Der Eiskanal

Einst war dieser Landstrich grün und schön wie alle anderen. Doch als sich der Drache zum bislang ewigen Schlaf bettete, liegt dieses Gebiet unter einer glitzernden Schneedecke. Es ist kalt und frostig. Hier leben die Eiselfen, aber auch die tapferen Mantroner.
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Sonntag 29. September 2013, 15:42

Je länger er in dieser Mulde lag umso mehr vielen ihn die Spuren eines anderen Jägers auf, der sich genau hier vor längerer Zeit versteckt hatte. Dieser Beobachtungsposten fand Baltos aber für die Jagd, eher als ungeschickt ausgewählt. Er war zu weit weg von der möglichen Beute und der Wind wehte ihn ständig entgegen, das war zwar gut, um nicht von den Tieren gewittert zu werden, aber behinderte leider den Einsatz von Fernwaffen, wie zum Beispiel den von Bögen. Doch der Mantroner war nicht hier um das Rätsel um diesen Aussichtspunkt und des Zwecken zu ergründen, sondern um den Strand näher unter die Lupe zu nehmen, also besah er sich näher der Umgebung.

Nach einiger Zeit konnte er den Grund erkennen, warum er hier hergekommen war. Von der Statur her war dieses Wesen was er sah humanoid und ihn beschlich so ein Gefühl, um was für eine Rasse es sich da handelte. Dann wurde aber seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt und zwar ein rascheln in seiner Nähe. Schon aus Reflex glitt seine Hand zu seinem Handbeil und umschlang den Griff. Der junge Jäger blickte in die Richtung, aus der das Geräusch kam, doch konnte er zum Anfang nichts Auffälliges entdecken. Es dauerte einen Moment, bis er die Gestalt, die dort über den Boden robbte, bemerkte und genau im selben Zeitraum sah ihn auch der Kriechende. Dieser gab ihn ein Zeichen still zu sein und Baltos nickte leicht, auch wenn das der Andere wohl eher nicht sehen konnte.
Trotz der Tatsache das der andere Jäger wohl den Mantroner gegenüber nicht feindlich gesinnt war lies Baltos seine Hand auf den Griff seiner Axt ruhen, auch als der andere Mann ihn mit einem Waldmannsheil grüßte und sich in die Mulde zu Baltos rollte.
Der Unbekannte stellte gleich zum Anfang fest das dass hier sein Jagdgebiet war und somit seine Regeln galten. Damit hatte der Eisjäger auch kein Problem, doch ein Wort aus dem Mund von diesen Tomdar, wie er sich kurz vorgestellt hatte, ließ Baltos Blut kochen. „Wenn du willst kannst du zusehen und von einem alten Piraten lernen…“ Wenn es etwas gab was der junge Mann aus tiefsten Herzen hasste dann waren es Piraten und so einer schien gerade genau neben ihn zu liegen! Sofort tauchten Bilder aus seiner Kindheit auf, von blutverschmierten Decks und getöteten Seeleuten. Er nahm das was dieser Tomdar sagte kaum noch wahr, nur am Rande seines Bewusstseins hörte er so etwas wie Falle. Der Andere schien nicht zu bemerken das Baltos gerade mit seinem inneren Rang um den Mann neben ihn nicht einfach mit seiner Axt zu erschlagen. Der Mantroner blickte fast wie in Trance in die Richtung die ihn Tomdar wies.
Dann ging alles ganz schnell, Baltos erblickte durch den Feldstecher die Aquadin, die Falle schlug zu und der andere Jäger stürmte in Richtung seiner Beute und zückte dabei seine Waffe.

Baltos fluchte, sprang jetzt ebenfalls auf und rannte Tomdar hinterher, sollte dieser auch nur versuchen das Wasserwesen zu töten würde der Mantroner dazwischen gehen und zwar mit seiner Axt!

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Dienstag 1. Oktober 2013, 09:10

Der plötzliche Vorstoß des alternden Piraten Tomdar hatte Baltos aus seinen Gedanken gerissen. Fluchend sprang er auf die Beine und raste dem Mann hinterher. Der Abhang war uneben und durch das Dunkel der Nacht, verhüllten sich Stolperwurzeln, die dem Einsiedler bekannt waren. Doch Baltos war nun mit einem Schlag so wach und aufmerksam, dass er Tomdar auf den Fuß folgte und nur einmal mit der Wade an einem rauen Felsen hängen blieb. Der junge Jäger taumelte, doch fing sich und als er wieder aufsah, zog sich die Zeit in die Länge.
Tomdar hatte den Strand erreicht. Baltos selbst überbrückte mit großen Sprüngen gerade die letzten zwei Meter zwischen den Bäumen, als der Kopf und dann die Schultern des Wasserwesens sich aus dem Loch zogen. Das Wrackteil knirschte gefährlich unter ihrem Gewicht.
Tomdar, der in direkter Sichtlinie stand, hob die Schulter. Sein Arm hob sich zum Schwung holen, weit über seinen Kopf. Baltos wusste, er würde seine Waffe werfen und aus dieser Distanz, wäre das der sichere Tod der Aquadin. Das Adrenalin prickelte in Baltos Adern und er reagierte schnell und ohne zu denken. Ein letzter großer Hechtsprung und Baltos schlug seine Axt seitlich gegen die Wurfaxt Tomdars, so dass sie ihm aus der Hand flog und im großen Bogen leise im Sand landete. Der unerwartete Ruck im Handgelenk des Piraten, musste ihm doch deutlich Schmerzen bereiten denn, dieser schrie halb vor Verwunderung, halb vor Wut auf und wirbelte herum.
„WAS zum Harax ...?“
Tomdar sah Baltos ins Gesicht und sofort war beiden klar, dass die Fronten nun geklärt waren. Blanker Hass funkelte dem jungen Jäger entgegen, der sich nun einem Kampf mit einem Piraten Aug in Aug gegenüber sah. Gleichzeitig erklang erneut das Knirschen hinter Tomdar und mit einem lauten Brechen verschwand der Körper wieder im Loch. Ein erstickter Laut erklang und dann war es still.
„Du wendest dich gegen deine eigenen Rasse? Verräter!“
Tomdar zog sein Schwert und stürmte auf Baltos zu.
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Mittwoch 9. Oktober 2013, 15:30

Er musste sich ganz schön ins Zeug legen, um diesen Mistkerl hinterher zu kommen. Zum Glück erreichte er ihn noch bevor dieser seine Wurfaxt auf die Aquadin werfen konnte. Gekonnt schlug Baltos mit Fluchbrecher die Wurfaxt von Tomdar beiseite. Dieser fluchte kurz und sah den jungen Mantroner mordlustig an.
Wenn Blicke töten könnten, hätten die Beiden wohl gerade eine ganze Zivilisation ermordet. Tomdar war der Erste, der wieder etwas sagte und betitelte auch gleich Baltos als Verräter seiner eigenen Rasse und zog dabei sein Schwert.
Baltos antwortete auf das Gesagte und die Reaktion von Tomdar, indem er ebenfalls seine Waffe zog. Doch für diesen Kampf nahm er seine mächtige Streitaxt zur Hand.

Der andere Jäger eröffnete den Tanz in dem er mit einem Seitwärtshieb auf Baltos Rippen zielte. Der Mantroner der lange genug den Zweikampf geübt hatte, reagierte ohne zu überlegen, und machte einen Satz nach hinten. Er nutzte den Vorteil seiner längeren Waffe und führte einen Schlag von oben aus, der auf die Halsbeuge seines Gegners ausgerichtete war. Tomdar blockte den Angriff, in dem er ruckartig sein Schwert nach oben zog und Baltos’ Axt mit der stumpfen Seite abfing. Der Einäugige versuchte mit einen plötzlichen wegziehen seiner Axt nach unten seinen Kontrahenten zu entwaffnen, aber diese agierte blitzschnell und drehte seine Klinge gekonnt aus dem Sog und verhinderte somit das ihn sein Schwert aus der Hand gerissen wurde. Kaum da die Beiden ihre Waffen voneinander getrennt hatten, schlug Baltos, diesmal als Erster, mit wilden Schwingern seiner Streitaxt auf Tomdar ein. Dieser wurde dabei zurückgetrieben, konnte aber durch seine hervorragende Beinarbeit problemlos den Kampf im Rückwärtsgehen aufrechterhalten und parierte die Angriffe des deutlich kräftigen Mantroners.
So legten sie ungefähr 50 Meter zurück und befanden sich schon deutlich entfernt von dem gefangenen Wasserwesen. Auf Baltos wie auch Tomdars Stirn bildeten sich trotz der Kälte schon erste Schweißperlen. Das Geräusch von aufeinandertreffendem Stahl nahm den ganzen Strand ein, und es wahr nur eine Frage der Zeit bis Nanuq den Lärm hören konnte.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 9. Oktober 2013, 19:12

Was hatte sein Freund gesagt?
„Pass auf den Schlitten auf! Ich schaue mich mal ein wenig um, wenn du Gefahr witterst, dann brülle. Ich werde dann so schnell kommen wie möglich.“
Nanuq zuckte unschlüssig mit den Ohren. Seine Aufgabe war es, auf den Schlitten aufzupassen. Der Wind stand ungünstig zum Meer und trug Baltos Duft einige hundert Meter weiter nördlich ins Landesinnere. So hatte er also nichts gewittert, was er als gefährlich eingestuft hätte, doch nun hörte er den Kampflärm aus der Richtung in die sein Freund verschwunden war. Der Schlitten war wichtig, aber das Leben seines Freundes war wichtiger! Unter seinen breiten Pfoten stoben Wirbel aus Schnee auf, als er in die Richtung rannte, aus dem der Lärm erklang und bald hatte er auch wieder Baltos Geruch in der Nase. Sobald er den würzig-vertrauten Menschengeruch in der Nase hatte, stieß er ein weit hörbares Brüllen aus.

Baltos tanzte mit dem Piraten den Tanz des Todes, der durch sein Reden ihm wenigstens die Zeit geschenkt hatte, seine Waffe zu wählen. Die gewaltige Streitaxt wog gut und vertraut in seinen Händen. Er war bereit. Bald klirrten die Schläge metallisch im Rauschen der Brandung und Baltos sah den Blutdurst in den Augen seines Gegenübers, der nicht vorhatte auch nur einen Zoll breit zu weichen. Auch wenn Tomdar schon etwas in die Jahre gekommen war, so konnte er doch auf einen großen Schatz aus Erfahrungen zurück greifen. Wilder Wahnsinn und auch die Schuld all jener die durch ihn schon den Tod gefunden hatten, verzerrten sein Gesicht. Der ersten Attacke wich Baltos noch gekonnt aus und nutzte schnell seinen Vorteil der größeren Reichweite. Sein Gegenangriff auf die Hals-beuge des Piraten wurde jedoch überraschend flink abgewehrt und auch Baltos Versuch ihn zu entwaffnen scheiterte. Dieser Mistkerl war nicht nur hassenswert, er war auch noch ein nicht zu unterschätzender, schneller Gegner. Kaum hatten sie sich wieder aus dem Waffengerangel getrennt, setzte der junge Jäger darum sofort nach um ihn nicht zum Zug kommen zu lassen. Mit wilden Schwingern seiner Streitaxt drosch er auf Tomdar ein und trieb ihn so vor sich her, weg von dem Loch im Boden und dem Wasserwesen. Die Technik dieses Mannes war jedoch so ausgereift, dass jeder Schlag an seiner Klinge abglitt. Minuten lang sah es fast so aus, als spielte der Pirat mit dem gradlinigen Kampfstiel des Mantroners, doch Baltos bemerkte langsam, dass Tomdar sicher nicht so lange einen solchen Kampfstiel durchhalten würde, wie er mit seiner Jugend. Deutliche Zeichen der Ermüdung zeichneten sich perlend auf der alternden Stirn ab. Es ging den Strand hinunter und Tomdar wich immer wieder vor seinen mächtigen Schlägen zurück. Spuckend und brüllend, kein klares Wort verlierend, spie er ihm seinen Hass entgegen, bis er ihn plötzlich da hatte, wo er ihn haben wollte. Rings um Baltos und Tomdar ragten scharfkantige Steine aus Sand, Schilf und Treibgut hervor und der Platz wurde enger und enger. Bald hätte seine Streitaxt nicht mehr genug Schwung zum auszuholen. Doch nicht nur das war der Plan des schwer atmenden Piraten. Baltos hatte gerade wieder einen schweren Treffer gelandet und das surrende Geräusch vom Abgleiten der Schneide war noch nicht verklungen, als Tomdar sich seitlich mit einem Hechtsprung in eine Nische flüchtete. Es war nicht viel Platz zwischen ihnen und Baltos setzte sofort nach, damit er es sich dort nicht gemütlich machen konnte, als unerwartet der Boden unter seinem linken Fuß nach gab.
Natürlich hatte der Pirat an SEINEM Strand mehrere Fallen ausgehoben und Baltos in eine solche locken wollen, doch unterschätze er auch seine blitzschnellen Reflexe und auch die Agilität seines Gegners. Das prickeln des Adrenalins in seinen Adern ließ Baltos seine Umgebung besser wahrnehmen und einschätzen, denn das Loch, das der Pirat hier zwischen den Steinen gegraben haben hatte, konnte nicht sehr breit sein. Baltos streckte blitzschnell seinen linken Arm, mitsamt der Waffe, weit von sich und spürte im gleichen Moment, wie der Boden unter ihm weg sackte. Die Spitze der Streitaxt stieß gegen den Felsen links von ihm und nur noch sein rechter Fuß hielt gerade noch so am Rand der Grube fest. Schräg in der Luft hängend, sah Baltos in Tomdars finster grinsendes Gesicht. Der Pirat sah seine Chance gekommen und holte zum Schlag aus.
Im gleichen Moment hörte man das Brüllen eines Bären.
Nanuq!
Tomdars freudiger Blick verfinsterte sich blitzartig, denn er schätzte seine Situation blitzschnell neu ein. Baltos Bär würde bald hier sein und an Flucht war dann nicht mehr zu denken, also was sollte er tun? Der junge Jäger war wenigstens für ein paar Sekunden hier noch gefangen, doch dann würde er sein Gleichgewicht wieder finden und sich sicher bald befreien. Brachte er ihn um, so würde sein Bär ihn sicher rächen, also …
Tomdar rannte davon.
Ein zweites Mal erklang Nanuqs donnernder Ruf und Baltos fand endlich genug Halt um sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Schnell hechtete er auf den nächsten Felsen und sah, dass Tomdar schon fast das Loch mit der Aquadin erreicht hatte. Er sah auch, wie Nanuq zu seiner Rechten aus dem Wald brach, seinen Kopf suchend hin und her schwang und ihn dann fixierte. Baltos konnte los rennen, doch einholen würde er Tomdar nicht mehr. Dieser sprang behände in das Loch hinab. Sobald Baltos sich mit Nanuq an seiner Seite dem Grubenrand näherte, sah er die Misere. Tomdar hatte die Stelle gewählt, an der er natürlich keine angespitzten Äste in den Grund der Grube gerammt hatte. Er kauerte hinter der Aquadin, die seltsam rasselnd und hechelnd in seinen Armen lag. Mit einer Hand hielt er ihr die Klinge an die Kehle gepresst, und mit der anderen hatte er fest die langen Tentakel-ähnlichen Haare nach oben gerissen. Aus einer hässlichen Wunde am Oberschenkel der Frau, die sicher von einer der Spitzen stammte, rann ungehindert dunkles Blut. Tomdars kehliges Lachen war zu hören:
„Hahahar! Du willst also den Helden spielen, was? Ich sag dir was! Nicht so schnell! Der alte Tomdar hat noch einiges auf dem Kasten!“
Speichel rann vor Anstrengung über sein von Dreck verkrustetes Kinn. Der Sprint hatte ihn erschöpft.
„Wenn du nicht willst, dass ich ihr hier und jetzt ein zweites Lächeln schnitze, dann pfeif dein Vieh zurück und dann lässt du mich mit ihr ziehen! Diese Fischfressen sind das Letzte und zu nichts zu gebrauchen, oder willst du etwa deine Feder in sie tunken? HAHAHA Wer weiß, vielleicht kommt da ja Tinte raus?“
Seine Geste, die sein Becken gegen den Hintern der Aquadin stieß war eindeutig und Ekel wollte sich schon bitter in Baltos Kehle sammeln.
„Spaß beiseite, Frischling! Willst du sie sterben sehen? Ich halte es hier lange aus! Vielleicht schneide ich mir auch ein paar Scheibchen von ihr ab, damit ich nicht verhungere. Also! Verzieh dich mit deinem Kuschelbär und lass mich verschwinden, dann werf ich sie zurück ins Meer wo sie her kommt. Versprochen.“
Hatte Baltos eine Wahl? Wenn ja welche? Das Versprechen eines Piraten war auf jeden Fall noch nie etwas wert gewesen! Vielleicht ergab sich ja noch eine Möglichkeit Tomdar zu überwältigen, wenn er aus dem Loch heraus war?
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Freitag 11. Oktober 2013, 12:57

