Mönch wider Willen

Ein kleiner Tempel, recht unscheinbar, steht in der Hauptstadt Pelgar. Die Dunkelelfen haben ihn geschändet und verbarrikadiert. Hier soll keiner Gottheit mehr gehuldigt werden und für Faldor gibt es seine Halle finsteren Ruhmes.
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Darak Luthrokar
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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Donnerstag 6. September 2007, 14:15

Wenn ein einzelnes Kompliment, ein Ungetüm besänftigen konnte – dann musste es sich dabei um eine Frau handeln. Dies stand für Darak fest. Doch er hatte nicht die Zeit Almas Schnauben zu lauschen sondern er musste sich gänzlich auf seine Mahlzeit konzentrieren die in mühevoller Arbeit seinen Weg in seinen Magen fand und ihn dort wohltuend wärmte und sättigte. Er verputzte gut dreiviertel der Schüssel ehe er sie niederlegte. Der Rest war nicht etwa Zeichen schlechter Qualität sonder der Foltermeister mochte einfach nicht mehr Essen. Sein Magen gab sich mit dem was er hatte bereits mehr als zufrieden und Darak wollte ihn nicht überanstrengen – denn sonst lief er die Gefahr alles innert Sekunden wieder von sich zu geben… und dann wäre diese ganze beschämende löfflerei für die verlauste Katz gewesen.

Ja… Katzen hatten Läuse… aber bestimmt nicht er! HAH!

Zitternd stellte er die Schale zurück auf die Kommode – viel feiner als es Alma zuvor getan hatte als sie ein halbes Erdbeben produzierte. Er blickte die Heilerin kurz an deren Züge sich etwas gemildert hatten. Alma war also tatsächlich ein Mensch und kein Nilpferdhybrid. Er legte den Kopf schief und musterte sie, rückte dann schnell seinen Helm zurecht und wollte sich eigentlich wieder hinlegen und das tun was er im Moment die ganze Zeit hätte tun können – schlafen.

Doch ob dies gut gewesen wäre? Schliesslich suchten ihn dort die schrecklichen Albträume und die Stimmen seiner Opfer die danach schrieen, dass sein Bein verfaulen möge, heim…

Die Entscheidung wurde ihm abgenommen als sich der Nichtgenannte näher an sein Bett hockte und ihn auf seine schrecklichen Erlebnisse in der Folterkammer ansprach. Darak zitterte allein schon bei dem Gedanken an jenen Raum… den er in ähnlicherweise in verschiedenen Städten selbst so oft als Foltermeister betreten hatte. Er hielt sich wieder den Helm als fürchtete er, dass man ihn ihm wieder entreissen könnte. Sein Blick wurde glasig als er sich an die Einzelheiten jener Folter zurückerinnerte. Sein Atem ging schneller und er begann zu frösteln.

Die Umgebung schwand und er fand sich in seiner Zelle wieder. Darak sass wie eine Statue im Bett starr vor der wachsenden Angst die ihn beschlichen und gänzlich unter Kontrolle hatte.

„Soldaten… ich habe mich gewehrt… Piken zwei Stiche ins Bein…“ Begann er schliesslich leise und sah sich selbst wie er durch den Gang in die Folterkammer geschleift wurde. „Sie haben mich getreten… und auf den T-tisch gelegt. Fesseln überall Fesseln!“ Er begann sich die Handgelenke zu reiben – dort an jener Stelle wo man ihn fixiert hatte. „V-valrock! Er ist aus Andunie entkommen! Ich sehe ihn… er besticht die Soldaten… gibt ihnen Gold…“ Seine Augen weiteten sich. „Kommt auf mich zu… MEIN HELM!“ Brüllte er los und hielt sich den Kopf griff panisch nach dem Metall seines Schutzes und tastete ihn ab. Oh für Darak war dies ein wahrlich grauenhafter Akt gewesen als man ihm jenes Schutzes entledigt hatte. Mit bebender Hand hielt er sich schliesslich am Hals – wo noch immer Toroks riesige Pranke abgedrückt war. „Ein schlag ins Gesicht. Blut.“ Er fasste sich ans Nasenbein und zuckte dann zusammen als er den gerichteten, jedoch noch immer gebrochenen Knochen berührte. Sein Blick war nicht mehr glasig sondern ängstlich. Darak durchlebte die gesamte Folter noch einmal, hörte sein Schreien, Valrocks lachen und das Knacken seiner Knochen.
„Torok… meine Kleider!“ Er umfasste seinen nackten Oberkörper und tastete nach dem Hemd, dass er vorhin an die Wand geschmissen hatte. „Metall… glühend…NEIN!“ Er begann sich zu winden und zu zappeln und warf sich selbst nach hinten in die Ecke des Bettes wo er an der Wand anlehnte und sich in eine zitternde menschliche Kugel verwandelte. „Elenaa!!“ Brüllte er schliesslich als er spürte wie sich Toroks glühendes Metall in sein Fleisch bohrte und ihn verbrannte, genau so wie er in der Stillen Ebene verbrannt wurde. „Meine… Haut… schwarz! Brennt!“ Panisch starrte er auf seine Hände. Blankes entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben, denn er sah sie nicht, wie sie wirklich waren sondern sah die schwarzen verkohlten Klauen, die er in der Ebene gehabt hatte. Die verschiedenen massiven Traumen die dieser Kerl erlebt hatte, spielten ineinander und verwandelten sich in eine einzige schreckliche und Lebhafte Erinnerung, in welcher Darak alles hören sehen riechen und gar empfinden konnte – oder musste.

