Das beste Haus am Platz

Auch wenn es Spannungen zwischen den drei Piratengemeinschaften gibt, treffen sich alle im Teufelsrochen, denn hier kann man noch saufen, raufen und wildes Seemannsgarn spinnen. Außerdem erfährt man hier die neusten Gerüchte der Piraten.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Sonntag 22. Juli 2012, 17:58

Pallas Mercator würde lange warten müssen. Das besondere Kartenspiel war für den Abend angesetzt. Also noch viele Stunden bis dahin. Nach der ersten Stunde schleppte sich der Wirt in den Schankraum. Er sah hundemüde aus und ging erst einmal durch den Raum, wobei er alle Fensterläden und Türen öffnete. Dann lehnte er sich aus einem der Fenster, stopfte sich eine Pfeife und paffte sie mit zusammengekniffenen Augen. Licht und Frischluft strömte herein.
Die Helligkeit störte Slim beim Weiterschlafen und er wachte auf, gähnte und räkelte sich. Der Wirt drehte sich um und das war das erste Mal, dass er den wartenden Pallas bemerkte.
„Na toll! Jetzt gibt es sogar zwei Tunichtgute, die Tag und Nacht in meinem Haus bleiben.“
Aber raus warf er den Händlerssohn nicht. Ihn schien Pallas Anwesenheit nicht weiter zu stören.

Die nächsten Stunden verliefen ereignislos. Einzig der Wirt und Slim waren aktiv. Der Musiker half dem Hausherren bei allen anstehenden Arbeiten, zum Beispiel sammelte er die Krüge ein, die der Wirt dann per Hand spülte (am helligten Tag war er dabei viel ordentlicher.).
Vermutlich war er so etwas wie ein inoffizieller Gehilfe für den Wirt.

Später am frühen Nachmittag kam ein Fleischberg von einem Menschen auf einem Ochenkarren vorgefahren. Der Mann hatte ein breites, gutmütiges Gesicht und hinten auf der Ladefläche lagerten Bierfässer. Zu dritt schleppten sie eines der Fässer in den Schankraum hinter den Tresen. Dort waren drei Fässer, von denen eines über die Nacht leer gegangen war, das sie nun mit dem frischen austauschten.
Der kräftige Brauer trug das leere Fass alleine zum Wagen zurück. Dann kam er zurück, der Wirt bezahlte ihn und dann kamen sie ins Reden. Sie waren wohl mehr als bloße Geschäftspartner und bald holte er auch etwas Brot und ein paar Becher Bier und zu dritt machten sie Brotzeit. Niemand lud Pallas ein.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Sonntag 5. August 2012, 18:17

Nachdem er sein Frühstück beendet hatte, saß Pallas noch länger da und beobachtete die Vorgänge im Schankraum. Der Wirt wurde ebenfalls wach und räumte zusammen mit dem Musiker die Taverne auf und bereitete sie auf den nächsten Abend des Feierns vor. Pallas staunte nicht schlecht darüber, wie gewissenhaft und ordentlich die beiden Tagsüber vorgingen.
Später kam noch so eine Art Brauer vorbei, der die Biervorräte des Teufelsrochens wieder aufstockte. Roderick der Rote war wohl sehr gut darin, den stetigen Strom an Alkohol für die Stadt aufrecht zu erhalten, dachte sich Pallas, da er nicht davon ausging, dass die Piraten das Bier selber brauten.
Zusammen nahmen der Brauer und der Wirt ein Mahl ein. Pallas ließen sie einfach weiter alleine an seinem Tisch sitzen. Nach einer weile kam dieser sich ziemlich blöd vor, so einsam im Schankraum dazusitzen. Wenn Caspar sich doch bloß melden würde! Ihm kam der Gedanke, dass das Spiel wohl eher abends stattfinden würde, um diese Uhrzeit war doch kein Pirat nüchtern. Er beschloss, sich etwas in der Stadt umzusehen und irgendwann am Nachmittag wieder vorbei zu schauen.

Pallas verließ den Teufelsrochen durch die geöffnete Vordertür und trat auf die Straße. Ob Rumdett einen Markt hatte? Der junge Mann hatte keine Ahnung und so machte er sich auf die Suche nach etwas vergleichbarem. Wie er so durch die Straßen lief, schnappte er mehrmals die Wortfetzen „Sarma“ und „Dunkles Volk“ auf, und fragte sich, was das wohl bedeuten mochte. Als er in Sarma gewesen war, waren ihm keine Dunkelelfen aufgefallen, allerdings war sein Besuch dort auch schon eine Weile her. Anscheinend gingen auf der, von Santros aus gesehen, anderen Seite der Welt merkwürdige Dinge vor.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 9. August 2012, 12:14

Die Suche nach einem Markt entpuppte sich als schwierig. Rumdett hatte nicht wie andere Städte einen abgegrenzten Markt, sondern es wurde in allen Straßen gehandelt, wo eben gerade Angebot und Nachfrage aufeinander trafen. Aber es gab geschäftstüchtige Viertel, wo die Dichte an Handelstreibenden so hoch war, dass man sie als Händlerviertel einstufen konnte.
Und in diesen Vierteln gab es auch Häuser, die von außen wie Wohnhäuser wirkten, aber in Wirklichkeit Läden waren, deren Sortiment an den Fenstern gezeigt wurde und deren Türen immer offenstanden.
Dass dies als Schwarzmarkt galt, war leicht irreführend. In anderen Städten hätte man die illegale Geschäftswelt so genannt, aber hier gab es keine einschränkende Gesetze, hier wurde in aller Öffentlichkeit gehandelt, was anderswo unter der Hand vertrieben wurde.

[Weiter auf dem Schwarzmarkt]
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Montag 24. September 2012, 11:11

[Pallas kommt vom Schwarzmarkt – Caveat Emptor]

Als der Händlerssohn zurück in den Raum trat, wo er einen großen Teil seiner Rumdett-Zeit verbracht hatte, waren schon ein paar wenige Gäste da. Es war bereits Nachmittag und verkaterte Piraten tranken Dünnbier, müde Schurken planten Raubzüge, Allianzen und Fehden und der Wirt thronte wie immer hinter dem Tresen.
Aber ein bekanntes Gesicht gab es doch – es war der Pirat, der beim Kartenspiel zu Pallas linken gesessen war. Er gehörte zu Caspars Leuten. Heute trug er ein dunkles Lederwams und vor ihm stand ein Krug dünnes Bier und ein Schneidbrett mit gesalzenen Fisch und Brot. Er sah Mercator zwar, ließ sich aber bei seiner Mahlzeit nicht unterbrechen. Als er fertig war, schob er wie beiläufig ein Stück Pergament rüber. Darauf stand eine Adresse und darunter und auf der Rückseite wurde eine verständliche Wegbeschreibung gegeben.

„Etwas weniger als vier Stunden noch. Das Gold bekommst du eine Stunde früher, wenn du den Teufelsrochen verlässt, um dich auf den Weg dorthin zu machen. Du wirst allein dorthin gehen, also kein Händchenhalten. Aber wir behalten dich trotzdem im Auge. Damit du dich nicht damit aus den Staub machst. Versau's nicht.“
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 11. Oktober 2012, 22:25

Pallas betrachtete die Wegbeschreibung nachdenklich, bedankte sich bei dem Piraten und steckte sie dann weg. Dort hinzufinden dürfte ein Kinderspiel werden. Trotzdem wurde ihm ein bisschen flau im Magen beim Gedanken an das was ihn erwartete. Soviel stand auf dem Spiel! Die Aussicht, bei Versagen hier festzusitzen oder schlimmer, getötet zu werden, ermutigte Pallas nicht unbedingt. Wenn er ehrlich war, war das sogar verdammt beunruhigend. Er schob den Gedanken beiseite und fragte bemüht lässig, so als würde er über das Wetter reden wollen: „Gibt es... noch irgendetwas zu beachten, etwas das ich wissen sollte? Vielleicht Etikette an die ich mich halten soll? Oder einfach einen paar Tricks bei diesem...“, Pallas überlegte angestrengt, konnte sich aber nicht an den Namen des Spiels erinnern „...Karten- Spiel“ Pallas hatte sich auf seinem Stuhl zurückgelehnt und versucht, entspannt zu wirken, doch in seiner Stimme schwang ein leichter, ganz leichter, angespannter Unterton mit. Dieser war zwar durch die Hintergrundgeräusche der Taverne nur schwer Wahrnehmbar, doch ein aufmerksamer Zuhörer würde ihn wohl heraushören.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Sonntag 14. Oktober 2012, 21:07

