Der geschändete Tempel

Der Wassertempel zu Ehren der Göttin Ventha. Seefahrer besuchen diesen Tempel vor ihrer Abfahrt aufs Meer und beten für Wind in den Segeln, bringen sogar Opfergaben wie Seesterne oder eine Schale Wasser.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 14. Januar 2016, 19:45

Thomas Mercer, der Meistersteinmetz war allein in dem geräumigen Zelt mit den ganzen Unterlagen und Plänen, Aufzeichnungen und Notizen über den geplanten Tempelbau. Eigentlich hätte Thomas vorgehabt raus zu gehen und sich um Amandins angeforderten Phallus zu kümmern...doch der Stein zog ihn in seinen Bann. Er zog den Stuhl an den Tisch, nahm sein Zeichenbuch und begann den Alabaster zu zeichnen. Er stellte eine exakte figürliche Zeichnung her und beschrieb die Eigenschaften der Weißen und Schwarzen Anteile. Er wollte seine Beobachtung unbedingt mit Meister Rasmussen und Sima besprechen.
Der Abdruck seiner eigenen Hand, mit den Abdrücken ihrer kleinen Finger zwischen den seinen, forderte eine eigene Skizze. Sie hatte tatsächlich durch seine Hand ihre Magie gewirkt. Akribisch notierte er alle Auffälligkeiten und jedes noch so kleine Detail. Ja, er war wirklich der Alabaster in dieser merkwürdigen Beziehung. Allein optisch war er der helle Stein. Seine weiße Haut stand im krassen Gegensatz zu ihrer dunklen; seine weiche, leicht zu zerbrechende Struktur im Gegensatz zu ihrer Härte und um so länger er den Stein vor sich betrachtete, um so mehr überwog seine Neugierde. Das ungute Gefühl, dass er zu Anfang gehabt hatte, begann jetzt schon langsam in den Hintergrund zu treten, auch wenn es nicht wirklich verschwand.
Er vertiefte sich gänzlich in die Zeichnung und irgendwann begann er grobe Skizzen einer Frauenstatue zu malen. Er zeichnete sie nackt, aufrecht stehend mit einer würdevollen und eleganten Ausstrahlung, sie hatte den Mund leicht geöffnet und sog sinnlich an einem ihrer Finger, als würde sie vor Erregung beinahe zergehen. Thomas hatte ein ziemliches Talent darin, Ausdrücke und Emotionen mit wenigen Strichen auf das Papier zu bringen, wobei sein Fokus vor allem auf ihrer Mimik lag. Die Worte seiner Herrin klangen noch in ihm nach und weckten weiter seine Neugierde auf ihre Person, mehr als alles andere. Sie war wirklich etwas besonderes, so dass sie auch weiterhin seine Gedanken erfüllte und so zu seiner Muse wurde. Es war leicht ihre sündhaften Formen fest zu halten, da er nur die Augen schließen musste um sie deutlich vor sich zu sehen. Amandin war gegangen und doch klebt noch ihr Duft überall an ihm, seine Wangen, dort wo sie ihn berührt hatte, seine Hände, ...am Gelenk seines Daumens. Unbewusst strich er sich darüber und spürte sofort das Echo ihrer geteilten Leidenschaft in sich. Ja, es war leicht für ihn ihre Gestalt in sich herauf zu beschwören. So leicht, dass seine Lenden schnell mehr Blut forderten, wenn er sich zu intensiv auf bestimmte Körperteile und Einblicke erinnerte, die sie ihm gewährt hatte. Leicht flogen seine Striche über das Papier und Blatt um Blatt erhielt einen Abdruck dessen, was ihn berührt hatte. Die ersten Skizzen waren fast nur Formen und grobe Ausschnitte aus seiner Phantasie, fast schon frivol einfach, doch dann formte sich ein erstes ausgefeiltes Bild unter seinen Händen. Die Bewegungen seiner Hand liebkosten das Pergament und entwarfen ihren Körper neu. Früher hätte allein die Nacktheit einer Frau ihn erröten lassen, aber nun konnte er schon Details herausarbeiten, die einem züchtigen Lysanthorgläubigen den Atem geraubt hätten. Thomas Scham obsiegte dann jedoch über seine Instinkte und er begann das Bild zu wandeln. Ein sittliches Gewand einer Lysanthorpristerin verhüllte ihren Körper und Sklaven, sowie der Stein vor ihm fanden ihren Platz an ihrer Seite. Thomas verlor sich mehr und mehr in seiner Arbeit, was in seiner Situation auch gefährlich werden konnte. Er war gänzlich in seine Arbeit vertieft, so dass er Zeit und Raum um sich herum vergaß und nicht mehr darauf achtete, was um ihn herum passierte, ja nicht einmal auf seinen eigenen Körper achtete er mehr. Er spürte weder Hunger noch Durst, ja nicht einmal Bange und Aufregung, ob der Kauf von Louisa auch wirklich gelingen möge... für ihn zählte im Moment nur das, was er vor seinem geistigen Auge sah. Auch Kreativität forderte seinen Preis. In seinem Fall den Preis der Aufmerksamkeit und so erschreckte er sich furchtbar, als er geistesabwesend seine Hand nach seinem Stift ausstreckte und stattdessen in etwas klebrig, feuchtes fasste. Sein Blick ruckte automatisch zu der Stelle und da stand ein Teller mit Essen neben ihm. Vorher war der noch nicht da gewesen und irritiert starrte er auf seine Finger, die deutlich ihren Abdruck auf einer der Brotscheiben hinterlassen hatten. Sein Gehirn brauchte einen Moment um von den Entwürfen Amandins Statur weg zu kommen, um einen so einfachen Inhalt wie für ihn bereit stehende Nahrung wahrzunehmen. Da lagen tatsächlich zwei Brote. Eines war mit einer jetzt verunstalteten Art Streichwurst bestrichen, eines dick mit Hartkäse belegt und daneben dampfte noch warmes, goldenes Rührei. Sogar ein paar Kräuter waren darüber gestreut und drei kleine Trauben rollten gerade über das Tablett, da er sie wohl mit seiner unbedachten Bewegung dazu angestoßen hatte. Sie landeten an einer großen Tasse, aus der es würzig Dampfte. Doch die größte Frage war wohl, wo kam das ganze her? Als er dann den Kopf weiter drehte und so hinter sich blickte, erschrak er erneut. Dort stand reglos die zweite Leibsklavin seiner Herrin. Die halbnackte Dunkelelfe fixierte ihn mit einem kühlen Blick, der unschwer zu deuten, blanke Eifersucht in sich trug. Gerade als sich ihre Augen trafen, setzte sie jedoch ein neutrales Gesicht auf und hob auffordernd das Kinn. Sie wies mit einem arm kurz auf das Tablett und zeigte damit, dass er essen sollte. Auch wenn ihr Körper schmächtiger und mehr der einer typischen Elfe war, so hatte sie eine Ausstrahlung, die Thomas eine leichte Gänsehaut bescherte. Obwohl ihre kleinen Rundungen kaum verdeckt waren und sie das gleiche winzige Leibchen wie Nelsani trug, so wirkte sie darin eher arrogant und düster, als einladend und verführerisch. Vielleicht lag es aber auch nur an ihrem nichtssagenden Blick, den sie Mercer zuwarf. Sie war gut einen halben Kopf größer als Amandin und mager in den Augen eines Menschen. Ihre schneeweißen Haare waren kunstvoll verwoben, hochgesteckt und nur zwei lange, an den Enden mit silbernen Metall verzierte Strähnen, lagen auf ihrem tiefen Dekolleté. Ihre dunkelroten Augen erinnerten entfernt an seine Herrin, aber auch wenn ein Dunkelelf wie der andere aussah, so unterschied diese sich doch so sehr von Amandin in ihrer Aura, dass man es fast körperlich fühlen konnte.
Diese Frau hasste ihn aus vollstem Herzen!
Das einzige was Thomas vielleicht ein wenig „beruhigen“ konnte, war die Erinnerung, dass diese Frau auch ihre gemeinsame Herrin mit dem gleichen Blick bedacht hatte. Jetzt beobachtete sie ihn und wartete anscheinend ungeduldig, dass er aß und sie das Geschirr wieder mitnehmen konnte. Man konnte ihr auch ohne weitere Kenntnisse der Sprache der Dunkelelfen ansehen, auch ohne dass sie einen Laut von sich gab, ansehen dass sie es hasste hier zu sein. Alles an ihr gab Thomas das Gefühl ein Nichts zu sein, unwürdig, ekelhaft und im höchsten Maße unerwünscht.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Thomas Mercer » Dienstag 19. Januar 2016, 12:55

Immer wieder schloss der Steinmetzmeister seine Augen und visualisierte sich Amandins Körper. Ihre Bewegungen, ihr Geruch, ihre Stimme, ihre Hitze und ihren süssen Versprechungen. All diese sinnlichen Eindrücke übertrugen sich auf seine Hand und von seiner Hand auf den Pinsel, der schliesslich die Tinte auf das Pergament bannte. Strich für Strich, Kurve um Kurve wurde so Amandins Wesen zum Ausdruck gebracht. Thomas musste aufpassen, dass sich die Leidenschaft nur über seinen Stift kanalisierte und nicht sich nicht wieder anderweitig anstaute. Er blühte förmlich auf, denn er hatte lange Zeit nicht mehr die Möglichkeit gehabt sich auf diese Weise kreativ zu entfalten und nun reagierte er wie ein wilder Hengst der zum ersten Mal nach einem langen Winter wieder auf die Weide gelassen wurde. Seine Striche waren ungemein verspielt, ja beinahe schon provokativ – zumindest für pelgarische Verhältnisse – und zeugten deutlich vom Einfluss seiner Muse. Erst fertigte er gezielte Körperstudien an. Zeichnete Hände, Mundwinkel, Augen, Halspartien, die Schulterpartie, doch dann ging er darin über konkrete Skulpturen zu skizzieren. Dieser ganze Prozess, der Thomas wie ein einzelner Atemzug vorkam, dauerte in Wirklichkeit Stunden. Er lehnte sich immer wieder mal zurück und betrachtete sich sein Werk. Da merkte er, was er eigentlich gezeichnet hatte. Durch das priesterliche und züchtige Gewand wirkte ihre Statue nur noch sündiger und noch verdorbener, ja gar wie eine offene Provokation gegenüber dem höchsten Gott. Thomas strich sich über seinen Bart. Nie hätte er geglaubt, dass er jemals so etwas verbotenes Zeichnen würde. Er würde Geison diesen Entwurf wohl sehr schonend beibringen müssen. Sein Kreativer höllenritt wurde jedoch abrupt beendet, als er nach seinem Stiff greifen wollte und stattdessen seine Hand in eine ihm Nachgebende Masse versenkte. Er fuhr augenblicklich zusammen und riss sich aus seiner konzentrierten Starre. Sein irritierter und überraschter Blick richtete sich auf seine Hand. Erst dann sah er den Teller, doch sein Gehirn brauchte ein paar Sekunden um zu begreifen, was er da vor sich hatte. Langsam kehrte er wieder in das Hier und Jetzt zurück, langsam krochen Müdigkeit, Hunger und Rückenschmerzen in sein Bewusstsein und breiteten sich unangenehm darin aus. Er hielt sich seinen Nacken und legte für einen Moment seinen Kopf zurück. Schliesslich streckte er sich leicht und es knackte an diversen Stellen, als er diese Bewegung vollzog. Er rieb sich die Augen und musterte abermals das dargebotene Mahl. Wie war das dahingekommen? Erst jetzt kam er auf den Gedanken sich umzusehen und sein Blick streifte jenen der Dunkelelfin. Der Hass und die offenkundige Ablehnung, die er in ihren Augen zu sehen bekam, erschreckten ihn zutiefst. Was bei Lysanthor hatte er dieser Frau angetan, dass sie ihn so anschaute? Sie triefte beinahe von Eifersucht, doch es dauerte nur ein Augenschlag, bis sie ihre wahren Gedanken hinter einer ausdruckslosen Maske verbarg.

