Alleine im Wald?

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Velten
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 27. August 2011, 01:11

Offenbar mussten beide Seiten feststellen, dass Geschichten selten in vollem Ausmaß die Wahrheit erzählten. Zentaur, Mensch und Elfe lernten hier Verhaltensweisen kennen, die in keiner Ballade besungen und in keinem Märchen weitergegeben worden waren. Vielleicht erlaubte sich das Schicksal aber auch nur einen Scherz und hatte absichtlich die Sonderfälle der drei Völker aufeinander stoßen lassen, die nur allzu gern aus der Reihe tanzten. Was auch immer Celcia für das seltsame Trio vorgesehen hatte, niemand würde es ihnen vorhersagen. Nicht einmal, ob und wann sie sich denn wieder trennten. Im Grunde waren sie nicht einmal eine gemeinsame Reisegruppe. Man hatte sich hier getroffen, war sich zufällig begegnet. Das war alles. Eigentlich konnten sie alle ihrer Wege gehen ... und doch. Zumindest der Zentaur entwickelte eine ungekannte Neugier für die beiden Fremden. Eine davon sollte kein Mensch sein. Sein faszinierter Blick ließ sich nur kurz vom Angesicht der Frau ablenken, nämlich dann, als ihr Magen zu knurren begann. Es war nur ein leises Geräusch, aber einem Wesen des Waldes fiel es auf. Einen Kommentar gab Velten dazu allerdings nicht ab. Der Mensch hatte bewiesen, dass er sich etwas in der Natur auskannte. Sie würden sich Nahrung jagen oder sammeln können. Er musste nicht die Herdenmutter für die beiden spielen.
Er betrachtete sich das Weibchen weiter. Kein Mensch. Sie gewann für ihn neue Faszination, zugleich verwirrte ihn, was sie dann in Gegenwart des Mannes machte? Sie gab ja deutlich zu verstehen, nicht seine Gefangene zu sein, sondern eine Freundin. Velten jedoch konzentrierte sich auf andere Teile ihrer Aussage. Nicht mehr? "Du warst also Gefangene." Er fragte nicht weiter nach, es war lediglich eine Feststellung, ebenso wie seine Aussage bezüglich ihrer Schweigsamkeit, doch selbst hierauf hatte die Fremde einen Konter. Velten nickte, wollte schon erwidern, da platzte es aus dem Menschenmann heraus. Er tobte geradezu, fauchte und knurrte. Der Zentaur ließ sich davon nur so weit beeindrucken, als dass er einen seiner Hufe anhob. Der strenge Blick grauer Seelenspiegel richtete sich auf den Mann. Er wartete ab, hörte sich den Ausbruch des anderen an und verlor nicht eine Sekunde lang seine Ruhe. Man konnte es auch als überhebliches Verhalten interpretieren, unterlag dann aber einer Fehleinschätzung. Velten zollte dem Menschen vor sich Respekt. Er hatte dessen Wut geschürt, also würde er sich auch seinen Ausbruch anhören. Und dann darauf reagieren - mit der stoischen Gelassenheit eines Zentaurenwesens. Wozu ebenfalls herum brüllen? Höchstens, um ihn für einen Moment zum Schweigen zu bringen, aber das war unnötig. Die Frau kümmerte sich schon um ihn.
"Ich entschuldige mich." Sein Oberkörper deutete eine Verbeugung an. "Das konnte ich tatsächlich nicht wissen. Ich werde das Menschenvolk wohl niemals verstehen. Ihr haltet also sogar einander gefangen." Velten schüttelte den Kopf, schnaubte. Das war nicht richtig. Das konnte unmöglich die Schöpfung desselben Gottes sein, der auch die Zentauren und so viel gutes Leben hervor gebracht hatte. Sorgen beflügelten seinen Geist. Würde man seinem Sohn Ähnliches antun? Sicher schlugen sie ihn nicht zum Vergnügen tot, aber vielleicht glaubten sie, ihn bis zum Zusammenbruch reiten zu können - wie ein Pferd! Allein bei dem Gedanken wollte sich ihm der Magen umdrehen. Er atmete mehrmals tief durch, um nun auch sich zu beruhigen. Als Ablenkung entschied er sich dafür, seine Konzentration auf das seltsame Pärchen zu richten. "Nennt mich Velten und wenn ihr mich lehren wollte, diese Dinge und vor allem die Menschenwelt, die mich wohl erwartet, besser zu verstehen, will ich diese Gelegenheit nicht an mir vorüber ziehen lassen." Er spannte die Sehne vom Bogen und befestigte die Fernwaffe an seinem Köcher. Die Tiersehne verschwand in seinem Gepäck, aus dem er noch mit dem gleichen Handgriff etwas Proviant förderte. Seine Sippe hätte vor Staunen den Atem angehalten und er selbst konnte es auch nicht ganz glauben, was er da tat. Er reichte den beiden - von denen einer ein Mensch war - einen Teil seiner Nahrungsvorräte. Diese Geste geschah allerdings schweigend.

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Allrick
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Samstag 27. August 2011, 12:56

Es war für den Pelgarer vollkommen unverständlich, wie der Zentaur so ruhig bleiben konnte, nicht für den Moment. Sicher waren seine Äußerungen getränkt mit Zorn und Verachtung, dennoch hatte er ihn nicht angegriffen, vielleicht war Velten deswegen so zivilisiert geblieben. Er macht keine großen Anstalten, sich zu verteidigen, was verwunderlich war, aber vielleicht auch etwas von Weitsicht hatte. Allrick wusste es nicht und es war ihm auch egal, auch wenn sich seine Erzürnung wieder legte. Umso mehr, da Danicka sanft ihre Hand auf seine Schulter legte und ihm besänftigend zuwisperte. Gefühle hatten ihn übermannt, Gefühle, die die junge Elfe tatsächlich wieder zur Ruhe bringen konnte. Kurz sah der Mann zerknirscht zu ihr herüber, sah sie über seine Schulter an und nickte mit einem Stirnrunzeln.
Es hatte so oder so keinen Sinn gehabt, sich über ihn aufzuregen, Velten war groß, stark und unnahbar, was sollte er da schon ausrichten? Wie Danicka ihm anriet, atmete Allrick tief durch, noch während das Mischwesen Anstalten machte, sich zu entschuldigen.
Moment, er entschuldigte sich? Allrick sah ihn verwundert an, eine Entschuldigung war das Letzte, was er erwartet hätte, im selben Moment war er froh, Danicka an seiner Seite gehabt zu haben. Anderenfalls wäre vermutlich nicht so weit gekommen.

Allrick schluckte etwas schwer, als der Zentaur seine Erklärung beendet hatte, irgendetwas hatte Allrick gerührt. Ja, Menschen waren unverständliche Wesen und quälten andere, ebenso wie sich selbst und ihre Artgenossen wegen der sinnlosesten Dinge. Ein knappes Nicken brachte er hervor, biss die Zähne aufeinander, um die Fassung zu waren. Von einem Extrem ins Nächste zu springen, besonders bei einem so verbitterten, gefühlsarmen alten Kauz wie ihm war etwas besonderes.
Es hatte sich ewig niemand bei ihm entschuldigt, nicht so. Nocheinmal fiel sein Blick zu Danicka, dann wich wieder alles der Verwunderung über Velten.
Tatsächlich sagte er erneut etwas, dass sie so vielleicht nicht erwartet hätten. Suchte der große, kluge Zentaur etwa ihren Rat? Sie hatten alle eine Geschichte und selbst dieses halbe Tier barg vielleicht mehr, als zu erwarten war. Nein, kein Tier, denn er hatte einen Namen, stellte sich als 'Velten' vor. Statt sich in seinem Verhalten weiter zu 'verelfen', wie Allrick es vielleicht nennen würde, sickerte tatsächlich etwas menschliches in dem Zentauren hervor. Erteilte das Schicksal grade jemandem eine Lektion? Darüber würde er noch nachdenken müssen, denn mehr und mehr verwirrte Velten ihn mit Eindrücken. Ganz davon abgesehen, dass der sehr feindliche Unterton in seiner Stimme immer mehr verschwamm, die Lage drohte sich zu entspannen. Wieder mit etwas Mistrauen, besorgtem Misstrauen sah der Pelgarer zu, wie der Zentaur seinen Bogen absehnte und selbigen wegpackte. Damit nicht genug, denn im selben Moment bot ihnen etwas zuessen an. Sicher ohne etwas zu sagen, aber das war angesichts der Situation vielleicht auch das Beste.
Man sollte nichts überstürzen, zumindest Allrick würde es trotz alles Rührung doch etwas schwer fallen, Velten ganz über den Weg zu trauen. Seine Erziehung verbot es und trotz allem wussten sie immernoch kaum etwas über ihn. Etwas ratsuchend sah er seine junge Begleiterin an, die sich immernoch ein Stück hinter ihm versteckte.
Allrick schluckte erneut, er vermochte nur zu erraten, was Danicka jetzt tun würde. Jedoch konnte er sicher sagen, was seine Frau von ihm erwartet hätte. 'Jetzt sei schon vernünftig, du alter Streithammel.' Oder etwas änliches hätte sie sicher gesagt. So nahm er etwas zögerlich und verhalten aber merklich anerkennend den Proviant entgegen, den Velten ihnen reichte. Tatsächlich entwich ihm sogar ein gerauntes 'Danke', während das kleine Päckchen Danicka zugesteckt wurde. Sie sollte als erste etwas essen können, denn auch Allrick war das Knurren ihres Magens sehr wohl aufgefallen.
Zuletzt geändert von Allrick am Sonntag 4. September 2011, 14:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Montag 29. August 2011, 22:05

Geschichten waren immer schön und gut, um sich ein Bild davon zu machen, wie andere von wiederum Dritten gesehen wurden, sofern man diese Erzählungen nicht selbst erfand oder Erlebtes wiedergab. Dabei geschah es zu oft, dass Dinge ausgeschmückt, anders wahrgenommen oder ausgelassen werden konnten oder man von einem Vertreter der Art auf alle schloss. Klischees entstanden sehr schnell, auf die man sich dann meist auch im guten Glauben verließ, ohne zu überprüfen, ob sie überhaupt der Wahrheit entsprachen.
Das war auch diesen drei Personen passiert, wenngleich vermutlich Danika noch am ehesten gewillt war, sich eines Besseren beleheren zu lassen. Zumindest zeitweise, da sie als Waldelfe mit vielen Bewohnern der freien Natur auf gutem Fuß stehen wollte und oft auch konnte. Es wäre eigentlich nur selbstverständlich, dass gerade sie und ein Zentaur sich verstanden, die beide den Wald liebten und verehrten. Doch anscheinend musste dieser hier erst jemandem wie ihr begegnen, um überhaupt eine Ahnung davon zu bekommen, dass es ihre Rasse gab und wie sie sich verhalten konnte.
War sie indes ein Sonderfall ihrer Art? Hätte man die junge Elfe gefragt, hätte sie das natürlich abgelehnt und verneint. Sie fühlte sich durchaus gewöhnlich und war so gewesen wie der Großteil in ihrem Umfeld. Geprägt durch die Erlebenisse indes war sie eindeutig und vermutlich für den Rest ihres Lebens. Dass sie sich deswegen in Zukunft anders verhalten würde, wie man es sich von einer Waldelfe vorstellte, war demnach nicht ausgeschlossen, allerdings läge das ja nicht an ihrem grundlegenden Charakter.
Inwiefern hingegen Allrick ein typischer Vertreter der Menschen war, konnte sie nicht wissen. Dazu kannte sie von seinesgleichen niemand anderen und ihn obendrein ebenfalls noch nicht gut genug. Jedoch war er nett zu ihr gewesen und hatte auch auf sie ein wenig Acht gegeben, während sie sich um seine Verletzungen gekümmert hatte und das auch weiterhin zu tun gedachte, solange sie zusammen bleiben würden.
Unter all ihren Empfindungen, ihrer Erschöpfung und dergleichen schwelte ebenfalls leise die Neugier. Selbstverständlich wollte sie auch mehr über Zentauren wissen, sogar stärker als über Menschen, zu denen sie viel weniger Bezug dank der gehörten Geschichten hatte. Aber es war noch nicht der rechte Moment, als dass dieses Gefühl in ihr ernsthaft hätte hervor brechen und sie all jene Fragen stellen lassen, die ihr dann durch den Kopf schießen würden. Vielleicht kam es ja noch und sie hätte obendrein die Gelegenheit oder sie müsste versuchen, heraus zu finden, wo weitere seiner Art wären, um dann diese auszuhorchen für ihre Neugier.
Doch zuerst einmal musste sie an sich halten, nicht erschrocken zurück zu weichen und in sich zusammen zu sinken, als der hünenhafte Fremde sie so direkt anstarrte und musterte, ihr sogar näher kam. Schwer musste sie dennoch schlucken.
Peinlich war es außerdem, dass ihr Magen sich wieder meldete und Anspruch auf Füllung erhob. Instinktiv legte sie eine Hand darauf, als könne sie ihn so beruhigen und dazu bringen, sich noch zu gedulden, bis sie die rechten Beeren gesammelt hätte.
Eine erfolgreiche Jagd traute sie sich indes nicht zu, dazu war sie niemals heran gezogen worden und es war zusätzlich dazu auch eher Männersache. Dafür wüsste sie es, wie man ein Stück Fleisch passend und geschmackvoll würzen konnte, wie lange es zu kochen wäre und dergleichen. Im Prinzip wären sie und Velten also ein sehr gutes Gespann, wenn sie sich auf so etwas einlassen würden, während Allrick helfen könnte, indem er sich um das Feuer kümmerte. Allerdings war so etwas natürlich Zukunftsmusik, die sich womöglich niemals erfüllen würde.
Erneut schluckte sie, als er treffend heraus hörte, was sie nicht derart deutlich hatte sagen können und wollen. Sie senkte den Blick, nickte und ballte eine Hand zur Faust. "Und werde es hoffentlich nie mehr...", kam es hauchend über ihre Lippen, denn diese Erfahrung wollte sie deinitiv kein zweites Mal machen müssen.
Und dann hatte Allrick seinen Ausbruch und nachdem sie ihne twas erschrocken angesehen hatte, wanderte ihr Blick noch mal zu dem Wesen, bemerkte sie den gehobenen Huf. Vielleicht überschätzte sie diese Geste auch, aber irgendwie kam sie ihr ein wenig... wie eine minimale Drohung vor. Unter diese Beine wollte sie eindeutig nicht geraten!
Ob so jemand ein Hufeisen trug? Nein, das wäre auf dem weichen Waldboden sicher nicht nötig. Oder war er nicht nur dort unterwegs? Wieder eine Frage, auf die sie womöglich niemals eine Antwort bekommen würde.
Um nichts zu riskieren, versuchte sie, ihren Begleiter ein wenig zur Räson zu bringen. Deswegen hatte sie sich ihm zugewandt und erst bei der unerwarteten Entschuldigung drehte sich ihr Kopf ruckartig wieder zu dem Zentauren. Zuerst war sie einfach nur erstaunt, hatte mit solch einer Wende nicht gerechnet, doch dann verdüsterte sich ihr Gesicht wieder.
Sie schüttelte den Kopf. "Das waren keine Menschen, das waren die Dunklen, die nur Zerstörung und Leid im Sinn haben.", erwiderte sie erklärend und mit einem Hauch von Bitterkeit in der Stimme. So war sie auch mit ihren eigenen Gedanken und damit beschäftigt, die aufsteigenden Erinnerungen wieder hinunter zu schlucken, als dass sie seinen ebenfalls nicht wünschenswerten Zustand bemerkt hätte, den er kurz durchblicken ließ.
Deswegen reagierten sie erst auf ihn wieder, als er sich sogar vorstellte. Das war ein gutes Zeichen, wie sie fand, denn in Kosral hatte von den Besatzern kein einziger mit seinen Namen erwähnt, was sie somit derartig zu werten gelernt hatte. Sogar ein feines Lächeln konnte sich auf ihre Lippen schleichen, als sie sich nun ihm wieder widmete und auf ihn konzentrierte.
Sie trat tatsächlich auch leicht hinter ihrem Begleiter hervor, als Zeichen, dass sie sich nicht länger verstecken wollte, wenn es schon ein Friedensangebot gab. "Ich bin Danika... Wieso erwartet dich die Menschenwelt?" Die Frage flutschte ihr heraus, ehe sie diese zurück halten konnte.
Und dann geschah etwas, womit sie überhaupt nicht gerechnet hatte. Gut, er gab seine Waffe weg, das war schon erleichternd, jedoch das Päckchen überraschte sie wirklich.
Nach einem kurzen Zögern wandte sie sich danach Allrick zu, der es ihr schon in die Hände drückte, und nach einem kurzen Blick in dessen Gesicht zog sie den Stoff ein Spur weit zur Seite.
Ihre Augen wurden eine Spur größer, ehe sie es hastig wieder zurück gab, das Päckchen an sich nahm und Velten zurück geben wollte. "Danke, a... aber... das ist nicht nötig... du brauchst ihn sicher auch!" Es war ihr ein wenig sogar unangenehm, solch ein Angebot von einer doch recht fremden Person einfach so anzunehmen, wo es für sie theoretisch wenig Probleme geben sollte, selbst für Essen zu sorgen.
Sie sah erneut zu Allrick, diesmal etwas unsicherer, ob das auch in seinem Sinne war. Immerhin entschied sie gerade nicht für sich selbst, obwohl sie darauf baute, dass er ihr genug Vertrauen entgegen brachte, um sich sicher zu sein, dass sie sich um sie beide schon kümmern könnte im Wald.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 4. September 2011, 14:06

