Im Herzen Neldoreths

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Maruka
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Montag 6. Februar 2017, 20:04

Maruka hatte ihre gedanklichen Ergüsse vor sich hin gebrabbelt. Der Panther war wirklich der Geist des Waldes und plötzlich schien so vieles einen Sinn zu ergeben.
„Ich habe mit diesen Menschen noch immer meine Zweifel und ich bin erst bereit, eine Zusammenarbeit in Betracht zu ziehen, wenn ich alles andere geklärt habe … und sicher sein kann, dass jeder von ihnen nichts im Schilde führt! Aber, wie ich schon sagte, ich habe kein Vergnügen daran, Leben aus diesem Grund zu beenden und werde sie sicher nicht fressen um ihrem Tod mehr Bedeutung zu geben.“
Maruka kickte bestätigend, denn da war sie ganz seiner Meinung. Sie hatte bisher nur Liam kennen gelernt, dass unter intensiven Umständen, aber sie wussten nichts über die anderen beiden oder etwaige Personen ihrer Gruppe, die sich später noch als Feinde heraus stellen könnten. Dann hatte Maruka ihr „Pantherchen“ wohl genug gekrault und er gab ihr einen kräftigen Stups, der sie nach hinten umfallen ließ. Sie lachte und fühlte sich wie ein Welpe, der liebevoll gemaßregelt wurde. Dann schüttelte er sich, so dass seine Ohren knallten und fuhr fort:
„Im Grunde genommen sind Revien und ich IMMER am selben Ort. Nur unsere Geister sind getrennt, wir sind noch immer an dasselbe Fleisch gebunden.“
Genau das war der Punkt, den sie immernoch nicht so ganz verstand, deshalb setze sie sich wieder auf und hörte aufmerksam zu.
„Damals schleppte ich mich bis an den See. Dort versuchte ich mich zu erholen und bemerkte das erste Mal, dass ich ihn nicht ganz verloren hatte. Ich sprach mit ihm – was vermutlich dem, was du mit deiner Katzenseite tust nicht unähnlich ist.“
Sie nickte leicht und murmelte:
„Aber es wird besser, wir nähern uns an.“
„Er war verwirrt und entsetzt. Es war fast, als hätte sein Geist die Erinnerung an die Jahre verloren, in denen wir miteinander eins gewesen waren. Alles was blieb, war der Junge, der damals so töricht war zu wagen, sich mit mir zu verbinden. All die Weisheit und die Reife die wir in den Zyklen danach sammelten schienen verloren. Ich erklärte ihm, was vorgefallen war und versuchte ihn zu beruhigen, aber er war nicht länger bereit zu akzeptieren, dass wir uns verbanden. Stattdessen tat er alles, um mich zu vertreiben und auf Abstand zu halten. Immer wieder umhüllte er sich mit Gedanken an Schuld und die Trauer um seine verlorene Familie und Freunde.“
Selbstmitleid ...ein Zustand, den ich leider auch nur zu gut kenne... und mich inzwischen ein bisschen für schäme...
„Jedes Mal, wenn mein Geist sich ihm auch nur nähern wollte, wurde ich in diesen Strudel aus Trauer gerissen. Dabei versank er in Ereignissen, die selbst sein eigenes Volk vergessen hat! Ich wurde furchtbar wütend und stritt mit ihm, aber das machte alles nur schlimmer, beinahe hätten wir einander in den Wahnsinn getrieben. Wir schafften es schließlich uns auf einen Kompromiss zu einigen, der sicherstellt, dass er nicht ganz verblasst und ich weiterhin unsere Aufgabe erfüllen kann: Er bleibt in der Nähe des Sees, wo die Kraft, die dort ruht, ihn stärken kann und währenddessen halte ich mich zurück und schicke die Waldgeister aus, um ein Auge über den Kapayu zu haben. Ab und an, oder wenn Gefahr droht, übernehme ich das Kommando wieder. Aber das tue ich nur ab der Klippe und danach. Ich schicke ihn dann ‚schlafen‘ weil er es nicht erträgt, in der Gestalt des Panthers zu sein und er hat mir verboten ‚seinen‘ Körper zu benutzen – weswegen ich nicht einmal mit Eindringlingen kommunizieren kann!!!“
Der Panther klang regelrecht frustriert und Maruka hielt die Ohren gesenkt.
„Und seit dieser Einigung weigert er sich, mit mir zu sprechen. Genauso, wie er wütend wird, wenn er bemerkt, dass ich ihm nahe bin und ihn beeinflusse. Aber wenn ich das nicht täte, hätte er sich sicherlich schon ertränkt oder auf einem Ast aufgespießt! Zu allem Überfluss bin ich an dieses vermaledeite Fleisch gebunden. Solange wir eins waren, habe ich es genossen – weil es sich richtig anfühlte und weil all diese wirren Gedanken und Gefühle Sinn machten. Aber jetzt … jetzt bin ich ein Sklave dieses Körpers geworden. Ich war einst frei, ich konnte hingehen, wohin ich wollte, ich konnte Fleisch sein, wenn mir danach war, oder eins mit dem Wald werden. Zeit hat mich nicht interessiert, ich WAR einfach. Und jetzt … jetzt zähle ich Augenblicke … ich LANGWEILE mich! Und das macht mich so wütend und frustriert! Und jedes Mal, wenn ich an den See gehe und versuche zu Ruhen und im Strom der Energien des Waldes zu versinken höre ich das Echo seiner Gedanken, die in der Vergangenheit hängen und immer wieder um die Dinge kreisen die er bereut und bedauert!... Bis du mir nichts dir nichts von einer Göttin hier hergebracht wurdest. Du musst verzeihen, ich war nicht der besten Laune, als wir uns begegneten …“
Maruka machte nur eine weg wedelnde Handbewegung, als sei diese Erwähnung vollkommen überflüssig und schon längst wie Staub aus ihren Gedanken geweht. Er sollte nur weiter sprechen.
„...aber als du in den See sprangst, da konnte ich dich nicht einfach entkommen lassen, also biss ich in den sauren Apfel und ließ Revien zu dir kommen. Immerhin wusste ich, wie ich ihm über die Schulter sehen konnte, ohne dass er es bemerkt. Und siehe da. Plötzlich kannte sein Verstand etwas Anderes als: Wenn ich doch nur, hätte ich doch nur. Stattdessen war er ganz aus dem Häuschen, weil ein anderes Wesen, mit dem er reden konnte, hier erschien. Dabei hätte ich gedacht, dass er gerade ein Halbblut hier nicht willkommen heißen würde. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass er in dir eine verbundene Seele sah.“
Der Panther, war, während er erzählte, aufgestanden und lief verärgert auf und ab. Mehrere Male sackte seine Stimmlage in ein fauchen und knurren ab und immer dann duckte sich Maruka leicht. Sie erwartete nicht, dass er sie angriff, aber es war eine instinktive Reaktion auf seine Wut. Aber selbst wenn... Maruka wäre nicht gegangen, selbst wenn er sie nun vorgehabt hätte zu fressen. Die Geschichte hatte sie so fest in ihrem Bann, wie die Droge ihren Süchtigen. Er drehte noch ein paar schweigende Runden, bis sich die Anspannung in ihm etwas löste.
„Es war meine Entscheidung, dir im Traum zu erscheinen. Du hast dich mitten im Zentrum dessen befunden, dass mir einen Teil meiner Kraft gibt und ich … Revien hielt dich im Arm und du warst ihm offensichtlich zugetan. Allerdings schien irgendetwas dich auch für derlei Dinge empfänglich gemacht zu haben. Ich wollte persönlich mit dir sprechen, nachdem ich bemerkte, wie stark dein Einfluss auf Revien war. Allerdings hielt ich es für unwahrscheinlich, dass du noch einmal freiwillig auf meine Seite des Waldes gekommen wärst. Es durfte nicht passieren, dass der Waldelf ein weiteres Mal Opfer seiner Naivität wurde und so erschreckte ich dich ein bisschen um dir besser auf den Zahn fühlen zu können. Was du gesehen hast ist das, was jeden erwartet, der die Ruinen Shyréas betritt.“
Er atmete nochmals tief ein und aus und setzte sich dann wieder.
„Ich kann dir nicht sagen, ob man die Traumreise lernen kann, ich kann es nur unter bestimmten Umständen, aber vermutlich ist deine Göttin da der beste Ansprechpartner. Wenn sie dich sogar hier hergebracht hat, wer weiß, wie viel sie da noch für dich tut.“
Oder was sie will, dass ich tue...
„Ich warne dich jedoch, Wesen von großer Macht sind weder die verlässlichsten noch die berechenbar. Sie handeln stets nach einer eigenen Agenda und selbst wenn sie für das Gute ein stehen wollen, zählen einzelne Leben selten viel für sie.“
„Hm...“
Der Ruf des Mondes sang noch immer in ihrem Blut, aber noch waren die Instinkte des Servals und der Verstand der Frau präsent genug, um nicht überstimmt zu werden. Etwas sagte ihr, dass es unklug war, sich dem Panther zu nähern, wie sie es mit Liam getan hatte, nicht dass ihr Mensch so etwas jemals zugelassen hätte!! ... Ihre Libido war das jedoch vollkommen egal... Zur Not müsste halt auch ein Baumstamm herhalten, an dem sie sich reiben konnte. Sie wollte nur jetzt gerade nicht allein sein. Sie brauchte einen Freund... genauso wie Enveri.
„Danke! ...“
Maruka atmete einmal tief durch und berührte noch einmal kurz sein Fell.
„Danke, dass du mich in dein Vertrauen gezogen hast. Danke, dass du mich teilhaben lässt an deiner Geschichte. Ich glaube, ich verstehe jetzt einiges besser und werde versuchen zu helfen, wo ich kann. Das alles...ist sehr ...verwirrend...“
Maruka biss sich einmal leicht auf die Innenseite ihrer Wange. Es half beim Nachdenken.
Verwirrend ist eine gewaltige Untertreibung! Ich brauche ein bisschen Zeit das zu Verarbeiten... und ich muss zurück zu Enveri... oder ist er hier?... so richtig werde ich das wohl nie verstehen. EGAL!
„Sag mal, könntest du mir den kürzesten Weg zu dem Baum zeigen, wo ich angekommen bin? Ich würde gerne meine Sachen von dort holen... vielleicht werde ich davon etwas brauchen.“
Eigentlich widerstrebte es ihr fast, diese Dinge wieder zu sehen, doch wenn ihnen ein Kampf bevor stand, wollte sie doch lieber etwas mehr als nur ihr Fell am Leib tragen. Außerdem könnte das Wollknäuel eventuell noch nützlich sein, genauso wie die leichte Lederrüstung, der gescheckte Umhang, ihr Bogen, der Köcher mit Pfeilen, der Dolch und selbst die Peitsche. Alles war mattschwarz und von wirklich hervorragender Qualität gewesen. Kurz erinnerte sie sich, wie sie an die Sachen gekommen war, wie sie sie aus diesem Assassinen-Versteck "getauscht" hatte und sie musste einmal Schlucken, als Valas Gesicht von damals vor ihrem inneren Auge auftauchte.
Ich hoffe, es geht ihm gut.
Der Mann hatte ihr wirklich geholfen wo er nur konnte, aber er gehörte auch zu einem sehr schmerzlichen Abschnitt von Marukas Vergangenheit. Sie konnte Enveri irgendwie verstehen, dass er litt, wenn er nur in der Vergangenheit gefangen war. Ein winziger Plan begann in ihrem Kopf heran zu reifen. Ihre Vergangenheit könnte ihr bei der vor ihr liegenden Aufgabe vielleicht sogar helfen.
„Ich ...würde gerne den GANZEN Revien kennen lernen, denn ich glaube, ich würde ihn mögen. Ich möchte helfen... versuchen Enveri aus seiner... Spirale ...dieser Trauer zu befreien. Ich weis noch nicht wie, aber ich werde mir Mühe geben. Ich würde gerne zu ihm... zum See zurück. Wenn er da ist... Das ist alles ganz schön schwierig zu verstehen. Er da, du hier... und doch seid ihr ein Mann...“
Maruka verdrehte die Augen, schüttelte ihren Kopf und die lange Mähne wallte um ihre Schultern. Sie zögerte, dann jedoch kurz bevor sie weiter sprach:
„Du meintest, er würde wütend werden, wenn er wüsste, dass du ihm über die Schulter siehst... Meinst du, er wird auf mich wütend, wenn er weiß, dass ich mit dir gesprochen habe? Er weiß nicht, dass wir miteinander sprechen ...oder? Ich meine, jetzt...hier? Er weiß nicht was du weißt. Du bist seine Erfahrung, sein Geist im Körper des Tieres gefangen... Er ist das Gefühl gefangen im Körper des Geschlagenen... Kann man das so nennen?“
Sie sah einen Moment zu Boden.
„Ich möchte ihn nicht anlügen. Das wäre nicht richtig.“
Maruka stand auf und streckte sich, dehnte alle Glieder und fiel dann übertrieben geschafft in sich zusammen. Einen Moment stand sie still da und lauschte in ihre Umgebung. Dann strafften sich ihre Muskeln.
„Ich will ihm zeigen, dass die Gegenwart auch noch ein paar lebenswerte Dinge zu bieten hat. Und wer könnte das besser, als jemand, der auch einmal geschlagen wurde - wie er.“
Das „geschlagen“ klang bei Maruka in diesem Kontext etwas mehr wortwörtlich, als bei Enveris.
„Vielleicht wird es Zeit meine Geschichte zu erzählen. Vielleicht begreift er dann, dass er nicht alleine ist, dass es immer etwas zu beschützen gibt, etwas für das man Leben muss, jemanden der einen braucht.“
Ihr altes Ego wollte dem Panther einen kurzen Kuss auf den Nasenrücken drücken, aber sie hielt sich nur kurz zuckend gerade noch zurück. Irgendwie fühlte es sich an, als würde sie auf eine Jagd aufbrechen und der Panther hatte gerade „Familienstatus“ erreicht, also musste man ihn küssen bevor man ging. Das ganze war eine Jagd nach Geschichten und Maruka war gierig darauf ihre Klauen in sie zu schlagen. Sie wollte ihre Essenz wie Blut auflecken und ihre Beute stolz nach Hause bringen.
..nach Hause. - Ja! - Ich muss Enveri ein Zuhause bauen, damit er Heimkehren kann zu sich selbst.
Ihre eigenen Gedankengänge verwirrten sie und gleichzeitig fühlten sie sich richtig an.
Ein geschundener Geist kann nur in einem Bett aus Freundschaft und Verständnis, Liebe und Hoffnung heilen... Hat Mama das nicht mal gesagt?
Der Gedanke an ihre Mutter ließ sofort wieder den Klos in ihrer Kehle entstehen, aber sie schluckte ihn hinunter. Vielleicht konnten Enveri und sie sich gegenseitig helfen und aneinander gesunden. Sie würde es auf jeden Fall versuchen.
Die nächsten Schritte sind einfach: Baum besuchen und gucken, was von ihrer Ausrüstung noch da war, dann zurück zum See und nach Enveri sehen. FRESSEN nicht vergessen! Oh ja, die Fallen am besten vorher kontrollieren! Dann Fressen! Ja! Und dann Enveri zeigen, wie schön das Leben ist. Da sind wir uns also einig. Krieg ich dann auch endlich meinen Schhhh!!! Du verbietest mir schon wieder den Mund! Ach, ich weiß es doch nicht!
Es war fraglich, wie viel der Panther von ihrem inneren Disput mitbekam. Auf jeden Fall peitschte ihre Schwanzspitze aufgeregt hin und her.
„Können wir gehen?“
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Dienstag 7. Februar 2017, 17:25

„Danke! ...“
Maruka atmete einmal tief durch und berührte noch einmal kurz sein Fell.
„Danke, dass du mich in dein Vertrauen gezogen hast. Danke, dass du mich teilhaben lässt an deiner Geschichte. Ich glaube, ich verstehe jetzt einiges besser und werde versuchen zu helfen, wo ich kann. Das alles...ist sehr ...verwirrend...“


„Du solltest mir besser nicht dafür Danken, Maruka.“

Maruka biss sich einmal leicht auf die Innenseite ihrer Wange. Es half beim Nachdenken.
„Sag mal, könntest du mir den kürzesten Weg zu dem Baum zeigen, wo ich angekommen bin? Ich würde gerne meine Sachen von dort holen... vielleicht werde ich davon etwas brauchen.“


Der Panther nickte bestätigend.
„Ich ...würde gerne den GANZEN Revien kennen lernen, denn ich glaube, ich würde ihn mögen. Ich möchte helfen... versuchen Enveri aus seiner... Spirale ...dieser Trauer zu befreien. Ich weis noch nicht wie, aber ich werde mir Mühe geben. Ich würde gerne zu ihm... zum See zurück. Wenn er da ist... Das ist alles ganz schön schwierig zu verstehen. Er da, du hier... und doch seid ihr ein Mann...“

„Ich vermute, das würde auf Gegenseitigkeit beruhen. Allerdings solltest du vielleicht warten, bis du nicht mehr in der Hitze bist, bevor du so etwas sagst.“


Maruka verdrehte die Augen, schüttelte ihren Kopf und die lange Mähne wallte um ihre Schultern. Sie zögerte, dann jedoch kurz bevor sie weiter sprach:
„Du meintest, er würde wütend werden, wenn er wüsste, dass du ihm über die Schulter siehst... Meinst du, er wird auf mich wütend, wenn er weiß, dass ich mit dir gesprochen habe? Er weiß nicht, dass wir miteinander sprechen ...oder? Ich meine, jetzt...hier? Er weiß nicht was du weißt. Du bist seine Erfahrung, sein Geist im Körper des Tieres gefangen... Er ist das Gefühl gefangen im Körper des Geschlagenen... Kann man das so nennen?“

„Ja und nein. Ich bin der Geist und ein Teil dessen, was Revien wurde. Der Unsterbliche Teil von ihm. Er ist der Sterbliche Teil, der nur noch am Leben hängt, weil es mich gibt. Er ist er, bevor wir eins wurden. Wenn du eine Metapher brauchst, um das Konzept zu vereinfachen: Er ist die sterbliche Vergangenheit und ich bin die unsterbliche Zukunft. Aber du hast recht, wenn du ihm in seiner Waldelfen Gestalt begegnest, ist er es und wenn der Panther vor dir steht, bin ich es.“


Sie sah einen Moment zu Boden.
„Ich möchte ihn nicht anlügen. Das wäre nicht richtig.“


„Er wird sicher nicht Glücklich über diesen Umstand sein. Es schien ihm zu gefallen, dass er einfach nur Enveri sein konnte. Wenn du um ihn ... um mich weist, wird ihm dies Unbehagen bereiten. Aber ja, ihn an zu Lügen wäre noch schädlicher, denn das wird sein Vertrauen in dich zerstören. Es gibt allerdings immer Mittel und Wege bei der Wahrheit zu bleiben ohne alles zu enthüllen, was du weist. Ob das der richtige Weg ist, kann ich dir nicht sagen. Ich bin mit meiner Weisheit bei ihm am Ende.“


Maruka stand auf und streckte sich, dehnte alle Glieder und fiel dann übertrieben geschafft in sich zusammen. Einen Moment stand sie still da und lauschte in ihre Umgebung. Dann strafften sich ihre Muskeln.
„Ich will ihm zeigen, dass die Gegenwart auch noch ein paar lebenswerte Dinge zu bieten hat. Und wer könnte das besser, als jemand, der auch einmal geschlagen wurde - wie er.“
Das „geschlagen“ klang bei Maruka in diesem Kontext etwas mehr wortwörtlich, als bei Enveris.
„Vielleicht wird es Zeit meine Geschichte zu erzählen. Vielleicht begreift er dann, dass er nicht alleine ist, dass es immer etwas zu beschützen gibt, etwas für das man Leben muss, jemanden der einen braucht.“


Der Panther strich an ihrem Bein vorbei, wie um sie zu trösten.
Es war fraglich, wie viel der Panther von ihrem inneren Disput mitbekam. Auf jeden Fall peitschte ihre Schwanzspitze aufgeregt hin und her.

„Können wir gehen?“

Der neugierige Blick der grünen Raubkatzen Augen war konzentriert auf sie, aber außer ihrer Unruhe und ihrer Mimik konnte ihm nichts verraten, was in der Hybridin vorging.
„Ja, komm mit.“
Und so eilten sie beide wieder über den weichen Waldboden. Der Panther wählte seinen Weg gut und führte sie selbst durch das dichte Dickicht auf schnellen Pfaden. Die Freude über das Laufen stellte sich wieder in ihr ein und vertrieb all die Grübeleien und bedrückenden Gedanken für eine Weile.
Sie erreichten den Baum, auf dem sie angekommen war, viel zu früh. Gerade war sie so richtig warm geworden und hatte das Gefühl, ewig so rennen zu können. Und die Funkenfreunde waren irgendwann wieder aufgetaucht und waren mit ihr geeilt als übergroße Glühwürmchen. Wie schon beim letzten Mal war das Licht hier anders, so als würde alles in der Umgebung alles sanft glühen. Ihre Besitztümer waren noch immer an derselben Stelle, nur, dass dort noch mehr war! Eine biegsame Angel mit Schnur lehnte am Stamm und ein kleiner Zettel hing daran.
‚Bleib dir selbst immer treu und folge deinem Herzen, tapfere Maruka!
Deine Rhen Tyr‘

Stand darauf geschrieben. Der Zettel zersprang in kleine Schneeflocken, sobald sie ihn gelesen hatte und nur ein paar Wasser Tröpfchen auf dem Ast erinnerten daran, dass er da gewesen war.
Maruka kannte die Legenden über Rhen Tyr aus ihrer Kindheit: Angeblich sollte sie in den dunkelsten Nächten Mantrons durch das Land ziehen und den braven Kindern Geschenke bringen.
Der Panther schnaufte verstimmt, und sah sich irritiert um. Die Rute schien ihn genauso wie Maruka zu überraschen.
Im Nu waren die wenigen Habseligkeiten der Hybridin zusammengesucht und untergebracht. Sicher würden sie ihr bei den kommenden Ereignissen helfen können.
Der Panther führte sie zu dem Abhang, den sie heute heraufgeklettert war.
„Wenn du sehen willst, ob stimmt, was ich dir gesagt habe: dass wir uns einen Körper teilen, dann bleib hier und werde selbst Zeuge. Der Waldelf wird einen Moment etwas verwirrt sein, wenn ich ihm die Kontrolle überlasse. Aber denk daran, wenn er dich so kurz nach der Verwandlung sieht, wird er wissen, dass du um unser Geheimnis weist. Ansonsten solltest du ihm wohl etwas Zeit lassen, bis er wieder bei sich ist und dann erscheinen. Ich werde im Hintergrund bleiben … aber du wirst sehen, wann ich präsenter bin.“
Erklärte ihr der Geist.
„Wie willst du es also angehen? Und ... Danke, danke, das du mir hilfst.“
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Mittwoch 8. Februar 2017, 09:07

„Ich ...würde gerne den GANZEN Revien kennen lernen, denn ich glaube, ich würde ihn mögen. Ich möchte helfen... versuchen Enveri aus seiner... Spirale ...dieser Trauer zu befreien. Ich weis noch nicht wie, aber ich werde mir Mühe geben. Ich würde gerne zu ihm... zum See zurück. Wenn er da ist... Das ist alles ganz schön schwierig zu verstehen. Er da, du hier... und doch seid ihr ein Mann...“
„Ich vermute, das würde auf Gegenseitigkeit beruhen. Allerdings solltest du vielleicht warten, bis du nicht mehr in der Hitze bist, bevor du so etwas sagst.“

Maruka verstand nicht, wieso Revien nicht sagen sollte, dass sie ihn mochte... zumal das auch noch nur eine Vermutung war und leider hatte sie immernoch nicht gänzlich begriffen, wieso das mit ihrer „Hitze“ das alles so heikel machte. Sie verdrehte die Augen, schüttelte ihren Kopf und die lange Mähne wallte um ihre Schultern. Sie zögerte, dann jedoch kurz bevor sie weiter sprach und ihn nach Enveris Reaktionen fragte. Der Panther antwortete:
„Ja und nein. Ich bin der Geist und ein Teil dessen, was Revien wurde. Der Unsterbliche Teil von ihm. Er ist der Sterbliche Teil, der nur noch am Leben hängt, weil es mich gibt. Er ist er, bevor wir eins wurden. Wenn du eine Metapher brauchst, um das Konzept zu vereinfachen: Er ist die sterbliche Vergangenheit und ich bin die unsterbliche Zukunft. Aber du hast recht, wenn du ihm in seiner Waldelfen Gestalt begegnest, ist er es und wenn der Panther vor dir steht, bin ich es.“
Sie sah einen Moment zu Boden.
„Ich möchte ihn nicht anlügen. Das wäre nicht richtig.“
„Er wird sicher nicht glücklich über diesen Umstand sein. Es schien ihm zu gefallen, dass er einfach nur Enveri sein konnte. Wenn du um ihn ... um mich weist, wird ihm dies Unbehagen bereiten. Aber ja, ihn an zu lügen wäre noch schädlicher, denn das wird sein Vertrauen in dich zerstören. Es gibt allerdings immer Mittel und Wege bei der Wahrheit zu bleiben ohne alles zu enthüllen, was du weist. Ob das der richtige Weg ist, kann ich dir nicht sagen. Ich bin mit meiner Weisheit bei ihm am Ende.“

Maruka stand auf und bald darauf beendeten sie vorerst ihr Gespräch. Es wurde Zeit zu gehen. Und so eilten sie beide wieder über den weichen Waldboden. Die Freude über das Laufen stellte sich wieder in ihr ein und vertrieb all die Grübeleien und bedrückenden Gedanken für eine Weile. Gerade war sie so richtig warm geworden und hatte das Gefühl, ewig so rennen zu können, da erreichten sie den Baum ihrer Ankunft. Ihre Besitztümer waren noch immer an derselben Stelle, nur, dass dort noch mehr war! Eine biegsame Angel mit Schnur lehnte am Stamm und ein kleiner Zettel hing daran. Maruka sah als aller erstes Pantherchen fragend an:
„Hast du das da hin gestellt?“
Zeitgleich nahm sie aber wahr, dass er genauso überrascht wirkte, also nahm sie den kleinen Zettel und las halblaut vor:
‚Bleib dir selbst immer treu und folge deinem Herzen, tapfere Maruka!
Deine Rhen Tyr‘

Stand darauf geschrieben. Der Zettel zersprang in kleine Schneeflocken, sobald sie ihn gelesen hatte und nur ein paar Wasser Tröpfchen auf dem Ast erinnerten daran, dass er da gewesen war. Maruka nahm grinsend einen der Tropfen mit dem Finger auf und steckte ihn in den Mund.
Das schmeckt nach Mantron... nach Heimat ...auch hier... Danke!
Rhen Tyr brachte braven Kindern Geschenke und wenn sie sie sogar hier fand, dann musste Maruka irgendetwas richtig gemacht haben. Ein warmes Gefühl von Glückseligkeit stellte sich ein und gab der Hybridin einen kleinen Schub mehr Selbstvertrauen. Der Panther hingegen schnaufte verstimmt, und sah sich irritiert um. Die Rute schien ihn genauso wie Maruka zu überraschen, nur dass Maruka eher glücklich darüber wirkte.
„Rhen Tyr war hier. Ein... ich glaube, sie ist dir vielleicht sogar ähnlich. Sie ist ein mystisches Wesen meiner Heimat und hat mir die Angel als Geschenk gebracht. Auf dem Zettel stand, dass ich meinem Herzen folgen soll.“
Maruka grinste noch einmal selig und räumte dann ihre Sachen zusammen. Der Panther führte sie dann zu dem Abhang, den sie heute heraufgeklettert war.
„Wenn du sehen willst, ob stimmt, was ich dir gesagt habe: dass wir uns einen Körper teilen, dann bleib hier und werde selbst Zeuge. Der Waldelf wird einen Moment etwas verwirrt sein, wenn ich ihm die Kontrolle überlasse. Aber denk daran, wenn er dich so kurz nach der Verwandlung sieht, wird er wissen, dass du um unser Geheimnis weist. Ansonsten solltest du ihm wohl etwas Zeit lassen, bis er wieder bei sich ist und dann erscheinen. Ich werde im Hintergrund bleiben … aber du wirst sehen, wann ich präsenter bin.“
Erklärte ihr der Geist.
„Wie willst du es also angehen? Und ... Danke, danke, das du mir hilfst.“
Maruka war natürlich neugierig.
„Ich werde hier warten und zusehen. Ich werde warten, bis er wieder er selbst ist und danach werde ich erst noch die Fallen kontrollieren - Ich hab Hunger... Damit sollte dann genug Zeit vergangen sein, dass ich zu ihm zurück kehren kann. Will ihn ja nicht überfallen und hab so auch noch ein bisschen Zeit mir zu überlegen, was ich ihm alles erzählen will.“
Damit suchte sie sich eine gut verdeckte Stelle mit Blick auf die Lichtung und legte sich auf die Lauer.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 9. Februar 2017, 20:22

„Rhen Tyr war hier. Ein... ich glaube, sie ist dir vielleicht sogar ähnlich. Sie ist ein mystisches Wesen meiner Heimat und hat mir die Angel als Geschenk gebracht. Auf dem Zettel stand, dass ich meinem Herzen folgen soll.“

Der Panther nickte.
„Sie riecht jedenfalls nach etwas in der Art… allerdings glaube ich nicht, dass ich auch nur halb so freundlich bin. Zumindest nicht jetzt.“
Dann machten sie sich auf zu ihrem nächsten Ziel.

„Ich werde hier warten und zusehen. Ich werde warten, bis er wieder er selbst ist und danach werde ich erst noch die Fallen kontrollieren - Ich hab Hunger... Damit sollte dann genug Zeit vergangen sein, dass ich zu ihm zurück kehren kann. Will ihn ja nicht überfallen und hab so auch noch ein bisschen Zeit mir zu überlegen, was ich ihm alles erzählen will.“
Damit suchte sie sich eine gut verdeckte Stelle mit Blick auf die Lichtung und legte sich auf die Lauer.


Die Raubkatze wartete ab, bis Maruka sich in Stellung gebracht hatte und sprang dann in abenteuerlich weiten Sätzen die Klippe hinab. An ihrem Fuß begann sich seine Gestalt plötzlich in Schatten auf zu lösen und verformte sich langsam. Grüne Funken stoben daraus hervor und bildeten die Gestalt des Panthers nach, während die Schatten sich zu einer humanoiden Silhouette verformten. Einen Augenblick sahen die Beiden einander an, dann flog die Lichtgestalt in den Schatten hinein und Enveri stolperte ein paar Schritte zurück. Eine Weile tanzten die grünen funken noch über seine Haut. Es schien, als wäre er gerade erwacht und er rieb sich über das Gesicht. Dann sah er sich Ängstlich um und ging unsicheren Schrittes weiter auf die Lichtung zu, offenbar auf der Suche nach etwas oder jemandem. Als er niemanden entdeckte, ließ er sich erschöpft auf einem großen Stein nahe des Seeufers nieder.
Noch immer war die Oberfläche des Sees bevölkert von unzähligen Glühwürmchen, die darüber tanzten.

Maruka verließ ihr versteck, nachdem sie alles beobachtet hatte und sicher war, dass der Waldelf sie nicht entdecken würde.
So wagemutig den Abhang herunter springen wie der Panther konnte sie nicht, wenn sie nicht wollte, dass sie bemerkt wurde, obwohl sie sich schon fragte, ob sie es mit derselben Eleganz heruntergeschafft hätte. Sie nahm einen kleinen Umweg um ihre Fallen zu überprüfen. Die erste war leider von etwas größerem oder besonders wildem zerstört worden aber in der zweiten fand sich ein kleines Tier, das große Ähnlichkeit mit einem Eichhörnchen hatte, aber etwas größer war und lange schwarze Streifen auf dem Rücken hatte. Die Neugierde musste ihm zum Verhängnis geworden sein, denn für gewöhnlich hätte sie das kleine Tier eher in den Bäumen erwartet. Jetzt war es Abendessen! Mit der Routine einer Jägerin drehte sie dem kleinen Geschöpf den Kragen um und kümmerte sich um eine adäquate Vorbereitung des Tiers. Der Waldelf schien, im Gegensatz zu seinem Counterpart, eher ‚empfindlich‘ und so verzehrte Maruka ihre Beute jetzt.
Als das Mahl beendet und Maruka satt war, fühlte sie sich gerüstet für das Gespräch mit Enveri. Und inzwischen musste dieser auch genügend Zeit gehabt haben, um sich zu sortieren.

Als die Hybridin auf die Lichtung trat, stand der Waldelf mit dem Rücken zu ihr am See. Als sie sich ihm fast gänzlich genähert hatte, drehte er sich zu ihr und auf seine nachdenklichen Züge trat ein Lächeln.
„Maruka, du bist zurück! Wie geht es dir? War alles … in Ordnung? Hast du gesehen, wer dort an der Klippe stand? Ich hoffe, niemand hat dich … angegriffen oder wollte dir böses?“
Fragte er besorgt. Offenbar war ihre Eigenschaft viele Fragen aufeinander folgend zu stellen ansteckend. Enveri schien ernsthaft besorgt um sie, oder war er besorgt darum, dass sie sein Geheimnis entdeckt hatte oder gar seinem Alter Ego begegnet war?
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Dienstag 14. Februar 2017, 10:00

Die Raubkatze wartete ab, bis Maruka sich in Stellung gebracht hatte und sprang dann in abenteuerlich weiten Sätzen die Klippe hinab. Die Hybridin überlegte kurz, ob sie das mit ein wenig Übung auch schaffen könnte, aber entschied sich dagegen, da man für solche Sprünge wohl eher vier als zwei Beine brauchen würde. Was dann geschah ließ sie kurz die Luft anhalten.
Die Gestalt des Panthers begann sich plötzlich in Schatten auf zu lösen und verformte sich langsam. Grüne Funken stoben daraus hervor und bildeten seine Gestalt nach, während die Schatten sich zu einer humanoiden Silhouette verformten.
Enveri...
Einen Augenblick sahen die Beiden einander an, dann flog die Lichtgestalt in den Schatten hinein und Enveri stolperte ein paar Schritte zurück. Aus dem Instinkt heraus ihn vor einem Sturz zu bewahren, zuckte ihre linke Hand vor, doch er fiel nicht. Nur die grünen Funken tanzten noch über seine Haut.
Das war es also was ich gesehen hatte, als ich ihn das erste mal angesprungen habe...
Es schien, als wäre er gerade erwacht und er rieb sich über das Gesicht. Dann sah er sich äMaruka blieb ganz still liegen und atmete flach. Er sah sich um und ging unsicheren Schrittes weiter auf die Lichtung zu, offenbar auf der Suche nach etwas oder jemandem. Als er niemanden entdeckte, ließ er sich erschöpft auf einem großen Stein nahe des Seeufers nieder. Noch immer war die Oberfläche des Sees bevölkert von unzähligen Glühwürmchen, die darüber tanzten und Maruka überlegte, wie lange sie eigentlich weg gewesen war.
Aber eigentlich ist es einerlei. Er war ja auch nicht hier... hihi.
Maruka verließ ihr Versteck, nachdem sie alles beobachtet hatte und sicher war, dass der Waldelf sie nicht entdecken würde. Sie nahm einen kleinen Umweg um ihre Fallen zu überprüfen. Die erste war leider von etwas größerem oder besonders wildem zerstört worden aber in der zweiten fand sich ein kleines Tier, das große Ähnlichkeit mit einem Eichhörnchen hatte, aber etwas größer war und lange schwarze Streifen auf dem Rücken hatte. Mit der Routine einer Jägerin drehte sie dem kleinen Geschöpf den Kragen um und kümmerte sich um eine adäquate Vorbereitung des Tiers, verspeist es und vergrub die Überreste, damit sie keine größeren Jäger anlockten...
Der größte Jäger wäre wohl der Panther, aber da weiß ich noch nicht einmal, ob er überhaupt etwas frisst...
Da Enveri sich nur für Flüchte und Pflanzen im allgemeineren interessierte, sah sie sich auch noch nach ein paar Beeren um, die sie ihm mitbringen konnte. Auch wenn sie wirklich nicht verstand, wie man sich so einseitig ernähren konnte! Das Ergebnis war an ihm so offensichtlich, dass es ihr fast leid tat.
Er wirkt so ausgehungert und Fleisch ist etwas so leckeres...
Für einen Moment verlor sie sich wieder in Rezepten für Braten und Soßen, dann schüttelte sie sich jedoch und konzentrierte sich lieber auf ihren empathischen Teil, der den Waldelfen niemals zu etwas überreden würde, dass er nicht von selbst angestrebt hätte.
...und doch will ich doch das genau tu, oder? Ich will Enveri dazu bekommen wieder Revien zu sein...und leider habe ich keine Ahnung, wie ich das anstellen soll.
Als das Mahl beendet und Maruka satt war, fühlte sie sich zumindest in dieser Hinsicht gerüstet für das Gespräch mit Enveri. Und inzwischen musste dieser auch genügend Zeit gehabt haben, um sich zu sortieren.

