Mönch wider Willen

Ein kleiner Tempel, recht unscheinbar, steht in der Hauptstadt Pelgar. Die Dunkelelfen haben ihn geschändet und verbarrikadiert. Hier soll keiner Gottheit mehr gehuldigt werden und für Faldor gibt es seine Halle finsteren Ruhmes.
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Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Montag 27. August 2007, 01:11

<i>[Darak kommt von Almas Haus]</i>

Vater Cendris war ein ruhiger Priester, diente keinem bestimmten Gott, aber lebte schon lange sehr gläubig. Er war die Ruhe selbst und strahlte diese auch aus. Seine Statur war durschschnittlich, wobei er sicher Kraft besaß. Aber inwieweit er diese einsetzte?

<img src="http://i140.photobucket.com/albums/r21/ ... endris.jpg">

Er kam zu Alma und dem herum maulenden Darak hinüber. "Die Götter seien mit euch", grüßte er die beiden und ignorierte vollkommen, was Darak alles zu knurren hatte.

<i>"Was soll ich hier? Ich bin Mörder! Ich bin Foltermeister! Ich gehöre nicht zu diesen belesenen Küttchenmännchen die den ganzen Tag staubige verlogene Bücher lesen und jene Worte in aller Öffentlichkeit nachträllern! ICH NICHT!"</i>

Vater Cendris hörte sehr wohl diese Worte. Er wollte schon antworten, denn interessant war es schon: ein Mörder, der zum Tempel kam. Wollte er beichten? Die Götter verziehen viel. Selbst seine Beleidigungen.

<i>"Nicht hierhin… ich gehöre nicht hierher!"</i>
Der Priester lächelte Darak zu. "Aber mein Sohn, die Götter sind mit dir. Auch du bist Teil ihrer Herde." Wie sollte der Pater sich irren. Darak war nicht mehr Teil, er war verstoßen. Das Wort in seinem Nacken bewies es, doch niemand hatte es bislang gesehen – niemand, der die Bedeutung kannte.

Darak hörte einfach nicht auf zu fluchen, aber mehr als das konnte er wohl nicht tun. Schließlich war er immer noch an den Stuhl gebunden, sein gebrochenes Bein hochgelegt und die Tränenbahnen glänzten noch feucht auf seinem Gesicht.

Das alles war noch zu ertragen. Noch war schließlich nichts Schlimmeres passiert. Noch nicht. Denn die Schreckensbotschaft für Darak kam eben in dem Moment, da Alma wieder den Mund aufmachte. Er sollte Buße tun – indem er den Göttern diente!
Das war zu viel Wie ein Wahnsinniger brüllte Darak herum. Andere Priester schauten bereits aus dem Tempel, doch Vater Cendris winkte sie zurück. Er lächelte Darak nur freundlich an, wartete, dass dieser sich wieder einigermaßen beruhigt. Vater Cendris würde seine Stimme nicht erheben, um den Narren zu übertönen, denn dann wäre er der Narr.
Doch dann rief Darak etwas, das er wohl lieber nicht getan hätte. Die Worte hallten durch die Gasse wie ein Echo. Überdimensionale Drecksdirne. Damit war Alma gemeint. Der Pater formte ein göttliches Zeichen, schaute die dicke Heilerin an und versuchte, auf sie einzureden: "Er wird seinen Grund haben, warum er sich hinter einer Beleidigung verbergen muss und sei es nur, weil ihm nichts Besseres einfällt, mein Kind."

Alma blieb ruhig. Sie sagte nichts, schaute den Priester an. Sie schritt langsam um den Räderstuhl herum, bis sie vor Darak zu stehen kam. Dieser hockte wie erstarrt, er bereute seine Worte. Doch er wollte es wieder gut machen, wollte sich wenigstens entschuldigen, für das, was er gesagt hatte. Alma betrachtete ihn.
Sie sah weder den Mörder noch den Gefolterten. Sie reagierte nicht auf seine Entschuldigungsfloskeln, die Vater Cendris allerdings durchaus interessant fand. Nein, Alma sah auch nicht das Wrack, welches da nun hockte und schon wieder weinte, gefangen in einem Krampf der Tränen war. Sie sah nur eines: einen Mann, der sie als Drecksdirne bezeichnet hatte. Schon flog ihre Faust, traf auf einem Kiefer und der Stuhl kippte um. Darak lag am Boden, sein Unterkiefer pochte wie verrückt und über ihm türmte sich ein Speckkonstrukt namens Alma. "Ich werde dir BEIDE Nieren herausschneiden. Niemand, ich meine absolut NIEMAND bezeichnet eine Alma als DIRNE!" Sie griff in eine kleine Tasche ihres Kleides. Hervor kam ein Messerchen, das Medici zum Sezieren verwendeten. Alma ging in die Knie, bereit, zu schneiden.

Vater Cendris sah den Moment gekommen, einzuschreiten. "Aber, aber, Alma. Beruhige dich, Kind. Lass dich nicht auf das Niveau eines von den Göttern Abgewandten herab. Lausche lieber und lese zwischen den Zeilen. Hast du nicht gehört? Er hat sich entschuldigt, ihm liegt daran, dass du dich ob seiner Worte nicht schlecht fühlst."
Alma beruhigte sich tatsächlich. Sie packte ihr Messerchen weg und holte stattdessen ihre Pfeife heraus. Sofort begann sie, zu rauchen.
Der Pater aber stellte den Räderstuhl wieder aufrecht hin und schaute Darak in die Augen. "Auch ich habe zwischen den Zeilen gelesen, Sohn. Ich las ... Verstoßener. Vor den Göttern frage ich dich, darf ich deinen Helm abnehmen und in deinen Nacken schauen?"

Noch bevor Darak reagieren konnte, grummelte Alma nur: "Pater, was wollt Ihr in seinen Nacken sehen? Da ist nur eine komische Symbolik eintätowiert. Irgendeine Glyphenschrift, ich kann's nicht lesen."
Vater Cendris zückte ein kleines Gebetsbuch. Es musste ein selbstverfasstes Exemplar sein, denn der Umschlag zeigte keines der bekannten Göttersymbole. Priester, die keinem bestimmten Gott huldigten, verfassten solche Büchlein. Sie schrieben hinein, was sie für sich als wichtig empfanden. Der Priester blätterte in dem Büchlein herum, schließlich zeigte er Darak ein Bildnis eines einzigen Wortes. Er wusste, welches es war. Es stand in seinem Nacken: Verdammter.

"Ist es das, mein Sohn? Wenn ja, so bist du hier richtig. Du gehörst genau hierher. Ich werde mich deiner annehmen."
Alma trat hinter Darak, packte seinen Helm, riss ihn hoch und drückte seinen Kopf nach vorn. "Und das weist ihn als Verstoßener aus? Aber Vater Cendris, dann gehört er wirklich nicht in einen TEMPEL. Er darf ja gar nicht REIN!"
Der Priester nickte. "Wenn andere es erfahren, wird es schwere Konsequenzen haben. Also setz ihm den Helm wieder auf, Alma."

Der Priester schaute wieder Darak an. Seine Augen zeigten keinerlei Strenge, sondern Freundlichkeit und Ruhe. "Mein Sohn, ich halte mich an Gesetze und achte die Regeln der Götter. Eine des hohen Lysanthor besagt: <i>Wahre die Gerechtigkeit</i>. Ich empfinde es nicht als gerecht, dass man dich verstößt ... für Mord, nehme ich an, da du von Mörder sprachst. Du sollst deine Möglichkeit zur Buße bekommen. Es kann nur dem Wohle der Götter dienen, wenn eines ihrer Kinder auf den rechten Pfad zurückfindet. Wenn du also willst, Verstoßener, ich öffne meine Pforte für dein Seelenheil. Überlege gut, ehe du schimpfst und fluchst. Nicht jeder Priester oder Mönch wird dir eine solche Gelegenheit geben. Außerdem befürchte ich, dass die Alternative der Kerker sein wird?"
Vater Cendris schaute zu Alma. Diese nickte. "Kerker, Folterkammer und am Ende wohl der Galgen oder sonst ein zu Tode führendes Objekt."

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Darak Luthrokar
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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Freitag 31. August 2007, 18:57

Darak war erstarrt in seinem erneuten Weinkrampf am liebsten hätte er seinen Kopf in seinen Händen begraben, wollte seine Schwäche nicht zeigen, nicht zugeben, dass er nervlich völlig am Ende war. Valrock ihn tatsächlich tief getroffen hatte. Er sah kurz auf – warum wusste er nicht, vielleicht spürte er den gewaltigen Luftzug dieser fleischigen Hand die auf ihn zugeflogen kam – er hatte nicht die Zeit näher darüber nachzudenken, denn Almas Faust prallte wuchtig gegen seinen Unterkiefer der klackend, samt Kopf zur Seite geschleudert wurde, dies so heftig, dass es ihn mit dem Räderstuhl auf den Boden schmetterte. Keuchend schlug er auf, die Unterlippe war aufgeplatzt und er spuckte ein Gemisch aus Blut und Speichel auf den Boden. Ihm war es ganz recht geweihten Boden mit seinem Blut zu besudeln. Durch das Helmhorn lag er sehr ungünstig auf dem Grund und hielt den Kopf zwangsweise schräg angewinkelt. Dabei verspannte sich sein Nacken fürchterlich. Darak ächzte und grummelte vor sich hin. Der Unterkiefer pochte Pein vor sich her. Schmerz. Ja, damit wurde er in letzter Zeit reichlich beschenkt. Selbst sein geschientes Bein wurde durch den Sturz in Mitleidenschaft gezogen. Der Aufprall erschütterte es heftig worauf es sofort mit Schmerzimpulsen reagierte. Das schlimmste war, dass sich der Mörder nicht ans Knie fassen konnte. Darak wusste, dass es zwar nicht viel half, wenn man sich die verletzten Stellen einfach hielt, doch irgendwie sehnte er sich gerade genau nach dieser Bewegung.

„Vellammt!“ Nuschelte er vor sich her und stöhnte auf.

Alma trat auf ihn zu. Ein riesiger Schatten warf sich über ihn und hüllte ihn, samt Stuhl ein. Der Alma-Schatten – der so gross war wie vermutlich jener Faldors. Er lag auf der Seite, seine eine kleine Niere gut erreichbar. Die grosse zum Glück nicht. Dennoch bibberte der „Mann der niemals Schwäche zeigen wollte“ vor sich her – er wusste, dass Alma es absolut ernst meinte.

„Es… tut… mir… Leid… Alma!“ Keuchte er vor sich her, obwohl ihm das Sprechen im Moment reichlich schwer fiel.

<i>“Aber, aber, Alma. Beruhige dich, Kind. Lass dich nicht auf das Niveau eines von den Göttern Abgewandten herab. Lausche lieber und lese zwischen den Zeilen. Hast du nicht gehört? Er hat sich entschuldigt, ihm liegt daran, dass du dich ob seiner Worte nicht schlecht fühlst."</i> Darak verdrehte genervt die Augen. Oh ja dieser Pater oder was der auch immer sein mochte, sprach genau so wie er es sich von Mönchen gewohnt war. So wie er einst gesprochen hatte. Ihm schauderte. Er starrte auf Almas riesigen Fuss, selbst ein Hühnerauge auf einem Zeh dieser Frau wäre bestimmt grösser als eine Goldmünze. Daneben tauchten jene des Mönches auf. Er starrte auf die Füsse dieser Menschen und er spürte ihre Blicke auf seinem Nacken. Es war erniedrigend. Da hörte er wie Alma das Messerchen wegpackte und nur wenige Augenblicke später roch es nach ihrem Tabak. Alma rauchte offensichtlich. Das war gut. Solange sie sich mit ihrer Pfeife beschäftigt, würde sie ihn wohl kaum aufschlitzen und ausweiden. Obwohl ihm auch hier irgendwie der Gedanken gefallen hätte mitten auf dem Vorplatz des geweihten Tempels geschlachtet zu werden. Er hatte im Gefängnis gedacht, dass es eine kleine Genugtuung wäre, wenigstens Dreck für die Nachwelt zu hinterlassen nun wusste er auch wo er dies am liebsten tun würde.

Da spürte er wie mit einem Ruck der Stuhl wieder in die Horizontale gebracht wurde. Er keuchte auf und schüttelte den Kopf. Blinzelte ein paar mal vor sich her und sah dann, wie der Pater zu ihm trat und ihm in die Augen schaute. Darak erwiderte den Blick des Mannes nur sehr kurz. Er hielt sie nicht aus. Diese Augen. Dieser scheinheilige Frieden welche sie Ausstrahlten. Alle die er vor seiner Verurteilung gekannt hatte, waren in besitz jenes Blickes gewesen. Selbst der junge eifersüchtige Bruder Brundgar. Er hatte jedoch seinen Frieden genommen. Als Darak ihn mit dem Kerzenhalter erschlagen hatte und er nach langer Qual schliesslich tot vor ihm gelegen hatte, da war der Frieden aus dessen Augen durch den Schrecken verdrängt worden, den Darak ihm beschert hatte. Jedoch auch sein eigener Blick, jener die seine gräulich blauen Augen ausgesandt hatten, veränderte sich in jenem Moment.

Der Pater riss ihn jäh aus seinen Gedanken:

<i>"Auch ich habe zwischen den Zeilen gelesen, Sohn. Ich las ... Verstoßener. Vor den Göttern frage ich dich, darf ich deinen Helm abnehmen und in deinen Nacken schauen?"</i>

<i>„Ich bin nicht euer verdammter Sohn Fremder! Nennt mich nicht so!“</i>

Knurrte er den Pater an. „Nur ein einziger Bastard von Mensch hat mich Sohn zu nennen, jener der es nie getan hat VERSTANDEN?!“ Brüllte er schliesslich wieder vor sich her und riss ungehalten an den Fesseln. „VERDAMMT LASST MICH LOS!“

Vermutlich lag es nicht nur an seiner überaus bedenklichen Situation, dass er so empfindlich und aggressiv Reagierte, auch der Schmerz sorgte wohl für die nötige Stimmung.

„Mein Nacken geht euch nichts an. Ich gehöre nicht hierhin und das weiss ich schon gut genug! Ihr müsst es mir nicht noch einmal vor Augen führen!“ Keifte er den Pater an. Doch dieser reagierte nicht sonderlich auf ihn, er nestelte in seiner Gewandung herum und zog das kleine Büchlein hervor, zeigte schliesslich dem Killer sein eigen Zeichen. Daraks Augen weiteten sich und sein Ausdruck wurde für einen Moment mehr als Leer. Ja. Er kannte das Zeichen. Sie hatten es ihm vor Augen gehalten als sie ihn festgehalten und der Abt persönlich ihm die Markierung eintätowiert hatte. Von da an, hatte er es nie wieder gesehen. Dennoch war es ihm so präsent wie nichts anderes aus seiner Vergangenheit.

<i>"Ist es das, mein Sohn? Wenn ja, so bist du hier richtig. Du gehörst genau hierher. Ich werde mich deiner annehmen."</i> Daraks Blick verdüsterte sich.

„Wagt es ja nicht meinen Helm auch nur zu berüh-„ Schon war er weg. Almas Pranke packte ihn am Kopf und drückte ihn nach vorn. Der Nacken lag frei. Der Helm war weg. Völlige Entblössung vor einem Mönch! Für Darak war dies eine unglaubliche Erniedrigung. Er schnaubte. Spürte die Blicke. Er schloss verbittert seine Augen. „Lasst mich los. Bitte. Hört auf damit.“ Murmelte er reichlich leiser als vorhin. Für Darak schien die Zeit still zu stehen. Es kam ihm vor als hätten sie ihn für Stunden in dieser furchtbaren Position gelassen, ehe Alma ihn erlöste indem sie ihm den Helm wieder aufsetzte. Er atmete tief durch und kämpfte gegen einen erneuten Weinkrampf an der sich wieder aufdrängen wollte. Darak jedoch blieb diesmal ausnahmsweise Sieger.

<i>"Wenn andere es erfahren, wird es schwere Konsequenzen haben. Also setz ihm den Helm wieder auf, Alma."</i>

Darak grinste bös, schwieg jedoch – da er nicht riskieren wollte, dass Alma ihm den Helm nicht aufsetzt. <b>Konsequenzen PHA! Die können mir gestohlen bleiben mit ihren „Konsequenzen“ was soll das sein? Wollen sie mich dann zu Tode beten oder wie. Oh nein, diese elendigen Männer die ihr Leben hinter diesen Schützenden Mauern verbringen, fern ab vor der wahren Welt. Welche den Schmerz und die Schande nicht kennen, die wahrlich in einem herrschen kann, die nicht wissen, was Mord und Verurteilung wirklich heisst, nein solche Menschen können keine schwerwiegenden Konsequenzen bescheren.</b>

<i>…Eine des hohen Lysanthor besagt: Wahre die Gerechtigkeit. Ich empfinde es nicht als gerecht, dass man dich verstößt ... für Mord, nehme ich an, da du von Mörder sprachst. Du sollst deine Möglichkeit zur Buße bekommen…</i>

„Es ist mehr als gerecht Pater. Ich hab einen Bruder getötet. Ich erschlage nicht die Schafe, wie ihr Mönche es ja nur ach so gerne sagt, sondern die Hirten.“ Grollte er düster. „Und ich warne euch… in mir bebt der Zorn und die Enttäuschung, ich bin Mörder und ich weiss, dass ich wahrlich zum Hirtenschlächter werden kann. Was treibt euch also an, edler Pater, dass ihr glaubt euch diese Bürde auferlegen zu müssen?“ Er schwieg einige Zeit und horchte, lauschte den Worten jenes Fremden.

<i>Es kann nur dem Wohle der Götter dienen, wenn eines ihrer Kinder auf den rechten Pfad zurückfindet…</i>

Darak knurrte, brauste erneut auf. „Das Wohl der Götter? DAS WOHL DER GÖTTER?! Was interessiert mich deren verdammtes Wohl?! Wir sind ein Scherz der Götter, das ist ja wohl Beitrag genug! Damit ihr nicht zwischen den Zeilen lesen müsst, PATER. Lysanthor… verdient jene Huldigung nicht welche man ihm entgegenbringt. Denn seine Lehren… sind FALSCH! Lügen! Verdammte Lügen.“ Brüllte er den Pater an und riss wieder an den Fesseln. Nach einer Weile jedoch liess sein Widerstand nach und die Resignation überwältigte seinen Geist wie ein träges jedoch absolut übermächtiges Heer, das langsam über die Felder schreitet.

<i>Überlege gut, ehe du schimpfst und fluchst. Nicht jeder Priester oder Mönch wird dir eine solche Gelegenheit geben. Außerdem befürchte ich, dass die Alternative der Kerker sein wird?"</i>

„Warum… gebt ihr sie mir denn? Glaube? Ist der Glaube euer einziger Antrieb?! Ich verstehe euch nicht Pater. Warum schert ihr euch um… solchen Dreck häh?“

Diesmal hielt er seinen Blick einige Sekunden auf den Augen des Paters, ehe er zu Alma hinüberschaute. „Das Rad. Menschen wie ich werden nicht gehängt.“ Meinte er trocken.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von fremder Mann » Freitag 31. August 2007, 21:26

<i>„Ich bin nicht euer verdammter Sohn Fremder! Nennt mich nicht so! Nur ein einziger Bastard von Mensch hat mich Sohn zu nennen, jener der es nie getan hat VERSTANDEN?!“</i>, brüllte Darak Vater Cendris an. Dieser blieb ganz ruhig. Er tat das, was er immer tat in Fällen wie diesem hier. Er bewahrte Ruhe. Ja, wo Alma mit ihrer Masse einen Felsen in der Brandung darstellen konnte, so war Cendris ein solch gewaltiger Stein mit seiner ruhigen Art. Nichts schien ihn aus der Fassung bringen zu können, ganz im Gegensatz zu der Tonne namens Alma. Die zog kräftig an ihrer Pfeife und hätte Darak am liebsten noch eine Ohrfeige verpasst. "Benimm dich nicht so dreist gegenüber einem Mann der GÖTTER!", knurrte sie ihn an.
Cendris schmunzelte in ihre Richtung, sagte aber nichts. Er dachte nach, las zwischen den Zeilen. In diesem einen Wutausbruch hatte Darak ihm wohl mehr verraten als dieser beabsichtigte. Der Priester wusste schon eine Menge von diesem Mann. Mehr, als Darak vielleicht dachte. <b>Ein ehemaliger Mönch, ein Mörder, der nicht beichten will, aber sich die Gunst eines seiner Brüder gewünscht hätte. Seines Vaters und vielleicht sogar Vormundes?</b>

Vater Cendris achtete genau auf Daraks Verhalten. Diesem Kind der Götter war Schlimmeres widerfahren als die Tatsache, dass finstere Mächte ihn zum Mörder hatten werden lassen. Seine Seele war angegriffen. Als ein Gottesdiener sorgte sich Cendris um jede einzelne Seele und sei sie noch so mit Last beladen.
Daraks Last sah er in dessen Augen, als er ihm das Bild des Verdammtenzeichens entgegen hielt. Manche glaubten nicht daran, dass Leere Bände füllen konnte, doch die, welche der Priester in dessen Augen sah, hätte Regale mit Büchern füllen können. Etwas war in diesem Mann zerbrochen, hatte ihn tief fallen lassen und der Schmerz des Aufpralls hallte noch immer laut und deutlich nach.