Als Danicka Allrick verständnissuchend in die Augen sah, war merklich zu erkennen, dass er ihr Verhalten nicht verstehen konnte. Wenn man schon derart großzügige Hilfe erhielt war es sicher angebracht, nicht alles in Gier an sich zu reißen, sie jedoch auszuschlagen war in seinen Augen töricht. Stellte sich die Frage, warum sie das tat, war sie vielleicht zu stolz, etwas von Velten anzunehmen, oder wollte sie sich einfach nicht helfen lassen. Es überstieg seinen menschlichen Verstand, da Danicka in seinen Augen jedweder Vernunft entsagte. Auch wenn es sie verlegen machte, war es das Richtige, dieses Angebot anzunehmen, denn es würde alles Weitere wesentlich erträglicher machen, das lag schlichtweg auf der Hand. Ganz davon abgesehen, dass es nicht in Allricks Interesse lag, andere für sich entscheiden zu lassen. Besonders bei vergleichsweise wichtigen Dingen. Leise murmelte er ihr entgegen. "Du solltest wirklich einen Happen zu dir nehmen, bevor dir irgendetwas anderes in den Sinn kommt."
Sicher hatte Allrick Vertrauen in ihre elfischen Fertigkeiten, dennoch musste man realistisch bleiben. Ehe Danicka Velten das Packet wieder in die Hand drückend konnte, warf er ruhig ein, "es stimmt, du musst sicher auch etwas essen. Wie wäre es, wenn wir teilen würden? Dann hat jeder etwas im Magen und kann dann wenigstens gestärkt nach weiterer Nahrung suchen." In Allricks Augen war das das Vernünftigste, so war eventuells Danicka Verlegenheit zu beheben, zeitgleich könnten sie sich etwas stärken und schlugen Veltens gutgemeintes Angebot nicht völlig aus. Jeder konnte dabei etwas gewinnen und es war das, was der Mensch als gerecht empfinden konnte.
Abwartend schoben sich seine Augenbrauen zusammen, ernst, aber geduldig sah er die beiden an. Er hatte eigentlich keine Lust gehabt, den Vermittler zu spielen, aber vermutlich war das der einzige Weg, hier zu irgendetwas zu kommen.
Schließlich glitt sein Blick von der jungen Elfe ab und wandte sich hinauf zu dem Zentauren. "Ich bin übrigens Allrick." Aus Gewohnheit, auch wenn Allrick es auch schon eine Weile nicht gepflegt hatte, reichte er Velten zum Gruß die Hand, ohne zu wissen, ob er diese Geste verstehen würde.

Ein wunderliches Individuum war Velten schon. In einem Moment unausstehlich, plötzlich versöhnlich. War das Teil eines Plans? Dieser Sinneswandel kam für den mistrauischen Pelgarer etwas zu plötzlich, auch wenn ihn Veltens Kommentar ungewollt etwas angekratzt hatte. Veltens Bemerkung, dass er ein paar Dinge über die Menschenwelt wissen wollte, erregte zusätzlich Allricks Neugier, ebenso wie Danickas.
Denn bei all der Überheblichkeit, die man bei ihm vermuten konnte, zeigte sein Interesse doch auch irgendwie etwas von Vernunft, wenn man es so nennen wollte.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Sonntag 4. September 2011, 16:04

Der Mensch wirkte überrascht. Velten runzelte die Stirn, was ihn nur noch strenger blicken ließ. Manche mochten ihn allein von der Mimik her für einen Griesgram halten, dem war jedoch keineswegs so. Diejenigen, die ihn kannte - namentlich also seine Sippe - wussten, dass er ein sehr heiterer Zeitgenosse sein konnte, wenn er denn wollte. Heiter auf seine Art, aber bisher waren sie alle mit ihm zurecht gekommen. Dass er sich nun auf Menschen - nein, einen Menschen und eine Elfe - einließ, versetzte ihn insgeheim selbst in leichtes Erstaunen. Doch er rief sich ins Gedächtnis, dass diese beiden gepeinigte Sklaven ihrer eigenen Art gewesen waren. Jedenfalls glaubte er dies noch. Die Elfe würde ihn bald eines Besseren belehren. Tatsache war jedoch, dass man sie misshandelt hatte und ihre Denkweise dadurch nach einem anderen Wind wehte als jene eines typischen Menschen. Zweibeiner, die die Söhne von Zentauren entführten, um aus ihnen Pferde zu machen! Er musste die Menschen finden, die seinem Jungen das antun wollten. Und dann würde er sie strafen.
Diesen beiden hier würde er allerdings neutral gegenüber treten. Sie machten auf ihn nicht den Eindruck, seine Feinde sein zu wollen. Nicht einer hatte ihn bisher als Pferd bezeichnet oder versucht, auf ihm zu reiten. Sogar ein Angriff war ausgeblieben. Vielleicht war es der Einfluss dieser Elfe auf den Menschen, dass er sich zurückhielt. Velten musterte die Frau nachdenklich. Eine Dunkelelfe war sie nicht. Sie benahm sich nicht hochmütig oder bösartig. Er konnte ihr Verhalten nicht eindordnen, aber er nahm sich vor, sie genauer zu studieren. Etwas faszinierte ihn an diesem Wesen, das ihm so fremd war. Gleichermaßen war aber auch der Mann plötzlich interessanter geworden. Der Zentaur begegnete ihm nicht länger als Feind. Als ehemaliger Sklave standen sie möglicherweise auf derselben Seite - jener, auf der sich keine der typischen Menschen befanden. Somit könnten sie zu Waffenbrüdern werden. Und Velten hätte einen Verbündeten, der ihm mehr über die Eigenarten der Zweibeiner wusste. Vielleicht würde er sein Wissen teilen. Velten bot sich jedenfalls als gelehrsamer Schüler an. Er war sich nicht zu schade, die Gelegenheit zu nutzen, etwas zu lernen.

Das erste, was er neu in Erfahrung bringen sollte, war, dass weder die Elfe noch der Mensch von seinesgleichen versklavt worden waren. Das verwirrte ihn. Wen sollte es denn da noch geben, der so Finsteres im Sinn haben könnte? Die Dunklen? Die kannte er nicht, ahnte Velten doch nicht, dass sich dahinter auch Dunkelelfen befanden, denen er schon einmal begegnet war. Er brummte abfällig. "Wie viele Schöpfungen Phauns haben sich noch gegen ihn gewandt, um Verderbnis über Celcia zu bringen?" Er erwartete keine Antwort, nicht von den Anwesenden. Ein Gott hätte ihm vielleicht weiterhelfen können. Phaun musste sehr verzweifelt und trübselig über all das Leben sein, das mit aller Kraft versuchte, einander einzusperren und zu töten, obwohl sie den Getöteten offensichtlich nicht als Nahrungsquelle benötigten. Dies war sogar etwas, das einen Zentauren erzürnen konnte. Man bemerkte es bei Velten nur dadurch, dass er die Zähne aufeinander biss, dass es knirschte. Er brüllte nicht vor Jähzorn herum, das kam nur wirklich selten vor.
Schließlich aber meinte er, auch um selbst von diesen üblen Gedanken fort zu kommen: "Ihr seid stark, geschickt oder scharfsinnig, dass ihr diesen Dunklen entkommen konntet." War das etwa ein Lob? Zumindest zollte er ihnen mehr Respekt und das zu Recht, aus seiner Sichtweise. Warum sollte er auch nicht aussprechen, dass es ihn beeindruckte, so viel finsteren Wesen entkommen zu sein. Die Welt außerhalb seines bekannten Territoriums schien ein brodelnder Hexenkessel zu sein. Er würde deutlich wachsamer agieren müssen als ohnehin schon. Seltsam, dass er dann begann, den beiden Zweibeinern etwas Offenheit entgegen zu bringen. Er wollte ihnen sogar seinen Proviant überlassen, doch das geschah nicht nur aus Nächstenliebe. Velten sah es praktisch. Die Elfe und der Mensch könnten ihm nützlich sein. Sie kannten sich offenbar mit Dunklen und nicht zuletzt auch mit Menschen aus. Sie konnten ihm Informationen geben. Er sollte zusehen, dass sie genug Kraft hatten, um ihr Wissen bereitwillig zu teilen. Velten hielt nichts davon, es aus ihnen heraus zu prügeln - schon gar nicht, wenn sie sich nicht wehren konnten. Das empfand er als ungerecht.

Seine Offenheit wurde belohnt. Die Elfe stellte sich als Danika vor. Er nickte ihr zu. Ihre Frage würgte er jedoch mit einem kurzen "Darüber möchte ich nicht reden - noch nicht" ab. So sehr vertraute er diesen beiden schließlich auch nicht, dass er gleich aus dem Nähkästchen plauderte. Bei der Suche nach den verdorbenen Menschen konnten sie ihm sowieso nicht helfen, das hatten sie bereits deutlich gemacht. Das einzige, was sie ihm würden mitteilen können, wären Eigenarten dieses Volkes. Kleine Details, auf die er bei seiner weiteren Suche achten musste.
Als Danika das angebotene Essen ablehnte, lenkte sie wieder Velten Aufmerksamkeit auf sich. Er stutzte. Erneut bildete sich eine dunkle Furche zwischen seinen Brauen. Ein wenig energischer berührte er das zurückgebotene Päckchen, um es in ihre Richtung zu schieben. "Iss", sagte er nur. "Ihr beide solltet essen. Ihr braucht die Kraft mehr als ich." Das stimmte. Velten war gut genährt. Obwohl er weitaus mehr vertilgen musste als ein kleiner Mensch oder eine zierliche Elfe, würde er sich beherrschen können. Er musste nicht Hunger leiden und besaß noch genug Energiereserven, um sich etwas im Wald zu erlegen. Der Proviant galt nur als Notration und er hatte dessen Inhalt bisher ohnehin kaum angerührt.
Der Mann hingegen zeigte sich offener für sein Angebot, wenngleich auch er nicht alles annehmen wollte. Er nannte sich übrigens Allrick. Er streckte seine Hand aus ... Velten musterte sie schweigend. Das Schütteln von Händen zum Gruß war ihm nicht bekannt. In seiner Sippe nickte man einander zu oder neigte das Haupt vor einem Älteren. Um Ehrfurcht oder großes Zeichen von Respekt zu signalisieren, ging man in seltenen Fällen auch schon einmal mit einem Vorderhuf in die Knie. Aber Händeschütteln ... Er betrachtete noch immer die ausgestreckte Hand. Dann reckte er zaghaft seine entgegen, dass sich die Fingerspitzen beinahe berührten. "Was geschieht nun? Ist das ein Brauch bei euch?" Es wirkte wohl seltsam, dass er sich in Wald- und Jagdangelegenheiten sehr gut auskannte, bei menschenalltäglichen Dingen wie einem Handgruß jedoch nicht weiter wusste.
"Teilen wir", meinte er schließlich, um von dieser fremdartigen Geste, die er nicht verstand, abzulenken. "Ihr bekommt drei Viertel und ich nehme mir das übrige Viertel. Danach lege ich in der Nähe Fallen aus und wir werden bald besser speisen." Bis dahin würden die beiden vielleicht ein wenig mehr von sich, den Menschen oder diesen Dunklen erzählen, so hoffte er.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 7. September 2011, 14:13

