Auf dem Zwergenschiff

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Re: Auf dem Zwergenschiff

Beitragvon Azura » Donnerstag 6. Juli 2017, 16:22

Bislang hatte es Azura nicht nötig gehabt, die Welt in einem negativen Licht zu sehen. Wenn es solche Situationen gegeben hatte, hatte sie es zu ändern gewusst, um es für sie ins Positive zu drehen. Einer der Vorteile des Adels und obendrein einer Tochter, die ihren Augenaufschlag gezielt und mitunter auch skrupellos für eigene Zwecke einzusetzen wusste.
Erst seit dem Überfall in ihrem Elternhaus hatte sich die Welt für sie erheblich gewandelt und war dazu angetan, sie verzweifeln zu lassen, obwohl sie sich einstweilen tapfer dagegen zur Wehr setzte. Doch irgendwann war auch die Grenze ihrer Kräfte erreicht, sodass sie nicht mehr gegen die Tränen und das Leid ihrer Seele ankam, auch wenn sie sich damit eine unwillkommene Blöße geben musste. Und das ausgerechnet vor diesem Kerl!
Aber was sollte sie tun? Sie war machtlos gegen den Strom an salzigem Nass, nachdem sie ihr Spiegelbild hatte ertragen müssen. Wie sehr sehnte sie sich jetzt zurück in ihr Zuhause, selbst ihren Stiefvater hätte sie nicht weit weg gewünscht, wäre er in ihrer Gegenwart gewesen!
Doch nein, das stimmte so nicht, denn sie hatte gar nicht die Muße und Kraft dazu, solcherart Überlegungen anzustellen. Aber tief in ihrem Unterbewusstsein war diese Gewissheit, dieses Sehnen nach der Welt, die sie gekannt und in der sie stets brilliert hatte.
Sie würde letzten Endes durchaus mit ihrer neuen Situation früher oder später zurecht kommen können, dazu war ihr Charakter zu kämpferisch, als dass sie vollkommen aufgegeben hätte. Doch dafür benötigte sie eine gewisse Zeit und diese hatte erst begonnen. Obendrein befand sie sich am Rande körperlicher Erschöpfung und war dadurch noch anfälliger für Gefühlsausbrüche wie den derzeitigen.
Es dauerte, bis sie sich zumindest ein wenig fangen konnte, wenngleich ihr unerwünschter Begleiter ihr ungefragt Hilfe dabei leistete. Soweit ging diese sogar, dass ihr Überlebensinstinkt wach gerüttelt wurde und die Tränen versiegten, vorerst zumindest. Im Moment ging es um weit mehr, als dass sie sich seelisch vor ihm entblößte, denn seine Nähe war ihr alles andere als willkommen. Im Gegenteil, sie verspürte sogar eine gewisse Furcht, solange sie die Wahrheit noch nicht kannte, da er ihr schon mehrfach bewiesen hatte, dass er ihr körperlich überlegen war. Wobei sie andererseits herausfand, dass sie zur Not ihre Stimme dagegen halten konnte, sollte sie sonst kein Mittel mehr finden.
Blicke in ihr Dekolleté wiederum war sie Blicke gewöhnt und als der seine dorthin glitt, schmeichelte es ihr flüchtig sogar, vor allem, weil sie nun ihre derzeitige äußere Erscheinung kannte. Da klammerte sie sich an jeden Rest ihrer einstigen Schönheit, und sei dieser auch noch so klein, um ihr Selbstwertgefühl daran wieder aufzurichten. Wenngleich das noch lange nicht bedeutete, dass sie ihm mehr erlaubt hätte, als dorthin zu starren, auf ihre helle Haut, die nicht von ihrer Kleidung bedeckt, sondern viel eher betont wurde.
Und es wirkte, denn sie fand zu ihrer Fassade zurück, ohne allerdings wieder vollkommen zum vornehmen Spross aus gutem Hause zu werden, dafür waren ihre Worte viel zu... direkt und beinahe schon grausam, als sie klar machte, was sie am liebsten mit diesem Klotz am anderen Ende der Kette machen würde. Seine Reaktion indes ließ sie zuerst erstarren und löste dann Entsetzen sowie Panik in ihr aus.
Sie musste sich zwingen, um nicht vor ihm zurück zu weichen, als er sein Gesicht dem ihren derart stark näherte, dass sie den Geruch seines Körpers deutlich wahrnehmen konnte. Dass sie blass wurde, konnte sie nicht verhindern, aber sie schaffte es, ihn nicht wie ein scheues Wild den Jäger anzustarren. Tapfer hielt sie sich aufrecht, soweit ihr das in ihrer Position möglich war.
Als er noch einen Hauch näher kam, drückte sie sich instinktiv fest mit dem Rücken gegen die Bettstatt. Ihre Miene verzerrte sich und machte deutlich, was sie von seiner Haltung hielt, während seine Worte sie schwer schlucken ließen. Die Finger krallte sie in den Stoff ihres Kleides, um deren Zittern zu kaschieren.
"Was soll das?!", keuchte sie, als er sich aufrichtete und breitbeinig vor ihr stand. Azura wurde bleich wie Kalk und spürte, wie ihr das Herz in der Brust still stand. Panik umklammerte sie und sorgte dafür, dass sie wie festgefroren hocken blieb, während er sich auszog.
Sein Beinkleid fiel herab und er präsentierte sich ihr auf eine Weise, auf die sie nur zu gerne verzichtet hätte! Obwohl sie schon viele Verehrer um den Finger gewickelt hatte, hatte sie sich bislang tatsächlich nicht berühren lassen und war in gewissen Bereichen in der Praxis so unschuldig, wie man es niemals glauben mochte. Umso mehr entsetzte es sie, dass er sich nun vor ihr entblößte. Vor allem, weil sie im ersten Moment große Angst davor hatte, dass er sich an ihr endgültig vergreifen könnte.
Doch mit der Wahrheit rechnete sie nicht, sodass sie seine Worte zwar vernehmen, allerdings im ersten Moment nicht verstehen konnte. Stattdessen starrte sie auf die Stelle, die er ihr präsentierte und sah sie dennoch nicht bewusst. Es dauerte, bis sie zu blinzeln und es allmählich zu erkennen begann, was er ihr damit zeigen wollte. Mit der Erkenntnis entspannte sich auch ihre Haltung und obwohl es durchaus mitleiderregend hätte sein können, schlich sich ein feines, schadenfrohes Grinsen in ihren Mundwinkel.
Langsam, als könne sie sich kaum von diesem Anblick losreißen oder als wäre es sogar ihr Werk, wanderten ihre Augen wieder in die Höhe. "Oh, das sieht aus, als hätte es weh getan!", bemerkte sie süffisant und schaffte es nun auch, sich wieder auf die Beine zu rappeln.
Von nicht mehr ganz so weit unten blickte sie ihn weiterhin an, siegessicher, dass sie ab jetzt in einer besseren Position war. Vor allem, weil sie jetzt eine große Furcht hinter sich lassen konnte, wie sie glaubte. "Hm, hast du dich wohl mit den falschen Leuten angelegt, wie?", stichelte sie und glaubte, eine Schwachstelle bei ihm gefunden zu haben, auch wenn er sie freiwillig präsentiert hatte. Denn sie nahm an, dass er durch die Kastration nicht nur unfruchtbar, sondern auch impotent geworden war, ohne sich anatomisch damit auszukennen.
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