An Bord der Edea

Das große Meer ist launisch wie das Wetter. Einmal ist es friedlich und dann wieder die reinste Gefahr. Erfahrene Seemänner befahren es mit ihren großen Schiffen. Alle Reisen sind hier verzeichnet.
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Die Mantroner versuchen, gegen die Piraten vorzugehen.
Ein Teil der Amazonen, sowie das dunkle Volk sind Verbündete der Piraten.
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An Bord der Edea

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 29. Juni 2011, 19:49

[Erasmus kommt von hier: Die Insel Belfa ‹ Die Wüstenstadt Sarma ‹ Der Bund der Wüstendiebe Das Versteck der Wüstenrose]

Wie versprochen begleitete Barkmann Erasmus nach seinem Mahl durch die Stadt und führte ihn über abgelegene Seitenpfade bis zu den Docks. Gelegentlich griff der nette Sarmarer seinem Begleiter unter die Arme, um ihm vorm straucheln zu bewahren, denn noch war der Jäger nicht ganz fit auf den Beinen. Gesprochen wurde aber nichts, zumindest suchte der Bewohner der Wüstenstadt keinen direkten Wortwechsel. Es war kein langer Weg, den sie bis zur Hafenanlage zurück legen mussten, aber die Sohne stach, bereits jetzt am Morgen, mit enormer Hitze zu. Als das Wasser jedoch in Sicht kam und die Gebäude sich lichteten, wurde es ein wenig kühler. Vom Meer her rollte eine Windbriese nach der anderen in die Stadt und brachte dabei einen angenehmen, salzigen Geruch mit sich.
Die Anlegestellen waren spärlich belegt. Vor einigen Tagen hatten hier noch Schiffe der Piraten aus Rumdett und einige Schiffe der morgerischen Flotte vor Anker gelegen, doch die hatten ihre Segel gesetzt und auf schnellstem Weg aus der Stadt verschwunden, als das Ruder gekippt war. Die Nachricht, dass Sarma wieder offen war, hatte sich noch nicht weit genug rumgesprochen, als das bereits andere die Wüstenstadt wieder anlegen konnten. Einige Fischerboote dümpelten vor sich hin, doch der Blick wurde automatisch von dem einzigen, großen Zweimaster angezogen, der etwas abseits der anderen stand. Mit großen, goldenen Lettern stand der Name „Edea-Wolke“, dicht über dem Anker auf dem Rumpf. Also handelte es sich bei dem großen Kahn wirklich um das Schiff, das Erasmus von der Insel bringen würde. In der Takelage kletterten bereits Seemänner herum und auch auf dem Pier war einiges treiben.
Barkmann führte ihn den Kai entlang und direkt auf ein paar gestalten zu. Famina stand dort, zusammen mit einigen anderen Wüstendieben, um ihn offiziell zu verabschieden. Auch Ku’ul war hier. Er hielt einen kleinen Sack und einen neuen Köcher in den Händen, zusätzlich stand ein weißer Seesack hinter ihm. Als der Dieb sich ihm näherte, ging der Krieger ein paar Schritte vor und drückte ihm die beiden Gegenstände in die Arme.
„Keiner weiß, was dich auf deinem Weg noch erwartet, Erasmus,“ begann Famina ihre Verabschiedung. „In diesem Köcher befinden sich zehn Jagdpfeile, die deinen Ansprüchen hoffentlich entsprechen. Zusätzlich habe ich aber auch noch fünf Attentäterpfeile mit speziellen Spitzen beigefügt. Falls du mal wieder einem Dunkelelfen über den Weg läufst.“ Sie zwinkerte keck, dann ging sie einen Schritt nach vorne und schloss den Jäger in die Arme. „Tante Hama hat zuviel zu tun, um dich zu Verabschieden, aber sie lässt dir den Proviant und beste grüße zukommen.“ Dabei deutete Famina auf den Beutel, den der Krieger überreicht hatte. Gleichzeitig schnappte sich der weißgekleidete Krieger seinen Seesack und ging Wortlos die Planke nach oben, wo er aus dem Blickfeld der anderen verschwand.
„Ku’ul wird übrigens auch mit dir mitfahren. Tante Hama schickt ihn auf eine Mission,“ kommentierte Barkmann das ganze und reichte dem Jäger zum Abschied die Hand. „Ich glaube es wird zeit für dich zu gehen, mein Freund. Und ich hoffe, dass dein Weg dich irgendwann wieder hier her zurück führte.“ An Deck erklang eine schrille Pfeife. Das Signal, dass das Schiff bald auslaufen wollte.
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Re: An Bord der Edea