Stolz war Danika gewiss nicht, das hatte auch schon vor ihrer Gefangenschaft nicht zu ihrem Wesen gehört. Dass sie das Angebot jetzt allerdings ausschlagen wollte, hatte mehrere Gründe. Einerseits wusste sie, dass sie sich und Allrick im Wald selbst versorgen könnte, denn sie hatte ausreichend Erfahrung darin und baute darauf, dass ihr Begleiter notfalls selbst jagen könnte, sobald er wieder halbwegs in Ordnung war. Und andererseits würde sie sich ein wenig in die Schuld von Velten begeben und das wollte sie nicht.
Sie wusste nicht, in welcher Form er eine Erkenntlichkeit dafür haben wollen könnte, denn als völlig selbstlos schätzte sie ihn nicht ein. Noch dazu, wo er auf einer Wanderung zu sein schien, wo er ebenfalls ausreichend Proviant benötigen würde. Die junge Elfe wollte natürlich niemandem etwas unterstellen, doch dieses Misstrauen hatte ihr die Zeit in Kosral schon eingeimpft.
Wäre es nicht so gewesen, dass sie sich die Versorgung zutrauen würde, dann hätte sie stärker darüber gezögert, so allerdings stand ihr Entschluss rasch fest. Auch wenn Allrick ihr leider nicht zustimmte, sondern sie eher verständnislos ansah und somit nicht stützte. Doch er hielt sie auch nicht direkt auf in ihrem Vorhaben.
Er gab ihr lediglich einen Rat, auf den sie ein Kopfschütteln andeutete. Sie konnte nichts von diesem Paket zu sich nehmen, das könnte nur zu leicht ihre Freiheit wieder einschränken, die sie sich so mühsam erkämpft hatte. Und schließlich waren um sie herum überall Beeren und Kräuter, die ausreichen würden.
Dass ein menschlicher Magen nicht allein davon leben könnte, auch nicht für kurze Zeit, an diese Möglichkeit dachte sie nicht, weil sie ihr viel zu fremd und unbekannt war. Es war ihr schon peinlich genug, dass ihr eigener Körper vorhin so deutlich gemeldet hatte, dass er nach Füllung lechzte.
Sein folgender Vorschlag indes ließ sie durchaus inne halten, ehe sie den Proviant in Veltens Hand hätte drücken können. Sie blinzelte und bekam leicht rote Wangen.
Auch ihr war dieser Gedanke schließlich gekommen, aber sie hatte es nicht gewagt, ihn zu machen. Wiederum wäre es ihr um die Vermeidung jedweder Anstrenung gegangen und obwohl sie wusste, dass sie zu dem Geschmack bestimmt etwas Positives beitragen könnte, zögerte sie, ihre Hilfe anzubieten. Früher einmal hätte sie gar nicht darüber nachgedacht, sondern es sofort und bereitwillig getan, vielleicht sogar ohne zu fragen. Jedoch jetzt... jetzt hatte sich alles geändert.
Traurigkeit und Bitterkeit drohten ihr die Kehle zu zuschnüren, während ihr Begleiter sich vorstellte, und sie hielt den Blick gesenkt.
Und dann erklangen Veltens Worte, die sie nur flüchtig von ihren eigenen Erinnerungen ablenken konnte, indem sie ihr Wissen forderten. Seufzend ließ sie die Luft aus ihren Lungen entweichen und räusperte sich, um ihren Hals ein wenig frei zu bekommen. Was nicht sonderlich viel brachte, denn ihre Stimme klang noch immer sehr kratzig, als sie ihm eine Antwort zu geben versuchte.
"Dunkelelfen, Schattenmagier, Trolle...", zählte sie auf, was ihr auf Anhieb einfiel. Denn sie hatte es in Kosral immer vermieden, sich zu viele Gedanken darüber zu machen, wer genau sie und die anderen versklavt hatte. Für sie waren es immer Soldaten gewesen, das hatte ihr Angst genug eingejagt.
"Eine ganze Armee...", fügte sie wispernd hinzu, da sie leider auch einige Dinge aus den Gesprächen der Besatzer aufgeschnappt hatte. Viel hatte sie nicht verstanden, doch eines hatte sich gemerkt, nämlich, dass sie immer von einer Armee gesprochen hatten, von der sie alle nur eine Gruppe darstellen sollten. Was ihre Furcht nicht gerade verringert hatte.
Abrupt allerdings sah sie ihn erneut an und spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen, denn die Bilder des vergangenen Abends drohten wieder in ihr Bewusstsein aufzusteigen.
Schwer schluckte sie und schüttelte langsam den Kopf, während ihr der Hunger endgültig vergangen war, sodass sie das Paket erst recht zurück geben wollte. "Wir... hatten nur Glück...", hauchte sie fast tonlos und musste an die ganzen Toten denken, die sie gekannt und denen sie nicht hatte helfen können.
Auch wenn es den Sklaven, die gestorben waren, vermutlich im Totenreich viel besser ergehen würde, als all den Überlebenden. Doch auch das half ihr kaum oder tröstete sie, sondern schnürte ihr nur ein weiteres Mal und vehementer die Kehle zu. Dazu trug obendrein bei, dass er ihre Frage regelrecht abwürgte und sie mehr oder weniger zurecht wies damit.
Als er das Paket ablehnte, obwohl es ihm eigentlich gehörte, wusste sie nichts anderes, als es ebenso weiter zu reichen, sodass es am Ende wieder in Allricks Händen landete.
Ihre eigenen Finger zitterten und sie spürte, dass sie kurz davor war, endgültig in Tränen auszubrechen. Die Starre, die sie durch die Angst und diese Begegnung befallen hatte, löste sich allmählich und dadurch brodelten ihre Gefühle erneut hoch.
Da kam es ihr ein wenig zugute, dass Velten sich nun mit Allrick beschäftigte, sodass sie sich abwenden, die Augen schließen und tief durchatmen konnte. Es brachte nur leider nicht viel, denn sie hatte das Gefühl, als könne sie es gleich nicht mehr halten. Das war ihr unangenehm, denn sie hatte gehofft, sie das Vergangene abschütteln und zwar viel schneller, als es realistisch gewesen wäre. In mancher Hinsicht war sie nun einmal noch ein Kind, nicht nur bei ihrem Körper, der sich gerade erst zur Frau entwickelte.
So reagierte sie auch vorerst nicht auf Veltens Zustimmung zu dem Vorschlag des Teilens, sondern kämpfte noch immer mit den Tränen, von den Beiden abgewandt.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Donnerstag 8. September 2011, 17:37

Mit Besorgnis in den Augen sah der Pelgarer kurz zu Danicka hinüber, der es in diesem Moment überhaupt nicht gut zu gehen schien. Kein Wunder, denn zwar hatte sie die jahrelange Knechtschaft mehr oder minder ertragen, die schreckenreiche Flucht hatte sie sicher sehr mitgenommen. Und Allrick wusste, dass Danicka richtig lag, als sie äußerte, dass sie beide nur Glück hatten. Sie hatte sich von ihnen abgewandt, der Pelgarer verstand es so, dass sie für den Moment für sich sein wollte, das war vermutlich auch besser so. Jeder brauchte mal einen Moment, um zu realisieren, was um sie herum geschehen war. Dafür hatten sie bei ihrer Flucht keine Zeit gehabt und während Danicka schwer damit zu kämpfen hatte, schien es an Allrick lediglich körperlich genagt zu haben.
In der Tat war er eigentlich nur froh, aus Kosral geflohen zu sein, die Sklaven, die sie beide zrückgelassen hatten und denen es nun vermutlich grässlicher erging als vorher kümmerten ihn wenig, sie waren ihm ziemlich egal. Nur um seine Begleiterin sorgte er sich, irgendwie hatten sich schnell Beschützerinstinkte in ihm gelöst und ließen den Pelgarer nicht mehr zufrieden.
Was sollte er tun? Sie trösten? Sie zu sich kommen lassen? Irgendwo war Allrick auch nur ein Mensch und unfähig, genau die richtige Entscheidung in jedem Moment treffen zu können, dennoch hätte er es gern getan.

Er sah auf das Päckchen in seinen Händen, Velten Vorschlag wirkte wirklich vernünftig und Allrick war versucht, ihn anzunehmen. Da er Danicka etwas zufrieden lassen wollte, befasste er sich auch wieder mit dem massigen Hengst und nickte ihm zu. "Gut, so machen wir es... Und ja, das ist ein Brauch bei uns. Wir geben uns zum Gruß die Hände, zumindest, wenn man sich vorstellt. Ist etwas unbequem zu erklären. Wir tun es aber auch, um Abmachungen zu besiegeln, wie Tauschgeschäfte, Verabredungen, es bedeutet, dass beide Seiten zustimmen." Seine Erklärungen brachte er eher beiläufig an, auch, um sich etwas weniger wegen Danickas Trauer zu grähmen. Es tat ihr bestimmt nicht gut, wenn sie sich damit quälte, vermutlich musste sie sich einfach einmal ausweinen. Er würde für sie da sein, das schwohr sich Allrick erneut, wie er es in Kosral getan hatte. Niemand sollte sich zwischen sie stellen, so lange es in seiner Macht stünde.

Allrick runzelte die Stirn, sah sich auf der Lichtung um, der Moment war zu statisch, zu ungelenk um noch irgendetwas zu sagen. Irgendetwas mussten sie tun, sei es nun trockene Zweige zu sammeln oder irgendetwas anderes. Zumindest hob sich in ihm das Bedürfnis danach, wieder etwas voran zu kommen. Mit ein Grund dafür war, dass es Allrick nun schwer fiel, ein brauchbares Gesprächsthema zu finden.
"Vielleicht sollten wir zusehen, dass wir ein kleines Feuer machen und etwas zur Ruhe kommen. Wir sind lange gelaufen und es wäre sicher nicht falsch, wenn ihr alle zusammen etwas verschnaufen, wo wir schon vorhaben, uns zu verständigen."
Dass er selbst einmal so etwas wie die Stimme der Vernunft werden würde, hätte der Mann nie von sich erwartet, vermutlich hatte er jedoch recht. Auch wenn es vermutlich nicht lebensnotwendig gewesen war, Allrick hatte das Bedürfnis ein kleines Feuer vorzubereiten. Feuer beruhigte, Feuer gab Energie, Feuer brachte zusammen, man konnte sich wärmen und in Ruhe nachdenken, wenn man das wollte. Das war zumindest seine Empfindung und als Köhler wusste er natürlich, wie man effektiv und kontrolliert ein Feuer zu legen hatte, dass die Umgebung nicht in Brand geriet.
Mit ernstem, aber friedlichem Blick sah er Velten in die Augen und blickte kurz danach noch einmal über die Lichtung, erblickte schnell ein Fleckchen, dass sich gut eignete.
"Oder wie siehst du das? Keine Sorge, ich weiß, wie man Feuer zu handhaben hat."
Wieder sah er kurz zu Danicka hinüber, wandte sich ihr langsam zu und sprach ruhig zu ihr. "Mach' dir keine Gedanken, es kommt alles wieder in Ordnung. Wirst schon sehen..."
Er klopfte ihr leicht auf die Schulter und ließ die junge Elfe wieder in Frieden, sein Blick wieder auf Velten gerichtet. Auch wenn ihm der Zentaur immernoch irgendwie suspekt und etwas unsympathisch war, vielleicht würde man sich verstehen können, irgendwann.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Dienstag 13. September 2011, 08:36

Gut möglich, dass sich Elfen in Wäldern bei der Nahrungssuche geschickt anstellten - Velten wusste darüber nichts. Er hatte lediglich bemerkt, dass sich zumindest Allrick ein wenig auskannte und dafür zollte er diesem Zweibeiner sogar in dieser Hinsicht etwas Respekt. Aber wie auch immer die Fertigkeiten und besonderen Begabungen der beiden aussahen, in ihrem jetzigen Zustand würde keiner von ihnen erfolgreich eine Jagd hinter sich bringen. Für das Sammeln von Nüssen, Beeren und Wurzeln reichte es vielleicht noch aus, aber wozu sich die Mühe machen und kostbare Kräfte aufbrauchen, wenn ihnen der Zentaur seinen Proviant anbot? Da dachte er eben praktisch.
Er konnte Danika nicht ganz verstehen. "Leg deinen Stolz wenigstens für dieses Angebot ab", riet er ihr noch. Sie musste essen, ihre Reserven aufstocken und ein wenig ruhen. Danach würde sie genug Kraft besitzen, um allein Nahrung zu beschaffen. Ob Velten dann immer noch in der Nähe war, konnte ihm egal sein. Er hatte nicht vor, ewig bei diesen beiden herum zu stehen. Sobald er genug Informationen zusammen hatte, um sich besser auf seine persönliche Mission einzustellen und nachdem auch er eine ausgewogene Rast genossen hatte, würde er weiterziehen. Ihn hielt nichts daran, die Reise mit Danika und Allrick im Schlepptau fortzusetzen. Ob sie ihn überhaupt begleiten wollten? Ehemalige Sklaven - die mochten ganz sicher nicht noch einmal riskieren, wieder gefangen zu werden. Aber es sollten ja keine Menschen gewesen sein, die sie zu ihren unterwürfigen Dienern gemacht hatten. Vielleicht wollten sie unter Menschen, fühlten sich dort sicherer. In dem Fall könnte es zu einer gemeinsamen Weiterreise kommen. Velten machte sich darüber weniger Gedanken. Es würde sich zeigen, wenn sie alle so weit waren. Warum über Beute nachdenken, wenn noch nicht einmal die Fallen ausgelegt waren? Eine alte Zentauren-Jäger-Weisheit.
Aber über Fallen konnte er ruhig ein wenig grübeln. Obgleich er vorschlug, den Proviant zu teilen, würde er dadurch früher aufgebraucht sein als es sich der Gescheckte vorgestellt hatte. Er entschied, gleich einige kleine Fallen zu errichten, damit Waldtiere hinein tappen konnten, während er sich irgendwo in der Nähe zur Ruhe bettete. So vergeudete er nicht unnötig Zeit mit Warten. Im Grunde störte ihn Warterei nicht. Als Jäger musste man zwangsläufig geduldig sein - etwas, das er seinen Sohn dringend noch lehren musste. Er blickte auf einen unsichtbaren Punkt in der Ferne. Ich finde dich, Taimi. Für den Bruchteil einer Sekunde verlor sich der Zentaur in Gedanken. Sein Blick wurde einen Hauch weicher, wehmütiger.
Der gesamte Wald fern seiner Heimat schien mit boshaften Kreaturen verseucht. Wie lebten denn dann andere Zentaurensippen? Sicher gab es im Neldoreth auch welche, obwohl Velten bisher keine Spuren einer solchen Zivilisation hatte entdecken können. Stattdessen waren ihm abgeknickte Zweige, Unrat und an manchen Stellen der Schmutz und Dreck unaufgeräumter Lagerplätze aufgefallen. Ob diese von den Dunkelelfen, Schattenmagiern und Trollen stammten? Was waren das für Wesen? Der Begriff des Dunkelelfen war ihm geläufig, einmal hatte er sie ja schon gesehen. Aber was, bei den Sternen, war denn ein Troll?
Sein Blick fiel auf Danika, die gerade ihre Peiniger aufgezählt hatte. Er würde nicht nachfragen, das warf nur unnötig mehr Erklärungen auf. Wenn er einem Troll begegnete, wäre es noch früh genug. Außerdem hatte er selbst Fragen, die noch immer ohne Antworten waren. Lediglich auf den Hinweis, dass es sich im eine ganze Armee dieser Scharen handelte, hörte man von dem Zentauren ein finsteres Schnauben. Vermutlich existierten in dieser Gegend doch keine seiner Art - die waren vielleicht zu Pferden gemacht oder ausgerottet worden. Er brummte. "Das sind schlechte Nachrichten", sagte er leise - mehr zu sich selbst als zu den beiden anderen.
Aus der Kehle der Elfe drangen kratzige Worte. Sie hatten Glück gehabt. Velten richtete den Blick nach oben. Noch waren die Sterne nicht zu sehen und sicherlich hätte Danika ein Rat seines Freundes Noah aus seiner Sippe nun mehr geholfen. Der kannte sich schließlich mit Sternen und deren Deutung aus. Er hätte ihr genau sagen können, ob es tatsächlich Glück gewesen war. Velten hatte nur einen Ratschlag für sie: "Wenn du möchtest, dass das Glück weiter anhält, solltest du angebotene Nahrung annehmen. Wer weiß, wann du wieder zum Essen kommst." Er blickte sich um. "Nur weil der Wald dir reichlich bietet, heißt es nicht, dass du Zeit haben wirst, dich zu bedienen." Er räusperte sich, als er Danikas Gesichstausdruck sah. Sie wirkte nachdenklich, ein wenig in sich gekehrt, aber vor allem strahlte sie Trauer aus. Er wusste nicht, was man ihr angetan hatte, aber es nagte doch sehr deutlich an ihr. "Nun ... teil es dir ein, wie du möchtest." Das war seine Art, sich zu entschuldigen. Noch war Allrick anwesend. Wenn er es nicht vergaß, würde Velten die Elfe noch einmal für seine Worte um Verzeihung bitten, sobald sie ungestört waren. Wenn es überhaupt dazu kam, aber er vermutete es. Die Lichtung war ein guter Rastplatz, der Mensch und die Elfe ihm nicht feindlich gesinnt. Er konnte sich hier also ebenfalls niederlassen. So viel Vertrauen setzte er inzwischen in die beiden, die aus seiner Sicht ohnehin keine große Gefahr darstellten.
Danika sowieso nicht. Sie wandte sich halb ab. Velten sprach sie nicht weiter an. Ihr ging es schlecht und er war bei Florencia nun wirklich nicht der Zentaur, der diese arme Seele trösten sollte! Sie würde es ebenso wenig annehmen wie seinen Proviant. Da musste schon jemand her, der sie besser kannte. Er blickte Allrick an, sagte aber nichts. Sollten die beiden das unter sich ausmachen. Doch auch der Mann schien um aufmunternde Worte oder eine tröstende Geste verlegen.
Stattdessen erklärte er, was es mit dem Händeschütteln auf sich hatte. Velten legte den Kopf schief. Ein seltsamer Brauch, aber er könnte hilfreich sein, wenn er auf weitere Menschen stieß. "In meiner Sippe nickt man sich zum Gruß zu. Die Hände werden meistens gebraucht, um Bogen oder Speer zu halten oder zum Arbeiten. Dann sind sie schmutzig, so dass man den Grüßenden nur unnötig dreckig machen würde. Ihr habt seltsame Bräuche, Allrick. Aber ich werde mir diesen merken." Er machte einige Schritte, griff dann in seinen Rucksack, der auf den breiten Rücken gespannt war. Ich hätte mir mehr Fallenmaterial mitnehmen sollen. Nun musste er eben improvisieren. Also nahm er sich eine der kostbaren Bogensehnen. Sie würde als Fallenschlinge ausreichen müssen und wenn die Beute gut genug war, könnte er sich aus den Sehnen des gefangenen Tieres neue für seine Fernwaffe machen. Er hatte außerdem noch einige übrig. Sie durften bei der Jagd jetzt nur nich reißen.
"Macht ihr ein Feuer. Ich werde eine Falle auslegen und versuchen, einige Vögel zu schießen." Ob er seine Beute erneut teilen würde, sagte Velten nicht. Das würde sich klären, sobald heraus wäre, ob und wieviel er erlegt hätte. Langsam stapfte er etwas abseits. Die Falle durfte nicht so nahe bei ihrem Lager sein. Die Tiere der Wälder waren nicht dumm. Sie näherten sich Geräuschquellen nicht, wenn von ihnen potenzielle Gefahr ausging. Höchstens Licht und Wärme eines Feuers könnten sie locken. Es würde ausreichen, die Falle im Umkreis von 20 bis 30 Metern aufzubauen. Velten machte sich sogleich daran, hielt aber auch nach den Zweigen Ausschau. Vielleicht hockte irgendwo ein großer Vogel im Geäst, der einen Pfeil wert wäre.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 18. September 2011, 11:13