Seine Nerven flatterten und schliesslich brachen sie zusammen, hinterliessen nur noch ein Wrack. Darak heulte gequält auf, sein Herz raste und sein Leib zitterte als stände er unter einem Energiestrahl.

Er sah auf. Starrte ins Leere. Sein Gesicht verzogen zu einer Fratze aus Pein und Angst. „S-sie haben mir… in den Helm gekotzt… Stiefel… pelgarischer… n-nein… NEIN! NEIN!“ Er brüllte auf schnellte nach vorn bog sein kaputtes Knie durch und versuchte zu türmen. Er stürmte am Fussende des Bettes davon und humpelte schreiend und brüllend auf die Tür zu, kratze panisch daran herum und öffnete sie um weiter zu fliehen.

Er war gefangen in einem fürchterlich Teufelskreis des Schmerzes der eine neue Spitze erreichte als sein Knie erneut nachgaben und er zusammenbrach, hart auf dem Steinboden aufprallte. In jenem Moment hörte er wie der Hammer gegen den Keil schlug und als sein Knie auf dem Boden auftraf spürte er erneut den Schmerz des Keils. Darak heulte, schrie, brüllte auf aus vollster Kehle wie ein gequältes Ungetüm.

Alma hatte wahrlich ein schweres Los mit diesem Patienten gezogen, der in seiner Panik dazu neigte, sich immer wieder selbst zu verletzen und ihre anstrengende und mühevolle Arbeit sein Bein zu retten, stetig beinahe wieder zu Nichte machte.

Er wand sich am Boden hielt sich das ächzende Herz und starrte an die Decke. Unfähig etwas zu sagen, nur noch brüllend und heulend vor Schmerz.

Der Nichtgenannte bekam so vermutlich eine deutlicher lebhaftere Vorstellung von Daraks Schmerzempfinden, als er vielleicht erwartet hatte.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Donnerstag 6. September 2007, 14:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 6. September 2007, 18:05

Ohne jegliche Gefühlsregung, denn eine Maske war nicht dazu in der Lage, Gefühle zu offenbaren, schaute der Nichtgenannte auf jede von Daraks Bewegungen. Er sah, wie er sich an den Helm griff, wie seine Finger sich um das Metall verkrampften. Ja, der Helm war ihm wichtig, ein heiliges Relikt.
Vielmehr jedoch schauten die leeren, dunklen Augen der Maske in die Daraks. <b>Dieser glasige Blick verheißt qualvolle Erinnerungen an Schmerz, der noch immer begleitet.</b>
Auf Daraks Oberkörper legte sich ein kaum merkliches Zittern. Er fröstelte. Seine Härchen richteten sich auf und sein Atem ging mit einem mal schneller. Panik krabbelte an ihm hoch, hatte die Bergsteigerausrüstung ausgepackt und erklomm den Gipfel ... scheinbar mit Leichtigkeit.
Der Nichtgenannte wagte es nicht, Darak zu berühren. Gespannt wartete er ab, aber auch Alma und Vater Cendris wurden mit einem Mal ruhig. Alles lauschte den Worten des verdammten Mönches, die wie zähflüssiger Schleim aus seinem Mund tropften.
Während er sprach und vor seinem geistigen Auge noch einmal den Weg zur Folterbank abging, rieb er seine Handgelenke. Noch immer konnte man die wunden Stellen erkennen. Alma hatte sie eingesalbt, aber der Heilungsprozess dauerte.
"BESTECHUNG?!", brachte Alma unfassbar hervor. Sie wusste ja, dass es in der Folterkammer häufig nicht ganz gesetzestreu zuging, aber dass Valrock sich auch noch das Schweigen der Soldaten erkaufte, nur um seine krankhafte Gier nach Folter zu stillen ... die Heilerin wurde ruckartig still. Ihr Blick streifte Daraks Hals, wo Toroks Handabdruck bläulich schimmerte; streifte auch die anderen Blutergüsse, die Daraks Oberkörper in ein blaugrünbraunes Farbenspiel der Peinigung verwandelten, die er erlitten hatte.

<i>"MEIN HELM!"</i> Darak brüllte und seine Hände fuhren in voller Panik an das Metall, welches seinen Kopf schützte. Vater Cendris sog die Luft zischend ein. Er schüttelte den Kopf und machte einen Schritt auf das Bett zu.
Sein Freund, der Nichtgenannte, hielt ihn mit einer einzigen, fließenden Handbewegung davon ab. "Lasst ihn seine Erzählungen zu Ende führen, Cendris."
"Er leidet. Niemand sollte in heiligen Mauern leiden."
Der Nichtgenannte drehte den Kopf. Seine kupferne Maske zeigte keinen erkennbaren Ausdruck. Doch allein die Haltung des Mannes gemahnte Cendris dazu, sein Vorhaben zu beenden. Der Priester lehnte sich neben die Kommode an die Wand, den Blick auf Darak gerichtet. Dieser fuhr mit seiner Leidensgeschichte fort.

