Der Zwinger der Schneewölfe

Hier wohnt Norna Wolfsruf mit ihrem Rudel. Sie lebt wirklich mit den Wölfen unter einem Dach. Alle Tiere schlafen in ihrer Hütte. Tagsüber jedoch sind sie draußen und trainieren mit den Schlitten.
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Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Kjartan » Freitag 4. Januar 2013, 10:08

{Nach Absprache mit Maruka]
Komme von Der südliche Teil Celcias/Das Eisreich/Die Eisinsel Ersa/Mantron, Heimat der Tapferen/Mantrons Hafen/Der Weg zum Hafen

Für einen kurzen Augenblick hatte sich Kjartan gefragt, ob es wirklich klug war, den Schädelbrecher anzusprechen. Der alte Haudegen bedachte ihn mit einem Blick, der so finster wie eine mond- und sternlose Nacht war. Jeder halbwegs intelligente Pirat wäre bei so einem Blick freiwillig ins Eismeer gesprungen. Dass Maltes Blick ein äußerst eisiger war, bewies allein die Tatsache, dass sogar Kjartan hier darüber nachgedacht hatte, ob es eine gute Entscheidung war ihn anzusprechen. Malte hatte beim jungen Krieger, der Angst nur aus Erzählungen kannte und durchaus dazu neigte, sein Gegenüber zu unterschätzen, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
„Drachenodem“, flüsterte Malte und schien verloren in vergangenen Tagen. Ob er tatsächlich in Erinnerungen schwelgte, oder ihm der Name einfach entfallen war, Kjartan vermochte es nicht zu sagen. Dafür fehlte es dem Mantroner eindeutig an Einfühlungsvermögen und Sensibilität. Zur Sicherheit hatte er allerdings noch seinen Vater ins Spiel gebracht. Es konnte wahrlich nicht schaden, sein Vater war seit jeher ein angesehener Mann unter den Tapferen der Eisinsel.
Maltes Blick blieb an Kjartan haften und schien ihn von oben bis unten zu durchdringen. Mit abschätzigem Blick und leicht schief gelegtem Kopf fühlte es sich für Kjartan an, als würde ihn sein Gegenüber bereits seit Tagen mustern und begutachten. Erst nach einigen Sekunden, oder waren es Minuten gewesen, schien sich Maltes Blick aufzuhellen; soll heißen, ein oder zwei Sterne waren nun am stockdunklen Himmel zu sehen. Zu Kjartans Freude hatte sich der Schädelbrecher wohl doch dazu entschieden, mit ihm zu sprechen. Er fragte den jungen Mann nicht nur, was dieser von ihm wollte, er bot ihm sogar das „Du“ an. Ganz unwillkürlich setzte Kjartan ein stolzes Gesicht auf. Ein harter und unerschütterlicher Krieger wie Malte Schädelbrecher einer sein musste, bot ihm das „Du“ an. Womöglich lag dies nicht an Kjartans Courage, dem Mann gegenüberzutreten, sondern einzig und allein daran, dass sein Vater ein alter Waffenbruder Maltes war. Dennoch änderte dies nichts am Stolz, den der Junge in diesem Moment empfand.

Auf die Frage, was geschehen war, spähte der ältere der beiden kurz über die Schulter zu seinem Kapitän. Dieser stand nach wie vor völlig starr und steif am Ruder und blickte aufs Meer. Der Schädelbrecher bedeutete Kjartan, er solle ihn bei Norna Wolfsrufs Hütte treffen. Dort würde der Tapfere erfahren, was auf See geschehen war. Noch ehe er etwas erwidern konnte, war der Kapitän aus seiner Erstarrung erwacht und brüllte Malte von hinten an, er solle endlich die Aufgaben, die ihm aufgetragen worden waren, ausführen. Es war eine scharfe Maßregelung, ja geradezu eine Drohung. Malte schrie eine Bestätigung zurück zum Kapitän, blickte Kjartan an und nickte in Richtung der Stadt. Es war Zeit zu gehen, dies verstand sogar der junge Krieger und marschierte einige Meter weiter. Er drehte sich nochmals kurz um und sah, wie Malte ein weiteres Seil eilig aufrollte und schließlich seinen Kriegshammer und einen prall gefüllten Seesack aufnahm. Offenbar würde er das Schiff für längere Zeit verlassen. Kjartan kannte keinen einzigen Seemann, der all seine Habseligkeiten von Bord mitnahm, wenn er nur für zwei oder drei Tage an Land ging. Möglicherweise stellte Malte hier eine Ausnahme dar, möglicherweise würde aber die Drachenschwinge auch einige Tage an Land bleiben. Nach allem was gewesen sein mag, konnte sich der Mantroner darauf keinen Reim machen. Was ihm aber noch ins Auge fiel, bevor er sich wieder umdrehte und Richtung Nornas Hütte marschierte, war, dass zwei weitere Seemänner das Segel einholten. Offenbar würde die Drachenschwinge mehr als nur einige Tage nicht auslaufen. Nun wunderte sich der Tapfere vollends über die vergangenen Ereignisse. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, aus welchem Grund alle Besatzungsmitglieder so dermaßen verstört zu sein schienen. Und warum bei Venthas großem Busen wurde ein Schiff wie die Drachenschwinge eingemottet? Kjartan wandte sich um und marschierte weiter.

Am Ende des Stegs angekommen, drehte er sich noch einmal herum und sah auf das Schiff zurück. Was war hier nur los?
Ein mit stürmischem Schritt marschierender Malte zog Kjartans Blick auf sich. Er erinnerte den jungen Krieger an einen herantrabenden Auerochsen, so trampelte der Schädelbrecher über den Steg. Er hätte wohl ebenfalls gut in Kjartans Familie gepasst, überlegte der Junge. Wieder stieg ein Stolzgefühl im Tapferen auf. „Junger Auerochse“, hatte der alte Recke den Jungen genannt. Offenbar wusste Malte so einiges über die Familie seines ehemaligen Waffenbruders. Andererseits war dies nicht weiter überraschend, immerhin war sein Urahne Thorgert Gegenstand einiger Geschichten. Kjartan hoffte inständig, dass auch er selbst irgendwann der furchtlose Held in den Legenden der Skalden und Barden wäre.

Der heranstürmende Malte holte Kjartan aus seinen Träumen. Der Krieger verlangsamte seinen Gang um kein bisschen, als er am jungen Mantroner vorübermarschierte. Lediglich sein Blick wanderte kurz zu Kjartan, ansonsten gab Malte keinerlei Regung von sich. Dem „jungen Auerochsen“ fiel Maltes massiver Kriegshammer auf. Etliche tiefe Kerben zierten den Hammer auf der Seite, wo der Griff in den Kopf überging. So viel zum Thema Schädelbrecher, überlegte sich der Tapfere und schmunzelte leicht. Einen wie Malte im Kampf neben sich zu wissen, war mit Sicherheit eine der schönsten Gewissheiten, die ein Mantroner haben konnte.

Kurz überlegte Kjartan, ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre, direkt zu Thure Sturmschreier zu gehen. Bestimmt würde der Anführer der Tapferen als Erstes informiert werden und mit IHM würde auch über die weitere Vorgehensweise in dieser Angelegenheit, was auch immer es sein mochte, entschieden werden. Allerdings dauerten Gespräche bei und mit Thure immer länger als Kjartan lieb war. Thure Sturmschreier war einer der bedachtesten Mantroner überhaupt. Er hörte sich stets alle Meinungen an und versuchte alle Blickwinkel zu ergründen. Zweifellos war er ein sehr guter Anführer, allerdings bevorzugte Kjartan es, wenn Nägel mit Köpfen gemacht wurden. Wenn sich der Tapfere stattdessen wie vereinbart mit Malte traf, würde es um einiges rascher gehen. Außerdem empfand er tiefen Respekt und Sympathie für den Schädelbrecher, er war vom selben Schlag wie es Kjartan war. Von Malte würde der Mantroner in aller Kürze alle wichtigen Informationen aus erster Hand erhalten.
Abgesehen davon sollte die Drachenodem in der nächsten Stunde ablegen. Er wollte nicht riskieren, dass Auslaufen seines Schiffes zu verpassen, weil er zuviel Zeit bei Thure verbrachte. Auch, wenn sich ader Tapfere nur schwer vorstellen konnte, dass die Drachenodem zum vereinbarten Zeitpunkt ablegen würde. Bestimmt würde auf eine Nachricht vom Oberhaupt der Mantroner gewartet werden. Womöglich ergäben sich neue Befehle und Aufgaben für das Drachenschiff.

So marschierte Kjartan mit schnellem Schritt in Richtung Norna Wolfsrufs Hütte, Malte Schädelbrecher stets vor sich in seinem Blickfeld. Kurz bevor Malte die Hütte erreichte, beschleunigte Kjartan nochmals seinen Schritt, um zu ihm aufzuschließen. In Gedanken ging er nochmals sein erstes Zusammentreffen mit Malte durch.
„Das Blut einer stolzen Familie“, murmelte Kjartan geistesabwesend. Es fühlte sich gut an, von einem Mann wie Malte Schädelbrecher so ein Kompliment zu erhalten. Auch wenn es dem jungen Mantroner stets bewusst war, welchen Ruf die „Auerochsen“ genossen, so war es dennoch schön, so eine Bestätigung zu erfahren. Und so wie Thorgert der Familie Ehre gemacht hatte, und auch Baldor und dessen Väter der Familie Ehre gemacht hatten, so würden auch er selbst und Sigvard der Familie Ehre machen. Sigvard. Er machte sich wirkliche Sorgen um seinen kleinen Bruder, der ebenfalls draußen auf dem Meer war.
Kjartan hatte fast zu Malte aufgeschlossen und sah bereits den Zwinger der Schneewölfe vor sich. Norna lebte in einem kleinen Lederhaus mit einem geräumigen Gebiet darum. Etwa 30 oder 40 Wölfe, Kjartan hatte keinerlei Interesse daran sie zu zählen, tummelten sich um das Haus. Norna trainierte die Tiere und richtete sie für die Mantroner ab. Sie wurden dann vor die Schlitten gespannt, gingen mit auf die Jagd oder lebten bei den Familien als Hauswölfe. Auch die beiden Tiere von Kjartans Familie, Sonnentänzer und Mondruf, waren einst von Norna abgerichtet worden. Kurz musterte der Tapfere einen Schneewolf, der ihm sofort ins Auge gesprungen war. Sein langes Fell war cremefarben ohne jegliche Zeichnung. Die buschigen Ohren waren wachsam aufgerichtet und der Blick des Tieres war unstet. In den wenigen Sekunden, in denen der Mantroner den Wolf ansah, hielt dieser nicht eine Sekunde lang still. Er war etwas größer als die meisten der anderen Tiere und zu gerne hätte Kjartan die Augen des Tieres gesehen, war dafür aber etwas zu weit entfernt. Vielleicht würde er Norna nach diesem speziellen Wolf fragen. Aus irgendeinem Grund fiel dem Sohn Baldors nun ein, dass Norna demnächst in den Wald aufbrechen würde. Leider konnte er sich nicht mehr erinnern, wer ihm das in Venthas Hammer erzählt hatte, aber es bedeutete zuweilen nichts Gutes, wenn die Herrin der Wölfe für längere Zeit Mantron verließ und in den Wald ging. Ob es Zufall war? An einem Tag hörte er, dass Norna in den Wald ging, am nächsten kehrte ein verunsichertes Drachenschiff in den Hafen zurück und schickte einen der Männer zu ihr.
Er musste unbedingt herausfinden, was auf See geschehen war. Er musste wissen, was die Männer erlebt hatten, was ihn und seine Waffenbrüder erwartete und wie sie der Bedrohung Herr werden könnten. Kjartan wollte bereit sein für das, was ihm bevorstand.

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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Januar 2013, 14:50

Kjartan und Malte hatten den Zwinger erreicht. Auch wenn der Zaun einem ernsthaften Ansturm der Tiere niemals standhalten würde, so war es doch die Grenze ihrer Gehorsamkeit die sie in diesem Areal fest hielt und das war auch gut so. Auch wenn Nora Wolfsruf alle ihre Tiere mit Strenge und Disziplin gut erzogen hatte, so wäre ein freies Herumlaufen gerade für die Kinder der Mantroner zu gefährlich. Niemals würde einer dieser Tiere einen Menschen bewusst anfallen, aber es waren immernoch Raubtiere und Unfälle konnten so vermieden werden. Malte trat an den Palisadenring, der mit schmalen Spalten, kürzeren Stämmen und längeren, mal mehr, mal weniger einen guten Einblick auf das Grundstück gewährte. Sofort stürmten einige jüngere Tiere heran und ein Fremder hätte sicher schon jetzt die Flucht ergriffen. Nornas Haus wahr wohl das am besten bewachte in ganz Mantron. War man in Mantron geboren, hatte man für gewöhnlich mindestens einen Wolf in der Familie, so war es auch nicht ungewöhnlich das alle Menschen und Tiere irgendwie zum gleichen Rudel gehörten. Es gab nun wenige Verhaltensregeln, wenn man Norna besuchen wollte. Trat man an den Zaun, musste man warten bis eines der Tiere dem Rudel durch sein Heulen mitteilte, dass keine Gefahr drohte. Bei jenen Mantronern die lange auf See waren, die die Salzluft gegen einen starken Eigengeruch getauscht hatten, dauerte es oft ein wenig länger. Malte hatte anscheinend schon Erfahrung mit den Tieren hier und lehnte sich gegen das Tor, damit sie ihn besser wittern konnten. Er öffnete seine Jacke, steckte seine Hand unter seine Achsel und rieb sie kräftig dort um sie dann nahe an den Spalt zu legen. Das Geräusch von scharf eingezogenem Atem, leises Winseln und Knurren, gefolgt von einem kurzen Heulen erklangen.
Es waren auch einige Welpen dabei die neugierig an den Stämmen hoch sprangen, doch wirkten sie verhältnismäßig klein. Vielleicht irrte sich Kjartan auch, da er inzwischen gewachsen war, aber Mondruf und Sonnentänzer waren größer gewesen, als sie noch im Welpen-alter waren. Bei diesem Anblick fiel ihm auch wieder ein, was er in der Nacht seines Vollrausches gehört hatte. Norna wollte in den Wald um neues „Blut“ für die Zucht zu holen. Sie brauchte einen neuen männlichen Wolf, der die Blutlinien wieder aufwertete und dieses Unterfangen brauchte einige Monate, da sie die Wölfe nicht einfach fing, sondern sie dort wo sie lebten in ihr Rudel aufnahm. Niemand außer Norna wusste genau, wie sie machte, dass die Wölfe ihr freiwillig folgten. Es war ihr kleines Geheimnis, aber viele munkelten sie könne die Sprache der Wölfe sprechen.
Kjartan blickte hinüber zum Haus. In einem extra abgeteilten Bereich stand ein voll beladener Schlitten. Noch ein Indiz, dass Norna vor hatte die Stadt zu verlassen und sie gerade noch rechtzeitig gekommen waren.
Kurz nachdem das Heulen verklungen war, entfernten sich die älteren Wölfe wieder von Tor und machten so den Weg frei. Ein entferntes Heulen vom Leitwolf „Silberfang“ rief sie zurück. Dann tauchte er gemächlich schreitend hinter der kleinen Hütte auf. Kjartan kannte ihn vom Sehen her. Er war der größte und mächtigste Wolf den er je gesehen hatte, wenn er auch schon etwas in die Jahre kam. Schneeweiß, mit silbrig glitzernden Reißzähnen und silbergrauen Augen, was ungewöhnlich war bei einem Wolf. Als Kind hatte er sich vor ihm gefürchtet.
Die Tür der Hütte ging fast gleichzeitig auf und Norna Wolfsruf trat heraus.

