Die geflügelte Seeschlange

Das große Meer ist launisch wie das Wetter. Einmal ist es friedlich und dann wieder die reinste Gefahr. Erfahrene Seemänner befahren es mit ihren großen Schiffen. Alle Reisen sind hier verzeichnet.
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Piraten kapern alle Schiffe, die nicht dunkelelfisch oder verbündete mit sichtbarem Zeichen (Flagge) sind.
Die Mantroner versuchen, gegen die Piraten vorzugehen.
Ein Teil der Amazonen, sowie das dunkle Volk sind Verbündete der Piraten.
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Die geflügelte Seeschlange

Beitrag von Erzähler » Samstag 26. Juli 2014, 02:28

Isildur kommt von Bei Thure Sturmschreier

Isildur kehrte er Stunden später mit den lachenden und lärmenden Mantronern zurück. Kaum, dass er das Dorf wieder erreichte und man auf Thures Langhaus zuhielt, stand Bryoja vor ihm. Sie fasste nach seinem pelzigen Arm. Ihre Augen leuchteten in dem eisigen Blau, das ihr eine kühle, aber auch erfrischend starke Note verlieh. "Isildur!" Voller Überschwänglichkeit zupfte sie an seinem Arm, um ihn mit sich zu ziehen. "Komm, das musst du sehen!" Sofort eilte sie mit ihm aus dem Haupthaus bis zum Rande Mantrons. Dort warteten weitere der Tapferen, unter ihnen befand sich aber auch Otis. Man hatte den Piraten in einen dicken Pelz, sowie eine Fellmütze aus dem gepunkteten Weiß eines Schneeluchses gestopft. Er sah nun selbst fast aus wie ein Wolf auf zwei Beinen, wäre er etwas größer. Die Mantroner überragten ihn allesamt und es handelte sich um ein halbes Dutzend Männer und Frauen.
Atka tollte um die Bande herum. Er bellte welpenhaft, als er Bryoja und Isildur witterte. Sofort schoss er durch den Schnee auf beide zu. Seine Stimme überschlug sich beinahe. "Sippenreise, Sippenreise!", bellte er immer wieder kräftig. Kaum dass er den Wolfselfen erreichte, drückte er seine Seite fest an dessen Beine und rieb die Schnauze an ihm. Ein deutliches Zeichen, um auch allen klarzumachen, zu wem Isildur gehörte. Er war Teil seines persönlichen Rudels.
Bryoja zog ihren Gefährten aber weiter mit sich, bis sie vor dem Wall aus Mantronern standen. "Isildur, das ist ein Teil meiner Sippe. Wir werden mit meinen Brüdern, Schwestern, Nichten, Onkeln und Tanten nach Santros segeln. Noch etwa genauso viele von Thalurs Familie werden mitkommen. Sie sind schon zur Küste, um sich um die geflügelte Seeschlange zu kümmern."
Bei Nennung dieses Wesens hob Otis ratlos die Schultern und suchte Isildurs Blick. Er wusste auch nicht, was es damit auf sich hatte, machte aber keinen allzu glücklichen Eindruck. Offenbar hatte er keine Lust auf einer Schlange zu fliegen. Doch noch ehe die Frage geklärt werden konnte, schob Bryoja den Elfen in Wolfsgestalt an den sechs Mantronern entlang, um jeden einzelnen vorzustellen.

"Das ist Onkel Bjarnek Salzwasser. Er hat mir den Umgang mit der Breitaxt beigebracht. Er ist ein richtiger Bär, wie du siehst." Bjarnek war mehr als das. Man konnte kaum sagen, wo bei diesem Koloss der Pelz begann und der Haarwuchs endete. Seine weiße Mähne ging einfach in das ihn wärmende Fell über. Er war ein Berg von einem Mann und mit zwei Handäxten ausgerüstet, sowie eine schwer aussehenden Streitaxt, die er sich quer über den Rücken geschnallt hatte. Er besaß dieselben Augen wie seine Nichte.
Der Mann neben ihm mochte etwas kleiner sein, ähnelte Bjarnek aber sehr. Vermutlich waren beide Brüder. Auch sein Haar hatte bereits die Farbe von Schnee angenommen, nur trug er es nicht so offen und wallend, sondern hatte sich viele Zöpfe gebunden, die von roten Bändern zusammengehalten wurden. "Mein anderer Onkel Borston Süßwasser." Nun, das konnte man sich wenigstens leicht merken. Bei den beiden Frauen, die folgten, war es etwas schwieriger. Die eine war eine angeheiratete Schwägerin und hörte auf den Namen Warnhild Venthari. Sie erinnerte an eine Walküre und Isildur hätte eine ihrer Brustplatten sicherlich als Helm nutzen können, so gut war sie gebaut. Das Weib besaß wirre, blonde Haare und ein Lachen, dass es einem eiskalt den Rücken herunterlief. Schließlich zog Bryoja die schlankere Frau an ihre Seite, umarmte sie kurz aber herzlich und lächelte Isildur vielsagend an. "Meine jüngere Schwester Delfina die Schneeeule. Ist sie nicht niedlich?" Das war sie in der Tat. Man konnte sie wohl mit Fug und Recht als das Nesthäkchen der Gruppe bezeichnen. Sie war definitiv die kleinste, ihr Haar besaß neben dem blonden Grundton einen rötlichen Schimmer und ihre großen Kulleraugen verdeutlichten, woher sie ihren Namen hate.
Isildur wurden dann noch Onkel Fjaske Robbenschreck und sein Sohn Walfried Schneetreiber vorgestellt. Beide Männer waren eher schlank geraten, besaßen aber sehnige Muskeln und feuerrot, lockige Mähnen. Fjaske hatte seine zu einem wallenden Pferdeschwanz gebunden, der bei jedem Schritt wippte. "Dann woll'n wir mal, wohl?"
Bryoja nickte ihrem Onkel zu. Schon setzte sich der Tross in Bewegung. Atka wuselte aufgeregt um sie herum, behielt aber auch Otis im Auge, der sich während des Marsches mit einer Flasche mantronischem Starkbieres warm hielt. Bryoja indes hakte sich ungeniert bei Isildur ein. "Sie beherrschen leider alle nicht das Celcianische. Wenn du dich mit ihnen verständigen willst, wirst du es über mich tun müssen. Aber sie sind einmalig im Segeln und wenn du siehst, wie wir nach Santros kommen, wirst du Augen machen. Die geflügelte Seeschlange ist ein wahrer Fortschritt der mantronischen Drachenschiffe!"
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Isildur Ranarion Ni'Tessin
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Re: Die geflügelte Seeschlange

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Sonntag 17. August 2014, 02:07