Der Kampf wurde immer wilder und Baltos war so auf seinen Feind fixiert, dass er nicht bemerkte das Tomdar ihn mit Absicht zu den Felsen lockte.
Dann musste das unausweichliche ja passieren und die Falle des feigen Piraten schlug zu. Der Boden unter den Füßen des Mantroners verschwand innerhalb einer Sekunde und Baltos musste blitzschnell reagieren, um nicht in das Loch zu fallen. Er donnerte seine Streitaxt so gut es ging zwischen einen Felsen und streckte sein rechtes Bein weit aus. So hing er gerade noch so über dem Loch, doch konnte er nichts mehr gegen Tomdar unternehmen, außer er wollte in die Grube fallen. Sein Gegner wollte schon zum finalen Schlag ausholen als das Gebrüll von Nanuq über den Strand hallte.
Genau im richtigen Moment! Dachte sich Baltos und sein Gegner der den Bären ja schon gesehen hatte suchte lieber das Weite. Der junge Jäger war zwar jetzt erstmals der ersten Gefahr entkommen, aber wenn er in das Loch fiel, konnte ihm sein pelziger Freund auch nicht mehr wirklich helfen. Also hieß es jetzt alles Riskieren!
Baltos schnappte mit seiner freien Hand nach den Griff seiner Axt, zeitgleich zog er im gleichen Moment das rechte Bein am Rand der Grube ein und spreizte das linke Bein nach vorne. Darauf hoffend, dass seine Axt genug verkeilt zwischen den Felsen lag, zog er sich nach vorne, wie an einer Liane.
Sein Glück ließ in nicht im Stich als er gegen den Rand des Loches knallte und sich wahrscheinlich mit der Hilfe der Götter über den Rand des Loches zog. Nanuq hatte sich in der Zwischenzeit noch einmal bemerkbar gemacht, doch Baltos verzichtete auf eine Antwort, schließlich hatte der Bär eine ausgezeichnete Nase und ehrlich gesagt musste der junge Mann erst mal wieder zu Luft kommen.
Nach dreimal kräftig durchatmen, befreite Baltos seine Axt aus den Felsen und suchte den Strand nach Tomdar ab, er sah noch wie dieser in seine eigene Aquadinfalle sprang.
„Verdammt!!!“ Der Eisjäger gab jetzt ebenfalls Fersengeld und rannte zu dem Loch indem sich nun der Jäger mit seiner Beute befand. Nanuq war schnell an seiner Seite und zusammen erreichten die beiden Freund die Grube von Tomdar, wo sie den Piraten mit seiner Gefangenen erblickten.
Du besitzt wohl nicht einen Hauch von Ehre oder? Kaum da der Fallensteller die Weggefährten erblickte, stellte er gleich klar wie er seine Haut retten wollte. Doch Baltos dachte nicht einmal im Traum daran diesen Kerl dort mit der hilflosen Fischfrau alleine zu lassen. Piraten konnte man nicht vertrauen vor allen nicht solchen die so wenig Ehre besaßen wie dieser Tomdar. Vor lauter Zorn über das sich vor ihn abspielende Szenario presste Baltos seine Kiefer zusammen und seine Zähne knirschten unter den Kräften die dabei entstanden gefährlich. Nanuq war ebenfalls stinksauer und präsentierte den alten Jäger seine tödlichen Zähne. Bei einem Hund konnte man schon Angst kriegen, wenn er die Zähne fletschte, aber bei einem Eisbären war das wesentlich Einschüchternder.
Doch allein mit Zähneknirschen konnte er den Wesen dort unten nicht helfen sein Peiniger loszuwerden, er musste etwas sagen oder tun. Er schluckte seinen Zorn herunter und begann mit einem überheblichen Tonfall seinen Monolog.
„Sie wird nicht mehr lange leben, wenn ich sie nicht behandle und dann ist dein Druckmittel dahin. Die wichtigen Organe bei dieser Rasse liegen nicht, wie bei uns im Oberkörper, sondern in den Beinen! Denn meine Sippe kennt diese Wesen nur zu gut.
Wenn du mir nicht glauben willst dann höre dir ihre Atmung genauer an, dann wirst du feststellen, dass sie immer schwächer wird, wie bei einem verendenden Tier.
Sie hat vielleicht noch 15 Minuten zu leben und dann sitzt du da unten fest!“
Baltos tätschelte kurz den Kopf von Nanuq.
„Tya und dann werde ich mir was einfallen lassen, um dich da rauszubekommen! Mein pelziger Freud hier hat schon lange nichts mehr Frisches zu essen bekommen, da kommst du uns gerade recht. Aber wenn du nicht gefressen werden willst, dann las sie los und ich helfe dir aus dem Loch zu kommen.
Wo du dann hingehst, ist mir einerlei, aber ich will dich nicht noch einmal in meiner oder ihrer Nähe sehen! Ach und falls du auf den Gedanken kommen solltest meinen Schlitten zu plündern, während ich mich um sie kümmere, denke daran, dass mein Gefährte hier eine ziemlich gute Nase hat und ich ein Jäger bin.
Also was sagst du, willst du lieber von einem Eisbären gefressen werden oder doch lieber weiterleben?“
Baltos verschränkte die Arme vor seiner mächtigen Brust und blickte überlegen auf seinen Feind herab, der in seiner eigenen Falle saß.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Samstag 12. Oktober 2013, 10:05

Tomdars Augen verengten sich zu so schmalen Schlitzen, dass man in der nächlichen Dunkelheit, trotz sternenklarem Himmel, kaum noch etwas von ihnen erkennen konnte. Der Prirat hatte hoch gepockert und war sich seiner Sache schon recht sicher gewesen, doch dann erzählte der Jungspunt vor ihm etwas, dass er nicht wiederlegen konnte. Wenn es stimmte, dass die Kaulquappe unter seinem Messer eh bald starb, dann war er tatsächlich in der schlechteren Position. Eine Sekunde lang dachte er ernsthaft darüber nach, jetzt und sofort der verhassten Sirene den Garaus zu machen. Seine Hand zitterte und seine Schulterblätter spannten sich, als wollte er die Klinge durch den schlanken Hals fahren lassen, doch Baltos Stimme, die fast nahtlos weiter redete ließ ihn abermals zögern. Wenigstens lange genug um in so weit zu verwirren, dass er nachdenken musste.
Die Organe liegen in den Beinen? Was soll der Quatsch?
Sein Blick zuckte zu der blutenden Wunde am Oberschenkel der Frau und dann wieder zu ihrem Brustkorb, der sich nur flach hob und senkte und seltsame Geräusche dabei von sich gab. Hing das wirklich miteinander zusammen? Und was interessierte es ihn? Und dieser Saubermann vor ihm, wollte tatsächlich das Ding retten? Tomdar grübelte und überhörte irgendwas von 15 Minuten, aber die Drohung, von dem Eisbären gefressen zu werden ließ ihn wieder aufhorchen. Widerstrebend und angewidert verzog er das Gesicht, als er zu Baltos seine Worte hinauf fauchte:
„Deine Sippe hat wohl zu wenig frischen Blut in ihren Reihen. Das kommt davon wenn man seine Schwerster rammelt, das macht den Nachkommen die Birne weich! Anders kann ich mir den Schwachsinn, den du hier verzapfst nicht erklären! Echt, du willst das Gekröse wieder zusammen flicken? Du läufst echt nicht ganz rund im Oberstübchen. … Aaaaber in Ordnung.“
Er ließ betont langsam die Klinge ein Stück sinken. Die Schneide hatte trotzdem einen dunkelroten Streifen auf dem Hals der Aquadin hinterlassen.
„Du sollst deinen Willen bekommen. Ich ergebe mich. Halb links hinter dir, hinter dem Felsen der aussieht wie eine Schildkröte, liegt eine Leiter. Hol sie und ich komm mit ihr herauf, aber ich lass sie erst gehen, wenn ich genug Abstand zu euch hab.“
Baltos brauchte nur hinter sich zu blicken, um den beschrieben Stein zu erkennen. Es reichte ein Blickwechsel mit Nanuq und der Bär blieb am Rand des Lochs stehen um dem Piraten und sein Opfer zu bewachen. Baltos beeilte sich die Leiter zu holen und fand sie auch schnell, doch Tomdar hatte durch diese Aktion noch ein paar wenige unbeobachtete Sekunden gewonnen, so glaubte er zumindest, denn die Intelligenz des Bären zählte für ihn nicht. Kaum hatte sich der junge Jäger abgewandt, ließ er von der Wasserfrau ab und wechselte die Waffen. Sein Schwert tauschte er gegen einen handlicheren Dolch. Mit der freien Hand packte er oben am Kopf wieder die Haar-ähnlichen Tentakeln und schnitt drei lange Strähnen im Nacken der Aquadin ab. Ihr Gesicht verkrampfte sich und tatsächlich begann etwas Blut aus den Schnittstellen zu tropfen.
„Damit du mich nicht vergisst!“
flüsterte er und ließ die langen Haare über die frischen kleinen Wunde fallen. Schnell verbarg er noch seine Beute unter seiner Jacke. Als Baltos mit der Leiter den Rand erreichte, half Tomdar der Aquadin gerade beim Aufstehen.
„Ah, da bist du ja. Ich kommt mit ihr herauf und du lässt mich gehen.“
Nanuq knurrte leise:
„Du nicht sehen. Schlammmensch hat Wasserfee gequält.“
Baltos stellte die Leiter an den Rand der Falle und trat zwei Schritte zurück. Tomdar steckte sich den Dolch quer zwischen die Zähne, packte unsanft einen Arm der Wasserfrau und zog sie langsam hinter sich die Leiter hinauf, ohne Baltos dabei aus den Augen zu lassen. Jeden Schritt auf der Leiter hielt er sie so, dass wenn Baltos ihn angreifen würde die Aquadin abermals in die Tiefe stürzen würde. Als sie dann oben angekommen waren, zog er sie wie einen Schutzschild vor seinen Körper, hielt er ihr sofort wieder die Klinge unters Kinn und begann langsam rückwärts Richtung Wald zu gehen. Als sie gut 10 Meter entfernt waren, sagte er:
„Ich hab meinen Teil der Abmachung gehalten, nun du halte auch deinen. Nur einen kleinen Tipp noch … Pass auf, dass du nicht Teil der Geschichte wirst, Frischling!“
Damit grinste er noch einmal und stieß die Wasserfrau von sich nach vorne und rannte dann zum Wald. Die Aquadin landete auf den Knien und fiel dann nach vorne in den Sand. Neben Baltos erklang ein Brummen:
„Jagen?“
Nanuq hatte die Lefzen hoch gezogen und die Emotionen seines Freundes waren auf ihn über gegangen.
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Montag 28. Oktober 2013, 12:45

Baltos Augen verengten sich zu schlitzen als Nanuq ihn sagte, dass dieser Kerl die Fischfrau gequellt hatte während der Mantroner die Leiter geholt hatte.
Du kranker Bastard! Doch der junge Mann blieb nach außen hin entspannt, obwohl er innerlich am Kochen war und diesen Tomdar liebend gern in zwei Teile zerrissen hätte.
Er ließ den Entführer keinen Moment aus den Augen und war jederzeit bereit einzugreifen sollte dieser Pirat etwas anderes tun als abgesprochen.
Kurz vor den Ausläufen des angrenzenden Waldes gab Tomdar die Aquadin frei und suchte sein Heil in der Flucht. Nanuq fragte gleich, ob sie sich diesen Mistkerl schnappen sollten! Dabei spürte Baltos wie der Jagdtrieb des Eisbären auch auf ihn überging. Doch er schüttelte dieses Gefühl ab.
Nein wir müssen erst ihr helfen! Pass aber auf das der Schlammmensch uns nicht zu nahe kommt.