Im Gegensatz zu Velten sah Allrick davon ab, noch groß zu Danicka zu sprechen, zumindest für den Augenblick. Es war in seinen Augen besser, wenn das Mädchen ersteinmal selbst zur Ruhe kommen konnte, ohne dass sie jemand bedrängte.
So ignorierte er den größten Teil von Veltens Versuch, mit der jungen Elfe zu komunizieren. Noch während das 'Gespräch' zwischen den beiden andauerte, machte sich Allrick schon Gedanken über das Feuer, schließlich waren einige Dinge dafür nötig, damit es einigermaßen sauber brennen konnte. Trockene Zweige, Feuerstein und etwas zum zündeln. Der Pelgarer fuhr sich durchs Haar, erinnerte sich, dass er hin un wieder auch sein eigenes Haar als Zunder verwedet hatte. Keine besonders gute Alternative, aber immerhin eine. Es fiel ihm jedoch im Traum nicht ein, Velten zu ersuchen, ihm etwas abzuschneiden, bevor er nicht etwas besseres gefunden hatte.
So ging Allrick etwas abseits der Lichtung, ein Stück weit ins Gebüsch hinein und sah sich nach totem, trockenem Holz um. Speziell das Atribut 'trocken' stellte sich als schwieriger als gedacht heraus, dennoch gab er nicht auf und suchte in aller Ruhe und mit bedächtigen Schritten weiter nach brauchbarem Material. Zwar hatten sich nach einigen Minuten des Suchens noch keine brauchbaren Zweige angefunden, jedoch hatte Allrick ein paar Steine finden können. Besser als nichts. Kurze Zeit später konnte Allrick auch etwas wie einen Stab auftreiben. Der ziemlich gerade gewachsene Ast stand starr und trocken von einem toten, jedoch noch stehenden Baum ab. Lange würde sich dieser doch noch recht junge Baum nicht mehr halten können.
Vermutlich hätte es schon gereicht, sich mit zwei Mann dagegen zu stämmen. Allrick reichte jedoch der Stock und es fiel ihm leicht, ihn aus dem morschen Stamm herauszubrechen. Kurz und kritisch besah er sich das lange Stück Holz und nickte schließlich, es war brauchbar und sollte noch ein Weilchen halten, bevor er brechen würde. Überlegend wandte der Pelgarer seinen Blick gen Himmel, Baumkronen und Blätterdächer stoben ihm entgegen und ließen ihn kaum erkennen, wie der Himmel aussah. Lediglich das langsame heranziehen der Dunkelheit, ließ ihn in etwa erahnen, wie es aussah. Und ein wenig kühl war es schon, wie er fand, wie sollte es in der Nacht werden, wenn sie kein Feuer hatten?
Doch plötzlich war es für Allrick, als hätte er einen Schatz gefunden, denn in einer Astniesche sah er ein Vogelnest, gebaut aus dünnen Zweigen und voller Flaum und weichem Kükengefieder. Vermutlich waren die Bewohner Wieseln oder Mardern zum Opfer gefallen, Allrick war es allerdings relativ gleichgültig warum es verlassen war.
Es würde seinen Zweck erfüllen, so stieß er vorsichtig mit seinem Stock eine Seite des Nestes an, sodass es aus der Niesche herauspurzelte, direkt vor seine Füße.
Zufrieden laß Allrick das tatsächlich sehr trockene Nest auf, es waren wie erwartet keine Eier darin, was einerseits bedauerlich war, denn Vogeleier wären immerhin etwas gewesen, dass man hätte verspeisen können.
Der Grundstock für ein Feuerchen war gefunden und langsam machte sich Allrick mitsamt seiner Ausbeute wieder auf zur Lichtung. Es fehlten ja nurnoch Zweige und etwas größeres Holz, mit dem man das Feuer richtig auf Hitze bringen konnte. Noch während er wieder die Lichtung betrat und seine Fundsachen an einer brauchbar geschützten und trockenen Stelle ablegte, fühlte sich Allrick an sein altes Handwerk erinnert und seufzte leise, bevor er zu Danicka hinübersah. Velten hatte die Lichtung schon verlassen, vermutlich um etwas zu jagen, so waren die beiden für den Moment allein, dennoch stumm, nur der Wind umgab sie mit Geräuschen und der Wald um sie herum schwieg ebenfalls, als würde er sie beobachten.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Freitag 23. September 2011, 23:11

Nein, es ging der jungen Elfe eindeutig nicht gut. Die gesamte Zeit über war sie mehr als angespannt gewesen, war so lange gerannt, bis sie körperlich zusammen gebrochen war und nun kam auch der seelische Absturz.
Sie musste mit einem Mal hart damit kämpfen, nicht in Tränen darüber auszubrechen, was ihr alles zugestoßen war und vor allem, wie viele gute Bekannte und Freunde sie dort nicht nur zurück gelassen, sondern auch für immer verloren hatte. Ihre Nase wollte bereits leicht zu laufen beginnen, sodass sie hörbar hochziehen musste, was mehr als verräterisch klang und sie selbst ein wenig ärgerte. Sie wollte nicht so deutlich zeigen, wie verletzlich sie in Wahrheit war. Selbst nicht nachdem, was sie erlebt hatte und wenn andere davon zumindest einen Hauch wussten. Jetzt konnte sie noch nicht vollkommen kollabieren, immer noch war sie trotz allem in latenter Gefahr.
Danika wusste nicht, wie weit sie tatsächlich gekommen waren und jederzeit könnte sie ein falsch eingeschlagener Weg wieder ins Risiko zurück führen, auch wenn sie an sich eine gute Orientierung an diesem Ort hatte. Und Allrick hatte Recht in seiner Annahme, sie wandte sich ab, um sich wieder fassen und kurz einmal durchatmen zu können.
Einige Schritte weg ins Gebüsch am Rande der Lichtung gehen, das wagte sie nicht, dazu waren sie noch immer viel zu angreifbar. Dadurch blieb ihr lediglich diese scheinbare Distanz, indem sie den beiden männlichen Wesen den Rücken zuwandte. Dass Allrick sie dabei in Ruhe ließ und nicht versuchte, sie krampfhaft zu trösten, war in ihren Augen die richtige Lösung, denn so brach sie nicht vollkommen zusammen.
Hinter sich konnte sie trotzdem problemlos hören, was gesprochen wurde. Allem schenkte sie keine Beachtung, dazu war sie zu aufgewühlt, allerdings den ein oder anderen Brocken konnte sie sogar in dieser Stimmung begreifen. Und sein Vorschlag für ein kleines Feuerchen wäre wirklich sehr sinnvoll.
Obendrein schienen sie sich nun doch den Proviant zu teilen, da könnte sie sich ebenfalls nützlich machen, indem sie nachsah, ob am Rand der Lichtung nicht vielleicht ein paar passende, geschmackvolle Kräuter wuchsen. Was sie bestimmt hätte umsetzen können, hätte ihr Begleiter nicht seinen erfolgreichen Weg selbst geändert.
Die Worte ließen erneut die Tränen ihre Kehle zuschnüren und leicht zuckte sie auch zusammen, als er ihr einfach auf die Schulter klopfte. Es war ja gut gemeint, nur... eindeutig zur falschen Zeit. Sie schluckte mehrmals hintereinander und kämpfte wieder mit der salzigen Flüssigkeit.
Während sie trotz allem der Überzeugung war, dass sie mit Allrick allein im Wald lebensfähig sein könnte. Zwar wäre er nicht sehr gut einsetzbar für die Jagd, das stimmte schon, sie allerdings wusste, dass sie durchaus von Beeren, Kräutern und dergleichen, die einzusammeln waren, einige Zeit lang leben könnte, ohne an Kraft zu verlieren. Besonders nach der Zeit der kargen Kost würde das bestimmt reichen.
Da konnte sie den fremden Proviant nicht einfach annehmen, schon gar nicht, wenn sie daran dachte, dass dieses Mischwesen viel größer war und höchstwahrscheinlich die Nahrung viel stärker brauchte als sie beide. Somit hatte es nicht allein mit ihrem Stolz zu tun, dass sie es lieber ablehnte. So unklug es auch war, glaubte sie nicht daran, dass sie diese Hilfe jetzt schon benötigten. Und schon wieder abhängig machen wollte sie sich auch nicht.
Eine Rast hingegen würde ihrem Körper tatsächlich gut tun, denn wie lange sie wie bewusstlos geschlafen hatte, wusste sie nicht, da sie keine Zeitmessung hatte. Trotzdem würde ihr noch weitere Ruhe nicht schaden können.
Was sie danach allerdings tun würde, gemeinsam mit Allrick, davon hatte sie nicht einmal den Hauch einer Idee. Sie wusste nicht, wohin mit ihr, ihr Heimatdorf war zerstört und in diesen Ruinen könnte sie nicht lange unbemerkt bleiben. Es gab schließlich ausreichend Patrouillen der Dunklen, die durch den Wald streiften und nicht zögern würden, sie entweder gefangen zu nehmen oder sofort zu töten.
Von der restlichen Welt Celcias hatte sie indes keinen blassen Schimmer, sodass sie gar nicht wusste, wo sich ihr als Waldelfe Möglichkeiten für ein neues Zuhause bieten würden. Entsprechend ratlos wäre sie nachher und würde es auf sich zukommen lassen müssen... oder ihren Begleiter fragen, ob dieser eine Idee hätte.
Sie rang noch um ihre Fassung, die Allrick wieder ins Wanken gebracht hatte, als sie die nächste Zurechtweisung bekam, so sanft Veltens Stimme auch klang.
Ihre Wangen röteten sich und sie senkte ihren Blick, obwohl sie den Beiden noch immer den Rücken zuwandte. "Wie ich möchte...", wisperte sie beinahe lautlos und seufzte.
Es war so lange her, dass sie wirklich für sich selbst hatte entscheiden können, was sie wann und wie machte. Ein bisschen Freiheit hatte sie lediglich in der Art besessen, wie sie die anderen, verletzten und geschundenen Sklaven behandelte bei ihren Wunden und Krankheiten, sofern sie den Weg bis zu ihr überlebt hatten.
Erst die raschelnden Geräusche hinter sich halfen ihr, sich erneut zusammen reißen zu können und lockten ihre Neugier hervor. Sie schniefte noch einmal leise, wischte mit dem Handrücken unter ihrer Nase weg, was dort glitzern könnte, ehe sie sich halb umdrehte und nachsah.
Da erklärte der Zentaur bereits, was er vorhatte und erinnerte sie daran, dass sie ebenfalls etwas dazu beitragen wollte.
Ein zaghaftes, kaum wahrnehmbares Lächeln zuckte in ihrem Mundwinkel und sie deutete ein Nicken an. "Und ich sehe nach, ob wir hier was Passendes haben...", gab sie kleinlaut zum Besten und seufzte noch einmal.
Innerlich raffte sie sich auf, endlich auch was zu tun, sodass sie sich ein weiteres Mal abwandte und in Richtung Ende der Lichtung ging. Danika wollte schließlich nicht untätig bleiben, wenn sie schon überstimmt worden war in dem Punkt, dass der Proviant geteilt wurde. Schließlich waren auch die Beiden drauf und dran, ihren Aufgaben nachzugehen.
Und wenn sie fertig wären, das Feuer züngeln würde, könnte sie sich Allricks Wunde noch einmal ansehen. Das musste sie früher oder später, auch wenn sie kein Gewässer in der Nähe hatte, in dem sie die Bandagen reinigen könnte. Beim Feuer wäre es wenigstens schön warm, sodass er nicht zu sehr frieren musste, wenn sie ihn noch mehr von seinen Lumpen entblößte.
Sie selbst spürte die niedrigen Temperaturen ebenfalls deutlich, konnte sich darum im Moment jedoch noch nicht kümmern.
Am Rand der Lichtung ließ sie sich in die Hocke gleiten und warf einen Blick auf die Pflanzen am Boden. Schon auf Anhieb war ihre Befürchtung bestätigt, denn es war eindeutig nicht die Blütezeit der Kräuter. Trotzdem müsste sich das ein oder andere finden lassen. Sie suchte auf alle Fälle nach ein paar wenigen bestimmten, die sie im Neldoreth für gewöhnlich fast immer und überall finden konnte. Das betraf die Brennnessel, Holunder und Pfefferminze.
Allmählich wanderten ihre Augen über die verschiedenen Blätter und Blüten, während sie sich langsam, in hockender Stellung voran bewegte, um einmal den Rand der Lichtung rund herum zu suchen.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Donnerstag 29. September 2011, 10:35