Beitrag von Erasmus Weidenfels » Donnerstag 7. Juli 2011, 13:50

Als sie sich den Hafen näherten kam der Jäger nicht mehr aus dem Staunen Raus, überall waren wieder Geschäfte zu Gange und nur wenig erinnerte an die Besatzungszeit die erst vor kurzen geendet hatte. Im Hafen lagen einige Fischerboote und noch ein paar andere kleinere Schiffe, doch ein großer Zwei-Master stach Erasmus ins Auge. Als sie sich diesem näherten und er ein paar der Wüstendiebe entdeckte wusste er schon das er mit diesem Schiff zum Festland fahren würde.
„Keiner weiß, was dich auf deinem Weg noch erwartet, Erasmus,“ begann Famina ihre Verabschiedung. „In diesem Köcher befinden sich zehn Jagdpfeile, die deinen Ansprüchen hoffentlich entsprechen. Zusätzlich habe ich aber auch noch fünf Attentäterpfeile mit speziellen Spitzen beigefügt. Falls du mal wieder einem Dunkelelfen über den Weg läufst.“ und da hatte der Jäger bereits von Ku'ul einen Beutel und den Köcher in die Hand gedrückt bekommen.
„Tante Hama hat zuviel zu tun, um dich zu Verabschieden, aber sie lässt dir den Proviant und beste grüße zukommen.“ sagte sie und deutete auf den Beutel den Erasmus gerade bekommen hatte. Dann sagte Barkmann „Ku’ul wird übrigens auch mit dir mitfahren. Tante Hama schickt ihn auf eine Mission,“ Er wurde von einem schrillen Pfeifen beendet. „Ich glaube es wird zeit für dich zu gehen, mein Freund. Und ich hoffe, dass dein Weg dich irgendwann wieder hier her zurück führte.“ Er ging über die Planke an Bord der Edea-Wolke und schaute dann nochmal zurück zu der Gruppe Wüstendiebe und musste lächeln.

Wer hätte gedacht das ich zu beginn meiner Reise fast drauf gehe, bei der Befreiung einer Stadt dabei sein durfte und die Tochter der wohl mächtigsten Frau in Sarma getroffen habe... Auf dem Festland werden solche Neuigkeiten Hoffnung bringen und Revolten gegen die Unterdrückung der dunklen Armee herbeiführen. Ich muss nur aufpassen das ich nicht wieder merkwürdigen gestalten in die Arme laufe und gefangen genommen werde. Dann wurden die Segel bereit gemacht und die Seile gelöst, das Schiff setzte sich langsam in Bewegung. Erasmus winkte der Gruppe nochmal zu und suchte dann nach Ku'ul. Er stand einige Schritte hinter ihm und beobachtete alles.
Der Jäger ging zu ihm und sagte ”Wo werden wir schlafen ? Tut mit leid, aber auf so einen großen Schiff bin ich nie vorher gereist...”. Er schaute sich dabei um und sah wie die komplette Mannschaft am Arbeiten war, dadurch kam er sich vor als würde er nur im Weg stehen und wollte schnellst möglich erst mal seine ruhe haben. Dort könnte er dann auch nochmal die neuen Pfeile prüfen und die Medizin von Tante Hama nehmen..
Während das Schiff sich von Sarma entfernte war die Stadt in all ihrer Schönheit zu sehen, die Farbe und die Lebensfreude sind in diese Stadt zurück gekehrt und bei weiteren Angriffen würde sie sicherlich nicht mehr so leicht fallen... Das hoffte Erasmus wenigstens.

