn zu freuen schien. Dann tauchte seine Hand tastend in ihre Hose ...
„Halt ganz still, ich will nur einmal … „
Katze erstarrte, als seine Finger ihr Ziel erreichten. Unendliche lange brauchte es, bis das unvermeidliche folgte.
„WAS …???“
Sademos hatte gefunden, was nicht mehr da war und riss seine Hände von ihr fort. Er bäumte sich auf und starrte sie ungläubig an.
„WER?!?“
Er zitterte vor Wut und schlug sie so heftig in den Unterleib, dass schwarze Sterne vor Marukas Augen aufblitzen. Ihr Bauch tat so weh, als hätte er sie von innen zerrissen, doch Maruka lag nur still da. Sie wusste, sie musste nun da durch. Die Wut in seinen Augen flackerte. Man hatte ihn hintergangen! Das eine was er nicht haben sollte, war beschmutzt worden, in seinem Haus, unter seinem Dach, unter seinen Augen!
„WER HAT DICH ANGERÜHRT?! SPRICH!“
Er würde ihr nicht glauben, doch es würde den Zweifel sähen! Katze bekam nur ein Flüstern heraus und noch nie tat ihr eine Lüge so weh, wie diese!
„Valas.“
„WAS? DU LÜGST! WEN BESCHÜTZ DU?“
„Niemanden außer Valas.“
„ICH PRÜGEL DICH ZU TODE!!! ...“
Er hob schon seine Hand, doch dann schien ihm etwas einzufallen.
„Du lügst! Ich hole ihn her und dann werdet ihr es noch einmal tun! Vor meinen Augen! Und wenn mein Knaben liebender Bruder ihn nicht hoch bekommt, schneide ich ihn ab! Dann wirst du mir schon sagen, wer in Wahrheit dich beschmutzt hat!“
Er sprang auf, und nackt wie er war verließ er Valas Namen fluchend das Zimmer!
Katze lag zitternd im Bett ihres Herrn und versuchte ihr Herz zu beruhigen. Sie war allein!
„Steh auf!“
Beschwor sie sich selbst.
„Steh auf!!!“
Mit einem Ruck und schwer atmend raffte sie alle Kraft zusammen. Sie war am Ziel ihre Pläne angelangt, nun galt es schnell zu handeln! Sie sah sich suchend um. Valas hatte ihr von dem Mechanismus erzählt, der den Geheimgang öffnen sollte. Er hatte ihr genau beschrieben, wonach sie in den Mustern der Wandbemalungen suchen musste. All die Obszönitäten, die Sademos sich mit Freude immer wieder vor Augen führte und die ihn überall auf den seidenen Tapeten, den Teppichen und Gemälden umgaben, starrten auf sie nieder. Maruka zog die Wickelung ihrer Hose wieder fester und versuchte die letzten Minuten aus ihrem Gedächtnis zu verbannen. Sie rückte ihren Brustharnisch zurecht und strich dabei unbewusst über die verborgene Feder über ihrem Herzen. Ihre Gedanken nahmen die kurze Handlung kaum war, nur ihr Körper schien sich an das Gefühl zu erinnern, das sie noch dort ruhte. Maruka versuchte jedoch gerade all ihr Sein auf eine ferne Zukunft zu lenken, anstatt in Erinnerungen zu schwelgen. Gab es hier Waffen, die sie brauchen könnte? Gab es Essen? Etwas, dass sie später tauschen könnte? Was sie fand, nahm sie an sich. Aber vor allem galt ihre Aufmerksamkeit ihrer Flucht! Sie suchte und wurde fündig.
Gerade als sie die Vertiefung in der Wand gefunden hatte und es leise klickte, hörte sie in der Ferne wieder Schritte näher kommen. Ein schmaler Spalt vor ihr schwang auf und ohne zu zögern huschte sie hinein. Schnell drückte sie sich von innen gegen die Tür und verbarg so wieder ihren Fluchtweg. Keine Sekunde zu spät! Gedämpft konnte sie Sademos Stimme fluchen hören, als er sie nicht dort vorfand, wo er sie zurück gelassen hatte. Etwas schlug hart auf den Boden auf und ließ ihn erzittern. Mehrere Schritte liefen auf und ab uns Befehle wurden gebellt. Katze bebte vor Angst und atmete schnell und flach. Vollkommene Dunkelheit umfing sie, wo nicht mal ihre Katzenaugen ausreichten um sich zu orientieren. Nun musste sie sich aber schnell aus der Erstarrung lösen, denn früher oder später würde man sie nicht nur in den offensichtlichen Fluren suchen.
Beweg dich! LOS!
Katze schlich auf Samtpfoten und mit ihren Schnurrhaaren, sowie den Händen tastend, vorwärts. In diesem kurzen Augenblick war sie sogar dankbar, für ihre neuen Sinne, die sie nicht komplett hilflos durch die engen Gänge irren ließen. Schnell hatte sie das Gefühl, sich in einem Labyrinth aus verwirrenden Wegen, engen Gängen, steilen Treppen und immer wieder Abzweigungen und Kreuzungen zu befinden. Überall roch es nach altem Tod. Hätte sie etwas sehen können, so würde sich das Grauen in ihre Seele brennen, dann Sademos Haus war auf den Schädeln seiner Feinde erbaut worden. Im Fundament, zwischen den Steinen, überall ragten Knochen und Schädel aus den Wänden. So war es nur eine tastende Ahnung, die gleich einer Klammer ihr Herz umfing und sie antrieb, all dies hier schnell hinter sich zu lassen.

(weiter bei : Die Katakomben )
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 19. November 2020, 11:20

(Kazel kommt von: Der Hybridenmarkt)

Eine Teil des Weges kannte Kazel sogar und er wusste, dass er wieder in den Wohnvierteln der reichen Dunkelelfen gelandet war. Das Anwesen, das er jetzt jedoch durch den Hintereingang betrat, lag deutlich näher dem Sitz des dunklen Herrschers, als seine heimatliche Mauern. Morgerias Grundriss hatte sich in den Jahren seiner Abwesenheit nicht viel verändert. Er wusste, dass er sich nordwestlich des Zentrums, unterhalb des Palastes befand. Nachdem sie den Marktplatz verlassen und die innere Mauer zum Viertel der Adligen durchschritten hatten, hatte er all die altehrwürdigen Prachtbauten seines Volkes betrachten können. Der Hochadel hatte hier seine Heimat und Jahrhunderte alte Steine schauten auf die Passanten nieder. Hochmut, Hass und Hinterlist hatten diese Orte geprägt. Die Risse in den alten Wänden, der Mörtel in den Fugen, sie waren mit Blut und Tränen gefüllt und Fresken, sowie uralte Statuen, starrten auf die Seelen nieder, die hier wandelten. Dieses Viertel hatte seine ganz eigene Geschichte.
Der Grundriss des Grundstückes, dass nun sein „neues Heim“ werden sollte war fünfeckig, besaß hohe Mauern mit Wachtürmen und schon auf den ersten Blick erkennbar, sehr gut ausgebildete Wachen. Er wurde scharf gemustert, so scharf wie die mit rot glänzenden Glassplittern versetzte Mauerkante. Hier war es unmöglich ein Seil hinüber zu werfen, erkannte Kazels Verstand schnell. Als sie dann zum Hintertor kamen, bemerkte der Mischling am Rande, dass Vranyk die Luft anhielt, als er das Tor durchschritt. Dann wurde aber auch Kazel schon an seiner Leine hindurch gezogen und ein Schauer rann seinen Rücken hinunter. Ja, er spürte, dass er seinem Opfer hier näher kam und dass er eben etwas durchschritten hatte, dass eben jenes wohl irgendwie umgab. Vermutlich ein magischer Schutz? Eine Barriere? Etwas, dass begründete, dass er hier war und einen Auftrag vom Tod hatte. Das was Vranyk wohl unbewusst Unbehagen bereitete, das löste bei Kazel diese Todeskälte aus. Wie kleine Nadeln stach es in die Narbenhaut seines Rückens, als der Schauer sich dort manifestierte. Er sah sich um.
Hatte man den gut drei Schritt tiefen Torbogen des Hintereingangs durchschritten, so gelangte man auf einen offenen Platz von dem man mehrere Bauten sehen konnte. Auch die Rückansicht des Herrenhauses war klar zu erkennen, denn es war das größte und beeindruckendste Gebäude. In seiner schlichten Eleganz aus schwarzem Stein, martialisch anmutenden Wasserspeiern und hohen Fenstern, die mit Fledermausartigen Flügeln verschlossen werden konnten, mutete es dunkel und ein bisschen wie ein Mausoleum an. Es gab zwei polygone Türme, einer fast so hoch wie die des Palastes und einen weiteren niedrigeren, der dafür aber mehr Umfang hatte. Das Untergeschoss besaß keine Fenster und erhob sich mit seinem massiven Natursteinfundament aus dem Boden. Der Hintereingang war über eine breite Treppe zu erreichen, in dessen Mitte eine glatte Rampe hinauf führte um schwere Lasten dort hinauf bringen zu können. Alles wirkte groß und düster und erst in den oberen Etagen, dort wo schlanke Fenster das Auge anhoben, dort sah man blutrote Vorhänge und gelegentlich Schatten vorbei huschen, die von eifrigen Bediensteten zeugten. Doch dort ging es nicht hin. Vranyk führte Kazel zu einem der kleineren Gebäude, die fast unscheinbar wirkten im Schatten des Haupthauses. Dieses Haus besaß tatsächlich keine Fenster, zumindest auf der Seite, die Kazel einsehen konnte. Trutzig mit dicken Mauern starrte es ihnen blind entgegen und sollte wohl erst einmal das neue Heim des Sturmadlers werden.
Ein Geräusch wie Knurren ließ beide zur Seite sehen und zwischen zwei anderen Gebäuden kam ein Hüne mit einem Warg um die Ecke gelaufen. Dort vorne mussten also die Stallungen sein und der bullige Dunkelelf wirkte sofort wie der geborene Foltermeister. Kazel kroch es sauer bei seinem Anblick die Kehle hinauf, denn von der Peitsche die er trug, tropfte frisches Blut und das Tier leckte sich die blutigen Lefzen, als sei es grade gefüttert worden. Vranyk sprach von der Seite:
„Das ist Dry'ol. Wenn du Glück hast, lernst du ihn nie besser kennen.“
Vranyk öffnete die Tür mit einem Schlüssel, den er an einer Kette um den Hals trug. Ohne weitere Erklärung gingen sie hinein. Das Halbdunkel erwartete sie und die Tür wurde wieder abgeschlossen. Dann ging es Zwischen Boxen und Käfigen entlang, in denen Tiere saßen. Normale Tiere, soweit Kazel es auf den ersten Blick erkennen konnte. Er sah einen Stier, einen Fuchs, ein paar Katzen und auch einen Wolf auf die Schnelle, dann ging es eine Treppe hinauf und hier oben wurden die „Zimmer“ geräumiger. Hinter der ersten Gittertür sah Kazel ein Mädchen an einem Schreibtisch sitzen, dass anscheinend lernte. Sie hatte lange Ohren, wie ein Kaninchen, die sie aber mit einer breiten roten Schleife dicht an den Kopf gebunden trug. Das nächste Zimmer offenbarte einen extrem dürren Mann, der mit Echsen-haut überzogen war, aber sonst vollkommen menschlich wirkte. Die nächste Zelle war frei und somit seine. Die dahinter liegenden Zimmer bekam er so nicht zu sehen, aber man hörte noch weitere Geräusche. Ein Knurren wie das eines Bären fragte von weiter hinten:
„Vranyk? Gibt's Essen?“
„Ruhe!“
Die Stimme schwieg und Kazel wurde in sein Zimmer gebracht. Es war einfach und nur die Gittertür bot Aussicht auf den kahlen Gang. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, eine Wasserschale und ein Eimer unterm Bett waren die Einrichtungsgegenstände. Alles aus Holz. Vranyk klinkte die Leine aus dem Halsband des Sturmadlers, schob ihn hinein und schloss hinter ihm die Tür. Die Leine hängte er an einen Haken gegenüber und sagte:
„Ich komm nachher wieder und dann stellen wir dich vielleicht schon dem Herrn vor. Vielleicht erfreut ihn der Anblick eines beseelten Vogels.“
Der Tierwärter zeigte abermals sein schmales Grinsen und entfernte sich dann. Man hörte seine Schritte wie sie leiser wurden und dann wieder das Schnappen der Tür. Kazel war erst einmal allein in seiner Zelle, doch schon bald hörte er um sich herum das Leben und die Seelen seiner Mitgefangenen.
„Hey...ssschhh....“
, zischte es lispelnd und leise von nebenan.
„Wer bissst du? ...Mich nennt man hier Ssschlange.“
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 24. November 2020, 15:14