Isildur war erstaunt. Erstaunt, dass Otis sich ihm geöffnet hatte und ihm sogar Warnungen gab. Menschen konnte man also nicht trauen, egal wo man war. Es sollte immer alles mit Vorsicht gemacht werden und sich eher auf sich selbst, anstatt auf andere zu verlassen. Was war das für eine Welt? Bei Elfen war die Gemeinschaft groß geschrieben. Wenn man das Vertrauen hatte, dann hatte man Freunde gefunden. Erschreckend, dass es so anders war. Er beobachtete den Mann, der trotz dessen sie gesprochen hatte, noch viele Geheimnisse besaß.
„das was du mir anvertraut hast, werde ich nicht gegen dich verwenden“ gab er nochmal von sich. Sie hatten sich ausgesprochen und Isildur hatte wieder etwas gelernt. Wie kompliziert es bei den Menschen herging und wie grausam scheinbar sogar die eigene Familie sein konnte. Undenkbar für den einstigen Waldelfen. Jedoch glaubte er auch eine Spur Dankbarkeit in den Augen des Mannes gesehen zu haben, dass Isildur zumindest ihm bei dessen Frau helfen wollte. Und das Otis sagte, dass er jemanden wie Isildur glauben könnte.
Weswegen er seinen Sohn nicht ansprach, wusste Isildur nicht, doch wollte er es nicht zur Sprache bringen.
Mit einem Handschlag wie es unter Waldelfen üblich war wurde Otis Teil des Rudels. Wieder wurde ihm vor Augen geführt, wie enorm groß seine Pranke im Verhältnis zu der Hand eines Mannes war. Anfangs war die Beweglichkeit in seinen veränderten Fingern noch eingeschränkter gewesen, aber da er beständig damit trainierte und wenn es eben nur die Nutzung mit den Sehnen seines Bogens war, fühlte es sich nicht mehr fremd an. Er fühlte sich überhaupt nicht mehr fremd in dieser Gestalt, was hoffentlich auch was Gutes hatte.
Zufrieden verließ er das Haupthaus, ließ den letzten Satz von Otis unbeantwortet. Was sollte man auch dazu sagen? Frivole Sprache lag ihm eben nicht.
Draußen angekommen musste Isildur nicht lange warten. Denn die Gesellschaft zur Jagd war auf ihre Art herzlich und vielschichtig. Aber die Namen?
Moment…was…wer war Eisbrecher?....Himmel, wie soll ich die denn auseinanderhalten?
Ihr Celcianisch war zwar nicht das Beste und man erklärte sich mit Händen und Füßen, doch im Grunde wussten sie alle ja auch was sie machen wollten. Sie wollten jagen und Beute nach Hause bringen. Isildur versuchte sich sowohl Namen als auch ein paar Wörter aufzufangen. Doch es war schwierig. Erst wurden ausgelegte Fallen überprüft und es lagen dort Hasen, die fast keine Farbe besaßen. Das Fell war dicker, als die aus dem Klima wo Isildur ursprünglich herkam. Yavanna hätte so ein Tier eher gekuschelt, als es als schmackhaften Braten sehen zu können. Sie war ja nicht umsonst eine Fleischverweigerin. Die nächsten Tiere, die Isildur jagen durfte, waren erstaunlich. Noch nie hatte der Waldelf solche Tiere gesehen. Sie waren dicklich, hatte hundeähnliche Schnauzen und große Augen. Ihre Hinterläufe waren zu einer Art Flosse verwachsen und sie hatte auch eher Flossen als Vorderpfoten. Schwerfällig robbten sie über das Eis. Sie weckten in den Wolf eher den Drang zum Spielen, anstatt zur Jagd. Was wohl auch die anderen Jäger bemerkten und sich amüsierten. Das die seltsamen Tiere jedoch flink sein konnten, erfuhr Isildur am eigenen Leib. Während er mit dem rutschigen Eis zu kämpfen hatte, flohen viele ins Wasser und waren plötzlich geschmeidig und schnell.
Bemerkenswert.
Noch seltsamer waren aber die großen Vögel, die aufrecht wie Menschen umherwatschelten. Oder aber bei einem Hügel sich auf den Bauch warfen und ….rutschten? Es schien den Wesen spaß zu machen.
Ist das eine Art von humanoiden Volk? Nein, ich bezweifle, dass sie das sind. Schwestern, das solltet ihr sehen…die wären etwas für euch.
Die Mantroner bevorzugten zur Jagd Sperr oder Wurfaxt, Isildur nahm seinen Bogen. Immer wenn er konnte, nutzte er lieber seine vertraute Waffe, anstatt sich mit Klauen und Zähnen an die Beute ranzumachen. Doch einmal konnte er nicht anders. Sie waren gerade auf den Rückweg, da hatte Isildur den Hasen bemerkt. Er drückte dem Erstbesten seinen Bogen in die Hand und machte sich auf die Jagd. So sollte der Wolf sich vor der Reise, die noch kommen würde, sich sattfressen. Vielleicht war es auch der Geruch der getöteten Tiere, der ihn antrieb. Isildur verspeiste das Tier in etwas Entfernung und die anderen ließen ihn gewähren. Sie wussten wie man mit Wölfen lebte, wenn Isildur auch einer auf bevorzugt zwei Beinen war. Man ließ Isildur trotzdem nie das Gefühl aufkommen, dass sie Furcht vor ihn hatten oder er ihnen seltsam war. Als wäre es normal, solange man keine Gefahr war.
Wie Zuhause….nur ich selber habe mehr Angst davor als alle anderen.
Mit Schnee reinigte sich Isildur die Schnauze und die Pranken, gesellte sich zu den anderen. Hier und dort gab es Gelächter und auch Schulterklopfen. Gesellschaft und einen erfolgreiche Jagd verband.

Gemeinsam wurde die Beute ins Haupthaus gebracht, wo es ausgenommen und auch gehäutet wurde. Nein, da hatte der Häuptling recht gehabt, sowas konnte Isildur nicht. Er würde alles nur verunreinigen mit seinem Fell und der Geruch des vielen Blutes machte ihn nervös und hungrig zugleich. Egal, ob er gerade gefressen hatte oder nicht. So blieb der Silberwolf draußen, zog die kühle und klare Luft der Gegend ein. Sie war so rein und unverfälscht. Er schmeckte Salz und so viele andere unbekannte Düfte. Seine Ohren zuckten wegen der Geräusche und seine Nase nahm einen vertrauten Geruch war. Ein Schmunzeln zeigte sich auf seinen Zügen, als er sich zu der Mantronerin umdrehte. Bryoja kam auf ihn zu. Hatte ihn am Arm gepackt und seine Schnauze drückte sich kurz an ihren Hals.
Hmm, ich mache es wie aus Gewohnheit! So wie die Wölfe sich hier begrüßen, so schaue ich es unbewusst auch ab. Seltsam…
Atka war gleichfalls da, sprang wie so oft um die Beine von Isildur. Der Wolfelf strich durch dessen Pelz, kraulte den jungen Wolf hinter dem Ohr.
„Sippenreise?“ fragte er überrascht auch die Frau. Hieß das, er würde ihre Familie kennenlernen? So viel Zeit hatte er aber nicht zum Agieren, so wurde er gleich weiter gezogen.
Sie will mit ihrer Familie reisen? So wie wir das gemacht haben…früher…ich vermisse es. Die großen Jagden, wenn hier auch vieles ähnlich ist. Mir fehlt mein Wald und den Geruch der Wälder…hier ist nur Schnee. Ich verbinde es immer mit dem Vorfall von damals.
Ja der Vorfall, der in ihm das Silberblut erst erweckt hatte, und er fast seine Schwestern verletzt beziehungsweise getötet hatte. In Gedanken sträubte sich dadurch das Fell von Isildur. Otis wirkte auch nicht sonderlich informiert, was die Schlange sein sollte. Eine geflügelte Schlange? So eine Art Drachenwesen, wie sie in Legenden vorkam…darauf soll gereist werden?
„Warte…“ versuchte er sie zu stoppen, wurde dann jedoch durch den herumspringenden Atka und auch den Übermut der Mantronerin überwältigt. Isildur wollte nicht auf einer Schlange reisen…die zu allen Übel, dann noch flog. Schlangen gehörte ins Dickicht oder in die Gräser, aber nicht in die Wolken. Und ER ebenso nicht. Aber eine Spur Neugier war doch da…
Und dann wurde Isildur erstmal ihrer Familie vorgestellt. Zwar waren sie alle unterschiedlich und doch hatten sie alle den feinen Geruch des gleichen Blutes an sich. Eindeutig Familie. Doch die Namen! Himmel, Isildur nickte nur, versuchte sich die Namen zu merken. Dass er sich scheinbar nicht mehr vorstellen musste, erklärte der Blick, der neutral war. Sie hatte wohl alle darüber informiert und nachfragen, ob er Isildur wäre, brauchte man wohl nicht. So viele zweibeinig laufende Wölfe liefen hier ja nicht rum.
Besonders die Vornamen waren für den Waldelfen schwierig zu merken, die Nachnamen waren leicht. Immer etwas mit Schnee, Wasser oder dergleichen.
Salzwasser, Onkel Süßwasser…Wasser…das war die Eselsbrücke, dass Haar erinnerte daran….und der kleinere hieß mit Vornamen Borston…wie Borsten, die roten Bänder erinnerten Isildur daran.
„Deine Onkels also….“Die Frauen…nun, die erste ließ Isildur staunen. Noch nie hatte er so eine Frau gesehen. Unglaublich….Warnhild…wie Warnung
Sein Kopf ratterte und als dann Bryoja ihm die kleine Schwester zeigte, musste er stutzen. Ja, es war eine niedliche Frau…und die sah wirklich wie eine Eule aus. Erschreckender war aber, dass sie ihn an Yavanna erinnerte. Die großen Augen, die die Welt noch anders sahen…Unschuldiger.
„Schneeeule, hmm?...das kann ich mir merken…“ meinte er zu Bryoja und lächelte auf wölfische Weise. Die Kleine hatte jetzt schon den Beschützerinstinkt geweckt.
Die beiden anderen Onkels. Sie hatte wirklich viele Onkel und Tanten, wie Isildur bemerkte. Aber Menschen waren ja im Allgemeinen sowieso gebärfreudiger. In seinem Dorf galt Isildurs Familie schon als groß…und da waren es nicht annährend s viele Personen.
Das Signal wurde erteilt und sie schienen aufzubrechen. Auch ohne das Isildur die Sprache verstand, merkte er den Aufbruch.
„Keine Sorge, notfalls unterhalte ich mich mit Händen und Füssen…“ beruhigte er Bryoja. Gerade wollte er fragen, was denn nun eine Seeschlange mit Flügeln sein, da erklärte es sich. Zumindest halbwegs.
„Drachenschiff??...ein Schiff??....“ ein Knurren entwich ihm. Er mochte keine Schiffe und den Blick den er sogar jetzt zu Otis warf, war leicht zu deuten. Auf einem Schiff hatte sein Dilemma angefangen. Der Geruch war furchtbar und es schaukelte. Unbewusst verlangsamte Isildur den Schritt. Der Wolf in ihm war ebenso nicht begeistert wie er.
„geht es nicht anders?...“ fragte er tatsächlich und zwang sich fast schon, die Schritte weiter zu gehen. Ihr Götter, ihr wollt mich verhöhnen, oder?...Mir wird die ganze Fahrt übel sein…Ich gehöre in einem Wald und nicht auf ein Schiff.
Er sprach zwar mit sich selbst, doch knurrte Isildur zunehmend…je näher sie ihrem Ziel kamen. Konnte man ihn nicht die Fahrt einschläfern? Meist war es unter Deck dann noch beengend und er mochte seine Angst vor engen Räumen zwar im Griff halten können, aber nicht auf Dauer. Der Wolfself schüttelte sein langes Mähnenfell, zog die Luft tief ein. Seine Ohren zuckten nervös.
„ich hasse Schiffe…“ knurrte er zu Atka rüber.