Er betrachtete sie noch eine ganze Weile, doch er drang nicht mehr weiter zu ihr durch. Er erwischte sich selbst dabei, dass er ihren Körper auch auf andere Vorzüge musterte und schämte sich sogleich für sein eigenes Verhalten. Was war nur mit ihm los? Er konnte sich doch hier nicht ständig wie ein hypererregbares männliches Wesen aufführen, sowas ziemte sich doch nicht für einen Skalven. Er kam zu dem Schluss, dass ihm die Gegenwart von Nelsani weit sympathischer war und bedauerte, dass nicht sie sein essen gebracht hatte. Nelsani war ungemein wärmer und hegte offenbar keinen eifersüchtigen Groll gegenüber Thomas, sie schien ihn eher aufregend und spannend zu finden und Thomas hatte den Eindruck, dass sie gerne in seiner Nähe war. Ganz im Gegensatz zu ihr. Er fragte sich, welches Schicksal dieser Frau wohl widerfahren sein mochte, dass sie sich im Stand einer Sklavin widergefunden hatte...Schliesslich bedeutete sie ihm endlich zu essen. Thomas wusste gar nicht, wie er sich gegenüber den Leibsklavinnen seiner Herrin zu verhalten hatte. Unter Sklaven gab es offensichtlich Hierarchien, doch er wusste nicht genau, wie es in diesem Fall um sie beide bestellt war. Arbeitersklaven hatten schliesslich kaum etwas mit Leibsklaven zu tun. Der Steinmetz wollte keinen Fehler machen und so ordnete er sich ihr erstmals unter. Er nickte und senkte demütig seinen Blick. „Danke.“ Murmelte er vorsichtig, wandte sich von ihr ab und den dargebotenen Speisen zu. Er spürte sofort ein Kribbeln im Nacken und es war ihm sofort klar, dass sie ihn wieder mit giftigen Blicken traktierte. Er ass vom Rührei und es schmeckte vorzüglich, doch er selbst war in tiefen Gedanken versunken. Es wäre naiv gewesen zu glauben, dass die Gunst der Herrin seinen Status gegenüber anderen Sklaven nicht verändern würde. Eifersucht und Misstrauen waren eine verständliche Konsequenz. Er seufzte als er erkannte, dass er für seine Männer wohl kaum mehr eine adäquate Vertrauensperson sein würde und wenn sie ihn so einschätzten, dann hatten sie vermutlich auch Recht. Er musste sich immer wieder einreden, dass er sich dieses Schicksal nicht selbst ausgesucht hatte, ausserdem war der Hass der Dunkelelfen gegenüber Menschen nichts Ungewöhnliches. Amandins liberale und offene Haltung stach eher heraus. Die negative und bedrückende Aura, welche die Elfin verströmte sorgte dafür, dass Thomas sein Essen eher herunterschlang als genoss. Für einen Moment musterte er den Alabaster, der unschuldig neben ihm lag. Kam dieses beklemmende Gefühl nun von der Elfin oder von dem Stein? Thomas war sich nicht ganz sicher, ein leichtes frösteln durchzog seinen Körper, als er an die Wirkung des Steins dachte. Er wollte nur noch so schnell wie möglich aus dem Zelt hinaus, denn er fühlte sich gerade mehr als nur unwohl. Vielleicht auch weil ihm bewusst wurde, wie nackt und verletzlich er eigentlich war, wenn seine Herrin sich nicht in seiner unmittelbaren Nähe befand. Er durfte sich nicht zu viele Feinde machen, denn einen Sklaven zu beseitigen würde für einen entschlossenen Kille kein sonderlich schweres Unterfangen sein, zumal Baustellen ein wahres Minenfeld für Unfälle darstellten.
Er beendete hastig seine Mahlzeit, stürzte den Gewürzwein hinunter und erhob sich etwas vorschnell, weil er nur noch zurück in seine Sklavenunterkunft wollte, diese abrupte Bewegung wurde durch einen heftigen Stich in seinen Rücken bestraft. Er hielt kurz inne, petzte einen Moment die Augen zusammen, weil er wusste, weil er sich vor dieser Elfin keine allzu grosse Schmerzesäusserung erlauben wollte. Er atmete mehrmals tief durch, ehe er seinen Rücken aufrichtete und vorsichtig seine Sachen zusammenpackte. Er wandte sich der Sklavin zu, musterte sie einen Augenblick und wünschte ihr schliesslich so unaufgeregt und neutral wie möglich eine gute Nacht. Erst hatte er vorgehabt seine Notizen auf dem Tisch zurückzulassen, damit Amandin sie einsehen konnte, doch er traute der Sklavin nicht und befürchtete, dass möglicherweise ein Teil davon verschwinden könnte. Ob Amandin ihm eine solche Geschichte glauben würde? Er musste vorsichtig sein, denn er hatte auch schon registriert, dass seine Herrin nicht nur Freunde hatte. Noch immer gingen ihm der grimmige Blick des Schreibers und auch die Wut von Harker nicht aus dem Sinn. Anderseits schien ihre Macht bisher unbestritten und Thomas konnte sich kaum vorstellen, dass er für die Elfin aktuell eine so unerträgliche Bedrohung darstellte, dass sie es riskierte ihn zu sabotieren, da dies ja doch auch grausam schiefgehen könnte. Wer sich an ihm vergriff, der beschädigte ja immerhin direkt das Eigentum und die Interessen der Herrin. Nicht ganz schlüssig, ob er nun beruhigt sein sollte oder nicht, verliess Thomas das Zelt. Sein Gang war erst etwas steif und müssig, doch schliesslich gehorchte sein verspannter Körper endlich. Er grüsste die beiden Wachen davor demütig, wie es sich für einen Sklaven geziemte und machte sich auf den Weg zurück ins Arbeiterlager. Sollte er auf dem Weg dorthin niemandem begegnen, würde er sich daran machen Meister Sima und Rasmussen aufzusuchen, um ihnen seine Aufzeichnungen des Alabasters zu zeichnen und mit ihnen zu diskutieren. Die Entwürfe für die Statue hingegen würde er für sich behalten.

Die frische Luft tat ihm gut und hob seine Stimmung auch wieder. Er rekapitulierte den Tag. Im Grunde war er ja sehr gut für ihn verlaufen. Amandin hatte ihm viele gewichtige Dinge zugesichert, sie wollte sich um den Erwerb seiner Tochter kümmern, seine Frau befand sich schon in ihrem Besitz und schien entsprechend wohlauf zu sein. Er selbst hatte seine Meister löblich erwähnt und hoffte, dass sie sich auch ihnen gegenüber grosszügig und lobend erweisen würde. Nelsani schien ihm immer mehr eine Person zu sein, die er näher kennenlernen möchte und bei seiner Herrin hatte er einen guten Eindruck hinterlassen. Sie hatte sogar in Aussicht gestellt ihn mit in die Stadt zu nehmen. Hinsichtlich des Alabasters hatte er sich seine Meinung noch nicht gemacht und er pendelte zwischen Faszination und Abscheu hin und her. Beunruhigend war vor allem die zehrende Wirkung der erzeugten Magie, auf Amandin selbst. Er konnte noch förmlich spüren, wie kalt ihre Haut gewesen war. Es war nur verständlich, dass sich Thomas angesichts möglicher Feinde eine Herrin wünschte, die stark und kräftig war. Er errötete, als er sich an die Stärke und Dominanz ihres hungernden Schosses erinnerte, der sich fordernd über seinen Daumen gerieben hatte. Sofort schlug sein Herz schneller und für einen Moment versuchte er sich auszumalen, welche süsse Versuchungen und Lektionen sie wohl noch für ihn bereithielt. Er rieb mit seinen Fingern über das feine Leder seines Skizzenbuches. Der Weg zum Arbeiterlager wurde durch regelmässige Fackelstangen erhellt. Thomas musterte seine Umgebung. Die vielen Sklaven hatten ganze Arbeit geleistet, Wohnbaracken waren aufgestellt worden und auch die Bauhütten würden vermutlich schon am kommenden Nachmittag in Betrieb genommen werden können. Man konnte sagen was man wollte, aber die Verfügbarkeit einer ganzen Heerschar von Sklaven hatte tatsächlich eine gewaltige Baubeschleunigung zur Folge. Sie würden wohl schnell vorankommen. Er fragte sich, ob alle Sklaven auf dem Bauplatz untergebracht werden würden, was ja praktisch ein Sklavendorf zur Folge hätte, oder ob man die Männer des Nachts zurück in die Stadt fuhr und auf unterschiedliche Unterkünfte verteilte. Für die Wachmänner war es sicherlich keine einfache Aufgabe, die Arbeiter stets im Blick zu halten. Interessante Wochen und Monate standen ihnen allen bevor, so viel war klar. Er fasste sich an seine Brust und fühlte den Talisman unter seiner Tunika. Oh ihr Götter, ich flehe euch an, wacht über meine Tochter und führt sie in die Obhut meiner Herrin, wo sie Sicherheit und Ruhe erfahren kann.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 20. Januar 2016, 10:06

Nachdem sich Thomas unterwürfig verabschiedete und dann eilig das Zelt verließ, hörte er noch ein leises ihm völlig unverständliches Zischen, gleich einer Schlange, hinter seinem Rücken, das klang wie:
„Du Wurm! Sie hat dich auserwählt, ich weiß es! Sie wird dich zu ihrem Werkzeug machen, wo ICH es doch hätte sein sollen! Ich und niemand anderes!“
Der Steinmetz verstand kein Wort der dunklen Sprache und so bleib ihm auch der Inhalt verschlossen, aber er konnte sich den Klang merken, die Abfolge der Laute und den Hass dahinter. Mache Laute, wie zum Beispiel „Wurm“ hatte er in seiner Sklavenlaufbahn gewiss schon häufiger gehört, aber noch entschlüsselte sich ihm ihre Bedeutung nicht. Es klang wenig freundlich, also versuchte er nur so schnell wie möglich fort von der Dunkelelfe zu kommen und das Arbeiterlager zu erreichen. Vielleicht könnte er später, irgendwann einmal seine Herrin oder vielleicht auch Nelsani befragen, was die Worte zu bedeuten hatten? Vielleicht war es aber auch besser sie einfach zu vergessen.

Thomas wurde auf seinem Weg zu den neu errichteten Unterkünften von niemanden aufgehalten. Die Wachen beobachteten ihn, aber sein Gesicht schien ihnen schon soweit bekannt zu sein, dass sie ihn nicht drangsalierten. Insgesamt waren die Wachen auf dieser Baustelle irgendwie anders als auf anderen auf denen er schon gearbeitet hatte. Ja sie passten auf, dass keiner der Arbeiter „verloren“ ging und sie mochten sie auch genau sowenig wie anderswo, aber sie hielten sich mit ihren grundlosen Attacken, den nur für eine Seite „lustigen“ Scherzen und antreibenden Schlägen deutlich zurück. Amandins Anweisungen waren anscheinend für sie bindend und das war auch wieder etwas, dass die Kultur der Dunkelelfen von denen der Menschen unterschied. Thomas war es gewöhnt, dass die Männer in seiner Kultur das Sagen hatten, sie sich um die Familie kümmerten und das Brot verdienten. Doch unter den Dunklen schien eine Frau genau soviel, oder besser gesagt in Amandins Fall, sogar noch mehr Macht als mancher Mann zu haben. Das war etwas ungewöhnliches, aber schien in dieser fremdartigen Kultur durchaus zu funktionieren. Trotzdem gingen Thomas seine menschlichen Sorgen nicht aus dem Kopf. Er konnte nur hoffen, dass Amandin wusste was sie tat und ihre Feinde sie genug fürchteten um sich nicht gegen sie zu stellen.

Wie am Tag zuvor kam er erst spät zu seinen Freunden zurück, die sich gerade für die Nacht fertig machten. Die letzte Stunde vor ihrer angeordneten Bettruhe hatten die Arbeiter tatsächlich für sich. Einige standen einfach nur reglos herum, als hätten sie jeglichen Sinn in ihrem Leben verloren, andere saßen zusammengerückt da und beobachteten argwöhnisch ihre Aufpasser. Die Wächter hielten Abstand und sorgten nur dafür, dass die Sklaven in ihren zugewiesenen Bereichen blieben. Das große Übergangszelt war nun schon etwas leerer, da die ersten Baracken bereits bezogen worden waren. Morgen im Laufe des Tages würden sie fertig werden und dann konnten sie sich ganz auf das Wachsen des Tempels konzentrieren. Thomas fand seine kleine Meisterrunde an einem Tisch sitzend vor, wo sie noch aßen und sich leise unterhielten. Einige Pläne und Skizzen waren dort ausgebreitet und Therendur stand in der Nähe um sich Notizen zu machen. Solange es um die Arbeiten des Tempels ging würde er sich wohl auch nicht verziehen und sie weiter mit seinen spitzen Ohren belauschen. Gerade als Thomas erschien und Geison seiner gewahr wurde, erhob sich dieser ruckartig und sprach betont laut, fast rufend:
„THOMAS! ...“
Therendur zuckte, als hätte Meister Sima ihm direkt ins Ohr gebrüllt.
„Schön das du endlich für uns Zeit hast. Setzt dich zu uns. Schau dir an was wir uns ausgedacht haben.“
Seinem Grinsen nach zu urteilen, hatte er das Zucken ganz bewusst provozieren wollen. Einerseits war es gefährlich einen Dunkelelfen zu reizen, andererseits löste es auch etwas die Spannung. Geison war halt wie er war und seine Seele war noch nicht gebrochen, was er gern bewies. Therendur kniff die Augen ein wenig enger und trat ein paar Schritte von ihrem Tisch weg, da das Gespräch nun deutlich lauter wurde. Die anderen Meister begrüßen Mercer freundlich und man machte sich daran die neusten Pläne und Fortschritte zu besprechen.
Der Schmiedemeister Lagazor Belegar und der Feinschmied Meister Thein berichteten, dass sie morgen den Aufbau der Esse beenden könnten. Danach konnte dann die Produktion der für die nächste Zeit benötigten Bauchstoffe beginnen. Man brauchte eiserne Winkel, Bohrstangen die die Säulen im Innern miteinander verbinden und festigten sollten, tausende von Nägeln und vieles mehr. Meister Grimm zeigte stolz seine Entwürfe für die Dachkonstruktion. Es war erstaunlich, was er da entwickelt hatte. Über große, in den Wänden verborgene Zahnradsysteme sollte die Kraft die es brauchte um die Decke zu heben übertragen werden. Die Wasserzylinder im Keller würden für den nötigen Antrieb sorgen und Die Kuppel selbst sollte aus Kupferblechen geschlagen werden. Jedes einzelne Blech sollte die Form eines gewölbten Dorns bekommen, die sich im geschlossenen zustand an der Spitze vereinten. Es war bei der Entwicklung sogar an schmale Rinnen gedacht worden, die das Wasser selbst bei stärksten Regenfällen ableiten konnten. Das vom Dach so aufgefangene Wasser sollte in einer extra Kaverne gesammelt werden, da man nicht alles aufgrund des hohen Salzgehaltes mit Meerwasser betreiben konnte. Hier übernahm dann Geison und zeigte seine neuste Idee, von sich selbständig öffnenden Tempeltüren. Hierfür hatte er ein mit Druck arbeitendes System erdacht, dass durch zwei Feuerschalen angetrieben werden würde. Unter den Schalen sollten metallene abgeschlossene Wasserzylinder durch die Wärmeleitfähigkeit im Innern Wasser erhitzen, dass über einen Kolben eine Stange bewegen sollte, die wiederum eine Mechanik in Gang setzte, die die Türen öffnen sollte. Der Plan sah recht kompliziert aus, war aber durchaus nachvollziehbar. Die Gläubigen sollten vor den Toren des Tempels seine Wunder bestaunen können. Man würde die Feuer entzünden und kurz darauf würden sich wie von Faldor selbst die großen Flügel des Eingangsportals öffnen um sie einzulassen. Alle umstehenden staunten nicht schlecht und Therendur schrieb fleißig in sein kleines Buch. Auch Thomas war sicher froh darüber, dass seine Freunde nicht faul gewesen waren und sich sichtlich bemühten dem Anspruch ihrer ihnen wohl gesonnenen neuen Herrin gerecht zu werden. Sogar Meister Rasmussen war in seiner neuen Position wohl glücklich angekommen, denn er hatte die Arbeitsgruppen effektiv eingeteilt und geleitet, sodass der Bauplatz sich jetzt schon sehen lassen konnte. Die Steine des alten Tempels waren neu geschichtet worden in „wieder zu verwehrten“ und „zu Kies zu verarbeiten“. Die alten Fundamente waren frei gelegt worden und die neuen Aufbauten konnten sicher bald beginnen, sofern die Herrin im Untergrund nicht noch irgendwelche Wünsche äußern würde. Außerdem hatten sie noch eine weitere Ladung Arbeits-Sklaven erhalten, die eine große Hilfe waren. Die Vorbereitungen für den Tempelbau waren also im vollen Gange und sehr bald würde hier etwas wirklich beeindruckendes entstehen. Nun galt es auch langsam die genauen Positionen für den Altarstein zu bestimmen und Mercer hatte seinen Teil zu berichten. Was er von seinen Erlebnissen jedoch dabei den Anderen erzählen sollte, das lag nun in seiner Entscheidung. So ganz allein waren sie noch nicht und Therendur hatte spitze Ohren. Als erstes musste Thomas wohl die „unverfänglichen“ Einzelheiten berichten um dann irgendetwas zu finden, was den Elfen vertreiben könnte um dann vielleicht noch persönlichere oder für Amandin verfänglichere Dinge besprechen zu können.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Thomas Mercer » Montag 25. Januar 2016, 16:49