"Sturmadler also ... Adler."
"Sturmadler", wiederholte Kazel und betonte die Silbe, die Vranyk verschluckte. Der Kerl durfte ihn nicht nur Adler rufen, sonst würde auch sein Spitzname nicht helfen und Janay ihn nicht erkennen. Falls sie überhaupt noch einen Gedanken an ihn verschwendete und nicht bereits schon tiefer in die Fänge der Tenebrées geraten war. Hoffentlich hatte sie sich nicht einlullen lassen. Sie klang so euphorisch, in Morgeria ihr Glück zu machen und als reiche Elfe zu fliehen. Oder wollte sie das gar nicht? Wollte sie ein Teil der Tenebrées selbst werden? Wollte sie gar ihr gemeinsames Kind unter den giftigen Augen Tante Starles aufziehen? Kazel versuchte, nicht darüber nachzudenken, damit ihm nicht noch die Galle hoch kam. Das Bild im Spiegel des Gevatters, vor allem aber Janays Worte sorgten noch immer für ein flaues Gefühl in seiner Magengegend. Er musste Tods Auftrag rasch hinter sich bringen, um seine selbst aufgebaute Familie zu retten, an der er bereits viel zu sehr hing. Dennoch durfte er nicht nachlässig werden. Ein falscher Schritt und Vranyk würde zum Problem. Im Moment war er einfach nur lästig, aber Kazel ließ es über sich ergehen, um seine Tarnung des versklavten Hybriden vorerst aufrecht zu erhalten. So folgte er dem Zug an der Leine und begleitete Vranyk durch die Gassen.
Bereits nach einigen durchstreiften Straßen erkannte der falsche Hybrid, in welchem Teil der Stad er sich befand. Zwar hatten sich einige Dinge verändert, doch handelte es sich hauptsächlich um Kleinigkeiten. An einem Haus war ein neues Erkertürmchen hinzugekommen, ein anderes präsentierte sich nun mit neuen, faldorgefälligen Wasserspeiern, bei einem dritten Haus hatte man die Rosenhecken heruntergeschnitten. Alles in allem reichten aber schon die Fassaden und die Winkel der Gassen aus, dass Kazel sie wiedererkannte, auch wenn er lange Zeit im hauseigenen Kerker verbracht hatte, anstatt durch Morgeria zu streunen. Beinahe weckte es in ihm wohlige Erinnerungen an die besseren Zeiten seiner Jugend. Vordergründig halfen ihm die Eindrücke, um sich zurecht zu finden. Er prägte sich ein, wo sie sich genau befanden. Es könnte noch wichtig werden.
Schließlich erreichten sie eines von vielen Anwesen. Es befand sich nahe dem Sitz des dunklen Herrschers, was sofort zu dem Schluss führte, dass dieser besagte Sammler hoch in der Gunst Kraen Amraéns lag. Kazel konnte ja nicht ahnen, dass sich der dunkle Herrscher bereits in Pelgar niedergelassen hatte, um von der Hauptstadt aus Celcias Eroberungsfeldzug fortzuführen. Er hätte ohnehin nichts unternehmen könnten. Mit der Bruderschaft des Lichts oder den Leoniden wäre es möglich gewesen, aber ganz allein und so weit weg vom Schmelztiegel der dunklen Eroberung nutzte es mehr, wenn er sich auf seine eigenen Probleme konzentrierte.
Ein weiteres davon könnte sein neues "Heim" selbst werden. Es kribbelte, als Kazel Vranyk durch das Tor folgte. Er blieb stehen, auch wenn sein Vordermann an der Leine zog. Flüchtig schaute er zurück, auf das Tor selbst und dann die innere Fassade empor. "Was war das?", fragte er, denn Vranyks vorheriges, tiefes Luftholen ließ keinen Zweifel aufkommen, dass Kazel eben nicht nur einfach so ein seltsamer Schauer durch den gesamten Körper gelaufen war. Ein magischer Schutz? Das könnte wirklich sein größtes Hindernis darstellen, denn mit Magie kannte der Mischling sich kein bisschen aus. Er selbst hatte ja nie eine Begabung dafür gezeigt.
Ein erneuter Ruck an seinem Hals ließ ihn weitergehen. Und dann sah er eine Gestalt, die ebenfalls ein Problem darstellen könnte. Aber nur, wenn ich meine Lebenszeit nicht einsetze. Dann wäre auch er schnell erledigt ... falls der Gevatter sich daran nicht stört. Das hätte Kazel seinen selbst ernannten Lehrmeister noch fragen sollen. Wie stand es darum, wenn er andere nebst dem Sammler umbringen musste, um seinen Auftrag zu erfüllen? Galten sie als notwendiges Übel? Heilte der Zweck die Mittel, wenn das bedeutete, ein Leben mehr zu nehmen? Am besten versuchte er erst gar nicht, in Dry'ols Nähe zu gelangen. Dann würde er keine Entscheidung treffen müssen. Er beobachtete den mutmaßlichen Foltermeister eine Weile und irgendwie zwickte sein Rücken dabei. "Ich schätze, mein Glück endet, wenn ich Ärger mache." Es war keine Frage, aber Kazel warf diesen Gedanken trotzdem laut ausgesprochen in den Raum. Vielleicht reagierte Vranyk ja darauf. Vielleicht zählte er zu redseligen Sorte Dunkelelf. Vielleicht ließ sich dann über ihn an Informationen herankommen. Kazel musste seine Möglichkeiten entdecken, um sein weiteres Handeln abwägen zu können.
Vranyk zeigte ihm allerdings auf andere Weise schnell, dass er nicht viel Spielraum besaß. Als Hybrid sollte er wohl kaum in den Haupträumlichkeiten des Anwesens unterkommen, sondern eher in einer Art Zwinger. Kazel passierte Käfige und Zellen mit Tieren, aber auch einige mit anderen - mit echten - Hybriden. Er konnte den Blick nicht von ihnen abwenden und das, obwohl sich sämtliche Nackenhaare aufstellten. Es mochte ihnen nicht allzu schlecht ergehen. Zumindest das Kaninchenmädchen bekam doch den Luxus, wenigstens schreiben oder zeichnen zu können. Letzten Endes waren sie aber alle Gefangene. Sklaven. Und er wurde Teil von ihnen, als Vranyk ihn in eine freie Zelle bugsierte.
Kazel gab sich ruhig und ließ es über sich ergehen. Besser war es, erst einmal nicht negativ aufzufallen. Er wartete, bis er von der Leine befreit worden war und machte dann die wenigen Schritte von einer Zellenwand zur anderen. Die Begutachtung seiner Einrichtung konnte er während des kurzen Rundgangs ebenfalls vollständig durchführen. Er wandte sich wieder zur Zellentür um, lauschte Vranyks Ausführungen und entschied sich für eine List, auf die der Elf möglicherweise herein fiel: "Was hast du gesagt?" Er täuschte vor, Lerium nicht zu beherrschen. Vielleicht merkte Vranyk sich das und wurde unvorsichtig, weil er glaubte, dass der olle Vogelhybrid Sturmadler ihn ohnehin nicht verstand.
Auf eine Antwort hoffte Kazel nicht einmal. Er war gerade dabei, sich auf das Bett seiner Zelle niederlassen zu wollen, als er von dem geschuppten Hybriden angesprochen wurde. Er beendete seine Bewegung, ehe er zu ihm herüber schaute. Für eine Weile betrachtete er ihn nur stumm. Dann antwortete er: "Ich bin Sturmadler. Äh ... freut mich, schätze ich. Schlange. Der Name passt."
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Freitag 27. November 2020, 15:25

"Ich schätze, mein Glück endet, wenn ich Ärger mache."
Vranyk reagiert mit einem nachhaltigen Nicken darauf und fügte tatsächlich recht „redselig“ an:
„Dry'ol will niemand wirklich kennen. Nicht mal ich. Aber seine Familie kann man sich nicht aussuchen.“
Ob er damit wohl Kazel aus der Seele sprach?
„Niemand versteht in Morgeria besser mit der Peitsche umzugehen als er! Er kann dir mit einem Schlag den Rücken bis auf die Knochen häuten.“
Diese Ausführung hätte Vranyk sich sicher besser sparen können, aber es verdeutlichte Kazel, dass der Foltermeister dieses Hauses kein ungefährlicher Geselle war. Dann zeigte Vranyk zeigte ihm eine Art Zwinger. Kazel passierte Käfige und Zellen mit Tieren, aber auch einige mit anderen - mit echten - Hybriden. Er konnte den Blick nicht von ihnen abwenden und das, obwohl sich sämtliche Nackenhaare aufstellten. Es mochte ihnen nicht allzu schlecht ergehen. Zumindest das Kaninchenmädchen bekam doch den Luxus, wenigstens schreiben oder zeichnen zu können. Letzten Endes waren sie aber alle Gefangene. Sklaven. Und er wurde Teil von ihnen, als Vranyk ihn in eine freie Zelle bugsierte. Kazel gab sich ruhig und ließ es über sich ergehen. Besser war es, erst einmal nicht negativ aufzufallen. Er wartete, bis er von der Leine befreit worden war und machte dann die wenigen Schritte von einer Zellenwand zur anderen. Die Begutachtung seiner Einrichtung konnte er während des kurzen Rundgangs ebenfalls vollständig durchführen. Er wandte sich wieder zur Zellentür um, lauschte Vranyks Ausführungen und entschied sich für eine List, auf die der Elf möglicherweise herein fiel:
"Was hast du gesagt?"
Auf eine Antwort hoffte Kazel nicht einmal, aber erhielt sie trotzdem:
„Ich meinte, vielleicht mag dich der Meister. Er hat eine Vorliebe für... Gefiederte.“
Mehr gab es jedoch nicht zu bereden und bald war Kazel allein.
Allein, in einer Zelle, ohne durchsucht worden zu sein, umgeben von ECHTEN Hybriden. Das Halsband schien den Dunkelelfen hier wohl genug zu sein um ihn nicht mal zu durchsuchen. So hatte er noch seine Dolche und das Schloss sah auch nicht sonderlich neu aus. Er war gerade dabei, sich auf das Bett seiner Zelle niederlassen zu wollen, als er von dem geschuppten Hybriden angesprochen wurde. Er beendete seine Bewegung, ehe er zu ihm herüber schaute. Für eine Weile betrachtete er ihn nur stumm. Dann antwortete er:
"Ich bin Sturmadler. Äh ... freut mich, schätze ich. Schlange. Der Name passt."
Sein Zellennachbar von Gegenüber grinste und als er beim Sprechen den Mund öffnete, zuckten immer wieder zwei gebogene schlanke Giftzähne hervor, die seine Zunge in der Beweglichkeit behinderten. Auch seine Bewegungen waren sehr fließend. Aus der Zelle neben Kazel erklang eine süße weibliche Stimme, wohl das Kaninchenmädchen:
„Er ist weg, ihr könnt laut reden.“
„Danke, Hop. ….Und wann hat essss dich erwisssscht?“
, fuhr Schlange fort.
Bevor der Sturmadler jedoch antworten konnte, brummte es bärbeißig aber freundlich von weiter hinten:
„Schlange, was isn der Neue?“
Dieser antwortete:
„Vogel. Adler nehme ich dem Namen mal nach an, aber kaum was zu sehen. Kaum verändert, soweit ich sehen kann.“
„Hat er Flügel oder Federn?“
, fragte eine weitere Stimme aus dem nicht einsichtigen Bereich außerhalb von Kazels Zelle. Die Stimme war etwas rauchig, leicht heiser, etwas tiefer aber doch gerade so als weiblich zu erkennen.
„Wenn er Flügel hat, dann ist er eh nicht lange hier... brauchst dich garnicht mit ihm anzufreunden. Dann zieht er schon bald ins Haupthaus um.“
Dann hustete sie und blieb still. Während des Gesprächs tat sich aber noch etwas anderes. Schlange war an seine Zellentür heran getreten und schlängelte seinen Arm auf sehr widernatürliche Weise zwischen den Stäben hindurch, kugelte sich dabei die Schulter rein optisch bestimmt an vier zusätzlichen Gelenken aus und holte sich Kazels Leine von dem Haken an der Wand zwischen den Zellen. Dann trat er einen Schritt zurück, grinste wieder, fummelte eilig einen Metallring an der Öse zum Befestigen ab und fummelte alles wieder zusammen. Mit wackelnden Augenbrauen, hockt sich in eine Ecke und mit einem schelmischen Lächeln verschwand der kleine Metallring dann in einer Fuge in seiner Zelle. Kurz darauf hing die Leine wieder an ihrem Haken, als sei nichts geschehen. Plante Schlange einen Ausbruch?
Derweil sprach die brummige Stimme weiter:
„Sturmadler! Kleiner Rat: Wenn sie dich holen kommen, halt die Klappe. Stolz macht sie richtig wild.“
Die Kaninchenmädchenstimme sang fast, wenn sie sprach:
„Wenn sie sagen: Tanz! Dann tanz. Und wenn du wieder herkommen solltest, dann bring uns was mit. Egal was.“
Schlange fügte hinzu:
„Ja. Wir können alles gebrauchen. Wenn du was mopsen kannst, dann mach es. Du hast nen Halsband. Dich kontrollieren sie nicht so sehr wie die ohne.“
Dann erklang aus noch weiterer Entfernung ein Kratzen und Schlange spähte seitlich den Gang entlang. Er presste dabei seinen Schädel halb durch die Gitterstäbe, was wirklich gruselig aussah. Hätte er seinen Kiefer ausgerenkt, dann könnt er vielleicht sogar...
„Schabe, ist gut! Wir wissen, dass du da bist.“
Dann sah er zu Kazel hinüber und bekam einen etwas mitleidigen Gesichtsausdruck.
„Schabe kann nicht reden. Aber so sagt er auf seine Art Hallo.“
Dann trat einen Moment Ruhe ein, in der Kazel reagieren und Fragen stellen konnte.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 28. November 2020, 23:06

