Stille in Wald und Seele

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Fianna Firnblüte
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Stille in Wald und Seele

Beitrag von Fianna Firnblüte » Dienstag 23. Juli 2013, 19:51

Ein leichter Wind strich durch den Wald und brachte das Laubwerk zum Rascheln. Die Dämmerung senkte sich über die Bäume und tauchte alles in Dunkelheit. Nur ein Fleck schien sich gegen diese zu wehren, ein Feuer. Gut getarnt strahlte es doch weit in die Umgebung und ließ die Schatten über die Stämme der Bäume tanzen. Etwas gedankenverloren saß Fianna vor ihrem Feuer und genoss die Wärme auf ihrem Gesicht. Erst vor kurzer Zeit hatte sie sich von ihren drei Begleitern getrennt, um wieder ihrer Wege zu gehen. Noch war die Erinnerung an das mit ihnen Erlebte zu frisch. Oft genug zuckte Fianna erschrocken zusammen, wenn es im Gebüsch krachte, weil ein Tier sich seinen Weg bahnte oder einfach ein alter Ast den Kampf gegen die Elemente aufgab und brach. Dann raste ihr Herz für eine kurze Weile und die Bilder tauchten wieder vor ihrem inneren Auge auf. Wie lange es wohl dauern würde, bis sie diese Erlebnisse verarbeitet hatte?
Vergessen würde sie nicht können, niemals. Vermutlich würde diese Erinnerung sie bis ins hohe Alter begleiten und gut dazu taugen, ihre Enkelkinder zu Tode zu erschrecken oder ein respektvolles Leuchten in ihre Augen zu zaubern. Bei diesem Gedanken musste Fianna lächeln. Sie und Enkelkinder, vorher müsste sie erst einmal einen Partner finden und Mutter werden. Und dafür war noch keine Zeit. Auch wenn sie ehrlich zugeben musste, dass diese Begegnung sie dazu gebracht hatte, darüber nach zu denken, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte. Bis dato hatte ihr ihr leben vollends ausgereicht, die oft tagelang dauernde Jagd, das Leben im Wald und das ständige Unterwegssein.
Aber war das alles? Alles was sie auf Dauer wollte? Wenn sie ganz ehrlich war fehlte Fianna etwas in ihrem Leben. Nur konnte sie es einfach nicht greifen, nicht festhalten. Es war ein Gefühl welches am Rande ihres Bewusstseins entlang huschte und sie narrte, ein seltsames Gefühl in ihrer Brust auslöste und sich dann kichernd davon stahl, wenn sie versuchte es fest zu halten. Es war unmöglich. Von all diesen Empfindungen und Erlebnissen verwirrt hatte Fianna sich auf den Weg in ihre Heimat gemacht, um mit ihrem Vater oder ihrer Großmutter darüber zu sprechen. Einer von beiden wusste sicherlich einen Rat für sie. Nachdem sie mitbekommen hatte, wie Erendor sich diesem Wesen in den Weg gestellt hatte, fühlte sie sich einfach so...so...
Fianna fand einfach nicht das richtige Wort, um ihr Empfinden auszudrücken. Nutzlos kam dem noch am nächsten, aber es war nicht das richtige Wort. Und das alles machte der jungen Jägerin mehr zu schaffen als sie zugeben wollte.
Seufzend strich sie sich über das Gesicht und nahm sich etwas von ihrem Proviant, um lustlos davon zu essen. Großen Hunger hatte sie schon seit Tagen nicht, aber ihr Körper brauchte die Kraft, die sie aus dem Essen bezog. Ihrer Schätzung nach war sie noch mehrere Tage von zu Hause entfernt und würde noch eine Weile brauchen, um den Weg zu bewältigen. Den Kopf weit in den Nacken gelegt blickte Fianna in den Himmel. Was wohl das ihr von den Göttern zugedachte Schicksal war?