Jetzt rannte der Mantroner so schnell er konnte zu dem verletzten Wesen, dicht gefolgt von seinem Begleiter. Für die wenigen Meter brauchten die Zwei nicht lange und schon nach ein paar Sekunden hatten sie die Frau erreicht.
Als Baltos sie erreichte bemerkte er, dass die Atmung des Wesens immer schwächer wurde. Sie musste ins Wasser und das schnell um alles Weitere konnten sie sich noch später kümmern. Der Jäger hob vorsichtig die Verletzte hoch, sofort stieg ihn der Geruch des Meeres in die Nase, der ihn sofort an seine Heimat erinnerte und mit zügigen Schritten ging er mit der Frau in den Armen zum Meer zurück.
„Gleich kannst du wieder atmen!“

Ohne mit der Wimper zu zucken, liefe er in das eisige Wasser, obwohl die Kälte wie tausend Nadeln in seine Haut stach. Als das Meerwasser ihm bis zur Hüfte stand, ließ er vorsichtig das Wesen los und übergab es seinen natürlichen Lebensraum. Er wusste nicht ob, und wie er hier helfen konnte, deswegen wartete Baltos lieber auf eine Reaktion der Verletzten.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 30. Oktober 2013, 08:58

Baltos merkte nun also zum ersten mal, dass die emotionale Verbindung zu seinem Eisbärenfreund nicht nur Vorteile hatte. Kaum da er selbst die Aggressionen gegen Tomdar in sich geboren hatte, spürte er das Echo in Nanuqs Wesen widerhallen. Andererseits fühlte er auch den Jagdtrieb und die Lust des Bären seine Zähne in das weiche Fleisch zu treiben. Beides zusammen schaukelte sich schnell hoch und der junge Jäger wurde überrascht von der Intensität ihrer Gefühle. Es brauchte einiges an Willenskraft um sich selbst und damit auch Nanuq zu beruhigen, aber es gelang.
„Nein wir müssen erst ihr helfen! Pass aber auf das der Schlammmensch uns nicht zu nahe kommt.“
Der Bär gehorchte, aber entfernte sich ein Stück weit von ihm um in einer heftigen Drohgebärde sich auf die Hinterpfoten zu stellen, laut zu brüllen, um dann mit seinem ganzen Gewicht nach vorne aufzustampfen. Die Erde bebte in seiner Umgebung als seine gut 800 Kilo sich in den Sand rammten. Dann richtete er sich wieder auf die Hinterbeine auf und behielt den Wald im Auge.
Baltos hatte die Aquadin vorsichtig auf seine Arme gehoben und steuerte zielsicher auf das Meeresufer zu, als ihre Augen sich kurz flackernd öffneten und gleich wieder schlossen. Im Licht der Sterne hatten sie die Farbe von dunklem Seetang.
„Gleich kannst du wieder atmen!“
Als er sie ins Wasser gleiten ließ, konnte er bemerken, dass er nicht nur Blut an seinem rechten Arm hatte, dort wo sie die Verletzung am Bein hatte, sondern auch sein linker Arm blutig verschmiert war. Das Prickeln seiner Beine bemerkte er kaum. Er war schlimmeres gewöhnt und Venthas Taufe ihrer mantronischen Kinder härtete ihr Volk ab. Aufmerksam verfolgte er die Reaktionen des Wasserwesens.
Kaum lag auch der Kopf ganz unter Wasser öffneten sich schmale Linien an den Seiten ihres Kopfes und sofort wurde ihre Atmung ruhiger. Ein paar lange Sekunden geschah nichts und Baltos hielt einfach nur ihren jetzt schwerelosen Körper. Die blutigen Schlieren im Wasser vermischten sich mit dem Salz des Meeres. Dann ging plötzlich ein Ruck durch die grazile Gestalt und sie riss die großen Augen weit auf. Mit einer heftigen Bewegung befreite sie sich und eine Welle traf Baltos. Sein stand war fest, so dass es ihn nicht umwarf, jedoch musste er einen Ausweichschritt nach hinten machen. Zeitgleich verschwand die Frau in der dunklen Tiefe. Weit konnte er ihren fließenden Bewegungen nicht folgen, bevor die Schwärze sie vollends verschluckte.
War es das gewesen?
Einen Moment lang stand er still da und beobachtet die Wasseroberfläche. Es war still um ihn. Viele hundert Meter weiter draußen auf dem Meer glaubte er den Buckel eines Wals zu sehen, dessen Rückflosse im Sternenlicht funkelte, doch sonst passierte nichts. Es vergingen Minuten. Langsam erinnerten ihn seine Beine daran, dass es besser wäre die eisigen Fluten wieder zu verlassen und Nanuq wartete auch nun wieder auf allen Vieren ruhig am Strand. Er drehte sich um und lief ihm entgegen. Als seine Füße die letzte Welle verlassen wollten, hörte er hinter sich ein leises:
„Warte … bitte!“
Seine Muttersprache klang seltsam singend aus ihrem Mund und als er sich umdrehte, sah er ihren halben Oberkörper aus den Wellen ragen. Eine Hand hatte sie in den Nacken gelegt und etwas schleimiges hing von dort über ihre Schulter. Sie sagte etwas in ihrer Sprache, schüttelte dann den Kopf und übersetzte für sich:
„Wa … Warum hast du mich gerettet?“
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Donnerstag 7. November 2013, 13:38

Zufrieden stellte er fest das sich die Atmung des Wesens im Wasser langsam wieder normalisierte. Er behielt die Verletzte noch einige Zeit in den Armen, bis sie sich mit einem heftigen Ruck befreite und Baltos dazu brachte einen Ausfallschritt nach hinten zu machen. So schnell das Geschöpf sich befreit hatte so schnell war es auch wieder in den Tiefen des Meeres verschwunden. Der junge Mantroner stand noch einige Zeit im Wasser falls die Aquadin wiederkommen sollten, doch als er langsam die Kälte des Meeres spürte, drehte er sich wieder um ging in Richtung Strand, wo Nanuq schon auf ihn wartete.
Der Jäger war den Wesen nicht böse das es ohne ein Wort des Dankes verschwunden war, für ihn war das nicht wichtig. Er hatte damals einen Schwur geleistet und diesen würde der Mantroner auch einhalten, egal ob er dafür dank erhielt oder nicht.

Gerade als er den letzten Schritt aus dem Wasser machen wollte, erklang eine seltsame Stimme. Baltos drehte sich sofort um und erblickte wieder das Wesen was zur Hälfte aus dem Wasser ragte. Sie sprach zwar seine Sprache doch der Klang wie sie die einzelnen Silben betonte hatte Ähnlichkeit mit dem Gesang von Walen.
Dann verfiel sie kurz in ihre eigene Sprache, die der junge Mann beim besten Willen nicht verstehen konnte obwohl diese bezaubernd Klang und ihn an die See erinnerte.
Fragend legte er den Kopf schief und wartete darauf, dass sie wieder seine Sprache benutzte oder vielleicht die Handelssprache.
Als die Aquadin ihren Fehler bemerkte stellte sie Baltos die seltsamste Frage, die er jemals in seinen Leben gehört hatte.
Warum sollte er ihr nicht helfen? Diese Frage ergab überhaupt keinen Sinn für ihn.
„Weil du meine Hilfe gebraucht hattest! Jeder verdient Hilfe, das gilt auch für dich. Da mache ich keinen Unterschied, ob ich dich nun kenne oder nicht!“
Baltos betrachte kurz ihre Hand, die sie in den Nacken gelegt hatte.
„Ist das eine Art Verband oder soll ich mich um deine Wunde kümmern?“

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 7. November 2013, 18:48

„Weil du meine Hilfe gebraucht hattest! Jeder verdient Hilfe, das gilt auch für dich. Da mache ich keinen Unterschied, ob ich dich nun kenne oder nicht!“
Die wirklich überdimensional großen Augen in dem runden Kopf wirkten, als würden sie jeden Moment heraus fallen. Die seltsam bewegten Haar-Tentakeln zuckten unwillkürlich. Der Mund war leicht geöffnet und schien nach einer Erwiederung zu suchen, doch fand keine passenden Worte. Schließlich senkte sie die Aquadin resignierend den Kopf und überlegte. Baltos betrachte kurz ihre Hand, die sie in den Nacken gelegt hatte. Das schleimige Ding schien sich sogar zu bewegen, je länger man es betrachtete.
„Ist das eine Art Verband oder soll ich mich um deine Wunde kümmern?“
Die Frau sah auf, ihr Nacken streckte sich und sie blickte verwundert von dem Jäger zu ihrer Schulter und zurück. Ihre Verwirrung schien sich noch weiter zu steigern, bis es dann aus ihr heraus brach:
„Ich … Ich verstehe es nicht! Du hilfst mir, … du willst dich um meine Wunden kümmern? Warum? Wüsstest du wie? Nein! … Du weißt nichts von mir. Ich könnte dich töten, fressen oder dich in die schwarzen Tiefen meines Reichs entführen wie der Andere es glaubt. Du hättest auch dem Anderen helfen können, auch er brauchte Hilfe mich zu fangen … Wer sagt dir, dass er deine Hilfe nicht brauchte?!“
So ganz schien sie Baltos noch nicht zu trauen und reine Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie ihre Schulterblätter nach hinten zog und vorsorglich ihre Waffe präsentierte. Hinter ihrem Rücken ragte ein länglicher Speer auf, der gleich einem Dreizack drei Spitzen besaß. Die mittlere war länger als die anderen beiden und glomm in unregelmäßigen Impulsen sanft auf. Das Licht hatte Ähnlichkeit mit den magischen Netzen die Baltos kannte. Die Geste glich einer vorsorglichen Abschreckung, ihr nicht zu nahe zu kommen. Sie hatte den Speer nicht in die Hand genommen, denn ihre Verletzung schränkte sie einerseits ein und sie wirkte auch andererseits nicht wie eine Kämpferin, nicht einmal so als ob sie es wirklich wollte. Sie war keine gute Schauspielerin. Doch dann trat ein anderer Ausdruck in ihr Gesicht. Sie war hin und her gerissen. Baltos ergriff kein Schwert gegen sie, warf nicht mit Steinen, brüllte ihre keine Verwünschungen entgegen und seine Worte hatte sich auch nicht wie die Lügen angehört, die die Landbewohner sonst ihresgleichen entgegen brachten. Sie kannte die Menschen, ihren Geruch, ihren Krach und ihre Hinterlist. Zumindest glaubte sie es.
„Du … anders … Du bist anders! Warum? Der Andere … er … die Anderen sind anders! Sie versuchen uns zu töten, wenn sie uns sehen, selbst wenn wir ihnen helfen wollen. Sie werfen ihre Waffen nach uns und schicken uns ihre Toten. Wir verstecken uns und lernen. Was bist du, das du dein … dein Leben für mich riskierst hast, gegen … einen der deinen? Ich … Du hast … Ich schulde dir mein Leben und das ist nicht richtig! Das dürfte nicht sein! Du musst mit mir tauschen! Ich muss dir das Leben zurück geben, dass du gerettet hast, aber ich kann dir nicht folgen! Du lebst an Land, ich im Meer, du gehst ich schwimme.“
Sie wand sich sichtlich, aber kam langsam näher. Ihre Haltung entspannte sich etwas, aber sie blieb wachsam. Sie behielt den Wald im Auge. Nanuq gab leise glucksende Geräusche von sich, die gegen Ende hoch quietschten und setzte sich auf seinen breiten Hintern.
„Sie riecht toll!“
„Was willst du? Wir müssen etwas tauschen. Du gabst mir mein Leben, ich muss etwas zurück geben!“
Sie schien es wirklich ernst damit zu meinen. Doch was könnte eine Aquadin einem Mantroner geben? Baltos musste wohl erst mal heraus finden, wie er ihrem Verlangen gerecht werden konnte. Sie sah nicht aus, als würde sie ein „Nein“ oder „Du schuldest mir nichts!“ akzeptieren. Dann blieb sie gut vier Meter von ihm in der Brandung stehen und betrachtete ihn von oben bis unten. Auch Baltos Blick fiel unwillkürlich auf den blanken, glänzenden Körper, der bis auf ein paar sehr schmale, anscheinend aus Pflanzenfasern hergestellte Gurte, vollkommen nackt war. Sie schluckte einmal merklich und meinte dann doch noch etwas sanfter und weniger fordernd:
„ Entschuldige, ich bin nicht ...richtig … Ich bin Soda … Soda Solaris, vierte Tochter des Sonnenmeers. Abgesandt unter das Eis, eine der sieben Wächter der tiefen Gräben. Bitte nenne mir deinen Namen.“
Man merkte, dass sie trotz der guten Kenntnisse seiner Sprache, doch manchmal nicht gleich die richtigen Worte fand. Sie bemühte sich redlich und jetzt da sie so nah vor ihm stand, war auch deutlich zu erkennen, dass das schleimige Etwas, so etwas wie ein Tier sein musste. Auch an ihrem Bein klebte so ein Ding, hatte sich dort festgesaugt und so die Wunde komplett abgedeckt. Soda stand still da und beobachtete den Jäger und seinen Bären und der Bär und der Jäger beobachteten die Aquadin. Weit draußen auf dem Meer war noch einmal die Fontäne eines Wals zu sehen.
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Freitag 8. November 2013, 11:45

Baltos hatte wohl einen wunden Punkt bei den Wesen erwischt, denn die Drohgebärden, die sie an den Tag legte, verhießen nichts Gutes. Doch trotzdem blieb der junge Mann ruhig und griff nicht zu seinen Waffen. Sie war verwirrt und unentschlossen, nicht wirklich eine potenzielle Bedrohung für ihn und solange Nanuq ruhig blieb gab es auch keinen Grund für Baltos seine Waffen zu ziehen.
Der Jäger hörte ihr ruhig zu und wartete ab, bis sie ihn die Möglichkeit zum Antworten gab. „Mann nennt mich Baltos Bestientod! Es freut mich dich kennenzulernen Soda Solaris, vierte Tochter des Sonnenmeers. Es ist nicht nötig das du mir etwas gibst im Austausch für deine Rettung!“ Die Stimme des Jägers wurde ernster.
„Mein Volk lebt in dieser Richtung.“ Er deutete in die Ferne wo sich ungefähr Mantron befand. „Wir sind anders als die Menschen, die ihr schon kennen gelernt habt und behandeln jeden Fremden wie einen Freund, wenn er sich nichts zu Schaden kommen lässt.“ Baltos blickte in die Richtung, in die der Pirat verschwunden war.
„Der Mensch der dich entführt hat gehört nicht zu unserer Sippe und seine Art betrachten wir als Feinde, weil sie den guten Menschen Schaden zufügen.“
Der junge Mann schüttelte kurz sein linkes Bein um die Kälte zu vertreiben. „Du brauchst mir wirklich nichts geben, denn dein Volk hat uns schon geholfen. Als es uns vor der Seeschlange gewarnt hatte, gegen die ich und meine Sippe gekämpft hatten.“ Baltos überlegte kurz, ob es vielleicht doch etwas gab um was er das Wesen bitten könnte. „Aber wenn du mir irgendwas geben willst im Austausch für dein Leben, dann verlange ich nur eine Antwort auf eine Frage.“ Er wartete kurz ab, bevor er weitersprach. „Hast du oder einer aus deinem Volk vor einiger Zeit vielleicht ein Schiff gesehen, was ein anderes Schiff hier in der Nähe versenkt hatte und wo das Siegreiche Schiff dann hingefahren ist?“ Baltos war gespannt ob vielleicht dieses Wesen ihn den nötigen Tipp geben konnte in welche Richtung Maruka eventuell entführt worden war.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Sonntag 10. November 2013, 10:45