Kazel wollte Dry'ol nun tatsächlich nicht kennen lernen, nicht einmal bei still stehender Zeit. Allein der Anblick der Peitsche hatte ihm eine Gänsehaut beschert. Vranyks Worte sorgten nun noch dafür, dass ihm Schauer des Unbehagens den vernarbten Rücken entlang liefen, während sich ein flaues Gefühl in seiner Magengegend ausbreitete. Seine Familie hatte ihn genug geprägt. Er wollte und würde keine weitere solche Erfahrung machen, deshalb blieb der falsche Hybrid auch ein äußerst braver Gefangener und folgte, ohne ein weiteres Wort. Erst in seiner Zelle sprach er wieder, aber nicht mehr mit Vranyk. Der Elf war längst fort. Dem Wesen, das sich passenderweise Schlange nannte, gebührte Kazels Aufmerksamkeit. Er erregte aber ebenso welche. Sämtliche Hybriden musterten ihn nun oder sprachen ihn gar an. Kazel betrachtete jene der Reihe nach, die in seinem Blickfeld lagen. Die knurrige Stimme konnte er nur aus der Ferne vernehmen, ihr aber keine Optik zuordnen. Das hinderte den Fremden jedoch nicht daran, sich ebenfalls am Gespräch zu beteiligen.
Lediglich Kazel blieb vorerst stumm. Er kam ohnehin nicht dazu, zu antworten. Die Hybriden unterhielten sich eher über ihn, statt ihn direkt einzubinden. Sie fragten einander nach seinem Äußeren, diskutierten eine Weile, ob er als Adlerhybrid auch fliegen konnte und gaben auf diese Weise einige Informationen preis. Kazel spitzte die Ohren. Der Sammler scheint also Vogelhybriden zu bevorzugen. Ob das nun Glück für mich bedeutet, werde ich wohl noch herausfinden müssen. Er beäugte die Plaudernden. Der Geschuppte nennt sich Schlange. Das Kaninchen heißt Hop ... weiter hinten sind noch zwei, einer davon mit knurriger Stimme, der andere mit rauchiger. Wobei das auch eine Frau sein könnte und ... Moment! "Haupthaus? Heißt das, ich werde dem Sammler persönlich vorgeführt?" Er versuchte, seine Frage beiläufig klingen zu lassen, aber das wollte nicht gelingen. Kazel juckte es unter den Fingernägeln. Sein Ziel schien nahe und er besaß sogar noch die geliehenen Klingen. Sein Vorteil würde aber das Überraschungsmoment sein. Zum einen, weil sein Halsband nicht auf das Zauberwort Fussel reagierte, zum anderen weil er die Zeit beeinflussen könnte. Dennoch wollte Kazel die Situation nicht unterschätzen. Er appellierte daran, seinen eigenen, halbdunkelelfischen Stolz im Zaum zu halten. Es klang ohnehin alles viel zu gut. So glimpflich konnte es nicht ausgehen. Dennoch lockte die Aussicht, den Sammler bald sehen zu können.
Selbst die brummige Stimme riet ihm dazu, lieber zu schweigen. Dennoch empfahl er, sich in das Schweigen dunkelelfischen Stolzes zu hüllen. Kazel nahm den Hinweis auf. Diese Hybriden waren schon länger in der Obhut des Sammlers als er. Sie wussten um die Gepflogenheiten, aber auch um die Tricks. Tanzen, wie es ihm das Kaninchen riet, würde er allerdings nicht. Ha, er beherrschte überhaupt keine Tanzschritte! Höchstens die aus seiner Jugend, doch Kazel zweifelte stark daran, dass er sie aus dem Gedächtnis würde abrufen können. "Ich habe ohnehin nichts zu sagen", erwiderte er dem Hybriden, von dem er nur die Stimme kannte. Somit gab er sich nur wenig redseliger als ein weiterer Hybrid, den die anderen Schabe nannten und der sich scheinbar nur durch Kratzlaute verständigen konnte. Irgendwie erinnerte dieser Schlag an Hybriden Kazel plötzlich an die Insassen der Irrenanstalt zu Pelgar. Besonders die Schabe weckte im Mischling Bilder an den Eh-Eh-Mann, einen seltsamen Gesellen, dessen Name Programm war. Er gab keinen anderen Laut von sich, schien aber nett gewesen zu sein. So wie all die Verrückten in der pelgairschen Klapsmühle. Die Hybriden waren ihnen nicht unähnlich, nur rationaler. Vernünftiger. Freunde dich dennoch nicht mit ihnen an! Du stehst bereits in der Schuld der Goblins und hast einen Auftrag! Und Janay musst du auch noch irgendwie holen, Idiot! Hm ... aber vielleicht kann ich sie freilassen, wenn es sich ergibt. Ich sollte es nur nicht zum Fokus meines Daseins hier machen.
Aber er wollte Informationen aus ihnen heraus holen, zumal die gesamte Truppe ihn sehr offen empfing. Sie glaubten schließlich, er sei irgendwie einer von ihnen. Außerdem gab es in den Zellen nicht viel zu tun. Kazel war noch nicht wieder so müde, als dass er sich schlafen legen wollte. Essen stand auch nicht herum und glücklicherweise meldeten sich seine Grundbedürfnisse nicht. Er war sich nicht sicher, ob er vor all diesen Wesen in einen Eimer machen könnte. Irgendwo besaß auch er elfischen Stolz und der meldete sich bei der Notdurft gewiss.
Es blieb demnach nur, weiterzureden. "Unser ... Besitzer ist also dieser Sammler. Hat er keinen anderen Namen? Was wisst ihr über ihn und was findet er so interessant an Mischl... Hybriden?" Das waren zunächst seine wichtigsten Fragen. Er wollte die anderen auch nicht sofort löchern, denn sonst gingen noch einige Fragen unbeantwortet verloren. Kazel zog den Mantel etwas enger um sich und beobachtete die anderen aus der Kapuze heraus, gespannt darauf, was und wieviel sie ihm verraten würden.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Dezember 2020, 18:45

"Haupthaus? Heißt das, ich werde dem Sammler persönlich vorgeführt?"
Er versuchte, seine Frage beiläufig klingen zu lassen, aber das wollte nicht gelingen und so reagierte auch Schlange mit einem etwas überraschten Blinzeln, gefolgt von einem leichten Schulterzucken.
„...ähm... wahrscheinlich?“
Kazel juckte es unter den Fingernägeln. Sein Ziel schien nahe und er besaß sogar noch die geliehenen Klingen. Sein Vorteil würde aber das Überraschungsmoment sein. Zum einen, weil sein Halsband nicht auf das Zauberwort **Fussel** reagierte, zum anderen weil er die Zeit beeinflussen könnte. Dennoch wollte Kazel die Situation nicht unterschätzen.
Selbst die brummige Stimme riet ihm dazu, lieber zu schweigen. Kazel nahm den Hinweis auf. Diese Hybriden waren schon länger in der Obhut des Sammlers als er. Sie wussten um die Gepflogenheiten, aber auch um die Tricks. Tanzen, wie es ihm das Kaninchen riet, würde er allerdings nicht, aber vielleicht war das auch metaphorisch gemeint gewesen?
"Ich habe ohnehin nichts zu sagen"
, erwiderte er dem Hybriden, von dem er nur die Stimme kannte. Somit gab er sich nur wenig redseliger als ein weiterer Hybrid, den die anderen Schabe nannten und der sich scheinbar nur durch Kratz-laute verständigen konnte. Irgendwie erinnerte dieser Schlag an Hybriden Kazel plötzlich an den Eh-Eh-Mann. Die Hybriden hier waren ihnen nicht unähnlich, nur rationaler. Vernünftiger.
Freunde dich dennoch nicht mit ihnen an! Du stehst bereits in der Schuld der Goblins und hast einen Auftrag! Und Janay musst du auch noch irgendwie holen, Idiot! Hm ... aber vielleicht kann ich sie freilassen, wenn es sich ergibt. Ich sollte es nur nicht zum Fokus meines Daseins hier machen.
, warnte Kazel sich selbst. Aber er wollte Informationen aus ihnen heraus holen, zumal die gesamte Truppe ihn sehr offen empfing. Sie glaubten schließlich, er sei irgendwie einer von ihnen. Außerdem gab es in den Zellen nicht viel zu tun. Kazel war noch nicht wieder so müde, als dass er sich schlafen legen wollte. Essen stand auch nicht herum und glücklicherweise meldeten sich seine Grundbedürfnisse nicht. Er war sich nicht sicher, ob er vor all diesen Wesen in einen Eimer machen könnte. Irgendwo besaß auch er elfischen Stolz und der meldete sich bei der Notdurft gewiss.
Es blieb demnach nur, weiterzureden.
"Unser ... Besitzer ist also dieser Sammler. Hat er keinen anderen Namen? Was wisst ihr über ihn und was findet er so interessant an Mischl... Hybriden?"
Da hatte er sich auch schon fast verplappert. So was durfte ihm hier nicht passieren. Kazel zog den Mantel etwas enger um sich und beobachtete die anderen aus der Kapuze heraus, gespannt darauf, was und wie viel sie ihm verraten würden. Dieses Mal was es „Hop“ die zu sprechen begann:
„Du kannst noch nicht lange in der Stadt sein, wenn du den Sammler nicht kennst.“
Schlange gegenüber nickte seitlich an Kazels Zelle vorbei, dem Kaninchenmädchen zu. Dann sprach sie weiter:
„Der Sammler nennt sich natürlich nur so. Im wirklichen Leben heißt er...“
Prompt wurde sie von einem Hustenanfall der heiseren Stimme unterbrochen. Trotzdem sprach sie nach der Pause weiter:
„Er heißt Sademos. Aber ich empfehle dir ihn niemals so zu nennen! Nenn ihn Herr. Alles andere bringt nur Probleme. Und wer Probleme macht...“
An dieser Stelle schaltete sich wieder Schlange sehr Gestenreich dazu in dem er den imaginären Strick um seinen Hals legte und nach oben zog, dann sich in die Brust stach, und im nächsten Moment von unsichtbaren Schlägen auf den Rücken gepeinigt zu Boden ging... was für ein Schauspieler!!!
„... ja! Genau das.“
Hop hatte ihm wohl auch zugesehen. Jetzt sprach sie weiter:
„Oder man verschwindet im ...Keller.“
Schlange erstarrte in seiner Darbietung und war schlagartig ernst geworden. Der Keller schien seine Laune eingefroren zu haben. Hier gab es vielleicht etwas, wo man noch nach bohren musste. Stille hatte sich über den Zellentrakt gelegt und der Mann gegenüber sah aus, als müsse er sich gleich übergeben. Nach einer Weile begann die rauchige Stimme wieder zu husten und Schlange fragte:
„Nessaja, hast du noch was zu trinken?“
uns spähte an der anderen Seite von Kazels Zelle vorbei. Es antwortete Husten.
„Hast du noch Wasser in deiner Schale?“
, fragte Schlage und deutete in eine Ecke von Kazels Zelle. Als er nachsah, war da tatsächlich etwas Wasser.
„Wenn du sie unter der Tür hindurchschiebst und dann mit den Händen von Strebe zu Strebe weiter reichst und dann mit dem Arm...“
Schlange machte vor was er meinte und zeigte damit dem Sturmadler wie er seiner Nachbarin helfen konnte. Aber tat er es auch? Wirklich Durst hatte er noch nicht und Hunger stellte sich auch noch keiner ein. Wahrscheinlich ging es ihm hier mit Abstand am besten. Schadete es, einer unbekannten Zu helfen? Ein erneuter Hustenanfall setzte ein und Schlange sah ihn schon fast flehend an.
„Verschütt nur bitte nicht so viel.“
Einfacher wäre es sicher, wenn er die Schale einfach den Flur entlang tragen würde um sie unter der Zellentür seiner Nachbarin hindurch zu schieben. Er müsste nur ...seinen Dolch... Sein Blick fiel auf das alte Schloss. Die Spitze des Riegels könnte er mit der schmalen Klinge gewiss bewegen. Wirklich sicher waren diese Zellen nicht, denn man vertraute darauf, dass die Insassen wussten was ihnen blühte, sollte sie sie verlassen. Was machte er also aus der Situation? Zeigte er seinen Mitinsassen, dass es auch noch einen anderen Weg gab, dass er Waffen hatte, oder ging er den mühsamen und langen Weg, der nur zu einem Teil erfolgreich sein würde, so wenig Wasser noch in der flachen Schale war. Sich die andren Hybriden anzusehen und vor allem das Gebäude auszukundschaften war vielleicht auch kein schlechter Plan. Er wollte schließlich nicht all zu lange Gast des Sammlers bleiben. Da war es wichtig seine Umgebung zu kennen. Hop fragte in seine Gedanken:
„Und? Hilf er?“
und Schlange antwortete:
„Er überlegt wohl.“
Derweil ging das Husten nebenan stoßweise weiter, was Schlange kommentierte:
„Nessaja hat seit ihrer Verwandlung Probleme mit der Atmung. Sie wurde von einer Schildkröte infiziert. Sie vertrocknet. Bitte hilf ihr.“
Hop meinte von der andern Seite:
„Es kommt niemand. Nur hinten bei den Ställen hör ich sich entfernende Schritte. Weit weg. Ihr könnt los legen.“
Mit ihren großen Ohren war sie wohl das Warnsystem der Gruppe.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 16. Dezember 2020, 13:16

