Südlich von Kosral

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Fianna Firnblüte
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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Fianna Firnblüte » Dienstag 23. August 2011, 11:23

Der Fund schlug Fiana gewaltig auf den Magen und sie musste wirklich ein wenig würgen, auf ihrer Zunge ein leicht bitterer Geschmack. Ruhig atmete sie aus und ein, damit dieser Moment der Übelkeit vorüber ging. Draugh und Finrod sahen nicht weniger schockiert aus also wohl sie selbst, nur Erendor schien eher weniger beeindruckt. Er marschierte mehr oder weniger strikt auf die Lichtung, um sich dort umzusehen. Draugh folgte ihm, schlug sich in die Büsche, um ihn abzusichern. Finrod reichte ihr einen Wasserschlauch und legte ihr die Hand auf die Schulter. Noch traute sich Fianna nicht, den Mund wieder aufzumachen, daher nckte sie nur und sah ihn dankbar an. Als er dann ebenfalls die Lichtung betrat, öffnete sie den Trinkschlauch und spülte sich mit dem ersten Schluck den Mund aus, ehe sie einen tiefen Zug nahm. Jetzt ging es ihr etwas besser. Aber auf die Lichtung würde sie nicht noch einmal gehen. Stattdessen hörte sie still, auf dem Boden sitzend, Erendor zu, der nun fast in dieser so seltsam bekannt klingenden und doch fremden Sprache sang. Irgendwie half ihr das, sich zu beruhigen. Als sie dann auch noch zwei blitzende Augen im Gebüsch ausmachte, wurde sie noch ruhiger und der Schrecken wich fast ganz von ihrer Seele. Aber nur fast. Sie war immer noch nicht bereit, auch nur einen Schritt auf die Lichtung zu machen, alleine bei dem Gedanken daran fing ihr Magen schon wieder an zu revoltieren. Besser, die Erinnerung von sich schieben und abwarten, was die drei heraus fanden. Sehen konnte sie keinen von ihnen, sie waren verdeckt durch das Unterholz. Und Fiannas Ambitionen durch dieses zu sehen und ihnen nach zu blicken waren gleich null. Stattdessen streckte sie leicht die Hand aus, in Richtung der Augen. Als wenn sie den Fuchs anlocken wollte, denn wer sonst konnte sich dort verbergen. Der Schrecken saß ihr tiefer in den Gliedern, als sie erwartet hatte und sie hätte jetzt gerne etwas gehabt, um sich anzulehnen, einfach das Gefühl nicht alleine zu sein, das würde ihr schon reichen. Ob der Fuchs das verstand? Und auch wenn nicht, diese Aktion bedurfte ihrer Aufmerksamkeit und lenkte sie daher von dem Fund auf der Lichtung ab. Also egal wie es ausging, momentan war es ein Gewinn. Was gesprochen wurde, hörte sie noch klar und deutlich. Und das holte sie auch schneller in die momentan unliebsame Realität zurück, als ihr lieb war. Nekromantischen Ursprungs? Worauf hatten sie sich denn hier eingelassen? Erendor sagte, die Zauber wären schon vor längerer Zeit gewirkt worden, aber wie erklärte sich dann dieser Haufen? Waren das vielleicht...vorher...lebende Wesen gewesen?! Bis der Zauber gewirkt worden war?! Dieser Gedanke ließ Fianna keine Ruhe und sie stand dann doch auf, wagte sich auf die Lichtung. Besser gesagt an den Rand. Weiter ging einfach nicht, alleine der Geruch ließ sich ihren Magen zusammen ziehen. "Inwiefern erklärt das den Fleischhaufen? Nekromantie hat doch mit Toten zu tun, oder? Warum liegt dann dieser Haufen dort?!", ihre Stimme enthielt eine gewisse Panik, das hier war etwas, von dem sie absolut keine Ahnung hatte und allein dieser Fund hatte sie zutiefst erschreckt, dass damit noch Nekromantie zu tun haben sollte...Fianna kannte zwar nur die Schauergeschichten darüber und hatte sonst keine Ahnung, aber diese Geschichten reichten, um ihr gehörig Angst zu machen. Und das mochte man ihr auch ansehen. Sie war eine Jägerin, ihre Welt bestand aus dem Wald und den Tieren darin, mit Zauberei hatte sie nie etwas zu tun gehabt, Erendor war quasi der erste Zauberer, der ihr über den Weg lief. Und jetzt wurde ihr Wald von etwas bedroht, von dem sie keinerlei Ahnung hatte, dem sie vielleicht nicht einmal etwas entgegensetzen konnte. So selbstständig Fianna auch trotz ihres jungen Alters sein mochte, sie war immer noch jung und das hier machte ihr gerade fürchterliche Angst.

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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 25. August 2011, 05:21

Fianna hatte redliche Mühe damit, sich wieder zu beruhigen und ihren rebellierenden Magen in Zaum zu halten. Da kam ihr der Zuspruch von Finrod gerade recht und sein dargebotenes kühles Nass, spülte wenigstens den bitteren Geschmack davon.
Eine weitere Ableckung war für sie, dass sie ihren kleinen Freund entdeckt hatte. Freude hatte kurzzeitig die furchtsamen Gefühle beiseite gewischt. Immer noch sitzend, hatte sie versucht, den kleinen Fuchs zu sich zu locken. Das gelang ihr enttäuschender weise nicht, dafür sah sie seine glänzende Nase deutlich zwischen den Blättern eines Busches hervorlugen. Neugierig und emsig schnüffelte sie in die Höhe und nahm jeden Windhauch mit, den sie ergattern konnte … ein wirklich niedliches Bild.
Jäh wurde sie aus dieser kleinen Idylle gerissen, wie sie mitbekam, dass Erendor und Finrod sich über irgendwelche Zauber unterhielten, die hier gewirkt wurden und offenbar nekromantischen Ursprungs waren. Dieses Wort oder eher, diese Bezeichnung, waren für sie und für viele Elfen mit einem gewissen Schrecken verbunden. Nicht wenig, wurden viele, schaurige Geschichten über Nekromanten und ihr Treiben weiter erzählt. Vermutlich auch deswegen, weil die dunklen Vetter der an der Oberfläche lebenden Elfen, so viel damit zu tun hatten und sich im Grunde entgegen des elfischen Weges, welcher für das Leben stand, verhielten.
Nun war ihr nicht nur schlecht, sondern auch mulmig, fast schon ängstlich, dachte sie darüber nach, in was sie da eigentlich hinein gestolpert war. Trotzdem konnte sie sich nicht erklären, in welchem genauen Zusammenhang der leblose Haufen Fleisch, mit nekromantischen Zaubern stünde. Immerhin hatte sie von Magie keine Ahnung und erst recht nicht von speziellen Zaubern. Langsam aber sicher, machte sich eine gewisse Panik in ihr breit.
Dies entging den beiden Elfen nicht, die sich eindeutige Blicke zuwarfen und dann bedächtig nickten.
“Nun, … “, Erendor setzte zu einer Erklärung an, stockte dann aber und wogte seine Worte ab, ehe er mit Bedacht fortfuhr. “Ich will dir nicht die Wahrheit vorenthalten, aber Details erspare ich dir.” Ein schwaches Lächeln huschte zum Trost über seine feinen Züge.
“Es gibt durchaus Zauber, die großen Schaden anrichten und direkt oder indirekt zum Tode führen können.” Erendor sprach ganz sachlich und vorsichtig und beobachtete genau ihre Regungen.
“Es kann also sein, dass der Fund ein Resultat eines nekromantischen Zaubers ist, genau vermag ich das nicht zu sagen. Es ist auf jeden fall vollkommen ungewöhnlich, dass dies hier im Wald geschah.” Finrod nickte bestätigend, er hatte die Augenbrauen kraus gezogen und versuchte sich wohl ebenso einen Reim darauf zu machen, wie und was hier geschehen war.
“Ich kann hier keine Kampfspuren sehen und deutliche Spuren eines Raubtieres habe ich auch nicht gefunden … das können wir als erstmal ausschließen.”
Zur selben Zeit betrat Draugh die Lichtung und gesellte sich festen Schrittes zu ihnen. In seiner linken Hand hielt er mindestens ein Dutzend großer, schwarzer Federn, die ungefähr das Ausmaß einer Elle hatten. Finrod sah ihn fragend an.
“Diese Federn habe ich nicht weit von dieser Lichtung gefunden … sie liegen dort überall herum. Meines Wissens nach, müssten dies Rabenfedern sein … ein wirklich seltsamer Ort!”Stellte Draugh trocken fest.
“Was denkt ihr, sollen wir diesen Ort genauer untersuchen oder hier in der Nähe rasten und morgen weiterziehen?” Rasten mussten sie so oder so, denn die Sonne war gerade dabei, langsam ihren Weg hinter den Horizont anzutreten.
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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Fianna Firnblüte » Dienstag 30. August 2011, 15:59