Der Steinmetz kam sich vor als hätte die Dunkelelfin ihn beim Verlassen des Zeltes mit einem Fluch belegt, so böse und gehässig hatten ihre gezischelten Worte geklungen. Was sie wohl gesagt haben mochte? Wollte er es wirklich wissen? Vermutlich nicht. Noch immer erschloss sich ihm nicht, womit er so viel Hass und Ablehnung von ihrer Seite aus verdient hatte. Sicherlich, Dunkelelfen verachteten die Menschen doch meistens brachten sie diese Abneigung durch schlichtes abschätziges Ignorieren der Sklaven zum Ausdruck, oder durch die eine oder andere Schikane. Sie hingegen strömte einen solchen ungebremsten und triefenden Hass aus, der ihm Angst machte. Er würde sich vor dieser Frau hüten.
Thomas eilte über das Baugelände. Wenn immer er an einem Wachposten vorbeikam, senkte er demütig sein Haupt und grüsste, wie man es von einem Sklaven erwarten durfte. Abermals genoss er die frische Luft, denn sie half, seine Gedanken zu ordnen. So viel war heute passiert! So viel hatte er heute erreicht! Er musste immer wieder an seine Tochter denken, doch er kam nicht umhin sich auch über ihr Schicksal zu sorgen. Laut Amandin war sie in den Besitz eines Dunkelelfen geraten. Einem Mann. Thomas blinzelte und schluckte leer. Dies konnte doch nichts Gutes bedeuten. Bei Lysanthor, lass es nicht geschehen sein! Er wusste nicht, ob er es ertragen könnte, wenn Louisa jenes Schicksal widerfahren war, welches er befürchtete. Amandin war mit ihren Zweifel richtig gelegen und ja, es war besser, wenn er nichts genaueres über das Schicksal seiner Tochter erfahren würde. Sie einzig in Sicherheit zu wissen, dies musste für ihn reichen. Die Zeit liess sich nicht zurückdrehen, er konnte sich nur noch für die Zukunft seiner Familie stark machen... und dies machte er.
Die Dunkelelfen waren ein seltsames Volk. Viele ihrer kulturellen Facetten waren brutal und gewalttätig und schienen eher auf einen Stamm von Barbaren hinzudeuten, gleichzeitig hatten aber auch sie eine gewisse Form der Ehre und Moral ausgebildet und eine völlig andere gesellschaftliche Ordnung, die auf Leistung ausgelegt war. Familienbande alleine schien nicht auszureichen, um sich längerfristig einen Platz an der Sonne zu sichern und auch das Geschlecht war nicht der bestimmende Faktor. In Pelgar wäre eine Frau von Amandins Format undenkbar gewesen. Dies hiess nicht, dass die Pelgarerinnen per se machtlos waren, aber sie konnten in der Regel diese Macht nur dann ausüben, wenn sie von ihrem Mann entsprechend unterstützt würden. Für sich alleine konnte sich kaum eine behaupten. Doch....war dieses Thema nun nicht irgendwie hinfällig, jetzt wo die pelgarische Tradition ohnehin zerschlagen war?
Er erreichte die Unterkünfte und nickte den vielen Arbeiter freundlich zu, die sich alle hier versammelt hatten. Viele Gesichter waren ihm unbekannt, offenbar hatte man viele neue Helfer heute Nachmittag hergeschafft, als Thomas bereits bei Amandin gewesen war. Einige von ihnen hatten jeglichen Glanz in ihren Augen verloren und standen wie Salzsäulen herum, als wären sie hohle Gefässe. Ihnen schien einzig die Arbeit geblieben zu sein, einen anderen Sinn schien es für diese Menschen nicht mehr zu geben. Thomas seufzte, doch ihm war dieses Bild nicht unbekannt, denn es war in Pelgar sehr verbreitet gewesen. Andere beobachteten argwöhnisch die Wachen. Es waren vermutlich jene Sklaven, die ihrem aktuellen Glück nicht ganz glauben mochten. Tatsächlich konnte einem Sklaven schliesslich von einem Augenblick auf den anderen alles entzogen werden, was man ihm gewährte. Eine Angst, die einen Sklaven stets begleitete.
Endlich entdeckte der Steinmetzmeister seine Kameraden und gesellte sich zu ihnen. THOMAS hallte es sogleich durch das Zelt. Thomas konnte sehen, wie Therendur kurz zusammenzuckte und sich griesgrämig auf die Lippen biss und Geison säuerlich anstierte. Ach Geison! Dieser Mann tat vieles für die gute Stimmung unter den Männern, doch Thomas fürchtete insgeheim, dass ihn diese Angewohnheit irgendwann den Kopf kosten könnte. Der Steinmetz schmunzelte dennoch und setzte sich zu seinen Männern, die offenbar noch immer eifrig über ihren Plänen brüteten. Amandin konnte sich glücklich schätzen, eine solch motivierte Truppe zusammengetrommelt zu haben. Er musterte die Pläne und studierte sie eine ganze Weile. Himmel, die waren ziemlich produktiv gewesen heute... und dies ganz ohne Sex und Spezialbetreuung. Thomas bestaunte Grimms Dachkonstruktion. „Waghalsig...aber genial.“ Murmelte er andächtig. Er wusste, dass Amandin die Dornen ganz besonders gefallen würden. „Ein Kupferdach...dieses wird man weit über die Stadtgrenzen hinaus funkeln sehen.“ Meinte er anerkennend. Grimm und Sima würden vermutlich diese Kuppel noch ein paar dutzend mal durchrechnen, denn der kleinste Fehler in der Statik würde unweigerlich zu einer Katastrophe führen. Dies waren sich hier alle Anwesenden sehr wohl bewusst. Man würde sich auch sehr genau mit lokalen Personen unterhalten müssen, um die Wetterlage in Andunie genauestens zu kennen. Holz arbeitete schliesslich und dehnte sich bei Wärme aus, während es sich bei Kälte zusammenzog. Dieser Spielraum musste ebenfalls berücksichtigt werden. Ein äusserst ambitioniertes Unterfangen... Er sah Geison an. „Wirst du die Kuppel in einem kleineren Massstab austesten?“ Schliesslich wurde sowas noch nie versucht.
Sima zeigte ihm derweil seine Pläne für die Tore. „Mir bleibt gleich die Spucke weg Leute, ihr Teufel!“ Sagte er überwältigt und klopfte Sima und Grimm kräftig auf die Schultern. Die anderen Meister nickten zustimmend. Die ganze Mechanik würde auch die Schmiede ordentlich beschäftigen. Er nickte anerkennend. Schliesslich berichtete auch Rasmussen, auch er gab sein Bestes. Sima konnte mit seinen Meistern durchaus zufrieden sein. Nun war Thomas an der Reihe mit seinem Bericht und er spürte, dass die Meister vor allem erfahren wollten, was Amandin so alles gesagt hatte. „Die Herrin ist bisher sehr angetan von unseren Vorschlägen. Auch den Leuchtturm unterstützt sie, wir können also unsere Bemühungen auch in diese Richtung fortsetzen. Sie hat mich beauftragt mich um den Altarstein und eine grosse Statue zu kümmern, welche sich hier und hier befinden sollten. Er zeigte auf die entsprechenden Stellen im Grundriss. „Es handelt sich um einen...Opferaltar...“ Das Wort behagte ihm nicht wirklich, weil allseits bekannt war, dass die Dunkelelfen nicht nur Tiere opferten. Die Herrin wünscht sich Rinnen wo das Opferblut von der Gallerie bis ins Meer runter fliessen kann...in mehreren Bahnen...“ Thomas spann diese Idee weiter. „Als wäre der Tempel ein Organismus und das Blut seine Adern, versteht ihr?“ Ja, sie würden hier etwas Grosses erschaffen, aber auch etwas ungemein Dunkles. Die Meister mochten bemerkt haben, dass er ihnen seine Skizzen bisher vorenthielt, doch sie wusste vermutlich auch, dass er sie in erster Linie von Therendur verbarg. Er wollte sie seiner Herrin persönlich zeigen, denn dieser Elf hatte kein Gespür für die Sprache der Steine, er würde ihre Ideen nicht im Sinne ihrer Schöpfer vertreten sondern handelte sie eher ab wie ein Datenblatt. Die ganze Poesie, die Magie der Steine fehlte in seinen Berichten und genau diese wollte er mit Amandin teilen, denn wenn sie sich beide in ihre Fantasie zurückzogen und über ihr Projekt debattierten entstand ein Feuerwerk der Kreativität. Thomas begnügte sich in der Folge mit einigen ausufernden Details über den Altar und sonstigen Belanglosigkeiten, die aber dennoch das Bild eines vollständigen Berichts abgaben. Schliesslich verstummte er und tauschte einige Blicke mit den Meistern. Sie verstanden und so räumten sie die Skizzen ein und begannen weit trivialere Gespräche. Genauer gesagt löste Thomas eine Debatte um die Vorzüge einer Kartoffelsuppe als Stärkelieferant aus, in welche die anderen Meister dann eifrig einstimmten. Therendur hielt es noch einige Zeit bei den Männern auf doch schliesslich kam er für sich selbts zu dem Schluss, dass aus diesen Männer für heute wohl keine brauchbaren Informationen mehr herauskommen würden und so trollte er sich schliesslich. Viel Zeit blieb den Männern ohnehin nicht mehr, denn bald würde man sie wohl zu Bett schicken. Der Steinmetzmeister sah sich um und senkte seine Stimme. „Ich muss euch etwas zeigen.“ Hauchte er schliesslich.

Er legte sein Skizzenbuch auf den Tisch und schlug die Seiten mit dem Alabaster auf. „Ihr glaubt nicht, was mir die Herrin gezeigt hat, schaut ihn euch an. Sie beherrscht eine Form der Magie, glaubt mir! Ich weiss nicht welcher Art sie ist aber schaut...der Stein...“ Er deutete auf die schwarzen Adern. „Sie verändert ihn irgendwie.... hat einer von euch sowas schon mal gesehen?“ Er hob seine Hand an und zeigte sie den Männern. „Sie hat die Magie durch meine Hand gewirkt, ich konnte es spüren...schaut...“ Er blätterte herum und zeigte den Stein mit dem Handabdruck. „Als wir durch die Stadt gefahren wurden, da kamen wir doch an diesem seltsamen Haus vorbei... das...war genau das hier. Ich glaube unser Baumaterial wird von dieser Qualität sein...nur...weiss ich nicht was es damit auf sich hat. In der Nähe dieser Steine fühlt man sich so...verloren, so beklommen, es ist als würde er von der eigenen Energie zehren und sich damit aufladen. Zuerst hielt ich ihn für krankt, für entartet...doch das ist es nicht. Der Stein ist immer noch er selbst, nur wärmer, stärker, härter. Als hätte sie ihn dressiert, versteht ihr? Er ist...wie wir. Ein Sklave, nach dem Wunsch des Herren gestaltet. So etwas habe ich noch nie gesehen, noch nie bei einem Stein gespürt.“ Er blickte fragend auf und winkte dann aber sogleich ab, ehe jemand etwas erwidern konnte. "Sie hat mir auch mehr über die Beziehung zwischen Dunkelelfen und Steinen erzählt... in Morgeria...gibt es offenbar Statuen von Faldor, die einen...die einen..." Er errötete "... riesigen Schwanz haben" Nun klang er wie eine bessere Tratschtante. "Er ist für junge Frauen gedacht, die ihre...Jungfräulichkeit dem Gott opfern... sowas soll ich entwerfen." Das war ungeheuerlich, doch Thomas musste seine Männer schonend an den Anblick von Ungeheuerlichem gewöhnen, schliesslich würde er eine Statue aus purer sexueller Sünde errichten. Andererseits hingen die Meister förmlich an seinen Lippen. Die zwangsweise enthaltsam lebenden Männer gierten offenbar nach jeglicher Form der Erotik, welches nunmal ein grundlegendes Bedürfnis eines Menschen darstellte. Auch Sklaven hatten Triebe und nicht jede Energie liess sich gänzlich ins Behauen von Steinen kanalisieren. Möglicherweise hatte Thomas einigen von ihnen gerade eine Vorlage für die Nacht geliefert, er war schliesslich der Einzige, der sich nicht berühren durfte. Diese Geschichte verstörte den Steinmetz insgeheim, doch irgendwie faszinierte sie ihn auch. Ein erotischer Stein... Doch plötzlich und ohne es vorauszusehen schlug seine Stimmung um.

„Die Herrin...sie holt meine Tochter in ihren Besitz...“ Das hier war nun völlig aus dem Kontext gerissen und war eher aus Thomas herausgeplatzt. Seine Augen glänzten feucht und er rieb sich für einen Moment darüber. „Sie wird versuchen sie irgend einem Kerl abzukaufen... für mich...für einen Sklaven.“ Er strich sich durch die Haare und sah seine Meister an. „Bei L...y.. bei den Göttern, sie holt sie zurück.“ Keuchte er, denn erst jetzt drangen die Gefühle, die damit verbunden war erst richtig zu ihm durch. Im Zelt war das nicht der Fall gewesen, weil sie seine ganze Aufmerksamkeit eingefordert hatte. Er sah Geison direkt an.