Was Danika derzeit nicht einmal im Traum wagte, tat Velten so unbewusst, dass er selbst dann die Stirn gerunzelt hätte, wenn man es ihm sagte. Er verließ den Lagerplatz, um zu jagen. Noch immer überlegte er, welche Falle er bauen und welchen Köder er darin auslegen würde. Ein Blick zum Himmel half im Moment leider nicht der viel Das Dach der Zweige und des Laubes war zu dicht, um auch nur ansatzweise den Himmel zu erkennen. Er konnte bei der Tageszeit nur schätzen, vermutete aber, dass es bald dämmerte. Demnach kamen - zumindest in seiner Heimat, dem Arus - die Rebhühner, Kaninchen und anderen Kleintiere aus ihren Bauten, um zu fressen. Wenn er eine offene Lichtung mit vielen Gräsern fand, konnte er womöglich sogar ein Reh erlegen. Einen Hirsch würde er nicht schießen und seine Ricke auch nur dann, wenn sie Verletzungen oder ein hohes Alter aufwies. Dem Zentauren waren diese vierbeinigen Wesen zu nah am Erscheinungsbild Phauns, weshalb er ihnen den allerhöchsten Respekt entgegenbrachte. Da schoss er lieber auf einen Marder oder Fuchs. Das Fleisch des rotpelzigen Listigen war zudem nicht zu verachten. Er setzte nicht so viel Fett an wie ein dickes Kaninchen. Unerfahrene Jäger versteiften sich dann darauf, ein Langohr zu erlegen, weil sie sich reichlich Beute erhofften. Beim Ausweiden aber mussten sie dann feststellen, dass man die Fettanteile nicht nutzen konnte, wie man es sich vorgestellt hatte. Dafür hatte ein Waldhase sein Leben lassen müssen.
Auch Taimi hatte bei seinen ersten Jagdversuchen diesen Fehler begangen. Velten hielt in seinem Tun, eine Schlingfalle zu errichten, inne. Es schmerzte, an seinen Sohn zu denken und doch schürte es seine Entschlossenheit. Er würde ihn finden und nach Hause holen. Doch dazu müsste er reglmäßig rasten und essen. Geschwächt nutzte er weder seinem Sohn noch sich selbst. Also baute er die Falle fertig auf, stapfte langsam weiter durch das Unterholz. Einen Moment überlegte er, welches Werkzeug - denn im Moment sah er sie nicht als Waffen, die der Verteidigung dienten - er zum Erlegen seiner Beute verwenden sollte. Da Sehnen kostbar und schwieriger zu beschaffen waren als einen Schaft für seinen Speer, entschied er sich für die Langwaffe. Der Bogen blieb weiterhin über seinen Rücken gelegt. Den Speer nahm Velten nun in beide Hände. Er würde damit nicht schießen können und ein Wurf hoch ins Geäst, um einen Vogel zu erwischen, war eine sinnlose Angelegenheit. So achtete der Zentaur auf Büsche und Sträucher am Boden. Im Dickicht tummelten sich immer kleinere Wesen. Er lauschte, blickte sich aufmerksam um.
Dann raschelte plötzlich etwas in seiner Nähe. Eigentlich hatte er der Spur eines Dachses folgen wollen. Letztendlich ließ er sich aber auf das Rascheln ein, denn die Spur war alt, der Dachs vielleicht schon längst nicht mehr zu finden. Das Geräusch zur Seite geschobener Blätter und Zweige aber war ganz frisch und in der Nähe. Irgendetwas befand sich unweit von ihm und konnte vielleicht seinen, als auch Allricks und Danikas Magen füllen. Velten schritt vorsichtig voran. Das Moos unter seinen Hufen würde jeden einzelnen Tritt verschlucken.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Dienstag 4. Oktober 2011, 15:20

Änlich wie den anderen war Allrick nicht wirklich nach großem Gerede zumute. Das Wichtigste war, dass sie sich einen Rastplatz schaffen konnten um zu beratschlagen, wie es jetzt am Besten weiterginge, solange sie sich das noch leisten konnten. Der leere Fleck im Wald hatte für Allrick nun doch etwas Trostloses an sich. Unbehagen erfasste ihn leicht, obwohl er nicht genau verstand, warum. Irgendetwas verdarb dem Pelgarer seinen Intusiasmus. War es die Müdigkeit? Oder machte er sich zu viele Gedanken um Danicka, welche die Flucht wohl am meisten mitgenommen hatte. Ein kleiner Luftstoß, der die Lichtung inmitten des Waldes erreichen konnte, bewegte das spärliche Gras, welches sich noch des wuchernden Mooses erwehren konnte, es war schon etwas kühl. Viel Kleidung hatte man den beiden Sklaven nicht gelassen, umso dringlicher war es, ein Feuer zu machen. So lud Allrick seine Fundsachen an einer brauchbaren Stelle ab und streckte sich kurz, bevor er sich wieder ins Gebüsch verdrückte um Brennmaterial zu beschaffen und vielleicht auch selbst nocheinmal den Kopf frei zu bekommen.
Wies wohl weitergeht... Mit der Kleinen, mir und dem Pferdemenschen. Begleiten wir ihn? Bleibt überhaupt einer von uns lange beim anderen? Was, wenn die Visionen nur Wahnvorstellungen sind? Vielleicht bin ich auch einfach nur müde... Der Pelgarer bewegte sich durch das Gestrüpp, suchte fachmännisch nach brennbaren Materialien.
Trockene Zweige, tote Gebüsche, verharzte Hölzer, das war, wonach er suchen musste und was er nach einer ganzen Weile auch spährlich fand.
Dennoch verblieb er etwas im tiefen Grün etwas Abseits der Lichtung, er brauchte einfach etwas Luft für sich, ohne sich mit Danickas Anblick zu quälen.
Wie er so still dastand, konnte er hin und wieder ein leises Rascheln vernehmen, die Tiere um ihn herum bewegten sich wohl, da sie wussten, dass er keine Gefahr war. Durch seine Verletzungen und die Müdigkeit behindert, dazu unbewaffnet, war er für keines der Waldtiere wirklich eine Gefahr. Langsam ließ sich Allrick auf einem toten Baum nieder und sah sich um, während er sich durch das Gesicht strich, die Hölzer ruhten währenddessen noch an seiner Seite, sicher auf dem Boden.
Jetzt, wo sein Denken nicht mehr auf blanke Instinkte reduziert war, kam er ins Grübeln und wusste nicht mehr so recht, was er denken sollte. Allein würde er nicht weit kommen, er brauchte Danicka jedoch nicht nur dadurch, irgendwann fühlte er sich auch verpflichtet, ihr zu helfen. Waren das Vaterinstinkte? Vermutlich nicht, schließlich stand er in der Schuld der jungen Elfe.
Kalte Luft holte ihn erneut ein und ließ Allrick auf die Lichtung zurückkehren, wo er stumm und in Ruhe anfing, ein Feuerstelle vorzubereiten. Er wollte sich nichts anmerken lassen, denn er wollte sich nicht eingestehen, wie nachdenklich er gerade war.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 12. Oktober 2011, 08:22

Die junge Elfe versuchte zwar, sich zusammen zu reißen und sich auf ihr Vorhaben zu konzentrieren, allerdings wollte sie instinktiv aus Schutzmaßnahmen für sie alle drei auch wissen, wohin sich die anderen bewegten. So wurde sie erst einmal blass, als der Zentaur nicht einmal zu zögern schien, die Lichtung wieder zu verlassen.
Schwer schluckte sie und warf unbewusst einen Blick zurück zu ihrem Lagerplatz im eigentlichen Sinn. Er hatte das Paket mit dem Proviant, das er mit ihnen teilen wollte, zurück gelassen. Auch wenn es nicht sonderlich viele Argumente dafür gab, wollte Danika daran glauben, dass es von ihm ein Zeichen war, dass er wirklich wieder zurück kehren würde zu ihnen. Und selbst wenn nicht, was sie irgendwie nicht hoffte, hätten sie etwas Nahrung, ohne viel dafür tun zu müssen.
Lautlos seufzte sie und wollte lieber weiter nach den passenden Kräutern suchen.

Indes war Velten damit beschäftigt, für den fleischhaltigen Anteil des kommenden Essens zu sorgen. Da war natürlich nicht nur die Frage, was für eine Art der Falle und ob er überhaupt eine aufbauen sollte, sondern auch, für welche Art von Tier sie geeignet sein sollte. Dabei hatte er jedoch eine relativ ungünstige Zeit erwischt, wenngleich er das nicht sehen konnte.
Die Dämmerung war noch zwei oder drei Stunden entfernt und trotzdem hatte die Sonne kaum die Chance, bis zum Boden zu dringen. Das lag nicht allein am dichten Blätterdach, sondern vor allem an der langgezogenen Bewölkung, die sich über dem Neldoreth derzeit einfach nicht lösen wollte. Für die eine Art von Tieren war es demnach schon zu spät, für die andere noch zu früh. Aber es wäre verfrüht zu sagen, der Zentaur sollte schon aufgeben, noch dazu, wo sein eigener Magen ebenfalls dafür stimmte, ihn wieder mit Nahrung zu füllen.
Also machte er weiter und konstruierte sogar eine Schlinge. Vielleicht würde da ja ein ahnungsloses, unerfahrenes Tier hinein tappen.
Über ihm saß, bisher unbemerkt, ein Vogel und döste friedlich vor sich hin. Nur einen flüchtigen Blick war diesem Wesen das ungewöhnliche Tun unter sich wert. Erst dann wurde es interessant, als es in der Nähe zu rascheln begann. Es war nicht so laut, wie es auf ein großes Tier hindeuten würde, jedoch ausreichend, um auch den Jagdinstinkt des Konkurrenten zu wecken.
Er bewegte sich leicht und machte sich bereit für den Abflug. Zur selben Zeit näherte sich auch der viel größere Velten, so wenig er durch seine Erscheinung den Vogel auch beeindruckte. Von dem erhöhten Sitzplatz aus konnten die scharfen Augen besser die Bewegungen im Gebüsch erkennen.
Und dann war es soweit. Als Velten eine günstige Gelegenheit zum Angriff hatte, nutzte diesen Moment ebenfalls der Konkurrent.
Mit einem Angriffsschrei stürzte er herab, direkt vor dem Zentauren und schnappte sich das Kleintier aus dem Gebüsch, ehe der Speer es erwischen konnte.
Kurz sah er zu Velten, als wolle er ihm seinen Triumph noch mal verdeutlichen, ehe er mit seiner Beute wegflog, um sie in Sicherheit für sich zu bringen und dort zu verspeisen.

Indes konnte Danika zusehen, wie Allrick ebenfalls fündig wurde und Brennmaterial heran schleppte. Was sie daran erinnerte, dass die Luft sehr frisch und ihr schon länger kalt war. Bisher hatte sie dieses körperliche Bedürfnis nach Wärme erfolgreich vergessen und ignorieren können. Nun jedoch begann sie leicht zu zittern und sogar ihre Zähne schlugen leise aufeinander. Ihre Finger fühlten sich ebenfalls schon ein wenig steif an.
So zupfte sie noch das letzte Kraut heraus und ging dann rasch zu ihrem Begleiter, um bei seinem Feuer Wärme zu finden.
Sie setzte sich nahe an den Rand der Stelle, die Allrick mit Steinen abgesichert hatte, damit das Feuer nicht um sich greifen und verheerend werden konnte, legte die Kräuter dicht neben sich, um sie rasch wieder greifen zu können.
Dort zog sie die mageren Beine an und schlug die noch dünneren Arme darum, um sich kleiner zu machen, in dem Versuch, nicht so stark zu frieren. Dabei sah sie ihrem Begleiter in seinem Tun zu und lächelte sogar leicht, auch, weil sie sich von ihrem Ausbruch ein wenig erholt hatte.
"Du hast so was öfters gemacht, oder?", fragte sie, um nicht selbst wieder ins Nachdenken zu kommen.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Montag 17. Oktober 2011, 10:36

Die Falle war platziert. Ob sich darin ein Tierchen verirren würde, blieb abzuwarten. Den Stand von Sonne, respektive Mond oder Sternen konnte der Zentaur nicht ausmachen. Es war bewölkt, er vermutete aber, dass die Nacht noch nicht hereingebrochen war. Dazu war es noch zu hell. Die genaue Tageszeit ließ sich leider nicht so gut abschätzen, folglich also auch nicht, welche potenzielle Beute derzeit unterwegs war. Velten kümmerte es nicht sonderlich, ob er jetzt oder später etwas fing. Wenn er von der Jagd zu den beiden Menschen zurückkehrte, würde er die Falle noch einmal aufsuchen. Hatte sich bis dahin nichts darin verfangen, konnte er sie immer noch untersuchen, wenn er nach der Rast aufbrach. Erst dann würde er sich überlegen, sie wieder abzubauen - gutes Material sollte er nicht im Wald liegen lassen. Selbst eine Schlingenfalle ließ sich wiederverwenden.
Jetzt konzentrierte sich der geduldige Vierbeiner aber auf die aktive Jagd. Mit dem Speer bewaffnet stapfte er durch das Dickicht. Kein Hufschlag war zu hören. Er bewegte sich bewusst auf Flächen, die die Geräusche seiner Schritte soweit verschluckten, wie es natürlich war. In Wäldern knackte hier und da immer mal ein Ast oder es raschelte irgendwo, weil der Wind mit den Blättern spielte. Tarnung war ein ausgewogenes Maß aus Stille und den natürlichen Geräuschen. Es konnte auch zu still werden und das erregte meist mehr Aufmerksamkeit bei der Beute, als wenn er sich hin und wieder einen kleinen Laut zumutete. Ganz in seiner Nähe hatte es soeben einen solchen Laut gegeben. Velten rollte mit den Schultern. Jetzt waren Konzentration und die Fähigkeiten eines zentaurischen Jägers gefragt. So gut es für ein Wesen seiner Art ging, schlich er sich an. Vorsichtig und sehr bedacht setzte er einen Huf vor den anderen.
Er kam dem Lebewesen, welches für das Rascheln im Dickicht verantwortlich war, beträchtlich nahe. Nun wurde es Zeit den Angriff vorzubereiten. Veltens Griff um das polierte Holt seines Speeres festigte sich. Er hob die Jagdwaffe etwas an, bereit, in den Strauch zu stoßen. Er hatte jedoch nicht mit einem vorwitzigen Vogel gerechnet, der ebenfalls auf Beutezug aus war. Schon schoss der Gefiederte an ihm vorbei. Velten spürte einen dünnen Luftzug, konzentrierte sich aber auf den Schatten, der da zwischen den Blättern verschwand, nur um im nächsten Augenblick mit der Beute wieder daraus hervor zu kommen und sich auf den nächst gelegenen Baum zurückzuziehen. Der Zentaur senkte den Speer. Sein Blick hatte den Konkurrenten verfolgt und suchte ihn nun auf den oberen Zweigen. Da! Er hockte selbstzufrieden auf einem Ast. Seine Krallen klammerten sich um das Beutetier, mit dem Schnabel zupfte er bereits das Fell aus. Velten nickte anerkennend. Dieser Jäger hatte seine Unaufmerksamkeit für die Umgebung ausgenutzt und gewonnen. Ich habe mich zu sehr auf mein Ziel konzentriert und dabei Nebenbuhler außer Acht gelassen. Das war beinahe ein Anfängerfehler.
Normalerweise hätte der Zentaur den Vogel nun in Frieden gelassen. Er akzeptierte, wenn die Natur einen besseren Jäger hervor brachte als ihn und diesen mit seiner auserkorenen Beute belohnte. Heute durfte er darauf aber keine Rücksicht nehmen. An seinem Lagerplatz befanden sich zwei Menschen, die seiner Meinung nach zu erschöpft waren, um jetzt selbst zu jagen. Er hatte ihnen zwar Proviant zurückgelassen, doch der würde nicht ewig reichen. Zudem meldete sich sein Magen. Nicht knurrend, er blieb still. Aber er zog sich unangenehm zusammen, was bei ihm ein deutliches Zeichen war, dass er gefüllt werden wollte. Velten musste den gefiederten Jäger nun zur Beute machen, wenn er nicht mit leeren Händen - und Magen - zurückkehren wollte.
Erneut hob er den Speer. Ein Blinzeln nur, dann zielte er ... und wartete, senkte die Waffe wieder. Der Vogel war mit Fressen beschäftigt, genauer mit der Vorbereitung. Er musste dem Kleintier erst das Fell auszupfen, damit er an das saftige Fleisch heran kam, ohne ständig Haare mit zu verspeisen. Er war abgelenkt, fühlte sich auf seinem Ast sicher. Mit dem Speer hätte Velten den Vogel auch nicht erreichen können. Selbst bei gutem Zielen bestand immer noch die Möglichkeit, dass er nicht traf und wenn er anschließend den Bogen spannte, wäre das Tier längst geflohen. So lehnte er die Jagdwaffe an einen dicken Stamm und nahm den Bogen ab. Er zückte gleich zwei Pfeile aus seinem Köcher. Den einen wollte er sofort verschießen und - falls er sein Ziel nicht traf - den nächsten hinterher jagen. Gemächlich legte er den Pfeil auf. Seine Finger glitten über die Federn am unteren Ende. Er hatte sie einer Schwalbe entnommen, die zufällig ihren Weg in die Wälder und dann in eine seiner Fallen gefunden hatte. Phaun, hilf, betete der Gescheckte in Gedanken, denn er brauchte die Nahrung. Er jagte nicht, um sich aus dem Erlegen anderer Lebewesen einen Spaß zu machen. Der weiße Hirschgott würde das verstehen und ihn vielleicht unterstützen.
Velten spannte den Bogen. Sein Atem ging ganz ruhig. Seine Muskeln festigten sich unter der Haut, als er kraftvoll die Sehne zurückzog. Dann ließ er den Pfeil los und mit einem fast lautlosen Sirren schwirrte das am Kopf angespitzte Geschoss ins Geäst.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Montag 17. Oktober 2011, 14:04

