Alleine im Wald?

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 27. November 2011, 18:30

Danika war viel zu besorgt um und beschäftigt mit Liya, als dass dem große Aufmerksamkeit geschenkt hätte, was zwischen Velten und Allrick vor sich ging. Sie war sowieso keine Jägerin und hätte niemals wirkliche Hilfe leisten können, wenn sie nicht sogar eher eine Behinderung dargestellt hätte, da sie bestimmt um das getötete Tier getrauert hätte. Obwohl sie ebenfalls ab und zu Fleisch genossen hatte, war es schon immer besser gewesen, sie könnte nicht mehr erkennen, was es mal gewesen war. Ihr Herz war in mancher Hinsicht nun einmal zu weich, vor allem für die Waldbewohner. Außerdem wollte sie sich sowieso lieber auf Beeren, Kräuter und pflanzliche Nahrung beschränken, soweit ihr Körper das vertrug. Doch derzeit wäre Fleisch für sie und ihren Begleiter die geeignetere Wahl, um wieder zu Kräften zu kommen. Und auch der große Zentaur könnte von ein paar gesammelten Beeren kaum satt werden.
Nur flüchtig, als Velten bemerkte, der andere würde schon zurecht kommen, hob sie kurz ihren Kopf und schenkte Allrick ein flüchtiges Lächeln.
Dann widmete sie sich wieder Liya, ehe sie direkt angesprochen wurde. Blinzelnd sah sie auf. "Wieso?", fragte sie schlicht. Sie kannte ausreichend Geschichten über die Menschen, auch wenn sie erst einem begegnet war, aber sie konnte gerade keinen Zusammenhang zu der Sache mit dem Einsperren herstellen. Noch dazu, wo sie selbst erst gefangen gehalten wurde von Dunkelelfen, die ebenfalls keine Menschen waren.
Kurz darauf jedoch konnte sie wieder lächeln und strich dem Vogel liebevoll über das kleine Köpfchen. "Ja, eine sehr gute... sie hatte den besten Lehrer im Dorf..."
Abrupt erstarrte sie, schossen Bilder der Erinnerung in ihr Gedächtnis und sorgten dafür, dass ihr die Tränen in die Augen schossen. Er war der Beste gewesen... bis zu jenem Tag, an dem das Unglück in Gestalt vieler Soldaten über sie alle herein gebrochen war. Was für ein Glück, dass Liya damals auf Jagd gewesen war, sonst hätten sie mit ihr das selbe gemacht wie mit allen Jagdvögeln, die sich nicht hatten übernehmen lassen.
Ein Schauer ließ sie frösteln, als sie an die tierischen Schreie denken musste, als sie bei lebendigem Leib gerupft worden waren, um der dunklen Armee hinterher als Nahrung zu dienen.
Ein leises Krächzen, als hätte der Vogel etwas gemerkt, holte sie in die Realität zurück.
Hastig und verstohlen wischte sie sich die Augenwinkel trocken und strich ihrer kleinen Freundin über die Brust, ehe sie diese fertig versorgte und wieder auf die Beine stellte.
Als sich Liya entfernte, blickte Danika gedankenverloren ins größer werdende Feuer, dessen Wärme sie nicht mehr fühlen konnte. Zu sehr hielt sie die Vergangenheit nun in ihren Klauen, sodass sie auch die Verteilung des Proviants nicht bemerkte.
Der Vogel indes machte sich wichtig und zeigte sich von Veltens Größe unbeeindruckt, sondern forderte auch ihren Teil der Nahrung. Genüsslich, sofern man bei solch einem Tier davon sprechen konnte, verschlang sie das Fleisch und gab sogar schmatzende Geräusche von sich.
Kaum hatte sie herunter geschluckt, öffnete sie schon wieder ihren Schnabel und forderte mehr. Von teilen konnte bei ihr derzeit keine Rede sein, denn auch wenn sie recht gut genährt aussah, war ihre letzte Mahlzeit bereits einige Tage her, sodass sie großen Hunger hatte und die Gelegenheit für Fettreserven nutzen wollte.
Als sie jedoch nichts mehr bekam, wandte sie sich mit einem beleidigten Krächzen ab und folgte der Geruchsspur zu der geschossenen Beute. Etwas ungelenk, da das Gleichgewicht durch die Schiene noch nicht ganz stimmte, tapste sie zu Allrick und sah ihn skeptisch an, den Kopf schief gelegt.
Doch er beachtete sie nicht, was ihr gar nicht gefiel. Liya war ständige Aufmerksamkeit von Zweibeinern gewöhnt, wenn sie diese einmal antraf und jemanden davon kannte, wie es bei Danika der Fall war. Andererseits lag da zwischen ihnen die Beute, unbearbeitet und ebenfalls unbeachtet. Die Gelegenheit!
Noch einmal zu Allrick schielend tapste sie voran, beugte sich vor und schnappte mit dem Schnabel nach einer der Pfoten. Daran wollte sie das erlegte Tier etwas wegziehen, um es in Sicherheit zu bringen und dort für sich zu zerlegen.
Was man eigentlich nützen könnte, denn ein Vogel wusste, wie man am besten an die Inneren kam, ohne vom Fleisch zu viel zu zerstören und es danach auch zu verzehren. Man müsste sie lediglich rasch genug wegnehmen, damit für die drei anderen genügend davon übrig blieb.
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Velten
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Donnerstag 1. Dezember 2011, 17:58

Der wenige Proviant, den Velten noch besaß, hätte vielleicht eine Weile seinen Hunger stillen können. Da er ihn aber teilte, würde sein Magen weiter protestieren und nach mehr verlangen. Obwohl er sich soeben einen Streifen Fleisch in den Mund schob, knurrte es bereits aus seinem Inneren. Insgeheim konnte er es kaum erwarten, das erlegte Tier über dem Feuer zu rösten und zu verspeisen. Bis auf Knochen würde vermutlich nichts übrig bleiben, allzu groß war die Beute auch nicht gewesen. Unbewusst schielte der Zentaur zu Allrick herüber. Für einen Menschen machte er seine Arbeit gut. Dass es mit einem eisernen Messer noch besser funktioniert hätte, kam ihm dabei gar nicht in den Sinn. Seine Sippe nutzte keine Metallwerkzeuge und Allrick hatte den Stein gut geschliffen. Es sah nicht danach aus als würde das gefertigte Werkzeug während der Verarbeitung des Fleisches splittern.
So richtete Velten seine Aufmerksamkeit wieder zurück zu Danikas Falken. Liya zeigte sich als aufgewecktes, aber vor allem divenhaftes Tier. Sie schien einen wichtigen Platz in der Familie der Elfe zu bekleiden, dass sie sich so viel heraus nahm und Forderungen stellte. Eine zickige, kleine Prinzessin. Veltens Blick ruhte auf dem Vogel, bis er von Allrick mit dessen Frage abgelenkt wurde. Er selbst stieß zunächst ein tiefes Brummen aus. Die Frage war berechtigt und klug gestellt. "Zieh dem Tier das Fell ab, lass etwas Fleisch dran. Nich viel, aber genug, um die Wölfe von uns abzulenken, sollte es welche hier geben." Er machte eine Halbdrehung mit dem Oberkörper und riss sich dann ohne zu Murren ein paar Strähnen aus seinem Schweif. Sofort begann er, die Haare zu verdrillen und die Enden zu verknoten. Kein mächtiges Seil, nicht einmal ein Strick, aber als Jäger musste man improvisieren können. "Ich werde Haut und Fell etwas entfernt von unserem Lager an einen Baum hängen. Dies und ein ehrwürdiges Gebet an Phaun werden ausreichen." Es hatte zumindest bisher auf seinen Reisen funktioniert. Velten vertraute auf diese Methode. Notfalls würde man Nachtwachen aufstellen und kämpfen müssen, aber er glaubte nicht wirklich daran, dass sich die Wölfe ihnen nähern könnten. Sie waren Geschöpfe des Waldgottes und bei weitem nicht dumm. Man bot ihnen Beute, die sie nicht jagen und erlegen, sondern nur erreichen mussten. Sie sollten sich glücklich schätzen. Zumal noch nicht fest stand, ob es in diesem Teil des Waldes überhaupt Wölfe gab. Im Arus striffen viele von ihnen herum, aber so weit südlich wie jetzt war selbst Velten noch nicht unterwegs gewesen.
"Ich halte die Menschen oder eure Verfolger, diese Dunkelelfen, für wesentlich größere Gefahren als ein Rudel Wölfe", endete der Zentaur schließlich und verschränkte die Arme vor der Brust. Damit beantwortete er aus seiner Sicht heraus auch Danikas Frage. Menschen sperrten ein und Dunkelelfen offenbar ebenso. Wölfen nicht. Sie jagten, weil sie hungrig waren. Ein natürlicher Prozess, dem auch der Zentaur folgte. Gesetze, die notwendig waren und zum Leben gehörten. Aber kein natürliches Wesen sperrte ein anderes in einen Käfig ein.
So in Gedanken versunken bemerkte Velten erst recht spät, dass sich Liya daran machte, die erlegte Beute fortzuschaffen. Er brummte, griff nun aber nicht ein. Sein Blick wanderte hinüber zu der Elfe. Es war ihr Gefährte, sie hatte also die Verantwortung für das Tier. Sie musste Liya erziehen. Velten würde ihr gegebenenfalls nur einen Ruck in die richtige Richtung geben, aber darum musste sich Danika ansonsten nun selbst kümmern. Lediglich ein Räuspern kam über seine Lippen, als der Falke sich anschickte, noch etwas kräftiger an der Pfote des toten Tieres zu zerren.

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Allrick
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Donnerstag 1. Dezember 2011, 22:48

Allrick hatte eine Frage gestellt und für den Moment interessiert in die Runde geschaut, auf die junge Elfe, die gedankenversunken ins Feuer sah, machte den Pelgarer wieder etwas nachdenklich. Doch nicht für lange, denn seine Frage sollte Gehör finden, noch ehe der das Beutetier wieder kurz ins Auge gefasst hatte. Denn bockigen kleinen Vogel jedoch hatte er schon längst aus den Augen verloren. Warum auch, schließlich ging ihn das Tier nicht wirklich etwas an, da es versorgt und seine Zugehörigkeit geklärt war.
Veltens Frage fiel überraschend befriedigend aus, etwas komandohaft, doch damit hatte Allrick keine Probleme, solange alles in gewissen Grenzen blieb. Viel imponierender hingegen war Veltens Tat, sich ein paar Schweifhaare auszuzupfen und sie zusammenzufilzen. Sicher nutzte Allrick auch sein eigenes Haar, wenn er keinen Zunder fand, aber selbst das schnitt er sich dann noch irgendwie herunter, statt es sich stumpf herauszureißen. Es waren zwar nur ein paar, doch diese Haare hatten etwas zu bedeuten, dass den alten Mann nicken ließ. "Klingt nach einem Plan." Da hatten der Mensch und das Mischwesen doch etwas gemeinsam: Nämlich eine merkwürdige Art, sich bestärkend zu äußern. So leckte sich Allrick nachdenklich über die spröhden Lippen, bevor er sich wieder daran machen wollte, das Tier weiter zu bearbeiten, da Veltens Antwort für ihn ausreichend war. Die selbstgefertigte Klinge saß grade am Fell des Tieres und sollte den ersten Schnitt machen, als das tote Geschöpf plötzlich zuckte.
"Was zum..." Erschrocken fuhr Allrick kurz ein Stück zurück, nur um sich dann über ihn selbst zu ärgern, dass er sich von diesem kleinen Jagdtvögelchen hatte erschrecken lassen. Selber stand ihm gegenüber, er war flink auf das tote Tier geklettert und sah dem Mann nun triumphierend entgegen. Nicht zu fassen, jetzt erschrickst du schon vor toten Tieren. Hast es nicht besser verdient. Genervt von sich selbst, aber gleichzeitig etwas amüsiert über den Blick, den Velten und Danicka an sich hatten, begab er sich wieder näher zum Tier, dabei machte er sachte Wischbewegungen inrichtung des Vogels, um ihn zu verscheuchen. "Husch husch, das ist nicht alles für dich!" Langsam näherte sich Allrick der Beute an, bis der Vogel ihn plötzlich entschieden in die Hand pickte, als er seinerseits das erlegte Tier erfassen wollte.
"Aua, du elendes, kleines..." Jetzt musste sich Allrick auf die Lippe beißen, er war kurz davor gewesen, den Vogel mit einem Klapps davonzujagen, mit einem sehr entschiedenen Klapps sogar. Nicht, dass er nichts vertrug, das hatte er den Elfen und allen anderen Herren zuvor schon beweisen dürfen, es war schlichtweg so, dass der spitze Schnabel ihn überraschend und vor allem präzise erwischt hatte. Es zwickte wirklich unangenehm, doch war das jetzt auszuhalten, schließlich hätte er besser aufpassen und weniger träumen müssen. Die beiden Gefährten, die dieses Schauspiel bestimmt mitverfolgten, hatte er inzwischen völlig ausgeblendet. Dies war eine Sache zwischen Liya und ihm und der Vogel gab sich ebenso bereit, wie es der Pelgarer tat.

Fast als würden sie gedanklich komunizieren starrten sie sich gegenseitig an, beide siegessicher, beide beharrlich. Na warte, dir wird der selbstgefällige Blick noch vergehen, Täubchen... Während der große Mann seine Arme etwas ausgebreitet hatte, gestikulierte der Vogel mit dem Schnabel, imitierte das Hacken nocheinmal. Als er schließlich wieder näher kam, bewegte Liya instinktiv die Flügel und dadurch auch den geschienten, verlor das Gleichgewicht und purzelte vom Kadaver hinunter ins Moos. "Geschieht dir ganz recht, du störrisches..." So brummelte er seinen Satz zuende und machte sich endlich daran, das Tier zu verarbeiten, ohne weiter auf den Vogel zu achten, schließlich war es unwahrscheinlich, dass er sich etwas getan hatte. Vermutlich würde er jetzt schmollend zu Frauchen zurücktrappseln und stumm vor sich hin schimpfen. Das jedoch nicht beachtend, machte Allrick die ersten Anstallten, das Tier wie von Velten vorgeschlagen aus der Haut herauszutrennen und zu preparieren. Dabei sah er die anderen beiden nicht wiede an, er konzentrierte sich lieber auf das was er tat. Davon abgesehen, dass ihm das Geschehene schon irgendwie unangenehm war...