„Sie wird auch euch belohnen, glaubt mir.“ Brachte er mühsam hervor. Er hatte die Meister schliesslich löblich erwähnt und ihre Pläne waren allesamt fantastisch. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie nur ihn belohnte, wo sie doch selbst stets betonte, dass es das Werk aller sein würde.
Thomas macht aber unbewusst auch deutlich, dass er zu einem flammenden Anhänger der Herrin geworden war und sich somit nicht mehr wirklich als Vertrauensperson für irgendwelche Kritik an ihr eignete. Niemand würde bezweifeln, dass der Steinmetzmeister ein aufrechter und anständiger Kerl war, doch man würde ihn zweifelsohne in Schwierigkeiten bringen, wenn man ihm Dinge anvertrauen würde, welche die Herrin unter keinen Umständen hören sollte.

Er rieb sich über die Stirn und zwang sich selbst wieder zur Ruhe, da er nicht wollte, dass die Wachen auf ihn aufmerksam wurden. Er hielt für einen Moment die Augen geschlossen und sammelte sich, ehe er seine Meister wieder ansah. „Dennoch verstehe ich so vieles nicht... zum Beispiel...was mit unseren Lehrlingen geschehen ist...damals, in jener Nacht.“ Meinte er etwas hilflos und sah abermals in die Runde. „Das passt doch überhaupt nicht ins Bild.“ Meinte er zweifelnd. „Wir müssen die Augen und Ohren offenhalten, denn auch die Herrin scheint nicht alles nach ihren Wünschen beeinflussen zu können.“ Er sah die Meister eindringlich an. „Ich bin davon überzeugt, dass sie allein der Schlüssel zu unserem Glück ist, wir sollten also alles dafür geben, dass ihr Einfluss möglichst wächst, denn nicht alle scheinen ihr gegenüber und unserem Treiben wohlgesinnt zu sein...“ Er senkte seine Stimme. „Nehmt Therendur zum Beispiel... bin ich der Einzige der das Gefühl hat, dass ihm jedes Wort, jede Idee, jede Skizze bis ins innerste widerstrebt?“

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. Januar 2016, 22:14

Amandin konnte sich glücklich schätzen, eine solch motivierte Truppe zusammengetrommelt zu haben. Mercer musterte die Pläne und studierte sie eine ganze Weile. Himmel, die waren ziemlich produktiv gewesen heute... und dies ganz ohne Sex und Spezialbetreuung. Thomas bestaunte Grimms Dachkonstruktion.
„Waghalsig...aber genial.“
, murmelte er andächtig. Er wusste, dass Amandin die Dornen ganz besonders gefallen würden.
„Ein Kupferdach...dieses wird man weit über die Stadtgrenzen hinaus funkeln sehen.“
Meinte er anerkennend. Grimm und Sima würden vermutlich diese Kuppel noch ein paar dutzend mal durchrechnen, denn der kleinste Fehler in der Statik würde unweigerlich zu einer Katastrophe führen.
„Wirst du die Kuppel in einem kleineren Maßstab austesten?“
„Ja, ich hab schon mit den Berechnungen begonnen und Meister Thein wird mir die einzelnen Blätter anfertigen. Wenn das Modell fertig ist, wäre es gut, wenn du es unserer Herrin präsentieren würdest.“
Sima zeigte ihm danach gleich seine Pläne für die Tore und aus allen Ecken der kleinen Gemeinschaft erfuhr der Architekt lobendes und zustimmendes Nicken. Auch Thomas ließ sich zu einem:
„Mir bleibt gleich die Spucke weg Leute, ihr Teufel!“
Sagte er überwältigt und klopfte Sima und Grimm kräftig auf die Schultern. Schließlich berichtete auch Rasmussen, auch er gab sein Bestes. Sima konnte mit allen durchaus zufrieden sein. Nun war Thomas an der Reihe mit seinem Bericht und er spürte, dass die Meister vor allem erfahren wollten, was Amandin so alles gesagt hatte.
„Die Herrin ist bisher sehr angetan von unseren Vorschlägen. Auch den Leuchtturm unterstützt sie, wir können also unsere Bemühungen auch in diese Richtung fortsetzen. Sie hat mich beauftragt mich um den Altarstein und eine große Statue zu kümmern, welche sich hier und hier befinden sollten.“
Er zeigte auf die entsprechenden Stellen im Grundriss und Geison markierte sie sofort mit einem Kohlestift.
„Es handelt sich um einen...Opferaltar...“
Das Wort behagte wohl keinem Besonders, da einige Techniken im glauben an Faldor allgemein bekannt waren.
„Die Herrin wünscht sich Rinnen wo das Opferblut von der Galerie bis ins Meer hinunter fließen kann...in mehreren Bahnen... Als wäre der Tempel ein Organismus und das Blut seine Adern, versteht ihr?“
Ja, sie würden hier etwas Großes erschaffen, aber auch etwas ungemein Dunkles. Thomas begnügte sich in der Folge mit einigen ausufernden Details über den Altar und sonstigen Belanglosigkeiten, die aber dennoch das Bild eines vollständigen Berichts abgaben. Schließlich verstummte er und tauschte einige Blicke mit den Meistern. Sie verstanden und so räumten sie die Skizzen ein und begannen weit trivialere Gespräche. Genauer gesagt löste Thomas eine Debatte um die Vorzüge einer Kartoffelsuppe als Stärkelieferant aus, in welche die anderen Meister dann eifrig einstimmten. Therendur hielt es noch einige Zeit bei den Männern aus, doch schließlich kam er für sich selbst zu dem Schluss, dass aus diesen Männer für heute wohl keine brauchbaren Informationen mehr herauskommen würden und so trollte er sich. Viel Zeit blieb den Männern nicht. Der Steinmetzmeister sah sich um und senkte seine Stimme.
„Ich muss euch etwas zeigen.“
, hauchte er schließlich. Er legte sein Skizzenbuch auf den Tisch und schlug die Seiten mit dem Alabaster auf.
„Ihr glaubt nicht, was mir die Herrin gezeigt hat, schaut ihn euch an. Sie beherrscht eine Form der Magie, glaubt mir! Ich weiß nicht welcher Art sie ist aber schaut...der Stein...“
Er deutete auf die schwarzen Adern.
„Sie verändert ihn irgendwie.... hat einer von euch so etwas schon mal gesehen?“
Er hob seine Hand an und zeigte sie den Männern. Die Gesichter um in herum wurden neugieriger und es war gut, das sie den Dunkelelfen vergrault hatten. Wer wusste schon, wie viel dieser über seine Vorgesetzte wusste?
„Sie hat die Magie durch meine Hand gewirkt, ich konnte es spüren...schaut...“
Er blätterte herum und zeigte den Stein mit dem Handabdruck.
„Als wir durch die Stadt gefahren wurden, da kamen wir doch an diesem seltsamen Haus vorbei... das...war genau das hier. Ich glaube unser Baumaterial wird von dieser Qualität sein...nur...weiß ich nicht was es damit auf sich hat. In der Nähe dieser Steine fühlt man sich so...verloren, so beklommen, es ist als würde er von der eigenen Energie zehren und sich damit aufladen. Zuerst hielt ich ihn für krankt, für entartet...doch das ist es nicht. Der Stein ist immer noch er selbst, nur wärmer, stärker, härter. Als hätte sie ihn dressiert, versteht ihr? Er ist...wie wir. Ein Sklave, nach dem Wunsch des Herren gestaltet. So etwas habe ich noch nie gesehen, noch nie bei einem Stein gespürt.“
Er blickte fragend auf und winkte dann aber sogleich ab, ehe jemand etwas erwidern konnte.
"Sie hat mir auch mehr über die Beziehung zwischen Dunkelelfen und Steinen erzählt... in Morgeria...gibt es offenbar Statuen von Faldor, die einen...die einen..."
Er errötete und die Gesichter wurden immer fragender.
"... riesigen Schwanz haben"
Nun klang er wie eine bessere Tratschtante, aber die Männer um ihn herum waren genauso wie er. Sie waren ausgehungerte Sklaven ihrer eigenen Triebe und hätte man unter den Tisch blicken können, hätte manch einen gesehen, der die Beine unwillkürlich zusammen presste.
„Einen Sch...wanz???“
„Du meinst ...ähm... das Gemächt eines Mannes, oder? Keinen Schwanz wie bei einem Tier, also einem den der Hund hinten trägt, oder?“
„Natürlich meint er ...na ja, den ...Freudenspender. Ist doch klar. Wenn die eine Faldor-Statur damit haben, dann muss es ja wie bei einem Mann aussehen … oder?“
„Na wer weiß, was Faldor unter seiner Kutte trägt, hahaha!“
, witzelte Geison wie ein kleiner Junge.
„Ja, haha, wer weiß! Vielleicht hat er ja nen ganz kleinen ...“
„Oder zwei.“
„Hä? Wie kommst du da drauf?“
„Ach, nur so. War nur ne Idee. Hab neulich zwei Schlangen dabei gesehen. Die hatten zwei.“
„Echt? Nicht wahr!“
Thomas unterbrach die leicht pubertär anmutenden und jetzt schon ausufernden Gespräche um das Gemächt eines bekanntermaßen eher rachsüchtigen Gottes lieber.
"Er ist für junge Frauen gedacht, die ihre...Jungfräulichkeit dem Gott opfern... sowas soll ich entwerfen."
Geison schluckte leer, Rassmussen hatte den Mund offen stehen, Thein blinzelte ununterbrochen und Meister Grimm schüttelte leicht den Kopf. Nur Meister Belegar, der Zwerg, wirkte relativ ungerührt. Das ganze war für die zwangsweise enthaltsamen Männer ungeheuerlich, doch hingen die Meister ihm förmlich an seinen Lippen. Auch Sklaven hatten Triebe und nicht jede Energie ließ sich gänzlich ins Behauen von Steinen kanalisieren. Diese ganze Geschichte verstörte den Steinmetz insgeheim, doch irgendwie faszinierte sie ihn auch. Ein erotischer Stein... Doch plötzlich und ohne es selbst vorauszusehen schlug seine Stimmung um.
„Die Herrin...sie holt meine Tochter in ihren Besitz...“
Sofort war es still am Tisch. Das hier war nun völlig aus dem Kontext gerissen und war eher aus Thomas herausgeplatzt. Seine Augen glänzten feucht und er rieb sich für einen Moment darüber.
„Sie wird versuchen sie irgend einem Kerl abzukaufen... für mich...für einen Sklaven.“
Er strich sich durch die Haare und sah seine Meister an, die allesamt mitfühlend zurück starrten; sogar Rasmussen!
„Bei L...y.. bei den Göttern, sie holt sie zurück.“
Keuchte er, denn erst jetzt drangen die Gefühle, die damit verbunden war erst richtig zu ihm durch. Im Zelt war das nicht der Fall gewesen, weil sie seine ganze Aufmerksamkeit eingefordert hatte. Er sah Geison direkt an und dieser hatte Tränen in den Augen. Sein Mund öffnete sich, schloss sich, öffnete sich wieder, aber es kam nichts heraus. Was sollte er auch sagen. Er fühlte mit Thomas. Niemand sonst in der Gruppe war ihm näher, auch wenn die anderen auch so etwas wie fest miteinander verschmolzene Leidensgenossen geworden waren. Geison war ein Freund und seine Kiefer pressten sich aufeinander. Er nickte ein paar mal ganz leicht und wilde Entschlossenheit, die nur Thomas wirklich verstand, spiegelte sich in seinem Gesicht. Er würde alles tun, damit Thomas nicht das gleiche widerfuhr, wie seiner eignen Familie.
„Sie wird auch euch belohnen, glaubt mir.“
Brachte Mercer mühsam hervor. Er rieb sich über die Stirn und zwang sich selbst wieder zur Ruhe, da er nicht wollte, dass die Wachen auf ihn aufmerksam wurden. Er hielt für einen Moment die Augen geschlossen und sammelte sich, ehe er seine Meister wieder ansah.
„Dennoch verstehe ich so vieles nicht... zum Beispiel...was mit unseren Lehrlingen geschehen ist...damals, in jener Nacht.“
Meinte er etwas hilflos und sah abermals in die Runde.
„Das passt doch überhaupt nicht ins Bild.“
Meinte er zweifelnd.
„Wir müssen die Augen und Ohren offenhalten, denn auch die Herrin scheint nicht alles nach ihren Wünschen beeinflussen zu können.“
Er sah die Meister eindringlich an.
„Ich bin davon überzeugt, dass sie allein der Schlüssel zu unserem Glück ist, wir sollten also alles dafür geben, dass ihr Einfluss möglichst wächst, denn nicht alle scheinen ihr gegenüber und unserem Treiben wohlgesinnt zu sein...“
Er senkte seine Stimme.
„Nehmt Therendur zum Beispiel... bin ich der Einzige der das Gefühl hat, dass ihm jedes Wort, jede Idee, jede Skizze bis ins innerste widerstrebt?“
Bei Therendur schienen sich alle einig. Keiner konnte ihn wirklich leiden und so nickte die kleine Runde geschlossen. Meister Thein nahm dann nach einigem Zögern das Thema auf:
„Jan … er ist mein Lehrling. Er... er ist wie verwandelt. Ich habe ihn beobachtet. Einerseits redet er nicht mehr so viel wie früher, aber andererseits scheint es ihm körperlich bestens zu gehen. Er packt zu wie ein Ochse und schafft mehr als zwei Männer zusammen. Er macht keine Pausen und arbeitet regelrecht … verbissen.“
Nun sah er fragend in die Runde und erntete einen verständigen Blick von Geison der dann weiter sprach:
„Etwas ähnliches ist mir bei Maurus aufgefallen. Ich dachte, er wäre nur über die Maßen fleißig, weil er vielleicht wieder auserwählt werden wollte. Ja... das wäre ja eigentlich unlogisch, zumal wir ja das schwächste Glied hatten auswählen sollen … doch ...“
Gerade in diesem Augenblick schien ihm etwas aufzugehen.
„... aber wenn … wenn es genau darum ging?!? Was wenn sie die schwachen stark machen will, so wie diesen Stein, von dem Thomas sprach. Aber... aber warum würde sie das wollen? Damit wir ihren Tempel schneller fertig kriegen? Ist das logisch?“
Er runzelte von sich selbst verwirrt die Stirn und Rasmussen fuhr fort Theorien aufzubauen:
„Dann könnte man sich aber auch noch etwas anderes fragen. - Ihr habt doch auch gehört, dass sie den Männern ihren Samen genommen haben, oder?“
Verstecktes, fast peinlich berührtes Nicken folgte.
„Was macht sie damit? Wozu braucht sie den Samen von „schwachen“ Männern? Ich hab da auch meine Theorie entwickelt, Männer. … Was wenn sie uns klein und schwach züchten will, wie es die Züchter mit den Pferden tun, um sie groß und stark zu bekommen.“
Meister Grimm unterbrach:
„Ganz unlogisch wäre das nicht, da die Dunklen ja schon eine körperlich starke Rasse als ihre Sklaven haben. Die Orks sind ihnen hörig...warum auch immer. Wenn sie eine zweite Sklavenrasse sich erschaffen wollen, dann bräuchten sie sicher eine die eher die „Feinarbeiten“ machen. Wir Menschen sind ihnen vielleicht zu stark, dass sie uns einfach so unterjochen wollen. Sie müssen viele von uns erst brechen, damit wir ihnen hörig sind.“
Das Thema schien alle richtig aufzuheizen und sie mussten aufpassen nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der Zwerg legte seine große Pranke leicht auf den Tisch, was wie ein Symbol zur Ruhe wirkte.
„Leute, egal was sie mit eurem „Matsch“ anfängt, darüber zu phantasieren bringt uns kein Stück weiter. Was uns aber weiter bringt, ist diese Baustelle. Wir haben hier eine Frau als Herrin, was an sich schon ungewöhnlich ist. Wäre sie eine Zwergin würde ich ihr ja einiges zutrauen, aber sie ist ein Spitzohr und die knicken bei jedem leichten Lufthauch ein. Wenn sie hier Feinde hat, dann herrjeh... ja dann WILL ich ihr helfen, allein damit es uns gut geht! Aber was was mich noch mehr erstaunt ist, dass sie Mercers Tochter holen will.“
Jetzt sahen alle Thomas an.
„Wenn sie das wirklich zustande bringt und sich das nicht als falsches Versprechen entpuppt, dann haben wir hier vielleicht wirklich die Chance etwas zu bewirken! Ich habe seit langem nicht mehr so viel Hoffnung empfunden wie heute und das macht mir ehrlich gesagt – Angst!“
Er rieb sich nervös den Bart.
„Wenn, und ich sage nicht, dass ich alles sofort glaube was hier passiert, also wenn das alles seine Richtigkeit hat, dann will ich zum Harax noch mal dabei sein!“
Er ballte die Hand auf dem Tisch zur Faust. Geison nickte und legte dann seine Hand oben auf die Faust und sprach mit gesenkter Stimme:
„Verdammt, JA! Und wenn ich meine Jungs zwei mal täglich zum „Abwedeln“ schicken müsste! Ist doch egal, wofür sie das brauch. Vielleicht badet sie auch darin?! Wer weiß! Wir bauen hier einen Tempel, was sag ich, ein Monument das die Geschichte überdauern wird. Ja, ich bin dabei!“
Meister Grimm grinste.
„Meine Güte, was seid ihr heute heroisch! Aber klar, ich bin dabei. Ist nur logisch, dass wir unsere Position verbessern, wenn wir uns für sie stark machen.“
Auch seine Hand legte sich oben auf. Meister Thein, der noch jung in der Runde war, wie auch Meister Belegar, stand dem aber auch nichts nach:
„Ich bin dabei! Ich werde ihre Herrlichkeit schmücken und erstrahlen lassen, wenn sie das will.“
Sein kleiner Einwand erinnerte Thomas vielleicht daran, dass der Feinschmied noch nicht wirklich in die Arbeiten eingebunden worden war. Da er noch jung bei der Gruppe dabei war, hatte ihn man anscheinend etwas übersehen. Als nächster grollte dann Rassmussen, bevor noch jemand etwas hatte sagen können:
„Na wunderbar! Wenn ich jetzt was dagegen sagen würde, wäre ich wieder der Böse!“
Seine Hand klatschte oben auf.
„Klar bin ich dabei, aber nervt mich nicht! Vor allem kommt mir nicht mit noch mehr schnulzigem Gelaber! Los, Mercer! Patschehand drauf, damit das hier ein Ende hat!“

