Der geschändete Tempel

Der Wassertempel zu Ehren der Göttin Ventha. Seefahrer besuchen diesen Tempel vor ihrer Abfahrt aufs Meer und beten für Wind in den Segeln, bringen sogar Opfergaben wie Seesterne oder eine Schale Wasser.
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Miriel Lefay
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 30. Januar 2013, 20:29

Nun, da die junge Frau den Baldrian zu sich genommen hatte, hoffte Miriel, dass sie mit der Zeit ruhiger und zugänglicher würde. Und tatsächlich schien das Mittel bereits erste Wirkung zu zeigen. Entweder das oder es war das gequälte Stöhnen des Dunkelelfen, das sie bewog, langsam von ihrem Leidensgefährten herunter zu krabbeln.
Letztendlich war es Miriel auch egal, Hauptsache sie hockte nicht mehr auf dem Dunkelelfen und erschwerte dadurch ihre Versuche, diesen vor dem Tod zu retten. Stück für Stück bewegte sie sich herab. Kurz bevor sie endgültig von dem Dunkelelfen glitt fiel ihr Blick auf das andere Fläschchen, das Miriel in der Hand hielt, dasjenige, welches den Trank der Stärkung enthielt. Kurz innehaltend wollte sie mit schwacher Stimme wissen was sich darin befand. Die Erdmagierin hob an es ihr zu erklären, als das Mädchen erschocken zusammenzuckte. Schon wollte Miriel ihren Begleiter zurechtweisen, als sie gewahrte, dass sich der halbtote Dunkelelf, soeben gerührt und das Mädchen am Arm ergriffen hatte. Fast im selben Augenblick öffnete er ganz kurz die Augen, sah erst das Mädchen, dann Miriel und schließlich die goldene Kette an. Darauf murmelte er etwas, was die Erdmagierin nicht verstand, lediglich dass es der Sprache der Dunkelelfen entstammte konnte sie erkennen. So sehr es ihre Bemühungen um das Mädchen erneut beeinträchtigte, atmete sie trotzdem auf, konnte sie ihm doch so den Trank besser einflößen. Mit sanfter Nachdrücklichkeit half sie dem Mädchen endgültig von dem Dunkelelfen herunter und erklärte ihr beiläufig, dass das Fläschchen einen magischer Trank enthielt, welcher den Dunkelelfen wieder völlig genesen lassen würde.
Erst als das junge Mädchen neben dem Dunkelelfen auf dem Boden saß und ihm unverwandt ins Gesicht starrte ging Miriel daran, auch deren Begleiter zu versorgen.
Zumindest hatte sie das vorgehabt, doch kam es mal wieder, wie so oft in letzter Zeit, völlig anders. Ein unverhoffter Ausdruck von Überraschung auf dem Gesicht des Mädchens ließ Miriel ihren Blick zu dem Dunkelelfen wandern. Mit einem Ausruf des Erstaunens sah sie auf dessen Bauch zwei Gegenstände liegen, die dort vorher mit Sicherheit nicht gelegen hatten. Sie war sich sogar ziemlich sicher, dass in diesem ganzen verdammten Tempel nichts derartiges gelegen hatte.
Das leise Wimmern des Mädchens ließ sie erneut herumfahren. Gerade noch rechtzeitig gelang es ihr zu verhindern, dass sich die Kleine erneut auf dem Dunkelelfen breit machte,
Sie an den Schultern fassend und in ihrer sitzenden Position am Boden haltend rief sie:
„Oh nein, du bleibst jetzt schön hier sitzen. Du willst doch, dass dein Begleiter wieder gesund wird und das geht nur, wenn du hier ruhig sitzen bleibst und dich nicht rührst.“
Ein weiteres Geräusch erforderte ihre Aufmerksamkeit. Das Mädchen weiter festhaltend drehte sie ihren Kopf und sah, wie sich Ryld von der Wand abstieß und auf sie zu kam.
Oh nein! Nicht das auch noch!, fuhr es ihr durch den Kopf und mit einer herrischen Geste brachte sie den Dunkelelfen zum Stoppen.
„Wir müssen los Miriel. Wir können nicht länger warten.“
„Ich weiß Ryld, trotzdem bitte ich dich, halte dich zurück, sonst machst du es nur noch schlimmer. Ich bin froh, dass ich sie endlich so weit habe, dass sie einigermaßen auf mich hört. Gedulde dich also noch etwas.“
Unwirsch knurrend zog sich der Dunkelelf wieder in den Schatten zurück und überließ seiner Gefährtin das Feld. Die hatte nun endlich Zeit, sich die wie durch Zauberhand aufgetauchten Gegenstände auf dem Bauch des verwundeten Dunkelelfen näher zu betrachten. Der eine Gegenstand war ein Babytragetuch, das, wie sie erkennen konnte, mit Runen verziert war. Die Bedeutung dieser Runen war ihr nicht bekannt, aber es war offensichtlich, dass es für sie selbst bestimmt war, denn außer ihr hatte hier niemand ein Kind. Vorsichtig nahm sie das Tragetuch an sich und untersuchte es, konnte jedoch keine Gefahr ausmachen, die davon ausging. Wer immer die Runen darauf gestickt hatte, hatte sie wohl als Schutz gedacht. Da es wie gesagt anscheinend für sie bestimmt war, steckte sie das Tragetuch in die Tasche ihres Kleids und untersuchte nun das Fläschchen, das noch auf dem Dunkelelfen lag. Wie bei dem anderen, welches Ryld mitbrachte, entkorkte sie es und schnupperte kurz daran.
„Hm, etwas Anis, Fenchel und ... ich bin mir nicht sicher, diesen Duft habe ich schon lange nicht mehr ... ja, das muss es sein. Wie auch immer, es ist genau das, was wir noch brauchen Ryld. Hast du gesehen, wie die Dinge auf deinen Landsmann geraten sind?“
Ein Brummen, das verdächtig nach einem eingeschnappten Dunkelelfen klang und sich wie ein nuschelndes „Nein“ anhörte war alles was der ehemalige Faldorkrieger von sich gab.
„Ja, ich mag dich auch Ryld. Schön, dass wir uns so gut verstehen. Du weißt also auch nicht wie diese Sachen auf deinen Kameraden gekommen sind? Tja, dann muss es wohl ein Geschenk der Götter sein.“, und im Stillen schickte sie ein Dankgebet an Florencia für die wundersamen und hilfreichen Gaben. Sie verkorkte die Flasche und steckte sie ein. Für den Moment tat der Baldrian seine Wirkung, nun war es vordringlicher, sich um den Dunkelelfen zu kümmern.
Sachte beugte sich Miriel zu ihm und setzte ihm den Trank der Stärkung an die Lippen.
“Hier Herr, trinkt dies und es wird euch bald besser gehen.“ Vorsichtig kippte sie das Fläschchen an und träufelte den Trank zwischen die leicht geöffneten Lippen des Dunkelelfen, der die Flüssigkeit nach anfänglichem Zögern schließlich schluckte.
“Na also, so ist es gut. Ihr werdet sehen, im Handumdrehen seid ihr wieder hergestellt.“
Nun endlich, da der Dunkelelf durch den magischen Trank seiner Genesung entgegenschritt, winkte sie Ryld zu sich.
„Ich denke wir warten noch etwas bis der Trank deinen Kameraden soweit aufgepäppelt hat, dass er sich einigermaßen auf den Beinen halten kann und brechen dann auf. Bis dahin sollte sich auch das Mädchen einigermaßen gefunden haben. Falls nicht gebe ich ihr noch den Trank der Entspannung, der sollte sie auf jeden Fall ruhig stellen.“
Das Mädchen neben ihr in den Arm nehmend meinte sie zuversichtlich: „Keine Sorge, es wird alles gut.“, Hoffe ich. setzte sie noch in Gedanken hinzu, denn sie wollte die bereits verängstigte Frau nicht noch mehr ängstigen.
Damit ließ sie sich neben dem Mädchen auf dem Boden nieder, holte das neue, runenbestickte Tragetuch hervor und tauschte es gegen das alte aus. Schon als sie Toireasa, nachdem sie es sich umgebunden hatte, hineinsetzte, spürte sie wie die Runen ihre Magie entfalteten und sich das Tuch wie ein schützender Kokon um ihre Tochter legte. Diese Gabe der Götter war so wunderbar wie sie einzigartig war. So dasitzend wartete sie darauf, dass der verletzte Dunkelelf weiter zu Kräften kam, um endlich diesen verfluchten Tempel zu verlassen.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Samstag 9. Februar 2013, 10:51

Ihre Gedanken kreisten in ihrem Kopf zwar äußerst hektisch umher, aber bis die junge Frau etwas wirklich begreifen konnte, dauerte es länger als gewöhnlich. So auch das Begreifen, dass die Fremde einen zweiten Gegenstand noch in der Hand hielt. Als das in ihr Gehirn einsickerte, entstand dadurch eine Frage, die sie erstaunlich zeitnah stellen konnte.
Wenngleich ihr Interesse schlagartig davon abgezogen wurde, als sich ihr unfreiwilliger Begleiter zu rühren begann. Ihre Aufmerksamkeit lag allein auf ihm und dennoch war sie durch das Mittel schon beruhigt genug, um sanft weggezogen werden zu können.
Die Worte rieselten an ihr vorbei und ließen sie nicht einmal aufsehen, sie hatte sie gar nicht bewusst registriert. Irgendwo in ihrem Unterbewusstsein würde sie diese wohl verstanden haben und vielleicht später auch abrufen können, jetzt allerdings definitiv nicht.
Schon wollte sie sich wieder an den einzigen Halt klammern, der ihr von ihrem bisherigen Leben geblieben war, so wenig sie das auch begreifen konnte. Doch ein starker, entschlossener Griff an ihren Schultern hielt sie davon ab und zwang sie, sitzen zu bleiben.
Azura sträubte sich dagegen und war trotzdem noch zu schwach, um sich zu befreien. Am Ende blieb sie hocken und ein Anflug von Trotz erschien auf ihrem Gesicht, als sie hochsah zu der fremden Frau.
„Aber…“, begann sie zwar, verstummte danach jedoch, als sie eine Bewegung im Augenwinkel wahrnehmen konnte. Sofort wollte sich ihr Geist wieder in Alarmbereitschaft umschalten, denn der Mann, vor dem sie solche Angst hatte und der ihr Band durchtrennen wollte, hatte sich gerührt.
Misstrauisch blickte sie ihn an, als er auf halbem Wege stehen blieb, und sich über ihren Kopf hinweg mit der anderen unterhielt, als wäre die junge Frau nicht anwesend. Sie hörte vorerst sowieso nicht zu, lauerte auf jede seiner Bewegungen.
Als er knurrte, zuckte sie leicht zusammen, ehe sie sich entspannen konnte, weil er sich wieder zurück zog. Trotzdem ließ sie ihn erst aus den Augen, als die Fremde nach den Gegenständen griff und somit sich in ihr Blickfeld schob.
Sie blinzelte und drehte den Kopf, konnte noch erkennen, dass der Stoff in einer Tasche verstand. Das interessierte sie weniger, soweit war sie noch nicht.
Mehr als neugierig hingegen war sie auf das neue Fläschchen, denn instinktiv ahnte sie, dass es für ihren Begleiter bestimmt war. So beobachtete sie die andere aufmerksam.
Diese roch daran und unterhielt sich danach schon wieder mit dem furchteinflößenden Begleiter. In dieser Zwischenzeit streckte Azura einen Arm aus und wollte selbst an dem kleinen Ding schnuppern, um sich zu vergewissern, dass es nicht giftig roch.
Doch die Frau steckte den kleinen Gegenstand ein, ehe sie diesen mit ihren Fingern erreichen konnte. Mit einem leisen, beleidigten Schnaufen ließ sie ihren Arm wieder fallen und begann zu schmollen, ganz die verwöhnte Tochter aus gutem Hause, die sie einst gewesen war.
Wie lange war das nur her? Sie wusste es nicht und konnte sich derzeit auch noch gar nicht daran erinnern, dass dies jemals so gewesen war.
Trotzdem ließ sie die Fremde nicht aus den Augen, als diese sich nun um den Schwerstverletzten zu kümmern begann.
Bald darauf wurde wieder über ihren Kopf hinweg über sie gesprochen, diesmal allerdings war sie schon soweit zurück gekehrt, dass sie es mitverfolgen und auch begreifen konnte. Zwar beruhigte sie das Mittel und sorgte dafür, dass sie sich entspannter fühlte, als eigentlich Anlass dazu war.
Jedoch schärfte es auch ihren Geist etwas, half diesem, sich in der Realität wieder mehr zurecht und dadurch auch ein wenig zu sich zu finden. Was dazu führte, dass sie sich gegen die Umarmung sträubte und sich überraschend schnell daraus entwinden konnte.
Ihre Augen waren noch glasig, doch wirkten dafür nicht mehr derart abwesend wie noch vor Minuten. „Ruhig stellen?“, hakte sie nach und das Misstrauen in ihr stieg wie eine heiße Welle hoch.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Freitag 22. Februar 2013, 09:26