Und dann kehrte Finsternis in Daraks Augen, nachdem Alma ihm wieder den Helm aufgesetzt hatte. Tiefe Bitterkeit.
<i>"Ich hab einen Bruder getötet."</i> Cendris nickte. Warum reagierte dieser Mann nur nicht mit Zorn? Warum blieb er so ruhig?
"Den Namen dieses Opfers willst du mir nicht erzählen, hm? Ich würde seiner gern gedenken, indem ich ihn weiß. Aber ich gebe dir die Zeit, ich dränge dich nicht, mir all deine Geheimnisse anzuvertrauen. Geheimnisse sind wichtig, auch ich habe genug davon. Aber als Priester weißt du dies sicher."

Vater Cendris stand vor Darak. Sein Blick, seine Haltung, alles an ihm war seelenruhig. Lebte dieser Mann überhaupt? Vielleicht war er ein Zombie, ohne Gefühle, die er zum Ausdruck hätte bringen können. Nein, er war ein lebender Mensch aus Fleisch und Blut. Er atmete dieselbe Luft wie Alma, Darak und Hunderte andere Menschen hier in Pelgar.
Vielleicht ... machte das Alter und die Weisheit ihn so. Cendris mochte schon viel gesehen haben, sicher mehr als Darak. Ihn konnte nichts mehr erschüttern. Offenbar nicht einmal mehr ein Mann, der den Mord an einem Diener der Götter gestand.

<i>"Was treibt euch also an, edler Pater, dass ihr glaubt euch diese Bürde auferlegen zu müssen?"</i> Cendris schmunzelte, vor allem, als er auch Almas fragendem Blick begegnete. Selbst die dicke Heilerin interessierte eine Antwort. Was <i>sie</i> antrieb, war Darak bekannt. Sie brauchte ihn. Beweisstück D, mehr war er nicht für sie.
Und der Priester? Cendris legte Darak eine Hand auf die Schulter. "Was mich antreibt? Ich würde sagen, du bist es." Er lächelte freundlich. Oh nein, nichts konnte dieses Monument der Ruhe erschüttern, aus dem Vater Cendris gehauen war. Auch blieb er weiterhin ruhig, als Darak von Neuem losblaffte und es gar wagte, Lysanthors Weisungen als falsch einzustufen. Hätte eine pelgarische Stadtwache oder jegliche andere Priester diese Worte vernommen, Darak wäre einen Kopf kürzer gewesen. Solche Frevler, die nicht an den Gott der Gerechtigkeit glaubten, für die erhob Lysanthor auch nicht seinen Schutz. Niemand würde den Zorn des Lichtgottes zu tragen haben, löschte man einen solchen Frevler von der Welt.
Vater Cendris aber ... blieb ruhig und zu Almas Überraschung sagte er: "Vielleicht hast du Recht, verdammter Priester. Niemand kennt die Wahrheit, auch wenn Lysanthor gelobt, Gott selbiger zu sein. Wir können nur glauben und beten. Und wenn dir nicht der Sinn nach Licht ist, so wende dich anderen Dingen zu. Bereichen, die <i>dir</i> wichtig sind. Du kannst entscheiden. Entscheide dich nicht für die Kerker und den Tod, mein Sohn, sondern für das Leben. Ich gebe dir die Möglichkeit zur Entscheidung."

<i>"Warum… gebt ihr sie mir denn? Glaube? Ist der Glaube euer einziger Antrieb?! Ich verstehe euch nicht Pater. Warum schert ihr euch um… solchen Dreck häh?"</i>
Cendris lächelte. Noch immer ruhte seine Hand auf Daraks Schulter. Sie war warm und dennoch konnte dahinter der kräftige Druck eines Mannes stehen. Jetzt aber wollte sie Frieden schenken und Ruhe übertragen. "Mein Freund, es ist nicht der Glaube, der mich antreibt. Er ist nur mein Werkzeug. Ich sagte es bereits. Du bist es. Du treibst an." Dann zwinkerte der Priester. "Und merke dir: die schönsten Blumen entwachsen doch dem stinkendsten und dreckigsten Kompost." Daraufhin lachte er, packte sein Büchlein weg.

Alma hingegen vernahm noch Daraks bittere Worte, dass Männer wie er den Tod durch das Rad fänden und nicht durch den Galgen. "Ja", bestätigte sie. "Das kann schon sein. Aber du solltest besser aufpassen, dass DIR das nicht passiert. Ich brauch dich noch. Und bis ich einen Termin bei unserem lieben Kommandanten eingeholt habe, bleibst du brav bei Vater Cendris. Lernst ein bisschen, büßt ein bisschen ... ich besuch dich täglich. Muss deinen Gesundheitszustand prüfen. Vater Cendris, soll ich Euch noch helfen, Darak in den Tempel zu bringen?"
Der Priester nickte. "Das wäre mir eine große Hilfe. Ich danke Euch, Alma. Das heißt ... wenn er überhaupt möchte."
Erneut landeten die ruhigen Augen des alten Mannes auf Darak. "Du musst kein Priester werden. Im Grunde darfst du das nicht einmal, solange du diese Tätowierung trägst. Aber ich lade dich ein, mein Gast zu sein. Willst du, Darak?"

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 1. September 2007, 00:09

<i>"Den Namen dieses Opfers willst du mir nicht erzählen, hm?." </i>

Darak erwiderte nichts. Brundgar hiess der Mönch. Der erste Ermordete. Der erste Name und die erste Seele die nach Vergeltung geschrieen hatte, ehe sie in den Eisenminen zufrieden verstummt war.

<i>"Was mich antreibt? Ich würde sagen, du bist es."</i> „Wie wo was ich bin es? Ich treibe im Moment gar nichts an! ICH BIN SCHLIESSLICH AN DIESEN VERDAMMTEN WALZSTUHL GEFESSELT!“ Brüllte er erneut los, es schien so als müsste Darak mit der Lautstärke seiner Stimme seine Unbeweglichkeit kompensieren… daher war er ziemlich laut.

Die Ruhe dieses Priesters machte den Verdammten einerseits nervös und gleichzeitig auch aggressiv. Er könnte sich wohl gerade so gut mit einer Wand unterhalten, obwohl diese ihn wohl bestimmt nicht Sohn nennen würde… was dieser Kerl schon wieder tat! Darak schnaubte unruhig vor sich her. Senke seinen Kopf so dass die Hörner auf den Pater zielten wie ein gefesselter Stier sass er da und starrte giftig auf das rote Tuch namens Pater Cendris. Alma, war von den Ausmassen her wohl eher die Arena als der Torrero. So Raum füllend wie sie nun mal war.

Pater Cendris jedoch schien ziemliches Vertrauen in die Fesseln zu haben, denn er wagte es gar einen Schritt auf den Schnaubenden zuzumachen und ihm gar die Hand auf die Schulter zu legen. Überraschenderweise – auf jeden Fall für Darak überraschend. Zuckte dieser zusammen und spannte sich an. Sein Körper war durch die Folter höchst sensibilisiert auf Berührungen. Er hielt sie kaum noch aus. Er zitterte unfreiwillig. Die Angst vor dem Schmerz hatte sich in ihm eingenistet. Sie schien beinahe intensiver als der Schmerz selbst zu sein. „Verflucht…“ Keuchte er. Ihm ging es nicht sonderlich gut, dass war wohl für alles offensichtlich ausser für ihn selbst. Irgendwie schien er sich selbst gar nicht mehr richtig wahrzunehmen.

Schliesslich war er gerade nur knapp einer tödlichen Folter entkommen und gar einem ebenso tödlichem Urteil, er hatte das Glück dass sein Bein ordentlich geschient worden war und er noch alle drei Nieren besass und nun gab es gar ein Mensch der ihn einlud – und er selbst – konnte davon nichts wirklich erfassen, sondern ereiferte sich daran, dass ein Mann ihn „Sohn“ nannte.

<i>"Vielleicht hast du Recht, verdammter Priester. Niemand kennt die Wahrheit, auch wenn Lysanthor gelobt, Gott selbiger zu sein. Wir können nur glauben und beten.</i>

„Beten?! ICH SOLL BETEN?! Wenn ihr nur glauben und beten könnt, dann könnt ihr aber reichlich wenig was es wahrlich fürs Überleben braucht Pater….Gebete nützen nichts in der Dunkelheit, Lysanthors Licht nützt nichts, im Gegenteil. Mönche mochten sie im Knast besonders, weil sie so fein und zierlich gebaut sind. Weil sie nichts können als beten und glauben. Wichtige Dinge nicht können, wie sich zum Beispiel zu verteidigen. Zuschlagen. Kämpfen. Der Glaube hat nicht verhindert, dass meine Knochen gebrochen wurden, beten hat mich NICHT aus den Minen geholt.“ Darak kochte bereits wieder vor Wut. Aller Frust, sowie seine tiefe Enttäuschung und seinen Bruch mit seinem Glauben -der war schliesslich mehr als 15 Jahre alt, entlud sich gerade bei jenem einen Priester, der wie ein Fels wirkte und alle Vorwürfe – so todbringend wie sie vom Inhalt in jener Lysanthor dienlichen Stadt eigentlich waren – einfach an sich abprallen liess. Darak hingegen verschaffte sich so die nötige Luft die er im Moment zum Leben brauchte. Während der Folter war er so in einer Ohnmacht gefangen gewesen, dass sich alle Emotionen aufgestaut hatten.

Erschöpft liess er seinen Kopf nach hinten kippen. Er hatte genug. Brauchte Ruhe. Auch sein Bein surrte unruhig vor sich her. Für kurze Zeit hatte er überhaupt keine Schmerzen gehabt, dort wo er diesen komischen Hühnchentraum gehabt hatte. Er blickte zu Alma. Die schien nicht sonderlich begeistert von seinem Zustand zu sein – respektive von seinem Verhalten. Was für Darak das Gleiche war.

<i>"Mein Freund, es ist nicht der Glaube, der mich antreibt. Er ist nur mein Werkzeug. Ich sagte es bereits. Du bist es. Du treibst an."</i> Darak sah wieder auf. <b> Was ist mit diesem Kerl nur los? Mir gefällt das nicht, mir gefällt ER nicht, sein Gesicht, seine Stimme, SEINE VERDAMMTE HAND AUF MEINER SCHULTER… und dass er mich Sohn nennt, und dass er so … so… VERDAMMT RUHIG IST.</b> „Ich treib euch also an…. ICH… ein Mörder… ein Killer? So etwas treibt euch… einen Geistlichen an?! Warum sieht man denn euch Priester nie in den Gefängnissen hä? Dort wo Glaube und Hoffnung so wichtig wäre, dort taucht ihr nicht auf… nein… ihr leckt lieber an den Hintern der Reichen…gierig nach ihren Ablassgeldern nicht wahr? Das ist doch euer verfluchter Glaube. Oder woher hatte dieser ehrwürdige Orden das Geld um irgendwelche Söldner zu bestechen hä?!“

Er hielt inne, denn er wusste, dass er dem Manne in diesem Punkt wohl unrecht getan hatte, er selbst wusste ja das nur wenige Priester wahrlich auf materiellen Besitz aus waren. Die meisten lebten im Armutsgelübte. Er schwieg. Starrte auf seine Fesseln die es im Moment wahrlich brauchte, am liebsten hätte er den Pater in Fetzen gerissen und den Tempel neu tapeziert. Götter wären vielleicht auch froh um einen neuen Anstrich. Wer weiss. Gleichzeitig jedoch war er über sich selbst enttäuscht. Weil er schwach war. Weil er durcheinander war. Er hatte völlig seine Selbstbeherrschung verloren, etwas, was ihm früher nie widerfahren war. Er hatte sich stets durch intensive Meditation unter Kontrolle bringen können – meditiert hatte er jedoch schon lange nicht mehr.

Gerade als Darak zu einer Entschuldigung ansetzen wollte – was er seltsamerweise erst seit kurzem tat – sich entschuldigen – lange ein Fremdwort für ihn.
Drang folgendes in sein halbtaubes Ohr.
"Und merke dir: die schönsten Blumen entwachsen doch dem stinkendsten und dreckigsten Kompost."

Entschuldigen war somit Geschichte. „BLUME?! BLUME?! BLUME?!?!“ Darak wurde knallrot im Gesicht. „BLUME?! EINE…. BLUME…. Eine dumme… an einem… Stengel… hängende… hässliche… BLUME?! Mit…. Blättchen… und… ALL DEM ZEUG?! Blume?! Diese… farbigen… Grasbüschel… die sich… Weiber… in die Haare oder wenn man Glück hat in den Ausschnitt stecken…. BLUME?! EINE BLUME?! Diese… unnützen… DINGER…. Die Stinken… und nur in der Sonne Sarmas… so wunderbar in der Hitze verrecken… mit so etwas… MIT DEM… wollt… IHR MICH vergleichen?! EINER BLUME?! DIE IM KOMPOST WÄCHST?! BIN ICH DEN GEMÜSE ODER WAS?“ Er lachte vor sich her, seine Nerven waren nur noch eine Legende. Darak erlitt gerade einen tosenden Nervenzusammenbruch der übelsten Sorte. Er riss an den Fesseln bis diese ihm ins Fleisch einschnitten. Sah aus wie ein Tobsüchtiger. Dabei war er nur ein Mann, der nicht mehr weiterwusste, dem man alles zerstört hatte was er sich erst kürzlich nach langem Weg der Leere aufgebaut hatte.

Seine einzige kleine Hoffnung… Elena… war weit entfernt.

Daraks… überaus… auffällige Abneigung gegenüber den Blumen kam nicht von ungefähr.

„Blumen… ich erzähl euch mal was über BLUMEN Pater! In den Minen ja, hat man die Leichen von den verhungerten Insassen mit Blumen gefüttert als die Totenstarre bereits eingetreten war...Büschelweise. Die einzigen Farben in diesem gesamten Drecksloch und das einzige „Nahrungsmittel“ das nicht nach Pisse gerochen hat.“ Knurrte er Düster.

„Auf die Blumen haben sie Honig gegeben. HONIG! Wisst ihr welch Luxusgut dies an einem solchen Ort ist? Dort gab es nicht mal Wasser. Zucker war mehr Wert als das Leben eines verlausten Insassen. Die Wächter liessen die Toten liegen und ich sage Euch Pater.. bei dem Fressen dass es dort gab und der Tatsache.. ja! DER VERDAMMTEN TATSACHE, dass BESODNERS MÖNCHEN und Mönchen mit zwei gebrochenen BEINEN GERNE die Essensration die wir alle zwei Tage erhalten haben GESTOHLEN hatte…“ Er verstummte. Lachte wieder. „Wir haben sie gefressen Pater… eure tollen Blumen die in eurem verfluchten Kompost wachsen. Für diesen Frass.. habe ich selbst gar gemordet, wie viele andere auch. Für… BLUMEN.“

Solche Szenarien, die es in den Eisenminen zu tausenden gegeben hatte, waren eigentlich tief in seinem Unterbewusstsein verdrängt gewesen, nun jedoch lag alles offen. Daraks Puls raste. Er konnte die Blumen schon beinahe wieder in seinem Mund schmecken, dabei war es nur das Blut seiner aufgeplatzten Lippen.

Er verstummte. Starrte vor sich her. Hörte dumpf Almas Worte.

<i>„Ich besuch dich täglich. Muss deinen Gesundheitszustand prüfen.“</i>

Er knirschte deutlich hörbar mit den Zähnen. Ja wäre doch zu schade, wenn dein Beweisstück einfach so verreckt was.“ Grummelte er. „Lasst mich aus dem Stuhl.“ Ja. Losbinden, damit er die ganze Tempeleinrichtung zertreten könnte – genau danach war ihm nämlich gerade. Er schwitzte und sein Herz pochte unangenehm gegen die Brust. Er keuchte. Viel zu viel Aufregung.

<i>"Du musst kein Priester werden. Im Grunde darfst du das nicht einmal, solange du diese Tätowierung trägst. Aber ich lade dich ein, mein Gast zu sein. Willst du, Darak?"</i>

Darak nickte hastig, nicht weil er es wirklich wollte… obwohl ein Teil von ihm wohl doch nur zu gerne nach diesem Strohhalm griff, nein es war eher der Wunsch nach etwas zu Trinken. Einen Schluck Wasser um den er nicht beten würde – so tief war er schliesslich noch nicht gesunken – dachte er.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von fremder Mann » Samstag 1. September 2007, 01:36

Cendris, der Fels, so konnte man diesen Mann wohl nennen. Ihn erschütterte nichts. Er blieb hart. Nein, das stimmte auch nicht ganz. Er blieb freundlich, ruhig und regte sich über nichts auf der Welt auf. Nicht einmal über Darak. So stand der Priester nur vor ihm, hörte sich seine Schimpftiraden an und lauschte. Er hörte auf das, was Darak zwischen den Zeilen hervor brachte. Und er achtete auf seine Mimik. Das Gesicht verriet so viel über einen Menschen. Waren nicht allein die Augen Spiegel zur Seele?
Darak Augen zeigten so viel Schreckliches. Was er getan hatte. Was ihm widerfahren war. Und dennoch besaßen diese Spiegel keinen Riss, zeigten weiterhin die tapfere Seele, die sich bitterlich ans Leben klammerte.

Vor allem hörte der Priester, wie Darak zum Thema Beten stand. Es hatte ihm nichts gebracht. Oh, Cendris konnte sich vorstellen, wie es einem Mönch in den Eisenminen erging. Deshalb wagten sich auch nur so wenige dort hinunter und dann meist an abgesperrte Orte, an denen eine der toten Seelen lag. Man sprach ein letztes Gebet für den Toten und ging dann. Verbrecher durften nicht öffentlich begraben werden. Aber bislang dachte Cendris immer, die Wachen der Minen verscharrten diese armen Opfer. So offenbarte Lysanthor ihm also eine neue Wahrheit. Vater Cendris nickte, als er die Sache mit den Blumen hörte. Daraks Gebrüll war ja auch nicht zu überhören. "Blumen", murmelte Cendris und sagte seit langem endlich mal wieder etwas.
Alma hingegen schaltete sich auf andere Weise ein. "Soso, in dem Minen fressen sie also BLUMEN! Na, DAS werde ich auch vorm Hohen Rat erwähnen, verlass dich drauf. Das sind ja ZUSTÄNDE! Tja, ich weiß schon, es war gut, dich mitzunehmen, Darak."

<i>"Ja wäre doch zu schade, wenn dein Beweisstück einfach so verreckt, was?"</i>

Alma schaute etwas ertappt drein. "Also, weißt du, ja, es stimmt. Wozu brauch ich dich sonst. Naja, ich mein, du bist ein lauter Kerl und so ... aber du bist auch ein Mörder, ein Verbrecher. Ich hab dich ausm KNAST mitgehen lassen, Mann! Kapier es! Was soll ich mir DIR sonst anfangen außer dich für meine Zwecke einsetzen?!"
Im Grunde hatte sie ja Recht. Zwischen ihnen bestand nicht wirklich ein Band der Freundschaft, nicht mal eines der Bekanntschaft. Und dennoch ... vielleicht entwickelte es sich ja genau in jenem Moment. Denn Alma hatte versprochen, täglich vorbei zu kommen und das nicht nur, um zu sehen wie es ihrem Beweisstück D ging. Insgeheim machte sie sich Sorgen um diesen Kerl. Wie hatte er nur so lange überleben können, bei all dem, was er ihr erzählt hatte? Alma diagnostizierte ihn geistig schon als tot. Aber sie hatte ja auch den Psychologiekurs nicht beenden können.

Cendris' Hand ruhte noch immer auf Daraks Schulter. Der Priester lächelte ihn weiterhin an. "Na also. Es ist schön, dass du mein Gast sein willst. Alma, sei so gut und fahre ihn in den Tempel. Ich habe ein große Zelle, die werde ich mit ihm teilen."
Das klang jetzt eher wieder nach Kerker oder Minen, aber Darak wusste, dass auch Priester Zellen besaßen. So nannten sie ihre kleinen vier Wände, in denen sie schliefen.

So packte sie Alma den Räder- beziehungsweise Walzstuhl und schob ihn die Treppe zum Tempel hinauf. Wie gut, dass es dort eine schmale, schiefe Ebene gab. Auch Priester ließen sich manchmal schwere Gegenstände in den Tempel bringen, da hatte man beim Bau vorgesorgt, dass diese nicht die Stufen hochgetragen werden mussten. Ja, Pelgars kleiner Tempel war sogar richtig behindertengerecht.
Vater Cendris ging neben Darak her. Er nahm seine Hand nicht von dessen Schulter. Sie erreichten die große Tempelhalle. Hier liefen viele Verkuttete herum, allesamt Priester unterschiedlichen Glaubens. Meist erkannte man es an den Gürteln oder Schleppen, die sie trugen. Sie waren den Götterfarben angepasst. Andere aber hängten sich auch einfach nur ein Amulett mit einem Göttersymbol um den Hals.

"Meine lieben Brüder und Schwestern!", rief Vater Cendris in den Saal und alle Augenpaare drehten sich zu ihm. Er klopfte Darak auf die Schulter und erklärte. "Das hier ist mein neuer Schüler. Begrüßt einen Gast in unseren Reihen: Bruder Darak." Die Priester, Mönche und sämtliche anderen Glaubensbrüder und -schwestern senkten ihr Haupt. Eine Schar Bekutteter verneigte sich vor Alma, Cendris und dem im Stuhl sitzenden Darak.
Dann ging auch schon das Alltagsleben des Tempels weiter.