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 2. Dezember 2011, 10:51

Vielleicht hätte Velten seinen Aufbruch noch besser planen und sich ausstatten sollen, denn mit dem Proviant, den er noch hatte und nun obendrein auch teilen wollte, würde er nicht weit kommen. Hinzu kam, dass derzeit alles andere als eine wirklich gute Jagdsaison war, sodass er schon viel Glück brauchen und sein ganzes Können würde einsetzen müssen, um seinen Magen wirklich füllen zu können.
Ob es unter diesen Umständen tatsächlich klug wäre, länger in Gesellschaft dieser beiden Personen mitsamt des Vogels zu bleiben und sie eventuell noch mit zu versorgen? Andererseits könnte ihm gerade Liya, sobald ihr Flügel wieder brauchbar wäre, beim Aufspüren von Beute helfen, während sich die anderen Zwei um das Lager und Feuer kümmern würden. Womöglich bräuchten sie zwar zusammen mehr Nahrung, um bei Kräften zu bleiben, könnten sich die Arbeit allerdings aufteilen. Somit hätten beide Möglichkeiten ihre Vor- und Nachteile.
Es würde vermutlich allein der Weg, den Danika und Allrick einschlagen wollen würde, entscheiden, ob sie beisammen bleiben würden oder nicht. Wobei der Zentaur nicht wissen konnte, dass seine Gesellschaft vorerst kein Ziel hatte, wohin sie gehen wollen könnten. Die junge Elfe hatte nie über ihre Flucht hinaus zu denken gewagt, weil sie sich keine große Hoffnung hatte machen wollen, dass sie mit dem Weglaufen Erfolg haben könnte.
Jedoch soweit waren sie ohnehin noch nicht, es ging nun erst einmal darum, die Füllung ihrer Mägen vorzubereiten und hoffentlich bald zu rösten.
Liya indes kümmerte sich vorerst nicht mehr um die Beute, die man ihr weggeschnappt hatte. Stattdessen zeigte sie, dass sie es gewohnt war, vollste Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten. Dabei hatte Velten mit seiner Vermutung gar nicht so Unrecht, denn sie war von ihrem Besitzer einst immer sehr vewöhnt und wie eine Prinzessin behandelt worden.
Als sie aber nichts mehr von dem großen Konkurrenten zu bekommen erwartete, machte sie sich zur nächsten Futterquelle auf.
Inzwischen schien der Zentaur das Unglück herauf zu beschwören, denn kaum sprachen er und Allrick über Wölfe, erwähnte er die Möglichkeit deren Existenz in der Nähe, erklang ein schauriges Heulen. Es war noch fern und doch war es nicht zu leugnen, dass solch ein Räuber dahinter steckte. Zu allem Übel schien er auch eine Antwort zu erhalten, als würden sich mindestens zwei Tiere schon zusammen raufen. Allerdings wofür, das konnten sie natürlich nicht ausmachen, es gäbe allein Vermutungen.
Danika wäre unter dem Geräusch gewiss zusammen gezuckt und hätte bei einem der anderen Beiden Zuflucht gesucht, hätte sie die Erinnerung nicht der Realität entfernt. Liya indes kümmerte sich um die Konkurrenten und stieß einen empörten Laut aus, als wären die Wölfe bereits hier. Auch schlug sie mit ihren Flügeln, besser gesagt, sie wollte es, denn sie konnte den mit der Schiene bei weitem nicht so bewegen, wie sie es vorgehabt hätte.
Blieb der kleinen Gruppe nur zu hoffen, dass diesmal die Erfahrung und das Vorhaben des Mischwesens genauso helfen würde wie sonst. Der Jagdfalke hörte ihm jedoch nicht zu, hätte ihn vermutlich auch nicht verstanden. Außerdem lenkte die unbeaufsichtigte Beute ihre Aufmerksamkeit unwiderstehlich an sich und sie wollte diese wieder für sich beanspruchen.
Wobei Danika nicht einschreiten würde, wenn man sie nicht ansprechen würde, da sie es gar nicht mitbekam. Sie starrte noch immer traurig und in sich gekehrt in die Flammen, ohne diese überhaupt wahrzunehmen.
Liya zog an der Beute, wollte sie von dem großen Mann mit dem Stein wegschaffen, und setzte sich schließlich dreist drauf. Als sie merkte, dass sie entdeckt worden war, sah sie auf und blickte kühn in Allricks Augen.
Der versuchte sie, verständlicherweise, zu verscheuchen, was sie mit einem empörten Krähen beantwortete und nicht gewillt war, von ein paar Wischbewegungen sich vertreiben zu lassen.
Als ihr obendrein die Hand zu nahe kam, fühlte sie sich bedroht und griff an, erwischte sogar seine Hand und hinterließ eine schnittartige Wunde, aus der sofort Blutstropfen heraustraten.
Natürlich schlug sie danach mit ihren Flügeln, als er ihr noch immer viel zu dicht auf das Gefieder rückte. Nur passierte es ihr diesmal, dass die Schiene ihr Gleichgewicht zu stark beeinträchtigte und sie von ihrer Beute runter ruschte, da sie sich instinktiv zu sehr auf ihre Flügel verlassen und sich nicht ausreichend festgekrallt hatte.
Erneut krächzte sie empört und rappelte sich wieder auf. Denn so leicht würde sie nicht aufgeben, das lag ihrem Wesen überhaupt nicht.
Also sprang sie schlussendlich wieder auf den toten Körper und stieß schimpfende Laute in Allricks Richtung aus.
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Velten
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 17. Dezember 2011, 01:26

Entschuldige, Allrick, für die Wartezeit. Ich hab's total verpeilt, dass ich dran war :o

Velten hätte nicht zu räuspern brauchen. Allrick kümmerte sich bereits um Liya. Er versuchte, den Falken von der Beute zu scheuchen. Der Zentaur sagte nichts zu den Methoden des Menschen. Er selbst empfand sie als falsch. Er hätte nicht versucht, mit den Händen zu wedeln. Das beeindruckte erstens keinen Falken und zweitens zog sich Allrick dadurch höchstens ein paar schmerzhafte Bisse zu, sollte der Vogel sich entscheiden, nach ihm zu hacken. Man verwendete dazu Stecken, eine Waffe oder versuchte, das Tier durch eine laute Stimme zu erschrecken, die es zurückweichen ließ. Velten hätte das alles bewerkstelligen können, aber er wollte sich aus irgendeinem Grund nicht einmischen. Sein Interesse am Menschen war geweckt. Er war neugierig, wie Allrick sich noch anstellte und ob es ihm gelingen mochte, Liya zu vertreiben.
Nach außen hin ließ sich der Zentaur nichts außer seinem zielgerichteten Blick anmerken. Er schaute weiterhin streng, die Miene verhärtet wie Stein und vollkommen ungerührt. Seine Hände friemelten wie von selbst die dünnen Schweifhaare zusammen. Diese Tätigkeit war ihm bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Er beherrschte sie blind, denn oft brauchte man einen etwas dickeren Faden. Haare boten sich da immer an. Er hatte schon ein beachtliches Stück Schnur geknüpft. Da pickte Liya nach Allricks Hand. Das war vorauszusehen. Velten blieb ruhig. Unter seinesgleichen machte man nicht öffentlich auf die Fehler eines anderen aufmerksam. Er würde Allrick vielleicht einen Ratschlag diesbezüglich geben, sollten sie einmal unter vier Augen sein. Nicht aber vor Danika. Er wollte den Mann vor ihr nicht schlecht dastehen lassen, selbst dann nicht, wenn er ein Mensch war. Gerade dann nicht! Menschen besaßen genug schlechte Eigenschaften.
Dann aber gesellte sich das Glück auf Allricks Seite, als Liya aufgrund ihrer Schiene das Gleichgewicht verlor. Sie purzelte wie ein abgeschossener Vogel von der Beute herunter. Der Mensch siegte. Velten schenkte ihm gar ein respektvolles Nicken. Man mochte sich nun fragen, warum, da Allrick augenscheinlich nichts getan hatte, aber auch das gehörte zu den Fähigkeiten, die ein guter Jäger beherrschen musste. Geduld. Einfach mal nichts tun und abwarten, eine Gelegenheit würde sich schon ergeben. Allrick hatte genau diesen Moment ausgenutzt. Das Nicken und die zurückeroberte Beute sollten ihm als Belohnung reichen. Nun galt es noch, Liya ein wenig aufzumuntern. Velten wusste nicht, ob der Falke ihn verstand, aber er sprach trotzdem zu ihr: "Ich muss wohl noch mehr jagen. Du hast einen gesunden Appetit."
War das bereits eine Zusage, dass er Danika und Allrick folgen würde? Eigentlich konnte er das nicht tun. Nicht, wenn sie nicht Taimis Spuren folgten, doch diese hatten sich in den letzten Tagen immer weiter aufgelöst. Wo sollte sein Vater noch nach ihm suchen? Stattdessen könnte er eine Schuld begleichen. Er hatte Liya angeschossen und ohne seine Hilfe würde die Natur dafür sorgen, dass sie den Angriff nicht überlebte. Nur der Stärkere bestand im Reich von Florencia und Phaun. Er war verantwortlich dafür, dass es soweit gekommen war und hätte den Falken wohl ebenfalls als Nahrung gebraucht, gehörte er nicht zu Danika. Also würde er nun auch ein Auge auf dessen Genesung haben. Er durfte nur seine eigentliche Suche nicht vergessen.
Plötzlich knurrte Veltens Magen zum wiederholten Mal. Doch das erweckte nicht seine Aufmerksamkeit. Es war das animalische Heulen, das wie ein böses Omen durch den Wald streifte. Wölfe, kein Zweifel. "Wir sollten uns beeilen und ihnen einen Anteil zur Verfügung stellen", richtete der Zentaur das Wort an Allrick. Er erhob sich wieder. Seine mächtigen Hufe schoben den kräftigen Leib in die Höhe. Aus dieser Position besaß er eine bessere Übersicht. Velten verließ seine Ruhestelle, tappte ein wenig über die Lichtung. Er blieb stets im Schein des Lagerfeuers, ging den Rand der Lichtquelle ab. Seinen Blick ließ er allerdings über die Bäume und die Dunkelheit schweifen. Er versuchte, Bewegungen zu erhaschen. Vielleicht waren einige Wölfe schon näher als gedacht. Velten war mit wenigen Schritten zurück bei Elfe und Mensch. "Nehmt das, falls ihr euch verteidigen müsst." Er ließ den Speer zu Boden fallen, rüstete sich selbst mit dem Bogen aus und spannte eine Sehne auf. Einen Pfeil hielt er griffbereit, den Bogen selbst spannte er jedoch noch nicht. Das kostete Kraft. Er würde eben schnell reagieren müssen, sollten wilde Tiere angreifen.

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Allrick
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Dienstag 20. Dezember 2011, 20:30

Es hatte kaum mehr als fünf Minuten gedauert und schon war der Pelgarer es müde sich mit Danickas Falken zu beschäftigen, was ihm auch anzumerken war. Denn für ihr weiteres Gezehter und Veltens besänftigenden Satz zu ihr interessierte den Menschen wieder herzlich wenig. Denn streng genommen, waren ihm diese beiden völlig egal, wen kümmerte schon ein arrogantes 'Hühnchen' und ein Zentaur. Gut, Velten war anzurechnen, dass er noch nützlich sein konnte, wie er es bis zu diesem Moment auch gewesen war, doch der Vogel war für Allrick wirklich vollkommen uninteressant.
Im Allgemeinen hielt er nicht viel von Tieren. Nicht, dass er ein Naturfeind wäre, er interessierte sich nur schlichtweg nicht sonderlich für sie. Besonders Tiere wie Falken, die zu schön zum Töten und zu schade zum domestizieren waren, gingen die Menschen in seinen Augen nichts an. Solange jemand seinen Hund nicht prügelte oder seine Pferde hungern ließ, lag es dem Mann fern, dem Tier plötzlich abgöttische Aufmerksamkeit zu schenken. Auch Haustiere hatten eine gewisse Selbstständigkeit zu behalten.
Allrick konnte nichts mit Tieren anfangen, die entweder zu weit entfernt waren, oder aber wie Liya die ganze Zeit wie eine Klette an einem zu kleben scheinen. Schon allein deswegen war ihm dieses stolze Tier unsympathisch, sodass er es nichteinmal mehr mit seiner Aufmerksamkeit fütterte. Er seufzte lediglich und hielt eines der Beine der Beute fest, während er mit dem schwarfen Stein ganz einfach dazu ansetzen wollte, weiter zu arbeiten, ohne dabei auf das nervende Federvieh zu achten. Es würde schon wissen wann es besser war zu verschwinden. Blöder Vogel... Möchte wissen, womit wir dich verdient haben. Grade, als sich Allrick nachdenkend über die Lippen leckte und versuchen wollte, das erste mal einzuschneiden, fuhr ihm ein Laut aus den Büschen den Rücken hinunter wie ein kalter Wasserschwall. Das Heulen von Wölfen war laut zu hören, ein beängstigendes Heulen, da diese Jäger selbst für Menschen mehr als nur Ungeziefer waren. Unter ihnen war nur einer, der es mit diesen Tieren wirklich aufnehmen konnte, Allrick gehörte nicht dazu. Zumindest nicht in dem Maße, wie Velten mit ihnen umspringen konnte. Noch bevor der Zentauer etwas sagte, also quasi wie in einem Augenzucken fuhr Allricks Blick herum in die Richtung, aus der das Heulen gekommen war. Die Beute ließ er dabei vollkommen unbeachtet, von einem Moment auf den anderen war sie zur Nebensache geworden. Der erste Reflex wäre danach gewesen, sich eines der Hölzer im Feuer zu greifen und sich damit zu bewaffnen, was zumindest für einzelne Tiere ausgereicht hätte. Denn die Erfahrung hatte den Pelgarer gelehrt, dass Wölfe, die nicht allzu verzweifelt waren, durchaus mit einer Fackel und viel Mumm vertrieben werden konnten. Im Grunde waren sie schließlich eher scheue Tiere, doch hier war es anders, denn allein ihr Heulen hatte etwas beängstigendes, diabolisches an sich. Schnell erhob Allrick sich von seinem Platz am Feuer und sah zu Velten, welcher sich ebenfalls bereit machte. Als er jedoch Veltens Speer am Boden erblickte und seinen Verweis vernahm, nickte der alte Mann dankend, sah dann aber zur jungen Danicka herüber. Sein Blick war auch im Feuerschein für sie erkennbar, sorgenvoll und fragend. "Willst du ihn haben? Sonst bleib beim Feuer und greif' dir einen der brennenden Äste. Die sind nicht zu schwer und reichen eigentlich aus, wenn du den Viechern nur ordentlich eine verpasst..." Er würde auf die junge Elfe Acht geben, denn das war er ihr in seinem Herzen schuldig. Velten und Liya waren egal, Danicka war wichtig, so hart es auch wirkte, besser enge Prioritäten als keine.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 23. Dezember 2011, 20:39

Liya gefiel die Behandlung, die ihr zuteil wurde von dem Menschen, überhaupt nicht und das merkte man auch deutlich. Nicht nur, dass sie sich verteidigte, es sprachen allein schon ihr Blick und ihre empörten Laute Bände darüber, was sie von seinen Bewegungen hielt. Außerdem begann sie damit, nach ihrer Verbündeten zu rufen, auch wenn sich Danika noch immer nicht rührte, weder für, noch gegen den Jagdfalken.
Vielmehr hatte sie Pech und verlor das Gleichgewicht, was allerdings noch lange nicht bedeutete, dass sie so schnell aufgab. Denn genauso, wie Velten richtig gedacht hatte, gehörte auch zu ihrem Jagdverhalten Geduld, gemeinsam mit einer gewissen Hartnäckigkeit, die man ihr definitiv nicht absprechen konnte. Also rappelte sie sich wieder auf und war merklich nicht gewillt, dem Menschen so rasch das Feld zu überlassen.
Sie saß gerade wieder auf der Beute, als sie von dem Mischwesen angesprochen wurde und auch zu registrieren schien, dass es um sie ging, denn sie drehte ihren Kopf und sah ihn mit einem ihrer dunklen Augen an.
Zustimmend... oder auch auffordernd krähte sie, dass sie verstanden hatte und weiteres Futter haben wollte. Immerhin hatte sie in dem Riesen einen ihrer Art erkannt, ein Raubtier, das auch für sie geeignete Beute machen konnte und nach ihren Vorstellung vermutlich auch sollte. Aber so etwas konnte man den Vogel natürlich weder fragen, noch anmerken.
Stattdessen jedoch konnte man ausmachen, dass sie den anderen, den Menschen, absolut nicht mochte. Denn lange wandte sie den Blick von ihm nicht ab, sondern starrte ihn wieder an und war deutlich in Lauerstellung, bereit, jederzeit wieder mit ihrem Schnabel zu zuhaken, sollte er sich ihr nähern. Das machte sie auch, verfehlte ihn allerdings und musste wieder mit dem Gleichgewicht kämpfen, als er einfach die Beute unter ihr bewegte.
Sie schlug mit dem unversehrten Flügel, krächzte und hüpfte schließlich nach hinten, um wenigstens festen Boden unter den dünnen Krallenfüßen zu haben. Ein empörtes Krähen ging in einem weiteren Heulen anderer Raubtiere unter, was auch ihr nicht behagte.
Liya krächzte und hüpfte ums Feuer herum, um Schutz bei Danika zu suchen, da sie allmählich begriff, dass ihr eine Flucht durch ihren verletzten Flügel nicht möglich wäre.
Die Berührung des warmen Körpers, begleitet von einem leichten Kitzeln der Federspitzen an ihrem Oberschenkel, ließ sie endlich blinzelnd in die Realität zurück kehren. "Was...?", murmelte sie unbewusst und sah an sich herab.
Leicht lächelte sie und strich der alten Freundin über das Köpfchen. Da ertönte schon wieder das Heulen, allmählich kam es sogar näher, ganz, als ob die Wölfe bereits die Witterung aufgenommen hätten.
Die junge Elfe wurde blass und sah verunsichert zu den anderen Beiden, was das zu bedeuten hätte, während der Vogel sich bei ihr nicht viel sicherer fühlte, was man an den ruckartigen Kopfbewegungen ausmachen konnte. Da war es alles andere als nützlich, dass Velten Tatendrang zeigte, denn dadurch bekam vor allem Danika noch mehr Angst.
"Was... was geht hier vor?", hauchte sie mit zittriger Stimme. Prompt krähte auch der Falke, als wolle sie das auch, wenngleich etwas forscher, wissen.
Als dann auch noch Allricks Stimme endlich wieder in ihr Bewusstsein dringen konnte und sie obendrein den Sinn dahinter verstand, starrte sie ihn einfach nur ängstlich an. Noch nie war sie nachts mitten im Wald gewesen, unbeschützt und mehr oder weniger hilflos, mit hörbaren Jägern in der Nähe, vor denen auch sie Furcht verspüren musste. Entsprechend fühlte sie sich wie paralysiert, als nach Velten auch noch ihr Begleiter den direkten Schein des Feuers verließ, um mit dem Speer bewaffnet, da sie ihn nicht nehmen würde, sich gegen einen möglichen Angriff zu wappnen.
Liya drückte sich enger an sie und beide blickten sie zu den männlichen Wesen, als es links von ihnen plötzlich raschelte.
Während Danika noch aufschrie, flog schon ein Pfeil in die Richtung, der nutzlos im Gebüsch verschwand und erst recht Lärm verursachte. Und eine Reaktion hervorrief, die überhaupt nicht zu der Gefahr passte. Es war eine hohe, piepsige Stimme, die unentwegt zu plappern schien und das in einem mehr als ärgerlichen Tonfall, während es sich gleichzeitig wie unsichtbar bewegte.
"Was ist das...?", hauchte die junge Elfe, als könne der Falke auf ihrem Oberschenkel ihr eine Antwort geben.
Doch es wurde wiederum unwichtig, als das Stimmchen vom nächsten Wolfsgeheul und einen folgenden Knurren übertönt wurde. Das lenkte sofort wieder die Aufmerksamkeit ab. Hinzu kam, dass auf einmal etwas von Danikas linker Seite aus in die Richtung der männlichen Wesen geworfen wurde.
Die junge Elfe schrie leise auf, während die anderen sich auf das Gebüsch stürzen würden, um nachzusehen, was das war, da der simple Stein in dem Licht nicht zu erkennen gewesen war. Liya krähte dazu, als wolle sie die anderen anstacheln.
So konnte unbemerkt ein Schatten auf der anderen Seite des Feuers heran huschen, in seinen Bart Schimpfworte brummelnd, und etwas hinterlassen, ehe er wieder im Unterholz verschwand, als wäre nie etwas gewesen.
Lediglich das erneute Rascheln ließ Danika herum fahren, aus Angst vor einem Angriff. Stattdessen jedoch blinzelte sie und rückte eine Spur weit zur Seite, weil sie durch das Feuer nicht erkennen konnte, was da auf einmal neben der Beute lag.
Erst nach diesem kleinen Wechsel konnte sie einen dunklen, quadratischen Gegenstand erkennen, der wie eine zusammen gelegte Decke aussah. Tatsächlich war es das, was der unbemerkte Schatten für Allrick hinterlegt hatte, aus rauem, gräulich braunem, kratzigem Stoff, der trotzdem gut wärmen würde.
Während er auf der anderen Seite der Beute einen länglichen Gegenstand für Velten hatte fallen lassen, der eine aufgesetzte, scharfkantige Spitze hatte, in der sich das Licht in unzähligen Nuancen brach.
Ohne noch an die gefährlich nahen Wölfe zu denken, weiteten sich Danikas Augen vor Staunen, denn sie konnte diesen Gegenstand erkennen, obwohl sie ihn noch nie direkt zu Gesicht bekommen hatte. Aber es gab viel zu viele Beschreibungen über derart sagenhafte Waffen, wie diesen Hochelfenpfeil mit der Diamantspitze, als dass es für sie auch nur einen Zweifel gegeben hätte. Wie kamen diese Dinge nur hierher und warum?!