Als die Hybridin auf die Lichtung trat, stand der Waldelf mit dem Rücken zu ihr am See. Als sie sich ihm fast gänzlich genähert hatte, drehte er sich zu ihr und auf seine nachdenklichen Züge trat ein Lächeln.
„Maruka, du bist zurück! Wie geht es dir? War alles … in Ordnung? Hast du gesehen, wer dort an der Klippe stand? Ich hoffe, niemand hat dich … angegriffen oder wollte dir böses?“
, fragte er besorgt. Offenbar war ihre Eigenschaft viele Fragen aufeinander folgend zu stellen ansteckend und sie lächelte breit. Maruka ließ das Bündel mit ihren Habseligkeiten zu Boden gleiten, ging ungebremst weiter und schloss ihn in ihre Arme. Da sie kleiner war, schob sie ihre Hände einfach unter seinen Armen hindurch und umarmte seinen festen Brustkorb. Sie drückte ihn sanft und lehnte ihren Kopf an seine Schulter, mit dem Gesicht in Richtung seines Halses. Dabei murmelte sie in seine löchrige Gewandung:
„Es ist alles in Ordnung. Mir geht es gut. Ich bin wieder da.“
Sie rieb noch einmal sehr katzenhaft ihre Schläfe an seiner Brust, sog seinen Duft ein und löste sich dann soweit, dass sie ihm in die Augen sehen konnte.
„Keiner hat mich angegriffen oder wollte mir böses.“
Dann ließ sie ihn los und ging zurück zu ihrem Bündel.
„Ich hab dir ein paar Beeren mitgebracht... nicht viele... Hast du schon etwas gegessen?“
Unaufgefordert reichte sie ihm ihr Sammelwerk und deutete mit einem Nicken an, dass er sie essen sollte. Das war ihre Art ihre Sorge um ihn auszudrücken, ihn zu füttern, zu umsorgen. Ihr Blick verweilte kurz auf ihm.
Wenn ich ihn so betrachte...Er wirkt wirklich wie der Schatten seiner selbst... Als wäre er nicht komplett. Vielleicht ist er deshalb so mager? Es könnte auch einfach dieser fehlende Teil sein, der ihn so wirken lässt.
Maruka wandte sich ihren Sachen zu und sprach weiter:
„Ich habe dir viel zu erzählen.“
Sie kramte in ihrem Bündel und fand schließlich wonach sie gesucht hatte, ihr schwarzes Wollknäuel und ihren Dolch. Sie legte beides beiseite, suchte sich einen kleinen Äst, von dem sie glaubte, er sei geeignet und setzte sich dann bequem in das weiche Gras. Während ihre Finger begannen etwas zu schnitzen, begann sie zu berichten:
„Ich bin der Spur des Menschen gefolgt, den ich gesehen hatte... Er traf sich mit einer Frau und ich belauschte sie. Sie haben mich neugierig gemacht und ich bin ihnen zu ihrem Lager gefolgt. Es liegt ungefähr eine Stunde nördlich von hier und ist mit Fallen umgeben. Insgesamt sind es 13 Personen. Drei von ihnen scheinen die Anführer zu sein. Der Mann, der hier war, eine Frau und ein weiter, den ich nur gehört habe. Ich hatte mich ins Lager geschlichen und habe mit einem von ihnen geredet.“
...ein bisschen mehr als nur das...
Maruka spürte immernoch den Einfluss der Hitze in ihrem Blut, aber sie versuchte sich auf ihren Bericht zu konzentrieren und auf Enveri...nein, besser nur auf den Bericht! Vielleicht hätte sie doch besser vorher im kühlen See baden sollen?
„Er war nicht böse, aber er wahr wohl sehr überrascht mich zu sehen...hm... wirklich gesehen hat er mich ja gar nicht. Egal... Ich hatte sie warnen wollen, da sie sich ja im Revier des Panthers befanden. Er meinte, er würde nicht gehen, er sucht seinen Bruder, der hier in der Gegend verloren ging. Die anderen beiden suchen wohl eher nach einem Ort der Macht. Sie haben irgendwelche Aufzeichnungen, die ich nicht gesehen habe, aber Liam meinte, Liam ist der, mit dem ich geredet hatte; Er meinte, es war sein Bruder, der diese Aufzeichnungen verfasst hatte. Er sei hier noch gefangen. Sein Bruder heißt Stiam von Morgenstern. Sagt dir der Name etwas?“
Maruka wollte gern in Enveris Ausdruck lesen, was er so dachte, aber dieser hatte sein Gesicht gerade abgewandt.
„Auf jeden Fall kommen sie in zwei Tagen hier her. Genauer gesagt zu dem umgestürzten Baum oben an der Klippe um zu reden. Ich hoffe, sie wollen wirklich reden! Sonst wird Blut fließen...“
Maruka versuchte in Enveris Haltung zu erkennen, ob sie nun vorsichtig das Thema auf den Panther lenken konnte. Sie musste es einfach, denn er war nun mal ein Teil dieser Welt und sie wollte es auch sein. Dazu gehörte aber auch, dass Enveri sich mit diesen Dingen beschäftigte und sie nicht von sich stieß. Die Angst von ihm dann weg gestoßen zu werden, sie ließ ihr Fell im Nacken kribbeln.
„Ich hatte Hilfe... ich meine den Panther und die kleinen grünen Freunde. Sie waren bei mir als ich ins Lager ging, also die Funken, meine ich. Der Panther will mit den Menschen reden und ich werde ihm helfen, damit … damit ich hier eine neue Heimat finden kann, ohne Blutvergießen.“
Marukas Stimme war beim letzten Teil von der Schwere ihrer Erinnerungen belegt.
„Ich möchte hier bleiben... Bei dir... bei den Funken, bei dem Baum und auch bei Panther... Es fühlt sich hier für mich gut an... nicht so wie da wo ich her komme. Bitte... bitte schick mich nicht weg, Enveri.“
Sie starrte auf das Holzstück, das inzwischen langsam die grobe Form einer Häkelnadel angenommen hatte.
„Ich möchte helfen. Ich wünsche mir Frieden. Ich glaube, ich könnte hier Frieden finden und die Wunden heilen lassen, die meine Vergangenheit in meine Seele geschlagen hat. Verstehst du das?“
Sie sah wieder auf.
„Ich würde dir jetzt gern meine Geschichte erzählen, wenn du sie hören willst. Ich glaube, … du, genauso wie ich, wir haben da etwas gemeinsam, dass uns dazu bringt uns zu fürchten und uns zu verstecken. Aber... vielleicht sind wir gemeinsam besser.“
Maruka wartete auf ein Zeichen von Enveri, dass er sie trotz der gemachten Andeutungen, dass sie sich mit dem Panther auf irgendeine Art verständigt hatte, dass er sie trotzdem nicht fort schicken würde und noch Interesse an ihr und ihrer Geschichte hatte.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 15. Februar 2017, 20:08

Als Maruka die Arme um Enveri legte, erstarrte er für einen Augenblick und erwiderte die Umarmung dann Seinerseits innig.

Sie drückte ihn sanft und lehnte ihren Kopf an seine Schulter, mit dem Gesicht in Richtung seines Halses. Dabei murmelte sie in seine löchrige Gewandung:
„Es ist alles in Ordnung. Mir geht es gut. Ich bin wieder da.“
Sie rieb noch einmal sehr katzenhaft ihre Schläfe an seiner Brust, sog seinen Duft ein und löste sich dann soweit, dass sie ihm in die Augen sehen konnte.


Er roch, wie sie es von ihm gewohnt war, ein wenig nach Elf, Urwald und Raubkatze. (So ordnete sie den ‚wilden‘ Geruch nun ein). Vermutlich würde letztere ab ebben, wenn der Panther ihm nicht mehr so ‚nahe‘ war.

„Keiner hat mich angegriffen oder wollte mir böses.“
Dann ließ sie ihn los und ging zurück zu ihrem Bündel.
„Ich hab dir ein paar Beeren mitgebracht... nicht viele... Hast du schon etwas gegessen?“
Unaufgefordert reichte sie ihm ihr Sammelwerk und deutete mit einem Nicken an, dass er sie essen sollte. Das war ihre Art ihre Sorge um ihn auszudrücken, ihn zu füttern, zu umsorgen. Ihr Blick verweilte kurz auf ihm.


Er nahm die Beeren eher pflichtbewusst als begeistert entgegen. Er lächelte ihr zu und es war ihm an zu merken, wie froh er über ihre Rückkehr und auch ihre Herzlichkeit war. Wie um ihr Geschenk zu würdigen schob er sich eine der Beeren in den Mund und betrachtete die Hybridin dann aufmerksam.

Maruka wandte sich ihren Sachen zu und sprach weiter:
„Ich habe dir viel zu erzählen.“
Sie kramte in ihrem Bündel und fand schließlich wonach sie gesucht hatte, ihr schwarzes Wollknäuel und ihren Dolch. Sie legte beides beiseite, suchte sich einen kleinen Äst, von dem sie glaubte, er sei geeignet und setzte sich dann bequem in das weiche Gras.


Enveri setzte sich Wortlos neben sie, noch immer die Beeren in der Hand haltend.

Während ihre Finger begannen etwas zu schnitzen, begann sie zu berichten:
„Ich bin der Spur des Menschen gefolgt, den ich gesehen hatte... Er traf sich mit einer Frau und ich belauschte sie. Sie haben mich neugierig gemacht und ich bin ihnen zu ihrem Lager gefolgt. Es liegt ungefähr eine Stunde nördlich von hier und ist mit Fallen umgeben. Insgesamt sind es 13 Personen. Drei von ihnen scheinen die Anführer zu sein. Der Mann, der hier war, eine Frau und ein weiter, den ich nur gehört habe. Ich hatte mich ins Lager geschlichen und habe mit einem von ihnen geredet.“
...ein bisschen mehr als nur das...
Maruka spürte immernoch den Einfluss der Hitze in ihrem Blut, aber sie versuchte sich auf ihren Bericht zu konzentrieren und auf Enveri...nein, besser nur auf den Bericht! Vielleicht hätte sie doch besser vorher im kühlen See baden sollen?
„Er war nicht böse, aber er war wohl sehr überrascht mich zu sehen...hm... wirklich gesehen hat er mich ja gar nicht. Egal... Ich hatte sie warnen wollen, da sie sich ja im Revier des Panthers befanden. Er meinte, er würde nicht gehen, er sucht seinen Bruder, der hier in der Gegend verloren ging. Die anderen beiden suchen wohl eher nach einem Ort der Macht. Sie haben irgendwelche Aufzeichnungen, die ich nicht gesehen habe, aber Liam meinte, Liam ist der, mit dem ich geredet hatte; Er meinte, es war sein Bruder, der diese Aufzeichnungen verfasst hatte. Er sei hier noch gefangen. Sein Bruder heißt Stiam von Morgenstern. Sagt dir der Name etwas?“
Maruka wollte gern in Enveris Ausdruck lesen, was er so dachte, aber dieser hatte sein Gesicht gerade abgewandt.


Dafür hörte sie ein leises „Nein.“, als Antwort auf ihre Frage.

„Auf jeden Fall kommen sie in zwei Tagen hier her. Genauer gesagt zu dem umgestürzten Baum oben an der Klippe um zu reden. Ich hoffe, sie wollen wirklich reden! Sonst wird Blut fließen...“
Maruka versuchte in Enveris Haltung zu erkennen, ob sie nun vorsichtig das Thema auf den Panther lenken konnte. Sie musste es einfach, denn er war nun mal ein Teil dieser Welt und sie wollte es auch sein. Dazu gehörte aber auch, dass Enveri sich mit diesen Dingen beschäftigte und sie nicht von sich stieß. Die Angst von ihm dann weg gestoßen zu werden, sie ließ ihr Fell im Nacken kribbeln.


Ein sichtbarer Schauer lief dem Elfen bei Marukas letzten Worten über den Rücken. Schon vorher hatte er etwas unruhiger gewirkt aber der Gedanke an Blutvergießen schien ihm richtiggehend Angst zu machen. Seine schmalen Züge verschlossen sich und er kniff den Mund zu einem Strich zusammen.

„Ich hatte Hilfe... ich meine den Panther und die kleinen grünen Freunde. Sie waren bei mir als ich ins Lager ging, also die Funken, meine ich. Der Panther will mit den Menschen reden und ich werde ihm helfen, damit … damit ich hier eine neue Heimat finden kann, ohne Blutvergießen.“
Marukas Stimme war beim letzten Teil von der Schwere ihrer Erinnerungen belegt.


Enveri nickte bekräftigend um zu zeigen, dass auch er eine friedliche Lösung wünschte.

„Ich möchte hier bleiben... Bei dir... bei den Funken, bei dem Baum und auch bei Panther... Es fühlt sich hier für mich gut an... nicht so wie da wo ich her komme. Bitte... bitte schick mich nicht weg, Enveri.“
Sie starrte auf das Holzstück, das inzwischen langsam die grobe Form einer Häkelnadel angenommen hatte.
„Ich möchte helfen. Ich wünsche mir Frieden. Ich glaube, ich könnte hier Frieden finden und die Wunden heilen lassen, die meine Vergangenheit in meine Seele geschlagen hat. Verstehst du das?“
Sie sah wieder auf.


Der Waldelf wirkte regelrecht erschreckt und äußerst bestürzt. Er nickte langsam, ob um zu bestätigen, dass er sie verstanden hatte, oder um sein Verständnis zu äußern war unklar.

„Ich würde dir jetzt gern meine Geschichte erzählen, wenn du sie hören willst. Ich glaube, … du, genauso wie ich, wir haben da etwas gemeinsam, dass uns dazu bringt uns zu fürchten und uns zu verstecken. Aber... vielleicht sind wir gemeinsam besser.“
Maruka wartete auf ein Zeichen von Enveri, dass er sie trotz der gemachten Andeutungen, dass sie sich mit dem Panther auf irgendeine Art verständigt hatte, dass er sie trotzdem nicht fort schicken würde und noch Interesse an ihr und ihrer Geschichte hatte.


Enveri blinzelte einige Male und schien um seine Fassung zu ringen. Er wirkte unglaublich traurig und ein klumpen begann sich in Marukas Magen zu bilden. Wollte er sie jetzt etwa wegschicken?!
Er stellte die Früchte vorsichtig beiseite und seufzte dabei tief. Als er ihrem Blick wieder begegnete wirkte er todernst.
„Bitte … bitte bleib Maruka! Ich möchte dich nicht weg schicken … du, seitdem du hier bist …“
Ein tiefer Seuftzer ließ die losen Strähnen, die in sein Gesicht hingen, flattern. Unfähig in Worte zu fassen, was er dachte, gestikulierte er frustriert und ließ die Hände dann sinken.
„Dieser Teil des Waldes ist gefährlich, genauso wie seine Bewohner. Wenn ich ein besserer Mann wäre, würde ich dich wegschicken, aber das kann ich nicht … der Panther, er ist Gefährlich und das hier, das sollte nicht dein Kampf sein … ich wünschte ich wäre stärker und besser, damit du nicht in diesen Schrecken hineingezogen würdest!“
Enveri wandte den Kopf von ihr ab und schluckte schwer. Er ballte die Fäuste und schloss die Augen. Als er seine Fassung wiederfand, fuhr er, den Blick ihr zu gewandt, fort:
„Ich möchte dich kennen lernen und ich möchte deine Geschichte hören ... und ich wünsche dir, dass du Frieden und ein Zuhause findest und Glücklich bist. Was auch immer ich dazu beitragen kann, werde ich tun. Das bin ich dir Schuldig.“
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Donnerstag 16. Februar 2017, 20:58

Maruka fühlte die ganze Zeit in der sie gesprochen hatte, die innige Umarmung Enveris noch auf ihrem Körper. Überall dort wo seine Arme oder seine Hände sie berührt hatten, kribbelte es unter ihrem Fell und die Katze in ihr wollte sich an diesen Stellen lecken. Unbewusst hatte sie Enveri kurz mit Liam verglichen und festgestellt, dass dies ein schlicht unmögliches Unterfangen war. Natürlich war Liam der Inbegriff eines Kriegers und passte perfekt in das 'Beuteschema' einer Mantronerin, aber Enveri sprach mehr und mehr ihr jetziges 'Ich' an. Maruka war durch die Verwandlung kleiner und deutlich zierlicher geworden, sodass sie von der Statur vermutlich mehr zu dem Elfen passen würde. Enveri war zwar magerer, aber sein Geruch sprach dafür auch mehr ihre katzenhafte Seite an. Das ganze für und wieder ließ sie schwindelig werden... oder war es sein Geruch? Marukas Verstand befahl ihr jedoch sich jetzt erst einmal auf wichtigeres zu konzentrieren, was eine wirkliche Herausforderung war, wenn einem ein instinktgesteuerter Teil ständig schöne Bilder in den Kopf setzte. Mal um mal sah sie vor ihrem inneren Auge, wie sie auf allen vieren auf Enveri zu krabbelte, sich langsam über seine Beine schob und sich auf ihn setzte, so wie sie es bei Liam getan hatte.
Ob er wohl auch genauso reagieren würde?
Maruka verscheuchte die von ihrer inneren Hitze getriebenen Gedanken und konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt und das war nicht gerade die Stimmung, die zum Kuscheln einlud... Witziger Weise war es ihr Mensch, der Gegenargumente brachte:
Genau genommen ist das genau die Stimmung, in der man normaler Weise kuschelte, sich trösten ließ, sich gegenseitig in die Arme nimmt... Ich meine aber ein anderes Kuscheln.
Die Hybridin rang wieder einmal still im Innern um ihre Beherrschung und auch Enveri blinzelte einige Male und schien um seine Fassung zu ringen. Mit einem Blick holte er sie aus ihren Schwärmerein. Er wirkte unglaublich traurig und ein dicker Klumpen begann sich in Marukas Magen zu bilden. Wollte er sie jetzt etwa doch wegschicken?!
Bitte nicht!!!
Panik bahnte sich den Weg aus ihrem Magen hinauf in ihre Kehle und schnürte sie zu.
Er stellte die Früchte vorsichtig beiseite und seufzte dabei tief. Als er ihrem Blick wieder begegnete wirkte er todernst.
„Bitte …"
Nein! Bitte nicht! Ich fall auf der Stelle tod um, wenn er mich jetzt weg schickt!
"... bitte bleib Maruka! Ich möchte dich nicht weg schicken …"
Etwas löste sich knirschend in ihrem Herzen und sie schluckte einmal heftig. Fast hatten sich schon Tränen in ihren Augen bilden wollen, doch jetzt rollte eine Woge aus Erleichterung durch ihre Sinne. Maruka zitterte am ganzen Körper, als Enveri weiter sprach.
"... du, seitdem du hier bist …“
Ein tiefer Seuftzer ließ die losen Strähnen, die in sein Gesicht hingen, flattern. Unfähig in Worte zu fassen, was er dachte, gestikulierte er frustriert und ließ die Hände dann sinken. Maruka verstand genausowenig, was er da hatte andeuten wollen und folgte seinen Händen mit verwirrten Blicken. So fahrig wie er sich sicher fühlte, so farig fühlte sie sich auch, also rutschte sie näher und fing seine Hände in der Luft um sie beide an ihre Wange zu drücken. Sie legte ihren Kopf in seine Hände, schnurrte und ließ ihren Instinkten freien Lauf, dort wo sie keine Worte mehr hatte, wie glücklich sie schon über diesen einen Satz gewesen war. Maruka war schon als Mensch ein sehr körperbetontes Wesen gewesen. In ihrer Gesellschaft waren Berührungen etwas vollkommen normales und jetzt als Hybridin hatte sich diese Eigenschaft bei ihr noch um ein vielfaches verstärkt. Maruka sprach über Gesten und Berührungen mit ihrer Umwelt und dies hier war wie ein: 'Ich hab dich auch lieb.' Sie ließ dann seine Hände verbunden mit ihren, wieder auf seinen Schoß sinken und schaute ihn aufmerksam an, wärend er bald weiter sprach. Er hatte seinen Ernst nicht verloren, aber er fühlte sich wieder etwas weicher an.
„Dieser Teil des Waldes ist gefährlich, genauso wie seine Bewohner. Wenn ich ein besserer Mann wäre, würde ich dich wegschicken, aber das kann ich nicht … der Panther, er ist gefährlich und das hier, das sollte nicht dein Kampf sein … ich wünschte ich wäre stärker und besser, damit du nicht in diesen Schrecken hineingezogen würdest!“
Enveri wandte den Kopf von ihr ab und schluckte schwer. Er ballte die Fäuste un Maruka erwiederte den steigenden Druck mit gleicher Intensität. Er hatte die Augen geschlossen und rang mit seiner Fassung. Als er sie wiederfand, fuhr er, den Blick ihr zu gewandt, fort:
„Ich möchte dich kennen lernen und ich möchte deine Geschichte hören ... und ich wünsche dir, dass du Frieden und ein Zuhause findest und Glücklich bist. Was auch immer ich dazu beitragen kann, werde ich tun. Das bin ich dir schuldig.“
Maruka blinzelte nun ihrerseits ein paar Mal schnell, dann verzog sich ihre Miene zu seiner merkwürdigen Mischung aus Grübeln und Grinsen. Noch immer hielt sie seine Hände in ihren und etwas in ihr ließ sie noch näher rücken, sodass sich wieder ihre Beine berührten. Sie brauchte diesen Körperkontakt einfach.
„Also... erstens; du schuldest mir nichts! Ist ja nicht so, als hätte ich dir das Leben gerettet, oder so. Zweitens ich entscheide, in welchen Kampf ich ziehe und in welchen nicht. Drittens, ich bin sehr, sehr, sehr, sehr glücklich hier zu sein... bei dir zu sein! Ich möchte dich auch kennen lernen, diesen Ort diese Welt und alles was dazu gehört!.. und viertens: Was das besser und stärker werden betrifft...“
Jetzt lächelte Maruka ganz selbstverständlich und reckte sich. Enveri hatte ihr quasi eine Vorlage auf dem Silbertablett geliefert, wie sie ihm helfen konnte...in mehr als nur einer Hinsicht, auch wenn sie das in diesem Moment selbst noch nicht wusste.
„...da kann ich dir helfen! Ich werde dich trainieren. Da bin ich gut drin! Wir werden gemeinsam stärker und besser! Das wird Spaß machen!“
Maruka strahlte übers ganze Gesicht, da sie sich in ihrem Geist schon ausmalte, was sie alles mit Enveri anstellen wollte. Für ein 'Nein' war es jetzt zu spät. Sie hatte es sich schon in den Kopf gesetzt und es würde schwer werden, sie davon wieder abzubringen. Sie sah auf die nicht gegessenen Beeren und hob sie auf.
„...und dazu gehört auch, dass du mehr isst!“
Notfalls werde ich ihn füttern! ...
Damit öffnete sie selbst weit den Mund, als müsste sie einem Kind zeigen wie es ging und ließ die kleinen Früchte über ihre Finger in seinen Mund rollen.
Gute Idee! Er isst wie ein Vogel. Am besten füttere ich ihn wie einen Vögel... mit dem Mund...
Maruka klappte den Mund schnell wieder zu und presste die Zähne aufeinander, als sich Phantasien von sich verschlingenden Lippen in ihren Kopf stahlen.
Warum musst du alles auf diese eine Thema hinauslaufen lassen?! - Weil ich wollig, drollig und rollig bin!?
Maruka seufzte leise. Als alle Früchte drin waren, nickte sie zufrieden und plante im Hinterkopf schon die nächsten Anschläge auf den armen Waldelfen. Dann nahm sie wieder ihren Dolch und die angefangene Häkelnadel zur Hand und setzte ihre Arbeit fort. Die Beschäftigung ihrer Hände half ihr ihre Gedanken zu sortieren und hielt die Katze leise, weil diese die Tätigkeit interessanter fand, als das Erzählen.
„Nun zu meiner Geschichte... Danach würde ich sehr gerne baden und dann können wir gern mit dem Training anfangen.“
Sie rutschte ein paar mal mit dem Hintern auf dem weichen Boden herum, bis sie eine gute Sitzposition gefunden hatte und begann mit feierlicher Stimme:
„Einst, vor langer Zeit, war ich stark, gut, lebensfroh und rein. Ich lebte auf einer Insel im Eismeer, mit Namen Ersa. Dort war meine Heimat, eine kleine Stadt mit tapferen Menschen, die der Kälte trotzen und fest zusammen hielten. Mantron war das Zentrum meines Lebens. Ich hatte liebende Eltern und treue Freunde. ...Einmal war ich sogar ein klein wenig verliebt. Es war ein schönes Gefühl... aufregend...“
Maruka schmunzelte verlegen und zuckte mit den Schultern. Das alles lag so weit in der Vergangenheit, dass es langsam nicht mehr so sehr schmerzte.
„... aber es beruhte nicht auf Gegenseitigkeit. Ich war zu jung und etwas zu dick, eben nichts besonderes, also begann ich stärker zu werden. Ich war voller Hoffnungen und Liebe für meine Umwelt. Ich entdeckte für mich das Tanzen und liebte das Jagen. Ich wurde stärker, schneller und besser als die meisten Mädchen in meinem Alter. Ich konnte es nur leider nicht mehr zeigen, nicht mehr beweisen... Ich möchte Eisbären, folgte ihnen oft stundenlang ... mir stand ein schönes Leben bevor, doch das Schicksal wollte es anders.“
Bis hier hatte ihre Stimme einen hellen glücklichen Unterton gehabt, denn alles, selbst die Zurückweisung in ihrer Jugend, das alles waren Erinnerungen an ihre Heimat und somit gehörten sie zu den glücklichen Momenten ihres Lebens. Jetzt schienen die schweren Zeiten zu kommen, da sich ihre Stimme dunkler färbte und ihr Blick in eine diffuse Ferne abdriftete. Enveri konnte spüren, dass das was jetzt kam ihr innerlich Schmerzen bereitete, aber sie kämpfte und musste es nun einfach erzählen... Diesen Teil ihres Lebens kam tatsächlich zum ersten Mal über ihre Lippen!
„Ich wurde auf einer meiner Jagdausflügen von Piraten entführt. Ich ...ich wurde gefoltert. Da war dieser Mann... er fügte mir Schmerzen zu, die kein fühlendes Wesen erdulden darf! Und... Er brach mich... Er ließ mich um mein Ende betteln. Ich hätte alles getan was er verlangt hätte!“
Die Atempausen wurden immer länger und Maruka kämpfte ihre Erinnerungen nieder. Sie schwieg einen Moment und jeder aufmerksame Zuhörer ahnte, dass das was nun zwischen den Worten lauerte, die ungestellte Frage beantworten würde.
„Bei allem was er mir angetan hatte, hätte ich manchmal gedacht, er würde auch zum letzten Mittel greifen um mich zu erniedrigen, aber anscheinend wollte er mich zumindest in dieser Hinsicht unberührt belassen.“
Marukas Stimme brach und sie schluckte einmal schwer. Für Einzelheiten hatte sie nicht die Kraft, aber das Endresultat war das Wichtige, was sie erzählen wollte. Trotzdem koste es sie Überwindung die Worte auszusprechen:
„Er hatte mir stattdessen meinen Lebenswillen genommen. Ich... ich wolle nicht mehr leben... Also ...“
Sie schluckte noch einmal, als sie sich das volle Ausmaß ihrer Handlungen vor Augen führte.
„Also suchte ich nach einer Möglichkeit mein Leben zu beenden. Ich fand sie in einem Mitgefangenen, einem schwarzen Serval im Bauch des Schiffs. Ich reizte ihn, bis er mich schwer verletze, doch ich starb nicht. Nein, das Schicksal wollte etwas anderes und das ließ mich noch mehr verzweifeln. Der Biss verwandelte mich in das, was ich jetzt bin und zu diesem Zeitpunkt wäre ich Gevatter Tod nur zu gern in sein Reich gefolgt. Es war wie eine Strafe, weil ich aufgegeben hatte... Plötzlich war ich ein Monster, lebte in einer Welt in die ich nicht gehörte, empfand Dinge die ich nicht kannte. Zu diesem Zeitpunkt, wollte ich geschlagen werden. Ich wollte bestraft werden, für das was ich geworden war, doch ausgerechnet dann rührte mich mein Peiniger nicht mehr an. Ich war eine Missgeburt mit der nicht einmal er etwas zu tun haben wollte. Hätte ich jemals die Wahl gehabt, mich von diesem... meinem Tier zu trennen... Ich hätte mich in zwei Teile zerrissen.“
Jetzt standen Maruka die Tränen wie voll gelaufene Seen in den Augen. Die Bitterkeit, die Angst und die Abscheu, die sie für sich empfunden hatte stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.
„... Auf eine gewisse Art, habe ich das sogar getan. Ich war....bin noch immer zerrissenen. Ich habe lange nicht akzeptiert, zu was ich geworden bin und habe noch heute damit so meine Schwierigkeiten. Ich höre die Gedanken des Tiers in mir und ...'wir' sind uns selten einig. Es ist ein immer währender Kampf, ein Weg mit zwei ineinander verschlungenen Pfaden, den ich aber beschlossen habe zu gehen... doch dazu später mehr.“
Sie seufzte schwer und fuhr dann mit der Geschichte fort:
„Der Piratenkapitän, der mich gefangen gehalten hatte, ich brachte ihm wohl kein Glück. Er verkaufte mich und kaum war mein Käfig im Rumpf des anderen Schiffes angelangt, da hörte ich es. Das Schiff meines Entführers, es sank und ich kam zu einem Dunkelelfen-Kapitän, der mich nach Morgeria brachte und an Sademos verkaufte. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits eine unterwürfige Sklavin, die ihrem neuen Herrn hörig war. Ich wurde aufgepäppelt, gefüttert, gestärkt und für ihre Hatz vorbereitet. Ein grausames Spiel, in dem sie einem vorgaukeln, die Freiheit gewinnen zu können.“
Maruka starrte finster auf ihren Dolch hinab, als würde sie ihn heute nur zu gern benutzen. Damals jedoch, damals wäre sie dazu nicht fähig gewesen, selbst wenn sie einen Dolch gehabt hätte. Nicht einmal ihre Krallen hätte sie gegen ihren Herrn erhoben. Zu viel Angst wohnte in ihrem Herzen.
„Auf der Flucht... Ich tat etwas, dass ich nicht gewollt hatte. Ich hatte mich in einer Ruine versteckt, von der ich heute weiß, dass sie Manthala geweiht war. Dort versteckte ich mich und dann... Ein anderer Sklave floh in mein Versteck und ich... ich tötete ihn … ungewollt, er war so laut..., aber er ist auf diesem Boden durch meine Klauen gestorben.“
Maruka presste die Kiefer so fest aufeinander, dass ihre Eckzähne in ihre Unterlippe stachen und der kleine Schmerz holte sie zurück ins Jetzt.
„Ich floh von diesem Ort und so lernte ich dann Sademos Bruder Valas kennen, der sich wohl jahrelang vor ihm dort verborgen hatte. Meine Verfolger fanden uns und so brachte ich auch ihm kein Glück. Doch was für ihn Pech war, gab mit einen neuen Freund. Er lehrte mich meine neuen Fähigkeiten besser einzuschätzen und wie ich sie annehmen konnte, was nicht immer einfach war, denn Tier und Mensch stritten sich noch immer heftiger meiner Seele. Valas half mir meine Stärke und meine Menschlichkeit wieder zu finden und er erkannte, dass mein Herz noch zu Liebe fähig war. Er weckte meinen Wunsch zu überleben.“
Erneut zogen Schatten über ihr Gesicht.
„Doch sein Bruder hatte anders mit mir vor und nutze mein weiches Herz um das seine zu quälen. Einer seiner Diener, Dryol, er lehrte mich den Umgang mit der Peitsche, den ich an Valas üben musste. Ein anderer Diener, Vranyk, er lehrte mich die Art der Dunkelelfen besser zu verstehen. Er war der Tierwärter von Sademos, er schenkte mir dieses Wollknäuel, dass nicht endet. Er brachte mit viel über das Leben unter Dunkelelfen bei, ihre Strukturen, ihren Hass, Neid, ihre Missgunst.
Alles was ich dort lernte, ließ mich wünschen, ich möge vielleicht eines Tages wieder nach Hause kommen, doch im gleichen Gedanken wollte ich mir dies nicht erlauben. Wer würde mich in meinem neuen, verfluchten Körper erkennen, oder gar noch lieben können?... Die Götter hatten sich von mir abgewandt, und ich hörte nur noch auf die Einflüsterungen meines Schicksals. Einer Stimme, die ich in einsamen Momenten hörte, die sich aber später als etwas ganz anderes heraus stellte. Mein Wunsch wieder ein Mensch zu sein war so groß, dass er zur Schwäche wurde und das Schicksal lockte mich so zu sich. Ich konnte jedoch fliehen, als Sademos...“
Hier schluckte sie kurz und entschied sich ein kleines Detail doch lieber weg zu lassen, da es zu privat war.
Feigling! Es ist doch nicht schlimm, dass du dich selbst entjungfert hast... Es könnte ihn doch interessieren und... zu privat und du sagst das nur weil wir rollig sind! Er wird es merken! WAS? Wie denn? Ist ja nicht so, dass man es von außen gleich sieht! Ich meinte, dass er es merken wird, dass du hier etwas verschweigst... achso... ähm...
„... ähm ...als er von zwei Dienerinnen abgelenkt wurde. Ich flüchtete in die Kanalisation und wurde wieder gefangen. Dort kämpfte ich in einer Arena, konnte aber abermals mit Hilfe einiger guter Seelen fliehen und kann nur hoffen, dass ich nicht auch diesen Unglück gebracht habe. Mein Weg führte mich fort aus Morgeria... Mein Leben war bisher eine einzige Flucht! ...aber auch dort fand mich mein Schicksal. Es nahm die Form eines Mannes an und entführte mich in einen Traum. Fast wäre ich für immer verloren gewesen, wenn mich nicht meine vergangen Taten eingeholt hätten. Das Blutopfer an jenem Tag der Hatz, der unfreiwillige Tod im Tempel der Göttin ...vielleicht hatte ich sie dadurch gerufen. Ich weiß es nicht. Ich war gefangen, doch dann berührte ich Manthalas Hand, sie nahm die meine. Sie brachte mich hier her und ich fühle seid dem, dass sich mein Schicksal vielleicht geändert haben könnte..., dass ich selbst mich ändern kann um vielleicht ...ein einzigartiges, ein neues Wesen zu werden mit der Sicht zweier Welten auf die Dinge.“
Man merkte, dass tatsächlich so etwas wie Hoffnung in ihrer Stimme mitschwang und sie so zum klingen brachte.
„Meine tierische Seite gewinnt an Einfluss und ich beginne gerade erst auf meine Instinkte zu vertrauen. Alles ist neu und vieles wird sich noch verändern, aber ich bin jetzt stark genug und bereit für einen neuen Weg, bereit diese neue Herausforderung anzunehmen.“
Maruka betrachtete ihre Häkelnadel, die inzwischen fertig geworden war. Was sie damit vor hatte, kam als nächstes. Sie griff nach dem Wollknäuel und begann ein paar Luftmaschen aufzunehmen.
„Weist du Enveri, ich glaube, manchmal sind Veränderungen notwendig. Selbst wenn sie schmerzhaft sind. Nur so entwickeln wir uns weiter. Ich konnte nicht immer das verängstigte Mädchen im Körper eines Monsters bleiben. Ich musste mich verändern und Manthala, so glaube ich zumindest, sie hat mir da einen kleinen Schubs in die richtige Richtung gegeben. Wer weis, vielleicht hätte ich diesen Schritt auch irgendwann selbst gemacht... Aber ein erster Beweis meiner Veränderung, sogar ein körperlicher, sind wohl meine silberblauen Augen. Früher hatten sie die Farbe von Bernstein, auch nach der Verwandlung. Auf jeden Fall würde ich dir gern helfen... also ich meine das mit dem Schubsen.“
Maruka wackelte lustig mit den Brauen, ließ ihre Handarbeit fallen und schubste Enveri gerade so doll, dass er vielleicht sacht nach hinten umkippen konnte. Gleichzeitig sprang sie auf und rannte dann lachend zum See um mit einem langen Satz in das nachtschwarze Wasser zu tauchen. Sie musste sich nun den Schmutz und den bitteren Geschmack ihrer Vergangenheit abwaschen und auch ihre tierische Seite genoss tatsächlich das kühlende Bad. Unter Wasser fühlte sich ihr Fell fast wie nicht vorhanden an und als Maruka wieder auftauchte, lag es wie schwarze Haut an ihrem Körper. Seit langem... nein, zum ersten Mal seit ihrer Verwandlung fühlte sie sich richtig wohl in ihrem Körper. Es war, als hätte sie mit dem Erzählen ihrer Geschichte auch etwas von der Last abgelegt, die auf ihrer Seele ruhte. Das Wasser rann ihr durch die Mähne und klärte ihre Gedanken. Sie atmete tief und ließ die Augen geschlossen, während sie die Hände auf ihre Schultern legte. Sie spürte in sich hinein und genoss sogar das wohlige Kribbeln, dass sich in jeder Muskelfaser eingenistet hatte. Sie achtete diesen einen Moment nicht auf ihre Umwelt, sie genoss einfach ihr Dasein. Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper hinab, liebkosten wie zufällig den sanften Schwung ihrer Konturen um das Nass aus ihren Haaren zu streichen, blieben dabei kaum an den harten Knospen hängen, die vorwitzig im Schein der Sterne schimmerten. Sie drehte sich langsam einmal um die eigene Achse, warf dabei ihre Haare in den Nacken. Dann ließ sie sich wieder tiefer ins Wasser sinken und öffnete ihre Augen, als diese flach über der Wassergrenze lagen. Sie kam sich vor wie ein Hai auf Beutekurs und wusste, dass ihre Glut nun den Zenit erreicht hatte. Sie hatte sie zu lange unterdrückt und nun lauerte sie gefährlich nah unter der Oberfläche. Ihr Kopf war wie auf der Lauer gesenkt und ihre Irriden so rund und groß wie der volle Mond. Die Art von Hunger der sie antrieb, trieb sie nun auch dazu sich jetzt verbergen zu wollen, also tauchte sie erneut unter und schwamm ein paar lange Züge in die entgegen gesetzte Richtung auch wenn alles an ihr das Gegenteil wollte. Am liebsten hätte sie sich versteckt oder in eine Höhle gewünscht um eine Weile allein zu sein, doch wollte sie Enveri nach ihrer Geschichte auch nicht allein lassen. Sie fühlte sich mit ihm verbundener den je. Er hatte ihr zugehört und sie hatte nun keine Geheimnisse mehr vor ihm.
Na jaaa.... Gut, eben bis auch eines. Aber das darf doch jede Frau haben! Trotzdem... werden wir dabei Hilfe brauchen. Wie jetzt? Später... Na toll, jetzt verbirgt sogar mein Unterbewusstsein Wissen vor mir. Du weist es, du willst nur nicht darüber nachdenken... Stimmt... Enveri... Vielleicht erzählt er uns jetzt auch seine Geschichte, die aus Sicht des Waldelfen.
Maruka wurde die Luft knapp und sie tauchte auf. Das lange Training, das Tauchen im Eismeer hatte sich bezahlt gemacht. Sie konnte sehr lange die Luft anhalten und noch länger wenn sie sich still treiben ließ.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. Februar 2017, 22:35

Maruka blinzelte nun ihrerseits ein paar Mal schnell, dann verzog sich ihre Miene zu seiner merkwürdigen Mischung aus Grübeln und Grinsen. Noch immer hielt sie seine Hände in ihren und etwas in ihr ließ sie noch näher rücken, sodass sich wieder ihre Beine berührten. Sie brauchte diesen Körperkontakt einfach.
„Also... erstens; du schuldest mir nichts! Ist ja nicht so, als hätte ich dir das Leben gerettet, oder so. Zweitens ich entscheide, in welchen Kampf ich ziehe und in welchen nicht. Drittens, ich bin sehr, sehr, sehr, sehr glücklich hier zu sein... bei dir zu sein! Ich möchte dich auch kennen lernen, diesen Ort diese Welt und alles was dazu gehört!.. und viertens: Was das besser und stärker werden betrifft...“


Enveri wirkte so, als wollte er bezüglich des ‚Schuldens‘ wiedersprechen, aber dann presste er die Lippen aufeinander und schwieg.