Der Priester wandte sich an Alma. "Ihm geht es wirklich nicht sehr gut. Ich würde es beglückwünchen, wenn du noch eine Weile bleibst und ihn pflegst, Alma."
"Jaja, werd ich tun, aber ich hab meine Tasche nicht hier. Ich muss nochmal nach Hause und sie holen. Zeig ihm inzwischen sein Zimmer. Aber nicht LOSBINDEN, der zerdeppert dir alles oder macht sein Bein wieder kaputt."
Cendris nickte nur ruhig. Alma verließ den Tempel.

Cendris trat hinter Daraks Stuhl und schob ihn quer durch den Tempel. Während sie sich so den Zellen der Priester näherten, die sich alle auf einem Flur hinter der nördlichen Tür aneinander reihten, sprach der Priester noch einmal zu Darak: "Das mit den Blumen konnte ich nicht wissen. Ich bitte dich um Verzeihung und werde dafür beten, dass dir die Erinnerung daran nicht zu sehr auf der Seele lastet. Du solltest erst einmal zur Ruhe kommen. Ruhen ist wichtig."
Eine Weile herrschte Schweigen. Vater Cendris erreichte mit Darak seine Zelle. Sie war recht geräumig für die Zelle eines Priesters. Hier standen sogar zwei rustikale Betten. Eines sah unbenutzt aus, das andere war frisch gemacht. Neben dem Bett stand eine kleine Kommode. Das war es auch schon mit der Einrichtung, abgesehen von dem Kerzenleuchter auf der Kommode und jeder Menge Spinnenweben.

Vater Cendris schob Darak ans Bett. Dann schloss er die Tür hinter sich und setzte sich auf sein eigenes. Seine ruhigen Augen wanderten zu seinem Gast. "Du sagtest, du warst Mönch. Kennst du Meditationskünste, mein Sohn? Sie könnten dir zu innerer Ruhe verhelfen."
Cendris stand auf. Er ging zum Stuhl und löste die Beinschlinge. Dann machte er sich an den Armschlingen zu schaffen. "Ich helf dir ins Bett, deine Glieder müssen schmerzen. Ruh dich aus, für heute soll dich niemand mehr stören."

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 1. September 2007, 10:31

Darak hustete und machte mit seinem pochenden Unterkiefer Kaubewegungen, es knirschte doch er schien nicht gebrochen zu sein – ein Wunder bei der Wucht welche diese Speckfaust von Alma gehabt hatte. Möglicherweise lag es an der guten Polsterung die ihre Knochen umgeben hat. Wer weiss. Viel schlimmer als den Schmerz den er im Moment permanent empfand, war jedoch Cendris Berührung auf seiner Schulter. Er konnte sich nicht entspannen und sein Leib zitterte unkontrolliert fein vor sich her. Fürchtete sich vor weiteren Schmerzen.

<i> "Soso, in dem Minen fressen sie also BLUMEN! Na, DAS werde ich auch vorm Hohen Rat erwähnen, verlass dich drauf. Das sind ja ZUSTÄNDE! Tja, ich weiß schon, es war gut, dich mitzunehmen, Darak."</i>

Darak keuchte vor sich her. Sein Herz beruhigte sich allmählich dennoch ächzte der Verdammte herum. Ihm war schwindelig ausserdem trieb ihn seine Bewegungslosigkeit beinahe in den Wahnsinn. Ja, beinahe – manch einer würde vielleicht behaupten, dass er dem Wahn bereits verfallen war – doch dem war nicht so. Darak war zu tiefst verzweifelt und seelisch komplett erschöpft – aber nicht Wahnsinnig.

<i>"Also, weißt du, ja, es stimmt. Wozu brauch ich dich sonst. Naja, ich mein, du bist ein lauter Kerl und so ... aber du bist auch ein Mörder, ein Verbrecher. Ich hab dich ausm KNAST mitgehen lassen, Mann! Kapier es! Was soll ich mir DIR sonst anfangen außer dich für meine Zwecke einsetzen?!"</i>

Darak blickte düster ins Leere während Alma sprach. Er schwieg einige Zeit nachdem sie geendet hatte. Schliesslich blickte er auf und sah der Heilerin in die Augen. Er sagte nichts. Guckte nur. Seinen Ausdruck zu deuten war nicht leicht, es war eine Mischung aus Leere, Angst, Wut, Verzweiflung und tiefer Verbitterung. Er schloss seine Augen. Verharrte.

<i>"Na also. Es ist schön, dass du mein Gast sein willst. Alma, sei so gut und fahre ihn in den Tempel. Ich habe ein große Zelle, die werde ich mit ihm teilen."</i>

Innerlich ärgerte sich der Foltermeister bereits wieder. <b> Teilen? Ich soll ein Zimmer TEILEN?! Mit diesem altersschwachen… MIT DIESEM KERL?</b> Von Altersschwäche konnte bei Cendris wohl kaum die Rede sein, da war Darak im Moment deutlich schlechter dran als er. Darak betrachtete seine Hand. Er öffnete und schloss sie, wiederholte dieses seltsame Spiel einige Male. Es war als wollte der Mann überprüfen, ob die Hand wahrlich noch zu seinem Körper gehörte.

Da packte Alma den Stuhl und schob ihn voran. Daraks Blick erhob sich. Je näher er dem Tempelinnern kam desto nervöser wurde er. Die Tätowierung auf seinem Nacken… es war ihm so als brannte sie in jenem Augenblick als er den Tempel entweihte. Er war ein Verdammter. Er durfte hier nicht rein. Cendris und Alma wussten dies auch. Darak fühlte sich deutlich unwohl. Das Sonnenlicht strahlte durch die farbigen Fenster des Tempels und erhellten ihn und seine Begleiter. Sein Helm glänzte und seine blauen Flecken und alle anderen Verletzungen schienen im Licht einwenig zu verblassen. Nur Daraks Augen, die sich inzwischen unter schwarzen Augenringen verbargen, schien das Licht nicht erhellen zu können.

Nervös betrachtete er die Kuttenträger. Es waren Priester und Priesterinnen der unterschiedlichsten Götter zugegen. Auch lysanthorische. Viele davon. Wie Ratten schienen sie in diesem Tempel verbreitet zu sein.

<i>"Meine lieben Brüder und Schwestern!"</i> Erhob Cendris plötzlich seine Stimme. Darak erstarrte. Hielt die Luft an. Nervös musste er mit ansehen, wie sich die Augenpaare jener Gottesdienste auf ihn richteten und ihn musterten. Er. Der Verdammte, der nicht hier drin sein dürfte, auf ausdrücklichem Befehl des Mönchsorden Lysanthor. Ein Befehl den sie ihm auf den Nacken Tätowiert hatten. Bisher war für ihn jener Bannspruch kaum ein Problem gewesen, schliesslich wollte er ja nicht wieder in einen Tempel zurück.
<i>"Das hier ist mein neuer Schüler. Begrüßt einen Gast in unseren Reihen: Bruder Darak."</i> Der Sklaventreiber zuckte bei Cendris Bezeichnung zusammen. „Bruder Darak.“ Schon so lange hatte er dies nicht mehr gehört. Es war als würde jener Name… jener Status… aus seinem alten Leben nun wieder zu ihm vordringen. Er schüttelte den Kopf.

„Nein… das bin ich nicht. Der Bruder ist tot. Schon lange. Ich bin Sklaventreiber und Foltermeister… ja… das bin ich… kein Bruder… kein… Bruder. Verdammter. Oh ja. Ich brauch keinen Gott. Nie wieder.“ Murmelte er vor sich hin, er schien mit sich selbst zu sprechen. Dabei kriegte er gar nicht mit, wie Cendris Alma bat ihn weiter zu betreuen und er hörte auch nicht wie sie den Pater mahnte, ihn auf keinen Fall loszubinden.

Er merkte nur, dass sich der Koloss in Bewegung setzte und verschwand. Nun war er mit Cendris allein und diesem Fremden alten Mann völlig ausgeliefert. Er machte sich schon schreckensvorstellungen wie er den ganzen restlichen Tag im Zimmer verbringen und dem Gesülze dieses Priesters zuhören müsste. Ihm schauderte. Grossartig. Von der körperlichen Folter nun also zur nervlichen.

<i>"Das mit den Blumen konnte ich nicht wissen. Ich bitte dich um Verzeihung und werde dafür beten, dass dir die Erinnerung daran nicht zu sehr auf der Seele lastet. Du solltest erst einmal zur Ruhe kommen. Ruhen ist wichtig."</i>

Darak schäumte bereits wieder vor Wut. Diese Worte… diese Art zu sprechen und zu denken, es liess ihn beinahe überlaufen.

„Ich brauche keine verdammten Gebete für irgendwelche Leichenblumen! Verschont meine Seele mit diesen leeren Floskeln die nur dazu bestimmt sind sein eigen Gewissen zu beruhigen, als wahrlich etwas zu bewirken.“ Knurrte er vor sich her. Das mit der Ruhe hingegen hörte sich schon einiges besser an. Ruhe… ja die würde er wohl brauchen.

Sie erreichten die Zelle und Darak spähte hinein. Viel zu sehen gab es ja nicht wirklich, doch dies wusste er aus eigener Erfahrung. Ausserdem standen dort immerhin Betten und nicht nur ein Strohlager auf dem Boden wo Eisenringe hervortraten. Ja, im vergleich zum Gefängnis war dies ein ziemliches Luxuszimmer… im Vergleich zu Almas riesigen Bett jedoch nur ein schlechter Scherz. So sehr er die eigentümliche Einrichtung dieses Specklagers auch verabscheute, so sehr sehnte er sich nun doch nach ihrem Haus. Dort hatte er sich irgendwie geborgen gefühlt. Ja. Besonders in jenem Moment als er nackt, mit Tuch und Topf dort gesessen hatte… und ihn niemand verspottete.
Auch hatte sie ihn in Ruhe gelassen und nicht ständig über irgendwelches Götterzeugs gelabert. Ja trotz ihrer einstweilig ziemlich rustikalen Art, war sie ihm deutlich „sympathischer“ als dieser alte Priestergaul der sich scheinbar für den Gott der Ruhe persönlich hielt – oder dies zumindest ausstrahlte.

Cendris schob ihn zum Bett und setzte sich anschliessend auf sein eigenes. Er glotzte Darak an. Für ihn war es ein glotzen. Er hasste es. Erwiderte den Blick nicht. Sondern betrachtete eine fette Spinne, wie sie gerade eine kleine Mücke frass. Darak schmunzelte. Oh es gefiel ihm dass selbst in diesem „heiligen“ Zimmer gemordet wurde.

<i>"Du sagtest, du warst Mönch. Kennst du Meditationskünste, mein Sohn? Sie könnten dir zu innerer Ruhe verhelfen."</i>

Darak fixierte Cendris mit seinem düsteren Blick. Er schnaubte. „Ja verdammt ich war Mönch und JA VERDAMMT ICH KENNE DIE MEDITATION.“ Brüllte er los. „Meditieren? Ich soll jetzt meditieren?! Habt ihr denn keine Augen im Schädel?! Wie soll ich denn SO meditieren?! Ich kann mich nicht bewegen, ich habe ständig diese hässlichen Schmerzen die mich permanent in meiner Konzentration stören und KOPFSCHMERZEN. Aber natürlich… wenn der Herr meint, dass ich so meine ach so tolle innere Ruhe finden könnte… DANN MUSS ES WOHL STIMMEN. Wieso bin ich nur nicht früher darauf gekommen?! Es war ja nicht so, dass ich bei der Folter versucht habe zu meditieren. SELBST DAS HAT NICHTS… absolut GAR NICHTS…. Gebracht!“

Darak tobte herum und riss an den Fesseln. „Verfluchte Heilerin.“ Knurrte er ungehalten vor sich her. Begann wieder irr aufzulachen. „Wisst ihr was Pater, vielleicht sollte ich nach meiner tollen Meditation BETEN. Häh?! Wäre doch was… Beten… aber wisst ihr was? ACH VERGESST ES!“ Brültle er schliesslich und starrte wieder zur Spinne hoch. Was unterhielt er sich auch schon mit diesem Vollidioten, der schon völlig von seinen eigenen Glaubenslehren überflutet war und nur noch jene „wohlklingenden“ Floskeln produzierte und scheinbar daran festhielt, dass der Glaube allein zum überleben ausreichte. Welch Irrtum.

Darak erhielt unverhofft die Möglichkeit dem Pater jenen Irrtum aufzuzeigen. Der Narr machte sich doch tatsächlich daran ihm die Fesseln zu lösen. Darak sah es nicht als einen Akt des Vertrauens und der Freundlichkeit – im Gegenteil. Für ihn war es eine deutliche Provokation. Der Alte schien ihm zeigen zu wollen, dass er keine Angst vor ihm hatte – nein vor einem gefolterten und gehunfähigen Darak Luthrokar brauchte sich ein alter Priester nicht zu fürchten.

Das erste jedoch was Darak tat als seine Hände frei waren hatte nichts mit seiner Wut auf Cendris zu tun. Er fasste sich an den Helm und hielt ihn fest. Dann rieb er sich seine aufgescheuerten Handgelenke und endlich fand er die Möglichkeit seine Tränenbahnen vom Gesicht zu wischen. Mühsam erhob er sich. Stand wackelig auf seinen Beinen. Er biss sich auf die Zähne und starrte schliesslich den Pater an. Darak war einiges grösser als er und dennoch wirkte er im Vergleich winzig klein.

Der Foltermeister schnaubte. Die plötzliche Freiheit überforderte ihn. Er war lange Zeit nur noch gefesselt gewesen. Er starrte auf seine Hand… und wie aus heiterem Himmel packte diese plötzlich nach der Kehle des Paters. Er machte einige Schritte nach vorn – was nicht leicht war – und drückte den Geistlichen an die Wand. „Ihr wollt mir doch nicht heucheln, dass ihr keine Angst habt?! Ihr wollt mich doch nicht davon überzeugen, dass euch der GLAUBE jetzt noch hilft Pater oder?!“ Er drückte zu. „Selbst zum BETEN reicht euch die Luft nicht aus!“ Zischte er zornig. „Ich bin nicht euer Sohn… oder wollt ihr wahrlich einen Mörder in euren Reihen wissen häh?! Wie soll euer Glaube es nun verhindern, dass ich euch nicht einfach erwürge häh? WIE?! Sagt es mir?!“ Brüllte Darak los und lockerte seinen Griff kurz um dem Mönch das Sprechen zu ermöglichen.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Samstag 1. September 2007, 15:33

Ruhe. Es war unglaublich wie viel Ruhe ein Mensch ausstrahlen und andere damit in so viel Wut reinsteigern lassen konnte. Aber genau das war es, was Vater Cendris irgendwo beabsichtigte. Denn um anderen zu helfen, ihre Ruhe zu finden, mussten sie sich zunächst einmal von all ihrem Zorn und ihren Qualen befreien. Dies jedoch gelang dem Schüler nur mit einem guten Meister als Vorbild. So blieb Vater Cendris, der Lehrer, ruhig. Er war seit Jahrzehnten ein solcher Lehrer gewesen und Darak stellte für ihn nichts Neues dar. Alle seine Novizen, alle um Rat suchenden Gäste behandelte er auf diese Weise ... und bislang mit Erfolg. Er hatte keinen Grund, seine Ruhe aufzugeben. Er fürchtete sich nicht vor Daraks unbändigem Zorn.

Er fürchtete sich selbst jetzt nicht, als er am Ende von Daraks Arm hing und gegen die Wand gepresst wurde. Nur ging dem Mann langsam die Luft aus. Er ächzte bereits danach, aber sein Blick ... dieser ruhige Blick, den sonst nur ein belehrender Vater aufsetzte ... er heftete sich jetzt an Darak.

<i>"Ihr wollt mir doch nicht heucheln, dass ihr keine Angst habt?! Ihr wollt mich doch nicht davon überzeugen, dass euch der GLAUBE jetzt noch hilft Pater oder?! Selbst zum BETEN reicht euch die Luft nicht aus!"</i>

Da hatte Darak Recht. Der Priester versuchte, zu atmen, doch der Griff des Mannes saß einfach zu fest. Er schraubte ihm den Hals zu. Kein bisschen Luft drang in seine Lungen. Cendris japste kurz, doch er wehrte sich nicht. Seine Augen blieben auf Darak haften, es war unheimlich. Oh ja, er rührte keinen Finger – noch nicht. Er ... meditierte – auf eine Weise, die Darak bisher noch nicht kennen gelernt hatte. Vater Cendris sammelte seine Kraft.

<i>"Ich bin nicht euer Sohn… oder wollt ihr wahrlich einen Mörder in euren Reihen wissen häh?! Wie soll euer Glaube es nun verhindern, dass ich euch nicht einfach erwürge häh? WIE?! Sagt es mir?!"</i>

Vater Cendris konnte kurz aufatmen. Darak hatte seinen Würgegriff gelockert. Nun sollte er wohl antworten. Die Augen fixierten weiterhin den Mann mit dem Helm. Cendris ächzte, doch seine ganze Haltung blieb ruhig und beherrscht. "Ich nehme mich jeder Seele an ... ich urteile nicht, das sollen die .... Götter tun. Und mein Glaube ... ja ..." Cendris lächelte. Er <i>lächelte</i> Darak entgegen! "Mein Glaube hat mir immer geholfen. Es kommt drauf an, woran ich glaube. Diese Meditationsstufe, mein Sohn ... kennst du offenbar nicht."

Der Priester hatte seine Kraft gesammelt und nun ließ er sie frei. Es ging alles furchtbar schnell und Darak würde ohnehin nur die Hälfte davon mitbekommen. Er spürte nur, wie sich die Hände des Priesters plötzlich auf seinen Arm legten. Dann schrie der Mann ein "Hi-Jah!" oder Ähnliches und Schmerz breitete sich in Daraks Arm aus. Kurz darauf traf ihn etwas zwischen die Beine. Der Schmerz wuchs. Er spürte noch wie er langsam zusammensackte, da sein geschientes Bein ihn nicht mehr halten wollte. Schon drehte jemand seinen Arm auf den Rücken und Sekunden später wurde alles schwarz.

Geräusche weckten Darak aus der Bewusstlosigkeit. Es waren Stimmen, eine davon sehr laut und ... voll ... füllig, massig – alma'sch.
"Ich hab Euch gesagt, Vater, Ihr sollt ihn nicht LOSBINDEN!"
Als Antwort kam Schweigen.
"Er hätte Euch TÖTEN können! Der Kerl schreckt davor nicht zurück, Vater Cendris. Er ist ein MÖRDER!"
Dieses Mal war die Antwort ein leises Glucksen, gefolgt von der ruhigen tiefen Stimme des Priesters: "Ja, ich weiß, Alma. Er ist ein fehlgeleiteter Mensch. Deshalb ist er hier, bei mir. Er wird Fragen haben, wenn er wieder wach ist."
"Die hab ich AUCH, Vater! Fangen wir bei der an, wie Ihr so DUMM sein konntet, ihn LOSZUBINDEN!?"
"Haltet Ihr es für gerecht, Alma, auf einem Stuhl gefesselt zu sein, ausgestellt wie ein Sklave auf dem Markt? Auch dieser Mann, ob Mörder oder nicht, ist ein Wesen Phauns und Florencias. Kein Kind unserer Welt sollte dermaßen behandelt werden. Ich als Priester weiß, dass es genug Seelen gibt, denen Schlimmeres widerfährt. Aber genau deshalb sollte ich nicht wegschauen, wenn ich verhindern kann, dass es noch eine Seele mehr trifft. Er wäre bestimmt auch freiwillig zum Tempel gekommen."
Almas lautes Lachen hallte von den Wänden wider, nicht aber von Daraks Helm. Den hatte er nämlich nicht auf. Wo war sein Helm?!
Er selbst lag auf dem Bett, das man ihm zugeteilt hatte. Aber wo befand sich sein Schutz, sein Helm?
Der Verdammte ... enthörnt in den Hallen der Götter.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 1. September 2007, 16:51

Darak brüllte auf als dieser dämliche Priester nichts weiteres tat als ihn anzulächeln! LÄCHELN¨! In dieser Situation?! Hätte dieser Bastard auch auf der Folterbank so gelächelt?! Hätte er gelächelt wenn er ihm persönlich die pelgarischen Stiefel umgeschnallt und ihm einen Keil zwischen die Knie geschlagen hätte?! „Hättet ihr dann gelächelt häh?!“ Brüllte er schliesslich seinen Gedanken aus. Cendris konnte nicht wissen, was er dazu gedacht hatte – es sei denn der Priester konnte sie lesen. Darak drückte wütend wieder zu. Soll er doch lächelnd sterben, was scherte es ihn schon. Selbst Darak wusste nicht, ob er den Priester tatsächlich ermordet hätte, denn soweit sollte es gar nicht mehr kommen. Er starrte in die ruhigen Augen des Priesters als dieser plötzlich von Meditation sprach. „Was?!“ Brachte der Gehörnte noch heraus, ehe er am Arm gepackt wurde und ihn ein tiefer Schmerz durchströmte. Doch jener Schmerz war NICHTS im vergleich zu dem, was die grosse Nieren aussenden konnte. Irgend etwas traf ihn direkt in seiner Mitte. Darak schrie auf und liess vom Priester ab, reflexartig krümmte er sich zusammen und sackte zu Boden. Schlug dabei mit den Knien auf. „Nein…nicht… foltern…“ Keuchte der Gehörnte auf und sah sich in jenem Moment des Peins wieder auf der Folterbank liegen. Er zitterte und heulte. Irgendjemand packte seinen Arm und verdrehte ihn auf den Rücken.