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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Mittwoch 28. Dezember 2011, 13:00

"Hör auf den Menschen", bestätigte Velten Allricks Worte, die er an die Elfe gerichtet hatte. Sie sollte beim Feuer zurück bleiben. Wölfe würden sich nicht unnötig nahe an die Hitzequelle begeben, wenn es potenzielle Beute gab, die diese verteidigte. Auch sonst waren die Tiere es gewohnt, sich von Flammen eher fernzuhalten. Sie waren keine Haushunde, aber mit dieser Spezies konnte zumindest Velten nichts anfangen. Einen Hund hatte er noch nie erlebt. Nicht in dem Maß, wie es für einen Haushund üblich war. Menschenjäger richteten sich wolfsähnliche Tiere ab, um sich erlegte Beute bringen zu lassen, aber selbst diese Hunde waren mit ihren heimischen Verwandten nicht zu vergleichen. Außerdem kannte Velten ja nicht einmal ein richtiges Haus. Seine Sippe lebte im Wald, stellte sich hin und wieder in einer Höhle unter, aber sonst galt der freie Himmel als ihr Dach und die dicken Stämme der Bäume als ihre Hauswände. Sie schliefen auf sanftem Moos oder welken Blättern und sie benötigten weder Türen noch Fenster.
"Ruf nach uns, wenn du in Gefahr bist." Mit diesen Worten wandte sich der Zentaur ab. Den Bogen leicht gespannt, dass es noch keine große Kraftanstrengung bot, schlich er sich aus dem Lichtkreis des Lagerfeuers heraus und in die Dunkelheit des Waldes. Seine Hufe verursachten überraschend wenig Geräusche. Er schritt auf vertrautem Untergrund und wusste, wie man sich zu bewegen hatte, um ungehört zu bleiben. Dafür nahm Velten ein Rascheln wahr, das sofort seine volle Aufmerksamkeit gewann. Er lauschte. Es klang nicht wölfisch, diese Vierbeiner bewegten sich anders. Auch sie waren Jäger, huschten nicht so wild und unbedacht durch das Dickicht.

Etwas Kleines hob sich plötzlich vom Rest des zwielichtigen Graus ab, in das sich der nächtliche Wald gehüllt hatte. Es war nur um Nuancen heller, aber dies genügte dem geübten Auge des Zentaurenjägers, um den Unterschied zu erkennen. Sein Bogen wurde nun stärker gespannt. Als es erneut in der Nähe raschelte, ließ Velten die Sehne fahren. Sirrend durchschnitt sein Pfeil die Luft, rauschte zwischen Zweigen und Blättern hindurch. Danika bemerkte ihn wohl fliegen, auch wenn er ein unheimliches Geräusch in der Finsternis blieb. Velten wusste bereits, dass es ein Fehlschuss geworden war. Ansonsten hätte das seltsame Opfer nicht so überrascht piepsig aufgeschrien. Schmerz wäre Teil seines Lauts gewesen. Daneben. Er schritt weiterhin langsam voran, schlug eine andere Richtung ein. So würde man ihn von dieser neuen Position aus möglicherweise nicht so schnell entdecken. Gegen Wolfsnasen konnte der Zentaur aber auch nichts ausrichten. Sie mussten Beute gewittert haben und sie waren ganz in der Nähe. Velten hörte die Bestien knurren. Er legte den nächsten Pfeil nach. Würden die Wölfe ihm zu nahe kommen, müsste er steigen und versuchen, sie mit Tritten seiner Hufe zu vertreiben. Der Speer befand sich schließlich noch im Lager.

In diese Richtung begab sich Velten im Augenblick jedoch nicht. Er musste dann schon die Wölfe vom Lager fernhalten und sie nicht auch noch direkt hin führen. Also erwiderte er das Knurren durch ein eigenes, leises Stampfen mit dem Hinterbein. Die Holzperlen, welche an einer Kette um seinen Fuß lagen, klackerten kurz. Velten war das Geräusch vertraut, seit sein Sohn ihm dieses Geschenk gemacht hatte und doch jagte es ihm jetzt einen Schauer über den Rücken. Er durfte sich weder von Wölfen noch anderen Gefahren des Waldes aufhalten lassen. Wachsam stapfte er weiter, versuchte, den Standort anhand des tierischen Knurrens auszumachen. Er brauchte die Wölfe nur zu erschrecken, um sie für diese Nacht zu vertreiben. Es musste nicht blutig enden, aber er würde sich verteidigen, wenn es nicht anders ging.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Montag 2. Januar 2012, 17:07

Die Dunkelheit um sie herum hätte finsterer kaum sein können, auch wenn es noch nicht ganz Nacht war, denn der Feuerschein warf Schatten ins Dickicht, die es schon jetzt in ein beängstigendes Schwarz tauchten. Noch immer sah Allrick nach der jungen Danicka und hoffte auf eine Reaktion der bis jetzt sehr stillen Elfe. Kaum etwas hilfreiches folgte von ihr, nichts, stattdessen war Danicka mehr auf ihren Vogel fixiert und gab dem Pelgarer Rätsel auf. Entgegen etwaiger, eigener Erwartungen war Allrick diesmal für Veltens Rat dankbar, denn er beschied der Elfe, auf Allrick zu hören. "Bitte sei vorsichtig." Ohne noch groß abzuwarten, wandte sich der Mann herum und starrte in die Büsche, dabei hielt er Veltens Kurzspeer fest in der Hand, denn es hatte sich etwas bewegt. Schneller als Allrick selbst hätte feuern können, schnellte ein Pfeil hinein, als eine kleine Gestalt die Blätter zum Zucken brachte. Allrick seinerseits brachte es nur fertig mistrauisch danach zu sehen, erst, als sich das flinke Etwas dem Feuer annäherte, konnte Allrick effektiv in Aktion treten. Auch wenn das nur hieß, dass das winzige Etwas, an im vorbeihuschte, als er versuchen wollte, seinen Vormarsch zu stoppen. Schneller, als die Kreatur erschienen war, war sie auch schon wieder verschwunden, denn sie verweilte scheinbar nur kurz am Feuer und machte sich dann wieder davon. Höchst rätselhaft für den Menschen, da ihm Wesen wie Wichtel oder Feen, sowie Kobolde vom Wesen her völlig unbekannt waren. Was zum... Ein kontrollierender Blick fiel auf Danicka, auch wenn ihr von der kleinen Kreatur eher keine Gefahr hatte drohen können.

Im Gegensatz zum großen Zentauren machte Allrick keinerlei Anstalten, den Lagerplatz, beziehungsweise die Lichtung zu verlassen. Es war für einen verwundeten Herren wie ihn, nicht minder für einen Gesunden, sehr gefährlich sich mit Wölfen zu messen. Dies in größerer Entfernung zum Feuer zu tun, war Wahnsinn. Velten wog bestimmt das Eineinhalb- bis Zweifache von Allrick und war eine sehr große und kräftige Gestalt. Ein Wolf unter seinen Hufen war etwas, dass den Menschen schon als Bild vor Augen daran glauben ließ, dass der Waldbewohner auf sich selbst aufpassen konnte.
Die Aufgabe des Pelgarers würde es sein, mehr auf die Lichtung und vor allem auf das Lager zu achten, wobei ihm der Gedanken kam, den Beutekadaver fortzuschaffen. Mit einem Teil davon glaubte er nämlich nicht die Wölfe einfach abspeisen zu können. Andererseits konnten sie Glück haben und der Rauchgestank hatte ausgereicht, um den Duft des toten Tieres überdecken zu können. Er wandte sich erneut zum Feuer herum. "Ich sehe mich einen Moment um, Danicka, bleib beim Feuer und ruf nach uns, wenn du etwas siehst. Ich bleibe in der Nähe..." Langsam stapfte Allrick nun fort vom Feuer inrichtung Gebüsch, denn es war plötzlich verdächtig ruhig geworden. Den Speer hielt er fest umklammert und richtete ihn wachsam stehts vor seinen Körper, wie man es ihm beim Militär beigebracht hatte. Er selbst konnte nur raten, was Velten damit bezweckt hatte, allein ins Dickicht zu gehen, er würde es ihm sicher auf gar keinen Fall gleichtun.
Vorsichtig spähte er so einige Gebüsche und Bäume ab, die er erreichen konnte, achtete dabei so gut es ging auf die Umgebung. Dabei verhielt er sich so leise, wie er es sich beim Jagen im Wald früher hatte beibringen können und wie es einem Menschen eben möglich war...

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 15. Januar 2012, 20:17

Danika hatte auch gar nicht vor, sich von dem schützenden, Licht und Wärme spendenden Feuer zu entfernen. Trotzdem hatte sie bei den Lauten Angst, weil sie wusste, wie wehrlos sie gegen diese Räuber wäre. Und auch Liya suchte bei ihr Sicherheit sowie ein wenig Deckung, als hätte sie akzeptiert, dass sie derzeit nicht einmal in einer Notsituation rasch fliehen könnte. Denn normalerweise achtete sie als schwächeres Tier immer darauf, Wölfen nicht zu begegnen oder wenn, mit einer großen Höhendistanz.
Erneut jaulten die Wölfe, als wollten sie sicher gehen, dass alle Mitglieder des Rudels in der richtigen Position für einen Angriff auf die Beute waren. Der jungen Elfe rieselte es kalt den Rücken hinunter und auch der Jagdfalke duckte sich leicht.
Nur kurz auf Veltens zweite Bemerkung hin gab sie ein Geräusch Laut von sich, als hätte sie den Sinn verstanden. Es war ein leises Krächzen, nach dem Motto, er solle sie auf alle Fälle beschützen, wenn er sie schon angeschossen hatte. Ja, auch Vögel konnten durchaus nachtragend sein.
Danika legte ihr unbewusst, aber beruhigend die Hand auf das Köpfchen und bewegte minimal ihre Finger kraulend. Noch war die Gefahr zwar im Anmarsch, jedoch nicht direkt da, sodass ihr Herz noch nicht so heftig schlug, wie es wäre, wenn die Wölfe sich schon zeigen würden. Trotzdem schoss ihr Puls in die Höhe, als es in ihrer Nähe raschelte, sie erschrak heftig und das, obwohl es nur dieses Geräusch war. Auch Liya war merklich angespannt und versuchte instinktiv mit den Flügeln zu schlagen, sich aufzuplustern, um größer zu wirken, als sie in Wahrheit war.
Erst, als sie einen fliegenden Pfeil wahrnahm, gab die junge Elfe ein erschrockenes Quieken von sich. Der lange, dünne Stab mit der scharfen Spitze verschwand im Dickicht und wurde beantwortet mit einer hohen, piepsigen und eindeutig schimpfenden Stimme gemeinsam mit einem erneuten Rascheln.
Zum Glück war Danika noch nicht wieder ruhig genug, um sich erst recht Sorgen zu machen, weil der große Zentaur mit seinem Schuss nicht getroffen hatte. Denn was wäre dann, wenn die Wölfe wirklich hier wären...?
Die sich auch wieder in Erinnerung riefen, indem sie ein weiteres Mal heulten, viel näher und immer bedrohlicher. Sie begannen damit, unbemerkt das Lager einzukreisen, wollten so in ihrer üblichen Taktik ihre Opfer angreifen. Bisher ließen sie sich von den Drohgebärden des Mischwesens bei weitem nicht beeindrucken.
Indes drückte sich Danika noch eine Spur näher an das Feuer heran, um mehr von dem Licht abzubekommen. Dabei sah sie zu Allrick und hoffte inständig, dass ihm nichts passieren würde.
"Du auch...", hauchte sie ein wenig verspätet auf seine Worte hin. Er war ja schon verletzt genug, ihm sollte nicht noch mehr zustoßen, das Bisherige war schlimm genug gewesen.
Indes hatte sich das kleine, komische Wesen noch nicht verzogen, sondern huschte größtenteils lautlos durch die Büsche, um dann plötzlich in Erscheinung zu treten. Danika nahm die Bewegung zwar wahr, konnte aber nichts erkennen, da sie geblendet wurde.
Das kleine Ding lief auf seinen kurzen Stummelbeinchen und war flux wieder im Dickicht verschwunden.
Sie blinzelte mehrmals, ohne mehr ausmachen zu können, als Allrick sie erneut ansprach. Ihr Kopf ruckte herum und sie schluckte merklich, versuchte aber tapfer zu sein und zu nicken. Ihrer Stimme indes traute sie nicht, sodass sie lieber nichts sagte, um ihre Angst vielleicht wenigstens ein bisschen überspielen zu können, so banal und unsinnig das auch war in ihrer Situation.
Dass es hingegen verdächtig ruhig um sie geworden war, fiel ihr vorerst noch nicht auf, während Liya hingegen eindeutig empfindlicher war. Der Kopf ruckte unruhig herum und sie konnte kaum still halten, als könne sie die Gefahr wittern.
Sekunden vergingen, dehnten sich zu kleinen Ewigkeiten, in denen absolut nichts geschah. Jedoch war es eindeutig die Ruhe vor dem Sturm, denn plötzlich begann ganz in der Nähe ein Wolf im Gebüsch zu knurren.
Danika blieb beinahe das Herz stehen, der Vogel verbarg sich hinter ihr, als es auf einmal viel zu schnell ging. Jene hohe, piepsige Stimme meldete sich wieder, schrie auf und bewegte hektisch die Blätter um sich herum.
Es schrie weiterhin und lief auf seinen Stummelbeinchen davon, hatte den Wolf allerdings anscheinend etwas mit seinen Lauten überrumpelt und irritiert, denn es wäre dem Räuber ein Leichtes gewesen, einfach zu springen und danach zu schnappen, sodass es sofort vorbei war. Doch so konnte das kleine Wesen einen minimalen Vorsprung erreichen, verließ die schützenden Blätter und kam watschelnd auf die Lichtung getrippelt, was, trotz der gefährlichen Situation, einfach nur komisch aussah. Die kurzen Stummelbeinchen konnten kaum den dicken, runden Bauch tragen und sehen konnte das Ding wohl auch kaum etwas, so tief, wie die Zipfelmütze saß.
Der Wolf indes hatte sich wohl wieder gefangen und sprang aus dem Gebüsch knurrend hinterher, schnappte nach seiner vermeintlichen Beute.
"Waaah!", machte das Wesen und versuchte, sich schneller zu bewegen.
Das Tier hinter ihm schnappte erneut nach ihm und erwischte sogar etwas, konnte ihm die Mütze vom Kopf ziehen. Das jedoch war eindeutig ein Fehler.
Das Männchen hatte auf einmal einen entblößten Kopf und nun hatte sich der Räuber ihn sich zum Feind gemacht. Die Angst war vergessen, das Wichtelchen wirbelte herum mit finsterster Miene.
Der Wolf schüttelte noch die Mütze, als sein Kontrahent einen undefinierbaren Laut von sich gab und dem Tier kurzerhand mit dem Stab auf die Schnauze schlug. Automatisch ließ der Jäger seine Beute fallen und er versuchte, sich mit der Pfote über die getroffene, empfindliche Stelle zu streichen.
Das ließ das Wesen nicht zu und schlug erneut mit seinem Stab dagegen, sodass der Wolf aufjaulte und sich tatsächlich damit vertreiben ließ, sodass er kehrt machte und im Gebüsch wieder verschwand.
Das kleine Ding rief ihm mit seiner hohen Stimme schimpfend hinterher, drohte weiter mit dem Stab, bis das Rascheln etwas leiser wurde.
Vor sich hin brummelnd trat es danach watschelnd vor, nahm sich die Mütze, putzte sie zeternd ab und setzte sie sich wieder so auf, dass es kaum was sehen zu können schien. Damit scheinbar wieder zufrieden, drehte es sich um und wollte den Weg in ein anderes Gebüsch einschlagen. Es watschelte voran, schimpfend und brummelnd, eindeutig böse auf den frechen Wolf.
Danika und Liya hatten diese Szene beobachten können, die sich im Lichtschein abgespielt hatte, mit zunehmendem Staunen und wie paralysiert. Es war einfach viel zu unwirklich, als dass die junge Elfe es hätte fassen können. So starrte sie noch immer auf das Wesen, mit leicht geöffnetem Mund.
Anscheinend konnte das Ding das spüren, denn es blieb plötzlich stehen und drehte sich zu ihr herum. "Was ist?", piepste es mürrisch und klang ganz so, als wäre es zusätzlich darüber verärgert, dass man es so anstarrte.
Danach schnaubte es leise und wandte sich wieder seinem Weg zu, um diesen weiter entlang zu watscheln und vor sich hin zu brummeln.
Doch inzwischen konnte sich Liya erholen, wohl auch kombinieren und wurde mutiger. Sie kam hinter Danika hervor und trippelte auf das kleine Wesen zu, das sie sogar überragte, wenn man die Zipelmütze wegrechnete.
Das Ding bemerkte sie nicht und da sie schneller war als die Stummelbeinchen, hatte sie es eingeholt, ehe es wieder verschwinden konnte. Ein aufforderndes Krächzen ließ das Ding inne halten und sich umdrehen. Denn der Vogel wusste nun ganz genau, dass dieser kleine Wicht Geschenke gebracht hatte, da wollte sie natürlich auch etwas haben.
"Gieriger Vogel, du kriegst nix!", schimpfte es in einer Sprache, die auch Liya verstand.
Der Blick des Vogels verdüsterte sich, aber das war dem Wichtel egal. Es drehte sich wieder um und wollte seinen Weg ein weiteres Mal fortsetzen. Jedoch so leicht hatte man es mit der kleinen Diva bei weitem nicht und diese war beleidigt. Das schrie förmlich nach Rache, egal, wie nahe noch andere Wölfe sein mochten.
Sie schnappte ebenfalls, wie der Räuber zuvor, nach der Mütze und zog leicht daran.
Allerdings war der Kleine gewarnt noch von vorhin, wirbelte herum und schlug auch dem Jagdfalken mit seinem Stab auf den Schnabel.
Sie ließ sofort los und schüttelte irritiert den Kopf.
Drohend hob das Wesen seine Waffe erneut, schimpfte auch mal wieder, schlug aber nicht noch mal zu. Stattdessen drehte er sich nun für ihn endgültig um.
Wenngleich er es mit Liya nicht so einfach hatte, diese ließ sich nicht derart rasch und effektiv vertreiben. Im Gegenteil, sie beugte sich vor und schnappte nach der dunklen Hose unter dem runden Bauch. Stoff riss und die Stimme wurde noch piepsiger in seiner Wut.
Er drehte sich um, wollte wieder zuschlagen, doch auch der Vogel konnte lernen. So wich sie aus, drehte sich um und stapfte mit arrogant erhobenem Schnabel und dem Stofffetzen darin zurück nach Danika, der nun wirklich der Mund offen stand, ein Ziel für viele Insekten, wäre es eine andere Jahreszeit.
Der Wichtel hob seinen Stab schimpfend, ehe er sich umdrehte und jetzt erst recht verschwinden wollte. Wobei der Weg noch lange genug war, um in dem Lichtschein erkennen zu können, dass er unter seiner Hose eine weitere trug, aus weißem Material, mit grünen, kleinen Tannenbäumchen darauf.
Das Ding tauchte endlich ins nächste Gebüsch unter, kümmerte sich allerdings nicht mehr um Unauffälligkeit, denn die zeternden, unverständlichen Laute waren noch scheinbar ewig zu hören, egal, ob er damit die nächsten Wölfe auf sich aufmerksam machte oder nicht.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Freitag 20. Januar 2012, 00:19