Der Pirat trank sein Bier in kleinen Schlucken, weil er sich aufs Bleiben einstellte. Er hörte sich Pallas Fragen an und meinte mit gespieltem Ernst: „Besondere Sitten? Jedes Mal wenn du punktest, musst du einmal um den Tisch rennen und dabei wie eine Ente quaken.“ Er nahm einen Schluck und verzog die Mundwinkel. „Das war ein Witz. So viel ich weiß musst du dem Veranstalter eine Drachme Eintritt bezahlen. Dafür sorgt er dafür, dass der Abend ohne Ablenkungen und die Gläser gefüllt bleiben. Trotzdem ist das ein absurd hoher Preis und eigentlich sollen damit arme Schlucker abgeschreckt werden. Also, wer da mit macht, will ordentlich absahnen und ist entweder richtig gut oder glaubt, es zu sein. Das wird kein gemütlicher Abend und wenn jemand ein freundliches Gespräch anfängt, dann will der dich vermutlich nur aushorchen. Das denke ich, aber ich war noch nie dabei.“
Viele Hinweise von dem verschlossenen Piraten. Doch jetzt verfiel er wieder in ein professionelles, grimmiges Schweigen.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 8. November 2012, 22:18

Pallas fand den Witz, den der Pirat gemacht hatte, nicht besonders lustig. Langsam ging es ihm echt auf die Nerven, von den Seeräubern nie ernst genommen zu werden. Abgesehen von Caspar natürlich. Dieser brachte ihm ganz schön viel Vertrauen entgegen. Einen Fremden mit soviel Geld auszustatten und sein Schicksal in dessen Hände zu legen war Pallas nicht aus er Heimat gewöhnt. Allerdings traf das auf so ziemlich alles zu was in dieser Stadt passierte, so als würden sich die Piraten einen Spaß daraus machen und absichtlich gegen alle gesellschaftlichen Standards verstoßen.
Die Stunden bis er abgeholt wurde verbrachte Pallas im Teufelsrochen, bis ihn die mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten in der Taverne müde machten und er entschied ein Nickerchen zu machen. Die Nervosität und der Straßenlärm verhinderten jedoch, dass er richtig schlief. Als er es aufgab und wieder nach unten ging war die Sonne immer noch fast genauso hoch am Himmel wie davor.
Da er nicht schlafen konnte und außerdem seit dem Schinkenbrot am Morgen nichts gegessen hatte, bestellte er sich etwas zu Essen und ein Bier beim Wirt. Im Laufe der Stunden gesellten sich zu dem ersten Bier noch ein oder zwei weitere, sodass Pallas schon leicht angeheitert war als seine „Eskorte“ eintraf.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Sonntag 11. November 2012, 18:58

Der Abend rückte näher, auch wenn die Zeit zäh wie Honig floss. Pallas aß und trank für fünfzehn Fuchsmünzen, ein geringer Preis, wenn man an die Summen dachte, um die es beim Kartenspiel gehen würde. Und um die Leben der Beteiligten.
Der Pirat blieb ruhig, aber er behielt Pallas im Auge. Er trank wenig und ließ sich nicht von der Umgebung ablenken. Bald war es so weit. Er stand auf, gab Pallas einen Wink und ging nach draußen. Pallas blieb nicht anderes übrig, als ihm zu folgen.
Draußen wartete auch schon der zweite Pirat des gestrigen Abends, der ihm einen Beutel zuwarf. Darin befanden sich 21 goldene schwere Drachmen. Wenn man den Einlasspreis abzog, gab dies eine runde Summe. Damit würde er spielen und am Ende durfte er das Gold behalten, so war es mit Caspar abgemacht, unter der Bedingung, dass dieser sein Schiff zurückbekam und der Falschspieler entlarvt wurde.

Der Weg war auch im leicht angetrunkenen Zustand zu finden, die Beschreibung passte. Vielleicht konnte Pallas auch die Gestalten erkennen, die ihn wie Fliegen durch die Nebengassen verfolgten. Vier Mann waren es, zwei davon Caspars Piraten, die er kannte, die zwei anderen vermutlich Verstärkung. Es konnte ja sein, dass Pallas sich aus dem Staub machen konnte – oder dass er überfallen wurde, man konnte nie sicher genug sein.

Es handelte sich um ein in Dunkelblau gestrichenes Stadthaus. Es war ordentlich und sauber und als Pallas klopfte, wurde ihm mit leichter Verzögerung geöffnet. „Sind sie für das Spiel da? Es ist alles für einen weiteren Spieler gerichtet, eine gute Flasche Wein, Rosinen, gesalzene Nüsse. Damit ich sie nicht später belästigen muss, würden sie mir bitte gleich den Betrag für die Unkosten überreichen? Danke.“
Gesprochen wurde dies von einem sauber gekleideten, älteren Herren, den man außerhalb von Rumdett für einen Schreiberling oder Kammerdiener halten konnte. Aber als er vom Geld sprach, war der Charakter der verdorbenen Stadt leicht herauszuhören.

Nachdem das geklärt war, wurde Pallas durch einen Flur zum Spielzimmer geführt. Es war ein großer Tisch in der Mitte, darauf standen Gläser und Knabbereien für vier Personen, ein Stapel aus Karten, welche aus gestärkten Papier gemacht waren und überhaupt keine Gebrauchsspuren aufweisen. Für jeden Spieler gab es auch eine Flasche Rotwein. Der Raum war gut beleuchtet, hatte keinen Schmuck, keine Fenster und keine spiegelnden Flächen. Zum sitzen gab es gepolsterte Stühle.

Drei Spieler waren bereits im Raum, hatten aber noch nicht angefangen. Vom freien Platz aus, der für den Händlerssohn bestimmt war, zur linken saß Caspar. Er wirkte selbstbewusst und ließ mit keinen Wort oder Blick vermuten, dass er jemals zuvor Pallas gesehen hätte. Er hatte ein gutes Säckchen Gold, viel mehr als Pallas Einsatz an seinem Gürtel hängen. Ebenso hing am Gürtel ein glänzender Säbel. Er saß am nähesten an der Tür
Gegenüber des freien Platzes, also zu Caspars linken saß eine Frau, die Pallas noch nie gesehen hatte. Sie hatte die gebräunte Haut und die strammen, hochgewachsenen Glieder einer Amazone. Ihr dunkelbraunes Haar trug sie in einer Helmfrisur. Darüber wiederum saß ein Fes, eine weinrote Kopfbedeckung aus Filz mit einem herabhängenden Büschel aus Borsten. Ihr Blitz war scharf wie ein Messer.
Bevor er den dritten näher ansehen konnte, erklang auch schon dessen Stimme. „Bei Felyn, ein vierter. Das ist sehr gut, denn Vier ist eine Glückszahl. Und wir alle werden diesen Abend dieses Glück kosten dürfen. Ich freue mich.“

Er trug eine schlichte Robe und hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, über das die anderen zwei Spieler die Augen rollten. Aber das war alles nicht wichtig. Denn dieser Mann war eindeutig – sowohl von der Stimme, wie auch vom Gesicht, welches nun rasiert war – derjenige, der Pallas heute Mittag bedroht hatte. "Caspars Neffe".
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Samstag 1. Dezember 2012, 14:36

Pallas war sichtlich überrascht von dem prächtigen Haus und dem freundlichen Diener. Er hatte eher ein dunkles Hinterzimmer oder ein gruseliges Kellergewölbe erwartet. Hätte er gewusst, dass er in das definitiv beste Haus am Platz eingeladen würde, hätte er sich noch gewaschen oder zumindest seine Haare geordnet. Auf dem Weg zum Spielzimmer versuchte er zu retten was zu retten war, wenn auch mit wenig Erfolg.
Noch überraschter als von der Örtlichkeit war Pallas jedoch von den Teilnehmern der Runde. Eine Amazone am Kartentisch hatte er wirklich nicht erwartet, genauso wenig wie Ferim. Seine Anwesenheit, sein verändertes Äußeres und sein Auftreten beunruhigten und verwirrten Pallas ziemlich.
Mit einem Räuspern und ohne sich etwas anmerken zu lassen (so hoffte er zumindest) setzte er sich auf den gepolsterten Stuhl, ohne dabei einen der Männer anzusehen. Verstohlen bewunderte Pallas den athletischen Körper und das schöne Gesicht der Amazone, bis sie ihm eine scharfen Blick zuwarf und er verlegen auf die Handkarten schaute, die plötzlich vor ihm lagen. Jemand musste sie ausgeteilt haben, während er gerade nicht aufgepasst hatte.