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Re: Die geflügelte Seeschlange

Beitrag von Erzähler » Montag 8. September 2014, 09:25

Was so eine Weite aus Schnee und Eis, fern jeglicher Schiffe, aber nicht des rauen Wetters und der Kälte doch mit einem Piraten alles anstellen konnte. Vermutlich war es das für Otis unliebsame Terrain, auf dem er sich zwangsläufig und in Isildurs Gesellschaft bewegen musste, dass er sich ihm etwas öffnete. Eine Annäherung, um sich das eigene Wohlergehen zu sichern. Man wusste schließlich nie, wann dieser Wolfspelz ihm noch nützlich werden konnte und sei es als abgezogener Mantel, um im Schnee nicht zu erfrieren. Ob der abgerissene Pirat derartige Gedanken überhaupt hegte, ließ er nicht verlauten. Fakt war, dass er Isildur nun einige Warnungen als gut gemeinte Ratschläge mit auf den Weg gegeben hatte. In Rumdett hätte er dafür sicherlich noch Geld verlangt. Inzwischen wünschte er sich nur noch an einen Ort fernab dieser Kälte, des vielen Weißes und der hünenhaften Gestalten, von denen ihm jeder den Kopf zwischen den Pranken eindrücken konnte. Keine besonders guten Aussichten für jemand, der sich sein Überleben auch mit Taschendiebstahl sicherte.
Otis stieß die Luft in einem amüsierten Laut aus. Sein Blick hob sich zum Wolfselfen, dass das Augenpaar einmal keck aufblitzte. Dann nickte er, wiederholt jedoch seine Worte: "Man kann niemandem trauen. Ich werde selbst Erfahrungen sammeln, ob' auf dich auch zutrifft, eh." Somit bekundete er direkt seine Spur Misstrauen, die noch lange nicht verflogen war. Otis mochte in der Hinsicht vorsichtiger sein, auch wenn er mehr als häufig eine dicke Lippe riskierte. Das hatte ihm schließlich auch seinen Spitznamen eingebracht.

Spitznamen besaßen auch die Mantroner, allerdings wohl bereits in Form ihrer Beinamen. Viele besaßen Assoziationen zu Schnee, Eis und Kälte oder den Dingen, die man als Tapferer des Eisreiches nachging. Eisbrecher, Schneewühler, Windsegler und Robbenschreck ... Isildur kam durcheinander, noch bevor Bryoja alle vorgestellt hatte. Sie selbst nannte sich Frostwolf. So hatte sie sich bereits mehrmals vorgestellt. Sicher hieß nicht jeder in ihrer Familie so. Auch das war ein Beiname, der etwas an ihr ausdrücken sollte. Etwas Wölfisches, das Isildur vielleicht gefallen mochte. Sie war eine Wölfin!
Aber Wölfe gehörten nicht aufs Wasser. Sie waren nicht dafür bestimmt, Schiffe zu bauen und mit ihnen das weite Meer zu befahren. Kein Wesen war dafür geschaffen und erst recht nicht Isildur! Die Vorstellung, erneut auf den salzigen Gefilden fahren zu müssen, weckte in ihm wohl so viel Unbehagen, wie es in Otis die Lebensgeister hervorrief. Der Pirat bekam glänzende Augen und suchte damit schon die Umgebung nach dem Drachenschiff ab. Er wollte wieder aufs Meer. Irgendwie legte sich bei ihm da sogleich ein Hebel um. Es war eine Möglichkeit, vom Eis fortzukommen und in ein Territorium, in dem er sich auskannte. Da konnte selbst er einmal zeigen, wozu er taugte. Otis war Isildur überlegen, was die Seefahrt anging, allein schon durch die Tatsache, dass ihm beim Reisen auf dem Wasser nicht mulmig würde.
Bryoja bemerkte das Sträuben, das ihre Worte in dem Elfen an ihrer Seite weckte. Sie drückte seinen pelzigen Arm. "Es gibt keine Alternative. Wir könnten mit dem Hundeschlitten nicht so weit reisen und mit einem der an Land fahrenden Kufenschiffe kommen wir spätestens an der Grenze nicht mehr voran. Dort endet das Eis, dafür beginnt ein grüner Harax voller Gefahren." Sie stutzte einen Moment, lächelte ironisch. "Nicht, dass ich mich fürchten würde. Wir sind als tapferes Volk unter den Menschen bekannt. Niemand von uns fürchtet den Urwald, er ist mir nur nicht vertraut."
"Genauso wenig wie mir", mischte sich Otis ein. "Dafür kenne ich die Meere und weiß, deine Familie an Deck zu unterstützen, eh. Fahren wir mit der Schlange!" Er konnte seine Begeisterung kaum zügeln. Das bemerkte auch einer von Bryojas Onkeln. War es Bjarnek oder Onkel Süßwasser? Wie auch immer, der stämmige Mann klopfte Otis kräftig die Schulter, dass der darunter einsank. Er musste sein Celcianisch nicht verstehen, um zu erkennen, worauf sich der Rumdetter Pirat so freute. Wissend nickte er, stieß einen Befehlsruf an einige seiner Sippe aus. Es ging los.

Isildur begleitete Bryoja und ihre Familie widerstrebend. Er musste sich zwingen. Das Knurren ließ sich nicht mehr verbergen, zumindest die Mantronerin hatte es bemerkt. Immer wieder drückte sie seinen Arm, verzichtete aber darauf, ihn zu fragen, was los sei. Die Antwort erhielt im Gegensatz zu ihr aber ihr tierischer Begleiter Atka. Der junge Wolf trippelte in lässigem Trott neben den beiden her. Er spitzte die Ohren, schielte zu Isildur hoch und fast schien es, als nickte er.
"Ich mag sie auch nicht. Sie schaukeln ständig. Unter dem Holzboden riecht es nach Schweiß, Muff und Fisch. Auf dem Holz weht der salzige Wind so heftig, dass er in der Schnauze beißt. Aber Bryoja sagt mir immer, ich soll warten und geduldig sein. Auch diese Reise wird enden. Dann sehen wir Neues. Ich liebe neue Gebiete und wir beide werden die ersten sein, die das Revier beanspruchen!" Atka nahm es leichter, obgleich er als Wolf auch nicht vom Reisen per Schiff begeistert war. Doch Bryoja hatte ihn gut erzogen. Er wusste, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hätten. An diesem Wissen hielt er fest, was ihm Kraft gab, das Unliebsame zu überstehen. Er blickte nach vorn, so dass seine Freude über das Unentdeckte wuchs. Sie konnte überdecken, wobei sich Isildurs Nackenhaare aufrichteten.