Allrick war kalt, erst jetzt empfand er wieder das, was ihm die Flucht erst genommen hatte. Er fror, seine nackte Haut zuckte innerlich und fühlte sich doch starr und tot an. Kaum vermochte er sie zu berühren, fast fürchtete der Pelgarer, dass sie einfach abblätterte. Sicher mochte noch kein echter Winter aufgezogen sein, es war dennoch kalt genug um einen verschwitzten, halb-nackten Mann zum Zittern zu bringen.
Routiniert hantierte Allrick mit den gefundenen Hölzern herum, platzierte sie in der Feuerstelle um das zuvor preparierte Vogelnest herum, klemmte einiges an Federflaum zusammen. Selbigen hatte er im Vogelnest gefunden, in Notsituationen waren sie wirklich Gold wert. Den langen Stock hatte Allrick derweil neben sich auf den Boden gelegt, Hippen, Speere und andere Stangenwaffen, damit kannte sich der Pelgarer noch einigermaßen aus und da es unwahrscheinlich war, hier ein Beil oder Schwert in die Hand zu bekommen, war er mit diesem langen Stück Holz gut bedient.
Mit festem Blick starrte er auf seine Arbeit, bastelte Bedächtig daran herum, denn er wollte es nicht auf einen zweiten Versuch ankommen lassen. Schließlich schlich sich doch ungeduld in Allricks Arbeit und Danickas Stimme drang leise an sein Ohr. Verwundert sah er die junge Elfe an, da ihm überhaupt nicht aufgefallen war, dass sie sich gesetzt hatte. Sie lächelte ihn leicht an und vermittelte dem alten Mann irgendwie ein Gefühl, dass ihn hoffen ließ, wenn auch seine Stimmung nach wie vor eher mies war.
Auf Danickas Bemerkung hin nickte Allrick knapp. "Es ist mein Handwerk, ein Glück, dass ich das Nötigste zusammenkratzen konnte. Mit etwas Glück ists mit der Kälte bald vorerst vorbei." Er grinste Danicka leicht entgegen, es gab schließlich auch Anlass dazu, wenn man es genau überdachte. Hätte Danicka ihn nicht angesprochen, hätte Allrick das völlig übersehen. Näher darauf einzugehen, was er gearbeitet hatte, schien ihm vorerst unwichtig zu sein. Dafür war noch Zeit, wenn sie es warm hatten und etwas essen konnten. "Jetzt mal unter uns: Was hälst du von ihm?" Raunte der Pelgarer, Dabei deutete er kurz inrichtung der Büsche, in denen Velten verschwunden war.
Noch während er mit fragendem Blick auf eine Antwort wartete, gelang es ihm tatsächlich, den feinen Flaum in Brand zu setzen und legte sachte seine Hände darum, dass der Wind das glimmende Etwas nicht erlöschen konnte.
Sachte bließ er seinen Atem hinein, bevor er den Flaum sicher in der Feuerstelle ablegte, noch etwas trockenes Laub dazulegte, sodass es um den Flaum in Brand kähme und das Holz entzünden konnte.
Guter Hoffnung strich sich Allrick mit dem Handrücken über die Stirn, fuhr dann mit den Fingern durch seinen Bart. Mit einem erleichterten Seufzer musterte er Danicka. Sie ist wirklich total angemagert. Und dann verweigert sie noch das Geschenk des Pferdemenschen. Etwas dumm, aber auch tapfer. Sein Blick fiel auf Danickas Ausbeute an Pflanzen und Kräutern neben ihr. Er verstand nicht viel davon, wusste nur das Nötigste, nämlich was man essen konnte und was nicht. "Erfolg gehabt?"
Fragte er in einem irgendwie väterlichen Tonfall, einem freundlichen Tonfall, denn Velten war eigentlich nicht das beste Gesprächsthema, wenn man grade versuchte, ein wenig Hoffnung zu schöpfen. Zumindest sah Allrick das so, denn so recht warm werden, würde er mit dem Vierbeiner wohl vorerst nicht, zumal er es für am Wichtigsten hielt, dass er und Danicka durchkamen. Was den Pferdmenschen anging, war Allrick eher mäßig interessiert, schließlich war er im Prinzip groß, stark und selbstbewusst genug um allein klar zu kommen.
Sachte fächerte Allrick dem entstehenden Geglühe etwass Luft zu, nicht zu viel, grade genug, dass es nicht ausging und bald hatten sie tatsächlich ein kleines Feuerchen vor sich, auf das man bald etwas größeres Holz legen konnte.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 21. Oktober 2011, 11:17

Man merkte dem Gedankenverlauf des Zentauren deutlich an, dass ihm das Handwerk der Jagd im Laufe der Zeit in Fleisch und Blut übergegangen war. Anders ließe sich auch nicht erklären, dass er trotz seiner Sorge um seinen Sohn sogar Überlegungen darüber anstellte, ob er brauchbares Fallenmaterial mitnehmen und wieder verwenden sollte oder nicht. Es war allerdings auch ein gutes Zeichen, denn solange er sich noch auf andere Dinge besinnen konnte, wäre er nicht besessen von der Vorstellungen, Taimi zu retten. Natürlich hatte es oberste Priorität, das war zweifellos, doch wenn er an überhaupt nichts anderes mehr denken könnte, wäre er eine Gefahr für sich selbst. Er würde sich nicht mehr drum kümmern, dass er bei Kräften blieb, und wäre obendrein anfällig dafür, selbst in aufgestellte Fallen zu tappen.
Trotzdem hatte er nicht sofort Glück und müsste die Schlinge im Unterholz liegen lassen, um vielleicht später eine Beute darin vorfinden zu können. Im Moment allerdings war er als Störenfried selbst zu präsent, als dass sich ein scheues Kleintier heran wagen würde, denn noch erweckte er misstrauen. Da war es wirklich klüger, persönlich und handelnd dafür zu sorgen, dass sein Vorhaben der Jagd erfolgreich enden könnte.
Das Mischwesen ging vollständig in seiner Rolle als Jäger auf, achtete die Gesetze, die ihn sein Vater und die Erfahrung gelehrt hatten, und pirschte sich heran. Allein, er machte einen winzigen Fehler. Er achtete eine Spur weit zu wenig auf seine Umgebung, warf keinen einzigen Blick hinauf in das Geäst.
So konnte es geschehen, dass er den Konkurrenten nicht kommen sah und schon gar nicht verhindern konnte, dass dieser ihm die Beute vor der Nase wegschnappte. Der Vogel war geübt und schnappte sich erfolgreich sein Fressen, ehe er dieses auf einen hohen Ast in Sicherheit brachte, um es dort erst einmal zu bearbeiten. Trotz der Entfernung blieb er aufmerksam und alle paar Sekunden hielt er inne, als wolle er lauschen.
Jedoch, anstatt dass Velten nun ob seiner scheinbaren Niederlage zu fluchen begann, erkannte er an, dass es an seinem Fehlverhalten selbst gelegen hatte. Vielleicht war das auch gut so und eine Mahnung, denn auch wenn er alles tun wollte, um seinen Sohn zu befreien, könnte es ihm dabei ebenfalls derartig ergehen. Er müsste sich auf jeden Fall darauf besinnen, in Zukunft wieder mehr und bewusster auf die Umgebung zu achten.
Nun aber konnte er daran gehen, den Vogel selbst zur Beute zu machen. Der Zentaur griff dabei zu Pfeil und Bogen, der derzeit passendsten Waffe. Kurz und geübt gezielt, gespannt und geschossen.
Das Tier schrie protestierend auf, als würde er den Konkurrenten schimpfen, wie er es wagen konnte, ihn bei seiner Nahrungsration des Tages stören könnte. Seine eigene Beute hatte er noch in den Klauen, da er sie instinktiv nicht losgelassen hatte.
Doch nun war er nervös und kam nicht rechtzeitig durch das zusätzliche Gewicht in die Höhe. Trotzdem war es ein bewegliches Ziel und das konnte man in dem Blättergewirr nur schwer direkt treffen.
Erneut schrie der Vogel auf, diesmal allerdings weitaus gequälter, kurz bevor es ein dumpfes Geräusch gab. Ein Flügel wurde getroffen und durch den Schwung prallte der Räuber gegen einen Baumstamm. Die Beute ließ er dabei los und sie fiel mit einem lauten Rascheln zu Boden.
Knapp gefolgt von dem Vogel, der dennoch natürlich versuchte, wieder in die Höhe zu kommen. Der Pfeil jedoch hatte seinen rechten Flügel gebrochen und war nicht stecken geblieben.

Bei dem kleinen, behelfsmäßigen Lager nahmen in der Zwischenzeit die beiden geflohenen Sklaven die Kälte wieder wahr und das beinahe stärker als je zuvor. Und das, obwohl die Nacht noch nicht einmal angebrochen war! Ein Feuer wäre also nicht nur wegen dem Essen notwendig, sondern vor allem, um sich endlich ein bisschen wärmen zu können, wollten sie nicht den Erfrierungstod erleben müssen.
Um sich ein bisschen davon abzulenken und in der Hoffnung, bald ein wenig von den kommenden Flammen abzubekommen, hatte sie sich bereits näher gesetzt und versuchte, ein Gespräch zu beginnen. Außerdem dachte sie natürlich an die Gefahr und versuchte, die Fläche schützend einzugrenzen.
Leise Neugier stieg allmählich wieder in ihr auf und sie hatte einfach das Gefühl, sie müsste ihn aus seinem Schweigen holen. "Dein Handwerk? Was war das denn genau?", hakte sie leise, fast etwas scheu, nach, um ihn weiter zum Reden zu bringen.
Wenngleich er vorerst davon ablenkte, indem er auf Velten zu sprechen kam. Danika zuckte eine Spur weit hilflos mit den Schultern und zog sie dann gleich hoch, weil ihr durch die Bewegung nur kälter wurde.
"Ich... weiß nicht. Ich habe noch nie mit einem seiner Art zu tun und kann nicht sagen, ob sie alle so sind oder nur er. Aber irgendwie... ist er merkwürdig. Er hilft uns und trotzdem wirkt er, als würde er sich gar nicht länger hier aufhalten wollen. Außerdem... scheint er allein unterwegs zu sein. Ich dachte immer, Zentauren wären immer in einer Gruppe.", murmelte sie leise und senkte schuldbewusst den Blick, weil sie hinter dem Rücken einer Person über diese sprach. Auch wenn es neutral und nicht schlecht war, meldete sich dennoch ihr Gewissen.
Indes schaffte ihr Begleiter es endlich, ein Feuerchen zu entfachen. "Oh, herrlich!", keuchte sie und rückte gleich einmal näher, um sofort Wärme einzufangen.
Als er sie wieder ansprach, sah sie fragend auf und folgte erst dann seinem Blick.
Ein Lächeln zuckte erneut in ihrem Mundwinkel, als sie ein Nicken andeutete. "Ja, spärlich, aber doch. Ich hab auch was gefunden, was gegen deine Schmerzen helfen sollte und die Heilung ein bisschen beschleunigen kann.", erklärte sie ihm.
Danach sah sie ihm dabei zu, wie er das Feuer allmählich vergrößern konnte.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 23. Oktober 2011, 11:22

Der Pelgarer war ganz in seinem Element, als er weiter am immer heller leuchtenden Feuer herumdokterte, dabei hörte er Danicka zu und musste innerlich ein wenig grinsen. Es war schön, sie ohne schwere Last sprechen zu hören, ungewohnt im Allgemeinen, aber dennoch schön. Wie ein Sonnenaufgang für jemanden ungewohnt-schön war, der nur unter der Erde gehaust hatte und das erste Mal an die Oberfläche kam. Schuldbewusstsein zeichnete das Gesicht der jungen Elfe als sie Allrick ein paar Dinge über Velten erzählte, oder zumindest über seine Art und ihre Einstellung. Beschämte es sie etwas so zu sprechen? Es war beeindruckend, wie in dieser Welt jemand noch so unschuldig sein konnte. Die Freude, die dem jungen Mädchen im Gesicht stand, als es endlich etwas wärmer wurde füllte diesen kleinen Moment mit etwas Hoffnung. Eine seltene Blume war sie, das konnte niemand verleugnen. Zeitgleich nickte Allrick ihr ermunternd zu, als sie von den Kräutern sprach. "Freut mich, dass du Erfolg hattest. Dann bin ich dir ein nicht mehr ganz so schwerer Klotz am Bein." Sicher hätte sie ihm widersprochen, ob er diesen Satz ernst meinte oder nicht, so begleitete er den Kommentar mit einem kleinen Zwinkern. Es war ihre erste Rast in festerer Freiheit, sie sollten wenigstens diesen Abend nicht mit Trübsal blasen verschwenden, fand Allrick.
Mit einem dürren Stöckchen fachte er ein wenig die Glut an, während er überlegte, wie er auf Danickas vorher gestellt Frage antworten sollte.
"Weißt du was ein Köhler ist?" Der Pelgarer war sich nicht sicher, ob die Elfen soetwas hatten. Selbst unter Menschen kannten viele dieses Wort nicht, obwohl Köhler grade in Pelgar ein gut besetztes Handwerk waren. Es kam ursprünglich von den Zwergen, welche die Kohle für ihre Eisenschmelzen brauchten, wobei die entstandene Holzkohle mehr als Beigabe fungierte. Die Leute Pelgars hingegen machten es eher andersherum, da Steinkohle für sie sehr teuer war.

