Merek Fiónn

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Merek Fiónn

Beitrag von Merek » Freitag 20. Mai 2016, 19:07

Mereks Steckbrief
Name:
Merek Fiónn
Merek hat seinen Nachnamen jedoch für sich “abgelegt”. Er fühlt sich nicht wert, weiterhin den Nachnamen seiner Eltern zu tragen.

Rasse:
Mensch, Zyraner

Alter:
32 Jahre

Geschlecht:
männlich

Beruf:
Magier, Jäger

Heimat:
Heimat: Zyranus
Lebt am Rande des Tangros im Kloster

Gesinnung:
neutral

Magie:
Merek wurde in der Kunst der Lichtmagie unterrichtet und schloss sein Studium vor einigen Jahren in Zyranus erfolgreich ab. Nach dem Kampf gegen seinen Bruder ist er jedoch nicht mehr fähig, seine Lichtmagie anzuwenden. Stattdessen schlummert die Schattenmagie in ihm, über deren Ausmaß er sich selbst noch nicht gänzlich im Klaren ist. Das Wissen um sein Können kommt oft erst situationsbedingt und wenn er in Rage oder Angst ist. Aufgrund seines eigentlichen Lichtmagierdaseins schadet ihm der Einsatz der Schattenmagie. Je mehr er jedoch von ihr Gebrauch macht, desto dunkler scheint seine Seele zu werden und der zehrende Effekt der Schattenmagie lässt langsam nach.
Lichtmagie: durchschnittlich (inaktiv)
Schattenmagie: mindestens durchschnittlich (wahre Stufe unbekannt, vermutlich höher)

Sprache:
Merek spricht seit seiner Kindheit Melongiar. Während seines Magiestudiums hat er sich aus Interesse ein bisschen Lerium angeeignet. Nachdem er das Tagebuch seines Bruders gefunden und nach langem Zögern hineingesehen hatte, war er auf fremde Worte und Zeichen gestoßen, von denen er wissen wollte, was sie bedeuteten. Dabei traf er auf die Kultur der Dunkelelfen. Diese brachte ihn der finsteren Natur seines Bruders näher.

Religion/Glaube:
Als Sohn einer Lichtmagierfamilie wurde er schon früh an den Glauben an die Götter herangeführt. Natürlich verehrte er Lysanthor, während er Manthala verabscheute. Selbst jetzt betet er in manch einer verzweifelten Stunde zum Gott des Lichtes, auch wenn seine Gebete seltener werden und sein Missmut wächst. Ob Lysanthor ihn überhaupt noch anhört?

Aussehen:
Merek ist mit seinen 1,68m für einen Zyraner durchschnittlich groß. Für einen Zyraner wirkt er schon beinahe klobig, seit er nicht mehr behütet in der Stadt lebt und sich alleine herumschlagen muss: Seine früher schlaksigen Ärmchen haben tatsächlich ein paar wenige Muskeln angesetzt. Dennoch würde man ihn als schmächtig bezeichnen, einem normalgewachsenen Menschen hätte er in einer Prügelei nichts entgegenzusetzen.
Auffällig an ihm sind seine verschiedenfarbigen Augen: eines ist Eisblau, das andere tiefschwarz. Um dies zu verbergen, hat er die Kapuze seines Mantels stets tief in sein Gesicht gezogen. Er trägt schulterlanges, schwarzes Haar. Grundsätzlich trägt er die Haare offen und wild, da sie sowieso fast komplett von seiner Kapuze umhüllt sind. Ansonsten wirkt sein Gesicht nicht sehr markant: Eine kleine Nase, schmale, hohe Wangenknochen und tiefe Sorgenfalten zieren es. Doch die meisten seiner Begegnungen achten lediglich auf seine Augen, deren Anblick sehr einschüchternd ist.
Merek trägt eine leichte, dunkle Lederrüstung mit einem langen schwarzen Mantel. Da er gerne nachts umherstreift und auf die Jagd geht, bevorzugt er dunkle Kleidung. Seine Handschuhe trägt Merek immer, auch im Haus, um seine schwarzen Hände zu verbergen. An einer kleinen Stelle am linken Ringfinger, an der sein Ehering sitzt, hat seine Hand seine normale, blasse Hautfarbe behalten. Dazu kommen ebenso schwarze Lederstiefel.
Für einen 32jährigen Mann besitzt Merek nicht sehr viele Narben. Seine Haut ist glatt und geschmeidig, manch eine Frau würde ihn darum beneiden. Seine Arme und Beine sind mäßig dunkel behaart, während Brust und Rücken nur ein paar vereinzelte, sich kräuselnde Haare zeigen. Er bemüht sich, seinen Bart immer getrimmt und kurz zu halten, was er früher in der Stadt jedoch viel exzessiver praktizierte, um eleganter und seriöser zu wirken. Meistens lässt er die Bartstoppeln nun einfach sein und rasiert sich nur gelegentlich.