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Re: An Bord der Edea

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 7. Juli 2011, 22:29

Der stille Wüstenkrieger hatte die Arme verschränkt und beobachtete mit ernsten Blick, wie die letzten Handgriffe getan wurden. Da wurde auch schon die Planke eingezogen und drei der Seemänner lösten in routinierter Weise die restlichen Taue, die das große Schiff noch an seinem momentanen Platz festhielten. Mit einer katzenhaften Geschicklichkeit sprangen sie dann über die Kaimauer, wobei sie sich an den Seilen festhielten und erklommen schnell den Schiffrumpf. Wenn man ihnen dabei zusah, wirkte das ganze so einfach, aber wahrscheinlich hatte es Jahre gedauert, bis sie ihre Kunst so meisterlich beherrschten. Mit ihren breiten, tätowierten Armen kletterten sie an Bord, nicht um eine Pause einzulegen, sondern um direkt weiter zu machen. An einer anderen Stelle wurden sie schließlich direkt wieder gebraucht. Der Anker wurde gelichtet und die Segel gehisst. Wie weiße Wolken entfalteten sie sich am Großmast, der Besanmast hingegen blieb unbedeckt, bis sie auf dem hohen Meer wären.
Langsam nahm die Edea-Wolke fahrt auf und entfernte sich aus ihrer Anlegestelle. Einige der Diebe, darunter Famina und auch Barkmann, winkten dem Schiff und dem Jäger zum abschied noch einmal, aber sie waren schon bald außer sichtweite. Da wandte sich Erasmus an seinen Begleiter, wobei Begleiter wohl relativ war. Ku’ul gab kein Zeichen, ob er dem Nordmann zuhörte, oder ob er ihn überhaupt verstand. Seine Miene war wie schon am Vortag durch mehrere Tücher verdenkt. Die roten Augen des Kriegers jedenfalls starrten an dem Jäger vorbei und in die Leere des Ozeans. Schließlich bückte er sich und schulterte seinen Seesack. Dann zeigte er mit dem Finger auf Erasmus und anschließend mit dem Daumen über die Schulter. Es war keine Frage, dass Ku’ul einen der Seemänner meinte, der sich Augenblicklich genau in seinem Rücken befand. Ein einfacher Matrose war es gewiss nicht, denn seine Kleidung schien viel hochwertiger zu sein. Es war ein schwarzhaariger Mann, der bereits einige graue Strähnen hatte. Von der Statur her ähnelte er dem Jäger doch ziemlich, im vergleich zu den restlichen Seeleuten wirkte er grazil und schlank.
Das war wohl die Art des Kriegers, zu sagen dass Erasmus sich an diesen Kerl wenden sollte und nicht an ihn. Denn ohne noch ein Wort zu sagen – nun gut, bisher hatte er in der Nähe des Jägers noch überhaupt nicht gesprochen – drehte sich der weißgekleidete Wüstenmann um und lief zu der Treppe, die nach unten in den Lagerraum führte. Entweder wusste er schon, wo er schlafen durfte, oder es war ihm vollkommen Egal und er suchte sich einfach einen Platz an dem ihn niemand störte.
Plötzlich viel direkt neben Erasmus eine tote Möwe vom Himmel und landete mit einem leisen Platschen im Meer. Ein grüner Blitz zuckte an ihm vorbei und zischte direkt auf den gut gekleideten Seemann zu, der garantiert der Kapitän der Edea-Wolke war. Ein prächtiger, dunkelgrüner Vogel landete auf seiner Schulter und klapperte mit dem Schnabel, an dem noch Blut klebte. Das seltsame Tier sah aus wie eine Mischung aus Raubvogel und Papagei. Der Kapitän tätschelte dem seltsamen Vogel den kopf und sagte breit grinsend etwas, woraufhin die am nächsten stehenden Matrosen kräftig lachend. Erasmus jedoch war noch zu weit weg um etwas zu verstehen. Zumindest hatten die Leute hier an Bord Humor, auch wenn es ein fraglicher war.
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Re: An Bord der Edea