Schließlich verließ man das Dorf Mantron und machte sich zur Küste auf. Der Weg durch den Schnee war leicht, denn es gab genug Tapfere, die ihn oft gingen. Sie kannten ihre Pfade, wo sich zwar ebenso eine Schicht Schnee vorfand wie auf dem übrigen Boden, doch unter dem frisch gefallenen Weiß war der Grund fest. Es zeichnete sich eine wiederauffindbare Route ab, der sie folgen konnten, so dass die Küste der Insel schnell erreicht war. Und dort lag ein kleiner Seehafen. Er war nichts Besonderes, keinesfalls zu vergleichen mit dem, was Isildur in Rumdett gesehen hatte. Im Grunde fanden sich hier nur ins Eiswasser gebaute, lange Stege. Die Pfosten ragten als breite Stämme etwa mannshoch über die eigentliche Pier hinweg. So ließen sich die Taue der ankernden Schiffe leichter befestigen. Es gab auch kleinere Boote, die nicht weit hinausfuhren. Sie erreichten lediglich die Fischgründe, wo einige Mantroner der Nahrungsbeschaffung nachgingen.
Und dann ragte vor ihnen die geflügelte Seeschlange auf. Isildur brauchte Bryojas Fingerzeig nicht dafür, um zu wissen, dass das gewaltige, ovale Schiff am unteren Steg jenes sein würde, auf dem er fahren sollte. Es ähnelte einer hölzernen Schlange oder vielmehr einem beinlosen Drachen. Der Kopf streckte sich stolz, wie gleichermaßen gefahrvoll auf einem langen Hals nach vorn. Letzterer war in einer bedrohlichen S-Form geschwungen, so dass er die Anmut eines Schwans besaß, ohne an Einschüchterung einzubüßen. Der Drachenkopf bildete somit auch gleichzeitig die Galeonsfigur der Seeschlange. Man hatte das Holz seiner Augen gelb bemalt und mit blauer, sowie weißer Farbe kleine Schuppen darum abgezeichnet. Das Muster setzte sich am Hals fort, bis es den gewölbten Rumpf erreichte. Dort fanden sich befestigte Schilde zu beiden Seiten des Schiffes, die unterhalb der Reling aufgehangen waren. Sie zeigten das Mantroner Wappen: ein verschörkeltes, runenhaftes weißes Muster mit dem kriegerisch wirkenden Kopf eines Eisbären im Zentrum auf blau schimmerndem Grund. Jedes Schild besaß einen verstärkten Metallrahmen. Man konnte fast meinen, das Schiff trüge eine Rüstung.
Es handelte sich um einen Einmaster. Bryojas Sippe bestieg die Schlange über eine bereits ausgelegte Planke. Man erkannte sofort das eingespielte Team, welches sie bildete. Jeder Handgriff saß. Jedes Mitglied wusste, was zu tun war und wo man es brauchte. Die ersten Mantroner kletterten an dem hohen Mast empor auf die Querstrebe, um dort die Knoten der Seile zu lösen, die das Segel hielten. Isildur konnte bereits jetzt erkennen, dass die Seeschlange rotweiß gestreifte "Flügel" besaß.
Auf dem Deck selbst befand sich im hinteren Bereich - dem Heck - eine Art Zelt. Im Dreieck hatte man hier eine Plane ordentlich gespannt und gut gesichert. Darunter konnten Kapitän und Navigator sich beraten, während hinter dem Zelt auf dem erhöhten Stück der ebenfalls geschwungenen "Schwanzflosse" das das Ruder lag. Es gab aber auch jede Menge langer Stangen und Ruderbänke an Deck. Im Grunde war da nicht viel mehr. Wenn der Wind die Segel fernab vom Eisreich nicht mehr genügend blähte, würde die Sippe zu den schweren Rudern greifen müssen. Dort könnte selbst Isildur sich nützlich machen und vielleicht seine Seekrankheit für eine Weile vergessen. Ansonsten hieß es wohl: gemeinsam unter Deck.
"Was sagst du?", erkundigte sich Bryoja bei ihm, als nur noch sie und er vor der Planke standen. Otis wuselte sofort hinter Bjarnek her. Auch wenn er ihn nicht verstand, zeigte er sich nun deutlich agiler und arbeitswillig. Atka saß neben Isildur. Er wartete, genoss die letzten Momente an Land. Der Wolfself sollte dasselbe tun.
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Isildur Ranarion Ni'Tessin
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Re: Die geflügelte Seeschlange

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Dienstag 28. Oktober 2014, 09:47

Auch wenn die Mantronerin versuchteihn aufzumuntern und die Situation logisch erklärte, so wollte das Unbehagen nicht von Isildur weichen. Ein Schiff!! Da war in ja die Piratenstadt fast lieber! Dort war man auf festen Boden und konnte notfalls flüchten. Da half es reichlich wenig, dass sie dabei versuchte ihm Nähe und Mut durch ihre Berührung zu geben. Und zu allen Überfluß schien Otis sich richtig darauf zu freuen. Okay, es ging weg aus der Landschaft von Schnee, Eis und Kälte, doch dafür wurde Isildur zu Untätigkeit verbannt. Otis hingegen konnte sich bewesen und sich einbringen. Isildur könnte sich mit der Situation vielleicht anfreunden, doch wenn er dabei nur in Weg stehen würde, weil er Erstens nichts verstand und Zweitens keine Ahnung von der Schifffahrt geschweige denn von Schiffen hatte. Es hatte nur Nachteile für ihn. Sein Unmut gab er in einem Knurren deutlich zu verstehen.
„Mir wärer der Urwald lieber...da weiß ich wenigstens, was ich kann und stehe nicht im Wege rum“ meinte er auf die Erklärung von der Frostwölfin, dass ein anderer Weg zu lange dauern würde und wesentlich mehr Gefahren besäße, als mit dem Schiff.
„ das du keine Angst hättest weiß ich...“ Das Volk der Mantroner war ebenso Stolz wie die Elfen seines Waldes. Schwäche wurde selten eingestanden, doch wusste der einstiger Vizehauptmann, dass zu großer Stolz auch eine Schwäche sein konnte. Natürlich nur wenn man sich einfach in etwas Unbekanntes ohne nachzudenken stürzte. Die Mantronerin neben ihn, war jedoch so klug, dann so einen Ort zu meiden, wenn es nicht sein musste. Tja, er konnte es leider gerade nicht so machen.
Atka verstand das Unbehagen vermutlich besser als die Frau. Nur die Neugier war dabei die größere Ablenkung für ihn. Eindeutig war Atka noch eine Welpe beziehungsweise ein Jungwolf. Bei seinen schwestern war es auch immer so gewesen, wenn sich bei Isildur die Abneigung zeigte und auch seine Gegenwehr etwas anderes als seinen Wald zu erforschen. Isildur strich durch das Fell des Wolfes, kraulte das Ohr, während er sich zum weiterlaufen zwang.
„Wölfe gehören ebensowenig auf ein Schiff, wie ein Waldelf... aber da muss ich wohl durch.“ Grollte er und schloss kurz die Augen um sich zu sammeln.
Was wird noch alles folgen? Ein Schiff....ich hasse sie....da hat man keine Möglichkeit sich zu verstecken, ist ausgeliefert und es...es ist einfach furchtbar. Ha, sieh dich an Isildur, du, der sonst sgegen alles angehen würdest- dich vor keinen Kampf oder Herausforderung drücken würdest, hast weiche Knie weil du auf ein Schiff musst. Stell dich deiner Angst.
Der Wolfelf drückte seine Schnauze kurz an den Hals der Frostwölfin- seinem Weibchen, dann folgte er den anderen nach. Ihr Geruch stärkte ihn mehr als er früher geahnt hätte. Er mochte sie einfach- sie gab ihm Halt. Isildur fand starke Frauen schon immer beachtenswert! Aber Bryoja – ja, da empfand er mehr!