Inzwischen umklammerte er seinen eigenen Oberkörper, gefangen in Angst, traumatisierter Panik und der Erinnerung an die Schmerzen, welche nicht nur Valrock sondern auch sein Foltergehilfe ihm zugefüht hatten. <i>Metall ... glühend ... NEIN!"</i> Schon hing Darak in einer Ecke des Bettes, drückte sich gegen die Wand wie ein in die Enge getriebenes Tier. Sein Atem ging so schnell und kam doch stoßweise. Das Licht der Kerzen, welches in seinen vor Schreck geweiteten Augen flackerte, gab ihm einen irren Ausdruck. Jeder, ihn wohl nicht bereits von seiner Folter wusste, hätte ihn wohl auch für verrückt gehalten. Für Fremde ein Mann, der dem Wahnsinn verfallen war. Für Vater Cendris ein Kind der Götter, das mehr als Hilfe brauchte. Für Alma ... nur Beweisstück D? Und was sah der Nichtgenannte in Daraks Gebarden? Was sah er in ihm?

<i>"Elenaa!!"</i> Der Schrei ihres Namens flog über Cendris' Zelle hinaus, wand sich durch die Gänge und die Tempelhalle, bis er schließlich verklang. Er brachte Kerzen zum Flackern und vibrierte leicht in den Glocken nach, die im Gebälk hingen und die Priester zum Gottesdienst riefen, wenn sich dieser ankündigte.
Einige der noch wachenden Tempeldiener sahen zu den goldenen Glocken auf oder schauten sich verwirrt untereiander an.

<i>"Meine ... Haut ... schwarz! Brennt!"</i> Darak hielt seine Hände vor sich, starrte auf sie herab als seien es abstoßende Verstümmelungen seines Körpers. Zugleich flammte die Angst in seinen Augen auf wie ein explodierender Feuerball.
Cendris erhob erneut zum Sprechen an, achtete nicht auf Alma, die Darak nur ungläubig anstierte. "Nichtgenannter, es dürfte genug sein."
Der Maskierte hob einen Finger an seinen kupfernen Mund. "Lasst ihn ausreden. Noch endet seine Geschichte des Schmerzes nicht. Sie fängt gerade erst an. Dieser Mann steckt mitten in einer Prüfung. Ihr habt nicht das Recht, ihn jetzt zu unterbrechen, Cendris."
Der Priester verfiel wieder dem Schweigen. Darak erzählte weiter. Doch inzwischen hatten Gesten und Reaktionen auf das Trauma seine Worte abgelöst. Darak sprach mit dem Körper. Dies äußerte sich in Zittern. Er bibberte am ganzen Leib. Außerdem heulte er gequält auf und selbst Alma, die am weitesten entfernt saß, konnte sein Herz schlagen hören. Es hämmerte gegen die Brust wie ein gefangenes Raubtier, der immer und immer wieder gegen die Stäbe seines Käfigs sprang. Es rief nach Erlösung, nach Freiheit, wollte weg vom Schmerz und den Qualen, die es belasteten.
Dann brach das Raubtier aus, Darak sprang wild heulend auf und hechtete zur Tür. Wo er die Kraft hernahm, vermochte wohl niemand zu sagen, selbst der Nichtgenannte wirkte überrascht – denn er schwankte kurz.
Darak aber wollte raus, weg von seinen Erinnerungen, fort in die Freiheit. Irgendwohin, wo ihn diese Gedanken nicht länger quälten. In seiner Panik rannte er zur Tür, schaffte es gar diese zu öffnen und noch nach draußen in den engen Gang zu hetzen. Dort jedoch schwanden seine Kräfte. Die Beine gaben nach. Darak krachte mit voller Wucht auf den harten Steinboden. Blitze aus Schmerz durchzuckten sein Knie. Punkte tanzten vor Daraks Augen. Sie waren glühend rot, sammelten sich und durchzogen sienen Körper. Sie erhitzten seine Blutbahnen mit aufsteigender Pein, die von seinem ganzen Körper Besitz nahm. Er zappelte und zuckte, verdrehte die Augen, riss den Kopf zurück. Nur sein instinktives Schnappen nach Luft zeigte den herbei eilenden Mönchen, dass er noch immer um sein Leben kämpfte.

Ein Kreis aus Mönchen, Priestern und Glaubensschwestern umgab Darak. Alle starrten sie auf den sich windenden Körper herab. Niemand konnte sich auch nur ansatzweise rühren. Und dann ... eben in jenem Moment, als Alma, Vater Cendris und der Nichtgenannte Darak erreichten, geschah etwas Schreckliches. Unter Scheppern und Klirren rollte der gehörnte Helm, Daraks einziger Schutz in diesen Hallen der Götter – sein einziger Schutz gegen alles und jeden, der ihn plagte – er kullerte über den granitenen Tempelboden, sprang noch einmal und blieb schließlich vor den Füßen Almas liegen. Diese hob den Helm auf, als Darak sich erneut auf die Seite wand. Das Wort, die Tätowierung in seinem Nacken, war deutlich zu sehen.
"Ein ... Verdammter in Lysanthors Hallen!"
"Er ist verdammt, er sollte nicht hier sein!"
"Lysanthor straft ihn bereits, seht seine Qualen. Betrachtet den Missetäter, der versuchte, sich über die eigene Verdammnis hinwegzusetzen!"