Beitrag von Erasmus Weidenfels » Montag 18. Juli 2011, 14:00

Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Ku'ul vielleicht nicht mal ein Mensch ist... dachte der Jäger in dem Moment wo der Wüstenkrieger sich umdrehte und die Treppe zum Inneren des Schiffes betrat. Dann drehte sich der Jäger zu den Matrosen auf den Ku'ul gedeutet hatte und ging zu diesem hin.
"Entschuldige dass ich störe, aber wo finde ich denn meine Stelle zum Schlafen ?". Der vermutliche Kapitän schaute ihn an und musterte ihn leichte, dann sah er die Mannschaft an. Männer, diesen tapferen Kerl hier haben wir zu verdanken das wir wieder in See stechen dürfen. Ohne den Bund der Wüstendiebe hätten wir vermutlich noch gewartet bis Sarma einen Angriff auf die Dunkelelfen ausführt... Und ihr wisst wie oft Sarma schon andere Städte angegriffen hat.
sagte der Mann mit einen breiten grinsen. Die Mannschaft lachte wieder und als sie sich beruhigten genügte ein Handzeichen des gut gekleidete Mannes und sie begannen wieder mit der Arbeit. Dein Schlafplatz wird unten sein, ich zeige dir eben den Weg. Denn da unten hat sich schon so mancher Gast verlaufen.
Erasmus nickte kurz und der Mann ging Richtung Treppe die zuvor schon von Ku'ul benutzt wurden ist. Dann kamen sie in eine Art Korridor wo Links und Rechts jeweils 3 Türen waren, am ende waren viele Kisten und Fässer zu sehen. Dort war sicherlich der Lagerraum des Schiffen.
Die Mannschaft schläft noch einen Tiefer, erst wollten wir dich dort mit übernachten lassen, doch Famina hatte sich denn dafür eingesetzt dass du ne Offizierskammer bekommst.
Der Kapitän öffnete die Tür und Erasmus ging hinein. Das Zimmer war nicht unbedingt groß, aber er reichte für ein Bett und eine Truhe für sein Hab und Gut. „ Danke und wenn ich irgendwie behilflich sein kann, einfach mir Bescheid geben.“ der Mann schaute den Jäger an. Tja, nur hat Hama uns das verboten... Und die alte Frau hat mehr zu sagen als dir sicherlich klar ist
Dann ging der Mann wieder und Erasmus stand alleine mit seinen Sachen in dem Raum.
Wieder geht meine Reise übers Meer einem Unbekannten Wald entgegen... Langsam zweifle ich wirklich an meiner Entscheidung. Aber wo ich nun bereits so weit gekommen bin kann ich nicht einfach aufgeben... dann packte er seine Sachen in die Truhe, den Bogen und sein Schwert stellte er neben das Bett, oder das was die Seemänner als Bett bezeichneten, und er setzte sich erst einmal. Nach einer kurzen Zeit sprang der Jäger wieder Hoch und ging wieder hinauf ans Deck um das Meer zu betrachten und die Seeluft zu bekommen. Wobei das erste Wahrscheinlich sehr uninteressant werden könnte, das Meer war einfach nur Wasser... Wasser soweit das Auge reicht.
Genau das sah er auch als er sich an die Reling stellte und über Meer blickte.
Nicht für jedermann ist das ein unvergesslicher Ausblick, nur Menschen die Ruhe suchen können sich hiermit glücklich schätzen...