Kurz darauf wurde der Abend hastig beendet, auch wenn sicher noch vieles offen und gerne besprochen worden wäre. Die Stunde der Erholung war vorbei und die Wachen schickten die Sklaven teils noch in das große Zelt auf die Strohballen und teils schon in die Unterkünfte, die am Tage zusammen gezimmert worden waren. Meister Mercer und die seinen kamen in den Genuss des Vorzuges derselben, wo an ihrer neuen Behausung eine hölzerne Eins über der Tür prangerte. Dort gab es noch keine Einrichtung, aber die kalte Nachtluft zog nicht so schrecklich in die Glieder. Auch hier waren Strohballen ausgebreitet worden und würden später als vielleicht als Wärmeisolierung dienen. Pro Hütte hatte man Platz für sechs Mann und später würden Doppelstockbetten den Raum begehbar machen. Jetzt rollte man sich jedoch eng und eilig zusammen um sich gegenseitig noch etwas zu wärmen, dann wurde das Licht gelöscht. Keiner von ihnen traute sich zu flüstern, denn in der Vergangenheit war dies oft bestraft worden. Aber allein, dass man ihnen etwas Privatsphäre gönnte war schon ein großer Fortschritt. Wieder ein kleiner Bonus, den Amandin ihren Treuen gewährte.

Ein helles Lachen begleitete Thomas Sinne durch die Nacht. Das Gesicht seiner Tochter Louisa erschien ihm und malte sich in seiner Phantasie so schön wie nie. Sie tollte zwischen den blühenden Apfelbäumen, die ihre Blüten wie Schneeflocken um sie tanzen ließen. Sie trug ihr verblichenes rotes Kleid, was sie so liebte, aber kaum noch dieser Farbe glich. Alles an ihr schien schon ein wenig verblichen – glich einer lange verlorenen Erinnerung, einem Traum. Wie hatte sie ausgesehen, als er sie das letzte Mal wirklich vor sich gehabt hatte? Welche Farbe hatte ihr Haar, ihre Augen, ihre Wangen? Alles war so blass und durchsichtig geworden. Wann hatte er sie das letzte Mal gesehen? Wann ihr das letzte Mal über die Wange gestreichelt? Wann ihr das letzte Mal gesagt, dass er sie liebte? Der kleine Wirbelsturm ihres Kleides, der die Blütenblätter auffliegen ließ, drehte sich schnell und schneller und ihr lachen klang fern und doch ganz nah. Plötzlich blieb sie stehen und er erinnerte sich an den Tag, den er hier sah. Gleich würde sie ihn etwas fragen … Sie würde sich zu ihm umdrehen und er würde ihr Gesicht sehen. Er würde es ihr erlauben und sie würde glücklich lachen und dann davon laufen zu Beth … Beth … Thomas sah über seine Schulter zurück zum Haus und da stand sie in der Ferne. Sie wartete, dass er ihr ihre Tochter schicken würde,
dass er sie gehen lassen würde.

Irgendwo knarrte eine Säge durch zähes, feuchtes Holz. Es war ein Geräusch das unverkennbar dem Abholzen eines Waldes nahe kam. Als Thomas die Augen aufschlug war es noch dunkel, aber das Schnarchen des Zwerges hatte ihn geweckt. Nachdem er seinen rebellierenden Rücken soweit sortiert hatte, dass er sich aufsetzten konnte, sah er, dass noch eine weitere Person schon wach war. Meister Rasmussen saß an eine Wand gelehnt mit angezogenen Beinen da und starrte ins Leere. Als er Thomas Bewegungen bemerkte, hob er den Kopf ein wenig und grüßte so notdürftig. Rasmussen war schon immer etwas anders gewesen wie alle anderen, aber manchmal war er eben einfach nur merkwürdig. Einer der Gründe, warum viele ihm nicht vertrauten. Ob nun gerechtfertigt oder nicht. In der Vergangenheit hatte der Mann sich schon ein paar mal als „Spitzel“ der Dunklen entpuppt, aber andererseits … Was hatte ihn dazu gebracht? Hatte Thomas nicht selbst gestern deutlich gezeigt, dass er nun auf der Seite seiner Herrin war? Würde man ihn nicht auch nun als vermeintlichen „Spion“ ansehen? Das Dunkel der Hütte ließ viel Raum für Spekulationen, was Feinheiten im Ausdruck eines Mannes anbelangte.
Rasmussen war aber nur einer dieser Männer, auf die Thomas sich nun verlassen musste. Wenn sie alle zusammen hielten, dann würden sie wahrhaftig in die Geschichte eingehen und das war es was einen Steinmetzmeister antrieb. Ob Rasmussen das gleiche antrieb wie ihn? - Jetzt gerade trieb jedoch Thomas Blase ihn an möglichst bald nach draußen zu kommen. Die Tür war nicht versperrt und sobald er sie öffnete drehte sich ein Wächter zu ihm um. In der Nacht durchs Lager zu laufen war schon immer seltsam gewesen, aber in diesem Lager war es irgendetwas noch besonderes. Der Mond schien durch ein paar Wolkenfetzen und glänzte auf den feuchten Steinen. Es musste vor kurzen leicht geregnet haben. Der Boden war etwas matschig und würde im Laufe des Tages sicher leichter zu bearbeiten sein, jetzt da die kalte Jahreszeit sich langsam dem Ende näherte. Trotzdem waren plötzliche Wetterumschwünge nichts ungewöhnliches am Meer und die Sklaven sollten sich immer gut sichern, wenn sie in höheren Lagen arbeiteten. Starke Windböen waren Vorboten der berüchtigten Frühjahrestürme und sollten niemanden das Leben kosten. In Gedanken stapfte Thomas zu den Notdüften und als er sich dann gerade auf den Rückweg machen wollte, fiel sein Blick noch einmal auf die ausgeräumte Tempelruine. Gleich den unegalen Zähnen einer alten Frau ragten die zerbrochenen Säulen in den Himmel. Der feuchte Glanz und die Dunkelheit tauchte das ganze Bild in eine düster, schöne Eleganz, die so ganz und gar im krassen Gegensatz zu der Zerstörung stand die hier gewütet hatte. Die Nacht malte die Steine schwarz und der vergangene Regen ließ Lichter tanzen, wo sonst keine waren. Dabei glitzerte der ferne Schein der Fackeln wie aus Funken gewebte Teppiche über den teilweise schon frei gelegten glatten Boden.
Man konnte sagen was man wollte, aber auch die Dunkelheit hatte ihre schönen Seiten. Sie blendete nicht das Auge wie das Licht es oft mit der Wirklichkeit tat, sondern lud ein in ihm nach seinen Geheimnissen zu suchen. Die Nacht lockte ihn, wollte ihn verführen, ihn umarmen und verwirren. Sie ließ ihn Dinge sehen die nicht da sein konnten, Schatten tanzen wo es doch kein Licht gab um sie zu gebären. Sie wob aus seiner Phantasie die Fäden, die sein Schicksal webten. Wie einst er als kleiner Junge in den Wolken Dinge zu sehen glaubte, so waren es nun die Schatten der Steine die zu ihm sprachen. Sie hofften auf sein Werk. Sie luden ihn ein mit ihnen zu tanzen und Träume zu erschaffen, sie Wirklichkeit werden zu lassen und verwischten im gleichen Augenblick seinen klaren Blick. Und doch war es nur ein Atemzug, ein stiller Moment, der ihm seine jetzt schon veränderte Sicht auf die Dinge zeigte... oder war es mehr? Unwillkürlich sah er sich auf die Hand, durch die Amandin ihre Magie gewirkt hatte. Sie fühlte sich etwas wärmer an als die andere. Hatte ihre Berührung ihn auch schon verändert? Ihre Magie?

Thomas kam ungehindert auch wieder an seiner Baracke an und als er eintrat, lag auch Rasmussen wieder zusammengerollt in der Ecke. Der Rest der Nacht gehörte seinen eigenen Träumen.

Der nächste Tag begann wie der zuvor und schnell spielte sich ein gewisser Rhythmus unter den Sklaven ein. Man gab ihnen Essen, sorgte dafür, dass sie bei Kräften blieben, aber man trieb sie auch an, wenn offensichtliche Faulheit sich einschleichen wollte. Rasmussen klagte ein paar Mal, dass er die lange Leine der Herrin noch verfluchen würde, wenn die Hilfssklaven sich dann auf ihrer faulen Haut ausruhen würden. Keiner wollte ihren Unmut riskieren, da ihr Wohlwollen so gut tat. Um so mehr ärgerte es, wenn dann doch einige „Faule Eier“ auftauchten und Unfrieden entstand. Doch das waren Rasmussens Probleme. Meister Thein hatte eher Probleme Arbeit zu finden und half derzeit bei dem Grobschmied mit aus. Er musste seine Aufgabe noch finden. Geison hingegen war ständig unterwegs und kontrollierte den gesamten Bau. Er musste den Überblick behalten und frühzeitig Fehler ausmerzen, weshalb Thomas ihn kaum zu Gesicht bekam. Meister Grimm und seine Zimmermänner waren vollauf mit den restlichen Baracken und dessen Innenleben beschäftigt, so dass Thomas Zeit für seinen eigenen Auftrag blieb. Hierfür war ihm kurz vor der Mittagsstunde ein Rohling Alabaster geliefert worden. Der feine Stein war von so einer herausragenden Qualität und Feinheit, dass er vermutlich von Amandin selbst ausgesucht worden war. Ein Ork hatte ihn geliefert und dabei so sehr geschwitzt, als würde er bereits im Harax brühten. Vermutlich hatte Amandin ihm klar gemacht, dass er sein Leben verlieren würde, wenn er ihn fallen lassen würde. Zumindest schlotterte er regelrecht vor Erschöpfung, als er endlich den Stein los war und verschwand sehr eilig. Man hatte Meister Mercer einen eigenen Bereich aus aufgehängten Planen in der Nähe der Zelte seiner Herrin aufgebaut, wo er arbeiten konnte. So lag seine „Werkstatt“ am äußersten Bereich der anderen Baubuden. Für die kleineren Aufträge würde es wohl reichen, was hier entstanden war, jedoch den Altarstein oder ihre Statur, die konnte er unmöglich hier entstehen lassen. Therendurs Kommentar, falls Thomas nach mehr Platz fragte, war:
„Eure Herrin wünscht es so und nicht anders!“

Alles lief gut. Im Laufe des Nachmittags kamen weitere Lieferungen Holz für die Gerüste an. Es wurde immerzu gehämmert und mehr Werkzeuge hergestellt. Die Esche lief auf voller Leistung und immerzu hörte man irgendwo Geison irgendetwas brüllen. Bald würde er heiser werden, wenn er so weiter machte, aber Thomas konnte sich sicher sein, dass auch dann seine Anweisungen ihr Ziel erreichen würden. Manchmal reichte sein bloßes Auftauchen und sofort legten alle einen Zahn zu oder kontrollierten selbst ihre Arbeit auf Fehler. Auch Geison, als Architekt, hatte ein eigenes offenes Zelt bekommen, wo er recht häufig zu finden war. Dort lagerte man die Aufzeichnungen und seine Berechnungen. Manchmal konnte man ihn dort beobachten, gebeugt über eine Zeichnung und ihn leise lächeln sehen.