Zeigte der Trank der Stärkung überhaupt eine Wirkung? Die Antwort lautete ja, wenngleich sie sich tatsächlich gedulden mussten, bis sich der Dunkelelf, den Azura als Corax Rabenschrei kannte, erneut rührte. Unter einem Ächzen bewegte er die Glieder, begann dabei mit den Fingern, von denen jene der linken Hand wie benommen über den Tempelboden kratzten. Die rechte Hand war ja weiterhin mit dem Mädchen über das goldene Kettchen verbunden. Jenes funkelte in einem nicht vorhandenen Schein, was nur allzu deutlich machte, dass es magischer Natur war, aber das hatten sie bestimmt bereits alle wahrgenommen. Dies war mehr als nur eine goldene Kette, deren Glieder man im Normalfall hätte mit bloßer Hand zerreißen können. Doch die Kette hielt jeglicher Gewalt stand. Sie wollte nicht gebrochen werden.
Ebenso wenig wollte es jener Dunkelelf, bei dem der Trank der Stärkung endlich Wirkung zeigte. Man sah es deutlich an den Verletzungen des Dunkelelfen. Einige davon heilten! Sie schlossen sich wie von Geisterhand und zurück blieb nur die glänzende Spur seines eigenen, dunkelroten Blutes, welches den Körper bereits verlassen hatte. Doch nicht alle Wunden schlossen sich sofort. Die größeren überspannte - wenn überhaupt - zunächst nur eine dünne Hautschicht, durchsichtig wie Pergament. An manchen Stellen bildete sich Schorf, der teilweise wieder aufriss, als sich Corax etwas bewegte. Aber er fand zu neuer Kraft zurück, die ihn dazu bracht, sich gerade aufzusetzen. Matt blickte er in die Runde, musterte Miriel und seine Augen schmälerten sich, als er gewahr wurde, dass auch sie ein Mensch war. Seine rechte Hand fuhr zum Gürtel. Die Geste war klar, er wollte nach seiner Klinge greifen. So ruckte er vermutlich auch Azura Arm ein Stück zu sich, aber sofort verließ sämtlich Spannung den eigenen Arm. "Wo ist mein Schwert?" Erneut suchte er Miriel Blick. "Bin ich euer Gefangener?" Er sprach überraschend ruhig, verhielt sich auch nicht sonderlich aggressiv. Befremdlich offenbar, wenn man sein Herkunftsvolk bedachte, aber Corax schien einfach trotz des Trankes noch zu geschwächt, um einen offensiven Angriff zu wagen. Wenigstens war er vernünftig genug, das zu erkennen. Es gab andere Dunkelelfen, die sich auf Menschen stürzten, nur weil sie anwesend waren. Corax jedoch senkte den Blick auf den eigenen Körper, fuhr die teilweise geschlossenen Wunden ab und zischte, als es schmerzte. Er schaute zu Azura herüber, fragte gar in bestem Celcianisch: "Alles in Ordnung?" Sorge lag jedoch nicht in seiner Stimme. Nicht jene Sorge, die man für einen Gefährten empfinden mochte. Es war mehr die Neugier, sich nach der Unversehrtheit einer Ware zu erkundigen und nichts Anderes schien der Elf in Azura zu sehen. Er wartete dann weiter ab, würde sich aber schweigend den Entscheidungen der fremden Menschin fügen, hielt er sich doch zunächst für einen Gefangenen Miriels.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Montag 13. Mai 2013, 22:37

Die junge Frau entwand sich schnell wieder Miriels Umarmung. Noch immer stand sie den beiden ihr fremden Personen misstrauisch gegenüber, weswegen sie keine Vertrautheit wie eine Umarmung zuließ. Zudem erregten Miriels Worte was das Ruhigstellen anging aufs neue ihr Misstrauen, was sie auch sogleich mit ihrer Frage bestätigte.
Die Erdmagierin ging aber nicht weiter auf die Frage des Mädchens ein. Noch war es nicht soweit und sollte es nötig sein, konnte sie sich immernoch mit dem Problem befassen. So saß sie, nachdem sie ihre Tochter in des neue Tragetuch gesetzt hatte, abwartend neben dem Mädchen und harrte der Gesundung des Dunkelelfen. Auch Ryld hielt sich wieder im Hintergrund, da auch er für den Moment zur Tatenlosigkeit verdammt war.
Quälend langsam schlich die Zeit dahin, fast kam es Miriel so vor, als würde sich der Sand im Stundenglas mühsam durch zähflüssigen Schleim pressen, ehe er in den unteren Teil fiel. Sie konnte beim besten Willen nicht sagen wieviel Zeit vergangen sein mochte, als der Dunkelelf sich endlich zu regen begann.
Die kleineren Verletzungen waren schon einigermaßen gut verheilt, doch die großflächigen auf seinem Rücken bedeckte gerade erst eine äußerst dünne, noch fast transparente Hautschicht, die bei jeder Bewegung erneut zu reißen drohte. Seine Stimme war dagegen schon recht kräftig als er, Miriel im Blick, sich aufrichtete und spontan an den Gürtel griff. Sein Schwert nicht an Ort und Stelle findend richtete er das Wort in seiner Heimatsprache an die ihm gegenüber sitzende Erdmagierin. Davon ausgehend, dass er nicht wissen konnte, dass Miriel Lerium beherrschte, wollte diese es ihn auch nicht unbedingt wissen lassen. So sah sie ihn nur fragend an und schüttelte den Kopf. Zugleich war es für Ryld das Zeichen endlich die Initiative zu ergreifen. Gemächlich trat er aus dem Schatten des Tempels und zwischen Miriel und den Dunkelelfen, dabei darauf bedacht, dass er diesem sein Gesicht derart zuwandte, dass er mühelos die Zeichen in Rylds Gesicht sehen konnte. Die Veränderung, die sich im Gesicht des Dunkelelfen abzeichnete, als dieser die Zeichen erkannte, war frappierend. Noch bevor er überhaupt etwas sagen konnte schnitt ihm Ryld mit einer herrischen Geste das Wort ab. Nicht genug, dass er es hasste, sich auf seinen alten Status zu berufen, war ihm in keinster Weise daran gelegen, dass Miriel mehr darüber erführ. Noch hatte sie ihn nicht auf diese Male angesprochen und wenn es nach Ryld ginge, dann sollte dies auch so bleiben.
Deswegen wandte er sich dann auch sofort mit eisiger Stimme an den Dunkelelfen:
“Du bist kein Gefangener. Diese da ...“, er deutete auf Miriel, “... ist meine Sklavin. Sie ist eine Heilkundige und versteht es allerlei nützliche Tränke zu brauen. Deswegen ist es mein Privileg, sie meine Sklavin zu nennen, so wie das andere Weib wohl die deine ist. Du hast sie auf ungewöhnliche Weise an dich gebunden. Bei Gelegenheit solltest du mir mehr darüber erzählen. Ich könnte mir vorstellen, dies auch mit meiner Sklavin zu tun.
Wir haben dich und deine Sklavin hier schwer verletzt aufgefunden und es war ein Wunder, dass du überhaupt überlebt hast. Meine Sklavin hat ein kleines Haus, in dem wir wohnen. Komm mit uns, dort kannst du dich von deinen schweren Verletzungen erholen und auch deine Sklavin könnte dort bessere Heilung erfahren. Sie scheint mir ein wenig wirr im Kopf zu sein.“

Rylds Worte waren freundlicher gemeint als dies aus seinem Munde klang, da er sich seiner ganzen Autorität als Faldorkrieger bediente. Sein Vorschlag kam daher in den Augen des Dunkelelfen schon fast einem Befehl gleich als Ryld nach einer kurzen Pause forderte:
“Also, was sagst du? Begleitest du uns mit deiner Sklavin? Wir haben schon genug Zeit mit dir vertan. Ich habe andere Aufgaben zu erledigen, als mich mit halbtoten Dunkelelfen abzugeben!“
Betont gleichgültig verschränkte Ryld seine Arme vor der Brust, ganz so als wäre es ihm egal, ob der Dunkelelf nun mitkäme oder nicht. Miriel schien es, als wollte er damit demonstrieren, dass er weit über den normalen Dunkelelfen stand. Schweigend und immer darauf bedacht, dass sie sofort eingreifen konnte, sollte das Mädchen versuchen, irgendwelchen Blödsinn zu machen, verfolgte sie hinter Rylds Rücken interessiert dessen Auftreten. Schon damals während ihres Aufenthalts in der Oase der Wüste Sar schien es ihr, als würde er ein Geheimnis hüten und auch jetzt konnte sie sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Insgeheim nahm sie sich vor, ihren Gefährten bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit auszufragen. Im Moment konzentrierte sich ihre Aufmerksamkeit aber auf die Reaktion des Dunkelelfen und darauf, wie sich das Mädchen verhielt.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Das dunkle Volk » Samstag 25. Mai 2013, 01:02

Wie riss da Corax die Augen auf, als er neben der Menschenfrau plötzlich einen anderen Dunkelelfen erblickte und nicht nur das. Er war ein Faldorkrieger. Corax kannte die Zeichen. Somit schien er sich auch bereits ohne Erklärung sicherer zu fühlen, richtete sich etwas gerader auf. Sein Blick fiel erneut auf die goldene Kette, dann auf Azura. Schließlich wand er sich hoch. Es dauerte eine Weile und war offenbar auch kein schmerzfreier Akt, aber dem Dunkelelfen gelang es aufzustehen. Seine rechte Hand streckte sich nach unten, sofern Azura nicht auch noch aufstehen würde. Demütig das Haupt vor Ryld geneigt, antwortete er: "Ich bin der Sklave, Herr. Aber nicht jener des Mädchens. Sie ist kostbares Eigentum meiner Herrin Serpentis Mortis, einer Feuermagierin aus den morgerianischen Reihen. Und sie ist es auch, die uns aneinander band. Ich vermag diese Kette weder zu fertigen, noch zu zerstören. Da ich mich hier wiedergefunden habe, war sie meiner und ihres Eigentums wohl überdrüssig." Sie wussten beide sicher, was dies bedeutete. Der Dunkelelf war zu nichts mehr nutze in den Augen anderer. Sofern sich keine andere Verwendung für ihn fand, genügte er nur noch als Opfergabe, Faldor wohlgesonnen zu stimmen und da sich Corax derzeit einem Krieger des blutrünstigen Gottes gegenüber sah, kannte er seine Zukunft. So zumindest glaubte er es. "Ich nehme mein Schicksal an", antwortete er fügsam und wie man es von einem Elfen seines Standes erwartete. Das hieß nicht, dass er hinter den Worten auch tatsächlich stand.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Samstag 25. Mai 2013, 23:36

Die junge Frau zuckte leicht zusammen, als sie das Kratzen auf dem Tempelboden hörte. Es war ein Geräusch, das ihr durch Mark und Bein ging. Abrupt wandte sie den Kopf in die Richtung des Geräusches und schluckte instinktiv, als ob ein Teil ihres Bewusstseins sich erinnern würde, dass ein Lebenszeichen von diesem Mann nichts Positives für sie bedeuten würde. Doch es war ein zu schwaches Wissen, als dass sie sich dessen hätte besinnen und selbst probieren können, das magische Band, das sie zurück ins Leben geführt hatte, zu lösen.
Blinzelnd wandte sie sich von der Hand ab, als wolle sie sich selbst vor einem weiteren Schrecken bewahren. Dafür erhaschten ihre Augen einen Blick auf etwas anderes, dass sie mit einem leisen Laut der Überraschung zurück zucken ließ.
Nein, das konnte nicht sein, oder? Ihre Sinne mussten sie täuschen! Doch es ließ sich nicht leugnen, da waren Wunden, die nicht vollständig vom Blut verdeckt waren, sodass sie zusehen konnte, wie diese sich zu schließen begannen. Verständnislos beobachtete sie die Verletzung und schüttelte schließlich langsam den Kopf, denn so wirklich glauben konnte sie es noch nicht, obwohl sie es selbst gesehen hatte.
Ihre freie Hand hob sich und mit zitternden Fingern tippte sie gegen jene Stelle, die sie beobachtet hatte. Ja, es fühlte sich echt an und es trat nicht sofort wieder Blut heraus. Hatte sie sich das also nicht nur eingebildet? Einen Tagtraum mit offenen Augen gehabt? Anscheinend... wenn sie sich nicht täuschte, da sie ihrem Gedächtnis im Moment definitiv nicht traute.
Plötzlich allerdings regte der Dunkelelf sich, setzte sich sogar auf, sodass sie intuitiv zurück zuckte und hastig ein paar Zentimeter Abstand zwischen sie beide brachte, soweit das Band es auch zuließ. Damit jedoch noch nicht genug, bewegte er seinen Arm derart heftig, dass sich ihr eigener ebenfalls zwangsläufig rührte, weil sie damit nicht gerechnet und somit dem auch nichts entgegen zu setzen hatte.
Ein leises Wimmern der Unsicherheit kam ihr über die Lippen, ehe sie diese fest genug aufeinander pressen konnte, um keinen weiteren Laut vorerst darüber zu lassen. Zumindest geschah weiter nichts, er ließ den Arm wieder sinken und auch die Spannung des Bandes ließ nach. Er wandte sich auch nicht ihr zu, sondern den anderen, sodass sie ihre Ruhe hatte und auch den Blick abwandte, um mit sich selbst wieder mehr ins Reine zu kommen und nicht erneut zu diesem zitternden, unansprechbaren Bündel Elend zu werden, das sie zuvor gewesen war.
Außerdem verstand sie sowieso nicht, was gesprochen wurde, da sie diese fremde, unmelodiöse Sprache nicht beherrschte. Früher hätte sie sich sofort darüber beschwert, aber von ihrer vorherigen Verhaltensweise war derzeit fast gar nichts mehr übrig geblieben.
Obwohl ein Echo davon aufblitzte, als der Dunkelelf sich ihr zuwandte und sie in einem Wortlaut ansprach, den sie verstehen konnte. Ihr Kopf ruckte hoch und in ihren Augen funkelte es einen Moment lang rebellisch. "Seh ich so aus?", gab sie leise, aber zischend zurück, wenngleich sie nicht zu sagen wusste, was genau diese Reaktion in ihr hervor gerufen hatte. Die Beruhigung ihrer Nerven, ihr altes Wesen generell, das Wissen, dass sie beleidigt sein sollte, dass er sich jetzt erst ihr widmete, gekränkt darüber, dass er so neutral dabei klang oder sonst ein Grund, es gab in dieser Hinsicht wahrlich mehrere Möglichkeiten.
Was sich rasch wieder verflüchtigte, als der andere fremde Mann hinzu trat, sodass sie den Blick abwandte und zur Seite sah, das Geschehen lediglich im Augenwinkel beobachtend. Fest presste sie die Lippen aufeinander, denn er jagte ihr Angst ein, weiterhin, und auch wenn sie kein Wort verstand, die Mimik, Gestik und sein Tonfall sprachen selbst für sie Bände.
Wie als Reaktion darauf, rappelte sich der verletzte Krieger hoch und zwang sie damit, sich ebenfalls zu bewegen. Ein kleiner, unwilliger Laut verließ ihre Kehle und sie rang mit sich, ob sie es ihm nicht zu Fleiß machen und daran ziehen sollte, damit er wieder auf einer Höhe mit ihr wäre. Doch letzten Endes war sie nicht mehr ganz so kindisch, als dass sie das ernsthaft erwogen hätte, sodass sie sich stattdessen schließlich ebenfalls auf die Beine zwang. Es war gar nicht so leicht, denn ihre Knie waren weich wie Butter und schienen obendrein auch noch zu zittern. Aber sie hielt sich... noch zumindest gelang es ihr.
Damit allerdings hatte sie genug zu tun, sodass sie bislang noch nicht auf die Idee gekommen war, sich darüber beschweren zu können, dass sie nichts von all dem verstand, was sie zu hören bekam.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Montag 29. Juli 2013, 02:40

Hinweis:
Auf Azuras Wunsch hin endet an dieser Stelle das Zwischenspiel. Entsprechend wird im Erzählerpost auch gelenkt und nicht auf sonstige Postingreaktionen gewartet. Danach geht es für euch beide wie alt gewohnt und ohne weitere NPC-Steuerung eurerseits weiter.

