Der Ruf der Freiheit

Ein dunkler Tempel gebaut am Rand des Drachengebirges zu Ehren Faldors Schwester Manthala. Dunkle Gestalten reisen hierher, um die Gunst der hinterlistigen Göttin zu erhalten.
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Maruka
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Re: Der Ruf der Freiheit

Beitrag von Maruka » Mittwoch 18. Mai 2016, 18:34

Die einzelne Feder taumelte durch die Nacht, getragen von Wüstenhitze und Marukas festem Atem. Schwarz traf auf blaue Blitze. Sobald die Feder die Barriere traf, konzentrierten sich die umliegenden Energie Entladungen um sie und wurden immer heller. Das Licht beleuchtete die Feder und konzentrierte sich immer mehr, so dass sie aussah, als würde sie Glühen. Es war wunderschön und aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte Maruka auch keine Angst, vor dem was passieren würde. Der Talisman zog sämtliche Energie auf einmal in sich hinein und ein dumpfes Krachen erfüllte die Luft. Die Barriere war zerstört und ein paar Asche Flocken fielen zu Boden. Die Reste der Feder, die ihr ihre Freiheit zurückgegeben hatten. Sie folgte den kleinen verglühenden Flocken mit den Augen und lächelte entrückt.
Wunderschön...
Die Gestalt im Kapuzenmantel keuchte überrascht auf und trat einen halben Schritt zurück. Sie hate ihr Schicksal überrascht. Gleichzeitig hörte sie ein klares Lachen durch die Nacht hallen, aber irgendwie war es ihr auch ganz nah. Es war eine andere Stimme, die da zu ihr sprach:
„Gewitzt, meine Liebe. Gewitzt. Seine eigenen Geschenke gegen ihn zu verwenden! Du gefällst mir, jetzt noch mehr als damals.“
Die zu dem Lachen gehörige Stimme existierte scheinbar nur in Marukas Gedanken, denn Schicksal reagierte nicht darauf. Dieser erholte sich von seinem Schrecken und trat wieder einen Schritt auf Maruka zu, die sichtlich verwirrt still im Sand hockte. Ihr Fell stand ihr von den Wurzeln her steil ab, jedes einzelne Haar, sodass sie recht *flauschig“ wirkte. Die verebbte elektrische Entladung ließ ihr Fell bei der kleinsten Bewegung knistern.
„Liebste, endlich stehen wir uns in Persona gegenüber! Hab keine Angst, ich bin hier, um dich mit mir zu nehmen. Alles wird gut werden, niemand wird dir jemals wieder wehtun.“
Seine Stimme war tief und sanft, voller versprechen und Gewissheit. Maruka legte ihren Kopf leicht zur Seite, als würde sie ihre Wange in den Klang seiner Worte schmiegen. Irgendetwas in ihr hatte auf diesen Moment gewartet... doch da war noch etwas anderes...
„Was er doch für ein unsagbarer Lügner ist … aber hier in meinem Tempel bestimme ich die Regeln...“
Mathala...
Sie wusste wo sie hier war. Der Ort an dem für sie das letzte Mal die Hatz so grausam geendet hatte und sie das erste mal Blut vergossen hatte. Hier hatte sie ein Leben geopfert … Der Tempel der dunklen Gottheit, war ein Sinnbild der Nacht und sie war … schön …
„...Willst du dein Schicksal wirklich in den Händen eines Mannes lassen, Maruka? Bist du es nicht Leid, von deiner Umgebung herum geschubst zu werden?“
Ja, das stimmte und der Klang der nachtgefärbten Stimme in ihrem Kopf konnte sie nur Recht geben. Sie richtete sich ein wenig mehr auf und versuchte das Gefühl von krabbelnden Ameisen auf der Haut abzuschütteln. Ihr Schicksal, der Mann unter der Kutte, trat noch einen weiteren Schritt auf die Hybridin zu und bereitete die Arme aus, das Willkommen und die Sicherheit, die sie darin finden würde, waren fast greifbar. Sie fühlte sich hin und her gerissen.
Hast du mich endlich eingeholt?
, war ihr kaum bewusster Gedanke. War die Jagd endlich zu Ende, oder war es erst der Anfang? Sie wusste es nicht, doch dann geschah wieder etwas unerwartetes. Ein Mondstrahl fiel auf die Fläche neben seinem Körper und begann den Umriss einer schlanken großen Gestalt zu bilden. Ihr Mantel waren Schatten, ihr Körper reines Mondlicht. Es war, als wäre ihre Gestalt nicht mit dem Verstand erfassbar, zu groß und zu mächtig für sterbliche Wesen. Rosenduft und etwas unbekanntes, dass Maruka noch niemals zuvor gerochen hatte, durchtränkten die Luft. Es war animalisch und düster, voller Geheimnisse und Zwielicht und etwas fühlte sich zu dieser Erscheinung hingezogen, wie zu einem Echo ihrer selbst. Nun schien auch *ihr Schicksal* zu bemerken, was vor sich ging und warf einen erstaunten Blick zu seiner Rechten. Sie konnte sein Gesicht noch immer nicht sehen, doch eine Steifheit in seiner Haltung verriet seine Unruhe … oder war es sogar Angst? Zorn? Aversion?
Was geht hier vor?
Maruka konnte es nicht sagen, ohne in sein Gesicht zu blicken und ihr Geruchssinn verriet ihr nur, dass sein Geruch noch intensiver geworden war, gerade die Note der Asche darin. Er ignorierte Manthala und sprach stattdessen beschwörend auf die Hybridin ein. Es war, als würde er für sie noch realer werden wollen.