Soweit Pallas das beurteilen konnte hatte er ein eher mittelmäßiges Blatt bekommen, aber er konnte ja notfalls Caspar in die Hände spielen. Er war sich aber auf einmal nicht mehr sicher ob Ferim auch zu ihnen gehörte. Ohne den Bart sah er Caspar nicht mehr so ähnlich und außerdem hatte Pallas ja keinen echten Beweis, dass er wirklich Caspars Neffe war. Oder Sohn. Keinen Beweis außer Ferims Wort selbst, und wie sehr konnte Pallas jemandem vertrauen, den er kaum kannte und der zudem noch Pirat war? Oder schlimmer: Ferim war tatsächlich Caspars Neffe UND hatte dessen Schiff. Das letzte worauf Pallas Lust hatte war in eine verkorkste Piraten-Familientragödie mit hineingezogen zu werden, auch wenn es erklären würde warum Caspar unbedingt auf Gewalt verzichten wollte.
Das Spiel begann. Runde um Runde wurden Karten gemischt und ausgeteilt, Einsätze gelegt und Trümpfe ausgespielt. Geld wechselte den Besitzer.
Heimlich beobachtete Pallas sowohl die Amazone als auch Ferim. Letzterer spielte besonders gut und anders als die kriegerische Tracht der Amazone boten die Ärmel seiner Robe ein ideales Versteck für ein paar zusätzliche Asse. An seiner Verhaltensweise ließ sich jedoch nichts auffälliges bemerken. Für Pallas galt es jetzt zu warten, bis sich einer der beiden als Betrüger verriet und nebenbei möglichst viel Gewinn zu machen...

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. Dezember 2012, 11:30

Am Kartentisch ging es ernst zu. Bei einem Spiel, das so simple Regeln hatte, gab es keine guten Strategien. Deshalb hing alles von Informationen ab. Man musste wissen, wie die Karten der Gegner waren, um den richtigen Geldeinsatz zu bestimmen. Andererseits durfte man nicht durchblicken lassen, wie es um die eigenen Karten stand. Ein nervöser Seitenblick, eine Schweißperle, ein Neusortieren der eignen Karten. Solche Dinge entschieden um glänzendes Gold.
Die drei Anwesenden waren gewiefte Kartenspieler. Sie ließen sich auf kein riskantes Bluffen ein, sondern sie hielten ihre Mienen ebenmäßig. Dabei hatte jeder seine eigene Art. Caspar schaute ständig verbissen rein, egal, ob sein Blatt gut oder schlecht war. Nur ein gelegentlicher ärgerlicher Blick,wann immer Ferim eine Runde gewann, unterbrach die Eintönigkeit. Die Amazone hatte die Augenlieder halb gesenkt und wirkte gelangweilt. schaute aber trotzdem aufmerksam in die Runde.
Ferim – der Einfachheit sollte er diesen Namen behalten – war ein bunter Vogel. Ständig lächelte er und sprach von den dreien am meisten. So redete er über das Wetter, erzählte Witze und erklärte gelegentlich die Lehren seines Gottes Felyn.
„Wisst ihr, alle Menschen sind Brüder... Achja und Schwestern, nicht zu vergessen, holde Amazonenmaid. Ja, die Dinge, die uns vereinen, sind eben sehr stark. Es wäre keineswegs falsch zu sagen, dass du nicht meine Base bist oder du, zu meiner linken, mein Vetter oder du mein Onkel oder gar mein Vater.“ Die letzte Worte waren an Caspar gerichtet, aber eigentlich zielte Ferim auf Pallas, dem er ja genau diese Lügen aufgetischt hatte.
„Halt endlich den Schnabel, du Spinner.“, knurrte Caspar. Sie waren nicht verwandt, das wurde offensichtlich. Ferims Taktik war erstaunlich: Nur ganz selten schaute er auf seine Karten, viele Runden ließ er das Blatt mit den Rücken nach oben auf dem Tisch liegen und setzte einfach ins Blaue hinein Münzen. Das mochte töricht wirken, aber wenn die eigene Miene beim Kartenspiel der größte Verräter war, dann meinte Ferim, dass es besser wäre, selbst nicht einmal das Blatt zu kennen. Wenn Pallas ganz gewieft war, würde er verstehen, dass die nervigen Plaudereien doch einen Zweck erfüllten: Ein jedes Mal, wenn sich Caspar oder die Amazone sich darüber äußersten, wurde auf einmal klar, ob deren Blatt gut oder schlecht war. Die Frau zum Beispiel zog bei einem guten Blatt spöttisch einen Mundwinkel hoch, wenn sie einen Witz hörte, aber ihre Mimik blieb steinern, wenn nicht. Und Caspars Ärger wurde umso größer, je schlechter seine Karten waren.

Viel Geld lag auf dem Tisch. Ausschließlich schwere, goldene Drachmen, eine Münze, die der Normalbürger selten oder gar nicht in die Hände bekam, war es doch Lohn für viele Monate oder ein ganzes Jahr. Auch für einen wohlhabenden Händler war das keine Kleinigkeit. Der Mindesteinsatz war eine einzige solche Münze.
Was hier auf dem Tisch lag, war ein Vermögen und vier Raubtiere balgten sich darum, wobei keiner gewinnen konnte, ohne einen anderen abzuzocken. Pallas verlor so manche Runde am Anfang und war sieben Münzen im Rückstand, bis er in einer Runde vier zurückgewann. Caspar hatte etwas Geld verloren, aber ebenfalls nicht viel. Das Geld landete erst bei Ferim, dann setzte der seine Gewinn auf schlechte Karten, sodass die Amazone einen Gewinn erzielte, die aber über Zeit wieder eine leichte Pechsträhne hatte und das Geld Münze für Münze an Caspar und Ferim verlor. Viel hatte sich also nicht getan.

Das Mischen und Ausgeben der Karten war eine Aufgabe, die im Uhrzeigersinn vergeben wurde. Jede Runde war der nächste im Kreis an der Reihe. Dabei musste auch der Kartengeber als erstes seinen Einsatz tätigen. Ebenfalls im Uhrzeigersinn wurde gesetzt. Und in der frühen Nacht, als Ferim an der Reihe war, tat er etwas Provozierendes.

Er mischte die Karten, aber sollte er irgendwann einmal an diesem Abend betrügen, dann war der Moment da. Irgendetwas war faul daran. Er teilte die Karten aus. Pallas hatte eine gute Kombination an Karten.
Ferim zog, ohne seine eigenen Karten zu betrachten, eine Pergamentrolle aus irgendeiner Tasche seiner Robe hervor. „Mein Einsatz ist etwas ganz besonderes. Ich habe das Gefühl jeder an diesem Tisch hätte es verdient, aber das Glück soll entscheiden, wer es bekommen soll. Das Schiff, das unter dieser Urkunde läuft, ist seit einem halben Jahr in meinen bescheidenen Besitz. Jetzt gehört es demjenigen, der von Felyn gesegnet ist.“
Er rollte die Urkunde auf und legte sie in die Mitte des Tisches, wobei er sich die Weingläser der Anwesenden nahm, um die Ecken des Papiers zu beschweren, damit es nicht wieder zusammenrollte.
„Es soll den symbolischen Wert von 15 Drachmen haben.“
Caspar brodelte. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre Ferim jetzt Fischfutter. Er starrte den jungen Mann verärgert an, dass er über sein Schiff spottete und für einen solchen Preis auf den Kartentisch versetzte.