Bild
(Mantron – Norna Wolfsruf)

Fast überall reckten sich die Köpfe kurz ihr zu. Ihr goldblonde Haarmähne wurde vom Wind ergriffen und blähte sich auf. Einige der jüngeren Tiere tollten auf sie zu und man konnte Angst und Bange werden, wie sie sie zum „Spielen“ aufforderten. Die Rüstung die Norna trug war sicher nicht zum Schutz gegen Messer oder Pfeile gemacht worden, sondern einzig um das liebevolle Geknabber an ihren Gliedmaßen ungefährlicher zu machen. Als sie ihren rechten Arm auf Brusthöhe von sich streckte, verschwanden sofort alle Jungtiere und Silberfang trat aus der Meute und hob seinen Kopf unter ihre Hand. Es war wie immer ein beeindruckendes Schauspiel, wie die Herrin der Wölfe mit ihren Tieren umging und wie intensive ihre Bindung zu den Wölfen war. Norna strich ihrem Leitwolf kurz über die breite Stirn und kam dann auf das Haupttor zu. Die gehärtete Lederrüstung die sie trug, war zum Segen Ventha gebleicht und blau über gefärbt worden, so dass sie nun an manchen Stellen in einem recht hellen Petrol mit grünlichen Schimmern glänzte. Man sah überall Gebrauchsspuren der Zähne und auch ihr Gesicht zierte manch kleine Narbe, was die stolze Frau aber nicht im geringsten entstellte. Norna war in den Dreißigern, aber niemand wusste genau wie alt sie war, aber auch wenn sie nicht mehr die vollen Blüten der Jugend trug, so hatte sie ein inneres Strahlen, dass ihr so manchen Mann zu Füßen legte. Sogar Malte zog eilig seine Kleidung wieder zurecht und versuchte ein Lächeln, was zu breit, mit zu viel Zähnen und übertrieben bei ihm wirkte.
Als sie das Tor erreicht hatte sprach er:
„Herrin der Wölfe, mein Kapitän Vestarr Sternendschweif hat mich zu euch befohlen. Ich bitte in seinem Namen um Gehör in einer dingenden Sache!“
Norna verlangsamte kurz ihren Schritt und kurz schien es fast, als ob auch sie versuchte seine Witterung aufzunehmen. Ihre Nasenflügel blähten sich während sie antwortete und das Tor öffnete:
„Kommt herein und seid meine Gäste.“
Ihr Stimme war ungewöhnlich tief für eine Frau, war warm und trug tiefe Ruhe in sich. Die Wölfe hielten derweil einen Abstand von ungefähr drei Metern, während der Seebär und die Frau sich kraftvoll die Unterarme des griffen und die jeweils andere Hand auf sie Schulter legten.
„Ich bin Malte Schädelbrecher, Krieger der Drachenschwinge und mein junger … Freund Kjartan aus dem Haus der Auerochsen begleitet mich bei meiner Aufgabe ...“
Malte hatte mit einem Seitenblick zu Kjartan dessen Vorstellung übernommen. So hatte sich dieser wenigstens keinen Grund ausdenken müssen für seine Anwesenheit. Der letzte Teil mit der „Aufgabe“ und ob er Malte dabei wirklich begleiten würde, war noch nicht geklärt, aber in Maltes Gesicht stand deutlich der Ausdruck, dass sie das auch noch später ausdiskutieren konnten. Noch wusste Kjartan ja immernoch nicht worum es überhaupt ging.
Einer der Wölfe packte einen zu neugierigen Welpen, der sich Kjartans Füßen genähert hatte und trug ihn im Nacken fort. Norna musterte kurz Kjartan und ergriff auch seinen Arm kurz und heftig und führte dann die beiden Männer zu ihrer Hütte. Sie wurden eingelassen und eine etwas ungewohnt wilde Atmosphäre empfing die Männer. Felle an den Wänden waren in Mantron nichts ungewöhnliches, aber überall waren martialische Muster mit Blut auf die weißen Felle gemalt. In der hinteren Ecke des Haus, dem einzigsten gemauerten Teil, brannte in einem Kamin ein kleines Feuer, was die Umgebung in ein mildes flackerndes Licht tauchte. Schädel der verstorbenen Tiere hingen an den Wänden und auch sonst war der Haushalt für eine allein lebende Frau wenig „hübsch“ eingerichtet. An einer Wand lehnten Ersatzkufen, Ösen und Lederriemen für die Schlitten, an einer anderen ein paar zum Trocknen aufgehängte Kräuter. Ansonsten konnte man kein Bett oder Stuhl ausmachen, nur ein einzelner Tisch mit einer steinernen, glatten Oberfläche, wie Kjartan ihn vom Metzger her kannte. Norna setzte sich in die Felle die überall am Boden lagen und bedeutete Malte und Kjartan es ihr gleich zu tun.
„Nun berichtet mir, warum Vestarr euch zu mir geschickt hat.“
Malte räusperte sich leise und begann zu erzählen:
„Mein Kapitän schickt mich zu euch mit einer dringenden Bitte. Im Eiskanal … er ist zugefroren und hält die Drachenblut gefangen. Von den anderen Schiffen wissen wir nichts, aber die Drachenblut haben wir in der Ferne gesehen als … es passierte.“
„Schädelbrecher druckst nicht drum herum. Ich merk doch dass ihr etwas verheimlicht, was euch unangenehm ist. Erzählt frei wie ihr es erlebt habt.“
Malte biss sich kurz auf die Lippen, dann fuhr er fort:
„Wir hatten schon Kurs auf den südlichen Ausgang des Eiskanals genommen. Alles war normal. Das Packeis war noch nicht so dick, als das wir nicht gute Fahrt machen könnten, doch plötzlich schlug etwas gegen unseren Rumpf und ließ das ganze Schiff erbeben. Kapitän Vestarr riss noch geistesgegenwärtig das Ruder aus dem Wasser, sonst hätten wir den Hafen nicht mehr erreicht. Das Schiff hob sich aus mit dem Heck zuerst dem Wasser und einige Männer gingen über Bord. Alles ging so schnell! Ich hörte noch die Schreie, dann kippten wir nach backbord und ich hielt mich grade noch so fest. Es muss etwas riesiges unter dem Schiff gewesen sein, aber was dann folgte, ließ uns alles das Blut in den Adern gefrieren.“
Malte sah kaum auf während er sprach. Auch seine Hände ruhten still auf seinen Oberschenkeln. Er war kein großer Geschichtenerzähler, das merkte man. Seine Gestiken waren so gut wie nicht vorhanden und selbst seine Stimme bleib während des ganzen Berichts relativ gleichartig.
„Es mag wie ein Märchen klingen, aber wir haben es alle gesehen! Als das der Rumpf wieder ins Wasser sackte begannen wir sofort die Seile nach den Männern zu werfen die um uns trieben. Wir hatten schon fast alle an Bord geholt und nur noch Jan, einer der Jungen zur Ausbildung, schwamm noch im Meer, als sie auftauchten … die Lichter … Sie näherten sich von Süden her und schwammen unter uns hinweg. Jan hat geschrien und als wir ihn aus dem Wasser zogen war sein Körper schon zur Hälfte gefroren. Dort wo die Lichter emporstiegen, da gefror das Meer sofort. Jan sagte etwas von Menschen unter dem Eis, bevor er ohnmächtig wurde. Sie haben ihn sofort zu stabilisieren versucht …“
Der Tod auf See ließ jeden Mann verstummen, mochte er noch so abgebrüht sein.
„Der Kapitän befahl sofort das Treibseegel zu setzen, damit wir schneller voran kommen und dem gefrierenden Meer noch entgehen. Ventha mag ihren wohlwollenden Blick von uns genommen haben. Wir entkamen dem Eis nur knapp. Als wir zurück blicken sahen wir noch die Drachenblut in der Ferne. Ich meine, ihren Mast schwanken gesehen zu haben, wie unseren, doch ich bin mir nicht sicher. Dann zog eine Stille auf, wie von uns niemand sie je erlebt hatte. Das Meer war spiegelglatt und still. Keine Schollen die mehr gegen einander stießen und ihr Murmeln weit ins Land tragen. Da war nichts! Dann begann das Frieren. Es war nur ein leises Knirschen unter unserer Kufe, aber wurde stetig lauter. Das wir noch den Ausgang des Eiskanals erreicht haben, grenzt an ein Wunder. Doch was unser Glück war, hat die Drachenblut voll erwischt. Wir haben es unserem Kapitän angesehen. Jeder von uns wollte der Drachenblut zu Hilfe eilen, aber jeder von uns wusste, wenn sie ... was auch immer sich da ihr genähert hat, wenn sie das nicht übersteht, dann haben wir erst recht keinen Chance!“
Langsam blickte Malte auf und in seinen Augen stand eine Mischung aus Wut und Trauer.
„Vestarr befahl mir zu euch zu gehen und um all eure Wölfe zu bitten, jeden den ihr entbehren könnt, werden wir für die Schlitten brauchen, wenn wir der Drachenblut helfen wollten. Jede Axt in Mantron jeder Pickel wird aufmachen um die Besatzung aus dem Eis zu holen. Wir lassen sie nicht noch einmal zurück!!!“
Kjartan brauchte die Entschlossenheit und die Frustration in Maltes Gesicht nicht zu sehen um sie nachempfinden zu können. Für ein Seemannsherz, für ein Mantronerherz war es das schlimmste seinen Kameraden im Stich lassen zu müssen und für Kapitän Vestarr Sternenschweif musste es schrecklich gewesen sein, den Befehl zur Flucht zu geben. Trotzdem war sein Handeln nachvollziehbar, denn wer hätte sonst die Nachricht überbringen können, wenn nicht das schnellste Schiff der Mantroner. Blieb nur zu hoffen, dass kein weiteres Schiff im Eiskanal in Seenot geraten war, doch die genauen Ruten der einzelnen Drachenschiffe kannten nur ihre Kapitäne und Thure Sturmschreier. Nun lag es also an den Mantronern ihre Kameraden zu befreien und Vestarr hatte anscheinend nicht auf Thure Sturmschreiers Befehl warten wollen um Norna um Hilfe zu bitten. Doch das dieser nicht bei Zeiten kommen würde, stand für Kjartan und wohl auch für Malte vollkommen außer Frage. In Zeiten der Not musste schnell gehandelt werden und nicht auf die richtige Reihenfolge von Befehlsketten gewartet werden. Norna sah die beiden Krieger an und nickte nur langsam. Ihr voller Busen hob sich einmal langatmig unter ihrer durchaus körperbetonten Rüstung und sie stand auf.
„Ich werde meine Wölfe vorbereiten. Holt ihr jeden Schlitten den ihr auftreiben könnt! Und einer sollte Elin Meersegen Bescheid geben! Ich habe sie heute vorhin beim Gerber getroffen wo sie extra weiches Leder sich beschaut hatte.“
Das kurze Lächeln in ihren Augen rührte wohl von dem allgegenwärtigen Gerücht, dass Elin schwanger war. Trotzdem war es sicher wichtig, die Venthapriesterin über die Vorgänge schnellstmöglich zu informieren. Malte reckte schon die Brust, als ob er sehr gern diese nächste kleine Aufgabe übernehmen wollte, sah aber noch kurz zu Kjartan. Er überließ es dem jüngeren Mann sich zu entscheiden, ob er Bote für die Götter, oder Helfer bei den Wölfen sein wollte. Sicher gab es auch hier viel zu tun und zu helfen. Die nächsten Stunden könnten über das Schicksal seines Bruders entscheiden. Wenn, und es gab keinen Grund Maltes Ausführungen nicht zu glauben, die Ereignisse sich so zugetragen hatten, dann war Magie im Spiel und es musste schnell gehandelt werden … wenn auch nicht kopflos. Wenn das Meer gefror, dann steckten sie alle in großen Schwierigkeiten. Ventha hatte ihren wohlwollenden Blick von ihnen genommen und aus der Tiefe war ein Schrecken herauf gestiegen der ihr aller Leben bedrohte … verfolgt von Lichtern unter den Wellen. Das alles war sehr mysteriös.
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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 8. Januar 2013, 11:22

(Das Zwischenspiel beginnt)

Baltos kommt vom Frostwald – Die Jagd

Ein Heulen zerriss das kurze Schweigen und Norna sprang auf. Es war ein Warnruf und kurze Zeit später hörte man von draußen Stimmengewirr. Norna war schon an der Tür und stürmte durch den Zwinger zum Tor. Eine Gruppe Männer zogen eine Bare mit einem pechschwarzem Wolf darauf hinter sich her und ein anderer Mann wurde gestützt. Die Gesichter kamen ihn bekannt vor, doch es blieb keine Zeit für Höflichkeiten. Ihre Hütte war die erste die die Gruppe erreicht hatte und Norna half, keine Frage. Gewinsel und Geheul ertönte und neugierige Nasen näherten sich von allen Seiten, ließen aber genügend Abstand für die Männer, doch der Geruch der Eisbestie hing überdeutlich in der Gruppe und so war auch gefährliches Knurren dabei. Norna wies kurz und heftig einen jüngeren Wolf in seine Schranken, der sich Baltos näherte und die Zähne fletschte, indem sie ihm kräftig auf die Nase schlug. Beide Verletzte wurden so schnell es eben ging in die Hütte gebracht.
"Legt ihn da hin! Weg! Ich brauch Platz! Du! Gib mir die Tasche da! ..."
Schnelle Anweisungen peitschten von Nornas Zunge und die Männer spurten. Baltos wurde in die Ecke gebracht wo Malte und Kjartan gesessen hatten. Nornas Blick huschte über die vielen Gäste in ihrer Hütte und bellte:
„Ihr da! Jeder der ihn angefasst hat, Hände waschen! Ich will nicht dass ihr draußen angefallen werdet, weil ihr nach Bestie stinkt. Beeilt euch und dann raus! Ist der Heiler für IHN unterwegs?“
Damit zeigte sie auf die überflüssigen Helfer die Baltos gestützt hatten und auf Baltos selbst, der neben dem Kopf der Bestie saß und einige faszinierte Blicke erntete. Ein der Begleiter nickte heftig und Norna schien das alles recht kalt zu lassen. Sie untersuchte konzentriert Geri auf dem steinernen Tisch im hinteren Teil des Hauses. Die überzähligen Männer traten der Reihe nach an einen Bottich mit Wasser, auf dem ein paar Blätter schwammen und machten sich etwas zögernd daran die kleine überfüllte Hütte zu verlassen. Jeder der ging warf noch einen Blick auf den Schädel der Eisbestie. DIESE Neuigkeit würde sich schnell herumsprechen.
Malte stand wie von Donner gerührt neben dem Kopf der Eisbestie und wechselte immer wieder den Blick von ihr zu Baltos. Der junge Mann neben dem Ungeheuer versetzte ihn in Erstaunen und zu gern hätte er wohl sofort seine Geschichte erfahren, doch es gab auch noch Lebende Geschichten dort draußen im Eis gefangen die erzählt werden wollten. Malte riss sich los.
„Herrin der Wölfe, ich werde tun was ihr aufgetragen hattet. Mein junger Freund Kjartan hier, wird euch zur Hand gehen. Ich werde Elin Meersegen suchen und informieren.“
Er wechselte kurz den Blick mit Kjartan und fügte leise hinzu:
„Ich beeile mich, bin bald wieder da.“
Norna nickte nur und schaute dem Auerochsen in die Augen.
„Gut! Kjartan, kommt bitte her her und drückt das auf die Wunde.“
Als wenn der Hektik noch nicht genug wäre, so erschallte das Horn Mantrons in diesem Moment und rief so seine Bewohner ins Langhaus. Es gab Wichtiges zu verkünden. Norna sah kurz auf, während sie eine Nadel kurz über einen Wetzstein rieb und einen Faden einfädelte.
„Ich glaube meine Pläne werden gerade über den Haufen geworfen. Möge Ventha uns durch diese schwere Zeit helfen! Ihr könnt nachher meinen Schlitten nehmen. Ich glaube, er ist der einzigste, der schon fertig ist. Ich helfe euch später beim Anspannen, dann habt ihr einen Vorsprung vor den Anderen. Jemand muss schnell handeln und die Lage vor Ort begutachten, notfalls die anderen warnen oder die Pläne ändern! Malte weiß wo die Drachenodem liegt und ihr werdet jede Axt und jeden Hammer brauchen, wenn dieses … dieses … Was auch immer jagt! Ich werde hier bleiben und mich um diesen Wolf kümmern, doch ihr müsst gehen! Herjeh, halt still!“
Der Wolf zuckte leicht unter ihren Stichen, als wollte er aus seiner Ohnmacht erwachen, doch blieb dann still liegen. Wenigstens war sein flacher Atem jetzt zu erkennen.
„Ich gehe davon aus, das jedes Teil meiner Ausrüstung den Weg zu mir zurück finden wird! Auf meinem Schlitten ist noch Platz für Fünf. Wenn ihr nichts weiter mitnehmt außer eure Waffen, vielleicht Sieben.“
Ein kurzer Seitenblick zu Kjartan, zeigte, dass sie ihn damit in die Pflicht nahm, dafür gerade zu stehen, wenn etwas fehlen würde. Der gute Name seiner Familie brachte auch viel Verantwortung mit sich. Und wieder erklang ein Heulen und Norna verdrehte die Augen.
„Kann man denn hier nicht in Ruhe arbeiten! Hier festhalten!“
Forsch ergriff sie Kjartans Hand und führte sie an die gewiesene Stelle. Lauwarmes Blut des schwarzen Wolfes und verklebtes Felldrang zwischen seinen Fingern hindurch. Norna hechtete schnell zur Tür und ließ ein Knurren erklingen. Sie winkte jemanden herein zu kommen und wenig später, als sie schon wieder an Geris Operationstisch stand, betrat ein älterer Mann die Hütte. Sein Haar war schon hellgrau und sein Bart reichte in zwei lange Zöpfe geflochten bis zur Brust. Er hatte eine Tasche bei sich und sah sich um. Als sein Blick Baltos neben dem Eisbestienschädel traf zogen sich die Brauen in die Höhe und er ging sofort ans Werk.