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Re: An Bord der Edea

Beitrag von Erzähler » Montag 8. August 2011, 18:27

Der Kapitän der Edea-Wolke war vielleicht nicht der hübscheste Kerl, mit seinem kantigen Gesicht, dem stoppeligen Kinn und einer breiten Narbe, die unter seinem linken Auge bis zum Ohr verlief, aber die Art, auf der er so breit seine Mannschaft angrinste, machte ihn auf anhieb sympathisch. Ein typischer Andunier, der ganz im Gegenteil zu dem verschlossenen Wüstenkrieger, einen offenen und herzlichen Charakter hatte. Als Erasmus sich ihm näherte, zog er sich den Dreispitz vom Kopf und vollführte eine tiefe Verbeugung, bei der man sehr viel von seinen weißen Zähnen sah. Es war wohl eher spöttisch gemeint, aber garantiert nicht böse. Der unheimliche, grüne Vogel, der auf der Schulter des Kapitäns saß, hatte sich wieder in die Luft erhoben, als sein Sitzplatz ins Wanken geraten war. Nun umkreiste er langsam das Krähennest, während der Matrose auf Ausguck ihm ab und an kleine Brotkrumen zuwarf.
„Männer, diesen tapferen Kerl hier haben wir zu verdanken das wir wieder in See stechen dürfen. Ohne den Bund der Wüstendiebe hätten wir vermutlich noch gewartet bis Sarma einen Angriff auf die Dunkelelfen ausführt ... Und ihr wisst wie oft Sarma schon andere Städte angegriffen hat.“ In einer fließenden Bewegung richtete der Befehlshaber der Seemänner sich wieder auf und platzierte auch seinen Hut wieder auf dem Schädel. Er zwinkerte, um zu zeigen dass er es nicht böse gemeint hatte und schickte die Männer, die ihm zugehört hatten, wieder an die Arbeit. Trotzdem drehte sich so mancher Recke noch einmal zu dem Kapitän und ihrem Passagier herum und einige spitze Kommentare wurden ausgetauscht, von denen der Jäger aber nichts mit bekam. Der Schiffsführer sah seinen Männern nach und rief zwei von ihnen zur Ordnung, ehe er sich wieder dem Nordmann zuwandte. „Dein Schlafplatz wird unter Deck sein, ich zeige dir eben den Weg. Denn da unten hat sich schon so mancher Gast verlaufen. Mein Name ist übrigens Durmánd Duvall. Sag Kapitän Duvall oder Durmánd, ganz wie es dir beliebt.“ Noch einmal grinste der Kapitän sein einnehmendes Lächeln und wies in Richtung der Treppe, die nach unten führte.
Die linke Hand lässig auf den Knauf seines Säbels gelegt, die rechte an der eigenen, breiten Bauchbinde eingehakt, schritt Kapitän Duvall voran. Freundlich öffnete er seinem Passagier die Tür zum inneren des Zweimasters und hielt sie auf, bis Erasmus eingetreten war. Dann entfachte er eine Blendlaterne, die an einem Haken direkt neben der Tür befestigt gewesen war. In den Eingeweiden eines so großen Schiffes, war es im Normalfall stockdunkel und einer Landratte fiel es für gewöhnlich schwer, sich an die Finsternis zu gewöhnen. Anschließend setzte er sich wieder an die Spitze und führte den Jäger durch die engen Gänge. Eigentlich war es nicht schwer, sich den Weg zu merken. So viele Abzweigungen gab es nicht, wenn man sich von den Treppen fern hielt, konnte man sich schwerlich verlaufen. Durmánd führte seinen Passagier von der Treppe im Bugteil durch den Laderaum im ersten Untergeschoss, bis hin zu den besseren Kammern im Heckbereich. Die Edea-Wolke war kein Passagierschiff und für gewöhnlich nahm Duvall keine Gäste mit und Faminas und vor allem Hamas Zuspruch, hätte er auch keine Ausnahme gemacht.
Die beiden waren bei den drei Kammern angekommen, in denen sich der erste und zweite Maat, sowie abwechselnd die beiden Steuermänner niederlegten. Der Kapitän öffnete die mittlere und kleinste Kammer, die sonst seinem zweiten Maat vorbehalten war. Dieser war notgedrungen in eines der Mannschaftsquartiere umgesiedelt und darüber keineswegs glücklich. Aber Duvalls Wort war auf der Edea Gesetz! Der Kapitän hing die Blendlaterne ins innere der Fensterlosen Kammer, die eher rustikal eingerichtet war. „Die Mannschaft schläft noch einen Tiefer,“ Kommentierte der Seemann und deutete abwechselnd auf die beiden Treppenabsätze, am anderen Ende des Laderaums. Im dämmrigen Licht waren sie kaum zu sehen. „Erst wollten wir dich dort mit übernachten lassen, doch Famina hatte sich denn dafür eingesetzt dass du ne Offizierskammer bekommst. Deinen rotäugiger Kumpan schläft übrigens ganz unten. Er macht die Mannschaft jedes mal nervös, wenn die alte Hexe ihm einen Auftrag erteilt.“
Anscheinend war die Kammer zu Erasmus Zufriedenheit, denn er bedankte sich beim Kapitän und bot auch seine Hilfe an, doch fürs erste lehnte Duvall das breit grinsend ab. Ihm blieb auch keine andere Möglichkeit, denn ansonsten handelte er gegen Hamas willen. Und solange Ku’ul sich in der nähe befand, handelte man nicht gegen die Wünsche der Hexe. Außerdem hatte er genug Seeleute, die nicht nur wussten, was sie zu tun hatten, sondern auch über weit mehr Erfahrung verfügten. Durmánd fasste sich an die fordere Spitze seines Hutes und neigte leicht den Kopf, dann machte er sich zurück auf den Weg nach oben. Auch auf einem Schiff mit einer gut eingespielten Mannschaft gab es für einen Kapitän immer etwas zu tun. Die kleine Laterne lies der Seemann seinem Passagier, damit dieser auch etwas erkannte, wenn er seine Kabine verließ.