Fianna machte gerade weniger den Anschein einer eigenständigen Jägerin, ihr junges Alter machte sich mehr als bemerkbar. Fast wie ein verschrecktes Reh stand sie dort und blickte zwischen Erendor und Finrod hin und her, als wenn einer von beiden ihr diese Angst nehmen konnte. Als Erendor das Wort ergriff, hing sie fast an seinen Lippen. Wirklich beruhigend war das, was er sagte, nun auch nicht. Nein, es zerstreute ihre Ängste kein Stück. Im Gegenteil, sie machten es fast schlimmer. Dass das hier nicht in den Wald gehörte, das wusste sie auch. Aber nekromantischen Ursprungs oder nekromantische Zauber...hier auf dieser Lichtung und dazu dieser Haufen totes Fleisch... Fianna bekam ziemliche Angst, noch mehr als vorher. Blass blickte sie zwischen Erendor und Finrod hin und her. Im Grunde wusste sie jetzt nur Bruchstücke mehr und diese sorgten nicht gerade dafür, sie zu beruhigen. Still stand sie also am Rand der Lichtung, blickte sich um und war doch keinen Deut ruhiger als vorher. Als dann auch noch Draugh mit einer Handvoll Rabenfedern dazu kam und meinte, er hätte ganz nah eine große Menge von diesen gefunden, sah Fianna unruhig zu ihm. Was er dann vorschlug, versetzte sie leicht in Panik. Hier in der Nähe rasten?! Fianna wurde noch blasser und ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen. Sie wollte nur noch eines, weg von hier. Am besten sofort. Während die drei noch miteinander sprachen, wich sie langsam Schritt für Schritt zurück in den Wald, fort von der Lichtung. Ihre Schritte setzte sie sacht, wie es für sie üblich war. Endlich war der Blick auf die Lichtung verdeckt und dort ließ sich Fianna mit dem Rücken an einen Baum gelehnt zu Boden sinken. Den Kopf weit in den Nacken gelegt starrte sie in die Baumkronen und lauschte dem Rauschen des Windes in den Blättern. Ihr Magen rebellierte wieder mit einer Stärke, dass sie sich auf fast nichts anderes konzentrieren konnte. Mehr als einmal schluckte sie, um den bitteren Geschmack von der Zunge zu vertreiben und wünschte sich wieder einmal ihren Vater hierher an diesen Ort, so viel älter als sie und souveräner. Schon immer hatte sie zu ihm aufblicken und ihn um Hilfe bitten können, er wäre vermutlich viel besser mit dieser Situation klar gekommen als seine Tochter, die sich gerade fürchterlich für ihre Schwäche schämte. Da hatte sie gedacht, den Wald zu kennen und dann gab es so etwas darin. Aber gehörte es überhaupt hierher? Hinter Fiannas Stirn drehten sich die Gedanken im Kreis und zu der Übelkeit wurde ihr nun auch noch schwindlig. Es war ihr so unangenehm, dass sie so schwach war im Moment, dass sie im Augenblick am liebsten keinen der drei anderen Elfen gesehen hätte. Nur ewig konnte sie hier nicht sitzen bleiben. Das ging auch nicht. Nur wie sollte sie gegen etwas nekromantischen Ursprungs ankommen? Sie war doch nur eine Jägerin... Nicht einmal eine Kämpferin... Der einzige Nutzen, den sie doch eigentlich brachte, war das Wissen, wie man sich im Wald bewegte, in ihm überlebte. Nicht, wie man gegen etwas in ihm kämpfte. Fianna schloß die Augen und lauschte dem Rauschen des Windes. Die Rabenfedern kamen ihr wieder in den Sinn. Warum dort wohl so viele gelegen hatten? Aber dieser Gedanke führte unweigerlich wieder zur Lichtung und dem, was sich darauf befand. Und das ließ Fianna schaudern.

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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 7. September 2011, 01:47

Sie hatte gerade ihre Angst unter Kontrolle gehabt, da brach diese wieder aus. Wie ein Seil, legte sich ihre Angst um ihren Hals und Magen und begann langsam, alles zu zuschnüren. Wieder wurde ihr übel und sie fühlte sich ängstlich und schwach in diesem Moment.
Fianna musste erst einmal weg von diesem Ort. Langsamen Schrittes rückwärtsgehend, hatte sie den Rückzug angetreten. Außerhalb dieser grausigen Lichtung war es dann auch schon wieder halb so schlimm … stellte sie sich vielleicht an oder jagten ihr die Geschichten ihrer Kindheit wirklich diffuse Schauer über den Rücken.
Warum nur, machte ihr ihre Angst so deutlich schaffen … sie hatte schon früher Situationen ausgestanden, in denen sie mit ihren Ängsten zu kämpfen hatte.
Stets erinnerte sie sich an ihre Vater und seinen Rat. Immer wieder hatte er ihr vermittelt, dass sie sich nicht für ihre Ängste zu schämen brauchte. Diese wären natürlich und trugen zum Überleben bei. Ein kluger Elf würde niemals seine innere Stimme ignorieren. Aber man sollte sich auch mit ihnen auseinander setzen.
Den Blick immer noch starr in die Kronen der Bäume gerichtet, kreisten ihre Gedanken.
Womöglich war nun Fiannas Moment gekommen, eine Art größerer Prüfung, an der sie wachsen oder aber scheitern könnte. Für welchen Weg würde sie sich entscheiden.
Natürlich, gegen arkane Kräfte konnte sie nicht sonderlich viel ausrichten. Aber sie war ja auch nicht allein. Wenn es sich um einen oder mehrere Zauberkundige handelte, dann würde Erendor sich um diese kümmern und Fianna könnte ihre Fähigkeiten nutzen.
Wer würde schon einem gut gezielten Pfeil ausweichen können?!
Ihre Chancen waren nicht so klein, wie sie sie zuerst gesehen hatte. Bilder riefen sich in ihrem Gedächtnis in Erinnerung … wie Erendor zauberte und dabei ganz still und konzentriert stand. Das würde bedeuten, dass sich ein Magier immer auf seine Zauber konzentrieren müsste und as wäre dann ihr Moment zu handeln.
Draugh und Finrod würde perfekt mit ihr zusammen arbeiten. Sie waren immerhin Elfen und im Wald zuhause. All jene Wesen, denen Erendor Nekromantie zuschrieb, waren nicht sonderlich beheimatet im Wald, geschweige denn, dass sie sich besser als Elfen in eben jenem bewegen und zu verhalten wussten. Fianna konnte genügend Fähigkeiten ihr eigen nennen, die sie im Wald anderen gegenüber überlegen machten, sie musste diese nur nutzen … manchmal war ein wenig Rationalität wirklich von Vorteil.
So langsam beruhigten ihre Gedanken sich wieder, die Übelkeit ließ nach und sie konnte wieder tief durchatmen. Wenn Fianna ihren Blick langsam schweifen ließ, konnte sie einen recht friedlichen Teil des Waldes sehen, in dem alles seinen gewohnten Gang ging … war es das nicht alleine schon wert, dass sie diesen Frieden verteidigte?!
Dort, immer noch nicht weit entfernt, sahen sie immer noch zwei blitzende kleine Augen an, sie fixierten Fianna schon fast. Dann bewegten sich ein paar Blätter und eine kleine Nase kam wieder schnuppernd zum Vorschein, ihr kleiner Freund war immer noch bei ihr.
Was würde sie nun tun … ihrer Angst doch nachgeben oder versuchen sich ihr endlich zu stellen?!
Der Punkt des Rastens war aufgekommen. Mit der Suche nach einer geeigneten Stelle zum Übernachten, konnte sie sich ein wenig ablenken und sie konnte sich auch sicher sein, dass keiner der Drei sie auslachen würde, wenn sie mit ihnen über ihre Ängste sprach.
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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Fianna Firnblüte » Samstag 10. September 2011, 11:32