Dann umgab ihn nur noch Dunkelheit.

Stimmen und das Pochen in seiner Mitte weckten ihn ziemlich unsanft. Er stöhnte gequält auf und krümmte sich sogleich zusammen. Er versuchte beide Knie bis zum Bauch hochzuziehen, doch das geschiente gehorchte nicht, so zog er nur ein Bein an. Hielt seine Hände auf die schmerz pulsierende Mitte und japste. Er verbarg sich dabei unter der Decke. Er sah aus wie ein riesiger Haufen der nur ein gepresstes. „Verflucht.“ Von sich gab.

<i>"Ja, ich weiß, Alma. Er ist ein fehlgeleiteter Mensch. Deshalb ist er hier, bei mir. Er wird Fragen haben, wenn er wieder wach ist."</i>

Fehlgeleitet?! Darak hätte wohl heftigst protestiert, geschrieen, dass die ganze Welt fehlgeleitet war – doch dafür hatte er im Moment nicht den Nerv. Er war zu sehr mit sich krümmen beschäftigt.

<i>"Haltet Ihr es für gerecht, Alma, auf einem Stuhl gefesselt zu sein, ausgestellt wie ein Sklave auf dem Markt? Auch dieser Mann, ob Mörder oder nicht, ist ein Wesen Phauns und Florencias. Kein Kind unserer Welt sollte dermaßen behandelt werden. Ich als Priester weiß, dass es genug Seelen gibt, denen Schlimmeres widerfährt. Aber genau deshalb sollte ich nicht wegschauen, wenn ich verhindern kann, dass es noch eine Seele mehr trifft. Er wäre bestimmt auch freiwillig zum Tempel gekommen."</i>

„Niemals.“ Knurrte es dünn unter der Decke und einige Sekunde später folgte ein erneutes. „Verflucht... was habt ihr gemacht?! Mein Arm… meine Niere!“ Protestierte er… dann verharrte er. Rührte sich nicht. Für einen Moment schien es so als wäre er wieder eingeschlafen. In Wirklichkeit, presste der Mörder eine einzelne stumme Träne aus dem Augenwinkel. Darak nervte sich über sich selbst, war er doch völlig weich geworden. Heulte ständig. Doch die Weinkrämpfe übermannten ihn ohne grossen widerstand. Er konnte sich dagegen kaum wehren.

Ausgerechnet in die grosse Niere. Selbst ein Tritt ins kaputte Bein wäre wohl nicht so schmerzhaft gewesen davon war Darak überzeugt. Ohnehin wusste er gar nicht recht was eigentlich passiert war. Er hatte den Priester gewürgt… und der hatte ihn ANGELÄCHELT! Oh ja daran erinnerte er sich genau! Schon wieder schnaubte er unter der Decke. Dann war alles schnell gegangen. Nur ein „Hijah“ hallte ihm noch in den Ohren nach. Mehr nicht. Alma musste irgendwann ebenfalls zurückgekehrt sein, dies hatte er nicht mehr mitbekommen.

Plötzlich merkte er, dass er seinen Kopf unter der Decke frei bewegen konnte. Frei. Will heissen, kein Horn dass sich darin verfing. Will heissen KEIN HELM. Für einen Moment blieb ihm das Herz stehen. „NEIN!“ Darak brüllte auf und zappelte die Decke weg. „Mein HELM!“ Brüllte er vor sich her. Eine Hand tauchte am Kopfende auf und tastete nach seinem Schutz. Fand ihn nicht. „Wo ist mein Helm?! Ich bringe euch um! Alle beide! MEIN HELM! Was habt ihr mit ihm gemacht?!“

Er bäumte sich auf und guckte sich panisch um. Seine Augen rasten über den Raum und doch sah er nichts. Kurz fixierten sie Cendris und Alma. Die Heilerin konnte wohl in seinen panischen Augen erkennen wie verletzlich dieser Geist momentan war und wie sehr er bereits blutete. Ohne Zweifel war er im Moment wohl allein kaum überlebensfähig. Dafür war er viel zu verstört und traumatisiert.

Er drohte und fluchte – es waren definitiv keine leeren Drohungen, doch nach dieser überaus wuchtigen Überwältigung war wohl klar, dass seine Ausrufe wenig realitätsnah waren. In Wirklichkeit schien er den beiden hoffnungslos unterlegen zu sein, doch Darak wusste sich nicht anders zu wehren. Er hatte in seinem Leben alles durch Drohung erreicht. Jede Information auf jene Weise entlocken können. Drohen und Foltern. Nun jedoch, schien ihm dieses Werkzeug seinen Dienst zu versagen. Denn er war nicht mehr der Experte was Angst und Schmerz betraf, sondern der Gefangene eben jener Empfindungen.

Der Foltermeister knurrte wieder, die Träne war versickert schaffte Platz für neue verzweifelte Wut. Er keuchte und hielt sich seinen Kopf. Verdeckte seine Schutzlosigkeit, seine Nacktheit. Er heulte gequält auf und krümmte sich wieder zusammen. In seiner Hast hatte er nicht gesehen, dass der Helm auf der Kommode neben ihm lag. Er verkroch sich wieder unter der Decke und bibberte vor sich her. Ohne Helm war Darak nichts Weiteres als ein Schatten. Zugegebenermassen ein ziemlich lauter.

Durch seiner Unruhe tat er sich selbst weh. Er atmete schlecht, hustete mehrmals. Keuchte. Presste sich die Hand auf die mittlerweile stechende Brust. Er bewegte pansich seine Beine – beide. Was die Schmerzen im gebrochenen nur noch intensivierte. Dennoch fand er keine Ruh.

Hier in den geweihten Hallen kam es ihm vor als hätten die Götter selbst den Schandfleck aufgedeckt, der sich hier im Tempel eingenistet hatte. Sein Zeichen, deutlich sichtbar auf dem ungeschützten Nacken. Die Decke erschien ihm die einzige Möglichkeit sich vor jenen Blicken zu verstecken. „Was wollt ihr von mir?! Was sollte das?! Gebt mir meinen Helm wieder!“ Forderte es unter der Decke hervor. „MEINEN HELM! Ich… kann nicht so… hier sein…ich… gehör nicht hierhin.“

Darak kriegte Panik. „Brundgar! Brundgar hiess er!“ Heulte er hervor. „Gebt mir jetzt meinen Helm! Bitte! Nicht… foltern…“ Für den Sklaventreiber, war dies nämlich eine Folter. Nackt in den Hallen der Götter zu sein.

Darum verriet er den Namen.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Samstag 1. September 2007, 20:58

Ein gepresstes "Verflucht", lenkte die Aufmerksamkeit des Priesters auf Darak. Doch noch sprach er mit Alma, jedoch rechnete er jetzt damit, dass sein Schützling ihm auch zuhören könnte. Daher wählte er seine Worte sehr bewusst.
Spätestens als das "Niemals" folgte, wusste Vater Cendris, dass Darak wach war. Auch Alma wandte sich nun um. Schwankende Massen in der Schwebe hängenden Fettes bewegten sich, erwachten auf gewisse Art zum Leben.
Beide, Priester und Heilerin, traten ans Bett. Cendris beugte sich leicht über Darak, sprach jedoch zu Alma. "Hab Dank, dass du rasch gekommen bist. Ich hab versucht, ihn nicht zu verletzen, aber die Schmerzen werden an gewissen Stellen wohl noch nachhallen."
Alma grinste. "Vater, ich hätte von Euch nicht erwartet, dass IHR ... naja, DORTHIN treten würdet. Wie habt Ihr Euch überhaupt dem Würgegriff befreien können? Sprecht, das interessiert mich."

Vater Cendris wandte sich von Darak ab, nickte Alma lächelnd zu und setzte sich auf sein eigenes Bett. Gerade wollte er dieses Geheimnis lüften, als er jäh unterbrochen wurde. Nun lernte auch der Priester den panischen Darak kennen. Einen Mann, der scheinbar ohne den Schutz eines Helmes nicht überleben konnte.
<i>"NEIN! Mein HELM! Wo ist mein Helm?! Ich bringe euch um! Alle beide! MEIN HELM! Was habt ihr mit ihm gemacht?!"</i>

Darak kroch unter seiner Decke hervor, stierte durch den Raum. Für einen Moment fixierte er den Priester und Alma mit seinem Blick. Es war ein panischer, ängstlicher und zugleich zorniger Blick aus eingefallenen Augenhöhlen und gepeinigten Augen. Sie zeigten Daraks Seele, dieses geschundene Mörderding, was flehend nach seinem Helm schrie, seinem letzten Schutz in dieser Gottesbastion, in der er sich selbst so verloren vorkam.

Vater Cendris zeigte zum ersten Mal eine gewisse Regung in seinen sonst so ruhigen Zügen. Er war erstaunt. Erstaunt darüber, dass ein Mensch so sehr an einem Stück Metall hängen konnte.
Alma hingegen starrte Darak auf seltsamer Art und Weise an. Nicht gewaltig, massig, füllig. Ihr Puddinggesicht mit den herunter hängenden Mundwinkeln und den kleinen Augen verzog sich in Falten. Sorgenfalten. Diese standen sehr stark im Kontrast zu ihren Worten: "Nun hör mal auf zu JAMMERN. Da liegt er doch, dein HELM!"
Darak hörte nicht auf sie. Er war zu sehr in seinem Gefühlschaos gefangen. Am meisten belastete ihn der Gedanke daran, schutzlos und nackt zu sein. So hob er die Hände zum Kopf und verbarg ihn, verbarg auch seinen Nacken vor den Göttern, die an einem heiligen Ort wie diesem sicher zugegen waren, und verkroch sich unter die Decke. Ein weicher, nutzloser Schutz, aber besser als nichts.

Sein Heulen drang aus den Laken. Der Haufen, den er bildete, zitterte. Darak musste husten und sein Atem entrang sich seiner Kehle nur noch keuchend. Es war nicht gut, dass er sich so krümmte und noch schlimmer war, dass er sich in seine Panik immer mehr hinein steigerte.
Alma schüttelte nur den Kopf, aber Vater Cendris legte ihr den Arm auf die Schulter. Man konnte es damit vergleichen, dass sich ein Marienkäfer auf einem Felsbrocken niederließ.
Alma seufzte. "Ich bin kein Seelendoktor, Vater. Ich schnippel und nähe. Bei diesem ... KURS lief damals was schief, das ist nichts für mich, ich bin nicht für die Erforschung des KOPFES gedacht. Aber ich könnte ihm was wegschneiden."

<i>"Brundgar! Brundgar hieß er! Gebt mir jetzt meinen Helm! Bitte! Nicht… foltern…"</i>

Vater Cendris stand auf. Er trat zur Kommode, nahm den Helm und legte ihn neben den Haufen Elend, den Darak unter der Decke bot. Dann schob er Alma vor die Tür. "Ich muss mit dir sprechen, Kind."
Vater Cendris und Alma blieben eine Weile fort, was sich nicht gerade zum Vorteil für Darak entpuppte. Seine Glieder schmerzten, besonders sein Bein. Die Kehle war vollkommen trocken. All der Stress von der Folterbank bis hierher hatte ihn furchtbar viel Kraft gekostet.
Schließlich jedoch öffnete sich die Tür wieder, aber es war nur Vater Cendris, der eintrat. Er hielt ein kleines Döschen in der Hand, welches er auf der Kommode abstellte. In der anderen trug er einen Becher. "Ich habe dir Wasser geholt. Alma empfiehlt, dass du viel trinkst und gerade liegst. Den Helm solltest du beim Schlafen abnehmen, aber niemand wird ihn dir <i>weg</i>nehmen, mein Sohn. Sie kommt morgen wieder, um nach dir zu sehen. Wenn die Schmerzen zu stark werden, so sag es. Ich werde dir helfen ... mit mehr als Glauben." Vater Cendris lächelte. Dann stellte er den Becher mit dem Wasser auf die Kommode und schob den Walzstuhl ans Bettende. "Ruh dich aus. Schlaf, solange du magst. Es ist jetzt wichtig, dass du dich erholst. Im Tempel bist du sicher, du kannst also beruhigt sein. Niemand wird dich foltern."

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 1. September 2007, 22:56

Darak keuchte, japste nach Luft und krümmte sich immer mehr, verstärkte so nur seine Not und den pochenden und pulsierenden Schmerz in seinen Gliedern. Er konnte die beiden nicht sehen und auch nur schlecht hören. Einerseits durch die Panik und gleichzeitig auf durch seinen schon alten Gehörschaden. Jedoch vernahm er wie sich Cendris ihm näherte. Alma konnte es nicht sein, dafür bewegte sich schlicht und einfach viel zu wenig Masse auf ihn zu. Sein Zittern wurde stärker. Er fürchtete sich vor der Rache. Dem Schrei nach Vergeltung wie sie alle seine Opfer forderten. Er merkte wie etwas aufs Bett gestellt wurde. Doch Darak rührte sich nicht. Keuchte vor sich her. Hielt sich die Brust und machte sich so klein wie möglich. Zog nun beide Beine an – die Schiene ächzte hielt jedoch Daraks versuchen stand. Daher war er es nun, der ächzte. Stille herrschte. Darak bibberte weiter. Verkrampfte sich unter der Decke und wusste weder ein noch aus. Irgendwann schien die Stille auf in seine kleine – flauschige Festung – bestehend aus der einfachen Decke durchzudringen. Er hielt inne. Horchte. Seine Hand tastete unter der Decke hervor und berührte das Metall des Helmes. Erleichtert packte er danach und setzte sich seinen Schutz wieder auf. Er wurde sichtlich entspannter und schlug die Decke zurück. Diese brauchte er nicht mehr – nicht jetzt mit Helm.

Erst jetzt merkte er richtig, dass er sich noch immer in der Mönchszelle und nicht auf der Folterbank befand. Mühsam atmete er durch, keuchte und hustete ein paar Mal doch beruhigte sich endlich. Wobei Ruhe bei Darak im Moment ein ziemlich dürftiger Begriff war, denn es brodelte noch immer in ihm, doch er hatte keinen panischen Anfall mehr. Dennoch war er völlig verängstigt und nervös.

Er hielt den Helm fest umklammert, fürchtete sich davor, dass man ihn wieder entreissen und wenn möglich auch gleich wieder voll kotzen oder schlimmeres damit anstellen würde.

Nicht nur vor den Göttern sollte ihn dieses gehörnte Konstrukt schützen, sondern auch vor der Migräne… jenem schmerzlichen Quälgeist der ihn immer wieder beschlich, sobald er einen Schlag auf den Kopf kriegte oder zu viel Stress hatte. Er verbarg auch die leichte delle welche ihm der Mönchsschmied damals mit dem Hammer eingehauen hatte und ihm so das linke Gehör beinahe gänzlich zerschlagen hatte.

Heute war nicht wirklich sein Tag. Noch immer zitterten seine Hände. Er starrte sie an. Sie kamen ihm unendlich fremd vor. Dies waren nicht SEINE Hände… nein… seine konnten foltern… und mit Frauen wunderbare Dinge anstellen – doch sie zitterten doch nicht!

Er hockte sich auf betrachtete seine Kleidung. Dieses einfache Hemd. Er streifte es ab. Das gehörte nicht ihm. Das war er nicht. Er trug keine einfachen Hemden… wo war sein schwarzer Waffenrock, wo seine Lederstiefel und wo seine Peitsche. Er war Sklaventreiber. Ja, Foltermeister und Sklaventreiber… und auch Mörder – aber bestimmt nicht ein verweichlichter gebrochener Mann in einer Mönchszelle! Das war nicht er, der da sass! So warf er das Hemd an die Wand und stierte es böse an als wäre es ein stummer Feind der ihn zu etwas anderem machen wollte als er war. Auch die Decke fand ihren Weg auf den Boden. Er hockte einfach im Bett und es war erstaunlich, wie schnell dieser Mann eine gewisse Unordnung in ein so spärlich eingerichtetes Zimmer bringen konnte. Da öffnete sich die Tür und Pater Cendris trat ein. Darak hielt sich den Helm mit der einen… und seine Mitte schützend mit der anderen Hand. Cendris „Hihjaah“ hatte unweigerlich Eindruck hinterlassen. Einen schmerzenden.

Er erwiderte nichts als Cendris ihn ansprach und ihm das Wasser brachte. Seine Kehle lechzte jedoch bereits danach. Misstrauisch betrachtete er das kleine Döschen. Alles was von Cendris kam, war prinzipiell einmal als feindselig einzustufen.

<i>Den Helm solltest du beim Schlafen abnehmen, aber niemand wird ihn dir wegnehmen, mein Sohn. Sie kommt morgen wieder, um nach dir zu sehen. Wenn die Schmerzen zu stark werden, so sag es. Ich werde dir helfen ... mit mehr als Glauben."</i>

„NEIN!“ Knurrte Darak bestimmt und hielt sich den Helm. Er dachte nicht daran ihn abzunehmen, nicht in diesen Gemäuern. „Schmerzen… zu stark?! WAS GLAUBT IHR EIGENTLICH WO IHR DA HINGETRETEN HABT?! Ich bin doch nicht aus BLEI! Zur Hölle!“ Klagte er und tatsächlich hielt er sich für das, was bei seiner Niere gerade so pochte, ziemlich gut. Darak hatte wohl im verlauf seines Lebens eine ziemlich hohe Schmerztoleranz entwickelt, doch was zu hoch war, war nun mal zu hoch… und gerade DORT… war er wohl wie jeder andere Mann auch – ziemlich… ZIEMLICH… empfindlich.

Der Pater stellte das Wasser auf die Kommode. Darak starrte es gierig an. „Was habt ihr mit meinem Arm gemacht?!“ Fragte er schliesslich und griff mit zittriger Hand nach dem Glas. Alma hätte jenes Szenario bereits gekannt, denn seine Hände versagten kläglich, fanden nicht die nötige Ruhe um das Glas still zu halten. Es schwankte gefährlich in Daraks Händen und ein beträchtlicher Teil verschüttete. Darak setzte sich mühsam auf den Bettrand und umfasste das Glas nun mit beiden Händen. Es war schrecklich für ihn zu erfahren, wie sehr sein Körper versagte.

Doch er wagte nicht den Mönchen um Hilfe zu bitten. Nein. Alma vielleicht. Aber keinen Geistlichen. Er wollte nichts von einem Gottesdiener verlangen.

Er betrachtete düster sein Peinbein. Die Schiene sass nicht mehr optimal, offenbar war sie durch sein ständiges Rumgezappel locker geworden. Alma würde sich wohl morgen die Mühe machen müssen, das Bein neu einzubinden.

An Ruhe war bei Darak gar nicht zu denken. Er sass einfach da und mühte sich mit seinem Wasserglas ab. Obwohl sein Körper völlig erschöpft war, konnte sein Geist ihm die Ruhe nicht gewähren nachdem er schrie. Zu gross war die Panik vor den Geistern die in der Traumwelt lauerten… von den Erinnerungen an Valrock.

„Ich… weiss nicht…“ War alles was er herauswürgen konnte. Er wusste nicht was er tun sollte, was er hier überhaupt machte, warum er noch lebte, wieso sein Körper nicht aufhörte zu vibrieren und er wusste nicht… warum er der Antrieb für Cendris sein sollte.

„Ich gehöre nicht hierher.“ Unruhig sah er an die Decke – als würde er schauen wollen ob dort oben nicht ein göttliches Auge hing welches ihn düster beobachtete. Er sah nichts. Dennoch spürte er einen vermeintlichen Blick auf seinem Nacken.

Er führte das Glas zu seinem Mund. Doch bis er ihn erreicht hatte, waren nur noch gut zwei Schlücke Wasser darin, die er gierig in sich aufnahm. Das Wasser war eine Wohltat. Er stellte das Glas genau so zitternd wieder hin und betrachtete Cendris. Er hockte einfach da und begann sich das Knie durch die Schiene durch zu reiben. Sein Fuss fühlte sich kalt an. Kälter als der andere. Die Durchblutung in seinem Bein war offensichtlich die reinste Katastrophe. Er versuchte die Zehen zu bewegen, mit nur geringem erfolg.

„Es…“ Er starrte sein Knie an. „Kalt.“ Mehr sagte er nicht. Schaute nur wieder auf das leere Glas.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 2. September 2007, 02:49

Als Cendris die Zelle betreten hatte, war ihm nicht entgangen, wie schnell sein Gast für Unordnung gesorgt hatte. Decke und Hemd lagen achtlos auf dem Boden, dafür trug der Mann seinen Helm wieder; ein für ihn schützender Kamerad.
Cendris betrachtete Darak mit wachsamen, aber freundlichen Augen. Er beobachtete, analysierte seinen geistigen Zustand. Es war nun wichtig für den Priester wie es seinem Schützling ging. Mit einem noch zu sehr verwirrten Darak konnte er nicht die Themen absprechen, über die er sich bereits Gedanken machte, seit er gehört hatte, dass Darak Mönch und Mörder war. Er wusste genau, wie er dieser Seele helfen konnte – vorausgesetzt, diese Seele zeigte Interesse. Als Mörder, Foltermeister und Sklaventreiber dürfte dies jedoch nicht zum Problem werden. Diese Sorte Mensch kannte sich mit Schmerzen aus.