Kazel nickte dem Hasenmädchen zu. "Das habe ich bereits gelernt: Keine Probleme machen." Er stämmte die Hände in die Hüften und gab vor, unter einem Strecken über Hops Worte nachzudenken. "Es stimmt. Ich bin erst wieder kürzlich hier", bestätigte ihre Vermutung. Das Gespräch sollte schließlich am Laufen gehalten werden, während Kazel die so wichtigen Informationen für ihn heraus pickte und noch einmal überdachte. Sademos also. Der Sammler, der Herr genannt werden will. Ich sollte mich wohl wirklich so folgsam geben wir möglich. Auf diese Weise dürfte ich am nächsten an ihn herankommen. Bleibt zu hoffen, dass ich es nicht vermassle. Aber selbst wenn, dann würde er sicherlich erneut in der Domäne des Gevatters landen. Sterben und wieder auferstehen war beides nicht angenehm. Er wollte es so wenig wie möglich wiederholen, aber allein das Wissen darum, dass er bis zur Erfüllung seines Auftrags immer wieder eine neue Chance erhielt, half immens. Es nahm jegliche Furcht. Jetzt durfte Kazel nur nicht übermütig werden, ansonsten würde er als Sturmadler sehr tief fallen. Plötzlich verstummte das Häschen. Kazel lenkte seine Aufmerksamkeit zurück auf sie. Dabei fiel ihm auf, dass sich die Aura um den Hybriden Schlange ebenfalls verändert hatte. Er wirkte deutlich düsterer in seiner Stimmung, ernster. Bevor Kazel allerdings nachhaken konnte, erfuhr er Einzelheiten zu einer Zellengenossin weiter hinten im Trakt. Nessaja, eine Schildkrötenhybridin, kämpfte mit Atemnot. Sie brauchte Wasser und Kazel hatte durchaus noch etwas in seiner Schale. So nickte er zum zweiten Mal.
"Augenblick!", gemahnte er Schlange zu Geduld, antwortete ihm jedoch, um ihn ruhig zu halten. Dass dieser einen flehenden Tonfall eingeschlagen hatte, ließ ihn noch unheimlicher erscheinen als wenn er sich ernst gab.
Kazel wandte sich in seinem eigenen kleinen Kerkerheim um. Sein Blick wanderte zur Wasserschale und er hob sie an. Sie war noch gut gefüllt, schließlich hatte er noch nicht die Zeit gehabt, selbst etwas zu trinken. Da er aber auch nicht durstig war - noch nicht! - konnte er sie entbehren. Nessajas Husten klang wirklich nicht gut. Sie brauchte es derzeit mehr als er selbst. Trotzdem stellte Kazel die Schale zunächst einmal sicher auf seiner Pritsche ab und drehte sich erneut den anderen zu. Er betrachtete das Schloss der Zellentür. Es war groß, aber ein altes Modell. Die billigste Variante von Schlössern, die über einen Schubriegel hinausging und die Kazel bekannt war. Seinem Kerkergefängnis aus der Jugend hätte er spielend entkommen können, wenn seine Mutter und Tante dort mit Schlössern gegeizt und sich für dieses hier entschieden hätten. Es würde leicht zu knacken sein.
Er schob unauffällig den Arm etwas zurück, denn Kazel wollte nach einem der Dolche greifen. Vielleicht ließ sich dieser zwekcentfremden, auch wenn es der Klinge sicherlich nicht allzu gut täte, in einem Schloss herum zu stochern. Da bemerkte er eine befremdliche Beule unter seinem Mantel. Nein, sie war jenseits der Schrittgegend, dafür bewegte sie sich. Er erstarrte. Lediglich die elfischen Ohren zuckten aufmerksam, denn er vernahm leise Worte.
"Klopf an und dir wird aufgetan", murmelte jemand. Die Beule selbst! Kazels Augen engten sich und er spannte die Muskeln an. Zu Beginn hatte er an eine Ratte gedacht, aber diese konnten nicht sprechen. Und was ist mit jener Ratte, die auf zwei Beinen mit den Orks aus dem Fass kam? Er bereitete sich darauf vor, den frechen kleinen Hybriden zu packen. Denn davon ging Kazel aus. Das musste noch ein Insasse sein, der ihn kurzerhand lieber direkt erkundete als an seinem Platz zu bleiben. Da er gesprochen hatte, konnte es sich auch nicht um die Schabe handeln, sofern Schlanges Worte der Wahrheit entsprachen. Kazel rührte sich nicht. Er spürte, dass das Wesen an seinen Dolchen hantierte und anschließend wieder im Schutz des Mantels an ihm herab kletterte. Da bemerkte er plötzlich die Zipfelmütze. Das war kein Hybrid! Es handelte sich um ein kleines Männlein, vielleicht ein Gnom? Aber selbst dafür war er immens kurz geraten.
"Buh", wisperte Kazel ihm zu, um auf sich aufmerksam zu machen, ohne seine Entdeckung den übrigen Hybriden preiszugeben. Das Männchen erschreckte sich sofort und starrte zu ihm empor. "WAAAAAHHHH ... Warum bist du nicht erstarrt wie der Rest der Welt? Ich wollte doch nur..." Erstarrt? Hab ich die Zeit angehalten? Mit einem Druck in seine Handinnenfläche prüfte Kazel, ob er die Sanduhr mit seiner Lebenszeit spüren konnte, aber er fühlte nichts. Dann schaute er zu den Hybriden herüber. Sie waren wie festgefroren. Die Zeit stand offenbar still, aber nicht hervorgerufen durch kostbare Körnchen seines eigenen Lebens. Dann musste das Männchen zwangsläufig mit dem Gevatter zu tun und seine eigene Lebenszeit in Anspruch genommen haben. Kazel grinste zu ihm herab. Er verstand -und auch das Männlein schien zu verstehen, denn es erwiderte: "Du bist der Lehrling des hageren Freundes meines Freundes."
"Mhm", gab Kazel nur zurück.
"Na, da du mich nun schon mal gesehen ... und gehört hast, da kann ich dir auch sagen, dass du da ein Geschenk bekommen hast. Klopf an und dir wird aufgetan. Ein einmaliger Passierschein, wenn du so willst. Egal, wo und wann, die Tür, an die du damit klopfst, wird sich für dich öffnen." Seine Worte ließen den Mischling blinzeln. Wie praktisch! Das kommt im Grunde genau zur rechten Zeit, aber ich sollte mir dieses Geschenk wie auch meinen Lebenssand aufsparen für die wirklich notwendigen Momente. Dieses Schloss hier bekomme ich auch ohne Zaubergeschenke des Gevatters auf.
Derweil verabschiedete sich das Männchen mit dem Rat, nicht zu lange an diesem Ort zu bleiben. Und noch ehe Kazel etwas erwidern konnte, war es verschwunden. Er brummte nachdenklich auf. Das Wesen hatte an seinen geliehenen Klingen hantiert. So holte Kazel eine davon hervor und betrachtete sie. Schnell entdeckte er das Runensymbol am Knauf. Die Runenkunde war ihm so fremd wie die damit verbundene Magie, aber der Hinweis des Männleins reichte aus, als dass er das Symbol zu lesen wusste. Trotzdem brauchte er den Zauber nicht, den Dolch jedoch schon. Er werkelte flink damit an dem alten Schloss herum und in nur wenigen Minuten hatte er es geknackt. Unter einem Klicken brach das Schloss und Kazel konnte die Zellentür problemlos öffnen.
Er schaute wieder auf, ob die Hybriden immer noch erstarrt waren. "Ich bringe dir die Schale, Nessaja", sagte er, unabhängig davon. Dann öffnete er die Zellentür und holte das Wasser. Auf diese Weise würde er nicht einen wichtigen Tropfen verschütten. Kazel fragte nicht, in welcher Zelle sich die Hybridin befand. Er folgte dem Husten, sofern es noch vorhanden war und sah sich ansonsten mal jeden Insassen im Trakt genauer an. Hops und Schlange kannte er ja schon. Schabe musste irgendwo dort hinten sein. Blieben nur noch die tiefe Brummstimme und die Schildkröte selbst.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. Dezember 2020, 14:59

"Du bist der Lehrling des hageren Freundes meines Freundes."
Und bekanntlich war der Freund eines Freundes ein Freund, so hieß es doch. Die Beule unter seinem Mantel hatte sich zu einem sehr ungewöhnlichen Besucher gewandelt. Der Lehrling des Todes zu sein, schien noch ein paar Mehr merkwürdige „Geister“ anzulocken und Kazel Dinge zu offenbaren, die sonst kein lebendes Wesen jeh zu Gesicht bekommen würde.
"Mhm"
, gab Kazel nur zurück.
"Na, da du mich nun schon mal gesehen ... und gehört hast, da kann ich dir auch sagen, dass du da ein Geschenk bekommen hast. Klopf an und dir wird aufgetan. Ein einmaliger Passierschein, wenn du so willst. Egal, wo und wann, die Tür, an die du damit klopfst, wird sich für dich öffnen."
Seine Worte ließen den Mischling blinzeln.
Wie praktisch! Das kommt im Grunde genau zur rechten Zeit, aber ich sollte mir dieses Geschenk wie auch meinen Lebenssand aufsparen für die wirklich notwendigen Momente. Dieses Schloss hier bekomme ich auch ohne Zaubergeschenke des Gevatters auf.
Derweil verabschiedete sich das Männchen mit dem Rat, nicht zu lange an diesem Ort zu bleiben. Und noch ehe Kazel etwas erwidern konnte, war es verschwunden. Er brummte nachdenklich auf. Das Wesen hatte an seinen geliehenen Klingen hantiert. So holte Kazel eine davon hervor und betrachtete sie. Schnell entdeckte er das Runensymbol am Knauf. Die Runenkunde war ihm so fremd wie die damit verbundene Magie, aber der Hinweis des Männleins reichte aus, als dass er das Symbol zu lesen wusste. Trotzdem brauchte er den Zauber nicht, den Dolch jedoch schon. Er werkelte flink damit an dem alten Schloss herum und in nur wenigen Minuten hatte er es geknackt. Unter einem Klicken öffnete das Schloss und Tür. Er schaute wieder auf, ob die Hybriden immer noch erstarrt waren und sah Schlange ihn mit großen Augen beobachten.
"Ich bringe dir die Schale, Nessaja"
, sagte er. Dann öffnete Kazel die Zellentür und holte das Wasser. Auf diese Weise würde er nicht einen wichtigen Tropfen verschütten.
Schlanges Gesicht hellte sich auf.
„Dankt allen guten Geistern! Der Neue hat ein Messer und kann Zellen damit öffnen...“
, murmelte der Geschuppte und Kazel fragte nicht, in welcher Zelle sich die Hybridin befand. Er folgte dem Husten und sah sich jeden Insassen im Trakt dabei genauer an. Hops und Schlange kannte er ja schon. Schabe musste irgendwo dort hinten sein. Blieben nur noch die tiefe Brummstimme und die Schildkröte selbst.
Mit der Wasserschale in der Hand ging er ohnehin sehr vorsichtig, so dass kaum ein Laut erklang. Langsam wandte er sich nach rechts den Gang entlang, wo das Husten ihn hinlockte. Hinter ihm lange, also links entlang, lag Hop's Zelle und eine leere. Neben Schlanges Zelle, die seiner gegenüberlag, war rechts entlang ebenfalls eine Zelle frei und auf Kazels Seite grenzte Nessajas gleich an seine. Dahinter lagen sich noch zwei Zellen gegenüber und eine sehr große an der Stirnseite des Ganges, die aber eine massive Eisentür und nur ein winziges Fensterchen mit Gitterstäben hatte. Hinten links auf Schlanges Seite hatten sich zwei riesige Pranken um die Metallstäbe geschlossen und eine große Bärenschnauze drückte sich neugierig durch die Gitterstäbe, dazugehörend ein paar kleine schwarze Augen und ein dunkelbrauner Pelz. Viel menschliches war von diesem Wesen nicht mehr übrig und das Klackende Geräusch kam aus der Zelle mit dem kleinen Fenster. Wollte er diesen Hybriden, mit Namen Schabe betrachten, so müsste er direkt vor das Fenster treten und damit auch vor die Zelle des schnüffelnden Bären.
„Er riecht, als würde er vor nicht all zu langer Zeit aus der Kloake kommen unser Neuer.“
, brummte es. Doch jetzt einmal lockte aber ein erneuter Hustenanfall den Sturmadler und er schaute nach rechts zu seiner Nachbarin. Oh weh, was hatte der Virus dieser Frau nur angetan. Deutlich kleiner als ein Mensch sein sollte, vielleicht wurde auch durch die gebückte Haltung noch dieser Eindruck unterstützt, hatte Nessajas Körper einige Deformationen durchmachen müssen. Am deutlichsten sah man es an ihrem Rücken, wo dicke Hornplatten ihr Skelett verformt hatten. Die Farbpalette des Panzers reichte von einem hellen Cremefarbenen Bauch, über bräunlichen Rändern wie Schokolade, bis hin zu tiefen Dunkelroten Platten. Aber auch an Armen und Beinen, die noch etwas zu lang waren um sie in den schützenden Panzer zu ziehen, zeigten sich starke Verhornungen. Auch ihr Gesicht war bedeckt von dicker ledriger Haut, aber diese AUGEN!!! Diese Augen durchdrangen die Unendlichkeit! Dem Gevatter würden diese Augen gefallen, durchzuckte Kazel ein Gedanke. War er deshalb hier her geschickt worden? Diese Seelenspiegel waren so rein, so klar, dass man sich leicht in ihnen verlieren konnte. Wach und klar, leicht tränend durch den Husten, sahen sie zu ihm auf und schillerten in allen Fassetten der Dunkelheit. Anders war es nicht zu beschreiben. Es war als sähe man in einen nächtlichen Himmel, über den Kometen hinweg zogen. Sie waren von schmalen Hornplatten umrandet die sich beim Schließen mehr von unten nach oben bewegten, als anders herum. Trotzdem war da noch entfernt ein Mensch in diesem Körper zu erkennen. Die Nase war fast verschwunden und die Lippen ebenfalls, aber da war noch eine gute Seele in diesem geschundenen Leib! Als sie näher zu den Gitterstäben robbte, sah Kazel, dass man wohl mal versucht hatte, wie viel der Panzer auf ihrem Rücken wohl aushielt. An einer Stelle zierte ein tiefer Riss das Gebilde und an anderen gab es tiefe Scharten wie von Schwertern oder Äxten. Eine gerade noch menschliche Hand, die wegen der Verhornung aber sich nicht mehr ganz öffnen ließ hob sich zu der Schale Wasser und Kazel gab sie automatisch.

Inspiration

Vorsichtig nahm Nessaja sie ihm ab und nahm einen ersten kleinen Schluck. Sie tank langsam, was gut war. Und dann hörte auch der Husten auf. Sie sah Kazel dankbar zwischen den Schlucken an und etwas in ihm wurde ganz warm, bei diesem Blick. Sollte so eine Mutter ihr Kind ansehen, wenn es etwas gut gemacht hatte? Hatte er je so einen Blick erhalten? Wohl eher nicht. Ihr Anblick war herzzerreißend und es war eine merkwürdige Freude zu sehen, wie es ihr mit jedem Tropfen besser ging. Ein paar Minuten mussten vergangen sein, als sie ihn ansprach:
„Danke dir Sturmadler, gute Seele. Danke dir!“
Damit nahm sie den letzten Schluck und gab ihm seine Schale wieder zurück. Auch der Bär, der alles genaustens beobachtet hatte brummte ein leises zufriedenes Geräusch. Manchmal waren es dir kleinen Dinge, die die Welt zu einem besseren Ort machten. Kazel hatte heute eine gute Tat vollbracht und es fühlte sich ausnehmend gut an. So gut, dass es vielleicht sogar wiederholenswert war? Sollte er sie raus lassen? Ihnen allen helfen zu fliehen? Als hätte sie seine Gedanken erraten, legte sich ihre viel zu warme kleine Hand an seine und umschloss damit zwei Finger, die an den Gittern lagen. Ein magischer Schauer durchlief ihn und offenbarte, dass in diesem Wesen eine besondere Macht schlummerte.
„Mach dir keine Sorgen um uns. Wir werden unseren Weg finden, wenn er sich zeigt. Früher oder später kommen wir hier raus... auf die ein oder andere Weise. DU hast einen anderen Weg, das spüre ich. Du musst von hier aus weiter gehen! Du musst andere Türen öffnen.“
Von Schlange, der wohl zugehört hatte, war ein unterdrücktes „Aber...“ zu hören.
„Schhhh... Das hier ist nicht dein Kampf, wenn du ihn nicht zu deinem machst.“
Sie sah nur Kazel an, auch wenn der erste Laut wohl dem Schlangenhybrid gegolten hatte.
„Aber da du mir geholfen hast und ich dir etwas schulde ...“
Sie überlegte und wiegte dabei ihren starren Hals ein bisschen hin und her.
„Wenn du ein Ablenkungsmanöver brauchst, dann befreie Schabe. Er will schon seit langem nicht mehr leben.“
Puh, das war mal eine halte Aussage, aber auch wahr, denn es klickte irgendwie bestätigend hinter der riesigen Metalltür.
„Ich selbst habe mich daran gewöhnt so zu sein... so zu leben, auch wenn ich immer Durst habe.“
Ihre schmalen Lippen verzogen sich minimal zu einem Lächeln.
„Wenn du also helfen willst, dann hilf dir selbst. Und wenn dein Weg auch den von anderen hilft, dann um so besser. Wir haben Geduld. Wir können warten.“
Da war wohl Schlange anderer Meinung, wie sein leises Zischeln zeigte, aber er schwieg dazu. Dafür warnte Hop plötzlich:
„Es kommt jemand näher. Zwanzig Schritt bis zum Eingang.“
Die Zeit lief ab, aber noch stand Kazel zwischen den Zellen. Schnell zurück in seine, oder doch etwas anderes riskieren?
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 26. Dezember 2020, 09:23