Alma drehte den Helm in ihren Händen. Sie war es gewesen. Sie hatte das Erbrochene aus dem Helm gewaschen. Nach Daraks Worten, die sie bereits in ihrem Haus gehört hatte. Nach seinem Flehen, als er mit Topf und rosa Wolldecke auf ihrem Sofa gesessen hatte ... sie berührte die Lederriemen, welche im Innern des Helms waren, damit dieser nicht scheuerte. "Einen davon hab ich frisch eingefettet", brummte die dicke Heilerin vor sich hin. "Ich hab diesen Helm für einen Mörder und Verdammten flott gemacht. Für einen Kerl, der sich vor mir in Schmerzen windet und schon wieder sein Knie belastet hat." Sie seufzte. Alma trat einen halben Schritt an Darak heran. Alle Augen fixierten sie sofort. "Vielleicht ... sollte man ihn von seinem Leid erlösen. Dieser Kerl ist ein Mörder von Frauen und Kindern. Er hat Menschen für Geld gefoltert. Er ist zum Verdammten unter den Lysanthormönchen erklärt worden." Sie schüttelte den Kopf. "Ich bin Heilerin. Meine Pflicht ist es im Grunde, Leute wieder zusammen zu flicken. Aber ich frag mich bei ihm: Was will er noch unter uns?"

Murmeln erfüllte die Halle. Einige schauten mit Verachtung auf Darak herab, der noch immer in seiner Pein gefangen am Boden lag. Die meisten zählten wohl zu denen mit verachtendem Blick. Einige Priesterinnen und Priester aber schüttelten nur die Köpfe oder schlugen heilige Zeichen.
Vater Cendris schaute Alma an. Ihr Blick jedoch galt nur dem Helm in ihren Händen. Der Nichtgenannte machte einen Schritt vor. "Im Grunde habt ihr Recht, Heilerin. Und auch die Priester sprechen die Wahrheit. Er sollte nicht hier sein, er ist ein Verdammter."
Der Maskierte griff unter seine Gewandung. Plötzlich hielt er ein beachtlich schönes Schwert in Händen. Die Klinge war dünn und gut ausbalanciert, wenn man einen Blick dafür hatte, erkannte man dies. In den Griff war das Wort "Schmerz" eingeprägt. Dies war ein Schwert, welches nur Zeremonien galt. Man nutzte es nicht zum Kampf, auch wenn die Klinge scharf war.

"Einen Mörder, Verbrecher und Verdammten zu töten, wird nicht mit dem Galgen bestraft", sagte der Nichtgenannte ruhig. Er trat an Darak heran und hob die Waffe. Dann ließ er sie niedersausen – und rammte sie dich neben ihn in die Fuge zwischen zwei Granitplatten. "Niemand wird sich ihm bis auf zwei Schritt nähern, wenn ich es nicht gestatte! Wer es dennoch tut, den mache ich mit der Kunst des Schmerzes bekannt! Vater Cendris hat mir diesen Mann für meinen Orden empfohlen. Von euch wird es niemand sonst wissen und ich verrate es nur ungern, aber bei uns interessiert es nicht, welche Taten auf dem Herzen lasten. Es zählt nur der Schmerz und je schlimmer die Taten eines Mannes sind, desto mehr fühlt er sich bereits dem Schmerz verbunden. Dieser Mann wird mich begleiten und keiner der euren wird mich aufhalten. Er ist von mir persönlich auserwählt."
Der Blick der Maske wanderte zu Alma. "Ich weiß, dass Ihr ihn von seinen Qualen erlösen wollt. Er hat bereits sehr viel Schmerz erfahren. Daher ist es wichtig, dass er überlebt. Sein Weg ist der Schmerz, ich muss ihm diesen Weg zeigen." Die Stimme des Nichtgenannten klang ernst. "Und jetzt helft ihm, gebt ihm ein Mittel. Er ist noch nicht so weit, um es allein zu schaffen. Dann holt Euren sagenhaften Räderstuhl. Ich möchte sofort aufbrechen."
Alma nickte nur, eilte zu Darak. Sie kramte in einer ihrer Rocktaschen, holte eine kleine grünliche Pastille hervor und flößte sie ihm ein. Indem sie Daraks hals massierte, brachte sie ihn dazu, das Schmerzmittel zu schlucken. Es würde nicht nur seine Pein lindern, sondern ihn auch nervlich stärken, denn in der Pastille befand sich Johanniskraut. Ausnahmsweise handelte es sich also wirklich um ein Medikament. Alma griff zusätzlich zu einer Salbe. Darin war die Rinde des Weidenbaums verarbeitet, was Daraks Schmerzen zusätzlich lindern sollten. Sie stich seine Beine mit der Salbe ein und holte dann ihren Walzstuhl.