Jetzt lächelte Maruka ganz selbstverständlich und reckte sich. Enveri hatte ihr quasi eine Vorlage auf dem Silbertablett geliefert, wie sie ihm helfen konnte...in mehr als nur einer Hinsicht, auch wenn sie das in diesem Moment selbst noch nicht wusste.
„...da kann ich dir helfen! Ich werde dich trainieren. Da bin ich gut drin! Wir werden gemeinsam stärker und besser! Das wird Spaß machen!“
Maruka strahlte übers ganze Gesicht, da sie sich in ihrem Geist schon ausmalte, was sie alles mit Enveri anstellen wollte. Für ein 'Nein' war es jetzt zu spät. Sie hatte es sich schon in den Kopf gesetzt und es würde schwer werden, sie davon wieder abzubringen. Sie sah auf die nicht gegessenen Beeren und hob sie auf.
„...und dazu gehört auch, dass du mehr isst!“
Notfalls werde ich ihn füttern! ...
Damit öffnete sie selbst weit den Mund, als müsste sie einem Kind zeigen wie es ging und ließ die kleinen Früchte über ihre Finger in seinen Mund rollen.


Überrumpelt lachte Enveri auf, während einige der ersten Beeren ungegessen in das Gras rollten, bis er brav den Mund öffnete und mit den Händen die Beeren fing, die zur Seite rollten. Sein Lachen verhinderte allerdings, dass viele Beeren ihr Ziel trafen, dafür aber hatte sie etwas Anderes geschafft. Die Trauer war wie weg gewischt und sein Lachen ließ eine Seite in Maruka schwingen. Es war offen und fröhlich und sie erhaschte einen Blick auf den Mann, der er mal gewesen sein musste. Fast verschluckte er sich an einer der Beeren und stoppte sie Kichernd. Brav nahm er Maruka den Rest ab, um ihn sich selbst in den Mund zu stopfen. Grinsend wischte er sich Beerensaft vom Kinn und sah sie bezaubert und strahlend an.

Maruka seufzte leise. Als alle Früchte drin waren, nickte sie zufrieden und plante im Hinterkopf schon die nächsten Anschläge auf den armen Waldelfen. Dann nahm sie wieder ihren Dolch und die angefangene Häkelnadel zur Hand und setzte ihre Arbeit fort. Die Beschäftigung ihrer Hände half ihr ihre Gedanken zu sortieren und hielt die Katze leise, weil diese die Tätigkeit interessanter fand, als das Erzählen.
„Nun zu meiner Geschichte... Danach würde ich sehr gerne baden und dann können wir gern mit dem Training anfangen.“
Sie rutschte ein paar mal mit dem Hintern auf dem weichen Boden herum, bis sie eine gute Sitzposition gefunden hatte und begann mit feierlicher Stimme:
„Einst, vor langer Zeit, war ich stark, gut, lebensfroh und rein. Ich lebte auf einer Insel im Eismeer, mit Namen Ersa. Dort war meine Heimat, eine kleine Stadt mit tapferen Menschen, die der Kälte trotzen und fest zusammen hielten. Mantron war das Zentrum meines Lebens. Ich hatte liebende Eltern und treue Freunde. ...Einmal war ich sogar ein klein wenig verliebt. Es war ein schönes Gefühl... aufregend...“
Maruka schmunzelte verlegen und zuckte mit den Schultern. Das alles lag so weit in der Vergangenheit, dass es langsam nicht mehr so sehr schmerzte.
„... aber es beruhte nicht auf Gegenseitigkeit. Ich war zu jung und etwas zu dick, eben nichts besonderes, also begann ich stärker zu werden. Ich war voller Hoffnungen und Liebe für meine Umwelt. Ich entdeckte für mich das Tanzen und liebte das Jagen. Ich wurde stärker, schneller und besser als die meisten Mädchen in meinem Alter. Ich konnte es nur leider nicht mehr zeigen, nicht mehr beweisen... Ich möchte Eisbären, folgte ihnen oft stundenlang ... mir stand ein schönes Leben bevor, doch das Schicksal wollte es anders.“


Die Hybridin hatte nur von ihren angenehmen Erinnerungen gesprochen, aber Enveri horchte trotzdem besorgt auf. Und das schon bei ihrem Einleitungssatz!
„Du bist doch noch immer stark, gut, lebensfroh und rein!“
Protestierte er voller inbrunst.

Bis hier hatte ihre Stimme einen hellen glücklichen Unterton gehabt, denn alles, selbst die Zurückweisung in ihrer Jugend, das alles waren Erinnerungen an ihre Heimat und somit gehörten sie zu den glücklichen Momenten ihres Lebens. Jetzt schienen die schweren Zeiten zu kommen, da sich ihre Stimme dunkler färbte und ihr Blick in eine diffuse Ferne abdriftete. Enveri konnte spüren, dass das was jetzt kam ihr innerlich Schmerzen bereitete, aber sie kämpfte und musste es nun einfach erzählen... Diesen Teil ihres Lebens kam tatsächlich zum ersten Mal über ihre Lippen!
„Ich wurde auf einer meiner Jagdausflügen von Piraten entführt. Ich ...ich wurde gefoltert. Da war dieser Mann... er fügte mir Schmerzen zu, die kein fühlendes Wesen erdulden darf! Und... Er brach mich... Er ließ mich um mein Ende betteln. Ich hätte alles getan was er verlangt hätte!“


Die Augen des Waldelfen öffneten sich weit vor Entsetzen und Mitgefühl und er löste den Griff ihrer Hände und umfasste nun ihre bestärkend.

Die Atempausen wurden immer länger und Maruka kämpfte ihre Erinnerungen nieder. Sie schwieg einen Moment und jeder aufmerksame Zuhörer ahnte, dass das was nun zwischen den Worten lauerte, die ungestellte Frage beantworten würde.
„Bei allem was er mir angetan hatte, hätte ich manchmal gedacht, er würde auch zum letzten Mittel greifen um mich zu erniedrigen, aber anscheinend wollte er mich zumindest in dieser Hinsicht unberührt belassen.“
Marukas Stimme brach und sie schluckte einmal schwer. Für Einzelheiten hatte sie nicht die Kraft, aber das Endresultat war das Wichtige, was sie erzählen wollte. Trotzdem koste es sie Überwindung die Worte auszusprechen:
„Er hatte mir stattdessen meinen Lebenswillen genommen. Ich... ich wolle nicht mehr leben... Also ...“
Sie schluckte noch einmal, als sie sich das volle Ausmaß ihrer Handlungen vor Augen führte.
„Also suchte ich nach einer Möglichkeit mein Leben zu beenden. Ich fand sie in einem Mitgefangenen, einem schwarzen Serval im Bauch des Schiffs. Ich reizte ihn, bis er mich schwer verletze, doch ich starb nicht. Nein, das Schicksal wollte etwas anderes und das ließ mich noch mehr verzweifeln. Der Biss verwandelte mich in das, was ich jetzt bin und zu diesem Zeitpunkt wäre ich Gevatter Tod nur zu gern in sein Reich gefolgt. Es war wie eine Strafe, weil ich aufgegeben hatte... Plötzlich war ich ein Monster, lebte in einer Welt in die ich nicht gehörte, empfand Dinge die ich nicht kannte. Zu diesem Zeitpunkt, wollte ich geschlagen werden. Ich wollte bestraft werden, für das was ich geworden war, doch ausgerechnet dann rührte mich mein Peiniger nicht mehr an. Ich war eine Missgeburt mit der nicht einmal er etwas zu tun haben wollte. Hätte ich jemals die Wahl gehabt, mich von diesem... meinem Tier zu trennen... Ich hätte mich in zwei Teile zerrissen.“
Jetzt standen Maruka die Tränen wie voll gelaufene Seen in den Augen. Die Bitterkeit, die Angst und die Abscheu, die sie für sich empfunden hatte stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.


Enveri umfasste ihre Wange mit einer Hand und rückte ein Stück näher an sie heran.
„Es tut mir so Leid! Niemand sollte erleiden müssen, was du durchlebt hast. Ich bin froh, dass du dein Leben nicht beenden konntest und ich hoffe, du wirst diesen Wunsch nie wiederhaben! So schrecklich es für dich gewesen sein musste, ich bin froh, dass du jetzt hier bist, genauso, wie du bist.“
Sie fuhr fort und erzählte ihm ihre Geschichte … mit einer winzigen Ausnahme. Enveri lauschte ihr gebannt, versuchte Trost zu spenden, wo es nötig war und sah sie mit steigender Bewunderung an. Und die ganze Zeit hatte sie den Eindruck, dass ihre Geschichte ihn tief berührte und mitriss, so als könnte er ihr vieles von dem nachfühlen, was sie erzählte.

„... ähm ...als er von zwei Dienerinnen abgelenkt wurde. Ich flüchtete in die Kanalisation und wurde wieder gefangen. Dort kämpfte ich in einer Arena, konnte aber abermals mit Hilfe einiger guter Seelen fliehen und kann nur hoffen, dass ich nicht auch diesen Unglück gebracht habe. Mein Weg führte mich fort aus Morgeria... Mein Leben war bisher eine einzige Flucht! ...aber auch dort fand mich mein Schicksal. Es nahm die Form eines Mannes an und entführte mich in einen Traum. Fast wäre ich für immer verloren gewesen, wenn mich nicht meine vergangen Taten eingeholt hätten. Das Blutopfer an jenem Tag der Hatz, der unfreiwillige Tod im Tempel der Göttin ...vielleicht hatte ich sie dadurch gerufen. Ich weiß es nicht. Ich war gefangen, doch dann berührte ich Manthalas Hand, sie nahm die meine. Sie brachte mich hier her und ich fühle seid dem, dass sich mein Schicksal vielleicht geändert haben könnte..., dass ich selbst mich ändern kann um vielleicht ...ein einzigartiges, ein neues Wesen zu werden mit der Sicht zweier Welten auf die Dinge.“
Man merkte, dass tatsächlich so etwas wie Hoffnung in ihrer Stimme mitschwang und sie so zum klingen brachte.
„Meine tierische Seite gewinnt an Einfluss und ich beginne gerade erst auf meine Instinkte zu vertrauen. Alles ist neu und vieles wird sich noch verändern, aber ich bin jetzt stark genug und bereit für einen neuen Weg, bereit diese neue Herausforderung anzunehmen.“
Maruka betrachtete ihre Häkelnadel, die inzwischen fertig geworden war. Was sie damit vor hatte, kam als nächstes. Sie griff nach dem Wollknäuel und begann ein paar Luftmaschen aufzunehmen.


„Das glaube ich auch … ich weiß nicht, ob du es selbst siehst … aber das du jetzt hier bist, so wie du bist … ich bewundere dich für deine Stärke, Maruka!“

„Weist du Enveri, ich glaube, manchmal sind Veränderungen notwendig. Selbst wenn sie schmerzhaft sind. Nur so entwickeln wir uns weiter. Ich konnte nicht immer das verängstigte Mädchen im Körper eines Monsters bleiben. Ich musste mich verändern und Manthala, so glaube ich zumindest, sie hat mir da einen kleinen Schubs in die richtige Richtung gegeben. Wer weis, vielleicht hätte ich diesen Schritt auch irgendwann selbst gemacht... Aber ein erster Beweis meiner Veränderung, sogar ein körperlicher, sind wohl meine silberblauen Augen. Früher hatten sie die Farbe von Bernstein, auch nach der Verwandlung. Auf jeden Fall würde ich dir gern helfen... also ich meine das mit dem Schubsen.“

Enveris Lippen wurden Schmaler und er setze dazu an, etwas zu sagen, da:

Wackelte Maruka lustig mit den Brauen, ließ ihre Handarbeit fallen und schubste Enveri gerade so doll, dass er vielleicht sacht nach hinten umkippen konnte. Gleichzeitig sprang sie auf und rannte dann lachend zum See um mit einem langen Satz in das nachtschwarze Wasser zu tauchen. Sie musste sich nun den Schmutz und den bitteren Geschmack ihrer Vergangenheit abwaschen und auch ihre tierische Seite genoss tatsächlich das kühlende Bad. Unter Wasser fühlte sich ihr Fell fast wie nicht vorhanden an und als Maruka wieder auftauchte, lag es wie schwarze Haut an ihrem Körper. Seit langem... nein, zum ersten Mal seit ihrer Verwandlung fühlte sie sich richtig wohl in ihrem Körper.

Enveri war inzwischen aufgestanden und stand am Ufer, die Hände in die Hüften gestemmt und einem schiefen Grinsen auf den Lippen.

Es war, als hätte sie mit dem Erzählen ihrer Geschichte auch etwas von der Last abgelegt, die auf ihrer Seele ruhte. Das Wasser rann ihr durch die Mähne und klärte ihre Gedanken. Sie atmete tief und ließ die Augen geschlossen, während sie die Hände auf ihre Schultern legte. Sie spürte in sich hinein und genoss sogar das wohlige Kribbeln, dass sich in jeder Muskelfaser eingenistet hatte. Sie achtete diesen einen Moment nicht auf ihre Umwelt, sie genoss einfach ihr Dasein. Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper hinab, liebkosten wie zufällig den sanften Schwung ihrer Konturen um das Nass aus ihren Haaren zu streichen, blieben dabei kaum an den harten Knospen hängen, die vorwitzig im Schein der Sterne schimmerten. Sie drehte sich langsam einmal um die eigene Achse, warf dabei ihre Haare in den Nacken. Dann ließ sie sich wieder tiefer ins Wasser sinken und öffnete ihre Augen, als diese flach über der Wassergrenze lagen. Sie kam sich vor wie ein Hai auf Beutekurs und wusste, dass ihre Glut nun den Zenit erreicht hatte. Sie hatte sie zu lange unterdrückt und nun lauerte sie gefährlich nah unter der Oberfläche. Ihr Kopf war wie auf der Lauer gesenkt und ihre Irriden so rund und groß wie der volle Mond. Die Art von Hunger der sie antrieb, trieb sie nun auch dazu sich jetzt verbergen zu wollen, also tauchte sie erneut unter und schwamm ein paar lange Züge in die entgegen gesetzte Richtung auch wenn alles an ihr das Gegenteil wollte. Am liebsten hätte sie sich versteckt oder in eine Höhle gewünscht um eine Weile allein zu sein, doch wollte sie Enveri nach ihrer Geschichte auch nicht allein lassen. Sie fühlte sich mit ihm verbundener den je. Er hatte ihr zugehört und sie hatte nun keine Geheimnisse mehr vor ihm.
Maruka wurde die Luft knapp und sie tauchte auf. Das lange Training, das Tauchen im Eismeer hatte sich bezahlt gemacht. Sie konnte sehr lange die Luft anhalten und noch länger wenn sie sich still treiben ließ.


Als ihr Kopf wieder die Wasseroberfläche durchstieß und süße Luft ihre Lungen füllte, sah sie wie Enveri gerade die letzten Schwimmzüge in ihre Richtung tat und reichlich erschreckt wirkte.
„Bei Phaun, Maruka ich dachte du ertrinkst!!!!!“
Stieß er völlig erschreckt aus und überwand die Distanz zwischen ihnen um sie kurz in seine Arme zu ziehen.
„Geht es dir gut?!“
Er ließ sie wieder los, damit sie Beide nicht untergingen, blieb ihr aber noch so nahe, dass sie die Wellen spüren konnte, die seine Bewegungen verursachten. Er wirkte Atemlos und noch ein wenig erschreckt, aber die Erleichterung darüber, dass sie offenbar entspannt und bei bester Gesundheit war, besänftigten ihn bereits.
Er hatte nicht einmal seine Kleidung abgelegt und die Lumpen die er trug flatterten fröhlich um ihn herum und berührten sie manchmal leicht. Sein rotes Haar wirkte fast schwarz wenn es nass an seinem Kopf klebte und die Schlankheit seines Körpers konnte nicht länger von seiner Kleidung verborgen werden. Und trotzdem, er wirkte äußerst Lebendig, wie er da so vor ihr schwamm und sein Gesicht hatte Farbe bekommen.
Sein Blick rutschte unweigerlich etwas tiefer in Richtung ihrer schlanken Gestalt, die sich im Wasser abzeichnete und ein funkeln trat in seine Augen. Als er ihr wieder ins Gesicht blickte, sah sie Sehnsucht und Verlangen darin aufblitzen, aber statt das er dem drängen, dass ihm so offen im Gesicht stand, nachgab, drehte er um und schwamm zurück ans Ufer, wobei er noch rief:
„Wetten ich bin zuerst da?!“
Der Aufforderung nachfolgend hatte die geübte Schwimmerin trotz Enveris reichlich unfairen Vorsprungs schnell die Führung übernommen. Ihr war gar nicht aufgefallen, wie sie während ihres Bades immer näher zum Mittelpunkt des Sees gekommen war, aber nun offenbarte sich ihr eine gehörige Strecke zum Ufer. Sie wollte dem Waldelfen gerade einen frechen Kommentar über seine offenbar mangelhaften Schwimmkünste entgegen schleudern, da sah sie in seinen Augen ein grünes Glitzern aufflackern. Hatte er vorher Atemlos und ungeschickt gewirkt, so waren seine Schwimmzüge jetzt elegant und Kraftvoll und er legte erstaunlicherweise ein ordentliches Tempo vor. Er grinste und schien die Herausforderung, die Maruka ihm bot, zu schätzen wissen. Zug um Zug holte er wieder auf und die Hybridin, die bisher locker hatte mithalten können, musste sich ins Zeug legen. Am Ende behielt sie die Oberhand, aber auch ihr Atem ging schneller, als sie aus dem Wasser stieg.
Enveri lachte vergnügt und atemlos. Etwas erstaunt blickte er zurück zum See und dann zu ihr, so als wäre er überrascht über die eigene Leistung. Der Geruch des Panthers stieg ihr trotz des Wasser, in dem sie gebadet hatten, in die Nase und es war fast, als zwinkerte er ihr in Gedanken zu. Der Waldelf indessen schüttelte verwirrt den Kopf und sah sie Glücklich an, offenbar noch immer völlig verzaubert von ihr … und alles andere als unbeeindruckt von ihrer schlanken weiblichen Gestalt. Es kostete ihn einige Momente, sich von ihrem Anblick los zu reißen und er überspielte die Momente danach damit, dass er begann, seiner Roben aus zu wringen und zu einem der größeren Steine zu gehen, die noch immer ein Stück der Sommerwärme in ich hielten. Er streckte dabei seine Hand nach Maruka aus, wie um sie zu bitten, zu ihm zu kommen.
„Zählt das schon als Training? Oder war das erst der Anfang?“
Er grinste breit, wurde dann aber wieder ernster.
„Vielleicht … vielleicht sollte ich dir auch meine Geschichte erzählen, Maruka. Du hast ein Anrecht darauf. Aber ich weiß nicht, ob du mich danach noch leiden kannst. Aber vielleicht verstehst du dann, dass Veränderung in meinem Fall nichts bringen wird.“
Er wandte traurig und beschämt den Blick ab.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Montag 20. Februar 2017, 10:12

„Du bist doch noch immer stark, gut, lebensfroh und rein!“
Enveris inbrünstiger Protest tat gut, aber erreichten sie nur schwach, denn Marukas Selbstzweifel hatten dichte Seile um ihr Herz gesponnen. Sie führte ihre Erzählung fort und seine Nähe tat ihr gut.
Enveri umfasste ihre Wange mit einer Hand und rückte ein Stück näher an sie heran.
„Es tut mir so Leid! Niemand sollte erleiden müssen, was du durchlebt hast. Ich bin froh, dass du dein Leben nicht beenden konntest und ich hoffe, du wirst diesen Wunsch nie wiederhaben! So schrecklich es für dich gewesen sein musste, ich bin froh, dass du jetzt hier bist, genauso, wie du bist.“
Maruka blinzelte und ließ den Balsam seiner Worte in sich wirken. Mochte er sie wirklich so wie sie war? Sie fuhr fort und erzählte ihm ihre ganze Geschichte … mit einer winzigen Ausnahme. Enveri lauschte ihr gebannt, versuchte Trost zu spenden, wo es nötig war und sah sie mit steigender Bewunderung an. Und die ganze Zeit hatte sie den Eindruck, dass ihre Geschichte ihn tief berührte und mitriss, so als könnte er ihr vieles von dem nachfühlen, was sie erzählte.
„Das glaube ich auch … ich weiß nicht, ob du es selbst siehst … aber das du jetzt hier bist, so wie du bist … ich bewundere dich für deine Stärke, Maruka!“
Bewunderung... Das ist tatsächlich etwas, das ich noch nie erfahren habe... Fühlt sich irgendwie gut an... ungewohnt und merkwürdig, aber gut.
Sie beendete ihre Geschichte und neckte ihn, in dem sie ihn sanft schubste und dann davon lief. Das Wasser tat unendlich gut und nirgends wäre sie jetzt lieber gewesen. Sie tauchte, ließ sich durch die Schwerelosigkeit des Elements gleiten und als ihr Kopf wieder die Wasseroberfläche durchstieß und süße Luft ihre Lungen füllte, sah sie wie Enveri gerade die letzten Schwimmzüge in ihre Richtung tat und reichlich erschreckt wirkte.
„Bei Phaun, Maruka ich dachte du ertrinkst!!!!!“
Oh...ich hätte ihm sagen sollen, dass ich das gut...
Er hatte die Distanz zwischen ihnen überwunden und zog sie in seine Arme. Seine Berührungen brannten auf ihrer Haut so hell, dass sie meinte sie sehen zu können. Die scharfen Kontraste zwischen dem kühlen Nass und seines Körpers machten alles noch viel intensiver und Maruka hatte das Gefühl innerlich zu schmelzen. Überall dort, wo sie sich berührten tobte ein Sturm aus Feuer und Eis. Glühende Hitze sammelte sich zwischen ihren Beinen und sie presste sie fest zusammen.
„Geht es dir gut?!“
BESTENS! Kalt den Mund und mach weiter! Ich kann grade nicht antworten...
Maruka stieß ein leises Stöhnen aus und ihre presste die Lider aufeinander.
Ist das schöööön!
Flüssige Seide rann über ihren Körper und jeder seiner kleinen Schwimmbewegungen machte es schlimmer.
Lass nicht los...
Er ließ sie wieder los, damit sie Beide nicht untergingen, blieb ihr aber noch so nahe, dass sie die Wellen spüren konnte, die seine Bewegungen verursachten.
GRRRR..... noch einen Moment länger und ich hätte ihn gefressen! ...WAS?... sinnbildlich!
Er wirkte fast so atemlos wie sie und noch ein wenig erschreckt, aber die Erleichterung darüber, dass sie offenbar entspannt und bei bester Gesundheit war, besänftigten ihn bereits, wobei entspannt es nicht ganz traf. Maruka fühlte sich wie eine Öllache auf bewegtem Meer, so schillernd und flüssig, dass sie ihre eigenen Konturen kaum noch wahrnehmen konnte. Nur am Rande viel ihr auf, dass er nicht einmal seine Kleidung abgelegt hatte und die Lumpen die er trug flatterten fröhlich um ihn herum und berührten sie manchmal leicht wie ein Streicheln.
Das ist Folter! ...
Sein rotes Haar wirkte fast schwarz wenn es nass an seinem Kopf klebte und die Schlankheit seines Körpers konnte nicht länger von seiner Kleidung verborgen werden. Und trotzdem, er wirkte äußerst lebendig, wie er da so vor ihr schwamm und sein Gesicht hatte Farbe bekommen.
Sein Blick rutschte unweigerlich etwas tiefer in Richtung ihrer schlanken Gestalt, die sich im Wasser abzeichnete und ein Funkeln trat in seine Augen. Als er ihr wieder ins Gesicht blickte, sah sie Sehnsucht und Verlangen darin aufblitzen, aber statt das er dem drängen, dass ihm so offen im Gesicht stand, nachgab, drehte er um und schwamm zurück ans Ufer, wobei er noch rief:
„Wetten ich bin zuerst da?!“
Wie bitte? Jetzt lockt er das Tier in mir ihn zu jagen? Kann er haben!
Bilder flackerten in ihrem Kopf auf. Sie wollte ihn einholen, ihn packen und unter Wasser ziehen, seine Lippen mit ihren verschließen und … mehr! Mehr von ihm! Aber war wirklich sie das? Wollte sie das wirklich?
Ist das nur die Hitze, oder bin ich das? - Ist das wichtig?
Letzter Gedanke brachte Maruka dazu schneller zu schwimmen. Der Aufforderung nachfolgend hatte sie als geübte Schwimmerin trotz Enveris reichlich unfairen Vorsprungs schnell aufgeschlossen, aber anstatt ihn zu überfallen, übernahm sie die Führung. Die körperliche Anstrengung hatte auch für sie einen Vorteil, denn sie beruhigte ihr glühendes Gemüt. Erst jetzt nahm sie wahr, dass sie während ihres Bades immer näher zum Mittelpunkt des Sees gekommen war, aber nun offenbarte sich ihr eine gehörige Strecke zum Ufer.
Du willst Fangen spielen? Dann fang mich, aber dafür bist du viel zu langsam!
Sie wollte dem Waldelfen gerade einen frechen Kommentar über seine offenbar mangelhaften Schwimmkünste entgegen schleudern, da sah sie in seinen Augen ein grünes Glitzern aufflackern. Hatte er vorher atemlos und ungeschickt gewirkt, so waren seine Schwimmzüge jetzt elegant und kraftvoll und er legte erstaunlicherweise ein ordentliches Tempo vor. Er grinste und schien die Herausforderung, die Maruka ihm bot, zu schätzen wissen. In der Verfolgerposition legte er ein erstaunliches Maß an Motivation an den Tag. Reizte ihn vielleicht doch die Jagd?
Fang mich, wenn du kannst!
Zug um Zug holte er wieder auf und die Hybridin, die bisher locker hatte Abstand halten können, musste sich ins Zeug legen. Am Ende behielt sie die Oberhand, aber auch ihr Atem ging schneller, als sie aus dem Wasser stieg. Enveri lachte vergnügt und atemlos. Etwas erstaunt blickte er zurück zum See und dann zu ihr, so als wäre er überrascht über die eigene Leistung. Der Geruch des Panthers stieg ihr trotz des Wasser, in dem sie gebadet hatten, in die Nase und es war fast, als zwinkerte er ihr in Gedanken zu. Der Waldelf indessen schüttelte verwirrt den Kopf und sah sie glücklich an, offenbar noch immer völlig verzaubert von ihr … und alles andere als unbeeindruckt von ihrer schlanken weiblichen Gestalt. Es kostete ihn einige Momente, sich von ihrem Anblick los zu reißen und er überspielte die Momente danach damit, dass er begann, seiner Roben aus zu wringen und zu einem der größeren Steine zu gehen, die noch immer ein Stück der Sommerwärme in ich hielten. Er streckte dabei seine Hand nach Maruka aus, wie um sie zu bitten, zu ihm zu kommen. Maruka zog die Unterlippe zwischen die Zähne.
Hast du eigentlich eine Ahnung mit was für Kräften du hier spielst? Wie soll ich mich denn zurück halten, wenn er mich lockt? Willst du dich denn zurück halten? Also ich nicht... Er scheint dieses Spiel auch zu mögen... Du denkst zu viel!
„Zählt das schon als Training? Oder war das erst der Anfang?“
„Das war erst der Anfang!“
, platzte es aus Maruka heraus und im gleichen Moment wunderte sie sich über ihre eigene Stimme, die so hungrig, tiefer und doch leicht zitternd klang.
Mit wiegendem Gang folgte sie seiner Aufforderung und es sah mehr so aus, als würde sie sich an ihn anpirschen. Er grinste breit, wurde dann aber wieder ernster.
„Vielleicht … vielleicht sollte ich dir auch meine Geschichte erzählen, Maruka. Du hast ein Anrecht darauf. Aber ich weiß nicht, ob du mich danach noch leiden kannst. Aber vielleicht verstehst du dann, dass Veränderung in meinem Fall nichts bringen wird.“
Er wandte traurig und beschämt den Blick ab. Maruka blieb kurz vor dem einladend warmen Stein, mit dem noch eingeladenderen männlichen Körper darauf stehen.
Das war jetzt ein Themawechsel, der besser hilft als alles Eiswasser dieser Welt! … GRRRR... Nein, ich kann nicht böse sein! Er braucht mich. Er muss auch seine Geschichte erzählen. … Aber... Er braucht mich. - Du weist schon, dass diese Art von hormoneller Frustration ungesund für mich ist?! Wirklich? ...Wenn nicht für mich, dann sehr bald für unsere Umwelt!
Die Katze schlug in ihrem Innern frustriert ihre Krallen in die Wände ihres Bewusstseins.
… und was ist wenn er recht hat? Wir wollten doch im hier und jetzt leben und uns nicht von unserer Vergangenheit die Zukunft zerstören lassen!
Das war ein Argument, das Maruka zum zögern brachte und prompt übernahm die Katze:
„Wenn du das wirklich glaubst, wenn du keine Veränderung möchtest, dann können wir im Jetzt bleiben und den Moment genießen.“
Maruka schluckte selbst über die Andeutung die da heiß glühend in ihrer Stimme mitschwang. Ihr Mensch wand sich etwas peinlich berührt in ihrem Innern und kämpfte sich dann zurück an die Oberfläche.
„Ich glaube auch, dass unsere Vergangenheit nicht unsere Gegenwart bestimmen sollte. Das heißt auch, dass du mir gerne alles erzählen kannst. Ich möchte dir zuhören, wie du es für mich getan hast. Du hast mir Mitgefühl gegeben, also sollte ich das doch auch versuchen oder?“
Du weißt schon, dass das hier auf Freundschaft hinaus läuft, nicht auf das was ich will. Ist Freundschaft denn was schlimmes? Sie steht gerade meinen Bedürfnissen im Weg. ...aber ich will mir doch nur sicher sein, dass diese Anziehung echt ist. Lass uns warten, bis die Hitze vorbei ist. ...grrrrr, ...vielleicht.
Etwas nervös wirken, was er hoffentlich nicht fehl interpretierte, setzte sie sich zu ihm auf den Stein. Eine unbewusste Ersatzhandlung bei Katzen, die nicht so recht wissen was sie wollten, war das Putzen. Also begann Maruka ihr Fell zu lecken. Insgeheim hoffte ihr Mensch, Enveris Geschichte würde sie ein Weilchen von ihrer inneren Unruhe ablenken. Ein anderer Teil von ihr freute sich schon diebisch auf das Training, dass sie danach mit ihm durchführen wollte. Kampf, auch wenn es nur Sparring war, bedeutete aber auch Körperkontakt und Maruka war sich im allgemeinen noch nicht ganz sicher, ob ihr Plan nicht vielleicht nach hinten los ging. Sich ordentlich anzustrengen klang gut und kühlte die Glut in ihr, aber würde das auch mit Enveri so klappen wie geplant?
Vielleicht mag ich ihn nach seiner Geschichte vielleicht wirklich nicht mehr … Das glaubst du doch nicht wirklich ...
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Montag 20. Februar 2017, 21:27

Enveri entging Marukas Unterton nicht und er Rang einige Momente mit sich. Seltsamerweise wirkte er verunsichert und seine Körpersprache verdeutlichte, dass von ihm gerade nicht mehr als Freundschaft zu erwarten war. Dabei hatte er doch gerade im Wasser gerade GANZ anders gewirkt!!! Der Mann schien nicht zu wissen, was er wollte – oder er fürchtete sich davor, den letzten Schritt – nein eigentlich den ERSTEN - zu gehen. So oder so war Marukas Serval äußerst frustriert.
„Ha … das unsere Vergangenheit nicht die Gegenwart bestimmen sollte? Und doch verfolgt sie dich auch noch … nur dass du dich wenigstens lösen konntest.“
Er fuhr sich durch das nasse Haar und stützte seiner Stirn mit den Händen und seuftze. Dann richtete er sich wieder auf und starrte in den Himmel.
„Was dich getroffen hat, war unsäglich und ungerecht, Maruka. Du bist als Unschuldige in die Mühlen des Schicksals geraten … ich hingegen. Ich habe alles verdient, was mir passiert. Ich verdiene schlimmeres!“
Verkündete er mit finsterer Überzeugung. Sein Tonfall hätte auch zu einer Hinrichtung gepasst.