Da standen sie sich gegenüber, Dunkelelf und Dunkelelf. Der eine ein faldorischer Krieger hohen Ranges, der andere ein einfacher Soldat und jetzt nicht einmal mehr das. Niederes Gewürm, weggeworfen in einen geschändeten Tempel und angeleint an ein Wesen, das noch mehr Verachtung verdiente, wenn man mit der wahren Seele eines Dunkelelfen lebte. Doch nicht einmal Ryld sah Azura so an. Was genau er in ihr sah, ließ er jedoch ebenso wenig verlauten, ihr galt nicht einmal sein Hauptaugenmerk. Nein, er betrachtete Corax und dieser schaute zurück. Zwei Augenpaare trafen sich.
"Da du dein Schicksal akzeptieren willst, weißt du bereits, welche Gefahr du mir und meiner Gefährtin bringen würdest", sagte Ryld kühl, woraufhin Corax an ihm vorbei und zu Miriel schaute. Obgleich sie ein Mensch war, begegnete er ihr nicht wie er es zuvor bei Azura getan hatte. Sie gehörte zu einem Faldorkrieger und der Mann würde seine Gründe haben, sie mit auf seine Reisen zu nehmen. Gerechtfertigte Gründe, immerhin war er, wer er war!
"Ich kann euch nicht viel mehr mitgeben als euer Leben. Dass ich euch beide hier und jetzt unbeachtet lasse, zeugt von meiner großzügigen Gnade. Du weißt, dass du es nicht wert bist."
Corax nickte nur, neigte den Kopf noch etwas tiefer. "Dank für Eure Hilfe."
Ryld nickte. Er wandte sich Miriel mit einem deutlichen Zeichen zu. Er wollte gehen. Und auch Corax richtete sich wieder an seine Zwangsbegleitung. Immerhin hingen die beiden noch aneinander. Leise zischte er ihr zu: "Wir müssen aus der Stadt hinaus. Ich bin kaum mehr wert als du und wir sind beide dran, wenn man uns erwischt. Also wage es nicht, Wiederworte zu geben, wenn dir dein unbeholfenes, verwöhntes Leben lieb ist."

Ryld zog sich unterdessen mit Miriel und ihrer Tochter zurück. Zwar mochte man vielleicht noch im selben Tempel stehen, aber diese unsichtbare Grenze sprach Bände. Sie würden einander nicht weiter beachten, sich ignorieren und schließlich getrennter Wege gehen. Denn beide Gruppen brachten einander nur unnötig Gefahr.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Dienstag 13. August 2013, 01:27

Die junge Frau kannte sich in der Welt der Dunkelelfen nicht aus, sie hatte generell ja nie großes Interesse an anderen gezeigt, weder Personen, noch Rassen. Somit war sie ahnungslos, was diese beiden Männer betraf, die so unterschiedlich waren.
Vermutlich hätte sie sich nicht einmal damit beschäftigt, wenn sie unversehrt gewesen wäre. Nun allerdings umso weniger, da sie so viel durchgemacht hatte und damit noch zu kämpfen hatte, alles zu verarbeiten.
Seitdem das Wesen, das an sie gebunden war, jedoch wieder erwacht war, schien es auch mit ihr bergauf zu gehen. Zumindest begann sie nicht mehr zu schreien wie am Spieß, wenn sich ihm jemand näherte. Auch nicht dieser unheimliche Kerl, der ihr allein mit seiner Anwesenheit schon Angst eingejagt hatte.
Und als sie beide sich zu unterhalten begannen, verstand Azura absolut kein Wort, da sie deren Sprache nicht mächtig war. Nicht einmal der Tonfall gab ihr großartig Auskunft, denn die Laute der Beiden klangen so oder so zischend und feindselig, ob sie nun über das Wetter redeten oder über Mord und Totschlag.
Es war ihr obendrein gleichgültig, solange sie nichts zu befürchten hatte. Was ihr die Frau mit dem Säugling ja mehr oder weniger vermittelt hatte. Sofern sie ihr glauben konnte... Wenigstens wirkte der Beruhigungstrank noch, sodass sie auch nicht auf die Idee kam, dass sich die Situation geändert hatte.
Als sich der Fremde abwandte, widmete sich ihr Anhängsel und schaffte es mit seinen Worten, dass ihr alter Trotz wieder Nahrung bekam. Ihre Augen wurden schmal und sie ballte die Hände zu Fäusten.
Etwas klingelte in ihrem Hinterkopf, etwas in ihrer Erinnerung und sie wollte tatsächlich aufbegehren, allein schon, weil er es ihr zu verbieten suchte. Aber sie war noch nicht so gut beisammen, als dass es sich vollends hätte Bahn brechen können. Lediglich unterbewusst kam es hervor, indem es in ihrer Stimme mitschwang, als sie fragte:"Und wie sollten wir das schaffen?" Die junge Frau hatte ihre Zweifel daran.
Warum, das war ihr nicht klar, die Bilder ihres Weges von ihrem Anwesen zu dem Zelt und dann zu der Akademie waren für sie nicht greifbar. Sie schwelten lediglich in ihrem Inneren, verschüttet von dem Aufruhr, der sich in ihr erst zu legen begonnen hatte.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Das dunkle Volk » Montag 19. August 2013, 02:16

Vielleicht hätte man Corax nicht ganz heilen sollen. Jetzt, da er sich bis auf wenige Wunden offenbar unverletzt fühlte, kehrte auch die typische Arroganz zurück, die den Dunkelelfen zumindest gegenüber anderen Völkern ein typischer Aspekt ihrer eigenen Rasse war. Corax bildete da keine Ausnahme und so behandelte er Azura noch immer wie eine Sklavin, die kaum mehr wert war als der Schmutz unter seinen Fingernägeln.
Und doch klang es trotz allem nicht mehr ganz so hart wie zuvor noch im Zelt seiner Herrin. Vielleicht, weil auch er diese nun für sich verloren hatte. Er war Abfall, wie eben jener zu den Leichen der Menschen geworfen worden, die den dunklen Völkern Widerstand geleistet hatten. Man sah genauso wenig in ihm wie in diesen toten Körpern. Sollte er jämmerlich unter dem Abschaum verrecken, das waren die Zeichen.
Zum Glück hatte man ihm sonst keine gegeben. "Ich bin immer noch ein Dunkelelf und nicht jeder kenn mein Gesicht. Nur du bist keine. Das ändern wir." Er schaute sich im geschändeten Tempel um. Dann riss er einer toten Frau einen langen Schal vom Körper, der teilweise in Blut getaucht war und reichte ihn Azura. "Wickel dir den um, damit man nur noch deine Augen sehen kann. So sollten wir unbeschadet ins Freie kommen. Danach sehen wir weiter." Er musterte das goldene Kettchen. "Ich muss das und dich loswerden", sprach er da wohl mehr zu sich selbst als zu seiner Begleiterin.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Donnerstag 22. August 2013, 00:43

So sehr, wie die Kräfte und die Arroganz in diesen Mann, der mit einem goldenen Faden an sie gebunden war, zurück kehrte, so weit schien auch die junge Frau sich zu erholen. Vermutlich auch aufgrund des Beruhigungsmittels, sodass ihre Nerven nicht mehr derart flatterten und ihr eigener Charakter erneut in Erscheinung treten konnte.
Denn, wenn dieser Kerl geglaubt hätte, leichtes Spiel mit ihr zu haben, dann hatte er sich gewaltig getäuscht. Azuras Trotz wuchs mit jedem seiner herablassenden Blicke und vor allem mit seinen Worten.
Die Erinnerung war noch nicht soweit zurück gekehrt, dass sie bewusst darauf hätte zurück greifen können. Allerdings war das auch gar nicht nötig, schließlich hatte sie vor all diesen Erlebnissen ausreichend Selbstbewusstsein besessen, um es auch jetzt wieder hervor kramen zu können, instinktiv. Wie von selbst straffte sich ihre Haltung, zog sie die Schultern zurück und reckte ihr Kinn vor, während in ihre Augen Leben und Protest zurück kehrten. Nicht sofort und sprunghaft, jedoch allmählich wachsend.
Widerwillen keimte in ihr auf, als er sie wieder ansprach, sodass sie leise schnaubte und am liebsten die Arme verschränkt hätte. Dabei war ihr nicht klar, wie rasch sie in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen schien, nun, wo sie und er wieder unter sich waren.
"Was soll das nun wieder heißen?", gab sie fauchend zurück und verzog angeekelt das Gesicht, als er von einer Toten etwas wegnahm und ihr reichen wollte. Nicht nur das, der Stoff war obendrein mit Blut getränkt und von einer Farbqualität, die eher die Mittelschicht gebrauchte. Woher dieses Wissen kam, war ihr noch schleierhaft, die Abneigung aber blieb.
So wich sie einen Schritt zurück, zog dabei an der Kette, und schüttelte entschieden den Kopf. "Vergiss es, das tu ich nicht! Erstens, ich verstecke mich nicht, und zweitens, so etwas fass ich doch nicht an! Igitt!" Viel war nicht mehr übrig von dem verschüchterten, verweinten Mädchen von vorhin, lediglich ihr Äußeres zeugten noch davon. Die schwächelnde Stimme indes war ein Tribut an das beruhigende Mittel, das noch von ihrem Körper abgebaut werden musste. Dafür waren ihr Wille und ihr Eigensinn wieder vorhanden.
Trotz des fehlenden Wissens ihrer eigenen Vergangenheit war ihr indes etwas anderes bewusst und so schnaubte sie verächtlich bei dem Nachsatz, war er nun für ihre Ohren bestimmt gewesen oder nicht. "Oh, ein Dank hätte schon gereicht dafür, dass ich verhindert habe, dass das Schwert von dem dort..." Dabei deutete sie in die Richtung des zerstörten Tempels, in welche sich die Kleinfamilie zurück gezogen hatte. "... deinen Hals erwischt!", zischte sie ihm zu.
Nun gut, das stimmte zwar nicht vollständig, im übertragenen Sinn allerdings schon. Wobei ihr mit der Rückkehr ihres Wesens immer schleierhafter wurde, warum sie das getan hatte. Wer wusste es? Vielleicht wäre sie das Band längst los und wieder in Sicherheit, wenn sie es nur zugelassen hätte! Der Zugang zu der Überzeugung, dass auch dieser Kerl leben musste, damit sie weiter existieren konnte, ging ihr dadurch mit jedem Atemzug, in dem ihr Instinkt von ihrem Bewusstsein überlagert wurde, weiter verloren.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Das dunkle Volk » Freitag 30. August 2013, 04:19

In Corax' Blick trat ein Funkeln von gleich steigender Intensität wie sich auch bei Azura der Trotz auf ihrer Miene ausbreitete. Sie gewann an Mut, er bemerkte es und wurde zunehmend wachsamer. Er spürte instinktiv, dass sie noch immer nicht gebrochen war, eine Aufgabe, an der er sich bislang bereits ziemlich die Zähne ausgebissen hatte. Aber genau das schien es zu sein, was dem Dunkelelfen für den Bruchteil einer Sekunde ein Aufblitzen seiner rubinroten Augen bescherte. Steckte Anerkennung in dieser Mimik, die viel zu schnell an Azuras Antlitz vorüber zog? Eine Antwort blieb aus, nicht jedoch auf ihre Worte hin.
"Es heißt, dass ich mich dieser Kettenglieder und somit deiner entledigen werde. Und nun sei nicht störrisch, bind dir den Lappen gefälligst um. Wenn man dich als Mensch erkennt, werden viele Fragen stellen ... und dann fliegen wir auf. Willst du das?" Seine Stimme hatte einen knurrigen Unterton angenommen, mehr noch als sonst. Wo er sich bislang fast wie ein krächzender Rabe angehört hatte, wenngleich nicht einmal sonderlich unangenehm, so trat nun das Knurren eines bissigen Hundes an die Oberfläche - eines Köters, der wohl endgültig die Geduld verlor.
Aber wieder biss dieser Bluthund auf Granit, biss sich die Zähne an der kleinen Prinzessin aus, die in Azura steckte. Er schnaubte. Corax gab nicht auf, das nicht. Er sah ein, auf diesem Weg nicht weiter zu kommen. "Für solche Spiele habe ich keine Zeit", gestand er entnervt ein, blickte sich wiederholt unter den Toten um. Dass das Gewicht seines einstigen Schwertes längst nicht mehr an seinem Gürtel hing, hatte er gleich nach dem Aufstehen bemerkt. Waffenlos waren sie seiner Art noch hilfloser ausgeliefert. So durchsuchte der Elf erneut die Leichen, selbst wenn er aufgrund vom Ekel seiner Leidensgenossin nur einen Arm nutzen konnte. Notfalls würde er einfach etwas kräftiger an der Kette ziehen.
Da! Blitzte da nicht Metall zwischen zwei Körpern auf? Corax wühlte und wurde tatsächlich fündig. Er fand einen gezackten Dolch, eindeutig eine orkische Waffe. Zufall oder die Gnade der Götter hatte dieses überlange Messer in seine Hände gespielt. Ein Ork puhlte sich damit Fleischreste aus den Zähnen. Für einen Elfen war die gezackte Klinge bereits fast ein Kurzschwert. Corax wandte sich damit Azura zu. Nun lag nichts mehr als reglose Kälte in seinem Blick, gepaart mit Entschlossenheit.
"Es reicht jetzt! Streck deinen Arm aus, dann mach ich unser beider Schicksal ein jähes Ende." Doch anstatt auf die kleine, goldene Kette mit den feinen Gliedern zu zielen, setzte er die Waffe am Handgelenk Azuras an. Er würde niemals mit der Schneide durch ihren Knochen gelangen, selbst wenn diese gezackt war, aber ganz offensichtlich hatte er genau das vor. Corax riskierte, ihre Hand abzutrennen, um sich endlich von seiner Begleiterin zu befreien. Was interessierte ihn ihr Schicksal?
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Sonntag 15. September 2013, 10:31