"Ist noch gar nicht solange her, da habe ich in einem Wald wie diesem hier gearbeitet. Mit meiner Frau zusammen, wir hatten eine kleine Hütte und ein paar Pferde." Kurz wurde Allrick ein wenig wehmütig, doch nicht lange, er wollte dem jungen Mädchen den Abend nicht verderben. "Du hättest sie gemocht, denke ich." Dabei legte er etwas Holz nach und sah dabei zu, wie es in Brand kam und sie beide gegen die Kälte anstrahlte.
Als er sich mehr oder minder sicher war, dass das Feuer nicht gleich wieder ausgehen würde, sah sich Allrick nach dem Proviantbündel um und rappelte sich auf, es zu holen.
Nicht um es gleich zu öffnen und zu vertilgen, er wollte es lediglich beim Feuer haben, damit es sich etwas erwärmen konnte.
So ging er die paar Schritte und laß das Päckchen mit ihm noch unbekannter Füllung auf. Einen kurzen Moment besah Allrick es sich fast andächtig, strich mit der Hand darüber dachte nach. Das, was hinter ihm lag und ihm viel bedeutet hatte, es lag alles auf einer Lichtung wie dieser hier, erst jetzt fiel es dem Pelgarer auf. Leise murmelte er noch etwas in sich hinein, bevor er sich wieder zu Danicka zurückbegab. "Du hättest sie bestimmt gemocht." Ständig gedachte er seiner Frau, als ob sie mit Sicherheit tot war, obwohl es keinen Beweis dafür gab. Vermutlich war es ihm lieber, so von ihr zu denken, statt sich an sinnlose Träume zu klammern. Langsam ging er das kurze Stück zurück zur Feuerstelle, der dürren Elfe entgegen, hielt dabei das Päckchen hoch.
"Wir lassen es am Feuer etwas warm werden und essen dann, wenn der Zentauer wieder zurück ist, oder?" Ein bisschen gut Wetter machen war jetzt das Richtige, dachte er sich und ließ sich wieder beim Feuer nieder, legte das Päckchen neben sich ans Feuer und machte sich wieder etwas daran zu schaffen. Es war schnell wieder etwas wärmer geworden, er verstand sein Handwerk wirklich noch.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Sonntag 23. Oktober 2011, 15:46

Natürlich war Velten weiterhin um seinen Jungen besorgt. Wo mochte Taimi stecken? Ging es ihm gut? War er verletzt? Aber der Vater ließ sich von seinen Gedanken nicht zu stark beeinflussen. Er blieb ruhig und besonnen, durfte nicht in Panik geraten. Das brachte weder ihm noch seinem Sohn etwas. Genauso musste er auf sich achten, dass er wohlgenährt und unverletzt blieb. Er konnte Taimi nicht helfen, wenn er ausgehungert und schwach weiter suchte. Möglicherweise - ja, ganz sicher - brauchte er Hilfe und demzufolge auch einen Vater, der in der Lage war, zu helfen. Nicht jeder dachte in diesen vernünftigen Bahnen, Velten allerdings schon und so schob er sämtliche sorgenvollen Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf die Jagd.
Velten wollte seinen jüngsten Fehler bereinigen. Ein anderer, ein Vogel, hatte seine Beute erhascht und die würde er sich nun zurück holen. Da er mit dem Speer hier nicht weiter kam, nutzte er nun doch den Bogen und schoss einen seiner angespitzten Holzpfeile ab. Er traf, doch der Konkurrent wollte die Beute nicht fallen lassen. Stattdessen stürzte er mit ihr von dem Ast, dass es einen dumpfen Aufschlag gab. Velten legte sich den Bogen um und trat an das Abgeschossene heran. Er beugte sich vor, damit er es genauer in Augenschein nehmen konnte.
Der Vogel lebte noch, sein Flügel schien verletzt - in allen anderen Fällen hätte er sich sonst nun aus dem Staub gemacht. Zudem bestätigte sein ungelenkes Flattern mit der Schwinge die Vermutungen des Zentauren. Vorsichtig ging er mit den Vorderbeinen in die Knie, es folgten die Hinterläufe, so dass er sich letztendlich zu dem toten Tier und seinem verletzten Jäger bettete. Ein Brummen drang über seine Lippen, das war aber auch das einzige Geräusch, welches der Vierbeiner von sich gab. Er griff nach dem Vogel, hob ihn auf und ignorierte dessen Protest. Er umfasst die Füße, hob und senkte seinen Arm in langsamen Bewegungen. Dann nickte er. Ja, der getroffene Flügel war eindeutig gebrochen. "Wir haben beide gut gejagt", sagte er, schnappte sich dann mit der freien Hand die Beute und lud sie sich auf den breiten Rücken.
Ein wenig ungelenk erhob er sich, ließ den Vogel allerdings nicht los. Als dieser aber den Versuch wagte, nach seiner Hand zu hacken, drückte Velten ihm den Schnabel zu. "Du solltest mich besser nicht beißen. Ich könnte dich auch hier liegen lassen." Mit Beute und Konkurrent machte er sich also auf den Rückweg. Das Erlegte würde ausreichen und zur Not würde er dem Leben des erfolglosen Jägers ein Ende setzen - wenn dieser sich zu sehr gegen die Hilfe sträubte. Velten war kein Unzentaur. Er würde den Vogel weder hier liegen noch sterben lassen. Am Lager besaß er die Ruhe, nach dessen Flügel zu sehen. Nur weil dem Tier dieses Mal die Jagd nicht geglückt war, hatte es nicht verdient, ewig ein Krüppel zu bleiben. Gerade Vögel sollten fliegen können.
Auf dem Rückweg sah er noch einmal nach seiner Schlinge, glaubte jedoch nicht an einen Erfolg. Dazu war er nicht lange genug fort gewesen. Er würde sie nach der Rast erneut aufsuchen und notgedrungen abbauen. Jetzt hieß es erst einmal zum Menschen und der Elfe zurück.

Wie er zufrieden feststellen durfte, hatte Allrick sich wirklich um ein Feuer gekümmert. Das Licht war schon aus geringer Distanz zu erkennen. Velten trat zwischen den Bäumen auf die Lichtung. "Ich hatte Erfolg", sagte er, lud die Beute beim Feuer ab und anschließend sich selbst. Er legte sich seitlich zum Feuer, den Oberkörper weiterhin aufrecht haltend. So würden die Flammen den Großteil seines pferdeähnlichen Körpers wärmen. Den Vogel hielt er vor sich, machte sich an dessen genauere Untersuchung.
Nach einem Moment schaute er auf. "Habt ihr Zweige, aus denen ich eine Schiene bauen könnte?" Natürlich hätte er auch selbst welche zusammensuchen können, aber dann hätte Velten den Vogel an Allrick überreichen müssen und irgendwie wollte er diese Verantwortung nicht an einen Menschen abgeben. Durch ihn war der Vogel verletzt worden, also würde er ihn auch versorgen, bis man ihn wieder in die Freiheit entlassen konnte. Um die Zubereitung des Essens konnten sich er und Danika ja kümmern, darin sah der Zentaur keine Probleme.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 30. Oktober 2011, 18:56

Die junge Elfe war ebenfalls froh darüber, endlich ein Theme zum Reden gefunden zu haben, das sie ablenkte von der Kälte, dem leeren Gefühl in ihrem Magen und der Erinnerung. Auch wenn ihr bewusst war, dass dieser Zustand nicht lange anhalten konnte und würde, war es wohltuend, das wenigstens für kurze Zeit zu genießen.
Außerdem hatte er ihre Neugier wecken können, denn bisher hatten sie noch keine freie Minute gehabt, über seine Vergangenheit zu sprechen, jene, die vor der Begegnung mit den Soldaten der Dunklen Armee stattgefunden hatte. Dass diese ebenfalls ein sehr trauriges Kapitel beinhaltete, war ihr nicht bekannt, sonst hätte sie womöglich nicht nachgebohrt und mehr Rücksicht genommen. So allerdings gab es nichts, das ihre Fragen dämpfen würde.
Obwohl es leider nicht lange anhielt, da er sich seinerseits natürlich für den Zentauren interessierte. Ob das normal für Menschen war? Konnte es sein, dass sie einen Kontakt mit solch einem Wesen nicht so leicht für möglich hielten, dass er sich jetzt lieber darüber unterhielt als sie? Für Danika war es nicht wichtig, was genau Velten war, sondern nur wie er sich ihr gegenüber verhielt. Und derzeit war er hilfsbereit, sodass sie nicht gerne darüber sprach, dass er ihr eigentlich nicht ganz geheuer war. Womöglich spielte da einfach noch der anfängliche Moment ihrer Begegnung mit, dass er einen Pfeil auf sie als Waffe gerichtet hatte. Wie auch immer, sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil es obendrein in seiner Abwesenheit geschah.
Da beschäftigte sie sich viel lieber mit dem Feuer, dessen wohltuende Wärme sie erreichte, als Allrick es endlich geschafft und entzündet hatte. Wenngleich es noch klein und keineswegs ausreichend war, war sie ihm allein dafür dankbar.
Die niedrigen Flammen spiegelten sich in ihren Augen wider und zauberten Leben hinein, das daraus durch die Gefangenschaft einstweilen noch verschwunden war. Vielleicht würde sie es mit viel Zeit wieder gewinnen, doch derzeit war daran natürlich noch nicht zu denken, zu tief steckte ihr all das noch in den Knochen.
Als er sie zu ihren Kräutern befragte, gab sie bereitwillig Auskunft und tatsächlich, im ersten Atemzug glaubte sie, er meinte das ernst. Dann aber war da sein Augenzwinkern und das löste in ihr etwas, was sich gleich darauf wieder tief in ihrem Unterbewusstsein vergrub. Sie war früher immer freundlich und zeitweise auch ein Schelm gewesen. Das zeigte sich flüchtig, als sie mit einem Hauch von Grinsen spöttelnd erwiderte:"Ich tue das nur, um ein Reittier zu bekommen."
Daraufhin war es jedoch auch schon wieder fort und sie seufzte lautlos. "Ich hoffe, sie reichen aus, bis ich mehr davon gefunden habe. Zu dieser Jahreszeit wächst das leider nicht in den Maßen, wie es deine Wunden bräuchten.", fügte sie, wieder ernst, hinzu.
Bei seiner nächsten Frage sah sie ihn, unschuldig und unbedarft wie ein kleines Kind den großen, welterfahrenen Onkel, an und schüttelte den Kopf. Nein, so ein Wort kannte sie nicht, allerdings zeigte der Ausdruck ihrer Augen, dass sie mehr drüber hören würde.
Was er auch zu verstehen schien, denn er erzählte weiter. Wobei sie das Gefühl hatte, an etwas gerührt zu haben, dass sie besser hätte ruhen lassen. Sie blinzelte vor Unverständnis und beobachtete ihn, wie er sich kurz entfernte.
"Willst du denn nicht zu deiner Frau zurück? Wenn du weißt, wo das ist, kann ich im Wald dich gerne führen, da kenn ich mich aus.", schlug sie vor und blinzelte erneut, als er seinen vorigen Satz wiederholte.
Den Kopf legte sie leicht schief und sah ihn fragend an, was diese Worte bedeuten sollten. Sie wusste noch zu wenig von ihm, als dass sie die richtigen Schlüsse hätte ziehen können.
Bei seinem Vorschlag indes nickte sie. "Ja, warten wir, vielleicht fängt er ja was, weil Phaun uns gnädig ist.", erwiderte sie und hoffte gleichzeitig, dass Velten keinen Erfolg hätte. Sie war sich nicht sicher, ob sie derzeit ein totes Tier im Ganzen sehen könnte.

Indes hatte auch der Vogel einen Fehler gemacht und sich zu sicher auf seinem Ast gefühlt, seinem Konkurrenten überlegen, dem er die Beute stibitzt hatte. So wurde er durch den ersten Pfeil aufgescheucht, wollte sein Fressen trotzdem nicht hergeben und kam dadurch nicht rasch genug in die Luft. Das Ergebnis war ein Zusammenprall durch den Treffer des zweitens Pfeils mit dem Baumstamm. Das Tier kreischte auf und fiel verletzt zu Boden, wo er benommen vorerst liegen blieb. Velten hätte ihn problemlos aufsammeln, ihm das Genick brechen und mit einer doppelten Beute zum improvisierten Lager zurück kehren können.
Doch sobald der große Schatten auf ihn fiel, versuchte der Vogel instinktiv zu entkommen. Nur konnte er das mit seinem gebrochenen Flügel naturgemäß nicht und bewegte sich eher hoffnungslos ungelenk, denn wirklich effektiv. Außerdem krächzte er, als könne er mit seiner Stimme den Feind verscheuchen.
Noch lauter wurde er dabei, als dieser es wagte, ihn zu schnappen. In Todesangst, die er in Aggressivität umzuwandeln versuchte, wollte er sich wehren und hakte nach dem Arm, den er erreichen konnte. Der Schnabel war spitz und ritzte die Haut zwar, tiefer konnte er aber nicht dringen, dazu war der Griff an seinen Beinen zu hinderlich.
Er wurde geschüttelt und versuchte wieder, mit seinen Flügeln endlich wegzufliegen, ohne Erfolg.
Der Zentaur erhob sich und nach einem weiteren Probieren, ihn zu verletzen, wurde auf einmal sein Schnabel zugehalten und ihm angedroht, hier liegen gelassen zu werden. Böse funkelte der Vogel den größeren Jäger an.
Jedoch... was war das? Das wirkte wie ein typisch, weiblich-empörter Blick, erinnerte fast an jenen von Veltens Gefährtin, wenn dieser etwas in ihren Augen Wichtiges vergessen oder zu spät erledigt hatte. Das war garantiert Unsinn und trotzdem... der Eindruck blieb bestehen und wirkte schließlich sogar beleidigt, schmollend.
So ging es also in Richtung Lager zurück, vorbei an der noch leeren Schlinge und mit einem Vogel, dessen Schnabel zugehalten werden musste und der dennoch leise Töne von sich gab, die bei einem sprechenden Wesen durchaus wie Beschimpfungen und Flüche hätten klingen können.

Die junge Elfe wartete noch auf eine Antwort ihres Begleiters, als hinter ihnen plötzlich die Stimme des Zentauren ertönte. Beide wandten sich um und Danikas Augen wurden groß, als sie den noch immer beleidigten Vogel in den Händen des großen Mischwesens sah. Wie festgefroren saß sie da und starrte ungläubig auf das halb zu erkennende Gesichtchen.
Erst, als Velten sich nieder gelassen hatte, sprang sie auf und eilte zu ihm, um vor ihm auf die Knie zu fallen und sich nicht darum zu kümmern, dass sie sich dabei die Haut leicht aufschürfte.
"Bei Florencia, Liya! Was ist denn dir passiert?", keuchte sie.
Der Vogel krähte unterdrückt und schlug mit den Flügeln. Wobei der Gebrochene seltsam grotesk bei der Bewegung aussah, sodass die junge Elfe blass wurde und dem Zentauren erschrocken ins Gesicht sah.
"Was ist mit ihr passiert?", wiederholte sie, fast schon flehend, ihr zu sagen, dass nicht er daran schuld wäre. Während sie die Hände ausstreckte und Liya an sich nehmen wollte, um sich selbst darum zu kümmern.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Freitag 4. November 2011, 16:44

Danickas gescherzelter 'Reittier-Kommentar' ließ auch den Pelgarer schmunzeln, auch wenn, oder grade weil Velten das überhaupt nicht witzig gefunden hätte, in welchem Zusammenhang auch immer. Es war schön, dass die junge Elfe wenigstens für den Moment kurz aufzuglimmen schien. Unterdess machte sich Allrick etwas am Feuer zu schaffen, bis er es schließlich in Ruhe ließ, dass es sich erstmal richtig in Fahrt bringen konnte.

Traurigerweise schien Danickas Stimmung jedoch schnell wieder abgeflacht zu sein, sorgenvoll sprach sie von ihrer Ausbeute, Rechtfertigung schwang in ihrer Stimme mit. "Das ist nun mal die Natur. Man muss sich mit dem begnügen was man bekommen kann. Uns fällt schon etwas ein, keine Sorge." Mit väterlicher Stimme versuchte er etwas aufmunternd zu wirken, seine eigenen Grübelleien beiseite zu wischen, welche jedoch wieder aufflackerten als er von seinem Zuhause sprach.
Es war alles schon ein Weilchen her, dennoch nagte es nach wie vor an Allrick. Er hatte sein Zuhause gerngehabt und seine Frau wirklich geliebt. Nüchtern betrachtet war das alles fast wie in einem schmalzigen Lied, welches irgendein Ritter eines 'holden Dame' entgegenplerrte, nur um sie zu unterhalten, nur, weil es sich so gehörte. Tragischer Held, Liebe, Niedergang, alles nötige war darin enthalten, fast zu schön um wahr zu sein. Oder zu schlimm, jeh nach dem wie man es sehen wollte.
Dass Danicka sich für sein Berichtetes zu interessieren schien war also auf der einen Seite erfreulich für den Pelgarer, auf der anderen Seite musste er über die Vergangenheit nachdenken. Irgendwie tat es ihm aber gut, mit ihr darüber zu sprechen. Dementsprechend war Danickas folgende Frage für Allrick nicht ganz einfach zu behandeln. Nachdenklich blickte er nach oben in den Nachthimmel und grübelte nach, da die Elfe eine an sich gute Frage in den Raum geworfen hatte. Sollte er vielleicht wirklich zurückkehren? Gern würde er glauben, sie dort wieder zu finden, so unwahrscheinlich das auch war. Denn Rabanna war wie vom Erdboden verschluckt und würde wahrscheinlich nie wieder vor seine Augen treten, es sei denn, er hätte irgendwann wieder psychotische Albträume, was er sich ehrlichgesagt nicht wünschte.
Noch mitten in Gedanken erschien Velten wieder auf der Lichtung und hatte wohl Beute gemacht, zumindest schleppte er einen unterdrückt zeternden Vogel mit sich herum und wohl auch ein wenig Beute.