Es könnte sich noch als nützlich erweisen, den Hybriden geholfen zu haben, indem er Nessaja seine Wasserschale überließ. Nicht, dass Kazel es ausschließlich zu seinem Vorteil nutzte. Die Schildkröte litt wirklich arg unter ihrem Husten und es bescherte ihn ein aufbauendes Gefühl, gerade an einem Ort wie Morgeria etwas Gutes tun zu können. Und wenn ich den Auftrag des Gevatters erfolgreich ausführe, dann wird sich dieses Gefühl verstärken.
Kazel hatte eine Weile mit sich gehadert. Er war schließlich mehr oder weniger in die Rolle des Toten-Lehrlings gestolpert. Selbst dazu entschieden hatte er sich definitiv nicht und wieder wurde er von einem anderen gelenkt und benutzt. Aber langsam fand er sich mit seinem Schicksal ab. Zumal der Tod selbst sein bisher bester "Arbeitgeber" war, was schon skurril genug erschien. Unter seiner eigenen Familie oder Raxtian Tausendtod wäre es ihm wahrlich nicht so gut ergangen und wenn er diese gefangenen Hybriden hier sah, würde er auch als der Sturmadler kein angenehmes Dasein fristen. Umso besser war es, dann nicht vollkommen allein an die Sache heranzugehen. Nicht, dass er die Hybriden in seine Aufgabe mit einspannen wollte! Wie hätte er ihnen auch erklären sollen, dass er im Auftrag eines höheren Wesens arbeitete, nicht sterben konnte und seine hybridischen Eigenschaften durch eine Operation ergänzt worden waren? Das klang alles nach zu viel Fantastereien, um ihn anschließend nicht für verrückt zu erklären. So schwieg Kazel, aber zeigte sich den Hybriden weiterhin hilfsbereit. Sie mochten ihm nicht beim Mord am Sammler helfen, aber vielleicht konnten sie ihn auf dem Weg dorthin unterstützen. Und vielleicht konnte er sie anschließend aus ihren Zellen lassen.
Ob sich das als kluge Idee entpuppte, würde sich herausstellen müssen. Beim Anblick des Bären in seiner Zelle, kamen dem Mischling erste Zweifel. Ein solcher Hybrid konnte mit seinen Pranken mehr als ein Leben auslöschen. Und seine Nase war zudem auch noch ziemlich gut.
"Du hast Recht", erwiderte Kazel daher auf den Kloaken-Hinweis. Er lächelte nicht und ließ dem Bären den Freiraum, eigene Schlüsse aus dieser Antwort zu ziehen. Nessajas erneuter Hustenanfall verinderte ohnehin, dass er hätte mehr sagen können. Erstmals sah Kazel deutlicher zur Schildkröte ... und erstarrte. Angezogen von der Tiefe ihrer Augen konnte er nicht anders, als einfach an der Zelle stehen zu bleiben und sie zu betrachten. Er konnte es sich selbst nicht erklären. Der Anblick faszinierte ihn einfach. Er machte ihn glücklich und traurig zugleich, dass Kazel ewig hinein starren und sich darin für immer verlieren wollte. Möglicherweise wäre auch das genau geschehen, wenn Nessaja ihm nicht gedankt hätte.
Kazel blinzelte, so dass sich der Blickkontakt mit der Hybridin verlor. Er war wieder frei, wenngleich noch etwas benommen von den Nachwirkungen ihrer wunderbaren Augen. Oder lag es an der Berührung, die ihm nun heißkalte Schauer bescherte. Kein Wunder, dass der Sammler Gefallen an ihr gefunden hatte. Er nickte ihr sacht zu, entschied sich aber dafür, die Hybriden freizulassen, sollte sich die Gelegenheit ergeben.
"Du schuldest mir nichts", entgegnete er. Dann sah Kazel über alle Hybriden hinweg, wobei er auch Schabes Gitterfenster mit einbezog. "Keiner von euch tut das." Natürlich könnte er ihnen nun sein Vorhaben verraten. Seine Planung, sie freizulassen. Aber Kazel schwieg. Er wollte keine Versprechungen machen, die er vielleicht nicht halten konnte. Auch wollte er so keine unnötige Hoffnung schüren. Umso größer wäre bestimmt die Freude, wenn der Sturmadler es doch noch schaffte. Bis dahin ... Schweigen.
Lediglich zu Schabe wollte Kazel etwas sagen. Aufmunternde Worte? Wer wusste das schon, denn er kam gar nicht dazu. Hops warnte die anderen, dass sich jemand näherte. Kazel nahm die von Nessaja geleerte Schale zurück. Er überlegte kurz, spähte über seine Schulter zurück zur offenen Zelle. Und er fasste einen Entschluss. Er kehrte in die zurück, allerdings nur, um die Schale an ihren ursprünglichen Standort abzustellen. Niemand seiner Häscher sollte den wahren Grund für seine Schlossknack-Aktion erfahren. Er zog die Zellentür jedoch nicht zu. Nein, er blieb nicht enmal in seinem Gefängnis, sondern stelle sich davor und neben der Tür auf. Dabei nahm er gewiss keine angriffslustige Haltung ein. Er stand nur da und spähte zum Eingang des Kerkertraktes. Er wollte den Eintretenden Gelegenheit geben zu sehen, dass ihn das Gefängnis nicht aufhalten konnte. Aber Kazel wollte nichts darüber hinaus provozieren. Sollte man ihn auffordern, in die Zelle zurückzukehren, würde er das tun. Natürlich erst, nachdem er gefragt hätte, wann er den Sammler - seinen Herrn - sehen könne.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Sonntag 10. Januar 2021, 08:45

Kazel kehrte in seine Zelle zurück, allerdings nur, um die Schale an ihren ursprünglichen Standort abzustellen. Niemand seiner Häscher sollte den wahren Grund für seine Schlossknack-Aktion erfahren. Er zog die Zellentür jedoch nicht zu. Nein, er blieb nicht einmal in seinem Gefängnis, sondern stelle sich davor und neben der Tür auf. Dabei nahm er gewiss keine angriffslustige Haltung ein. Er stand nur da und spähte zum Eingang des Kerkertraktes. Er wollte den Eintretenden Gelegenheit geben zu sehen, dass ihn das Gefängnis nicht aufhalten konnte. Aber Kazel wollte nichts darüber hinaus provozieren. Sollte man ihn auffordern, in die Zelle zurückzukehren, würde er das tun. Natürlich erst, nachdem er gefragt hätte, wann er den Sammler - seinen Herrn - sehen könne. Und so kam es dann auch, dass Kazel mitten im Gang stand, in der Nähe von Hops Zelle die Tür auf ging und Vranyk, Tierwärter von Sademos, gefolgt von Dry'ol, dem Foltermeister den Gang betraten. Vranyk blieb wie angewurzelt stehen und starrte eine Sekunde lang Kazel an. Zumindest bis er von hinten angerempelt wurde und der massige Dry'ol sich an ihm vorbei schieben wollte. Beide erfassten die Situation. Dry'ol starrte auf die Tür, als Vranyk schallend anfing zu lachen und dann japsend heraus presste:
„...HAHAHAhahaa...haaaa... Steht da wie ne Ölpalme!“
und vielleicht unbewusst so den Sturmadler vor schlimmeren bewahrte, denn der Foltermeister stimmte nach einer Schrecksekunde mit ein. Dry'ol kam sogar zu Kazel und klopfte ihm hart auf die Schulter.
„HAHA! Du musst Eier wie ein Riesentroll haben! So richtig rund und haarig! Haahahaha... hier im Gang rum zu stehn und einen auf Ausbrecherkönig zu machen!“
Vranyk, lachte immer noch und führte schnaufend hinzu:
„..und...Hihihi...und wartet auch noch brav auf uns.“
Beide lachten noch mal herzlich, wobei Dry'ols langsam etwas gruselig klang. Dann meinte er:
„Bin auf das Gesicht des Herrn gespannt, wenn wir das berichten.“
Prompt frage Kazel, wann er seinen Herrn sehen könne, was Dry'ol noch mehr prusten ließ und Vranyk hob belustigt die Brauen.
„Jetzt, Sturmadler. Wenn er dich nicht nicht eh grade hatte sehen wolle, so würde ich dich nach der Aktion auf jeden Fall zu ihm bringen!“
Alles in allem halle Kazel also erreicht, was er wollte. Dass er die beiden Dunkelelfen dabei auch noch belustigt hatte, wahr wohl Bonus. Nur Dry'ols dreckiges Grinsen ließ ihn vielleicht erschaudern und ahnen, dass er vielleicht auch noch Arbeit für ihn geben könnte. Das sie seinen Ausbruch so gelassen nahmen …Hm, könnte vielleicht an diesem Halsband liegen, denn Dry'ol ließ es sich nicht neben, eine recht dünne Kette, die mehr dekorativ war, als stabil, an einer Öse zu befestigen und ihn daran nach draußen zu führen. Wenn es echt wäre, würde er auf ein Wort hin mit Schmerzen windend am Boden liegen. Die Zellentüren waren vielleicht mit einem solchen Halsband ohnehin eher illusorisch. Beim hinaus gehen, sah er, dass Hop auch ein Halsband trug. Es war feiner, schmaler, ja sogar richtig hübsch, aber es saß genauso eng und hatte den selben Charakter. Kazel hatte bei Nessaja keines gesehen, aber in ihrem Zustand würde sie auch nicht wirklich weit kommen. Der Bärenhybrid hatte ebenfalls eins getragen, riesig, metallisch und mit Dornen. Und Schlange? Ja, der hatte auch eines getragen. Aber bei ihm war es kaum aufgefallen. Es war aus Schlangenleder. Es war der Zauber, der diese „Schmuckstücke“ an ihre Opfer band. Aber wenn seines eine Fälschung war und die anderen echt, warum versuchte dann Schlange auszubrechen? Kazel wusste noch nichts über diese Dinger, nur dass was Kuralla ihm zugeflüstert hatte. Auf das Wort „Fussel“ hin, sollte er sich am Boden winden und Schmerzen vortäuschen und so wie Dry'ol grinste, so konnte dem Sturmadler der Gedanke kommen, dass er sich nun auf dem Weg zu eben jener Bühne befand, auf der er dieses Schauspiel bringen sollte. Der Foltermeister ließ es sich auch nicht nehmen, ein paar mal in kleinen Rucken seinen Nacken zu malträtieren, aber zu mehr kam es erst einmal nicht.

Sie erreichten den Hintereingang des Haupthauses. Was für ein Palast! Kazel kannte aus seiner Jugend die Verschwendungssucht mancher Morgerianer, aber der Sammler war schon fast das, was manche einen Messi nennen würde. Selbst der Dienstbotentrakt war überladen mit Kostbarkeiten und zeugte vom Reichtum seines Herren. Als sie einen langen Flur erreichten wurde aber auch klar, dass der Herr des Hauses nicht nur im üblichen Sinne schöne Dinge sammelte. Es gab auch jede Menge Kuriositäten zu bestaunen. Bilder die einen mit ihren Mustern ganz schwindlig machten, wenn man sie zu lange ansah - bestimmt magischer Natur, oder weiß polierte Skelette, die aufgestellt wie Diener den Weg säumten und teilweise wohl auch Hybriden in ihrem Leben gewesen waren. Kazel wurde zu Beginn nicht den Weg eines Gastes geführt, aber bald erreichten sie Gefilde, die wohl nur hoch gestellte Persönlichkeiten betreten durften. Die Teppiche wurden dicker, die Fenster höher und die Skulpturen schockierender. Kazel wurde neben zwei konservierten und in eine glasig gegossene Masse für die Ewigkeit versiegelten Leichname in kopulierender Position abgestellt. Ihre Körper waren filetiert worden, also bestanden nur aus einem dünnen Querschnitt, was das Licht sogar durch die Muskelfasern scheinen ließ, als Vranyk an eine hohe Flügeltür klopfte. Die Stimme von drinnen klang angenehm:
„Herein.“
Ein klarer Tenor mit angenehm erfreuten Unterton. Dann wurde Kazel in das Arbeitszimmer gezogen. Ein großer Schreibtisch dominierte den Raum. Er stand zentral und sternförmig reihten sich Regale an den runden Grundriss. Auch das Möbelstück war rund und hatte mehrere Sitzmöglichkeiten drum herum. Diverse Bücher, Schreibutensilien, Federn, Tintenfässchen, aber auch Knochen, oder ein kopfgroßes Ei lagen auf diesem Schreibtisch. In der Mitte des Raumes hing ein leuchtender Kristall in Ketten von der Decke der alles erhellte. Das Licht, das er abgab, war von einer merkwürdigen bläulichen Farbe. Ein Mann, barfuß, in einer schwarzen, nein... der Stoff schimmerte minimal violett, ärmellosen Robe kam zwischen zwei Regalen hervor und sah von einem Buch in seinen Händen auf. Der Schnitt war lang und gerade, frei von Schnörkeln und hoch geschlossen. Ein kleiner Stehkragen umfing den Hals als dieser das Kinn hob. Er wirkte in diesem Kleidungsstück fast wie ein Mönch. Violette Augen trafen kurz auf die des Sturmadlers. Er winkte seine Gäste geistesabwesend herein. Sein Gesicht war markant und rein-schwarz wie bei vielen des Adels in Morgeria. Ein Teil seines langen Haares war an den Seiten nach hinten gekämmt und mit einem eher schlichten Seidenband im Nacken zusammen gefasst. Sonst hing es ihm lang und ebenfalls tief schwarz wie eine Schleppe den Rücken hinunter. Auch Kazel lief etwas den Rücken hinunter, aber bei ihm war es das kalte Gefühl des Todes, was er inzwischen recht gut kannte. Das war der Mann, den er töten sollte!
Was Kazel aber wirklich frösteln ließ, war das Bauchgefühl, dass dieser Mann bei ihm auslöste. Dieses Gefühl intensiviert sich noch einmal stark, als Sademos auf ein am Rande frei stehendes Schachbrett zu ging, einen Zug mit einem weißen Spielstein machte und eine andere schwarze Figur, mit einer Spur aus blauem Leuchten, sich dann selbst über das Brett bewegte. Der Hausherr tippte sich darauf hin nachdenklich an die Unterlippe, wandte sich dann jedoch von seinem unsichtbaren Spielpartner ab und schritt zum Schreibtisch, wo er sich tiefenentspannt auf einen der Lehnstühle nieder ließ. Hier fürchtete niemand einen Angriff. Kazel wurde kurz aus der Entfernung gemustert, dann legte Sademos sein Buch aus der Hand und die angenehme Stimme erklang wieder:
„Das ist also meine Neuerwerbung?“
Dry'ol trat vor und zog den Sturmadler so an Vranyks Seite. Dieser antwortete:
„Ein Vogelhybrid.“
Sademos Kopf wanderte zurück zu Kazel.
„Ist dem so?“
Er stand auf und kam näher. War dies schon der Moment, in dem Kazel sein Werk als Lehrling des Gevatters einnehmen würde, oder war er neugierig was diesen Mann so gefährlich machte...warum er den Tod ärgerte und vor allem wie?
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 10. Januar 2021, 14:57