Natürlich, die junge Frau war eine verwöhnte, mitunter verzogene Tochter ihrer Eltern gewesen, gehätschelt und getätschelt, sich darüber bewusst, wie sie ihren Stiefvater um den Finger hatte wickeln können. Nichts desto trotz hatte sie ihre ersten Lebensjahre in ärmlichen Verhältnissen verbracht und aus dieser Zeit stammte wohl noch ihre Kraft, die sie nun davor bewahrt hatte, eine leblose Hülle zu bleiben angesichts der Schrecken, die sie durchlebt hatte und derer sie sich noch immer nicht vollständig bewusst war.
Obendrein war da ihr Starrsinn und die Arroganz, die sie ob ihrer Stellung entwickelt und gehegt hatte, weil man sie in ihrer Welt teilweise auch zum Überleben gebraucht hatte. Somit blieb sie eine Herausforderung und gewann durch das beruhigende Mittel wieder an Selbstvertrauen, denn ihr Unterbewusstsein fand allmählich zu ihrem früheren Wesen zurück.
Ob und wie groß ein Schaden zurück bleiben würde, war eine bedeutende, aber definitiv andere Frage. Derzeit hingegen lief sie beinahe zu alter, gewohnter Hochform erneut auf. Finster und entschlossen, mit vorgerecktem Kinn, um so wenigstens ein bisschen ihren Hochmut auszudrücken, blickte sie ihren Begleiter an, dem sie zuvor, vor wenigen Minuten erst, noch das Leben gerettet hatte.
"Was schert es mich, was du willst und was du zu erklären hast?!", fauchte sie angriffslustig und dachte nicht daran, diesen ekligen Lappen um sich zu wickeln. Mochte ihr Körper in Mitleidenschaft gezogen worden sein oder nicht, das war definitiv unter ihrer Würde! Da half auch kein Knurren in seiner Stimme, das sie hätte beeindrucken sollen, wenn sie sich der Gefahr, die trotz allem von ihm weiterhin ausging, bewusst gewesen wäre.
Bei seinem kleinen Geständnis schnaubte sie herablassend. "Pff, als ob ich mich länger mit dir abgeben will als nötig!", schoss sie zurück, ein weiteres Zeichen dafür, wie weit sie zu ihrer selbst zurück gefunden hatte.
Trotzdem begann ihr Herz ein wenig schneller zu pochen, als er sich erneut den Leichen umwandte, und mit vor Ekel verzogener Miene sah sie ihm dabei zu. Ihr Puls jedoch schoss regelrecht in die Höhe, als er mit einem Mal ein Kurzschwert in der Hand hielt. Ihre Augen weiteten sie, ehe sie sich hastig einbläute, nur ja keinen Schrecken zu zeigen.
Instinktiv ahnte sie, dass das ihre Position weitaus mehr schwächen würde, als wenn sie ihm weiterhin die Stirn bot. Also verschloss sich ihr Gesicht, reckte sie ihr Kinn noch einmal betont um einen oder zwei Millimeter vor und ruckte so fest sie konnte an ihrem gefesselten Arm, um diesen mitsamt dem anderen vor ihrer Brust verschränken zu können. Obwohl ihr die Knie schlotterten und das Herz regelrecht im Halse schlug, hoffte sie, ein selbstsicheres Auftreten erreicht zu haben.
"Du bist wohl nicht mehr ganz bei Trost!", zeterte sie und schickte ein paar unschöne, längst vergessen geglaubte Bezeichnungen für ihn auf Garmisch hinterher, die sie teilweise selbst nicht verstand, sondern nur aussprechen und deren Bedeutung sich höchstens denken konnte. Als ihr diese ausgingen, kam sogar noch die ein oder andere Bezeichnung auf Sendli hinterher, die sie noch weniger verstand, aber ihr half, sich aufrecht zu halten.
"Hack dir doch selbst deine stinkende Klaue ab, wenn du nichts besseres weißt! Mich kriegst du nicht!", setzte sie letzten Endes hinzu und würde alles in ihrer Macht stehende tun, um zu verhindern, dass diese Klinge noch einmal ihre Haut berührte, wie es kurz geschehen war. Denn es hatte ausreicht, um sie zu ritzen und einen Blutstropfen hervorquellen zu lassen, bevor sie rechtzeitig hatte reagieren können.
Ihr Blick, mit dem sie ihn bedachte, war nicht minder entschlossen als der seine, und auch wenn sie ihm körperlich unterlegen wäre, ihre Sturheit konnte es problemlos mit der seinen aufnehmen und würde ihr sicherlich so einige Möglichkeiten eröffnen, wie sie sein Vorhaben sabotieren könnte. Schließlich würde sie sich von so einem dahergelaufenen Wicht nicht verstümmeln lassen!
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Das dunkle Volk » Dienstag 24. September 2013, 13:40

"Es sollte dich etwas scheren, minderwertiges Lebewesen", knurrte er auf ihre Frage hin und hob das gezackte Messer etwas mehr an, als wollte er damit seine folgenden Worte unterstreichen. "Wenn man dich entdeckt und als Mensch erkennt, werden wir beide nicht lebend hier herauskommen. Mich wird man einfach töten - Kopf von den Schultern oder ein langer Schnitt über den Körper, damit mir sämtliches Innenleben vor die Füße fällt, dass ich mir selbst beim Sterben zusehen kann. Aber dich, hochmütiges Ding, werden sie zuvor sicherlich noch herumreichen und ihren Spaß mit dir haben. Solange, bis du nicht mehr schreien kannst, Vielleicht schneiden sie dich auch noch ein paar Löcher mehr, um dich zu benutzen und nein, dir wird kein gnadenvoller Todesstoß zuteil werden. Während ich also leblos an deinem geschändeten Körper hänge, werden sie dich irgendwo einfach liegenlassen, bis Faldor deiner missbrauchten Seele gewahr wird und dich als Opferlamm in der ewigen Verdammnis in Blut und Todesschreien baden wird."
Seine Worte waren trotz der celcianischen Allerweltssprache kalt und eisig, als hätte er mit Leriumszunge gesprochen und nicht minder war sein Blick. Das Rubinrot zeigte sich hart, doch sollte Azura genauer hinschauen, erkannte sie wohl selbst in diesen soldatisch mörderischen Augen einen Funken Angst. Sogar der Dunkelelf fürchtete sich vor einem solchen Schicksal.
"Du hast zwei Möglichkeiten: entweder hacke ich dir hier und jetzt die Hand ab und du bekommst auch deinen Willen, dich von mir zu trennen oder du verbirgst dein Gesicht so, dass es niemandem auffallen wird, dass ein törichtes Menschenmädchen mitten durch ihre eroberte Stadt wandert. Ich gebe dir eine Minute Bedenkzeit." Auf ihren Vorschlag hin, sich selbst die Hand abzutrennen ging Corax nicht einmal ein, als hätte er es nicht gehört. Es war keine Option für ihn, er als Soldat brauchte schließlich beide Hände. Außerdem würde er einen solchen Vorschlag, noch dazu ausgesprochen von einer Menschin, niemals akzeptieren.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Montag 21. Oktober 2013, 14:45

Rylds rigoroses dazwischen gehen führte dazu, dass Miriel um ein Haar ihre Rolle vergessen hätte. Schon wollte sie den Dunkelelfen zur Rede stellen, was ihm denn einfiele, doch konnte sie sich im letzten Moment gerade noch zügeln. Den Blick demütig auf den Boden gerichtet wartete sie ab und beobachtete den Dialog der beiden Dunkelelfen. Auch wenn sie so nicht alles sah, was vor sich ging, hörte sie an der jeweiligen Stimmlage der beiden eine ganze Menge heraus.
So fiel ihr sofort auf, dass Ryld mit kalter, autoritärer Stimme auf den anderen Dunkelelfen einsprach. Auch seine Worte zeugten von einer Arroganz, die sie bei ihm nur am Anfang, als er sie damals in der Wüste gefangen genommen hatte, beobachtete. Der andere Dunkelelf hingegen begegnete Ryld mit einer derartigen Unterwürfigkeit, dass es sie beinahe anekelte. Trotzdem war die Unterhaltung, wenn man es denn eine solche nennen konnte, denn wie es schien befahl Ryld und der andere kroch vor ihm, recht aufschlussreich, warf aber zugleich wieder neue Fragen auf.

Die wichtigste Information bestand darin, dass der andere Dunkelelf Diener einer Feuermagierin war. Diese war es auch, die ihn und das Mädchen mit der magischen Kette verbunden hatte. Das Mädchen betrachtete die Magierin als ihr Eigentum. Ob es so kostbar war, wie der Dunkelelf sagte, wagte Miriel zu bezweifeln. Anderenfalls hätte diese Serpentis Mortis das Mädchen sicher nicht einfach so, wie ein Spielzeug, dessen man überdrüssig wurde, weggeworfen. Doch sollte es so sein, dann bestand die, wenn auch sehr unwahrscheinliche, Möglichkeit, dass Serpentis Mortis von der Genesung ihres Schatzes erfuhr, wodurch sie zu einer Gefahr für sie und Ryld wurde.
Sicher, bei einer Konfrontation hätten sie, da sie beide selbst über magische Fähigkeiten verfügten, gute Aussichten diese Feuermagierin zu besiegen, aber gerade das, nämlich großes Aufsehen, galt es zu vermeiden. Sie waren zwei Schafe im Wolfspelz inmitten eines geifernden Wolfsrudels und jede Unachtsamkeit würde sie zu einem Festmahl für die Wölfe machen. Miriel erkannte, auch wenn es ihr widerstrebte, dass es besser wäre, wenn sie sich hier und jetzt von dem Mädchen und dem mit ihr verbundenen Dunkelelfen trennten. Sie musste in erster Linie an sich und ihr Kind denken. Mitleid und Barmherzigkeit waren im Augenblick fehl am Platz. Sie hatten schon genug für die beiden getan, beruhigte sie ihr aufbegehrendes Gewissen. Sie hatten ihnen das Leben gerettet, das sollte Hilfe genug sein. Nun mussten sie sehen, wie sie allein zurechtkamen.

Aber auch Rylds Haltung hatte sich, wie Miriel bei einem flüchtigen Augenaufschlag erkannte, schlagartig bei den Worten des anderen Dunkelelfen geändert. War er vorher für einen Dunkelelfen noch halbwegs umgänglich so wurde er mit einem mal vollkommen abweisend, ja fast schon feindselig. Man konnte fast glauben er hätte in ein Vipernnest gefasst, so schnell wie er nun auf Distanz ging.
Auch seine nächsten Worte bestätigten diese Haltung. Selbst wenn Miriel dem Mädchen noch immer helfen wollte, Rylds Worte machten dies ein für alle Mal zunichte. Was an der Aussage des Dunkelelfen ihn dazu veranlasste, erschloss sich der Erdmagierin allerdings nicht. Wahrscheinlich war es wieder so eine Eigenart der Mentalität der Dunkelelfen. So nach dem Motto: Man hat dich fallen lassen, deshalb bist du nicht den Dreck unter meinen Fingernägeln Wert. Sei froh, dass ich dir dein kümmerliches Leben lasse.
Wahrscheinlich würde Miriel diese Mentalität nie verstehen, aber sie war ein guter Grund, um sich einfach und unkompliziert der Beiden zu entledigen.
Ryld machte durch eine harsche Geste auch sofort unmissverständlich klar, dass es für sie an der Zeit wäre, den Tempel zu verlassen, da er keine Sekunde länger in der Nähe des Unwürdigen zu bleiben wünsche. Eilfertig trat sie zu ihrem „Herrn“, nur um ja nicht den Eindruck von Unbotmäßigkeit aufkommen zu lassen. Denn die Legende musste gewahrt bleiben. Demütig den blick gesenkt verharrte sie in angemessenem Abstand hinter Ryld und wartete, dass dieser sich in Bewegung setzte. Nun erst konnte sie so richtig die devote Haltung des anderen Dunkelelfen erkennen und auch dessen ängstlicher Blick auf … ja, das war interessant! Er starrte unentwegt mit Angst in den Augen auf Rylds gezeichnetes Gesicht. Nein, nicht das ganze Gesicht, sondern nur auf die an Schriftzeichen erinnernden Narben. Diese Zeichen hatten also etwas damit zu tun, dass der Kerl sich Ryld so ohne Widerspruch unterwarf. In dem Moment nahm sie sich vor, ihren dunkelelfischen Begleiter bei Gelegenheit darauf anzusprechen. mit diesen Zeichen war etwas, dass er ihr nur zu gerne verschwieg.

Ein leichter Stoß in ihren Rücken riss sie aus ihren Gedanken und machte ihr klar, dass es jetzt nicht an der Zeit für derartige Fragen war. Sie hatten sich inzwischen etwas von dem Mädchen und dem Dunkelelfen entfernt, was die gewollte Distanz noch unterstrich, so dass sie es riskierte und Ryld einen bösen Blick zuwarf, den dieser aber nur mit einem fast schon sadistischem Grinsen erwiderte. Dass die Erdmagierin nach so langer Zeit wieder seine Sklavin spielen musste schien ihn in einer sonderbaren Weise in Hochstimmung zu versetzen. Anders gesagt, er genoss diese Situation sichtlich.