Eine winzige Kleinigkeit hatte sich an Ferim verändert. An seiner linken Hand glänzte ein Ring, der Pallas sehr bekannt vorkommen würde, weil er ihn heute noch selbst am Finger getragen hatte. Irgendwann zwischen dem Kartenmischen und seiner Rede hatte er ihn unbemerkt aufgezogen. Bisher hatte Caspar ihn nicht bemerkt.
Jetzt war Pallas mit einem Gebot an der Reihe, in zweierlei Hinsicht: Sollte er etwas sagen? Oder nicht? Mitbieten? Zurückziehen? Es war klar, um wie viel es dabei ging.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Freitag 4. Januar 2013, 13:05

Da war Pallas diesem feylinverliebtem Fanatiker gehörig auf den Leim gegangen, welcher sich obendrein scheinbar keiner Schuld bewusst war. Oder nicht bewusst werden wollte, um Pallas zu reizen. Anscheinend zahlte sich Frömmigkeit aber aus, wie ließe sich Ferims Erfolg beim Kartenspiel sonst erklären?
Oder er ist einfach besser als ich. Als wir, ging es Pallas durch den Kopf.
Endlich war der Moment gekommen, auf den Pallas und Caspar den ganzen Abend gewartet hatten. Ferim hatte Caspars Schiff gesetzt und bemaß dessen Wert auf lächerliche 15 Goldmünzen. Er hatte seine Karten, wie so oft schon, nicht einmal angesehen. Aber er konnte leicht ein paar günstige Karten aus dem Ärmel gezogen haben, während er selbiges mit der Schriftrolle tat. Außerdem hatte er Pallas Ring angezogen. Ihm blieb keine Zeit zu überlegen was er jetzt damit bezweckte, denn Pallas war schon an der Reihe zu setzen.
Ihm waren noch 17 Goldmünzen geblieben. Und er hatte Ferim nicht direkt schummeln gesehen. Möglicherweise wartete dieser auch den Moment ab, kurz bevor die Karten aufgedeckt würden und er genau wüsste wie gut die Karten der anderen waren. Pallas Karten waren ziemlich gut und sicherlich hatte Ferim das bereits bemerkt. Er entschied, sie besser aussehen zu lassen, als sie waren.
Wenn er mitging blieben ihm noch zwei jämmerliche Goldmünzen. Es würde besser sein wenn er erhöhte und alles setzte. Das war zwar Riskant, aber vielleicht verleitete es Ferim dazu seinem Blatt vorsichtshalber etwas nachzuhelfen.
Alles oder nichts, dachte er grimmig.
Dann lehnte er sich lässig zurück und wendete sich Ferim zu: „Schicken Ring habt ihr da... Bruder." Pallas legte eine besonders sarkastische Betonung auf das letzte Wort. Irgendetwas war hier faul, besser Pallas wies Caspar auf den Ring hin, bevor dieser ihn selbst bemerkte und ein falsches Bild von Ferims und Pallas' 'brüderlichkeit' bekam. "Die Ärmel eurer Robe haben ja so einige Überraschungen zu bieten“, sagte er und warf der Schriftrolle einen vielsagenden Blick zu, „Ihr habt doch nicht etwa noch zusätzliche Karten in euren Ärmeln um den Glück nachzuhelfen oder?“ fügte Pallas an und zwinkerte Ferim zu. Er grinste. als hätte er einen Scherz gemacht, doch steckte bitterer ernst hinter dieser Maske aus Fröhlichkeit.
„Ich erhöhe.“
Pallas leerte seinen Geldsack vor sich auf dem Tisch aus und begann die Münzen jeweils zu fünft aufzustapeln. „Fünf, zehn, fünfzehn, sechzehn, siebzehn", zählte er leise. "Auf siebzehn Goldstücke“, verkündete er dann laut. Er schob sein Geld in die Tischmitte, wobei die Stapel wieder leise klimpernd in sich zusammenfielen.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Januar 2013, 19:26

Als der angebliche Priester auf den Ring angesprochen wurde, lächelte er, „Oh, er ist euch erst jetzt aufgefallen? Er ist die Leihgabe eines guten Freundes, müsst ihr wissen.“ Jetzt blickten alle auf das Schmuckstück. Caspar schaute misstrauisch zu Ferim und dann beäugte er Pallas Mercator. Der Kapitän erkannte, dass Pallas eigener Ring weg war, und schien nicht zu wissen, was er davon halten sollte.

Aber als der Schwarzbärtige seine Karten anblickte, musste er ein Lächeln unterdrücken. Dennoch blieb er vorsichtig und sagte: „Was unser Mitspieler sagt, stimmt, diese Ärmel sind wirklich auffällig. Solltest du Vogel die Runde tatsächlich gewinnen, dann wäre es angebracht, dass wir die Karten genau unter die Lupe nehmen. Mal sehen ob es ein paar Karten mehr oder weniger geworden sind... Vielleicht schütteln wir auch die Robe aus, das wäre doch keineswegs unangebracht, nicht wahr?“
„Ich bade mich in Unschuld, mein treuer Freund.“, entgegnete Ferim. Er hob die Hände vom Tisch und rutschte mit dem Stuhl nach hinten. „Aber wenn es Eurer Ruhe förderlich ist, dann werde ich meine Finger wohl bei mir behalten. Das ist selbstverständlich.“
Caspar hatte unterdessen seinen Einsatz auf den Tisch gebracht. Er versuchte eine Zwickmühle für den angeblichen Priester zu bauen. Verlor Ferim, bekam Caspar das Schiff. Gewann jener, war die Glaubhaftigkeit des Sieges untergraben. Aber wieso war Caspar auf einmal so sicher, hatte das etwas mit seinem Blatt zu tun?
Schweigend bot die Amazone ebenfalls siebzehn. Ferim legte die zwei fehlenden Münzen nach. Dabei waren seine Ärmel nach hinten gekrempelt und er kam nicht in die Nähe seiner Karten. Es war Regel des Spieles, dass ein einzelner Spieler nicht zweimal hintereinander erhöhen durfte, ohne dass jemand anderes dazwischen ein höheres Gebot abgab. Auf diese Weise konnten ein einzelner finanzkräftiger Spieler nicht etwa allein durch ständiges Erhöhen die Mitspieler raustreiben. Also war der Kreis einmal durchgelaufen und es war Zeit fürs Aufdecken.
Ferims Blatt stellte sich als grottenschlecht heraus. Er zuckte bloß mit dem Schultern. „Felyn gibt es, Felyn nimmt es.“ Pallas Blatt war weitaus besser, aber er musste einstecken, denn bei Caspars ganzen vier Königen hielt es nicht mit. Vier Könige auf einen Schlag, das war fast nicht zu überbieten. Selbstzufrieden streckte der Pirat seine Hand nach den Einsätzen aus.

Doch das einzige was er bekam, war ein Schlag von der Handkante der Amazone. „Was glaubt ihr, was ihr da macht?“, zischte sie.
„Ach, Weib, Ihr wollt mir doch nicht erzählen...“
Die Frau deckte spöttisch eine Karte nach der anderen auf. Bei jedem Ass machte Caspars Herz einen Satz.
„Nein...“ Er ließ den Kopf hängen.
„Bravo, Schwester! Meine Glückwünsche für euch und eure lieblichen vier Asse.“
„...nein...“
Die dunkle Frau nahm die Besitzurkunde an sich.
„Nein! Das kann nicht...“
Caspar brütete vor sich hin, seine Augen sprangen zwischen den drei Anwesenden hin und her. In ihm ging etwas vor. Er schnappte sich seine Weinflasche und sprang auf. „Ja, ich trinke auf euer aller Wohl hier!“, rief er wie von Sinnen, setzte die Flasche an die Lippen, trank einen tiefen Schluck und schleuderte dann die Flasche auf den Tisch, auf dessen Platte sie zerbarst und Glassplitter zwischen die Goldmünzen warf und teurer Wein die Karten wegschwemmte.
„Denn ich weiß jetzt, warum ihr alle solchen Erfolg habt. Glück, das gibt es gar nicht, genau so wenig wie es dieses Balg Felyn gibt. Was man will, muss man sich gewaltsam nehmen, ich habe das auf der rauen See gelernt. Aber ihr Landratten, ihr ach so schlauen. Glaubt, ihr könnt gemeinsame Sache machen und mir mein Schiff vorenthalten, was? Dieses halbe Jahr kriegt sie es, danach bekommt der der Verräter zu meiner rechten, nicht? Aber ich habe das durchschaut! Mit den Ring und den vier Assen und all dem ganzen Mist.“
Er zog seinen Säbel und ließ ihn drohend umherwandern. „Wer sich jetzt rührt, ist tot, das schwöre bei meiner Piratenehre!“
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Mittwoch 23. Januar 2013, 23:34