Thomas hatte den ganzen Tag nichts von Amandin gehört. Er wusste nicht einmal ob sie da war oder nicht, als sie abends wieder in ihre Baracken geführt wurden. Auch diese Nacht verfolgten ihn wilde Träume und sein Innenleben zeigte die blühstarke Phantasie seiner lange unterdrückten Triebe. Was er seinen Mitgefangenen verschwiegen hatte, die pikanten Details seines derzeitigen Auftrags, sich mit seinem eigenen Geschlechtsteil zu befassen, war noch immer sehr ungewohnt für den Pelganer. Wenigstens hatte seine kleine Werkstatt die nötige Abgeschiedenheit und einen Sichtschutz, damit er konzentriert arbeiten konnte. Denn selbst hier führte Amandin ihn an seine eigene Triebhaftigkeit heran, ohne wirklich anwesend zu sein. Dieser Umstand und die kleinsten heraufbeschworenen Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit gaben ihm aber auch die nötige „Spannung“ die er brauchte um seine Vorlage in voller Pracht stehen zu lassen. Und auch der weiche Stein machte ihm die Arbeit zu einer reinen Freunde. Sein Werk schritt schnell voran und wenn alles gut lief, könnte er es schon morgen fertig stellen. Diese Nacht schief er unruhig. Sein Körper vermisste die Wärme, die Weichheit einer Frau und grollte ihm durch Schlaflosigkeit, da er nicht Hand an sich legen durfte. Immer wieder erwachte er und fühlte sich an seine Herrin erinnert. Er schlief auch wieder ein, aber das Sehnen wurde langsam schwerer zu ertragen, wenn einem selbst die eigenen jüngsten Erfahrungen verrieten, lockten und verführten.
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Thomas Mercer
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Thomas Mercer » Montag 8. Februar 2016, 14:13

Mercer starrte Geison an, als dieser über das Gemächt von Faldor witzelte. „Geison! Shht! Bist du verrückt!“ Ermahnte er ihn und sah ihn unruhig an. Für Thomas stand hier schliesslich viel auf dem Spiel und er wollte nicht, dass seine Familie bestraft wurde, weil Geison gerade irgendwelche Fantasien hatte. Allerdings liess er sich ebenfalls aus dem Konzept bringen, als Geison von zwei Schwänzen bei Faldor ausging. „W..was?“ Stimmte er in den allgemeinen Tenor ein. Mercer war eben letztlich auch nur ein Kind seiner Zeit und Kultur... ein Pelgarer geriet schliesslich schon aus dem Häuschen wenn es um einen Schwanz ging... Als er seinen Freunden eröffnete, wofür diese Statuen gebraucht wurden, breitete sich sofort Schweigen aus. „Ja.“ Brummte Mercer nur und breitete kurz seine Arme aus und zuckte mit den Schultern. Das Bild der Jungfrauen löste jedoch in ihm etwas auf und brachte ihn dazu, über seine Tochter zu sprechen. Für Meister Mercer war der Fall klar: Amandin war die Garantin ihres gemeinsamen Glücks. Sie galt es um jeden Preis zu unterstützen. Doch Thomas hatte in den letzten Tagen einige Reaktionen ihrer Untergebenen beobachten können, die ihn beunruhigten. Das verbissene Gesicht von Harker, das Funkeln in Therendurs Augen, die böse gezischten Worte der Sklavin und schliesslich Amandins eigene bedauernden Worte zu diesem „Spiel“. Das alles war Grund zur Sorge und dann geschahen hier ja auch noch Dinge auf dem Bauplatz, auf die sich niemand so richtig einen Reim machen konnte. Die Magie der Steine, die Vorkommnisse mit den Lehrlingen, die Anwesenheit dieses seltsamen Doktors... Das alles fügte sich bisher nicht zu einem Ganzen zusammen und liess somit viele Fragen offen. Es war Meister Thein, der sich als erster dazu äusserte.

„Jan …Einerseits redet er nicht mehr so viel wie früher, aber andererseits scheint es ihm körperlich bestens zu gehen. Er packt zu wie ein Ochse und schafft mehr als zwei Männer zusammen. Er macht keine Pausen und arbeitet regelrecht … verbissen.“ Thomas blickte auf die Skizze des Steines und unweigerlich zog er gewisse parallelen. Damit war er nicht der Einzige.

„... aber wenn … wenn es genau darum ging?!? Was wenn sie die schwachen stark machen will, so wie diesen Stein, von dem Thomas sprach. Aber... aber warum würde sie das wollen? Damit wir ihren Tempel schneller fertig kriegen? Ist das logisch?“ Thomas sah Geison nachdenklich an. So ganz kam er noch immer nicht dahinter, warum sie ausgerechnet die Schwachen dafür auserkoren hatte... Es waren die anderen Meister, die diesbezüglich eine Theorie zusammensponnen, die keinem so richtig zu behagen schien, gerade weil sie im Grunde nicht völlig unlogisch klang. Thomas strich sich über seine Hände. „Dann...müsste es hier in der Nähe einige Frauen geben...“ Meinte er leise und blickte zu ihnen auf. Er musste unweigerlich an Beth denken, was ganz und gar nicht beruhigend war. „Wenn sie Menschen züchten wollen, brauchen sie Frauen. Warum haben sie die Männer nicht einfach zu ihnen geschickt? Warum dieser ganze Aufwand mit der Entnahme...wenn nicht...“ Er deutete abermals auf den Stein. Konnte das sein? Konnten die Dunkelelfen den Samen eines Menschen durch Magie verändern? Ein unheimlicher Gedanke...Glücklicherweise unterbrach der Zwergenmeister diese unheimliche Debatte endlich. Wenn sie hier Feinde hat, dann herrjeh... ja dann WILL ich ihr helfen, allein damit es uns gut geht! Aber was mich noch mehr erstaunt ist, dass sie Mercers Tochter holen will.“ Der Steinmetzmeister nickte. Eine solche Güte von einer Dunkelelfin hätte wohl keiner von ihnen je erwartet.

„Wenn sie das wirklich zustande bringt und sich das nicht als falsches Versprechen entpuppt, dann haben wir hier vielleicht wirklich die Chance etwas zu bewirken! Ich habe seit langem nicht mehr so viel Hoffnung empfunden wie heute und das macht mir ehrlich gesagt – Angst!“ Thomas nickte. „Mir auch.“ Hauchte er. „Irgendwie.“ Er hatte geschworen Amandin blind zu vertrauen und genau dies würde er auch tun, dennoch musste er sich eingestehen, dass es ihm manchmal schwer fiel. So wie er sich ebenfalls eingestehen musste, dass seine Herrin nicht allmächtig war. Auch sie spielte ihren Part in diesem Spiel, dessen Regeln und Ziel er noch nicht kannte. Die Männer befeuerten sich gegenseitig und schliesslich mündete das Ganze in einem ziemlich pathetischen Schwur, indem sie alle die Hände aufeinander legten. Solche Rituale und Zeichen waren jedoch äusserst wichtig für die Sklaven. Sie stärkten das Zusammenhörigkeitsgefühl und steigerten die Motivation. Hoffnung war ein wertvolles Gut und alle lechzten förmlich danach. Amandin gab sie ihnen.
Schliesslich wurden die Männer zusammengetrieben und in ihre Baracken oder an ihre zugewiesenen Schlafplätze geschickt. Die Meister freuten sich über ihre neue Behausung und kurz darauf lagen sie auch schon alle beieinander. Die Müdigkeit breitete sich in Mercers Körper aus und so dauerte es nicht lange, bis er einschlief.

Der Steinmetzmeister träumte wieder. Träume gehörten zu den intimsten menschlichen Eigenschaften und Thomas träumte in letzter Zeit viel. Seit er hier in Andunie war. Seit er bei ihr war. Doch dieses Mal beherrschte nicht sie seinen Traum, sondern seine Tochter. Die Gesichtszüge des Steinmetzes entspannten sich. Wohlige Wärme breitete sich in seinem Körper aus und legte sich um sein Herz. Aufrichtige Vaterliebe flutete sein Unterbewusstsein. Er hatte sie so vermisst! Wie alle aufrichtigen Eltern hatten auch Thomas und Beth stets danach gestrebt, das Beste für ihr Kind zu erreichen. Nur die Zeugung eines Geschwisterchens war ihnen bisher verwehrt geblieben. Er lächelte im Traum seine Tochter an und wandte sich dann zu seiner Frau zu. Die beiden machten ihn so unendlich glücklich... hatte er ihnen das jemals gesagt? Er beobachtete seine Tochter dabei, wie sie durch die Wiese tanzte, an den Apfelbäumen vorbei, bis dieses seltsame Geräusch erklang. Hungrige Eisenzähne, die sich durch die harte Haut des Baumes bissen und bis ins weichere Innere vordrangen... Er zuckte zusammen und riss die Augen auf. Er keuchte und fasste sich an die Stirn, die leicht feucht war vom Schweiss. Er ächzte und rappelte sich langsam auf. Er konnte den Schemen einer weiteren Person erkennen, die aufrecht auf seiner Schlafstätte sass. Thomas kniff die Augen zusammen und erkannte schliesslich Rasmussen. Er erwiderte das nicken. Ob auch er geträumt hatte? Was hielt ihn wach? Thomas fragte ihn nicht danach... vielleicht hätte er es einmal tun sollen, doch meist liessen die Sklaven ihre Leidensgenossen mit ihren Dämonen alleine. Ein ungeschriebenes Gesetz. Thomas kam zur Einsicht, dass er praktisch nichts über Rasmussen wusste. Ehrlichgesagt hatte es ihn auch nie gross interessiert, da er als vermeintlicher Spitzel und aufgrund seiner etwas umständlichen Art nicht unbedingt sympathisch wirkte. Doch war er ihm wirk-lich so fremd? Thomas hatte sich gegenüber Amandin zur Wahrheit verpflichtet. Würde er seine Männer verraten, wenn es hart auf hart kam? Würde Rasmussen es tun? Jeder versuchte hier zu überleben und jeder wählte seinen eigenen Weg...Was erhoffte er sich? Was trieb ihn an? Er würde irgendwann mal mit Rasmussen reden, dies nahm er sich in diesem Moment fest vor. Doch jetzt nicht. Er musste raus. Sich erleichtern und über seinen Traum nachdenken. Er war so schön gewesen, doch das letzte Geräusch stellte alles Vorhergehende in ein düsteres Licht.

Mühsam balancierte zwischen den schlafenden Männern hindurch zur Tür. Leise öffnete er sie und er zuckte zusammen, als er das weiss in den Augen des Wächters erkannte. „Pinkeln“. Flüsterte er und der Wächter nickte nur grimmig und wandte sich wieder ab. Auch für den Abort hatten sie eine eigene Zone eingerichtet. Eine entsprechende Grube war bereits ausgehoben worden, vielleicht würde man sogar noch eine Hütte darüber stellen, mal sehen. Thomas bewegte sich lautlos durch die Nacht und liess seinen Blick über den Bauplatz streifen.

Seit er bei Amandin gewesen war, fühlte sich selbst das Pinkeln anders an. Weil er sich zu diesem Zweck zwangsweise berühren musste, wenn er nicht eine Sauerei hinterlassen wollte. Dabei spürte er, wie empfindlich sein bestes Stück darauf reagierte. Er schämte sich aufgrund seiner eigenen Triebhaftigkeit, die Amandin in einem solch unglaublichen Ausmass in ihm geweckt hatte. Wenn die anderen Männer wüssten... Er schauderte. Schliesslich machte er sich auf den Rückweg und betrachtete sich die Tempelruine, die wie ein zerstückeltes Gerippe auf dem Bauplatz ruhte. Die Gewalt, welche dem Tempel angetan wurde erkannte man in jeder abgebrochenen Säule, in jedem herumliegenden Stein, jedem fehlenden Element. Sie war gewaltig gewesen.
Er betrachtete sich die Steine, die ihm so vertraut waren und doch erschienen sie ihm heute ganz anders. Als würden sie ihm eine andere Seite von ihnen offenbaren. Ihn tiefer in ihre Geheimnisse einladen. Er sah Schatten tanzen und es war ihm, als konnte er das Verlangen der Steine spüren, von ihm behauen zu werden. Sein Handrücken kribbelte, durch welche Amandin ihre Magie gewirkt hatte. Er fasste sich selbst am Handgelenk und ballte seine Pranke zur Faust, ehe er sie wieder öffnete und sie anstarrte. In der Dunkelheit schien sie leicht zu flimmern und schwarze Partikel von sich ab-zustossen. Ein natürlicher Effekt des menschlichen Auges, welches in absoluter Dunkelheit ein verzweifeltes Rauschen fabrizierte. Ob Dunkelelfen in der Dunkelheit sehen konnten?

Er wusste es nicht, doch eins war ihm klar...hier in der Nacht, in der Dunkelheit, war er Amandins Welt sehr nahe. Hier war sie zuhause, das war ihr Reich. Hier würde er auf ihre Führung angewiesen sein, wie sie auf seine, wenn es um die hellen Dinge ging. Sie beide strebten eine Symbiose an, wollten vereinen, was unvereinbar erschien. Wollten grosses Schaffen.... Unsterblichkeit.

Mit klopfendem Herzen kehrte er zu seiner Baracke zurück und legte sich wieder hin. Was geschah nur mit ihm? War überhaupt etwas mit ihm geschehen? Er war sich nicht sicher, doch wen sollte er danach fragen? Seine Freunde? Amandin? Die Frage blieb vorerst unbeantwortet und letztlich übergab er sein Bewusstsein wieder in Manthalas Obhut... Diese schien gefallen an Amandins erotischen Treiben zu haben, denn aber-mals sendete sie ihm einschlägige Träume.