Noch immer stapfte Velten durch den nächtlichen Wald. Das Mondlicht drang kaum bis zum Waldboden durch. An manchen Stellen bildete es wabernde, matte, graue Flecken. Ansonsten musste er sich jedoch auf seine anderen Sinne und seine Instinkte verlassen. Wolfsgeheul drang wiederholt an seine Ohren. Es wurde lauter, deutlicher. Die Jäger kamen näher. Velten schritt genau auf das Jaulen zu. Es hatte keinen Sinn, weit darum herum zu pirschen. Nicht jetzt, da es schwierig war, die alten Pfade wiederzufinden. Vielleicht hätte er sich doch eine kleine Fackel basteln und sie mitnehmen sollen. Aber Velten war niemand, der lange über ein "hätte" nachdachte. Er hing nicht den vergeudeten Möglichkeiten der Vergangenheit nach. Er sah das Hier und Jetzt. Fast lautlos stapfte er weiter. Seine Hufe hinterließen kleine Abdrücke, wo der Boden weich war. Blätter und Zweige knackten unter seinem Gang, aber auch nicht anders als wenn ein Waldtier durch das Dickicht streunte. Allein die Schwere im Klang machte einem geschulten Ohr klar, welch großes Geschöpf Phauns unterwegs war.

Gerade schien er seine Runde im näheren Umkreis der Lichtung zu beenden, als Velten plötzlich ein Knurren wahrnahm. Er reckte seinen Hals, konnte dadurch aber nicht mehr erkennen. Aber er spitzte die Ohren. Jetzt hörte er es ganz deutlich. Neben dem Knurren waren auch leise Geräusche auszumachen, die seinen eigenen nicht unähnlich waren, wenn er durch den Wald schlich. Die Wölfe waren hier, allerdings befanden sie sich nicht allein in der Nähe. Velten zuckte zusammen, als irgendetwas oder irgendjemand piepste. Darauf folgte ein hoher Schrei, der seine Ohren zum Klingeln brachte. Was war denn das?! Er kannte kein Tier, das so hoch schrie. Vielleicht ein Mensch? Ein kleiner Mensch mit umso schrillerer Stimme...

Der Zentaur legte den nächsten Pfeil auf. Langsam ging er ein Stück. Gut, die Runde war fast voll. Er konnte schon das Lagerfeuer sehen und auch die Konturen von Danika, die dort irgendwo saß. Aha, Liya befand sich auch noch dort. Sie trippelte mit ihrem dicken Bauch und der roten ... Moment mal! Was war das für ein kleiner Wicht, der dort auf der Lichtung eilig rannte? Er verlor sofort Veltens Aufmerksamkeit, als der Wolf aus dem Dickicht gesprungen kam. Sogleich hob der Zentaur den Bogen. Es geschah schon reflexartig, als sei er eine Verlängerung seines Armes. Doch ehe er schießen konnte, hatte das Tier die Mütze des Wesens geschnappt, was diesem so gar nicht passte.
Velten blinzelte. Was ist das?! Er wusste nicht genau, auf wen von beiden er nun zielen sollte. Der Wolf schien eindeutig gefährlicher. Wiederholt hob er den Bogen, aber es war bereits nicht mehr nötig. Das kleine Etwas hatte sich die Mütze im Kampf zurückerobert und verschwand nun grummelnd, nachdem er sich auch noch mit Liya hatte auseinandersetzen müssen. Auch der vierpfotige Jäger hatte sich aus dem Staub gemacht. Velten kam aus dem Gebüsch. "Ich bin es nur. Was war das für ein Geschöpf?", raunte er in Danikas Richtung. Wölfe jagten nicht allein. Nur weil einer vertrieben war, hieß das nicht, dass sie sich in Sicherheit wiegen durften. Wachsam schaute sich Velten um. Es könnten noch weitere Vierbeiner unterwegs sein. Den Bogen hielt er zwar nicht gespannt, aber schussbereit. "Ich beschütze dich, Elfe." Seine Stimme war kaum mehr als ein Wispern. Er wollte die Tiere nicht unnötig aufschrecken. Die würden es noch früh genug mit ihm zu tun bekommen, sollten sie sich auf die Lichtung wagen.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Samstag 28. Januar 2012, 15:47

Ein eisiger Wind strich an Allricks Beinen entlang, oder war es mehr die Nervosität? Schließlich war es mehr als angebracht für ihn, sich Sorgen zu machen, denn Wölfe, noch dazu im Rudel, stellten für Leute wie ihn und Danika eine echte Gefahr da. Sollte es schon wieder enden, so kurz nach dem sie ihre Freiheit zurückerlangt hatten? Das konnte und wollte der Pelgarer nicht glauben, zu fest war der Griff um den Speer, als dass er sich solchen Gedanken hingeben wollte. Die scharfe Spitze vor seinem Körper haltend, durchbohrten seine Blicke die Gebüsche in der Nähe der Lichtung, früher hätte er solche Schwierigkeiten nicht gehabt, denn der Wald seiner alten Heimstadt war anders, als dieses tiefste aller Dickichte, in dem sie sich grade aufhielten. Warum nur muss es jetzt schon so verflucht dunkel sein. Wie sind diese Biester eigentlich auf unsere Fährte gekommen? Es hängen einem doch nicht plötzlich die Wölfe am Hacken, hat sie vielleicht irgendetwas angetrieben? Vermutlich interpretierte er zu viel in das Auftauchen dieser eigentlich scheuen Wesen hinein, vermutlich waren sie einfach nur hungrig. Morbide Bilder zogen durch Allricks Kopf, Bilder aus Geschichten, die ihm sein Großvater früher erzählt hatte. Von Wölfen, so groß wie Bullen, die einen Jungen wie ihn bei lebendigem Leib verschlingen konnten. All die Schreckgeschichten, die man Kindern eigentlich nicht auftischen sollte und auch wenn Allrick es inzwischen besser wusste, war ihm die Vorstellung dieser grässlichen Ungeheuer bis heute erhalten geblieben. Irgendetwas in ihm sagte, dass es diese Tiere irgendwo geben musste, so unwahrscheinlich das auch war. In einer Welt, in der marodierende Orks und brutale Dunkelelfen wüteten, hätte es vermutlich auch niemanden gewundert, wenn zusätzlich auch noch solch riesige Wolfsmonster existierten. Dabei waren Wölfe für sich gesehen sehr schöne Tiere, scheu und am liebsten weit entfernt von den Menschen, es gab Gesänge und Gedichten über sie und ihre Schönheit.
Es war Allricks Glück, dass er in diesem Moment den Kopf frei von all diesen Dingen hatte, sonst hätte er einen größeren Schrecken bekommen, als der vom Wichtel verjagte Wolf an ihm vorbei ins Dickicht sprang und sich scheinbar davonmachte. Was war das denn? Geistesgegenwärtig stieß Allrick mit dem Speer nicht nach dem Jäger, welcher im Begriff war, Fersengeld zu geben. "Was zum..." Bevor er es wagte, sich nach Danicka umzudrehen und einen prüfenden Blick zu der jungen Elfe zu entsenden, machte er Pelgarer vorsichtshalber ein paar Schritte zurück, sodass er das gesamte Schauspiel des Wichtels verpasst hatte, wenn auch nur um Haares Breite. Sein Blick verdüsterte sich zu Missgunst, denn Velten war bereits bei ihr, hielt seinen Bogen in der Hand und gebar sich zumindest in den Augen eines Menschen sehr souverän. Da war es wieder, das, was Allrick vom ersten Moment an dem Zentauren angedichtet hatte, warum er nur so dachte, wusste er selbst nicht genau, doch es kümmerte ihn nur mäßig. Er mochte das Mischwesen nicht und das, was sich grade am Lager abspielte, gefiel ihm noch viel weniger. Es war seine Aufgabe gewesen, über Danika zu wachen, nicht Veltens, er solle ruhig machen, was er eigentlich vorgehabt hatte, so eifersüchtig wie er grade war, ließ Allrick kein gutes Haar an dem hochgewachsenen Zentauren. Auch wenn es sein eigener Fehler gewesen war, nicht vorauszusehen, was geschehen war.
Zuletzt geändert von Allrick am Donnerstag 16. Februar 2012, 14:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 8. Februar 2012, 21:26

Es war definitiv spät geworden. Nicht nur, dass Danika und Allrick tagsüber vor Erschöpfung geschlafen hatten und erst gegen Nachmittag durch das Auftauchen des Zentauren wieder aufgewacht waren, all das Gerede und der Jagdausflug von Velten hatten ebenfalls Zeit gekostet. Obendrein herrschte die kälteste Jahreszeit vor, da war die Spanne, in welcher sich die Sonne zeigte, äußerst kurz. Was sich zusätzlich verstärkt hatte durch die undurchdringliche Wolkendecke und der Tatsache, dass in einem Wald der Abend immer früher herein brach als auf einer offenen Ebene. Somit konnte sich die Luft nicht einmal minimal erwärmen, sondern kühlte stattdessen nur noch weiter ab, als es nun merklich dunkler wurde.
Wenigstens konnte sich Danika etwas an dem Feuer aufwärmen, während es ihre Begleiter nicht so gut hatten, sondern aufpassen mussten, dass die Gefahr der Wölfe nicht die Lichtung erreichte. Sie und Liya wären dann wirklich hoffnungslos verloren, denn die junge Elfe wäre auf den Beinen nicht schneller als ein Rudel dieser Raubtiere.
Die es sowieso nicht lassen konnten und ihre Beute nicht so leicht aufgeben würden. Was sie auch ankündigten und dadurch erst recht demonstrierten, wie nahe sie ihrem Ziel schon gekommen waren. Danikas Blick suchte beständig die Umgebung ab, ohne etwas Hilfreiches erkennen zu können.
Zwar spendete das Feuer hinter ihr Licht, verstärkte allerdings auch die Schatten und im Unterholz war sowieso nichts auszumachen, da nicht einmal der Mond weit genug dringen konnte. Der sich ohnehin gerade wieder verdunkelte, da sich weitere Wolkenberge davor schoben. Wenn sie noch größeres Pech hatten, würde es womöglich noch zu schneien beginnen und die Sicht endgültig behindern sowie das Feuer löschen.
Allein bei dem Gedanken fröstelte es die junge Elfe noch mehr, sodass sie die Schultern instinktiv hochzog. Der Falke warf ihr einen fragenden Blick zu, blieb aber still, als wollte selbst sie die Jäger lieber nicht auf sich aufmerksam machen.

Zur selben Zeit bemühte sich das Mischlingswesen darum, die nähere Umgebung zu erkunden und so gut wie möglich zu sichern. Was alles andere als einfach war, schließlich konnte er sich nur auf seinen Jagdinstinkt und seine Ohren verlassen, denn das Licht war zu schwach, um ihm eine Hilfe zus ein. Im Gegenteil, durch die vielen Schattierungen konnte ein Zweig auch durchaus zu einer Bedrohung anwachsen, bis der Irrtum durch eine Berührung erkannt wurde.
Und dann war da etwas Unvorhergesehenes, Unbekanntes, das seine Sinne auf sich lenkte. Mit einem Knurren oder Rascheln war zu rechnen gewesen, es wäre wie eine Warnung, die hohen, schrillen, zeternden Laute hingegen trafen selbst Velten unvorbereitet. Umso mehr zog es die Aufmerksamkeit auf sich... und lenkte gleichzeitig gefährlich stark ab.
Denn während der Zentaur sich wieder der Lichtung zuwandte, sich näherte, an den Rand des Lichtscheins geriet und das Geschehen beobachtete, konnte sich einer der Raubtiere unbemerkt von hinten an ihn heran schleichen. Das Wesen war tief geduckt, verschmolz regelrecht mit dem Boden und war erfolgreich gedeckt von den Blättern. Es war ein erfahrenes Tier, denn nichts bewegte sich unnatürlich oder gar ein verräterisches Geräusch von sich.