Persönlichkeit:
Merek ist ein ruhiger, zurückgezogener Mensch, der sich aus den Angelegenheiten anderer heraushält. Wenn er denn spricht, wirkt er sehr wortgewandt und belesen. Er trägt einen Kampf lieber mit Worten aus, anstatt ihn körperlich auszufechten. Das liegt nicht nur an seiner körperlichen Unterlegenheit, sondern auch an seiner Ausbildung als Lichtmagier, die ihn gelehrt hat, dass Magie nicht zum Schaden anderer eingesetzt werden sollte, auch wenn er Letzteres immer mehr in Frage stellt.
Früher war er ein sehr hilfsbereiter Mensch, der gerne auf andere zugegangen ist und Hilfe angeboten hat, oder einfach nur mit seinen Mitmenschen sprach. Doch nun schreckt seine dunkle Aura andere ab. Sie gehen ihm aus den Weg, meiden Gespräche mit ihm, und wenn sie doch gezwungen sind, mit ihm zu verkehren, sind sie kurz angebunden und zeigen ihm ihre Verachtung. Er fühlt sich verbittert und einsam durch diese ständige Ablehnung und hat einen gewissen Hass gegenüber allen Lebewesen entwickelt, die ihn umgeben, obwohl er weiß, dass weder er, noch sie etwas dafür können.
Auch verabscheut er die Schattenmagie, die Besitz von ihm ergriffen hat, wenngleich er sich in gewissen Augenblicken zu ihr hingezogen fühlt: Dann übermannt ihn das Böse und es fällt ihm schwer, seine Kräfte unter Kontrolle zu halten. Dabei hält ihn noch immer die Angst im Griff, jemanden Unschuldigen zu verletzen, oder noch schlimmer, ihn zu töten - dahingehend sieht er seine Einsamkeit als positiv an.
Wenn jemand ihm einen Gefallen tut, bemüht er sich stets, diesen zu erwidern, oder vergisst zumindest nicht, was man für ihn getan hat.
Die Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern war früher alles für ihn. Dies verloren zu haben sorgte dafür, dass er keine wirkliche Freude mehr empfinden kann. An sein letztes Lachen kann er sich nicht erinnern - es muss vor dem Zwischenfall mit seinem Bruder gewesen sein. Er lässt niemanden an diesen Gedanken teilhaben - nicht einmal, wenn jemand wissen wollte, warum er so verbittert ist.
Was ihn antreibt, ist die Hoffnung, den Fluch seines Bruders irgendwie loszuwerden, um wieder ein normales, langweiliges Leben als Lichtmagier zu führen. Doch diese Hoffnung schwindet mit jedem Tag, der ins Land geht.


Stärken:
Merek ist ein sehr loyaler Mensch, der für seine Familie und seine Freunde sterben würde. Einzig und alleine aus diesem Grund hat er seine Macht als Lichtmagier gegen seinen Bruder gerichtet. Dabei hat er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Als Zyraner ist er ein sehr magieaffiner Mensch, der den Umgang mit ihr schnell erlernt und zu seinem Vorteil nutzen kann. Er hat ein Gespür dafür, was seine Macht anrichten kann und wieviel er im richtigen Moment einsetzen muss. Dennoch ist seine Kontrolle, gerade über die Schattenmagie, fern von perfekt.
Er ist sehr flink und weiß es, seine Feinde in eine Falle zu locken. Dabei ist er nicht darauf aus, seinen Gegenüber zu töten, wenn er nicht muss. Durch die Schattenmagie hat er sich angeeignet, in der Dunkelheit verschwinden zu können.

Das sehen im Dunkeln fällt ihm besonders leicht, weshalb er häufig nachts auf die Jagd geht. Auch auf der Reise nutzt er gerne die Dunkelheit des Regens oder der Dämmerung, um weiterzuziehen.
Merek ist ein sehr geduldiger Mensch, sowohl was das Warten angeht, als auch das Erlernen einer neuen Fähigkeit. Er wird nicht müde, bis er etwas kann. Dieses Durchhaltevermögen ist ihm auch in anderen Lebenslagen stets nützlich gewesen. Mit Pfeil und Bogen kann er rudimentär umgehen, wobei er den Bogen eher beim Jagen benutzt.