Er durchlebte noch einmal die Zuneigung und Gunst, die Amandin heute im Zelt gewährt hatte. Nocheinmal ritt sie sein Daumengelenk und noch einmal zerging Thomas beinahe vor Verlangen, sie endlich spüren zu dürfen, endlich von ihr berührt zu werden...

Am Morgen half Mercer dabei, die Steinmetze zu organisieren. Die ersten Pläne waren gezeichnet und die Hilfssklaven begannen damit, das Fundament auszuheben. Sie würden einige Tonnen Erde bewegen müssen, bis alles für die riesige unterirdische Anlage freigeschaufelt war. Bald herrschte ein emsiges, aber strukturiertes Treiben auf der Baustelle. Die Mittagspause wurde in mehreren Schichten abgehalten, so dass die Schubkarren niemals ruhten.
Kurz vor Mittag wurde Mercer in seine neue Werkstätte eingewiesen und bekam auch schon die erste Lieferung Alabaster. Ein makelloser Stein. Der Steinmetzmeister bedankte sich beim grimmigen Ork für die Lieferung und begutachtete den Stein schliesslich ausgiebig. Er las ihn, tastete ihn nach jeder kleinen Unebenheit und Schwäche ab. Wahrlich, er war jetzt schon makellos. Allerdings weiss. Noch zumindest.

Dennoch war ihm klar, für was dieser Stein wohl gedacht war und so machte er sich daran ihn grob zuzuhauen um später den gewünschten Phallus daraus zu formen. Als er damit fertig war, begann er damit Zeichenstudien von seinem...seinem...seinem... Anzufertigen, wofür er einen Spiegel verwendete. Er musste nur an Amandin denken um die nötigen „Proportionen“ beim Original zu erreichen. Thomas nahm sich reichlich Zeit --- was Perfektion nun mal einforderte und so verging der Tag wie im Flug. Er Teilte sich seine Arbeit ein, so arbeitete er mehrere Stunden am Stück an seinem Auftrag und machte danach aber auch Rundgänge über die Baustelle, um sich mit den Meistern über die Fortschritte auszutauschen und die Arbeit seiner Lehrlinge zu überwachen und ihnen Hilfestellungen zu geben. Schliesslich beriet er sich mit Geison über die Form und Mächtigkeit der Fundamentsteine, so dass die Steinmetze schon bald mit dem Behau würden beginnen können, sobald das Material da war.
Erschöpft aber zufrieden legte er sich in der Nacht wieder aufs Stroh und wieder wurde er von einschlägigen Träumen heimgesucht...obwohl dieser von ziemlich spezieller Art war...
„Entspannt euch Meister Mercer...“ Hörte er Amandins Stimme über s ich. Er schlug die Augen auf und erkannte, dass er in ihrem Zelt war. Er lag auf dem Rücken. Er wollte sich aufrichten, doch weiches Leder hatte sich um seinen Brustkorb und seine Handgelenke sowie Fussknöchel geschlungen und verhinderten jegliche Bewegung. „Alles ist gut.“ Beruhigte ihn seine Herrin. Er hob seinen Kopf und sah in sich runter. Er war nackt. Seine Beine waren in einer angewinkelten Position fixiert. Dieselbe, die auch Nelsani eingenommen hatte, als Amandin an ihr ihre Künste gezeigt hatte. Es war so, als hätte er den Platz mit der Sklavin getauscht. „Ich bin mir sicher, dass es dir auch gefallen wird Liebster.“ Diese Worte waren nicht an ihn gerichtet. Amandin und Harker standen zwischen seinen Beinen und betrachteten sich seinen Unterleib. Auch Harker war nackt. Thomas schluckte leer und verkrampfte sich. Was zur Hölle ging hier vor? „Nana... Meister Mercer.“ Ermahnte ihn Amandin und lächelte ihm entgegen. „Ich rate euch wirklich, euch zu entspannen, dann wird es euch für euch ein Genuss sein... und genau das möchte ich... ich möchte dass ihre es geniesst... Ausserdem gebe ich euch die Möglichkeit zu erfahren, was eure Liebste jeweils spürt...“ Sie kicherte und schwenkte mit einem schwarzen, steinernen Phallus vor seinem Gesicht herum. Seinem Phallus. Amandin lächelte und klopfte Harker auf die Schulter. „Ausserdem möchte ich, dass ihr Freunde werdet.“ Harker grinste ihn mit seinen dunklen Augen an. „Allerdings werde ich klarstellen, wie die Positionen verteilt sind.“ Meinte der Hauptmann nur und stellte sich zwischen seine Beine, setzte an und Ruckte vor. „WAHHH!“ Krächzte Thomas und riss sich selbst hoch. Wieder versetzte ihm die abrupte Bewegung einen heftigen Stich in den Rücken und er petzte sofort die Augen zusammen. Das Stroh un-ter ihm war durchgeschwitzt, sein Herz raste, seine Finger zitterten. Was bei Lysanthor war DAS nun gewesen?!
Er rappelte sich hastig auf und hatte es ziemlich eilig damit, zum Waschplatz zu kom-men, wo er sein Gemüt mit kaltem Wasser abkühlen konnte. Diese Träume setzten ihm wirklich langsam zu! Wenn immer er an Harkers Gesicht dachte erschauderte er. Himmel dieser Traum war sicherlich aufgrund von Geisons Zweischwanztheorie ent-standen! Sowas würde Amandin doch nie mit ihm machen... ihn einem Mann... zur Verfügung stellen... Allein der Gedanke trieb ihm jegliche Farbe aus dem Gesicht.

Glücklicherweise lenkte ihn die Arbeit bald ab. Das war der Vorteil am harten Drill unter den Sklaven. Man hatte nicht so viel Zeit zum Nachdenken und sich über vergan-gene Träume zu gruseln. In seinem Traum war der Phallus schwarz gewesen, doch noch immer hatte er weissen Alabaster vor sich. Er wertete dies als eindeutiges Zei-chen, dass sowas nie geschehen würde und dies gab ihm die nötige Ruhe um sich wei-ter mit dem Stein zu beschäftigen. Er verdrängte Harker aus seinen Gedanken und dachte nur noch an Amandin, manchmal war auch Nelsani dabei, was seine Fantasie nur zusätzlich anregte. In seinem ganzen Leben hatte er noch nicht so versaute Dinge gedacht, doch seine Gedanken halfen ihm um alle Sinnlichkeit und alles Verlangen auf den Stein zu übertragen, der schon eindeutige Formen angenommen hatte. Zufrieden beendete er schliesslich sein Tageswerk. Morgen würde er sich an die Feinarbeit ma-chen und die feinen Adern und Venen, sowie kleinen Erhebungen seiner Haut auszuarbeiten... noch am gleichen Abend würde Amandin das Stück wohl in ihren Händen halten können... wenn sie denn da war. Sein Stück in den Händen halten...ja.... er konn-te nicht verhindern, dass dieser Gedanken ein verlangendes Ziehen in seinen Lenden auslöste und er ertappte sich dabei, dass er den Stein für einen Moment eifersüchtig musterte.
Amandin hatte sich auch an diesem Tag nicht gezeigt. Je entfernter sie ihm erschien, desto mehr beherrschte sie seine Gedanken. Bei den abendlichen Gesprächen und den Kartenspielen, die man ihnen zur Zerstreuung erlaubte, war Mercer unkonzentriert. Er dachte an sie und am liebsten hätte er die ganze Zeit im Zelt verbracht und sich selbst berührt. Doch das durfte er nicht und dies machte ihn merklich unruhig. Wie ein ge-triebener stapfte er durch das Lager und schien durch nichts wirkliche Ablenkung zu erfahren. Er wollte sie. Er brauchte sie. Auch in der Nacht wurde es nicht besser, im Gegenteil. Sein Verlangen wurde so stark, dass er nicht mehr schlafen konnte. Er wälzte sich unruhig hin und her, bis er schliesslich die anderen Störte und diese ihn erst höflich, danach etwas drängender dazu ermahnten, endlich stillzuhalten. Das hielt Thomas nicht aus und so trieb es ihn auf die Beine und aus der Baracke. Wieder fun-kelten ihm die Augen des Wächters entgegen, als er die Tür hinter sich schloss. Er er-widerte den Blick. „Ich... muss in meine Werkstatt...“ Thomas wusste nicht, warum der Wächter ihn ziehen liess. Möglicherweise hatte Amandin sie darauf sensibilisiert, dass kreative Leute manchmal zu Unzeiten ihre produktive Phasen hatte, vielleicht hatte sie aber auch vorausgesehen, dass Thomas sich irgendwann seinem Verlangen nicht mehr würde erwehren können und es ihn unweigerlich in ihre Nähe ziehen würde. Möglich-erweise würde er es nie erfahren, doch er durfte gehen. Die Schatten tanzten Wild und hielten in seinen Augenwinkeln eine Orgie ab, als er schnell über den Bauplatz schritt. Er wagte es nicht, direkt zu ihrem Zelt zu gehen und so trieb es in an den nächsten für ihn erreichbaren Punkt. Seine Werkstätte. Unruhig ging er darin auf und ab und konnte nicht verhindern, dass seine Erregung mit jedem Gedanken stärker wurde und beinahe schon zu schmerzen begann. „Oh Herrin.“ Murmelte er angespannt und ging in seiner Werkstätte auf und ab. Schliesslich blieb er vor dem Alabaster stehen. Vorsichtig schloss er seine Hand um den Stein. Liess sie langsam daran herabgleiten und wieder hoch. Der Stein fühlte sich seidig weich an und jede kleine Erhebung war ihm bestens bekannt. Es war, als würde er sich selbst berühren, so sehr identifizierte er sich mit dem Werkstück. Er musste davon ablassen, denn Amandin gebot über seine Triebe. Sie hatte ihm deutlich gesagt, dass sie allein darüber bestimmen würde, wann sie ihm Er-leichterung verschaffte und wann nicht. Er gab einen seltsamen frustrierten Laut von sich und hockte sich neben der Werkbank auf den Boden.

Was war nur mit ihm geschehen? Wie hatte aus ihm in so kurzer Zeit ein so Triebhaf-tes Wesen werden können? Er war doch ein durch und durch anständiger Kerl, der in seinem Leben möglicherweise zugegebenermassen stets einige Frauen begehrt, aber immer nur seine eigene geliebt hatte. Und jetzt? Jetzt war Beth in seinen Gedanken weit entfernt und alles Verlangen galt nur seiner Herrin. Im Grunde genommen ein schrecklicher Zustand, aber er konnte nichts dagegen machen. Das Verlangen war zu stark. „Oh Herrin“: Krächzte er immer wieder, wie ein verdurstender und irgendwann begab er sich auf die Knie und wartete, in jener Position, die Amandin jeweils von ihm verlangte, wenn sie anwesend war. Diese Position gab ihm eine gewisse Sicherheit, eine gewisse Ruhe, er musste nur Disziplin zeigen, er musste nur ausharren...sie würde kommen... irgendwann würde sie kommen... bitte bald. Sie musste einfach kommen! Am liebsten hätte er nach ihr geschrien, doch was für ein Sklave, was für ein Untergebener wäre er denn, wenn er ihre Anwesenheit einfordern würde? Nein! Das durfte er sich nicht erlauben! Das gebührte sich nicht für einen Sklaven. Für ihren Sklaven. Dennoch fühlte er sich im Moment gerade schrecklich ausgeliefert. Schrecklich verlassen, ja beinahe schon bestraft. Warum war sie nicht da?

So kehrte Meister Mercer vorerst nicht ins Hauptlager zurück, sondern harrte unruhig der Dinge, die da kamen.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. Februar 2016, 22:32