Als der Zentaur zurück auf die Lichtung trat, stand Danika noch unter den Eindrücken, die dieses seltsame Wesen hinterlassen hatte. Während sie einfach nur verständnislos dasaß und staunte, war Liya in ihrem Stolz und ihrer Eitelkeit verletzt. Entsprechend divenhaft trippelte sie zu ihrer Freundin zurück, mit dem roten Stofffetzen im Schnabel, der ihre Ersatzbeute darstellte, wenn sie schon kein Geschenk bekam.
Erst bei den Worten drehte die junge Elfe den Kopf und sah den Mischling aus großen Augen an. "I... ich... weiß nicht...", hauchte sie ehrlich, denn sie konnte sich ebenfalls keinen Reim auf das kleine Ding machen. So etwas hatte sie noch nie gesehen oder gar davon gehört, nicht einmal in den Märchen, die sie kannte!
Liya hingegen interessierte sich für so was nicht, sondern legte ihre Beute ab und begutachtete sie, als gäbe es keine Wolfsgefahr mehr.

Zur selben Zeit versuchte auch Allrick alles in seiner Macht stehende, ihren Lagerplatz und die weiblichen Wesen dort zu verteidigen. Obwohl er noch geschwächt und verletzt war, gönnte er sich die nötige Ruhe nicht, sondern wurde ebenfalls soweit tätig, wie er konnte. Er war zwar kein Kämpfer, aber vielleicht würde der Ernst der Lage und die aufgestaute Wut auf die Sklaverei, die er hatte erdulden müssen, dazu beitragen, dass er sich bewähren könnte trotz seiner Einschränkungen.
Danika machte sich natürlich Sorgen um ihn, auch wenn sie ihn nicht zurück gehalten hatte, denn sie musste darauf vertrauen, dass er selbst seine Grenzen kannte. Und sich darauf beschränken, ihn im Nachhinein zu verarzten.
Während Velten ein geübter Jäger und seine Sinne geschärft waren, konnte sich Allrick nur auf das verlassen, was ihm gerade zur Verfügung stand: die Waffe in seiner Hand und sein Glück. Seine Ohren waren nicht so gut, seine Reflexe langsamer, die Wunde im Rücken beeinträchtigte ihn ebenfalls und das Licht war viel zu schlecht für ihn. Er wäre somit ein bei weitem leichteres Opfer für das Rudel als der große Zentaur.
Jedoch schlich sich an ihn kein Räuber heran, fast so, als erkannten sie den Speer als Waffe und schätzten Vierbeiner mehr als Zweibeiner. Auch bei ihm war es unverkennbar, dass sich auf der Lichtung etwas tat und Aufmerksamkeit auf sich zog.
Auch wenn Allrick das eigentliche Spektakel verpasste, wandte er sich den anderen zu und hatte Danika ebenso wie Velten im Blick. So wurde er Zeuge von dem, was nun geschah, ohne sofort eingreifen zu können, denn sogar für einen Wurf mit erfolgreichen Treffer stand er zu weit weg.

Während sich nämlich der Zentaur um die junge Elfe kümmerte, sie zu beruhigen und ihr Mut zu zusprechen versuchte, hatte sich der Wolf endgültig in Reichweite unbemerkt heran geschlichen.
Als hätte sich das Rudel verständigt, heulte in diesem Moment ein Tier auf der gegenüberliegenden Seite der Lichtung verdammt laut auf, zog alle Augen und Ohren auf sich.
In derselben Sekunde jedoch schnellte der Räuber hinter Velten aus seinem Versteck, sprang und rammte Krallen wie Zähne in die Flanke der großen, vierbeinigen Beute. Liya ließ den Stoff schlagartig in Ruhe und krächzte, sowie sie mit ihren Flügeln zu schlagen versuchte. Und Danika schrie erschrocken auf, ohne den Ernst der Lage noch begreifen zu können.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Sonntag 12. Februar 2012, 12:57

Wolken schoben sich vor den Mond. Die Sterne waren durch das dichte Blätterdach ohnehin so gut wie nicht zu sehen. Kein gutes Zeichen. Velten hatte gern den Blick frei auf die Sterne, auch wenn er sie nicht zu deuten vermochte wie sein Freund Noah. Aber er wusste, welche Macht hinter der Fähigkeit lag, das Schicksal aus den Sternen zu lesen. Verbargen sie sich wurde das häufig als schlechtes Omen angesehen. Wie sehr die Zentauren damit doch Recht behalten sollten. Noch ahnte dieser hier ja nicht, dass sich einer der Wölfe lautlos hinterrücks anschlich. Er bemerkte ihn auch nicht, denn die Umgebung verdunkelte durch das fehlende Mondlicht nur noch mehr. Selbst für jemanden mit von der Jagd ausgebildeten Augen konnte noch schwerlich etwas erkennen. Dicht am Feuer, bei Danika, war es besser, aber dort wuchs selbst der kleinste Ast zu einem riesigen und unheimlichen Schatten heran. Es war schwierig, das Harmlose vom Gefährlichen zu trennen. Trotzdem glaubte der Zentaur, dass es sicherer wäre, nun in der Nähe der Elfe und ihres divenhaften Falken zu bleiben. Wenn er weiterhin am Rand der Lichtung umher stolzierte, könnte er im Falle eines Angriffs nicht rechtzeitig bei beiden sein.
Den Bogen lockert vor sich, einen Pfeil jedoch angelegt, erhob sich Veltens Gestalt aus den Schatten. Er suchte die Umgebung ab. Irgendwo musste auch der Mensch noch sein. Dieser Wald war gefährlicher als seine Heimat. Hier tummelten sich seltsame Wesen, die Menschen waren nicht das, was sie zu sein schienen und die Wölfe mochten viel aggressiver sein. Ist ihnen nicht zu verdenken, wenn so viele andere Jäger unterwegs sind, um ihre Beute zu reißen. Da waren schließlich noch diese Dunkelelfen, von denen Allrick und Danika gesprochen hatten. Velten wollte ihnen lieber nicht begegnen. Er konnte sich zufrieden schätzen, wenn sie allesamt unbeschadet den nächsten Morgen erlebten.

Gerade kam etwas Wind auf, der die Blätter ringsum zum Rascheln brachte. Er sorgte auch dafür, dass sich die Nackenhaare des Zentauren aufrichteten. Sein Oberkörper war frei von Fell, nur geschützt durch eine Weste. Selbst er fröstelte etwas, sah aber ein, sich davon jetzt nicht ablenken lassen zu dürfen. Er lauschte, versuchte die Richtung des Wolfsgeheuls zu ergründen. Die Tiere waren näher gekommen. Das Heulen war lauter geworden. Plötzlich jaulte einer dieser Nachtjäger gegenüber des Feuers auf. Er war ganz dicht, stellte nun mehr als eine Gefahr im Dunkeln an.
Velten spannte den Bogen. Er würde blind schießen und auf seine Fähigkeiten vertrauen müssen. Doch noch ehe sich der Pfeil von der Sehne löste, wurde er von hinten attackiert. Etwas Schweres traf auf seine Flanke. Dann spürte er nur noch beißenden Schmerz, als sich tierische Krallen und Reißzähne in sein Fleisch bohrten. Die Hand verkrampfte sich, ließ die Sehne fahren und der Pfeil sirrte in die Finsternis davon. Ob er etwas traf, blieb abzuwarten. Vermutlich nicht, denn Velten hatte durch den Angriff seinen Bogen absolut verrissen. Wahrscheinlich blieb sein kostbarer Pfeil in irgendeinem Baumstamm stecken oder wurde zu einem nicht wieder auffindbaren Zweig am Waldboden. Doch darum konnte sich der Zentaur jetzt nicht kümmern. Der Schmerz ließ ihn blinzeln, aber es war sein Instinkt, welcher reagierte. Wie aus einem Reflex heraus hob er das Hinterbein und trat aus. Ein Tritt mit dem kräftigen Huf könnte Knochen brechen, wenn der Zentaur denn traf. Er wiederholte diese Verteidigungsmaßnahme noch einmal, dann stieg er und ließ sich einfach auf die Seite krachen, von der das Schmerzsignal kam. Er hoffte, so den Angreifer entweder mit all seinem Gewicht zu zerquetschen oder wenigstens von sich zu rütteln. Notfalls würde er es noch mit einer Rolle versuchen müssen, wobei ihn sein menschlicher Oberkörper allerdings etwas behindern könnte. Außerdem drohte er, dadurch seine gesamte Ausrüstung ebenfalls platt zu drücken.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 26. Februar 2012, 15:54

Der Jäger im Hinterhalt war auch Allricks Aufmerksamkeit entgangen, zu wichtig war es, auf die eigene und auf Hanikas Sicherheit zu achten und seine Satelitenstellung aufzugeben, sich wieder dem Feuer anzunähern. Dort hätte er schneller die Möglichkeit, bei Danika zu sein, sollte sie seiner Hilfe bedürfen und das war seine Hauptpriorität. Danika zu beschützen, koste es, was es wolle. So spähte er noch einen kurzen Augenblick zum Rand der Lichtung, während er mit der Speerspitze Richtung Grenze mehr Einrichtung des Feuer vorrückte. Just als sein Vormarsch die ersten drei Schritte vollbracht hatte, kam er jäh zum stocken, denn mehr als lautstark meldete sich einer der Wölfe, der sich auf Velten gestürzt hatte und nun schwer mit dem Zentauren rang. Selbiger trat nach der haarigen, wilden Kreatur, welche sich an seinem Körper festgesetzt hatte, noch während ihres Kampfes beschleunigten sich Allricks Schritte ein wenig. Nicht unbedingt um Velten zuhilfe zu kommen, der konnte ganz gut auf sich selbst aufpassen, spätestens, als er den Räuber unter sich begrub, war das mehr als ersichtlich. Viel mehr um in er Nähe zu sein, sollte sich der Wolf befreien können und sich ein anderes Ziel suchen. Die kleine, krächzend Diva zum Beispiel wäre sicher eine nette Alternative gewesen und hätte für den Mann nur den Verlustschmerz Danikas als bitteren Beigeschmack gehabt. Schnell hatte Allrick bei Danika Stellung bezogen und war bereit, den Räuber zu attackieren, sollte sich eine Gelegenheit bieten, dennoch blieb er wachsam. Denn wie Velten war er fest davon überzeugt, dass der Kontrahent des Zentauren bei Weitem nicht der letzte sein würde. "Wenn es zu brenzlich wird, dann kletterst du so schnell du kannst auf einen Baum Danika, versprich mir das." Es war allgemein bekannt, dass Räuber wie Wölfe sich beim Klettern doch eher schwer taten und schnell dazu neigten, bei dieser Art Flucht relativ schnell klein bei zu geben und sich eine leichter und vor allem schneller erreichbare Beute zu suchen.
Das Geschenk, die warme ecke, die der Wichtel für en Pelgarer hinterlegt hatte, war durch den ganzen Trubel völlig übersehen worden und lag immer noch ungerührt an Ort und Stelle, während die Wärme des Feuers sich mit der Kälte der Luft verbannt und so ein merkwürdiges Gefüge schuf, dass einen wärmte und zeitgleich frieren ließ.
Allricks Hände schlossen sich fester um das Holz des kurzen Speeres, während er fast schon darauf lauerte, dem Wolf an Veltens Körper den gar aus zu machen. Solange er sich allerdings derart dicht an das Mischwesen gekrallt hatte, war es zu gefährlich einfach mit roher Gewalt zuzustoßen. Er musste den richtigen Moment abpassen und dann gezielt zustoßen. Er hatte schon einmal Hundefleisch gegessen, zu verwehrten gäbe es also durchaus einiges, auch wenn er im Moment an alles dachte, nur nicht an eine Ausbeute. Sie konnten froh sein, wenn sie mit dem Leben davonkämen. "Versuch ihn ein bisschen mehr von dir fort zu bekommen, dann kann ich dir helfen!" Auch wenn Allrick Velten nach wie vor nicht besonders mochte: Sie brauchten ihn und es lag nicht in seiner Natur einen potenziellen Gefährten im Stich zu lassen.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 2. März 2012, 00:56

Der Wolf war ein geschickter Jäger und nicht irgendein Tier. Er war das Alphamännchen dieses zusammengewürfelten Rudels, hatte das Sagen und gab die Jagdrichtungen sowie die zu erlegene Beute vor, durfte dafür als erstes sich satt fressen und musste sich trotzdem stets aufs Neue beweisen, Konkurrenten auf ihren Platz unter ihm verweisen. So hatte er auch die Strategie geschaffen, mit der diese Wölfe vorgingen, was sie sich zwar ohne Sprache ausgemacht hatten, aber dennoch kommunizieren konnten.
Alle anderen gingen weitaus offensiver vor, mit dem Risiko, erwischt und vertrieben zu werden. Nur er blieb geduckt und allein auf seine Beute fixiert, die ihm am verheißungsvollsten erschien. Lautlos schlich er sich an und wartete auf den rechten Moment, um attackieren zu können.

Danika indes war ebenso ahnungslos, was tatsächlich in naher Zukunft geschehen würde. Sie hatte viel zu große Angst generell vor den Wölfen, vor allem sobald sich jene zeigte und sie das Gefühl hatte, selbst bei dem scheinbar so sicheren Feuer nicht mehr ungeschoren bleiben zu können, wenn die Tiere es ernst meinten.
Liya erging es ähnlich, sie verließ sich darauf, dass die größere Freundin sie schon beschützen würde, trotz der gut riechbaren Angst. Aber sie überragte den Vogel, das war wichtig, wenngleich sie sich trotzdem auch ein wenig aufplusterte, um bedrohlicher erscheinen zu können. Zu dumm, dass sie derzeit nicht fliegen konnte!
Und obwohl sie noch mehr als beleidigt auf den riesigen Zentauren war, war sie dennoch ehrlich froh darüber, dass dieser Beschützer wieder anwesend war. Dass er das erste Opfer von ihnen werden würde, konnte sie auch nich mit ihren scharfen Augen vorsehen.
Das Wolfsgeheul machte sie zusehend nervös, ihr Kopf ruckte wieder öfters hin und her, leise krächzte sie auch und schlug mit den Flügeln. Wodurch sie Danika mit der Schiene traf, die flüchtig einknickte und das Gesicht leidend verzog. Aber sie machte dem Vogel keinen Vorwurf, sondern schob sie lediglich eng an sich, damit dieser sich besser fühlte und beruhigte.
Beide zuckten allerdings zusammen, als das Heulen erneut erklang und verdammt nahe war, obendrein begleitet von einem viel zu lauten Rascheln. Während die junge Elfe tatsächlich herum fuhr, ganz wie das Ablenkungsmanöver wirken sollte, krächzte Liya und sah als einzige dank ihrer scharfen Augen die Gefahr kommen. Ihr Krächzen wurde lauter und dennoch konnte sie nichts mehr retten.
Der Alphawolf hatte seine Beute und die würde er so schnell gewiss nicht mehr los lassen! Krallen und Zähne hatten sich in die Flanke gebohrt, begleitet von bedrohlichem Knurren, und er riss Fell sowie Haut aus der getroffenen Stelle, die er gierig verschlang. Sofort schoss Blut aus der Wunde und der Jäger wollte noch weiter gehen, bevor dem Wesen eine ernsthafte Gegenwehr gelingen würde. Gleichzeitig kamen auch die anderen Wölfe näher, angelockt von dem Triumph und auch von dem Blutgeruch, der in die Luft stieg.
Der Pfeil war längst abgeschossen und auch wenn es ihm gerade wenig half, war da ein leises Aufjaulen, da er sich tatsächlich in eine Wolfsschulter bohrte, die gerade in die Schussbahn geraten war.
Er wurde ins Unterholz geworfen und blieb einen Moment lang benommen liegen, ehe er sich wieder aufrappelte und mithalten wollte, was zu hinkenden sowie deutlich langsameren Bewegungen führte.
Der Alpha indes kämpfte alleine darum, seine Beute zu erlegen. Den tretenden Hinterhufen konnte er durch Glück ausweichen, weil er seitlich genug dafür hing. Umso heftiger traf es den Wolf, als der Zentaur sich zur Seite warf und mit vollem Gewicht auf den Jäger fiel.
Dieser jaulte auf vor Schmerz, ließ aber nicht so einfach los. Er wäre kräftig lädiert, doch noch war er einsatzfähig und bereit, für diese Mahlzeit zu kämpfen. Auch die anderen waren inzwischen sprungbereit und wurden von fast nichts mehr abgehalten, außer der heftigen Gegenwehr, wegen der sie überlegten, wie sie am besten eingreifen könnten.