„Es ist … es ist schon ewig her … zumindest, wenn das, was der Wächter gesagt hat stimmt … ich erinnere mich nicht mehr an viel, was in der Zeit dazwischen war.“
Er stockte und schüttelte den Kopf.
„Das ergibt keinen Sinn, vermute ich? Vielleicht beginne ich besser von vorn … ich war ein Druide im Hain von Shyréa, einer Waldelfischen Stadt.“
Er lachte, aber sein Ton klang verbittert.
„Um deinen Faden auf zu greifen: Vor langer Zeit, als ich noch jung, unschuldig und rein war … und in meinem Fall kann ich leider nicht sagen, dass dem noch so ist ...“

Enveri seuftze und fügte wütend hinzu:
„Und man sollte wohl betonen das ich auch leichtgläubig, naiv und viel zu neugierig war.
Jedenfalls konnte ich niemals genug wissen, nie genug erfahren. Ich hatte eine Weile mein Glück mit einer jungen Frau gefunden, aber unsere Wege hatten sich getrennt, weil mir die Magie und die Natur wichtiger als sie waren. Nichts konnte meinen Wissenshunger befriedigen und immer wieder ging ich Risiken ein, um neues zu entdecken.
Als ein menschlicher Magier unsere Stadt besuchte, war ich voll des Interesses und begann, mich mit ihm auszutauschen … er wusste so viel und dachte so anders! Ich war völlig geblendet von seinem Charisma und seiner Klugheit und ließ mich von ihm überreden, ihm bei seinen Forschungen zu helfen. Er sprach davon, dass er die Essenz der Dinge und der Wesenheiten der Natur ergründen wollte und dass er nach Wegen suchte, mit den starken Geistern des Waldes zu kommunizieren.
Wir versuchten es über Wochen hinweg, aber es stellte sich kein Erfolg mit den Methoden …“

Er stockte:
„… mit seinen Metoden ein. Daher versuchte ich es alleine und auf meine Art … weniger Wissenschaftlich und mehr mit dem Herzen. Ich hatte es nicht erwartet, aber ich fand IHN. Ein mächtiger Geist, so wild und frei, so voller Weisheit und so anders als alles, was ich je erlebt hatte. Und trotzdem fühlten wir uns miteinander verbunden. Es waren nicht nur die Dinge die uns verbanden … es war, als würden wir einander ergänzen und wir schlossen Freundschaft.“
Enveri blickte nachdenklich in Richtung Klippe, die Erinnerung ließ ihn lächeln, doch sein Blick verfinsterte sich schnell wieder und er senkte den Kopf.
„Der Magier war äußerst erfreut und bat darum, IHN studieren zu können. ER mochte den Menschen nicht, aber ich konnte ihn überreden, ihn um meinetwillen zu tolerieren.“

Frustriert seufzte er und rieb sich die Stirn.
„Ich hatte es nicht geglaubt, ja niemals in Betracht gezogen dass es jemanden gebe könnte, der nur um Seinetwillen handeln würde! Jemand, dem es egal war, was Anderen passierte, solange es ihm gut ging. Der Geist war klüger als ich und durchschaute den Menschen, aber in meiner Überzeugung riss ich ihn mit, als der Magier uns in eine Falle lockte.“
Der Waldelf zog die Beine an den Körper und schlang seine Arme um seine Knie.
„Ich weis nicht, wie lang er uns gefangen hielt, aber er ... er tat etwas, um die Verbindung zwischen uns zu verstärken und aus zwei Wesen eins zu machen. Wir kämpften … vor allem ER kämpfte um seine Freiheit. Mit jedem Mal, dass er sich mehr befreite, wurde ich schwächer und ER begriff, dass ER mich töten musste, um selbst aus unserem Käfig los zu kommen.“
Enveri holte zittern Luft und fuhr sich mit der Hand über die Augen.

„Also hat ER eine Entscheidung getroffen. ER würde eher die Fesseln akzeptieren, die unsere Verbindung bedeuten würde, als mich zu vernichten. Und so wurden wir eins …“
Ein dicker Klos saß dem Waldelfen im Hals und er schluckte schwer, das Gesicht von Maruka angewandt.
„Der Magier war nicht am Ende angelangt … es reichte ihm nicht, uns zu verbinden … er wollte mehr.“
Schweigen füllte die Nachtluft für einen Augenblick, nur durchbrochen vom munteren zwitschern der Nachttiere und dem plätschern des Sees.
„Er hat das genutzt, was er durch mich erfuhr, um ganz Shyréa auszulöschen… keiner außer mir hat überlebt und nur Phaun ist es zu verdanken, dass er gestoppt werden konnte. Und das alles nur wegen meiner Dummheit. Das Blut Tausender klebt an meinen Händen und ich habe meinen besten Freund … nein, meinen Seelenverwandten dazu verdammt, auf ewig an eine fleischliche Hülle gebunden zu sein.“
Enveri sah Maruka wieder an und seine Augen glitzerten feucht.

„Vor einiger Zeit hätte es jemand fast geschafft, IHN zu erlösen … aber nur fast, und jetzt ist er weiterhin durch mich verdammt … und so sehr ich mich auch bemühe, ihn zu erlösen … er klammert sich noch immer an mir fest.“
Verzweiflung stand dem Waldelfen ins Gesicht geschrieben.
„Ich habe mir nichts mehr gewünscht, als zu sterben … aber jetzt … jetzt will ich Leben. Weil ich ein unsäglicher Egoist bin. Es ist schön, hier bei dir zu sein … das erste Mal seit Jahren fühle ich mich wieder Lebendig und ich kann dich unmöglich hier alleine lassen!“
Er ergriff ihre Hände und sah sie eindringlich an:
„Aber ich kann auch nicht nur um meines eigenen Glückes willen dafür sorgen, dass mein Freund die Ewigkeit in diesem Zustand ertragen muss. Also werde ich alles tun um dir zu helfen die Wunden zu heilen, die deine Vergangenheit dir geschlagen hat – wenn du das jetzt noch willst. Aber danach muss ich es endlich beenden und wenigstens etwas in meinem Leben richtigmachen!“
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Mittwoch 22. Februar 2017, 19:04

((Falling (mit Moya Brennan) Songtext Übersetzung:
Egal wer den Grund findet wenn jemand den Narr rettet, egal wer diesen harten Boden erschüttert, ich weiss, ich werde nicht fallen, egal wer diesen Moment festhält und dann schweigend seines Weges geht, egal, wer mein Herz verletzt, ich weiss ich werde nicht fallen...
Link im Ot-Bereich.))

Enveri wirkte er verunsichert und seine Körpersprache verdeutlichte, dass von ihm gerade nicht mehr als Freundschaft zu erwarten war. Dabei hatte er doch gerade im Wasser gerade GANZ anders gewirkt!!! Der Mann schien nicht zu wissen, was er wollte – oder er fürchtete sich davor, den letzten Schritt – nein eigentlich den ERSTEN - zu gehen. So oder so war Marukas Serval äußerst frustriert.
Er fürchtet sich vor seinem eigenen Schwanz. - Ähm … das war jetzt ...erstaunlich doppeldeutig und zwar im positiven Sinne. Also nicht nur in diesem einen Sinne... Ich weiß, er fürchtet sich vor seinen Instinkten, genauso wie du. Er will nicht Tier sein UND er weiß nicht was er will... genauso wie du... hm.... ja ich weiß, ich arbeite ja dran.
Marukas Mensch war etwas beschämt wegen ihrer eigenen Mutlosigkeit, wenn es diese Dinge anging, aber da gab es so vieles was ihr Angst machte und was es zu bedenken gab.
Was, wenn wir hier etwas anfangen, was er gar nicht will... oder nur zulässt, weil er meint uns damit zu helfen?... so wegen der Rolligkeit und so... Was wenn er uns gar nicht wirklich mag und wir mit unserem Geschmuse alles nur schlimmer machen? Was wenn...Wenn wir uns … wenn wir bei ihm gelegen haben und er es dann bereut? Was wenn er uns dann hier nicht mehr haben will und fort jagt??? Was... Och halte doch mal den Rand!
Maruka wirkte sicher etwas unstet bei diesen Gedanken.
„Ha … das unsere Vergangenheit nicht die Gegenwart bestimmen sollte? Und doch verfolgt sie dich auch noch … nur dass du dich wenigstens lösen konntest.“
Maruka hob überrascht die Brauen?
Ich hab mich lösen können? ...na ja, wenigstens emotional konnte ich ein bisschen was hinter mir lassen. Das Fell konnte ich nicht ablegen.
Er fuhr sich durch das nasse Haar und stützte seiner Stirn mit den Händen und seufzte. Dann richtete er sich wieder auf und starrte in den Himmel. Die Hybridin beobachtete ihn von der Seite. Sie saß neben ihm auf dem warmen Stein und wann immer seine Worte es zuließen leckte sie ihr Fell.
„Was dich getroffen hat, war unsäglich und ungerecht, Maruka. Du bist als Unschuldige in die Mühlen des Schicksals geraten … ich hingegen. Ich habe alles verdient, was mir passiert. Ich verdiene schlimmeres!“
Verkündete er mit finsterer Überzeugung. Sein Tonfall hätte auch zu einer Hinrichtung gepasst und ihr stellten sich die Härchen auf. Da war so viel Selbsthass, dass es ihr den Magen zusammen zog.
„Es ist … es ist schon ewig her … zumindest, wenn das, was der Wächter gesagt hat stimmt … ich erinnere mich nicht mehr an viel, was in der Zeit dazwischen war.“
Er stockte und schüttelte den Kopf.
„Das ergibt keinen Sinn, vermute ich? Vielleicht beginne ich besser von vorn …“
Maruka machte es sich bequem.
„Ich war ein Druide im Hain von Shyréa, einer waldelfischen Stadt.“
Er lachte, aber sein Ton klang verbittert.
„Um deinen Faden auf zu greifen: Vor langer Zeit, als ich noch jung, unschuldig und rein war … und in meinem Fall kann ich leider nicht sagen, dass dem noch so ist ...“
Enveri seufzte und fügte wütend hinzu:
„Und man sollte wohl betonen das ich auch leichtgläubig, naiv und viel zu neugierig war.
Jedenfalls konnte ich niemals genug wissen, nie genug erfahren. Ich hatte eine Weile mein Glück mit einer jungen Frau gefunden, aber unsere Wege hatten sich getrennt, weil mir die Magie und die Natur wichtiger als sie waren. Nichts konnte meinen Wissenshunger befriedigen und immer wieder ging ich Risiken ein, um neues zu entdecken. Als ein menschlicher Magier unsere Stadt besuchte, war ich voll des Interesses und begann, mich mit ihm auszutauschen … er wusste so viel und dachte so anders! Ich war völlig geblendet von seinem Charisma und seiner Klugheit und ließ mich von ihm überreden, ihm bei seinen Forschungen zu helfen. Er sprach davon, dass er die Essenz der Dinge und der Wesenheiten der Natur ergründen wollte und dass er nach Wegen suchte, mit den starken Geistern des Waldes zu kommunizieren. Wir versuchten es über Wochen hinweg, aber es stellte sich kein Erfolg mit den Methoden … mit seinen Methoden ein. Daher versuchte ich es alleine und auf meine Art … weniger wissenschaftlich und mehr mit dem Herzen. Ich hatte es nicht erwartet, aber ich fand IHN. Ein mächtiger Geist, so wild und frei, so voller Weisheit und so anders als alles, was ich je erlebt hatte. Und trotzdem fühlten wir uns miteinander verbunden. Es waren nicht nur die Dinge die uns verbanden … es war, als würden wir einander ergänzen und wir schlossen Freundschaft.“

Enveri blickte nachdenklich in Richtung Klippe, die Erinnerung ließ ihn lächeln, doch sein Blick verfinsterte sich schnell wieder und er senkte den Kopf.
„Der Magier war äußerst erfreut und bat darum, IHN studieren zu können. ER mochte den Menschen nicht, aber ich konnte ihn überreden, ihn um meinetwillen zu tolerieren.“
Frustriert seufzte er und rieb sich die Stirn. Maruka war inzwischen nah an ihn heran gerückt und streichelte zärtlich seinen Unterarm.
„Ich hatte es nicht geglaubt, ja niemals in Betracht gezogen dass es jemanden gebe könnte, der nur um Seinetwillen handeln würde! Jemand, dem es egal war, was Anderen passierte, solange es ihm gut ging. Der Geist war klüger als ich und durchschaute den Menschen, aber in meiner Überzeugung riss ich ihn mit, als der Magier uns in eine Falle lockte.“
Der Waldelf zog die Beine an den Körper und schlang seine Arme um seine Knie. Maruka reagierte sofort. Sie konnte ihn jetzt nicht nicht umarmen! Mit einer fließenden Bewegung öffnete sie ihren Körper für ihn, schwang ein Bein hinter ihn und schob das andere vor ihn, Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und schlag auch ihre Arme um seinen Leib.
„Ich weis nicht, wie lang er uns gefangen hielt, aber er ... er tat etwas, um die Verbindung zwischen uns zu verstärken und aus zwei Wesen eins zu machen. Wir kämpften … vor allem ER kämpfte um seine Freiheit. Mit jedem Mal, dass er sich mehr befreite, wurde ich schwächer und ER begriff, dass ER mich töten musste, um selbst aus unserem Käfig los zu kommen.“
Enveri holte zittern Luft und fuhr sich mit der Hand über die Augen, während sie ihn einfach nur fest hielt und gleichzeitig versuchte einen gemeinsamen Nenner in diesen beiden Geschichten zu finden.
Irgendwie bin ich verwirrt... ich dachte, das ganze hätte irgendwas mit Phaun zu tun gehabt? Mist, mein Gedächtnis ist echt nicht das beste... wie war das bei Pantherchen?... Ich krieg das einfach nicht zusammen gereimt!
„Also hat ER eine Entscheidung getroffen. ER würde eher die Fesseln akzeptieren, die unsere Verbindung bedeuten würde, als mich zu vernichten. Und so wurden wir eins …“
Es war seine Entscheidung.
Ein dicker Klos saß dem Waldelfen im Hals und er schluckte schwer, das Gesicht von Maruka angewandt, aber das machte nichts. Auch wenn sie das ganze nicht gänzlich verstand, sie war für ihn da. Sie lag mit ihre Wange auf seinem Rücken und ließ ihn reden. Ein Bein hatte sie hinter seinem Rücken angewinkelt, stützte ihn, das andere lag seitlich ausgestreckt vor seinen angewinkelten Beinen. Sie hatte ihn quasi in die Schere genommen. Es fiel ihr überhaupt nicht ein, dass sie ihm schon wieder viel zu nah war... und ausnahmsweise schwieg ihre Katze. Der Mensch wollte den Mann einfach nur trösten, ihn halten, selbst wenn die Glut noch im Hintergrund lauerte. Sie konnte ihn jetzt nicht loslassen. Sie wollte es auch nicht!
„Der Magier war nicht am Ende angelangt … es reichte ihm nicht, uns zu verbinden … er wollte mehr. Er hat das genutzt, was er durch mich erfuhr, um ganz Shyréa auszulöschen… keiner außer mir hat überlebt und nur Phaun ist es zu verdanken, dass er gestoppt werden konnte...“
Ah ...hier taucht Phaun auf ...aber irgendwie versteh ich das immernoch nicht.
„...Und das alles nur wegen meiner Dummheit. Das Blut Tausender klebt an meinen Händen und ich habe meinen besten Freund … nein, meinen Seelenverwandten dazu verdammt, auf ewig an eine fleischliche Hülle gebunden zu sein.“
Aber warum macht ihr dann nicht das Beste daraus und arbeitet zusammen?
Schweigen füllte die Nachtluft für einen Augenblick, nur durchbrochen vom munteren zwitschern der Nachttiere und dem plätschern des Sees. Enveri hob seinen Kopf und die Hybridin folgte seiner Bewegung um ihn anzusehen. Seine Augen glitzerten feucht. Sie rutschte um ihn herum und drückte sich verzweifelt an seine Seite. Dieses Leid zu sehen ging ihr fast zu nah. Sie presste die Lippen aufeinander.
Nicht w...
„Vor einiger Zeit hätte es jemand fast geschafft, IHN zu erlösen … aber nur fast, und jetzt ist er weiterhin durch mich verdammt … und so sehr ich mich auch bemühe, ihn zu erlösen … er klammert sich noch immer an mir fest.“
Verzweiflung stand dem Waldelfen ins Gesicht geschrieben. Auch Maruka 'klammerte' sich an seinen Oberarm und rieb ihre Wange an seiner Schulter, als könnte ihre Nähe ihm vielleicht ein wenig Trost spenden.
„Ich habe mir nichts mehr gewünscht, als zu sterben …“
Du glaubst wirklich, das das helfen würde? Das das die Lösung ist?
„... aber jetzt … jetzt will ich Leben. Weil ich ein unsäglicher Egoist bin. Es ist schön, hier bei dir zu sein … das erste Mal seit Jahren fühle ich mich wieder lebendig und ich kann dich unmöglich hier alleine lassen!“
Die einfachen Worte drangen besser als alles davor in ihren Geist und ließen sie ein klein bisschen verlegen lächeln. Er ergriff ihre Hände und sah sie eindringlich an:
„Aber ich kann auch nicht nur um meines eigenen Glückes willen dafür sorgen, dass mein Freund die Ewigkeit in diesem Zustand ertragen muss. Also werde ich alles tun um dir zu helfen die Wunden zu heilen, die deine Vergangenheit dir geschlagen hat – wenn du das jetzt noch willst. Aber danach muss ich es endlich beenden und wenigstens etwas in meinem Leben richtigmachen!“
Maruka legte wieder ihre Wange an seine Schulter, dieses Mal nur mit dem Gesicht nach vorne, damit sie ihn von unten aus ihren silberblauen Augen ansehen konnte. Eine Weile schwiegen sie und die jung Frau genoss einfach nur die Stille und die Nähe. Dann, nach ein paar langen Atemzügen, wie um Mut einzuatmen, flüstere sie leise:
„Die Ewigkeit .. das ist eine lange Zeit... und so lange werde ich sicher nicht hier sein.“
Sie hob ihre langen Wimpern und blinzelte ihm zu.
„Wenn du von einer Ewigkeit sprichst, dann ist das für mich mehr als ein Leben. Du und der Waldgeist... Ihr werdet noch hier sein, wenn ich schon lange fort bin und am Tisch meiner Ahnen speise. Im Vergleich zu deiner und seiner Lebensspanne bin ich nur eine kurze Verwirrung, eine Schneeflocke die vergeht, ein Blatt das vorüber weht, also mach dir darum keine Sorgen.“
Ihre Finger spielten auf seinem Rücken mit den Längen seiner Haare und drehten sie zu kleinen Kordeln.
„Ich muss gestehen.... vieles von deiner Geschichte verstehe ich nicht. Das ist mir alles viel zu … magisch? Ich kenne mich mit so etwas nicht aus und es verwirrt mich, aber eins weiß ich ganz genau!...“
Sie richte sich ein kleines Stück an ihm auf, sodass sie ihn direkt ansehen konnte und unbewusst auch ein klein klein bisschen ihre Brüste gegen ihn drückte.
„Du irrst dich! Wirklich! Denn … ich mag dich noch immer!“
Sie legte ihr Kinn auf seiner Schulter ab und drückte ihr Nase in die Mulde seiner Halsbeuge, dorthin, wo er so gut roch und alle seine Aromen sich zu einer einzigen Symphonie für ihre Sinne verbanden... dort, wo Revien vielleicht noch in ihm lebte.
„...und weist du wieso das so ist?“
Ihre leicht raue Zunge leckte flüchtig über seine Haut.
„Du würdest eben niemals etwas nur für dich tun, nur um deinetwillen. Du denkst an mich, an IHN, an die Vergangenheit, an das was geschehen ist und an das was sein könnte. Du lebst nicht nur für dich, aber ...du lebst auch nicht für uns.“
Das war ein hartes Urteil, aber so fühlte Maruka. Er verschloss sich vor dem Leben, wollte sich für etwas bestrafen, dass er nicht mehr ändern konnte, anstatt den Versuch zu wagen, es wieder gut zu machen. Aber war es so einfach? Sicher nicht.
„Ich kann dir nicht sagen, was das richtige für dich ist... ob dein Tod deinen Freund erlösen würde, wie du anscheinend glaubst...“
Maruka schluckte bei dem Thema schwer. Natürlich wollte sie nicht das IRGENDJEMAND sterben musste, damit jemand anders leben konnte.
„Ich weiß nichts über die Grauen, die du erlebt hast, aber ich kann dir helfen hier und jetzt ein bisschen mehr der Mann zu werden, der du sein möchtest.“
Sie rieb ihren kleinen Nasenrücken an seiner Halsschlagader, lauschte seinem Puls und trank seinen Duft. Ihre Stimme klang an seinem Hals etwas gedämpft.
„Ich denke nicht so weit in die Zukunft wie du. Ich gehe jedes Problem einzeln an und irgendwie wird der Berg dabei auch kleiner.“
Sie leckte seinen Hals hinauf, bis zu der Stelle unter seinem Ohr, wo er ins Kinn über ging und drückte ihn etwas fester um in kleinen kurzen Zügen sich dieser Stelle intensiver zu widmen. Irgendwie hatten sie ihre Sinne in eine Falle gelockt, aus der sie sich gerade nicht befreien konnte. Die Katze in ihr hatte sich die ganze Zeit selbst geputzt und sich nur um sich selbst gekümmert, aber in diesem Moment schwappten die Gefühle ineinander und verbanden sich zu dem Wunsch sich um ihn zu kümmern. Nur ihre leisen Worte unterbrachen die liebevolle Behandlung, die langsam hinter sein Ohr in seinen Nacken wanderte, immer den Haaransatz entlang. Ihr Instinkt war gerade mehr auf 'Umsorgen' fokussiert, dass sie die kleinen erotischen Warnzeichen nicht wahr nahm. Sie benahm sich wie eine Katzenmutter die ihre Kitten putzte, nur das sie das eben nicht war.
„Ich bleibe hier, solange du mich ertragen kannst. Ich will … ich will heil werden. Ich möchte mich gut fühlen. Ich will nicht nur überleben! Ich will leben! Wenn du mir dabei helfen kannst, dann nehme ich gerne diese Hilfe an. Da bin ich auch ganz und gar egoistisch!“
Sie schmunzelte in seinem Nacken und wanderte langsam die Strecke zurück, die sie von seinem Kinn genommen hatte.
„Und ich möchte dir helfen... ich werde dich nicht fallen lassen.“
Der Weg seine Wange hinauf war sehr verlockend und seine Schläfe rief nach ihrer Behandlung, doch dafür war sie zu klein und saß zu tief. Die Verlockung sich auf seinen Schoß zu setzten war gewaltig und ihr Gehirn gerade zu beschäftigt um die Gefahr zu wittern. Sie streckte sich, drückte sich mit dem hinteren Bein hinter ihm leicht in die Höhe und begann sich an ihm hinauf zu arbeiten.
..putzen...putzen...putzen...putzen...putzen... ...putzen... Was wollte ich gerade sagen?
Wenn er nur seine Knie senken würde. Die waren im Weg und sie müsste komplett aufstehen um sich …
Himmel ist das schön! WAS MACH ICH DENN DA?
Maruka stockte und hielt mitten in der Bewegung inne. Ihre rosa Zunge lugte ein winziges Stück zwischen ihren Lippen hervor. War sie zu weit gegangen? Würde er sie jetzt weg schubsen? Das wäre noch nicht einmal schlimm, aber die Furcht, dass sie etwas viel fragiler-es als ihre körperliche Anziehung zerstört hatte ließ ihr Herz zusammen krampfen.
Oh nein!
Vorsichtig streckte sie ihre Sinne aus ihrem Innern wieder nach außen und versuchte auszumachen, wie Enveri auf ihre gut gemeinte Behandlung reagiert hatte. Ihr Mund klappte schon bereit für eine Entschuldigung auf.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Montag 27. Februar 2017, 18:49

Noch immer angeheizt von ihrem in Wallung geratenen Blut und Enveris Flirt konnte Maruka nicht so recht die Finger von dem Waldelfen lassen. Selbst, als sich seine Stimmung verfinsterte und er kaum auf ihre Körpernähe reagierte. Aber das war die Art, wie sie Trost spendete … und sie war trotz allem noch etwas … außerhalb der Spur. Und was wussten Servals schon von Herzschmerz und Krisen?

Maruka legte wieder ihre Wange an seine Schulter, dieses Mal nur mit dem Gesicht nach vorne, damit sie ihn von unten aus ihren silberblauen Augen ansehen konnte. Eine Weile schwiegen sie und die jung Frau genoss einfach nur die Stille und die Nähe. Dann, nach ein paar langen Atemzügen, wie um Mut einzuatmen, flüstere sie leise:
„Die Ewigkeit .. das ist eine lange Zeit... und so lange werde ich sicher nicht hier sein.“
Sie hob ihre langen Wimpern und blinzelte ihm zu.


Der Waldelf wirkte ernst und traurig und sah mit leerem Gesicht zu ihr herab.

„Wenn du von einer Ewigkeit sprichst, dann ist das für mich mehr als ein Leben. Du und der Waldgeist... Ihr werdet noch hier sein, wenn ich schon lange fort bin und am Tisch meiner Ahnen speise. Im Vergleich zu deiner und seiner Lebensspanne bin ich nur eine kurze Verwirrung, eine Schneeflocke die vergeht, ein Blatt das vorüber weht, also mach dir darum keine Sorgen.“
Ihre Finger spielten auf seinem Rücken mit den Längen seiner Haare und drehten sie zu kleinen Kordeln.


Was recht gut funktionierte, da sie noch immer nass waren und recht schnell zusammenklebten. Es würde ein Alptraum werden, sie wieder zu entwirren – aber es machte Spaß und Enveri reagierte noch immer kaum darauf.
„Für IHN ist es eine Ewigkeit … ich … ich erinnere mich kaum an mehr, als dass, was ich dir erzählt habe – und ich weiß nicht, wie ich die Ewigkeit ertragen soll! Davon ab. Ein Leben an seiner Dauer zu messen ist töricht. Ich kann unendlich Leben und trotzdem wird meine Existenz nur Tod und verderben hinterlassen – sogar noch nachdem ich fort bin. Ich hätte dieser Welt mehr gegeben, wäre ich damals Gestorben bevor … bevor … das alles passierte.“
Maruka fuhr fort:

„Ich muss gestehen.... vieles von deiner Geschichte verstehe ich nicht. Das ist mir alles viel zu … magisch? Ich kenne mich mit so etwas nicht aus und es verwirrt mich, aber eins weiß ich ganz genau!...“
Sie richte sich ein kleines Stück an ihm auf, sodass sie ihn direkt ansehen konnte und unbewusst auch ein klein klein bisschen ihre Brüste gegen ihn drückte.


Enveri wich ein Stück zurück.

„Du irrst dich! Wirklich! Denn … ich mag dich noch immer!“
Sie legte ihr Kinn auf seiner Schulter ab und drückte ihr Nase in die Mulde seiner Halsbeuge, dorthin, wo er so gut roch und alle seine Aromen sich zu einer einzigen Symphonie für ihre Sinne verbanden... dort, wo Revien vielleicht noch in ihm lebte.


Der Waldelf versteifte sich und schob den Kopf etwas zurück, wie um ihr aus zu weichen. Sein Geruch war jetzt Anders … fast ohne das wilde Aroma des Panthers, das ihn sonst begleitete. Vermutlich mied der Geist die düsteren Gedanken des Elfen.

„...und weist du wieso das so ist?“
Ihre leicht raue Zunge leckte flüchtig über seine Haut.


Enveri holte zischend Luft.

„Du würdest eben niemals etwas nur für dich tun, nur um deinetwillen. Du denkst an mich, an IHN, an die Vergangenheit, an das was geschehen ist und an das was sein könnte. Du lebst nicht nur für dich, aber ...du lebst auch nicht für uns.“
Das war ein hartes Urteil, aber so fühlte Maruka. Er verschloss sich vor dem Leben, wollte sich für etwas bestrafen, dass er nicht mehr ändern konnte, anstatt den Versuch zu wagen, es wieder gut zu machen. Aber war es so einfach? Sicher nicht.
„Ich kann dir nicht sagen, was das richtige für dich ist... ob dein Tod deinen Freund erlösen würde, wie du anscheinend glaubst...“
Maruka schluckte bei dem Thema schwer. Natürlich wollte sie nicht das IRGENDJEMAND sterben musste, damit jemand anders leben konnte.
„Ich weiß nichts über die Grauen, die du erlebt hast, aber ich kann dir helfen hier und jetzt ein bisschen mehr der Mann zu werden, der du sein möchtest.“
Sie rieb ihren kleinen Nasenrücken an seiner Halsschlagader, lauschte seinem Puls und trank seinen Duft.


Sein Puls schlug schneller und seine Atmung ging stockend, aber statt der erwarteten Lust roch sie Angst an ihm.

Ihre Stimme klang an seinem Hals etwas gedämpft.
„Ich denke nicht so weit in die Zukunft wie du. Ich gehe jedes Problem einzeln an und irgendwie wird der Berg dabei auch kleiner.“
Sie leckte seinen Hals hinauf, bis zu der Stelle unter seinem Ohr, wo er ins Kinn über ging und drückte ihn etwas fester um in kleinen kurzen Zügen sich dieser Stelle intensiver zu widmen. Irgendwie hatten sie ihre Sinne in eine Falle gelockt, aus der sie sich gerade nicht befreien konnte. Die Katze in ihr hatte sich die ganze Zeit selbst geputzt und sich nur um sich selbst gekümmert, aber in diesem Moment schwappten die Gefühle ineinander und verbanden sich zu dem Wunsch sich um ihn zu kümmern. Nur ihre leisen Worte unterbrachen die liebevolle Behandlung, die langsam hinter sein Ohr in seinen Nacken wanderte, immer den Haaransatz entlang. Ihr Instinkt war gerade mehr auf 'Umsorgen' fokussiert, dass sie die kleinen erotischen Warnzeichen nicht wahr nahm. Sie benahm sich wie eine Katzenmutter die ihre Kitten putzte, nur das sie das eben nicht war.


Enveri hatte sich inzwischen so sehr verspannt, dass er sich eher nach einem Brett als nach einem Waldelfen anfühlte und er wich ihr immer weiter aus … was dazu führte dass er nun halb lag, weil Maruka ihm immer weiter nach strebte.

„Ich bleibe hier, solange du mich ertragen kannst. Ich will … ich will heil werden. Ich möchte mich gut fühlen. Ich will nicht nur überleben! Ich will leben! Wenn du mir dabei helfen kannst, dann nehme ich gerne diese Hilfe an. Da bin ich auch ganz und gar egoistisch!“
Sie schmunzelte in seinem Nacken und wanderte langsam die Strecke zurück, die sie von seinem Kinn genommen hatte.
„Und ich möchte dir helfen... ich werde dich nicht fallen lassen.“
Der Weg seine Wange hinauf war sehr verlockend und seine Schläfe rief nach ihrer Behandlung, doch dafür war sie zu klein und saß zu tief. Die Verlockung sich auf seinen Schoß zu setzten war gewaltig und ihr Gehirn gerade zu beschäftigt um die Gefahr zu wittern. Sie streckte sich, drückte sich mit dem hinteren Bein hinter ihm leicht in die Höhe und begann sich an ihm hinauf zu arbeiten.
Wenn er nur seine Knie senken würde. Die waren im Weg und sie müsste komplett aufstehen um sich …
Maruka stockte und hielt mitten in der Bewegung inne. Ihre rosa Zunge lugte ein winziges Stück zwischen ihren Lippen hervor. War sie zu weit gegangen? Würde er sie jetzt weg schubsen? Das wäre noch nicht einmal schlimm, aber die Furcht, dass sie etwas viel fragiler-es als ihre körperliche Anziehung zerstört hatte ließ ihr Herz zusammen krampfen.
Vorsichtig streckte sie ihre Sinne aus ihrem Innern wieder nach außen und versuchte auszumachen, wie Enveri auf ihre gut gemeinte Behandlung reagiert hatte. Ihr Mund klappte schon bereit für eine Entschuldigung auf.


Die Indizien dafür, dass Enveri ihre Behandlung weder Dankbar wie ein Kitten, noch wollüstig wie ein Liebhaber aufnahm, waren da gewesen, sie hatte sie einfach nicht registriert – oder wahrhaben wollen.
Mit zitternden Händen schob er sie von sich fort. Nicht grob aber bestimmt. Sein Gesicht war eine Maske aus Ablehnung und Entsetzen. Er hatte alle Farbe verloren und das grün seiner Augen war zu einem dünnen Ring geworden, denn seine Pupillen waren Schreck geweitet.
„Lass das, geh von mir weg!“
Keuchte er und stand auf, um Abstand zwischen sie beide zu bringen. Alles an ihm schrie danach, dass sie gerade seine persönliche Grenze überrollt hatte und er sich äußerst unwohl fühlte. Aber das war nicht alles. Er hatte Angst und Maruka konnte sich einfach nicht erklären, wie sie DIESES Gefühl in ihm ausgelöst haben konnte.
Natürlich war es unklug gewesen, einem Erwachsenen Mann die Behandlung eines Kitten angedeihen zu lassen – genauso, wie einem Mann erotische Avancen zu machen, während er offensichtlich von einem Erlebnis berichtete, das ihn zutiefst Traumatisiert hatte. In Retrospektive fielen da bei ihr einige Groschen, aber sie hatte es ja nur gut gemeint!
„Ich kann das nicht, Maruka!“
Er stolperte zwei weitere Schritte zurück. Und raufte sich das, dank Maruka ziemlich verknotete, Haar.
„Die Erinnerungen … ich sehe alles so, als wäre es gestern gewesen …“
Er schüttelte den Kopf, so als müsste er Bilder, die ihm vor Augen standen, vertreiben. Sie musste etwas in ihm ausgelöst haben, eine Erinnerung, nichts sonst konnte diese heftige Reaktion erklären.
Er ging auf und ab und drehte sich dann abrupt wieder zu ihr.
„Du … und alle anderen … das ist meine Schuld. Ich bin der Grund dafür, dass du jetzt Sklave deiner Instinkte bist! Wäre ich nicht gewesen, hättest du noch eine Chance darauf, ein Mensch zu sein!!!“
Seine Stimme wurde mit jedem Wort lauter.
„Ich sehe sie alle noch vor mir ... ich war so erleichtert, dass sie überlebt hatten. Aber dann … das Virus hat sie in den Wahnsinn getrieben! Sie hatten dem Tier nachgegeben und nichts war mehr übrig von ihnen …. Sie töteten einfach nur noch wahllos!!!“
Heulte er auf und starrte dann Maruka an, als würde er genau dasselbe von ihr erwarten. Als würde er sich WÜNSCHEN, dass sie genau das tat. Verzweiflung und Wahnsinn blitzen in seinen Augen. Der Panther hatte nicht gelogen, als er davon sprach, dass Enveri gebrochen war. Und jetzt endlich durchbrach diese Erkenntnis auch den roten Nebel aus Lust, der den Serval im Griff hielt. Wenn sie eine schnelle Erlösung suchte, musste sie sich diese an anderer Stelle suchen.
Aber was würde das für Maruka bedeuten? Konnte sie weiterhin blind den Instinkten ihres Tieres folgen und sich das erwünschte Vergnügen suchen? Der Serval mochte in wenigen Tagen wieder ruhiger werden, aber die Konsequenzen ihres Handelns würden Maruka womöglich länger folgen.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Montag 27. Februar 2017, 20:47