Als sie schließlich aus dem Tempel ins Freie traten, versetzte Miriel der Anblick der näheren Umgebung einen Stich. Sie hatte wegen des Leichenbergs im Tempel schon mit dem schlimmsten gerechnet, doch was sie vorfand übertraf ihre Vorstellung bei Weitem.
Die meisten Häuser lagen in Schutt und Asche, nur noch die Grundmauern standen. Aus einigen Trümmerhaufen stieg Rauch auf, Zeuge noch vereinzelter schwelender Glutnester. Zwischen den Trümmern waren verkohlte Leichen zu erkennen. Doch dies war noch nicht das Schlimmste. Der Anblick der Häuser, die noch standen war für sie fast schon albtraumhaft. An den Dachbalken hingen die verwesenden Leichen ihrer einstigen Bewohner, zumeist Männer, die Hab und Gut und ihre Familien wohl gegen die Dunkelelfen verteidigten. Manchmal baumelten dort auch ganze Familien, nicht einmal die Kinder hatte man verschont. Krähen hockten auf den Kadavern und taten sich an den von den Knochen hängenden Fleischfetzen gütlich. Es war ein Bild des Grauens, was sich ihr bot. Die Dunkelelfen mussten wie eine Horde wilder Barbaren über die Stadt hereingebrochen sein und Miriel wagte sich die Gräueltaten nicht auszumalen, die sie an den Einwohnern verübt hatten. Die Spuren dieser ersten Tage waren noch immer sichtbar.

Fast schon apathisch schlug sie den Weg in Richtung des Händler- und Handwerkerviertels ein, Ryld hinter sich ganz vergessend. Für ihn war der Anblick nichts Außergewöhnliches. Er wusste, wie seine Landsleute vorgingen, wenn sie eine Stadt eroberten, die sich ihnen vorher zur Wehr gesetzt hatte. In seinem Leben hatte er schon Grausigeres gesehen.
Der kürzeste Weg führte durch das ehemalige Viertel der reichern Bevölkerung Andunies, deren Häuser man auch noch fast unversehrt stehen sah, vorbei am Rathaus und über den Marktplatz. Doch Miriel mied diese Route, die Unversehrtheit der Villen ließ darauf schließen, dass sich die Dunkelelfen hier wohnlich eingerichtet hatten und auch der Marktplatz war sicher noch der Dreh- und Angelpunkt des Lebens in der Stadt. Stattdessen wählte sie den Umweg über das Armenviertel und den Hafen Andunies. Hätte sie gewusst welcher Anblick sich ihr im Armenviertel bot, sie hätte, nur um sich die Gräuel zu ersparen, den gefahrvolleren weg gewählt. Das Armenviertel bot ein Bild des Schreckens und der Verwüstung, hatten die Dunkelelfen die ärmsten der Armen als unwürdig und Freiwild eingestuft. Hier lebte niemand mehr, nur verwilderte Hunde und streunende Katzen, die Ryld zumeist mit dem Schwert auf Distanz hielt. Auf den Straßen lagen die Leichen geköpfter Männer und geschändeter Frauen. ein Bild prägte sich Miriel besonders ein. Ein Mädchens, höchstens 16 Jahre, hatte man zuerst mehrfach geschändet und dann ihren nackten Leib mit Pfeilen an ein Holztor gespießt. Anschließend hatten sich die Eroberer wohl einen Spaß daraus gemacht, sie als Zielscheibe für ihre Schießübungen mit dem bogen zu machen. Besonders die körperlichen Merkmale ihrer Weiblichkeit waren das auserkorene Ziel dieser Übungen gewesen. Miriel wagte sich nicht vorzustellen, welches Martyrium das Mädchen durchlitten hatte, bis der Tod sie schließlich gnädig von ihren Leiden erlöste. Man hatte sie, so übel zugerichtet, einfach an dem Tor hängen gelassen.
Und dieses Mädchen war nur eine von vielen, die ein ähnliches Martyrium durchlitten hatten.

Es brauchte eine geraume Weile bis sie sich von diesen Bildern lösen konnte. Sie war so gefangen gewesen, dass sie nicht mitbekam, wie Ryld schon eine Weile versuchte ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch irgendwann waren ihre Sinne derart abgestumpft gegen die ewigen Schreckensbilder, dass sie sich endlich ihm zuwandte.

“Miriel! Du darfst diese Bilder nicht an dich heran lassen oder du wirst zerbrechen. Nimm sie auf und nähre deine Hass, aber lass sie nicht in dein Herz. Du musst deine Gefühle davor verschließen oder du verlierst den verstand.“

Ihr Blick ging durch ihn hindurch, starr, als würde er nicht existieren bis sie schließlich mit rauer Stimme fragte:
“Wie oft? Wie oft schon hast du solche Bilder gesehen?“
“Viel zu oft. Ich dachte, dass ich diesen Bildern in der Wüste für immer entfliehen könnte. Doch als ich euch dann traf wusste ich, dass mich meine Vergangenheit eingeholt hatte. Trotzdem, wir müssen nach vorn sehen. Du musst nach vorn sehen, allein schon deiner Tochter wegen.“
Für sich selbst hatte Ryld die Hoffnung auf ein normales Leben aufgegeben. Manchmal, nachts, wenn er nicht schlafen konnte, dann betrachtete er stundenlang diese Frau und ihr Kind und wünschte sich, sie würde für ihn das Gleiche empfinden, wie er inzwischen für sie. Doch das waren nur sentimentale Wunschträume, eines ehemaligen Faldorkriegers unwürdig. Auch wenn er Faldor abgeschworen hatte, so hatte er mit seinen Taten, die er unter dem einst Faldor geleisteten Schwur begangen hatte, das Recht auf persönliches Glück für immer verloren. Niemand würde ein solches Monster lieben können. Niemand!
“Hoffen wir, dass dein Haus noch steht und nicht ebenfalls dem Erdboden gleich gemacht wurde.“, lenkte er daher schnell das Thema in eine unverfänglichere Richtung.

Ja, daran hatte Miriel nicht gedacht, als sie ihm von ihrem Häuschen erzählte. Selbst wenn es noch stand, wusste sie nicht, ob es auch noch unbewohnt war. Es war inzwischen so lange her, seit sie ihre Töpferei verlassen hatte, dass niemand sagen konnte, welche Gauner sich inzwischen darin eingenistet hatten.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Sonntag 1. Dezember 2013, 13:47

Für Miriel geht es in Durch die Straßen Andunies weiter!!!
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Sonntag 19. Januar 2014, 20:40

Azura blieb einen Moment lang die Spucke weg und sie starrte ihn fassungslos, mit leicht geöffnetem Mund an. "Min... min... minderwertig?", keuchte sie, als wäre sie nach einem langen Lauf außer Atem. Das Messer war in diesen Augenblicken vergessen, ebenso wie der entschlossene Ausdruck in seinem Antlitz, diese Waffe auch gegen sie zu richten.
Eine leichte Röte stieg in ihr auf, färbte die blasse Gesichtshaut immer stärker und breitete sich letzten Endes sogar bis in ihr Dekolleté aus. "Minderwertig?! Geht's nocht?! Du verfluchter...", begann sie zu keifen und wechselte daraufhin, weil es sich darin besser schimpfen ließ, ins Garmische, um ihn mit Adjektiven und Namen zu bedenken, die selbst den ein oder anderen Gossenjungen und Hafenarbeiter vor Scham im Boden hätten versinken lassen. Ja, es wurde offensichtlich, dass sie allmählich wieder zu ihrer alten Form zurückfand.
Da half es auch nicht sonderlich, dass er ihr Angst einzujagen versuchte, indem er ihr mit Worten erstaunlich ausführlich ausmalte, was mit ihr geschehen würde, sollte sie als Mensch entdeckt und erkannt werden.
"Pah!", gab sie irgendwann vor sich und musste tatsächlich aufhören, weil ihr einerseits die Bezeichnungen ausgingen und sie andererseits auch einmal Luft holen musste. Keuchend und wie eine noch nicht abgezogene Gewitterwolke stand sie vor dem größeren Kerl, dem sie erst vor kurzem das Leben mehr oder weniger gerettet hatte.
Doch anscheinend war er noch nicht fertig mit ihr, obwohl sich sein Tonfall ein wenig geändert hatte. Nicht viel, allerdings ausreichend, dass sie davon abließ, ihn weiter zu beschimpfen. Vorerst zumindest!
Nur eine letzte, scharfgezischte Bemerkung konnte sie sich nicht verkneifen, ehe sie leise schnaubte. "Steck dir das Brotmesser sonst wohin!", fauchte sie und bückte sich zum Rock ihres Kleides.
Ohne sich darum zu kümmern, weil sie in ihrem adelig anerzogenen Hochmut davon ausging, dass er es nicht wagen würde, ihr irgendetwas zu tun, griff sie an die Naht und begann, einen breiten Streifen abzureißen. Dieser war lang und breit genug, dass sie ihn sich gekonnt um Kopf und das halbe Gesicht wickeln konnte. Lediglich die Partie zwischen Nasenrücken und Haaransatz blieben frei, sodass sie den Kerl weiterhin finster anfunkeln konnte, während sie den Stoff mit der freien Hand an seinem Platz hielt.
"Gib das Zeug weg, es stinkt nach Leiche!", befahl sie durch das Material hindurch und bedeutete den Augen, dass sie den Fetzen meinte, den er zuvor einer der Toten entrissen hatte.


[Occ: tut leid fürs lange warten, irgendwie is die zeit zu schnell vergangen O.o]
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Das dunkle Volk » Dienstag 28. Januar 2014, 19:24

So fassungslos ihn Azura anstarrte, so unbeeindruckt und kühl blickte Corax zurück. Seine Augen hätten aufgrund ihrer rubinroten Färbung etwas Warmes ausstrahlen können, wenn sich dahinter nicht eine eiskalte Persönlichkeit befände, die sogar noch dem Eisreich selbst hätte Konkurrenz machen können. Nein, so ganz stimmte das nicht. Denn dann hätte der Elf sie bestimmt nicht aufgefordert und ihr jetzt die Wahl zwischen einem stinkenden Lumpen und einer abgehackten Hand gelassen. Er hätte kurzen Prozess gemacht. Das musste man Corax dann wohl zusprechen, so skurril es immer noch klang und Azura sicherlich nicht beruhigen würde.
"Minderwertig", wiederholte der Dunkelelf, fast schon in spöttischer Belustigung. "Ist der Begriff zu schwierig für dich? Da hast du den Beweis, Menschin." Er schmälerte die Augen, als sie zu keifen begann und jetzt war es Corax, der mit schwierigen Begriffen ringen musste, vor allem, weil er das Garmische nicht verstand. So schwieg er, ließ Azura vor sich hin krakelen, bis sie langsam endete. Dann holte er aus.
Eine schallende Ohrfeige sollte es setzen, gefolgt von einer geschnarrten Frage: "Bist du nun fertig damit, unsere Zeit zu verschwenden? Es genügt mir. Streck deinen Arm vor." Er versuchte, danach zu packen, doch die junge Frau war schneller, hatte eine andere Entscheidung für sich getroffen. Einen Lumpen würde sie sich genauso wenig umwickeln wie sich die zierlichen Finger abhacken zu lassen. So riss sie lieber ein Stück von ihrem einst kostbaren Gewändern ab. Einst kostbar. Jetzt waren selbst das nur noch Lumpen. Auch rochen sie nicht viel angenehmer als die Kleidung der hier getürmten Leichen, hatten sie doch alle in deren Blut und nahe der wachsenden Verwesung gelegen.
Welch grausames Schicksal war für Azura bestimmt! Nicht nur ihr schönes Kleid, auch ihre verbrannten Haare. Sie sah wohl aus wie eine Vogelscheuche und noch immer hing sie an dem Dunkelelfen, verbunden über das einzig Schöne, was sie noch besaß. Das Goldkettchen glänzte und funkelte, obgleich kein großes Licht den Schimmer verursachen konnte. Es schien von innen heraus zu leuchten, was nur ein weiteres Indiz für die Magie war, die dem Schmuckstück inne wohnte.

Corax wurde ein Stück mit herunter gezerrt. Dieses verdammte Kettchen. Er hing leicht vorgebeugt über Azura, beobachtete ihr Tun und stieß die Luft schnaubend durch die Nase aus. Aber er ließ sie gewähren. Ob sie sich nun einen ihrer Lumpen umband oder etwas von den Toten war ihm gleich. Hauptsache, sie verdeckte ihr Gesicht, damit sie sicher aus der Stadt kämen. Dann konnten sie beide weitersehen.
Vorsichtshalber schob er sich das Messer in den Gürtel. Den hatte man ihm gelassen. Die dunklen Schuppen, aus denen er gefertigt war, schimmerten leicht, doch boten sie keine Konkurrenz für das goldene Handgelenkskettchen. Den Lumpenfetzen ließ er fallen. Man benötigte ihn nicht mehr und Corax hatte nicht vor, sich hier einzukleiden. Die meisten Dunkelelfen würden ihn nicht aufhalten, dazu war er zu unbekannt. "Solange wir uns schnell und sicher bewegen, ohne zu viele Gespräche zu führen, werden wir es schaffen." Er richtete sich wieder auf, einen letzten - dieses Mal prüfenden - Blick über die verhüllte Azura gleiten lassend. Er nickte zufrieden für sich. Das müsste klappen. "Bist du endlich soweit?", hakte er dennoch nach, spähte durch den geschändeten Tempel zu dessen Ausgang. Eine Totenhalle wurde nicht bewacht. Die Dunkelelfen fürchteten nicht, dass sich diese Leichen erhoben. Weit und breit ließ sich auch kein Nekromant ausmachen.
"Los jetzt", gab Corax das Kommando an. Er wollte nur noch hier heraus - wohin war zunächst keine Frage, die er sich beantwortete, solange der erste Etappenpunkt aus der Stadt hieß.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Mittwoch 5. März 2014, 22:42