Erst jetzt löste sich von Danika auch die Starre, sie schrie laut den Namen des Mischwesens und sah dann abrupt zu Allrick, der wieder in den Lichtkreis kam. "Bei Phaun, so tu doch was! Hilf ihm!", rief sie und hatte beinahe einen Herzstillstand.
Gerne hätte sie eingegriffen, allerdings lähmte sie die Angst viel zu sehr. Liya kam krächzend hinter ihr hervor und wollte tatsächlich eingreifen, als ein erneutes Knurren auftauchte, da sich ein zweiter Wolf zum Angriff entschlossen hatte.
Sofort flüchtete der Vogel zurück hinter die Elfe, die erst recht zu kreischen begann. Da half es ihr auch nicht wirklich etwas, dass Allrick mit einem Mal an ihrer Seite war und ihr Ratschläge geben wollte, wie sie sich verhalten sollte.
"Hilf ihm! Bitte!", kam es nur immer wieder von ihr, während ihr schon die Tränen in die Augen stiegen.
Sie hatte schreckliche Angst, um Velten ebenso wie um sie alle, noch dazu, wo neben dem zweiten noch weitere Wölfe auftauchten. Sie waren verloren, die Flucht war umsonst gewesen!
Das Kreischen irritierte die Jäger zwar auch kurzzeitig, sodass sie nicht gleich angriffen und dem Zentauren wirklich den Garaus machten. Dann jedoch kam es noch viel schlimmer.
Während sich zwei Tiere trennten und das Mischwesen einzukreisen drohten, das sich noch immer gegen den Alpha erwehren musste, wandten sich die anderen vier Stück dem Feuer zu. Sie fixierten die beiden Personen dort und hatten nun weitere Opfer auserkoren. Geduckt näherten sie sich und fächerten auf wie eine breite Front, um auf diese Weise effektiv angreifen zu können.


Velten ist aufgrund des Wolfsbisses schwer verletzt
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 3. März 2012, 17:58

Der Wolf, der ihm an der Flanke hing, gehörte zur sehr sturen Sorte. Er ließ sich weder durch Hufschläge, noch durch Steigen loswerden. Stattdessen verkrallte sich das Tier nur noch fester in Veltens Fleisch. Dem Schmerz konnte sich der Zentaur nun auch nicht mehr entgegensetzen. Er brüllte auf, geplagt von der Pein und dem Brennen, als sich die Wolfskrallen tiefer bohrten. Nur dumpf am Rande bekam er mit, dass sich Allrick dem Feuer näherte, den Speer verteidigend vor sich haltend. Er konnte nicht eingreifen, ohne auch Velten zu verletzen. Unter seiner Sippe passierte das auch oft so und dann versuchte man, den Angreifer vom Opfer zu trennen. Den Vorschlag gab auch der Mensch von sich. Er war gar nicht so dumm, jedoch konnte sich Velten nun nicht mit Komplimenten oder Respektsbekundungen aufhalten. Er musste dieses Biest loswerden.

Velten warf Bogen und Pfeilköcher mitsamt den Pfeilen von sich. Er würde so auf keinen der Wölfe mehr schießen können, aber die Konzentration fehlte ob seiner Verletzung ohnehin. Außerdem wollte er die kostbaren Dinge nicht mehr als nötig zerschleißen. Sein Proviant würde nun gleich ziemlich zerquetscht werden, doch auf diesen konnte eine keine Rücksicht nehmen. Noch einmal stieg das Mischwesen, schwang herüber und krachte mit dem vollen Gewicht auf seinen Angreifer. Ein schmerzhafter Ruck durchfuhr ihn, denn Velten war ebenfalls auf die gerissene Wunde gefallen. Sofort wanderte der Schmerz seine Wirbelsäule hoch, drückte ihm die Luft mit einem weiteren Schrei aus den Lungen. Für einen kurzen Moment wurde ihm schwarz vor Augen, dann tanzten "nur" noch dicke Punkte und Sterne in seinem Sichtfeld. Übelkeit breitete sich aus, aber er wusste, sie würde vergehen, sobald er wieder Luft holte. Velten atmete an, rollte seinen Pferdeleib und machte sich schwer. Der Wolf sollte sein ganzes Gewicht spüren und das waren immerhin stolze 800kg geballter Zentaur.
"FEUER!", brüllte er nun. Natürlich war dieser Hinweis an Allrick und Danika gerichtet. Die Wölfe würden dem kaum folgen. "Vertreibt sie mit Feuer!" Er erkannte die anderen Tiere zwar nicht, denn noch immer befand er sich halb benommen im Gerangel mit dem Alpha, aber er nahm Bewegungen am Rand seines Sichtfelds wahr. Es konnten nur die übrigen Rudeltiere sein. Sie mussten vertrieben werden, sonst würde das Trio ihnen zum Opfer fallen. Nicht einmal Velten konnte es mit einem ganzen Rudel dieser Jäger aufnehmen. Er hatte derzeit genug mit ihrem Anführer zu tun.

Der Zentaur krümmte seinen Oberkörper, um die Bestie zu erreichen. Er langte nach ihr, packte, was er erreichen konnte und zerrte daran. Sinnvoll wäre, dem Tier das Genick zu brechen, aber das musste man erst einmal erwischen. Solange sich der Wolf jedoch in seiner Flanke verbiss, konnte er nicht nach Veltens Händen schnappen. Er hatte eine Chance. Da! Ein Ohr konnte er greifen. Schon riss er daran, ließ es los, ehe das Maul ihm zu nahe kam und versuchte anschließend, ein Bein zu erwischen. Wenn er es verdrehte oder kräftig genug daran ruckte, würde es brechen, bestenfalls auskugeln. Er musste alles riskieren, denn die Alternative wäre der Tod.
Er versuchte nicht, sich von dem Wolf zu lösen. Der hing ihm sowieso im Pelz. Außerdem müsste der Mensch nun Danika beschützen. Auch wenn er helfen wollte, er wäre momentan wohl kaum in der Lage dazu. Wenn Velten aber den Alpha tötete, würde er die beiden unterstützen können. Zudem bestand dann die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Rudel zurückzog. Ohne anführenden Alpha würden sie kopflos und der Jäger zum Gejagten.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Donnerstag 8. März 2012, 21:46

In diesem Moment gab es nicht viel zu entscheiden, denn alles ging mit rasanter Geschwindigkeit vor sich. Velten rang mit dem Wolf und nahm dabei wahrscheinlich große Schmerzen in Kauf, während Allrick und Danicka eher wenig bis gar nichts für ihn tun konnten und während sich ihre Situation immer mehr verdüsterte, bekamen nicht nur Elfe und Vogel es mit der Angst zutun. Erst darauf hoffend, dass der Alpha sich erst den anderen zu beweisen hatte, wurde der Pelgarer bitterst enttäuscht, als sich seine schlimmsten Befürchtungen mit einem Jaulen, einem Rascheln und einem Knurren bestätigten. Langsam mehrten sich die Besucher und richteten nun auch ihr Augenmerk auf die beiden Zweibeiner.
Das lautstarke Ringen zwischen dem Mischwesen und dem Alpha vermochte nicht mehr vom Vorrücken des Rudels abzulenken, fast glaubte Allrick ihre Augen blutdürstig blitzen zu sehen, blitzen, wie elfische Pfeile im Dickicht. Wäre er doch bloß ein besserer Krieger geworden, dann könnte er den Tieren jetzt doch ein Stück souveräner zuleibe rücken. Alles was ihm jedoch blieb war die sogenannte 'Kunst des drakonischen Milizkampfes', wie die Drillmeister in den Schundkasernen Pelgars diese dürftige Ausbildung lachend nannten. "Willkommen im Dreck, ihr Herumtreiber und Gesindel! Hier wird euch Disziplin eingeprügelt, dass ihr wenigstens zu irgendetwas taugt!" Was nicht viel mehr zu bedeuten hatte, als dass man sich aufmüpfiger Bauern und Räuberbanden zu erwehren wusste, natürlich als Gruppenkämpfer. Aber völlig allein, noch dazu gegen nicht-menschliche Gegner, noch dazu verwundet? Von Danicka und Liya war in seinen Augen alles, aber keine gewaltlastige Hilfe zu erwarten, denn beide zitterten wie Espenlaub und der stämmige Velten war selbst mehr als bedient. So biss er die Zähne zusammen und umklammerte den Speer, während er sich bemühte, die Anpirschet im Auge und auf Distanz zu halten. Erst Veltens Aufruf, das Feuer zu nutzen, ließ ihn davon ablassen, warum war er nicht sofort darauf gekommen? Das Naheliegendste, das, was ihm als allererstes hätte einfallen müssen war im nächtlichen Terror völlig untergegangen. Sein Blick raste kurz zu Velten, welcher es immer noch mit dem Alphawolf aufnahm. Er sah, wie es auch um ihn herum raschelte, er würde bald noch mehr Ärger bekommen, an allen Ecken und Enden begann es zu brennen und Allrick begann zu zweifeln, ob es daraus noch ein Entrinnen geben konnte. Eilig fuhr Allricks Hand an den Rand der Feuerstelle und packte sich einen der brennenden Äste, hielt nun den kurzen Spieß in der einen, den brennenden Ast in der anderen Hand und versuchte hastig, eine Entscheidung zu treffen. Wenn nur feuchtes Laub da wäre, wenn das in Brand Geräte, würden die Wölfe schnell verschwinden, so hatten er und seine Gefährtin sich in der Vergangenheit Wölfe vom Hals gehalten. Die sensiblen Nasen der Räuber vermochten den bestialischen Gestank noch viel weniger zu verknusen als Menschen dazu in der Lage waren. Was sollte er tun? Würde er Velten zuhilfe kommen wären Danika und Liya ohne seinen Schutz, auch wenn sie sich vielleicht wehren konnten, was der Pelgarer stark anzweifelte, konnte er das nicht hinnehmen.
Er musste schnell eine Entscheidung treffen und passte so gut er konnte einen der Wölfe ab, die sich ihnen annäherten und schleuderte ihm das brennende Gehölz entgegen, darauf hoffend, dass sich die Glut auf dem Körper, am besten Gesicht des Tieres niederschlagen und es vertreiben würde. Denn mit dem glimmenden Knüppel in der Hand konnte Allrick als Waffe nichts anfangen, er hatte den Kampf mit Stangenwaffen gelernt, von einhändigen Waffen hatte er kaum mehr Ahnung als ein erstjähriger Rekrut, also fast keine. Ein Blocken war ihm mit nur einer Hand unmöglich, so blieb nichts anderes, als die Reichweite des Feuers zu erweitern und die Tiere ihrerseits einzuengen.
Schnell war ein zweiter Ast ergriffen, der einem anderen Tier entgegenflog, ein dritter landete in Veltens Reichweite nahe einem der dortigen Jäger. "Pack dir den Ast, da kommen noch mehr!" Vom Adrenalin mobilisiert fuhr der Mensch zu Danika herum und sah sie voll Aufregung an, während er ihr ebenfalls ein brennenden Holz in die Hand drückte. "Hoch mit dir, im Sitzen bist du ihnen ausgeliefert."
Während sich der Mensch alle Mühe gab, seine taktischen Fähigkeiten produktiv anzubringen, musste er schwer die Zähne zusammen beißen, um nicht selbst in Panik zu geraten. Das darf nicht sein. Jetzt blieb nur noch das Gebot konzentriert zu bleiben und den Wölfen so schwer zuzusetzen, wie es in seiner Macht stand.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 23. März 2012, 12:04

Der Jäger war nicht nur erfahren und hartnäckig, sondern auch ein Alphatier, was bedeutete, er musste sich erst recht beweisen. Vor allem in einem Rudel wie dem seinen, wo die Weibchen bisher noch fehlten und sich die einzelnen Streuner vielmehr aus Not zusammen getan hatten, um überleben zu können. Die Rangordnung war keineswegs fixiert und wenn er nicht ständig zeigte, dass er zu Recht die Nummer Eins war, wäre er schneller vertrieben und verhungert, als ihm lieb wäre. Auch Wölfe hatten ein gewisses logisches Denken, besonders gespeist von dem Selbsterhaltungstrieb, der sie steuerte.
Außerdem hatte er zu seiner Erfahrung auch etwas Glück gehabt, denn er hatte sich in seine Beute so verbissen, dass ihn weder die Hufe, noch das Steigen beeindrucken konnte.
Diese Methoden halfen überhaupt nicht, im Gegenteil, der Jäger verbiss sich nur noch stärker und konnte seiner Beute eine heftig blutende Wunde zufügen, die lebensbedrohlich werden könnte, egal, ob er den Zentauren selbst erlegte oder später Schmutz dafür sorgen würde, der sich in der Verletzung einnisten würde.
Der Alpha wäre nur durch zwei Arten zu vertreiben und die eine wählte Allrick nicht, um nicht eventuell doch Velten stattdessen zu treffen. Also musste sich dieser selbst helfen und tat das sogar sehr erfolgreich... zumindest in dem begrenzten Rahmen, der ihm derzeit noch zur Verfügung stand. Er warf sich mit seinem vollen Gewicht zu Boden, als wolle er den Wolf zerquetschen.
Was ihm auch ein wenig gelang, denn wenigstens die Zähne lösten sich als erstes aus dem Pferdeleib. Gequält vor Schmerz jaulte auch der Jäger auf, war allerdings noch nicht bereit, schon aufzugeben. So leichtfertig war er nicht, sonst wäre er ebenfalls schon längst nicht mehr der Anführer seines Rudels.

Danika indes war viel zu entsetzt, um irgendwie helfend eingreifen zu können. Sie begriff nicht einmal die Worte, die der Zentaur an sie richtete, geschweige denn, dass sie fähig dazu gewesen wäre, sich auch nur im Geringsten zu rühren.
Selbst Liya schien wie paralysiert, dicht an sie gepresst und mit ihren dunklen Augen auf die Angreifer starrend, die sich nun ihnen zuwenden wollten.

Etwas, das Velten zwar erahnen, jedoch nicht verhindern konnte. Er hatte einen mehr als triftigen Grund dafür, die anderen sich selbst zu überlassen. Und er schien genauso wenig wie der Alpha gewillt, jetzt schon aufzugeben.
Also verdrehte er sich und das bekam der Angreifer zu spüren, als an seinem Ohr gezogen wurde.
Ein tiefes, grollendes Knurren wurde in seiner Kehle geboren und natürlich versuchte er, nach der Hand oder dem Arm zu schnappen, der ihn wegzerren wollte. Aber als er zubiss, hörte man nur das Klacken seiner Zähne, da sie nichts als Luft erwischt hatten. Der Zentaur war den spitzen Reißwerkzeugen gerade noch entkommen, zumindest mit seinem Arm.
Trotzdem beließ er diesen nicht in völliger Sicherheit, sondern versuchte erneut, etwas von dem Wolf zu fassen zu kriegen. Was dieser instinktiv erkannte und sich darum bemühte, um sich unter dem Pferdeleib so hervor zu schieben, dass er wieder mehr Bewegungsfreiheit hatte.
Das Ringen zwischen den Beiden ging in eine neue Phase über und hätte für einen von ihnen auf jeden Fall tödlich geendet in den nächsten Minuten, wäre es nicht zu einer überraschenden Wende gekommen.