Schwächen:
Seine größte Schwäche ist, dass ihm die Schattenmagie selbst schadet, wenn er sie einsetzt, weshalb er sie nur mit Bedacht benutzt. Auch wenn der Schaden mit der Zeit nachgelassen hat, so setzt ihm der Magieeinsatz noch sehr zu. Die Auswirkungen spürt Merek je nach Intensität der Magie, die er einsetzt. Während er mittlerweile körperlich folgenlos in der Finsternis des Schattens verschwinden kann, leidet er bei stärkerem Magiegebrauch unter Luftnot und Muskelzittern, was bis zu einem Krampfanfall oder Ohnmacht führen kann. Dabei ist es nicht unüblich, dass er noch Stunden danach am ganzen Körper Schmerzen verspürt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ihm vor Anstrengung ein paar Äderchen in den Augen platzen und diese dann blutrot scheinen. Er ist sich sicher, dass die volle Entfaltung der Macht ihn umzubringen vermag. Doch nicht die Schmerzen sind es, die Merek am meisten zusetzen. Es ist das Gefühl des reinen Bösen, wenn er die Magie einsetzt. Blanker Hass, der ihn erfasst, sobald er die Magie nur in sich spürt. Nicht selten ein dämonisches Lachen, das in seinem Kopf widerhallt. Ein Kontrollverlust, bei dem er nur schwer wieder die Oberhand gewinnt. Danach: Erschöpfung, Demut, Scham. Der Gewissenskonflikt, etwas Verbotenes getan zu haben. Er spürt, dass die Schattenmagie noch nicht vollkommen zu ihm gehört und dass es noch irgendwo eine helle Seite in ihm geben muss. Gleichzeitig wird die Schwäche gegenüber der Lichtmagie eine immer größere.
Während ihn die Dunkelheit beinahe mit offenen Armen empfängt, blendet ihn das Licht und schränkt seine Sehfähigkeit am Tage ein. Den Blick Richtung Sonne vermeidet er tunlichst und zieht seine Kapuze an besonders schönen Tagen noch tiefer ins Gesicht, während er vermeidet, sich an wolkenlosen Tagen auf Ebenen oder ungeschützten Flächen aufzuhalten.
Wie alle Zyraner ist er körperlich kein besonders großer Gegner und damit nicht für den Nahkampf geeignet. Er ist darauf angewiesen, seine Gegner mit seiner Magie in einen Hinerhalt zu locken. Mit Waffen kann er nur spärrlich umgehen, ein Schwert hat er noch nie geschwungen. Er ist froh, wenn er sich mit Pfeil und Bogen seine Feinde auf Distanz halten kann.
Merek hat noch immer große Angst vor der Schattenmagie, weil sie ihn böse und aggressiv macht. Eigenschaften, die er vorher nicht von sich kannte und die ihn mit Unbehagen erfüllen.
Seine dunkle Aura sorgt dafür, dass ihm niemand vertraut - das hat dazu geführt, dass auch er niemandem mehr vertraut. Auch nicht, wenn man ihm vielleicht etwas Gutes möchte. Der Großteil der Leute fühlt sich eingeschüchtert von einer Welle allgemeiner Angst und Hilflosigkeit, die sie nicht näher beschreiben könnten, die sie einfach erfasst, ohne, dass sie etwas dagegen tun können. Es überkommt sie wie ein nahender Sturm, dessen Gewitterwolken Unheil mit sich brachten. Magiebewanderte bilden sich ein, einen schwarzen Schimmer um Merek herum sehen zu können; als würde die Luft um ihn herum dunkel flimmern.


Lebensgeschichte:
Merek und sein Zwillingsbruder Rowan wurden als Kinder zweier bedeutender Lichtmagier geboren. Seine Eltern Gregory und Agres waren liebevolle Eltern, die nur das Beste für ihre Kinder wollten. Schon früh zeigte sich, dass Merek das Talent für die Lichtmagie von seinen Eltern geerbt hatte, die ihn mit Freude schon früh darin förderten. Rowan jedoch hatte von Beginn an einen Hang zum Dämonischen. Nicht nur, dass sein Interesse zur Schattenmagie von Kinderschuhen an geweckt war, auch hatte er nur Unsinn im Kopf. Zu jeder Gelegenheit versuchte er, die wenigen Regeln seiner Eltern zu brechen oder anderen Menschen das Leben schwer zu machen. Mehr als einmal nahm Merek die Schuld auf sich, um seinen Bruder zu schützen, wenn dieser es mal wieder übertrieb und aus Spaß stahl oder andere Leute belästigte. Gregory und Agres wussten sich schon in Rowans jungen Jahren kaum noch zu helfen, hatten sie sich geschworen, ihre Kinder nicht zu schlagen oder anderweitig körperlich zu züchtigen.