Soda Solaris hörte gut zu, zögerte und nickte dann ganz langsam. Ihre Haltung verriet, dass es etwas gab, das die Antwort auf Baltos Frage nicht ganz so leicht machte. Ihr Arm hob sich langsam und ihre Lieder senkten sich über die großen Augen. Ihre Hand wies zu den Wrackteilen die nicht weit von ihnen am Strand lagen. Nachdem ihr Arm wieder gesunken war, öffneten sich wieder die Augen und sie ging ein paar Schritte weiter auf die Felsen zu. Baltos folgte. Hatten Marukas Füße diesen geborstenen Planken berührt? Soda setzte sich in die Flache Brandung und als sie sprach klang in ihren Worten klang Traurigkeit mit.
„Wir Aquaden beobachten euch schon lange. Eure … Schiffe. Überall wo ihr auftaucht schickt ihr uns euren Tod und euer Erbe. Treffen zwei von euch aufeinander gibt es immer … Krach. Ihr tötet einander, führt Kämpfe und Kriege gegeneinander. Euer Blut färbt unsern Himmel. Ihr seid gefährlich, so wie die Alten es sagen. Deshalb bin ich hier. Ich … ich sollte wo anders sein, aber eines eurer gefallenen Schiffe liegt auf unseren … Kanälen. Ich bin Wächter der tiefen Gräben. Wir sorgen für … den Fluss. Ich … kann es nicht erklären, du müsstest es erleben, es sehen.“
Sie atmete einmal deutlich durch die Lungen ein und aus und befeuchtete ihr Gesicht mit einer einer Ladung Wasser, geschöpft aus den hohlen Händen. Dann fuhr sie fort:
„Ich habe den Fall dieses Schiffes nicht selbst gesehen, aber ein Freund von mir.“
Soda beobachtete sorgfältig Baltos Reaktionen und überlegte.
„Ich könnte dir helfen ihn zu befragen, wenn dies dein Wunsch ist. Ich kann … sprechen wie du, wie er, kann vermitteln. Er weiß, was geschehen ist. Er erzählte es mir, aber ich frage nicht nach Dingen die du suchen magst. Er erzählt es auch dir, wenn ich ihn darum bitte. Er weiß vielleicht, wohin das andere Schiff ist. Er ist ein weiter Reisender. Es gibt auch noch einen anderen Weg, deine Frage zu beantworten. Ich bin hier her gekommen zum … um … aufzuräumen. Ich kann dir das Schiff zeigen, dass du suchst, wenn du mir vertrauen kannst. Ich muss dich aber warnen. Eure Toten sind nicht immer still. Wenn ich dir zeigen soll, was geschehen ist, musst du den Toten besuchen. Sie schreien nach … Vergeltung, Rache, Blut. Sie sind verraten worden. Deswegen bin ich hier … gefangen.“
Der zweite Teil ihrer Andeutungen, hörte sich deutlich gefährlicher an, als der erste und auch ihre Haltung verriet ihren Unwillen. Wie so häufig offenbarten sich Baltos hier mehrere Wege, die er wählen konnte.
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Montag 25. November 2013, 08:29

Wie schon sein ganzes Leben lange konnte er zwischen zwei Wegen wählen. Wollte er den einfachen Pfad beschreiten oder den schweren? Doch eigentlich musste der junge Mantroner nicht lange überlegen. Er hatte sich schon immer für den schwierigeren Weg entschieden. Denn nur Angsthasen und verweichlichte Händler nahmen den schnellen und sicheren Weg. Doch Baltos war ein Kind Venthas und stellte sich ihrer Herausforderung.
„Ich will das Schiff sehen, mit Geistern hab ich schon meine Erfahrung gemacht und wenn ich dir und ihnen Helfen kann, dann tue ich das gerne.
Doch sag mir, wie können sie dich gefangen halten und greifen die Geister jeden an der sich den Schiff nähert?“

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. November 2013, 20:46

Soda Solaris ließ Baltos noch immer nicht ganz aus den Augen, aber ihre Neugierde war geweckt. Konnte sie dem Landgänger wirklich vertrauen? Sie versuchte eine Erklärung für Baltos zu formulieren, doch es viel ihr schwer die passenden Worte zu finden.
„Sie halten … meine Kraft gefangen. Ich bin Eisformer und als ich das Schiff untersuchte, nahmen sie mir meine … Kraft, meine Gedanken ... Seit dem bin ich ein Teil von ihnen und muss tun was sie antreibt. Ihr Schiff sollte anlanden, doch der Verrat ließ sie fallen. Wenn du mit mir kommst, wirst du es selbst in ihren Gedanken sehen. Bist du sicher, dass du das willst?“
Die Aquadin zögerte, aber Baltos hatte sich bereits entschieden und nickte noch einmal zur Bestätigung.
„Ich kann helfen, dass du Wasser atmen kannst, dass du uns ähnlicher wirst. Schmeckt dir sicher nicht und hält nur eine Stunde. Dann du ertrinkst, wenn nicht zurück, verstanden?“
Baltos nickte abermals und Soda verschwand für ein paar Minuten in den Fluten des Meers.
Als sie wieder auftauchte und auf ihn zu kam, hob sich ihr dünner Arm und streckte ihm eine schleimig anmutende, schwarze Alge entgegen.
„Iss.“
Der Jäger gehorchte. Wie erwartet breitete sich zäher Schleim in seinem Mund aus, der mit jedem Bissen mehr zu werden schien und kaum hinunter zu schlucken war. Sodas aufmunterndes Gesicht sollte ihn wohl anspornen das widerwärtige Gemisch aus bitterer Galle und einem scharfen Nachgeschmack hinunter zu würgen, doch es half wenig. Anstatt zu helfen, verklebte es mehr und mehr Baltos Mund und Rachen, bis er sich plötzlich verschluckte und es auch in seine Lungen drang. Panik stieg sofort über prickelnde Nervenstränge in seinen Kopf und schnell breitete sich das Brennen bis in seinen ganzen Körper aus. Todesangst kroch durch seine Adern und formte unsinnige Gedanken. Hatte Soda ihn vielleicht doch töten wollen? Hatte Tomdar doch einen Grund gehabt sie umbringen zu wollen? Baltos kam sich vor, als würde er ertrinken, da packte sie ihn auch noch zu allem Überfluss und drückte seinen Kopf unter Wasser.
Instinktiv wollte Baltos die Luft anhalten, doch sah dann Sodas Gesicht neben sich. Sie nickte und machte mit ihrer freien Hand komische Bewegungen, als sollte er tief durchatmen. Es kostete einen Moment Konzentration und Willenskraft, dann tat Baltos wie geheißen und das Salz der Meere kostete seine Lungen.
Nach einigen zuckenden Atemzügen war alle Luft hinaus gehustet und Baltos fühlte, wie das Wasser in ihn strömte, wie etwas zu dünne Luft. Nach ein paar Minuten hatte er sich soweit gefangen, dass er durch die Wasseroberfläche zurück zu Nanuq sehen konnte, der am Ufer stand und leise winselnde Geräusche von sich gab. Eisbären konnten lange tauchen, manche bis zu sechs Minuten, doch eben nicht eine Stunde. Er musste ihn hier zurück lassen.
„Wie fühlst du dich?“
Sodas Stimme neben ihn ließ ihn zusammenzucken, denn das Wasser trug ihren Schall anders als die Luft. Sofort verstand Baltos was sie mit „Krach“ gemeint hatte, als sie von den Kämpfen gesprochen hatte. Ihre Stimme, der ferne Gesang eines Wals, das Rauschen der Strömungen in seinen Ohren, alles war plötzlich viel lauter und intensiver. Auch der Klang hatte sich verändert, so empfand er sie nun etwas tiefer und wärmer. Auf ihre Frage hin antwortete er reflexartig und noch über sich selbst verwundert:
„Gut.“
und war erstaunt über den dumpfen Klang seiner eigenen Stimme. Soda lächelte. Sie hatte ihn, während seines Kampfes, einige Meter hinaus aufs Meer gezogen. Nanuq lief unschlüssig am Ufer auf und ab und tauchte auch ab und an zu ihm hinunter. Das Gefühl, als die Panik nachgelassen hatte, dass alles in Ordnung war ließ ihn ans Ufer zurück kehren und dort Stellung beziehen.
Baltos brauchte noch einige Minuten um sich an die neue Art zu atmen zu gewöhnen. Erst als er vollkommen ruhig geworden war, bemerkte er auch, dass das Wasser um ihn herum, die Eiseskälte die es haben musste und auch die Dunkelheit, ihn nicht mehr so sehr störten wie zuvor. Er war keineswegs zu einem Aquaden mutiert, aber das grässliche Kraut, die Alge, die sie ihm zu essen gegeben hatte, hatte eine starke Wirkung. Die Sinne des Jägers passten sich mehr und mehr der Unterwasserwelt an und ließen ihn voller Staunen die Wunder des lebendigen Meers erleben. Gleich einem Vogel schwebte er neben Soda unter einem wellenden Himmel dahin, welcher sich an der Küste brach. Ein Fischschwarm flog an ihnen vorüber und vollführte in synchronen Bewegungen ihren gemeinsamen Tanz. Baltos blickte nach unten und konnte vom gebrochenen Mondlicht silbern erleuchtete Korallenbänke erkennen. Langsam tauchten sie hinab in diese leise flüsternde Zauberwelt.
Nachdem sie das Korallenriff hinter sich gelassen hatten, steuerte Soda mit Baltos an der Hand auf eine unterseeische Bergkette zu. In diesen Untiefen, die den Meeresspiegel fast berührten, ragten, gleich den Knochen eines abgenagten Skeletts, die Überreste eines Schiffswrack in die Höhe. Zwischen zwei hohen Schloten eingekeilt, hing der geborstene Rumpf. Der Bug ragte steil nach oben, so dass der Mast des Vorseegels fast waagerecht zwischen den Felswänden hing. Das abgebrochene Heck und der gesamte Rest des Schiffes hingen gefährlich instabil in der Schräge.
Trümmerteile lagen weit um den Unglücksort verstreut und Baltos konnte im Näherkommen Details, wie einige vom Sand überzogene Rumflaschen und teils sogar noch intakte Kisten der Ladung erkennen. Soda begann in einer langsamen, großen Spirale sich dem Schiff zu nähern.
Baltos Blick fiel auf eine Felsformation unter ihnen, hinter der ein paar Stangen aus dem Sand ragten. Das Wrackteil hatte sich durch die Strömung ziemlich weit vom Schiff entfernt. Um so näher sie kamen, um so eher erkannte er, dass es sich um einen Käfig handelte. Ein von der Zeit und den Fischen abgenagtes Skelett hatte dort seine letzte Ruhestätte gefunden. Soda und er sanken tiefer um besser sehen zu können. Ein erleichterter Schauer lief ihm über den Rücken, als er erkannte, dass es sich um ein Tier gehandelt haben musste. Der Schädel hatte die Größe eines jungen Wolfes, doch was die Schnauze kürzer und die Zähne schärfer. Die Pfoten hatten gebogene Krallen und der ganze Körper war deutlich schlanker und graziler gebaut als es ein Hund oder Wolf hätte sein können. Der Blick aus den leeren Augenhöhlen war gespenstisch und leer. Es war ein Anblick, so ahnte Baltos, der ihn verfolgen könnte, wenn er es zu ließ.

Soda Solaris zog ihn weiter die Spirale näher dem Schiff entgegen, als es hinter seiner Augenklappe heftig zu jucken begann. Gleichzeitig löste die Aquadin ihre Hand von seiner und entfernte sich ein paar Meter. Ihr Arm machte eine ausladende Geste und er vernahm ihre Stimme:
„Sieh hin und höre ihnen zu. Vielleicht findest du dann, was du suchst.“
Baltos sah und hörte nichts.

(Bitte beschreibe, was Baltos an Kleidung und Ausrüstung mit ins Meer genommen hat.)
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Dienstag 14. Januar 2014, 08:42

In der Zwischenzeit, wo Soda auf der Suche nach etwas war, was ihn ermöglichte Unterwasser zu atmen, entledigte sich Baltost seiner Rüstung. Er zog sich bis zum Lendenschutz aus. Denn seine Kampfkombination würde ihn Unterwasser nur behindern. Deswegen ließ er auch seine grobe Streitaxt am Strand bei Nanuq zurück und ging dann fast nackt wieder zurück zu der Stelle, wo das Fischwesen abgetaucht war.

Es dauerte auch nicht lange, bis die Meerfrau wieder auftauchte und eine vom Schleim überzogene Alge in der mit Schwimmhäuten besetzen Hand hielt.
Der junge Jäger war nun wirklich nicht zimperlich, wenn es darum ging etwas zu essen, das bei Anderen einen Brechreiz auslöst, aber das, was Sodas Solaris ihn da anbot war, nun wirklich widerlich. Doch es half alles nicht, er nahm seine ganze Willensstärke zusammen und steckte sich die schleimige Alge in den Mund, diese roch, wie ein Fisch den man drei Tage an der frischen Luft liegen lassen hatte.
Er kaute und kaute, doch die zähe Masse wollte sich nicht kleinkriegen lassen und zu allen Überfluss schmeckte sie auch noch absolut widerlich. Baltos hatte ja schon oft die Erfahrung gemacht, dass manche Sachen nicht gut rochen, dafür aber grandios schmeckten, doch das Zeug war einfach nur abartig.
Wie lange er auf der wabbeligen Masse herumkaute, konnte er nicht sagen, aber irgendwann verschluckte Baltos sich. Das Zeug verklebte ihn augenblicklich den Rachen und er konnte beim besten Willen nicht atmen. Vor lauter Panik griff sich der muskulöse Mann an den Hals, doch das half alles nichts. Erst als das Fischwesen ihn Unterwasser stülpte und ihn mit Körpersprache zu verstehen gab, dass er jetzt probieren sollte zu atmen, wusste er, was zu tun war.
Doch so einfach wie das auch Klang, es gehört doch einiges an mentaler Stärke dazu sich als Landwesen dazu zu entscheiden Unterwasser den Mund zu öffnen. Baltos wäre aber nicht Baltos gewesen, wenn er nicht Herr über seinen Körper gewesen wäre. Also öffnete er den Mund und lies das kühle Nass sein Inneres fluten.
Sämtliche Alarmglocken seines Überlebensinstinkt läuteten bei dieser Aktion, doch diesmal ignorierte er seinen Instinkt und nach einiger Zeit konnte er wieder frei atmen, wenn man das so bezeichnen konnte.