Mit einem mal war Pallas die Situation, welche er eben noch so gut unter Kontrolle hatte, entglitten. Er hatte sich so sehr auf Ferim konzentriert, dass er die Amazone ganz außer Acht gelassen hatte.
Und wie der Feind, dem man den Rücken zudreht, stach ihm die Amazone ein metaphorisches Messer in den Rücken. Vier Asse! Das ist unmöglich! Und ausgerechnet in dieser Runde! Caspar schien allerdings nicht den Eindruck zu machen, als wollte er es bei einem metaphorischen Messer belassen. Sein Gefühlsausbruch war ungewohnt heftig. Pallas hatte ihn eher als einen... gemäßigten Piraten eingeschätzt. Mit diesem impulsiven und teilweise unüberlegten Schachzug hatte er ihm nicht zugatraut.
Drohend stand er mit gezogener Waffe vor dem Tisch und richtete deren Spitze abwechseln auf die Amazone, Ferim oder Pallas, als könne er sich nicht entscheiden, wen er als erstes kalten Stahl kosten lassen sollte.
Pallas wagte nicht sich zu bewegen. Ich bin tot eher ich aufgestanden bin und meine Waffe gezogen habe. Er zweifelte nicht einen Moment an Caspars Kampfkunst und daran, dass er sie zu seinem Vorteil einsetzen würde, schließlich war er einer von Käpt'n Flinns Säbelschwingern und nebenbei ganz schön wütend. Kämpfen war also keine Option. Stattdessen sollte er versuchen, Caspar von seiner Unschuld zu überzeugen.
„Caspar, Ihr begeht eine Fehler. Es war niemals meine Absicht, euch zu verraten. Was wollte ich denn mit einem Schiff, ohne seinen Kapitän, um es zu steuern? Ich verstehe absolut nichts von der Segelkunst und ich brauche Euch, um von diesem Ort fortzukommen. Ich stecke nicht mit Fe-, mit diesem Fanatiker da unter einer Decke! Den Ring habe ich auf euer Anraten hin verkauft, ohne zu wissen an wen!“

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Samstag 26. Januar 2013, 10:12

Der Pirat stand drohend da und hielt die drei Mitspieler mit seinem Säbel in Schach. Keiner rührte sich. Er hatte eindeutig im Affekt gehandelt und voller Wut getan, was er getan hatte. Man konnte sogar einige Augenblicke später fast schon Bedauern in seinen Zügen erkennen. Aber dann glitt sein Blick auf die Dinge, die auf dem Tisch lagen. Die Besitzurkunde des Schiffes und eine Menge Gold. Außerdem war da noch das Würstchen von Ferim, mit dem er eine Rechnung offen hatte. Jetzt schien Caspar zu kalkulieren, ob ein Blutbad nicht doch in seinem Interesse wäre.

Die Muskeln des Felyn-Priesters gegenüber von Caspar war vor Angst erstarrt. Aber das schien nicht für sein Mundwerk zu gelten. „Da verliere ich haushoch und werde trotzdem...“
„Halt die Klappe!“, unterbrach ihn der Pirat.
„...aber...“
„Halt den Rand!“
Jetzt blieb Ferim still. Caspar verzichtete darauf, ihn sofort anzugreifen. Denn um mit der Klinge Ferim zu erreichen, hätte er sich vor über den Tisch beugen müssen und damit hätte er seine Deckung gegenüber Pallas und der Amazone geöffnet.

Caspar stand am nähsten an der Tür, aber er hatte ihr den Rücken zugekehrt. Daher bemerkte er nicht, dass sie einen ganz kleinen Spalt offen stand. War da gerade das Weiße eines Augapfels durchgeblickt? Jetzt war es aber wieder weg.

Die Unschuldsbeteuerungen Pallas ließen Caspar inne halten. Er schien nachzudenken, aber ohne den Säbel aus der Hand zu nehmen. Die Amazone war empört: „Ihr Kerle arbeitet zusammen? Schweinerei! Und da beschuldigt ihr mich, zu betrügen? Außerdem verstehe ich nicht die Aufregung nur wegen dieses Fi...“
Weiter kam sie nicht. Caspar schmetterte mit seinem Säbel auf die Weinflasche der Frau, sodass Glassplitter auf ihr Gesicht geschleudert wurden. Wein spritzte umher und befleckte ihre Kleider.
„Sei still, Weibsbild, du bist als nächste dran!“
Noch einige Augenblicke überlegte Caspar und meinte dann zu Pallas:
„Das macht Sinn. Wenn er mich einmal übers Ohr haut, dann kann er das bei dir erst recht schaffen. Aber kann ich dir noch trauen? Zeig mir deine Loyalität. Nimm dein Messer und schlitz' das Schwein auf. Danach knöpf ich mir die Kuh vor.“
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Sonntag 27. Januar 2013, 12:39

Caspar war also bereit ihm zu glauben. Aber er verlangte einen Preis. Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser. In dieser Situation war das nur Vernünftig.
Aber einen Mord begehen?
Pallas zögerte und wägte ab. Wenn er es nicht machte, würde Caspar es tun und sich danach ihn vornehmen. Ferim war also so oder so dem Tod geweiht und es gäbe einen Toten mehr. Das er selbst der zusätzliche Tote wäre verlieh dem ganzen noch zusätzlich Gewicht.
Was würde Ferim an Pallas stelle tun? Sicher würde er nicht eine Sekunde daran denken, ihn zu verschonen und sich selbst dabei in Gefahr zu bringen.

Pallas Geschäftssinn siegte. Er stand auf und zog seine Klinge. Er war schon so weit an Caspars' Seite gegangen, dass er nicht jetzt, kurz vor dem Ende, einen Rückzieher machen konnte. Er durfte nicht vergessen, auf wessen Seite er eigentlich stand. Und er hatte ein Geschäft abgeschlossen. Zwar ging das abmurksen etwaiger Feinde über die vereinbarten Leistungen hinaus, aber besondere Zeiten erforderten eben besondere Maßnahmen. Es war eben nicht alles nach Plan gelaufen und vielleicht ließ sich daraus ein Bonus für Pallas herausschlagen.

Er richtete die Spitze auf Ferim. „Ich bedaure es wirklich zutiefst mein Freund, aber ein Geschäft bleibt nun mal Geschäft“, sagte er mit einer Mine, die einem Schulterzucken gleichkam und ging auf Ferim zu.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 6. Februar 2013, 21:42

Pallas zeigte erstaunlichen Geschäftssinn, als er sich entschloss, das Messer für einen Piratenkapitän zu schwingen. Caspar grinste anerkennend und konnte sich jetzt einzig der Aufgabe widmen, die Amazone in Schach zu halten. Die Frau hatte aber seine kurze Unaufmerksamkeit genutzt und sprang schlagartig auf, mit einem Dolch in der Hand. Nur ein fixer Hieb von Caspar hinderte sie daran anzugreifen und drängte sie nach hinten.

Ferim hatte keine Waffe, weder an der Seite, noch irgendwo in seiner Robe versteckt. Er hatte seinen Humor verloren und seine scharfe Zunge schwieg. Er blickte verängstigt rein, hob die Hände beschwichtigend und sagte: „Tu das nicht. So etwas verfolgt dich dein ganzes Leben. Es gibt andere Wege, bitte.“
Dabei trat er Schritt für Schritt zurück. Caspar und Pallas deckten je eine Seite des Tisches ab und die beiden anderen Spieler wurden in die Ecke des Raumes gedrängt, von wo es kein Entkommen gab.
Beide wirkten verzweifelt, die Amazone konnte mit ihrer kurzen Waffe keinen Säbelhieb abblocken und es fehlte ihr der Platz zum Ausweichen, denn zu ihrer rechten war bereits die Wand und zu ihrer Linken stand jetzt der schlotternde Ferim.