Der Abstand zu den schrecklichen Bildern der Lichtung, das Rauschen des Windes und der Anblick des kleinen Fuchses halfen Fianna, den Kopf wieder etwas klarer zu bekommen. Ganz ruhig atmete sie ein und aus, achtete genau auf ihre Atemzüge, schloß dabei die Augen und ganz langsam wurde es besser. Die Erinnerung verschwand zwar nicht und die Bilder verloren nichts von ihrem Schrecken, aber ihr Herzschlag wurde ruhiger und damit auch ihr Denken. Es war fast so, als wenn sie plötzlich außerhalb ihres Körpers stand und die Situation ganz klar überblicken konnte. Scham empfand sie für ihr Zurückweichen nicht mehr, sie war jung und dieser Anblick machte dem Einen mehr zu schaffen als dem Anderen. Fianna atmete tief durch, in den Augen eine Ruhe, von der sie kurz vorher noch weit entfernt war. Mit ruhigen Bewegungen, fast erschien es langsam, stand sie auf und stellte sich gerade hin, den Rücken durchgedrückt. Sie würde die Lichtung nicht noch einmal betreten, diesen Anblick ertrug sie nicht, aber sie würde sich jetzt nicht verstecken. Und wenn sie schon mal hier im Wald war, dann konnte sie sich auch gleich auf die Suche nach einem Rastplatz für die kleine Gruppe machen. Möglichst weit weg von der Lichtung, das verstand sich ja von selbst. Bevor sie sich aber wieder in die Büsche schlug, kramte sie noch ein kleines Stück Fleisch aus ihrer Tasche und legte es für den kleinen Fuchs auf den Boden, ehe sie einen kleinen Bogen um ihn schlug, damit er sich nicht erschreckte. Auf leisen Sohlen schlug sie sich ins Unterholz, auf der Suche nach einem Lagerplatz. Schon nach einigen Schritten war sie wieder voll in ihrem Element und der Schrecken und die Schwäche von eben erschienen nur als ein schlechter Traum. Ein Moment der Schwäche, wie ihn wohl jeder einmal im Leben hatte. Zurück blieb nur wieder der Wille, den Wald zu beschützen, als Teil von ihm. In weitem Bogen umkreiste sie die Lichtung, hielt Augen und Ohren offen, setzte ihre Schritte sacht wie immer, als wenn sie auf der Jagd war. Jetzt war sie wieder ruhig und souverän, hatte diesen Moment überwunden und war bereit für neue Taten. Es dauerte eine Weile, bis sie einen Platz fand, der halbwegs geeignet war. Für ihren Geschmack zwar zu Nahe an der Lichtung, aber einen besseren Rastplatz konnte sie im Moment nicht finden. Es war keine richtige Lichtung, eher ein freier Platz zwischen ein paar Bäumen, eingegrenzt von hohen Büschen. Und damit schwer zu finden, fast ein Versteck. Was vielleicht nicht ganz so unpraktisch war. Nur musste sie jetzt die anderen drei Elfen noch auf diesen Platz aufmerksam machen und ihn ihnen zeigen. Nur wie sollte sie das anstellen, ohne die Lichtung noch einmal zu betreten? Ein leichtes Lächeln zog sich über ihre Lippen, als sie darüber nachdachte. Ein Pfiff hatte sie vorhin angekündigt, vielleicht genügte einer, um die drei zu ihr zu rufen. Mit sachten Schritten näherte sie sich wieder der Lichtung und stieß dann einen Pfiff aus, rief dann halblaut: "Ich habe einen geeigneten Rastplatz gefunden, hier in der Nähe." Dann wartete sie einfach, bis einer der drei zu ihr kam oder gar alle, um ihnen dann den gefundenen Platz zu zeigen. Die Lichtung wollte sie nicht noch einmal aufsuchen. Es dauerte nicht lange und Finrod stand vor ihr, Fianna deutete in die Richtung der Stelle. "Dort vorne ist ein geschützter Platz, umgeben von Büschen. Er ist zwar sehr nah an dieser Lichtung, aber etwas besseres finde ich gerade nicht. Einfach ein Stück in diese Richtung, dann stoßt ihr auf einen Brombeerbusch, daneben kann man in den Zwischenraum hinein. Sagst du bitte den anderen beiden Bescheid? Ich will diese Lichtung nicht mehr betreten!" Beim letzten Satz schüttelte sie heftig den Kopf, dass die hellgrauen Haare flogen. Finrod nickte und sah sie besorgt an, aber Fianna drückte den Rücken durch und erwiderte seinen Blick. Sie würde die Lichtung zwar nicht mehr betreten, aber auch nicht mehr so schwach sein. Und das versuchte sie ihm durch diese Haltung klar zu machen. Als er sich dann abwandte, drehte auch Fianna sich wieder um und verschwand im Wald, um Feuerholz zu sammeln. Ganz in Ruhe war ihr Verstand immer noch nicht und so eine nötige, altbekannte Aufgabe würde bestimmt helfen, wieder ganz zur Ruhe zu kommen und ein wenig nachzudenken. Bei ihrer Suche achtete sie genauestens darauf, nicht in die Nähe der Lichtung zu kommen, ging in weitem Bogen darum herum, bis sie einen ganzen Arm voll Holz gesammelt hatte und mit diesem zurück zu dem kleinen Versteck ging. Dort fand sie nur Erendor vor, der sich wieder eine Sitzgelegenheit geschaffen hatte und in einem Buch las. Finrod und Draugh waren entweder noch auf der Lichtung oder sahen sich selber um. Kurz sah sie zu dem Magier, aber der schien wieder vollkommen von seinem Buch vereinnahmt zu sein, daher kümmerte sie sich kurzerhand um die Feuerstelle. Nachdem sie ein kleines Arreal etwas vom Gras befreit und den Platz vorbereitet hatte, kümmerte sie sich um das Feuer an sich. Unter ein wenig trockenes Holz kam trockenes Moos und Gras. Nachdem sie in dieses einen Funken geschlagen hatte, blies sie sacht in die kleine Flamme, bis sie groß genug war, dann kamen ein paar trockene kleine Äste, dann die etwas größeren, bis schließlich das Feuer voll in Gange war. Daraufhin ließ sie sich etwas zurück sinken, setzte sich hin und sah dem Züngeln der Flammen zu. Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und blickte sich dann um. Es war angenehm still, sah man von dem leisen Knacken des Feuers und dem Rascheln des Papiers von Erendor ab. "Wo sind Draugh und Finrod, Erendor?", fragte sie den Magier schließlich, weil es einfach zu ungewohnt war, dass er so in sein Buch vertieft war. Das kannte sie nicht.

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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Gestalt » Freitag 30. September 2011, 03:12

Fianna hatte sich wieder soweit beruhigen können, dass sie in der Lage war, klar zu denken und sich zu entscheiden, was sie nun tun wollte.
Sie riss sich zusammen und würde so mutig sein, wie sie es aufbringen konnte und wenn sie dabei immer zu an ihren neuen, kleinen Freund denken musste.
So hatte sie nach einem geeigneten Rastplatz gesucht und diesen auch gefunden, sie hatte ihre Angst besiegt und sich fürs Handeln entschieden. Ihr Vater wäre stolz auf sie, er hatte ihr immer ans Herz gelegt, dass es überall gefährlich sein konnte und dass die Welt dort draußen ihr eine gehörige Portion Mut abverlangte, besonders, wenn sie mit Situationen konfrontiert wurde, die alles andere als normal waren.
Ein klein wenig hatte sie ihr Unbehagen und ihre Nagst auch vor den anderen Elfen gezeigt und keiner hatte sie ausgelacht oder schief angesehen. Draugh und Finrod hatten ebenso keinen Hehl daraus gemacht, dass ihnen dies hier nicht geheuer war. Nur Erendor schien damit offensichtlich kein Problem zu haben. Draugh hatte daraufhin sarkastisch das Kommentar fallen gelassen, dass es wohl bisher noch nichts gab, dass Erendor nicht mit Magie lösen konnte. In den Augen von Waldelfen, war dies eine Einstellung, die sie nicht teilten. Für Viele war das Nutzen von Magie vergleichbar mit Faulheit.
Während sich die Männer auf den Weg zur Lichtung begaben, suchte Fianna Feuerholz. Dieses war schnell gefunden, immerhin wusste sie, wonach sie suchen musste, ohne Büsche und Bäume zu verletzen. Auf dem Boden gab es genügend totes Holz, welches leicht einzusammeln war. Geschwind hatte sie beide Arme voll. Da sie auch Zunder und leicht entzündliches material benötigte, konnte sie mit einer ledernen Schnur das Feuerholz zusammen binden und so nach dem Kleinkram suchen. Pilze und Reisig waren schnell gefunden. Da die letzten tage recht trocken waren, sollte sie auch kaum Probleme damit haben, ein Feuer zu entfachen. Für die feine Duftnote, konnte sie noch Kiefernadeln auf ihrem Weg zur Lichtung sammeln.
Alsbald ließ sie schnell die grausige Lichtung hinter sich und damit verschwanden auch die schrecklichsten Bilder in ihrem Kopf und verschwanden tief hinten, in ihrem Hirn.
Erfreulicherweise, huschte ihr kleiner Freund, nicht weit entfernt hinter, durchs Unterholz. Noch war er zu schüchtern, aber öfters blitze wieder sein kleines Näschen hervor oder sie sah zwei funkelnde Augen, die sie bei ihrem Tun beobachteten.
Auf der Lichtung fand sie nur Erendor vor, der es sich mit einem Buch auf einem Baumstamm gemütlich gemacht hatte. Da sie ihn nicht stören wollte, hatte sie sich mit der Errichtung der sicheren Feuerstelle die Zeit vertrieben und hatte bald ein ansehnliches Feuer zustande gebracht. Gerade rechtzeitig, denn die Abenddämmerung hatte sich über den Wald gelegt und brachte eine kühle Feuchte mit sich, die sich gerne in der Kleidung und nach und nach in den Knochen festsetzte. Ein Feuer war schon etwas Wunderbares.
Schließlich brach sie die ‘Stille’ des Moments und wollte von Erendor wissen, wo die beiden Anderen waren. Es dauerte etwas, bis Erendor seinen Blick vom Buch nahm und ihr seine Aufmerksamkeit schenkte.
“Entschuldige, … ähm, … nach Draugh und Finrod, fragst du?” Erendor überlegte etwas.
“Ich glaube, sie tun das, was sie immer tun, wenn wir rasten … da es bald vollkommen dunkel ist, denke ich nicht, dass sie noch lange weg sind.”
Er schauderte und klappte sein Buch zusammen, legte es auf den Baumstamm und sah sich um.
“Ich werde mich nie daran gewöhnen, … hm, wo habe ich ihn den hingelegt?! …”, grübelnd blickte er sich weiter um. “Ah, da ist er ja …”, seufzend bückte er sich und zog etwas aus Stoff hinter dem Baumstamm hervor. Offenkundig hatte er seinen Umhang gesucht.
“Vielen Dank übrigens, für das Feuer …”, wandte er sich im Plauderton an Fianna. Ehe er allerdings dazu kam, weiter zu reden, konnten beide Geräusche hören. Für Fianna waren diese eindeutig. Draugh betrat den Rastplatz und grinste beide an.
“Essen!”, war das Einzige, was er zum Besten gab und hielt einen Hasen an den Hinterläufen hoch. Dieser hing ziemlich schlaff herunter und ein Schnitt an der Innenseite verriet, dass er bereits ausgeweidet war. Was Erendor nicht davon abhielt, sich angewidert wegzudrehen.
”Ich hasse es, wenn er das macht … so etwas ungehobeltes!” Murmelte er mehr zu sich selbst.
Kur nach Draugh, betrat auch Finrod die Lichtung. Er trug volle Beutel bei sich, die er sogleich in der Nähe des Feuers ausleerte. Zum Vorschein kamen Kräuter, Süßkartoffeln, Wurzeln, Nüsse und Samen, sogar ein wenig Honig hatte er gefunden. Lächelnd sah er Fianna an.
”Ich kann dies zwar zubereiten, muss aber gestehen, dass ich nicht der beste Koch bin … ich wäre froh, wenn du das Essen zubereiten würdest.” Freundlich wartete er auf eine Antwort, während Draugh hinzufügte, dass sie sich auch noch um die Frage des nächtlichen Wachens Gedanken machen müssten.
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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Fianna Firnblüte » Samstag 8. Oktober 2011, 17:21