Die Brüder waren gerade 14, als sie mit einer Gruppe Kinder außerhalb der Stadtmauern an einem Bach spielten. Durch die alljährliche Schneeschmelze hatte der sonst kniehohe Bach eine beinahe reißende Strömung erreicht. Die Jugendlichen waren fasziniert von diesem Anblick, der sich ihnen nur einmal im Jahr für ein paar Tage bot.
“Ich bin ein Windmagier!” Eiléen, eines der Mädchen aus der Gruppe, rannte mit ausgebreiteten Armen umher. Ein paar Sonnenstrahlen trafen zwischen den Bäumen warm auf ihr Gesicht. “Wenn ich darf, nehme ich die Lichtmagie.” Merek sah fragend in die Runde, um sich zu versichern, dass niemand ein Problem mit seiner Wahl hatte. Keiner widersprach ihm. “Ich will ein Schattenmagier sein!”, bestimmte Rowan.
Alles verstummte, bis auf die jungen Vögel, die von einem Ast zum anderen flogen und freudiges Fiepen von sich gaben. “Du kannst kein Schattenmagier sein! Schattenmagie ist verboten. Außerdem kannst du das gar nicht! Niemand hier kann das!”, mischte sich ein kleiner Junge ein. Merek sah zwischen den beiden hin und her. Sein Bruder hatte die Faust geballt, seine Muskeln zitterten vor Anspannung. Merek legte ihm behutsam die Hand auf die Schulter. Er wusste genau, was sein Bruder heimlich übte, wenn seine Eltern nichts von alledem mitbekamen; wenn Rowan dachte, sein Bruder schliefe oder sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Doch Merek wusste, wozu er imstande war.
“Fass mich nicht an!” Rowan schüttelte die Hand weg und schubste Merek mit voller Kraft von sich weg. Er stürzte schnaubend zu Boden.
“Niemand von EUCH kann das!”, raunte er die anderen an. Sein Herz schlug Merek bis zum Hals.
“Ihr werdet schon sehen!” Es war, als umgebe seinen Bruder eine dunkle Aura. Ein schwarzer Schimmer, der ihn völlig einnahm. Eine Kraft, die von ihm ausging und seinen gesamten Körper einhüllte. Das war nicht mehr der Rowan, den Merek kannte. “Beruhige dich!”, rief Merek, sich seinen Kopf reibend. Er hatte Schürfwunden an den Händen, in denen Dreck klebte, doch das interessierte ihn in diesem Moment nicht,
Plötzlich war es Dunkel. “Stirb!”, rief Rowan laut. Kinder schrieen. Der Ausruf hallte in den Wäldern wider. Eiskalt lief es Merek den Rücken hinunter. Der Zustand der Dunkelheit hielt nur wenige Sekunden an, dann war alles wieder wie vorher, als wäre nichts geschehen. Doch Rowan kauerte keuchend auf dem Boden, am Rande des Baches.
Eiléen kreischte. Zitternd deutete ihr Zeigefinger auf den Bach. Merek folgte ihrem Blick. Reißendes Wasser, Steine, Unrat…und Karthoan, der bewusstlos im Wasser trieb.
“Verdammt!”, grummelte er, “Wir müssen etwas tun!”
Niemand außer ihm rührte sich. Sein Bruder lag noch immer schwer atmend auf dem Boden. Die anderen sahen entsetzt zu, wie Karthoan im Wasser trieb. Mit einem dumpfen Aufprall knallte sein Kopf gegen einen der Steine, die aus dem Wasser ragten.
Dann rannte er los. Ohne Plan und ohne Wissen, wie er den Jungen aus dem Wasser retten sollte. Aber er konnte nicht tatenlos zusehen, wie einer seiner Freunde vor seinen Augen ertrank oder von von der Strömung zerquetscht wurde. Er erreichte eine Stelle unterhalb Karhoans, ließ sich in den Bach sinken und bemühte sich um Halt an einer Böschung. Er sah den Jungen in seine Richtung treiben. Nur noch wenige Meter. Jetzt. Mit seinem freien Arm griff er geistesgegenwärtig nach dem leblosen Körper. Doch das Wasser war stärker und riss kräftig an seinem Arm. Da packte ihn jemand. Rowan. Gemeinsam zogen sie an Karthoan, bis sie ihn ein paar Meter höher auf dem Boden abließen. Sie atmeten stark. Merek schüttelte den schlappen Körper: “Karthoan, Karthoan, wach auf!”, schrie er, tätschelte seine Wange. Es geschah nichts. Eine Platzwunde an seinem Kopf verlor ein wenig Blut. Ansonsten geschah nichts. Kein Atemzug, kein Augenaufschlagen, kein Husten. Kein Herzschlag. Er starrte auf die aufgerissenen Augen, die blauen Lippen und die blass-violette Hautfarbe. Übelkeit übermannte ihn. Es bedurfte keiner Medicus-Ausbildung, um zu wissen, dass der Junge nicht mehr unter ihnen weilte. Es vergingen einige Augenblicke des Schweigens.
“Bist du des Wahnsinns?!”, schrie Merek auf einmal, während er seinen Bruder am Kragen packte. “Hast du den Verstand verloren!?” Es war keine Frage, es war eine Aussage. Merek holte mit der rechten Faust aus und verpasste seinem Bruder einen Kinnhaken. Dieser schien überrascht. Niemals zuvor hatte Merek sich geprügelt. Dass seine Stimme überhaupt so laut sein konnte, wusste nicht einmal er selbst. Er war rasend vor Wut. Rowan hatte geschafft, was seine Familie stets zu verhindern versuchte: Den Tod zu bringen. Sie waren Lichtmagier. Sie heilten Leute.
“Ich muss gehen…”, flüsterte Rowan, der sich seine Wange hielt. In seinen Augen lag keine Wut, viel mehr Erschöpfung. Vielleicht ein wenig Genugtuung. “Ich gehöre nicht hierher”, fügte er an. Merek schüttelte den Kopf. “Du bist vielleicht nicht das…”, er suchte nach dem richtigen Wort,”Aushängeschild der Familie, aber du bist kein schlechter Mensch!” Merek schluckte. “Wir kriegen das schon hin!” Rowan schüttelte gefasst den Kopf: “Nein, Merek. Das bekommen wir nicht hin! Ich bin keiner von euch und das wissen wir beide.” Merek schluckte hart, um den festen Kloß in seinem Hals zu verdrängen. “Ich kann dir helfen!”, flehte er, “Und wenn ich für dich lügen muss!”
Rowan war aufgestanden und hatte die Hand auf die Schulter seines Bruders gelegt. Egal, wie er zu anderen gewesen war, er hatte Merek nie etwas getan, ihn nie geärgert. Sie verband etwas Starkes. Etwas, das sie beide nicht in Worte fassen konnten. Ihre Bruderschaft. “Es tut mir leid, Bruder, dass ich nicht mit unseren Eltern einer Meinung bin, dass jedes Lebewesen ein Recht auf Leben hat. Es tut mir leid, dass ich dich so oft in meine Machenschaften mit reingezogen habe. Du bist in Ordnung!” Damit holte er aus und schlug Merek mit voller Kraft gegen den Kopf. Alles wurde dunkel.
Als er seine Augen wieder öffnete, sah er in die Augen seiner Eltern. Die Nachrichten hatten sich wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet. Rowan war fort. Karthoan war tot. Die Zyraner schickten Reiter los, die Rowan finden und stellen sollten. Auch, oder gerade junge Menschen, mussten ihre gerechte Strafe bekommen. Zyranus war ein Ort des Friedens - und das sollte er auch bleiben.
Merek weinte nicht. Doch er litt, still und leise. Er hatte einen Teil von sich verloren. Und jedes Mal, wenn er die Geschichte von Karthoan erneut ertragen musste, verlor er ein weiteres Stück von sich.