Jeder Schritt, jedes Fühlen von Schnee unter seinen Pranken fühlte sich besser an- lockender als das Kommende. Doch da half eben nichts. Der Geruch von Wasser und Salz wurde zunehmend stechend in der empfindliche Schnauze. Die sonst aufgestellte Rute, zuckte nervös hin und her. Er konnte jetzt schon die geräusche- den Lärm von den Vorbereitungen für die Fahrt hören. Die Ohren zuckten nervös. Selbst wenn der Elf versuchte alles zu überspielen der Wolf in ihm zeigte die deutlichen Zeichen. Sein Misstrauen und seine Skepsis. Und als Otis dann noch an ihn vorbei eilte, weil einer der Mantroner einen Befehl gegeben hatte, wäre Isildur fast einem Instinkt gefolgt und hätte zugeschnappt. Doch es klappte und jetzt sah er sich die Schlage an, die wohl die nächste Zeit, sein neues Zuhause sein würde. Furchtbar!
Jetzt gibt es kein Zurück mehr!
"Was sagst du?" er sah zu Bryoja, die sichtlich Stolz war. Tja, das wäre er wohl in umgekehrter Folge auch, wenn er ihr etwas in den Wäldern zeigen würde.
„das ich es irgendwie überstehen werde....irgendwie wird es schon gehen, notfalls meditiere ich die meiste Zeit“ Er versuchte ein Lächeln, blickte wieder und wieder auf das Schiff, während sich sein einer Fuß unbewusst in den Schnee grub. So als wollte er den Halt des Festlandes mitnehmen. Sich erinnern zu können, wie es wäre.
„ich werde keine Hilfe die meiste Zeit sein...mir wird ...mullmig...und runter ins Schiff, werde ich wohl auch nicht gehen. Da ist es noch schlimmer...ich bin für Schiffe nicht geschaffen“ gestand er leise, holte tief Luft, dass sich sein Brustkorb hob und senkte. Es war ein Eingeständnis, was er selten machte, doch es gab ja keinen anderen Weg. Die Herausforderung wartete.
Er wies Bryoja mit den Kopf in Richtung Planke, wollte den Weg allein über die Planke nehmen. Stelle dich deiner Angst!
„Geh vor...ich folge“
Nur zögerlich wurde ein Schritt- eine Pranke vor die andere gesetzt. Er spürte das Wasser auch hier, doch vermutlich spielten ihn seine Sinne einen Streich. Nach zwei Schritten blieb er stehen. Schien zu erstarren. Das Fell sträubte sich. Es ging weder vor noch zurück, als würde er festgehalten werden. Ein Blick wieder zurück zum Festland!
NEIN!
Sich auf alle Viere niederlassend, machte er einen zweiten Versuch und...ja, das klappte besser. Ihm schien es mehr Halt zu geben, selbst wo die Planke nicht mal schwankte, doch so überlistet er sich. Nur gewusst wie, dachte sich der Waldelf. Eine gefühlte Ewigkeit fühlte sich der Weg an.
Doch Endlich!
Geschafft!
Auf dem Schiff angekommen stellte er sich wieder auf, sog tief die Luft nochmals ein und konnte sich wohl nur einen Platz zuweisen lassen.
„lasse mich nicht untätig sein...so lange ich was mache, kann ich mich besser im Griff haben. Egal was...und wenn ich Netze oder so flicke“ meinte er zu Bryoja. Untätigkeit war für ihn das schlimmste und ließ nur zu leicht die Mulmigkeit hochkommen.
„Wie lange werden wir so reisen müssen?“ erkundigte er sich ebenfalls und spürte wie er auf und ab laufen wollte. Atka war da eine gute Ablenkung, so beruhigte den Silberwolf das Kraulen des Fells ihn.

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Re: Die geflügelte Seeschlange

Beitrag von Erzähler » Sonntag 30. November 2014, 18:18

Isildur konnte sich glücklich schätzen. Nicht, weil ihm eine Fahrt auf der Geflügelten Seeschlange bevorstand, denn jede Schiffsreise bedeutete für ihn Unbehagen, sowie das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Nein, sein Glück bestand darin, Bryoja mild lächeln sehen zu dürfen. Man mochte manchmal kaum glauben, dass ihre Miene dazu in der Lage war. Die Frostwölfin besaß strenge, sehr markante Gesichtszüge und ihre Umgebung hatte ihr Leben lang diese Kanten geschliffen. Die Blässe und die wettergegerbte Härte ihrer Mimik teilte sie mit vielen anderen Mantronern. Obgleich diese durchaus auch ihre muntere Seite besaßen und viele derer, die Isildur inzwischen kennen gelernt hatte, eine ganz eigene Form von ausgelassener Fröhlichkeit besaßen, so war ihnen allen noch immer gemein, dass in ihren Gesichtern eine Spur der ernsten Härte verborgen lag. Rau wie das Land selbst, in dem sie lebten. Und jetzt lächelte Bryoja ihn so weich an! Sie verstand - zumindest, dass ihr Gefährte kein Freund der Seefahrt war. "Urwald...", echote sie das Wort, das ihr ein unbekannter Begriff war. Dies ließ darauf schließen, dass sie nie weit genug im Norden gereits war, um sich unter der Bezeichnung des Kapayu ein wirkliches Bild zu machen. Für sie mochte es ein Forst sein, ähnlich wie ihr schützender Wall, der ihre Heimat mit Holt versorgte. Dabei war der Kapayu mit keinem noch so dichten Wald im Eisreich zu vergleichen. Bryoja würde sich die Seele aus dem Leibe schwitzen, weil der Dschungel für sie keine gewohnte Umgebung darstellte. Aber auch für Isildur würde es etwas Anderes als die weit entfernte Heimat bedeuten. Ob er diese überhaupt jemals wiedersehen sollte? War nicht Celcia bereits Heimat für ihn geworden? Sicherlich nicht ohne seine Schwestern. Möglicherweise nicht in dieser Wolfsgestalt, doch auch hier hatte er nun schon lernen müssen, dass es ein Teil von ihm war. Ein Teil, der sich nicht gut auf einem Schiff machte, wie er entschied.
"Du könntest meditieren oder dir mit einem guten Schluck nicht nur das Unwohlsein vertreiben, sondern auch die Wärme in deine Eingeweide lassen." Die Mantronerin schmunzelte verheißungsvoll. Vermutlich tranken nur Piraten noch mehr, während sie zur See fuhren und sich fragten, ob sie es waren oder das Schiff unter ihren Füßen, das mehr schaukelte. "Wir besaufen uns nicht sinnlos." Bryoja hatte wohl einen ähnlichen Gedankengang aufgegriffen. "Aber nach einem langen Tag des Schaffens oder um den Frust der Windstille zu vertreiben hilft ein guter Schluck. Du wirst ihn noch zu schätzen lernen. Bis dahin mach dich nützlich, wo du kannst." Etwas funkelte in ihren Augen und es wanderte weiter über ihre Wangen, wo ein Schleier seichter Röte als sanfte Spur hinterlassen wurde. Ein Schwenken ihres Kopfes vertrieb den Moment offen gezeigter Emotion. Dann war sie wieder die starke, unerschütterliche Mantronerin mit der kräftigen Stimme, die nichts aus dem Konzept bringen konnte. So glaubte es der Rest.
"Sie riecht anders als sonst." Auch Atka hatte etwas an seiner Freundin bemerkt. Einer Wolfsschnauze entging nichts. Er verfolgte Bryoja, als sie - geschickt von Isildur - voraus und an Deck ging. Schon wuselte Atka zwischen ihren Beinen hindurch, bellte sie spielerisch an, ehe er auf ähnliche Weise nochmal einige der Mannschaft anstachelte, ihre Arbeit zu machen. Der junge Wolf konnte ihnen noch weniger helfen als Isildur und dennoch ließ er sich nicht im Ansatz dadurch entmutigen. Er trug jetzt schon seinen Teil dazu bei. Die Mantroner störte sein Gekläffe nicht einmal, einige von ihnen lachten sogar oder warfen ihm ein Stück Tau zu, auf dem Atka munter herum beißen konnte.