Die Indizien dafür, dass Enveri ihre Behandlung weder dankbar wie ein Kitten, noch wollüstig wie ein Liebhaber aufnahm, waren da gewesen, sie hatte sie einfach nicht registriert. Ein Teil von ihr war zu abgelenkt gewesen und der andere hatte sie vielleicht nicht wahrhaben wollen. Ihr Mund hatte sich schon zu einer Entschuldigung geöffnet, da schob er sie ´mit zitternden Händen von sich fort. Nicht grob aber bestimmt.
Was...?
Sein Gesicht war eine Maske aus Ablehnung und Entsetzen. Er hatte alle Farbe verloren und das grün seiner Augen war zu einem dünnen Ring geworden, denn seine Pupillen waren Schreck geweitet.
„Lass das, geh von mir weg!“
Keuchte er und stand auf, um Abstand zwischen sie beide zu bringen. Alles in ihr schrie, dass sie gerade seine persönliche Grenze überrollt hatte und er sich äußerst unwohl fühlte. Maruka krümmte sich zusammen, schlang die Arme um sich und murmelte leise:
„Entschuldige... das war nichts so gemeint, ich wollte doch nur...“
Weiter kam sie nicht.
Warum hab ich das gemacht?! Warum musste das so falsch sein? Das ist alles so schwer... so verwirrend! Er mag mich nicht... nicht so...
Aber das war nicht alles. Er hatte Angst und Maruka konnte sich einfach nicht erklären, wie sie DIESES Gefühl in ihm ausgelöst haben konnte.
Warum? Ich versteh das nicht! Angst... ich rieche sie...
Natürlich war es unklug gewesen, einem erwachsenen Mann die Behandlung eines Kitten angedeihen zu lassen – genauso, wie einem Mann erotische Avancen zu machen, während er offensichtlich von einem Erlebnis berichtete, das ihn zutiefst traumatisiert hatte. In Retrospektive fielen da bei ihr einige Groschen, aber sie hatte es ja nur gut gemeint! Der Fehler war trotzdem passiert und sie wusste nun einfach nicht, wie sie es wieder gut machen konnte.
Ich wollte doch nur, dass er sich besser fühlt...und ich hab es schlimmer gemacht! Ich bin so....so...
Sie hockte auf dem warmen Stein und er stand vor ihr. Ihr Schwanz peitschte aufgelöst hin und her, da sie nun nicht mehr wusste was falsch und was richtig war. Ihr Herz drückte dumpf gegen ihren Brustkorb und sie spürte einen dicken Klos in ihrem Hals aufsteigen. Vergessen war die Wärme seines Körpers, da war nur noch dieser beißende Klang seiner Stimme und die Kälte, die er über sie aus goss.
„Ich kann das nicht, Maruka!“
Er stolperte zwei weitere Schritte zurück. Und raufte sich das, dank Maruka ziemlich verknotete, Haar.
„Die Erinnerungen … ich sehe alles so, als wäre es gestern gewesen …“
Was hab ich getan??? Du wolltest helfen... wir wollten für ihn da sein...
Er schüttelte den Kopf, so als müsste er Bilder, die ihm vor Augen standen, vertreiben. Sie musste etwas in ihm ausgelöst haben, eine Erinnerung, nichts sonst konnte diese heftige Reaktion erklären.
Was sieht er? An was erinnert er sich? Was hab ich falsch gemacht?
Er ging auf und ab und drehte sich dann abrupt wieder zu ihr. Maruka zuckte sogar leicht wegen der schnellen Bewegung zusammen und starrte ihn dann mit großen Augen an. Auch sie hatte nun Angst.
„Du … und alle anderen …“
Allein der Auftakt seiner Worte wirkten wie eine Peitsche auf die Hybridin, die sich sowieso gerade mehr als schuldig fühlte. Maruka glaubte zu wissen, was er ihr jetzt vorwerfen würde.
Und alle andern Hybriden! Ihr seid Missgeburten! Dass ich an allem schuld bin, dass sie verschwinden solle und dass ...
„... das ist meine Schuld. Ich bin der Grund dafür, dass du jetzt Sklave deiner Instinkte bist! ...“
Was? ...Mooooment!
„...Wäre ich nicht gewesen, hättest du noch eine Chance darauf, ein Mensch zu sein!!!“
Blödsinn! Ein Serval hat mich gebissen, nicht du!
Marukas Geist brauchte Zeit um das Gesagte zu verarbeiten, doch Seine Stimme wurde mit jedem Wort lauter und Maruka legte die Ohren an. Sie zog den Kopf zwischen die Schultern. Ihre feinen Sinne vibrierten beim Klang seiner aufgebrachten Stimme. Sein Worte schlugen nach ihr, aber sie verstand den Sinn nicht und langsam würde der Klos in ihrem Hals immer fester. Sie versuchte ihn hinunter zu schlucken.
„Ich sehe sie alle noch vor mir ... ich war so erleichtert, dass sie überlebt hatten. Aber dann … das Virus hat sie in den Wahnsinn getrieben!...“
Was für... Ein Virus? Meint er... Er? Aber...
„...Sie hatten dem Tier nachgegeben und nichts war mehr übrig von ihnen …. Sie töteten einfach nur noch wahllos!!!“
Enveri heulte auf und starrte dann Maruka an, als würde er genau dasselbe von ihr erwarten. Als würde er sich WÜNSCHEN, dass sie genau das tat. Verzweiflung und Wahnsinn blitzen in seinen Augen. Der Panther hatte nicht gelogen, als er davon sprach, dass Enveri gebrochen war. Und jetzt endlich durchbrach diese Erkenntnis auch den roten Nebel aus Lust und Hormonen, der den Serval im Griff gehalten hatte und den Menschen in ihr begriffsstutzig gemacht hatte. Endlich begriff auch die Katze, was der Mensch schon geahnt hatte. Wenn sie eine schnelle Erlösung suchte, musste sie sich diese an anderer Stelle suchen.
Doch das war inzwischen vollkommen nebensächlich! Hier war eine leidende Seele wie sie und das tat ihr weh. Hier war ein Freund, der Hilfe brauchte. Nur schrie er sie an ...und Maruka wusste gerade nicht, ob sie anfangen sollte zu weinen, ob sie davon laufen sollte, oder... die Konsequenzen ihres Handelns würden Maruka womöglich länger folgen. Spätestens Enveris Aufheulen hatte jedoch alle Hitze in ihr getötet. Die Katze war verjagt und der Mensch war... vollkommen perplex. Eine bessere emotionale kalte Dusche hatte er ihr nicht verpassen können. Die Selbstvorwürfe die sich machte, gepaart mit instinktiven irrationalen Ängsten vor seiner Wut, der Vorwurf in seinen Augen und die unterschwellige Herausforderung, das alles wirbelte wild in ihr durcheinander. Es gab nur ein Problem! Sie fühlte sich durchaus angegriffen und jede Faser ihres Seins, so rational, empathisch und klug sie sonst hätte handeln wollen, so sehr hatte sie sich auch geschworen, sich nie wieder kampflos zu ergeben. Seine letzten Worte hatten sie angegriffen und lösten einen Reflex aus. Vermutlich hatte er genau das sogar gewollt, aber im Moment konnte die Hybridin das nicht unterscheiden. Sie war ein Kind Mantrons, eine der Tapferen, eine Überlebene und kein Wesen, dass wahllos tötete! Wut kochte in ihr hoch! Plötzlich war sie auf den Beinen und direkt vor ihm. Ob Eva jemals ihren Adam mit einem Nudelholz verdroschen hatte? Maruka hätte jetzt gern eins gehabt. Ihre Augen fixierten seine und der Streit im Paradies brach los.
„ICH TÖTE NICHT WAHLLOS!“
Maruka schubste Enveri gegen die Brust; nicht doll, aber doch merklich, dass er nach hinten getrieben wurde.
„TIERE TÖTEN NIEMALS WAHLLOS! SIE TÖTEN UM ZU ÜBERLEBEN! GERADE DU...“
Schubs.
„...SOLLTEST DAS WISSEN! Druide! DU, DER DEN WEG DER NATUR KENNEN SOLLTE! NUR MENSCHEN... ODER BÖSE ELFEN TÖTEN WAHLLOS.“
Schubs.
„ICH WÜRDE NIE OHNE EINEN GRUND EIN LEBEN NEHMEN! NIEMALS ABSICHTLICH!“
Schubs. Maruka geriet tatsächlich ein 'wenig' in Rage.
„Ich bin so wie ich bin und DU hast mich gerade ausschließlich wie ein TIER behandelt!“
Schubs.
„DU bist nicht schuld, dass ich so bin! DU hast mich nicht entführt! DU hast mich nicht gebissen! Und … wenn du den Virus irgendwie gemacht hast, der dafür verantwortlich ist, dann tut es dir leid!“
Schubs. ...Der See lag nun wieder sehr nah hinter Enveris Füßen.
„Weist du was? Es tut MIR wirklich aufrichtig LEID, dass ich dir zu nah getreten bin. Ich hab mich im Moment nicht gut unter Kontrolle.. das geht vorbei, aber ICH werde dich bestimmt nicht von deinem Leid erlösen! Durch mich geht das NICHT vorbei!“
SCHUBS! Maruka beobachtete, wie Enveri rückwärts ins Wasser klatschte. Am liebsten hätte sie ihm noch ein zwei Backpfeifen mitgegeben, aber durch ihre Krallen hatte sie gelernt, dass DAS wirklich keine gute Idee war! Mit in die Hüften gestemmten Armen stand sie da und wartete, dass er wieder Luft hatte und sie hörte.
„Und JETZT geh ich jagen! Folge mir nicht! Ich muss mich beruhigen und ich muss diesen Ärger los werden! Danach komme ich wieder, weil ich dich immernoch mag! Wehe du bist dann nicht hier!“
'Irrationale Katze!' So etwas in der Art musste gerade auf Marukas Stirn in Leuchtbuchstaben erschienen sein. Versteh einer die Frauen... und Maruka diente nun mal im doppelten Sinne der göttlichen Weiblichkeit. Erst der aufbrausenden Ventha und jetzt der undurchsichtigen Manthala. Doch genauso schnell wie die Wut gekommen war, genauso schnell konnte sie auch wieder verpuffen.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Freitag 3. März 2017, 22:50

Das Feuer Manthrons brannte hell in Maruka und ihr Temperament lebte auf. Es war lange her, dass die junge Frau sich erlaubt hatte, zornig zu sein. Dass sie es sich erlauben konnte! Aber etwas hatte sich verändert, so dass sie wieder mehr sie selbst wurde.

Enveri bot wenig Widerstand. Unzufrieden stellend wenig Widerstand. Jeder Schubser und jedes Wort ließen ihn zusammenzucken und helle Panik stand ihm im Gesicht. Maruka musste sich arg beherrschen um das Leichtgewicht vor ihr nicht versehentlich um zu werfen, obwohl sie ihren Zorn schon jetzt zügelte und kaum kraft aufwandte. War das noch dieselbe Person, mit der sie sich wenige Minuten zuvor noch ein Wettschwimmen geliefert hatte?
Wenigstens der Schubser ins Wasser änderte kurzzeitig Enveris entsetzen Gesichtsausdruck. Verblüfft blinzelte er und musterte einen Moment lang das Wasser bevor er verdattert zu der im Aufbruch begriffenen Maruka hinaufsah. Das kühle Nass hatte ihn zurück aus der Spirale der Angst ins Jetzt geholt. Trotzdem roch er noch stark nach Furcht und jedweder Geruch des Panthers hatte ihn verlassen.
Nun blieb nur zu hoffen, dass er wieder bei sich war, wenn Maruka zurückkehrte – und wohl auch, dass er überhaupt da war, wenn sie wiederkam. Aber hatte er da so viele Wahlmöglichkeiten? Im Schlimmsten Fall würde sie sich mit ‚Pantherchen‘ auseinandersetzen müssen.

Wie genau hatte sie sich in ihn vergucken können?! Der Mann da vor ihr war ein Schatten seiner selbst, nicht im Geringsten in der Lage alleine zu überleben. Und dann erinnerte sie sich, dass er anziehend gewesen war, wenn ihm der Panther nahe war. Bedeutete das jetzt, dass sie eigentlich Interesse am Waldgeist hatte, oder waren es wirklich die Beiden zusammen gefügten Hälften, die ihr Interesse geweckt hatten?
Jedenfalls war diese hrmm … Unternehmung wenig hilfreich gewesen, um Panther und Waldelf einander an zu nähern, zumindest, wenn man Schlüsse aus dem Geruch und Enveris verhalten ziehen konnte.
Dafür hatte es ihr zu einem weiteren Schritt in ihrer Entwicklung verholfen! So zornig sie auch war, sie fühlte sich befreit und Stark. So lange schon war sie herum geschubst worden, hatte sich drangsalieren lassen und jeden Schlag unbeantwortet gelassen! Endlich wehrte sie sich und stand für sich ein. Und das wahrhaftig, denn die Akzeptanz sich selbst gegenüber war echt. Sie war in Ordnung, wie sie war und sie ließ sich von niemandem etwas Anderes sagen!!!
Sie lief in den Wald und fühlte sich Größer, als sie die Lichtung betreten hatte. Ja, sie hatte bei Enveri nicht viel erreicht, aber sie war an sich selbst gewachsen. Und etwas sagte ihr, dass beim nächsten Mal, wenn jemand schlecht mit ihr umging, sie die passende Antwort haben würde.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Dienstag 7. März 2017, 11:03

Laufen... laufen...
Der weiche Waldboden glitt nur so unter ihren Füßen dahin und Maruka fühlte sich endlich wieder gut. Sie war aufgebracht, wütend, enttäuscht, verwirrt, eingeschüchtert, sie war zurück gewiesen worden, es war ihr peinlich was passiert war, aber sie fühlte sich auch so gut, wie lange nicht mehr.
Etwas in ihr hatte sich 'dank Enveri' verändert und mit jedem tiefen Atemzug, mit jedem Spannen ihrer Muskeln wurde es ihr klarer. Etwas hatte das Feuer Mantrons wieder in ihr entzündet und die Flammen ihres Temperamentes brannten hell in Maruka. Es war lange her, dass die junge Frau sich erlaubt hatte, zornig zu sein. Dass sie es sich erlauben konnte! Niemals hätte sie geglaubt, dass ausrechnet Wut ihr Weg zur Heilung hätte sein können. Sie fühlte ihr Herz stark und frei in ihrer Brust schlagen und rannte durch die Schatten der Nacht. Ihre Gedanken rannten durch die Schatten der Erinnerungen. Sie versuchte zu verstehen, was geschehen war.
Immer wieder sah sie seinen entsetzten Gesichtsausdruck vor sich, so voller Angst. Wie hatte sie sich nur so verrennen können? Wie hatte sie sich nur so in ihm täuschen können!
...schon wieder...
Erinnerungen brachen sich Bahn und Maruka begann Vergleiche mit ihren früheren Erfahrungen zu ziehen. Sie sah den Jungen, den Mantroner, der sie beim Tanz beobachtet hatte. Sie sah Baltos Gesicht, wie er sie angesehen hatte, voller Faszination, Zuneigung wie sie glaubte, und auch Leidenschaft. Sie hatte dieses Prickeln im Bauch gefühlt. Er hatte sie angesehen, als wäre sie schön. ...dann sah sie Enveris Gesicht, wie er sie beim Tanz angesehen hatte. Sie sah die gleichen Merkmale und hatte sie wieder falsch interpretiert. Sie hörte seine wundervollen Worte, hatte ihnen geglaubt. Sie hatte wirklich gedacht, dass er sie mögen würde. Aber wie bei Baltos hatte sie sich auch bei Enveri geirrt. Maruka erinnerte sich noch einmal an den Tag, wo sie allen Mut ihres so jungen Lebens zusammen genommen hatte. Sie war zu ihm gegangen, hatte ihm ihre Gefühle offenbart und …
...bin genauso hart abgewiesen worden. ...sogar noch schlimmer...
Die Erlebnisse glitten ineinander.
...Wie habe ich mich so irren können! ...schon wieder! Sind denn alle guten Männer so? Erst schauen sie einen an, als sei man das Schönste auf der Welt und dann ...stoßen sie mich weg, nennen mich dick, oder … oder … ängstigen … ekeln sich vor dem Tier … diese Abscheu …
Maruka war langsamer geworden, aber nun nahm sie noch einmal Geschwindigkeit auf, so dass ihre Muskelfasern zu brennen begannen. Der Schmerz half gegen das Brennen in ihren Augen und der Wind trieb die kleinen Tränen aus ihrem Fell. Irgendwann gab es nur noch dieses Brennen und dann blieb die Hybridin stehen. Sie witterte, hörte, sah und fühlte ihre Umgebung. Sie hockte sich unter einen nahen Baum, dessen Wurzeln eine kleine Höhle bildeten, in der sie sich verstecken konnte. Dort fand sie einen Moment der Ruhe. Sie verließ sich auf ihre Sinne, dass sie sie vor Gefahr warnen würden und machte sich ganz klein. Ihre Arme um den Leib schlingend rollte sie sich zusammen und atmete die würzige Luft des Waldes ein.
Ich hab ihn geschubst...
Enveri hatte so wenig Widerstand geboten, unzufrieden stellend wenig Widerstand. Jeder Schubser und jedes Wort hatten ihn zusammenzucken lassen und helle Panik stand in seinen Augen. Obwohl sie ihren Zorn schon gezügelt und kaum Kraft aufgewandt hatte. Das war nicht dieselbe Person gewesen, mit der sie sich wenige Minuten zuvor noch ein Wettschwimmen geliefert hatte!
Er hatte mich fast eingeholt!
Der Schubser ins Wasser hatte Enveris entsetzen Gesichtsausdruck verändert. Verblüfft hatte er ausgesehen.
Wenigstens hatte er so nicht mehr so stark nach Furcht gerochen!
Natürlich machte der menschliche Teil sich sofort Sorgen um ihn. Was würde passieren, wenn sie zurück kam? Im besten Fall würde sie sich mit ‚Pantherchen‘ auseinandersetzen müssen. Vor einer Konfrontation mit dem Geist fürchtete sie sich nicht mehr. Selbst ihr Versagen einzugestehen, gehörte zu ihrem tapferen Wesen mit dazu. Anderes ängstigte sie mehr. Im schlimmsten Fall würde Enveri verschwunden sein und ihre Nähe meiden.
Habe ich vielleicht alles kaputt gemacht?
Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Sie mochte Enveri noch immer, aber etwas hatte sich verändert. Der Mann war ein Schatten seiner selbst, nicht im Geringsten in der Lage alleine zu überleben. Und was wollte Maruka? Ihr Instinkt wollte einen Mann an dem sie sich reiben konnte,...
Reibung erzeugt Wärme.
... der ihr Widerstand bot und nicht gleich umfiel, wenn sie sich mal zu sehr gegen ihn lehnte... und das nicht nur im körperliche Sinne. Konnte Enveri so ein Mann sein?
Nein!
Enveri konnte das nicht. Er war zu ...'weich'... ein anderes Wort viel ihr nicht ein. Revien könnte es sein, aber dieser Weg war noch lang und Maruka hatte keine Ahnung ob sie nach diesem Vorfall noch einmal den Mut aufbringen konnte sich dieser Aufgabe zu stellen. In diesem Moment war sie voller Zweifel.
Und dann erinnerte sie sich, dass er anziehend gewesen war, wenn ihm der Panther nahe war. Bedeutete das jetzt, dass sie eigentlich Interesse am Waldgeist hatte, oder waren es wirklich die beiden zusammen gefügten Hälften, die ihr Interesse geweckt hatten? Jedenfalls war dieser Vorfall wenig hilfreich gewesen, um Panther und Waldelf einander an zu nähern, zumindest, wenn man Schlüsse aus dem Geruch und Enveris verhalten ziehen konnte. Es blieb zu hoffen, dass auch Enveri sich seine Gedanken machte und Maruka nicht gleich abschrieb. Er hatte so wenig, von dem gehabt, was sie so gerne ihn ihm gesehen hätte... keine Stärke, nur Wahnsinn.
Erneut flammte die Wut in ihr auf, als sie diesen irren Blick vor ihrem inneren Auge sah. ER hatte sie dazu bringen wollen, ihm weh zu tun! Er versuchte den leichten Weg zu gehen. Er wollte nicht leben und er hatte SIE als sein Werkzeug missbrauchen wollen!
Maruka begann zu zittern, als sie sich selbst mit einer Peitsche zuschlagen sah, das Fleisch eines vergangenen Freundes von seinen Knochen schälend. Valas hatte sehr unter ihr gelitten, weil sie nicht stark genug gewesen war.
NEIN! Nie wieder!
Nie wieder würde sie sich so missbrauchen lassen! So zornig sie auch war, sie fühlte sich trotzdem befreit und stark. So lange schon war sie herum geschubst worden, hatte sich drangsalieren, manipulieren lassen und jeden Schlag unbeantwortet gelassen! Es war nicht nur das Wissen, dass sie sich nie mehr in so ein Schicksal fügen würde, es war auch die Kombination aus Geist und Herz, die hier ineinander griffen. Wo der Geist aus ihrer Folter Erfahrungen zog, da lernte ihr Herz aus ihren Begegnungen.
Es ist seltsam. Endlich finde ich mich … gut. Aber die 'guten' Männer, sie verletzen mich nur... Erst locken sie mit süßen Worten, dann schlagen sie zu... - ...Die 'Bösen'...Sademos, mein 'Schicksal', dieses Wesen... Sie wollten mich wirklich. ...und Liam? Ist er auch 'böse' weil er mich wollte? Das wird sich zeigen.
Endlich, trotz all ihrer Verwirrungen, wehrte sie sich und stand für sich ein. Und das wahrhaftig, denn die Akzeptanz sich selbst gegenüber war echt. Sie war in Ordnung, wie sie war und sie ließ sich von niemandem etwas Anderes sagen!!!
„Ich bin gut so wie ich bin!“
...einfache, leise gesprochene Worte, aber sie hatten große Macht. Maruka fühlte sich jetzt größer, als zuvor. Ja, sie hatte bei Enveri nicht viel erreicht, aber sie war an sich selbst gewachsen. Und etwas sagte ihr, dass beim nächsten Mal, wenn jemand schlecht mit ihr umging, sie die passende Antwort haben würde!
Kann ich Enveri verzeihen, dass er schlecht mit mir umgegangen ist?
Auch das war eine einfache Frage, aber die Antwort würde sehr viel länger bedürfen. Die Zeit würde es offenbaren. Maruka lag noch eine kleine Weile einfach nur still da und ließ das Geschehen auf sich wirken. Sehr viel schlauer war sie immernoch nicht, aber ihre Seele begann zu heilen.
Es war immernoch Nacht gewesen, als sie los gelaufen war und so viel war passiert. Seit ihrer Ankunft hier waren kaum zwei Tage vergangen. Zwei Nächte hatte sie hier verbracht und es lag noch ein langer ruheloser Tag vor ihr. Ruhelos, weil sie immernoch irgendwo ganz am Rande ihrer Wahrnehmung die Hitze spürte, die nur darauf lauerte, neu entfacht zu werden. Doch noch einmal würde sie keinem Mann so schnell so nahe kommen!
Guter Vorsatz! … wieso klingt das, als würdest du grinsen?
Die Katze in ihr schwieg und Maruka war es recht. Sie wollte nun endlich das tun, wozu sie her gekommen war. Die Jagd rief nach ihr und beide Teile antworteten.
Es verrann die Zeit, wo alle Katzen grau waren, die Zeit der Jäger, die Dämmerung. Das Leben des Tages begann sich müde zu regen und Marukas Sinne erwachten. Das dunkle Grün umhüllte sie wie einen Mantel, verbarg das Raubtier was sie war. Maruka überließ der Katze die Führung und genoss die Jagd. Sie 'lehnte sich zurück', fühlte wie sich ihre Sinne ausbreiteten um eine Fährte zu finden. Da war ein leises Rascheln. Sie korrigierte ihre Position, damit sie gegen den Wind sich annähern konnte. Der Duft eines kleinen Nagers wehte ihr entgegen.
Sie liebte es, wie sich ihre Muskeln beim Schleichen streckten, wie sie dann und wann vollkommen regungslos in der Bewegung inne hielten und trotzdem ihren Körper sicher trugen. Sie wusste jetzt, sie konnte sich auf ihn verlassen, auch wenn es immernoch ein aufregendes Gefühl war sich selbst zu entdecken. Ihre Ohren wiesen ihr den Weg und ihre Nase bestätigte, dass dort hinter dem Gebüsch etwas schmackhaftes hockte. Langsam brachte sie sich in Position. Ihre scharfen Augen erspähten erste einen kleinen Teil eines Tieres, dann mehr. Das Wesen war nicht sehr groß. Der schlanke Körper ruhte auf dünnen, langen Beinen. Die Vorderbeine hatten vier Zehen, die Hinterbeine, die deutlich länger waren, enden in drei Zehen. Alle Zehen trugen hufartige Krallen und waren an eine laufende Fortbewegung angepasst. Das Fell war dicht und rau und dunkelorange bis graubräunlich gefärbt. Die Unterseitewar weiß oder leicht gelblich. Der wuchtige Kopf saß auf einem kurzen Hals und hat kleine, runde Ohren und große Augen. Der Schwanz war nur ein Stummel mit einem bis vier Zentimetern Länge. Das Gewicht schätzte Maruka von 3 bis 4 Kilogramm. Es war somit deutlich größer als eine Ratte, hatte aber gewisse Ähnlichkeiten. Als wenn eine Ratte sich mit einem zu klein geratenen Reh gepaart hatte. Ein plötzliches zweites Rascheln ganz in Marukas Nähe ließ sie still halten. Unter einem Busch kam ein zweites dieser Tiere hervor und trippelte genau in ihre Richtung. Dieses hier war aber deutlich heller, fast weiß, mit nur einem dunklen Köpchen und einem schmalen rotbraunen Streifen auf dem Rücken.
Jetzt!
Ihre Muskeln spannten sich im Sprung, die Zeit dehnte sich und ihre Reflexe schlugen zu. Sie drehte sich noch ein klein wenig in der Luft, als das Wesen fliehen wollte und ihre Hände packten zu. Sie landete halb auf ihere Beute und presste sie an den Boden. Das Andere floh quikend. Marukas Herz raste und das Adenalin schmeckte köstlich auf ihren Lippen. Eigentlich wollte sie schnell einen Biss in die Kehle setzten, doch als sie das Tier ansah, fiel ihr etwas auf.
Entweder hab ich hier einen dicken Brocken gefangen, oder... Es ist trächtig.
Maruka hielt das vor Schreck erstarrte Wesen in ihren Armen. Sie lag bäuchlings auf dem weichen Waldboden und sah das kleine Wesen an.
… sie töteten wahllos...
Enveris Stimme kam ihr wieder in den Sinn.
Ich könnte es ihm mitbringen um ihm zu zeigen, dass ich nicht wahllos töte... aber muss ich das? Nein, ich muss ihm nichts beweisen. Er sollte es auch so wissen, wenn er mein Freund ist.
Sie lachte einmal kurz auf und öffnete ihre Finger. Das kleine Ding saß weiter erstarrt da und starrte auf einen unbestimmten Punkt.
Ich hab noch nie ein trächtiges Leben genommen und ich werde jetzt bestimmt nicht damit anfangen... von wegen 'wahllos'!
Maruka atmete tief eine und pustete das Nagetier an. Die kleinen Ohren zitterten, dann erwachte es aus seiner Starre und rannte unter den Busch, wo es verschwand. Vermutlich hatte es da seine Höhle. Maruka lächelte, schaukelte mit den Beinen in der Luft und genoss das Leben. Nachdem die Geräusche des Waldes langsam erwachten und sich veränderten, stand sie langsam auf und machte sich auf den Rückweg. Sie wusste nicht, was dieser Tag ihr bringen würde. Sie war nur ein klein wenig hungrig, wie sie fast immer war, aber vor allem wollte sie sich an ihrem See irgendwo in die Sonne legen und ein wenig dösen.
Unser See... Mein See... auch meine Welt...
Es war eigentlich ganz einfach.
Wenn er mich wirklich jetzt weg schicken sollte, dann hat er meine Hilfe auch nicht verdient.
Immer noch ein wenig zornig verstimmt, aber bei weitem nicht mehr so wütend näherte sie sich der Lichtung und sah sich nach Enveri um. Vielleicht ging langsam die Sonne auf? Vielleicht würde das Licht des Tages auch mehr Licht auf ihr Leben hier werfen. Wenn sie ihn nicht gleich sah, dann wollte sie zu der Stelle, wo sie ihre Sachen hatte liegen lassen und weiter an ihrem kleinen Werkstück arbeiten. Sie wusste noch ungefähr, wo sie die Häkelnadel hatte fallen lassen. Viele Muster kannte sie nicht. Dafür hatte sie die Handarbeiten nie sonderlich gemocht, aber ein einfaches, eher löchriges Gewebe sollte sie herstellen können. Ein kleines Dreieck mit je einem Band an zwei Seiten und zwei an einer.
Die schwarze Wolle wird auf meinem Fell kaum zu sehen sein, aber ich sollte auf ein Treffen mit Menschen nicht vollkommen nackt erscheinen. Du bist nicht nackt. Du hast Fell, vergessen? Schon, aber... ein Höschen kann nicht schaden... wenigstens untenrum.
Allein darüber nachzudenken fühlte sich merkwürdig an.
Vor dem Treffen mit Liam und seinen Freunden hast du Bammel, aber Enveri tanzt du was vor?!? Das war was vollkommen anderes! War... ist es das? Bist du jetzt auch 'nackt'? Wieso ist das anders?
Maruka erinnerte sich an Enveris Blick, als sie aus dem See aufgetaucht war. Seine Augen waren auf Wanderschaft gegangen und ihr war so heiß geworden.
Ja, vielleicht sollte ich auch wegen Enveri etwas anziehen... Womöglich sollte ich auch noch was für obenrum häkeln...
Die Katze in ihr knurrte und fand das gar nicht schön. Sie wollte frei den Wind in ihrem Fell spüren.
… und für ihn ein Hemd... Du spinnst! Ach, sei ruhig. Wie war das noch mal? Luftmasche, Stäbchen, Stäbchen, Stäbchen, Luftmasche und zusammen ziehen... irgendwann sollte das doch wie kleine Muscheln aussehen... Das hier wirkt eher wie ein Fischernetz mit dicken Knoten!
Maruka widmete sich ihren Vorbereitungen und wartete darauf, dass Enveri sich blicken ließ. So lange war sie ja nicht weg gewesen und auch er brauchte sicher einmal etwas Zeit für sich. Sollte er länger nicht auftauchen, würde sie den Platz für den Treffpunkt sich noch einmal genauer ansehen. Sie wollte die Umgebung genaustens kennen, zumal nicht vollkommen ausgeschlossen war, dass Liam ein, zugebender Maßen attraktiver, 'Böser' war und seine Begleiter kannte sie nur vom zuhören. Vielleicht fand sie ein erhöhtes, gut verborgenes Versteck, wo sie die Ankömmlinge beobachten konnte, bevor die Verhandlungen beginnen würden.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 9. März 2017, 20:31

Die Lichtung lag still in der Morgensonne. Lange Schatten zogen sich über die Wiese und den See und tauchten den Großteil der Fläche in Dunkelheit.
Der Abstand und die Bewegung hatten Maruka geholfen, aber die Unsicherheit um Enveri und die vielen offenen Fragen blieben. Es konnte ja unmöglich schön und entspannt bleiben, nicht wahr? Irgendwann musste das Schicksal einem immer in die Suppe spucken und das Glück trüben.
Zumindest gab es hier keine Dunkelelfen.

Natürlich war es Marukas verdienst, an sich gewachsen zu sein. Enveri hatte ihr lediglich die Möglichkeit geboten, ihr neu gewonnenes Selbstvertrauen zu prüfen.

Als die Hybridin ihren Blick über ihre neue Heimat schweifen ließ, erspähte sie den Waldelfen auf den zweiten Blick bei der Statue nahe des Baumes. Erleichterung durchflutete sie, auch wenn seine zusammen gesunkene Gestalt wenig ermutigend war. Er lehnte mit dem Rücken an der Statue, ein Knie angezogen, das andere Bein lag ausgestreckt. Mit den Armen umschlang er das aufgerichtete Bein locker. Sein Blick war und blieb gesenkt, selbst als die junge Frau sich ihm näherte. Der intensive Geruch nach Angst hatte sich verflüchtigt, aber die wilde Note des Panthers war noch immer nicht zurückgekehrt. Erst als sie quasi vor ihm stand hob er den Blick. Seine grünen Augen wirkten Stumpf und er wirkte müde und ausgezehrt. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem leichten Lächeln, dass seine Augen nicht erreichen konnte.
„Maruka …“
Sprach er leise.
„Es ... es tut mir Leid. Ich bin nicht ganz Herr meiner Selbst … das hatte ich für eine Weile vergessen.“
Er senkte den Blick und sah zur Seite, offenbar nicht länger in der Lage sie an zu sehen. Es war nichts mehr von dem Abscheu und der Panik in seinem Gesicht oder seiner Haltung zu erkennen. Dafür wirkte er jetzt abgestumpft und distanziert. Er atmete tief ein und verkrampfte die Hände mit denen er sein Bein hielt.
Als er den Blick wieder hob bemühte er sich um einen freundlicheren Gesichtsausdruck.
„Ich … ich bezweifle, dass du jetzt noch mit mir trainieren möchtest … aber das musst du auch nicht. Es geht mir nicht besonders gut … gibt es etwas, das ich für dich tun kann?“
‚Bemühte‘ war das richtige Wort, denn Enveri war wenig überzeugend. Er sprach noch immer leise und mit wenig Überzeugungskraft und die Anstrengung, die ihn der Versuch ‚normal‘ zu wirken kostete, war fast greifbar.


(bzgl. Treffen: Zitat Liam: „Lass uns uns dort treffen, in zwei Tagen um die Mittagszeit, dann müssen wir keine Zeichen ausmachen. Solange kann ich meine Leute hier aufhalten und davon überzeugen, dass wir einen friedlichen Weg ohne Konfrontation finden können.“
Da das ganze etwas widersprüchlich ist, würde ich sagen, du suchst dir aus, was dir lieber ist: entweder Morgen oder Übermorgen Mittag, je nachdem ob du Maruka vorher noch versuchen lassen möchtest, Enveri zu Revien zu machen, bzw. Zeit für andere Dinge möchtest oder lieber schnell mit dem Treffen weiter machen möchtest. Für gehäkelte Lendenschürze und Bikinis ist auf jeden Fall noch Zeit ;) )
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Beitrag von Maruka » Freitag 10. März 2017, 18:19

Der Abstand und die Bewegung hatten Maruka geholfen, aber die Unsicherheit um Enveri und die vielen offenen Fragen blieben.
Es konnte ja unmöglich schön und entspannt bleiben, nicht wahr? Irgendwann muss mir das Schicksal ja immer in die Suppe spucken und das Glück trüben. Zumindest gibt es hier keine Dunkelelfen... noch nicht..., das wäre...klischeehaft. Die wollen ja unbedingt sich alles unter den Nagel reißen und wenn es nach ihnen ginge, würde ihnen die Welt gehören! Sie sind einfach so.

Maruka ging an ihren dunkelelfischen Sachen vorbei und betrachte sie mit Abscheu. Wenn es nicht anders ging, dann würde sie sie schon aus pragmatischen Gründen noch mal anziehen, aber nur wenn es keine andere Möglichkeit gab. Manche der Dinge erinnerten sie einfach zu sehr an schlechte Zeiten, bei anderen überwog der Nutzen.
Als die Hybridin ihren Blick weiter über ihre neue Heimat schweifen ließ, entdeckte sie Enveri unter ihrem gemeinsamen Baum. Sie lächelte erleichtert, dass er noch da war.
Er hat mir die Möglichkeit geboten, mein neu gewonnenes Selbstvertrauen zu prüfen. Allein dafür bin ich ihm dankbar...
Der Waldelf saß bei der Statue nahe des Baumes. Erleichterung durchflutete sie, auch wenn seine zusammen gesunkene Gestalt wenig ermutigend war.
Er hat auf mich gewartet. Jetzt kann ich ihm endlich die Meinung sagen! ...
Maruka straffte die Schultern und richtete sich auf. Sie warf ihre Mähne nach hinten und wandte sich ihm zu. Ihre mantronische Seele freute sich auf einen anständigen Streit mit vielen wilden Worten, ausladenden Gesten und vielleicht auch dem ein oder anderen körperlichen Argumenten-Austausch. Gern hätte sie ihn ein bisschen geschüttelt, ihm ein bisschen die Flausen aus dem Kopf geklopft, aber er war nun mal kein Mantroner. Um so näher sie kam, um so mehr erkannte sie das. Er lehnte mit dem Rücken an der Statue, ein Knie angezogen, das andere Bein lag ausgestreckt. Mit den Armen umschlang er das aufgerichtete Bein locker. Sein Blick war und blieb gesenkt, selbst als sie sich ihm näherte. Der intensive Geruch nach Angst hatte sich verflüchtigt, aber die wilde Note des Panthers war noch immer nicht zurückgekehrt. Erst als sie quasi vor ihm stand hob er den Blick. Seine grünen Augen wirkten stumpf und er wirkte müde und ausgezehrt. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem leichten Lächeln, dass seine Augen nicht erreichen konnte.
„Maruka …“
Sprach er viel zu leise, was Maruka sogar leicht ärgerte.
„Es ... es tut mir Leid. Ich bin nicht ganz Herr meiner Selbst … das hatte ich für eine Weile vergessen.“
Ach, nöhhh... mach das nicht... Nicht entschuldigen! Ich wollte mich doch anständig mit dir streiten! Jetzt kann ich doch nicht... och nöööh...