Merek war ein guter Schüler der Lichtmagie und erfüllte auch persönlich alle Anforderungen an einen Lichtmagier: Er war wissbegierig, höflich und äußerst barmherzig. Seine Gutmütigkeit ging so weit, dass er sich um alte, kranke Menschen kümmerte, Botengänge für sie erledigte und später auch seine heilende Magie für überaus günstiges Geld anbot. Er war ein angesehener junger Mann in der Stadt, wurde von allen gegrüßt und gemocht. Merek fühlte sich wohl in dieser Rolle. Er sprach gerne mit den Menschen über den neusten Tratsch, aber auch über ihre tiefsten Gefühle. Er hatte eine Gabe dafür, andere zum Reden zu bringen und sich ihm anzuvertrauen.

Er war 20 als er eine angehende Luftmagierin heiratete: Ana. Ana und er bekamen zwei Kinder: einen Jungen, Quinn, und ein Mädchen namens Kethana. Sie kannten sich seit Kindheitstagen, doch es war Mereks Bruder Rowan, der sie immer davon abgehalten hatte, ihn persönlich richtig kennen zu lernen. Erst als Jugendliche hatten sie sich kennengelernt, als er für Anas Großmutter Einkäufe erledigte. Sie lag mit hohem Fieber im Bett und halluzinierte, als er die Einkäufe ins Haus brachte. Sie sah sehr krank aus, als er näher trat, und ihre Infektion besserte. Er konnte sie noch nicht ganz heilen, aber ihr Zustand besserte sich merklich. Nie würde er vergessen, wie ihn ihre smaragdgrünen Augen dankend ansahen, bevor sie wieder einschlief.