Für Erasmus hieß es nun erst mal, seine wenigen Habe zu verstauen, was relativ zügig erledigt war. Danach hätte er sich hinlegen können, ein wenig ausruhen und entspannen, aber die Unruhe hatte ihn gepackt und so führte ihn sein Weg sehr bald schon wieder an Deck. Als er die Treppe nach oben trat, musste er erst einmal blinzeln, denn nach der Zeit im zwielichtigen Inneren des Schiffes, war das Sonnenlicht doch sehr grell. Von Sarma war bereits nichts mehr zu sehen und die Edea machte sehr gute fahrt. Alle Segel waren gesetzt worden und das weiße leinen wölbte sich kräftig unter dem perfekten Rückenwind. Der Himmel war klar, die Luft roch salzig und belebend. Noch war es nicht die Jahreszeit, dass die pralle Sonne einem den Buckel verbrennen konnte, stattdessen freuten sich die Matrosen über die Wärme, die nicht so drückend war, wie in der Wüstenstadt. Kapitän Duvall stand auf dem Aufbauten am Heck und unterhielt sich mit dem Steuermann und dem Navigator, eine Karte wurde abwechselnd hin und her gereicht. Auch der grüne Raubvogel war wieder da und ruhte wie ein abgerichteter Papagei auf der Schulter des Schiffführers. Zwar unterhielten sich die Männer gedämpft, aber es stand fest, dass er im Augenblick zu beschäftigt war, um sich mit seinem Passagier zu unterhalten.
Aber das war ja ohnehin nicht der Wunsch des Jägers, der stattdessen den einmaligen Anblick genoss, komplett von Wasser umgeben zu sein. Es war relativ still, zwar konnte man immer wieder mal einen Mann rufen hören, aber es störte die Harmonie keineswegs. Die See war für den Wind recht ruhig. Der Rückenwind schütze die Edea-Wolke vor starkem Wellengang. Und von seinem Platz an der Seitenrehling hatte Erasmus wirklich einen tollen Blick auf die ruhige Welt um ihn herum. Die plötzlich von einer Explosion aufgescheucht wurde! Jemand auf dem Schiff rief warnend Houp, dann, in knapp 50 Metern Entfernung, verglühte Feuerball, der für den jähen Krach verantwortlich war. Allerdings schien dies von den restlichen Mannschaftsmitgliedern niemanden wirklich zu interessieren und kaum einer schenkte dem Spektakel seine Aufmerksamkeit. „Und Houp!“ brüllte jemand in der nähe des Großsegels. Lautlos löste sich der Schuss einer aufgebahrten Ballista. Das speerartige Geschoss flog direkt über Erasmus Kopf in die scheinbare Leere des Ozeans. Fast in der selben Entfernung explodierte auch dieses Ziel in einem Feuerball. Das ganze wiederholte sich noch sieben mal, ohne das es eine logische Erklärung dafür gab, dass die Ballistenmunition explodierte. Dann trat eine pause ein.
Einer der Seemänner, ein breiter, schwarzhäutiger Mann mit einer Glatze, lehnte sich neben Erasmus auf die Rehling. Er trug nur eine offene, ärmellose Weste über dem nackten Oberkörper und in seinem Gesicht prangte ein Muster aus silbernen Nieten. Mit seinen beiden Säbeln, dem Streitkolben und ganzen drei Dolchen, die in seinem Gürtel steckten, hätte er ziemlich einschüchternd gewirkt, wenn er nicht so breit und herzlich gelacht hätte. „Na kleiner Mann? Betrachtest du die Künste unsere Magier?“ Der Schwarze hatte einen sehr singelnden Akzent. Er deutete nach oben, wo drei Männer in seltsamen, bunten Kleidern und mit federbehangenden Baretten, in der Takelage hingen. Wäre die Kleidung nicht so auffällig gewesen, hätte man sie für normale Seeleute halten können, so selbstsicher bewegten sie sich in den Seilen der Edea.
„Ich bin Ganzo, der erste Maat der Edea-Wolke. Und du bist also der Bursche, auf den Tante Hama uns aufzupassen angewiesen hat?“ Er gluckste leise und streckte dem Jäger seine große Pranke entgegen. Ganz eindeutig war der Hüne, der selbst den großen Ku’ul überragt hätte, nicht annähernd so gefährlich, wie er wirkte. Zumindest nicht für Erasmus. „Ich hab gehört, wozu du dich bereit erklärt hast. Schade das dein Abenteuer kein gutes Ende genommen hat, aber für jemanden, der nie Kämpfen gelernt hat, war das eine mutige Leistung!“
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Re: An Bord der Edea