Baltos lies die neue Welt, in der er sich befand, auf sich einwirken und war fasziniert von der Schönheit der Unterwasserwelt. Der Gesang eines Wales, den er in der Ferne hörte und die anmutigen Fischformationen zogen ihn in seinen Bann. Es war eine ganz andere Welt, in der er sich jetzt befand und es faszinierte ihn. Eher beiläufig antwortete er auf die Frage von Sodas und genoss den Anblick, der sich ihn hier unten bot.
Erst die geistige Verbindung zwischen ihn und Nanuq brachte ihn dazu sich von diesem Anblick zu lösen. Die Panik des Bären machte sich in Baltos Körper breit und der Jäger versuchte seinen Freund beruhigende Gefühle zu übermitteln, damit dieser Verstand das alles in Ordnung war.
Es dauerte zwar ein wenig aber irgendwann hatte der Bär verstanden und zog sich zum Strand zurück. Als Baltos Freund sich beruhigt hatte ergriff der junge Mann die Hand der Aquadin und lies sich von dieser in ihre Welt entführen.

Auf den Weg zum Wrack bestaunte er weiter die Anmut des Meeres und ihrer Bewohner und war von all diesen Wundern sichtlich begeistert. Es machte ihn fast traurig das er sein ganzes Leben lang neben dieser schönen Welt gelebt hatte, sie aber erst heute so richtig wahrnahm. Doch alles Schöne war vergänglich und als sie sich dem Schiffswrack näherten, konnte Baltos spüren wie ein Gefühl was er nicht richtig einordnen konnte von ihm besitz ergriff.
Der Anblick des ertrunkenen Tieres im Käfig machte ihn traurig. Denn das Tier was in diesem eisernen Gefängnis stand, hatte keine Chance gehabt zu entkommen. Baltos konnte nur erahnen was für eine Todesangst es durchlitten haben musste, als es in die Fluten gestürzt war. Er blickte noch einmal in die leeren Augenhöhlen und widmete sich dann wieder den Weg den die Aquadin einschlug.
Der Griff um seine Axt Fluchbrecher verhärtete sich je näher sie dem Schiff kamen und kurz vor dem zerstörten Bug lies Sodas ihn los.
Der Satz seiner Begleiterin lies ihn erst kurz stutzen doch dann verstand er, was sie von ihm wollte, auch wenn er nicht wusste, wie er dies anstellen sollte.
Zwar war er ja schon langsam so etwas wie ein Geisterexperte, aber eigentlich hatten die Geister meistens ihn gefunden, nicht anders herum. Doch alles Nachdenken würde zu keiner Lösung führen, der Jäger schloss die Augen und lies die Geräusche des Meeres auf sich einwirken. Baltos lies seinen Geist treiben und wartete auf ein Zeichen, das sich von dem Anderen unterschied.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 16. Januar 2014, 10:47

Um so tiefer Baltos an Sodas Hand in die Tiefe sank, um so traumhafter wurde die Umgebung. Alles war in ein sanftes blaues Licht getaucht und diese herrliche Stille berührte jedes Wesen, dass dem Rausch der Tiefe sein Herz zu öffnen vermochte.
„Sieh hin und höre ihnen zu. Vielleicht findest du dann, was du suchst.“
Baltos verstand nicht gleich und versuchte es mit Konzentration. Der Weg, sich auf seine Umgebung einzustimmen, passte zu dem Denken eines Jägers, doch irgendetwas störte seine Konzentrationsfähigkeit. Er schloss sein Auge und ließ die Geräusche des Meeres auf sich einwirken. Er wartete, suchte nach Unterschieden, nach einem Zeichen, doch immer wieder begann es nervtötend unter seiner Augenklappe zu jucken, bis er schließlich entnervt daran rieb und sie so ein Stück verschob.

Es war nur ein kurzer Moment gewesen, in dem er seinen Finger unter das Runen bestickte Leder gesteckt hatte, doch es reichte aus, um ihn bis ins Mark zu erschüttern! Die Schreie der Toten, das Wehklagen der Geister, die hier gefangen waren, drangen in sein Gehirn, genauso wie eine schrille quietschende und wohl bekannte, knarrende Stimme:
ZURÜCK!
Baltos hatte Rukullas Stimme sofort erkannt. Gleichzeitig hatte er weißliche Schlieren auf sich zu huschen sehen. Mehr aus einem Reflex heraus, als bewusst entschieden, wich er tatsächlich ein Stück mit den Armen rudernd zurück. Kaum hatte er aber die Augenklappe dabei wieder los gelassen, war es auch wieder still um ihn. Auch das Wasser war wieder klar und blau. Sicherheitshalber brachte er noch etwas mehr Abstand zwischen sich und das Wrack, dann lüpfte er wieder vorsichtig seine Augenklappe. Sofort plapperte die Stimme der Geisteroma los:
Na endlich! Ich dachte schon, du würdest das Ding nie wieder abnehmen! Was machst du hier um Venthas Willen? Willst du dich umbringen? Der Weg der Lebenden und der Toten dürfen sich nicht kreuzen! Oh weh, wo bist du da nur wieder hinein geraden, Großer! Ah, ich sehe schon ...
Baltos Blick fiel auf Sodas wartendes Gesicht.
Herrjemine, deine Hilfsbreitschaft wird dich noch mal umbringen! Baltos Bestientod, du bist zu deutlich zu nett! Du musst auch mal an dich denken!
, schalt die Stimme mahnend den jungen Jäger in seinem Kopf. Baltos bekam schnell das Gefühl, das die Alte sich mal wieder im Thema verrannte. Er sah sie nirgends, doch ihre Worte sprudelten in seinen Gedanken. Zum Glück kam sie von selbst zurück zum Thema.
Großer, du musst besser auf dich aufpassen! Wie willst du einer verloren gegangenen Seele helfen, wenn du deine eigene riskierst?! Verflucht, so wie ich dich kenne, ist es ohnehin egal, was ich sage. Du wirst da rein gehen, also kann ich dir nur einen gut gemeinten Rat geben.
Einen kurzen Moment war es still. Die Alte schien zu überlegen. Soda sah Baltos langsam etwas verwirrt an und zeigte noch einmal auf das Wrack.
„Hörst du sie?“
, fragte die Aquadin noch einmal.
Ja, ja. Du kannst sie hören, aber nur wenn du die Klappe abnimmst. Doch dann werden sie dich auch angreifen, wenn du ihnen zu nahe kommst. Dann wirst du ihn ihren Bann gezogen und sie werden dich ebenso verfluchen wie dieses arme Ding. Höre dir an was sie rufen, versuche herauszufinden was sie wollen, doch wenn du dort hinein gehst, gehe nicht ohne Schutz, sonst kann dir niemand mehr helfen. Ach ja und ich hoffe doch sehr du hast „Fluchbrecher“ nicht vergessen!
Endlich war es wieder still. Das Gebrabbel der Geisteroma war verschwunden, doch dafür wurden die wehklagenden Schreie der Toten wieder lauter. Baltos näherte sich vorsichtig der unsichtbaren Grenze bis dorthin, wo er die Stimmen gerade so verstehen konnte. Ohne die Augenklappe sah er sie auch. Sie glichen milchigen Schleier, die wie zerrissenes Segeltuch in der Strömung des Meeres um die geborstenen Masten wehten.

Soda war nicht von seiner Seite gewichen und schaute ihn an. Sie hatte von seinem verwirrenden Zwiegespräch nichts mitbekommen. Jedoch wurden ihre Augen immer leerer und wenn es auch sehr langsam geschah, so trieb sie doch mehr und mehr auf das Wrack zu. Baltos hörte nun die Stimmen der ertrunkenen Seeleute ganz deutlich:
„VERRRRAAAAAAT!“
Die Aquadin neben ihm, umschlang ihren Körper mit ihren Armen, als würde sie frieren.
„Sie suchen jenen, der sie verraten hat.“
Wieder näherte sich einer dieser Geister und nebulöse Finger streckten sich ihnen entgegen. Auch wenn Baltos unter der Einwirkung der Alge nichts von der Kälte um sich herum spürte, so jagte dieser fließende Hauch des Todes ihm einen kalten Schauer über den Rücken. Er hatte „Fuchbrecher„ nicht vergessen und hielt die Axt fest umspannt. Um so näher die Toten kamen um so mehr vibrierte die Waffe in seiner Hand. Die feinen Linien auf dem Klingenblatt glühten sanft. Nur wenige Armlängen vor ihm zuckten die Geister jedoch immer wieder vor ihr zurück, als fürchteten sie ihre Berührung. Baltos erkannte schnell, dass er sich mit schnellen Bewegungen durch die Klinge einen kleinen Bereich um sich frei halten konnte. Vor der Aquadin machten sie jedoch nicht halt.
„Ich … ich muss jetzt …“
Soda beendete den Satz nicht. Die weißen Schlieren hatten sie erreicht und schon glitt ihr stromlinienförmiger Körper mit ihnen davon. Mit weichen, kraftvollen, wellenförmigen Bewegungen näherte sie sich dem gesunkenen Schiff. Einige blieben bei Baltos und um schwirrten ihn wie Motten das Licht. Sie suchten nach einer Blöße, einer Lücke in seiner Verteidigung um sich seiner Seele zu bemächtigen.
„VERRRRAAAAAAT!“
, klang es wieder aus mehreren toten Mündern, hohl und klanglos. Fünf oder sechs Geister hatten nun den Jäger umzingelt. Sie bewegten sich so unkoordiniert und schnell, dass man unmöglich einzelne Körper ausmachen konnte. Manchmal schienen sie sich sogar untereinander zu vermischen. Und doch konnte Baltos hin und wieder Fratzen aus der Strömung auftauchen sehen, die ihre Fleischlosen Gesichter ihm entgegen reckten. Mal aus einer Richtung, mal aus einer anderen klangen die Worte verzerrt durch das Wasser flüsternd an sein Ohr:
„Verräter, … !“
„Verräter, … !“
„Verräter … Der Tod soll dich holen!“
„Der Tod soll ihn holen!“
„Wir werden ihn holen!“
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Montag 20. Januar 2014, 08:55

Das Jucken unter seiner Augenklappe wurde immer penetranter und störte langsam aber sicher seine Konzentration. Kurz unterbrach er seinen mentalen Tauchgang nach den Geisterwesen und rieb sich die Lehre Augenhöhle, damit dieses nervige Jucken aufhörte.
Es war fast wie ein Schlag ins Gesicht als die Stimme von Rukulla in seinem Kopf auftauchte. Sofort wich er ein Stück von dem Schiff zurück und verharrte dort.
Na toll jetzt ist sie auch noch in meinen Kopf. Nach diesem Gedankengang schob er seine Augenklappe nach oben und wartete auf die kratzige Stimme der Alten und lange musste er auch nicht warten.
Als die Geisteroma mit ihrem Monolog anfing, der mehr eine Standpauke war als alles andere, rollte der junge Mann genervt sein verbliebenes Auge. Doch trotzdem hörte er ihr genau zu. Denn zwischen all den Wörtern, die sie so von sich gab, konnte man immer wieder wichtige Sachen erfahren. Die Aquadin ignorierte er der Weile so lange wie die Stimme von Rukulla in seinem Kopf spuckte.
Die Informationen die sich aus diesem einseitigen Gespräch ergaben waren nicht zu unterschätzen und so lies er die Augenklappe weiter auf seiner Stirn und festigte den Griff um seine Axt. Dann schwamm er wieder näher an das Wrack heran um sich der neuen Situation zu stellen.
Jetzt konnte auch er die Geister sehen, wie sie aus dem Schiff emporstiegen und ihn und seine Begleiterin umzingelten. Fluchbrecher machte sich schon wie zuvor bei der Eisbestie bemerkbar und fing immer stärker an zu vibrieren.
Der Kreis um die Beiden wurde immer enger und Baltos begann mit seiner Waffe sich wieder Platz zu schaffen, was auch wunderbar funktioniert. Nur Soda hatte weniger Glück und wurde von den verstorbenen Seelen überflutet. Der Jäger sah die Veränderung in ihren Körper augenblicklich, doch er konnte ihr nicht helfen und kurz darauf schwamm die Aquadin ohne ein weiteres Wort zu sagen tiefer in das Schiff hinein.
Der Mantroner hatte jetzt schon mehrere male aus den Mündern der Geister das Wort „Verrat“ gehört und konnte sich schon denken, was sie wollen. Sein Bauchgefühl sagte ihm das des Rätsel Lösung mit der Aquadin zusammenhing und er ihr besser folgen sollte. Also tat er dies auch!
Jedes mal wenn ihn ein Geist zu nah kam, versetze er ihn einen leichten Schlag um sie weiter auf abstand zu halten. Je näher er den Schiff kam umso aggressiver wurden die Geister. Baltos wurde dieses gekreisel um ihn herum langsam zu Bund, genau wie das Geschrei von Verrat. Kurz vor dem Wrack hielt er an und lies die Geister näher kommen.
Die erste Fratze von einem ertrunkenen Seemann, die ihn bedrohlich nah kam, versetzte er einen gezielten Schlag, doch leider verfehlte er seinen Gegner nur knapp. Er musste sich erst einmal auf den erhöhten Widerstand, Unterwasser, bei seinen Schlägen, einstellen.
Der Jäger machte ein paar Übungshiebe, um ein Gefühl für die neue Situation zu bekommen und nachdem er rausgefunden hatte, wie er zuschlagen musste, lies er die Verstorbenen wieder näher kommen. Los traut euch ihr Fliegen!
Er lies sich wieder im Wasser treiben und wartete auf einen neuen Angriff und lange dauerte es auch nicht, bis sich ein neuer Feind zum Angriff wagte. Baltos wartete mit seinem Hieb, bis der Geist ihn fast erreicht hatte und schlug dann im aller letztem Moment zu. Diesmal traf er das hässliche Überbleibsel einer Seele und der Geist zerfaserte augenblicklich um ihn herum. Doch resigniert musste der Jäger feststellen, dass sich der besiegte Geist, einen kurzen Augenblick später, wieder zusammensetzte und ihn weiterhin umkreiste. Es hatte also keinen Sinn auf diese Gegner einzuschlagen und da Baltos eh noch nie ein Freund von sinnloser Energieverschwendung war, verwarf er sein Vorhaben, die Geister zu töten oder wie man das nennt, wenn man Geister besiegte.
Dann sollen sie halt weiter um mich kreisen, wie Fliegen um einen Kadaver.
Der Mantroner setzte sich wieder in Bewegung und schwamm durch das Loch im Schiffswrack, durch das auch die Aquadin geschwommen war.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Freitag 24. Januar 2014, 21:46