Dann war es an Isildur, dem Festland vorerst Lebewohl zu sagen. Seine Pfoten verließen den frostigen Schnee, spürten das Holz der Planke, als er die letzten Meter zum Schiff zurücklegte. Bei jedem Schritt kratzten seine Wolfskrallen leicht über das Holz, hakten sich kurz ein, nur um sich beim Heben des Fußes wieder zu lösen. Wenn die Seeschlange nur nicht bereits jetzt so schaukeln würde! Denn das Holz besaß seine Festigkeit. Man konnte es mit dem Erdboden vergleichen, aber dieses stetige Schwanken! Es ließen sich Theorien aufstellen ... über die Frage, ob Seemänner tranken, um das Geschaukel durch ihr eigenes Torkeln auszugleichen. Vielleicht ließ es sich dann wirklich eher ertragen. Isildur würde es nicht erfahren, so lang er sich keinen Alkohol reichen ließ. Aber noch war nicht die Zeit dafür. Sie legten gerade erst ab.
"Du bekommst schon genug zu tun. Ich sage meinen Onkeln Bescheid, dass sie dich beschäftigen sollen und ... und vielleicht ..." Stockte die gestandene Mantronerin da etwa? Isildur konnte ihre geröteten Wangen nicht erkennen, die sie sicherlich auch nur von den Wetterbedingungen her hatte, als sie ihn vorweg und weiter aufs Schiffdeck schob.
"Holt die Planke ein!", rief Onkel Süßwasser, der sich höchstselbst ans Ruder stellte. Die übrigen Mantroner verteilten sich auf dem Schiff. Otis hatte sich ihnen bereits angeschlossen. Er zeigte sich verwirrt, weil es keine Takelage gab, in die er hochklettern konnte. Doch die Enttäuschung darüber verflog schneller als sie gekommen war. Es existierten andere Vorteile, aus denen der Pirat etwas lernen konnte. Er zeigte immensen Einsatz, Interesse und packte kräftig mit an. Der Segelmast wurde ausgefahren und das riesige, rotweiß gestreifte Großsegel gehisst. Sofort blähte der kräftige Wind des Eisreichs den Stoff. Unter einem eigentümlichen Geräusch spannte sich das Segel und es allein besaß die Kraft, vom Wind getragen, das gesamte Drachenboot in Bewegung zu bringen.
"Leinen los! Schnell, ihr Tapferen! Dem Horizon entgegen, harhar!"
"Harhar!", stimmte auch der Pirat in das laute Brüllen des Salzwasser-Kapitäns mit ein. Er riss gar seine Faust empor, dann drückte ihm jemand die Laufplanke in beide Hände und schickte ihn unter Deck. Kendrick eilte sich, der Aufgabe nachzukommen. Bryoja grinste ihm hinterher, während sie sich eher faul gegen die Reling lehnte. Ihr Blick wanderte zu Islldur. "Eine Woche sind wir bestimmt unterwegs", meinte sie erklärend. Dabei vermied sie es tunlichst, dass ihre Einschätzung sich auf die besten Bedingungen bezog. Wenn der Wind aus der richtigen Richtung kam. Wenn Sturm und Freibeuter sie ebenso wenig behinderten wie die typischen Gefahren des Meeres - Strudel, eine hartnäckige Meeresströmung, riesige Ungeheuer der Tiefen -, dann konnten sie wirklich binnen sieben Tagen in Santros' Hafen einfahren. Vorausgesetzt, dort wären sie auch Willkommen. Bryoja rang sich ein tapferes Lächeln ab. Dann nickt sie herausfordernd in Richtung des Elfen: "Zeig mir, aus welchem Holz der Mann an meiner Seite geschnitzt wurde." Seinen Arm tätschelnd ließ sie ihn stehen, als einer ihrer Verwandten auf Esera nach ihr rief. Soviel zur Beschäftigung! Die würde sich Isildur nun wohl selbst holen müssen.

Ein Blick über das Deck zeigte ihm seine Möglichkeiten. Da war Otis, dem man einen Schrubber in die Hand gedrückt hatte und seine Fähigkeiten testete, indem man ihn erstmal das Deck vom eingetrockneten Salz des Meeres befreien ließ. Die Schneeeule verschwand soeben durch die Luke nach unten. Vermutlich war sie für das Essen zuständig. Im Kartoffelschälen hatte Isildur ja bereits Erfahrung, doch würde es auf einem mantronischen Schiff überhaupt jenes Wurzelgemüse geben?
Der weißhaarige Borston Süßwasser stand im hinteren, erhöhten Heckbereich am Ruder. Gelegentlich warf er einen Blick auf eine Kiste neben sich, so er mit einer Axt die Seekarte im Holz festgesetzt hatte. Ihm zur Seite stand der Salzwasserbruder. Seine Mähne flatterte einer zerrissenen Fahne gleich im kräftigen Wind. Dieser zerrte auch an Isildurs Fell, suchte die möglichst freien Hautstellen, um kalt dagegen zu schlagen. Seine Schnauze brannte leicht unter der eisigen Luft. Warnhild und Walfried unterstützten die Brise, indem sie sich mit Rudern hingesetzt hatten und das Meer peitschten. Derweil vertäute Walfrieds Vater alle losen Seile. Schließlich setzte er sich neben ein Fass, wo er einige Taue untersuchte. Es war am Wolfselfen, wem er sich zuwandte.
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Re: Die geflügelte Seeschlange

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Donnerstag 16. April 2015, 17:39

Verblüfft würde man wohl meinen, wenn man die Züge des Wolfelfen deuten konnte. Es war so etwas Warmes und Weiches, was das Lächeln der Mantronerin in ihm weckte. Wie ein Ankommen und eine Sehnsucht zugleich. Isildur empfand so oder so, dass die Frostwölfin eine sehr schöne und starke Frau war.
Härte, die die Mantroner im Gesicht hatten, störte ihn wenig. Auch die Waldelfen seiner Heimat waren aus anderem Holz geschnitzt als die in den Städten. Sie wussten, dass das Leben härter sein konnte und dass man viele Gefahren zu beachten hatte. Die Ohren von Isildur zuckten leicht, als sie kurz über den Urwald nachdachte. Nun, einen richtigen Urwald mochte er auch nicht kennen, doch war es eher sein Zuhause. Aber war nicht die Heimat dort, wo das Herz war? Seltsam, dass es ihm gerade jetzt einfiel, so wo er der frau ansah.
"Du könntest meditieren oder dir mit einem guten Schluck nicht nur das Unwohlsein vertreiben, sondern auch die Wärme in deine Eingeweide lassen."
Isildur sah sie an und lachte auf. Noch nichts getan aber einen Trinken, wo gibt es denn sowas?
Er schüttelte sein Haupt, dass sich nur sein langes Mähnenhaar bewegte, bevor er wieder seine Augen auf die Frau neben sich legte.
„Meditieren wäre eine Alternative, doch Alkohol? Nein, sowas nimmt man zu sich, wenn man von der Jagd kommt oder nach getaner Arbeit…zumindest sehe ich es so“ und Isildur war sich irgendwie sicher, dass es die Mantroner auch so sahen. Alles was er in der letzten Zeit von ihrem Volk mitbekommen hatte, so waren sie dem seines Stammes nicht unähnlich. Sie waren ein gut funktionierendes Rudel und nichts hatte hier mit dem sinnlosen Verhalten der meisten Menschen zu tun.
Man mochte nicht mal glauben, dass sie Menschen waren, so verbunden wie sie mit der Natur lebten. Doch es gefiel dem Waldelfen. Er fühlte sich dadurch mit ihnen mehr verbunden, als er es jäh möglich gehalten hätte. Zwar fehlten ihm zu seinem Glück noch seine Schwestern, doch es war sonst perfekt. Selbst dass er inzwischen auf Pfoten anstatt auf Füßen sich bewegte, störte das Bild nicht.