Erendor schien wieder voll in sein Buch vertieft zu sein, daher wartete Fianna auch geduldig ab, bis er antwortete. Magier waren da wohl ein wenig anders, lebten mehr in ihrer eigenen Welt. Hauptsache sie verloren nicht den Kontakt zu der, in der sie lebten. Und da es nicht dringend war, ließ sie ihm die Zeit, die er brauchte, um ihr zu antworten. Er schien nicht wirklich zu wissen, was die beiden Elfen taten, zumindest drückte seine Antwort das für Fianna aus. Und dass er sich augenscheinlich alles andere als wirklich wohl hier im Wald fühlte. "Wenn dir kalt ist, kann ich dir eine Decke leihen, wenn du möchtest", schlug sie freundlich vor. Es war zwar etwas ungewöhnlich, einen Elfen zu treffen, der sich augenscheinlich längst nicht so wohl im Wald fühlte wie sie, weil sie es einfach nicht kannte, aber jeder hatte andere Vorlieben. Sie selber mochte keine Ebenen, vielleicht fühlte er sich dafür dort wohler, das konnte man ja nicht sagen. Als er sich für das Feuer bedankte, lächelte sie ihn freundlich an. "Dafür doch nicht, Erendor", erwiderte sie freundlich lächelnd. Bevor sie sich aber weiter unterhalten konnten, kehrte schon einer der beiden anderen Elfen zurück. Fianna drehte den Kopf und sah den breit grinsenden Draugh, der einen Hasen in die Höhe hielt, schon ausgeweidet wie es aussah. In Gedanken fing die junge Elfe schon an zu überlegen, wie sie den zubereiten konnte, als sie Erendors etwas, nun, man mochte es fast angewidert nennen, Stimme hörte. Kurz sah sie ihn verwirrt an, aber er hatte sich halb abgedreht. Sie verstand sein Verhalten nicht ganz, immerhin war das etwas ganz normales, wenn jemand seine Beute mitbrachte. Und diese war immerhin schon ausgeweidet. Fianna nahm Draugh den Hasen ab und fing an ihn abzuziehen, als auch Finrod wieder kam. Auch er hatte eine stolze Ausbeute vorzuweisen. Alles zusammen ergab das ein regelrechtes Festmahl, aber dem war sie nicht abgeneigt. Bei so vielen auf einem Haufen lohnte sich das Kochen jedenfalls, für sich selbst hatte Fianna immer nur ein Stück Fleisch oder so etwas zubereitet. Finrods Lächeln erwiderte sie. "Keine Sorge, wenn du mir ein wenig zur Hand gehst, ist das schnell alles erledigt." Nachdem sie den Hasen zu Ende abgezogen hatte, kam er auf einen provisorischen Spieß und wurde zwischendurch immer wieder mit ein paar der Kräutern bestrichen, damit der Geschmack von diesen etwas auf das Fleisch überging. Währenddessen hatte Finrod die Aufgabe, Wasser zum Kochen zu bringen, indem er heiße Steine in einen Lederbeutel mit Wasser füllte. Da hinein kamen dann die Süßkartoffeln und die Wurzeln, ebenfalls gewürzt mit den frischen Kräutern. Den Honig verwendete Fianna momentan nicht, den konnte man gut auf Brot essen und zusammen mit den Nüssen würde das ein gehaltvolles Frühstück ergeben, daher räumte sie diese Sachen auch erst einmal sicher weg. Dank Finrods Hilfe dauerten die Vorbereitungen nicht allzu lange und am Ende mussten sie nur die Zeit überbrücken, bis das Essen gar war. Erst jetzt kam Fianna auf Draughs Hinweis bezüglich der Nachtwache zurück. "Wir sind zu viert und sollten abwechselnd wachen, damit jeder noch etwas Schlaf bekommt in dieser Nacht. Damit sind die Wachzeiten nicht so lang und die Aufmerksamkeit lässt nicht zu stark nach." Nacheinander sah sie die drei Elfen an, was sie wohl von ihrem Vorschlag halten würden. "Ich übernehme auch die erste Wache, es fällt mir leichter, länger wach zu bleiben, als wenn ich schon eine Weile geschlafen habe. Alternativ könnte man allerdings auch zu zweit wachen, nur sind wir dann morgen vielleicht zu müde oder dergleichen", wandte sie sofort ein, drehte das Fleisch auf dem Spieß einmal und rührte die dickflüssige Suppe einmal um. Glücklicherweise würde das nicht mehr allzu lange dauern. Jetzt mit diesen altgewohnten Aufgaben konnte Fianna sich wunderbar von der Lichtung ablenken. Diese erschien ihr immer mehr als ein schlechter Traum und nicht wie die Realität. Und entsprechend entspannte sie sich langsam ein wenig. Während sie sich unterhalten und beratschlagt hatten, wie sie die Nachtwachen einteilen wollten und wer welche hielt, war das Essen schließlich fertig geworden. Fianna schnitt sich das erste Stück des Bratens direkt von dem Fleisch ab und aß es auf. Die Kräuter hatten wirklich für einen angenehmen Geschmack gesorgt. Auch die Suppe aus den Kartoffeln und Wurzeln schmeckte ziemlich gut. "Woher kommt ihr eigentlich genau?", fragte sie, während sie gemeinsam aßen.

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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 10. November 2011, 01:29