Es war der Tag, an dem er seine Magierausbildung abgeschlossen hatte, als Rowan ihn und seine Familie in einen Hinterhalt lockte. Rowan hatte sich gemeldet, er wolle zurück in seine Heimat, zu seiner Familie, seinem Bruder.Natürlich konnte er nicht einfach in die Stadt, würden ihm die Wachen doch niemals Einlass gewähren. Die Zyraner hatten nicht vergessen, was damals geschehen war. Sie hatten sich schon mehrfach außerhalb der Stadttore getroffen, Geschichten erzählt, beisammen gegessen und getrunken und wollten nun Mereks Erhebung in den Magierstand feiern.
Die gesamte Familie war gut gelaunt und fröhlich mit einem Picknickkorb zum vereinbarten Treffpunkt gekommen. Sie hatten gelacht und die Decken ausgebreitet. Ana und Merek hatten sich auf eine Decke gesetzt, seine Eltern auf eine andere. Ihre beiden Kinder spielten Fangen im Wald.
Doch Rowan tauchte nicht auf. Merek hätte es ihm nicht übel genommen. Er hatte alles, wovon er je geträumt hatte. Nun konnte er als ‘fertiger’ Magier endlich richtig Geld verdienen und in seiner Freizeit seine Studien weiterführen. Er hatte eine Familie, die ihn liebte und die er über alles setzte.
Ein schriller Schrei drang aus dem Wald zu ihnen. Kethana, dachte Merek. Er sprang auf und rannte los, in Richtung des Schreis. Wie aus dem Nichts umgaben ihn Nebel und Dunkelheit. Merek blickte sich panisch um und bemühte sich um Ruhe. Die Angst um seine Tochter und die Panik, weil er seine Hand vor Augen kaum noch sah, versuchte er mit Meditationsübungen zu vertreiben. Doch beides blieb. “Kethana!”, schrie er um sich, doch niemand antwortete.
Sein Fuß stieß gegen etwas, er stolperte. Mit beiden Händen stützte er sich am Boden ab. Dort lag sie, schlaff und leblos. “Kethana!”, schrie er, während er die Hände um seine Tochter schlang. “Verdammt, Kethana, wach auf!” Doch sie rührte sich nicht. Vor seinen Augen sah er Karthoans toten Körper, wie er im Gras gelegen hatte, nachdem Rowan ihn in den Fluss gestoßen hatte. Tränen rannen seine Wangen hinab. Das konnte er nicht getan haben. Sie waren Brüder.
“Zeig dich!”, schrie Merek. Er hatte sich einen Weg zurück zu der Lichtung gebahnt, an der sie sich getroffen hatten. Auch hier herrschte beinahe totale Finsternis.
“Ich bin doch hier!” Eine hässliche Stimme lachte verzerrt auf. Sie klang nach Rowan, aber gleichzeitig auch nicht nach ihm.
“Du bist doch jetzt ein Magier! Zeig mir, was du kannst!”
“Du hast meine Tochter getötet”, stellte Merek fest.
“Das habe ich - sie war mir im Weg!” - “Du bist die längste Zeit mein Bruder gewesen!” Laut schluchzte Merek auf, als er all seine Kraft aufnahm, um Licht in das Dunkle zu bringen. Langsam sah er wieder etwas. Den Wald, die Decken, auf denen sie gesessen hatten.
Da lagen sie. Seine, nein IHRE Eltern. Am Boden. Kampflos waren sie gestorben. Er hatte sie überrascht, so wie er Kethana aus dem Hinterhalt barbarisch umgebracht hatte.
“Ich sagte ja bereits einmal, dass ich nie mit ihren Ansichten über die ach so gute Welt einverstanden war. Das mussten sie nun auch lernen!”, erklärte Rowan seine Tat. “Sie haben dich beschützt. Sie haben dein Leben gerettet, als du weggelaufen bist. Sie liebten dich!” Merek bemühte sich nicht, die Tränen in seinen Augen zurück zu halten. Sie verwischten seine Sicht, tropften auf den Boden vor ihm.
Rasend vor Wut führte Merek einen erbitterten Kampf gegen seinen Bruder, den er letzten Endes mit ein wenig Glück der Götter für sich gewinnen konnte. Mit Rowans eigenem Stab versetzte Merek seinem Bruder den Gnadenstoß: “Du kannst mich töten, aber niemals wirst du mich vernichten!”, hatte der Sterbende geschworen; und als das letzte bisschen Leben aus ihm wich, färbte sich alles dunkel.
Als Merek erwachte, war er allein. Er wusste nicht, was geschehen war, wieso er mitten im Wald aufgewacht war, verletzt. Es fühlte sich alles fremd an. Die Sonne blendete ihn mehr denn je. Er konnte sich nicht heilen, die Macht über die Lichtmagie war wie erloschen. So lag er stundenlang einfach im Gras und harrte aus, versuchte, sich zu erinnern.