(Entschuldigt, dass ich so viel Handlung zusammen gefasst habe. Die Ereignisse überschlagen sich gerade und empfand es als passend, ein wenig Hektik ausbrechen zu lassen. Bitte fügt in eure nächsten Posts jeweils eine kleine Beschreibung eures aktuellen Aussehens ein.
Danke.
Postreihenfolge: Kjartan, Baltos, Erzähler, wobei ich mir vorbehalte immer korrigierend eingreifen zu dürfen.)
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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Kjartan » Donnerstag 10. Januar 2013, 11:39

Sofort als Malte und Kjartan an den Zwinger traten, stürmten einige der Wölfe auf sie zu. Für die meisten Menschen wäre dies wohl ein grauenvolles Ereignis gewesen, für einen Mantroner jedoch war es ein seltsam vertrautes Gefühl. Jeder Tapfere wusste, wie hervorragend Norna Wolfsruf ihre Tiere abrichtete. Dies konnte nun allerdings positiv, wie auch negativ ausgelegt werden. Eine falsche Bewegung, und ein Rudel Schneewölfe würde über einen herfallen und bis zur Unkenntlichkeit zerfleischen. Und gerade für Seefahrer, stellte das Klopfen an Nornas Tür eine Art Herausforderung dar. Durch die lange Zeit an See verloren viele der Seemänner ihren Eigengeruch. Der Duft der rauen See, das Salz, übertünchte den mantronischen Schweiß. In diesem Fall dauerte es stets eine bange Sekunde länger, bis einen Nornas Wölfe akzeptierten. Damit hatte sich Kjartan allerdings mittlerweile abgefunden. Was für den jungen Mann aber interessant war, war Maltes Vorgehensweise. Der Schädelbrecher griff unter seine Jacke und rieb die Hand kräftig an der Achsel. Daraufhin hielt er die Hand an den Spalt im Zaun und nach einem scharf eingezogenem Atemgeräusch, einem Winseln und kurzen Knurren ertönte das erlösende Heulen. Kjartan nickte anerkennend. Das nächste Mal würde er es auch wie Malte halten, beschloss er seinen festen Vorsatz.
Durch das Heulen des Leitwolfs zogen sich die anderen Tiere zurück und Kjartan begutachtete prüfend einige der Welpen. Irgendwie bildete er sich ein, dass Mondruf und Sonnentänzer damals um einiges größer gewesen waren, als die Welpen nun. Möglicherweise täuschte er sich aber auch einfach, immerhin war er selbst in der Zwischenzeit gehörig gewachsen. Andererseits war Norna womöglich nicht ganz zufrieden mit dem aktuellen Nachwuchs. Verschwommen erinnerte sich der Tapfere, dass die Frau angeblich vorhätte, in den Wald zu gehen um frisches „Blut“ für die Zucht zu holen. Der junge Krieger sah sich um und entdeckte den voll beladenen Schlitten in einem abgeteilten Bereich neben dem Haus. Zweifelsohne plante Norna eher früher als später in den Wald zu gehen. Es musste also tatsächlich stimmen. Zu hören, dass es in der Zucht zu Problemen kam, war für die meisten Mantroner ebenso schlimm zu hören, wie der Anblick der verängstigten Seemänner heute Morgen.
Silberfang, der Leitwolf, schob sich in Kjartans Blickfeld. Gemächlich war er von hinterhalb der Hütte aufgetaucht. Das Fell so weiß wie Schnee, die Reiszähne silbrig glitzernd und die Augen – völlig untypisch für einen Wolf – silbergrau. Der Krieger hatte sich als Kind immer vor dem Tier gefürchtet. Das taten die meisten mantronischen Kinder, denn der Wolf wirkte viel mehr wie ein Gespenst, ein unbekanntes und mysteriöses Ungetüm, denn wie einer der abgerichteten Hauswölfe. Als wäre etwas der Welt bisher völlig Fremdes auf die Eisinsel gekommen. So distanziert und voller Stolz, so unberührbar und mächtig. So Angst einflößend. Mittlerweile hatte der Mantroner keine Angst mehr vor dem Tier. Wenn es darauf ankäme, wäre Kjartan der stärkere der beiden. Das bedeutete jedoch nicht, dass der Krieger keinen Respekt vor dem Tier hatte.
Die Tür der Hütte ging auf und riss den Tapferen aus seinen Gedanken. Norna Wolfsruf trat mit ihrem goldblond wallendem Haar heraus, das sich sofort im Wind aufblähte. Schnurstracks stürmten einige der kleineren Tiere auf sie zu, während es den reiferen Wölfen genügte, den Kopf in ihre Richtung zu recken. Sie hob ihren rechten Arm auf Brusthöhe an und sofort verschwanden die jungen Tiere. Silberfang dagegen trippelte zu ihr und hob seinen Kopf unter ihre Hand. Kjartan staunte. Er hatte dieses Phänomen schon fünf- oder sechsmal erleben dürfen, dennoch war es immer wieder faszinierend. Es war nicht, als würde Norna mit Wölfen hier leben. Es war viel mehr, als würde sie unter Menschen leben, unter gleichgesinnten. Norna und die Tiere waren eins.

Malte erklärte Norna, dass sein Kapitän, ein gewisser Vestarr Sternenschweif, ihn in dringender Angelegenheit geschickt hatte, woraufhin Norna ihn und Kjartan in die Hütte einlud. Der junge Krieger war froh, dass der Schädelbrecher auch für ihn die Vorstellung übernommen hatte. Was hätte er schon großartig sagen sollen, warum er hier war. Aus Neugierde? Sorge?
Die Herrin der Wölfe musterte Kjartan von Kopf bis Fuß, ehe sie ihm die Hand zum Mantronergruß darbot. Mit festem Griff erwiderte der Krieger den Gruß. Er machte keinen Unterschied, ob er einer Frau oder einem Mann die Hand reichte. Ein Tapferer grüßte andere stets kräftig und mit Nachdruck. So hatte Kjartan es gelernt, und so würde er es stets halten.
Nachdem die drei die Hütte betreten hatten, bot sich dem Krieger ein wilder Anblick. Überall an den Wänden hingen Felle. Das war für eine Hütte in Mantron nichts Ungewöhnliches. Was dagegen ungewöhnlich war, war die Tatsache, dass die Felle allesamt mit Blut bemalen waren. Wilde, martialische Muster waren daraufgezeichnet und Kjartan hatte keines davon je zuvor gesehen. Er war das erste Mal in Nornas Hütte, hatte keine Ahnung gehabt, worauf er sich einstellen hätte müssen. Der Krieger konnte nicht einmal sagen, ob diese Muster irgendetwas bedeuteten, vielleicht eine Art Schrift, oder ob sie einfach nur willkürlich angebracht wurden. Die Einrichtung der Hütte war – selbst für eine mantronische Hütte – zweckmäßig: Ersatzkufen, Ösen, Lederriemen. Kein Bett oder Stuhl war zu sehen. Lediglich ein Tisch mit glatter Oberfläche, vermutlich aus Stein, wie ihn sonst nur der Metzger besaß, beehrte den Raum.

Die Frau setzte sich in die Felle, die den Boden beinahe vollständig bedeckten und hieß den beiden Kriegern an, sich zu ihr zu setzen. Malte begann schließlich zu erzählen, was vorgefallen war. Und Kjartan stockte der Atem. Aufmerksam hörte er dem Schädelbrecher zu und mit jeder Sekunde die verging wuchs das mulmige Gefühl in Kjartans Eingeweiden. Nicht nur dass die Drachenblut mit seinem Bruder an Bord im Packeis festsaß, musste es sich doch augenscheinlich um Magie handeln, die das Schiff gefangen hielt. Kjartan kannte die See und wusste, dass nicht einfach so irgendwelche Lichter auftauchten und Schiffe in die Höhe hoben und zum Kentern brachten. Und schon gar nicht ließen diese Lichter das Wasser gefrieren. Vor allem aber war Kjartan bewusst, dass es sich hier nicht um irgendeine Geschichte handelte, die Kindern das Fürchten lehren sollte. Nein, ein Recke wie Malte Schädelbrecher bildete sich so etwas nicht einfach ein. Und schon gar nicht würde ein Drachenschiff ein anderes in dieser Notlage alleine zurücklassen. Es musste sich furchtbar für Vestarr, Malte und die anderen angefühlt haben, die Drachenblut im Packeis stehen zu lassen. Kjartans Gedanken schweiften zu seinem Bruder. In diesem Moment wurde dem Krieger bewusst, dass auch die Drachenzahn mit seinem Vater an Bord ausständig war. Gut, das mochte nicht unbedingt bedeuten, dass auch dieses Schiff irgendwo festsaß, aber es bestand zumindest die erschütternde Möglichkeit.

Dass Norna sich sofort zur Hilfe bereit erklärte, stimmte Kjartans Gemütslage wieder etwas positiver. Mit all den Schlitten und Hunden, Äxten und Hämmern, und mit Elin Meersegens und Venthas Beistand, könnten sie das Ruder sprichwörtlich gewiss herumreißen, die Drachenblut freilegen und diese Lichter zum Erlischen bringen. Das war der Stoff, aus dem große Legenden gemacht wurden. Und er würde ein Teil davon sein.

Ein markzerreissendes Heulen riss den Tapferen aus seinen Gedanken und kurze Zeit später drang von draußen Stimmengewirr in die Hütte. Während Norna bereits durch die Tür zum Zwingertor schoss, blickte Kjartan auf die heranmarschierende Gruppe Männer. Einer von ihnen, noch keine 20 Jahre alt, wurde gestützt und einige zogen etwas auf einer Bare hinter sich her. Was war nur geschehen? Gab es einen Zusammenhang mit den mysteriösen Lichtern?
Einige der Wölfe begannen unruhig zu werden und bedrohlich zu knurren, bis Norna sie mit einem scharfen Befehlston zur Ruhe gemahnte. Die Männer betraten die Hütte und nun erkannte Kjartan, was sich auf der Bahre befand: ein pechschwarzer Wolf, schwerst verletzt. Das Tier und der junge Krieger, der gestützt wurde, wurden dort abgelegt, wo Malte und Kjartan kurz zuvor gesessen waren. Die Mantroner hieß Norna an, sich die Hände zu waschen, damit sie nicht nach Bestie stinken und draußen von den Tieren angefallen würden.
Der Tapfere verstand anfangs nicht ganz, was Norna Wolfsruf damit gemeint hatte. Erst, als er den jungen Krieger neben einem Eisbestienkopf sah, wurde ihm bewusst, was sie meinte. Mit Respekt zollendem Gesicht starrte er den Tapferen an, denn wahrlich, das war er. Der Mantroner durfte sicher nicht als Schönheit genannt werden, so viel stand fest. Aber er war ein Beispielsexemplar für einen wahren Mantroner. Für seine zweifelsohne noch jungen Jahre hatte er bereits eine stattliche Größe erreicht und sein blondes Haupthaar hing ihm wild im Gesicht und die Augenklappe über dem linken Auge tat ihr Übriges. Trotz der Erschöpfung machte er einen entschlossenen Eindruck.
Sofort spannten sich Kjartans Muskeln und er richtete sich zu seiner vollen Größe von etwas mehr als zwei Metern auf. Der andere Tapfere war von imposanter Statur, doch auch Kjartan selbst brauchte sich nicht zu verstecken: Mit seinen breiten, strammen Schultern, den austrainierten Muskeln, war auch Kjartan ein Sinnbild für einen Mantroner. Die dunkelbraunen Augen, von heller und Wind und Wetter gegerbter Haut umrahmt. Das aschblonde, beinahe braune Haar, das ihm etwas über die Schultern ragte und zu einem Zopf gebunden war. An den Seiten führte je ein geflochtener Zopf von den Schläfen nach hinten und floss dann in den Hauptzopf ein, so, wie sich Kjartan am wohlsten fühlte. Barstoppeln waren auf seinem Gesicht noch keine zu sehen, denn der Krieger rasierte sich stets bevor er in See stach, so also auch an diesem Morgen. Das schwarze Wams aus Eisbärenleder, die Schulterklappen aus Eisen, der schwere Schild und der Speer an seinem Rücken, der Hornhelm seines Vaters ebenso am Gürtel wie seine Breitaxt, auch Kjartan war ein wahrer Mantroner, ein wahrer Tapferer.
Als sich Malte bei ihm verabschiedete und ihm zuflüsterte, er wäre gleich wieder da, wurde Kjartans Kopf wieder klar. Es ging hier nicht um Rivalitäten oder sonst etwas. Er – wie jeder andere Mantroner auch – wurde bei klarem Verstand im Hier und Jetzt gebraucht. Die Leistung, und war sie auch noch so groß, eines anderen, schmälerte nicht, was er selbst zu leisten im Stande war. Mit diesem Bewusstsein tat Kjartan, wie Norna ihm geheißen und drückte dem verletzten Wolf einen Schwamm auf die Wunde.

Das Horn Mantrons erschallte in diesem Augenblick. Thure war also bereits benachrichtigt worden, schloss Kjartan daraus. Der Anführer der Tapferen rief sein Volk ins Langhaus.
Norna erklärte Kjartan die weiteren Schritte, während sie versuchte dem Wolf zu helfen. Sie würde ihm beim Anspannen des Schlittens helfen und Kjartan sollte dann mit Malte, der ja wusste, wo die Drachenblut zu finden war, und einigen weiteren Männern, sofort dorthin aufbrechen. Wenn nur Waffen mitgenommen werden sollten, hätten insgesamt sieben Mann Platz. Es bestünde aber auch die Möglichkeit, zusätzlichen Proviant oder Ausrüstung mitzunehmen. Dann hätten aber wohl nur fünf Leute am Schlitten Platz. Während er auf die Stelle drückte, die ihm Norna gezeigt hatte, überlegte er, was sinnvoller war. Der Tapfere hatte keine Ahnung, wie man gegen ein Licht im Meer kämpfen sollte und was einem dabei helfen und nutzen konnte. Womöglich würden ihnen Felle, Lampen, Öle und Fette von Nutzen sein. Immerhin war eine Waffe dieser Lichter, die unglaubliche Kälte, die sie auszustrahlen schienen.
Wieder ertönte ein Heulen und Norna wurde allmählich forscher. Also selbst für mantronische Verhältnisse. Mit festem Griff packte sie Kjartans Arm und führten ihn an die betroffene Stelle. Das lauwarme Blut des Tieres umschloss seine Finger. Es war für den Tapferen kein ungewohntes Gefühl. Er selbst hatte schon genug Wunden davongetragen, um zu wissen, wie es sich anfühlte, Blut an den Fingern zu haben. Und den meisten seiner Kameraden ging es nicht anders.
Die Frau hatte einen älteren Mann mit hellgrauem Haar und einem zu zwei langen Zöpfen geflochtenen Bart. Die Tasche, die er bei sich trug wies ihn als Heiler aus. Mit bewunderndem Blick ging er entschlossen auf den verwundeten Mantroner zu und begann seine Arbeit.