Hops hatte sie alle gewarnt und Kazel sich darauf vorbereitet, dass jemand kommen würde. So überraschte es ihn nicht, Vranyk in den Zellentrakt stapfen zu sehen. Lediglich, dass er Dry'ol in Begleitung hatte, konnte kein gutes Zeichen sein. Den Foltermeister eines dunkelelfischen Haushalts nahm man nicht aus Spaß mit, aber hier hatte sich doch niemand etwas zu Schulden kommen lassen? Vom nahezu erfolgreichen Ausbruchsversuch seines neuesten Sammlerobjekts konnten sein Herr, sowie die beiden Elfen ja noch nichts wissen. Dazu zeigte Vranyk sich auch viel zu überrumpelt, als er Kazel neben seiner offenen Zellentür stehen sah. Seine Haltung mochte keine Arroganz ausstrahlen, aber die Tatsache seiner Dreistigkeit, den Erfolg zu präsentieren, rückte den Sturmadler in ein eigenes Licht. Es kümmerte ihn nicht. Sollten die Knechte seines neuen Herrn ruhig glauben, er habe auch als Hybrid den dunkelelfischen Hochmut nicht abgelegt. Wenn er es geschickt einzusetzen wusste, konnte es nur von Vorteil sein. So blieb er auch dann noch ruhig, als Dry'ol gegen den Rücken seines Vordermanns prallte. Kazel richtete lediglich den Blick auf beide. Nicht einmal auf deren Gelächter oder des Foltermeisters fragwürdiges Kompliment auf sein Gehänge brachte ihn aus der Ruhe. Er fragte nur stoisch: "Wann werde ich meinen neuen Herrn sehen?"
Vielleicht hinterließ es bei Vranyk und Dry'ol einen bizarren, aber positiven Eindruck, wenn der doch so selbstgefällige Sklave - oder das Hasutier? - sich zwar selbst befreite, aber nur, weil es in seiner Ungeduld seinen neuen Besitzer zu treffen nicht hatte stillsitzen können. Kazel versuchte, ehrfürchtiges Interesse für den Sammler zu heucheln und den Eindruck zu erwecken, als sei ihm nur allein wichtig, sich als sein neuestes und bestes Stück vorstellen zu können. So würde er auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregen und möglicherweise reichte es aus, dass der Sammler sich ihm mehr widmete als anderen Hybriden. Im besten Fall fühlte er sich von Kazels Dreistigkeit, in seiner Nähe sein zu wollen, mehr geschmeichelt als verärgert und erfüllte ihm diesen falschen Wunsch. Dann müsste der Mischling nur noch den richtigen Moment abwarten, um zuzuschlagen.
Dass jener gewiss noch nicht eintraf, als man ihn in das Arbeitszimmer des Sammlers brachte, wurde ihm selbst schnell klar. Natürlich könnte er jetzt einfach die Zeit verlangsamen und binnen weniger Herzschläge den Auftrag des Gevatters ausführen, aber dann wäre er gezwungen, auch Vranyk und Dry'ol in dieser Zeitspanne umbringen zu müssen. Andernfalls würden sie sich ihm nur in den Weg stellen, sobald die Krümel seiner Sanduhr aufgebraucht wären und er zusammen mit ihnen bei einem toten Sammler stünde. Das war keine gute Idee, zumal Kazel nicht den Auftrag hatte, weitere Leben zu nehmen. Ha, das wollte er gar nicht! Er war kein Mörder! Jedenfall nicht aus Mordlust oder eigenen Bedürfnissen heraus. Das war für ihn ein Unterschied. Außerdem wollte er herausfinden, was den Sammler in den Augen einer Entität wie des Todes persönlich so unliebsam machte, dass er seinen Lehrling ausschickte, ein Attentat zu begehen. Immerhin war er der Tod. Er könnte sicher mit einem einzigen Streich seiner Sense eingreifen. Oder blieb ihm das verwehrt und er hatte sich deshalb einen Lehrling an die Seite geholt? Einen Assassinen, der die Drecksarbeit übernahm? Oder bekam er den Sammler einfach nicht ins Reich der Toten? Wie mächtig war diese Figur, dass sie ihm ständig entwischte?
Neugierig schaute Kazel sich in dem Arbeitszimmer um. Er hatte bislang keinen Widerstand geleistet und dachte auch jetzt nicht daran. Brav wie man es von ihm wohl erwartete, hatte er sich die Zierleine anlegen lassen und war seinen beiden Kerkermeistern bis hierher gefolgt. Nun aber blieb er kurzzeitig stehen, um den Raum zu sondieren. Sein Blick blieb dabei an der barfüßigen Gestalt in Robe haften. Kaum dass ihn die Gänsehaut als kalter Schauer den Rücken herab wanderte, kannte Kazel sein Ziel. Dieser unscheinbare, wenn nicht gar harmlos erscheinende Dunkelelf war also der Sammler. Er sah nicht wirklich gefährlich aus, so ohne Schuhe und eine Waffe konnte er Mischling ebenfalls nicht entdecken. Aber er hatte vor, den anderen nicht zu unterschätzen. Da war etwas in seinem Blick und es lag gewiss nicht an den violetten Iriden selbst.
Wieder gab Kazel vor, das Lerium nicht zu verstehen und runzelte bewusst die Stirn, als Vranyk und der Sammler sich unterhielten. Letzterer schien Zweifel an seiner hybridischen Herkunft zu haben, doch Kazel konnte nicht widersprechen. Andernfalls hätte man sehr schnell bemerkt, dass auch er dem Lerium mächtig war. So entschied er sich, weiter den Weg des etwas zu hochmütigen, zu dreisten Spielzeugs und Sammlerstücks zu wagen. Große Furcht besaß er nicht, denn der Tod wäre für ihn nicht das Ende. Er würde auch keine Schmerzen ob des seltsamen Halsbandes verspüren, sondern sie nur vortäuschen, sobald das Kennwort fiel. Einzig das Sterben an sich wäre ... unangenehm. Schmerzhaft vielleicht. Doch wenn er nichts wagte, würde er seinen Auftrag niemals erfüllen und sich wieder auf die Flucht aus Morgeria und wenigstens den Versuch Janay zu retten konzentrieren können.
So machte er einen Schritt an Dry'ol und Vranyk vorbei und auf den Sammler zu. Er bot ihm die Stirn, ohne sich sofort über ihn zu stellen. Das Kinn schob er schließlich nicht herausfordernd vor, aber den Blick senkte er auch nicht. Stattdessen versuchte er trotz seines waghalsigen Verhaltens, Sademos Honig ums Maul zu schmieren. So hob Kazel die Stimme: "Du bist also der Mann mit einem Gespür für das Besondere ... und für guten Geschmack." Er ließ seinen Blick flüchtig und nur zum Schein durch den Raum gleiten, ehe er zu Sademos zurückkehrte. "Und mein neuer Herr." Er präsentierte sich ihm auf eine Weise, als wisse er darum, das beste Sammlerstück überhaupt zu sein. Der beste Hybrid, den Sademos hätte bekommen können, aber dennoch mit der Akzeptanz die Rolle eines solchen Objekts einzunehmen, indem er ihn als seinen Herrn ansah. Kazel erinnerte sich an seinen Widersacher, Raxtian Tausendtod, dem er seine veränderten Äußerlichkeiten überhaupt erst zu verdanken hatte. Dieser hatte ihn selbst als sein Meisterwerk dargestellt und als bestes Werkzeug betitelt. Und es schien ihm gefallen zu haben, Kazel dazu gemacht zu haben. Warum sollte es dem Sammler nicht ähnlich ergehen? Vielleicht gefiel es ihm, sich in seiner eigenen Selbstbeweihräucherung zu baden und noch mehr, wenn auch sein erstandenes Objekt von einem Hybriden das erkannte. Es war die einzige Trumpfkarte, die Kazel ausspielen konnte. Wenigstens lange genug, bis es Gelegenheit gäbe, sich Sademos zu entledigen. Noch war der Moment nicht gekommen. Beide mussten allein sein. Das wäre ideal, um weitere Tote zu verhindern. Geduld..., mahnte er sich selbst zur Ruhe, während er die Nervosität herunter schluckte.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Januar 2021, 11:23

"Du bist also der Mann mit einem Gespür für das Besondere ... und für guten Geschmack."
Er ließ seinen Blick flüchtig und nur zum Schein durch den Raum gleiten, ehe er zu Sademos zurückkehrte.
"Und mein neuer Herr."
Sein Gegenüber zuckte leicht mit den Mundwinkeln. Die Vorstellung schien zu gefallen. Kazel präsentierte sich ihm auf eine Weise, als wisse er darum, das beste Sammlerstück überhaupt zu sein. Der beste Hybrid, den Sademos hätte bekommen können, aber dennoch mit der Akzeptanz die Rolle eines solchen Objekts einzunehmen, indem er ihn als seinen Herrn ansah. Kazel erinnerte sich an seinen Widersacher, Raxtian Tausendtod, dem er seine veränderten Äußerlichkeiten überhaupt erst zu verdanken hatte. Dieser hatte ihn selbst als sein Meisterwerk dargestellt und als bestes Werkzeug betitelt. Und es schien ihm gefallen zu haben, Kazel dazu gemacht zu haben. Dem Sammler könnte es ähnlich ergehen. Vielleicht gefiel es ihm, sich in seiner eigenen Selbstbeweihräucherung zu baden und noch mehr, wenn auch sein erstandenes Objekt von einem Hybriden das erkannte. Es war die einzige Trumpfkarte, die Kazel ausspielen konnte und er setzte sie gekonnt ein. Sademos umrundete langsam sein neues Sammlerstück und begutachtete ihn genaustens. Wenn das so weiter ging, dann würde er bald die Klingen entdecken. Kazel musste ablenken, aber auch hier ergab sich eine Möglichkeit, als sein neuer Herr mit fast sinnlich rauer Stimme fragte:
„...und was macht es so besonders, das es meinem guten Geschmack zuträglich wäre?“
„ES“...er nannte Kazel ein „Es“. Das sagte allerdings schon mal viel aus.
„Zeige es mir, was es kann, was es einzigartig unter den Seinen macht!“
Zeigen? Kazel könnte ihn hier und jetzt schnell und sauber töten, doch das wäre taktisch unklug. „Es“ musste noch warten, bis sich Gelegenheit ergäbe, sich Sademos zu entledigen. Noch war der Moment nicht gekommen. Beide mussten allein sein. Das wäre ideal, um weitere Tote zu verhindern.
Geduld...
, mahnte er sich selbst zur Ruhe, während er die Nervosität herunter schluckte. Sademos kam näher und hob eine Hand zu den Federn, die Kuralla ihm notdürftig ins Haar gebunden hatte. Wenn er zu doll daran zog, würden sie ihm ausfallen. Eine Ablenkung musste her. Kazel hatte schon wieder Glück, denn Vranyk trat ebenfalls etwas näher und warnte:
„Er hat Vogelklauen in den Knöcheln.“
Damit wandte er sich dann an den Sturmadler und befahl:
„Los! Zeig sie ihm!“
Doch die Drohung schwang mit, keinen Unsinn zu machen. Tat Kazel wie geheißen, so begutachtete der Sammler eingehend seine Hände, ergriff sie sogar, drückte an ihnen herum und untersuchte Funktion und Anatomie. Seine Berührung war sehr warm und fast zärtlich. Dieses unverfälschte Interesse könnte man auch als Zuneigung oder vielleicht sogar Neid (?) interpretieren? Die schlichte Eleganz des Sammlers zog sicher einige Damen in ihren Bann und vielleicht auch so manch einen Herren. Die Geste, wie er Kazels Hand hielt und sein Daumen über dessen Handrücken streifen ließ, als sei er ein neues Jagdgebiet das erobert werden müsste, kostete schon einiges an Selbstbeherrschung. Seine Finger beugten die Knöchel des Sturmadlers, der sie stolz präsentieren sollte und es war wie eine Liebkosung. Zuckte der Mischling? Zog er die Hand weg?
„...ungewöhnlich diese Narben an den Seiten... Ist das alles?“
Er sah Kazel in die Augen, Indigo das auf stürmisches Blau traf. Sademos Wimpern waren lang und gebogen. Sie umsponnen seinen seidigen Blick und gaben ihm den perfekten Rahmen. Die gerade aristokratische Nase und die schmalen Lippen waren wohl geformt und zu einem leicht spöttischen Lächeln verzogen, als er dies fragte.
Ein bisschen mehr musste der Sturmadler ihm wohl noch geben um den Status „besonders“ zu erhalten. Im Moment wirkte sein Herr noch nicht sonderlich überzeugt. Er hatte echtes Interesse, die konnte Kazel in seinen Augen funkeln sehen, aber zum „Lieblingsstück“ reichte es noch nicht ganz. Federn und Krallen an den Händen waren noch nicht genug, also was würde Kazel noch offenbaren? Sademos griff gerade nach Kazels Mantel, als würde er darunter schauen wollen um ihn weiter zu begutachten. Noch waren die Dolche verborgen, aber gleich nicht mehr. Die Spielfiguren rückten übers Feld und nun musste Kazel etwas von seinen Geheimnissen opfern, damit seine wertvolleren Schachzüge noch geheim blieben. Die „Dame“ im Spiel war wohl seine Fähigkeit die Zeit zu manipulieren, die würde er bis zu Sademos Ende sich aufsparen, aber dazwischen gab es noch jede Menge andere Figuren. Ein „Bauernopfer“ musste her, damit der Weg zu Sademos Vernichtung frei geräumt werden würde.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 24. Januar 2021, 03:54