Schweigend betrachtete der Priester Daraks Versuche, das Wasser aufzunehmen. Bis auf ein paar Schlucke schwappte jedoch fast alles über. Dieser Mann stand noch immer unter Schock, eine Folter war auch kein leichtes Trauma.
Alma hatte Cendris einiges erzählt, als sie vorhin das Zimmer verlassen hatten. Er würde darüber schweigen, würde kein Wort vor Darak verlauten lassen, solange dieser nicht bereit war, seine Geschichte – die Cendris schon kannte – selbst vorzutragen.
Die Pflicht eines Gottesdieners. Cendris nahm seine Aufgaben ernst.

Inzwischen beschwerte sich Darak über gewisse Körperteile, in die priesterliche Füße getroffen hatten. Tja, manche Menschen dachten wohl, ein heiliger Mann unterlässt gewisse Zonen, wenn es darum ging, sich zu verteidigen.
Cendris schmunzelte. "Ich kann es dir nachempfinden, mein Sohn. Meine erste Begegnung mit einem von <i>ihnen</i> hat mir auch einige schmerzende Stunden eingebracht – aber auf lange Dauer gesehen einen guten Freund und Lehrmeister. Ich hab viel von ihm gelernt und doch nur so viel, dass es einen Tropfen im Ozean ausmachen mag."

<i>"Was habt Ihr mit meinem Arm gemacht?!"</i>

Cendria kam zu Daraks Bett und berührte ihn an der Schulter. "Schmerzt der immer noch? Ich bin wohl nicht mehr so geübt in dieser ... Kunst. Lass mich mal sehen." Ohne zu zögern nahm Cendris Daraks Arm und drückte einige Stellen ab. "Hm. Alles in Ordnung." Er ließ den Arm los. Dann erklärte der Priester mit einem Lächeln im Gesicht. "Du willst sicher wissen, warum ich keine Angst vor deinem Würgegriff hatte. Die Antwort lautet <i>der Nichtgenannte</i>. Naja, im Grunde sind sie alle für uns Außenstehende namenlos. Daher die Bezeichnung. Sie sind alle Nichtgenannte."

Mehr sagte Cendris dazu nicht und dies war seine volle Absicht. Er wollte herausfinden, wie sehr sich Darak für diese Information interessierte. Er wollte wissen, wie der Mann reagierte. Denn die Sache mit seinem Arm war keine Triviale. Als Cendris diesen nämlich untersucht hatte, war kein Schmerz zu spüren gewesen, nichts. Als hätte dieser alte Priester niemals einen Schlag darauf ausgeführt, der Daraks Griff einfach gelöst hatte!
Ein magischer Schlag vielleicht? Und dieser Nichtgenannte ... was sollte das?!

<i>"Ich gehöre nicht hierher."</i> Cendris lächelte. Noch immer glaubte dieser Mann, der Tempel sei für ihn unbefugt. Es mochte stimmen, die Lysanthorpriester hatten ihn verdammt. <b>Aber die Nichtgenannten ... </b> Der Priester schwieg noch. Er wollte Darak nicht mit zu viel Informationen konfrontieren. Dieser brauchte Ruhe und Schlaf.

"Gut, behalte deinen Helm. Aber leg dich hin. Schlafe", meinte er. Da rieb sich Darak die Schiene seines gebrochenen Beins. Dann: <i>"Kalt."</i>
Vater Cendris schaute ebenfalls auf das Bein. "Aber Schmerzen hast du keine. Alma meinte, ich solle dir eine dieser Pastillen gegen den Schmerz geben, wenn es zu schlimm wird. Ich würde dir im Gegenzug erneut das Meditieren anbieten. Wenn du möchtest."

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 2. September 2007, 14:38

Darak sass da am Bettrand und starrte düster auf das leere Glas. Genau so fühlte er sich im Moment auch. Leer. Wie ein dämliches Wasserglas. „DAS ICH NICHT MAL HALTEN KANN!“ Brüllte er wütend vor sich her und schloss dabei seine zittrigen Hände zur eben so vibrierenden Faust. Nicht mal einen alten Priester erwürgen konnte er damit. Unglaublich. Beschämend. Entwürdigend. Ärgerlich.

Er spürte sehr wohl wie der Priester ihn musterte. Ja vermutlich ergötzte sich der Alte gerade an seiner eigenen Hilflosigkeit. Einem Mörder der nichts mehr konnte musste doch jede Priesterseele irgendwo befriedigen, denn es zeigte ihnen auf, dass sich der abtrünnige Gottesweg nicht auszahlte. Obwohl…. Er hatte sich nicht von Lysanthor abgewandt gehabt! NEIN! Der Gott hatte ihm den Rücken gekehrt, so war es gewesen! „HAH!“ Knurrte Darak nur und schwieg dann wieder. Dann grinste er. <b> Er hat mich nicht besiegt. Oh nein! Er hat mich nicht zerstört! KEIN GOTT ZERSTÖRT EINEN LUTHROKAR! Auch wenn er mir Typen wie Valrock auf den Hals hetzt. Drei Mal in meinem verfluchten Leben! Lysanthor ist so was von einfallslos! JA EINFALLSLOS BIST DU! HAH!</b> „Verfluchter Sohn einer göttlichen… DIRNE HAH!“ Brüllte er aus und fühlte sich danach deutlich wohler. „Sei froh darum… ich bin nur der Sohn einer Sklavin… die meinetwegen sterben musste. Ja. Nur wegen mir.“ Grummelte er vor sich her und schwieg. Wieder schaute er nur auf seine rauen, leeren und zittrigen Hände.

Er hatte nichts. Keine Familie… und mit diesen Händen wohl auch keinen Beruf mehr. Nur noch… Elena. Irgendwo in der Stillen Ebene war sie. Ob sie ihn suchte? Ob sie ihn vermisste? Vielleicht lag sie schon längst in den Armen dieses Pflanzenmagiers. Sein Blick verdüsterte sich.

Der Foltermeister sah so mehr als nur unheimlich aus, er schien wie einer jener dunklen Statuen zu sein, welche man nur in Morgeria fand. Wie ein wandelnder Schatten sass er da. Der bullige, kräftig gebaute Sklaventreiber, den man immer wieder zum Krüppel geschlagen hatte… und dennoch lebte er weiter und wie hartnäckig dieser Kerl war, denn tief in seinem Innern glaubte Darak gar, dass er sich erholen würde und sei es nur aus dem einzigen Grund, dass er sich nicht durch Lysanthors böse Pläne, die sich allein gegen ihn verschworen hatten, zerstören zu lassen. Darak fürchtete sich nicht vor der göttlichen Fehde. Oh nein Lysanthor sollte nur kommen, er war bereit.

Darak hielt inne. Normalerweise verschwendete er nicht so viele Gedanken an einen Hurenbock wie Lysanthor. Vermutlich lag es an den heiligen Gemäuern in denen er sich gerade befand, dass jener Gott ihm so präsent war. Er hatte noch immer den jungen pelgarer vor Augen der so voller Glaube an Lysanthor gewesen war und ihm dann noch ins Gesicht gespuckt hatte. Diese ganze junge Söldnertruppe, die so gar nichts über Lsysanthors wahren Weg wussten, sondern nur Idealen nacheiferten, die nichts bedeutete, gehörte vernichtet.

Darak grinste. Immerhin blieb er seiner Mörderseele treu. Obwohl er Elena in der Ebene gelobt hatte sich von ihr abzuwenden, die Liste zu verdammen und sie schliesslich zu vergessen. Nun hatte er einen neuen Namen darauf eingeprägt.

Da brach der Pater sein schweigen und wollte ihm doch tatsächlich weiss machen, dass er ihm nachempfinden konnte wie er sich gerade fühlte.
„Hah?! Das wollt ihr nachempfinden?! So… hat man euch auch schon einen Keil zwischen die Knie getrieben, euch hungern gelassen, euch beinahe verbrannt, euch ins Ohr gekotzt und dann noch DAHIN GETRETEN?!“ Dabei war dies nur etwa die Hälfte von dem was ihm noch alles zugestossen war. „Mit einem von ihnen?! Wer ihnen…“ Darak war verwirrt und stutzte. „Valrock und Torok sind eure Lehrmeister?! Ich… aber warum.. BLEIBT MIR WEG!“ Brüllte er schliesslich auf. Doch da kam der Pater auch schon auf ihn zu und berührte ihn an der Schulter. Sein Körper reagierte nur mit zittern darauf. „Nicht foltern!“ Bat er wieder und schützte seinen Helm.

<i>"Schmerzt der immer noch? Ich bin wohl nicht mehr so geübt in dieser ... Kunst. Lass mich mal sehen."</i>

„Kunst?! Einen Mann kastrieren nennt ihr KUNST?! Ihr seid ja noch schlimmer als ALMA!“

<i>"Du willst sicher wissen, warum ich keine Angst vor deinem Würgegriff hatte.</i> Allerdings wollte er dies wissen, schliesslich hatte der Pater absolut nicht so reagiert wie er es von seinen Opfern gewohnt gewesen war.

<i>Die Antwort lautet der Nichtgenannte. Naja, im Grunde sind sie alle für uns Außenstehende namenlos. Daher die Bezeichnung. Sie sind alle Nichtgenannte."</i>
„Nichtgenannte? Seid wann nennen sich die beiden Nichtgenannte?“ Darak dachte noch immer, dass es sich um die beiden Folterknechte handelte. Erst langsam kam ihm der Gedanke, dass er vielleicht den Pater falsch verstanden hatte. „Ich… ihr seid Pater… ich kenne keinen Gott der „Nichtgenannte“ als Diener hat! Wer seid ihr wirklich und warum haltet… ihr mich für eueren Antrieb? Was ist hier überhaupt los?! Warum sollte ein Mann wie ihr, mir Schutz bieten… ihr versteckt hier schliesslich einen verurteilten Verbrecher und macht euch so selbst zu einem! Von wegen ihr achtet Lysanthors Gesetze Pater! Stellt ihr euch nicht gerade über sie?! So ruhig ihr auch seid, auch in euch steckt nur ein gewöhnlicher Sünder. Aber ihr Mönche… WOLLT DAS JA NIE KAPIEREN!“

Er starrte auf die Dose.

„Meditieren… mhmm… ich habe schon lange nicht mehr meditiert… ich kann dies in dieser Unruhe nicht Pater… ich bin darin nicht so geübt wie ihr es anscheinend seid. Ich… denke… nicht dass ich schlafen kann.“

Seltsamerweise wurde Darak ruhiger. Es schien so als hätte ihn die Tatsache, dass auch Pater Cendris nur ein sündiger Mensch war, etwas beschwichtigt. Denn es holte den Mönchen von seiner übergeordneten Stellung als unnahbaren ja beinahe gottesgleichen Fels herunter – so glaubte er zumindest.

Er starrte wieder auf seine Hand. „Ich weiss… nicht ob ich euch erwürgt hätte.“ Murmelte er schliesslich.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 2. September 2007, 18:23

Vater Cendris erfuhr aus Daraks Haltung und seinem Gebarden fast mehr als er wissen wollte. <b>Sohn einer Sklavin ... Mörder noch bevor er ein sein Leben begreifen konnte. Das sind die schwersten Schicksale, die härtesten Prüfungen für Kinder Celcias und den Priester, in den die Götter diese Kinder in Obhut geben.</b>
Der Priester erhob sich, ging zu einer Karaffe, die hinter dem Kerzenleuchter halb verborgen war, nahm sie und füllte Daraks Becher. Dieses Mal war es ein goldenes Getränk. "Apfelwein aus Andunie", erklärte Cendris. Seine wachen, ruhigen Augen huschten über Daraks Gesicht, kreuzten sich mit den seinen. Er sah die Finsternis und die Leere darin. Sein Gast war am Ende, seine Nerven ausgebrannt. "Du brauchst Ruhe", wiederholte er noch einmal. Offenbar fußte das ganze Leben dieses Priesters auf diesem einen Wort. Und hätte Darak genauer hingeschaut – aufmerksamer –, so wäre ihm auch nicht entgangen, dass selbst Cendris' Bewegungen und sämtliche Handlungen auf einer gewissen Ruhe basierten. Mit welcher Perfektion er das Wasser in den Becher füllte und seine Haltung beim Gehen ... der Mann war sprichwörtlich die Ruhe selbst.

Bei Darak hingegen konnte man von der lebendig gewordenen Lautstärke sprechen. Er brüllte und tobte – nun, er <i>hätte</i> getobt, wäre die nötige Kraft dazu noch dagewesen. So brüllte er eben nur, aber langsam wurde er heiser. Das bisschen Wasser hatte nicht gereicht, seine trockene Kehle und die überanstrengten Stimmbänder lechzten nach Flüssigkeit. Dennoch, er ließ immer noch seinem Zorn freien Lauf. Besonders der Tritt in die allerheiligsten familiären Glanzstücke hielt er dem Priester sehr ausgelassen fort.
und Vater Cendris? Der lachte und das auf so herzliche Weise, dass sich zwangsläufig die Umgebung erheitert fühlen musste. "Kastriert hab ich dich nun wirklich nicht, auch wenn es sich so anfühlen mag, mein Sohn." Dann aber verhallte das Lachen. Cendris sah auf einmal furchtbar ernst drein ... mitfühlend. Ein weiteres Geheimnis, das Darak ihm offenbarte, von dem er insgeheim aber schon durch Alma wusste. Er drückte die Schulter seines Gegenübers, denn schon wieder ruhte seine Hand dort.
Darak schien jedoch alles, was Vater Cendris sagte, falsch zu verstehen. Noch immer war er in seinen Folterungsängsten und dem Trauma gefangen. <i>Valrock und Torok sind Eure Lehrmeister?! Ich ... aber warum ... BLEIBT MIR WEG! Nicht foltern!"</i>, wimmerte er, dass es einem das Herz brechen konnte.
"Es ist gut, Sohn. Niemand wird dich mehr foltern." Auch die Worte des Priesters waren ruhig und wenigstens die Nennung der Nichtgenannten schien Darak ein wenig abzulenken. Jedenfalls war er nun wieder mutig genug, Fragen zu stellen. Die Nichtgenannten interessierten ihn, auch wenn er glaubte, es handele sich um Folterknechte oder Götter, die ihm nicht geläufig waren.

<b>Ausgesprochen gut, muss ich sagen. Ich habe sein Interesse geweckt. Es wird gut laufen. Dieser Mann wird die Kerker nicht wiedersehen. Er selbst hat sich davor gerettet. <i>Sie</i> haben kein Interesse an Menschen, die sich auch nicht für <i>sie</i> interessieren.</b>

Und dann kam da wieder diese Frage. <i>"Warum haltet Ihr mich für Euren Antrieb?"</i> Darak war vollkommen verwirrt. <b>Oh, es war doch zu viel für ihn.</b> "Mein Sohn", sprach der Priester sanft. "Beruhige dich. Morgen will ich dir mehr über die Nichtgenannten erzählen. Für heute ist es zu viel. Du musst schlafen. Ich werde auf deine Ruhe achten, auch wenn ich weiß, dass ein Mörder im selben Zimmer schläft wie ich. Auch wenn ich bereits spürte, dass seine Hand an meiner Kehle hing. Dir wird hier nichts widerfahren, ich selbst bringe dich nicht in die Kaserne oder die Kerker zurück. Die Götter haben entschieden, dass du hier sein sollst, es kann keine Sünde sein."

Vater Cendris erhob sich und griff nach dem Becher. Daneben stand die Dose, welche ungeahnte Verlockung auf Darak ausübte. Darin befanden sich Schmerzmittel – von Alma. Er würde sie bekommen, wenn er darum bat, soviel konnte er sich sicher sein. Was hatte Cendris gesagt, als Darak im Halbschlaf lag? Er würde nicht zulassen, dass es einer Seele schlecht ging, wenn er imstande war, zu helfen.
Und wenn Darak Schmerzen hatte, ging es ihm offenbar schlecht.
"Trink, Sohn." Der Priester hielt seinem Gast den Becher entgegen. Für ihn war es kein Zeichen von Schwäche, wenn ein traumatisierter und gefolterter Mann ein Glas nicht selbst halten konnte. Im Gegenteil. Für Vater Cendris war es eine Ehre, zu helfen.

<i>"Ich… denke… nicht dass ich schlafen kann."</i> Cendris nickte. "Ich werde dir helfen. Trink und leg dich dann hin." Der Priester gab Darak von dem Apfelwein und drückte ihn dann in die Laken. "Ich besorge dir morgen neue Kleidung, wenn du magst. Und jetzt schließe die Augen, lausche meinen Worten."

Cendris erhob sich, ging zu seinem eigenen Bett, setzte sich darauf. "Ich erzähle dir etwas über Glauben. Nein, keine Bange, ich habe schon mitbekommen, wie du über Götter und auch Lysanthor denkst. Ich will hier nicht predigen, auch wenn das zu meiner Berufung gehört. Ich möchte dir etwas über den Glauben an sich selbst erzählen – und ein wenig von mir."
Er seufzte. <b>Irgendwie hab ich nicht erwartet, heute von meinem Leben zu erzählen. Ihr Götter macht es mir nicht gerade leicht, aber er braucht dieses Wissen jetzt.</b>
"Es gab eine Zeit, das war ich Novize der Götter ... und ich habe diese Zeit gehasst. Ich habe eine Menge in Frage gestellt. War unzufrieden und es ging mir nicht sehr gut. Ich glaubte nicht mehr ... am wenigsten an mich selbst. Dann traf ich die Nichtgenannten. Eine interessante Zeit begann und über allem stand der Glaube oder der Schmerz. Ich habe viel gelernt. Am meisten jedoch, dass ich immer an mich glauben sollte. Man kann sein eigener Gott sein, Sohn. Und dann kann man offen sein für die Götter dieser Welt. Hach, jetzt predige ich doch! Nun gut, ich will dich ruhen lassen. Morgen stelle ich dir jemanden vor. Sei gewiss, diese Bekanntschaft wird dein Leben verändern. Und nun schlaf, du kannst, wenn du dich von allem frei machst. Denke nicht, grüble nicht ... überlass dich dem Schlaf und der Ruhe. Ruhe gibt dir Kraft."
Zuletzt geändert von fremder Mann am Sonntag 2. September 2007, 18:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 2. September 2007, 19:50

Darak hustete vor sich her und rieb sich die ausgetrocknete Kehle. Zumindest dafür konnte er seine Hände noch brauchen. Er beobachtete Cendris wie dieser die Karaffe hervorkramte und ihm Apfelwein einschenkte. Er kannte den Geruch jenes so gerühmten Getränkes, doch er selbst hatte noch nie davon getrunken. In Sklaventreiberkreisen trank man eher schlechten Schnaps als den edlen Apfelwein.

Sichtlich dankbar – ja sein Körper verriet ihn – trank er vom wahrlich köstlichen Wein. Gierig nahm seine Kehle die Flüssigkeit auf.

<i>"Kastriert hab ich dich nun wirklich nicht, auch wenn es sich so anfühlen mag, mein Sohn."</i>

Es fühlte sich verdammt danach an! Priesterbeine gehörten verboten!

<i>"Es ist gut, Sohn. Niemand wird dich mehr foltern."</i>

"Hah! Als könntet ihr dies wissen! Die suchen bestimmt schon nach mir! Ich kann nicht gehen ICH KOMM HIER NICHT WEG! Die Rädern mich verdammt!“ Keuchte er panisch vor sich her und wurde nur durch seine wachsende Erschöpfung zur Ruhe gezwungen. Ausserdem war seine Stimme komplett heiser geworden und durch die Erkältung die er sich durch seine ständige Nacktheit eingefangen hatte, liess seinen Hals entzündet und schmerzend werden.

<i>“Morgen will ich dir mehr über die Nichtgenannten erzählen. Für heute ist es zu viel. Du musst schlafen.“</i>

Was waren das für Viecher? Die Nichtgenannten, warum wurden sie nicht – genannt? Was verbarg sich hinter diesen seltsamen Namen, von welchem gar dieser Priester höchste Ehrfurcht zu haben schien… und warum… wollte er ausgerechnet ihm – Darak – von ihnen erzählen? Irgend etwas daran gefiel dem Foltermeister ganz und gar nicht. Er war mit einer ziemlich grossen Portion misstrauen aufgewachsen – kein Wunder bedachte man in welchen Kreisen er sein Leben lang verkehrt hatte.

<i>“auch wenn ich weiß, dass ein Mörder im selben Zimmer schläft wie ich. Auch wenn ich bereits spürte, dass seine Hand an meiner Kehle hing.“</i>

„Ihr reicht einem Mörder Wein… ihr bietet ihm ein Zimmer an… Pater entweder seid ihr wahrlich ein verdammter heiliger, oder unendlich geblendet von falschen Geboten! Ich glaube nicht an…. Reine… Barmherzigkeit! Selbst Heiler sind nicht so! Wo steckt euer Eigennutzen häh?“

<i>“Dir wird hier nichts widerfahren, ich selbst bringe dich nicht in die Kaserne oder die Kerker zurück. Die Götter haben entschieden, dass du hier sein sollst, es kann keine Sünde sein." </i>

Darak schmunzelte sarkastisch. „Ja ihr müsst euch nicht an mir die Finger schmutzig machen, ihr könnte Alma beten Torok zu holen was?! Die Götter… DIE GÖTTER? Gar nichts haben die! ALMA hat so entschieden… nicht diese verdammten Götter!“ Er erinnerte sich an die Stille Ebene… an das Einhorn… die göttliche Heilung die er erlebt hatte. „Sie hätten mich dort schon verrecken lassen können, dann wäre ich Valrock nicht mehr begegnet.“ Murmelte er kaum verständlich vor sich her.