„Komm zu mir in meine Arme Maruka. Hör nicht auf die falschen Versprechen der eifersüchtigen Göttin der Tücke. Lass mich dich wieder heile machen. Lass uns von diesem Ort verschwinden und nie mehr zurück blicken. Wir gehören zusammen.“
Neben der Präsenz der Göttin hatte er gedroht, zu verschwinden, doch mit jedem seiner Worte schien sich eine Aura aus blauen Flammen um ihn zu verfestigen. Ein Schatten bildete sich in seinem Rücken, als würden dunkle Schwingen aus seinem Rücken hervor sprießen. Und noch etwas anderes war da, etwas, dass er zu verbergen versuchte … war das das Aufblitzen von Kettengliedern um ihn herum gewesen? Maruka erzitterte. Zu – viel – Macht – war hier vereint.
„Du kannst dich natürlich wieder in die Hände eines anderen begeben. Dumme Entscheidungen sind etwas, dass ihr Menschen zum Wachsen braucht … allerdings bezweifle ich stark, dass du noch viele Lehren aus dieser Dummheit wirst ziehen können. Ich biete dir weder Sicherheit noch will ich dir verbergen, dass meine Hilfe immer einen Haken hat....“
Alles im Leben hat einen Preis.
„...Aber was ich dir versichern kann, wenn du dir das Geschenk, das du dir mit deinem Opfer an mich verdient hast, einlöst, wirst du die Chance haben, deine eigene Herrin zu sein. Ich biete dir Freiheit mit allen seinen vor und Nachteilen. Ist es nicht dass, was dein Herz sich wünscht? Alles, was du tun musst, ist ein zu schlagen.“
Das Wesen aus Mondlicht hatte die Rechte zum Handschlag erhoben und alles was Maruka wollte war ...SCHREIEN!!!... doch nicht eine Silbe verließ ihre Lippen, nicht ein Ton. Hier war sie, ein verwirrtes junge Mädchen, dass ihrer Welt entrissen worden war, das in Grauen getaucht worden, von Schwärze verwandelt und neu entstanden war. Hier war sie, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen und da waren zwei so übermächtige Präsenzen, die irgendetwas mit ihr vorhatten, sonst würden sie sich nicht um sie bemühen, oder? Ein Bild formte sich kurz als dritte Lösung in ihrem Kopf und zu gern hätte sie diesem letzten, völlig wahnsinnigen Ruf nachgegeben.
Schicksal, Gottheit oder … Irrsinn …
Sie sah sich selbst nach hinten ausweichen, wild mit den Armen fuchtelnd, mit wehenden Haaren davon rennen. Ihre spitzen Schreie verfolgten sie in diesem Bild und ließen zwei verdutzt drein schauende Entitäten zurück. Allein für diese Gesichtsausdrücke lohnte es sich vielleicht zu sterben, aber genau dieser Gedanke war es der sie aus ihrer verqueren Phantasie zurück riss. Sie war niemand der vor seinem Schicksals floh, aber sollte sie sich kampflos ergeben??
Nein!
Die andere Wahlmöglichkeit war aber auch nicht ganz geheuer. Aber wer konnte schon von sich sagen, dass jemals ein Gott, bzw. eine Göttin, ihm leibhaftig erschienen war um ihr die Hand zu reichen? Ja sie hatte ihr ein Opfer dargebracht, auch wenn es damals nicht bewusst geschehen war. Noch heute fühlte sie das fahle Echo ihrer Scham, als sie bemerkt hatte, dass sie ihn getötet hatte. Sie wusste noch nicht einmal wer er gewesen war. Er hatte nur ruhig sein sollen...
Schluss!
Auch von diesen Gedanken musste sie sich fort reißen. Ihre gerade erst gewonnene innere Ruhe wurde jetzt schon auf die Probe gestellt. Sie hätte mit sich hadern können, sich fragen können: Warum ich?, oder sich die Haare raufen, denn davon hatte sie ja jetzt sehr viel. Aber Verzweiflung half ihr nicht. Sie wusste nichts über die Motive dieser Wesen, sie wusste nur, was ihr Herz wollte.
„Freiheit.“
, war das erste Wort, dass ihre Lippen leise verließ und somit zum Echo der des göttlich gesprochenen wurden.
„Ich werde mich nicht kampflos meinem Schicksal ergeben.“
Sie sah die Gestalt an, mit ihren Flügeln und in all ihrer Verlockung, die sich in den vergangenen Monaten... Jahren? ...in ihre Seele hatte Spuren hinterlassen können. Es … ER tat ihr fast leid und irrwitziger Weise fühlte sie den Impuls ihm irgendwie helfen zu müssen, aber gleichzeitig war da noch dieser unbändige Drang in ihr die neu gewonnene Frau in sich zu entwickeln. Sie war jung, ein Keim, der noch wachsen musste, aber dieser Keim war rein, stark und unverdorben. Vielleicht war es das, was sie alle von ihr wollten, sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass etwas in ihrer Seele auf die Gottheit neben ihm reagierte. War das unlogisch? Irrational? Ganz bestimmt! War es dumm? Das würde sich herausstellen, aber vor allem anderen war es eine Möglichkeit noch einmal ihrem Schicksal zu entkommen. Langsam hob sie ihre Hand der Göttin entgegen. Noch einmal kam ihr das Bild mit der flüchtenden Katze in den Sinn, wedelnde, dem Himmel entgegen flatternde Arme...