Kjartan überlegte in der Zwischenzeit weiter, wie er vorgehen sollte. Malte würde bald zurück sein und würde ihn gewiss auf der Reise begleiten. Dann blieb also noch Platz für 3 weitere Männer. Der Tapfere war mittlerweile davon überzeugt, dass seine Idee nicht so schlecht war, zusätzliche Ausrüstung, die warm halten würde, einzupacken. Dies musste aber noch organisiert werden. Ebenso wie die drei Mantroner, die mitkommen sollten. Und Thure selbst musste ebenfalls noch Bescheid gegeben werden.
Sein Blick traf wieder den jungen Krieger mit dem Eisbestienkopf. Einer wie er könnte gewiss behilflich sein. Wer einer Eisbestie gewachsen ist, wäre wohl zu allem fähig.
„Mein Name ist Kjartan, Sohn des Baldor Eisbrecher, Krieger zur See auf der Drachenodem“, sprach er in die Richtung des Heilers und des jungen Kriegers, während er diesen entschlossen ablickte.
„Die ganze Stadt ist in Aufruhr, weil die Drachenblut im Packeis festsitzt und magische Lichter unter dem Wasser daran Schuld haben. Einer der Männer, die über Bord gegangen waren bei einem weiteren Zwischenfall, sprach von 'Menschen unter dem Eis'“, fasste der Seefahrer die Ereignisse der letzten Stunden für den Verletzten zusammen. Er hatte keine Ahnung, wieviel der Tapfere mitbekommen hatte von alledem, was vor sich gegangen war.
„Einen wie dich könnten wir gebrauchen, sofern du dich stark genug fühlst“, schloss Kjartan seine Ausführung, während er nach wie vor den Schwamm auf eine Wunde des Wolfes drückte. Seine Kameraden von der Drachenodem waren mit Sicherheit bereits auf dem Weg zum Langhaus, an ein Auslaufen des Schiffes war nicht zu denken. Wenn selbst die Drachenblut dem Eis nicht gewachsen war, so wäre es die Drachenodem schon gar nicht. Vielleicht würde er dann also einen oder zwei von seinen Waffenbrüdern kurzfristig ausfindig machen können, die ihn auf dem Weg begleiteten. Zuerst aber war er ohnehin hier in Nornas Hütte angebunden.

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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Baltos » Samstag 12. Januar 2013, 14:30

Baltos kämpfte gegen die Müdigkeit. Er sah nur noch verschwommen wie ihm kräftige Hände entgegen kamen und halt versprachen. Er hatte es geschafft! Der Mantroner ertrank förmlich in einer Welle der Erleichterung. Mit letzter Kraft machte er die Männer auf Geri aufmerksam. Die helfenden Hände kümmerten sich um die Trage vom Wolf und gleichzeitig um Baltos. Wie viele Männer es waren die ihn halfen, war ihn nicht bewusst. Baltos hoffte für seinen Freund das er es auch schaffen würde. Als er hörte das Norna eventuell nicht da sein könnte, wollte er daran nicht glauben. Ventha hätten ihn das nicht alles überstehen lassen, um dann seinen ersten Gefährten nach Haros einfach sterben zu lassen. So Grausam war diese Göttin nicht und er sollte recht behalten. Die vertraute Stimme von Norna erschien und gab Anweisungen. Baltos war gerade nur Gast in seinen Körper und bekam kaum mit wie er in die Hütte gebracht wurde.

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Vorsichtig ließen man ihn zu Boden gleiten, der Jägersohn stütze sich mit seinen malträtierten Rücken gegen die Wand der Behausung. Die Schmerzen dort spürte er nicht mehr. Seine Rippen machten ihn viel mehr zu schaffen. Nur die Aufgegangene Wunde an seiner Hüfte wollte unbedingt bei diesen Fest der Schmerzen mitmachen.
Baltos sah nicht ansatzweise so aus wie man ihn sonst in Mantron kannte. Sein blondes Haar war zwar immer noch zu einem Zopf gebunden. Dafür war aber sein Gesicht mit schrammen überzogen. Durch den Mangel an Schlaf bildeten sich leichte Schatten unter seinen Augen. Die dicken Felle die er sich um den Körper gewickelt hatte ließen ihn aussehen wie ein Bär.
Der Mantroner wollte an seinen Rücken greifen um seine Streitaxt mit den Kopf der Bestie ab zu legen, doch seine Hände griffen ins Leere. Kurz überkam ihn Panik und verscheuchte die nahende Ohnmacht. Sein Blick suchte zuckend die Umgebung nach seiner Trophäe ab, als er sie neben sich fand Atmete er erleichtert aus.
Der weiße Schädel der Bestie war zu einer Grimasse verzogen. Der Kopf war alleine schon fünfmal so groß wie der eines Menschen. Die spitzen und scharfen Zähne reflektierten das Licht und die Augen waren vor Schreck weit aufgerissen. Zu Krönung dieses Bildes steckte die riesige Streitaxt direkt mit den Axtblatt im Halsanfang.
Den Jäger erfasst eine plötzliche Hitzewallung, die Pelze hatten ihn gewärmt als er draußen unterwegs war, aber hier bei Norna waren sie zuviel des guten. Er zog sein neues Handbeil das er in der Höhle der Bestie gefunden hatte hervor.
Feinste Ornamentiken zogen sich über das anthrazitfarbene, fast schwarze Axtblatt. Der Schaft war aus dem selben Material und nur der Griff mit verrottetem Leder umwickelt. Am Ende und über der Mitte gab es jeweils einen Ring der früher einmal sicher Bänder für die Aufhängung getragen hatte.
Die Klinge durchschnitt die Pelze mühelos und die Pelzschichten vielen von ihm ab.
Darunter kam sein wohl trainierter Oberkörper zu Tage, auf Höhe der Rippen zeichneten sich deutlich dunkel gefärbte Hämatome ab. Als nächstes war die Hose dran. Es kümmerte ihn nicht, nur noch in Lendenschutz vor Anderen zu sitzen. Der Heiler, wenn er denn endlich kam, würde sowieso von ihm verlangen die Kleidung ab zu legen. Durch all die Felle die hier auf den Boden lagen würde ihn eh nicht Kalt werden können. Der mit Schürfwunden übersäte Rücken des Jägersohns, blieb vorerst den Augen der anderen Verborgen.

Als er endlich fertig war sich Mühselig zu entkleiden, blickte er zu den Beiden am Steintisch. Sein Interesse galt allein dem einäugigen Wolf Geri, der dort lag und von Norna und den noch namenlosen Krieger behandelt wurde. Als er das Auffiepen seines Kampfgefährten hörte, zuckte er kurz zusammen. Nicht vor Angst sondern vor Freude! Noch vor einigen Sekunden oder waren es Minuten oder doch Stunden? So genau wusste Baltos nicht mehr wann er Geri schon für so gut wie Tot hielt. Aber das Geräusch aus seiner Kehle gab ihn Hoffnung, dass er Überleben würde.
Beruhigt darüber das sein Kampfgefährte in besten Händen war, lehnte er seinen Kopf gegen die Wand und schloss die Augen.

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„AAAAAAAAAAAAAAAAAWWWWWWWWWWWWUUUUUUUUUHHHHHHH!!!“
Das Geräusch des Hornes machte ihn schlagartig Wach. Wenn dieser Ton erklang wusste jeder, dass seine Anwesenheit im Langhaus erwartet wurde. Baltos wollte sich in die Höhe stemmen, aber diesmal sagte sein Körper laut NEIN! In den letzten 24 Stunden hatte er ihn genug abverlangt. Diesmal musste er auf seinen Körper hören, ein leise verächtliches Lachen entrang ihm und sein Kopf machte von allein eine verneinende Geste.
Er würde so oder so erfahren was vor sich ging. Seine und Geris Genesung hatte Vorrang.
Durch das Heulen der Wölfe außerhalb der Hütte unterbrach Norna ihre heilende Tätigkeit und lies eilig jemand eintreten.
Baltos musste schon fast auflachen als er sah wer sich da um ihn kümmern sollte.
Ragan Lebensretter hatte gerade den Raum betreten. Die grauen Haare und wie er sein Bart trug war einfach unverwechselbar. Geschweige denn die riesige Tasche, in der sich so einige lebensrettende Materialien befanden. Baltos streckte ihn den Arm zum Gruß entgegen und der Heiler ergriff diesen. Ragan blickte kurz die Trophäe und dann Baltos an. Dieser grinste nur kurz und lies sich dann von ihn behandeln. Die Beiden hatten schon des öfteren miteinander zu tun gehabt, Lena schleppte ihren Sohn schon seit seiner Geburt zu ihm. Ragan war also Quasi der Hausarzt des Eisjägers Baltos und kannte somit seine komplette Vorgeschichte. Die wohl schon einige Akten gefüllt hatte.
Der Einäugige vertraute dem Heiler voll und ganz und lies die Prozedur über sich ergehen.
Als der Krieger der sich um Geri kümmerte sich an ihn wendete. Von der Statur nahmen sich die Beiden nicht viel, Baltos war ein tick Massiger, dafür aber kleiner und vor allen jünger. Sein Gesicht kam ihn bekannt vor, Baltos konnte es aber noch nicht so ganz zu Orden. Der Mann sah aus wie der typische Krieger der auf einen Drachenschiff anheuerte und mit dieser Vermutung sollte der Jäger recht behalten. Wortlos hörte er den Ausführungen von Kjartan zu und verzog die Augenbraue. Als er von der Ereignisse die sich während seiner Abwesenheit abgespielt hatten hörte. Das er helfen wollte und würde stand außer frage, aber ob sein Körper für einen baldigen Aufbruch breit war stand noch in den Sternen und lag vor allen in den Händen des fähigen Ragan.
„Ob ich helfe steht außer Frage..“ Der Heiler drückte kurz auf die verletzte Rippe von Baltos.
„…man nennt mich Baltos Sohn von Drago Flinklanze und Lena die Fröhliche.“
Der Jäger verzog kurz das Gesicht vor Schmerzen, als Ragan noch einmal gegen sein Brustkorb drückte, um sich zu vergewissern ob seine Vermutung sich bestätigte.
„Aber ob ich euch gleich helfen kann, liegt an den Talent von Ragan Lebensretter!“

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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Erzähler » Sonntag 13. Januar 2013, 15:34

Kjartans Gedanken kreisten noch um die benötigte Ausrüstung, oder ob vielleicht doch zwei zusätzliche Krieger hilfreicher wären. Er hatte draußen den voll beladenen Schlitten von Norna gesehen und ihre Worte, dass er auf ihre Ausrüstung aufpassen sollte, beinhalteten, das sich bereits einiges auf dem Schlitten befand. Er musste nun abwägen, was sie brauchen würden. Maltes Erzählung zu Folge, brachten die Lichter das Eis mit sich und Felle hatte er auf dem Schlitten gesehen. Auch Öl und Feuer wären vielleicht hilfreich. Die Drachenodem hatte in ihrem Kopf eine wirksame Waffe, die sicher höchst effektiv sein könnte, doch diese auszubauen, bräuchte etwas Zeit. Doch wenn ein Schiff im Eis fest steckte, würden sie sicher auch Eispickel und Hacken brauchen! Der Bericht von etwas Großem was das Schiff angehoben haben sollte, macht ihm ebenso Sorgen. Als Seemann kam ihm vielleicht noch die Idee, dass die ein oder andere Harpune oder Speer wichtig sein könnte. Der Blick zu dem jungen Krieger, der den Schädel eines legendären Monster neben sich zu liegen hatte, brachte ihn kurz auf andere Gedanken. Die Geschichten um die Eisbestien waren immer gegenwärtig gewesen, doch er selbst hatte niemals eine selbst gesehen, oder von jemandem gehört, der einer begegnet wäre und es überlebt hatte.
„Mein Name ist Kjartan, Sohn des Baldor Eisbrecher, Krieger zur See auf der Drachenodem“
, sprach er in die Richtung des Heilers und des jungen Kriegers, während er diesen entschlossen anblickte.
„Die ganze Stadt ist in Aufruhr, weil die Drachenblut im Packeis festsitzt und magische Lichter unter dem Wasser daran Schuld haben. Einer der Männer, die über Bord gegangen waren bei einem weiteren Zwischenfall, sprach von 'Menschen unter dem Eis'“
, fasste der Seefahrer die Ereignisse der letzten Stunden für den Verletzten zusammen.
„Einen wie dich könnten wir gebrauchen, sofern du dich stark genug fühlst“

Baltos durchströmte das Glück als er das leise Fiepen seines Freundes hörte. Es war das erste Lebenszeichen seit Stunden, was der Wolf von sich gab. Norna würde ihm helfen! Er war in guten Händen! Als er dann auch noch das ihm so gut bekannte Gesicht von Ragan Lebensretter in der Tür auftauchen sah, war er sicher, dass alles wieder gut werden würde. Der ergraute Mann grinste und begann sofort mit seiner Behandlung. Da Baltos sich schon der Fellfetzen um seinen Körper entledigt hatte, griff der Heiler sofort in seine Tasche und nach dem er Baltos gründlich abgetastet hatte, begann er eine hellblaue Paste auf die offensichtlichen Kratzer, Schürfwunden und Risse zu schmieren. Der Jäger kannte diese Prozedur nur zu gut und biss kräftig die Zähne aufeinander. Das kurze heftige Brennen nach Erstkontakt musste er einfach aushalten. Dann folgte das ersehnte warme Prickeln.
Baltos lauschte den Worten des Kriegers Kjartan und antwortete:
„Ob ich helfe steht außer Frage..“
Der Heiler drückte kurz auf die verletzte Rippe von Baltos.
„…man nennt mich Baltos Sohn von Drago Flinklanze und Lena die Fröhliche.“
Der Jäger verzog kurz das Gesicht vor Schmerzen, als Ragan noch einmal gegen sein Brustkorb drückte, um sich zu vergewissern ob seine Vermutung sich bestätigte.
„Aber ob ich euch gleich helfen kann, liegt an den Talent von Ragan Lebensretter!“