Bryoja erklärte inzwischen, dass die Mantroner es wirklich ähnlich dem Waldelfen sahen, was dem Alkohol betraf. Er hatte sich nicht getäuscht.
Dann war da aber etwas, was ihn stutzen ließ. Es war dieses Funkeln in ihrem Blick…diese Herausforderung. Etwas was sie so noch nicht gemacht hatte, wenn er doch das Gefühl hatte, dass sie ihn mochte. Sie war immerhin sein Weibchen…Und lag nicht etwas in der Luft. Als wäre da etwas Lockendes- etwas was sagte, dass Bereitschaft da wäre? Ein Geruch, wie er zuvor nicht da war. Stärker und intensiver, obwohl man meinen mochte, dass es bei dem Wetter nicht ginge? Die Nase sich vor der Kälte verschließen wollte. Zudem war sie rot geworden, als mochte sie nicht aussprechen was sie dachte. Es klang dabei nach mehr
In diesem Moment sprach Atka auch aus, dass er merkte, dass sich die Mantronerin verändert hatte.
Täuschst du dich…oder ist sie rot geworden? Jetzt weiß ich, was Nachtschatten immer zu Yavanna gesagt hat, wenn ich mit den Frauen geredet habe…er hatte es ebenfalls gerochen…
Isildur sah zu dem jungen Wolf, der fast noch ein Welpe war, dann sah er wieder der Frau nach. Ein Schmunzeln legte sich auf seine Züge, wie eben ein Mann, der wusste, was dies heißen konnte. Und Isildur war früher schon jemand gewesen, der sich gerne einer Frau hingab. Für Elfen war es ebenso natürlich wie das Leben in der Natur.
„das wirst du auch noch kennenlernen, was das bedeutet“ meinte er zu dem Wolf und streichelte dessen Kopf.

So machte er nun seinen schweren Gang über die Planke. Die Mantronerin versicherte ihm, dass er genügend zu tun haben würde. Dann stockte sie kurz…ihr Satz blieb unbeendet. Der Silberwolf sah auf, wartete ein paar Herzschläge, ob noch etwas folgte.
„…und???“ fragte er dann leise nach, dass es nur die Frau vor sich hören konnte. Seine Stimme klang wie eine Mischung aus Knurren und Schnurren.
Da Isildur nun so langsam eine Ahnung hatte, was sie meinte. Es war schon seltsam, dass ausgerechnet an so einem fremden und bitterkalten Ort, ihm etwas passierte, dass er nur zu gut aus dem Lagern seiner Familie kannte. Wenn eine Frau etwas andeutete, so hieß dies, dass man auf etwas gefasst sein konnte. Und dieses Mal bestimmt nicht zum negativen. Etwas was der Elf von einigen Frauen schon kannte und man sich unter den anderen Freunden nur vielsagende Blicke zuwarf. Also hatte er doch recht!
Die Feste der Waldelfen waren oft mit Liebeleien und Sex beendet wurden. Nur war es gewöhnlich so, dass Isildur seine Damen mochte, doch bei der Mantronerin war es mehr. Es war wie eine Besitzgier… wie eben ein Wolf sein Weibchen umsorgte.

Kaum war er als letzter auf dem Schiff, machte dieses sich auch bereit für die Fahrt.. Seine Krallen gruben sich anfangs ein wenig in das Holz, bis er sich an das Schwanken gewöhnt hatte. Sein Magen sagte ihm, dass er lieber an Land bleiben sollte. Trotzdem sah er sich um. Stand an der Reling und blickte sich erstmal um, bevor er anfing sich mit dem vertraut zu machen, was ihn nun eine Weile beherbergte.
„ich werde mich schon beschäftigen“ sprach er zu der Frau, bevor er Otis und auch Atka nachsah, was sie machten. Der Pirat war erfreut endlich etwas tun zu können und wenn ihn der Wolfselfe auch nur zum Teil vertraute, so bewies sich dieser nun. Es lag nun an Isildur, dass er ebenfalls seinen Platz fand.
Er knurrte trotzdem durch die Zähne, als er erfuhr, wie lange sie unterwegs waren. Na hoffentlich bekomme ich keinen Schiff Koller
Doch es war ein Zeitraum, der absehbar war. Und vielleicht hatten sie ja weiterhin Glück, dass sie ohne große Probleme vorwärtskamen. Zumindest wäre es dem Wolfselfen recht. Schnelles Vorankommen hieße immerhin, schneller wieder zurück und nach den Schwestern zu suchen. Irgendjemand musste doch über die Stadt im Himmel Bescheid wissen. Irgendein Mensch musste doch etwas über das Hummel-Volk wissen. Obwohl sich Isildur nicht sicher war, dass die Menschen dort so hießen. leier hatte sich das von seinen Schwestern Gesagte eingeprägt.

„Muss ich mich noch beweisen, vor der Frau die ich als mein Weibchen sehe" fragte er leicht grollend nach und drückte kurz seine Schnauze an ihr Gesicht. Sich nun den anderen widmen blickte er ihnen nach.
Also runter ins Schiff gehe ich nicht…. Hmm, von der Steuerung habe ich keine Ahnung. Ich könnte es Otis gleich tun, doch da sehe ich meine Kraft nicht.
Dann blieb er eigentlich wie von selbst bei den Ruderern hängen. Dies war eine Aufgabe, die er verstand, denn Isildur mochte harte Arbeit. So legte er seinen Bogen ab, verstaute ihn sicher und schritt zu den beiden Mantronern, die ruderten. Ob sie ihn verstanden bezweifelte er, doch das war egal.
„ich will mit anpacken, darf ich“ rief er vermutlicher lauter als gewollt. Dies war Arbeit, die ihn in Bewegung hielt und er sich nützlich zeigen konnte. Zudem stand er nicht unnütz im Wege. Dies war für ihn eine Arbeit, die ihn etwas Kontrolle gab. Unter Deck hätte er vielleicht helfen können, aber er mochte sowieso nicht die Enge und wenn es sich verhindern ließ, würde er die ganze Zeit…das hieß die ganze Woche lieber oberhalb am Ruder verbringen. Er ließ es sich zuerst zeigen und wenn man den Dreh raushatte, ging dies sehr gut. Elfen mochten im Verhältnis zu Menschen zwar selbst schmal wirken, doch Isildur war schon als Elf extrem muskulös gewesen. Die Wolfgestalt ließ ihn auch nicht schmaler wirken, sondern dass er gut mit den Menschen hier mithalten konnte.
Beim Rudern arbeiteten die Muskeln gut. Sein Fell roch jetzt schon nach Eis und Salz, schwitzen taten Wölfe wohl eher nicht. Seine Pranken konnten gut das Ende des Paddels halten. Selbst wenn es nass wurde, dann krallte er sich nur ein bisschen mehr ins Holz. Seine Feinmotorik hatte er immerhin seit er selber wieder Pfeile machte, trainiert. Anfangs noch durch den Mund eingeatmet, merkte er schnell dass er dies lassen sollte. Die Luft war so schon schneidend kalt. Die Bewegung ließ es auch verhindern, dass er glaubte, zu dünnes Fell zu haben.

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Re: Die geflügelte Seeschlange

Beitrag von Erzähler » Samstag 25. April 2015, 09:01

"Darüber sprechen wir später", antwortete Bryoja ausweichend, dennoch mit fester Stimme. Sie tätschelte Isildurs Oberarm und ergänzte: "Verausgab dich nicht zu sehr." Und dann war sie fort. Mit später meinte sie garantiert, wenn sie beide unter sich wären. Aber könnte man auf einem Schiff wie dem der Mantroner vollkommen ungestört sein? Galten ihre Andeutungen für "später" etwa erst der Ankunft in Santros, wo man sich in ein Gasthaus zurückziehen konnte? Dort würde der Boden auch deutlich weniger schwanken! Andererseits schienen ihre verheißungsvollen Worte, die doch so wenig deutlich waren und trotzdem so viel ausdrückten, den Wolfselfen gut vom Schaukeln des Schiffes abzulenken. Die geflügelte Seeschlange stob in die Fluten. Sie teilte die Wellen am vorderen Bug, dass weiße Schaumkronen seitlich aufpeitschten, ehe sie von den Rudern der Mantroner zerschlagen wurden. Gischt spritzte bis zur Reling empor, als sei das Holz eine künstlich geschaffene Klippe. Das Salzwasser erfüllte die Luft, gleichermaßen der Gesang wilder Möwen, die plötzlich über ihren Köpfen hinweg durch die Wolken zogen. In der Ferne hoben einige Robben die Köpfe vom frostigen Strand auf. Vorher hatte man sie überhaupt nicht entdeckt, so ruhig lagen sie da wie verwehter Schnee. Nun verfolgten ihre Augen das Schiff, wie es sich tiefer in die Wellen schlug. Die Tiere verabschiedeten es schweigend.