Dann ergriff sie Manthalas Hand.
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Re: Der Ruf der Freiheit

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. Juni 2016, 15:21

Die Hand, die sie ergriff, fühlte sich solider an als alles, was sie je berührt hatte. Als wäre Materie, wie sie sie kannte nur ein loses Geflecht, durchlässig wie grobes Gewebe. Und sie schien zu vibrieren, ließ Schmerz über ihr Fell jagen. Am liebsten hätte sie die Hand zurückgezogen, aber es war, als hätten sich Metallbänder um diese Gelegt und hielten sie unverrückbar an Ort und Stelle.
„Nein!!!“
Hörte sie jemanden brüllen aber die Stimme verklang im Nichts. Da waren nur sie und Manthala. Groß und Unendlich, mehr als ein Sterblicher erfassen oder ertragen konnte. Sterne und Nachthimmel begannen sich um sie zu verdichten und die Wüste verschwand um sie herum, wurde Schritt um Schritt verdrängt bis zuletzt das bisschen Sand unter Marukas Füßen verschwand.
Etwas sagte ihr, dass der einzige halt, den es jetzt noch gab und der verhinderte, dass die junge Frau in der Unendlichkeit verloren ging, die Hand der Göttin war. Ihr Herz drohte, ihr vor Angst aus der Beust zu springen und ihr Atem ging so hastig, als wäre sie tausenden von Metern gerannt.
Die Göttin lächelte nur Selbstgefällig und betrachtete die Hybridin vor sich. Hier, in ihrem Reich, war sie noch schöner, noch MEHR als in der Wüste. Ihr Antlitz verzauberte, es war ebenmäßig, vollkommen perfekt, und unter dieser Erscheinung Pulsierte unglaubliche Macht. Nachdenklich legte sie den Kopf schief und ihr Griff wurde fester.
„Ich kann noch immer seine schmierigen Tentakel an dir fühlen, das müssen wir ändern.“
Schmerz breitete sich in Marukas Hand aus und fraß sich wie ein Feuer durch ihre Adern bis es ihren ganzen Körper und ihr ganzes Sein ausfüllte. Sie hatte nichts von Schicksal gespürt, aber als sich Manthalas Macht durch sie hindurch brannte, spürte sie, wie dünne schwarze Fäden silbernem Licht wichen und nichts als Reinheit und Leere hinterließen. Es war unsäglich Schmerzhaft und Brutal. Sie schrie, bis ihre Stimme zu einem heiseren Krächzen wurde.
Es endete abrupt, einen Moment war da eine endlose Agonie aus Schmerz, im nächsten war da nur noch … nichts!
Sie brauchte einige Momente, bis sich ihre sich von einem blendenden Weiß wieder anfasste und das göttliche Wesen vor ihr wahrnehmen konnte. Sie fühlte sich Wund und Ausgelaugt.
„Ahh, so ist es viel besser! Aber du musst wieder etwas zu Kräften kommen, damit du mir nützen kannst. Du wirst von mir hören, kleines Kätzchen. Bis dahin, amüsiert dich gut.“
Die Hand der Göttin löste sich von der Marukas und sie stütze in die Leere.

Es geht weiter in: Im Herzen Neldoreths
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