Als Darak trank verharrten seine zittrigen Händen auf seinem Bauch. Er hätte das Glas nicht halten können. Nein. Er liess sich vom Pater aufs Laken drücken. Es war schon ein Weilchen her, dass er sich freiwillig irgendwo hineinlegte.

Wieder zitterte sein Körper unter der Berührung. Dennoch versuchte sich Darak zu entspannen. Widerstand machte für heute keinen Sinn mehr. Er hatte keine Kraft mehr dazu. Ihm blieb kaum etwas anderes übrig als sich dem Schrei nach Ruhe zu ergeben.

Er schloss seine Augen, doch es war zu sehen wie sie sich unter den Lidern bewegten. In der Dunkelheit welche er sich selbst schaffte fanden all jene schrecklichen Bilder ihren Platz. Valrocks hämisches Grinsen. Der Hammer der auf ihn niedersauste. Die vielen Hände die ihn festgehalten hatten. Sein Helm den man entweiht hatte… und Gesichter fanden darin Platz…jene von Verstorbenen.

Darak keuchte und krümmte sich wieder zusammen. Lag so, dass Cendris ihn sehen konnte – wie er da lag und seinen Helm hielt.

<i>“Dann traf ich die Nichtgenannten. Eine interessante Zeit begann und über allem stand der Glaube oder der Schmerz. Ich habe viel gelernt.</i>

„Schmerz?.... Glaube?“ Brachte Darak gepresst hervor. Irgendwie schienen diese Begriffe für ihn… zumindest im positiven Sinn einfach nicht zusammen zu passen.

<i>“Morgen stelle ich dir jemanden vor. Sei gewiss, diese Bekanntschaft wird dein Leben verändern.</i>

Vor wenigen Stunden hatte er noch geglaubt, dass er überhaupt kein Leben mehr hatte und nun sollte er Morgen jemandem begegnen, der es verändern sollte? Ihm ging im Moment alles ziemlich schnell. Er hatte seine Unabhängigkeit komplett verloren. Es wurde über ihn verfügt, über ihn entschieden… und er selbst fand nicht die Kraft um sich zu positionieren. Alles was er noch konnte war haltloses Zeug brüllen. Er erwiderte aber nichts mehr auf Cendris Worte sondern war wahrlich dabei sich seinem Schlaf hinzugeben.

Er rührte sich nicht mehr, lag noch immer verkrümmt im Bett. Ein riesiger gehörnter Haufen… und seltsamerweise behielt er trotz seines Aussehens und trotz seines Zustandes… einwenig trotzigen Stolz. Dieses Sture… dieses unendlich Zähe… und dennoch… war jenes Bild von dem Pein durchstochen und zerlöchert, welcher an ihm nagte und ihn langsam auszuzehren drohte.

Er rührte sich nicht. Schien wie tot. Atmete flach. Hielt die Augen geschlossen. Den Helm umklammert.

Er schlief.

Es pochte. Immer wieder pochte es in seinem Knie und in den deutlich empfindlicheren Gefilden seines Körpers. Er ächzte im Schlaf und wand sich herum. Drehte sich immer wieder von der einen Seite auf die andere und verzog dabei schmerzhaft sein Gesicht.

Ja er schlief. Doch es war ein sichtlich unruhiger Schlaf, geprägt von Schmerz und schlechten Träumen. „Nicht… foltern… nein!... Busse… mhm… Elena…Andunie… Valrock.... nein nicht!... nein!... bitte… nicht… mein Helm nein!“ Immer wieder murmelte er im Schlaf und gab damit einen spärlichen Einblick in seine Traumwelt.

Der Welt der toten Gesichter, in welcher die Stimme seiner Opfer gehör fanden. Seins.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Sonntag 2. September 2007, 19:53, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 2. September 2007, 21:11

<i>"Hah! Als könntet ihr dies wissen! Die suchen bestimmt schon nach mir! Ich kann nicht gehen ICH KOMM HIER NICHT WEG! Die Rädern mich verdammt!“</i>
Wo Darak erneut Panik überkam, wenn auch schwach aufgrund seiner wachsenden Erschöpfung, da blieb Vater Cendris wieder ruhig. Schweigend saß er auf seinem Bett, prägte sich die Worte seines Gastes ein. Dieser war mehr als verstört. Grausame Schrecken, wie Alma sie wohl niemals hätte schildern können, mussten diesem Mann widerfahren sein ... diesem Mörder.
<b>Ich urteile nicht. Die Götter werden ihn strafen oder haben es bereits getan. Und nun prüfen sie ihn und mich.</b>

<i>"Ihr reicht einem Mörder Wein… ihr bietet ihm ein Zimmer an… Pater ... Wo steckt euer Eigennutzen häh?"</i>
Cendris betrachtete seinen Schützling. "Als guter Priester sollte es mir nicht mal im Traum einfallen, einen Nutzen daraus zu ziehen. Allerdings ... ich habe ja nichtmal einen festen Gott für mich auserkoren. Ich bin noch auf der Suche, daher darf ein wenig Eigennutz wohl ruhig erlaubt sein. Ich helfe dir, weil mich ein anderer Mensch darum gebeten hat. Alma wünscht, dass du hier bist. Sie sprach davon dir zu helfen, weil es dir wirklich nicht gut geht. Und mein Nutzen liegt darin, so viele Seelen zu unterstützen wie es geht, vor allem, wenn es ihnen nicht gut geht."
Er schwieg einen Moment und schaute Darak an. Dann lächelte er und hob theatralisch die Hand an die Stirn. "Ich weiß, ich bin ja so ein Schandfleck für die Tempelgemeinde." Cendris lachte. Er mochte ruhig sein, aber er besaß Humor.

Darak ließ sich schließlich hinbetten, sogar zudecken, aber das bekam er wohl kaum noch mit. Er trübte ein und auch der Priester kehrte in sein Bett zurück.
Stille kehrte ein. Es war angenehm ruhig. Die Nacht musste hereingebrochen sein, denn im Tempel wurden viele Lichter gelöscht. Nur noch einige wenige besuchten die heiligen Hallen. Es waren immer mindestens zwei Priester auf, um sich um Bedürftige zu kümmern. Jetzt war die Zeit der Obdachlosen und Hungrigen, die im Tempel um ein wenig Mitleid der Götter beteten. Oft zeigte sich dieses als eine warme Suppe von den Priestern. Mehr konnte man für diese armen Seelen kaum tun.

Vater Cendris lag auf seinem Bett. Für eine Weile hatte er die
Augen geschlossen. Auch ein Priester brauchte Schlaf, aber Cendris döste nur. Entspannt lehnte er seinen Kopf auf die dahinter verschränkten Unterarme. Und dann nahm die Ruhe jäh ein Ende.

<i>"Nicht… foltern… nein!... Busse… mhm… Elena…Andunie… Valrock.... nein nicht!... nein!... bitte… nicht… mein Helm nein!"</i>
Daraks Worte und sein Herumgewälze weckten den Priester aus seinem Halbschlaf. Er gähnte kurz, streckte sich bedächtig und in einer einzigen fließenden Bewegung. Dann erhob er sich aus dem Bett, um an das von Darak heran zu treten. Er schaute auf den Mann nieder, der sich unruhig hin und her wälzte. Einen Moment lang dachte der Priester nach. "Ich habe es nie für nötig gesehen, auch dieser Göttin zu huldigen. Eine harte Aufgabe." Vater Cendris ging in die Knie. Er kniete sich an Daraks Bett und faltete die Hände. "Oh Manthala, du weißt, ich bin keines deiner Kinder. Aber hier knie ich nun und erbete deine Hilfe. Nicht mir sollst du gnädig sein, sondern einem Gast in meiner Zelle. Du bist Herrin der Nacht, schenke ihm einen gesegneten Schlaf. Ein Priester betet zu dir."

Ob Manthala den Mann erhörte? Noch zeigte sich kein göttliches Zeichen, alles blieb still – bis auf Darak, der sich in seinen Albträumen wälzte.
Vater Cendris setzte sich neben das Bett. "Bis Manthala uns hilft, falls sie gewillt ist, muss es ein anderer Glaube tun." Der Priester legte eine Hand gegen Daraks hin und her rollenden Helm. Leise sprach er, versuchte, zu ihm durch zu dringen. "Was immer dich quält, du weißt, warum diese Träume da sind. Du weißt wohl, wer dafür verantwortlich ist. Und wer immer es ist, du weißt, du kannst es akzeptieren, selbst wenn du dahinter steckst. Es ist Teil deiner Geschichte und sei sie auch auf schwarzes Pergament und mit dem Blut anderer geschrieben, es ist deine Geschichte. Du bist stark, du stehst darüber. Du kannst es akzeptieren. Glaube. Glaube an ... dich."

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Montag 3. September 2007, 02:14

Während der Pater für Daraks Schlafruhe betete hatte dieser ganz andere Besucher bei sich, die ihm nicht so freundlich gesinnt waren wie Cendris. Brundgar schien in diesen heiligen Gemäuern so präsent wie nirgendwo sonst zu sein. Er, sein erstes Opfer, war damals nach 14 Jahren Haft in der Eisenmine verstummt. Offenbar hielt er seine Vergeltung für gegeben. Seit jenem Tag, hatte er sein Gesicht, seine Gestalt und jene tote Stimme nie wieder vernommen. "Na… Bruder… bist du zurückgekehrt… in die Hallen die dir verwehrt bleiben sollten? Welche Sünde begehst du eigentlich nicht Freund? Holst mich aus der Ruh zurück… weil du meinen Bann gebrochen hast.“

Brundgar selbst erschien ihm vor Augen. Der Mönch trug seine Kutte, doch seine Augen waren nur noch schwarze Höhlen, sein Gesicht eingefallen und teilweise Verwest und den Schädel eingedellt von einem wohlbekannten Kerzenständer. Brundgars knochige Hand fuhr unter seine Kutte. Er zog ein Buch hervor und öffnete es. Es zeigte jenes Wort, dass auf Daraks Nacken eintätowiert war. Das Zeichen der Verdammten. Er stierte den Verdammten mit seinen hohlen Augen an. „Dein Zeichen! Dein Mal! Und nun liegst du hier in der Zelle eines Bruders?! Verstossener! Schmoren sollst du in Faldors Reich! Von den irdischen Urteilen kannst du vielleicht entfliehen… doch ich und meine Freunde… die uns alle deine Morde verbinden und uns zu einer Gemeinschaft machen… wir werden dich in der Ewigkeit auf dein Urteil hinführen und uns immer und immer wieder an deiner Folter laben… Bruder… du trägst eine tödliche Liste mit dir rum… wir hingegen… sind 41 und nur einen Namen brauchen wir auf unserer. Deinen. Darak… Luthrokar…“ Brundgar lächelte und hinter ihm tauchten weitere Gestalten auf die immer wieder seinen Namen murmelten.

Darak wälzte sich im Bett umher. Brundgar und die anderen Gestalten schauten plötzlich auf… lauschten. Auch Darak lauschte.

<i>"Was immer dich quält, du weißt, warum diese Träume da sind. Du weißt wohl, wer dafür verantwortlich ist.</i>

Brundgar grinste und starrte Darak an. „Na… weisst du es Verdammter? WER Verantwortlich ist?“ Darak nickte im Traum. Natürlich wusste er es. Er selbst war es und sie quälten ihn, weil sie nach Vergeltung lechzten. Urteile forderten, strafen und dabei erschien ihnen ein pelgarischer Keil als wesentlich zu milde. „Soll dein Bein… verrotten… sollen die Götter selbst dafür sorgen, dass es erst heilt… nur um danach elendig zu verfaulen. Soll es kalt wie Eis werden und schwarz… wie Faldors düsteres Auge.

<i>Und wer immer es ist, du weißt, du kannst es akzeptieren</i> „Ihr wollt mein Bein haben?“ Die Gestalten lachten auf. „Nein… wir wollen sie beide… und deine Organe und alles was lebt an deinem Körper… aber am wichtigsten… ist uns dein Seelenheil… DAS wollen wir haben. Doch um dies zu bekommen… werden wir mit deinem Bein beginnen!“

<i>Es ist Teil deiner Geschichte und sei sie auch auf schwarzes Pergament und mit dem Blut anderer geschrieben, es ist deine Geschichte.</i>

Samantha – das kleine andunische Mädchen drückte sich aus der Masse und kam auf Darak zu. Es hockte sich vor ihn und legte den Kopf schief. „Genau so wie das hier… teil deiner Zukunft werden wird. Ein Dolch blitzte auf und das Mädchen stach dem Foltermeister ins gebrochene Knie.

Schmerz strahlte durch sein Bein. Es war jener den er schon die ganze Zeit hatte. Doch im Traum verband sich jene Empfindung mit der Gestalt des Mädchens – eine Illusion – eine Täuschung… doch für ihn in jenem Moment schrecklich real. Die Geister existierten nicht und doch fanden sie in seinem Wesen platz. Jene Hirngespinste waren das Resultat seiner jahrelangen Verdrängung. Irgendwann jedoch war sein Unterbewusstsein nicht mehr bereit gewesen, jene Erlebnisse einfach zuzumauern und so fanden seine Taten in Form von Geistern ihre Position in Daraks Gewissen. Darak war nicht verrückt – durchaus nicht… in seinem Geist war lediglich ein Mechanismus – der ihn einst zuverlässig vor seinem Gewissen abgeschottet hatte instabil und fehlerhaft geworden. Je labiler Daraks seelischer Zustand war, umso mehr verselbstständigten sich die „Geister“ und nun waren sie mächtiger als je zuvor. Denn Daraks innerstes, lag völlig offen.

Darak krümmte sich zusammen und schrie auf, hielt sich sein Knie während Samatha vor seinem schlafenden Auge immer wieder ins Knie stach. „Du verdammte…. Elendiges…. Kind!..... Drecksgör! Aufhören!“ Samantha schrie – wie sie in dem Haus damals geschrieen hatte und Darak packte das Kind, packte es an der Kehle und drückte zu… brachte sie zum schweigen… wie jetzt im Traum. „Schweig… schweig… so… ist… gut…“ Keuchte er im Schlaf und langsam wurde er ruhiger. Mörderische Ruhe. Die Ruhe welche man hatte, nachdem man gemordet hatte.

<i>Du bist stark, du stehst darüber. Du kannst es akzeptieren. Glaube. Glaube an ... dich."</i>

Darak starrte auf seine Hände… sie bluteten plötzlich – nein waren durchtränkt von Blut. „Meine… Hände…“ Ja… es waren seine Hände.

Ja. Er war Mörder.

Er wusste dies.

Doch wie sollte er dies Akzeptieren?

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Montag 3. September 2007, 13:08

Als Daraks Schrei die Zelle durchbrach wie ein Rammbock das Tor zur Stadt und als er sich zusammenkrümmte, um nach seinem Knie zu packen, riss es Vater Cendris aus seinen beruhigenden Erzählungen hoch.
Nicht schnell, sondern einen kühlen Kopf bewahrend stand der Priester auf. Er packte bedächtig Daraks Handgelenke. Der Mann im Bett verkrampfte seine Finger gerade um das Knie, die Schiene klirrte bereits und würde wohl brechen, wenn er weiter machte. Doch Darak ahnte ja nicht, dass er träumte. Es war alles so real, so wirklich ... auch die Schmerzen, die Samantha mit ihren Dolchstößen in sein Knie verursachte. Pulsierender Schmerz. Warum wachte er dadurch nicht auf? In Träumen gab es keinen Schmerz. Wenn dieser kam, erwachte man meist durch einen Ruck. Wo blieb der Ruck, der Darak weckte, warum spürte er den Schmerz?

"Oh, ich weiß, warum ich nie zu dir bete, hinterlistiges Weib. Du hast ihm Träume nach <i>deinem</i> Geschmack geschickt. Ich sollte meine Gebete an dich wohl besser formulieren – sollte ich jemals wieder eines an dich schicken."
Vater Cendris drückte auf gewisse Stellen an Daraks Handgelenken. Inzwischen keuchte dieser, schimpfte über ein Drecksgör und wurde dann langsam wieder ruhiger, als sich seine Finger endlich lösten und der Schmerz nachließ.

<i>"Schweig… schweig… so… ist… gut…"</i> Sein Atem kam stoßweise. Ein anstrengender Albtraum, der glücklicherweise sein Ende fand. <i>"Meine ... Hände ..."</i>
Darak musste die Taubheit seiner Hände auch im Traum spüren. Cendris hatte die Blutbahnen mit gezieltem Druck an bestimmten Punkten für einen Moment unterbrochen. So lösten sich die Nerven und das Opfer hatte den Eindruck, betäubt zu sein. Dieser Zustand würde jedoch nicht länger als ein paar Minuten anhalten. Eben nur solange bis die Blutzirkulation sich wieder in den alltäglichen Zustand zurückversetzt hatte.
"Dieser Mann hat die Nichtgenannten dringend nötig", murmelte Cendris vor sich her. Die ganze Nacht lang hielt er an Daraks Bett Wacht.

Als Daraks Sinne den neuen Tag begrüßten, war das erste, was er sah, eine gewaltige fleischfarbene Masse. Sie packte nach ihm. Wollte sie ihn verschlingen?
"Gut, dass Ihr eingegriffen habt, Vater. Er SOLL sich nicht ans KNIE fassen. Und auch nicht an die Beine. Seltsam nur, dass er nach seinem geschienten Bein gegriffen hat. Das andere Knie ist nämlich auch kaputt." Das war Alma. Sie hockte am Bett und untersuchte ihn. Er spürte, wie sie seine Beine abtastete. Er roch seltsame Düfte, die ihm in die Nase stiegen. Sie kamen von seiner eigenen Haut. "Jetzt sollte ich wohl aussehen wie DER DA, was?" Alma lachte. Ihre Speckmassen hüpften auf und ab. Wen meinte sie?
"Mit DEM Teil würde ich die Wundpaste auch nicht riechen." Ein heiteres Lachen von Vater Cendris war zu hören, aber Darak konnte den Priester nicht sehen. Alma nahm einfach zu viel Platz in seinem Leben ein.

"Oh, er ist ja WACH", sagte sie, als sie Daraks müde Lider blinzeln sah. "Wie geht es dir heute? Hab gehört, du hast schlecht geträumt. Siehst auch ziemlich ... um es freundlich auszudrücken ... ziemlich scheiße aus." Alma schlug in Anbetracht der Tatsache, dass sie eben in einem Tempel geflucht hatte, ein göttliches Zeichen – oder das, was man wohl eher einen Versuch ein göttliches Zeichen zu schlagen nennen konnte. Ihre Wabbelfinger schwirrten einfach nur einmal schnell durch die Luft.
Dann kümmerte sie sich weiter um die Versorgung ihres Patienten. "Du musst mehr trinken ... und Essen. Hat der heute schon was bekommen? Wenn er nicht isst, dann kann hier auch nichts heilen. Wo soll der denn die Kraft hernehmen?"
"Er wird gleich eine Mahlzeit erhalten", antwortete Cendris. "Zunächst möchte ich ihn aber noch mit einem anderen Gast in unseren Hallen bekannt machen."

Alma erhob sich. Ihre Tasche knallte beim Schwung beinahe gegen Daraks Kopf, aber glücklicherweise hielt sie sie gerade noch hoch genug. Das dicke Wunder stapfte zur Seite – wie passte ein solch Koloss von Fett überhaupt noch in die Zelle hinein? – und gab den Blick auf eine Darak fremde Gestalt frei.

<img src="http://i140.photobucket.com/albums/r21/ ... /npc02.jpg">

Es handelte sich um einen Mann, soviel konnte er anhand der Statur des Fremden erkennen und auch an seinen Händen. Sie waren groß, klobig, eben nicht so fein wie die einer Frau – mit Ausnahme von Almas Geschwülsten.
Er trug eine einfache weiße Kutte mit Kapuze, die in der Hüfte durch eine ebenso weiße Schärpe zusammen gehalten wurde. Es war kein reinliches Weiß. Darak erkannte hier und da Flecken von abgewaschenem Schmutz auf der Kutte und an manchen Stellen wirkte sie schon etwas zerschlissen. Aber noch tat sie ihren Zweck. Darunter trug der Mann offenbar Schwarz, denn ein kleiner Teil lugte zwischen den Kuttenhälften hervor.
Doch sein Gesicht konnte sich Darak nicht einprägen. Der Fremde trug eine Maske aus purem Metall – Messing oder Kupfer musste es sein. Sie besaß eine menschliche Gesichtsform, kleine Atemlöcher an der Nase, aber der Mund zeigte sich nur als dünne eingeprägte Linie. Aus schwarzen Augenhöhlen schaute der Fremde heraus. Seine Pupillen waren nur als leichtes Glimmen zu erkennen.
"Das ist ein Nichtgenannter, Darak", stellte Vater Cendris den Fremden vor. Dieser stand auf und seine Bewegung war ein einziger Fluss. Wie Wasser schlängelte er sich geschmeidig an jedem Hindernis vorbei und erreichte sein Ziel. Nun stand er vor Darak, spähte mit seiner unheimlich wirkenden Maske auf ihn herab. Dabei mochte Darak im Stand sicher einen ganzen Kopf größer sein als diese Figur.
"Darak Luthrokar." Die Stimme des Nichtgenannten klang blechern und besaß ein leicht hallendes Echo. Grund dafür war natürlich die Maske. "Man sagte mir, du kennst dich mit Schmerzen aus."