Nun gab es auch für Isildur kein Zurück mehr. Jeder flüchtende Sprung ins Wasser würde einen eisigen Tod bedeuten, noch eher er auch nur mit den Pfoten das rettende Ufer erreichte. Er war gefangen unter freiem Himmel und das Drachenschiff spottete ihm, indem es nur noch kräftiger schwankte. Das Holz knarrte bei jeder Kurve, die das Gefähr anschlug, während das gestreifte Segel über ihm sich rauschend vom Wind spannen ließ. Es trieb sie zum Großteil voran, das Rudern der Mantroner wäre nicht einmal nötig. Dennoch schien die fahrende Sippe ihren Spaß daran zu haben, sich kräftig in die Ruder zu legen. Es stählte die Muskeln. Außerdem hatten sie Beschäftigung, bis es wirklich etwas für vereinzelte Mitglieder der Mannschaft zu tun gäbe. DIe Alternative wäre Ruhen und das kam für einen Mantroner nun wirklich nicht in Frage.
Und auch den Elfen zog es an das Holz, welches unter Körperkraft bewegt werden wollte, um die Fahrt nur noch zu beshcleunigen. Im Grunde erforderte das Rudern auch keine großen Kenntnisse. Wichtig war, dass man mit der übrigen Mannschaft den Rhythmus fand und diesen hielt. Sie mussten gleichzeitig schlagen, um etwas bewirken zu können. Einen Trommler, wie ihn samaer Schiffe besaßen, die sich von Sklaven rudern ließen, gab es hier nicht. Ein solcher Mann gab mit einer gewaltigen Bauchtrommel den Rudertakt an. Hier behalf man sich anderweitig.
"Wir befahren die Meere und die eiskalte See, hey hey, ruder und schlag!"
"Wir teilen das Meer und kämpfen im Schnee, hey hey, ruder und schlag!"

Was immer die Mantroner in ihrer Muttersprache sangen, es ging ins Ohr. Es besaß Rhythmus und die abschließenden Rufe in einem jeden Satz glichen sich auf die Silbe genau. Sie waren ausschlaggebend, um einen Rhythmus vorzulegen. Nicht nur, dass sämtliche Ruderer zumindest beim letzten Teil des Singsangs allesamt mitmachten und diesen lauthals der trotzend blauen Weite entgegenbrüllten, nein. Genau dann drückten sie auch die Ruder durch, schlugen das Holz ermpor, um die Wellen zu verdrängen und das Drachenschiff anzutreiben. Sobald man den Dreh heraus hatte, war es gar nicht so schwer und das konnte Isildur bereits durch das knappe Beobachten der Tapferen erkennen.

Der Elf näherte sich. Sein Celcianisch verstanden die Mantroner nicht. Die Sippe mochte viele Reisen auf See hinter sich haben, aber das Esera war ihre Hauptsprache, so nahme sie nur Brocken von den Worten des Elfen auf. Aber Worte waren nicht nötig. Dass er sich auf sie zubewegt hatte, genügte ihnen wohl als deutliches Zeichen, sich ihnen anschließen zu wollen. Zumindest glaubte Walfried dies, denn der lud Isildur auf seine Weise an, am Rudern teilzuhaben. Er unterbrach seinen Takt, woraufhin Warnhild aufknurrte, da auch sie aus dem dem Rhythmus kam und sie nun von vorn anfangen mussten. Aber so konnte sich Isildur problemlos einreihen, der jetzt einfach von Walfried am Fell gepackt und auf den Platz neben den Mantroner gezogen wurde. "Ich zeig dir, wie's geht, Wolf. Wenn du im Takt bist, such ich mir ein neues Ruder, dann bist du auf dich allein gestellt." Und so reihte sich Isildur bei den Ruderern ein.
Tatsächlich fügte er sich schnell und problemlos in das Getriebe ein wie ein zusätzliches Zahnrad. Die Arbeit ging schneller vonstatten, ohne weitere Unterbrechungen und wo der Wolf sich keine Pause gönnte, da tauschten die Mantroner fast zirkulierend ihre Aufgaben. So kam es, dass er irgendwann zusammen mit den Süß- und Salzwasserbrüdern die Paddel kreisen ließ. Gegen Mittag hockte Bryoja eine Reihe weiter vor ihm und auch Otis durfte eine Zeit lang rudern. Dem Piraten erging es unglaublich gut. Das Schiff, die Seefahrt, das war es, was er gebraucht hatte. Nicht einmal über die Kälte klagte er noch, obwohl der Wind deutlich schneidender ging.

Am Abend flaute der Wind etwas ab, so dass das Segel schlaff am Mast hing. Jetzt, wo man nur noch mehr Ruderer hätte brauchen können, gönnten sich alle eine Pause. Und erneut war es Bryoja, die an Isildur herantrat. Der Grund hierfür war simpel: Sie verstand das Celcianische und konnte mit ihm sprechen: "Du hast kräftig mit angepackt, aber nun reicht es. Sonst zerreißt es dir morgen die Muskeln. Komm ... die Schneeeule sorgt jetzt für unser Wohl."
Es war Essenszeit. Hieß das, sie gingen nun alle unter Deck, in den beengten Rumpf des Bootes? Nein! Die Mantroner waren keine rumdetter Piraten. Das durfte nun auch Otis erkennen, der wohl damit gerechnet hatte, irgendwo unter Deck eine Hängematte aufzuschlagen und darin seinen Zwieback, sowie Kartoffelsuppe zu erhalten. Mantroner aßen an Deck. Einen Tisch benötigten sie nicht, gönnten sich jedoch ein Feuer. Dieses wurde in einem Becken entfacht, das an einen übergroßen Teller erinnerte. Um jenen scharte sich die fahrende Sippe der Tapferen. Es gab Platz genug und solange sie im Kreis saßen, konnten sie auch einander wärmen. Schulter an Schulter, Isildur musste sich nur einen Platz aussuchen.
Gegessen wurde aus Holzschalen, die die Schneeeule verteilte. Das Mahl war allerdings recht karg. Es gab Fisch, dazu kleine seltsame Gurken, die furchtbar gesalzen waren, ein wenig Brot, welches schnell weg musste, ehe es zu schimmeln begann und ... noch mehr Fisch. Ja, davon hatten sie reichlich. Bei den Getränken standen Wasser und natürlich Met zur Auswahl.
"Wenn wir Glück haben, kommen wir bald an einer Felseninsel vorbei. Dort sitzen das ganze Jahr über Krabben und sonnen ihre Panzer. Ihr Fleisch schmeckt anders als die Fische, es böte uns eine gehörige Abwechslung. Außerdem krachen sie so schön, wenn man ihre Schale knackt." Bryoja grinste auf.
"Heda, Fjaske!", wurde Bjarnek Salzwasser plötzlich laut, während er sich seine fischfettigen Finger am Wams abwischte, nur um erneut nach einem Stück zu greifen, das in triefendem Öl schwamm. "Wie wäre es mit einer Geschichte, um den Abend ausklingen zu lassen?"
"Natürlich, warum nicht! Ich bin der beste Geschichtenerzähler hier an Bord. Was wollt ihr hören?"
Sofort prasselten die übrigen Mantroner wild sprechend und gestikulierend über Fjaske heran, dass er laut auflachte. Er hob die Hände, verstand er doch kaum, was die anderen wild durcheinander riefen. Auch Isildur verstand so gut wie nichts. Bryoja klärte ihn auf: "Es wird nach einer Erzählung verlangt. Fjaske ist fast so gut wie ein Skalde, nur dass er dabei kein Instrument spielt. Skalden besingen unsere Legenden."
"Eine Geschichte ... na wunderbar." Otis klang nicht begeistert. Dabei hätte er gern eine gehört, nur was half es ihm, wenn die Erzählung in Esera abgehalten wurde? Die Mantronerin verstand. Sie schmunzelte. "Ich kann euch übersetzen, wenn ihr möchtet. Das heißt, sobald sich Fjaske und die anderen auf eine Legende geeinigt haben."
"Erzählt etwas über wölfe! Über tapfere, weiße Schneewölfe wie ich einer bin", stimmte nun auch Atka bellend in die Runde ein.
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