Als Reaktion erhielt Baltos einen leichten Klaps auf den Hinterkopf, an einer Stelle die noch nicht weh tat, so wie er es schon als Kind von Ragan erhalten hatte, wenn er frech gewesen war. Er war der einzigste, der Baltos so nah stand, dass er so etwas tun konnte.
„Tu nicht so, als wenn ich dich jemals nicht wieder zusammen geflickt hätte!“
Murmelte der Heiler mürrisch, aber ein Grinsen lag um seine runzligen Lippen und ein Zwinkern in seinen faltigen Augen.
„Und jetzt leg dich auf die Seite.“
Seine Hände führten Baltos Bewegungen, bis er lag und er murmelte dabei leise Baltos Worte wiederholend:
„... liegt an meinem Talent … ts ...“
Er schüttelte leicht den Kopf und betrachtete etwas missmutig die Wunde an der Hüfte und die dunklen Flecke an der Seite des Brustkorbs.
„Wenn es nicht dein Talent wäre, dich regelmäßig zerfleischen zu lassen, würde ich vermutlich schon eingerostet sein! HAHA! Puh! Das sieht aber hässlich aus!“
Er bewegte vorsichtig die Wundränder auseinander und kramte dann in seiner Tasche nach Nadel und Faden.
„Hm... zu tief, da muss ich nähen! Halt still. Du weist doch, was weg ist ist weg und kann ich auch nicht nachwachsen lassen. Kannst von Glück reden, dass das Vieh dir nichts Wichtiges abgebissen hat, hehe.“
Die derben Späße gehörten genauso zur Heilkunst, wie die blaue Salbe. Das leichte Piksen der Nadel merkte Baltos kaum, nur als Ragan fertig mit seiner Naht war tat er etwas, das er das letzte Mal bei seinem Augen getan hatte. Er schloss die Augen und ein sanftes Glühen entstand unter der Hand die auf Baltos Hüfte lag. Wohlige Wärme breitete sich dort lokal aus, der Schmerz verschwand vollständig und als er die Hand weg nahm, sah die Naht aus, als sei sie schon 10 Tage alt.
„Pass nur auf, dass du keinen Schlag drauf kriegst.“
Dann widmete er sich erneut dem gebrochenen Rippenbogen des Jägers.
„Wenn ich es dir sage, musst du tief einatmen und die Luft anhalten bis ich ausatmen sage, verstanden?!“
Baltos nickte.
Ragan kniete nah an seinem Körper und drückte seine Oberschenkel in seinen Rücken. Dann griff er mit beiden Händen großflächig um seinen Leib und befahl:
„Einatmen!“
Baltos tat wie ihm befohlen und mit dem Heben seines Brustkorbs drückte der Heiler seine Hände auf seinen Leib und rückte die Knochen wieder in die richtige Position. Ein paar kleine Sternchen wollten Baltos dazu zwingen schmerzvoll aufzustöhnen, aber er schaffte es noch sich zu beherrschen. Konzentriert hielt er die Luft an, während der Heiler seine Magie wirken lassen konnte. Ragan war einer der wenigen Mantroner die überhaupt Magie beherrschten. Seine Mutter war eine hübsche zarte Blume aus Jorsa gewesen, so hatte er mal erzählt und ihm sein Talent vererbt. Trotzdem verließ sich der Heiler lieber auf das Sammeln von Kräutern und etwas gröbere Methoden um seine „Schäfchen“ zusammen zu flicken, denn es kostete ihn auch jedes Mal einiges seiner eigenen Kraft.
„Ausatmen.“
Baltos Lungen verlangten nach Sauerstoff! Es brauchte ein paar Sekunden, bis er wieder normal Atmen konnte und nicht mehr hechelte, dann bemerkte er den wunderbaren Unterschied. Es war ein befreiendes Gefühl wieder ohne Schmerzen atmen zu können.
Ragan wandte sich von ihm ab und stapfte auf seine schaukelnde Weise durch Nornas Hütte, die ihn nur mit den Augen verfolgte. Er suchte sich einen Wasserschlauch, stopfte sich ein paar Blätter in den Mund, kaute und spuckte dann den Brei in den Schlauch. Dann reichte er ihn Baltos.
„Trink in kleinen Schlücken und wenn dein Körper anfängt zu kribbeln hör auf! Sonst vergiftest du dich noch!“
Er sah fragend zu Norna.
„Ich komm schon klar! Schon deine Kräfte, die Tapferen werden sie brauchen.“
Der Heiler nickte und begann seine Tasche wieder zusammen zu räumen.
„Ich werde im Langhaus sein. Auf dem Weg dort hin, sag ich deinen Eltern Bescheid, dass du wieder da bist, Baltos.“
Damit betrachtete er noch einmal den Bestienkopf und grinste. Kurz bevor er ging, glitt sein Blick über die Axt an Baltos Seite, die er während der Behandlung weg gelegt hatte. Seine Augen zogen sich kurz zusammen, als würde er sie vielleicht erkennen, aber dann schüttelte er leicht den Kopf und ging. Baltos könnte ihn vielleicht später noch einmal an diesen Blick erinnern, doch jetzt trank er in kleinen Schlücken eine grausam bittere Flüssigkeit, die seine Kräfte zurück brachte. Jeder Schluck jagte kleine Schauer durch seinen Körper und ließ die Lebensgeister wieder erwachen. Als der Wasserschlauch zur Hälfte geleert war, begannen seine Fingerspitzen zu kribbeln. Ragan's Talent der Heilung war wirklich unbestreitbar groß. Auch wenn das Alter ihn schon langsam beutelte, so war er doch einer der wichtigsten Stützpfeiler ihrer Gesellschaft und leider hatte er noch keinen Nachfolger gefunden. Als Ragan die Tür öffnete und sein graues Haar vom Eiswind sich auf blähte, musste Baltos daran denken, dass er und viele Andere ohne ihn wohl nicht mehr am Leben sein würden. Was würde aus ihnen, aus Mantron werden, wenn er eines Tages nicht mehr wäre?

Kjartan hatte währenddessen Norna am Operationstisch geholfen so gut es ging. Das Herz der Tapferen schlug ganz für ihre Tiere, das konnte man ihr deutlich ansehen! Sie kämpfte um das Leben des schwarzen Wolfes! Vielleicht hatte er manchmal hinüber zu dem Jäger und dem Heiler gesehen, aber Norna verlangte ebenso viel Aufmerksamkeit in dem sie ihn immer wieder als zusätzliche Haltehände benutzte. Auch sie bereitete einen Kräuterbrei, den sie auf die vier langen Nähte an der Seite des Wolfes legte. Für einen kurzen Moment öffnete der Wolf sogar einmal kurz das eine Auge und Kjartan konnte sehen, dass es genauso grau war, wie das des Leitwolfs. Auch der ganze Körperbau des Schwarzen war ungewöhnlich. Auch wenn er lag, so wirkte er sogar noch etwas größer als Silberfang.
Nachdem der Heiler gegangen war, erhob sich auch bald darauf der junge Jägersohn Baltos. Er stand nur im Lendenschurz zwischen den Fellen und Norna musterte ihn kurz aus dem Augenwinkel. Mit der blauen Bemalung seiner Wunden sah er zum Fürchten aus, doch irgendwie konnte es einen auch an die blutigen Bemalung der Wolfsfelle hier an den Wänden erinnern. Norna schmunzelte kurz. Auch wenn der junge Jäger nicht mehr ganz ihre Altersklasse war, so schien ihr doch zu gefallen was sie sah. Das sich Baltos fast nackt im Haus einer Frau befand, die nicht seine Mutter war, schien im noch nicht aufgefallen zu sein und viel nackte Haut zeigten die Menschen hier für gewöhnlich nicht.
Baltos fühlte sich, als könnte er Eiseichen ausreißen! Das leichte Prickeln in seinen Fingerspitzen verteilte sich über seinen ganzen Körper, auch wenn er nicht weiter getrunken hatte. Es war am ehesten mit einem leichten Rauschzustand zu vergleichen, vernebelte aber nicht die Sinne, sondern schärfte sie sogar! Farben wurden intensiver wahrgenommen und jede Bewegung zog leichte Schlieren hinter sich her. In diesem Zustand würde er sogar nackt hinaus in jeden Schneesturm laufen können, wenn gleich er jämmerlich erfrieren würde, er würde es kaum merken. Schmerzen wurden gedämpft und sein Herz schlug schnell und stark. Es ließ auch ein wenig Hemmungen verschwinden und tauschte sie gegen Mut, bzw. Übermut, ohne jedoch den freien Willen zu nehmen. So schlecht wie das Kraut auch schmeckte, so interessant war seine Wirkung und vielleicht begann Baltos zu ahnen, dass es ein wenig abhängig machen könnte, bei zu häufigem Genuss. Das Gold in Nornas langen Haaren glitzerte und die blutigen Malereien auf den Fellen schienen sich manchmal zu bewegen. Er fühlte sich GUT!

Norna ergriff Kjartans Hand ein letztes Mal und löste sie vom Leib des Tieres.
„Mehr kann ich jetzt nicht tun.“
Sie ging zum Wasserbottich und wusch sich die Hände, dann wandte sie sich Baltos zu und nahm noch einmal grinsend einen Blick von oben bis unten und wieder hinauf.
„Euch scheint es ja wieder prächtig zu gehen!“
Der leicht süffisante Unterton spielte vermutlich auf seine martialische Nacktheit an. Sie schaute kurz zu Geri und dem abgeschlagenen Schädel.
„Ich werde mich um ihn kümmern und wenn ihr zurück kehrt, erwarte ich im Gegenzug eine Geschichte.“
Dies bedeutete, das Baltos aufgefordert worden war, sie wieder zu besuchen um die Geschichte von sich und Geri zu erzählen. Dann drehte sich sich wieder um und sprach zu Kjartan:
„Ich geh hinaus die Wölfe anspannen. Bin gleich wieder da ...“
und als sie schon fast durch die Tür hinaus war hörte ein geübtes Ohr vielleicht noch das leise:
„... ich brauch frische Luft nach so viel geballter Männlichkeit!“
Ein leises Kichern verschwand unter dem freudigen Gewinsel der Wölfe draußen und die Männer waren kurz allein. Geri atmete gleichmäßig und schien tief zu schlafen und nicht mehr bewusstlos zu sein. Ab und zu zuckte es sogar unter seinem vernarbten Augenlid, als würde er träumen.
Baltos kamen die Worte des Heilers noch einmal in den Sinn. Er hatte gesagt, er würde seinen Eltern Bescheid geben, was bedeutete, das diese bald hier auftauchen würden. Vielleicht, so blieb zu hoffen, hatte Ragan auch daran gedacht, ihnen zu berichten, dass Baltos keine intakte Kleidungsstücke mehr besaß. Eine Ersatzrüstung lag zu Hause, doch der Weg dort hin, war er im Verhältnis noch so kurz, war so wie er bekleidet war nicht möglich und dass nicht nur wegen der Kälte! Sahen sich die beiden Männer nun vielleicht ein bisschen genauer um so waren doch im hinteren Teil der kleinen Hütte ein paar doch sehr speziell weibliche Gegenstände und Kleidungsstücke zu finden, sowie eine Truhe und an einem kleinen Ast, der aus einer Wand ragte, hing sogar eine Kette mit einem glitzernden kleinen Stein. Eindeutig kein Schmuckstück von hier aus der Gegend, aber keiner von beiden hatte Norna jemals damit gesehen. Ihr üblichen, wenn auch erstaunlich wenige, meist in blau-grünlich gehaltenen Kleidungsstücke hingen zum Teil zum trocknen in der Nähe der Feuerstelle, darunter auch Brustwickel und kleine Lendenschürze. Auffällig war jedoch, das im ganzen Haus nicht eine Waffe zu finden war. Einzig ein Häutemesser war noch zu finden. Norna hatte anscheinend fast ihren ganzen Hausstand auf den Schlitten verladen, was bedeutete, dass sie vorhatte für längere Zeit fort zu sein. Neben dem Haus waren gedämpft Geräusche zu hören, die vom wieder Abladen des Schlittens her rühren könnten.

Plötzlich erklang Mantrons Horn noch einmal:
„AAAHHHHHWWWUUHHUUUUUUUUUUUU – AWUUUUUUUUUHHHHH!“
Das Zeichen, das die Krieger nun noch eine Stunde bis zum allgemeinen Aufbruch hatten. Malte war sicher schon wieder auf dem Weg zurück zu Norna und Baltos Mutter würden sich auch nicht nehmen lassen ihren Sohn zu sehen! Die beiden Männer hatten ein wenig Zeit gehabt sich zu unterhalten und Pläne zu schmieden, als erst das Wolfsgeheul und dann auch wieder in Nornas Begleitung Malte die Hütte betrat. Sein Gesicht war mürrisch und finster wie immer, aber hatte auch etwas von Tatendrang. Er hatte ein paar Ladungsstücke vom Schlitten bei sich die er nach Nornas Richtungsweisung brav platzierte.
„Kjartan, Thure Sturmschreier sammelt die Krieger, aber das hast du dir bestimmt auch gedacht. Bis die Stadt zum Aufbruch fertig ist, könnten wir schon weg sein! Sie brauchen einen Spähtrupp und rate! Ich hab uns freiwillig gemeldet, Ha ha! Ein weiterer Schlitten wäre auch noch fertig. Wenn es ...“
Er musterte kurz den halbnackten Jäger mit der blauen Bemalung und grinste.
„ … Es geht ihm gut! Dann wären wir also 13! Na dann könnten wir schon aufbrechen. Der andere Trupp hat Eispickel dabei und ich hab ihnen gesagt, Harpunen wären auch nicht schlecht. Wer weiß, was da unterm Eis lauert! Meinetwegen kann's los gehen! Kann's los gehen?“
Maltes Ungeduld äußerte sich nicht nur in seiner Stimme oder dem was er sagte, nein. Sein ganzes Auftreten zeugte von einer Kampfesslust, die schon an Wahnsinn grenzte und Kjartan bekam das ungute Gefühl, dass dieser Übermut vielleicht etwas mit dem Wechsel der Schiffe zu tun haben könnte, den der Schädelbrecher machen musste. Malte ließ die Knochen seiner Finger knacken und trat von einem Bein auf das andere, während seine Augen zu allen drei Personen huschten und auch Geri und den Schädel immer wieder mit einbezogen. Er hatte weniger die jüngeren Krieger um Rat gefragt, sondern mehr die Herrin des Hauses, die im Hintergrund einige Gegenstände weg räumte. Norna sah auf und machte nur eine abwesende Handbewegung, dass sie wohl mit dem Schlitten draußen soweit fertig sei.
Wenn es nicht noch wichtige Dinge zu erfragen, mitzunehmen oder vorzubereiten gab, so würde Malte bald kopflos los stürmen, das war sicher! Und Baltos fehlendes Beinkleid schien ihm dabei reichlich egal zu sein.
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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Kjartan » Sonntag 13. Januar 2013, 21:12

Kjartan bekam nicht viel mit davon, was der alte Heiler mit Baltos, Sohn von Drago Flinklanze und Lena die Fröhliche, wie er sich selbst vorgestellt hatte, machte. Gelegentlich hatte Kjartan zu ihm hinüber geblickt, zumeist war der Tapfere aber damit beschäftigt, Nornas Anweisungen zu folgen und mal hier, mal dort den Wolf festzuhalten oder auf eine Wunde zu drücken. Einmal hatte das Tier kurz sein verbliebenes Auge geöffnet und Kjartan erkannte, dass die Augenfarbe des Tieres grau war. Wie bei Silberfang, dachte der Krieger und bemerkte, dass dieser Wolf den alten Leitwolf an Größe womöglich sogar noch übertraf. Es handelte sich hierbei wahrlich um ein prächtiges Tier, auch wenn es derzeit nicht gerade in guter Verfassung war.