Er hatte sich dreist gezeigt, als er die Tür seiner Zelle einfach aufgebrochen hatte. Er war den Handlangern seines Herrn überheblich begegnet, als er sich neben der offenen Kerkerzelle postiert hatte und nun zeugten seine Worte von dunkelelfische Arroganz, aber es schien zu wirken. Sademos fand offenbar Gefallen an seiner Art. Zumindest heuchelte er Interesse, was Kazel nur in die Karten spielen konnte. Er blieb aufrecht stehen, ließ sich umrunden und begutachten. Soll ich versuchen, die Dolche vor ihm zu verstecken oder...? Er kam nicht dazu, seinen Gedankengang zu einem Ende zu bringen.
Sademos' Interesse galt nach wie vor weniger dem Verhalten seines neuen Schau-Objekts als vielmehr den Qualitäten, mit denen er aufwarten sollte. So hakte er nach, was so Besonderes an Kazel sein mochte und noch ehe er dazu kam, ihm alle falschen Federn aus dem Mantel zu rupfen und noch ehe der Mischling ihm überhaupt antworten konnte, mischte Vranyk sich ein. Kazels Blick huschte zu ihm herüber und obgleich er ihm insgeheim dankbar war, eine passende Antwort parat zu haben, engte er seine Augen in Misgunst. Sollte der Halunke ruhig glauben, es missfiel dem als "Es" bezeichnetem Sammlerstück, nicht selbst antworten zu können. Sollte er ruhig glauben, dass Kazel sich über ihn stellte. Er raffte sogar die Schultern etwas, ehe seine Aufmerksamkeit auf Sademos zurückkehrte.
Jener prüfte, was Vranyk über Kazel verraten hatte und griff nach dessen Hand. Mit Vorsicht ließ Kazel die Adlerkrallen hervorlugen, als er eine Faust formte. Und er ließ Sademos alle Zeit, sich dieses Merkmal zu begutachten. Dass er die Narben bemerkte, war allerdings nicht von Vorteil. Kazel schwieg darüber. Solange Sademos ihn nicht direkt aufforderte, einen Grund zu nennen, würde er den Fokus darauf nicht noch vergrößern. Ebenso wenig drehte er die Hand von sich aus. Denn das Hautbild der Tenebrées prangte immer noch am inneren Handgelenk. Zwar lag der Mantelsaum darüber, doch wer wusste schon, was sich Sademos noch alles genauer betrachten wollte. Kazel versuchte, mit seiner toleranten Ruhe unauffällig zu bleiben. Hätte er die Hand zurückgezogen, wäre sein neuer Herr nur aufmerksamer darauf geworden, dass etwas nicht stimmte. Und so entschied Kazel sich dazu, mit der wohl wertvollsten Eigenschaft hausieren zu gehen, die er von seiner Zeitmanipulation abgesehen bieten konnte. Wenn Sademos ihn trotz dieser Erkenntnis als nicht wertvoll genug ansah, dann wusste der Mischling auch nicht weiter. Außerdem würde es ihm vielleicht die Möglichkeit lassen, seine Waffen nicht nur behalten zu dürfen, sondern offen zu tragen. Er wusste, er ging hier ein immenses Risiko ein. Vor allem, wenn der Gevatter nicht mitspielte. Aber was blieb ihm sonst übrig?
Zunächst sah es so aus, als wolle er Sademos daran hindern, unter seinen Mantel zu spähen. Doch dem war nicht so. Kazel zeigte offen, was sich darunter verbarg, als er den Saum etwas zurückschlug und einen der Dolche hervor holte. Er richtete die Klinge nicht auf seinen Herrn und auch nicht auf Vranyk, sondern behielt die Waffe zunächst locker in den Fingern. "Ich zeige es dir", erwiderte Kazel und fügte nach kurzem zögern ein respektvolles "Herr" an. Das durfte er unter keinen Umständen vergessen, ebenso wenig wie seine bisher arrogante Rolle. So räusperte er sich. "Jemand wird den Boden wischen müssen und ... du entsorgst mich besser nicht. Warte einfach ab, bis ich zurück bin." Mit diesen Worten und falls ihm noch niemand die Klinge entrissen hatte, legte Kazel sie an seine Brust. Er atmete durch. Selbst wenn man das Wort des Gevatters besaß, dass jener ihn zurückbrächte, solange er eine Aufgabe zu erledigen hätte, kostete es doch Überwindung, sich selbst ein Leid anzutun. Kazel fürchtete den Tod nicht - nicht mehr! - aber Sterben blieb unangenehm. Der Schmerz blieb unangenehm und das Wiedererwachen ebenso, wenn man die Schwere des eigenen Körpers, dessen Grenzen und die Last des Lebens in jeder Faser seiner Seele spürte.
Er zögerte, befeuchtete seine Lippen. Und dann versuchte er, den eigenen Überlebensinstinkt zu überwinden, um sich die Klinge in die Brust zu rammen. Blieb nur zu hoffen, dass der Tod ihn wirklich zurückschickte und Sademos ihn inzwischen nicht an irgendeinen Fleisch fressenden Hybriden verfüttert oder seinen Leichname verbrannt hatte.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Samstag 30. Januar 2021, 17:08

Zunächst sah es so aus, als wolle er Sademos daran hindern, unter seinen Mantel zu spähen. Doch dem war nicht so. Kazel zeigte offen, was sich darunter verbarg, als er den Saum etwas zurückschlug und einen der Dolche hervor holte. Sofort trat Dry’ol einen Schritt nach vorn an seine Seite. Aber der Sturmadler taktierte gut, denn er richtete die Klinge nicht auf seinen Herrn und auch nicht auf Vranyk, sondern behielt die Waffe zunächst locker in den Fingern.
"Ich zeige es dir"
, erwiderte Kazel und fügte nach kurzem zögern ein respektvolles
"Herr"
an. Das durfte er unter keinen Umständen vergessen, ebenso wenig wie seine bisher arrogante Rolle. Sademos war nicht einmal zurück gewichen, sondern zog nur neugierig die Brauen hoch. So räusperte der Sturmadler sich und begann sein Schauspiel einzuleiten:
"Jemand wird den Boden wischen müssen und ... du entsorgst mich besser nicht. Warte einfach ab, bis ich zurück bin."
Mit diesen Worten legte Kazel sie an seine Brust. Er atmete durch und die Augen seines Gegenübers weiteten sich in der aufkeimenden Befürchtung, was er vor hatte. Kazel zögerte, befeuchtete seine Lippen, was Sademos die Zeit ließ kurz die Hand in seine Richtung zu heben, doch es war zu spät.

Sich die Klinge in die Brust zu rammen forderte etwas von seiner Seele. Was genau würde sich noch zeigen. Sich selbst zu verletzten war schon schwierig, aber das hier war noch eine Nummer größer und gewagter. Blieb nur zu hoffen, dass der Tod ihn wirklich zurückschickte und Sademos ihn inzwischen nicht an irgendeinen Fleisch fressenden Hybriden verfüttert oder seinen Leichnam verbrannt hatte.

(weiter bei: An fernen Ufern)
Zuletzt geändert von Erzähler am Samstag 30. Januar 2021, 17:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Samstag 30. Januar 2021, 17:09

(Kazel kommt von: An fernen Ufern)

Man sollte meinen, man würde sich vielleicht an den Sog des vergehenden Lebens oder dessen Wiederkehr gewöhnen können, doch so war es nicht. Es war und blieb immer wieder ein Erlebnis, dass die eigene Seele nicht gern machte. Aber Kazels „Körper“ gewöhnte sich langsam daran, oder zumindest wusste er, was ihn erwartete. Sterben war nicht schön und wieder erweckt zu werden … na ja, es war wenigstens nicht schmerzhaft. Einzig das drängende Gefühl, wenn das Herz wieder anfing zu schlagen, der erste Atemzug gierig in die Lungen wollte, das Blut wieder anfing träge zu fließen und die Nerven wieder ihre Tätigkeit aufnahmen waren etwas unangenehm. Zumindest war er in der Zwischenzeit nicht verbrannt worden, so viel stellte er schon mal fest. Genauer gesagt, hatte sich noch nicht einmal viel verändert. Er lag auf dem Boden und Dry'ol kniete neben ihm. Der Foltermeister hatte einen der Dolche in seiner Hand und schaute gerade über seine Schulter hinweg zu seinem Herrn, der sich mit Vranyk stritt:
„WAS BRINGST DU MIR HIER FÜR WARE!“
Sademos war aufgebracht und holte gerade zum Schlag aus! Und was noch interessanter war, der Kristall über seinem Kopf, der gleich einem Kronleuchter von der Decke hing pulsierte plötzlich in etwas unregelmäßigen Impulsen, was ihn aufsehen ließ. Auch Dry'ol veränderte seinen Blickwinkel und bemerkte dabei wohl plötzlich die Tatsache, dass Kazel wieder wach war. Vielleicht war es eine Bewegung oder ein Wort gewesen, was der Sturmadler hatte von sich geben wollen, doch vor lauter Schreck stach der Foltermeister zu.

(Kazel weiter bei: An fernen Ufern)
Zuletzt geändert von Erzähler am Samstag 30. Januar 2021, 17:22, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Samstag 30. Januar 2021, 17:10

(Kazel kommt von: An fernen Ufern)

Herzschlag, Atmung, Kontrolle über seinen Körper...
Dieses Mal, als er die Augen öffnete zeichnete sich sofort ein im höchsten Maße interessiertes Gesicht über ihm ab. Sademos Antlitz beobachtete ihn von oben, so dass Kazel ihn verkehrt herum sah. Auch lag er nicht mehr auf dem Boden, sondern auf einem weichem Sofa. Man hatte ihn bewegt und am Rande seines Sichtfeldes entdeckte er auch bald Vranyk. Drehte er den Kopf weiter, sah er Dry’ol missmutig in einer Ecke des Raumes hocken. Man hatte ihn wahrscheinlich dort hin verbannt. Sademos samtene Stimme erklang nah an Kazels Ohr:
„Es lebt! Warum lebt es wieder? Kann es das erklären?“
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 2. Februar 2021, 11:01

Vermutlich würde er sich nie vollends daran gewöhnen zu sterben, letzten Endes aber mehr als andere. Immerhin war es nicht sein erster Eintritt in die Domäne des Gevatters. Trotzdem mochte er den Schmerz nicht, der ständig damit einher ging. Erst als die schwere Last des Lebens sich von seinem Körper löste, weil er sich von seinem Körper löste, wurde es angenehmer. Das Gefühl war befreiend, bis es gänzlich verschwand. Denn was fühlte eine Seele noch, wenn sie keine Nerven mehr besaß, die die Information zu einem nicht vorhandenen Hirn weiterleiten könnten. Was fühlte sie emotional? Über diese Fragen zu philosophieren, dafür war Kazel nicht in die jenseitige Welt gewechselt. Überhaupt hätte er es am liebsten gänzlich verhindert, wenn ihm andere Möglichkeiten geblieben wären und auch der Gevatter sah seinem Erscheinen nicht gerade zufrieden entgegen. Wobei es schwer war, seine Miene zu deuten. Vielmehr waren es die wenigen Worte, die er an Kazel richtete, welche ihn davon überzeugten, dass ihm dessen Entscheidung nicht gefiel. Und die verschränkten Arme beseitigten auch noch den letzten Zweifel.
Schon wollte Kazel etwas erwidern, sich rechtfertigen. Die Gedanken formten sich bereits in seiner körperlosen Gestalt. Es war die einzige Möglichkeit. Alles andere hätte ihn nicht beeindruckt, aber diese Fähigkeit dürfte kein Zweiter haben. Er wird mich in seiner Sammlung behalten wollen und dann kann ich handeln. Vielleicht erreichte dieser Gedankengang den Zeitlosen in der Kutte ja, wo es die unausgesprochenen Worte nicht konnten. Denn noch ehe Kazel die Gelegenheit erhielt, sich zu erklären, schickte der Tod ihn mit einer sanften Berührung an seine Stirn zurück ins Leben. Das ging schnell, viel zu schnell und der Befehl des Gevatters begleitete ihn als pochender Nachhall in seiner Seele, bis Kazel sich gewahr wurde, dass es nur der eigene Herzschlag war.
Er sollte sich beeilen? Und das vom Tod? Hatte nicht gerade er alle Zeit der Welt? Der Mischling runzelte die Stirn. Diese Regung allein war es wohl, welche Dry'ols Aufmerksamkeit auf Kazel selbst und nicht dessen mutmaßlich toten Zustand lenkte. Denn ein Toter sollte sich nicht rühren. Trotzdem blieb es überraschend, dass ein gestandenes Kerl wie dieser Foltermeister dadurch derart erschreckte, dass er sofort mit dem Dolch zustach. Erneut durchflutete Schmerz Kazels Körper. Er spürte ihn als leidvollen Krampf seines Herzens, das wiederholt die scharfe Schneide spürte und wusste, dass es das Blut nun nicht mehr würde im Körper verteilen können. Die Lungen seufzten ein letztes Mal auf. Sie wollten ihrer Tätigkeit nachkommen, wurden aber erneut daran gehindert. Der Sog seiner Seele aus dem eigenen Leib hinaus wiederholte sich. Er wurde nich angenehmer.
Ebensowenig angenehm war die Reaktion des Todes, als sein Lehrling sich direkt nochmals bei ihm blicken ließ. Der arme Zeitlose hatte auch wirklich keine Ruhe.
"Dieses Mal war es nicht meine..." Weiter kam er nicht. Wieder berührte der kalte Hauch des Todes seine Stirn in Form eines blanken Knochenfingers und wieder schickte diese winzige Berührung Kazel ins Leben zurück. Seine Seele wirbelte mit den Gedanken um des Tods Worte umher, bis sie sich in seinem Körper wiederfand. Etwas orientierungslos hob Kazel die Lider. Dieses Mal stach niemand zu. Dieses Mal lag er auch bequemer als zuvor und dieses Mal hörte er keinen aufgebrachten Sademos auf Lerium schreien. Dieses Mal blieb ihm etwas Zeit, das Erlebte zu verarbeiten.
Ich soll den Raum so schnell es geht verlassen. Tod will micht nicht an "ihn" verlieren. Wer ist "er"? Kazel schaute sich um, ohne zunächst den Kopf zu drehen. Er blickte direkt in das verkehrt über ihm schwebende Gesicht des Sammlers. Dahinter meinte er, das seltsame Ding an der Decke wahrzunehmen, das vorhin kurz geflackert hatte. Er konnte sich nicht wirklich darauf konzentrieren. Träge hob er eine Hand und legte sie auf sein Herz. Ob Tod die Wunden geheilt hatte oder ob er gleich noch - im Geheimen! - etwas Zeitensand würde zu sich nehmen müssen? Diese Sache würde er Sademos gewiss nicht offenbaren. Aber das musste er wahrscheinlich nicht einmal. Er hatte Sademos' Interesse geweckt. Dieser erkundigte sich sofort nach einer Erklärung für die Gabe und musste sich zunächst mit einem seichten Stöhnen seitens des falschen Hybriden zufrieden geben, als dieser den Kopf etwas drehte. Er fand Vranyk und Dry'ol noch immer mit im Raum vor, Letzteren hatte man allerdings in eine Ecke verbannt.
Gut so. Wenn ich es geschickt anstelle, bekomme ich beide aus dem Raum.
Langsam spalteten sich Kazels Lippen und seine Stimme klang etwas belegt. Er war nicht lange tot, so dass sein Körper nicht hatte austrocknen können, aber die Zunge fühlte sich nach diesen Momenten immer etwas schwer an. "Ich...", begann er und runzelte die Stirn. Nein. Gehorsam war hier angebracht. "Es", korrigierte Kazel sich also, "es kann froh sein, noch zu leben. Es kostet ihn nämlich immer etwas Kraft ... diese Gabe. Da ist es nicht hilfreich, wenn die Handlanger seines Herrn ihn einfach unaufgefordert erneut umbringen." Ein wenig Schärfe hielt Einzug in seine Stimme, damit er möglichst verärgert klang. Vielleicht würde Sademos ihm den Gefallen tun und Dry'ol aus dem Raum verbannen. Er wandte sich seinem Herrn zu, denn er war ihm noch eine Antwort schuldig. "Es beherrscht diese Fähigkeit, aber es kennt weder den Grund noch eine Erklärung wie es zustande kommt. Es ist einfach so und es musste die Gabe auf die harte Weise kennen lernen. Doch so könnte es für seinen Herrn gewiss nützlich sein ... es ist ein Glanzstück in seiner Sammlung." Kazel versuchte, sich hoch zu verkaufen. Je kostbarer er einem Sammelwütigen wie Sademos wurde, desto mehr würde er auch ein Auge auf seine Kostbarkeit haben. Desto häufiger würde Kazel sich in seiner Nähe aufhalten können. Desto mehr Gelegenheiten gab es und er sollte sich beeilen. Warum nur?
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Re: Das neue Heim