Beitrag von Erasmus Weidenfels » Dienstag 16. August 2011, 22:06

Als Erasmus jetzt also an der Reling stand und plötzlich den Feuerball über den Wellen entdeckte zuckte er leicht zusammen. Dann sah er sich um und sah wie einer der Seemänner die Ballista wieder auflud. Als dieser dann fertig war rief er mit durchdringender Stimme Und Houp , da flog das speerartige Geschoss der Ballista bereits über die Reling und hinaus aufs Meer. Wo dieses nach kurzer Zeit wieder in einen Feuerball verglühte. Dann Geschah es wieder, wieder und wieder so das der Jäger das Geschoss sieben mal beim Explodieren betrachtete. Doch beim letzten Mal wunderte er sich erst darüber wie die Geschosse den eigentlich Explodierten. Denn als die Munition gerade geladen auf der Ballista lag, sah sie noch aus wie ein normales Geschoss ohne Zusatz von Teer und anderen brennbaren Materialien. Dort stellte sich ein großer schwarzhäutiger Mann neben Erasmus und lächelte leicht. Der Jäger musterte den Seemann kurz und war erstaunt über die Anzahl an Waffen die der Hüne an seinem Leibe trug. Es waren zwei Säbel, ein Streitkolben und drei Dolche sichtbar. Erasmus dachte sich, dass der Mann sicherlich noch die ein oder andere Überraschung versteckt hielt. „Na kleiner Mann? Betrachtest du die Künste unsere Magier?“ sagte der schwarze Hüne mit fast singender Stimme, wo Erasmus erst einmal den Blick des Mannes folgte und dort sah er in den Seilen des Schiffes drei Männer mit aufwendigeren Kleidern, die sich aber bewegten wie erfahrende Seemänner. „Ich bin Ganzo, der erste Maat der Edea-Wolke. Und du bist also der Bursche, auf den Tante Hama uns aufzupassen angewiesen hat?“ als Ganzo dies sagte, hätte der Jäger sogleich wieder in den Planken des Schiffes verschwinden können, warum musste er durch so eine gescheiterte Aufgabe einen leicht lächerlichen Ruf in Sarma haben. Doch bevor Erasmus antworten konnte, hatte Ganzo wieder das Wort ergriffen und streckte seine schier riesige Hand dem jungen Jäger entgegen. „Ich hab gehört, wozu du dich bereit erklärt hast. Schade das dein Abenteuer kein gutes Ende genommen hat, aber für jemanden, der nie Kämpfen gelernt hat, war das eine mutige Leistung!“ Erasmus war erstaunt und so nahm er erst einmal stumm die Hand des ersten Maats und schaute dann wieder übers Meer hinaus.

Dann sagte er „ Es ist keine mutige Leistung gewesen... Sondern eine Dummheit die mir und Famina beinahe das Leben gekostet hätte. Ich hätte niemals einwilligen sollen, den ein Jäger ist nicht für den Kampf geübt sondern für das Laufen, Schießen und dem erlegen von Tieren. Leute die wirklich für Kämpfe geeignet sind, hätten diese Aufgabe erfülle sollen.“ Er macht kurz eine Pause und sein blick ging zu Ganzo „Aber du kannst mir wahrscheinlich auch nicht sagen warum gerade ich diese Aufgabe bekommen habe, oder ? Ich denke ständig darüber nach und mir fällt nur eines ein. Ich war anscheinend Ablenkung oder der Köder für einen größeren Plan.“ Dann ballte Erasmus die Faust und schlug mit der Unterseite seiner Faust auf die Reling. Dann drehte er sich wieder zu Ganzo „ Tut mir leid das ich dir das alles erzähle, nur ist Ku'ul nicht besonders gesprächig und andere kenne ich auch noch nicht. Aber mich lässt dieses verdammte Gefühl vom Versagen nicht mehr los!“ Der Jäger blickte auf die Waffen des Maats und ihm kam eine Idee die er sofort aussprach. „Könntest du mir nicht ein wenig den Umgang mit dem Schwert zeigen ? Die Schifffahrt dauert noch ein wenig und die Zeit will ich nicht nur im Weg sein sondern auch was leisten. Zeige mir ein wenig das Kämpfen und ich will mit auf dem Schiff helfen!“ Er verstummte und schaute auf die Planken „ Nur muss ich darauf achten das ich nicht zu hart meinen Körper belaste, da er einfach noch viel Geschwächter ist als im normalen Zustand“