Er senkte den Blick und sah zur Seite, offenbar nicht länger in der Lage sie an zu sehen. Auch Marukas Haltung sackte langsam wieder zusammen. Sie beobachtete ihn aufmerksam und versuchte sich in dieses kaputte Wesen einzufühlen, was unerträglich schwierig für sie war. Wenigstens war nichts mehr von dem Abscheu und der Panik in seinem Gesicht oder seiner Haltung zu erkennen. Dafür wirkte er jetzt abgestumpft und distanziert. Allein seine Haltung tat ihr weh. Sofort wollte ihr Instinkt, dass sie ihn in den Arm nahm, aber genau das hatte sie ja in diese schreckliche Situation gebracht. Sie sah ihn an und seufzte. Er atmete ebenfalls tief ein und verkrampfte die Hände mit denen er sein Bein hielt. Als er den Blick wieder hob bemühte er sich um einen freundlicheren Gesichtsausdruck.
„Ich … ich bezweifle, dass du jetzt noch mit mir trainieren möchtest … aber das musst du auch nicht. Es geht mir nicht besonders gut … „
Ja, das sieht man!
Maruka schaute besorgt drein.
„Gibt es etwas, das ich für dich tun kann?“
‚Bemühte‘ war das richtige Wort, was Enveri beschrieb, aber er war wenig überzeugend. Er sprach noch immer leise und mit wenig Überzeugungskraft und die Anstrengung, die ihn der Versuch ‚normal‘ zu wirken kostete, war fast greifbar. Maruka ließ sich gut zwei Schritt von ihm entfernt auf ihren kleinen Hintern plumpsen und stützte sich zwischen ihren langen zum Schneidersitz gefalteten Beinen ab.
„Ja...“
Sie sah ihn selbst nicht mehr an, denn das was sie jetzt sagen würde, könnte diesmal vermutlich IHN in Rage bringen.
„... Du könntest tatsächlich etwas für mich tun.“
Sie strich sich die langen Strähnen ihrer Mähne aus dem Gesicht und rieb sich kurz, aber heftig die Wangen. Die Haare gerieten dabei in Unordnung und auch wenn ihr Pelz im Gesicht sehr sehr kurz, fast wie Haut war, so stand es an manchen Stellen jetzt unförmig wirkend ab. 'Verwurschtelt', das war das richtige Wort was Marukas Zustand zu beschrieb.
„Du könntest mich so akzeptieren wie ich bin und...“
Sie schielte vorsichtig durch den dichten langen Wimpernkranz zu ihm hinüber.
„...und versuchen, dich so zu akzeptieren, wie du nun mal bist.“
Das das nicht einfach war, für seine Sicht vielleicht erst einmal unmöglich sogar, das war ihr klar, aber sie wollte es einfach versuchen. Sie hatte ein Versprechen gegeben, es zu versuchen und sie hatte nur noch zwei Tage. Genauer gesagt zählte sie eigentlich schon mehr in Nächten.
...letzte Nacht war die Abmachung... Liam sagte: „Lass uns uns dort treffen, in zwei Tagen um die Mittagszeit, dann müssen wir keine Zeichen ausmachen. Solange kann ich meine Leute hier aufhalten und davon überzeugen, dass wir einen friedlichen Weg ohne Konfrontation finden können.“...Das war letzte Nacht. Also habe ich noch einen ganzen Tag, eine Nacht und einen halben Tag zur Verfügung um aus Enveri, Revien zu machen.
Sie schluckte. Das war viel zu wenig Zeit und sie war jetzt schon mit ihrem Celcianisch, oder jeder anderen Sprache dieser verflixten Welt zu Ende. Es folgte eine kleine Pause auf das Gesagte, dann nahm sie ihren Mut zusammen und wagte sich hinaus auf dünnes Eis. Vielleicht würde es unter ihr einbrechen und sie machte hier vielleicht noch einen viel größeren Fehler, aber sie musste es einfach versuchen.
„... Ich hab mit dem Panther geredet. Deinem Geist... deiner andern Form. Er hat mich gefunden, bevor ich zu den Menschen ging...“
Noch einmal schielte sie vorsichtig zu ihm, bevor sie weiter sprach.
„Er hat mir aus seiner Sicht erzählt was passiert ist ...und... Ich verstehe das alles nicht. Weder das, wie ihr beide euch nun wirklich vereint habt, noch das wie ihr auseinander gingt und warum.“
Sie knirschte leise mit den Zähnen. Die Frustration war ihr anzusehen. Sie verstand es wirklich nicht. Es war einfach zu viel Magie im Spiel und Maruka war in diesen Dingen mehr als unbescholten auch wenn sie sich insgeheim wünschte, mehr darüber zu verstehen. Wann immer sie mit Magie in Kontakt gekommen war, was es ein unglaubliches Erlebnis gewesen, egal ob positiv oder negativ.
„Er sprach von einem Ritual, etwas sehr sehr bösem, dass sich in dieser Gegend ausbreiten wollte und das ihr beide als ...“
Sie sprach den Namen langsam aus:
„... als Revien bekämpft habt. Ich dachte... Ich meine, ihr habt doch gewonnen. Ihr war gut zusammen. Er … ich würde sagen, er … vermisst dich, wenn man das so sagen könnte. Ihr braucht doch einander. ..Vor allem weil, das Böse sich wieder erhebt und...“
Maruka wand ihre nervösen Finger immer und immer wieder in das weiche Gras unter ihr.
„... und ich glaube, dass du dich auch besser fühlen würdest. Ich meine, wenn du mit ihm sprechen würdest... also nicht sprechen im eigentlichen Sinne... mehr miteinander 'denken' oder wie auch immer das bei euch funktioniert.“
Warum kamen ihr immer die Worte abhanden, wenn es wichtig war!?! Frustration. Der letzte Tag des Vollmondes brachte Frustration oder Erfüllung... In ihrem Fall wohl ersteres!
„Er braucht dich! Das weiß ich. Die Menschen sind hier, weil sie etwas finden wollen und das ist gefährlich. Sie könnten, genauso wie ich, etwas kaputtmachen, nur durch ihre Unwissenheit. Er kann sie doch nicht allein bekämpfen, … wenn es notwendig werden sollte. Ich will nur helfen, aber...“
Sie rang mit den armen kleinen Gewächsen unter ihren Händen.
„Ich weiß nicht wie!“
Dann schaute sie endlich wieder zu ihm hoch und Verzweiflung stand in ihren Augen, gepaart mit einem gefährlich verräterischen Funkeln an ihren Lidrändern. Die Staudämme liefen schon wieder voll. Maruka war einfach zu nah am Wasser gebaut. Und schon plapperte sie los:
„Ich will doch nur helfen... ich wollte nur helfen... Ich wollte dich nicht verletzen oder dir zu nahe treten. Ich mach's bestimmt nie wieder! Nie wieder putzen! Hoch und heilig versprochen! Kein Lecken oder andere Liebesbeweise jeglicher Art...“
Ups! Hab ich das gerade wirklich gesagt? Oh jeh, schnell weiter. Vielleicht hat er das L-Wort ja überhört.
„...kein Kuscheln, kein Schmusen, kein Kraulen...“
Irgendwas läuft hier falsch... Moment, ich krieg gleich die Kurve...
„...Also einfach nur ganz … ganz menschlich, wie Freunde, Ja? Ich schlafe auch oben auf dem Baum, wenn du willst...“
In seinen Armen war schlafen war schön gewesen und sie hatte sich geborgen gefühlt.
Wir werden das vermissen, bist du sicher?
„... Ich versuch meine Katze im Zaum zu halten, und du versuchst dich... bitte... Bitte versuch dich an deine zu erinnern. Es ist doch so wichtig.“
Ja, ich weiß, aber... ich mach das, damit er Abstand hat. Ich darf ihm nicht zu nahe kommen. Das haben wir doch gelernt... Hm... na gut.
„Wenn du es nicht für dich tun willst, dann bitte einmal für mich. Dein ...'Geist' und du... Ihr müsst euch doch um die Gefahren hier kümmern. Lass ihn zu dir, er kann es dir sicher erklären. Ich kann das nicht allein. Es gibt etwas hier, wofür er dich braucht und ich hab versprochen zu helfen. Ich werde es auch versuchen, wenn du 'nein' sagst. Himmel, ich weiß noch nicht mal worum es überhaupt wirklich geht! Ich werde aber trotz allem nicht hier herum sitzen und darauf waren, was das Schicksal so bringt. Ich will nie wieder auf das Schicksal hören. Ich will mein eigenes Leben und ich will es hier, also beschütze ich diesen Wald und alles was dazu gehört. - Auch dich! Alles an dir!“
Maruka hatte sich wieder ein klein wenig in Rage geredet, auch wenn es diesmal mehr Sorge und Verzweiflung war als reine Wut. Die Hybridin mochte ihre eigenen Schwächen nicht, also wischte sie sich eilig noch mal übers Gesicht um ihre Tränen zu verstecken. Sie war auch nicht mehr gekränkt zurück gewiesen worden zu sein. Das war unwichtig. Es war einfach die Furcht, dass Enveri durch seinen Schmerz nicht hindurch schauen konnte und sie womöglich wirklich allein mit dem Geist da stehen würde. Auch dann wollte sie sich allem entgegen stellen, aber die Chancen standen besser, wenn Revien dabei war.
„Und wenn wir grade dabei sind … Natürlich will ich dich noch trainieren! Wenn du das noch für eine gute Idee hältst. Ich kann mich zurückhalten und behalte auch die Krallen drin...“
Ja, provoziere ihn … nur ein bisschen... Vielleicht springt er ja darauf an...
„... damit es fair bleibt.“
Maruka hatte keine Ahnung wie es um Enveris Kampfkraft bestellt war. Ob er jemals seine Hand gegen jemanden erhoben hatte, als Druide Kräfte hatte, von denen sie nichts wusste, oder einige Fähigkeiten hatte die man zum Krieger -dasein zählen durfte. Vielleicht überraschte er sie ja auch, sie hoffte es fast, aber sie rechnete nicht damit. So oder so war er ein Mann und vielleicht scheute er sich mit einer Frau zu trainieren, also musste sie ihn ein wenig locken... und wenn es mit seinem Stolz war, sofern er noch irgendwo einen kleinen gesunden Funken sich hatte erhalten können.
„Aber vorher muss ich wissen, was dir so zusetzt. Ich muss deine Kräfte einschätzen können, damit ich weiß wie weit wir gehen können. Du sagtest, es geht dir nicht gut geht und ich weiß immernoch nicht, was dir die Kraft raubt. Essen tust du kaum, das hab ich schon beobachtet, aber das kann es nicht alleine sein, oder?“
Sie musterte ihn mit zusammen gekniffenen Augen.
„Enveri, ich bitte dich, sag mir, was mit dir los ist. Erkläre es mir... mit einfachen Worten. Ich renne auch nicht noch mal weg. Ich bleib hier und hör mir alles an. Vorhin... vorhin musste ich Druck ablassen. Ich brauche meine Zeit um Dinge zu verstehen. Ich sag und tu vielleicht manchmal dumme Sachen, aber ich meine es nicht böse. Ich weiß es doch nur nicht besser. Hilf mir dabei dir zu helfen... Bitte!“
Endlich schwieg sie mal länger als einen Atemzug und ließ dem Elfen Zeit zum Antworten, auch wenn sie gern noch weitere tausend Fragen gestellt hätte.
So. Und jetzt halten wir einfach mal den Mund. Gute Idee!
Kurz überlegte sie, ob sie vielleicht ihre Häkelnadel benutzen sollte um ihre nervösen Finger zu beruhigen, aber sie wollte Enveri lieber durch nichts ablenken. Jede kleinste Bewegung von ihm ließ sie auf sich wirken, versuchte daraus schlau zu werden oder zu interpretieren. Wenn es ihm auch nur im Geringsten ähnlich ging wie ihr, sollte sie sich lieber ganz auf ihn konzentrieren. Für Handarbeiten war sicher noch später Zeit, z.B. in den Pausen des Trainings, wenn er sich noch darauf einlassen wollte.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Montag 13. März 2017, 21:51

Die Wut der Hybridin verpufft, genauso, wie die Schimpfpredigt, die ihr auf den Lippen gelegen hatte, als sie das Elend Enveris vor sich sah. Es war schwierig für sie, sich in diesen zerstörten Mann ein zu fühlen. Nicht unbedingt, weil sie ihn nicht nachvollziehen konnte. Vielmehr war hier Empathie zu schmerzvoll. Konnte sie sich vorstellen, wie es war, jeglichen Antrieb und jegliches Rückgrat verloren zu haben? Ja. Wollte sie das? Es galt hier, sich selbst zu schützen und zu verhindern, dass sie selbst einen Schritt zurück in den Abgrund tat.

Allerdings wusste sie, was ihr geholfen hatte, wieder zurück zu finden und wieder eine ganze Person zu werden. Das konnte sicherlich helfen. Ja, Enveri war anders, aber wie sie selbst schon festgestellt hatte, waren sie einander Ähnlich. Auch wenn sie seine Grenzen überschritten hatte, war sie noch immer die beste Chance, die er hatte.
Seine entschuldigenden kleinlauten Worte waren Beweis genug, dass jedes energische Wort ihrerseits sein Ziel verfehlt hätte und so schlug sie einen anderen Pfad ein.

Maruka ließ sich gut zwei Schritt von Enveri entfernt auf ihren kleinen Hintern plumpsen und stützte sich zwischen ihren langen zum Schneidersitz gefalteten Beinen ab.
„Ja...“
Sie sah ihn selbst nicht mehr an, denn das was sie jetzt sagen würde, könnte diesmal vermutlich IHN in Rage bringen.
„... Du könntest tatsächlich etwas für mich tun.“
Sie strich sich die langen Strähnen ihrer Mähne aus dem Gesicht und rieb sich kurz, aber heftig die Wangen. Die Haare gerieten dabei in Unordnung und auch wenn ihr Pelz im Gesicht sehr sehr kurz, fast wie Haut war, so stand es an manchen Stellen jetzt unförmig wirkend ab. 'Verwurschtelt', das war das richtige Wort was Marukas Zustand zu beschrieb.
„Du könntest mich so akzeptieren wie ich bin und...“
Sie schielte vorsichtig durch den dichten langen Wimpernkranz zu ihm hinüber.


Er wirkte tatsächlich Schuldbewusst.

„...und versuchen, dich so zu akzeptieren, wie du nun mal bist.“
Es folgte eine kleine Pause auf das Gesagte, dann nahm sie ihren Mut zusammen und wagte sich hinaus auf dünnes Eis. Vielleicht würde es unter ihr einbrechen und sie machte hier vielleicht noch einen viel größeren Fehler, aber sie musste es einfach versuchen.
„... Ich hab mit dem Panther geredet. Deinem Geist... deiner andern Form. Er hat mich gefunden, bevor ich zu den Menschen ging...“
Noch einmal schielte sie vorsichtig zu ihm, bevor sie weiter sprach.[/i]

Enveri zuckte sichtbar zusammen, als sie vom Geist sprach.

„Er hat mir aus seiner Sicht erzählt was passiert ist ...und... Ich verstehe das alles nicht. Weder das, wie ihr beide euch nun wirklich vereint habt, noch das wie ihr auseinander gingt und warum.“
Sie knirschte leise mit den Zähnen. Die Frustration war ihr anzusehen. Sie verstand es wirklich nicht. Es war einfach zu viel Magie im Spiel und Maruka war in diesen Dingen mehr als unbescholten auch wenn sie sich insgeheim wünschte, mehr darüber zu verstehen. Wann immer sie mit Magie in Kontakt gekommen war, was es ein unglaubliches Erlebnis gewesen, egal ob positiv oder negativ.
„Er sprach von einem Ritual, etwas sehr sehr bösem, dass sich in dieser Gegend ausbreiten wollte und das ihr beide als ...“
Sie sprach den Namen langsam aus:
„... als Revien bekämpft habt. Ich dachte... Ich meine, ihr habt doch gewonnen. Ihr war gut zusammen. Er … ich würde sagen, er … vermisst dich, wenn man das so sagen könnte. Ihr braucht doch einander. ..Vor allem weil, das Böse sich wieder erhebt und...“
Maruka wand ihre nervösen Finger immer und immer wieder in das weiche Gras unter ihr.
„... und ich glaube, dass du dich auch besser fühlen würdest. Ich meine, wenn du mit ihm sprechen würdest... also nicht sprechen im eigentlichen Sinne... mehr miteinander 'denken' oder wie auch immer das bei euch funktioniert.“
„Er braucht dich! Das weiß ich. Die Menschen sind hier, weil sie etwas finden wollen und das ist gefährlich. Sie könnten, genauso wie ich, etwas kaputtmachen, nur durch ihre Unwissenheit. Er kann sie doch nicht allein bekämpfen, … wenn es notwendig werden sollte. Ich will nur helfen, aber...“
Sie rang mit den armen kleinen Gewächsen unter ihren Händen.
„Ich weiß nicht wie!“
Dann schaute sie endlich wieder zu ihm hoch und Verzweiflung stand in ihren Augen, gepaart mit einem gefährlich verräterischen Funkeln an ihren Lidrändern. Die Staudämme liefen schon wieder voll. Maruka war einfach zu nah am Wasser gebaut. Und schon plapperte sie los:
„Ich will doch nur helfen... ich wollte nur helfen... Ich wollte dich nicht verletzen oder dir zu nahe treten. Ich mach's bestimmt nie wieder! Nie wieder putzen! Hoch und heilig versprochen! Kein Lecken oder andere Liebesbeweise jeglicher Art...“
„...kein Kuscheln, kein Schmusen, kein Kraulen...“
„...Also einfach nur ganz … ganz menschlich, wie Freunde, Ja? Ich schlafe auch oben auf dem Baum, wenn du willst...“
„... Ich versuch meine Katze im Zaum zu halten, und du versuchst dich... bitte... Bitte versuch dich an deine zu erinnern. Es ist doch so wichtig.“
„Wenn du es nicht für dich tun willst, dann bitte einmal für mich. Dein ...'Geist' und du... Ihr müsst euch doch um die Gefahren hier kümmern. Lass ihn zu dir, er kann es dir sicher erklären. Ich kann das nicht allein. Es gibt etwas hier, wofür er dich braucht und ich hab versprochen zu helfen. Ich werde es auch versuchen, wenn du 'nein' sagst. Himmel, ich weiß noch nicht mal worum es überhaupt wirklich geht! Ich werde aber trotz allem nicht hier herum sitzen und darauf waren, was das Schicksal so bringt. Ich will nie wieder auf das Schicksal hören. Ich will mein eigenes Leben und ich will es hier, also beschütze ich diesen Wald und alles was dazu gehört. - Auch dich! Alles an dir!“

Enveris Adamsapfel hüpfte, als er schwer schluckte. Er sah sie voller Sorge an, sichtlich berührt durch ihre Traurigkeit. Er hatte, während sie davon sprach, dass er sich mit seinem Geist verbinden sollte, immer wieder zweifelnd den Kopf geschüttelt. So, als wäre es für ihn undenkbar, sich wieder mit seiner tierischen Seite zu versöhnen.
Maruka hatte sich wieder ein klein wenig in Rage geredet, auch wenn es diesmal mehr Sorge und Verzweiflung war als reine Wut. Die Hybridin mochte ihre eigenen Schwächen nicht, also wischte sie sich eilig noch mal übers Gesicht um ihre Tränen zu verstecken. Sie war auch nicht mehr gekränkt zurück gewiesen worden zu sein. Das war unwichtig. Es war einfach die Furcht, dass Enveri durch seinen Schmerz nicht hindurch schauen konnte und sie womöglich wirklich allein mit dem Geist da stehen würde. Auch dann wollte sie sich allem entgegen stellen, aber die Chancen standen besser, wenn Revien dabei war.
„Und wenn wir grade dabei sind … Natürlich will ich dich noch trainieren! Wenn du das noch für eine gute Idee hältst. Ich kann mich zurückhalten und behalte auch die Krallen drin...“
Ja, provoziere ihn … nur ein bisschen... Vielleicht springt er ja darauf an...
„... damit es fair bleibt.“
Maruka hatte keine Ahnung wie es um Enveris Kampfkraft bestellt war. Ob er jemals seine Hand gegen jemanden erhoben hatte, als Druide Kräfte hatte, von denen sie nichts wusste, oder einige Fähigkeiten hatte die man zum Krieger -dasein zählen durfte. Vielleicht überraschte er sie ja auch, sie hoffte es fast, aber sie rechnete nicht damit. So oder so war er ein Mann und vielleicht scheute er sich mit einer Frau zu trainieren, also musste sie ihn ein wenig locken... und wenn es mit seinem Stolz war, sofern er noch irgendwo einen kleinen gesunden Funken sich hatte erhalten können.
„Aber vorher muss ich wissen, was dir so zusetzt. Ich muss deine Kräfte einschätzen können, damit ich weiß wie weit wir gehen können. Du sagtest, es geht dir nicht gut geht und ich weiß immernoch nicht, was dir die Kraft raubt. Essen tust du kaum, das hab ich schon beobachtet, aber das kann es nicht alleine sein, oder?“
Sie musterte ihn mit zusammen gekniffenen Augen.
„Enveri, ich bitte dich, sag mir, was mit dir los ist. Erkläre es mir... mit einfachen Worten. Ich renne auch nicht noch mal weg. Ich bleib hier und hör mir alles an. Vorhin... vorhin musste ich Druck ablassen. Ich brauche meine Zeit um Dinge zu verstehen. Ich sag und tu vielleicht manchmal dumme Sachen, aber ich meine es nicht böse. Ich weiß es doch nur nicht besser. Hilf mir dabei dir zu helfen... Bitte!“
Endlich schwieg sie mal länger als einen Atemzug und ließ dem Elfen Zeit zum Antworten, auch wenn sie gern noch weitere tausend Fragen gestellt hätte.
Kurz überlegte sie, ob sie vielleicht ihre Häkelnadel benutzen sollte um ihre nervösen Finger zu beruhigen, aber sie wollte Enveri lieber durch nichts ablenken. Jede kleinste Bewegung von ihm ließ sie auf sich wirken, versuchte daraus schlau zu werden oder zu interpretieren. Wenn es ihm auch nur im Geringsten ähnlich ging wie ihr, sollte sie sich lieber ganz auf ihn konzentrieren. Für Handarbeiten war sicher noch später Zeit, z.B. in den Pausen des Trainings, wenn er sich noch darauf einlassen wollte.


Marukas kleiner Hoffnungsschimmer, dass Enveris Stolz noch durch eine kleine Provokation wieder zu erwecken wäre, verpuffte. Wenn es in ihm Kampfgeist gab, dann steckte der im Panther.
Er musterte sie und holte tief Luft um sich zu Wappnen.
„Ich bin so gut wie tot. Alles, was mich am Leben hält, ist der Geist. Wenn es mir oder jemand anderem gelingt, die Verbindung zu trennen, sterbe ich...“
Er sah sie Hilflos an.
„Ich weiß nicht, wie ich es dir besser erklären könnte … es ist … stell dir vor, einer der Zweige wäre zur Hälfte abgebrochen. Noch läuft ein wenig Saft des Baumes in ihn herein, aber er wird immer schwächer und kostet den Baum gleichzeitig zusätzliche Kraft. Jeder Gärtner würde den Ast kappen …“

Der Waldelf senkte das Haupt und die Eindringlichkeit in seinen letzten Worten ließ keinen Zweifel daran, dass er wieder von seinem Tod sprach.
„Natürlich könnte man versuchen, den Zweig wieder an wachsen zu lassen, aber er wäre für immer ein Schwachpunkt des Baumes und würde nie wieder zur alten Stärke finden...“
Er hob den Blick gen Blätterdach, so als würde er dort Antworten auf umgestellte Fragen finden.
„Aber selbst wenn ... ich kann es nicht. Ich habe Angst vor ihm, er ist so Fremd und so überwältigend. Er sagt, er war mein Gegenstück, aber ich erinnere mich nicht. Alles, was ich in ihm sehen kann ist Urgewalt, die mich zermalmen wird … und immer wenn ihn sehe, erinnere ich mich an das was war … an das, was diese Urgewalt tun kann!“
Ein Schauer durchfuhr ihn und der gehetzte Gesichtsausdruck von Eben trat zurück auf seine Züge.

„Dann sehe ich es wieder, wie meine Brüder und Schwestern, die das Virus verwandelt hat, über einander herfallen. Der Wahnsinn in ihren Augen … wie alles, was sie einmal waren erloschen ist. Und das alles nur wegen meiner Torheit.“
Er schüttelte den Kopf und strich sich mit dem Arm über das Gesicht.
„Ich weiß, dass du nicht bist wie sie, Maruka. Genauso, dass ER keine Ähnlichkeit mit ihnen hat und trotzdem kann ich es nicht aus blenden … als … als du mir so nahe kamst während ich dir von meiner Vergangenheit erzählte … da kam die Erinnerung zurück … ich wollte … ich konnte … ich wünschte ich hätte Anders reagiert, aber es war, als wäre alles zurück … und so ist es immer, wenn ich ihm begegne.“
Seine Stimme wurde unsicher und er fuhr sich weitere male mit dem Ärmel über das Gesicht.
„Ich dachte, der Abstand würde helfen, aber es wurde nur schlimmer …“
Er zog die Knie an und umarmte diese.

„Wenn ich mich zu sehr von hier entferne, dann spüre ich, wie die Verbindung schwächer wird … ein paar Mal hätte ich es beinahe geschafft ganz zu gehen, aber der Panther greift jedes Mal ein und holt mich zurück.
Als ich damals zusammen brach … da ist es wieder passiert.“
Er sah erschrocken zu ihr hoch und sagte dann eindringlich:
„Ich wollte nicht sterben … ich fühlte mich um einiges besser als sonst und hätte nicht damit gerechnet, dass es passieren würde.“
Sein Blick blieb gehoben und auf Maruka gerichtet.
„Es … es ging mir in deiner Gegenwart viel besser … bis … bis die Erinnerungen zurück kehrten … ich hätte nicht über meine Vergangenheit reden sollen.“
Er zupfte ein paar Gräser vom Boden und zerrieb sie zwischen Daumen und Zeigefinger.
„Ich mag dich auch, Maruka. Es tut mir Leid, dass ich nicht das sein kann, was du dir wünscht.“

Er sah wieder zu ihr auf.
„Ich möchte dir helfen und dich beschützen, aber ich weiß auch nicht wie … wenn ich mich mit IHM verbinden könnte, würde ich es um deinetwillen tun … selbst wenn es nur ein letztes Mal wäre. Aber allein der Gedanke, mich ihm allein zu stellen lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.“
Er verzog den Mund grimmig und sagte dann düster:
„Aber vielleicht wäre es besser, wenn du mir hilfst, ihn von mir zu befreien. Dann ist er nicht länger an mich Gebunden und kann sich und dich Beschützen.“
Trotz der finsteren Worte erhaschte Marukas Nase eine Spur des wilden Geruchs des Panthers.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Dienstag 14. März 2017, 21:05

Marukas kleiner Hoffnungsschimmer, dass Enveris Stolz noch durch eine kleine Provokation wieder zu erwecken wäre, verpuffte.
Noch ein Fehlschlag!...
Sie erkannte mir einer gewissen Resignation, dass wenn es in ihm noch Kampfgeist gab, dann steckte der im Panther.
„Ich bin so gut wie tot. Alles, was mich am Leben hält, ist der Geist. Wenn es mir oder jemand anderem gelingt, die Verbindung zu trennen, sterbe ich...“
Er sah sie hilflos an und ein wirklich gemeiner hässlich brennender Klos bildete sich in ihrer Brust.
„Ich weiß nicht, wie ich es dir besser erklären könnte … es ist … stell dir vor, einer der Zweige wäre zur Hälfte abgebrochen....“
Ähhh... Ja, … jetzt klingt er wahrhaftig wie ein Druide!
„... Noch läuft ein wenig Saft des Baumes in ihn herein, aber er wird immer schwächer und kostet den Baum gleichzeitig zusätzliche Kraft. Jeder Gärtner würde den Ast kappen …“
NEIN! ...Ich glaube, er meint so etwas wie: Ein geschwächtes Tier würde in freier Natur auch nicht lange überleben... Halt die Klappe! Ich will das nicht hören!
„Natürlich könnte man versuchen, den Zweig wieder an wachsen zu lassen, aber er wäre für immer ein Schwachpunkt des Baumes und würde nie wieder zur alten Stärke finden...“
Das ist nicht wahr!
„Aber selbst wenn ... ich kann es nicht. Ich habe Angst vor ihm, er ist so fremd und so überwältigend. Er sagt, er war mein Gegenstück, aber ich erinnere mich nicht. Alles, was ich in ihm sehen kann ist Urgewalt, die mich zermalmen wird … und immer wenn ihn sehe, erinnere ich mich an das was war … an das, was diese Urgewalt tun kann!“
Ein gehetzter Gesichtsausdruck trat zurück auf seine Züge und Maruka fühlte den Drang in sich mächtiger werden, ihn zu trösten. Zu gern hätte sie seine Hand genommen, ihn gestreichelt oder ihn in ihren Armen gewiegt. Er wirkte so unendlich einsam und so verstört, wie sie sich selbst einst gefühlt hatte, doch sie hatte Hilfe bekommen. Sie kannte diesen Abgrund, den ihn jetzt erfüllte und deswegen war es ihr auch unmöglich dort hin zurück zu kehren. Aber was sie konnte, war für ihn da zu sein und ihm zuzuhören. Sie waren beides Seelen die einst gebrochen worden waren, aber Maruka stand nun oben an der Klippe, war mühsam hinauf geklettert und Enveri schwamm tief unter ihr in seiner eigenen Dunkelheit. Sie konnte ihm nur immer wieder die Hand reichen, aber nehmen musste er sie selber. Es tat ihr in der Seele weh ihn so zu sehen, aber sie hielt sich zurück und bekämpfte ihre Instinkte, die ihn hinauf in ihre Arme ziehen wollten.
„...Dann sehe ich es wieder, wie meine Brüder und Schwestern, die das Virus verwandelt hat, über einander herfallen. Der Wahnsinn in ihren Augen … wie alles, was sie einmal waren erloschen ist. Und das alles nur wegen meiner Torheit.“
Er schüttelte den Kopf und strich sich mit dem Arm über das Gesicht.
Irgendwann würde ich gern einmal verstehen, was da genau passiert ist... nur nicht jetzt... das würde ihn nur noch mehr verletzten... Neugierig, wie das mit dem Virus genau war? Natürlich, du nicht? Klar! Das wäre dann quasi unser Ursprung... du meinst unsere verrückten wilden Vorfahren? Vielleicht...?
„Ich weiß, dass du nicht bist wie sie, Maruka. ...“
Na das ist doch schon mal ein Anfang. Dann beleidigt er uns wenigstens nicht mehr.....na so schlimm war es ja nun auch nicht.
„Genauso, dass ER keine Ähnlichkeit mit ihnen hat und trotzdem kann ich es nicht aus blenden …“
Aber ich erinnere ihn an das Raubtierhafte, das Grauen, das ihm alles genommen hat... das...das tut weh...ihm wie mir... Er wird in mir immer etwas schlechtes sehen, selbst wenn er es nicht so meint...
„... als … als du mir so nahe kamst während ich dir von meiner Vergangenheit erzählte … da kam die Erinnerung zurück … ich wollte … ich konnte … ich wünschte ich hätte Anders reagiert, aber es war, als wäre alles zurück … und so ist es immer, wenn ich ihm begegne.“
Seine Stimme wurde unsicher und er fuhr sich weitere male mit dem Ärmel über das Gesicht.
Nicht anfassen!!! … Wenn er weint, dann ist es vielleicht schon zu spät... wenn er so gebrochen ist, dann kann ihn vielleicht nichts mehr retten... du hast doch auch geweint... aber er ist ein Mann... und du hast eine vollkommen andere Erziehung genossen.
„Ich dachte, der Abstand würde helfen, aber es wurde nur schlimmer …“
Er zog die Knie an und umarmte diese. Marukas Hände zuckten und verkrampften sich um ihre Knöchel.
„Wenn ich mich zu sehr von hier entferne, dann spüre ich, wie die Verbindung schwächer wird … ein paar Mal hätte ich es beinahe geschafft ganz zu gehen, aber der Panther greift jedes Mal ein und holt mich zurück. Als ich damals zusammen brach … da ist es wieder passiert.“
...als er mir die Umgebung und die Pflanzen erklärt hat...
Er sah erschrocken zu ihr hoch und sagte dann eindringlich:
„Ich wollte nicht sterben … ich fühlte mich um einiges besser als sonst und hätte nicht damit gerechnet, dass es passieren würde.“
Sein Blick blieb gehoben und auf Maruka gerichtet, die ihn weiterhin gerade ansah. Ihre gesenkten Ohren verrieten, dass sie sehr wohl mit ihm mit litt und sich sorgte. Sie nickte, als er sie ansah und zeigte ihm damit, dass sie verstanden hatte, dass er sich in diesem Moment nicht hatte umbringen wollen.
„Es … es ging mir in deiner Gegenwart viel besser … bis … bis die Erinnerungen zurück kehrten … ich hätte nicht über meine Vergangenheit reden sollen.“
Er zupfte ein paar Gräser vom Boden und zerrieb sie zwischen Daumen und Zeigefinger.
„Ich mag dich auch, Maruka. Es tut mir Leid, dass ich nicht das sein kann, was du dir wünscht.“
Was nicht ist, kann ja noch werden... Ich bin mir da nicht mehr ganz so sicher... Nicht? Schon Zweifel? Natürlich! Ich bin ein Mensch. Ich zweifel immer. Außerdem bin ich ein Mädchen...
Er sah wieder zu ihr auf.
„Ich möchte dir helfen und dich beschützen, aber ich weiß auch nicht wie … wenn ich mich mit IHM verbinden könnte, würde ich es um deinetwillen tun … selbst wenn es nur ein letztes Mal wäre. Aber allein der Gedanke, mich ihm allein zu stellen lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.“
Aber du bist doch nicht mehr allein!...
Er verzog den Mund grimmig und sagte dann düster:
„Aber vielleicht wäre es besser, wenn du mir hilfst, ihn von mir zu befreien. Dann ist er nicht länger an mich gebunden und kann sich und dich beschützen.“
Trotz der finsteren Worte erhaschte Marukas Nase eine Spur des wilden Geruchs des Panthers und Maruka glaubte nur zu gut zu verstehen, warum ausgerechnet jetzt der Geist in den Vordergrund drängte. Auch sie war wütend über Enveris erneuten Versuch, sie zu manipulieren! Vielleicht verstand sie auch wider alles falsch, aber so war es nun mal. Ihre Stimme klang sicher nicht so beherrscht, wie sie sollte, aber sie war auch nicht geübt in diesen Dingen. Ihr Herz lag ihr auf der Zunge und dass er sie eben schon wieder durch die Blume darum gebeten hatte, ihn zu töten, ließ ihre Schultern beben. Sie flüstere atemlos und jede Silbe strengte sie an:
„Mach – das – nie – wieder!“
Sie funkelte ihn für einen Sekundenbruchteil durch ihre langen Wimpern von unten her an und Traurigkeit mischte sich in ihre Stimmung, schneller als sie das Wort Wut hätte aussprechen können. Ihre Stimmungswechsel ließen ihren Kopf schwindelig werden und ihre nach hinten angelegten Ohren fielen flach nach unten, genauso wie ihr Blick. Sie konnte ihn gerade nicht ansehen.
„Du... du hast mit erklärt, ...“
Sie atmete schwer ein und aus und rang mit ihren Gefühlen.
„... dass du dich nur von ihm befreien könntest, wenn du stirbst und du wirst mich nie mehr darum bitten dir dabei zu helfen! Nie mehr!!!“
Sie starrte und atmete noch einmal schwer, dann wurde es anders.
„... Du hast es versucht... mich provoziert und es hat nicht geholfen. Das macht mich nur wütend... Bitte mich auch nicht darum! Das macht mich nur traurig! Ich werde dir nicht helfen zu sterben, vor allem, weil ich nicht - deiner - Meinung - bin! Du bist nicht mehr - allein! Du musst dich ihm nicht alleine stellen!...“
Der Druck in ihrer Brust hatte kontinuierlich zugenommen und etwas in ihr wäre sicher gern wieder davon gelaufen. Aber sie stand zu ihrem Wort. Sie würde sich dem hier stellen und sich alles anhören, bis ihr Herz aufhörte zu bluten.
„Hast du überhaupt eine Ahnung, was das für mich bedeuten würde? Dich zu töten?!?“
Ihr Augen brannten, aber sie konnte nicht blinzeln. Sie starrte ihn an und zitterte dabei am ganzen Körper.
„Selbst WENN es für dich eine Erlösung wäre und der Geist dann diese Welt zu einem ...besseren Ort machen könnte, alle Gefahren abwenden würde, wenn ihr beide dann frei wäret... was meist du, was diese Tat mit meiner Seele machen würde?!? Wenn ich einen Freund töten würde, dann hätte kein Leben mehr einen Wert für mich!“
Marukas Kehle schnürte sich zu und der Druck ließ ihre Magensäure kochen. Ihr war allein bei der Vorstellung übel. Valas hatte sich von ihr Peitschen lassen und nun saß der nächste Freund vor ihr und wollte noch viel schlimmeres? Wann war denn die Welt verrückt geworden? Mantroner starben nicht durch ihre eigene Hand und die Vorstellung, dass ein anderes es wollte... nein! Sie starben im Kampf! Und sowieso... Sterben war einfach! Leben war schwer!
Wie soll ich ihn nur vom Leben überzeugen?!? Und überhaupt... das stimmt doch nicht... da waren Momente, wo er …
Ihre Stimmung hellte sich auf und ihre Ohren stellten sich nach vorne.
„Ich weiß nicht, wie das bei Bäumen ist aber... wenn ein Knochen bricht, dann schient man ihn, lässt ihm Zeit zum heilen, kühlt ihn und danach bricht er nie wieder an der selben Stelle! Er wird stärker. Man lernt doch aus seinen Fehlern und sie machen einen stärker!“
Sie atmete noch einmal schwer, dann schien die dunklen Stimmungen endlich wieder vertrieben.
„Du hast gesagt, es … es wäre immer so, wenn du IHM begegnest, … als deine Erinnerungen zurück kamen... aber das glaube ich nicht. Er war dir auch schon nah und es ist nichts schlimmes passiert. Ganz im Gegenteil! Erinnere dich an den See! Du bist geschwommen... und plötzlich... du hast mich fast eingeholt und da war etwas... etwas gutes, was ihr beide teilt. Es war etwas, dass dich stärken kann. Wir müssen nur herausfinden, wie wir genau das aus dir raus bekommen!“
Sie lächelte und ihre Ohren richteten sich auf.
„Wir werden ein bisschen ...herum probieren müssen... Es wird vielleicht auch schwere Momente geben, aber ich steh das mit dir durch, wenn du mich lässt.“
Hoffnung war das, was Maruka ausmachte. Sie gab nicht auf! Sie änderte ihre Pläne, aber aufgeben war keine Option.
Selbst als sie ihm gesagt hatte, sie würde ihn niemals töten, hatte sie im irgendwo ganz hinten unbewusst in ihrem Hinterkopf, dass sie eben vor allem anderen, anderer Meinung darüber war! Doch was würde sie tun, wenn er es schaffte ihre Meinung zu ändern?
Würde er das wollen? Würde er sie verderben wollen nur um selbst Erlösung zu finden? Natürlich gab es Gründe ein Leben oder eine Seele für ein größeres Ziel zu opfern, aber musste es immer so dramatisch sein? Maruka betrachtete das verwurschtelte Gras zwischen ihren Beinen und begann es zu ordnen.
„Ich...
Sie strich die zarten Halme glatt. Sie sprach langsam weiter, mit vielen Atempausen, da es schmerzvolle Worte waren.
„Ich glaube, … dass das was du getan hast schrecklich auf deiner Seele lastet... Du gibst dir die Schuld ...und vielleicht stimmt das ja.. vielleicht auch nicht... Ich weiß es nicht, es ist auch eigentlich egal...Ich weiß nur, dass es dich zerfrisst, dich am Leben hindert... Aber … Ich habe dein Lachen gehört und ich glaube daran, das selbst eine gebrochene Seele wieder Mut fassen kann, sonst wäre ich selbst nicht mehr am Leben. Ich will es wenigstens versuchen, verstehst du das? ...Ich kann dich nicht einfach so gehen lassen!“
Sie hatte die Halme fertig sortiert und sah nun auch wieder auf in seine schönen grünen Augen.
„Solange ich hier bin, solange will ich versuchen dein Leben ...lebenswert zu machen. … Also rede bitte nicht mehr davon, dass du sterben willst, oder dass ich dich von dem Geist trennen soll, oder... irgendwie anders du dein Leben nicht mehr willst. Das tut mir weh... Lass es mich wenigstens versuchen.“
Kurz machte sie Anstalten aufzustehen, sackte dann aber wieder entspannter zusammen und sah ihn aufmerksam an.
„Enveri?... Sag mal, kennst du hier in der Gegend eine Höhle? Ich meine, einen Ort wo man richtig laut sein könnte, ohne das man draußen gehört werden würde?“
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. März 2017, 16:39

Trotz der finsteren Worte erhaschte Marukas Nase eine Spur des wilden Geruchs des Panthers und Maruka glaubte nur zu gut zu verstehen, warum ausgerechnet jetzt der Geist in den Vordergrund drängte. Auch sie war wütend über Enveris erneuten Versuch, sie zu manipulieren! Vielleicht verstand sie auch wider alles falsch, aber so war es nun mal. Ihre Stimme klang sicher nicht so beherrscht, wie sie sollte, aber sie war auch nicht geübt in diesen Dingen. Ihr Herz lag ihr auf der Zunge und dass er sie eben schon wieder durch die Blume darum gebeten hatte, ihn zu töten, ließ ihre Schultern beben. Sie flüstere atemlos und jede Silbe strengte sie an:
„Mach – das – nie – wieder!“
Sie funkelte ihn für einen Sekundenbruchteil durch ihre langen Wimpern von unten her an und Traurigkeit mischte sich in ihre Stimmung, schneller als sie das Wort Wut hätte aussprechen können.