„Wir können doch über alles reden, oder? Ihr nehmt doch einfach das Geld und lasst uns in Frieden.“, schlug Ferim vor. Er nahm seinen Goldbeutel und warf ihn zu Pallas.
„Zu spät, Betrüger. Ihr beide werdet Stahl schmeck...“, brummte Caspar. Doch genau in seiner Rede stockte er. Er drehte sich schwerfällig um, wobei Pallas sehen konnte, dass ein kleines Stück Metall vorne aus seiner Brust ragte. „Ahh...“, tönte es aus dem Mund des Piraten. Es tropfte Blut von der Metallspitze. Er versuchte sich am Tisch zu stützen, wobei sein Lebenssaft auf den Kartentisch tropfte. Das Blut vermischte sich mit dem Wein und umschwemmte die Goldstücke. Der Altar der Sünde war komplett.
Caspar klappte zusammen, dabei konnte man den Holzschaft sehen, der aus seinem Rücken ragte. Hinter dem Türspalt stand der Diener, der das Kartenspiel organisiert hatte. Er trug die Armbrust, von welcher das Geschoss stammte. Er wirkte ziemlich verärgert und trat jetzt in den Raum ein. Ebenso wütend sah die Amazone aus. Sie hatte gesehen, wie ihr Peiniger gefallen, und jetzt blickte sie zu Pallas. Das Blatt hatte sich gewendet, sagte ihr Blick, und du bist der nächste.
Bevor sie zur Tat schreiten konnte, schob sich ein Arm in ihren Weg.
„Lasst es sein, gute Frau.“, sagte Ferim. Egal ob Heiligkeit oder Scheinheiligkeit, er hatte sein Gemüt zurück erlangt, auch wenn er jetzt ziemlich ausgebrannt aussah.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Mittwoch 20. Februar 2013, 19:18

Alles lief perfekt. Caspar und Pallas hatten die Situation vollkommen unter Kontrolle, Ferim und die Amazone waren kaum bewaffnet und befanden sich in strategisch ungünstigen Positionen. "Tu das nicht. So etwas verfolgt dich dein ganzes Leben. Es gibt andere Wege, bitte.", versuchte Ferim ihn umzustimmen. Pallas zögerte, denn irgendwo hatte er ja recht, und seine Entschlossenheit schwand. Ferim fuhr fort: "Wir können doch über alles reden, oder? Ihr nehmt doch einfach das Geld und lasst uns in Frieden.“ Sie hätten sich einfach alles nehmen können ohne sich die Hände dabei schmutzig zu machen, aber Caspar war in seiner Rage fest entschlossen die Angelegenheit auf seine Methode ein für alle mal zu beenden, zumal er sich in solch einer überlegen Position befand. „Zu spät, Betrüger. Ihr beide werdet Stahl schmeck...“, wetterte er gegen Ferim, bis er auf einmal abrupt stoppte. Fassungslos sah Pallas zu wie Caspar vornüber auf den Tisch fiel, niedergestreckt von einem Armbrustbolzen. Erschrocken erblickte er den Türwächter, mit einer abgefeuerten Armbrust in den Händen und verärgertem Blick. Niemand hatte bei all der Aufregung auf die Tür geachtet, am allerwenigstens er und Caspar.

Pallas senkte die Säbelspitze. Obwohl er Caspar kaum gekannt hatte traf ihn sein plötzliches Ableben hart... der Schock, dass Caspar vom einem Moment auf den anderen Tot war, machte ihm zu schaffen. Sein Säbel glitt ihm aus der Hand und landete scheppernd auf dem Boden. Anscheinend war er doch nicht so abgebrüht, wie er gedacht hatte, als er entschieden hatte Ferim auszulöschen. Kraftlos ließ er sich auf den nächsten Stuhl fallen. Seine Fluchtmöglichkeit aus Rumdett war ihm soeben davongestorben, einfach so...
Das Blatt hatte sich wahrlich gewendet, und zwar nicht zu seinen Gunsten. Pallas musste sich eingestehen dass er nun endgültig verloren hatte. Er war wieder ganz am Anfang, ohne Schiff, ohne Freunde, dafür aber ein paar neue Feinde.

Er blickte in die Runde. Auf den Gesichtern der Amazone und des Armbrustschützen spiegelten sich Zorn und Missgunst wieder. Man musste nicht Gedanken lesen können, um zu erkennen, dass die Amazone ihm am liebsten an die Gurgel wollte. Ferim schien dagegen einer Verhandlung gegenüber aufgeschlossener, ja fast schon wieder ganz der Alte zu sein.

Pallas schöpfte neue Hoffnung. Noch war nicht alles verloren und er begann seine Fassung wieder zu erlangen. Nachdenklich betrachtete er den Tisch und das viele Gold das darauf lag, das ließ ihn auf andere Gedanken kommen und lenkte ihn ab. Der Einsatz war 17 Dukaten gewesen, mal drei, plus zwei Dukaten von Ferim. Machte 53 Dukaten. Das Geld in Caspars und Ferims Goldbeuteln nicht mitgerechnet. Und da war ja auch noch das Schiff... Pallas hatte sich die Urkunde nicht angesehen, aber wenn Caspar solche Mühen auf sich genommen hatte, um es wieder zu bekommen, war es wohl mehr als ein einfacher Fischkutter, womöglich eine Karavelle oder ein richtiges Kaperschiff! Jedenfalls wertvoller als die ursprünglichen 15 Dukaten Spieleinsatz und das ganze Gold auf dem Tisch. Aber was nützt ein tolles Schiff, ohne seinen Kapitän, um es zu befehligen? Pallas hatte nicht die leiseste Ahnung vom Navigieren und Segeln und ein Pirat war er auch nicht, geschweige denn ein Kapitän. Und nun da Caspar seine letzte Reise Richtung Kata Mayan antrat, hinderte niemand seine Männer daran, ihn gleich hinterherzuschicken.

Der Diener lud einen weiteren Bolzen in seine Armbrust.

Seine Situation war zum verzweifeln und ausweglos, deshalb tat Pallas das, was er am besten konnte: Er redete drauf los:
"Sieht so aus, als hätte sich das mit dem Geschäft erledigt. Wisst ihr, ich und Caspar haben wirklich zusammengearbeitet, bis, nun ja... er... verstarb, was in höchstem Maße unerfreulich ist da ich gehofft hatte, dass er mich von hier fortbringen würde, sobald er wieder in Besitz seines Schiffes ist."
Anfangs kamen ihm die Worte nur schwer über die Lippen, aber je mehr er redete, desto leichter verarbeitete er den Schock.
"Seine einzige Bedingung war, dass ich ihm helfen muss, deswegen befinde ich mich ja auch in dieser misslichen Lage", fuhr er nun immer sicherer fort, die Worte sprudelten geradezu aus seinem Mund, "Mir geht es in erster Linie nämlich gar nicht um das Schiff, oder das Gold, sondern darum eine Möglichkeit zu finden von hier wegzukommen, wobei das Problem ist dass ich selbst ja nicht segeln kann und deswegen auf fremde Hilfe angewiesen bin".

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Februar 2013, 19:31

„Hört ihn euch an. Er wurde in diesen Dienst gezwungen und ist nicht weniger Opfer als wir anderen.“
„Das will ich bezweifeln!“, erwiderte die empörte Amazone. „Die wollten uns umbringen und das war von vorneherein geplant.“
„Was soll ich erst sagen? Dieses Kartenspiel zu veranstalten war mein Auskommen und jetzt, da Waffen gezückt wurden und betrogen wurde, kann ich mir das wohl in Zukunft abschminken. Und noch schlimmer: Wenn Finn davon Wind bekommt, nicht auszumalen, was dann mit mir passiert!“

Zumindest hatte Pallas die beiden soweit gebracht, dass sie sich nicht sofort auf ihn stürzen würden. Trotzdem: Die Armbrust war nachgeladen und der Dolch der Amazone noch nicht weggesteckt.