Es war für die junge Frau vermutlich ein Glück, dass sie derart unempfindlich gegen drohende Blicke war, weil sie diese schlichtweg ignorierte. Nicht, weil sie dermaßen sozial inkompetent gewesen wäre, sondern weil sie aufgrund ihrer Erziehung einfach nicht glauben wollte, dass jemand seine Drohung wahrmachen könnte. Auch nach all ihrem bislang Erlebten nicht, dessen Erfassung sie ohnehin noch längst nicht vollkommen hatte erfassen können oder sich gar damit beschäftigen wollen. Für sie persönlich war wichtig, dass sie ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen hatte, mehr nicht.
Und, auch wenn ein Großteil davon noch gespielt war, wählte sie lieber diesen Weg, um stark zu erscheinen und dadurch vielleicht ein paar Probleme weniger bekommen würde. Möglich wäre es ja… Deswegen gab sie auch nicht so schnell nach, obwohl sie sich gleichzeitig der Logik ein wenig widersetzte.
Leise schnaubte sie und warf ihrem Begleiter, der an sie gekettet war, einen kalten, hochmütigen Blick zu. „Ist er nicht. Er ist lediglich fehl am Platz.“, gab sie erstaunlich beherrscht zurück im Vergleich zu der Tirade gerade eben noch. Jetzt, nachdem sie sich ausgeschimpft hatte, kehrte ihre Haltung zurück, die sie ihrem Stand gemäß anzunehmen gelernt hatte.
Doch anscheinend kam diese Einsicht für ihr Gegenüber zu spät, denn mit einem Mal erhielt sie eine Ohrfeige. Mehr entsetzt, denn aufgrund ihrer brennenden, sich sofort rötenden Wange schrie sie auf und funkelte ihn dermaßen wütend an, dass sie jedem Dunkelelf alle Ehre gemacht hätte. Es ging alles zu schnell, allerdings würde sie diese Tat so rasch nicht vergessen.
Dass sie indes trotz ihres Gebarens Angst hatte, tatsächlich ihre Hand zu verlieren, war indirekt daran zu erkennen, dass sie einen anderen Weg wählte, den ihr eigenen. Ihr schönes Kleid war sowieso zu vergessen und diente höchstens noch als Putzlappen, sobald sie einen Ersatz dafür gefunden hätte, sodass es ihr keine Mühe abverlangte, davon einen Streifen herauszureißen, den sie sich um ihren Kopf schlingen konnte. Um eine Frisur brauchte sie sich derzeit ja nicht zu sorgen und später hätte sie dann auch Zeit für die Trauer um ihre prachtvolle Mähne. Diese würde zwar nachwachsen, aber bis dahin würde sie leiden, definitiv!
Während sie den Stoff so legte, dass so viel wie möglich von ihrem Haupt verborgen wurde, hielt sie den Blick ausnahmsweise gesenkt, um sich nicht zu sehr zu verraten. Doch gleichzeitig zischte sie leise Verwünschungen auf Garmisch, ähnlich klingend wie das Rauschen des Windes in den Blättern, nur absolut nicht so lieblich oder harmlos. Sie schwor Rache für diese Behandlung und sie würde diese auch bekommen, das nahm sie sich fest vor. Wie, das war ihr noch nicht klar, aber in dieser Hinsicht war sie äußerst geduldig und solange diese goldene Kette sie beide aneinanderband, hatte sie auch keinen Anlass zur Eile. Irgendwann würde er schlafen müssen und dann würde er sich wünschen, sie mit Respekt und Anstand behandelt zu haben!
Aus den Augenwinkeln beobachtete sie die Bewegung, mit der er seinen Dolch in den Gürtel schob. Hm… vielleicht würde ihr diese Waffe nützlich sein, allerdings wollte und würde sie sich darauf jetzt noch nicht festlegen, sondern lieber zuerst genauer überlegen, wie sie vorgehen würde.
Erst, als er sie genauer musterte und das Wort erneut an sie richtete, gewährte sie ihm wieder einen Blick, weiterhin kühl und fast schon verdächtig gefasst. „Ich habe nicht vor, einen Begleiter wie dich zu einem Kaffeekränzchen einzuladen.“, hielt sie dagegen und hatte absolut kein Verlangen danach, sonderlich viel mit ihm obendrein zu plaudern.
Ein anderes Problem tat sich allerdings auf, als er den Befehl zum „Abmarsch“ gab. Denn Azura dachte nicht im Traum daran, sich einfach zu fügen und abführen zu lassen wie eine Sklavin. Stattdessen ließ sie eine Antwort bleiben und ging kurzerhand zielstrebig weg vom Haupteingang, sie würde sich nicht so rasch aufhalten lassen, sollte er sich nicht mit seinem vollen Gewicht dagegen stemmen. Sollte er protestieren, hätte sie einen Trumpf in der Hand. Schließlich war das hier der Haupttempel ihrer Heimatstadt. Da verstand es sich beinahe von selbst, dass sie auch dessen Geheimnisse kannte, ganz gleich, wie gläubig sie einst gewesen war.
Und zu diesen zählte selbstverständlich ein kleiner Seitenausgang, der sich so rasch von außen nicht erkennen ließ. Dort wollte sie hin, denn dieser führte viel rascher aus der Stadt heraus und das obendrein auf Pfaden, die nicht direkt als Hauptwege zu bezeichnen waren.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Das dunkle Volk » Mittwoch 19. März 2014, 11:43

Im Rubinrot seiner Augen blitzte etwas auf. Es war kein Spott, noch wirkte er amüsiert ob ihrer Fasslungslosigkeit nach der Ohrfeige. Zumindest interpretierte Corax Rabenschrei es so, zu Anfang. Aber dann war da dieses Aufblitzen, ein seichtes und nur kurzes Funkeln, das sich schließlich als leichtes Kräuseln in seinen Mundwinkeln festsetzte. Er musterte Azura jetzt aufmerksamer und länger, bis es ihm selbst auffiel, dass er starrte. So glitt der Blick von ihr ab und noch einmal durch die Halle des geschändeten Tempels. Er wartete, bis sie ihre Vermummung arrangiert hatte und dieses Mal schwieg er sogar. Offensichtlich hatte ihr ans Dunkelelfische erinnernde Blick ihn mehr beeindruckt als es ihre Worte konnten. Denn auf jene hin zeigte er sich wieder nur herablassend und desinteressiert. Auch Corax wollte nun langsam hier weg.
Sie befanden sich schon viel zu lange an diesem Ort. Er fürchtete nicht, dass man sie hier entdecken und sie deshalb Gefahr laufen könnten, ihr Leben endgültig zu verlieren. Vielmehr wurde es ihm langsam unheimlich, auch wenn der gestandene Leibwächter das niemals in Gegenwart Azuras betont ausgesprochen hätte. Aber die ganzen Toten und die Tatsache, dass er nunmehr von seiner Herrin als gleichgestellt angesehen wurde - immerhin hatte sie ihn hier zum Verrotten liegen lassen - bescherten ihm ein flaues Gefühl im Magen. Sie sah ihn als nutzlos, als nicht mehr wichtig für sich selbst. Wer war er noch?
Sein Blick wanderte zur goldenen Kette, die ihn an Azura band und er wischte die Zweifel aus seinen Gedanken. Darüber durfte er nicht nachdenken, das gestattete er sich niemals und auch jetzt nicht. Dann war er eben aus den Diensten seiner Herrin getreten! Das klang schon besser und tat dem Selbstvertrauen mehr wohl als es anders zu formulieren. Er musste sich zusammenreißen.
Ähnliches dachte auch seine Gefangene, die nicht vor hatte, ihm einfach blind durch die Stadt zu folgen. Warum auch, wenn sie bereits einen Fluchtweg kannte?
"Wo willst du hin, Menschin? Ich habe 'Abmarsch' gesagt." Dennoch ließ er sich nun führen, vielleicht neugierig, was sie nun schon wieder hatte? Nein, er entdeckte Zielstrebigkeit in ihren Bewegungen. Sie wusste genau, was sie tat und ein solches Verhalten traute er keiner eingeschüchterten Menschin zu, für die er sie bislang gehalten hatte. Da mochte Azura den Mund aufreißen und ihm Konter entgegen schmettern, noch und nöcher. Bis zu exakt diesem Zeitpunkt hatte Corax nichts Anderes in ihr gesehen. Jetzt aber folgte er ihr, hob erst dezent die Braue, dann immer mehr, bis er sie mit ihrem Zwilling unter der Stirn zusammenfurchte.
Erneut wollte er seine Stimme erheben, als Azura den Seiteneingang erreichte. Da war er wie eh und je: eine schmale, unscheinbare Tür und offenbar vollkommen unberührt geblieben von den Schrecken, die über Andunie hereingebrochen waren. Ha, sie war nicht einmal verschlossen! Azuras Fluchtplan entpuppte sich an dieser Stelle als der Bessere. Sie mussten nicht den Hauptzugang wählen, um wieder auf die Straßen zu gelangen, sondern konnten sich seitlich aus dem Gebäude schleichen und befanden sich somit direkt neben der Stadtmauer. Trümmer lagen auf dem Pflaster, darunter die Überreste eines davon erschlagenen andunischen Soldaten. Die Rüstung war unter dem Stein eingeklemmt und vollkommen zerdellt, ebenso wie sein Kopf. Er hatte den Helm bei seiner missglückten Flucht verloren, er lag ganz in der Nähe. Corax schritt daran vorbei, wollte erneut die Führung übernehmen. Einen Helm brauchte er nicht, Metall war für einen Krieger wie ihn viel zu schwer. Er war es gewohnt, in Leder gekleidet zu sein und dessen Stärken auszunutzen, sowie seine Schwächen zu umgehen. Ein Metallhelm würde ihn nur behindern.
Seine Augen glitten an der Mauer empor. Er entdeckte jene Stelle, wo ein Teil herausgebrochen war. Viel zu weit oben. Er schnaubte. "Selbst ohne dich käme ich da nicht so leicht hinüber. Jedenfalls nicht ohne Hilfsmittel. Es bleibt uns kein anderer Weg als durch das Haupttor. Bete zu deinen Göttern, dass sie uns sicher hindurch lassen werden", meinte er.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Donnerstag 17. April 2014, 19:47

Azura wusste, was sie tat. Ihre Motive und ihre Ziele waren zwar nicht immer die besten, vor allem, weil sie viel zu verwöhnt geworden war, aber obwohl sie manchmal das Gegenteil behauptete, wenn sie etwas angestellt hatte, im Prinzip war ihr durchaus bewusst, was sie machte. Sie konnte nicht alle Konsequenzen vorhersehen oder sich vorstellen, dass sie etwas Negatives mit ihren Vorhaben erreichen könnte, doch das war etwas Nebensächliches.
Zur selben Zeit allerdings würde sie es nicht zulassen, dass sie wie eine einfache Magd behandelt wurde. Entsprechend entsetzt war sie darüber, dass sie eine Ohrfeige kassierte. Es schürte ihren Rachedurst und ihre Wut, im Gegensatz zu sonst jedoch begann sie nicht sofort zu zetern. Stattdessen hielt sie ihre Gedanken in sich verborgen und würde darüber brüten, bis der Plan ausgereift genug wäre, um ihn in die Tat umsetzen zu können. Er sollte schließlich auch Erfolg haben und dafür sorgen, dass dieser Kerl es bereuen würde, sie jemals derartig berührt zu haben!
Dass sich etwas dabei in ihrem Blick änderte, fiel ihr nicht auf, da ihr der Spiegel dazu fehlte. Auch sein Starren war für sie unerheblich, einerseits, weil sie beschäftigt war, und andererseits, weil sie es gewohnt war, unter Beobachtung zu stehen. Früher hatte sie sich darin sogar gesonnt, weil sie gerne die Augen auf ihre äußere Erscheinung gezogen hatte, ganz gleich, aus welchem Grund dies geschehen war, ob wegen männlicher Bewunderung und weiblichem Neid.
Als sie schließlich fertig damit war, ihren Kopf einzuhüllen, ohne sich die Sicht zu erschweren, wollte auch sie aufbrechen. Wobei sie nicht an die mögliche Gefahr dachte, die für sie viel zu irreal war, als vielmehr daran, sich abzusetzen, um sich zu waschen und umzuziehen. Am liebsten wäre ihr der direkte Weg zu ihrem Zuhause, aber ganz so weltfremd war sie dann trotz allem auch wieder nicht.
Dass sie wieder zurück ins Leben gefunden hatte, zeigte sich unter anderem daran, dass sie wieder klarer denken und sich vor allem ihres Standes angemessen halten konnte. Ihr Körper war aufrechter, ihr Blick kühler und herablassender, ihre Mimik entschlossener als noch Minuten zuvor. Sie sollte hier weg und Azura wusste auch schon, wie.
Dass der Kerl indes den falschen Weg einschlagen wollte, quittierte sie nicht einmal mit ihrer Aufmerksamkeit, geschweige denn, dass sie seinen Befehl beachtet hätte. Sie bewegte sich nur, weil sie persönlich es wollte, nicht, weil er glaubte, es ihr anschaffen zu können! Entsprechend ruppig war ihre Reaktion auf sein Aufbegehren.
Betont arrogant sah sie ihn flüchtig über die Schulter hinweg an. "Halt die Klappe!", verlangte sie barsch und setzte weiterhin ihre Schritte zielstrebig zu der kleinen Seitenpforte, durch die man den Tempel viel unauffälliger verlassen konnte. Dennoch atmete sie innerlich auf, als sie nicht nur feststellen konnte, dass der Zugang unentdeckt geblieben zu sein schien, sondern auch noch wie immer unverschlossen war. Ha, eine Etappe erfolgreich bewältigt!
Ohne länger zu zögern, verließ sie den Tempel und verschwendete keinen Gedanken darauf, sich sichernd umzusehen. Viele würden keine Aufmerksamkeit auf die Stelle bei der Stadtmauer verwenden und sie war noch immer davon überzeugt, dass ihr nichts weiter zustoßen würde. Außerdem sollte sich das Anhängsel an der goldenen Kette als nützlich erweisen und für ihre Sicherheit sorgen, wenn sie sich darum schon kümmern sollte, dass sie hier heil aus der Stadt herauskommen könnten.
Den erschlagenen Soldaten bemerkte sie nicht einmal, als sie wenig damenhaft über den herabgestürzten Mauerstein kletterte und ihren zerrissenen Rock soweit anheben musste, dass ihre Beine bis zu den Knien sichtbar wurden. Kaum hatte sie es geschafft, musste sie innehalten, weil ihr Begleiter stehen geblieben war. Unwirsch schnaubte sie und wollte ihn schon anschnauzen, als er selbst das Wort ergriff.
Tief atmete sie durch, um nicht gleich zu keifen und weithin Aufmerksamkeit zu erregen. Dann wandte sie sich zu ihm um und stellte sich dicht vor ihn hin, funkelte zu ihm auf und schien vergessen zu haben, wie rasch er ihr eine Ohrfeige verpassen könnte. "Jetzt hör mal zu, du Knilch!", fauchte sie beinahe lautlos und ballte die Hände zu Fäusten, um ihren Vorsatz beizubehalten. "Das hier ist meine Stadt und mein Zuhause! Ich kenne mich hier aus und wenn du endlich mal dein Hirn einsetzen würdest, würdest du mir einfach folgen und deine Klappe halten!"
Denn sie hatte einen Plan, einen eigennützigen und dennoch einen, von dem sie ausging, dass er klappen würde. Zwar sollte sie ein schlechtes Gewissen haben, weil sie eine vermeintliche Freundin bestehlen würde, um an Kleidung und etwas Geld herankommen zu können, doch dieses Gefühl hielt sich bei ihr in Grenzen. Wichtig wäre allerdings hauptsächlich die heimliche Laube im Garten der Villa, in der ein nicht genehmitger Ausgang aus der Stadtmauer verborgen lag. Sie hatte diese selbst noch nie gesehen oder benutzt, aber die Freundin hatte ihr ausgiebig davon erzählt, besonders, weil sich so heimliche Liebespaare leicht treffen könnten. Sollte die junge Frau je in diese Lage kommen, wäre sie ebenfalls zum Gebrauch eingeladen worden.
Und in der Villa selbst kannte sie sich ebenfalls sehr gut aus, fast wie in ihrem eigenen Zuhause, das vermutlich längst verwüstet und ausgeraubt war. Von daher waren ihr auch die Geheimgänge bis zum Schlafzimmer der Tochter des Hauses gut bekannt.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 24. April 2014, 19:50