Baltos merkte schon bei seinen ersten Attacken sehr schnell, dass der Kampf unter Wasser seinen ganz eigenen Regeln folgte. Seine ersten Hiebe waren ungelenk und wenig effektiv. Meistens traf er nicht und die Geister waren schnell. Erst als er sich bewusst auf einen der Angreifer einstellte und lernte Fuchbrecher in die Strömung zu richten, wurde es besser. Der erste Geist den er traf zerfaserte, aber die Freude währte nur kurz. Nicht weit von Baltos entfernt, setzte sich das Gespinst aus milchigen Schleiern einfach wieder zusammen und näherte sich erneut. Baltos erkannte schnell, das dies ein aussichtsloses Unterfangen war und ihn alle Kraft kosten würde, wenn er so weiter machte. Er musste den Ursprung des Fluchs finden und dafür folgte er der Aquadin in den aufgebrochenen Schiffsrumpf. Die Attacken der Geister wurden immer mutiger, als wollten sie ihr Schiff noch im Tod verteidigen und kurz bevor er die äußeren Planken erreichte, spürte Baltos wie von hinten etwas an ihm sog. Dutzende schemenhafte Hände reckten sich nach ihm und aus ihren Handflächen schien ein Strudel zu entstehen, der ihn fort reißen sollte. Doch Baltos gab nicht auf. Verfolgt von den Geistern, schwamm er mit kräftigen Stößen in das dunkle Loch hinein und sofort empfing ihn Grabeskälte.Dann, als seine Augen sich umgestellt hatten, sah er sie überall.
Skelette! -
Hier unten, tief im Rumpf des Schiffes, in Zellen aus Gitterstäben, an Ketten mit Fußfesseln gebunden, aber auch einfach wahllos verstreut lagen sie. Zwischen ihnen kauerte die Aquadin über einer Luke und sah zu Baltos.
„Ich bin schon so oft hier gewesen, aber habe nie den Ursprung ihres Hasses gefunden. Ich suche ihn, solange sie mich nicht zwingen, zu tun, wofür sie her gekommen sind.“
Sie ließ sich in die nächst tiefere Ebene gleiten und dort, tief im Schiff verborgen, lagen zahllose Kisten. Baltos war hinter ihr hinunter geschwommen und sah, wie sie sich abmühte eine Kiste hinauf zu bugsieren. Er wollte helfen, aber sie wehrte ab.
„Du bist nicht hier um meinen Weg zu gehen. Du bist hier um das zu finden, was ich nicht finden kann. Ich höre ihnen schon zu lange zu.“
Sie schob die Kiste zum Loch des Rumpfes.
„Einer unter ihnen ist ein Verräter! Sie wissen nicht wer es ist, sie suchen ihn. Ihre Stimmen flüstern, hörst du?“
Tatsächlich hörte Baltos das Flüstern, das ständig aus unterschiedlichen Richtungen kam. Er konnte jedoch immer nur Wortfetzen verstehen und er wusste er hatte nicht genügend Zeit um sich alles anzuhören, deshalb hielt er Soda am Arm zurück, als sie hinaus schwimmen wollte. Er beschwor sie, mehr zu sagen. Ihr Blick war leer, doch sie antwortete ihm:
„Sie flüstern, ihr Kapitän wollte hier anlanden. Sie hatten hier einen Treffpunkt mit jemanden vom Festland. Ein Licht sollte sie durch die Nacht über die Untiefen führen, doch sie wurden verraten. Das schwarze Schiff kam aus der Dunkelheit und versenkte ihr Heim. Sie hängen in diesen letzten Gedanken fest. Sie wollen noch immer den Handel abschließen, die letzten Befehle ausführen, doch sie sind tot und rufen jene zu sich, die ihr Werk vollbringen können. Baltos wenn du den Verräter nicht findest, werden sie auch dich zu sich rufen! Bleib nicht zu lange hier. Was auch immer dich schützt wird nicht ewig halten.“
Soda wurde, begleitet von Geistern, wieder hinaus gezogen und schwamm mit der Kiste in Richtung Ufer. Baltos fühlte instinktiv, dass sie mit dem letzten Satz recht haben könnte. So wie die Wirkung der Alge, die er gegessen hatte, irgendwann enden würde, so würde auch seine Schutzmagie unter den ständigen Angriffen irgendwann bröckeln.
Baltos überlegte. Hatte er schon eine Idee, wonach er suchen musste? Was hatte er sonst noch für Optionen um dieses schaurige Spiel zu beenden? Vielleicht würden die Geister Ruhe geben, wenn alle Kisten an Land gebracht worden waren? Das würde Wochen dauern! Was war in den Kisten? Was hatte der Kapitän für einen Handel abgeschlossen und vor allem … WER war der Verräter und woran könnte er ihn erkennen? Baltos Blick wanderte umher. Muscheln hatten begonnen das Wrack als ihren neuen Lebensraum zu beanspruchen. In wenigen Monaten würde man nichts mehr von den einstigen Schnitzereien der Handläufe erkennen. Ein paar kleine Fische schwammen durch die Rippen eines Skeletts und ein kleiner Tintenfisch hatte es sich im Schädel eines Seemanns gemütlich gemacht. Seine Tentakeln ragten aus einer Augenhöhle. Die Ketten und Gitterstäbe der Käfige wiesen schon erste Spuren des Verfalls auf und das Holz war an einigen Stellen schon so marode, dass eine Kanone durch das Deck gebrochen war. Neben Sklaven, Tieren und Seeleuten hatte dieses Schiff auch noch Ladung gefasst gehabt. Überall lagen kleine Gegenstände herum, die die Seemänner bei sich gehabt haben mussten. Einige hielten sogar noch ihre Entermesser in den knochigen Fingern. Baltos Augenhöhle juckte und er probierte einfach mal, die Klappe auf und abzusetzen. Die Wirkung war interessant, denn trug er sie über seinem Auge, so sah er nichts von all dem magischen Auswirkungen und auch das Klagen der Toten verstummte. Kein Geist kam in seine Nähe. Mit der Klappe konnten sie ihm nichts anhaben, aber er konnte sie auch nicht wahrnehmen, war blind für allen Zauber um sich herum. Nahm er sie jedoch ab, schienen auch sie ihn zu sehen und um so länger er hier verweilte um so aggressiver wurden sie. Es würde eine Weile dauern, aber bereits jetzt sickerten ihre körperlosen Seelen durch die Planken wie Treibsand. Ihr Wille ihn zu ihresgleichen zu machen, ihn für die Mannschaft zu rekrutieren, trieb sie voran. Ihre Körper, die von Fischen und Seeschnecken abgenagten Skelette waren stumme reglose Zeugen der Vergangenheit. Der Fluch des Verrats hatte sie von ihrem Dasein getrennt.
Auch das Schiff an sich war interessant. In der Backbordseite klaffte ein gewaltiger Riss, der sich von der Reling über der Kapitänskajüte, bis zum Kiel hinab in das Schiff gefressen hatte. Dies musste der Grund für das Unglück gewesen sein. Der endgültige Bruch des Rumpfes war vermutlich erst beim Aufschlag auf die scharfkantigen Felsformationen hier unten geschehen. Wer auf einer Insel aufwuchs kannte Schiffe und auch wenn Baltos kein Seemann war, so erkannte er auch so viel durch reines logisches Kombinieren. Vor allem eines ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Soda hatte gesagt, er wäre hier um zu finden, was sie nicht finden konnte. Sie war Aquadin, er ein Mensch. Er kannte die Oberwelt und ihre Tücken, sie nur die stillen Tiefen ihrer Welt. Vielleicht konnte er wirklich etwas finden, was sie niemals auch nur ansatzweise in Verbindung mit Verrat gebracht hätte. Wonach musste er also suchen?
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Dienstag 4. Februar 2014, 07:41

Die Worte von Solas hingen in seinen Gedanken und er brauchte einen Moment ruhe, um darüber nachzudenken, also setzte er die Augenklappe wieder auf, um für den Moment sicher vor den Geistern zu sein.
Wer kann der Verräter gewesen sein? Ein einfacher Seemann wird es jedenfalls nicht gewesen sein. Es musste schon jemand sein der mehr Kontrolle über das Schiff gehabt hatte. Damit konnte es also nur der erste Maat oder der Kapitän gewesen sein.
...Moment mal! Hatte sie nicht gesagt, dass der Kapitän hier anlanden wollte? Das könnte also bedeuten, dass er für diese Verschwendung von Leben verantwortlich war.

Baltos überlegte nicht länger und nahm die Augenklappe wieder ab, er wollte ihre magische Schutzwirkung nicht überstrapazieren, vielleicht brauchte er sie noch?
Da die Kapitänskajüte bei allen Schiffen dieser Zeit an der gleichen Stelle war, brauchte der junge Jäger nicht lange suchen. Die Tür, die damals den Kapitän so etwas wie Privatsphäre verschafft hatte, lag aus den Angeln gehoben am Boden und war schon leicht von Korallen besetzt.
Baltos drehte sich noch einmal zu den Geistern um die ihn verfolgten wie ein Schwarm fliegen und tauchte dann in die Privaträume des Kapitäns ein.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Dienstag 4. Februar 2014, 09:45

Das Bild, das sich bald Baltos bot, war aufschlussreich und verwirrend zugleich. Nachdem der junge Jäger die Tür zur Kapitänskajüte passiert hatte, folgten die Geister ihm nicht mehr. Noch nach ihrem Tode, wagten sie es nicht ungebeten einzutreten. Er blickte zurück in hohle Gesichter, hörte ihrer stummen Schreie und dann fand er das erste Skelett. Es lag in dem schmalen Gang zum Hauptraum und hatte ein Messer im Rücken zu stecken. Von der Position und restlichen Kleidung her angenommen, war es der Navigator und er war anscheinend auf dem Weg nach draußen gewesen als ihn die Klinge in den Rücken traf. Zerfaserte Reste einer Karte lagen noch halb unter ihm eingeklemmt. Baltos schwamm an ihm vorbei und besichtigte den Raum dahinter aus dem das verzerrte Klingen von Metall auf Metall erschallte. Dort fand er auch die Knochen des Kapitäns hinter seinem Kartentisch sitzend. Aus seinem Bauch ragte eine Harpune quer über die ganze Tischplatte auf der eine ausgerollte Karte mit Gewichten beschwert lag. Davor kämpfte sein Geist einen ewigen Kampf mit seinem Navigator. Sie schienen von ihm keinerlei Notiz zu nehmen. Jeder an Bord dieses Schiffs hatte den Tod gefunden, nur machte es hier den Eindruck, dass es sich nicht um ertrinken gehandelt hatte, sondern um Mord. Wer hatte wen ermordet und warum? Baltos hielt sich dicht an der Wand um die toten Seelen nicht zu stören. Langsam schob er sich lautlos durch den Raum, hin zu dem Tisch. Goldene, grün schimmernde Münzen funkelten im fahlen Licht, dass Baltos magisch veränderten Augen wahrnahmen. Münzen mit dem Wappen Morgerias. Baltos konnte deutlich die Fratze der Fledermaus in dem geprägten Rund erkennen. Der Beutel, der dazugehörte, war aus violetten Leder und hatte ein grünes Band. Er lag aufgerissen auf dem Tisch und die Münzen hatten sich auf die Fläche ergossen. Auch wenn er Jäger war und sich für Heraldische Wappen nie sonderlich interessiert hatte, so kannte jeder Mantroner die Zeichen des Feindes jeglichen Lebens. Dieses Gold war der Beweis für den begangenen Verrat und wahrscheinlich auch der Ursprung für alles hier geschehene Übel, doch wer hatte wen verraten?
Baltos Hand zitterte heftig, doch es war nicht seine Hand, mehr die Waffe die er trug. Er war des Rätsels Lösung nah und Fluchtbrecher ließ es ihn spüren. Um seine Gedanken zu sortieren setzte er noch einmal die Augenklappe auf. Als er sich dann umsah, war der grüne Schimmer auf den goldenen Scheiben verschwunden, genauso wie der immerwährende Kampf der beiden Kontrahenten. Einer von beiden war von den Dunkelelfen gekauft worden. Einer von beiden hatte dieses Gold für seine Dienste erhalten. Was hatte er im Austausch dafür den Dunkelelfen übergeben? Morgerias Spur, eine blutrote Fährte begann an dieser Stelle und Baltos Jagdinstinkte erwachten. Jemand hatte hier nicht nur seine, sondern viele Seelen verkauft und der Preis war ihr Leben gewesen. In der Stille der Antimagie-Rune ließ er sich langsam durch den Raum treiben. Dort lag der Navigator, dort saß der Kapitän und zwischen ihnen das Gold des Verrats.
In Baltos Ohren rauschte die Strömung des Meeres und er hörte das Knarren der morschen Balken um sich herum. Sein menschliches Auge, verändert durch die Algen, nahm seine Umgebung klar wie am Tage war. Er zwang sein Herz zu Ruhe und ließ jedes noch so kleine Detail in sich eindringen. Dann plötzlich machte sein Herz einen Aussetzer und er hielt den Atem an. Noch wollte sein Gehirn nicht preis geben, was er da an der Koje des Kapitäns gesehen hatte. Langsam, fast furchtsam wandte er seinen Blick zurück zu der Stelle und erschauderte. Über dem Kopfende der Schlafnische war ein verziertes Brett an die hölzerne Wand genagelt worden und darauf prangerte, gleich einer Trophäe, ein mantronischer Bogen. Sein starker geschwungener Arm, unter dem mit Leder umwickelten Griffstück, war mit einem Eisbärenkopf verziert. Er hatte die typische Haltung. Die Stirn war breit dargestellt und gesenkt, das Maul geschlossen. Er war dargestellt wie ein friedlicher Freund, nicht wie eine bedrohliche Bestie. Baltos Kehle schnürte sich zu. Er kannte dieses Zeichen. Es war ihre Waffe. Es war ihr Bogen. Maruka war hier gewesen!
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Freitag 21. März 2014, 07:48

Der Mantroner blickte den Bogen an als wäre er ein Geschenk der Götter, was nur er empfing. Eigentlich wollte er seinem Auge nicht trauen, aber er wusste, dass es ihr Bogen war und dies bedeutete, dass sie hier gewesen war.
Baltos dachte über seine nächste Tat nicht nach, sondern handelte nur. Mit Fluchbrecher begann er vorsichtig die Nägel mit der Klinge seiner Axt hervorzuziehen. Dieses Unterfangen war Unterwasser deutlich schwer als an Land, doch mit seiner asketischen Hingabe und ruhigen Händen gelang es ihn die Waffe von der Wand abzunehmen. Lange Zeit sah er die Waffe nur stumm an und dachte dabei an die Frau die er suchte.
Bis ihn irgendwann wieder einfiel, weswegen er hier war.