Erst, als er sich zur nächsten Wasserstelle hatte schleppen können und sein Spiegelbild in dem stillen Gewässer sah, begann er langsam zu begreifen: Seine früher goldenen Haare waren tiefschwarz, sowie sein rechtes Auge und seine Hände. Einzig eine kleine Fläche um seinen Ehering durchbrach die Schwärze seiner Hände. Seine Lichtmagie war wirkungslos, er konnte sie nicht einsetzen. Stattdessen spürte er eine andere Kraft. Etwas Dunkles, schwarzes. Das Wissen um die Schattenmagie.

"Ich würde gerne neue Kleidung kaufen." Merek trat vor den wandernden Händler, der in einem Karren saß, gezogen von zwei alten Gäulen. Die Pferde schlurften langsam vor sich hin. Mereks lange Robe hing zerrissen an seinem schmächtigen Körper. "Ich benötige etwas geeigneteres für die Reise. Leder würde..."
"Ich gebe nichts an Bettler!", raunzte ihn der Händler an, ohne ihn eines Blickes zu würdigen und gab seinen Pferden die Gerte zu spüren. Eines wieherte und sie trabten an.
Merek stand am Wegesrand und sah dem Händler fassungslos hinterher. Er ballte eine Faust. Hass machte sich in ihm breit.
Gedankenlos griff er nach einem Stein und warf ihn dem Händler hinterher. Ein Tonkrug sprang in hunderte Einzelteile. Der Händler fuhr herum. Wutentbrannt wollte er losschreien, doch als er den jungen Mann hinter seinem Wagen ansah, riss er die Augen auf. Erst jetzt betrachtete der Händler ihn richtig. “I…Ich…”, stammelte er.
“Ich besitze ein wenig Geld”, sagte Merek durch zusammengebissene Zähne, “Ich kann Euch bezahlen.” - “Ihr könnt haben, was Ihr wollt. Aber lasst mich in Frieden!”
Er nahm sich einen dunklen Lederwams, einen schwarzen Umhang mit Kapuze, Pfeil und Bogen und eine Wasserflasche. Die paar Münzen, die er besaß, schmiss er dem Händler vor die Füße in den Dreck. Dann machte er sich von dannen.

Es dauerte Monate, bis er sich langsam an alles erinnerte. Er war Merek Fiónn. Doch er legte seinen Namen ab, er hatte ihn nicht mehr verdient. Er war eine Schande für seine Eltern, für seine Familie. Nicht nur hatte er zugelassen, wie seine Eltern und seine Tochter getötet wurden, von seinem eigenen Bruder, nein, er trug nun auch noch die Magie in sich, die für ihr Ende gesorgt hatten. Was mit seiner Ana und ihrem Sohn geschehen war, er wusste es nicht. Er konnte sich nicht einmal an ihr Aussehen erinnern, wo sie herkamen. Erst, als er die Stadt Zyranus durch Zufall kreuzte, erwachten seine Erinnerungen an sein Leben dort. Doch niemand gewährte ihm Zugang. Man erkannte ihn nicht wieder und fürchtete die Dunkelheit, die ihn jetzt umgab.

Als er an einem abgebrannten Bauernhof vorbeikam, nutzte er die Gelegenheit, um sich eine weiße Stute zu stehlen, die nach einem schwierigen Anfang nun seine einzige Freundin ist. Er kümmert sich gut um sie und sie trägt ihn, wohin er auch möchte.

Merek lebte einige Zeit alleine in der Wildnis. In einer kleinen Höhle, in der wohl einmal ein Rudel Wildhunde gelebt haben musste, nistete er sich dürftig ein. Er brachte sich das Jagen mit Pfeil und Bogen bei und bemerkte sein Talent für das Spurenlesen, was er dafür nutzte, um seine Beute zu verfolgen.

Den ersten Winter hatte er ohne größere Schäden überstanden, dabei war dieser freilich sehr mild gewesen. Der zweite Winter kündigte sich bereits im Herbst mit starken Winden und eisigen Temperaturen an. Die dürftigen Feuer, die er in den Schnee legen konnte, reichten schon bald nicht mehr, um ihn und seine Stute Fiora nachts warm zu halten. Er musste irgendwo Zuflucht suchen. Zumindest bis die kältesten Tage vorüber waren. Nur wo? Alle Städte und Dörfer, die er kannte, lagen entweder zu weit entfernt, oder würden ihm niemals ihre Tore öffnen. Doch erinnerte er sich an ein Kloster, das er sicherlich erreichen konnte.