<i>[Daraks Lebensenergie sinkt auf 16% herab]</i>

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Freitag 7. September 2007, 00:38

Während seine Schreie durch den Gang hallten war es etwas anderes das sich in seinem Körper wie ein grelles Brüllen ausbreitete. Als die Kniescheibe geräuschvoll auf dem Boden aufschlug, war es ihm wie ein Gongschlag der alle seine anderen Empfindungen übertönten. Ein Moment des reinen Schmerzes. Nur von kurzer Dauer, da ihm das Bewusstsein erhalten blieb konnte es sich sogleich mit Angst und Schrecken paaren und eine neue noch viel grässlichere Mischung bilden.

Wie ein reissender Wolf schnappte der Schmerz nach seinem Knie, verbiss sich darin, wand seine spitzen Zähne in seinem Gelenk und bohrte sich nur noch tiefer hinein. Darak schrie sich die heisere Kehle aus dem Leib bis sich seine Stimme überschlug und nur noch ein hechelndes Krächzen erklang. Seine Augen verdrehten sich immerzu und die Gestalten die sich ihm näherten vermischten sich gefährlich mit jenen die er aus seinen Träumen kannte. Mönche, Priester und Glaubensschwestern, die ganze Gemeinschaft aus welcher er verdammt worden war und die er so sehr in seinem Zorn zu verabscheuen gelehrt hatte… sie alle standen nun über ihm. Starrten auf ihn herab als wäre er ein sterbendes Tier und für manch einer schien er gar weniger als dies zu sein. Sondern nur lebender Dreck. Ein hässlicher gehörnter Fleck in jenen heiligen Gemäuern. Ein Ungeziefer das nicht dahin gehörte und eigentlich schon längst hätte von dieser Welt vertilgt werden müssen. Denn ein solcher Schandfleck war eine Beleidigung für die Schöpfung selbst. Ja, solche Gedanken mochte vielleicht einer dieser Priester und Mönche haben im Haus des Friedens und der Heiligkeit.

Darak hätte es vielleicht amüsiert, dass er von seiner Position aus einigen der Glaubensschwestern unter die Kutte sehen konnte – doch nur schon um dies zu erkennen, ging es ihm viel zu schlecht. Er sah kaum noch etwas, denn sein Blickfeld war durchzogen mit roten und schwarzen Punkten. Er wand sich am Boden, spürte den kalten Stein auf seinem Rücken – ob sich Alma wieder um eine drohende Verschlimmerung seiner Erkältung sorgte? Nein… im Gegenteil. Doch in jenem ersten Augenblick schien sie selbst erstarrt zu sein. Auch ihre Augen die schon vieles gesehen haben mochten schienen dem grässlichen Bann seines Schmerzes verfallen zu sein.

Da geschah das grosse Unheil. Sein treuer und stets schützender Helm löste sich von seinem Haupt und kullerte scheppernd über den Boden. „Nehhhn“ Krächzte er und versuchte sein Kopf zu schützen, kugelte sich zusammen und verdecken damit nahm das Übel seinen lauf, denn durch die Krümmung seines geschundenen Leibes machte er sein Mal deutlich sichtbar und die Reaktion darauf folgte prompt.

<i>"Ein ... Verdammter in Lysanthors Hallen!"
"Er ist verdammt, er sollte nicht hier sein!"
"Lysanthor straft ihn bereits, seht seine Qualen. Betrachtet den Missetäter, der versuchte, sich über die eigene Verdammnis hinwegzusetzen!"</i>

„Nein! Schaut mich nicht an!“ Keuchte der Verdammte und versuchte seinen Nacken zu schützen. „Neiin..:“ Weinte er laut vor sich her denn das unheilige Zeichen wies ihn nicht nur als körperlichen… sonder auch seelischen Krüppel aus. Sein zittern nahm noch mehr zu und er spürte wie sein Herz flatterte und unregelmässig Schlug. Panisch schlugen seine Hände nach dem Helm, tasteten über den Boden und fanden nichts ausser kaltem, toten Stein auf dem heiligen Boden den er befleckt hatte als er den Tempel unrechtmässig betreten? Nein befahren hatte.

<i>"Ich hab diesen Helm für einen Mörder und Verdammten flott gemacht. Für einen Kerl, der sich vor mir in Schmerzen windet und schon wieder sein Knie belastet hat."</i>
„M-mein Helm!“ Keuchte Darak nur und streckte seine bebenden Hände nach Alma aus. Es schien so als wäre es seine einzige Sorge – diesen verdammten Helm wieder zu bekommen. Selbst dieser liess ihn im Stich, verriet ihn, kullerte zu der Heilerin weg… vielleicht weil sie ein Stückweit zu seinem Schutzsymbol geworden war. Weil sie es gewesen war, die ihn aus dem Folterkeller gerettet hatte. „Almaa…“ Hauchte er in seiner Verzweiflung. „Alma hilf… mir… bitte!“ Flehte er und meinte damit nicht, dass sie seinen körperlichen Schmerz lindern sollte, sondern er wollte von den bösen und verachtenden Blicken der Mönche verschont bleiben. Jene Blicke, vor welchen er in ihrem Haus sicher gewesen war. Einzig Valrocks düsteres Lachen fehlte noch um das Sammelsurium grausiger Gestalten zu vollenden, denn in seiner von der Panik veränderten und verzerrten Wahrnehmung, tauchten hinter den Geistlichen auch noch die Bildnisse seiner Opfer auf, die ebenfalls „Verdammter“ riefen und forderten ihn zu verstümmeln, ihm die Beine vom Leib zu reissen und ihn schliesslich in der gleissenden Sonne – sinnbildlich für das Licht Lysanthors vergehen zu lassen.