„Und selbst wenn ihr ihn jetzt umbringt, steht noch ein weiteres Problem im Raum.“ Ferim deutete auf das Gold, die Einsätze, die noch auf den Tisch lagen und nickte dann noch auf den Geldbeutel des Piraten, der am Boden lag. Caspar hatte sehr viel Geld dabei gehabt.
„Wer soll das bekommen? Werden wir uns danach gegenseitig dafür umbringen? Stattdessen sollten wir das alles hier auf einmal klären. Der Galgenstrick hier darf genau einen Vorschlag abgeben, was mit ihm passieren soll, wie wir das Geld verteilen und was wir wegen Kapitän Finn machen. Und wir drei stimmen dann darüber ab.“

„Warum soll der das entscheiden? Ich habe die letzte Runde gewonnen! Es gehört ALLES mir.“
„Nein, nein. Du kannst zwar die Einsatze nehmen, aber das Geld des Piraten und des Komplizen gehören mir! Ich muss hier alles sauber machen und mich um die Konsequenzen kümmern!“
Als Ferim das Geld zur Sprache brachte, hatte er die beiden ordentlich gegeneinander ausgespielt. War er wirklich der Streitschlichter, als den er sich gab, oder wollte er selbst auch dabei abkassieren?
„Ich würde für jede friedliche Lösung stimmen...“, sinnierte Ferim laut. „Angenommen er schlägt vor, dass einer von euch einen Löwenanteil bekommt, dann wäre der andere überstimmt, nehme ich an.“
Sofort drehten sich beide Streithähne zum Händlerssohn hin. Der angebliche Priester hatte es hinbekommen, dass seine Idee für eine Abstimmung ohne zu hinterfragen angenommen wurde, weil beide glaubten, davon profitieren zu können.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Mittwoch 27. Februar 2013, 22:11

„Hört ihn euch an. Er wurde in diesen Dienst gezwungen und ist nicht weniger Opfer als wir anderen“, sagte Ferim. Endlich jemand in dieser Stadt der Pallas' schwierige Situation verstand. Vielleicht war er ja doch kein so übler Kerl. Aber Pallas blieb misstrauisch, wer wusste schon was er wirklich im Schilde führte?
Die Amazone schien allerdings nicht überzeugt und beharrte weiterhin auf ihrem Standpunkt. Als wäre das nicht schlimm genug machte auch noch der Kerl mit dem lockeren Abzugsfinger Ansprüche auf das Gold. Und was meinte er damit, „Wenn Finn davon Wind bekommt“? Das hätte er sich eben zweimal überlegen sollen bevor er einen von Finns Männern umlegt. Oder verdiente der etwa AUCH NOCH an dem Kartenspiel mit?

Zu allem Überfluss hatte Pallas auch noch die Qual der Wahl, zu entscheiden, wessen Anteil wie hoch war. Das war so ähnlich wie bei diesem Rätsel mit den Piraten die ihren Schatz aufteilen, nur viel komplizierter. 
Scheinbar konnte er sich Ferims Stimme ziemlich sicher sein. Theoretisch gesehen könnte er seinen Anteil auf null reduzieren und darauf setzen, dass er den Vorschlag trotzdem annahm, in der Praxis war ihm das aber zu riskant. Wenn alles klappte musste er nur einen der beiden Streithähne zufriedenstellen, da sich dann eine zwei-drittel-Mehrheit ergab.
Auf jeden Fall wollte er auch sein Stück vom Kuchen abbekommen und er würde das ganze Gold bestimmt nicht irgendeinem Halsabschneider in den Rachen werfen. Wenn er schon was abgeben musste sollte das wenigstens jemand bekommen, der auch auf seiner Seite stand.

"Nun, ihr stellt mich hier wirklich vor eine schwierige Entscheidung... ihr versteht sicher dass ich natürlich auch immer auf meinen eigenen Vorteil bedacht sein muss", er wandte sich dem Gastgeber und der Amazone zu, "deshalb kann ich nur demjenigen Gold versprechen der eine für mich vorteilhafte Gegenleistung erbringt, sagen wir zum Beispiel einen angemessenen Teil des Goldes und freies Geleit."
Warum weiter raten, wer der beste Kandidat wäre, wenn sie ihm das nicht selbst verraten konnten?

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Sonntag 3. März 2013, 20:46

In der kurzen Bedenkzeit, die Pallas hatte, lief Ferim um den Tisch herum und gesellte sich zwischen den Gastgeber und der Amazone. Die beiden starrten Pallas an und nahmen von der sonstigen Umgebung kaum mehr Notiz. Allein die Aussicht, viel Geld ohne Gegenleistung zu erhalten ließ sie auf Ferims Vorschlag eingehen, der ja höchst merkwürdige Züge trug. Pallas hatte nachgedacht und den Weg des Händlers gewählt, um sich langfristig abzusichern. Während er seinen Vorschlag anbrachte, schüttelte Ferim den Kopf und hob warnend die Hände.

"Auf deinen eigenen Vorteil bedacht...", sagte die Amazone, "Das kennen wir bereits genüge von dir."
"Wir sollen dich jetzt auch noch bezahlen und beschützen, nach dem, was du hier getan hast?"
Beide wirkten enttäuscht. Der Plan des Händlerssohnes, dass sich beide mit Wohltaten für ihn überbieten würden, fiel ins Wasser. Aber warum enttäuscht sein? Sie waren es doch, die die Waffen in der Hand hatten!
"Egal, dann teilen wir es eben zu zwei gleichen Teilen. Die Pfaffe kriegt nichts und kann gehen.", schlug der Veranstalter vor und die Amazone nickte bloß.
"Sieht so aus, als ob dein Vorschlag abgelehnt wurde..."
"Neuer Vorschlag: Du stirbst und wir behaupten, du hast Finns Goldesel umgebracht. Wenn der Priester den Mund aufreist, kommt er als nächster dran, versteht sich. Angenommen?"
"Angenommen. Zwei gegen einen, alles korrekt und gerecht."
Der Mann richtete seine Armbrust auf Pallas.

Jetzt ging alles drunter und drüber. Der Gastgeber stolperte nach vorne, von Ferim gestoßen landete er bäuchlings auf dem Tisch, die Armbrust löste sich bereits im Straucheln, aber der Bolzen verfehlte Pallas Mercator um Haaresbreite und blieb in der Wand hinter ihm stecken. "Renn, Dummkopf, renn!", rief Ferim. Der Blick der Amazone wechselte zwischen Pallas und Ferim hin und her. Anstatt einen von beiden anzugreifen, entschied sie sich im Bruchteil einer Sekunde, lieber die Tür zu blockieren. Bevor sie jedoch lossprinten konnte, stürzte sie zu Boden.
"...mein Schiff..." , ertönte es luftleer von unter dem Tisch. Caspars Hände hatten den Stiefel der Amazone umklammert und sie so zu Fall gebracht. Die Frau kreischte und trat mit dem anderen Fuß nach den Fingern des totgeglaubten Piraten. Ferim gab mit wallender Robe Fersengeld, während der Gastgeber einige wertvolle Sekunden brauchte, um sich aufzurappeln. Der Weg zur Tür stand für Pallas ebenso offen. Der Haupteingang war glücklicherweise nur von innen verriegelt, also bedurfte es keines Schlüssels, diesen zu öffnen, aber man konnte ihn auch nicht hinter sich verschließen.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Sonntag 3. März 2013, 21:50

"Neuer Vorschlag: Du stirbst und wir behaupten, du hast Finns Goldesel umgebracht. Wenn der Priester den Mund aufreist, kommt er als nächster dran, versteht sich. Angenommen?"
Sein Vorschlag wahr wohl ziemlich eindeutig Abgelehnt worden, aber Pallas blieb keine Zeit ihm nachzutrauern, denn im nächsten Moment surrte schon der Armbrustbolzen an ihm vorbei. Ferim hatte ihm das Leben gerettet, indem er den Schützen aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Pallas saß noch immer auf dem Stuhl, während der Gastgeber vornüber auf den Tisch stürzte und Ferim die Flucht ergriff. Die Amazone indes wurde vom scheinbar noch lebenden Caspar zu Boden geworfen.

Caspar lebt!? So leid es ihm tat, Pallas konnte Caspar jetzt nicht helfen, denn er musste sich ein Beispiel an Ferim nehmen und den Rückzug antreten, bevor die allgemeine Verwirrung ihr Ende fand. Er sprang auf, schnappte sich den Goldbeutel, den Ferim ihm vorhin zugeworfen hatte und folgte seinem Besitzer durch die Tür. Aber er würde bestimmt mit Hilfe zurück kommen. Standen nicht noch ein paar von Caspars Männern draußen vor der Tür?

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Samstag 9. März 2013, 21:48

Pallas konnte unbehelligt den Raum verlassen. Der Gastgeber blickte ihm verdutzt nach, rappelte sich dann erst nach einigen Augenblicken auf. Er wusste nicht, was er tun sollte. Hinterher rennen? Aber er hatte keine Nahkampfwaffe, nur eine Armbrust, die noch nachgeladen werden musste. Und so etwas dauerte schon etwas.
"Hilf' mir du Trottel!", schimpfte die Amazone. Caspar hing wie eine Klette an ihrem Bein, auch wenn er genauso ungefährlich wie eine solche war. Trotzdem hielt er damit die Frau auf. Der Mann folgte dieser Aufforderung, weil ihm nichts besseres einfiel.