Ihre männlichen Begleiter ließen sich nicht lumpen und halfen mit, wo sie nur konnten. Zumindest Draugh und Finrod kannten es nicht anders, sie mussten sich immerhin in der Wildnis selbst zu helfen wissen. Von daher war die Zubereitung des Essens keine große Sache und zum Glück musste Fianna die Elfen nicht mehr anleiten. Das hätte sie zur Zeit wirklich nicht gebrauchen können. Vermutlich hätte sie sich aber auch nicht dafür entschieden, die kleine Gruppe zu begleiten, das hätte mit Sicherheit im Desaster geendet. Im Grunde brauchte sie einen gewissen Halt, der sie auch von ihrer Angst ablenkte und zumindest die beiden Brüder erinnerten sie immer wieder daran, wofür sie eigentlich kämpfte.
Der Abend zog ins Land und die Dunkelheit senkte sich über den Wald und tauchte alles in eine friedliche Ruhe. Hier und da kamen nun die nachtaktiven Tiere aus ihren Verstecken und Behausungen und durchforsteten das Unterholz nach Essbarem.
Fianna konnte sich an Geschichten erinnern, die ihr Vater ihr einst erzählte. Dass es tatsächlich Menschen gab, die den Wald als leer und unheimlich empfanden. Schon damals konnte sie das nicht nachvollziehen, geschweige denn verstehen. Der Wald war und ist und wird vermutlich für immer ihre Heimat bleiben. Sie rauchte ihn im Grunde zum leben, wie die Luft zum Atmen … und im Grunde ihres Herzens war sie sehr froh darüber, dass sie es bisher immer und immer wieder geschafft hatte, ihre Ängste zu überwinden. Hier saß sie nun, umgeben von Lebendigkeit und doch ein kleines bisschen stolz auf sich selbst. Sie hatte viele kleine Hürden gemeistert und daran ko9nnte sie nur wachsen.
Das Essen jedenfalls tat der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil, es mundete vorzüglich und rundete einen aufregenden Tag ab. Der Ausklang des Tages war zumindest ruhig, hier und da tat sich eine Eule kund, leises Fiepen von Fledermäuse war zu hören und hier und da, ein stetiges Rascheln verwelkten Laubes.
Fiannas Vorschlag, was die Intervalle der Nachtwache betraf, stieß auf Zustimmung. Ebenso, dass sie die Erste sein wollte, die diese übernahm. Erendor bestand darauf, der Letzte in der Reihenfolge zu sein. Für ihn war es einfach Gewohnheit, des Nächtens spät zu Bett zu gehen und des Morgens wieder früh aufzustehen … nach seiner Meinung wurde Schlaf überbewertet und das konnte er irgendwann anders wieder nachholen, er konnte es sich einfach nicht leisten, seine Studien hinaus zu zögern.
Nach dieser langen Erklärung, konnten die beiden Brüder kaum noch an sich halten. Zugegebener Maßen, hörte sich dies in den Ohren anderer schon seltsam an. Erendor quittierte dies wie so oft mit einer hochgezogenen Augenbraue und dem Hinweis, dass sie kein Bisschen von Geisteswissenschaften verstehen würden.
Dann wechselte Finrod das Thema und beantwortete Fiannas Frage bezüglich ihrer Herkunft.
“Mein Bruder und ich kommen aus einem kleinen Dorf, westlich des Auwin.” Draugh nickt bestätigend und hatte dem wohl nichts mehr hinzu zu fügen.
“Wir kennen unseren Heimatwald ganz genau und dachten uns, dass es eine Erfahrung wert wäre, die Welt außerhalb kennen zu lernen. Wir gabelten Erendor beim Turm der Weisheit auf. Das Glück war uns hold und ziemlich schnell waren wir uns einige, dass wir Erendor begleiten würden.”
“Erendor hätte alleine den Weg nicht wieder nachhause gefunden, geschweige den aus dem Wald heraus” Fügte Draugh scherzhaft hinzu, was Erendor geflissentlich ignorierte.
“Ich selbst, …”, begann Erendor, “…stamme aus einer alteingesessenen Familie in Shyana Nelle. Meiner Familie entstammen die berühmtesten und mächtigsten Magier, die das elfische Volk zu bieten hat.” Sichtlich stolz, erzählte er noch ein wenig weiter von sich und seinen magischen Fähigkeiten. Seine Manieren ließen ihn auf keinen Fall vergessen, sich nach der Herkunft Fiannas zu erkundigen.
Da sie sich früh einen Lagerplatz gesucht hatten, blieb noch eine geraume Zeit, sich Beschäftigungen und oder Aufgaben zu widmen, die des Öfteren zu kurz kamen. Wobei Draugh und Finrod nicht Drumherum kamen, sich gegenseitig beim Patrouillieren abzuwechseln.
Gegen ungefähr Mitternacht, zogen sich ihre drei männlichen Begleiter zur Nachtruhe zurück. Wobei Erendor dies wohl anders interpretierte, wie die meisten Elfen. Er saß einfach dort, auf seiner Decke, in einer aufrechten Haltung. Sein Atem war ruhig und ging tief. Es erinnerte Fianna ein wenig an eine Konzentrationsübung … oder befand er sich vielleicht in Meditation?! Wieder einmal barg dieser Magier eine Überraschung … schon ein seltsamer Kauz.
Nach einem, gefühlt, sehr langen Tag, hatte Fianna Zeit und Raum für sich, ihre Gedanken und Gefühle. Sie war schon immer recht eigenbrötlerisch gewesen und brauchte diese Auseinandersetzung mit sich, um ihr Weltbild wieder ins rechte Licht zu rücken.
Die ersten Stunden verstrichen und der Wald war so, wie sie ihn kannte. Je ruhiger es um einen Rastplatz wurde, desto neugieriger und wagemutiger wurden die Bewohner des Waldes. Einer zog Fiannas Interesse besonders auf sich … er war klein, musste sich unglaublich weich anfühlen und hatte die wohl neugierigsten Augen südlich des Drachengebirges. Zu ihrer großen Freude, ward er kleine Fuchs wieder da. Also, er war ja nie weg, aber dieses Nacht zeigte er sich um einiges eher und auch sicherer. Zuerst schlich er durchs Lager, immer mit einem Auge bei Fianna. Mit seinem anderen und der sich rasch bewegenden Nase, war er bei allem neuen im Lager und ehe sie sich versah, hatte er auch schon ein wenig vom Abendmahl ergattert und sprang damit flink wieder ins Unterholz, wo sie allerdings ein genüssliches Schmatzen vernehmen konnte. Warum selbst arbeiten, wenn man das Futter so nett kredenzt bekam?! Es war wirklich ein göttliches Schauspiel, was ihr Herz leichter schlagen ließ und ihr große Freude brachte.
So waren ihre Stunden der Nachtwache auch schon fast, schnell, vorbei. Bis ihr ein anderes Detail auffiel. Unbemerkt, war Nebel heraufgezogen … eigentlich nichts ungewöhnliches in einem Wald. Aber zu dieser Jahreszeit schon und vor allem, er war momentan, so wie sie das beurteilen konnte, fast nur in Bodennähe. Leider bemächtigte sich wieder diese Beklemmung ihres Herzens und ein ungutes Gefühl stieg in ihr herauf.
Wenn sie sich umsah, konnte sie aber, soweit ihr Blick reichte, nichts seltsames erkennen. Hier und dort, wo die Kronen der Bäume lichter waren, schimmerte silbrig der Mond hinein und zeiget ihr, dass bald überall Nebel sein würde. Irgendetwas sagte ihr, dass ihr die ganze Situation nicht unbekannt war … aber was war es nur ?!
Da sie sich in vollkommener Dunkelheit nicht alleine auf ihre Augen verlassen konnte, arbeiteten ihre anderen Sinne perfekt in Ergänzung zusammen und bescherten ihr die benötigte Wachsamkeit. Besonders ihre empfindlichen Ohren nahmen jedes Geräusch war. Was ihre Anspannung nicht verringerte, war die Tatsache, dass die meisten Tiere verstummt waren, ei eindeutiges Zeichen … und dann war es wieder da, sie hatte sich nicht geirrt. Also war es doch keine Einbildung gewesen … dieses Geräusch, gleich einem entfernten Lachen, geistlos und leicht metallisch?! Was konnte3 das nur sein?! … Die Richtung, aus der das Geräusch kam, war nicht schwer für sie zu bestimmen. Wenn sie dort hinsah, konnte sie eindeutig etwas durch den bleichen Nebel wabern sehen und wieder dieses fahle, grünliche Schimmern, was von dort ausging.
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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Fianna Firnblüte » Freitag 18. November 2011, 14:26