Enveri zuckte ob des Zorns in Marukas Stimme zusammen, selbst als dieser sich in Traurigkeit verwandelte.

Ihre Stimmungswechsel ließen ihren Kopf schwindelig werden und ihre nach hinten angelegten Ohren fielen flach nach unten, genauso wie ihr Blick. Sie konnte ihn gerade nicht ansehen.
„Du... du hast mit erklärt, ...“
Sie atmete schwer ein und aus und rang mit ihren Gefühlen.
„... dass du dich nur von ihm befreien könntest, wenn du stirbst und du wirst mich nie mehr darum bitten dir dabei zu helfen! Nie mehr!!!“
Sie starrte und atmete noch einmal schwer, dann wurde es anders.
„... Du hast es versucht... mich provoziert und es hat nicht geholfen. Das macht mich nur wütend... Bitte mich auch nicht darum! Das macht mich nur traurig! Ich werde dir nicht helfen zu sterben, vor allem, weil ich nicht - deiner - Meinung - bin! Du bist nicht mehr - allein! Du musst dich ihm nicht alleine stellen!...“


Schuldig blickte der Waldelf zu Boden und nickte mit zusammen gepressten Kiefern.

Der Druck in ihrer Brust hatte kontinuierlich zugenommen und etwas in ihr wäre sicher gern wieder davon gelaufen. Aber sie stand zu ihrem Wort. Sie würde sich dem hier stellen und sich alles anhören, bis ihr Herz aufhörte zu bluten.
„Hast du überhaupt eine Ahnung, was das für mich bedeuten würde? Dich zu töten?!?“
Ihr Augen brannten, aber sie konnte nicht blinzeln. Sie starrte ihn an und zitterte dabei am ganzen Körper.
„Selbst WENN es für dich eine Erlösung wäre und der Geist dann diese Welt zu einem ...besseren Ort machen könnte, alle Gefahren abwenden würde, wenn ihr beide dann frei wäret... was meist du, was diese Tat mit meiner Seele machen würde?!? Wenn ich einen Freund töten würde, dann hätte kein Leben mehr einen Wert für mich!“
Marukas Kehle schnürte sich zu und der Druck ließ ihre Magensäure kochen. Ihr war allein bei der Vorstellung übel.


Erschreckt blickte der Druide zu ihr auf, so als würde ihm gerade erst klar, welche Last er ihr da aufbürden würde.

Ihre Stimmung hellte sich auf und ihre Ohren stellten sich nach vorne.
„Ich weiß nicht, wie das bei Bäumen ist aber... wenn ein Knochen bricht, dann schient man ihn, lässt ihm Zeit zum heilen, kühlt ihn und danach bricht er nie wieder an der selben Stelle! Er wird stärker. Man lernt doch aus seinen Fehlern und sie machen einen stärker!“
Sie atmete noch einmal schwer, dann schien die dunklen Stimmungen endlich wieder vertrieben.
„Du hast gesagt, es … es wäre immer so, wenn du IHM begegnest, … als deine Erinnerungen zurück kamen... aber das glaube ich nicht. Er war dir auch schon nah und es ist nichts schlimmes passiert. Ganz im Gegenteil! Erinnere dich an den See! Du bist geschwommen... und plötzlich... du hast mich fast eingeholt und da war etwas... etwas gutes, was ihr beide teilt. Es war etwas, dass dich stärken kann. Wir müssen nur herausfinden, wie wir genau das aus dir raus bekommen!“


Enveri runzelte die Stirn und ging in sich. Sein Mienenspiel verriet viel über das, was in ihm vor ging. Da waren Zweifel und Skepsis und dann Erkenntnis die in ihm entsetzen zurückließ, als er die Wahrheit in Marukas Worten erkannte. Seine Augen bewegten sich hektisch, als er in seinem Geist nach weiteren Begebenheiten suchte, in denen der Panther ihn beeinflusst haben könnte.

Sie lächelte und ihre Ohren richteten sich auf.
„Wir werden ein bisschen ...herum probieren müssen... Es wird vielleicht auch schwere Momente geben, aber ich steh das mit dir durch, wenn du mich lässt.“
Hoffnung war das, was Maruka ausmachte. Sie gab nicht auf! Sie änderte ihre Pläne, aber aufgeben war keine Option.
Selbst als sie ihm gesagt hatte, sie würde ihn niemals töten, hatte sie im irgendwo ganz hinten unbewusst in ihrem Hinterkopf, dass sie eben vor allem anderen, anderer Meinung darüber war! Doch was würde sie tun, wenn er es schaffte ihre Meinung zu ändern?
Würde er das wollen? Würde er sie verderben wollen nur um selbst Erlösung zu finden? Natürlich gab es Gründe ein Leben oder eine Seele für ein größeres Ziel zu opfern, aber musste es immer so dramatisch sein? Maruka betrachtete das verwurschtelte Gras zwischen ihren Beinen und begann es zu ordnen.
„Ich...
Sie strich die zarten Halme glatt. Sie sprach langsam weiter, mit vielen Atempausen, da es schmerzvolle Worte waren.
„Ich glaube, … dass das was du getan hast schrecklich auf deiner Seele lastet... Du gibst dir die Schuld ...und vielleicht stimmt das ja.. vielleicht auch nicht... Ich weiß es nicht, es ist auch eigentlich egal...Ich weiß nur, dass es dich zerfrisst, dich am Leben hindert... Aber … Ich habe dein Lachen gehört und ich glaube daran, das selbst eine gebrochene Seele wieder Mut fassen kann, sonst wäre ich selbst nicht mehr am Leben. Ich will es wenigstens versuchen, verstehst du das? ...Ich kann dich nicht einfach so gehen lassen!“
Sie hatte die Halme fertig sortiert und sah nun auch wieder auf in seine schönen grünen Augen.
„Solange ich hier bin, solange will ich versuchen dein Leben ...lebenswert zu machen. … Also rede bitte nicht mehr davon, dass du sterben willst, oder dass ich dich von dem Geist trennen soll, oder... irgendwie anders du dein Leben nicht mehr willst. Das tut mir weh... Lass es mich wenigstens versuchen.“
Kurz machte sie Anstalten aufzustehen, sackte dann aber wieder entspannter zusammen und sah ihn aufmerksam an.
„Enveri?... Sag mal, kennst du hier in der Gegend eine Höhle? Ich meine, einen Ort wo man richtig laut sein könnte, ohne das man draußen gehört werden würde?“


Enveri begegnete ihrem Blick, noch immer standen ihm Zweifel im Gesicht. Nur eines konnte sie erkennen. Der Waldelf glaubte Maruka. Und er glaubte an sie, an ihre Stärke, ihre Aufrichtigkeit und an das Gute in ihr. Vielleicht glaubte er genug, um das zu überwinden, was ihm im Griff hielt und wieder eine Brücke zu seinem alten Ich zu schlagen … oder einem ganz neuen.
„Es tut mir Leid … ich habe nicht darüber nach gedacht, was es für dich bedeuten würde, mich zu töten… es fühlte sich so an, als wäre mein Leben nicht wert, von irgendjemandem als lebenswert genug erachtet zu werden, dass es scheren würde. Aber das war dumm … du wärst nicht hier und würdest nicht mit mir reden, wenn es so wäre.“
Er lachte bitter.
„Und ich wollte dir doch ernsthaft helfen und dich beschützen.“
Er schüttelte zweifelnd den Kopf.
„Ich verspreche dir, ich werde dich niemals wieder darum bitten.“
Er holte tief Luft und starrte einen Moment auf seine Hände.
„Ich habe es nicht gemerkt … aber du hast recht. Der Geist war da, ich habe es nur nicht wahrnehmen wollen… vielleicht ist er das Einzige, das noch gut und nicht zertrümmert ist an mir …“
Er sah wieder auf und sah sie hilflos und traurig an.
„Sollte es nach dieser Erkenntnis nicht einfacher sein? Warum habe ich immer noch so schreckliche Angst vor ihm?“
Er biss sich auf die Lippen und sah in Richtung Klippe, als er weitersprach, sah er sie wieder an. Seine Haltung hatte sich noch immer nicht entspannt, aber er wirkte nicht mehr ganz so klein und zerbrechlich.
„Ein Ort, wo man Schreien kann wo niemand etwas hört? Vermutlich ist dir nach diesem Chaos danach … es gibt eine unterirdische Höhle unter den Klippen. Man muss ein guter Schwimmer sein, um sie zu erreichen, aber ich denke, es wird dir keine Probleme bereiten. Einer der Waldgeister kann dir sicher helfen, sie zu finden. Allerdings weis ich nicht, ob es wirklich der geeignete Ort ist … auch wenn du dort wie an keinem Ort abgeschottet sein wirst … die Druiden suchten diesen Ort damals auf, um sich selbst zu finden und den wichtigen Fragen in ihrem Leben zu begegnen. Es muss lange her sein, dass das letzte Mal dort jemand war, aber etwas der Magie wird sicher noch dort ruhen.
Wenn es dir zu gefährlich ist, kann ich dir den Weg zu einer Höhle etwas außerhalb beschreiben. Der Weg ist etwa einen halben Tag lang aber wenigstens warten dort höchstens ein paar tierische Höhlenbewohner auf dich. Ich befürchte aber, dass ich dich nicht begleiten kann … es sei denn, ich überlasse mich mehr dem Geist … und ich weiß nicht, ob ich das kann.“
Er sah zu Boden und Musterte das von Maruka geordnete Gras vor sich, dann hob er den Blick wieder.
„Warum fragst du?“
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Montag 20. März 2017, 09:43

Enveri begegnete ihrem Blick, noch immer standen ihm Zweifel im Gesicht. Nur eines konnte sie erkennen. Der Waldelf glaubte Maruka. Und er glaubte an sie, an ihre Stärke, ihre Aufrichtigkeit und an das Gute in ihr. Vielleicht glaubte er genug, um das zu überwinden, was ihm im Griff hielt und wieder eine Brücke zu seinem alten Ich zu schlagen … oder einem ganz neuen.
„Es tut mir Leid … ich habe nicht darüber nach gedacht, was es für dich bedeuten würde, mich zu töten… es fühlte sich so an, als wäre mein Leben nicht wert, von irgendjemandem als lebenswert genug erachtet zu werden, dass es scheren würde. Aber das war dumm … du wärst nicht hier und würdest nicht mit mir reden, wenn es so wäre.“
Er lachte bitter.
„Und ich wollte dir doch ernsthaft helfen und dich beschützen.“
Er schüttelte zweifelnd den Kopf.
„Ich verspreche dir, ich werde dich niemals wieder darum bitten.“
Das ist es, was ich hören musste und was er laut aussprechen musste!
Er holte tief Luft und starrte einen Moment auf seine Hände.
„Ich habe es nicht gemerkt … aber du hast recht. Der Geist war da, ich habe es nur nicht wahrnehmen wollen… vielleicht ist er das Einzige, das noch gut und nicht zertrümmert ist an mir …“
Er sah wieder auf und sah sie hilflos und traurig an.
„Sollte es nach dieser Erkenntnis nicht einfacher sein? Warum habe ich immer noch so schreckliche Angst vor ihm?“
Maruka zuckte mit den Schultern. Sie wusste es nicht, aber alles was in Enveris Leben falsch gelaufen war hatte irgendwie mit den Ereignissen um den Waldgeist zu tun. So war es kein Wunder, dass er alles was ihn anging mit etwas negativem verknüpfte. Für seine Seele musste das der einfachste Weg gewesen sein, um sich zu schützen. Maruka empfand Mitleid mit dem Mann, der einst sicher ein traumhaftes Leben gehabt hatte, bis er seiner Neugierde erlegen war und er alles verloren hatte.
Neugierde... Wissbegierde... oh je... das könnte mir auch alles viel zu leicht passieren!
Er biss sich auf die Lippen und sah in Richtung Klippe, als er weitersprach, sah er sie wieder an. Seine Haltung hatte sich noch immer nicht entspannt, aber er wirkte nicht mehr ganz so klein und zerbrechlich.
„Ein Ort, wo man Schreien kann wo niemand etwas hört? Vermutlich ist dir nach diesem Chaos danach … es gibt eine unterirdische Höhle unter den Klippen. Man muss ein guter Schwimmer sein, um sie zu erreichen, aber ich denke, es wird dir keine Probleme bereiten. Einer der Waldgeister kann dir sicher helfen, sie zu finden. Allerdings weis ich nicht, ob es wirklich der geeignete Ort ist … auch wenn du dort wie an keinem Ort abgeschottet sein wirst … die Druiden suchten diesen Ort damals auf, um sich selbst zu finden und den wichtigen Fragen in ihrem Leben zu begegnen. Es muss lange her sein, dass das letzte Mal dort jemand war, aber etwas der Magie wird sicher noch dort ruhen. Wenn es dir zu gefährlich ist, kann ich dir den Weg zu einer Höhle etwas außerhalb beschreiben. Der Weg ist etwa einen halben Tag lang aber wenigstens warten dort höchstens ein paar tierische Höhlenbewohner auf dich. Ich befürchte aber, dass ich dich nicht begleiten kann … es sei denn, ich überlasse mich mehr dem Geist … und ich weiß nicht, ob ich das kann.“
Er sah zu Boden und musterte das von Maruka geordnete Gras vor sich, dann hob er den Blick wieder.
„Warum fragst du?“
Maruka lächelte verschmitzt. Da gab es also doch noch etwas, dass Enveri antrieb und was sie gemeinsam hatten.
„Neugierig?“
Ihr Lippen öffneten sich bei Lächeln und zeigten die Spitzen ihrer leicht verlängerten Eckzähne.
„Das ist ein Geheimnis.“
Sie verschränkte in eindeutiger Pose die Arme vor der Brust, als wollte sie ihm sagen: 'Versuchs doch aus mir raus zu bekommen.' Dann legte sie den Kopf schief und überlegte laut:
„Da ich möchte, dass du mitkommst, wäre wohl die erste Höhle besser. Vorausgesetzt es ist halt kein Ort an dem man leise sein soll, oder so. Du meintest, Druiden suchten diesen Ort auf um wichtige Fragen zu klären und ...sich zu finden? Das ist doch perfekt! Und du bist doch Druide.“
Sie strahlte.
„Genau das was wir brauchen. Die andere Höhle kann ich mir irgendwann mal anschauen.“
Die Hybridin überlegte:
Ich bin zwar keine Priesterin, oder Zauberin, kann keine Magie oder irgendwelche anderen tollen Dinge dieser Art, aber ich kann mit ihm das Leben feiern.
Dann stand sie auf und reichte Enveri die Hand.
„Komm! Zeig mir die Höhle.“
Für Maruka stand es außer Frage, dass er mitkam. Ihre Finger schlossen sich verschränkt in seine und sie zog ihn auf die Beine. Freudig erregt wippend, hopste sie ein paar mal kurz auf und ab und ließ ihn dann wieder los. Sie ließ ihn kurz stehen, eilte noch einmal schnell zu ihren Sachen, rollte sie zusammen, verstecke auch die Häkelnadel in dem Bündel und packte es mit den Zähnen. Dann war sie auch schon mit ein zwei Sätzen auf den Baum gesprungen und versteckte ihre Habseligkeiten in einer der oberen Astgabeln. Schnell war sie wieder zurück und musterte Enveris löchrige Kleidung. Sie wedelte unbestimmt vor seinem Körper mit ihrem Zeigefinger herum.
„Wenn du nicht willst, dass sie wieder nass werden, solltest du vielleicht etwas von ihnen ausziehen.“
Dann drehte sie sich schwungvoll um, ihre langen Haare ihn unabsichtlich streifend und leicht um ihre Schultern wallend. Sie selbst trug nichts außer ihrer natürlichen Lebensfreude und die stand ihr ausgesprochen gut. Maruka war unverfälscht und rein auf eine Weise, die der geneigte Beobachter als anziehend beschreiben könnte. Sie war unschuldig. Dann schlenderte sie zum See zurück und betrachtete einen Moment die glitzernde Oberfläche. Irgendwo dort unten musste es einen Eingang zu dem erwähnten Versteck geben. Höhlen waren schon immer etwas faszinierendes für sie gewesen, aber jetzt als halbe Katze war der Drang sich in ein kleines dunkles Loch zu drücken noch extremer geworden. Sie wippte ungeduldig auf von ihren Fersen zum Ballen während sie auf Enveri wartete. Sie war wirklich sehr neugierig auf das was sich dort unten verbarg. Um das Schwimmen machte sie sich keine Gedanken, weder bei sich noch bei ihm. Sie waren beide gut darin und solange Enveri keine Panikattacke oder dergleichen bekam, würde alles glatt gehen. Suchend sah sie über den See und schaute sich nach den kleinen grünen Funken um. Enveri hatte gesagt, dass einer der kleinen Waldgeister ihr helfen könnte. Die Glühwürmchen waren tagsüber gewöhnlich verschwunden, aber woher waren doch gleich die kleinen grünen Freunde gekommen? Sie spähte unauffällig zu Enveri zurück, als es ihr einfiel und schaute ob er bald kommen würde.
Sind die kleinen Waldgeister ein Teil von ihm oder ist er ein Teil von ihnen? Existieren sie auch separat voneinander? Das alles verwirrt mich noch immer... ob sie ein eigens Empfinden haben? Oder ist das alles eins? Ist das wichtig?
Maruka würde sorgfältig auf Enveris Stimmung achten, bevor sie tauchten. Am liebsten wollte sie noch ein wenig mit ihm Fangen spielen, oder planschen. Ihn nass zu spritzen, sollte er zu besorgt oder nachdenklich drein schauen, war auch eine realistische Option, damit er ein bisschen lockerer wurde. Wenn nötig würde sie an seine Neugierde appellieren und etwas aus ihrer Vergangenheit einflechten, wie es z.B. war unter dem Eis zu tauchen.
Eis... die Schönheit des Schnees...
Zwar vermisste ihre Katze die Kälte ihrer Heimat nicht, aber ihr Mensch sehr wohl das allabendliche Zusammensein nach kalten eisigen Tagen. Um so kälter es draußen war, um so wärmer war es in den Herzen der Mantroner. Man rückte zusammen und erzählte sich Geschichten am Feuer. Die Legenden der Ahnen wurden wach und Erinnerungen durften in solchen Momenten wie Geister umher tanzen. Mantroner waren lebensfrohe Menschen, die sich umeinander sorgten und die ganze Zeit ging ihr ein Grundgedanken nicht aus dem Kopf:
Ich muss Enveris gebrochene Seele schienen und ich muss passende Stöcker finden.
Sie erinnerte sich an ihre eigene liebevolle Erziehung und auch an den Umgang mit den Wölfen. Ihre Mutter hatte immer gesagt: 'Geh von dort aus, wo du stehst. Mach immer nur einen Schritt vor den anderen.' und Enveri stand ganz nah am Abgrund. Von dort musste sie ihn abholen. Bei ihrem ersten Versuch hatte sie fünf bis zehn Schritte übersprungen und sie waren gestolpert. Jetzt hatte sie kleine Schritte vor, winzig kleine.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Dienstag 21. März 2017, 21:17

„Warum fragst du?“
Maruka lächelte verschmitzt. Da gab es also doch noch etwas, dass Enveri antrieb und was sie gemeinsam hatten.
„Neugierig?“
Ihr Lippen öffneten sich bei Lächeln und zeigten die Spitzen ihrer leicht verlängerten Eckzähne.
„Das ist ein Geheimnis.“
Sie verschränkte in eindeutiger Pose die Arme vor der Brust, als wollte sie ihm sagen: 'Versuchs doch aus mir raus zu bekommen.' Dann legte sie den Kopf schief und überlegte laut:
„Da ich möchte, dass du mitkommst, wäre wohl die erste Höhle besser. Vorausgesetzt es ist halt kein Ort an dem man leise sein soll, oder so. Du meintest, Druiden suchten diesen Ort auf um wichtige Fragen zu klären und ...sich zu finden? Das ist doch perfekt! Und du bist doch Druide.“
Sie strahlte.
„Genau das was wir brauchen. Die andere Höhle kann ich mir irgendwann mal anschauen.“
Die Hybridin überlegte, dann stand sie auf und reichte Enveri die Hand.
„Komm! Zeig mir die Höhle.“
Für Maruka stand es außer Frage, dass er mitkam. Ihre Finger schlossen sich verschränkt in seine und sie zog ihn auf die Beine. Freudig erregt wippend, hopste sie ein paar mal kurz auf und ab und ließ ihn dann wieder los. Sie ließ ihn kurz stehen, eilte noch einmal schnell zu ihren Sachen, rollte sie zusammen, verstecke auch die Häkelnadel in dem Bündel und packte es mit den Zähnen. Dann war sie auch schon mit ein zwei Sätzen auf den Baum gesprungen und versteckte ihre Habseligkeiten in einer der oberen Astgabeln.


„Sollte es mich beunruhigen, dass du mit mir an einer Ort willst, an dem man Schreie nicht hört?“
Fragte er halb im Scherz. Noch immer wirkte er leicht verunsichert, aber ihre Berührung hatte er akzeptiert und wirkte wieder etwas lebendiger.

Schnell war sie wieder zurück und musterte Enveris löchrige Kleidung. Sie wedelte unbestimmt vor seinem Körper mit ihrem Zeigefinger herum.
„Wenn du nicht willst, dass sie wieder nass werden, solltest du vielleicht etwas von ihnen ausziehen.“
Dann drehte sie sich schwungvoll um, ihre langen Haare ihn unabsichtlich streifend und leicht um ihre Schultern wallend. Sie selbst trug nichts außer ihrer natürlichen Lebensfreude und die stand ihr ausgesprochen gut. Maruka war unverfälscht und rein auf eine Weise, die der geneigte Beobachter als anziehend beschreiben könnte. Sie war unschuldig. Dann schlenderte sie zum See zurück und betrachtete einen Moment die glitzernde Oberfläche. Irgendwo dort unten musste es einen Eingang zu dem erwähnten Versteck geben. Höhlen waren schon immer etwas faszinierendes für sie gewesen, aber jetzt als halbe Katze war der Drang sich in ein kleines dunkles Loch zu drücken noch extremer geworden. Sie wippte ungeduldig auf von ihren Fersen zum Ballen während sie auf Enveri wartete. Sie war wirklich sehr neugierig auf das was sich dort unten verbarg. Um das Schwimmen machte sie sich keine Gedanken, weder bei sich noch bei ihm. (...)Sie spähte unauffällig zu Enveri zurück, als es ihr einfiel und schaute ob er bald kommen würde.


Enveri sah zweifelnd an sich herab und betrachtete die Lumpen die er am Leib trug. Mit zweifelndem Blick zupfte er daran herum und zuckte mit den Schultern.
„Vermutlich hast du recht…“
Brummte er und legte die Robe ab. Darunter trug er eine ärmellose Tunika und eine halbhohe Hose, beides behielt er allerdings an. Seine Armen waren sehnig und knöchern und legten Zeugnis darüber ab, wie wenig freundlich er mit sich selbst umging.

Maruka war währenddessen schon bis zu den Waden ins Wasser gewatet und rätselte noch um das Geheimnis der kleinen Funkenfreude sowie ihrer Verbindung zu Enveri/Revien/dem Panther da zupfte etwas an ihrem Haar. Als wäre der kleine Kerl nie weg gewesen schlüpfte er aus ihrer wilden Mähne und zog vorsichtig an ihrem Ohr, als wollte er sie begrüßen. Dann sprang der Waldgeist ins Wasser und tanzte über die Oberfläche.
„Ha … wie es scheint, haben sie einen Narren an dir gefressen, Maruka … mich würde nicht wundern, wenn sie einigen deiner Wünsche folgend würden.“
Er trat neben sie und warf einen zweifelnden Blick in Richtung des Sees und Sorgenfalten bildeten sich auf seiner Stirn. Das bisschen Heiterkeit, das sich in ihm geregt hatte, wurde wieder von dunkeln Wolken überschattet. Er öffnete den Mund und setzte an zu sprechen, da beschloss Maruka, seinen ewigen Grübeleien und der Schwarzseherei ein Ende zu setzen.

Sie durften ihn vielleicht nicht umarmen oder ihm die Zärtlichkeit zukommen lassen, die sie ihm gern gegeben hätte, aber es gab andere Wege ihn auf zu muntern.
Mit einer gehörigen Portion Schwung schöpfte sie Wasser und schleuderte es Enveri entgegen. Der blickte sie völlig verdattert an. Das Haar klebte ihm am Kopf und Wasserinnsaale flossen an ihm herab. Ohne zu zögern spritze Maruka mit einem Lachen eine weitere Ladung Wasser auf ihn und er löste sich von seiner starre.
„He!“
Protestierte er und trat ins Wasser um Maruka ebenfalls nass zu machen. Erheitert wich sie ihm aus und ging tiefer in den See, aber nur, um mehr Wasser zur Verfügung zu haben. Geübt spritze sie den Waldelfen Nass, der sich, leider noch immer etwas zögerlich, daran machte, sie zu verfolgen und ihre Spritz-Attacken zu erwidern. Noch bevor sie beide schwimmen mussten waren sie bis auf den letzten Zentimeter Haut durchnässt. Und Enveri Lachte mit ihr. Angesteckt durch ihr fröhliches Kichern stimmte er irgendwann mit ein und auch wenn ihm noch die schwere der letzten Stunden anhaftete wurde er lockerer.

Ihrer Beider Blicke trafen sich und die Wärme, die aus Enveris grünen Augen sprach, ließ sie hoffen. Wie klug ihre Idee, sich mit dem Waldelfen eine Wasserschlacht zu liefern war, zeigte ihr ihre Nase. Den trotz des Wasser das sie Umgab konnte sie den Panther wieder deutlich an ihm riechen. Gleichzeitig schien er gesünder und stärker. Ihn ab zu lenken und auf zu heitern schien es dem Geist leichter zu machen, sich Enveri an zu nähern.
Der Blick des Waldelfen blieb in dem blau ihrer Augen hängen und schien sich verlieren zu wollen, da riss er den Blick los und sagte:

„Noch ein paar Meter dort hin und dann müssen wir tauchen.“
Er tat ein paar kräftige Schwimmzüge, die seinen mageren Armen gar nicht zu zutrauen waren und stellte sicher, dass Maruka ihm folgte.
Der Funkenfreund hatte ihnen aus der Distanz zugesehen, kam aber nun zu ihnen und tauchte mit unter die Wasseroberfläche. Der See war in den oberen Schichten klar, wurde allerdings dunkler und diesiger je weiter sie tauchten. Doch das Licht des Funkenfreundes leitete sie sicher.

Maruka hatte einen tiefen Atemzug genommen, bevor sie die Wasseroberfläche durchbrach und in die tiefe Schwamm. Mit kräftigen, geübten Zügen schwamm sie durch den, für mantronische Verhältnisse, warmen See. Die unteren Wasserschichten wurden merklich kühler, aber für Maruka, die durch ihr Fell geschützt war, stellte dies kein Problem dar.

Immer tiefer schwommen sie, bis sie schließlich Fels erkannte – und ein schwarzes Loch. Ohne zögern schwamm das Licht hinein, ebenso wie Enveri. Erhellt durch das Leuchten erkannte sie den gut drei Schulterbreiten weiten Gang und die durchs Wasser weich geschliffenen Wände. Dieser führte steil nach oben. Mutig tauchte sie in den Tunnel. Gerade als die Luft drohte, knapp zu werden, durchbrachen sie die Wasseroberfläche und fanden sich einer geräumigen Höhle wieder.

Unzählige Stalaktiten hingen von der Decke. Das Wasser zog sich noch an einigen Stellen bis weit vor durch die Höhle und ließ hellen Felsboden darunter erkennen. Es gab eine kleine ‚Insel‘ etwa in der Mitte der Höhle. Gerade genug, um mit zwei Personen darauf zu sitzen. Der Weg dorthin konnte gelaufen werden, wobei ihr das Wasser bis knapp unters Knie ging. Enveri japste nach Luft und schien äußerst erleichtert, wieder Atmen zu können. Es kostete ihn ein paar Augenblicke länger als Maruka, sich wieder zu fangen. Währenddessen meldete sich ihre Neugierde und sie erkundete die Höhle. Noch immer leuchtete der Funkenfreund, so dass die satte Dunkelheit der Höhle durchbrochen wurde. Die Decke war an den Rändern recht niedrig, so niedrig, dass sie nicht aufrecht stehen konnte, wurde aber zur Mitte um einiges höher. Als sie zur Insel trat, entdeckte sie eine silberne Schale, die inzwischen von Tropfstein umhüllt war. Der Funkenfreund folgte ihr munter hüpfend und erhellte so ihren Weg.

Die Insel war wohl einmal dafür gedacht gewesen, dort zu sitzen, aber jetzt war es ein delikates unternehmen, eine Fläche zu finden, die nicht mit kleinen Stalagmiten bedeckt war.
Die Höhle war angenehm kühl, auch wenn die Beiden sicher von ein wenig warmer Sonne, die sie trocknete, nicht abgeneigt gewesen wären. Die Luft war angenehm frisch durchsetzt mit dem Geruch von Wasser und Mineralien. Ein eigenartiges Gefühl von Frieden hüllte den ganzen Raum ein. Ab und an hörte man das Tropfen und Plätschern von Wasser, aber ansonsten war es still.

Der Kontrast zu dem ständigen Lärm des Dschungels ließ ihre Ohren sausen, als sie sich daran gewöhnte, dass sie nicht länger so viele Geräusche aussortieren musste.
Hier zu schreien wäre sicher ein Erlebnis, vor allem da schon jetzt ein leichtes Echo von jedem Geräusch aus ging.

Enveri setzte sich auf die Insel, wobei er sich einige Male umsetzen musste, bevor er eine bequeme Position gefunden hatte.
„Und jetzt?“
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Mittwoch 22. März 2017, 20:11

„Vermutlich hast du recht…“
Brummte er und legte die Robe ab. Darunter trug er eine ärmellose Tunika und eine halbhohe Hose, beides behielt er allerdings an. Seine Armen waren sehnig und knöchern und legten Zeugnis darüber ab, wie wenig freundlich er mit sich selbst umging. Maruka presste die Lippen kurz zusammen um ihn dafür nicht zu schelten. Es tat ihr fast körperlich weh ihn so zu sehen, aber sie lächelte tapfer und nahm sich noch fester vor ihm zu helfen. Worte wie 'Zwangsernährung' oder 'Fütterung' huschten durch ihren Geist, aber manifestierten sich nicht wirklich zu einer ausgereiften Idee.
Sie war währenddessen schon bis zu den Waden ins Wasser gewatet und rätselte noch um das Geheimnis der kleinen Funkenfreunde sowie ihrer Verbindung zu Enveri/Revien/dem Panther da zupfte etwas an ihrem Haar. Als wäre der kleine Kerl nie weg gewesen schlüpfte er aus ihrer wilden Mähne und zog vorsichtig an ihrem Ohr, als wollte er sie begrüßen. Sie lachte. Dann sprang der Waldgeist ins Wasser und tanzte über die Oberfläche. Die Hybridin tanzte hinterher.
„Ha … wie es scheint, haben sie einen Narren an dir gefressen, Maruka … mich würde nicht wundern, wenn sie einigen deiner Wünsche folgend würden.“
Meinen Wünschen?... seltsame Formulierung... Was wünsche ich mir?...
Er trat neben sie und warf einen zweifelnden Blick in Richtung des Sees und Sorgenfalten bildeten sich auf seiner Stirn. Das bisschen Heiterkeit, das sich in ihm geregt hatte, wurde wieder von dunkeln Wolken überschattet. Er öffnete den Mund und setzte an zu sprechen, da beschloss Maruka, seinen ewigen Grübeleien und der Schwarzseherei ein Ende zu setzen.
Mit einer gehörigen Portion Schwung schöpfte sie Wasser und schleuderte es Enveri entgegen. Der blickte sie völlig verdattert an. Das Haar klebte ihm am Kopf und Wasserrinnsale flossen an ihm herab. Ohne zu zögern spritze Maruka mit einem Lachen eine weitere Ladung Wasser auf ihn und er löste sich von seiner Starre.
„He!“
Protestierte er und trat ins Wasser um Maruka ebenfalls nass zu machen. Erheitert wich sie ihm aus und ging tiefer in den See, aber nur, um mehr Wasser zur Verfügung zu haben. Geübt spritze sie den Waldelfen nass, der sich, leider noch immer etwas zögerlich, daran machte, sie zu verfolgen und ihre Spritz-Attacken zu erwidern. Noch bevor sie beide schwimmen mussten waren sie bis auf den letzten Zentimeter Haut durchnässt und Maruka grinste von einem Ohr zum anderen. Enveri lachte mit ihr und es klang herrlich. Angesteckt durch ihr fröhliches Kichern stimmte er irgendwann mit ein und auch wenn ihm noch die schwere der letzten Stunden anhaftete wurde er lockerer.
Ihrer beider Blicke trafen sich und die Wärme, die aus Enveris grünen Augen sprach, ließ sie hoffen. Wie klug ihre Idee, sich mit dem Waldelfen eine Wasserschlacht zu liefern war, zeigte ihr ihre Nase. Den trotz des Wasser das sie Umgab konnte sie den Panther wieder deutlich an ihm riechen. Gleichzeitig schien er gesünder und stärker. Ihn ab zu lenken und auf zu heitern schien es dem Geist leichter zu machen, sich Enveri an zu nähern.Der Blick des Waldelfen blieb in dem blau ihrer Augen hängen und schien sich verlieren zu wollen, da riss er den Blick los und sagte:
„Noch ein paar Meter dort hin und dann müssen wir tauchen.“
Er tat ein paar kräftige Schwimmzüge, die seinen mageren Armen gar nicht zu zutrauen waren und stellte sicher, dass Maruka ihm folgte. Ihr Funkenfreund hatte ihnen aus der Distanz zugesehen, kam aber nun zu ihnen und tauchte mit unter die Wasseroberfläche. Der See war in den oberen Schichten klar, wurde allerdings dunkler und diesiger je weiter sie tauchten. Doch das Licht des Funkenfreundes leitete sie sicher. Maruka hatte einen tiefen Atemzug genommen, bevor sie die Wasseroberfläche durchbrach und in die tiefe Schwamm. Mit kräftigen, geübten Zügen schwamm sie durch den, für mantronische Verhältnisse, warmen See. Die unteren Wasserschichten wurden merklich kühler, aber für Maruka, die durch ihr Fell geschützt war, stellte dies kein Problem dar, ganz im Gegenteil, sie genoss den leichten Schauer, den es über ihre Haut schickte.
Wunderschön...
Immer tiefer schwammen sie, bis sie schließlich Fels erkannte – und ein schwarzes Loch. Ohne zögern schwamm das Licht hinein, ebenso wie Enveri. Erhellt durch das Leuchten erkannte sie den gut drei Schulterbreiten weiten Gang und die durchs Wasser weich geschliffenen Wände. Dieser führte steil nach oben. Mutig tauchte sie in den Tunnel. Gerade als die Luft drohte, knapp zu werden, durchbrachen sie die Wasseroberfläche und fanden sich einer geräumigen Höhle wieder.
Maruka sah sich mit großen Augen um und wrang geistesabwesend das Nass aus ihrer Mähne.
Unzählige Stalaktiten hingen von der Decke. Das Wasser zog sich noch an einigen Stellen bis weit vor durch die Höhle und ließ hellen Felsboden darunter erkennen. Es gab eine kleine ‚Insel‘ etwa in der Mitte der Höhle. Gerade genug, um mit zwei Personen darauf zu sitzen. Der Weg dorthin konnte gelaufen werden, wobei ihr das Wasser bis knapp unters Knie ging. Enveri japste nach Luft und schien äußerst erleichtert, wieder Atmen zu können. Es kostete ihn ein paar Augenblicke länger als Maruka, sich wieder zu fangen. Währenddessen meldete sich ihre Neugierde und sie erkundete die Höhle. Noch immer leuchtete der Funkenfreund, so dass die satte Dunkelheit der Höhle durchbrochen wurde. Die Decke war an den Rändern recht niedrig, so niedrig, dass sie nicht aufrecht stehen konnte, wurde aber zur Mitte um einiges höher. Als sie zur Insel trat, entdeckte sie eine silberne Schale, die inzwischen von Tropfstein umhüllt war. Der Funkenfreund folgte ihr munter hüpfend und erhellte so ihren Weg.
„Wofür ist diese Schale?...ups.“
, fragte Maruka in die perfekte Stille und zuckte selbst ein wenig bei ihrer Stimme zusammen.
Perfekt für meine Zwecke...
Die Insel war wohl einmal dafür gedacht gewesen, dort zu sitzen, aber jetzt war es ein delikates Unternehmen, eine Fläche zu finden, die nicht mit kleinen Stalagmiten bedeckt war.
Die Höhle war angenehm kühl, auch wenn die beiden sicher von ein wenig warmer Sonne, die sie trocknete, nicht abgeneigt gewesen wären. Die Luft war angenehm frisch durchsetzt mit dem Geruch von Wasser und Mineralien. Ein eigenartiges Gefühl von Frieden hüllte den ganzen Raum ein. Ab und an hörte man das Tropfen und Plätschern von Wasser, aber ansonsten war es still.
Der Kontrast zu dem ständigen Lärm des Dschungels ließ ihre Ohren sausen, als sie sich daran gewöhnte, dass sie nicht länger so viele Geräusche aussortieren musste.
Hier zu schreien wäre sicher ein Erlebnis, vor allem da schon jetzt ein leichtes Echo von jedem Geräusch aus ging. Enveri setzte sich auf die Insel, wobei er sich einige Male umsetzen musste, bevor er eine bequeme Position gefunden hatte.
„Und jetzt?“
Maruka lächelte selig.
„Jetzt... jetzt genießen wir erst einmal die Stille und ...schauen was sie mit uns macht.“
Sie sprach sehr leise, da jeder Laut hier seinen ganz eigenen einzigartigen Klang hatte. Selbst ihre eigene Stimme klang hier fern und fremd und doch so nah, als ob sie in sich selbst hörte. Sie suchte sich ein Plätzchen, wo ihr kleiner Hintern eine Weile ausruhen konnte und sie sich entspannt aber aufrecht hinsetzen konnte. Sie schlug die Beine unter und fand ihr Gleichgewicht. Maruka erinnerte sich an die einsamen Stunden im Eis, wo die grausame Landschaft sie gelehrt hatte, wie man sich fokussierte. Jeder vergeudete Atemzug war im Eisreich eine Gefahr und alles was man tat, tat man bewusster, da man um seine eigene Endlichkeit wusste. Hier an diesem Ort war es fast genauso still wie in den weiten Eisfeldern ihrer Heimat. Dort hatte in manchen Nächten nur der Wind sein Lied für sie gesungen, genauso wie hier es das Wasser tat. Die Stille konnte in solchen Momenten so gewaltig werden, dass es einen erdrücken konnte. Maruka fühlte die Stille mit jeder Faser ihres Körpers und gab sich ihr hin, ließ sich von ihr durchdringen. Der Stein um sie herum war ihr Schutzschild, gab ihr Geborgenheit, das Wasser war die Musik, der sie lauschte und die Luft war das Leben, dass sie mit jedem Atemzug genoss. Dies hier war ihr eigener Moment des Friedens, ein Ort den sie sich mit jedem Herzschlag gewünscht hatte, ein Heiligtum für ihre Seele. Sie atmete tief und ließ ihren Odem über ihre Oberlippe fließen. Ein tiefes, niederfrequentes Brummen baute sich langsam in ihrem Bauch auf. Es war ein friedliches Geräusch, dass langsam in ihrem Innern wuchs und sie in Schwingung versetzte. Es war schön und sie ließ es langsam ihre Kehle hinauf steigen, biss es sich zu einem leisen Schnurren weitete. Ihre Katze fühlte sich hier sehr wohl und ihr Mensch war der gleichen Meinung. Und zum ersten Mal stimmte alles.
Ach, warum nicht...
Der Gedanke war noch nicht zu ende gereift, als Maruka zu ihrem Schnurren ein leises menschliches Summen hinzufügte.
„Mmmmmmmmmhhhhhh....“
Leises Erstaunen erreichte ihre Seele. Endlich hatte sie einen Moment der Einigkeit gefunden, einen Moment des Friedens.