Danika und Liya indes steckten in einem anderen Teil dieser gefährlichen Situation, die sich noch zuspitzte, obwohl inzwischen Allrick bei ihnen war, um sie zu schützen. Einige der übrigen Wölfe hatten sich ihnen zugewendet, um kamen nun geduckt in ihre Richtung, um die Distanz so zu verkürzen, dass sich ein Angriff in Form eines Sprunges lohnen würde. Sie ließen sich bei ihrem Hunger nicht einmal von dem Lagerfeuer hinter der Beute nicht abschrecken.
Wenngleich die junge Elfe ihr Vertrauen in Allrick noch bereuen könnte, da sie nicht wusste, dass er kein großer Beschützer war. Nicht, weil er es nicht wollen würde, das merkte man ihm durchaus an und würde sie später womöglich, wenn sie noch dazu käme und nicht tot wäre, zu schätzen wissen. Aber er war kein guter Kämpfer, er war kein vollständig ausgebildeter, erfolgreicher und Kampf erprobter Soldat.
Somit, wenn sie Pech hatten, würden seine Versuche, die Wölfe zu vertreiben, fruchtlos bleiben und sie allesamt scheitern. Ganz zu schweigen davon, dass auch der Mensch nicht völlig gesund war und die Wunden auf seinem Rücken bereits wieder aufgebrochen.
Durch Veltens Hinweis jedoch konnte Allrick womöglich trotz allem noch ein wenig Hoffnung schöpfen.
Danika war dazu nicht fähig, die Angst hatte sie zu sehr im Griff, sodass sie noch immer einfach da saß, starrte, zitterte und keuchte, während die Laute des kämpfenden, verletzten Zentauren ihr die Kehle zuschnürten und ihr Herz umkrampften.
In Kosral war es niemals so schlimm gewesen. Auch da hatte sie täglich Furcht verspürt, das schon, und hatte das Leid ihrer Freunde, Verwandten und Bekannten sehen sowie lindern müssen. Aber es war keinen einzigen Moment lang so gewesen, dass ihr Leben ernsthaft bedroht gewesen wäre. Ihre Unschuld und Unversehrtheit, ja, doch nicht ihre leibliche Existenz. Umso heftiger war auch der Schock, der sie so umklammert hielt.
Im Gegensatz zu ihrem Beschützer, der es wenigstens versuchte, die Wölfe zu vertreiben. Er schleuderte einen glimmenden Ast von sich, in dem Versuch, die Angreifer zu treffen oder zumindest einen zu streifen. Was nicht gelang, dazu war er zu ungeübt darin, zu werfen und sein Ziel nicht zu verfehlen. Obendrein wich der betreffende Jäger aus und starrte einige Momente lang auf das glühende Holz.
Dann knurrte er und war noch verbissener gewillt, diese Beute zu reißen. Die anderen nahmen kaum Anteil daran, ließen ihm sogar bereitwillig den Vortritt, damit sie weniger Risiko eingehen müssten.
Allerdings blieb es nicht der einzige, geworfene Gegenstand in Richtung der Angreifer. Nur war bedauerlicherweise der Überraschungseffekt längst vorbei und die Tiere konnten fast schon leichtfüßig ausweichen, ohne, dass auch nur eine Fellspitze angesengt wäre.
Selbst der Alpha ignorierte das glimmende Leuchten in seiner Nähe, da es außerhalb der Reichweite von ihm und seiner Beute war.
Danika indes starrte abrupt Allrick an, als dieser sie ansprach. Sie konnte nicht einmal begreifen, was er ihr gesagt hatte und welche Aufforderung dahinter steckte. Als er ihr den Ast in die Hand drückte, ließ sie ihn automatisch fallen, da sie nicht auf die Hitze eingestellt war, die das gesamte Material längst erfasst hatte.
Jedoch schreckte sie damit Liya auf, die beinahe davon getroffen wurde. Sie krächzte empört und hüpfte einige Schritte beiseite.
Während sich der Mensch wieder den Wölfen zuwandte und die junge Elfe noch tief in ihrem Schock drinnen steckte, mit leerem Blick auf den glimmenden Ast neben sich starrte, drehte sich Liya zu Velten, der noch immer lautstark um sein Leben kämpfte. Irgendetwas in dem Vogel schien ihn zu mögen, trotz der Verletzung, die er ihr zugefügt hatte. Aber er hatte sie nicht getötet und das schien sie ihm hoch anzurechnen.
Also begann sie zu hüpfen, wenn sie schon nicht fliegen konnte, einen Bogen um die Wölfe, die nur auf die zweibeinige Beute fixiert waren, zu machen und den richtigen Winkel auszuloten, in dem sie am besten auf den Alpha drauf springen könnte, um dem Zentauren zu helfen. Immerhin war ihr Schnabel mehr als spitz und eine regelrechte Waffe, die sie erfolgreich einzusetzen wusste.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 24. März 2012, 09:37

So sehr er auch die Übersicht gern bewahrt hätte - denn Zentauren sahen immer nach ihrer Herde - Velten konnte im Moment nicht einmal einen Gedanken für Allrick oder Danika und Vogel erübrigen. Er war zu sehr damit beschäftigt, nicht zerfleischt zu werden. Zwar war sein wuchtiger Aufprall auf den Wolf von Erfolg gekrönt, denn er konnte hören, dass er irgendetwas zerquetschte, aber das Lösen seiner Reißzähne aus Veltens Flanke brachte keine große Erleichterung. Denn jetzt begann die Bisswunde stark zu brennen, als hätte jemand ihn mit heißem Eisen gebrandmarkt. Er keuchte, biss nun seinerseits die Zähne zusammen. Er durfte den Schmerz nicht die Oberhand gewinnen lassen, sonst wäre es sein sicheres Ende. Später. Nach dem Angriff. Wenn die Wölfe vertrieben sind, kannst du deine Wunden lecken. So motivierte er sich, kämpfte verbissen weiter. Er musste diese Bestie von sich schütteln, um seinen Gefährten helfen zu können. Waren es denn wirklich Gefährten für ihn, diese Elfe und der Mensch? Er könnte sie den Wölfen überlassen, vielleicht bekäme er dann die Gelegenheit zur Flucht, ohne dass die Tiere ihn verfolgten. Aber so dachte ein Zentaur seiner Sippe nicht. Velten mochte zwar keine Menschen - Elfen kannte er bis dahin ja nicht wirklich - aber Allrick war zumindest keiner der Sorte, die unschuldige Jungzentauren der Familie entrissen. Für den Augenblick, da sie gemeinsam in der Not Feuer gemacht, gejagt und geplant hatten, das Lager durch drei zu teilen, waren sie in seinen Augen zu Gefährten geworden, selbst wenn man sich im Morgengrauen wieder getrennt hätte. In dieser Zeit allerdings, welche immer noch vorherrschte, würde er sie auch wie Gefährten behandeln und dazu zählte, sie zu schützen, wenn er dazu fähig war.
Velten schaute kurz auf, nachdem er den Ratschlag mit dem Feuer, vor allem an Allrick gerichtet, ausgerufen hatte. Sein Blick traf jenen des Mannes. Für mehr reichte es nicht, denn schon forderte der Alphawolf wieder seine ganze Aufmerksamkeit, während sich der Schmerz in seiner Flanke einen heftig pulsierenden Weg in sein Bewusstsein zu bahnen suchte. Er zerrte an dem Tier, rangelte wild mit dem Wolf. Seine Wunde würde sich höchstwahrscheinlich entzünden, wenn sie den Angriff überlebten, doch darauf konnte Velten im Augenblick keine Rücksicht nehmen. Denn erst einmal musste man überleben, wie schon erwähnt.
Etwas lenkte ihn für den Bruchteil einer Sekunde ab, als es in seiner Nähe landete und er plötzlich die gefletschten Reißzähne seines Angreifers nur noch deutlicher erkennen konnte. Allrick hatte ihm eine Fackel zugeworfen, einen brennen Ast, der nun in Reichweite lag. Der Jäger erkannte, dass er diese Möglichkeit nutzen musste. Seine Kraftreserven würden schwinden und das vermutlich schneller als jene des sturen Wolfes, denn dieser war abgesehen von den Quetschungen nicht verletzt. Also wagte es der Zentaur, wandte seinen Oberkörper in einer Halbdrehung von seinem Kombattanten ab und streckte sich nach der Fackel. Rettend könnte für ihn da Liya sein, die nun entschlossen angehoppst kam, den spitzen Schnabel voran. Velten entdeckte sie nicht. All die Bewegungen, die unmittelbar um ihn herum geschahen, rechnete er dem Wolf zu. So versuchte er, die Fackel zu erreichen, zu packen und wollte anschließend damit das Fell des Tieres nicht nur ansengen, sondern dermaßen in Brand stecken, dass der Alpha hoffentlich zurückwich. Vielleicht würde die Witterung von verbranntem Wolfsfleisch auch den Rest des wilden Rudels vertreiben.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Mittwoch 28. März 2012, 16:57

Es konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen, dass er scheinbar derart talentlos darin sein sollte, sich zu wehren, oder wenigstens gradeaus zu werfen. Während Velten immer noch mit dem Alpha rang und dabei nur schwer die Oberhand bekommen konnte, was Allrick allerdings entging. Er war viel zu hin und her gerissen, was er tun sollte. Einerseits machte es ihn wahnsinnig, dass die Kreaturen derart sadistisch auf sich warten ließen, fast gierte er danach, vermutlich zum letzten mal, um sein Leben zu kämpfen. Auch sein erneut blutender Rücken hielt ihn kaum davon ab, auch wenn er nur einer von vielen Gründen war, warum der Pelgarer auf Dauer wahrscheinlich unterliegen würde. Davon abgesehen waren seine Füße wie festgewurzelt, da er Danicka nicht allein lassen wollte und offensichtlich konnte. Wäre die Situation weniger prekär; Man hätte ihm angesehen wie verärgert er darüber war, dass Danicka en Ast, en er ihr gereicht hatte, plump fallen ließ. Doch die Situation war wie erwähnt zu erdrückend, als dass für solche Dinge die Zeit übrig wäre, sie tat es nicht mit Absicht, doch in Allricks Kopf drängte die Stade der Elfe ihn mehr und mehr ein und gab ihm ein Gefühl der Machtlosigkeit. Es war offensichtlich, würde er sich den Räubern stellen und aggressiv entgegenwerfen, so würden sie Danicka nur all zu leicht erreichen können. Würde er verharren wie jetzt, würden sie beide immer enger zusammengetrieben und schließlich lebendig verschlungen. Der Pelgarer hasste es, derart wehrlos zu sein und neigte schon dazu, dem Druck nachzugeben und den Speer in seinen Händen im Rumpf zumindest eines dieser Ungeheuer zu versenken, völlig egal, was nach geschehen würde.
Der Egoismus des Verzweifelten erfüllte sein Herz und führte ihn in Versuchung, die Flucht zu ergreifen, ob mit Danicka oder ohne, doch dazu, das wusste Allrick genau, war er nicht fähig, noch nicht. Stumm starrte er seinem Kontrahenten entgegen, mühte sich allerdings auch, die anderen Wölfe im Auge zu behalten, die sich langsam zu nähern schienen. Das Feuer glühte in seiner Nähe und wärmte ihn, ließ die leicht blutenden Wunden unter dem Verband etwas kribbeln, als wollten sie ihn anstacheln, endlich etwas zu tun, anstatt auf ein Wunder zu hoffen.
Doch das verstärkte nur das Dilemma in dem er feststeckte und die Panik, die ihn erfüllte. Bis er es schließlich nicht mehr aushalten konnte und nach einem der Räuber stieß, als dieser nahe genug und einigermaßen gut zu sehen war.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 12. April 2012, 20:31

Der Alpha gab furchterregende Laute von sich, ein beständiges Grollen, immer wieder auch von einem ausgewachsenen Knurren begleitet, während sein Maul durch die große Wunde in dem Pferdeleib blutverschmiert war und der Geifer schon von den gelblichen Zähnen tropfte. So leicht war er natürlich nicht abzuschütteln, der war wirklich hartnäckig und das nicht zum ersten Mal, wie man sehen konnte.
Denn für einen Wolf mit einem allein männlichen Rudel, das ständig eine Bedrohung wie Unterstützung darstellte, war er recht gut genährt. Die letzten Jagden also mussten schon erfolgreich gewesen sein und genug Fleisch abgeworfen haben. Zwar war die Beute zu dieser kalten Jahreszeit ein wenig durch die Kälte geschwächt, aber ebenso wenig leicht aufzufinden. Es sprach für seine Führungsfähigkeiten, dass bei ihm die Rippen nicht zu stark hervor stachen.
Diesmal allerdings war es weitaus schwieriger und vor allem gefährlicher für ihn, ohne, dass er sich davon abschrecken ließe.
So selbstsüchtig indes die Gedanken des Mischlings zu werden drohten, sie waren auch nur natürlich, denn er kannte die anderen kaum und es ging auch um sein Überleben. Jedoch wäre es sinnlos, denn dieser eine Wolf hatte ihn als seine Beute auserkoren und würde sich nicht mit zwei mageren Zweibeinern zufrieden geben, mit dem Wissen um den gut genährten Pferdeleib vor Augen und dessen Geschmack inzwischen im Mund. Genauso unnütz, hätte Velten tatsächlich versuchen wollen, um sein Leben zu sichern, die anderen zu opfern. Dafür war es nun einmal längst zu spät, wie das schnappende Wolfsmaul immer wieder bewies mitsamt dem Schmerz, den die Wunde verursachte.
Was nur noch deutlicher zu sehen war, als mit einem Mal mehr Licht in der direkten Umgebung herrschte. Der Alpha ließ sich davon nicht wirklich beeindrucken oder wenigstens ablenken, aber es wäre eine Möglichkeit der Verteidigung, wenn Velten den brennenden Ast erreichen würde. Was schwer werden könnte, denn er konnte sich kaum rühren und beim Strecken fehlten einige entscheidende Zentimenter. Die Ablenkung sorgte obendrein zu seinem Leidwesen dafür, dass sich der Wolf erneut in der Wunde zu verbeißen begann, er wollte das Fleisch noch mehr aufreißen und am besten eine lebenswichtige Ader zerfetzen.
Doch weit kam er nicht mehr, da dem Zentauren Hilfe nahte von einer Seite, die gar nicht so selbstverständlich war, schließlich war auch der Vogel nicht lebensmüde. Trotzdem hatte sie als erfahrene Jägerin erkannt, dass ihr Gefährte, den sie selbst klein kriegen wollte als Vergeltung für den gebrochenen Flügel, nicht so einfach gewinnen könnte.
Also kam sie angehüpft und konnte das sogar unbemerkt bis zum Ende tun. Mit einem sich selbst Mut machenden Krächzen sprang sie hoch und schaffte es, ihre Krallen in das Nackenfell des Wolfes schlagen zu können. Sofort hackte sie auch mit ihrer gefährlichsten Waffe, dem spitzen Schnabel, auf den schwarzen Kopf ein.
Das wollte sich der Alpha nicht gefallen lassen. Knurrend löste er seine Zähne wieder aus dem Fleisch und versuchte, hinter sich zu schnappen. Was nichts brachte, außer, dass Velten Zeit und Gelegenheit bekam, sich erneut um den Scheit zu kümmern.

Während also das kleinste Gruppenmitglied dem größten half, konnte sich Danika vor Angst noch immer nicht rühren. Da hätte ihr auch das Wissen nicht geholfen, dass sie ihren Begleiter gerade verärgert hatte, indem sie nicht zugegriffen hatte.
Aber der Ast war heiß gewesen und viel zu unvorbereitet in ihre Finger gelangt, als dass sie überhaupt in einer gewöhnlichen Situation dazu fähig gewesen wäre, ihn auch zu halten. In solch einem Moment der Panik war es demnach noch viel unmöglicher für sie. So etwas hatte sie noch nie erleben müssen, in ihrem Heimatdorf war sie stets sicher und behütet gewesen, während die Gefahr in Kosral von weit anderer Natur gewesen war und sie nicht auf diese hier hatte vorbereiten können.
Während sich das Rudel der gefährlichen, hungrigen Jäger immer mehr näherte, mit geduckter Haltung, gebleckten Zähnen und ebenfalls herab tropfendem Geifer. Das Knurren jagte der jungen Elfe nicht enden wollende Schauer der Angst über den Rücken.
Leider war Allrick kein guter Werfer, denn allen brennenden Holzscheiten waren die Tiere mit scheinbarer Mühelosigkeit und ohne Furcht ausgewichen. Es beeindruckte sie nicht einmal, dazu waren die Abstände einfach zu groß gewesen.
Also kamen sie weiter langsam näher, begannen allmählich ihre Beute einzukreisen, wobei sie den Rücken auslassen konnten und auch würden. Dem großen Feuer wollten sie sich schließlich nicht nähern und nahmen instinktiv an, dass dies auch kein Fluchtweg sein könnte.
Und dann war es soweit, einer der Jäger war nahe genug an Allrick heran gekommen, der auch prompt nach ihm schlug. Der Wolf knurrte und sprang ausweichend zurück, ließ sich davon aber ebenso wenig vertreiben, wie der Alpha bei seinem Opfer.
In diesem Moment verursachte die Anspannung bei Danika endlich eine Reaktion, die sogar Hilfe versprach. Sie begann so gellend zu schreien, dass sich die Wölfe allesamt duckten und zu winseln oder leise jaulen begannen, die Ohren angelegt und mit Schmerzen im Blick wegen der Lautstärke und Höhe dieser Stimme, die ihnen regelrechte Qualen verursachte.
Nur der Alpha konnte es etwas besser ignorieren aufgrund der Entfernung, so klein diese auch schien.
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Velten
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Montag 16. April 2012, 15:31