Wer war der Schuldige?
Der Jäger versuchte die Szenerie, die hier zwischen Navigator und Kapitän entstanden war, noch einmal nachzustellen. Dabei betrachtete er genau, wie die Waffen in den Körpern der Leichen steckten.

Allem Anschein nach war der Navigator mit der Harpune in die Kajüte des Kapitäns gerannt und hatte diesen dann gepfählt. Danach wollte sich wohl der Navigator wieder aus dem Staub machen und drehten den Kapitän den Rücken zu, da er dachte das dieser tot war oder zumindest kampfunfähig. Doch der Anführer dieses Schiffes hatte noch einen letzten Trumpf im Ärmel und warf unter Aufgebot seiner letzten Kraftreserven ein Wurfmesser nach seinem Navigator, was diesen schließlich tötete.
Wer war also wen auf die Schliche gekommen?
Baltos betrachtete noch einmal den Münzstapel und die Karten des Kapitäns und kam zu den Schluss, dass nur der Käpt’n der Verräter sein konnte.
Der Navigator konnte ihn schlecht hintergangen haben, weil er nicht ausschließlich die Rute des Schiffes bestimmte und warum sonst sollte die Währung der schwarzen Brut beim Kapitän liegen.
Für Baltos war die Sache klar, es konnte nur der Kapitän gewesen sein. Also schob er seine Augenklappe wieder nach oben und näherten sich den beiden Streithähnen, die keine Notiz von ihn nahmen. Die Vibration von Baltos Waffe bestätigte noch einmal seine Vermutung und der Jäger holte aus um den Kopf des Verräters abzutrennen.
Sofern dies bei einem Geist möglich gewesen wäre.
Doch während all dies geschah, ließ er den Bogen in seiner linken Hand nicht los.

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Sonntag 23. März 2014, 22:25

Soda spürte die Welle schon nahen, bevor sie sie erreichte. Gleich einem Ozeanbeben rollte sie über sie hinweg und türmte sich an der nahen Landzunge weit südlichen unter Estria auf, um dort an den scharfen Uferkanten zu brechen. Der Fluch hatte sie wieder in Richtung jenes Strandes getrieben, an dem das Schiff hatte anlanden sollen, bevor es durch seinen Kapitän verraten worden war. Ihr Kopf tauchte aus den sich langsam zurückziehenden Fluten auf und sie bemerkte den Eisbären, der sich gerade wieder an Land zog. Baltos, dieser unerschrockene Landjäger, musste es geschafft haben, denn sie fühlte wie der Druck nachließ, der viel zu lange schon auf ihr gelastet hatte. Langsam ließ sie sich zurück in die Tiefe sinken und genoss für diesen wunderbaren Moment ihre Freiheit. Ihre Mächte strömten in sie zurück und erfüllten sie mit Freunde und Erleichterung. Der ferne, rufende Gesang ihres Begleiters berührte sie in ihrer friedlichen Trance und ließ sie erwachen. Sie war nun wieder fähig ihre Aufgaben zu erfüllen und musste so schnell wie möglich zurück kehren. Doch zuvor hatte sie eine Schuld einzulösen und Soda Solaris hatte auch schon eine Idee, wie sie das tun könnte.

Die Axt hatte den Kopf des Kapitäns von seinem Rumpf getrennt und sofort hatte es Baltos an die gegenüberliegende Wand des Schiffsrumpfes gepresst. Das Wasser in seinen Lungen wurde heraus gepresst und für einen kurzen Moment glaubte er vielleicht von der Druckwelle zerrissen zu werden, doch dann gab das aufgedunsene Holz hinter ihm nach. Die Welle riss an seinen Gliedern und trug ihn mit einer solchen Gewalt mit sich, dass er jede Orientierung verlor.
Dann, für einen Augenblick war es als triebe er durch endlose Dunkelheit, nur allein mit sich und seinen Gedanken, doch schon setzte der Rückfluss ein und sein Körper wurde erneut herum gewirbelt. Bruchstücke des Wracks zogen an ihm vorbei, ein paar trafen seinen Körper und verursachten ein paar blaue Flecke. Als die Strömung ihn endlich los ließ und er sich zu orientieren versuchte, sah er als erstes einen gewaltigen dunklen Fleck vor sich. Gleich einer Höhle, auf die er zu trieb, nein, die sich ihm näherte, sah er sich plötzlich Aug in Aug mit einem gigantischen Wahl. Dann verschluckte ihn die Dunkelheit.
Minuten vergingen.

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Baltos trieb in der riesigen Höhle die das Maul darstellte und versuchte noch seine Sinne zu ordnen, als die Zahnreihen sich genauso plötzlich wieder öffneten, wie sie sich hinter ihm geschlossen hatten. Die Strömung des Meeres hatte ihn wieder und eine breit lächelnde Soda Solaris empfing ihn. Ihr stromlinienförmiger Körper schoss auf ihn zu und ihre Arme umschlangen seinen Körper. Zielstrebig bewegten sie sich der Oberfläche entgegen und Baltos sah den gewellten Spiegel der Oberwelt näher treiben. Gleichzeitig bemerkte er auch, dass das Wasser in seinen Lungen sich mehr und mehr wie ein Fremdkörper anfühlte. Der Hustenreiz setzte ein, da seine Zeit unter Wasser vorüber war. Es fehlten nur noch wenige Meter und dann durchbrachen sie die Wasseroberfläche und kalte Luft strömte in seine Lungen. Hustend verließ das Meer seinen Körper und auch das Gefühl für Kälte kehrte schnell zurück. Soda hielt ihn an den Schultern und zog ihn schnell in Richtung Ufer. Sie schwamm unter ihm, so dass er immer mit dem Kopf über Wasser war. Dann fühlte er endlich wieder Sand unter seinen Füßen. Die letzten Meter hatte er kaum überwunden, da kam auch schon Nanuq an gelaufen und legte sich an seine Seite. Der warme Körper war mehr als willkommen und erst jetzt bemerkte Baltos, dass seine Hände vor Verkrampfung schmerzten. In der einen hielt er „Fluchbrecher“ und in der anderen den Bogen. Soda setzte sich auf einen Stein in der Brandung und wartete, bis Baltos wieder zu Atem und sich erholt hatte.
Irgendwann begann sie leise zu sprechen:
„Ich danke dir, Baltos, Mensch des trockenen Landes. Ich stehe in deiner Schuld … Bitte entschuldige Hoaluh. Er muss dich erschreckt haben. Er ist ein Freund und hat dich gefunden und zu mir gebracht.“
In einiger Entfernung sah man ab und an die Fontäne seines Atems.
„Ich muss bald fort, aber ich kann nicht gehen, wenn wir nicht tauschen. Ich habe eine Idee, was ich geben könnte für deine Reisen, so wie du mir meine Reisen wieder möglich gemacht hast.“
Sie lächelte und wartete bis sie seine volle Aufmerksamkeit hatte.
„Dein Freund … Er wird sich auf warmer Erde nicht wohl fühlen. Er ist ein Kind des Eises. Ich möchte ihm das Eisblut schenken. Dann kann er dich begleiten, wenn du das willst. Und Hoaluh sagt, er weiß wo das dunkle Schiff hingefahren ist, was mich … gefangen gehalten hatte, was den dunklen Zauber brachte. Das war es doch wonach du suchtest, oder? Er hat gesagt, es ist durch das Sonnenmeer nach Norden, dorthin wo die Männer fallen. Ich selbst war noch nie dort, ich möchte es auch nicht. Es ist eine weite Reise. Was hast du nun vor? Bist du noch immer ein Sucher? Willst du meinen Dank für Eisblut tauschen?“
Erwartungsvoll sah sie ihn an. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen noch offene Fragen zu klären, bevor man dann wieder seiner Wege ging.
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Donnerstag 10. April 2014, 11:54

Sein Schlag verfehlte nicht sein Ziel und zu Baltos Überraschung ließ sich der Kopf des Geisterkapitäns wirklich vom Rumpf abtrennen. Die Wucht der Druckwelle, die wie aus dem nichts entstanden war, schleuderte den Jäger ungebremst gegen die Wand, wo vorher der Bogen von Maruka hing. Bei diesem Aufprall schlugen Baltos’ Zähne hart aufeinander, doch zum Gluck hatte er sich dabei nicht auf die Zunge gebissen, denn diese wäre sonst sehr wahrscheinlich abgetrennt worden.

Die Strömung, von der er erfasst wurde, drückte ihn unnachgiebig gegen die Holzwand und so sehr er sich auch ansträngte um sich gegen diese Urgewalt entgegenzustemmen er schaffte es einfach nicht. Verdammt! Ich werde meine Waffen nicht dem Meer opfern! Mit diesen Gedanken stemmte er sich noch einmal gegen die Druckwelle, doch er würde nie erfahren ob er es geschafft hätte denn kurz darauf gab die Wand hinter ihm nach und er wurde in die Weiten des Ozeans geschleudert.

Die Strömung riss ihn mit und es war den Mantroner nicht möglich aus dieser zu entkommen, also verschränkte er seine Arme mit den Waffen vor der Brust und rollte sich so gut es ging zusammen um so den um ihn herumtreiben Schiffsteilen so wenig wie möglich Angriffsfläche zu geben. Diese Taktik verschonte ihn zwar nicht ganz davor getroffen zu werden, aber sie half zumindest den gröbsten Schaden vor ihn abzuwenden.
Wie lange er von dieser Strömung mitgerissen wurden, konnte er nicht sagen aber so urplötzlich, wie sie aufgetaucht war, so schnell klang sie auch wieder ab.

Baltos wollte sich gerade wieder bewusst werden wo oben und wo unten war als der größte Wal, den er je gesehen hatte, auf ihn mit weit geöffnetem Maul zu schwamm.
Er hatte keine Möglichkeit zu entkommen und den Mantroner war bewusst das er gleich verschluckt werden würde, doch eins schwor er sich, wenn er erst mal im Körper dieses Wales war, würde er ihn schon zeigen, was für eine ungesunde Nahrung er da zu sich genommen hatte!

Als das Unausweichliche kam und das Maul sich hinter ihn schloss wurde Baltos von einer so unglaublichen Dunkelheit umfasst die für jemanden der nicht dabei gewesen war nur schwer zu Begreifen war. Er verlor jedes Zeitgefühl und hätte er nicht gewusst, dass er einen Körper besaß, wäre er zu der Überzeugung gekommen nur ein Wesen aus reiner Energie zu sein. So trieb er einige Zeit orientierungslos durch die tiefschwarze Mundhöhle des Wales, bis dieser wieder sein Maul öffnete und der Rückstoß in wieder ins Meer trieb und somit direkt in die Arme der Aquadin. Diese umarmte ihn umgehend und zog ihn mit einer rasenden Geschwindigkeit wieder an die Wasseroberfläche.

Gerade rechtzeitig durchbrachen sie die Wellen bevor Baltos nicht mehr in der Lage war Unterwasser zu atmen und mehr hustend als atmend sog der junge Mann gierig die Luft ein. Soda brachte ihn so schnell wie möglich wieder ans Land und als er wieder festen Boden unter seinen Füßen spürte, lief er alleine weiter. Nanuq kam auch gleich angetrabt als Baltos am Strand angekommen war und sich erschöpft auf den Boden fallen lies. Der Bär legte sich gleich an seine Seite und wärmte ihn mit seinem dichten Fell. Der Mantroner lehnte sich mit den Rücken an seinen Freund und löste er jetzt seine Hände von den Waffen. Einige Zeit blickte er auf das Meer hinaus und gewöhnte sich an das normale Atmen wieder, bis Soda das Schweigen durchbrach.