Auf ihren Vorschlag mit den Wachen gingen alle drei ein und Fianna musste lächeln, als Erendor sich so breit und lang über seine Schlafgewohnheiten ausließ. Im Gegensatz zu Finrod und Draugh lachte sie aber nicht, nur das amüsierte Schmunzeln auf ihren Lippen verriet sie. Klare kurze Ansagen lagen Magiern wohl nicht, ganz im Gegenteil zu den Jägern, die Fianna sonst kannte. Mehr als ein paar Worte sprachen diese nie aus und zu wenig hatte noch nie jemand von ihnen gesprochen. Lächelnd lauschte die junge Jägerin dann den beiden Waldelfen, die erzählten, von wo sie stammten und wie sie auf Erendor gestoßen waren. Natürlich nicht, ohne eine kleine Spitze einzubauen. Dieser erzählte dann ein wenig von seiner Familie, aus der wohl viele Magier stammten und über welche Fähigkeiten er verfügte. Irgendwo baute er dann die Frage nach ihrer eigenen Herkunft ein. "Aufgewachsen bin ich in Neryan, aber geboren wurde ich außerhalb. Mein Vater ist wie ich ein Jäger und kam schon in der Vergangenheit viel herum." Damit hatte sie nicht gelogen, war aber die Frage nach ihrer Mutter und ihrem Geburtsort umgangen. Worüber sie auch kein einziges Wort verlieren würde. Das ging niemanden etwas an. Die restliche Zeit unterhielten sie sich noch ein wenig, während Draugh und Finrod sich bei Patrouillengängen ablösten. Fianna kümmerte sich derweil um ihren Bogen und die Sehnen, pflegte beides. Das Gleiche mit den Pfeilen, die sie ein wenig nachschärfte, so es nötig war. Der Rest ihrer Ausrüstung war ordentlich gepflegt und ihre sie hatte auch keine Risse oder dergleichen auszubessern. Daher nutzte sie die Zeit, um sich ein wenig mit Erendor zu unterhalten, damit er ihr von Shyana Nelle erzählte. Sie war zwar schon im Süden gewesen, um ihre Mutter zu besuchen, aber diese Talsenke hatte sie noch nicht besucht. Entsprechend neugierig war sie auch, aber der Magier hatte wohl kaum Einwände dagegen, etwas über seine Heimat zu berichten. Erst als es nah an die zwölfte Stunde ging,legten sich Finrod und Draugh zum schlafen hin, während Erendor einfach sitzen blieb. Irritiert musterte Fianna ihn und wartete, bis die beiden Waldelfen still atmeten, dann stand sie auf und beugte sich etwas vor, winkte mit einer Hand ein wenig vor dem Gesicht des Magiers. Der schien wirklich in eine Art Meditation versunken zu sein. Kopfschüttelnd nahm die junge Jägerin ihren Platz am Feuer wieder ein, ließ den Blick über den Wald schweifen. Leise summte sie eine Melodie und lauschte dabei den Geräuschen des nächtlichen Waldes, denn auch wenn viele der Ansicht waren, dass der Wald in der Nacht ruhte, so war er doch voll von Leben. Mehr als deutlich zu hören und teils auch zu sehen. Zwischendurch stand Fianna immer wieder auf, um ein wenig herum zu laufen, damit die Müdigkeit sie nicht übermannte. Außerdem konnte sie so besser einen Blick in das sie umgebende Dickicht werfen, da ihr Blick nicht so geblendet von der Helligkeit des Feuers war. Ohne irgendwelche Ereignisse verstrichen die Stunden, teils ein wenig zähflüssig, teils schneller als erwartet. Als sie wieder Platz am Feuer nahm, sah sie den kleinen Fuchs die Nase aus dem Grün herausstrecken. Fianna fing an zu lächeln und hielt ganz still, rührte sich kein bißchen, damit er keine Angst bekam. Und tatsächlich traute er sich aus seinem Versteck heraus und schlich durchs Lager, beobachtete die lächelnde Jägerin, die ihn ebenfalls nicht aus den Augen ließ. Blitzschnell hatte er sich etwas von dem Fleisch geschnappt und huschte damit wieder ins Unterholz. Ganz leise lachend sah Fianna ihm nach und flüsterte leise: "Lass es dir schmecken, mein Freund." Dann streckte sie sich genüßlich und sah gen Himmel. Ihre Nachtwache war fast vorbei und es wurde bald Zeit, Draugh zu wecken, damit er übernahm. Als sie wieder den Blick schweifen ließ, fiel ihr der Nebel auf, der sich unbemerkt angeschlichen hatte und den Boden bedeckte. Schmerzhaft spürte sie einen Herzschlag in ihrer Brust und wie ihr Puls danach stieg. Ganz ruhig stand sie auf und nahm ihren Bogen, spannte die Sehne ein, die sie am Abend abgenommen hatte, damit das Holz sich entspannen konnte. Danach nahm sie den Köcher mit den Pfeilen und hängte ihn sich über die Schulter. Fianna wagte kaum richtig zu atmen, um sich nicht zu verraten. Ihre Augen sahen den Nebel, aber ihre Ohren hörten nichts, die nächtlichen Laute der Tiere waren verstummt, etwas, was noch stärkere Beklemmung in ihrem Herzen auslöste. Umso lauter erschien ihr dieses seltsame Geräusch, was so fremdartig in einem Wald nur klingen konnte. Dank diesem fiel ihr Blick auf eine Stelle, wo der Nebel aussah, als wenn sich dort etwas bewegen würde. Dazu dieser seltsame grünliche Schein...Fianna war wie hypnotisiert und setzte lautlos einen Schritt vor den anderen, näherte sich dieser Stelle. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie einen der anderen Elfen geweckt hätte, aber auf diese Idee kam sie gar nicht. Da vorne war dieses Etwas, was nicht in ihren Wald gehörte und auf das sich gerade ihr kompletter Fokus richtete. Seltsamerweise spürte sie mehr als deutlich jeden Herzschlag in ihrer Brust, aber sie empfand keine Angst mehr. Nur noch eine grimmige Entschlossenheit, ihren Wald zu verteidigen. Das ihre Pfeile vielleicht gegen dieses Etwas gar nichts ausrichten konnten, auf diesen Gedanken kam sie nicht einmal ansatzweise. Wäre sie eine reinblütige sarische Elfe, hätte man sie ohne Probleme dem Aspekt des Kampfes zuordnen können, denn auf etwas anderes richtete sich ihr Fokus im Moment nicht. Gewohnt lautlos setzte sie ihre Schritte und näherte sich ihrem Ziel, griff wie unter Hypnose in den Köcher und zog einen der Pfeile hervor, legte ihn auf die Sehne und war damit bereit, sofort zu schießen, sollte sie freies Feld haben oder den Verursacher dieser Seltsamkeiten zu Gesicht bekommen.

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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. November 2011, 06:02

Auch wenn sie selbst etwas wortkarg bezüglich ihrer Herkunft war, was die anderen Elfen fürs Erste akzeptierten, so war Erendor um einiges gesprächiger. Fianna war bisher noch gar nicht weit gereist, natürlich hatte sie ihre Mutter mehrere Male besucht, aber ansonsten war sie noch nicht außerhalb des Waldes gewesen. Die Abenteuerlust hatte sie zwar schon ein wenig gepackt, war aber nie so stark gewesen, dass sie auf die Idee kam, ihren Heimatwald zu verlassen. Sie war bisher nicht mal oft, soweit südlich gewesen und nun war sie ziemlich weit westlich. Eine weitere Gelegenheit, ‘ihren’ Wald auch einmal in anderen Ecken genauer kennen zu lernen.
An sich hätte sie gerne mehr über Erendors Reisen gehört, aber er kam mehr und mehr auf seine großartige Familie zu sprechen. Dabei hatten gerade seine Wanderschaften ihr Interesse geweckt. Warum verschlug es einen Elfen, der die Stadt so sehr liebte, immer wieder an Orte, die in der Wildnis lagen oder sogar die Natur an sich. Diese Erzählungen könnten vermutlich Abende füllen, sie konnte Erendor bei Zeiten ja wieder darauf ansprechen, darüber sprach er sichtlich gerne.
Der tag hatte noch eine erfreuliche Wendung genommen und nun saß Fianna bei ihrer ersten Nachtwache für ihre Gefährten. Zeit, die Gedanken weiter schweifen zu lassen, ihrem kleinem Freund zu zusehen und die Nacht zu genießen.
Wie es aber nun mal so oft geschah, es kam anders, wie sie es sich vorgestellt hatte.
Nun hatte sie wieder mit ihrer Angst zu kämpfen, war aber überraschend gelassen und vielleicht ein wenig von sich selbst überrascht, dass sie mutig zu ihrem Bogen griff und diese leise spannte.
Was auch immer dieses Ding war, sie wollte es vermutlich nicht mal genau wissen, musste aus dem Wald vertrieben werden und das schaffte sie nur, wenn sie gegen dieses Etwas kämpfte.
Unter normalen Umständen wäre sie wohl nicht so unvorsichtig gewesen und hätte die anderen geweckt … aber irgendetwas war anders dieses Mal. Dieses grünliche, fahle Schimmern, es war irgendwie hypnotisierend … ihr Kopf war leer … fast beiläufig achtete sie nur noch auf die Warnsignale, die ihr Körper ihr sendete, dass sie umkehren und weglaufen sollte oder zumindest um Hilfe rufen sollte … aber sie tat nichts von all dem. Ruhig und gemessenen Schrittes, kam sie diesem Ding näher. War es eine Gestalt?! … womöglich ein humanoides Wesen?! … Ihre Sinne funktionierten einwandfrei, wenn sie auch das Gefühl hatte, dass dieser Nebel wie eine Barriere für ihren Geist war. Es war dunkel gekleidet, in sackartige Gewänder, die keine Form besaßen und somit die Figur verhüllten … kein Hinweis darauf, ob es männlich oder gar weiblich war.
Fianna war keine zehn Schritt mehr von dem Wesen entfernt und konnte nun sehen, dass der grüne Schimmer von Höhe des Gesichtes ausging, aber dort war keines. Zumindest konnte sie keines erkennen … nur so etwas wie zwei schwarze, schwärende Punkte. Was auch immer das sein mochte, sie hatte keine Ahnung davon, seltsamerweise aber auch keine Angst. Sie wusste nur eines, es zog sie an.
Dann, urplötzlich, warf sie ein Druck um und sie landete schmerzlich auf ihren Knien. Was auch immer sie von den Beinen geholt hatte, besaß eine enorme Wucht … und genauso plötzlich war sie wieder imstande, klar zu denken und zu handeln. Fianna fühlte genau, wie ihre Angst sich in ihrem Magen breit machte, aber noch nicht ihre Handlungen beeinflusste.
Denn, es spielte sich noch ein ganz anderes Spektakel ab. Dieses Wesen war ebenfalls von dem Druck der Wucht erfasst worden, allerdings stand es noch. Ein ungeheurer, nicht natürlicher Wind war aufgekommen und fegte zuerst Fiannas Haare nach vorne, dass sie ihr ins Gesicht peitschten, dann erfasste dieser Wind die Gewänder dieser Kreatur, die dort noch am Fleck stand und zerrte an diesen.
Blätter wurden aufgewirbelt und lieferten einen dramatischen Rahmen für die Situation, selbst dünne Äste wurden aufgewirbelt und trockene, niedrige Sträucher entwurzelt.
Nun konnte Fianna auch die Ursache, bzw. den Verursacher dieses Windes, an seiner Stimme erkennen. Erendor stand nicht weit hinter ihr und sprach bestimmt und klangvoll in dieser faszinierenden, magischen Sprache. Er modulierte gekonnt die Phrasen, wie er den Höhepunkt erreichte, gab dieses Wesen vor ihr, ein ungeheuerliches, unmenschlich tiefes Brummen von sich, dass sich alsbald im ein schrilles, geistloses Kreischen wandelte.
Zum selben Zeitpunkt flog die Kapuze des Wesens nach hinten und offenbarte ein Äußeres, was wirklich niemand sehen wollte und einordnen konnte.
Hatte das nun, ungefähr erkennbare Gesicht, die Züge eines schönen Mannes angenommen, so hatte es sich unvermittelt verändert. Es fletschte die Zähne und geifernde Fänge wurden sichtbar. Was auch immer es war, es zischte wütend in einer fremden Sprache und dieses Zischen schien von einem Zirpen überlagert zu sein, wie von einem Insekt, doch war es offensichtlich nicht in der Lage, sich zu bewegen.
Offenbar vollführte Erendor ein magisches Ritual. Während Erendor sich nicht beeindrucken ließ, wand sich die Kreatur und hatte ins Celcianische gewechselt, was Fianna nun verstand. Es brüllte so abscheuliche Schimpfworte, dass sie unwillkürlich zusammenzuckte und Übelkeit in ihr hochstieg.
Schließlich beendete Erendor das Ritual, er sprach überraschenderweise in der Allgemeinsprache.
“Kehre zu dem Ort zurück, von dem du gekommen bist und wage dich so schnell nicht mehr hervor!”, befahl er.
Das Wesen verschwand mit wütendem Kreischen und ließ grässlichen Moder- und Verwesungsgestank zurück.
Was auch immer dann noch geschah bekam sie nicht mehr so wirklich mit, so richtig klar wurden ihre Gedanken erst wieder, als sie im Lager am Feuer saß. Draugh und Finrod hatten neben ihr Platz genommen, Find rod hielt ihre Hand. Erendor saß ihr gegenüber und beobachtete sie mit wachsamem Blick.
“Wie geht es dir?”, fragte Draugh sie besorgt.
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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Fianna Firnblüte » Montag 28. November 2011, 14:44