Mit einem derart sturen Tier hatte es Velten in seinem Leben noch nicht zu tun bekommen. Er jagte durchaus auch mal allein und hatte dabei sogar den einen oder anderen Wolf erlegt, aber der Gegner, welchen er nun vor sich hatte, legte eine Sturheit an den Tag, die sich mit seiner eigenen messen konnte. Beide kämpften ums Überleben. Der eine wollte fressen und der andere nicht gefressen werden. Was hier gerade vor sich ging, so erschreckend die Situation auch war, bezeichnete man als den Lauf der Natur. Es würde sich zeigen, wer von beiden als der Stärkere hervor ging und Velten schwor sich, würde er diesem Tier das Genick brechen, gäbe es Wolfsfleisch auf dem Feuer. Zunächst aber musste er den geifernden Zähnen aber erst einmal entkommen. Allrick hatte ihm da schon ein Hilfsmittel zukommen lassen. Leider erreichte Velten die Fackel nicht, so sehr er sich auch streckte. Es fehlten immer noch wenige Zentimeter. Er konnte die Hitze der Flamme spüren, bekam aber den Ast nicht zu packen.
Stattdessen spürte der Zentaur eine weitere Schmerzwelle, als sich die Reißzähne des Wolfes erneut tief in sein Fleisch gruben. Seine Muskeln zitterten schon und heiß quoll das Blut aus der Wunde. Er konnte es riechen. Wenn der Wolf noch energischer weiter riss, würde er ihm mit Sicherheit Sehnen durchtrennen und dann könnte Velten sowohl seinen Weg als Jäger als auch die Suche nach seinem Sohn aufgeben. Willenskraft pumpte Adrenalin durch seinen Körper. Er wandte sich noch einmal um, damit er einen gezielten Schlag gegen den Kopf des Wolfes setzen konnte. Hoffentlich würde ihn das lange genug verwirren, damit es Velten gelang, die nötigen Zentimeter vorzurobben und nach der Fackel zu greifen. Seine Stirn zog sich zusammen, als in seiner Nähe etwas hüpfte. "Liya!" Der Namen kam ihm zwar knurrend über die Lippen, aber er war froh, Unterstützung zu erhalten, verbiss sich lediglich den Schmerz, damit dieser ihn nicht übermannte.
Der tapfere Jagdvogel stürzte sich auf den Wolf, versetzte ihm Krallenhiebe und hackte mit dem Schnabel wild auf ihn ein. Das könnte vermutlich nicht einmal mehr der Alpha ignorieren. Wichtig war nur, dass sich Liya nicht unnötig in Gefahr begab, sie konnte nicht fliegen. Velten erkannte seine Gelegenheit und würde sie nutzen. Er musste jetzt schnell vorgehen, durfte sich aber auch keinen Fehler erlauben - um des Vogels Willen. Sofort, als der Wolf abgelenkt war, winkelte der Zentaur sein unverletztes Hinterbein an, um sich mit Schwung vom Boden weg zu stoßen. Er rutschte mit dem gewaltigen Pferdeleib über Gras, Erde und den Dreck der Natur. Sein anderer Lauf kam nur schwerlich nach. Jede Bewegung mit dem Bein schmerzte. Aber die Entfernung zum brennenden Ast konnte endlich überbrückt werden. Velten packte in einer einzigen fließenden Bewegung danach, zog einen Funkenschweif hinter der Fackel her, als er sich sofort halb herum rollte, um sie dem Wolf entgegen zu schlagen. Schleudern und loslassen würde er nicht, dann wäre er wieder ohne diese hitzige Waffe. Nein, er drosch mit dem brennenden Ende nun auf den Wolf ein, schlug ihm das Feuer hart gegen den Pelz. Schon roch es nach verbranntem Fell. "Liya, weg!", rief er dem Vogel zu, damit er dem Alphatier auch eins über den Kopf ziehen konnte. Wenn sich die Bestie nun immer noch als so stur erwies, dann bezweifelte Velten langsam, dass es sich um ein Tier handelte. Nein, dann musste es irgendeine widernatürliche Kreatur sein. Seine Vermutung verstärkte sich, als er den gellenden Schrei hörte, der zwar von Danika kam, aber über die gesamte Lichtung hallte wie der Ruf eines Dämons.

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Allrick
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 22. April 2012, 20:43

Fast fühlte sich Allrick an alte Zeiten zurückerinnert. Damals, als er noch Soldat gewesen war, seiner alten Bestimmung folgend, jung und wild, voller Eifer und Kampfeslust, epicht darauf, seine Heimat zu verteidigen und Vater und Vaters Vater zu ehren. Die Zeit bevor er geflohen war, hatte ihn damals mit Stolz erfüllt, auch wenn er nie besonders geehrt worden war, oder dergleichen. Er hatte immer seinen Dienst abgeliefert und verlieh sich selbst ein klein wenig Schimmer, dass er vor seinen Verwandten glänzen konnte. Selbst verständlich war er auch an Kämpfen beteiligt gewesen, wie sehr sich der alte Mann jetzt nach seinen alten Fertigkeiten, oder wenigstens einem Schwert sehnte, wusste nur er selbst. Statt dessen sah er sich einem Rudel wilder Tiere entgegen, einen Speer haltend, der nicht einmal sein eigener war, da war es ein bitterer Trost, dass er wenigstens diese Leihgabe zur Verteidigung hatte, auch wenn es bis jetzt kaum einen Unterschied gemacht hatte ob es nun Veltens Speer oder sein Stock war, mit dem er die Wölfe zu tracktieren versuchte.
Inzwischen schehrte sich der Pelgarer kaum noch um seine eigene Versehrtheit, irgendetwas in ihm ließ ihn das vergessen. Sein Denken war inzwischen ein Wütendes, wütend, zornig und verzweifelt, er konnte nicht fassen, dass sie den Elfen entgangen waren, nur um sich jetzt diesen Tieren ausgeliefert zu sehen. Der trotzige Mensch in ihm ließ ihn das nicht akzeptieren und verarbeiten, sondern schührte in ihm das Verlangen, wie bei allen Menschen, der inakzeptablen Lage Herr zu werden, egal wie und sollte er dabei scheitern, so sollte der Feind wenigstens keinen all zu süßen Sieg erringen. Deshalb knurrte Allrick schon dem pelzigen Jäger entgegen, der seinem Stoß entglitten war, Instinkte ergriffen die Oberhand, blanker Selbstschutz, da der Mann in ihm, der einst ein Zuhause gehabt hatte nun wahnsinnig vor Machtlosigkeit im letzten Winkel seines Unterbewusstseins kauerte. Grade als sich dieser wilde Allrick erneut auf den Wolf stürzen wollte, erschrillte Danickas Schreih und ließ die Lichtung vor aller geistigen Augen vor Schreck zerbersten, die Räuber in ihrer Nähe jaulten auf und winkelten die Ohren an, denn der gellende, kreischige Klang ihrer jungen Stimme peinigte sie. Doch nicht nur sie hatten zu leiden, auch Allricks Ohren klingelten förmlich unter diesem schrillen Klang. Tatsächlich verkrampften sich seine Hände, seine Kiefer stemmten sich gegeneinander und das Gesicht verzog sich schmerzhaft. Dabei hörte er kaum mehr Danickas Stimme, als vielmehr ein schepperndes, schrilles Fiepen in seinen Ohren, als würde direkt neben seinen Ohren erkaltetes Metall auf einem Ambos spröde geschlagen. Der Laut übertönte alles um ihn herum, selbst Danickas Stimme klang nur noch dumpf, während er selbst die Augen aufriss und selbst einen Schreih ausstieß, am liebsten würde er sich die Haare raufen, so sehr folterte ihn der Widerhall ihrer Stimme in seinem Kopf, doch es war jetzt ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um die Hände zu lösen und sich winselnd zu den Wölfen zu gesellen. Allrick fuhr herum, starrte Danicka an, welche nach wie vor auf ihrem Platz saß, die Augen zusammengekniffen hatte und den grellen, schrillen Laut ausstieß, der für den Augenblick jeden in ihrer Nähe bis aufs Mark erschütterte. Hätte Allrick einen Helm getragen, hätte er ihn sich längst vom Kopf gerissen.
"Hör auf, bei allen Göttern, hör auf!" Allricks Trommelfelle schmerzten, auch wenn Danicka das sicher nicht beabsichtigte, war sie auf bestem Wege auch ihren Begleiter auszuschalten, sollte sie nicht zeitnah damit aufhören. Schon jetzt reichte es aus um zu bewirken, dass er wie die Wölfe beinahe erstarrte, inzwischen hatte er tatsächlich den Speer losgelassen und raufte sich die Haare, als ob es etwas nützen würde. Peitschenhiebe wegzustecken war er einigermaßen gewohnt gewesen, dieser Schmerz war grausamer, denn er kam von Innen und hatte so nicht das Problem, noch durchs Allricks 'dickes Fell' dringen zu müssen, bevor er seine Nerven peinigen konnte und ihn mit den Zähnen knirschen ließ.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 25. April 2012, 13:44

Der Kreislauf des Lebens beinhaltete immer, dass der Stärkere, Klügere, Geschicktere überleben würde, indem diese stets weitere und neue Wege fände, um sich sein Auskommen zu sichern. Das betraf nicht nur die Tiere, die Jäger und die Beute, sondern auch die unterschiedlichen Rassen auf Celcia, wie sich zur Zeit zeigte, da dieser fürchterliche Krieg in verschiedenen Teilen tobte.
Woran weder Velten, noch Danika und Allrick gewiss jetzt Interesse hätten, hätten sie überhaupt davon gewusst. Nein, sie mussten ihren eigenen Kampf fechten und der war nicht minder brutal wie lebensbedrohlich. Vor allem das Mischwesen musste das zu spüren bekommen, hatte sich der Alpha schließlich in ihm regelrecht verbissen, da er die verlockendste Beute dargestellt hatte.
Für beide ging es darum, aus dieser Auseinandersetzung so heraus zu kommen, dass ein Weiterexistieren möglich war. Zwar war dieser Wolf hier keineswegs so abgemagert wie manch seiner erfolgloseren Artgenossen, aber es war eine unsichere Zukunft, die nicht zwangsläufig Ersatzbeute bringen musste, wenn er hier und jetzt versagte. Also war seine Sturheit genauso vom Überlebenswillen geprägt wie die von dem hünenhaften Zentauren.
Alle beide kämpften mit all ihren Mitteln, würden als Unterstützung nehmen, was sie kriegen könnten. Velten in Form von einem brennenden Holzscheit ebenso wie in Annahme der Hilfe der kleinen Liya, obwohl sich diese dadurch in große Gefahr begab, da ihr die angeborene Fähigkeit zum Fliegen derzeit genommen war. Und der Angreifer anhand seines Rudels, wenn dieses sich ebenfalls auf das Mischwesen stürzen würde, das dann klar unterliegen würde. Ein Glück für dieses, dass die anderen sich mit seinen Gefährten "beschäftigten".
Angestachelt von der Gelegenheit, nicht selbst direkt angegriffen zu werden, und von dem Blutgeschmack verbiss sich der Alpha erst recht fest in dem warmen, saftigen Fleisch. Es würde ihm auch nichts ausmachen, seine Beute lebendig aufzufressen, da waren diese Tiere nicht so zimperlich.
Dem drohenden Schlag gegen den Kopf, den er nicht voraus ahnen könnte, entkam der Wolf zwar, nicht jedoch dem Angriff von einer ganz anderen Seite. Plötzlich war da ein kleines Gewicht in seinem Fell, das ihm auf einmal Wunden zufügte. Keine großen Fleischwunden, so wie seine Reißzähne sie verursachten, allerdings brennende, sich leicht entzündliche Verletzungen.
Er ließ knurrend von dem klaffenden Loch seiner Hauptbeute ab und drehte seinen Kopf, um den Störenfried erkennen zu können. Was Liya erahnt hatte, schließlich konnte sie das Jagdverhalten anderer oft genug von oben beobachten. Sie ließ sich von dem Ruf nicht ablenken und hüpfte höher in den Nacken ihres Gegners, um sich dort mit ihren Beinchen festzukrallen und ihren Schnabel weiterhin als Waffe einsetzen zu können.
Wozu es im Endeffekt nicht mehr kam. Dafür sorgte einerseits Velten selbst, als er sich von seiner Position wegdrückte und den in ihn gekrallten Wolf mitzerrte, womit auch Liya etwas aus dem Gleichgewicht kam. Und dann andererseits eine gellende Stimme, die selbst den unempfindlichsten Ohren Qualen bereiten konnte.
Doch zuvor bekam der Wolf eine unerträgliche Hitze zu spüren und jaulte bereits bei dem ersten Treffer auf, ehe diesem Laut ein Knurren folgte. Gleichzeitig kam ein empörtes Krächzen aus Liyas Kehle, da sie nicht rechtzeitig genug ausweichen konnte. Sie verlor ihren Halt und fiel runter, wo sie drohte, zerquetscht zu werden, denn sie schaffte es nicht, zurück auf ihre Beine zu gelangen.
Der Alpha indes schnappte nach der hellen Waffe und wollte zubeißen, um sie Velten aus der Hand zu reißen und somit dessen Attacken beenden zu können. Dies war die Situation, als die junge Elfe zu schreien begann.

Die Lage von den anderen Beiden wurde immer bedrohlicher. Danika war ihm dabei keine große Hilfe, sie hatte es nie gelernt, sich verteidigen zu müssen. Stets war sie im Dorf geblieben oder nur in beschützender Begleitung durch den Wald gezogen, hatte keine Begegnung mit Räubern bisher gehabt. Bis zu jenem Tag, an dem die Dunkelelfen in ihre Heimat gestürmt waren, sie verschleppt und versklavt hatten.
Danach hatte sie den ein oder anderen Schlag einstecken müssen, hatte aber ebenfalls den Wald nie allein aufgesucht, um in Gefahr geraten zu können. Somit war das für sie eine Neuerung, die sie vor Schreck regelrecht erlahmen ließ.
Das Feuer brannte in ihrem Rücken, verursachte eine Hitze, die inzwischen schmerzte, wo ihre Haut diese Temperaturen längst nicht mehr gewöhnt war. Während es in ihren Augen vor ungeweinten Tränen brannte.
Die Wölfe hingegen konzentrierten sich auf Allrick, er stellte eine Gefahr und gleichzeitig verlockendere Beute dar als die zitternde, dürre Elfe. Sie rochen die Angst überdeutlich, auch jene von ihm, wodurch sie zusätzlich noch angestachelt wurden. Knurrend und mit viel Sabber im Mund, der ihnen die Lefzen herunter tropfte, näherten sie sich geduckt, kreisten die Opfer ein und würden jeden Ausbruchversuch zu vereiteln wissen, wenn nicht ein Wunder geschah. Jedoch gerade dieses, so unwahrscheinlich es auch war, passierte tatsächlich.
Die Nerven der jungen Elfe zerrissen und lösten etwas aus, was wie eine große Bombe einschlug. Ihr Mund öffnete sich zu einem gellenden Schrei, der alle auf der Lichtung betraf und in den Ohren schrillte, vor allem in jenen der Wölfe, die um ein Vielfaches sensibler als jene der Beute waren.
Leidendes Jaulen und Winseln mischte sich darunter, einige der Jäger duckten und kniffen ihre Schwänze zwischen die Hinterbeine, traten langsam den Rücktritt an.
Denn, was keiner, nicht einmal Danika selbst, gewusst hatte bisher, war, dass sie durchaus einen Schutzmechanismus besaß. Körperlich war sie nicht kräftig, könnte niemals sich auf diese Art und Weise erfolgreich verteidigen, selbst nach jahrelangem Üben nicht. Dafür war sie mit einer Stimme gesegnet, die ungewöhnlich war und sich nun entfaltete. Sie erklang in einer Lautstärke und Höhe, die jeden einfach nur in die Flucht schlagen musste.
Kontrollieren allerdings konnte sie das nicht, geschweige denn bewusst einsetzen oder gar damit aufhören, auch dann nicht, als Allrick regelrecht darum bettelte. Nein, sie schrie noch immer, die Luft schien ihr gar nicht mehr ausgehen zu wollen. Wie lange dauerte es schon? Sekunden, Minuten, Stunden? Das Zeitgefühl ging verloren.
Und trotzdem hatte es etwas Rettendes an sich. Die Wölfe ergriffen die Flucht. Zuerst war es nur einer aus der hinteren Reihe, danach kamen schon zwei und schließlich liefen alle jaulend und winselnd weg. Sogar der Alpha zerrte und zog sich unter Velten, der ihn noch immer halb erdrückte, hervor, um ins Dickicht zu humpeln. Wenngleich nicht, ohne noch ein Knurren in die Richtung seiner schon sicher geglaubten Beute auszuschicken.
Während auch Liya höllisch unter diesem Tonfall litt, sie krächzte und wand sich, als läge sie im Sterben, da sie keine Möglichkeit hatte, diesen Laut irgendwie zu dämpfen.

Und dann... mit einem Mal herrschte Stille. Nur Danikas Keuchen war zu hören, ehe sie die Augen verdrehte und bewusstlos zur Seite kippte. Die Gefahr war gebannt, ihr Instinkt hatte das erkannt und reagiert.
Wenngleich sich die Wölfe noch hörbar raschelnd am Rand der Lichtung verteilt aufhielten, zeigten sie sich erst einmal nicht mehr. In ihren sowie in den Ohren der Begleiter der jungen Elfe klingelte es erheblich nach in dieser Zeit der Ruhe, was sich nur allmählich legte und andere Geräusche lediglich bedingt wieder zuließ.
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