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Re: Stille in Wald und Seele

Beitrag von Erzähler » Samstag 24. August 2013, 03:19

Die Zeit des Übergangs war bereits vorangeschritten und schritt langsam der Zeit der dunklen Tage entgegen. Gerade hier in einem Wald, wie dem Neldoreth konnte Fianna den Wandel der Zeiten besonders gut beobachten. Sie war ganz in ihrem Element, im Reinen mit sich und der Natur. Die kälteste Zeit des Jahres hatte Einzug gehalten und alles schlief oder ging träge seinem Tagwerk nach.
Fianna mochte durchaus die Geselligkeit ihres gleichen, aber der Wald und seine Tiere waren ihr lieber. Sie hatte sich bisher keine Gedanken darüber gemacht, warum dies so war, dass sie oft tagelang lieber im Wald umher streifte und so gesehen lieber für sich blieb. Jetzt saß sie gerade an eine wärmenden Feuer und ließ die Umgebung und die vermeintliche, nächtliche Stille auf sich wirken. Abermals kamen die Erinnerungen in ihr hoch, die sie immer noch verarbeitete und sehr zu ihrem Nachteil, verblassten die Bilder nur äußerst langsam. Ja, Fianna ist eine Jägerin und deswegen auch täglich an den Tod gewöhnt und auch, wenn sie dafür sorgt, dass alles im Gleichgewicht im Wald erhalten bleibt, so konnte sie das Grauen nicht so einfach von sich abschütteln.
Die Gunst der Waldgötter waren ihr hold und so hatte sie es immerhin geschafft, ein Reh zu erlegen, welches eine wunderschöne Fellzeichnung aufwies. Sogleich hatte sie sich daran gemacht, das Tier auszuweiden. Das, was sie nicht verarbeiten konnte, könnte sie unter niedrigen Sträuchern hinterlassen. So würden die Tiere, die es gerade nötig hatten, daran gelangen. Das Fleisch könnte sie für sich zubereiten und das Fell, wenn sie es gerben würde, ebenfalls für sich nutzen. Sie hatte die Wahl, diesen komplizierten Vorgang hier selbst zu tätigen oder das Fell gefrieren zu lassen, um es dann zu verkaufen oder gegen Etwas dringenderes zu tauschen. Hier würde sie definitiv Blätter und Rinde der Eiche oder Kastanie sammeln können, auch wenn diese nicht mehr frisch waren. Aber das war besser als nichts. Bei ihrer Reise durch den Wald, war sie zum Glück auf niemanden gestoßen, auch wenn die Gesellschaft anderer Wesen vielleicht zur Zeit für sie besser wäre.
Unter ihre Gedanken mischten sich Fragen, die sich um ihre Zukunft drehten. Bisher war sie ganz glücklich und erfüllt damit gewesen, dass Leben einer Jägerin zu führen, die nicht viele Gedanken an die Zukunft verschwendete. Doch die jetzigen Gedanken, di sich zum Teil ungebeten einstellten, verwirrten sie und ließen die junge Elfe keine rechte Antwort finden. So hatte sie sich auf den Weg nachhause gemacht und war auch von ihrem Dorf nicht mehr weitentfernt, wenn sie sich ranhielt, hatte sie vielleicht noch zwei Tagesreisen Fußmarsch vor sich.
Jedem, der im Wald nicht zuhause war, musste dieser Landstrich armselig und verlassen vorkommen, aber für Fianna zeichneten sich hier schon die Spuren derer ab, die in und mit dem Wald lebten. Hier und da konnte sie kleine Pfade erkennen, die vorsichtig durchs Unterholz führten, kleine Botschaften anderer Waldläufer lieferten Hinweise auf Besonderheiten und so weiter. Alles in allem, ein sehr geschäftiger Flecken Erde.
Sie konnte nur hoffen, dass ihre Sicht, in ihrem Dorf, im Kreise ihrer Lieben wieder klar wurde und sie einen Weg für sich and, mit dem Geschehen leben zu können und es zu akzeptieren. Denn ihr Vater war es, der ihr stets beibrachte, nicht zu hadern und alles zu hinterfragen, manchmal hatte es eben keinen Sinn und man machte sich unglücklich damit. Wenn man dies nicht vermochte, dann musste man sich um eine Änderung bemühen - und wenn ihre Lieben keine Antwort wussten, vielleicht dann ja Phaun. Vielleicht gab es ja etwas, dessen sie sich widmen konnte, vielleicht eine größere Aufgabe , die dort draußen in der Welt auf sie wartete. Denn eines war klar, auch wenn dies die Zeit des Übergangs war, etwas war im Umbruch und dieser Umbruch war nicht natürlich, er war erzwungen. Ob zum Negativen oder Positiven, das vermochte Fianna nicht zu sagen, aber der Wind brachte es mit sich.
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