Beitrag von Erzähler » Freitag 12. Februar 2021, 16:30

Kazel schaute sich um, ohne zunächst den Kopf zu drehen. Er blickte direkt in das verkehrt über ihm schwebende Gesicht des Sammlers. Dahinter meinte er, das seltsame Ding an der Decke wahrzunehmen, das vorhin kurz geflackert hatte. Träge hob er eine Hand und legte sie auf sein wieder stark und gleichmäßig schlagendes Herz. Seine Wunden waren geheilt. Auch dies war ein Umstand den ihn besonders machte. Er hatte definitiv Sademos' Interesse geweckt!
Dieser erkundigte sich sofort nach einer Erklärung für die Gabe und musste sich zunächst mit einem seichten Stöhnen seitens des falschen Hybriden zufrieden geben, als dieser den Kopf etwas drehte. Er fand Vranyk und Dry'ol noch immer mit im Raum vor, Letzteren hatte man allerdings in eine Ecke verbannt.
Gut so. Wenn ich es geschickt anstelle, bekomme ich beide aus dem Raum.
Langsam spalteten sich Kazels Lippen und seine Stimme klang etwas belegt. Er war nicht lange tot, so dass sein Körper nicht hatte austrocknen können, aber die Zunge fühlte sich nach diesen Momenten immer etwas schwer an.
"Ich..."
, begann er und runzelte die Stirn. Nein. Gehorsam war hier angebracht.
"Es"
, korrigierte Kazel sich also,
"Es kann froh sein, noch zu leben.“
und erntete ein leichtes zufriedenes Mundwinkelzucken seines umschmeichelten Herren.
„... Es kostet ihn nämlich immer etwas Kraft ... diese Gabe. Da ist es nicht hilfreich, wenn die Handlanger seines Herrn ihn einfach unaufgefordert erneut umbringen."
Ein wenig Schärfe hielt Einzug in seine Stimme, damit er möglichst verärgert klang. Sademos folgte seinem Blick, tat ihm prompt den Gefallen und schickte Dry'ol mit einer Handbewegung aus dem Raum. Kazel wandte sich seinem Herrn zu, denn er war ihm noch eine Antwort schuldig.
"Es beherrscht diese Fähigkeit, aber es kennt weder den Grund noch eine Erklärung wie es zustande kommt. Es ist einfach so und es musste die Gabe auf die harte Weise kennen lernen. Doch so könnte es für seinen Herrn gewiss nützlich sein ... es ist ein Glanzstück in seiner Sammlung."
Kazel verkauftes sich hoch. Je kostbarer er einem Sammelwütigen wie Sademos wurde, desto mehr würde er auch sicher ein Auge auf seine Kostbarkeit haben und desto häufiger würde Kazel sich in seiner Nähe aufhalten können. Das alles bedeutete mehr Gelegenheiten den Sammler zu töten und er sollte sich ja beeilen.
Warum nur?
Abermals schwebte Kazels Blick hinauf an die Decke zu dem seltsamen Kristall, der abermals leicht pulsierte und wenn er sich nicht täuschte, dann war der Rhythmus etwas schneller geworden. Sademos trat aber just in diesem Moment um ihn herum und stellte so Kazels Blickwinkel wieder richtig. Er griff sogar nach seinen Schultern und zog ihn hoch in eine sitzende Position, nahm neben ihm auf dem luxuriösen Sofa platz und musterte ihn mit funkelnden Augen.
„Führ wahr! Es ist ein Glanzstück in meiner Sammlung. Eine seltene Kostbarkeit und gesegnet mit Gaben, die erstaunlich sind. Es wird wahrlich glänzen, wenn wir es testen.“
Er wandte sich an seinen Jagdmeister:
„Vranyk, bring ihn in sein neues Gemach und sorge für sein Wohlsein. Hat es einen Wunsch? Hat es Hunger? Will es neue Kleidung? Schmuck? Ein Bad? Ein Weibchen oder mehrere? Jünglinge? Vranyk wird es versorgen und dann heute Nacht wieder zu mir bringen. Wir werden es vorstellen und es wird glänzen!“
Sademos rieb sich die Hände in freudiger Erwartung, erhob sich und schwebte fast vor lauter Erregung durch den Raum. Er widmete sich einem besonders dickem Buch, dass auf einem Podest lag und fingerte an einem Lesezeichen um dann mit beiden Händen die dicken Lederseiten umzuschlagen. Vranyk trat zu Kazel und bot ihm sogar einen Arm an, falls dieser sich stützen wollte.
„Komm. Der Meister will jetzt nicht mehr gestört werden. Ich zeige dir dein Gemach.“
Dass er plötzlich zum „Diener“ degradiert worden war, schien ihm nur bedingt etwas auszumachen. Anders als Dry'ol, der Kazel bei seinem Rauswurf einen finsteren Blick zugeworfen hatte, machte Vranyk keinen sonderlich verärgerten Eindruck. Er wirkte eher neugierig und sehr aufmerksam.
Der Weg des Schicksals teilte sich wieder einmal an dieser Stelle und Kazel musste entscheiden, ob er es wagen wollte, seinem Herrn zu widersprechen und einzufordern hier zu bleiben, oder ob er sich weiterhin gefügig gab und mit Vranyk tiefer in die Geheimnisse des Hauses vor drang.
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Sprachen: Lerium
etwas Kr'zner
Beruf: Überlebenskünstler
Fähigkeiten: Dolche (durchschnittlich)
Adlerkrallen (rudimentär)
Flinkheit
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: - ein Stundenglas mit eigener Lebenszeit
Zum Vorzeigen: Bild

Re: Das neue Heim

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 16. Februar 2021, 14:02

Kein Loch, keine Narben. Ich brauche offenbar nicht jedes Mal ein Krümelchen Lebenszeit. Sacht strich Kazel sich über die Brust. Der Mantel mochte von seinem Blut etwas klebrig sein, aber vielleicht lag das auch nur an seinem ohnehin fraglichen Zustand und der Mischling hatte es bisher nicht so bewusst wahrgenommen. Spuren des eigenen Klingenstreichs fand er aber nicht. Nur knapp streiften seine Fingerspitzen die empfindlichere Haut am Rand der Feder-Tätowierung. Dann ließ er von seinem eigenen Körper ab und konzentrierte sich stattdessen auf den Sammler. Sademos hatte angebissen und nun zappelte er wie ein Fisch am Haken. Kazel musste ihn bei Laune halten, durfte die Leine aber auch nicht zu schnell einziehen. Das Spielchen war noch lange nicht gewonnen. Er musste weiterhin mit Bedacht vorgehen.
Unter einem leichten Zucken, aber ohne jegliche Gegenwehr ließ Kazel sich von seinem Herrn höchstpersönlich in eine Sitzposition manövrieren. Dann beobachtete er, wie Sademos sich neben ihm niederließ. Er begegnete dem faszinierten Blick des anderen. Seine Augen funkeln ... vermutlich plant er bereits, wie er diese Gabe nutzen kann. Ich muss handeln, bevor er mich auf irgendeine Mission und vor allem raus aus seiner Reichweite schickt.
Vor allem aber musste Kazel sich weiterhin mit dem Stolz eines klassischen Dunkelelfen geben, wenngleich er nicht vollends wie einer aussah. Er wollte trotzdem Arroganz ausstrahlen und so schwellte er die zuvor noch durchstochene, aber wieder geheilte Brust, als Sademos ihn ebenfalls zu seinem Glanzstück ernannte. Er spielte darauf an, den anderen glauben zu machen, das allein zähle für sein neuestes Objekt: wichtig sein. Nein, noch mehr! Das höchste Gut in der Sammlung seines Herrn darstellen, dieses Motiv versuchte Kazel sich aufzudrücken und damit vielleicht auch sein Handeln oder Verhalten gegenüber Sademos zu rechtfertigen. Er durfte nicht aus dieser Rolle fallen. Nicht, bis der Sammler nicht gefallen ist, dachte er entschlossen.
"Testen", wiederholte er laut. Unwohlsein breitete sich in seiner Magengegend aus, aber er kam wohl nicht um einige Experimente herum. Tode mit Gift oder anderen Substanzen müsste er jedoch meiden. Irgendwie beschlich Kazel eine Ahnung, dass vielleicht seine Seele, nicht aber sein Körper das überleben würde. Nicht, ohne eine immense Zahl an Lebenszeitkörnchen zu verbrauchen. Er nickte dennoch. "Es ist nicht unverwundbar. Seine Narben beweisen es." Sollte Sademos nachhaken, könnte Kazel ihm die Peitschennarben auf seinem Rücken präsentieren. So käme er vielleicht gar vor Schlimmerem in den angekündigten Tests davon. Wenn er noch geschickter und vor allem schnell vorging, käme es gar nicht erst dazu. Zu sehr widersprechen wollte er seinem Herrn aber auch nicht. Das schürte nur dessen Zorn und Kazel versuchte, sich ein großes Stück vom Kuchen der Gunst abzuschneiden.
Tatsächlich kam Sademos ihm sogar plötzlich sehr entgegen. Zwar betitelte er Kazel immer noch als Objekt, erkundigte sich aber nach offenen Wünschen. Er schien seinem Sammlerstück Komfort bieten zu wollen. Jetzt heißt es nachdenken. Um Zeit zu überbrücken richtete der falsche Hybrid den Blick auf Vranyk. Dann wanderten die Augen weiter. Erneut durch den Raum und zurück zu Sademos selbst. Dieser war inzwischen aufgestanden, um sich einem Wälzer auf einem Podest zu widmen. Wenn es nach ihm geht, werde ich heute Nacht erneut zu ihm kommen können. Aber er will mich vorstellen. Das klingt nach einer noch schlechteren Lage als jetzt. Kazel musterte Vranyk ein zweites Mal. Obgleich ihm dieser Handlanger nicht geheuer war, sah er keinen Grund und auch nicht den Willen, ihn zu töten. Nicht, um an Sademos heran zu kommen. Kazel hatte vielleicht den Auftrag ein Leben auszuhauchen, aber nicht dieses ... und ihm fehlte die nötige Mordlust, um für die Erfüllung seiner Aufgabe über andere Leichen zu gehen.
"Es hat nur einen einzigen Wunsch, der ihm wirklich wichtig ist", begann Kazel daher. Er musste die Grenzen seiner Möglichkeiten austesten und sehen, wie weit er bei Sademos gehen konnte. Darüber hinaus würde er durch dessen Antwort auch herausfinden, wie wichtig ihm ein Sammlerstück mit Gaben wie Kazel sie ihm präsentiert hatte, wirklich war. "Es möchte für seinen Herrn glänzen ... und sich im Licht seiner Begeisterung baden. Es möchte in seiner Nähe sein, um oft bemerkt, gesehen und bewundert zu werden. Es möchte nicht lange von den löblichen Blicken seines Herrn getrennt sein. Es ..." Kazel atmete durch, um die Worte auf eine fanatische Weise glaubhafter zu gestalten. "... es giert danach."
Das musste reichen. Er durfte nicht verlangen zu bleiben, aber seinen Wunsch konnte er äußern. Nun lag es an Sademos selbst, ob er diesen auch erfüllen wollte. Weiteren Widerspruch konnte Gevatters Lehrling nicht geben, ansonsten schöpfte man noch Verdacht. Wenn der Sammler sein Begehren nach Anwesenheit ablehnte, würde Kazel sich fügen und mit Vranyk gehen müssen. Dann wäre die Chance vertran, den Sammler hier und jetzt zur Strecke zu bringen. Dann würde er es tun müssen, bevor man ihn anderen zeigte. Ist unter diesen anderen jener, der dem Gevatter ein Dorn im Schädelauge wäre? Dann darf ich es nicht so weit kommen lassen! Er wanderte auf einem wahrlisch schmalen Grat entlang.
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