Das Kloster war größer, als er vermutet hatte. Es wirkte beinahe wie ein riesiger Palast, der einsam inmitten der Wildnis stand. Kurz überlegte Merek, ob er das Richtige tat. Er ballte eine Faust und kniff seine Augen zusammen. Wie sehr er es hasste, auf andere angewiesen zu sein, um Zuflucht zu betteln. Der Wind heulte ihm um die Ohren. Er fror. Seine Kapuze schnellte zurück. Beißend kalt legten sich die Schneeflocken auf sein Gesicht, während der Wind mit seinen Haaren spielte. Merek grummelte in seinen Bart hinein: “Verdammt!” Er hob die Hand und klopfte dreimal auf das alte Holz.
Nichts passierte. Der Wind heulte weiter, der Schnee trieb sein Unwesen und er stand mittendrin. Ungeschützt und frierend. Fiora scharrte über den Schnee und wieherte. Auch ihr war kalt. Wieso hatte er nur seine Höhle verlassen? Was hatte er sich von der Reise erhofft?
Er wollte sich gerade zum Gehen wenden, als sich die alte Holztüre knarzend öffnete und ein alter Mann mit einer Fackel durch einen schmalen Türspalt lugte.
“Was wollt Ihr zu so später Stunde, Reisender?” Merek wich einen Schritt zurück. Das Licht der Fackel warf einen furchteinflößenden Schatten auf sein von einer Kapuze verhülltes Gesicht. Ein Mönch. Seufzend betrachtete er das Schneetreiben, bevor er die Türe weiter öffnete und Merek mit der Hand deutete, einzutreten. “Kommt erst einmal rein, Ihr holt Euch noch den Tod hier draußen. Ich schicke jemanden, der sich um Euer Pferd kümmert.”
Merek suchte die im Schatten verborgenen Augen des Mönches und fixierte den Ort, an dem sie sich befinden mussten. Er nickte einmal hart. Seine Art, Danke zu sagen. Sein Blick ruhte auf dem Mann, als er eintrat.
“Setzt Euch!” Der Mönch führte sie zu einem kleinen Tisch, an dem sich vier Stühle befanden. “Kann ich Euch etwas anbieten?” Doch Merek schüttelte den Kopf. Er hatte alles, was er brauchte: Ein warmes Dach über dem Kopf.
“Ich suche Zuflucht für den Winter!”
Der Mönch lüftete seine Kapuze. “Das ahnte ich bereits.” Er sah Merek fest in die Augen. “Es gibt hier zwei Regeln, an die Ihr Euch halten müsst.” Während der Mönch selbst Platz nahm, stellte er die Fackel in eine dafür gemachte Halterung über dem Tisch.
Wieder nickte Merek, die Arme vor der Brust verschränkt. Das sollte nicht zu schwierig sein.
“Die erste Regel lautet: Jeder muss hier seinen Teil zum gemeinsamen Leben beitragen.” Das verstand sich von selbst.
“Und wie lautet die zweite Regel?”
“Ihr dürft niemanden umbringen.” Noch vor zwei Jahren hätte Merek jetzt laut aufgelacht, doch irgendwie war ihm nicht zum Lachen zu Mute. “Darüber braucht Ihr Euch keine Gedanken zu machen”, versicherte er, “Das wird nicht passieren.”
Plötzlich wehte ein kalter Luftzug durch den Raum. Die Fackel erlosch.
“Dessen seid Ihr Euch sicher?”, fragte der Mönch kühl.

Die ersten Tage verliefen anstrengend für den jungen Mann. Lange hatte er nicht mehr mit anderen zusammenleben müssen. Im Kloster lebten Obdachlose, Vertriebene, Diebe und Mörder aller Rassen beisammen. Sie arbeiteten, aßen und schliefen gemeinsam. Doch er war allein. Merek hatte versucht, nett und zuvorkommend zu sein. Doch wer auch immer ihm begegnete, alle blieben sie auf Abstand, sprachen nicht viel mit ihm. Sie sahen ihn an, als wäre er der Grund allen Übels in der Welt.
Mehr und mehr verbitterte er. Das Dunkle in ihm wuchs und er wusste, er würde einen Weg finden müssen, es loszuwerden, bevor es ihn auffraß. Denn er merkte, wie das Licht in ihm immer mehr verblasste und ihn die Dunkelheit immer mehr einhüllte…

Inventar:
  • Lederrüstung
  • Mantel
  • Ehering
  • Bogen
  • Köcher mit Pfeilen
  • Wasserschlauch
  • Baumwollsack für die Reise
Tierische Begleiter:
Fiora, eine weiße Stute, die er einst von einem abgebrannten Hof gestohlen hat.

Einstiegspost:
viewtopic.php?f=111&t=3649



So, Avatar kommt noch. Ich hoffe, ich hab' jetzt alles richtig gemacht ^^'
Zuletzt geändert von Merek am Dienstag 7. Juni 2016, 21:53, insgesamt 13-mal geändert.

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