Wie sehr er Alma für ihre Ehrlichkeit auch geschätzt hatte… in diesem Augenblick wurde sie ihm zum Verhängnis.

<i>"Vielleicht ... sollte man ihn von seinem Leid erlösen. Dieser Kerl ist ein Mörder von Frauen und Kindern. Er hat Menschen für Geld gefoltert. Er ist zum Verdammten unter den Lysanthormönchen erklärt worden."</i>

Seine Augen weiteten sich bei ihren Worten, die so trefflich sein Leben wiedergaben… doch nicht seinen Wandel den er durch Elena erfahren hatte, jenes aufleben dass er empfinden durfte und ihm Raum für neue Wünsche und neue Hoffnungen gab – ja ihm, der er dies eigentlich gar nicht verdient hatte.

Wie gerne hätte er Elena in eine kühle Grotte entführt, sie in ein weiches Lager aus verschiedenen Decken gelegt und ihren sinnlichen Körper mit Würfeln eingefrorenem Weines nachgezeichnet, schliesslich ihre Haut mit sanften küssen bedeckt und sich ihr ganz ergeben mit Leib und seiner verkrüppelten Seele welcher sie durch ihre liebe und leidenschaft Linderung versprach.

Vielleicht hätte er sich mit ihr auch zurückgezogen, eine Hühnchenfarm errichtet und eine Zucht aufgezogen. Er mochte Hühner, zum Essen und auch als Tiere.

Diesen Darak… kannte niemand, wohl am wenigsten er selbst. Hatte er diese Seite an sich doch erst durch jene feurige Frau wiederentdeckt… und nun war sie ihm so unheimlich fern.

<i>"Ich bin Heilerin. Meine Pflicht ist es im Grunde, Leute wieder zusammen zu flicken. Aber ich frag mich bei ihm: Was will er noch unter uns?"</i>

„L..-l..Leben!“ Hauchte er, doch sein Wort ging in dem wütenden Gemurmel der Geistlichen unter. Jene Frau, die seinen Helm in den Händen trug, Alma… der er ein Stück weit vertraut hatte. Gerade sie wollte ihn an den Tod verraten?! Sie die von sich selbst behauptet hatte, keine Mörderin zu sein? Selbst wenn es um die Vernichtung von Dreck ging? Sie, die ihn vom Zustand „Halbtot“ in Lebend befördert hatte? Sie hatte also getan, was sie zuvor schon bei vielen anderen Verbrechern getan haben mochte, das Leiden nur verlängert und gar noch verschlimmert, indem sie ihm für eine kurze Zeit eine erbärmliche Hoffnung gegeben hatte! Natürlich! Für was hätte Valrock ihm auch die Beine brechen sollen, hätte er wahrlich vorgehabt ihn gleich zu töten, lag der spass der perverse Sinn jener Folter nicht darin, sein Opfer eine Zeit lang damit leben zu lassen? Das Versagen des eigenen Körpers spüren zu lassen, Darak hatte bestimmt sehen sollen wie sein Körper ihm im Stich liess, wie er zitterte und nicht mehr dazu in der Lage war ein simples Glas Wasser zu halten und diese ganze Folter sollte schliesslich hier im Tempel gipfeln, wo sie ihn nackt auszogen – mit dem Verlust des Helmes – und auf ihn nieder starrten und dieses hässliche verkrüppelte Gewürm aufs neue verdammten und Alma, diente als Verbindungspunkt zwischen jenen Elementen und dies mit durchschlagendem Erfolg, weil er ihr gar vertraut hatte, ja sie sogar bei sich haben wollte. Heilerin, der geachtete Berufsstand, der Hoffnung spenden und Leiden lindern sollte – hier masslos missbraucht. „F..-alsche… Heilerin.“ Seine Stimme war nur noch ein wispern, denn seine Stimmbänder waren bereits soweit aufgeschwollen und angerissen, dass sie kaum noch einen Laut von sich geben konnten. Er erzitterte nach seinen eigenen Worten und riss an seinen ungeschützten Haaren herum, bis er es gar schaffte sich einen Büschel auszureissen den er sogleich auf dem Boden verstreute – Laus los wohlgemerkt.