Waren ihre Gedanken vorher noch vollkommen klar und zielgerichtet gewesen, drifteten sie ganz langsam und unbemerkt ab. Fianna spürte das nicht einmal, sie sah nur noch diese Gestalt vor sich und kam ihr immer näher. Anstatt sich zu fragen, warum sie so davon angezogen wurde, ging sie einfach weiter, den Blick starr auf ihr Ziel gerichtet. Das ihr Körper versuchte ihr Signale zu schicken registrierte sie überhaupt nicht, als wäre sie von ihm losgelöst. Sphärisch. Nicht auf ihn angewiesen oder gar auf das, was er versuchte ihr mitzuteilen. Schritt um Schritt näherte sie sich der Gestalt, wie hypnotisiert starrte sie sie an. Der Pfeil auf der Sehne war bereits vergessen, hielt sie überhaupt noch den Bogen in der Hand? Als Fianna dann endlich mehr von dem...Gesicht sehen konnte, fragte sich etwas in ihrem Inneren laut und deutlich, warum sie bei diesem Anblick keinen Schrecken empfand. Aber darüber war sie nur verwundert, mehr nicht. Immerhin war da immer noch dieser grüne Schimmer, der wie ein Magnet auf sie wirkte und sie gnadenlos in seinen Bann gezogen hatte. Fianna wäre wohl einfach zu der Gestalt hingegangen, ohne auch nur im Ansatz über die Konsequenzen nachzudenken, aber so weit sollte es nicht kommen. Als wenn jemand ihr einen kräftigen Stoß in den Rücken verpasste, so fühlte es sich an. Hart kam sie auf den Knien auf, senkte den Kopf...und war auf einmal wieder völlig klar. Entsetzt riss sie den Kopf hoch und starrte die Gestalt an, schockiert über sich selber, wie sie einfach auf dieses Etwas zugegangen war, ohne nachzudenken, ohne zu fühlen. Die Angst breitete sich mit rasender Geschwindigkeit in ihrem Körper aus. Woher kam dieser Wind?! Und was war das für eine Kreatur?! Zumindest die erste Frage beantwortete sich schnell und von alleine. Erendors Stimme erklang und auch wenn Fianna kein Wort verstand, so beruhigte sie alleine schon der Klang. Sie stand diesem Etwas nicht alleine gegenüber und der Magier schien eine Art magischen Wind gerufen zu haben, der ein regelrechtes Chaos anrichtete. Laub und Äste wurden aufgewirbelt, kleine flachwurzelnde Büsche entwurzelt und im Fokus stand diese Kreatur. Auch wenn der jungen Jägerin die Haare ins Gesicht flogen und ihr einen Teil der Sicht nahmen, konnte sie immer noch genau beobachten, was vor ihr geschah. Als die Kreatur so seltsame Geräusche von sich gab, zuckte Fianna heftig zusammen und machte sich aus Reflex etwas kleiner. Was war das nur?! Das Kreischen spürte sie förmlich in jeder Faser ihres Körpers, es brachte sie zum Zittern und ihr wurde eisig kalt. Als dann auch noch die Kapuze nach hinten flog, wich auch der letzte Rest Farbe aus ihrem Gesicht. Fianna wollte aufstehen, davon laufen, nur fort von hier, aber sie war wie gelähmt, konnte nur dort hocken bleiben, die Kreatur anstarren und ihr zuhören. Nicht in der Lage zu fliehen und sich von dieser Abscheulichkeit zu entfernen. Als es dann auch noch anfing, in der Allgemeinsprache zu sprechen, zuckte Fianna heftig zusammen und hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten, so etwas entsetzliches hätte sie sich nicht einmal in ihren schlimmsten Alpträumen ausmalen können. Es war fast zu viel, um es zu ertragen und als die junge Jägerin schon meinte, innerlich gleich zu zerspringen, sprach Erendor ein paar Worte in der Allgemeinsprache und mit einem letzten ohrenbetäubendem Kreischen verschwand das Wesen. Hinterließ nur einen widerlichen Gestank und eine fürchterliche Angst im Herzen von Fianna. Diese war wie gelähmt und konnte sich nicht rühren, bekam nicht einmal mehr etwas von ihrer Umgebung mit. Erst nach einiger Zeit wurde ihr bewusst, das ihr Gesicht von Feuerschein gewärmt und erhellt wurde. Ungläubig zwinkerte sie und langsam kamen Empfindungen und Erinnerungen zu ihr zurück. Unbewusst schloss sie ihre Hand fester um die von Finrod, als wenn sie sich festhalten müsste, ehe sie wirklich begriff, dass sie seine Hand hielt. Etwas verwirrt sah sie auf ihre Hand hinab, ihr Blick flackerte. Das eben...war zuviel gewesen. Fianna hatte das Gefühl, dass in ihrem Inneren etwas zersprungen war und trotz des Feuers war ihr fürchterlich kalt. Zitternd saß sie angespannt da und starrte in die Flammen. Es dauerte einen Moment, ehe sie begriff, das die Worte von Draugh an sie gerichtet war. Sekundenlang starrte sie ihn an, antwortete dann aber doch nicht. Fianna hatte das fürchterliche Gefühl, innerlich zu zerspringen, daher entzog sie Finrod auch ihre Hand und stand auf. Jeder Herzschlag schien zu schmerzen und durch das Sitzen wurde es noch schlimmer, zumindest empfand sie es so. Unschlüssig ging sie ein paar Schritte, nur um dann wieder umzudrehen. Die kleine Lichtung war erhellt vom Feuerschein, aber hintern den Büschen herrschte förmlich undurchdringliche Schwärze und vor dieser fürchtete sie sich. Daher trat sie bald ein paar Schritte zurück, näher an das Feuer heran, wo die drei Elfen saßen und sie beobachteten. Ihr Blick glitt über die Gesichter der drei, blieb einen Moment länger bei Erendor hängen, dann sah sie sich wieder um. Wie viel Angst sie noch hatte, konnte man ihr deutlich ansehen, aber irgendwie ertrug sie gerade weder die Nähe von einem von ihnen, noch länger hier am Boden zu bleiben. Den Blick etwas erhoben drehte sie sich einmal um die eigene Achse, betrachtete die Bäume. Einer sah einfach zu erklettern aus und ehe einer der drei Elfen etwas sagen konnte, war sie schon an diesem halb hinauf geklettert. Erst weit oben machte sie es sich in einer Astgabel mehr oder weniger gemütlich. Nah am Lager und noch etwas erleuchtet, aber doch für sich. Und weit weg vom Boden. Endlich ließ der Schmerz in ihrer Brust etwas nach und es fiel ihr einfacher zu atmen. Die Wange an die Rinde gelehnt, die Fingerspitzen auf dieser abgelegt, saß sie da und meinte sogar, den Puls des Baumes spüren zu können. Die Ruhe und Erhabenheit beruhigten sie und ganz langsam wurde es auch mit ihrem Zittern besser. Verlassen würde sie den Baum vor dem Aufgehen der Sonne aber bestimmt nicht, dafür war ihr der Boden jetzt nicht geheuer genug. Erendor hatte das Wesen zwar vertrieben, aber der Schrecken saß zu tief in ihr, als das sie jetzt einfach ganz normal weiter machen konnte. Nach ein paar Minuten drehte Fianna leicht den Kopf, um den dreien einen Blick zuwerfen zu können. Sie saßen noch am Feuer und schienen sich zu unterhalten, aber das interessierte sie herzlich wenig. Hier oben fühlte sie sich wohl und sicher und entsprechend würde sie auch hier bleiben.