Er hörte ihr zu, wie sie sich bei ihm bedankte und sich für ihren Freund, der wohl der riesige Wal war, entschuldigte, dass er Baltos so einen Schrecken eingejagt hatte.
Der Jäger schüttelte den Kopf und erhob kurz das Wort. „Du brauchst mir nicht Danken ich helfe, wann immer ich kann und für deinen Freund musst du dich auch nicht entschuldigen schließlich hat er mir das Leben gerettet!“
Kaum als er dies gesagt hatte, sah er eine Wasserfontäne am Horizont aufspritzen die wahrscheinlich von Hoaluh wie sie ihn nannte erzeugt wurde. Danach wendete er sich wieder der Aquadin zu und hörte ihr weiterhin aufmerksam zu.
„Ich bin kein Sucher Soda Solaris, ich bin ein Jäger und ich werde diese Männer finden, die meine Freundin entführt haben und Töten!“ Er blickte kurz auf den Bogen von Maruka der die Zeit Unterwasser nicht gerade gut überstanden hatte, bevor er sich wieder der Aquadin zuwendete. „Dein Geschenk werde ich gerne annehmen, schließlich wird es meinen Freunden helfen mich weiter zu begleiten!“ Dabei klopfte er Nanuq freundschaftlich gegen die Flanke.
„Doch sag was wirst du jetzt tun wo du wieder frei bist? Wirst du deinem Volk helfen die Seeschlange zu vertreiben, die auch meinem Volk schaden zufügt? Es würde mich beruhigen zu Wissen, das jemand meiner Sippe hilft, während ich unterwegs bin.“

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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Erzähler » Samstag 12. April 2014, 20:06

„Du brauchst mir nicht Danken ich helfe, wann immer ich kann und für deinen Freund musst du dich auch nicht entschuldigen schließlich hat er mir das Leben gerettet!“
Kaum als er dies gesagt hatte, sah er eine Wasserfontäne am Horizont aufspritzen die wahrscheinlich von Hoaluh wie sie ihn nannte erzeugt wurde. Danach wendete er sich wieder der Aquadin zu und hörte ihr weiterhin aufmerksam zu.
„Ich bin kein Sucher Soda Solaris, ich bin ein Jäger und ich werde diese Männer finden, die meine Freundin entführt haben und Töten!“
Er blickte kurz auf den Bogen von Maruka der die Zeit Unterwasser nicht gerade gut überstanden hatte. Die recht breiten Wurfarme trugen noch das frühere Zeugnis seiner Stärke. Die Enden der mantronischen Bögen liefen breiter aus, als die der übrigen Bevölkerung Celcias, da ihr Volk stark war und auch ihre Waffen diese Eigenschaft besitzen sollten. Doch das Meer, das Salz und die Zeit hatten das Holz aufquellen lassen und Baltos ahnte, er bräuchte sich nicht mal großartig anzustrengen wollte er, dieses einstigen Ast einer Eiseiche, zerbrechen. Die Übergänge zum Handstück waren so konstruiert, dass um so mehr Kraft auf sie wirkte, sie fester ineinander griffen, doch nach der langen Ruhe im Schoß des Meeres waren auch dort feine Risse zu erkennen. Der Griff an sich war noch am besten erhalten und der friedliche Bärenschädel blickte ihn schweigend an. Er hatte seine Herrin verloren. Wenn Baltos die Arme des Bogens entfernte, so wäre der Rest vielleicht ein guter Talisman, eine Form der stofflichen Erinnerung an das Mädchen, was verschwunden war ... was auf diesem verfluchten Schiff gewesen war ... was von ihnen entführt und weiter verkauft worden war. Die Entführer hatten ihre Strafe erhalten. Keiner hatte jemals einen einzelnen Fuchs von ihrem Lohn ausgeben können. Doch damit war die Geschichte nicht zu Ende. Baltos blinzelte einmal unwillkürlich, bevor er sich wieder der Aquadin zuwendete.
„Dein Geschenk werde ich gerne annehmen, schließlich wird es meinen Freunden helfen mich weiter zu begleiten!“
Dabei klopfte er Nanuq freundschaftlich gegen die Flanke. Es lag noch ein langer Weg vor ihm.
„Doch sag was wirst du jetzt tun wo du wieder frei bist? Wirst du deinem Volk helfen die Seeschlange zu vertreiben, die auch meinem Volk schaden zufügt? Es würde mich beruhigen zu Wissen, das jemand meiner Sippe hilft, während ich unterwegs bin.“
Soda sah ihn mit ihren übergroßen Augen an und nickte mehrmals.
„Ja, dank dir, kann ich nun zu meinen Leuten zurück kehren. Ich werde sie treffen und wir werden sie in die tiefen Kanäle zurück treiben. Sie gehört ins Meer wie wir, wir werden die Schlange bitten, sich wieder schlafen zu legen. Das ist meine Aufgabe. Sie hat gefressen und wird nun mindestens ein Jahr ruhen. Wir werden den Übergang wieder öffnen, der eure Oberwelt von unserer trennt. Ich werde dein Heim besuchen, werde ihnen sagen, was du getan hast, dass du mich gerettet hast. Ich werde den Zauber lösen, der das Meer gefangen hält, dann können eure Schiffe wieder treiben. Deine Sippe wird sicher sein.“
Die Aquadin sah zu Nanuq und erhob sich aus der Brandung. Ihren Dreizack hielt sie dabei in der Linken. Langsam ging sie auf den Eisbären zu und blieb dann vor ihm stehen.
„Bitte sag ihm, dass er still halten muss und ich ihm nicht weh tun werde.“
Baltos tat wie geheißen und Soda Solaris, Tochter des Sonnenmeers stach sich mit der mittleren Spitze langsam in den rechten Unterarm. Seltsamer Weise, sah es nicht so aus, als würde das Material in den Arm eindringen, sondern viel eher, als würde es etwas aus dem Arm heraus ziehen. Ein blau-grünlicher Schimmer floss über ihre Haut und sammelte sich in dicker werdenden Flüssen unter der Berührung, bis ein einzelner kleiner Tropfen reinster Eismagie sich an der Spitze gesammelt hatte. Soda atmete einmal schwer, wobei ihre Kiemen leicht vibrierten und richtete dann den Dreizack auf den Bären. Nanuq war sichtlich nicht erbaut darüber, dass eine Waffe auf ihn gerichtet wurde, aber hielt still. Langsam und ohne Eile näherte sie sich und hielt die glimmende Spitze genau zwischen seine Augen. Dann fiel der Tropfen und schien, ohne jeglichen Widerstand, sofort im Körper des Bären zu verschwinden. Soda senkte ihren Dreizack, stellte ihn neben sich in den Sand und nickte zufrieden, während Nanuq sich mit einer Tatze die Stirn rieb. Ihr Arbeit war getan und einen friedlichen Moment lang stand sie nur still da. Ihre langen Tentakel-ähnlichen Haare fielen ihr wirr über den nackten Körper und bedeckten nur notdürftig die Stellen, die für jeden Mantroner sonst so selten zur Betrachtung einluden. Dann sah sie Baltos an, nickte, wie man einem Freund zu verstehen gab, dass man nun ging und schritt langsam in die Brandung zurück. Als sie schon fast verschwunden war, drehte sie sich noch einmal um und ihre Stimme klang schon fast wie das Rauschen der Wellen:
„Falls du mal wieder mit einem von uns tauschen willst, werfe einen Stein ins Wasser und merke dir meinen Namen.“
Dann hob sie kurz den Arm mit dem Dreizack zum Gruß und tauchte ab.

Baltos blieb allein mit seinem Bären zurück am kalten Strand der Landzunge, die das Eismeer vom Rest der Welt trennte. Sehr bald würde er wärmere Gefilde erreichen und durch Landschaften ziehen können, die ihm den Schweiß aus den Poren treiben würde. Wie zur Warnung streifte ihn ein warmer Hauch, der allerdings noch aus dem Rachen seines Freundes stammte. Nanuq schien es prächtig zu gehen und der Jäger fühlte den Nachhall seiner langsam aufsteigenden Unruhe in sich wieder schallen. Der Weg des Jägers lag noch vor ihm, aber einige Möglichkeiten hatten sich offenbart, einige Geheimnisse waren gelüftet worden, aber auch Neue erschienen. Baltos hatte neue Freunde gefunden und einem unschuldigen Wesen das Leben gerettet. Egal wie viele Steine das Schicksal ihm noch in den Weg legen würde, eines war sicher: An Mut jedes Abenteuer zu bezwingen fehlte es dem jungen Mantroner nicht! Ein wenig Erholung wäre vielleicht nötig, Schlaf sicher eine willkommene Sache, aber vielleicht formten sich jetzt schon wieder neue Gedanken und Plane in seinem Kopf, die es umzusetzen gab.

(Zwischensequenz)
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Re: Der Eiskanal

Beitrag von Baltos » Dienstag 22. April 2014, 07:18

Eine Weile saß der junge Mann noch am Strand und lehnte sich mit den Rücken gegen seinen Bären und blickte auf das Meer hinaus. Soda Solaris war wieder fort und würde seinem Volk helfen und bei diesem Gedanken viel ihm ein Stein vom Herzen. Mit der Hilfe ihres Volkes und den Mut der Mantroner musste es gelingen die Schlange zu fangen und unschädlich zu machen. Mit diesem Gedankengang erhob er sich wieder und ging zu seinen Sachen, die er vor dem Tauchgang ausgezogen hatte. Den Schnee, der sich auf seiner Rüstung befand, klopfte er kurz ab und zog sich die von den gröbsten Resten befreite Kleidung wieder an. Die Rüstung war vom herumliegen auf dem blanken Schnee eisig kalt, doch kümmerte es den Jäger weniger, denn ein längerer Ausdauerlauf zu seinen Schlitten würde ihn schon wieder aufwärmen. „Los Nanuq zurück zum Schlitten, mal sehen, wer zuerst da ist!“ Kaum hatte er dies mental gesagt stürmte der Mantroner schon los. Der Bär war erst kurz verwirrt doch dann verstand er, was sein Zweibeiner-Freund von ihm wollte und preschte ebenfalls los.
So rannten die Zwei, wie junge Kinder durch den dichten Schnee und versuchten sich gegenseitig zu überholen. Dieses jugendliche Verhalten sah man bei dem Eisjäger eher selten. Da er schon in jungen Jahren wie ein Erwachsener wirkte, aber in seltenen Fällen brach auch manchmal der Jungspund aus ihm heraus, denn schließlich war er erst 18 Winter alt.

Lange konnte sich der junge Mann nicht gegen seinen vierbeinigen Freund behaupten, aber für eine gewisse Zeit, mit fiesen Abdrängmanövern, konnte sich Baltos an der Spitze halten. Doch irgendwann zog der Bär an ihn vorbei und lies den Mantroner meilenweit hinter sich zurück.

Nanuq hatte schon einige Minuten am Schlitten gewartet als Baltos endlich das Ziel erreicht hatte. Völlig außer Atem und mit einem Lächeln auf dem Gesicht ließ er sich Rücklinks neben den Eisbären in den Schnee fallen.
„Ich war vor dir da!“
„Ja ja schon gut du hast gewonnen!“

Er gab den Bären einen kameradschaftlichen Stoß und erhob sich dann wieder und ging zum Schlitten. Baltos holte etwas von dem Trockenfleisch hervor und warf es Nanuq vor die Schnauze. „Der Siegerpreis!“ Gab er ihn zu wissen und dann machte er sich daran das Zelt aufzubauen.

Als die Nacht sich ankündigte, hatte der junge Mann sein Lager für die Nacht errichtet und machte es sich in dem kleinen Zelt gemütlich. Nanuq musste vor dem Zelt schlaffen aber das störte den Bären weniger. Zwar hätte er gerne noch etwas von dem leckeren Fleisch gehabt was Baltos in seiner seltsamen Höhle kochte, aber er kam auch damit zurecht, diesmal leer auszugehen. Schließlich hatte er schon genug gefressen.

Während Baltos in dem kleinen Feuer seine Mahlzeit zubereitete und sich aufwärmte dachte er über seine nächsten Schritte auf der Suche nach Maruka nach.Sie ist also wahrscheinlich in der Stadt der Dunkelelfen. Doch wie bekomme ich sie da wieder raus? Ohne eine Armee werde ich dort nie eindringen können! Bei diesen Gedanken nahm er ein Stück Trockenfleisch von Feuer und biss, nachdem es sich etwas abgekühlt hatte, ein großes Stück ab.Gefangennehmen lassen wäre auch eine Möglichkeit, nur wie soll ich dann wieder entkommen und vor allen wie soll ich sie in einer Stadt finden dich ich nicht kenne! Nachdenklich kaute er auf dem angebratenen Stück Fleisch herum.
Zu Fuß wird die Reise nach Morgerias zu lange dauern, am besten ich nehme ein Schiff was mich in die Nähe dieser Stadt bringt. Am besten begebe ich mich dazu nach Jorsa! Die Matrosen von dort waren immer anständige Menschen, vielleicht kann mir da ja jemand weiterhelfen.
Bei dieser Idee kaute er auf dem letzten Stück seiner Mahlzeit herum und löschte danach, dass Feuer so ab das es nur noch leicht glühte. Damit es ihn in der Nacht noch leicht wärmte.

Der nächste Tag

Ausnahmsweise träumte der Mantroner diesmal nichts, was wie er dachte vermutlich an der Augenklappe lag und er begrüßte es, schließlich hatte der Jäger in letzter Zeit genug seltsame Träume gehabt.
Die Glut seines kleinen Feuers war über die Nacht abgekühlt, trotzdem herrschte im Zelt noch eine gewisse Restwärme, so das Baltos nicht mit steifen Gliedern aufgewacht war. Der junge Mann nahm noch schnelle eine kleine Mahlzeit zu sich, verrichtete dann seine Notdurft und baute kurz darauf seine Nachtlager ab. Nach dem alles wieder sicher im Schlitten verstaut war, band er Nanuq vor den Schlitten und machte sich mit ihm auf den Weg zu seinen nächstem Etappenziel.
Morgen wollte er die Eiselfen Stadt erreichen um sich noch mit einigen Sachen für seine lange Reise einzudecken die es in Mantron nicht gab und danach würde er sich weiter auf den Weg nach Jorsa machen. Alle anderen Gedanken wie er zum Beispiel in die Stadt der Dunkelelfen gelangen wollte verdrängte er, darüber konnte er sich noch den Kopf zerbrechen, wenn er kurz vor dem Ziel war.

Auf ihren Weg hielt der Jäger weiterhin Ausschau nach Spuren von Wild, damit er seinen kleinen Münzvorrat noch ein wenig aufbessern konnte. Schließlich wusste er nicht wie teuer die Sachen waren, die er noch benötigte. Doch leider konnte weder er noch Spuren von Wild entdecken oder Nanuq eine Fährte von Wild aufnehmen.
Baltos schob die Tatsache das er hier kein Wild mehr gab auf die Eiselfen ab. Schließlich war ihre Stadt nicht mehr weit entfernt und die Jäger dieses Volkes waren eine ziemlich erfolgreiche Gruppe.
So verging dieser Tag ereignislos und Baltos machte es sich am Abend wieder bequem in seinem Zelt.

Ankunft in Estria


Nach einer weiteren erholsamen Nacht in seinen Zelt hatte sich Baltos schon früh erhoben und gemeinsam mit Nanuq den Weg weiter in die Stadt der Eiselfen eingeschlagen.
Gegen Mittag konnte der Mantroner schon die ersten Ausläufe der Stadt im ewigen Eis erkennen. Die goldenen Kuppeldächer des Palastes reflektierten das Licht der Sonne meilenweit über die weiße Landschaft und so musste der Jäger seinen Schlitten nur weiter ins Zentrum der Reflexion lenken.
Der Mantroner schätzte, dass er die Stadt innerhalb der nächsten Stunde erreichte, dort würde er dann auf den Markt einige Utensilien für seine Reise kaufen und dann gegen Abend wieder aufbrechen. Denn seine Reisekasse wollte er nicht mit einer unnötigen Herbergsnacht belasten.

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