Sie überraschte ihn. Das sah man Corax an, als sich beide Brauen auf der dunklen Stirn wölbten und ein Glimmen in das Rubinrot seiner Augen trat. Azura verdankte es ausschließlich jener überrumpelten Gefühlslage, dass der Dunkelelf nicht erneut zuschlug. Stattdessen betrachtete er sich die Vermummte erneut lange und ... vielleicht zu Azuras eigener Überraschung ... schweigend. Dies war jedoch weniger ihrem Befehl zuschulden kommen zu lassen als vielmehr der Art und Weise, wie sie ihn plötzlich behandelte. Auch eine Tochter ihres Rang und Namens konnte herablassend sein. Die Arroganz, das divenhafte Verhalten, das seine Gefangene derzeit an den Tag legte, war es, was Corax für Momente ruhig stellte. Er brütete über das Verhalten. Es gab Azura genug Zeit, den geheimen Weg in die vorläufige Freiheit aufzusuchen, so dass sie beide zumindest erst einmal bis zur Stadtmauer kamen. Leider entpuppte sich diese als weiteres Hindernis, jedenfalls aus Corax' Sicht.
Diese Sicht wurde eingeschränkt, als sich Azura vor ihm aufbaute. Nun, sie versuchte es. Der Dunkelelf war immer noch größer als sie und so musste sie zu ihm aufblicken, aber das minderte den Effekt nicht. Corax schaute auf sie herab. Erneut hob sich dezent eine Braue an. Er rechnete immerhin inzwischen damit, dass sie erneut ihren Protest kundtun würde. Seine Hand schloss sich bereits fester um die entwendete Klinge. Würde er dieses Mal zustechen? Ganz sicher nicht, denn so dumm war er nicht. Eine Leiche am Handgelenk mit sich zu zerren wäre weitaus auffälliger und komplizierter als ihre Art zu ertragen, obwohl er insgeheim zugeben musste, da langsam an seine Grenzen zu stoßen. Dieses menschliche Frauenzimmer war eine Herausforderung!
In den Mundwinkeln kräuselte sich ein amüsiertes Schmunzeln, nachdem sie ihn so betont ruhig, wie es ihr möglich war, angefahren hatte. "Deine Stadt", wiederholte er spottend. "Dann schau dich mal um, Schätzchen. Andunie gehört nicht länger den Menschen. Ihr habt verloren. Du hast verloren." Nach einer Pause, in der er ihr diese Wahrheit vor Augen geführt hatte, deutete der Soldat jedoch eine überraschende Geste an. Er winkte, dass es einer demütigen Verbeugung im Ansatz gleichkam. "Führ uns raus", drang der Befehl jedoch umso schnarrender über seine Lippen. Wenigstens hatte Azura nun ihre Chance. Sie sollte sie beide aus der Stadt bringen, so viel gestand ihr Corax zu und er zeigte sich daraufhin auch folgsam - vorerst. Schweigend begleitete er Azura, bis sie das Herrenhaus ihrer namenlosen Freundin erreichten.
Der Anblick konnte verstörend werden. Aus dem einst gepflegten Gartenstück vor dem Anwesen war ein zertrampeltes, privates Schlachtfeld geworden. Irgendeine Dienstmagd lag dort reglos in ihrem eigenen Blut. Die Wachhunde des Hausherren waren auf brutale Weise abgeschlachtet worden. Zwar fanden sich auch zwei dunkelelfische Leichen und sogar ein Zwerg nahe eines aufgeschürften Erdhaufens, aber das bedrückende Gefühl, das über dem Haus lag, zeugte davon, dass vermutlich kein einziges Mitglied dieser Familie überlebt haben mochte. Ihre Freundin ... würde ihr nicht mehr böse sein können. Sah man es rational, so konnte sich Azura wenigstens guten Gewissens an ihrer Kleidung gütig tun, denn die mutmaßlich Verstorbene würde der Umstand garantiert nicht mehr stören.
Die Hauptpforte lag in Trümmern. Reste der Tür hingen in den Angeln. Man hatte sie aufgebrochen. Das Anwesen selbst lag allerdings in Stille. Vermutlich hatten die dunklen Völker hier bereits ihre mörderischen Plünderungen vollendet. Alles Übrige war angesichts der eroberten Stadt zunächst uninteressant. Irgendwann im Laufe der Tage würde sich hier eine dunkelelfische Familie, Einheit oder sonstwer dieses Volkes niederlassen. Jetzt jedoch lag das Haus verwaist da.
"Wohin?", fragte Corax, während er den Blick schweifen ließ. Er hielt sich dicht an Azura. Ihr selbst vielleicht zu dicht, aber so barg er das goldene Kettchen an ihren Handgelenken, was sonst nur Aufsehen erregt hätte. Derzeit sagen sie eher wie ein Söldner-Duo aus, das die Lage sichern sollte. Diesen Schein wollte er wahren, bewegte sich stolz und aufrecht, aber noch immer folgte er seiner Begleiterin.

Hinter der Villa befand sich das größere Gartenstück. Es war ein Platz zum Verweilen - vor dem Angriff. Jetzt hatte man auch hier die zahlreichen Blumen zertrampelt, die die Mutter von Azuras Freundin noch eigenhändig angelegt hatte. Irgendetwas hatte den alten Apfelbaum im Garten gespalten. Äste lagen schwer auf dem gestutzten Rasen. Die Laube, auf die es Azura abgesehen hatte, stand noch. Ihr Dach war eingestürzt, aber ansonsten schien sie intakt. Sie würden die Trümmer beiseite räumen müssen, um den geheimen Fluchttunnel freizulegen.
Leichter wäre es in die Villa selbst zu gelangen. Die Tür stand ja buchstäblich sperrangelweit offen. Ein geheimes Eindringen wäre nicht notwendig, doch ob Azura die Kleidung ihrer Freundin noch in einem für sie angemessenen Zustand vorfinden würde? Zerstört wäre nichts. Die dunklen Völker hatten sich allerdings umgesehen und so würde sie die meisten Sachen am Boden des Schlafzimmers vorfinden - achtlos hingeworfen und zerkrumpelt.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Dienstag 29. April 2014, 20:06

Azura war schon immer für Überraschungen gut gewesen, allerdings waren diese nur äußerst selten positiver Natur gewesen. Nun kam ihr jedoch ihr Wissen um die Gegebenheiten in der Stadt und um die geheimen Privilegien des Adels, zu dem sie dank der Heirat ihrer Mutter mit ihrem Stiefvater gehörte und dies stets schamlos ausgenutzt hatte, mehr als zugute. Ihr war ein wichtiger Weg aus der Stadt heraus eingefallen, der, so die Götter es nicht verhindern würden, sie unbemerkt hinausführen würden. In der Villa könnten noch einige Soldaten unterwegs sein und selbst ihr war klar, dass sie gerade dort würden vorsichtig sein müssen, aber sie ging davon aus, dass diesen Geheimgang niemand bislang entdeckt hatte. Außer die wenigen Eingeweihten, außer ihr, waren allesamt derart gefoltert oder bei der Flucht erwischt worden, dass man ihn zerstört hatte.
Davon konnte sie nichts wissen und wollte es sich auch gar nicht vorstellen. Für sie gab es lediglich den Weg gerade aus und der bedeutete, dass sie erst einmal zu dem Zuhause ihrer Freundin gelangen mussten. Ab dann konnten sie weiter überlegen und sie würde, sofern es ihr möglich war, auch einiges mitnehmen, was nicht geplündert worden war.
Was ihr Begleiter indes von ihren Plänen und ihrem Verhalten hielt, war ihr vollkommen gleichgültig. Je mehr sie ihr altes Wesen zurückgewann, desto stärker sah sie sich in der Hierarchie weit über ihm stehend, sodass er zu gehorchen und zu folgen hatte, anstatt Fragen zu stellen oder gar an ihr zu zweifeln. Doch dass er sie wie eine niedrige Magd behandelt hatte, würde sie ihm beizeiten zu vergelten wissen.
Ob er es ahnte? Oder hielte er es gar nicht für möglich, dass sie ihm ans Leder wollen und das auch erreichen könnte? Nun, der jungen Frau konnte auch das egal sein und war es obendrein. Für sie zählte nur der Weg zur Villa und dass er sie dabei nicht behindern würde. Diese Strecke stellte für sie kaum Hindernisse dar. Ja, sie war eine Tochter aus gutem Hause und offiziell gab es ihre Vergangenheit vor der Heirat nicht, und dennoch hatte sich ein Teil jenes Mädchens, das aus der ärmsten Schicht der Stadt stammte, von ihrem leiblichen Vater kurz nach der Zeugung bereits verlassen worden war, erhalten, dem die gesamte Stadt bis ins Detail bekannt war. Sie hatte keine Angst, durch enge, dunkle Gassen, in denen sich stellenweise nicht mehr als eine Person in der Breite bewegen konnte, zu schleichen und damit nicht nur die Strecke abzukürzen, sondern zusätzlich neugierigen Blicken zu entgehen.
Dabei sagte sie kein Wort, dazu benötigte sie ihre vollste Konzentration, um sich nicht doch noch zu verlaufen. Diese drohte ihr allerdings immer wieder zu entgleiten, denn zu sehr brodelte es in ihr. Zu deutlich stand ihr der Moment vor ihrem inneren Augen an der Stadtmauer, in der dieser Kerl es gewagt hatte, sie als Verliererin hinzustellen. Sie hatte darauf nichts erwidert, hatte ihn nur mit mörderischem Blick angesehen, ehe sie sich abgewandt und den neuen Weg eingeschlagen hatte. Dennoch hatte sie sich alles genauestens eingeprägt und würde es ihm schon noch vergelten. Er sollte nicht glauben, sie würde auch nur eine Silbe davon vergessen und ungesühnt lassen!
Immer wieder ballte sich ihre Faust, teilweise aus Wut, jedoch zum Teil auch, um sich ihre kurzen Nägel ins eigene Fleisch zu graben, um die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Eine falsche Abzweigung und alles wäre in Gefahr, da sie sich danach hoffnungslos verirren und eine größere, markantere Straße suchen müsste, um sich wieder orientieren zu können. Dass dies gefährlich war, war trotzdem für sie nur zweitrangig. Viel gravierender wäre für sie die Schmach, die Blöße, die sie sich dann vor ihm geben müsste. Nein, das würde sie niemals zulassen, solange sie es in der Hand hätte!
Und letzten Endes konnte sie innerlich erleichtert aufatmen, als sich eine äußerst enge Gasse direkt am Eck des umzäunten Grundstücks öffnete. Mit dem Instinkt eines Wesens, das die Gesetze der Straße erlebt hatte, blieb sie abrupt stehen und warf einen bitterbösen Blick zurück, damit er es hoffentlich nicht wagte, ihr hinein zu laufen. Dann spähte sie hervor und nickte sich selbst zu, als niemanden entdecken konnte.
Azura gab ihrem Begleiter einen Wink, dann ging sie, so unauffällig wie möglich in ihren Augen, direkt an dem Zaun entlang, ohne sich weiter umzusehen, weil das auffallen würde.
Als sie das zerstörte Eingangstor erreicht hatten, sah sich die junge Frau lediglich flüchtig um, registrierte die Leichen und nahm sie dennoch nicht wirklich wahr. Es war erst einmal wichtig, von hier wegzukommen, mit den Eindrücken konnte sie sich später befassen. Erneut nickte sie sich zu, stieg über die einst lebendigen Hindernissen hinweg und strebte dem Eingang der Villa zu, als gehöre sie nicht nur hierher, sondern hätte allen Grund, das Gebäude zu betreten.
Sie wollte gerade in die Eingangshalle hinein schlüpfen, als sie seine Stimme viel zu dicht an ihrem Ohr hörte. Abrupt wandte sie ihm den Kopf zu und warf ihm einen herablassenden Blick. "Mir nach!", fauchte sie nur und wollte sofort weiter, wobei er ihr hoffentlich folgen und sie nicht aufhalten würde, wenn er klug war. Denn in der Halle würde sie nach links hinter eine der Säulen, sofern diese noch standen, huschen. Sie wusste, dort gab es einen geheimen Zugang, den sie nach theoretisch nur kurzem Suchen finden könnte, der sie direkt zu den Gemächern ihrer Freundin bringen würde.
Denn sie würde sich, so still wie es hier war, die Zeit nehmen, um deren Kleider zu durchstöbern und sich zusammen zu packen, was sie gebrauchen könnte. Ob die Plünderer auch die geheimsten Verstecke für ein wenig Geld gefunden und ausgeraubt hatten? Oder hätte sie Glück, würde wenigstens den ein oder anderen Beutel gefüllt finden und mitnehmen können? Wenn ihr Begleiter ihr kein Hindernis war, wäre die ganze Sache auch in wenigen Minuten erledigt. Und wehe, seine Arme waren nicht stark genug, um den Packesel für sie zu machen! Als ob sie all das dann selbst tragen würde!
Schließlich schafften sie es und kamen im Salon der Freundin heraus, direkt aus der Wand, bei der man sonst keine Spuren auf eine Geheimtür erkennen würde. Kurz sah sich Azura um und zeigte sich auch hier unbeeindruckt von dem Chaos, das veranstaltet worden war. Trotzdem blieb sie stehen und sah sich erst einmal um, versuchte aufzunehmen, was geschehen war, um sich daraufhin zielstrebiger bewegen zu können. Zwei oder drei Kleider, vier Unterkleider und ein zweites Paar Schuhe wollte sie auf jeden Fall zu einem Bündel verschnüren und danach noch nach den Geldverstecken suchen. Auf die Mode oder das Volumen konnte sie dabei keine Rücksicht nehmen, sodass sie hauptsächlich nach Reisekleidung Ausschau halten wollte.
Hier umziehen würde sie sich zwar gerne, aber in Anbetracht des goldenen Bandes wäre ihr das noch nicht möglich und sie würde sich davor hüten, sich vor dem Kerl zu entblößen, so sehr sie eines Gewandwechsel auch bedurfte.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. Mai 2014, 14:07

Corax behielt die Umgebung im Auge. Immer wieder glitt sein Rubinrot über Seitengassen und Plätze, bis er zusammen mit Azura die Villa ihrer vermeintlich toten oder versklavten Freundin erreichte. Gelegentlich schaute er sich aber auch seine Begleiterin an. Dass er sie beobachtete und analysierte war dieser vielleicht noch nicht bewusst, aber sie verriet einiges von sich, allein schon anhand ihrer Bewegungen. Dinge, die den Elfen immer wieder die Brauen heben ließen. Er sah in ihr längst keines dieser hilflosen Adelstöchterchen der Menschen mehr. Sicher, sie galt noch immer als verwöhnte und naive Göre, doch ihre Art, sich in den dunkleren Gefilden der Stadt fortzubewegen, zeugte davon, dass man sie nicht unterschätzen durfte. Außerdem wagte sie es weiterhin, das Kommando anzugeben und Corax die Stirn bieten zu wollen. Noch ließ er es ihr durchgehen, schwieg dazu nur und beobachtete weiter.