„Ich komm schon klar! Schon deine Kräfte, die Tapferen werden sie brauchen“, sagte Norna dem alten Heiler und Kjartan wusste bereits, dass sie absolut recht behalten würde. Egal, welche Schritte Thure und die anderen nun vorbereiten würden, letzten Endes würde es auf Tod und Verderb hinauslaufen. Diese magischen Lichter, die das Meer gefrieren ließen und die mantronischen Schiffe festhielten, die Menschen unter dem Eis, und dieses riesige Etwas, das die Drachenschwinge beinahe zum Kentern gebracht hätte. Hier handelte es sich nicht um Piraten oder Sklavenjäger. Hier war Magie am Werk. Und dies bedeutete zuweilen nichts Gutes. Die Mantroner wussten nicht, wer hier ihr Feind war, was auf sie wartete, was sie zu befürchten hatten. Alles was bekannt war, basierte auf den Erzählungen der Seeleute. Am Ende würden die Mantroner auf die eine oder andere Art und Weise auf jeden Fall gegen diese Magie in den Kampf ziehen – und viele von ihnen würden sterben.
Auf den Heiler, der Baltos Bescheid gab, schnell bei ihm zuhause den Eltern des Eisjägers Nachricht zu überbringen, würde wahrlich viel Arbeit warten.
Nachdem der Heiler gegangen war, dauerte es nicht lange, ehe sich Baltos erhob und stand nackt – abgesehen vom Lendenschurz – in Nornas Hütte. Womöglich wäre einem anderen der Blick, den die Frau auf Baltos warf, aufgefallen, Kjartan bemerkte allerdings nichts davon. Was ihm sehr wohl auffiel, war dass der Jägersohn geradezu bedrohlich aussah, mit der blauen Paste auf seinem Körper. Würde er so vor einem Feind stehen, würde diesem gewiss das Herz in die Hose rutschen. Kjartan überlegte, wie es wohl aussehen mochte, wenn die Besatzung eines ganzen Schiffes mit Farbe im Gesicht und laut brüllend auf seine Feinde zu preschte.
Norna wusch sich nach getaner Arbeit die Hände in einem Wasserbottich und forderte Baltos auf, ihr nach ihrer Rückkehr von Baltos Geschichte zu erzählen. Kjartan hoffte, nicht so lange auf diese Geschichte warten zu müssen. Eine Eisbestie hatte der Tapfere nie zuvor gesehen, er kannt um genau zu sein nicht einmal jemanden, der je eine gesehen hätte und davon erzählen konnte. Wie auch immer der Jäger es angestellt haben mochte, Kjartan brannte darauf, die Geschichte zu hören.

An Kjartan gewandt erkärte die Frau, kurz nach außen zu gehen und die Tiere an den Schlitten zu spannen. Es war Kjartan als hätte Norna noch etwas gesagt, als sie durch die Tür trat, was das war, konnte er allerdings beim besten Willen nicht sagen. Womöglich hatte er sich aber auch getäuscht. Als der Tapfere mit Baltos allein in der Hütte war, sah er sich etwas darin um, konnte aber nicht viel Interessantes ausmachen. Lediglich ein kleiner Ast, der aus der Wand ragte, fiel ihm ins Auge. Eine Kette mit einem kleinen glitzernden Stein hing daran, Kjartan konnte aber nicht feststellen, woher der Stein stammen mochte. Vermutlich nicht aus der Nähe Mantrons, nie zuvor hatte er einen Stein wie diesen gesehen. Keine Mantronerin die er kannte, besaß ein solches Schmuckstück. Vielleicht würde er Norna danach fragen, beschloss der Krieger. Von außerhalb des Hauses drang einiges an Lärm herein, vermutlich lud die Frau wieder Teile des Gepäcks ab, das sie hier in Mantron brauchte. Er würde Norna noch fragen, was genau der Schlitten geladen hatte. Schließlich musste er wissen, was noch organisiert werden müsste. Harpunen wären beispielsweise auch ganz hilfreich, fiel ihm ein.

Wieder erklang Mantrons Horn. Noch eine Stunde bis zum Aufbruch bedeutete das. Bald wäre es soweit, bestimmt wäre Malte Schädelbrecher gleich zurück.
„Malte wird wohl gleich wieder hier sein. Deine Eltern dürften auch noch kommen“, sprach Kjartan den Eisjäger an. „Wir müssen noch herausfinden, was der Schlitten geladen hat und was wir noch benötigen. Auf jeden Fall brauchen wir Proviant. Felle und Decken werden nicht schaden, ich glaube aber dass wir die bereits am Schlitten haben. Öle und Fette gegen die Kälte werden auch nicht schaden. Es heißt, diese magischen Lichter strahlen unglaubliche Kälte aus. Außerdem Fackeln und Feuer. Und Harpunen und Speere und Eispickel“, erklärte er dem Jäger, auch wenn er in Wahrheit mehr zu sich selbst sprach um nichts zu vergessen. „Und natürlich Männer, sofern Malte keine mitbringt.“

Mit mürrischem Gesicht trat Malte Schädelbrecher ein, Norna in seiner Begleitung. Kjartan musste lächeln, als Malte ihm erklärte, was geschehen war. Er mochte den harten Recken wirklich. Mit dem Schädelbrecher an seiner Seite, diesem Eisjäger, und noch 10 anderen mantronischen Kriegern, könnten sie wohl tatsächlich etwas ausrichten. Und sie waren nur die Vorhut, die anderen Tapferen würden kurz darauf folgen. Von 13 Menschen mochte man vielleicht keine großen Wundertaten erwarten, hier handelte es sich aber nicht um einfache Menschen, hier handelte es sich um Mantroner. 13 von ihrem Schlag konnten erreichen, was 50 Jorsaner versagt blieb.

Maltes Ungeduld konnte er nicht verbergen. Jede Sekunde die verging, schien für den Schädelbrecher eine Qual sein. Womöglich hatte dies auch mit Maltes Wechsel auf die Drachenschwinge zu tun? Kjartan konnte sich nicht erinnern, was genau sein Vater ihm damals über den Schädelbrecher erzählt hatte, aber jetzt wo er ihn so sah, konnte es sich der junge Krieger durchaus vorstellen. Maltes Blick wanderte unstet zwischen Norna, Baltos, dem Wolf, der Schädel der Eisbestie und Kjartan. Bald würde er alleine aufbrechen, überlegte sich Kjartan. Die Sache musste beschleunigt werden.
„Was ist nun auf Eurem Schlitten geladen, Norna Wolfsruf?“, wandte er sich an die Frau und drehte sich gleich darauf an Malte. „Baltos, Sohn des Drago Flinklanze, benötigt noch Kleidung. Könnt Ihr Euch vielleicht um den Proviant kümmern, Malte?“ Er musste den Schädelbrecher zumindest noch so lange vertrösten, bis Baltos aufbruchbereit war. Kjartan zählte dem Seemann noch die übrigen Dinge auf, die er zuvor schon Baltos gesagt hatte. „Ich weiß nicht, was davon bereits am Schlitten geladen ist, aber ich denke wir werden all dies brauchen. Und dann können wir sofort losschlagen.“

Kjartan war bereit, er hatte sein Hab und Gut ohnehin dabei, da er diesen Morgen mit der Drachenodem hätte aufbrechen sollen. Vor allem aber wollte auch er so schnell wie möglich los, immerhin war es das Schiff seines Bruders, das im Packeis festsaß. Sie mussten so schnell wie möglich los.

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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Baltos » Montag 14. Januar 2013, 12:54

Der Mantroner fühlte sich wieder zurück in die Zeit versetzt als er noch ein Kind war. Ständige hatte er irgendwas, Schürfwunden und Kratzer standen an der Tagesordnung. Ab und an gab es auch einen Bruch, Ragan war schon so etwas wie ein Familienmitglied geworden.
Den Klaps auf den Hinterkopf nahm er ihn deswegen nicht übel, gehörte dieser doch zu ihrer Tradition. Wie viele solcher "Schläge" er schon in dieser Art bekommen hatte, mochte Baltos nicht mehr zu zählen.

Jeder Anweisung des Arztes ging der junge Mann sofort nach, für Außenstehende wurde sofort klar, dass die Beiden ein eingespieltes Team waren.
Der Witz der auf seine Kosten ging, nahm der Einäugige einfach hin und lächelte, er hatte es aufgegeben zu Kontern. Schließlich saß der Heiler auch am längeren Hebel und das hatte er auch schon oft genug zu spüren bekommen.

Das nähen der Wunde hätte eine gemeine Sache werden können, wäre da nicht die blaue Wundersalbe von Ragan. Der Erstkontakt war unangenehm, aber schon nach kurzer Zeit wurde die betroffene Stelle taub und prickelte nur noch leicht. Durch diese Betäubung hätte der Heiler ein Muster in seine Haut nähen können, ohne das Baltos auch nur entfernt etwas gespürt hätte. Der Einäugige behielt den Einfall mit dem Muster lieber für sich. Wer wusste auf was für Ideen er sonst Ragan brachte?!
Die Magie die ihn danach durchströmte, half der Heilung beträchtlich, aber der Jäger wusste dass diese Narbe schon bald ordentlich jucken würde. Denn schließlich war die Prozedur ähnlich wie bei seinen Auge und das hatte auch wie wahnsinnig gejuckt und schuld daran waren die Nähte die gezogen werden musste.

Danach kümmerte sich der Arzt um seine Rippen, was er genau getan hatte wusste Baltos nicht mehr. Der Schmerz dabei war einfach zu intensiv. Das Einzige worauf er sich konzentrierte war Luft anhalten. Dies tat er solange bis der Lebensretter sagte er dürfe wieder ausatmen.
Es dauerte einige Zeit bis sich seine Atmung normalisierte. Das erstaunliche daran war, die Schmerzen waren Weg! Zur Probe holte Baltos noch ein paar Mal Luft, ob dies kein Zufall war, aber da war nichts mehr. Der alte Heiler hatte wieder einmal gezeigt wie wertvoll er und seine Fähigkeiten waren.

Die Trinkflasche mit diesen Kräutern war neu. Bis jetzt hatte Ragan Lebensretter den jungen Mantroner noch nie solch ein Medikament gegeben, aber er würde auch nicht nachfragen warum. Er vertraute dem Mann blind. Dieser wollte seine Eltern bescheid geben und sich dann ins Langhaus begeben. Als Ragan dies sagte viel den Jägersohn sein Wettkampfgegner ein!
„Ragan! Wenn du Ornos den Wilden treffen solltest, sag ihn er hat verloren! Er wird schon wissen was ich meine.“ Die zwei Grinsten sich kurz an und der Heiler verließ die Hütte. Dabei viel den geübten Auge des Jägers auf wie Ragan seine neue Waffe betrachtet hatte.
Kannte er sie vielleicht? Baltos zuckte mit den Schultern, diese Frage würde er später klären. Jetzt galt es eine erneute Bedrohung Mantrons zu beseitigen.
Der Magen des Einäugigen verkrampfte sich schon als er seine Lippen an den Trinkschlauch ansetzte. Wie er die Medizin des Heilers hasste. Nie hatte er etwas Ekligeres gegessen oder getrunken als das Zeug was ihn Ragan verschrieb. Wahrscheinlich waren die Heilmittel nur bei ihm so bitter, damit es Baltos eine Lehre sein sollte, besser auf sich aufzupassen. An diese Verschwörungstheorie glaubte er schon seit dem er denken konnte.

Mit geschlossenen Augen nahm er einen kleinen Schluck, Baltos musste sich zusammen reißen nicht gleich los zu brechen. Der Geschmack war so schwer zu beschreiben, der da gerade seinen Gaumen peinigte. Wenn man einen Esslöffel Salz herunter schluckte und danach gleich ein Glas puren Zitronensaft trank, konnte man sich vorstellen was er da gerade entfernt durchmachte. Es graute ihn schon davor weiter zu trinken, aber was wäre er denn für ein Mantroner wenn etwas Medizin ihn in die Knie zwang. Hastig trank er weiter, in der Hoffnung dass der Geschmack dann nicht ganz so übel sein würde.

Das Kribbeln lies auf sich warten und erschien erst, als er schon die halbe Flasche gelehrt hatte. Erleichtert dass er es geschafft hatte, erhob sich der junge Mann. Auch das schnelle Trinken hatte nicht geholfen, die Medizin schmeckte trotzdem widerlich. Die Wirkung der Substanz wirkte jetzt erst so richtig und das Kribbeln verteilte sich im ganzen Körper.
Er lies seinen Blick durch die Hütte schweifen und betrachtet Norna und Kajartan. Jedes Mal wenn diese sich bewegten zogen sie einen weißen Schweif hinter sich her. Der Jäger überprüfte dies bei sich selbst und lies seinen Arm vorschnellen. Auch hier passierte dieses Phänomen.

Was auch immer Ragan ihn da gegeben hatte, er fühlte sich großartig. Auch hatte Norna auf ihn eine Wirkung wie er es bei ihr noch nie bemerkt hatte. Es schien fast so als würden ihre Haare ab und an von innen heraus glitzern. So wie die Höhle in der er gekämpft hatte.
Der Jäger hatte so einen Verdacht dass man schnell abhängig von den Kräutern werden konnte. Denn es war schwer zu beschreiben, aber Baltos fühlte sich so als könnte er gegen Faldor persönlich in die Schlacht ziehen.

Fernab von der Gefühlswelt des Jägers, war die Behandlung von Geri vorerst beendet. Erleichtert Atmete Baltos aus und blickte Norna und Kjartan dankvoll an. Die Hüterin der Wölfe lies ihn auf ihre art wissen das er sie noch einmal aufsuchen sollte, wenn wieder ruhe in Mantron herrschte. Der Mantroner nickte darauf hin und blickte sie fest an.
„Das werde ich! Dafür das ihr meinen Freund geholfen habt stehe ich für immer in eurer Schuld!“
Die Frau war schon zur Tür heraus gegangen, als Baltos den letzten leisen Kommentar der wohl nicht für seine Ohren bestimmt war, vernahm. Sein Gehör war als Jäger stärker trainierte und auch sensibler. Aber was er dort hörte verstand er wieder einmal nicht. Er verband mit Männlichkeit eher Geruch und roch deshalb vorsichtshalber an seiner Axel.
Für Kjartan musste dieses gebaren mehr als Merkwürdig aussehen, aber der Einäugige klärte ihn nicht auf und ging zu Geri. Seine Hand streifte wie von selbst über das schwarze Fell. Die Atmung war jetzt wieder stabil und die Zunge hing nicht mehr heraus.
Baltos wendete sich an seinem Gegenüber. „Ich danke auch dir Kjartan, ohne deine zutun hätte Norna vielleicht Geri nicht retten können.“
Sein Blick lag immer noch auf dem Wolf, als er leise mehr zu sich selbst sagte.
„Wenigsten ein Leben konnte ich retten!“
Er streichelte noch einige Minuten das Fell seines neuen Freundes, bevor sein Blick die Hütte genauer unter die Lupe nahm.
Es war eindeutig das Norna wohl für längere Zeit dem Dorf dem Rücken kehren würde. Der Raum wirkte auf das geübte Auge des Jägers so, als würde die Hüterin ausziehen. Als er ihre Kleidung betrachtete die Teilweise Lieblos auf dem Boden lag. Fiel ihn ein dass auch er etwas zum Anziehen brauchte. Die Kleidung von Norna würde ihn nicht passen, geschweige denn das er sie anziehen würde. Das er eigentlich so gut wie Nackt in der Hütte einer durchaus attraktiven Frau stand, war ihn nicht bewusst. Es lag vielleicht am Medikament das er dies nicht bemerkte, aber wer Baltos besser kannte wusste das es daran nicht nur alleine lang. Er hatte was das Thema Frauen betraf öfters eine lange Leitung. Er differenzierte Männer und Frauen nicht, für ihn waren sie alle gleich und so wurden sie auch behandelt. Diese Einstellung aber brachte meist Probleme, denn mit Frauen konnte man nicht so umgehen wie mit einen Mann und dieses Dilemma war Baltos’ Fluch. Welche Frau kam schon damit klar wie ein mantronischer Mann behandelt zu werden? Viele gab es davon sicherlich nicht!

Als das Horn ein weiteres Mal ertönte wurden die beiden Männer aus ihren Gedanken gerissen. Kjartan erklärte Baltos auch sofort was sie alles brauchten. Dabei wirkte es so als würde der Krieger zur See, mehr mit sich selbst reden als mit dem Eisjäger. Dieser lächelte nur kurz über dieses Verhalten und meinte darauf. „Ich bräuchte noch meine Rüstung.“ Als Norna und dieser sogenannte Malte die Hütte betraten. Dieser schilderte auch gleich, dass sie die Vorhut sein würde und dass noch 10 andere Männer sie begleiteten.
Innerlich hoffte Baltos das noch mehr Jäger bei dieser Truppe vertreten waren. Den schließlich sollten sie erst einmal die Lage Auskundschaften und nicht gleich ihre Äxte und Hämmer schwingen. Den Malte sah nicht danach aus als wäre er der besonnene Typ. Wahrscheinlich war das auch einer der Gründer warum er kein Eisjäger war.
Der Einäugige überlies Kjartan das reden, und ging zum Kopf der Eisbestie zurück. Für die kommende Aufgabe würde er seine beiden Äxte benötigen. Die große schwere Streitaxt um das Eis zu zerschlagen und das Handbeil namens Fluchbrecher für den unbekannten Gegner. Er hatte da so ein Gefühl, das diese Mystische Axt noch eine wichtige Rolle spielen würde.