Sie fühlte sich realer, stärker, bewusster und nun konnte sie auch den kleinen Keim eines weiteren Wunsches in sich erblühen lassen.
Ich wünsche mir, dass Enveri diesen Frieden mit mir teilt.
Sie öffnete langsam die Augen und sah zu ihm hinüber. Es war schwer einzuschätzen, was er dachte, aber er war hier mit ihr und er war nicht weggelaufen. Auch er wollte besser werden... eine bessere Version seiner selbst.
Maruka drehte sich noch ein wenig mehr ihm zu und achtete darauf seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Als sie sprach war ihre Stimme wie Seide, die an der Wasseroberfläche schwamm, nur eine Ahnung, kaum mehr als ein Flüstern:
„Enveri...“
Sie wartete bis er ihr in ihre großen Augen sah. In der Dunkelheit waren sie fast rund und das Blau hatte sich so sehr gebündelt, dass es fast schwarz wirken musste.
„Eigentlich ist es verrückt, dass mir das hier, das was ich mit dir vor habe erst jetzt einfällt... Jetzt da ich es für dich brauche und eigentlich für mich selbst so notwendig gewesen wäre... Manchmal ist man für sich selbst blind, bis ein anderer einen den Spiegel vorhält..."
Sie lächelte etwas verlegen, straffte ihren Körper und fing dann an:
"In meiner Heimat ist es wichtig jede Sekunde bewusst wahrzunehmen, wichtig intensiv zu leben und dafür habe ich eine Technik erlernt, die das Bewusstsein schärft. Sie ist wichtig für die Jagd und hilft mir mich auf das zu konzentrieren, was ich war, was ich bin und was ich sein will. Ich möchte, dass du versuchst meiner Stimme zu folgen, dass wir das gemeinsam tun.“
Sie sah Enveri an und suchte nach einem Zeichen von Einverständnis, dann fuhr sie fort zu erklären, was sie meinte, auch wenn sie manchmal nach den richtigen Worten suchte:
„Bei allem, was man tut, ist es wichtig völlig aufmerksam zu sein - beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt. Mein Vater nannte es: 'den Geist für die Jagd reinigen', meine Mutter: 'Konzentration auf das Wesentliche'. Ich nenne es einfach nur 'Leuchten', da ich mir in diesem Zustand eine kleine Flamme vorstelle, die meine Mitte darstellt. 'Leuchten' ist ganz einfach und hat viele positive Auswirkungen auf deinen Geist und deinen Körper. Ich möchte es dir zeigen und hoffe du findest deinen eigenen Mittelpunkt. Niemand, am wenigsten ich, verlange, dass du es sofort schaffst. Versuch es einfach und vielleicht sieht dein Leuchten ganz anders aus als meines. Mein Vater hatte mal gesagt, er würde einen Stein in seinem Innern tragen..."
Maruka schmunzelte und langsam waren die Gedanken an ihre Eltern nicht mehr sofort mit dem Schmerz behaftet, der von ihrer Verwandlung und der Scham darüber her rührte. Ihre Entwicklung, sich selbst zu akzeptieren wie sie war, half auch hier.
"Durch das 'Leuchten' wirst du selbstbewusster, fokussierter und 'energetischer'. Unsere Priesterin hat das so gesagt... Du gewinnst an innerer Stärke und Wachheit, während du dich gleichzeitig entspannst. Im Alltag, sowie auch im Kampf hilft es sehr gut, um mit Stress und Angstsituationen besser umzugehen."
Maruka rückte sich zurecht und nahm eine ganz besondere Haltung an.
"Als ich damit angefangen habe, stand ich jedoch vor ein paar Fragen, die unsere Priesterin mit erklärt hat. Sie war da sehr gut drin und ich versuche dir es so weiter zu geben, wie ich es gelernt habe."
Maruka erinnerte sich an ihre ersten Lektionen und an das Leuchten des Himmels über ihr. Ihr Blick wanderte kurz in eine unbestimmte Ferne, betrachtete dort die Nordlichter in all ihrer Schönheit und lächelnd kehrte sie zu Enveri zurück.
"Wie kann ich also dich das 'Leuchten' lernen? Wie fange ich am besten an? Welche Haltung sollte ich einnehmen? Auf was muss ich achten und woran merke ich, dass ich es richtig mache?
Bevor ich selber mit dem Meditieren anfing, dachte ich immer, Meditation sei nur etwas für Priester. Was konnte es schon für Vorteile haben, nichts-tuend dazusitzen und den Tag an sich vorbeiziehen zu lassen? Das Leuchten schien mir damals die reinste Zeitverschwendung zu sein. Schwups, ein paar Jahre später, und es war zur Gewohnheit geworden. Nicht nur habe ich herausgefunden, dass es nicht Zeit verschwendet sondern gewinnt, mehr dazu gleich, ich habe auch alle anderen positiven Auswirkungen des Leuchtens am eigenen Körper erlebt und will diese nicht mehr missen. Das Leuchten zu erlernen half mir wacher zu werden, wenn ich mich träge fühlte, herunterzukommen, wenn ich gestresst war, selbstbewusster zu werden und an innerer Stärke zu gewinnen, meine Ängste besser in den Griff zu kriegen, negative Gedanken loszuwerden, mich schnell zu entspannen und neue Energie zu tanken und mich rundum besser zu fühlen und das in kürzester Zeit."
Maruka schaute den Elfen an, ob er ihr noch folgen konnte.
"Außerdem wirst du schnell spüren, dass du fokussierter bist und klarer denkst. Dadurch erledigst du deine Aufgaben schneller und mit mehr Leichtigkeit. Darum habe ich auch gesagt, dass das Leuchten keine Zeitverschwendung ist, sondern einen Zeitgewinn mit sich bringt. Du gehst ausgeruhter und fokussierter an deine Arbeiten heran und erledigst diese dadurch schneller und mit mehr Tatendrang. Die Zeit, die du in dein Leuchten investierst, kommt hinten als ein Vielfaches in Form von mehr Klarheit, Energie und Lebenskraft wieder heraus."
Maruka hoffte, dass das ganze gerade nicht zu sehr nach Verdauung klang und machte schnell weiter.
"Nun, wie funktioniert das mit dem Leuchten? Wie kann man es lernen? Was genau macht man währenddessen? Am Anfang dachte ich an Priesterinnen, die starr wie eine Steinfigur dasitzen und augenscheinlich nichts tun. So kann das Leuchten aussehen, muss es aber nicht. Unsere Priesterin sagte, es kann auch statt finden, wenn du gerade mit jemandem sprichst, wenn du dich wäschst, spazieren gehst oder kurz vor dem Einschlafen bist. Es bedeutet einfach nur, dir selbst bewusst zu werden. Und das kannst du immer tun, in jeder Situation. Sie hatte mir dafür sieben Schritte gezeigt:..."
Maruka grübelte und hoffte inständig, dass sie nun auch wirklich noch alle sieben zusammen bekommen würde.
"1. Der Ort: Suche dir einen Ort aus, an dem du es tun willst. Schau, dass es dort ruhig ist und sauber. Schlechte Gerüche können stören. Du solltest den Platz mögen und dich darauf freuen, dort etwas Zeit zu verbringen. Wenn du willst, kannst du dir auch eine kleine Figur aufstellen, die dich bei deinem Leuchten begleitet. Ich nahm immer nur die Flamme einer Kerze oder die Glut am Lagerfeuer. Aber halte den Ort eher einfach und entferne alle überflüssigen Sachen. Es geht schließlich darum, in dich zu kehren. Und das geht am einfachsten, wenn man alle äußerlichen Störeinflüsse minimiert."
Na das war schon mal nicht schlecht...
"2. Sorge für Ruhe. Bevor du mit dem Meditieren beginnst, schau, dass es an deinem Platz ruhig und angenehm ist. Das heißt, sorge dafür, dass du für die Dauer der Meditation von niemandem unterbrochen wirst."
Super, weiter so Maruka, jetzt kommst du in Fahrt!
"3. Die Sitzposition. Eigentlich solltest du dich nicht auf den kalten Fußboden setzen. Ich hab immer ein weiches Fell gehabt, damit nichts meine Empfindungen gestört hat. Sitzt du bequem?"
Die Hybridin ruckte auch noch ein wenig mit dem Hintern herum und fischte einen Kiesel unter sich hervor. Dann erklärte sie weiter und fand langsam richtig Freude daran auch mal etwas weiter geben zu können, was vielleicht einem anderen helfen könnte. Das hier war ihr wichtig und das strahlte sie auch mit jeder Faser von sich aus.
"Schau, dass du es warm und wohlig hast. Beim Leuchten verlangsamt sich der Herzschlag und man kann leicht frieren. Die Unterlage sollte jedoch eher hart sein. Im Bett ist also keine so gute Idee, weil du dort einsinkst. Du musst deinen Körper spüren können. Am besten setzt du dich einfach im Schneidersitz auf eine feste Unterlage. Wenn du etwas dehnbarer bist, dann kannst du auch probieren, einen Fuß auf den anderen zu legen (Halb-Lotus Position)."
Maruka machte es vor und verknotete ihre Beine.
"Wenn dir das Sitzen auf dem Boden nicht so taugt, dann kannst du aber auch auf einen ganz normalen Stuhl sitzen. Hauptsache, es ist angenehm. Natürlich kann es am Anfang etwas unkomfortabel sein, aber schmerzen sollte es auf keinen Fall."
Maruka schien auf jeden Fall mit der Haltung keine Probleme zu haben.
"4. Die Körperhaltung. Eines der wichtigsten Sachen beim Leuchten ist, dass du eine aufrechte Wirbelsäule hast. Ein aufrechter Rücken bewirkt, dass sich deine Brust öffnet, du frei atmen kannst und ein ungehinderter Energiefluss zustande kommt. Die Arme lässt du einfach in deinen Schoß fallen und deine Hände legst du ineinander. Die Daumen zeigen gegeneinander, berühren sich aber nicht. Der Kopf schaut locker geradeaus. Die Schultern lässt du fallen. Generell versuchst du, deinen ganzen Körper zu entspannen während du gleichzeitig eine aufrechte Haltung beibehältst."
Maruka achtete darauf, dass Enveri möglichst genau ihre Haltung nachahmte und erkundigte sich noch, ob er sich so gut fühlte. Dann machte sie weiter:
"4. Bevor es losgeht. Du sitzt nun also an einem ruhigen Platz in aufrechter Haltung. Das erste Mal werde ich dich nach kurzer Zeit wecken, so ungefähr zehn Minuten – dass ist am Anfang völlig ausreichend. Schließe die Augen und atme ein paarmal ganz bewusst tief in deinen unteren Bauchteil ein und aus. Prüfe während dessen noch mal deine Körperhaltung: aufrechter Rücken, lockere Schultern, freier Brustraum, entspanntes Gesamtgefühl."
Noch einmal suchte Maruka nach Zeichen von Unwohlsein bei Enveri, die es zu korrigieren galt und fuhr danach fort:
" 5. ... oder 6.? Egal... Das Leuchten."
Irgendwo hab ich mich verzählt...
"Nachdem du die ersten tiefen Atemzüge genommen hast, bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bewusst bei deinem Atem. Am Anfang geht es nur darum, „herauszukommen“ aus deinem Kopf und „hineinzugehen“ in deinen Körper. Spüre deinen Atem, wie er langsam in deinen Körper einfließt und wieder ausfließt. Achte auf jedes kleine Detail. Achte darauf, wie sich dein Bauch beim Einatmen weitet und wie der Luftstrom deine Oberlippe beim Ausatmen passiert. Das erste Ziel ist es jetzt, während des ganzen Vorgangs, deinen Atem bewusst zu beobachten. Früher oder später, wahrscheinlich schon nach wenigen Sekunden, werden dich deine Gedanken wieder davon ablenken. Das macht aber nichts, das ist ganz normal. Wenn das passiert, führe deine Aufmerksamkeit wieder ganz sanft zurück, auf deinen Atem."
Jetzt aber... sieben!
"7. Das Aufwachen. Das Ziel dieser Übung ist es natürlich, dass du diesen Zustand auch in deinen Alltag mitnimmst. Wenn ich dich also nach 10 Minuten zurückhole, dann springe nicht sofort auf und renne deinen nächsten Gedanken hinter her. Nimm deinen geschärften Fokus und deine neue Energie mit an deine nächste Aufgabe. Bleibe dir und deinem Atem bewusst. Bewahre deine aufrechte Haltung. Bleibe bewusst bei dir! Kehre zurück und nimm deine Umwelt wieder in dich auf. Sage mir einfach, wenn du wieder da bist. Bewege dich langsam und bewusst."
Na, das war nicht schlecht... kannst stolz auf dich sein Maruka. Keine perfekte Lehrerin aber auch nicht schlecht! Soweit also die Theorie... nun zur Praxis...
"Willst du es jetzt einmal versuchen? Ich bin bei dir und wenn du spürst, dass irgendetwas nicht stimmt, dann brechen wir ab. Ich hab ... Ich hab beim ersten Mal ....geweint, aber das ist nicht schlimm. Bleib bei deinem Atem und kehre immer wieder zu ihm zurück, dann schaffst du es."
Maruka sah Enveri tief in die Augen.
"Ich bin da... und wenn das nichts für dich ist, dann probieren wir was anders."
Sie zwinkerte und ihre kleine Nase zog sich kraus.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. April 2017, 21:37

Die kleine Schale in der Mitte der Höhle schien förmlich mit dem Stein verschmolzen zu sein und ließ sich nicht bewegen. Vermutlich musste man sie mit Gewalt herausbrechen, wenn man sie denn aufheben wollte. Nun, so konnte sie wenigstens nicht versehentlich umgestoßen werden und Lärm verursachen!

Der Ort um sie herum schien wie geschaffen für das, was Maruka in den Sinn kam. Das leise plätschern des Wassers war zwar kein Meer, aber es erinnerte sie doch an die Heimat. Und es beruhigte die Nerven, lullte einen förmlich ein. So kamen die Lektionen der Priesterin glasklar aus ihrem Gedächtnis hervor und sie rezitierte sie für Enveri.
Dieser hatte sich bereits in den Schneidersitz gesetzt, noch bevor sie den Vorschlag machte und jetzt erinnerte sie sich auch, dass sie ihn so nicht das erste Mal sah. Vermutlich hatte er als Druide bereits selbst ein paar Lektionen in der Meditation gehabt. Allerdings wusste sie auch nur zu gut, dass man sich manchmal so schlecht fühlte, dass man die Werkzeuge, die einem Gegeben waren, nicht mehr nutzte. Und so frischte sie sein Gedächtnis wieder auf – davon ab, dass es die mantronische Art war, dies zu tun.

Er war ein aufmerksamer Schüler und befolgte ihre Anweisungen zeitgleich und präzise. Dabei huschte immer wieder ein Lächeln über seine Lippen – wenn sie von sich und ihren Erfahrungen sprach und auch über die etwas missverständliche Umschreibung der Erfolge der Meditation – oder dem ‚Leuchten‘ wie sie es nannte – erzählte.
Nachfolgend gratulierte sie sich sogar für die etwas holprige Formulierung, denn beinahe hätte der Waldelf gelacht.
Nicht nur Enveri lauschte ihr aufmerksam, auch der Funkenfreund hörte ihr zu und versuchte, ihr verhalten nach zu ahmen, wobei er in der Schale Platz nahm. Der Raum wurde immer heller und sie bemerkte aus dem Augenwinkel, wie weitere Waldgeister in der Höhle erschienen.

Ihr Fell trocknete schnell und so umfing sie eine schützende wohlige Wärme, während sie alle Sieben Lektionen umschrieb.
Marukas Anweisungen folgend justierte Enveri seine Haltung und verlagerte seine Position etwas, vermutlich, weil er auf einem der Stalagmiten gesessen hatte. Es gab erstaunlich wenig an ihm zu korrigieren, nur an seiner Hand-Haltung konnte sie noch etwas feilen.

"Willst du es jetzt einmal versuchen? Ich bin bei dir und wenn du spürst, dass irgendetwas nicht stimmt, dann brechen wir ab. Ich hab ... Ich hab beim ersten Mal ....geweint, aber das ist nicht schlimm. Bleib bei deinem Atem und kehre immer wieder zu ihm zurück, dann schaffst du es."
Maruka sah Enveri tief in die Augen.
"Ich bin da... und wenn das nichts für dich ist, dann probieren wir was anders."
Sie zwinkerte und ihre kleine Nase zog sich kraus.


„Dieses ‚Leuchten‘, wie du es nennst, so etwas Ähnliches hat man mir auch bei gebracht … ich würde es gern versuchen …“
Er kniff die Lippen zusammen und blickte zu Boden. Aber auch wenn er nicht weitergesprochen hatte, der Zweifel in seinen Zügen sprach Bände. Er glaubte nicht daran, dass es helfen würde.
Marukas innerer Optimist sah das Anders. Manchmal konnte man Dinge nicht alleine richten, wenn man zu sehr aus dem Gleichgewicht geraten war. Und sie hatte schon jetzt bemerkt, dass ihre ruhige Stimme ihn gut angeleitet hatte. Er wirkte entspannter und konzentrierter. Zum Glück erwies er sich als braver Schüler – trotz seines Zweifels.
„Lass es uns gemeinsam versuchen!“

Er begegnete ihrem Blick und sie spürte seine Zuneigung und sein Vertrauen in sie. Gleichzeitig und wie auf Kommando schlossen sie Beide die Augen. Nach wenigen Atemzügen synchronisierte sich ihrer Beider Atmung zu tiefen Zügen. Ihr Wohlgefühl ließ das tiefe Schurren in ihrer Kehle wieder erwachen und schallte leicht durch die Höhle. Der Frieden, der sich in ihr ausbreitete hüllte sie in Wärme und in Gedanken rief sie das Licht vor Augen, dass ihr Zentrum bildete.
Noch nie hatte sie sich so gut auf das Bild konzentrieren können und nur die tiefe Entspannung in Körper und Geist ließen sie nicht aufschrecken. Sie SAH das Leuchten vor sich, so real als wäre es die Flamme einer Kerze. Mit geschlossenen Augen. Um sie herum war Dunkelheit, aber es war eine warme, ruhige Dunkelheit ohne Ungewissheit. In ihrem Zentrum war das Leuchten. Zuerst wirkte es nur gleißend hell, aber je mehr sie es ansah, desto klarer konnte sie auch Farben daraus erkennen. Es war, als besähe sie sich alles in einer Lupe und erkannte tausender Details, die ihr vorher entgangen waren. Die Farben des Regenbogens zogen sich wie schlieren durch das Leuchten, wobei einige Farben dominierten. Da waren ein dunkles Waldgrün, ein helles blau und ein leuchtendes Blau, aber auch andere Töne blitzten auf. Und es war wunderschön. Im Rhythmus ihres Herzschlages pulsierte weiches Licht darin und erleuchtete zwei Zwillingssterne, die das Zentrum ausmachten. Der eine davon strahlte mehr Waldgrün, der Andere mehr in hellen Blautönen.

Völlig verzaubert musterte sie die hübschen Muster, die sich wie Lichtbahnen um die Sterne bildeten. Der waldgrüne Stern schien sich mit der hellblauen verflochten zu haben und bildete eine filigrane vielzweigige Brücke zwischen beiden ‚Himmelskörpern‘. Sie pulsierten im Einklang miteinander.

Als sie die Brücke etwas genauer betrachtete, fiel ihr auf, dass es eine weitere Verbindung gab. Ein dünnes, hellgrünes Band knüpfte an beide Sterne an. Neugierig folgte sie diesem und sah, dass ein weiteres Licht, ganz in ihrer Nähe, leuchtete.
Es ähnelte dem – ihrem - waldgrünen Leuchten, aber es war an einigen Stellen intensiver und strahlender, an manchen Anderen verblasse es aber auch fast und zerfiel in Schwärze. Es war, als würde man in einer Gewitternacht in den Himmel blicken. Blitze in unterschiedlichen Farben zuckten über aufgewühlte Wolken aus Farbe und Dunkelheit. Und ihr Leuchten war durch ein dünnes grünes Band verbunden. Immer wieder flossen helle Impulse darüber zu dem anderen Licht und ließen es erstrahlen.

Sie hatte nicht den Eindruck, dass die Verbindung ihre schadete oder gefährlich war, und auch das strahlen, dass zu dem anderen Leuchten geleitet wurde, raubte ihr keine Kraft.
Das ganze war so fremdartig und abstrakt, dass ihr Geist Probleme hatte, die Informationen zu verarbeiten. Dass hier war so magisch und fernab ihrer Erfahrungen, dass es drohte, die Entspannung und den Frieden, den sie gefunden hatte, zu brechen. Nur die Gelassenheit ihres Tieres half ihr, aus zu harren. Dieses wusste, dass es sich selbst und Enveri – nein Revien – denn sie sah Beide, Naturgeist und Mann, betrachtete. Und dass die Verbindung zwischen ihnen von den Funkenfreunden erzeugt worden sein musste. Nun, zumindest gab es niemanden sonst – und hatte sie nicht darum gebeten?

Ich wünsche mir, dass Enveri diesen Frieden mit mir teilt.

Sie konnte es nicht genau wissen, aber sollte das alles aufgrund ihres Wunsches passiert sein, dann war es wahrscheinlich, dass sie wirklich ihren Frieden mit Enveri über diese Verbindung teilte. Wortwörtlich. Und sie sah, wenn sie das Leuchten gegenüber sich betrachtete, dass langsam ruhe in das Sturm geplagte Leuchten ein kehrte.
Harrte sie nur etwas länger aus, würde es ihr vielleicht gelingen, das Gewitter vor sich zu beruhigen – und damit sicher auch Enveri.
Sie könnte natürlich auch ihrer Neugierde nachgeben, und das Leuchten vor sich erkunden. Allerdings würde sie damit weit über alles hinaus gehen, was sie wusste und konnte. Das hier war ganz offensichtlich Magie und davon hatte sie absolut keine Ahnung. Auch wenn seit kurzem allerlei mächtige Geschöpfe damit nach ihr ‚warfen‘.
So oder so, sie ahnte, dass sie sich auf einer sehr intimen Ebene bewegte, in der sie, genauso wie Revien, äußerst verletzlich war. Es war möglich, dass sie ihm hier noch besser helfen konnte, als irgendwo anders – aber sie konnte auch sich selbst oder ihm schaden, wenn sie unvorsichtig war.
War es das Risiko wert?

Sie wusste, schon jetzt hatte sie ihm geholfen und ließ sie sich etwas Zeit würde sie einem wesentlich ausgeglicheneren Mann gegenüberstehen. Womöglich war es sogar genug, um der Versöhnung der Beiden den Weg zu ebnen. Nur wie lange würden sie brauchen? Vielleicht, nur vielleicht … könnte sie jetzt in diesem Moment wieder alles richten – wenn sie nur mutig genug war, ins ungewisse zu stürzen.
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Re: Im Herzen Neldoreths

Beitrag von Maruka » Donnerstag 6. April 2017, 17:28

„Lass es uns gemeinsam versuchen!“
Er begegnete ihrem Blick und sie spürte seine Zuneigung und sein Vertrauen in sie. Gleichzeitig und wie auf Kommando schlossen sie beide die Augen. Nach wenigen Atemzügen synchronisierte sich ihrer beider Atmung zu tiefen Zügen. Ihr Wohlgefühl ließ das tiefe Schnurren in ihrer Kehle wieder erwachen und es schallte leicht und beruhigend durch die Höhle.

Was nun folgte war schlicht ein Erlebnis, das weit über Marukas Vorstellungskraft hinaus ging.
Noch nie hatte sie sich so gut auf das Bild konzentrieren können und nur die tiefe Entspannung in Körper und Geist erfahren. Sie SAH das Leuchten vor sich, so real als wäre es die Flamme einer Kerze. Fast hätte sie die Hand ausgestreckt um zu fühlen, ob sie auch Wärme abstrahlte. Zuerst wirkte es nur gleißend hell, aber je länger sie es ansah, desto klarer konnte sie auch Farben daraus erkennen. Völlig verzaubert betrachtete sie die hübschen Muster, die sich wie Lichtbahnen um zwei Sterne bildeten. Der waldgrüne Stern schien sich mit der hellblauen verflochten zu haben und bildete eine filigrane vielzweigige Brücke zwischen beiden ‚Himmelskörpern‘. Sie pulsierten im Einklang miteinander.
Bin ich das...? Sind wir das?... Das ist wunderschön!!!
Das hier war alles faszinierend und so wunderschön!
Als sie die Brücke etwas genauer betrachtete, fiel ihr auf, dass es eine weitere Verbindung gab. Ein dünnes, hellgrünes Band knüpfte an beide Sterne an. Neugierig folgte sie diesem. Es war, als würde man in einer Gewitternacht in den Himmel blicken.
Ist er das...?
Blitze in unterschiedlichen Farben zuckten über aufgewühlte Wolken aus Farbe und Dunkelheit. Und ihr Leuchten war durch ein dünnes grünes Band verbunden. Immer wieder flossen helle Impulse darüber zu dem anderen Licht und ließen es erstrahlen.
Das ganze war so fremdartig und abstrakt, dass ihr Geist Probleme hatte, die Informationen zu verarbeiten. Dass hier war so magisch und fernab ihrer Erfahrungen. Nur die Gelassenheit ihres Tieres half ihr, aus zu harren und alles friedlich zu beobachten. Noch nie hatte sie ihr „Leuchten“ so nah gesehen. Wenn dann war es immer wie ein fernes kleines Leuchten tief in hrem Innern gewesen und JETZT?! Jetzt war es strahlend schön, stark und so viel mehr als sie erwartet hatte! Und über das hinaus war sie auch nicht mehr allein! Ihre Funkenfreunde waren bei ihr und da war Enveri...Revien... Sie sah beide, Naturgeist und Mann. Und da war die Verbindung zwischen ihnen, die Brücke. Sie musste von den Funkenfreunden erzeugt worden sein.
Ich wünsche mir, dass Enveri diesen Frieden mit mir teilt.
Sie konnte es nicht genau wissen, aber sollte das alles aufgrund ihres Wunsches passiert sein, dann war es wahrscheinlich, dass sie wirklich ihren Frieden mit Enveri über diese Verbindung teilte. Wortwörtlich. Und sie sah, wenn sie das Leuchten gegenüber sich betrachtete, dass langsam Ruhe in das Sturm geplagte Leuchten ein kehrte.
Das ist gut...das fühlt sich gut und richtig an...
Das hier war ganz offensichtlich Magie und davon hatte sie absolut keine Ahnung. Auch wenn seit kurzem allerlei mächtige Geschöpfe damit nach ihr ‚warfen‘. So oder so, sie ahnte, dass sie sich auf einer sehr intimen Ebene bewegte, in der sie, genauso wie Revien, äußerst verletzlich war. Sie wusste, schon jetzt hatte sie ihm geholfen und sie ließ sich Zeit, um das Ganze auf sich wirken zu lassen. Wie ein Tier, dass unbekanntes Gebiet betrat, musste jeder Schritt mit Bedacht gesetzt werden. Das hier war neu und so bewegte sie sich nicht. Sie lauerte, schlich um ihre eigenen Empfindungen herum und hielt damit ihre Neugierde zurück. Am Mut mangelte es nicht, aber sie wusste aus den vergangenen Ereignissen, dass Revien den Schritt zur Heilung selbst gehen musste. Sie konnte ihm nur den Weg zeigen, einen Weg, ihren Weg. Einen anderen kannte sie nicht. Wenn er ihn gehen würde, dann war es seine Entscheidung. Das einzige was sie tun konnte war ihm mental jenen Frieden zu zeigen, den er schon vergessen hatte. Es fühlte sich ein bisschen für sie an, als würden die kleinen Lichtpulse ihre Hand sein, sie sie ihm zur Unterstützung reichte und sie wollte natürlich, dass er sie nahm und daran heilte. Dies war ihr innigster Wunsch und in diesem einen kleinen Augenblick wurde ihr noch etwas klar und dieser eine Gedanke schenkte auch ihr den nötigen Frieden.
Ich bin Zuhause!
Tief in ihr würde sie immer ihre Heimat mit sich tragen, all die Erinnerungen und das Leben das sie einst gehabt hatte, aber jetzt in diesem so unendlich kostbaren Augenblick, da war ihr klar, dass sie für ihr Zuhause hier, mit ihren neuen Freunden, mit ihrer neuen Familie, der Magie, oder was auch immer diesen Ort so besonders machte, sie würde ihn beschützen, sie würde für ihn kämpfen, sie würde eben alles tun, für jene die man liebt. Ja, sie liebte ihn, Enveri auf ihre ganz besondere Weise. Sie liebte ihn, weil er ohne es zu wissen ihr mehr geholfen hatte stark zu sein, als sie es jemals vermutet hatte. Er war ihr Freund. Sie schloss ihn in ihr Herz ein, genauso wie diesen Ort und ihre Funkenfreunde.
Und Marukas Herz war groß!
Es war groß und weit wie die Eisebenen ihrer Heimat. Jeder konnte sie bereisen, der den Mut aufbrachte, sich mit ihrem Wesen auseinander zu setzen und seinen Lauen ertragen konnte, die stürmisch bis wechselhaft waren. Man könnte ganze Städte in ihrem Herzen bauen! Da war Platz für kleine grüne Funkenfreunde, für einen ausgebrannten Enveri, Platz für Geisterraubkatzen wie „Pantherchen“ anscheinend einer war, für Revien, wenn er sich den zeigen würde, für einen Baum, für einen ganzen Wald. Da war Platz für die Tiere, die sie erbeutet hatte, eine Statur im Schatten, einen ganzen See mitsamt seiner leckeren Fische, eine mystische Höhle, eine Schale im Stein ...und alles was dies zusammen bedeuten mochte! Selbst für ungebetene Gäste wie Liam war Platz, sofern sie keinen Ärger mit sich brachten. Ganz im Stillen dankte sie dem Moment, der sie hier her gebracht hatte, der Reihe von Entscheidungen, den Göttern, ja selbst dem Schicksal im guten wie im bösen.
In diesem Moment fand Maruka ihren Frieden mit sich und nahm alles an was das Leben ihr geschenkt hatte, was sie zu diesem kostbaren Augenblick hin geführt hatte.
Sie konzentrierte sich und betrachtete die beiden Zwillingssterne, von denen sie meinte, dass sie ihr inneres Leuchten darstellten und bat sie still nicht länger fern voneinander zu sein. Sie konnte vielleicht nicht Wunder bei Enveri bewirken, aber was sie tun konnte, war das hellblaue Licht mit dem waldgrünen zu einem wundervollen türkis zu verbinden. Es war in ihre Vorstellung und deshalb war es einfach. Ob es Magie war oder nicht, war dabei egal. Maruka nahm das was das Leben ihr gab und nutzte es. Sie stellte sich vor, wie sie in jeder Hand einen der beiden Sterne hielt und führte sie zueinander. Sanft schloss sie die Hände um ihr Leuchten und lächelte in sich hinein, Sie schob einfach die beiden Sterne übereinander, so dass ihr Licht gemeinsam erstrahlte. Vielleicht würde diese Verbindung nicht ewig halten, vielleicht nur für diese Meditation, aber sie betrachtete sie und fühlte sich hier und jetzt:
EINS.
Sie fühlte wahrhaftig Frieden und Mensch wie Tier in ihr waren rundum zufrieden. Es war noch besser! Maruka dachte wie ein Wesen:
Türkis ist gut!
Für den Moment war alles gut und sie hoffte still, dass ihr türkises Licht Enveri helfen würde ebenso zu „einander“ zu finden, wie sie es gerade getan hatte. Solange es ihm gut ging, solange wie das hier ihm helfen würde, solange würde sie bei ihm bleiben und die Verbindung aufrecht erhalten. Sie war da, wenn er sie brauchte.
Bild
"Ich schreibe so lange, wie der Leser davon überzeugt ist, in den Händen eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein."
Stephen King

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