<i>"Im Grunde habt ihr Recht, Heilerin. Und auch die Priester sprechen die Wahrheit. Er sollte nicht hier sein, er ist ein Verdammter."</i>

Lügen! Alles waren verdammte Lügen, Cendris war es doch gewesen der ihm gesagt hatte, dass er gerade WEIL er ein Verdammter war zu ihm gehören würde und nun? Nun wurde er von allem und jedem verraten der sich hier in diesem Raum befand. „Warum?!“ Formte er noch mit seinen Lippen, zu mehr war er nicht mehr imstande. Wieder eine klare demonstration davon, wie sehr ihn sein Körper im Stich liess. Damit passte er sich ja nur der Umgebung an.

Bis zu jenem Punkt hatte der Foltermeister um sein Überleben gekämpft – verbittert, verzweifelt doch dann wurde ihm der vernichtende Schlag versetzt.

<i>"Einen Mörder, Verbrecher und Verdammten zu töten, wird nicht mit dem Galgen bestraft"</i>

Man hatte ihm seine Würde nehmen können, seinen Körper, ja gar seinen Helm und nun, nachdem dies alles auch tatsächlich weg war, wurde ihm erst bewusst was er schon längst verloren – und nie vermisst hatte. Seinen Wert. Denn er war zu weniger als Nichts geworden. Elena hatte ihm diesen wiedergegeben doch nun war er genau so verloren wie vor seiner Begegnung mit ihr. Sein Ausdruck veränderte sich von einer Sekunde auf die andere. Ausgebrannt. Absolute Resignation. Almas Diagnose des seelischen Todes – sie wurde in jenem Moment zur Realität. Er fügte sich dem Schmerz der nach seinem Leben zu schreien schien (er ahnte ja nicht, dass er nicht lebensgefährlich verletzt war). Sein Griff um seinen Kopf liess nach, er krümmte sich nur noch schwach. Sein wispern verstummte gänzlich. Sein Blick wurde starr – matt – abwesend und so unendlich Leer. Noch immer zitterte sein Körper doch da war kein widerstand mehr der versuchte dagegen anzukämpfen. Sein instinktives Atmen wurde flacher, er kämpfte nicht mehr so verzweifelt um Luft.

Als der Nichtgenannte sein verziertes Schwert zum „erlösenden“ Schlag – ja damit würden sie wohl später ihr Gewissen beruhigen – ausholte drehte sich Darak auf den Rücken. Soll er ihm die Spitze seines Schwertes doch direkt ins Herz rammen. Soll er nur kommen und es tun, soll dieser grässliche Witz doch seine schlechte Pointe bekommen, was scherte es ihn noch?

Er hatte ja immer gewusst, dass kein Ort auf ganz Celcia so verlogen war, wie die Tempel der Städte.

Er starrte auf das Schwert als es niedersauste und erwartete das Eindringen in das Fleisch seines Körpers, doch das einzige was er vernahm war das klirren des Stahls als sich die Klinge in die Kerbe bohrte und stecken blieb. Er schnaubte. Jetzt hatte dieser maskierte Vollidiot nicht einmal getroffen! Alma hatte ihre Rolle meisterlich gespielt, bei Cendris war er sofort misstrauisch geworden, aber dieser so genannte Nichtgenannte entpuppte sich als absolut Inkompetent. Das war ja klar, so was musste ja auch noch geschehen! Es passte einfach göttlich! Natürlich würde er nicht resigniert sondern verärgert sterben, dass war doch die Urironie seines Schicksals! „Ja herrlich Lysanthor entschuldige dass ich an deinem Humor gezweifelt habe!“ Piepste er aus dem was von seinen Stimmbändern übrig war heraus.

<i>"Ich weiß, dass Ihr ihn von seinen Qualen erlösen wollt. Er hat bereits sehr viel Schmerz erfahren. Daher ist es wichtig, dass er überlebt. Sein Weg ist der Schmerz, ich muss ihm diesen Weg zeigen."</i>

Darak fragte sich langsam was die eigentlich wollten? Erst töten, dann soll er wieder überleben, danach würde er wohl nur doch wieder sterben müssen. Er schnaubte erneut, doch er spürte auch wie sein Körper völlig erschöpft war und sich den Schmerzimpulsen langsam ergab. Er wand sich noch immer leicht am Boden – nicht weil er wollte – sein Körper machte es einfach.

<i>"Und jetzt helft ihm, gebt ihm ein Mittel. Er ist noch nicht so weit, um es allein zu schaffen. Dann holt Euren sagenhaften Räderstuhl.</i>

Hah! Auf dieser Art der falschen Hilfe konnte er gut verzichten! (Konnte er eigentlich nicht aber er glaubte es zumindest) Er knurrte verächtlich und stierte Alma böse und sichtlich enttäuscht an. Er sah wie sie eine Pastille hervorkramte. Oh ja damit wollten sie ihn wohl gefügig machen! Hah! Oh nein nicht mit ihm!

Er klemmte seinen Kiefer zusammen und dachte nicht daran das Medikament zu schlucken. Wieder eine klägliche Niederlage für seinen Körper denn Alma brauchte kaum viel Kraft aufzuwenden um seinen Mund zu öffnen. Er nahm sich vor NICHT zu schlucken, doch auch hier versagte er kläglich als er den massierenden Stimulationen seines Rachens nachgab.

Er verzog sein Gesicht als sie sein schmerzendes Knie einsalbte, doch nach wenigen Minuten spürte er bereits die Wirkung der Pastille und wurde sichtlich ruhiger und leicht schläfrig.