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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 15. Januar 2013, 19:14

Baltos blickte Norna fest an und antwortete auf ihre Einladung:
„Das werde ich! Dafür das ihr meinen Freund geholfen habt stehe ich für immer in eurer Schuld!“
Baltos wendete sich an seinem Gegenüber. „
„Ich danke auch dir Kjartan, ohne deine Zutun hätte Norna vielleicht Geri nicht retten können.“
Sein Blick lag immer noch auf dem Wolf, als er leise mehr zu sich selbst sagte.
„Wenigsten ein Leben konnte ich retten!“
Norna hatte sehr wohl gehört war der Jäger da gemurmelt hatte und musterte ihn kurz nachdenklich, ging aber vorerst nicht weiter darauf ein. Vielleicht hatte es mit jener Geschichte zu tun, die er ihr versprochen hatte noch zu erzählen. Sie verließ die Hütte und draußen waren kurz darauf die laute Geräuschskulisse zu vernehmen.
Kjartan wandte sich an Baltos:
„Malte wird wohl gleich wieder hier sein. Deine Eltern dürften auch noch kommen. Wir müssen noch herausfinden, was der Schlitten geladen hat und was wir noch benötigen. Auf jeden Fall brauchen wir Proviant. Felle und Decken werden nicht schaden, ich glaube aber dass wir die bereits am Schlitten haben. Öle und Fette gegen die Kälte werden auch nicht schaden. Es heißt, diese magischen Lichter strahlen unglaubliche Kälte aus. Außerdem Fackeln und Feuer. Und Harpunen und Speere und Eispickel“
, erklärte er dem Jäger, auch wenn er in Wahrheit mehr zu sich selbst sprach um nichts zu vergessen.
„Und natürlich Männer, sofern Malte keine mitbringt.“

Baltos lächelte nur kurz über die etwas geistesabwesend wirkende Aufzählung und meinte darauf:
„Ich bräuchte noch meine Rüstung.“
Bald darauf kehrte Norna in Begleitung von Malte zurück und Kjartan konnte sich mit ihr besprechen.
„Was ist nun auf Eurem Schlitten geladen, Norna Wolfsruf?“
, wandte er sich an die Frau und drehte sich gleich darauf an Malte.
„Baltos, Sohn des Drago Flinklanze, benötigt noch Kleidung. Könnt Ihr Euch vielleicht um den Proviant kümmern, Malte?“
Er musste den Schädelbrecher zumindest noch so lange vertrösten, bis Baltos aufbruchsbereit war. Kjartan zählte dem Seemann noch die übrigen Dinge auf, die er zuvor schon Baltos gesagt hatte.
„Ich weiß nicht, was davon bereits am Schlitten geladen ist, aber ich denke wir werden all dies brauchen. Und dann können wir sofort losschlagen.“
Norna hatte im hinteren Teil der Hütte ein paar Sachen wieder zurück an ihren Platz geräumt, was im Einzelnen so ausgesehen hatte, dass sie den Inhalt der Ledersäcke einfach in irgend eine Ecke gekippt hatte. Die ordentlichste Frau in Mantron war sie sicher nicht, wohl aber die pragmatischste. Als Malte auf den Proviant angesprochen wurde, trat sie neben ihn und legte ihm eine Hand auf die breite Schulter, als wollte sie ihn am los sprinten hindern, sah aber Kjartan dabei an. Allein diese kleine Berührung ließ den stattlichen Haudegen leicht erröten. Das sein Mann wie Malte auf eine Frau wie Norna so reagierte, war zwar ungewöhnlich anzusehen, aber auch verständlich. Er überragte die blonde Frau um gut anderthalb Köpfe und sie hätte sich drei mal hinter ihm verstecken können. Doch im Moment war der massige Mann mit einer Hand gezähmt worden, wie einer ihrer Wölfe! Norna bekam vom Rot seiner Ohren zum Glück nichts mit. Sie sprach:
„Proviant habt ihr für drei Tage aufgeladen, wenn ihr zu siebt fahrt. Wenn euch eure Waffen zum Eis hacken nicht zu schade sind, dürfte der eine Eispickel auch für die schwierigen Stellen reichen. Felle und Öl, einige Meter Seil und Widerhaken, Zunderzeug und Feuerstein und eine kleine Tasche mit Verbandsmaterial ist auch da. Die Flasche „Bärenfang“ hab ich euch da gelassen. Würde mich freuen, wenn ihr sie mir wieder bringt. Ansonsten ist sie auch gut, wenn einer den Schmerz betäuben will.“
Norna ließ einen blick über jeden gleiten.
„Sorgt einfach dafür, dass er zu mir zurück findet!“
Was soviel bedeutete wie: Passt auf euch auf! Draußen ertönte ein kurzes Heulen und Norna löste ihre Hand von Maltes Schulter, der daraufhin wieder hörbar ausatmete und kurz grinste, dann sich aber schnell wieder fand und zur Tür der Herrin der Wölfe hinterher schaute. Und wie er schaute! Dann trat jedoch eine zweite Frau neben Norna ins Haus und er riss sich zusammen. Baltos Mutter kam herein und sobald sie ihren „Jungen“ sah fiel sie im in die Arme.
„Wo warst du? Was ist passiert? Hast du eine Ahnung was für Sorgen wir uns gemacht haben? Wo ist deine Rüstung? Ragan hat mir berichtet, dass du halb nackt in Nornas Hütte wartest! Was …“
Ihr Blick hatte den Schädel am Boden erfasst und ihr Arm wies auf die Trophäe. Ihr Mund ging auf und wieder zu, auf und wieder zu. Baltos Mutter war sprachlos! Ein Zustand den es auszunutzen galt! Über ihrer Schulter hing eine ausgebeulte Tasche, in der Baltos Zweitrüstung zu vermuten war. Der Jäger konnte sie seiner Mutter einfach abnehmen, da diese wie gebannt auf den Schädel sah, immernoch wie ein Karpfen nach Luft schnappte und sich in aller Ruhe anziehen. Norna grinste. Malte grinste und vielleicht auch Kjartan, der dieses leicht über fürsorgliche Verhalten von seiner eigenen Mutter zu gut kannte.
Draußen war wieder einiges an Geheul zu hören, doch dieses Mal mehrstimmig, was bedeutete der zweite große Schlitten war angekommen. Es wurde Zeit sich zu verabschieden und die mehr oder weniger bekannten Gesichter der Mitstreiter in Augenschein zu nehmen. Ein Blick aus dem kleinen Fenster der Hütte, hinüber zur Palisade, zeigte deutlich, dass das ganze Rudel lautstark ihr Revier verteidigte und mit den Wölfen davor wetteiferte, wer lauter knurren konnte. Da sie alle mehr oder weniger zur gleichen Familie gehörten, war es kein bösartiges Knurren, sondern mehr ein Wettstreit, wie ihn alle Mantronerherzen liebten.
Norna ging voraus, um ihr Rudel zu beruhigen, dann folgte der Rest. Während die Herrin der Wölfe mit kurzen Fieplauten ihre Tiere dirigierte, den Schlitten nach vorne brachte, trafen Malte Schädelbrecher, Kjartan, Baltos und seine Mutter Lena auf die anderen 10 Krieger.
Da waren:
1. Leif Fintenfuchs, ein eher schmaler Krieger, der im Ruf stand nicht ganz fair zu kämpfen,
2. Herro, Sohn von Eilan Traumweber, ein guter Geschichtenerzähler, wie seine Mutter,
3. Finn Eisläufer, kannte Baltos aus dem Freundeskreis von Ornos dem Wilden, ein sehr schneller und ausdauernder Läufer,
4. Erik Eulenruf, in seiner Nähe war auch immer seine Schneeeule „Muhka“ zu finden, die auch des öfteren schnelle Nachrichten überbrachte,
5. Knud Bärenherz, trug ausschließlich Wolfsfelle,
6. Jesper, Sohn von Ragna Eichenkamm, ein besonders hübscher junger Mann und sehr begehrt,
7. Olof Eisenherz, ein Jäger den Kjartan von seiner ersten Jagd noch kannte.
Sie besetzten den zweiten Schlitten. Den Ersten würde Malte anführen, da er wusste wo die Drachenblut lag. Auf diesem würden fahren: Baltos und Kjartan zusammen mit
11. Ulf, Sohn des Olof Eisenherz, ein sehr verschlossener Bursche
und die beiden Kriegerinnen
12. Imke Sternenblick, die über ein blaues und ein grünes Auge verfügte welche jeweils einen weißen Stern um die Pupille zeichneten, was ihr ein etwas gruseliges Aussehen verlieh
und
13. Svenja Launenwind, vor der sich sogar einige Männer fürchteten, nicht nur wegen ihrer Launen!
11 Männer und zwei Frauen, denen man ihre Weiblichkeit unter der dicken zweckmäßigen Kleidung kaum ansah, waren bereit aufzubrechen. Nachdem sie sich alle einander vorgestellt hatten wurden die Schlitten noch einmal genau begutachtet. Sie und die Wölfe waren nun für das Überleben und das schnelle Vorankommen zuständig und sollte einer ausfallen wäre das eine Katastrophe. Norna strich jedem der Tiere noch einmal über den Kopf und murmelte leise vor sich hin, während alle ein paar Minuten durcheinander sprachen, so das man sein eigenes Wort kaum verstand. Derbe Scherze, Vermutungen auf was sie stoßen könnten, Sorgen, Witze über den ein oder anderen gewachsenen Bauch, und natürlich das neuste Gerücht über die Eisbestie wurden eilig ausgetauscht, während aber jeder noch einmal den Sitz seiner Waffen kontrollierte und auch auf jeweils seinen Nachbarn einen prüfenden Blick warf. Lena wirkte bei dem Treiben nicht sehr glücklich. Hatte sie doch gerade erst ihren Sohn zurück bekommen, war dieser drauf und dran sich gleich wieder in das nächste Abenteuer zu stürzen. Ihre Lippen waren fest aufeinander gepresst und ihre Hände tief in ihren Taschen verborgen. Es lag eine seltsame Stimmung in der Luft. Niemand wusste, ob die Männer der Drachenblut noch lebten, oder ob sie Heim kehren würden. Finn stellte sein Schwert auf die Spitze und hob stolzen Blickes den Kopf zum Gebet:
„Dort treffe ich dann meinen Vater!“
Zwei weitere Stimmen stimmten mit ein:
„Dort treffe ich meine Mutter, meine Schwestern und meine Brüder!
Dort treffe ich dann all jene Menschen meiner Ahnenreihe von Beginn an!
Sie rufen bereits nach mir!
Sie bitten mich meinen Platz zwischen ihnen einzunehmen!
Dort wo die tapferen Männer für alle Ewigkeit
LEBEN!“

Die Zeit des Abschieds war gekommen und alle machten sich langsam daran ihre Plätze auf den Schlitten einzunehmen.
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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Baltos » Dienstag 22. Januar 2013, 09:14

Die lüsternen Blicke von Malte, blieben Baltos nicht verborgen, aber es kümmerte ihn auch wenig. Er hatte kein Interesse an Norna und wenn er welches hätte, würde es nur schlecht enden. Die Reaktion, die er vor einigen Minuten ihr gegenüber verspürt hatte, ruhte wahrscheinlich von Medikament her. Da war er sich ziemlich sicher.
Das vorherige Gespräch über die Ausrüstung und Verpflegung hatte der Mantroner nur beiläufig verfolgt. Er überlegte gerade ob seine neue Rüstung eigentlich schon fertig war. Sie hatten diese vor zwei Wochen in Auftrag gegeben, doch wusste Baltos nicht ob Torsten Eisenglut dieses schon fertig gestellt hatte.
Aber als er seine Mutter mit einem großen Jutesack den sie über die Schulter geworfen hatte die Hütte betrat, wusste der Jägersohn, dass seine neue Rüstung fertig war. Seine Mutter viel ihn gleich um den Hals und der Einäugige nutzte den Moment um ihr den Sack abzunehmen. Er hatte fest mit einer Standpauke gerechnet, denn so war seine Mutter nun einmal. Doch als sie seine neue Trophäe erblickte, verstummte sie. Dies galt es auszunutzen, der junge Mann schnappte sich den Beutel und öffnete ihn.

Bevor alle die Hütte verließen um die Neuzugänge zu begrüßen, die sich mit einen lautstarken Wettknurren ankündigten, war Baltos angezogen. Seine neue Rüstung sah deutlich anders aus, als seine damalige.
Sie bestand aus Eisbärenleder und war somit komplett schwarz Sein Becken sowie die Oberschenkel wurden durch ein Geflecht aus Eisenringe geschützt, ähnlich wie bei einem Kettenhemd, darunter trug er eine schwarze Hose, die natürlich auch aus der Haut eines Eisbären bestand. Der Oberkörper von Baltos wurde durch einen Lederwams geschützt, auf diesen waren ähnlich wie bei seiner alten Rüstung, Metallplatten eingesetzt. Auf Höhe seine Lunge befanden sich zwei Lederriemen, die ein Kreuz formten und sich auf dem Rücken wieder trafen. Damit war es dem Jäger wieder möglich seine Streitaxt auf den Rücken zu befestigen.
Bei den Schlüsselbeinen befand sich die Halterung für seinen Mantel und um die Hüfte trug er einen breiten Ledergürtel, der fast bis zum Bauchnabel ging. Die Gürtelschnalle war eine runde Metallplatte, in die geschwungene Ornamente eingraviert waren. Dieser neue Gürtel hatte wie es der Zufall so will, auch eine Halterung für sein neues Handbeil Fluchbrecher.
Baltos befestigte noch schnell seinen Mantel und verstaute seine Waffen, die neue sowie die alte Axt und klemmte sich den Schädel der Bestie unter dem Arm. Dann verließ er mit seiner Mutter, kurz nach den Anderen, die Hütte.

Genau im rechten Moment verließen Sohn und Mutter die Behausung von Norna, die anderen Krieger waren angekommenen und die Hüterin der Wölfe hatte ihren Schlitten bereit gestellt. Es waren alles mehr oder weniger bekannte Gesichter. Man kannte sich in Mantron, einige mehr andere weniger. Baltos ging eilig zu Finn Eisläufer und begrüßte ihn mit seiner freien Hand.
Der Läufer ergriff den dargebotenen Unterarm mit einen breiten lächeln und als er den Kopf der Eisbestie sah, sprach er immer noch mit einen lächeln auf den Lippen. „Du hast eindeutig die Wette gewonnen!“
Der Jäger begann herzlich zu lachen. „Das hoffe ich doch!“ Erwiderte er darauf kurz und widmete sich den anderen Krieger und Kriegerinnen. Er stellte sich denjenigen vor die ihn nicht kannten und grüßte die Anderen mit einen nicken oder dem Kriegergruß. Danach ging er wieder zu seiner Mutter und überreichte ihr seinen wertvollsten Besitz und bevor sie ihn noch trauriger anblickte, gab er ihr eine Bärenumarmung und drückte sie dabei ganz fest an sich und hob sie dabei ein stück in die Luft. Früher als er noch ein Kind war, hatte sie das immer getan, doch jetzt konnte er sich dafür revanchieren und seine Mutter so immer zum Lachen bringen. Auch wenn das bei jemanden namens Lena die Fröhliche nicht als zu schwer war.