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Re: Südlich von Kosral

Beitrag von Erzähler » Montag 23. Januar 2012, 05:38

Fianna hatte die äußerst beunruhigende und irritierende Begegnung erlebt. Was auch immer es war, sie war sich im Grunde nicht wirklich sicher, ob sie es wissen wollte, war verschwunden. Erendor sei Dank.
So vieles konnte sie nicht verstehen, ihre Gedanken rasten durch ihren Kopf und ließen keine wirklich klare Erkenntnis zu. Sie zitterte am ganzen Leib und war nicht imstande dazu, aktiv aus dem Kreis der Gefahr zu flüchte. Nur gut, dass ihr Überlebenswille und ihre Instinkte stärker waren. Seltsam war es auch, dass sie mitten drinnen durchaus keine Angst empfand … nur Leere, vielleicht konnte Erendor ihr das erklären. Wenn sie denn daran denken würde.
Dass Draugh und Finrod sie zurück ins Lager gebracht hatten und sich um sie kümmerten, bekam sie nur vage am Rande mit. Alles wirkte mit einem Male so verschwommen, so unwirklich … und wie, u sich selber zu schützen, stellte sie sich unwillkürlich die kuriose Frage, ob dies überhaupt alles real gewesen war. Aufgrund ihrer Emotionen und körperlichen Reaktionen, wusste sie aber wieder, dass dies nur so gewesen sein konnte .
Es dauerte etwas, bis sie sich beruhigt hatte … sie zitterte zwar immer noch leicht, aber an sich hatte ihr Körper sich beruhigt, wenn auch ihre Innerstes noch im Aufruhr war… seltsamerweise, fühlte sie sich aber relativ sicher, hier im Lager. Wenn sie sich zurück erinnerte, dann kamen ihr Sequenzen in den Sinn, während denen sie die Umgebung doch beobachtete hatte und Erendor jede Menge Zauber wirken sah. Die drei Elfen waren nicht weit weg. Wenn Fianna ihnen lauschte, konnte sie mitbekommen, dass die Drei wohl über einer Karte hockten und die gedämpft überdies zukünftigen Reisewege durch den Wald diskutierten. Immer mal wieder, ruhten ab und zu die Blicke auf ihr.
Weitere Minuten, vielleicht auch eine Stunde vergingen und so langsam durchzog Fianna eine bleierne Müdigkeit, die wohl aus der körperlichen Erschöpfung resultierte. Ihre Geist ‘fühlte’ sich sonderbar frisch an, entgegengesetzt ihrer Erwartung.
Es war dann auch soweit, dass mit ihren Gedanken wieder in der Wirklichkeit war und das Lager, wie gewohnt, inspizierte … ewig wachsam, wie sie es kannte. Auch im Wald war die Normalität wieder eingekehrt, sie konnte die üblichen, nächtlichen Geräusche vernehmen, die in ihr ein Gefühl der Sicherheit weckten. Solange sie diese Geräusche, die nun einer süßen Melodie glichen, hören konnte, so musste sie um nichts bangen … und tatsächlich, noch ein kleines Zeichen, dass gerade alles normal war. Dort, in der Nähe ihrer Tasche, schlief versteckt, ihr kleiner Freund der Fuchs. Das Gebüsch und eben jene, nutzte er als Deckung und fühlte sich dort äußerst wohl … Elfen schienen ihn keinesfalls zu stören.
Auf dem Baum hatte sie sich wirklich sicher gefühlt, das, was ihr immer schon Ruhe, Zuversicht und Kraft ab, half ihr auch jetzt. Aber aus irgendeinem Grund war sie doch noch einmal herunter geklettert und saß nun wieder auf dem Baumstamm, nah am Feuer. Es musste eine Ahnung gewesen sein …
Da sie gerade sowieso in die Richtung blickte, konnte sie auch eine Bewegung an ihrer Tasche sehen … und nein, es war keine Einbildung. So sehr sie auch ihre Augen reiben mochte oder sich selbst den Gedanken stellte, ob sie verrückt wäre, die Bewegung war da … und sie wurde immer deutlicher. Zumindest die obere Lasche bewegte sich nun ziemlich deutlich, wie, wenn etwas aus der Tasche heraus wollte. Vielleicht hatte dieses Lager noch ein weiteres Tier angelockt?! … möglich war es definitiv. Dann aber, hörte sie ein feines, helles Lachen … das war mit Sicherheit kein Tier und ja, es kam aus ihrer Tasche. Fianna musste die Einzige sein, die diese glockenhelle Lachen oder war es mehr ein Kichern, vernahm. Ihr kleiner Freund schlief ungestört und ruhig weiter und die drei Elfen waren immer noch in Gespräche vertieft, die nun einen anderen Themenschwerpunkt hatten.
Dann, klappte eine Ecke der Lasche nach oben und Fianna konnte sehen, wie sich ein kleines Köpfchen nach draußen schob. Es war definitiv humanoide, es war ein zartes Gesicht, ähnlich dem eines Elfen, wunderschön, aber die Person dort, mochte vielleicht gerade mal eine Elle lang sein. Etwas größeres hätte wohl kaum bequem in ihrer Tasche gepasst. Die leuchtend blauen Augen, der kleinen Gestalt, blitzten im Feuerschein auf und verstohlen sah diese sich um. Sie hatte hellbraune Locken, welche über die Schulter wallten. Im Zaum wurden diese lediglich durch eine kleine Mütze gehallten, die in Grüntönen leuchtete und fast schon zu groß wirkte.
Es sah die drei Elfen und blinzelte schelmisch, dann sah es zu dem Fuchs und tätschelte diesen liebevoll, was dieser mit einem herzhaften Gähnen quittierte. Dann, sah es direkt Fianna an … seine Augen weiteten sich und mit einem freudigen Lächeln, sprang es mit einem Satz, lautlos, aus ihrer Tasche heraus.
Es war wirklich nicht sehr groß, dafür aber verdammt flink und leise. Im Handumdrehen war es bei ihr und stand direkt vor ihren Füßen … es sagte kein Wort, grinste sie nur an und sah sich dann wieder verstohlen um. Seine ebenso grüne Kleidung, schimmerte im Schein der Flammen.
Es drückte seinen winzigen Zeigefinger auf seine Lippen und bedeutete ihr, ruhig zu sein. Dann klatschte es in seine Hände, woraufhin diesen ein Leuchten entsprang und die Luft um dieses kleine Wesen glitzerte und hüllte allmählich auch Fianna ein. Mit einem male, hielt das kleine Wesen etwas in der Hand, bzw. in seinen Händen. Es war groß, rund und schien aus Metal gemacht zu sein, denn auch dieses Ding, glänzte im Feuerschein … und genau dieses runde Ding, bekam Fianna in die hand gedrückt. Woraufhin das kleine Wesen sich verbeugte, ihr zu zwinkerte und wieder von dannen rannte. In Richtung ihrer Tasche und so unmöglich das auch klingen mochte, mit einem Satz und vollkommen lautlos und von den Anderen unbemerkt, war es mit einem Satz wieder in ihrer Tasche verschwunden. Die Lasche klappte wieder zu und dann war dort Ruhe.
Fianna blickte vermutlich erstaunt und perplex diesem kleinen Wesen hinterher, ehe ihr nichts anderes übrig blieb, als sich den Gegenstand genauer anzusehen, den sie soeben erhalten hatte.
Zu ihrer Überraschung, hielt sie ein silbernes Amulett in den Händen, von dem eine wohltuende Aura ausging. Dieses Amulett hing an einem ledernen Band und verdammt noch mal, sie kannte dieses Amulett. Es war von ihrer Mutter!
Zeitgleich, merkte sie, wie Finrod auf sie zukam.
“Fianna, geht es dir besser? …”


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