Gemeinsam erreichten sie die Villa. Wo Azura zunächst eher geduckt am Zaun entlang huschte, folgte Corax ihr aufrecht gehend. Er war ein Dunkelelf, stolz und Teil der erfolgreichen Eroberungen. In seinen Augen wäre es auffälliger gewesen, wenn sie wie gesuchte Verbrecher geduckt umher gewandelt wären. Lediglich schnell bewegte er sich, gab Azura doch nicht nur ein hohes Tempo, sondern auch das Kommando vor. Dabei verzog der Elf leicht die Lippen, begleitete sie aber in die Eingangshalle, hinter die Säule und durch die Geheimgänge bis in die Gemächer, die restlos zerwühlt waren. Auch vor den Geheimfächern hatte man wirklich nicht Halt gemacht. Teilweise waren sie leer, ganz so, als seien die wertvollsten Gegenstände entwendet worden. Es fanden sich aber noch hier und da einige Habseligkeiten, kaum angerührt. Sie waren nicht zerstört, so dass Azura sich mit einigen Dingen - hauptsächlich Kleidung, denn Schmuck war aus - eindecken könnte. Da hier nur ihre Freundin gewohnt hatte, würden sich in ihrem Zimmer keine Sachen für Männer finden lassen. Das wäre ohnehin zu einem Skandal geworden, auch wenn es vermutlich niemanden mehr gäbe, der den Tratsch verbreiten könnte.
"Hast du gefunden, was du suchst?", fragte Corax irgendwann dann doch etwas ungeduldiger. Nach Kleidung zu schauen stand bei ihm nicht oben auf der Prioritätenliste. Er begleitete Azura zwar, doch das hieß nicht, dass er ihr Handeln gut hieß. Die Gemächer gaben trotzdem genug her, dass die junge Frau zufrieden sein dürfte. Von den relativ shclichten Kleidungsstücken hatten die Plünderer ihre Finger gelassen. Bei den Schuhen durfte sie sich sogar zwischen einigen Paaren entscheiden. Von feinen Damenschuhen mit schmalen Absätzen bis hin zu den Reitstiefeln ihrer Freundin fand sich fast alles. Sogar ein Satz Pantoffeln mit feinem Pelz könnte sie sich mitnehmen.
Auf der Kommode fanden sich des Weiteren noch jede Menge Schminkutensilien. Puder, Lippenrot, Rouge und diverse kleine Accessoires, die man in die Haare flechten und binden konnte. Dazu eine Spange aus Silber, die dem diebischen Auge entgangen sein musste. Sie besaß die Form einer Rose, die gerade erblühte. Ein wirklich prachtvolles Stück, für das man vielleicht außerhalb Andunies noch Geld würde bekommen können.
"Statt dich schön zu machen sollten wir Nahrung und Wasser mitnehmen", brummte Corax an ihrer Seite. Er blickte sich schon um, doch die Tür aus dem Gemach zeigte nur in den Korridor hinein. Sie hing schief in den Angeln. Hier mussten selbst Orks gewütet haben. "Erwarte nicht, dass ich trage, was du mitnimmst."
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Dienstag 27. Mai 2014, 17:22

Obwohl man es wohl kaum glauben mochte, auch die junge Frau spähte im Augenwinkel stets in die Umgebung, und das nicht allein, um sich zu orientieren. Natürlich hatte sie, tief in ihrem Unterbewusstsein Angst davor, dass irgendjemand plötzlich aus einem der Hinterausgänge käme, sie entdecken und Alarm schlagen könnte. Oder anderes tun, an das sie nicht einmal zu denken wagte, um es nicht womöglich noch herauszubeschwören.
Stattdessen konzentrierte sie sich hauptsächlich auf die Strecke und darauf, dass sie die Richtung nicht vollständig aus den Augen verlor. Doch die Götter waren ihr hold... oder eher das Wissen, das sie sich aufgrund ihrer frühesten Jugend angeeignet hatte, denn sie verlief sich nicht und musste keine Niederlage vor dem Kerl einstecken. Somit konnte sie so tun, als wäre alles vollkommen geplant gewesen, trotz des einen oder anderen wahrscheinlichen kleinen Umweg, als die enge Gasse endgültig in einer größeren Straße mündete. Genau jene, von der sie in die Villa ihrer Freundin gelangen könnte, wenn sie niemand aufhielte.
Dass sie indes die gesamte Strecke entlang genauestens beobachtet wurde in ihrem Rücken, wollte sie nicht wahrhaben. Natürlich spürte sie seine Blicke, die ihre feinen Nackenhärchen, sofern diese nicht verbrannt waren, sich aufrichten ließen, doch sie konnte diese halbwegs ignorieren, wollte es vor allem, um sich nicht ablenken zu lassen.
Trotzdem hämmerte ihr Herz härter als gewöhnlich, als sie fand, dass die Luft rein war und sie das letzte Stück Weg zurücklegen sollten. Also zog sie ihn weiter in Richtung des Haupteingangs und sie schafften es tatsächlich, ungehindert in das Gebäude einzudringen. Dennoch atmete Azura erst auf, als sie durch die Geheimgänge bis in das Hauptgemach ihrer Freundin gelangt waren.
Dort herrschte das reine Chaos, was sie wenig kümmerte. Sie wäre niemals auf die Idee gekommen, sich daran soweit zu stören, dass sie selbst Hand angelegt und aufgeräumt hätte. Sollte sich jemand darüber empören, könne derjenige das ja übernehmen! Sie hatte andere Interessen, die sie bis hierher geführt hatten und die sie umgehend in die Tat umzusetzen gedachte.
Entsprechend streifte sie, mit ihrem Begleiter im Schlepptau, durch die vier Wände und warf alles, was sie gebrauchen könnte, auf das ausladende Bett, Reisekleidung ebenso wie Schuhwerk, Kopfbedeckung und einen großen, leeren Sack. Erst am Ende ihrer Suche wollte sie sich davon etwas anziehen, um aus den stinkenden Fetzen herauskommen zu können.
Daraufhin trat sie in den angrenzenden, kleinen Salon und an das Fenster heran, wo sie rechter Hand die Holzvertäfelung abzuklopfen begann, Schritt für Schritt, mit erstaunlicher Geduld. Diese war allerdings scheinbar bei dem Kerl allmählich erschöpft, seiner Stimme nach zu urteilen.
Leise und abfällig schnaubte sie. "Hätte ich alles, wäre ich nicht mehr hier.", gab sie spitz zurück, nahe der Frustration, und klopfte weiter.
Verdammt noch mal, wo war es?! Ihre Freundin hatte davon geprahlt, dass niemand dieses auffällig-unauffällige Versteck ausfindig machen würde, wenn man davon keine Kenntnis hatte. Man musste nur neben dem Fenster auf eine bestimmte Stelle klopfen. Oder war es links davon gewesen? Nein, die junge Frau war sich sicher, es war rechts gewesen.
Jedoch schien er noch nicht genug zu haben, sodass sie erneut schnaubte. "Jetzt sei still, ich muss hören! Es sei denn, du weißt, wie man Geld herbei zaubert, dann brauch ich ja nicht mehr suchen!", fauchte sie und legte ihr Ohr an die Vertäfelung, um besser lauschen zu können, wo es hohler klang als beim Rest.
Verdammt, es musste hier sein, hier irgendwo! Sie hätte ihre Freundin doch genauer aushorchen sollen, nur... wer hätte gedacht, dass sie dieses Wissen jemals hätte gebrauchen können?!
Die Zeit verstrich und Azura spürte es, dass sie trödelte, aber noch war sie nicht gewillt, aufzugeben. Dennoch entfuhr ihr ein kleiner Laut der Frustration, mit dem sie einen weiteren Schlag gegen die Täfelung begleitete.
Lange konnte und durfte sie nicht mehr suchen, wollte sie nicht riskieren, dass man sie tatsächlich vor Ort fand. Zwar war es unwahrscheinlich, dass man hier noch einmal würde plündern wollen, jedoch wohnen könnte man in dieser Villa noch. Und was dann geschähe, wenn man sie entdecken würde... Nein, das wollte die junge Frau sich gar nicht ausmalen! Wenn sie das Geld nicht so dringend bräuchten...
Unwillkürlich stieß Azura ein Stoßgebet auf und klopfte weiter verbissen an der Wand entlang. Sie würde das Versteck finden, früher oder später!
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Das dunkle Volk » Mittwoch 4. Juni 2014, 15:19

Mit wachsender Ungedulg hob Corax einen der Fummel an, die seine Begleiterin auf das Bett geworfen hatte. Wenigstens dachte sie nicht allzu unpraktisch und hatte sich auch etwas Reisekleidung herausgesucht. Er musterte die verschiedenen Kleidungsstücke, schnaubte leise beim Anblick der Schuhe. Stiefel, allerdings kaum geeignet für einen Eroberungsfeldzug wie ihn der Dunkelelf hinter sich hatte. Zum Wandern durch unwegsames Gelände würden sie aber reichen .... müssen, ergänzte er in Gedanken. Sie hatten jetzt keine andere Wahl und mussten mit dem auskommen, was Manthala ihnen an Beute zuteil werden ließ. Sie befanden sich trotz ihres derzeitig getarnten Aussehens, sowie der Tatsache, dass Corax vom gleichen Volk wie jene Eroberer abstammte, auf der Flucht. Und solange sich Azura nicht in ein reich verziertes Rüschenkleid mit fünfzehn Unterröcken, Rockreif und Korsett zwängte, dazu eine gepuderte Perrücke aufsetzte und sich mit Parfum einsprühte, dass jeder altersschwache Warg ihre Spur hätte wittern können, war alles in Ordnung. Es würde ausreichen.
Azura hingegen dachte derweil weder ans Striegeln noch ans Parfumieren. Sie riss den Elfen an ihrem goldenen Handgelenkskettchen mit sich, als sie sich dem Fenster näherte. Die feinen, schwarzen Brauen zogen sich über Corax' rubinfarbenen Augen zusammen. Für eine Weile schwieg er, bis sie ihn erneut leise, aber sicher nicht minder dominant anfuhr. Die Augen verengten sich. "Hören...", echote er und dann genügte es ihm. Hier war also Geld verborgen. Nun, es konnte nicht schaden, welches mit sich zu führen. Geradezu grob wollte der Elf Azura beiseite schieben. "Lass mich", verlangte er und neigte den Kopf gegen die Wand rechts vom Fenster. Hier konnte die junge Frau wirklich einmal von ihm profitieren. Als Elf waren ihm nicht nur spitze Ohren gegeben, sondern vor allem das damit verbundene feine Gehör. Er brauchte nur ganz fein mit den Fingerknöcheln am Mauergestein zu klopfen, bis sein Ohr aufzuckte und er den Kopf wieder zurückschob. Kurz darauf griff er sich einen Kandelaber von der Kommode und donnerte den gusseisernen Fuß gegen eine Wandstelle. Die hinter geblümter Wandverkleidung verborgene Tür des geheimen Schubfachs krachte auf. Sicherlich hätte es andere, weitaus weniger brachiale Methoden gegeben, aber die Nische lag frei und darin fanden sich mehrere Münzen, säuberlich gestapelt. Das meiste davon waren silberne Lysanthemer, nur wenige Fuchsmünzen ließen sich zählen. Es glänzte aber auch eine goldene Drachme im Geheimversteck.
"Lass die liegen, fällt nur auf, wenn wir mit so viel unterwegs sind." Corax griff bereits nach einigen Silbermünzen. Er nahm überraschenderweise nicht alle. Etwa die Hälfte schob er Azura zu, so dass - würde sie alle nehmen - jeder von ihnen mit nicht weniger als 25 Lysanthemern gesegnet wäre. Ein kleiner Schatz, vor allem angesichts dessen, dass jetzt im Krieg viele Flüchtlinge mit weniger als ihrer Kleidung am Leib unterwegs sein würden.
Corax ließ seine Münzen in der Tasche seiner Hose schwinden, über die der Fetzen seines Wamses geschoben wurde. Dann nickte er zu einem Raumteiler. "Zieh dich endlich um, damit wir hier weg können." Die Zeit drängte und mit jeder Stunde, welche sie länger verweilten, stiegen die Chancen, dass andere Plünderer ihnen begegnen konnten.
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