Danach ging er ohne ein weiteres Wort zu den Anderen und lauschte dem Gebet von Finn. Dieser hatte schon immer einen Hang zu Theatralik, aber so ganz unrecht hatte er nicht. Sie wussten nicht was sie erwartete, nur Malte hatte ein ungefähres Bild von der Situation. Mit diesen Gedanken nahm Baltos im Schlitten platz, Kjartan befand sich direkt hinter im.
Der Schädelbrecher lies die Peitsche kurz in der Luft knallen und die 16 Wölfe begannen das Gefährt zu ziehen. Mit einen Kräftigen Ruck setzte sich der Wagen in Bewegung und glitt über die weiße Flut, dich gefolgt vom anderen Eisschlitten.

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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 24. Januar 2013, 11:18

(Kjartan setzt einmal aus und läuft als NPC mit.)

Ventha sei Dank, dass die Rüstung schon fertig war und fast perfekt passte. Ein klein bisschen Spielraum hatte man wohl wissentlich um Baltos Alter noch gelassen und die Kreuzgurte über seine Brust hatten noch zwei Löcher zum Verstellen. In der überwiegend hellen Umgebung fiel das schwarze Leder schon auf und wurde nur durch den Kontrast der helleren Metallteile gedämpft. Für einen Jäger war diese Rüstung nicht ganz perfekt, denn einzig der weiße Mantel bot in der Umgebung so etwas wie Tarnung, aber Baltos hatte schon immer bei seiner Mutter um eine „Bärenrüstung“ gebettelt, seit dem er ein kleiner Junge gewesen war und nun hatte sie endlich seinem Wunsch nachgegeben. Kaum hatte er sie angelegt und kontrollierte den Sitz der Waffen noch einmal, da sah er kurz den stolzen Blick in den sich ein Hauch Schmunzeln mischte. Sie hatte den typischen Ausdruck einer Mutter zwischen Freude und Sorge, dass ihr Junge langsam erwachsen wurde und wohl nicht schlecht aussah in seiner neuen Gewandung. Die zusätzlichen Ösen zum Befestigen von Waffen waren dem Erwachsenwerden angemessen, schließlich war Baltos mit seinen 18 Jahren auch kein Kind mehr. Allein die Beute, die er von seiner letzten Jagd nach Hause gebracht hatte, zeigte dies deutlich. „Fluchbrecher“ fand an seinen Platz, als hätte die Axt schon immer an Baltos Seite gehört. Das marode Leder am Griff war zwar noch nicht ausgetauscht worden, aber sonst war die Klinge einsatzbereit und so scharf, als wäre sie gerade erst geschliffen worden.
Gemeinsam gingen sie mit Norna und Kjartan hinaus zu den angekommenen Kriegern um sie zu begrüßen. Baltos spürte schnell den besorgen Blick und bevor seine Mutter auch nur ein Wort gegen sein Vorhaben sagen konnte, packte er sie im „Bärengriff“, hob sie von den Füßen und drückte sie kräftig. Das empörte Schnaufen dauerte nicht lange und ging schnell in ein rhythmisches Lachen über. Während sich die anderen noch von Norna verabschiedeten, drückte der Jägersohn seine Mutter herzlich an sich. Lena moserte und zappelte verspielt bist ihr großer Junge sie wieder runter ließ. Dabei drückte sie ihm grinsend vor allen Anwesenden einen Schmatz auf die Wange. Sie wurde wieder ernst und leise sprach sie zu ihm:
„Baltos, bitte pass auf dich auf! Das Wetter ändert sich und meist bringt das nichts Gutes mit sich, wenn man auf dem Eis ist.“
Lena hatte recht. Er konnte es selbst fühlen. Ein ungewöhnlich warmer Wind für diese Jahreszeit versprach Eisregen mit sich zu bringen. Wenn das Wetter sich änderte, wurde das Eis brüchig und er hatte vor drei Jahren und einem Tag am eigenen Leibe erfahren müssen, wie tückisch es sein konnte. Der Blick seiner Mutter wanderte zu den dicken grauen Wolken am Himmel. Sie sagte nichts mehr, aber beide wussten, dass der Tod seines Freundes Haro noch nah wie eh und je in ihren Herzen lag. Finn Eisläufer trat zu ihnen und die Stimmung erhellte sich mit seinem vertrauten Anblick.
„Du hast eindeutig die Wette gewonnen!“
Der Jäger begann herzlich zu lachen.
„Das hoffe ich doch!“
Dann begann man sich vorzustellen und bald kannte sich die Runde mindestens beim Namen und so würde keiner vergessen werden. Finn, der schon immer einen Hang zur Theatralik hatte, stimmte ein Gebet an und einige machten mit. Für einen Fremden mochten die Zeilen düster klingen, als hätten die Kriege allesamt Todessehnsucht, doch das ganze Gegenteil war der Fall. Worte wie diese weckten in einem Mantronerherz die Lust aufs Kämpfen, spendeten Trost und Kraft und zeigten, was für ein tapferes Volk sie waren. Baltos musterte Malte während der stimmungsvollen Worte, der schließlich der einzigste Augenzeuge war. Kjartan stand neben Baltos und tat es ihm gleich und beide erkannten die Inbrunst, die in seinem Blick lag, als er mit einstimmte. War es Furcht, die da in den Augen des stattlichen Mannes lag? Einen Mann wie „Schädelbrecher“ konnte nichts so leicht in Furcht versetzen, außer vielleicht Magie. Instinktiv griff Baltos an die verborgene Rolle an seiner Brust und Kjartans Finger umspannten das Kleinod, was seine Schwester ihm geschenkt hatte. Hätten sie mehr Zeit, so hätte er eine sich sicher mehr mit seinem Fund und den Schutzzaubern befasst und der andere hätte vielleicht noch ein richtiges Gebet zu Ventha gesprochen, hätte etwas in seiner Ahnenschale geopfert, damit sie ihren Segen über sich wussten, doch nun war es Zeit zum Aufbruch. Überall in der Stadt sah man Leute herum rennen und Gegenstände hin und her tragen. Die Schlitten wurden fertig gemacht und Waffen geschärft. Man sah ein Kind hinter seinem Vater her rennen, das seine Spielzeugaxt mitgeben wollte. Eine stetig ansteigende Unruhe hatte ganz Mantron erfasst.

(weiter bei: Der Eiskanal )
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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Erzähler » Montag 25. März 2013, 21:41

(Einige Zeit später:)

(Baltos kommt von seinem Elternhaus)

Die Frau die mit den Wölfen zusammen lebte, war etwas älter als der junge Jäger, aber hatte ihre Ausstrahlung noch lange nicht verloren. Sie bat Baltos herein und setzte sich dann wieder in die Felle wo ein einzelner Welpe schief und leise schnarchte, da seine Nase etwas blutig war. Norna streichelte ihn abwesend und sagte gerade heraus:
„Schön, dass du heute noch gekommen bist. Sicher um dein Versprechen einzulösen. Dein Freund ist gegangen, aber davon erzähl ich dir wenn ich meine Geschichte gehört habe.“
Damit lauschte sie Baltos Abenteuer und der Jagd nach der Eisbestie. Wie viel er ihr wohl davon berichten würde? Welche Details erzählte man seiner Familie und Freunden und was berichtete man der Frau die mit den Wölfen sprach? Machte Baltos da einen Unterschied?

Nachdem er geendet hatte lächelte sie und stellte auch keine weiteren Fragen. Irgendwie kam es Baltos vielleicht sogar ein wenig so vor, als würde sie Teile seiner Geschichte schon kennen. Stimmte was man sich erzählte und hatte vielleicht Geri ihr schon … SEINE Variante des Kampfes erzählt? Norna saß nur da und lächelte. Der Welpe an ihrer Seite zuckte mit den Pfoten und rannte durch seine Träume.
„Geri … so hattest du doch den schwarzen Wolf genannt, den du zu mir brachtest?“
Baltos nickte.
„Er lässt dir … , er wartet auf dich. Wenn du Mantron verlässt, wird er dich finden. Es geht ihm gut und die Wunden werden bald verheilt sein. Er ist stark.“
Sie sah Baltos von der Seite her an.
„Vertrau ihm, Baltos. Er ist dir wohl gesonnen, aber er ist ein Einzelgänger. Er wird dich irgendwann verlassen.“
Norna suchte in seinem Blick nach Verständnis und wandte sich dann wieder dem Welpen zu.
„Ich danke dir, dass du dein Wissen mit mir geteilt hast. Diese Tage lassen die Tapferen erstehen und ihren Namen gerecht werden.“
Eine Weile unterhielten sie sich noch, dann ließ Norne Baltos wissen, dass es spät geworden war.
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Re: Der Zwinger der Schneewölfe

Beitrag von Baltos » Donnerstag 28. März 2013, 12:29

Als seine Mutter ihn darauf aufmerksam machte dass er noch der Göttin eine Opfergabe überreichen sollte, antwortete Baltos wie alle Kinder, in diesen gewissen Ton, wenn sie von ihren Eltern an etwas erinnert wurden.
„Ja ich weiß!“ Ließ der Mantroner seine Mutter wissen. Er hatte natürlich nicht vergessen dass er Ventha noch ein Opfer für ihren Beistand bringen musste. Schließlich hatte sie ihm mehr als nur einmal geholfen und wer sollte das besser wissen als der Jäger der gegen eine Eisbestie sowie eine Seeschlange gekämpft hatte.
Er wollte nach den besuch bei Norna an den Hafen gehen und dort seinen Dank an die Sturmgöttin richten.

Ornos hingegen hatte ganz andere Sorgen, die er auch sofort laut aussprach.
Das er nicht verstehen konnte warum sich Baltos auf die Suche nach Maruka begab war verständlich und auch das seine Mutter ihren Sohn lieber bei sich haben wollte. Doch sie mussten auch den jungen Mann verstehen der ständig an diese Frau denken musste. Und Ventha würde ihn wohl kaum solche Träume bescheren wenn er nicht nach ihr suchen sollte!
Außerdem hatte er Marukas Mutter versprochen zu helfen und ein Mantroner stand zu seinem Wort, daran gab es nicht zu rütteln. „Ich werde sie suchen ob mit oder ohne euren Segen! Denn ich gab Eona mein Wort und daran halte ich mich!!!“ Während er dies mit energischer und lauter Stimme sagte, schlug er zum Abschluss noch einmal mit der Faust auf den Tisch, das dieser nur so wackelte.
Selbst ein Blinder hätte gemerkt das Baltos enttäuscht und wütend zugleich war. Das die Beiden an seinen Entschluss sogar zweifelten und ihn davon abraten wollten. Ornos glättete aber sofort die Segel indem er dem jungen Mann den Rat gab alles noch einmal langsam durch zu gehen und nicht zu überstürzt zu handeln. Er bot sich sogar an zu helfen und mit ihm zusammen auf die Suche zu gehen. Doch Baltos musste um sein Gewissen zu beruhigen das Angebot ablehnen. Denn er konnte nicht einfach aus Egoismus heraus der Familie des Wilden das Oberhaupt für eine eventuelle erfolglose Suche wegnehmen. Denn Ornos wurde gebraucht, der junge Jäger hingegen nicht!
Deswegen schüttelte Baltos den Kopf und sprach die folgenden Worte:
„Dein Platz ist bei deiner Familie! Hier wirst du gebraucht! Hier braucht man deine Wildheit. Ich werde sie schon alleine finden und wieder herbringen und dann erzähle ich dir eine neue Geschichte!“
Sein Wettkampfpartner schien seine Worte zu glauben und auch seine Mutter war überzeugt. Baltos würde sich allein auf die Suche begeben und das war auch sein Naturell. Seine Suche sollte bald beginnen, aber zuerst verabschiedete er einen guten Freund. Denn das war Ornos in der Zeit nach seinen Verlust des Auges geworden. Er würde zwar niemals den platz von Haros einnehmen können aber das brauchte er auch nicht. Freundschaftlich fassten die beiden Männer sich an den jeweiligen Unterarm und legten ihre frei Hand auf die Schulter des anderen. Dann verließ der ältere die Behausung seiner Eltern und die Mutter von Baltos kam gleich noch mal auf das Thema Maruka zu sprechen. Der Jäger verdrehte dabei sein eines Auge, was an sich ziemlich Merkwürdig aussehen musste. „Du warst ja noch nie Neugierig und außerdem …“
Die Unterhaltung zog sich noch eine gewisse Zeit in die Länge. Am Schluss war Baltos trotzdem nicht schlauer über seine Gefühle gegenüber Maruka und deswegen driftete die Unterhaltung auch wieder ab. Und drehte sich dann wieder um den Sieg über die Eisbestie und was für einen Namen er wohl bekam.
Lena war eine ziemlich Quasselstrippe und deswegen dauerte es auch eine weile bis der junge Mann sich verabschieden konnte. Aber als er es geschafft hatte, ging er schnellen Schrittes zur Tür und verließ das Elternhaus wie ein Flüchtender. Denn bei seiner Mutter musste man vorsichtig sein! Viel zu oft hatte sie schon ahnungslosen Besuch, der gerade im Begriff war zu gehen, wieder in ein Gespräch verwickelt.

Unterwegs

Seine beherzte Flucht sollte erfolgreich sein und der Mantroner spürte die kühle Abendluft Mantrons in seinem Gesicht. Eine kurze Zeit war er etwas wacklig auf den Beinen, durch die plötzliche Flucht. Da sein Kreislauf, durch das lange sitzen, wie den Alkohol, etwas überfordert war. Doch zwei bis dreimal tief einatmen und Baltos stand wieder so fest wie eine mantronische Frosteiche.
Durch die Suche nach den im Eis gefangenen Mantroner war es auf den Wegen zwischen den Hütten schon am Tag ziemlich lehr. Aber jetzt zur Dämmerung, waren kaum noch Menschen unterwegs. Auf den ganzen Weg zu ihrer Hütte, traf er keine Sterbensseele. Auch in den Zwingern vor Nornas Haus gab es weniger Gewusel als üblich. Nur ein kläglicher Rest von Wölfen meldete der Hüterin das sie Besuch bekam.
Es dauerte auch nicht wirklich lange bis sie die Tür öffnete und Baltos hinein ließ.

Bein Norna

Die Wolfhüterin sprach nicht lange um den heißen Brei herum und fragte gleich heraus ob er gekommen sei um ihr seine Geschichte zu erzählen. Baltos zögerte nicht lange und erzählte ihr und den jungen Wolfswelpen die ganze Geschichte, mit einigen Ausnahmen. Er erwähnte nicht die Träume in denen Maruka vor kam und genauso wenig erwähnte er den Fund der Schriftrolle.
Baltos wollte nicht das bald die ganze Stadt wusste das er nach einen verloren geglaubten jungen Frau suchte und er eine Artefakt mit sich führte das einen die Künste der Runenmagie lehrte. Den in Mantron war klatsch und tratsch das gängigste Mittel gegen Langeweile. Auch wenn das zur jetzigen Zeit wohl eher weniger der Fall sein sollte.
Als Norna ihn sagte das Geri auf ihn wartete, fiel Baltos ein Stein von Herzen. Ragan hatte das zwar schon gesagt aber es noch mal aus ihren Mund zu hören beruhigte ihn sehr.
Auch wenn der Wolf ihn nicht die ganze Zeit begleiten würde, so freute es ihn trotzdem das sie zumindest eine Zeitlang zusammen arbeiten würden. Denn dass sie ein gutes Team waren, hatten sie schon im Kampf gegen die Eisbestie bewiesen.
Der Eisjäger und die Hüterin der Wölfe unterhielten sich noch eine Weile und Baltos erkundigte sich über die Fortschritte der Suche und was es sonst noch zu berichten gab. Denn Norna wohnte zwar abseits, aber wie auch ihre Wölfe hatte sie gute Ohren und hörte so einiges.
Als die Nacht schon lange über Mantron gefallen war und die Straßen menschenleer waren, verließ Baltos die Hütte der Frau. Er hatte einige wichtige Informationen erhalten und machte sich jetzt ohne umschweife auf den Weg zum Hafen.
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