Er rührte sich nicht mehr. Sein lauer Widerstand brach wieder zusammen. Er starrte einfach auf die Füsse der Geistlichen und verharrte, dem abklingenden Schmerz widmend.

Sollten sie doch mit ihm machen was sie wollten!

Dieser Gedanke… war untypisch für einen Luthrokar und zeugte nicht gerade von seelischer Gesundheit – im Gegenteil und so war es ihm auf erschreckende Weise auch völlig gleichgültig geworden - dass er sein gebrochenes Bein nicht mehr spürte.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Freitag 7. September 2007, 00:38, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Freitag 7. September 2007, 19:16

Daraks Klagen, sein Flehen und auch das leise gehauchte "Falsche Heilerin" gingen im Gemurmel der Umstehenden unter. Niemand hörte ihn, niemand vernahm auch nur das leiseste Gekrächze aus Daraks Kehle. Sie alle standen nur um ihn herum, gafften und verurteilten ihn mit Blicken. Bis auf drei Gestalten. Alma, Cendris und der maskierte Nichtgenannte waren auf Daraks Seite – irgendwie.

Nachdem Letzterer sein Schwert in die Fuge zwischen den Granitplatten gerammt und seine kleine Rede gehalten hatte, erdreisteten sich einige der Priester, tatsächlich auf Darak zuzugehen, der soeben von Alma behandelt wurde.
Darak starrte auf die Füße, die ihn umringten. Mittlerweile hielten die meisten den angedrohten Abstand von zwei Schritt ein. Der Nichtgenannte zog sein Schwert und stand wie ein Krieger schützend vor Alma und Darak. Er meinte es offenbar mehr als ernst.
"Meine Schwestern und Brüder, geht in die Betten. Dieser Mann wird umgehend aus dem Tempel entfernt, seid gewiss."
"Vater Cendris hat Recht", erhob der Nichtgenannte noch einmal seine Stimme. "Wenn ihr erwacht, wird er nicht mehr hier sein! Er ist auf dem Weg in eine bessere Welt!"
Die Priester, die Mönche und Glaubensschwestern zerstreuten sich, fanden alle den Weg in ihre Zelle. Inzwischen erhob sich Alma und holte den Räderstuhl aus Cendris' Kammer. Der Nichtgenannte steckte sein Schwert wieder weg und kniete sich zu Darak herab. "Du gehörst nicht in diesen Tempel. Die Geistlichen haben wenig Sinn für Menschen wie dich. Aber du gehörst fortan zu mir. Ich nehme dich als meinen Schüler an, junger Novize des Schmerzes. Doch jetzt schlaf, du brauchst Kraft." Der Nichtgenannte berührte eine Stelle an Daraks Hals und drückte kurz zu.
Dunkelheit umwogte die Überreste von Daraks Geist und alles wurde schwarz.

Als Darak wieder erwachte, fand er sich erneut im Walzstuhl der dicken Alma wieder. Das Holpern der Räder, die über die huppelige Pflasterstraße rollten, musste ihn geweckt haben. Er wurde durch Pelgar gefahren.
Schnell musste Darak wohl auffallen, dass sein Helm noch immer fehlte, aber er entdeckte ihn unmittelbar vor sich. Das gute Stück hing am Gürtel einer Gestalt in weißer Gewandung. Ein Blick auf ihn selbst verriet, dass er in braune Roben eines Geistlichen gehüllt war. Offensichtlich hatte Cendris hierbei seine Hand im Spiel gehabt.

"Na, wirst du langsam WACH?" Das war Alma, eindeutig. Sie schob den Walzstuhl wie einen Pflug vor sich her. "Reg dich jetzt BLOSS nicht wegen deinem Helm auf. Naja, du dürftest ruhig gestellt sein. Das Johanniskraut wirkt Wunder. Hält dich brav still und stärkt dafür wieder deine Nerven. Kannst du gut gebrauchen. Ich hab dich ja schon abgeschrieben, aber der Kerl vor dir ... dieser Nichtgenannte ... der zeigt ja viel Interesse. Als Beweisstück kann ich dich jetzt allerdings vergessen. Aber!" Alma wirkte auf unheimliche Art und Weise sehr mit sich zufrieden. "Ich brauch ja nicht mehr zum Kommandanten gehen. Ich hab eine neue Arbeit und werde gut dafür BEZAHLT. So gut, dass ich es mir leisten kann, Pelgar für eine Weile zu verlassen. Ich hab sogar einen Zettel an meine Haustür gehängt. Ha!"

Der weißgekleidete Mann, welcher dem Räderstuhl voraus ging und Daraks Helm am Gürtel trug, wandte sich um. Es war der Nichtgenannte. "Wir werden die Stadt verlassen und zu meinem Orden zurückkehren. Jetzt, da ich einen Schüler gefunden habe, hält mich nichts in Pelgar. Überlasst mir das Reden an den Toren und Alma, sorgt dafür, dass er ruhig bleibt, bitte. Die Wächter müssen nicht erfahren, dass ein nicht verurteilter Mörder die Stadt verlässt."


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