Zwei Tage waren schon vergangen, ohne ein Zeichen seiner Herrin. Zwei - endlos - lange - Tage! Auf Thomas Reisen hatte er mal von einem verhutzelten alten Zyraner gehört, der einmal gesagt haben sollte, das Zeit etwas sehr relatives empfundenes sein sollte und das bewahrheitete sich nun. Zeit konnte in den Armen einer schönen Frau vergehen wie im Flug, aber sehnte man sich nach ihr, war sie nicht da, so schien jede Sekunde sich zu Stunden zu wandeln! Thomas wagte es sich kaum einzugestehen, aber er vermisste Amandin. Diese dunkle Schönheit war zum Zentrum seines Denkens geworden, mehr noch als seine Frau. Da war diese körperliche Anziehung die sie auf ihn ausübte, wie es manche Steine taten. Einer seiner Meister, er glaubte Gerobald musste es gewesen sein, hatte von etwas wie „Magnetismus“ gesprochen. Es gab diese Substanzen die einfach so eng wie möglich beieinander sein wollten und mit Amandin und ihm verhielt es sich genauso. Ohne sie fühlte er ein ständiges Ziehen, meistens in seinem Unterleib, aber da war doch auch noch mehr. Er war ihr dankbar und sie war die erste gewesen, nach seiner Frau Beth, die ihn wie einen Mann behandelt hatte und nicht wie ein Stück Vieh, dass man günstig erstanden hatte. Amandin interessierte sich für seine Seele und das allein tat einfach unglaublich gut. Doch Thomas Unruhe wuchs und wuchs immer weiter ins Unermessliche. Seine Sehnsucht raubte ihm den Schlaf und schickte ihm teils süße, teils sehr verstörende Träume. Besonders der letzte, in dem Hauptmann Harker eine sehr dominante Rolle übernommen hatte, ließ ihn fast aus der Haut fahren. Die Angst war ihm tief ins Fleisch gestoßen worden und schnell war ihm klar, woher sein Unterbewusstsein diese Bilder nahm. Die Furcht von Amandin verraten zu werden war groß, doch gleichzeitig bedeutete es auch, dass er sie für sich alleine wollte. Harker war in diesem Traum der Feind an seinem Bett und hielt ihm seine Verletzlichkeit vor Augen. Im wachen Zustand könnte er sich jedoch fragen, ob Amandin so etwas wirklich tun würde oder wie sie wohl für ihn empfand, doch allein darüber nachzugrübeln brachte noch mehr Unruhe in seine gequälte Seele. Seine einzige Lösung war, sich abzulenken, sich zu bewegen, also stand er auf. Das die Wachen ihn zwar im Auge behielten, war ihm bewusst, aber irgendwie hatte man ihm, hatte Amandin ihm wohl eine Sonderstellung eingeräumt. Niemand sprach ihn an, niemand hielt ihn auf, solange er sich in den Grenzen der Baustelle bewegte. Selbst als er sich ihrem Zelt näherte, schauten die Wachen nur träge auf. War sie überhaupt da? Zu ihr hinein zu gehen, sie womöglich zu stören, seiner Triebhaftigkeit zu folgen, Zuneigung einzufordern wollte er dann doch lieber nicht und drehte ab zu seiner nahen Werkstatt. Das Zelt bot mehr vertrauten Schutz, als die Baracken und hier konnte er alleine sein. Ganz allein mit seinem Sehnen und der Spannung die er sich gewünscht hatte. Für diese kleine vorwitzige Bemerkung, diesen winzigen Wunsch hatte er zu genüge schon bezahlen müssen! Unruhig ging er darin auf und ab und konnte nicht verhindern, dass seine Erregung mit jedem Gedanken stärker wurde und beinahe schon zu schmerzen begann.
„Oh Herrin.“
, murmelte er angespannt und ging in seiner Werkstätte auf und ab. Schließlich blieb er vor dem Alabaster stehen. Vorsichtig schloss er seine Hand um den Stein. Ließ sie langsam daran herabgleiten und wieder hoch. Der Stein fühlte sich seidig weich an und jede kleine Erhebung war ihm bestens bekannt. Es war, als würde er sich selbst berühren, so sehr identifizierte er sich mit dem Werkstück. Er spürte das Echo des Steins in sich, als würde er sich selbst berühren. Er musste davon ablassen, denn Amandin gebot über seine Triebe. Sie hatte ihm deutlich gesagt, dass sie allein darüber bestimmen würde, wann sie ihm Erleichterung verschaffte und wann nicht. Er gab einen seltsamen frustrierten Laut von sich und hockte sich neben der Werkbank auf den Boden.
„Oh Herrin“
, krächzte er immer wieder, wie ein verdurstender und irgendwann begab er sich auf die Knie und wartete, in jener Position, die Amandin jeweils von ihm verlangte, wenn sie anwesend war. Diese Position gab ihm Sicherheit, eine gewisse Ruhe, er musste nur Disziplin zeigen, er musste nur ausharren...sie würde kommen... irgendwann würde sie kommen... Sie musste einfach kommen! Am liebsten hätte er nach ihr geschrien, doch was für ein Sklave, was für ein Untergebener wäre er denn, wenn er ihre Anwesenheit einfordern würde? Ihr Zelt war so nah... Nein! Das durfte er sich nicht erlauben! Das gebührte sich nicht für einen Sklaven. Für ihren Sklaven. Dennoch fühlte er sich im Moment gerade schrecklich ausgeliefert. Schrecklich verlassen, ja beinahe schon bestraft. Warum war sie nicht da? Sie Sehnsucht war groß!
Die Position die er eingenommen hatte, hatte jedoch noch einen weiteren Vorteil. Durch das weite Spreizen der Beine hatte er Raum für sein pulsierendes Blut geschaffen, dass sich sonst weiter schmerzhaft gestaut hätte. Das Pochen und Ziehen hätte ihn sonst irgendwann den Verstand geraubt und durch die Disziplin konnte langsam innere Ruhe wieder in seiner Seele einkehren, selbst wenn das Körperteil, was im Moment die meiste Aufmerksamkeit forderte, noch lange keinen Frieden mit ihm suchte. Zuckend und hart erinnerte es ihn eifersüchtig nur zu gern an seinen Zwillingsbruder, der bald in den Händen Amandins seine Bestimmung finden würde.
Erst als der Morgen schon graute, hatte Thomas soweit Entspannung gefunden, den inneren Kampf gewonnen, so dass sein bestes Stück in in Frieden ließ. Die erwachende Umgebung kündete den neuen Tag an und Thomas fügte sich nahtlos in den einsetzenden Arbeitsablauf ein. Der wenige Schlaf begann seine ersten Auswirkungen zu zeigen. Als erstes bemerkte es Thomas, als Geison plötzlich neben ihm stand und gerade einen Satz vollendete, dessen Anfang er nicht mitbekommen hatte:
„ … 'murmel' … nutzen und die Stützpfeiler für das Erdgeschoss darauf verankern. Der Altarstein wird schließlich einiges wiegen, oder was meinst du?“
Geison sah ihn an und runzelte die Stirn.
„Du hast mir überhaupt nicht zugehört, was? Du siehst angespannt aus. Schlecht geschlafen? Hm?“
Thomas nickte wahrheitsgemäß und Geison legte ihm die Hand auf die Schulter. Er musterte seinen unausgeschlafenen Freund etwas besorgt und meinte dann leise:
„Ich kann dir nicht helfen bei dem was du ...bei ihr... machst, aber ich kann dich beruhigen, dass du dich um sonst nichts Sorgen machen brauchst. Es läuft alles und bisher hatten wir nicht eine Verzögerung. Konzentriere dich auf deine Aufgaben und versuch uns den Rest zu überlassen.“
Er klopfte ihm noch einmal auf die Schulter und schob ihn weiter in der Reihe der Frühstücksausgabe. Nachdem sie ihr nahrhaftes Essen erhalten hatten, gesellte sich Meister Rasmussen zu ihnen und beanspruchte Thomas Aufmerksamkeit.
„Mercer, wenn ihr die Herrin heute seht, könntet ihr sie bitten ein oder zwei Sanitätskräfte heute vorbei zu schicken? ...oder diesen Arzt... Wir haben unter den Arbeitern einige, die es übertrieben haben. Es wären ein paar Blasen, wund gescheuerte Stellen und kleinere Blessuren zu versorgen, damit die Arbeiter volle Leistung bringen können. Alles nichts ernstes, aber es hält auf. ….natürlich nur, sofern sie Wehrt drauf legt. Bitte denkt daran.“
Damit machte er sich auch schon wieder davon und schnauzte einige der Hilfskräfte an, die es gewagt hatten vor einem leer gegessen Teller zu sitzen. Sofort erhoben sie sich und eilten an ihre Arbeit zurück. Heute sollte das alte Fundament frei gelegt werden und dabei hieß es einen straffen Zeitplan einzuhalten. Unwillkürlich stieg in Thomas eine Sorge auf, die er durch seinen ablenkenden anderen Körperteil kaum noch gespürt hatte. Das Ausheben der Gruben war schwerste Knochenarbeit und konnte so manchen gesunden Rücken über seine Belastbarkeitsgrenze bringen. Das stundenlange Schaufeln, das Schleppen kleinerer Gesteinsbrocken, das Ziehen der Flaschenzüge um die großen Schuttteile zu bewegen, das alles machte ihm Angst. Es war noch nicht so lange her, dass er unter Schmerzen bei einer solchen Arbeit zusammen gebrochen und dafür noch ausgepeitscht worden war. Die Schmerzen hallten noch jetzt wie ein Echo durch seinen Geist, wenn er daran dachte. Dabei waren seine Knochen fast noch das kleinste Problem gewesen. Durch seine abgenutzten Gelenke hatte er sich über Jahre ein heftigen Haltungsschaden zugezogen und die Muskulatur, die er kompensatorisch aufgebaut hatte, hielt eben nur so lange wie sie funktionierte. Beim letzten Mal hatte sie ihm jedoch irgendwann einfach den Dienst versagt und sich zu einem einzigen schmerzenden Strang verhärtet. Als dies das erste Mal vor der Belagerung passiert war, hatte er von einem Heiler immer kalte und warme Wickel bekommen, bis der Dauerkrampf sich aus der überreiztem Zustand lockerte, aber das letzte mal hatte er die Peitsche auf dieser Muskulatur zu spüren bekommen und sich so tiefe Narben zugezogen. Noch heute zogen sie manchmal grässlich wenn das Wetter wechselte und er war einfach nicht mehr so belastbar. Jetzt sah er die Männer zu den Karren laufen, die Spaten und Kacken geschultert. Es waren gute Arbeiter, aber sicher würden auch einige von ihnen zusammenbrechen, wenn man sie zu sehr ausbeutete. Noch trieb sie die Motivation an, aber jeder Körper kam irgendwann an seine Grenzen.
Wie hatte Geison gesagt? Er sollte sich nicht um sie sorgen? Leichter gesagt, als getan, zumal Thomas mit seinem ersten Auftrag ja recht zügig fertig geworden war. Normaler Weise, eben nicht auf dieser Baustelle, hätte irgendein Wächter ihn schon zur Arbeit getreten, dass er garnicht auf die Idee gekommen wäre über seine Situation nachzudenken. Hier jedoch wurde er in Ruhe gelassen. Er konnte in aller Stille beobachten, wie die Wächter arbeiteten. Ja, es wurden Unterschiede gemacht. Die Meister wurden überhaupt nicht angerührt. Bei ihnen gab es immer nur jeweils einen dieser Schatten, die ihre möglichen „Vergehen“ aufschrieben und dann wohl an Amandin weiter leiteten. Bei ihren Gesellen war das schon anders. Faulheit wurde sofort bestraft, aber auch hier waren es in erster Linie drohende Ermahnungen die jedoch aus Erfahrungen sofort fruchteten. Bei den kürzlich hinzugekommenen Hilfskräften sah es wieder ganz anders aus. Diese wurden scharf angefahren und auch ab und zu geschlagen. Das einzige was hier auffiel, war, dass die Wächter an sich disziplinierter waren und nicht aus Jux mal einen Sklaven tot prügelten, was auch schon eine Verbesserung darstellte. Wenn es Schläge gab, dann sehr gezielt und schmerzhaft, aber ohne schädliche Folgen. Einmal konnte Thomas sogar ein Phänomen beobachten, dass er noch nie gesehen hatte. Einer der Wächter hatte einen der Hilfsarbeiter erwischt wie er durch die hinteren Lagerstellen schlich und wohl hatte türmen wollen. Der Wächter schlug gerade auf ihn ein, als ein zweiter dazu kam und ihn bremste. Er hielt den Anderen am Arm, sodass er inne hielt und flüsterte ihm dann etwas ins Ohr. Der Wächter trat noch einmal wütend zu und verließ dann den Schauplatz. Die Disziplin unter den Wächtern war also höchst bemerkenswert... oder ihre Angst.
Rasmussen kam ab und an bei Thomas vorbei um mit ihm ein paar berufliche Fragen zu klären. Auch dies war erstaunlich, da sie sich sonst gerne aus dem Weg gingen, doch Amandin hatte durch die Trennung ihrer Arbeitsfelder eine Distanz geschaffen, die sich positiv auf ihre Zusammenarbeit auswirkte. Mehr und mehr konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich neben den Bauarbeiten hier noch etwas anderes abspielte, eine Art soziales Experiment, in das sich Rasmussen erstaunlich gut einfügte:
„Ich hab mir da was ausgedacht...“
Er stand neben Thomas und hielt einen Arbeitsplan in der Hand.
„Es fehlt uns ja nicht mehr an Arbeitern, eher an Platz in den Gruben selbst. Schau, ich habe sie in mehrere kleine Gruppen aufgeteilt die im Wechsel dort unten arbeiten werden. So kommt jeder mal in das Vergnügen sich die Knochen wund zu schuften und danach sich an leichteren Arbeiten wieder auszuruhen. So könnten wir den ganzen Tag ohne Pause durcharbeiten. In Schichten …, aber jede Gruppe müsste so zu unterschiedlichen Zeiten ihr Essen bekommen. Meinst du, ich kriege das bei Therendur durchgesetzt?“
Sie sahen beide auf und ihr Blick kreuzte den den dunklen Elfen. Therendur stand immer etwas abseits, aber auch immer so, dass er alles überschauen konnte. Am liebsten hätte er wohl wie ein Geier über der Baustelle gekreist, lauernd auf sein nächstes Opfer. Den größten Gefallen dem man ihn aus Handwerklicher Sicht wohl tun könnte, wäre ihm einen Hochsitz zu bauen, damit ihm wirklich nichts mehr entging.
„Ich mag ihn nicht besonders. Er reagiert nicht auf meine übliche Speichelleckerei. Irgendwie wirkt er immer, als wollte er nicht hier sein und als wäre ihm alles zuwider, was an ihn heran getragen wird. Die anderen Meister die und sonst beobachtet haben, hatten wenigstens ihren Spaß an dem was sie taten … auch wenn es auf unseren Rücken passierte. Äh... das war jetzt gar nicht so gemeint...also das mit deinem Rücken.“
Er schluckte sichtlich unangenehm berührt. Auch er war in der Vergangenheit schon zusammen gebrochen, aber bisher hatte er es immer vermeiden können ausgepeitscht zu werden. Meistens war es List, ein glücklicher Zufall oder schlicht unglaublich nervige Bettelei gewesen, die ihn verschont hatten. Man hatte Rasmussen eher weg gesperrt, als öffentlich gedemütigt, da er ohnehin schon wie ein Wurm aussah. Der Vorteil, der ihn für die Arbeiter so unangenehm machte, verschaffte ihm bei den Dunkelelfen häufig so etwas wie leicht angeekelten Abscheu mit dem man sich nicht lange abgeben wollte. Auch jetzt klang seine Stimme fast schmierig wie halb getrockneter, Fäden ziehender Schneckenschleim.
„Ähm...na ja, nichts für ungut. Ich versuch mal mein Glück.“
Und das tat er dann auch sogleich. Thomas beobachtete ihn noch im Weggehen, als ein Schatten sich über ihn legte. Ihm war sofort klar, dass es ein Ork sein musste, denn kaum eine andere Rasse war in der Lage ihn in den Schatten zu stellen. Der Kollos kratzte sich am Ohr und reichte ihm eine Schriftrolle.
„Da...nimm!“
, grunzte er in fürchterlich verzerrten Celcianisch und wartete dann. Für einen Ork war er recht gut gekleidet. Seine lederne schwarze Rüstung saß gut, auch wenn sie hauptsächlich aus einer verstärkten Hose und ein paar Armschienen bestand. Der Oberkörper war frei und man hatte ihm ein dunkelrotes Zeichen auf die Brust gemalt. Sein Kopf nickte ungeduldig zu der Rolle, die Thomas sofort öffnete. Ganz oben stand in geschwungenen Lettern das Wort:
„“ PASSIERSCHEIN „“
Darunter war ein kleiner Absatz in kleinerer, für Thomas nicht zu entziffernden Schrift verfasst und mit einem ebenso blutroten Zeichen versehen. Der Ork grunzte noch einmal und murmelte zischend:
„Bringen zu Sinth.“

(weiter bei: Das Anwesen der Familie Belyal Sinth )
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