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Montag 3. September 2007, 16:14

Der Traum nahm seinen unruhigen Verlauf, doch langsam verstummten die Stimmen und Brundgar sowie die anderen Geister die ihn nächtens Heimsuchten, verschwanden im Dunkel seiner Sinne. Überliessen der Leere ihren Platz, die wie ein stummer Begleiter jener Mörderseele in seinem Bewusstsein verharrte und sich allmählich weiter ausbreitete. Nur der pulsierende Schmerz hallte in seinem Innersten nach. Dumpf und beständig. Dennoch lösten sich seine Hände von seinen Knie und er verharrte bis zum Morgengrauen, als seine Sinne wieder die Aussenreize empfingen und er langsam und ziemlich gemartert erwachte. Müde schlug er seine Augen auf und sah diesen Turm wandelnder Masse vor sich hocken.

Er rümpfte die Nase, irgendwas stank hier nach Medizin und es war zu seinem erschrecken nicht Alma sondern etwas das an seinen Beinen pappte. „Was ist das?“ Fragte er und bäumte sich auf. Starrte sein gebrochenes Knie an – respektive was davon übrig war. Valrock hatte ganze Arbeit geleistet, beim letzten Mal hatte er ihm lediglich den Knochen zertrümmert und nicht das Gelenk.

<i>"Gut, dass Ihr eingegriffen habt, Vater. Er SOLL sich nicht ans KNIE fassen. Und auch nicht an die Beine. Seltsam nur, dass er nach seinem geschienten Bein gegriffen hat. Das andere Knie ist nämlich auch kaputt."</i>

„Auch kaputt.“ Murmelte er ihr müde nach und sah die Heilerin an. „Ich kann nicht gehen.“ Seufzte er wieder ab dieser unheilvollen Tatsache. Zeit war für Darak ein schwerer Begriff, er war wohl in seiner Folter geduldig und äusserst ausdauernd, doch sein eigener Körper hatte einfach zu funktionieren, basta! Ja vielleicht war Lichtmagie eine Option, doch Licht, war Lysanthor untertänig und Darak war sich sicher, dass der ihm bestimmt nicht helfen würde.

<i>„Jetzt sollte ich wohl aussehen wie DER DA, was?"</i>

Darak stöhnte auf und begann sich die Handgelenke zu reiben, von was sprachen die beiden nur? Er hatte keine Ahnung und sah auch nicht viel ausser Almas riesige unebene Flanke, die sich in mehrere Schichten teilte. Unter diesen Hautfalten musste wohl die ewig währende Finsternis herrschen.

<i>"Wie geht es dir heute? Hab gehört, du hast schlecht geträumt. Siehst auch ziemlich ... um es freundlich auszudrücken ... ziemlich scheiße aus."</i>

Wie es ihm ging? Er fühlte sich so wie man sich eben fühlte wenn einem der Körper versagte. Almas Bezeichnung passte wunderbar. Darak fühlte sich wie ein Pilz auf einem Kuhdreck. Genau. Alles um ihn herum war prinzipiell ärgerlich. Er befand sich in einem GOTTESHAUS! Noch immer wollte er sich einfach nicht wohl fühlen in dieser Zelle, obwohl… gab es überhaupt noch einen solchen Ort wo er dies konnte? Höchstens bei Elena… vielleicht. Wo war sie nur? Er sehnte sich nach ihrem Feuer, welches sein Herz entfachen konnte, denn nun schien es nur noch Asche zu sein. Darak seufzte. War in seinen eigenen Gedanken gefangen und hörte den Anderen nur bedingt zu. Obwohl Almas wuchtige Stimme kaum zu überhören war und dann wollte man ihm immer weiss machen, dass ER laut war. Obwohl Almas Stimme… war wohl eher füllig als laut.

Er zog scharf die Luft ein als Alma seine Beine berührte. Er verzog schmerzhaft sein Gesicht und ächzte. Dem Bein ging es deutlich schlechter, zu oft hatte er es bewegt und überbelastet. Er war nicht gerade sonderlich gut darin, seine eigene Gesundheit zu fördern.

„Es… ist kaputt.“ Säuselte er wieder. Damals, als er in den Eisenminen gewesen war und ihn seine Beine nicht getragen hatten, sprach er diesen Satz auch mehrmals aus. Doch damals war er alleine gewesen und seine Mithäftlinge hatten jenen Umstand schamlos ausgenutzt. Gebrochene Beine zu haben war dort gleich einem Todesurteil und dieses Empfinden suchte ihn auch jetzt wieder heim. Ja, die Verletzung zerrte an ihm.

<i>"Du musst mehr trinken ... und Essen. Hat der heute schon was bekommen? Wenn er nicht isst, dann kann hier auch nichts heilen. Wo soll der denn die Kraft hernehmen?"</i> Er grummelte nur etwas Unverständliches vor sich her. Ihm war gar nicht nach Essen. Irgendwie war ihm der Hunger gänzlich vergangen. Er fühlte sich nicht gut, war ausgelaugt und in der Stimmung mehr als nur gedrückt. Er hatte andere Sorgen als das Essen.

<i>"Zunächst möchte ich ihn aber noch mit einem anderen Gast in unseren Hallen bekannt machen."</i>

Darak verdrehte genervt seine Augen, jetzt war er erst seit zwei Minuten wach und nun brachte Cendris ihm noch mehr Priester her?

Beinahe hätte Alma ihn mit ihrer Tasche erschlagen, doch als sie ihm den Blick auf den Fremden freigab erstarrte Darak im Bett. Er musterte ihn. Seltsame Gestalt. Weiss gekleidet und maskiert, doch es war nicht das Äussere dieses Mannes, die Darak frösteln liess, sondern eher die Art und Weise wie er sich bewegte. Cendris konnte man schon als Ruhig bezeichnen, doch dieser Mann schien die Stille selbst zu sein. Darak war verwirrt, er kannte keine Priester die sich so kleideten, zwar trugen einige wenige bei gewissen Ritualen Masken, doch nicht wenn sie einem anderen Mönch… oder einem Mörder begegneten. Er hob verdutzt eine Augenbraue und er ahnte bereits, was Cendris kurz darauf aussprach. Das war also ein „Nichtgenannter.“

Dieser näherte sich ihm und aus seiner liegenden Position aus kam sich Darak winzig und unterlegen vor. Deshalb hockte er sich mühsam im Bett auf und starrte dem Mann entgegen.

<i>"Man sagte mir, du kennst dich mit Schmerzen aus."</i> Verwirrt schaute er den Fremden an. „Ich bin… Meister… was das anbelangt… in jeglicher Beziehung… Warum fragt ihr Herr?“ Antwortete der gefolterte Foltermeister. Nervös suchte er den Augenkontakt mit Cendris. Er wusste nicht recht was er von dem Fremden halten sollte. Er wusste nur, dass Cendris den grössten Respekt vor ihnen hatte… und er wusste auch dass sie für seine Juwelenschmerzen verantwortlich waren, er war absolut nicht in der Position für Widerreden und Störrigkeit, dies begriff sogar er.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Dienstag 4. September 2007, 02:51

<i>"Auch kaputt. Ich kann nicht gehen."</i> Alma schaute ihre Patienten an. Irgendwie wirkte sie brummig. Leise maulte sie. "Wärest du mal geduldig und würdest RUHIG halten, dann würde es schneller heilen. Jetzt muss der gaze Prozess von vorn beginnen!" Dann stand sie auf und Cendris stellte den Nichtgenannten vor. Natürlich nannte dieser keinen Namen, das wäre witzlos gewesen. Nein, er kam nur zu Darak ans Bett, stand vor ihm und fragte, ob er etwas von Schmerz verstand. Ehrfürchtig antwortete Darak. Ob es den Nichtgenannten zufrieden stellte, konnte er nicht deuten. Eine Maske besaß keine Mimik.

<i>"Ich bin … Meister … was das anbelangt … in jeglicher Beziehung … Warum fragt ihr, Herr?"</i> Daraks Augen flogen zu Cendris. Dieser nickte und zwinkerte ihm zu. Er war so geheimnisvoll wie der Nichtgenannte selbst.
Der Nichtgenannte drehte sein maskiertes Gesicht zu Alma. "Er braucht Nahrung und Wasser." Alma stampfte davon. "Ich weiß schon, Vater!", winkte sie ab, obwohl sie vor kurzem selbst noch nach beidem verlangt hatte. So war sie eben. Immer für den Patienten da, wenn dieser ein potentieller Nierenspender war.
Cendris folgte ihr dennoch. Er schaute noch einmal zum Nichtgenannten. "Ihr kommt zurecht, mein Freund." Die Maske nickte. Der Priester verschwand, folgte Alma.

Der Nichtgenannte drehte den Kopf wieder zu Darak. "Ich gehöre einem Orden an. Wir alle sind namenlos, deshalb kannst du mich nur als Nichtgenannter ansprechen." Er zog sich einen Hocker heran und ließ sich darauf nieder. Jede Bewegung ein Fluss. Makellos und perfekt – und das mit einer Ruhe, die Darak ansatzweise bei Vater Cendris gesehen hatte.
"Cedris ist ein Freund. Er lernte im Orden ... bei meinem Lehrmeister. Das ist lange her und nun bin ich der Lehrer. In unserem Orden ist noch ein Platz frei für einen neuen Schüler. Ich kam in den Tempel, auf der Suche. Cendris half mir. Er empfiehlt dich und seine Wahl scheint gut, Meister des Schmerzes. Willst du mit mir kommen und den Orden kennenlernen? Wir ... beschäftigen uns mit Schmerz."

Alma und Vater Cendris kehrten zurück. Die Heilerin trug ein Tablett mit Schüssel. Darin dampfte ein seltsamer Brei. Der Priester brachte eine Karaffe mit Wasser.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Dienstag 4. September 2007, 12:30

Darak war ja im Grunde ein Mann gewesen, der sich kaum vor etwas fürchtete (respektive so tat als wäre es so) und durchaus in der Lage war sich selbst zu behaupten und zu verteidigen. Dennoch gefiel es ihm in jenem Moment überhaupt nicht, dass ihn Cendris und gar Alma mit diesem seltsamen Maskenmensch der keinen Namen trug alleine liess.

Er war unbewaffnet, verwundet und in einer Mönchszelle! Ausserdem schien dieser Kerl über ähnliche Kräfte zu verfügen wie Cendris – und die waren nicht gerade angenehm gewesen. Er versuchte seine Beine anzuziehen um nötigenfalls einen Sprung aus dem Bett wagen zu können – ein völlig unrealistisches Unterfangen was ihm auch gleich durch einen einschiessenden Schmerzimpuls bewusst wurde. Sein Knie liess sich mittlerweile keinen deut mehr bewegen.

Der Fremde zog einen Hocker zu seinem Bett und liess sich darauf nieder. Irgendwie beruhigte dies den Foltermeister, denn so kam ihm der Kerl nicht mehr so übermächtig vor –wie ein Mensch automatisch wirkte, wenn man zu ihm hoch schauen musste. Er musterte die Gewandung des Mannes und war überrascht, als er die vereinzelten Flecken sah. Normalerweise achteten Mönche oder Priester aufs penibelste genau auf ihre Küttchen damit die auch ja keinen Fussel einfingen. Dies ging eben, solang sie sich in ihren Tempeln verschanzten und sich vor der Aussenwelt abschotteten um in ihren Büchlein zu schwelgen und unbedeutenden Göttermist zu lesen.

Die Bewegungen des Fremden… einzigartig. Schon Cendris bewegte sich so doch dieser Mann schien jene Art der Fortbewegung perfektioniert zu haben. Im Vergleich zu ihm war Darak ein nervöses unruhiges und sich abgehakt bewegendes Wrack. Passend wohl zu seinem Charakter, der manchmal ebenfalls solche Züge aufwies.

<i>Ich gehöre einem Orden an. Wir alle sind namenlos, deshalb kannst du mich nur als Nichtgenannter ansprechen."</i>

Darak runzelte die Stirn. Er hatte noch nie etwas von einem Orden der Nichtgenannten gehört, nun gut er verkehrte ja zugegebenermassen schon lange nicht mehr in Mönchskreisen, dennoch schien ihm deren Auftreten mehr als Fremdartig. Er versuchte in die glühenden Augen dieses Wesens zu blicken und fragte sich insgeheim, ob dieser Mann überhaupt ein Mensch war.

<i>"Cendris ist ein Freund. Er lernte im Orden ... bei meinem Lehrmeister. Das ist lange her und nun bin ich der Lehrer.</i>

Interessierte ihn dies wirklich? Wo Cendris in seinem Leben was tat? Obwohl… der Priester war also auch ein Nichtgenannter? Er schien sich jedoch irgendwie nicht mehr dazuzuzählen. Nein… es interessierte ihn nicht! Obwohl… na ja wenn er schon mal hier rumlag… er hörte weiterhin zu.

<i>In unserem Orden ist noch ein Platz frei für einen neuen Schüler. Ich kam in den Tempel, auf der Suche. Cendris half mir. Er empfiehlt dich und seine Wahl scheint gut, Meister des Schmerzes.</i>

Wo war er da bloss hineingeraten? Nun wurde er schon von Mönchen für irgendwelche Schmerzorden empfohlen! Er kam sich vor wie in einem schlechten Hospital. Was waren das für Leute die sich mit Schmerz befassten und was für Schmerzen? Welcher Art davon? Er verstand sich schliesslich in beiden, anderen welche zufügen wie auch selbst welche zu empfinden. Doch musste er sich nun auch noch damit beschäftigen? Schmerz war einfach sein Lebensbegleiter gewesen. Wie ein guter Bruder der manchmal jedoch zu Übertreibungen neigte und ihn selbst angriff. Schliesslich war Schmerz als Foltermeister lange Zeit sein Kapital gewesen. Jene Fähigkeit diese Empfindungen gezielt in einem Menschen zu entfachen um Information zu entlocken, sicherte ihm einstweilig sein Lebensunterhalt.

Doch seid er in der Stillen Ebene auf Elena getroffen war und sein Leben eine unglaubliche Wendung nahm, hatte er den Schmerz beinahe ausschliesslich nur noch selbst Empfunden. Körperlicher und Seelischer und nun, hier in diesem Tempel, war er mittlerweile davon zerfressen.

<i>Willst du mit mir kommen und den Orden kennenlernen? Wir ... beschäftigen uns mit Schmerz."</i>

Darak war sich nicht sicher ob er sich wirklich in die Kreise dieser Juwelentreter begeben wollte, doch die Aussicht wenigstens aus diesem Gotteshaus verschwinden zu können war durchaus verlockend. Doch er, Darak Luthrokar, im Status eines Schülers zu sein, ein seltsamer Gedanke. Zudem war er sich nicht sicher ob er diesem Kerl trauen konnte. Egal wie freundlich ihn Cendris auch bei sich aufgenommen hatte, er war und blieb ein Mönch. Misstrauisch betrachtete er den Fremden – es war schwierig ihn einzuschätzen aufgrund der Maske.

Er sah auf als Cendris und Alma eintraten. Darak starrte auf sein Bein und dann zu Alma. „Kann sie mitkommen?“ Er glaubte selbst nicht, was er da eben gesagt hatte, doch es erschien ihm als wichtig. Alma war offensichtlich die einzige Person die sich um sein Bein zu kümmern wusste und jenes Körperteil wollte er nicht als verfaulenden Stummel wissen. Instinktiv fasste er sich wieder ans Knie und damit direkt in die Paste hinein. Er verzog sein Gesicht und schnupperte Darak ehe er seine Hand – anständig wie er war – am Laken abputzte.

„Euer Orden beschäftigt sich also mit Schmerz? Zu welchem Zweck? Wem dient ihr? Was ist euer Ziel?“

Darak hatte tatsächlich wieder etwas Mut gefasst und dies zeigte sich sofort dadurch, dass er sich wieder misstrauischer und bockiger verhielt. Er hatte lange genug dies getan was andere gewollt hatten.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von fremder Mann » Dienstag 4. September 2007, 16:03

Darak lauschte den Worten des Nichtgenannten mehr oder weniger aufmerksam. Diesem Ordensmitglied entging es nicht. Wie konnte Darak auch ahnen, wen er denn da vor sich hatte. Der Maskierte saß still da, nichts war aus seiner Miene zu schließen, war sie doch von dem Kupfergesicht verdeckt. Auf der anderen Seite der Maske jedoch stand volle Konzentration, paarte sich mit Aufmerksamkeit.

<b>Er versteht viel vom Schmerz. Seine Beine ... das eine offenbar gebrochen, das andere sieht auch nicht sehr gut aus. Höllenschmerzen ... Pein ... und er gibt nicht einen Laut von sich. Ich respektiere diesen Mann, den Cendris Mörder und Folterknecht nennt.</b>

Darak sagte kein Wort. Erst als Alma und der Priester wieder in die Zelle einkehrten, fragte er, ob Alma mitkommen könne. Die dicke Masse, dieser Berg an Fett hob kleine Gletscher über den Augen hoch und runzelte sie. Menschen konnten in diesem Stirnrunzeln zu Tode kommen. "Ich soll WOHIN mit?! Ich geh NIRGENDWOHIN. Ich muss zum Hohen Rat und mich darüber AUFREGEN, unter welchen Bedingungen ich ARBEITEN musste!" Auf Almas wulstiger Stirn pochte eine Vene – ob Fett heraus spritzte, sollte sie platzen?
Der Nichtgenannte war mit einer einzigen, grazilen Bewegung aufgestanden. Eine Hand wies einladend auf die Sitzgelegenheit. Alma ließ sich wie ein Sack Getreide darauf fallen. Der Hocker dankte es ihr mit einem bedrohlichen Ächzen und Knarren. Alma griff zu einem Löffel. "Mund auf", brummte sie Darak an und tunkte den Holzlöffel bereits in den dampfenden Brei. Dann schob sie ihn vor Daraks Mund. "Mach den MUND auf!", donnerte ihre Stimme noch einmal durch die Zelle.

Vater Cendris füllte Daraks Becher bis zum Rand mit Wasser. Nicht ein Tropfen ging daneben! Dies fiel dem verdammten Mönch schließlich auf. Cendris musste zu den Nichtgenannten gehören. Warum nur machten sie alle so große Geheimnisse aus dem Orden? Er besaß nicht einmal einen Namen – wie seine Mitglieder.
Der Maskierte stellte sich neben Alma. Er war eine Statue. Nicht einmal seine Gewandung raschelte. Kerzenlicht warf tanzende Schatten auf sein Kupfergesicht.
"Darak Luthrokar wird Schüler des Ordens. Vielleicht schlage ich ihn als vollständiges Mitglied vor, wenn er sich erweist."
Alma rümpfte die Nase. "Und ich soll mitkommen. Das wird hier wohl einfach ÜBER MEINEN KOPF WEG entschieden. Ha! Was will ich bei DEM?! Wenn Valrock ihn nicht SO zugerichtet hätte, wär er gar nicht hier. Ich hab ihn mitgehen lassen, weil ich einen Beweis vorm Hohen Rat brauche. Er ist ein Verbrecher, ein Mörder! Er hat Menschen getötet und das eiskalt. Warum solltest ihr solchen Dreck bei euch aufnehmen?!"

Einen Moment herrschte Schweigen. Alma war direkt, sehr direkt. Und sie sagte sofort, was sie von Fremdne hielt – zumindest, wenn es sich um ihre Patienten handelte. Sie scherte sich einen Dreck um ... um Dreck wie sie. Vermutlich musste sie das auch. Welche Heilerin ertrug es sonst wohl, wenn sie wusste, dass sie Menschen zusammenflickte, die mit ihren Händen das Leben anderer genommen hatten; die andere gequält, ausgeraubt, vergewaltigt oder gefoltert hatten?
Es war ein eigener Schutzmechanismus. Pflichtbewusstes Handeln aber keinerlei Aufbauen einer Beziehung, die nicht aus Verachtung bestand, war wie Daraks Helm. Alma trug einen unsichtbaren Helm, geformt aus ihren Worten und kaltem Gefühl gegenüber zu behandelnten Verbrechern. Der Helm besaß jedoch einen Riss, durch den sich das Individuum namens Darak Luthrokar zwängte.

Der Nichtgenannte beugte sich zu Alma herunter. "Gute Heilerin. Es ist nicht der Wunsch des Ordens, dass Ihr Eure Heimat verlasst. Es ist der Wunsch eines Schülers, der Euch braucht. Seht seine Beine an. Ich werde ihn nicht bis zu meiner Gemeinschaft tragen können. Hier braucht es eine hilfreiche Hand."
Er zückte einen Beutel, stülpte ihn über Almas Hand aus, die er in die seine nahm und mit der Handfläche nach oben ausstreckte. Der Nichtgenannte schüttelte das Beutelchen. Darin klimperte es verheißungsvoll, jedoch gelang es ihm, eine einzige Münze aus dem Säcklein in Almas Hand fallen zu lassen.
"Eine hilfreiche Hand, in die ich bereit bin, Gold zu geben." Alma schaute auf die Münze. Ihre fette Pranke schloss sich darum. Sie führte das Goldstück zum Mund – wollte sie es etwa essen?! Sie biss darauf!!!
"Das Gold ist echt", brummte sie und packte es weg. Ein Seufzen entrang sich ihrer Kehle, quetschte sich durch Fettpolster hindurch. "Ohne meinen Räderstuhl kommt Darak ohnehin nicht weit. Und DEN überlass ich nicht einfach einem dahergelaufenen Kerl, der sich hinter einer MASKE versteckt. Auch wenn Ihr ein Freund von Vater Cendris seid! Ich MUSS ja mitkommen, wenn ich meinen Stuhl wiederhaben will."