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Re: An Bord der Edea

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 25. August 2011, 21:52

„Es ist erstaunlich, wie nahe Mut und Dummheit beieinander liegen können,“ kommentierte der schwarzhäutige Hüne und lehnte sich wieder auf den Rehling. Er machte einen recht entspannten Gesichtsausdruck, während sein Blick wieder hinaus auf Meer schweifte. Für den Moment war das Meer wieder ruhiger, selbst der Wellengang hatte sich ein wenig gelegt. Trotzdem schien er nach etwas bestimmten Ausschau zu halten, oder vielleicht auch zu warten. Dabei machte er leise, schmatzende Geräusche, blieb jedoch ansonsten stumm.
Währenddessen hangelte sich einer der drei Männer aus den Wanten hinab aufs Deck. Die Kleidung des Magiers war in Rot gehalten, mitsamt einem dazu passenden, flammenfarbenen Fez. Höchstwahrscheinlich handelte es sich bei ihm um den Flammenbeschwörer, der zuvor die Bolzen der Balliste als Zielübung verwendet hatte. Sein Training schien beendet, denn er lies seine beiden Kollegen alleine zurück. Kurz grüßte der Zauberer Ganzo, der jedoch nur abwesend die hand hob, dann schlenderte er weiter zum Kapitän. Die anderen beiden Magier schienen sich jetzt ihrerseits aufzuwärmen, beschrieben komplizierte Handbewegungen und murmelten unverständliche Worte.
„Nun, wir sind doch alle Teil eines größeren Plans. Ich denke es war dein Schicksal, dass du auf diese Mission gegangen bist,“ sagte der erste Maat unvermittelt und in einem sehr nachdenklichen Ton. „Und dann war es auch dein Schicksal zu versagen. Weißt du, aus unseren Fehlern und unserem Versagen lernen wir weit mehr, als aus unseren Erfolgen. Denk mal drüber nach ...Ohh, jetzt kommt es gleich, dass wird gut!“ Mit einem mal schoss ein gewaltiger Geysir etwa fünfzig Fuß vom Schiff entfernt aus dem ruhigen Ozean. Die Wucht hätte sicher ausgereicht, um ein feindliches Schiff Leck schlagen zu lassen. Das obere Ende explodierte in einer Pilzförmigen Woge und erfrischender Nieselregen ergoss sich über die Edea-Wolke. Ganzo hatte daraufhin seine würdevolle Zurückhaltung abgelegt und lachte und klatschte bei dem Anblick freudig wie ein kleines Kind. „Hou Hou, ich liebe diesen Anblick einfach,“ kommentierte der Hüne und drehte sich dann herum. Mit dem Rücken lehnte er sich leicht über die Balustrade, den Kopf im Nacken, so dass die letzten Tropfen des Spritzwassers auf sein tätowiertes Gesicht prasselten. Dann schüttelte er leicht sein Haupt und verteilte die Wasserperlen um sich wie ein Hund.
„Lass dir nicht von einem einzigen Misserfolg dein ganzes Leben überschatten.“ Mit einem mal hatte der Ebenholzkrieger wieder seine ernste und mystisch anmaßende Tonlage zurück gewonnen, die jedoch überhaupt nicht mehr zu passen schien, nachdem er gezeigt hatte, wie menschlich er tatsächlich war. „Ich sag dir was, kleiner Mann. Wir segeln mit dem vollen Mond und uns stehen einige wolkenlose Nächte bevor. Tagsüber habe ich die Hände voll zu tun, aber wenn es dunkel wird, und das deck sich leert, dann werde ich dir gerne zeigen, wie du mit einem Schwert umzugehen hast. Ich bin kein so guter Lehrer wie dieser Sandgeist Ku’ul, aber mein Handwerk verstehe ich schon. Gib mir drei Nächte und ich mach aus dir vielleicht keinen Meister, aber zumindest jemanden, der weiß wie man sich gegen einen räudigen Freibeuter wehrt! Nun, was hältst du davon?“ Erneut streckte Ganzo seine rechte Hand aus, damit der Jäger auf sein Angebot einschlagen konnte, doch bevor Erasmus die Chance dazu hatte, hob der schwarze Mann den linken Zeigefinger. „Und als lohn verlange ich nicht das du irgendwelche Arbeit hier an Bord verrichtest, die du überhaupt nicht gelernt hast. Nein, ich will nur dass du die Wolkendecke über deinem Gemüt vorbeiziehen lässt.“ Der Riese grinste und zeigte seine strahlendweißen Zähne, die im starken Kontrast zu seiner Haut standen.
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