Ferim war gerade damit beschäftigt die Haustür zu entriegeln. Weil ihn das kurz aufhielt, holte Pallas schnell seinen Vorsprung ein. Der schwarzhaarige Mönch riss die Tür auf und rannte raus. Schlagartig war er von vier Piraten umzingelt.
"Oh nein! Ihr gehört zu Cattie, nicht wahr?", jammerte er verzweifelt.
"Wir gehören zu Caspar.", murmelte ein Pirat mit drohender Stimme. "Was..."
"Das ist doch der reiche Schwarzbärtige, oder?" Ferim atmete übertrieben erleichtert auf.
"Das klingt nach ihm. Warum bist du da und er nicht?"
"Weil die da drinnen Caspar niedergeschossen haben! Das Spiel war eine Falle. Cattie steckt dahinter! Wir konnten uns gerade so retten."
Dabei wies er auf Pallas und Ferims Augen flehten ihn an, bei dieser Täuschung mitzuspielen. Vielleicht konnte der Händlerssohn sogar die Piraten dazu bringen, kurzen Prozess mit den beiden Verfolgern, die jeden Moment nachkommen würden, zu machen.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Dienstag 19. März 2013, 23:23

Vier dunkle Gestalten traten aus dem Schatten der Straße, kaum dass Ferim durch die Tür war. Pallas konnte ihre Gesichter nicht erkennen, aber so wie sie sich äußerten war es klar dass es sich um Caspars Männer handelte.
Ferim gab eine Kurzversion der Geschehnisse wieder, wobei er unerwähnt ließ, dass ja eigentlich Caspar zuerst gewalttätig geworden war und dass die Allianz zwischen dem Gastgeber und der Amazone eher spontaner Natur war. Jedenfalls war es Pallas so vorgekommen. Aber was wenn er mehr über die Intrigen in dieser Stadt wusste, was bedeuten würde, dass tatsächlich eine gewisse Cattie die Fäden zog?
Pallas wischte diese Verschwörungstheorien gedanklich beiseite. Vermutlich schob er alles auf diese Cattie, um den Piraten eine plausible Erklärung zu liefern. Es gab außerdem wichtigere Dinge um die man sich sorgen musste. Mit oder ohne Cattie, die Piraten mussten als Verbündete gewonnen werden.

„Äh ja... genau! Cattie! Es ist wie er gesagt hat", ergriff Pallas mit den Armen gestikulierend das Wort, "Sie haben Caspar hinterrücks in den Rücken geschossen, die Feiglinge, und uns beide hätten sie auch um ein Haar einen Kopf kürzer gemacht. Und jetzt wo sie denken, dass sie uns in die Flucht geschlagen haben, machen sie sich mit der ganzen Beute aus dem Staub! Wir müssen sie aufhalten, bevor es zu spät ist, wir können sie doch nicht einfach mit dieser linken Nummer durchkommen lassen! Und denkt doch an das ganze Gold, das Schiff und Caspar! Sein Tod darf nicht ungesühnt bleiben!"

Dass Caspar noch am Leben war, zumindest war er das noch als Pallas die Flucht ergriffen hatte, verschwieg er, denn er hoffte, dass die Gier nach Gold, die Loyalität gegenüber Caspar und der Gedanke Rache zu üben überzeugende Argumente darstellten.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. März 2013, 21:32

„Es ist mir als Mann des Glaubens unverständlich, wie man seine Seele für einen Haufen Gold wegwerfen kann, egal wie groß er sein mag.“, diese Wort sprach Ferim in der Stadt Rumdett, der Piratenhochburg.
Auch wenn keiner der vier Piraten absolut von dieser Geschichte überzeugt wurde, so wechselten sie doch Blicke und kurze Worte.
„Caspar tot?“
„...Gold...“
„Mit Cattie ist nicht zu spaßen.“

In diesem Moment rannten die beiden verbündeten Räuber den Flur entlang zur offenen Tür.
Die Amazone hatte sich losbekommen und rannte an der Spitze. Der Gastgeber war nicht mehr der jüngste und eilte keuchend hinterher. Aber die Armbrust war wieder gespannt.
„Das ist doch Caspars Säbel!“, rief einer der Piraten und tatsächlich: Die Amazone hielt in der rechten Hand die Klinge des Kapitäns. Der eigentliche Besitzer hatte sie an diesem Abend abgesehen von Drohgebärden gar nicht benutzt. Dass jetzt aber Blut von der Spitze tropfte konnte also nur eines bedeuten.
In der anderen Hand trug die Frau ihren Dolch.
„Aus dem Weg, ihr Hornochsen. Die gehören uns!“, rief sie.
„Wenn ich du wäre, würde ich jetzt mal ganz schnell ruhig sein.“, zischte ein Pirat.
„Ich kann das alles aufklären!“, sagte der Gastgeber keuchend. „Ich habe das Kartenspiel veranstaltet und...“
„...jetzt rennst du mit einer Armbrust Amok, du Mörder!“, rief Ferim.
„Aber nein, dieser Caspar und seine Bande ungewaschener Strauchdiebe...“
Offensichtlich erkannte er nicht, wessen Männer er vor sich hatte. Doch seine Augen weiteten sich, als er verärgerte Blicke erntete. Die Piraten wandten sich jetzt alle zu dem Gastgeber und der Amazone hin. Beide hoben drohend ihre Waffen. Keiner achtete mehr auf Pallas und Ferim. Der Mann in Robe ging leise weg und deutete Pallas, ihm unauffällig zu folgen.
Es war nicht zu erkennen, ob die beiden streitenden Parteien sich einig wurden oder die Lage eskalierte. Als sie um die nächste Ecke verschwunden waren, fing Ferim einen Laufschritt an.
„Oh Mann, wie oft hätte ich mir heute schon beinahe in die Roben gemacht.“, meinte er, als wäre Pallas sein bester Freund auf der Welt. „Ich muss gestehen... du hättest es vermutlich nie erraten, aber ich bin eigentlich Schauspieler. Du hast bestimmt einige Fragen, oder? Ich kenne ein paar sichere Winkel in der Stadt.“
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Dienstag 26. März 2013, 15:38

Es entbrannte ein heftiger Streit in der Gasse, als die Amazone und der Gastgeber aus dem Haus kamen, aber Pallas und Ferim machten sich davon, ehe er weiter eskalieren konnte. Pallas hielt sich dicht bei Ferim, denn es war ziemlich dunkel. Straßenbeleuchtung, wie es sie vielleicht in anderen Städten gegeben hätte, suchte man hier vergeblich, nur hin und wieder schien Licht durch die Ritzen des einen oder anderen Fensterladens. Der Mond zeigte sich hin und wieder, war aber meist hinter Wolken verborgen. Er konnte nicht genau sagen, wohin sie gingen, denn bei Dunkelheit fiel ihm die Orientierung auf den Menschenleeren Straßen um einiges schwerer.

Pallas war froh, dass sie, mal abgesehen von Caspar, heil aus dieser Nummer rausgekommen waren. Er fand es nur schade, dass er sein Entermesser im Spielsalon liegen gelassen hatte. Auch den Großteil des Gewinns hatten sie zurücklassen müssen.
Außer Sichtweise schlug Ferim einen freundschaftlichen Ton an: „Oh Mann, wie oft hätte ich mir heute schon beinahe in die Roben gemacht. Ich muss gestehen... du hättest es vermutlich nie erraten, aber ich bin eigentlich Schauspieler. Du hast bestimmt einige Fragen, oder? Ich kenne ein paar sichere Winkel in der Stadt.“
„Ein Schauspieler?!“, fragte Pallas verwundert, als sie ein paar Gassen weiter wahren. Er hatte sich von Ferim schon wieder täuschen lassen, was dank dieser Erkenntnis aber nicht mehr verwunderlich war, da es quasi zu Ferims Beruf gehörte, anderen glaubhaft etwas vorzuspielen.
„Und ein richtig guter noch dazu, möchte ich wetten! Zwei Mal bin ich dir schon auf den Leim gegangen“, sagte er mit einem Zwinkern, „Aber was verschlägt einen Kerl wie dich, an einen Ort wie diesen?“

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