Niemand konnte es sehen, aber Cendris fragte sich, ob sein nichtgenannter Freund hinter dem Kupfergesicht schmunzelte. "Gut, so sei es entschieden." Der Maskierte wandte sich wieder Darak zu. "Du hast viele Fragen, Schüler. Dies zeigt deine Entschlossenheit. Du lässt dich nicht einfach abwimmeln, willst mehr darüber wissen, was du tun wirst. Jedoch kann ich einem so jungen Schüler wie dir nicht alle Geheimnisse verraten – noch nicht. Erweise dich als zuverlässig und du erfährst mehr. Bis dahin muss es reichen, dass du weißt, dass sich der Orden des Schmerzens Willen mit dem Schmerz beschäftigt. Wir dienen dem Schmerz, der Schmerz ist unser Ziel. Und dennoch steht so wenig wie möglich von ihm im Vordergrund. Iss jetzt und trink. Stärke dich. In ein paar Stunden brechen wir auf."

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Mittwoch 5. September 2007, 02:51

Insgeheim hoffte der Foltermeister – der von allen Verlassen war welche er jemals vertraut hatte… nun ja das waren nicht viele… eigentlich war es nur Elena – dass wenigstens die Heilerin bei ihm blieb. Erstens weil sie Heilerin war. Wie Elena. Vermutlich lag es an dem Berufsstand selbst, dass er eine Art Grundvertrauen förderte. Gleichzeitig jedoch glaubte er fest an ihr medizinisches können. Obwohl seine Beine grässlicher denn je aussahen, waren sie doch gut versorgt und gepflegt worden. Alma schien sehr gewissenhaft zu sein und die Tatsache, dass sie ihn halb tot, wie er im Folterkeller gewesen war, wieder so hinkriegen konnte wie er jetzt war – zeugte doch von einem grossen Können. Er hoffte, sie könnte ihm das Laufen wiederschenken – ein funktionierendes Knie. Er glaubte an sie, obwohl sein Körper ihm klar signalisierte, dass dieses Knie sich nie wieder gänzlich beugen und strecken lassen würde – zumindest nicht ohne Schmerz.

Genau um dies schien es ja diesem Kerl zu gehen. Es schien ihm so als wären sie alle ganz verrückt nach seinem Schmerz, was verstanden die denn schon davon? Empfanden sie ihn denn? Nein! Wussten sie wie sehr er an seinen Nerven zehrte? Wohl kaum in dem Ausmass!

Darak war eigentlich noch viel zu Müde für irgendwelche Gespräche über seine Zukunft. Zumal Zukunft für ihn ohnehin ein ziemlich labiles Gut war. Er vermasselte es ein Gähnen zu unterdrücken und hatte wohl grösstes Glück, dass Alma jenen Moment mit ihrem Löffel gerade verpasst hatte, denn die Dicke ereiferte sich gerade über Daraks Bitte. Es… enttäuschte ihn zutiefst doch eigentlich hätte er auch nichts anderes erwarten müssen. Er senkte seinen Blick und reagierte deshalb auch nicht, als Alma ihm den Löffel entgegenhielt.

Zudem handelte es sich dort um einen Brei… einen BREI… überreife Brustnuckler assen Breie um gross und stark zu werden. Aber ein Luthrokar, brauchte Fleisch um sich zu Kräftigen! Am besten Hühnchen! Trotzig wie er war ignorierte er – kaschiert durch seine Müdigkeit – den Löffel und wandte seine träge Aufmerksamkeit dem Nichtgenannten zu. Auch wenn er sich hätte mehr konzentrieren wollen, wäre dies wohl kaum gegangen denn immer wieder durchbrachen unzählige Schmerzimpulse seine Gedankengänge.

Während Alma ihm nun wuchtiger mit dem Löffel drohte beobachtete Darak Cendris, wie er das Wasserglas einschenkte. Die Bewegung war durchaus eindrücklich. In seinem Vergleich waren seine zittrigen Hände der reinste Witz. Dann musterte er den Ordensmann der sich Schattengleich neben Alma stellte und auf ihn herabblickte. Obwohl Darak sass, fühlte er sich den drei Menschen dennoch hoffnungslos unterlegen und ausgeliefert – dafür brauchte es keine Fesseln, es reichten zwei kaputte Beine.

<i>"Darak Luthrokar wird Schüler des Ordens. Vielleicht schlage ich ihn als vollständiges Mitglied vor, wenn er sich erweist."</i>

Darak runzelte die Stirn. <b>Mich erweisen?</b> Irgendwie gefiel ihm dieses Wort ganz und gar nicht. Erweisen, hörte sich nach Prüfung an und Ordensprüfungen forderten meist eine besondere Leistung oder eine Überwindung von ihren Anwärtern. Ausserdem hörte sich dies nach Arbeit an – wo Darak sich doch so sehr nach den ruhigen Armen Elenas sehnte, wo er einfach in ihren Liebkosungen schwelgen und sich verwöhnen lassen könnte.

Völlig unerwartet versetzte ihm Alma einen empfindlichen Seitenhieb. Er sah ihr in die Augen als sie sich erneut ereiferte.

<i>"Und ich soll mitkommen. Das wird hier wohl einfach ÜBER MEINEN KOPF WEG entschieden. Ha! Was will ich bei DEM?! Wenn Valrock ihn nicht SO zugerichtet hätte, wär er gar nicht hier. Ich hab ihn mitgehen lassen, weil ich einen Beweis vorm Hohen Rat brauche. Er ist ein Verbrecher, ein Mörder! Er hat Menschen getötet und das eiskalt. Warum solltest ihr solchen Dreck bei euch aufnehmen?!"</i>
Er verleugnete nicht, er schrak auch nicht zusammen, er sah Alma nur an, mit diesen seltsam anmutenden grau-blauen Augen die nur das nackte Trauma seines gesamten Lebens widerspiegelten und sich hinter kränklich schwarzen Augenringen verbargen.

Der Schlag, den Hieb, der Stich erfolgte dadurch, dass sie ihm ungehemmt die Wahrheit gesagt hatte und er es selbst war, der um diese Tatsache wusste.

<i>Ja Alma</i> Dies war die Botschaft, die aus seinem Blick zu deuten war. <i> Deine Frage ist Berechtigt.</i>

Er sah den Nichtgenannten an. Das Schweigen welches plötzlich herrschte verstärkte Daraks Gewissheit. Er nickte kaum merklich und sah dann wieder zu Boden. Es schien so als hätte der Foltermeister in jenem Moment tatsächlich den Gedankengang gehabt –sein Leben verwirkt zu haben. Doch Gedanken kamen und gingen und so streifte auch dieser an ihm vorbei. Darak wollte Leben. Dies hatte er schon mehrmals bewiesen und so hielt er auch der Bürde seines eigenen Schicksals stand. Er brauchte sich nicht zu verstecken. Er brauchte keinen Woltov mehr, der seine Verbrechen verdecken sollte, nein mit seinen 38 Jahren war der Sklaventreiber… geständig.

Manch einer mochte behaupten, dass dies kein Unterschied ausmachen würde, doch die Realität zeigte, dass dem nicht so war. Seine Schuld zu gestehen, war der erste Schritt eines schweren und langwierigen Weges, den Mönche als Pfad der Busse beschrieben.

<i> Seht seine Beine an.</i> Darak zuckte zusammen und schreckte aus seinen Gedanken hoch. Starrte sofort auf seine Beine und sah die Misere vor sich. Er registrierte sehr wohl – obwohl er keinen Gesichtszug verzog und auch keine Regung zeigte – dass der Nichtgenannte gerade mit Alma um ihn verhandelte. Um Dreck feilschte und er dem Orden offensichtlich auch einiges Wert war. Wieso nur? Was konnte er ihnen bieten, dass sie sich so für ihn interessierten?

<i>„Ich MUSS ja mitkommen, wenn ich meinen Stuhl wiederhaben will."</i>

Damit war der Handel beschlossen. Ein mattes Lächeln huschte über Daraks eingefallenes Gesicht. Es war wie ein funken Leben welcher kurz aus diesem geschundenen Körper gezüngelt hatte, sich jedoch gleich wieder verbarg, damit es ja nicht erlosch und sein innerstes erkalten konnte.

<i>"Du hast viele Fragen, Schüler. Dies zeigt deine Entschlossenheit. Du lässt dich nicht einfach abwimmeln, willst mehr darüber wissen, was du tun wirst</i>
Erst wollte er etwas erwidern, doch er liess es bleiben. Er hatte bereits Kopfschmerzen und genug gehört, zumal Almas lautes Grollen seine Hirnnerven ohnehin ziemlich strapazierten – sass sie schliesslich direkt neben ihm.

<i>Bis dahin muss es reichen, dass du weißt, dass sich der Orden des Schmerzens Willen mit dem Schmerz beschäftigt. Wir dienen dem Schmerz, der Schmerz ist unser Ziel. Und dennoch steht so wenig wie möglich von ihm im Vordergrund</i>

Selbst er hatte noch nie das Wort „Schmerz“ in so wenigen Sätzen so oft angewendet. Diese Nichtgenannten schienen dem Schmerz ja regelrecht zu huldigen. Eine merkwürdige Truppe. Verehrten sie schliesslich etwas… äusserst unpriesterliches. Da passte auch Cendris irgendwie nicht mehr ins Bild. Auch er schien Geheimnisse zu haben, da war sich Darak mittlerweile sicher. Offensichtlich war ganz genau dosiert, welche Informationen er zu welchen Zeitpunkt erhalten sollte. Dies war höchst beunruhigend, denn sah Darak sich so in einem Geflecht eingesponnen – welches die Regeln schon für sich selbst bestimmt hatte und er sich denen ob gewillt oder nicht, beugen musste.

Dennoch schien es im Moment, seine einzige Chance zu sein. Der Nichtgenannte riet ihm sich zu stärken. Darak schaute missmutig auf den Brei.

Er hat geschrieen, gebrüllt, in den heiligen Tempeln übelste Gotteslästerung betrieben und er hat versucht einen Priester zu erwürgen. Sich über das Essen zu beschweren – war so ziemlich das mindeste was er tun konnte.

„Gibt es den kein Hühnchen?“ Brummelte er vor sich hin – ein deutliches Zeichen dafür, dass es dem alten Luthrokar etwas besser ging als noch zuvor.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 5. September 2007, 13:16

Alma erwiderte den Blick, den Darak ihr zuwarf. Doch ihre kleinen Schweinsäuglein, die aus den Fettpolstern heraus schauten, die ihre Lider sowie Haut um ihre Augen bildeten, waren nicht sonderlich freundlich. Dennoch schwieg sie – bis sich Darak ereiferte, zu maulen.
"HÜHNCHEN willst du?! Du VERLANGST auch noch ein HÜHNCHEN, nachdem du dich so maßlos benommen hast?!" Alma riss den Löffel zurück und auch die Schüssel mit dem Brei kehrte in ihre Obhut zurück. Jetzt, da die dampfende Pampe Daraks hungrigem Magen nicht mehr zugänglich war, würde er sich vielleicht sogar nach diesem Fraß sehnen.

Eine gewaltige Menge – eine Alma – erhob sich. Fett bewegte sich und die wulstigen Arme, von denen der Speck herunter hing, hoben sich. Wütend prallte die Schüssel mitsamt Löffel auf die Kommode, als die Heilerin beides darauf knallte. Sie schnaubte so aufgebracht, dass man nur noch erwartete, gleich Dampf aus ihren Ohren entweichen zu sehen ... oder aus der Nase.
"DEN wollt Ihr tatsächlich mitnehmen, Nichtgenannter?! Einen so unhöflichen, dreisten, verlausten, brüllenden ..." Almas Zorn ging in einer Tirade aus Schimpfwörtern unter. Vater Cendris legte ihr die Hand auf die bebende Masse, die sie als ihr Arm entpuppte.
"Alma, ruhig. Verschwende nicht kostbare Zeit auf Celcia im Zorn. Komm, setz dich." Er führte Alma zu seinem Bett, das sich leicht unter ihrem breiten Gesäß bog, als sie sich darauf niederließ. Zum Glück hielt das sperrig aussehende Holz doch mehr Stand als man auf den ersten Blick erwartete. Cendris nahm Almas Hände und sprach auf sie ein. "Tief durchatmen. Der Zorn lenkt dich nicht, du bist der Zorn, du entscheidest. Du bist im Gleichgewicht, Alma. Lenke den Zorn – dich – ins Gleichgewicht." Die Heilerin atmete tief ein. Zwischendurch maulte sie nun herum, was das denn bringen sollte, aber sie regte sich tatsächlich wieder ab.

"Ich sehe mit Freuden, dass Ihr unsere Lehren weiterentwickelt habt und sie für Eure Zwecke nutzt, Cendris, mein Freund."
Der Priester lächelte dem Maskierten zu und in diesem einen Lächeln war mehr verborgen als Freundlichkeit. Diese beiden kannten das Geheimnis um den Orden der Nichtgenannten.
Der Maskierte griff nach der Beischale, drehte sich zu Darak und hielt sie ihm entgegen. "Es ist schmerzlich, nicht das zu bekommen, was man gerne hätte, nicht wahr? Kannst du mit diesem Schmerz umgehen und dich überwinden, mit dem auszukommen, was du hast?" Er hielt ihm den Löffel hin.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von Darak Luthrokar » Mittwoch 5. September 2007, 20:31

Darak starrte auf den Löffel den er partout nicht in seinen Mund hatte einlassen wollen und nun wurde er von der riesigen fleischigen Pranke weggerissen. Ein Brustnuckler hätte wohl frustriert aufgeschrieen und geweint. Darak starrte dem Brei nur nach. Gewisse Entscheidungen die er in seinem Leben traf waren vermutlich falsch gewesen, so wie jene, hier den Brei zu verschmähen. Dies merkte er jedoch erst, als er dem dampfenden Essen nachschauen musste. Sein Magen knurrte wütend. Mit einem Knall landete seine Mahlzeit auf der Kommode und der Brei schwappte genau so unruhig in der Schüssel wie Almas riesigen Hautlappen.

Darak rieb sich wieder die Handgelenke – das einzige was er irgendwie sicher tun konnte. Das einzige was er mit diesem peinzerfressenen Körper anstellen konnte. Alma hingegen ereiferte sich lautstark über sein frevelhaftes Verhalten und sie schaffte es gar, dem Foltermeister ein schelmisches Schmunzeln zu entlocken. Immerhin war ER ein Darak Luthrokar, dem konnte man nicht einfach irgendwelche Löffel in den Mund stopfen.

Ein funke Autonomie, der ihm geblieben war. Eine kleine Rache für dies, dass man ihm unerlaubt einfach den Helm abgerissen und seinen Kopf nach unten gedrückt hatte um den Geistlichen sein verräterisches Zeichen zu offenbaren. Jene erniedrigende Geste welche er der Heilerin noch nicht verziehen hatte sondern ihr schweigend Nachtrug.

<i>"DEN wollt Ihr tatsächlich mitnehmen, Nichtgenannter?! Einen so unhöflichen, dreisten, verlausten, brüllenden ..."</i>

„Verlaust?! Ich bin bestimmt NICHT verlaust! Sehe ich etwa so aus als würde ich mich überall Kratzen häh?!“ Knurrte Darak Alma zu. „Ich bin unhöflich und ich bin dreist ja und vor allem bin ich brüllend, aber bestimmt nicht verlaust! Ausser ihr hättet mich schlecht gewaschen… und dies hab ich eigentlich nicht als so empfunden!“ Darak hielt verdutzt inne. Hatte er Alma gerade… ein… Kompliment gemacht? Er wurde rot und schwieg wieder.

Cendris versuchte die dampfende und kochende Frau Namens Alma irgendwie zu beruhigen – an heissem Fett konnte man sich schliesslich schreckliche Verbrennungen zuziehen. Darak hatte ja damit bereits seine schmerzhafte Erfahrung gemacht und nur durch Glück – oder eben Cendris – seine drei Nieren behalten.

Dieser sprach gerade mit Alma über Zorn. Wenn stimmte was er sagte, so hätte Darak sein halbes Leben verschwendet. Denn der Zorn auf Lysanthor war sein stetiger Begleiter. Doch irgendwie gelang es dem Ruhigen Mann dieses schnaubende Ungetüm dessen Hintern das Gebälk des Bettes beinahe zum bersten brachte – zu beruhigen. Darak stellte sich gerade vor wie es einem armen Rücken unter diesem Gewicht ergehen könnte. Wie es SEINEM armen Rücken unter diesem Hintern gehen könnte. Es würde wohl eine unendliche Sauerei geben. Darak schauderte. Das Opfer würde vermutlich gleich in den Holzboden eingepresst werden, da würde selbst abkratzen nichts mehr bringen – oder noch schlimmer in den Stoff dieser Frau. Er schauderte wieder. Vermutlich würde es einem die Organe auf der Seite hinauspressen…nun reichte es. Er schüttelte den Kopf und versuchte sich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren und so kam es… dass er auf den Brei starrte.

<i>"Es ist schmerzlich, nicht das zu bekommen, was man gerne hätte, nicht wahr? Kannst du mit diesem Schmerz umgehen und dich überwinden, mit dem auszukommen, was du hast?"</i> „Hah!“ Schnaubte der Verdammte nur und griff zur Breischale. „Ich kann das auch allein“ Brummte er als er die Schale mit seinen zittrigen Händen hielt und den Löffel umfasste. Für was hielt der ihn überhaupt? Natürlich hielt er dies aus, er überlebte alles. Sogar Brustnucklerfrass wenn es denn sein musste. Er hatte selten das bekommen was er wirklich wollte und sich meistens dies genommen – was er eigentlich nicht gewollt hätte – Morde fielen darunter. Für Darak war es nicht leicht Dankbarkeit auszudrücken – eigentlich hätte er auch noch viel weniger haben können oder gar nichts, es war nicht so, dass ihm dies nicht bewusst war, er konnte es nur nicht zeigen.

Der Löffel zitterte beängstigend in der Luft so dass er die Schale höher halten musste, damit er ihn eigentlich nur noch einzuschaufeln brauchte um nicht alles im Bett zu verteilen. Greise assen so wie er es nun tat. Dieses beständige Zittern gab Auskunft über sein Traumata und auch über den Grad des Schmerzes den er noch immer empfand. Er fluchte leise vor sich her während er ass.

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Re: Mönch wider Willen

Beitrag von fremder Mann » Donnerstag 6. September 2007, 13:01

Dieser kleine Gauner wagte es doch tatsächlich, Alma zu widersprechen? Von wegen, er sei nicht verlaust gewesen! Ha! Sie hatte ihn gereinigt und er hatte in den Kerkern schneller Läuse gefangen als sonst wer. Gut, dass sie hatte alle entfernen können. Musste an Bronko liegen, dem Mann, der die Eimer in den Zellen leerte. Er war so sauber wie sein Beruf und besaß viele Freunde – die meisten davon kratzten, bissen und hopsten auf seinem Kopf herum.
Darak hatte also sehr wohl Läuse besessen! Und das würde Alma ihm gleich ... aber was war das? Hatte er ihr gerade ein Kompliment gemacht? Oh, ihm war aufgefallen, dass sie ihn gewaschen hatte! "Ich hab Kernseife benutzt", brummte sie, als er leicht errötet den Kopf senkte und in Schweigen verfiel. Almas Mundwinkel hoben sich ein wenig. Sie waren zwar immer noch zu über 50% näher am Erdboden, aber den Unterschied konnte man schon erkennen. Die Masse von Frau schaute nicht mehr ganz so übel gelaunt und grimmig in die Welt.
Wohl eher diese Tatsache als der Versuch des Priesters sorgten dafür, dass sich der Vulkan in ihrem Innern beruhigte und nur noch kleine Dampfwölkchen ausstieß. Vor sich hin brummelnd hockte sie auf dem Bett, dessen mittlerer Teil schon beinahe den Zellenboden erreichte.
Inzwischen wendete sich Darak dem Brei zu.
<i>"Hah! Ich kann das auch allein."</i> Gierig langte er zu, musste jedoch schnell feststellen, dass es einfacher war, den Löffel nicht allzu weit von der Schüssel zu entfernen. Welche Schmach! Er war derzeit nicht einmal imstande, einen mit Brei gefüllten Löffen bis zum Mund zu führen, ohne dass die Hand zitterte.
Der Nichtgenannte beobachtete ihn genau durch seine schwarzen Augenlöcher der Maske. Der Fackelschein drang dort nur mäßig hinein, aber er tanzte auf den Pupillen des Mannes und ließ diese wie kleine brennende Kohlestücke glimmen.

Cendris redete noch immer auf Alma ein und das war gut, denn der Nichtgenannte musste nun dringend mit Darak sprechen. Er rutschte den Hocker näher ans Bett heran.
"Was hat man Euch in der Folterkammer der pelgarischen Kerker angetan? Ihr müsst großen Schmerz ertragen haben, aber Ihr habt überlebt. Irh seid stark, Schüler. Zeigt Eure Stärke, indem Ihr mir von Euren Schmerzen erzählt."

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