Abwartend beobachtete Allrick, wie Velten erst seine Beute ablegte und sich dann selbst beim Feuer niederließ, dabei sagte er kein Wort, sondern kümmerte sich lieber um ihre Wärmequelle. Soll heißen, dass er nachdenklich hinein sah und für den Moment lieber den Mund hielt. Sicher war Danicka ihm nicht viel bekannter als Velten, trotzdem waren es noch zwei vollkommen unterschiedliche Dinge, in wessen Gegenwart er persönliche Dinge erzählen wollte und in wessen nicht.
Das Feuer funkelte ihnen schon rötlich-hell entgegen, während es noch etwas erstarkte und flackerte. Danicka war nicht die einzige, die sein Feuer merklich nötig hatte, denn auch Allrick fröstelte ein wenig und war jetzt heilfroh, wenigstens ein wenig Gegenhitze zu bekommen, auch wenn sein Fetzen von einem Wams alles aber nicht warm war, war es trotzdem besser als nichts. Da beneidete der Pelgarer den Zentauren schon um sein Fell und die Decke, die er trug. Seinen Speer und Pfeil und Bogen hätten sich auch gut gebrauchen können. So blieb ihnen nichts außer dem, was sie selbst am Leibe trugen, der geschenkte Proviantteil von Velten und Allricks selbst gefundener Stock.
Was waren denn das für Gedanken? Davon abgesehen, dass er Velten seine Güter wohl kaum hätte entreißen können, wäre es auch Unrecht gewesen, soetwas auch nur zu versuchen. Dann wäre er wie die Dunkelelfen und keinen Deut besser als der ganze Abschaum, mit dem sich Allrick schon herumgeschlagen hatte. Auch wenn er das Mischwesen nicht sonderlich mochte, er hatte sich sein Eigentum sicher irgendwie verdient. Einen Räuber zu überfallen und auszurauben war, in all seiner Ironie, einfach noch etwas vollkommen anderes. Wobei der Begriff 'Räuber' dabei noch klar gefasst werden musste.

Dann jedoch geschah etwas wunderliches, denn der schimpfende, offensichtlich verlezte Vogel schien Danicka bekannt zu sein, kaum hatte Velten ihn untersucht und nach Zweigen für eine Schiene gefragt, war sie schon aufgesprungen und machte Anstallten, den Vogel selbst unter ihre Fittiche zu nehmen.
Es war schon merkwürdig, zeitgleich aber auch irgendwie erfreulich, dass Velten unfreiwillig zwei Freunde zusammengeführt zu haben schien. Oder zumindest so etwas änliches. Auf die Frage des Zentauren reagierend, nickte der Pelgarer nur und sah sich in seinem kleinen Holzvorrat nach etwas geeignetem um, brach dann ein paar Hölzer klein und reichte die brauchbaren Stück an, warf dabei den Restbruch gleich in die Feuerstelle, welche sie gierig verschluckte...

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 5. November 2011, 17:21

Phaun schien der Gruppe überaus gnädig gewesen zu sein, um Danikas Worten mehr Nachdruck zu verleihen. Denn Velten war nicht nur mit Beute zurückgekehrt, sondern auch noch mit einem Vogel, der tatsächlich einen Namen besaß. Das bemerkte der Zentaur aber erst, nachdem ihm Allrick Zweige über das langsam heran wachsende Feuer hinweg reichte, damit der Vierbeiner daraus Schienen für das verletzte Tier fertigen konnte. Er nahm die Zweige mit einem Nicken entgegen, prüfte sie nacheinander, aber sehr genau. Irgendwie hatte er sich immer noch nicht daran gewöhnt, Menschen alles zuzutrauen und ehe er dem Vogel brüchige Äste zum Schienen des Flügels anlegte, wollte er sie lieber vorher inspizieren. Kritisch beäugte er die kleinen Zweige. Sie würden ausreichen. Mit einem Messer hätte man sie nun noch etwas zurechtschnitzen können, aber Velten besaß keines. Seinen Speer wollte er dafür nicht verwenden und zerstören ebenfalls nicht. Mit der spitze hätte es schließlich funktioniert, aber dazu hätte er sie vom Schaft der Waffe losbinden müssen. Nein, so viel Aufwand brauchte er für einen gebrochenen Flügel nicht zu betreiben. Es würde auch so gehen und dann konnte man das Tier wieder in die Freiheit entlassen.

Velten schaute sich den Verletzten an. Er erntete neben dem steten Wutzwitschern nun auch noch einen schmollenden Blick. Dass Vögel überhaupt so gucken konnten! Ein Schmunzeln huschte über die sonst eher streng wirkenden Züge des Zentauren. Der Vogel erinnerte ihn doch tatsächlich an seine liebe Frau. "Shalla", murmelte er, aber der Name ging im Aufschrei der Elfe unter, als sie den Vogel bemerkte. Schon stürzte Danika herbei, all ihre Aufmerksamkeit auf den Vogel gerichtet. "Liya also. Demnach ein weibliches Geschöpf. Ich habe sie angeschossen, um an die Beute heran zu kommen." Velten griff über seinen Rücken hinweg nach dem Erlegten. Er warf das tote Tier Allrick zu und fragte: "Bist du auch fähig, im Fellabziehen und Ausweiden?" Vielleicht sollte ich es doch selbst tun. Er könnte unsere einzig nahrhafte Mahlzeit ... "Hrrm." Velten schüttelte den Gedanken von sich, würde es auf einen Versuch ankommen lassen. Es war nun wichtiger, Liya zu versorgen.
Er reichte die Zweige an Danika weiter, wohlwissend, dass sie diese Aufgabe nun übernehmen würde. "Der Flügel ist gebrochen. Wir sollten sie mitnehmen und pflegen, bis alles verheilt ist. Du ... behandelst sie doch gut? Sperrst sie nicht in einen Käfig?" Er kannte das nur aus Geschichten über Menschen. Sie machten sich eine Freude daraus, Tiere in kleinen Gefängnissen zu halten. Als würden die Eingesperrten dadurch etwas wie Freundschaft oder Zuneigung entwickeln! Menschen waren so dumm!

Er beobachtete Danika und wie sie mit Liya umging. Hin und wieder huschte der Blick herüber zu Allrick. Velten würde schon eingreifen, sollte der Mann die Beute zu einem unbrauchbaren Klumpen verarbeiten. Das durfte er nicht zulassen, so schwach sie beide wirkten. Außerdem knurrte nun auch sein Magen. Hunger machte sich breit. Also packte er zusätzlich den Proviant aus. "Was werdet ihr beide tun, wenn der Morgen anbricht? Wohin werdet ihr gehen?" Er wollte es noch nicht zugeben, würde sie ihnen aber vermutlich anschließen müssen. Allein schon, weil er sich für Liyas Verletzung zu verantworten hatte. Doch was würde dadurch aus der Suche nach seinem Sohn? Wenn Danika und Allrick in eine Richtung aufbrachen, in der Menschen nicht zu vermuten waren, konnte er sie nicht dauerhaft begleiten - sofern ihn Danika nicht von der Pflicht, Liya zu versorgen, entband.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 6. November 2011, 13:20

Liya? Der Vogel hatte also einen Namen, Allrick war verwundert, aber nicht sonderlich überrascht. Oft spöttelten Menschen über das innige Verhältnis der Elfen zu den Tieren, warum auch immer. Hier war es anders, vermutlich betrachtete man Dinge ganz anders in ihrer direkten Nähe, als wenn man nur davon sprach. So war es weniger merkwürdig als interessant, wie zwischen den beiden jetzt schon ein fast menschliches Verhältnis bestand, wobei Allrick kurz grinsen musste, als er für den kurzen Moment Velten in Verwunderung sah. Lange dauerte das jedoch nicht, merklich stellte Velten fest, dass der Vogel wohl weiblich sein musste, was dem Pelgarer irgendwie wieder sauer aufstieß. Er hielt nichts davon, wenn andere jeden ihrer Gedanken aussprachen, nur, damit alle daran teilhatten. Er selbst hätte darauf verzichten können, aber gut, es zwang ihn ja auch niemand zuzuhören. Als dieser ihm das Beutetier zuwarf und sich nach seinen Fähigkeiten erkundigte, sah der Pelgarer das Mischwesen eher verstört an.
Natürlich wusste er, wie man das anstellte, nur bedürfe es dazu eines Schneidewerkzeugs. "Hast du denn ein Messer oder etwas änliches bei dir? Mit bloßen Händen ist das schwer zu bewerkstelligen." Sicher hätte Allrick das auch mit dem Feuerstein versuchen können, mit dem er das Feuer gemacht hatte, nur wäre dann das Tier im Gesamten sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Kratzer, die das Gewebe beschädigten, kleine Steinsplitter, davon abgesehen, dass es lange gedauert hätte.
So bot es sich eher an, vorher nach einem Werkzeug zu fragen, bevor er loslegte.
Davon abgesehen hatte er auch noch eigenen Gedanken nachzuhängen, denn die Frage der Elfe, ob er nach Hause zurückkehren wollte, hatte sich in ihm festgesetzt und nagte an ihm. Zuhause... Er strich dem toten Tier über die Flanke und schien nachzudenken, während er auf eine konstruktive Antwort wartete.
Als keine kam, legte Allrick das Tier seufzend so hin, dass er es im aufziehenden Feuerschein gut an der Bauchseite einsehen konnte, denn dort und an den Läufen machte man für gewöhnlich die Einschnitte zum Häuten. Keine Antwort mehr erwartend, holte Allrick den Feuerstein hervor, den er glücklicherweise gefunden hatte und erhob sich, noch einen Stein zum Scharfschlagen zu finden, bevor es zu dunkel wurde.

Er ging wieder zu der Stelle, an der er auch den ersten Stein gefunden hatte und wühlte dort ein wenig herum. Es waren scheon ein paar Schritte bis zur Feuerstelle und die leichte Erwärmung durch das Feuer blieb schnell aus, umso eiliger suchte er den Boden ab. Schließlich hatte er Glück und fand einen weiteren Stein, er war ein Stück kleiner als der Erste, sollte es aber tun. Langsam tappste der Mann zurück zum Feuer, hatte Veltens Frage überhaupt nicht bemerkt und ließ sich wortlos wieder an seinem Platz nieder und bastelte an den Steinen herum, um einen davon brauchbar scharf zu schlagen.
Es musste kein brilliantes Handwerkzeug sein, sondern lediglich für das Gröbste reichen, das würde sich mit etwas Gefühl schon machen lassen...

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Dienstag 15. November 2011, 17:47

Es war eine Wohltat für sie, dass Allrick auf ihren kleinen Versuch eines Scherzes einging und wenigstens schmunzelte. Es zeigte ihr, dass es doch noch etwas anderes für sie geben konnte als Leid und Angst. Auch wenn es nur kurz anhielt, war und blieb es nun einmal ein feiner Lichtschimmer der Hoffnung für sie.
Trotzdem bedauerte sie selbstverständlich, dass sie ihrem Begleiter mit den gefundenen Kräutern bei weitem nicht so gut würde helfen können, wie sie es gerne wollte. Aber sie waren leider zur falschen Jahreszeit unterwegs und es war schon erstaunlich, wie viel sie überhaupt hatte ausmachen können. Diese wenigen Blätter hatten nicht nur Sammler überstanden, sondern auch die Kälte, wodurch sie bestimmt erst recht stark und gut wirken würden.
Er schien das ähnlich zu sehen oder zumindest zu erahnen, denn er versuchte, sie zu trösten und ihr Mut zu machen. Sie schenkte ihm dafür ein feines, dankbares Lächeln und nickte.
Er hatte schließlich die Flucht ertragen, da hatte sie den Glauben daran, dass sein Körper es auch aushalten würde, wenn sie statt zehn nur fünf Kräuter gefunden hatte. Es war trotz allem besser als gar nichts!
Danach jedoch beschäftigte sie sich viel lieber mit Allricks Vergangenheit und konnte ihre Neugier nicht völlig verhehlen. Da fiel es ihr natürlich schwer, Geduld aufzubringen, als er sie etwas zappeln ließ. Die junge Elfe ahnte nicht, was für Trauriges sich hinter diesem Zögern verbarg, so konnte sie seine Erzählung kaum erwarten und begann sogar damit, auf ihrer Unterlippe voller Unruhe herum zu kauen und mit den bloßen Zehen zu wackeln, weil sie schwer still sitzen bleiben konnte.
Nur leider bekam sie keine Antwort mehr, dafür sorgte der Zentaur, der obendrein jegliches Interesse umleitete mit dem Fund, den er gemacht hatte. Sie konnte es kaum glauben und dennoch war es zweifelsfrei! Nun hielt sie wirklich nichts mehr auf ihrem Fleckchen und sie flog regelrecht zu Velten, was der Vogel nur begrüßte.
Liya, wie sie genannt wurde, konnte den großen Jäger merklich überhaupt nicht leiden und wusste seinen Großmut in ihrer Empörung nicht zu schätzen, dass er sie vor dem Tod bewahrt hatte. Das Flattervieh machte seiner Art alle Ehre und versuchte beständig, sich aus seinem Griff zu befreien, indem es mit den Flügeln schlug. Was allerdings kaum mehr als weitere Schmerzen und entsprechende, durch den zugehaltenen Schnabel unterdrückte Laute mit sich brachte. Denn befreien konnte sie sich nicht und ihre Blicke wurden tatsächlich ignoriert.
Etwas, das der Zentaur bei seiner Gefährtin gewiss niemals gewagt hätte, doch trotz aller Ähnlichkeit war Liya das nicht und hatte somit keine Chance.
Es kehrte erst ein wenig trügerische Ruhe ein, als sie eine bekannte Stimme hörte und auch das dazugehörige Gesicht in ihren Blickfeld kam. Statt sich nun zu wehren, begann sie erst recht zu zwitschern, als wolle sie sich beschweren und Velten regelrecht ausschimpfen.
Aber derzeit hatte Danika dafür kein Gehör, zu besorgt war sie und wollte natürlich ihre kleine Freundin beschützend an sich nehmen.
Aus großen, vor Entsetzen und Schrecken geweiteten Augen blickte sie das Mischwesen an. "Angeschossen? Du? Aber warum denn?", sprach sie nervös und spürte, wie ihre Finger zitterten, als sie den Vogel übernahm.
Dieser konnte endlich wieder seine volle Lautstärke entfalten und gab nun erst recht empörte Töne von sich.
"Sch, sch, bitte, Liya, sei ruhig und vertrau mir. Es wird weh tun, jedoch wird es danach besser und bald kannst du wieder fliegen!", wisperte sie und wechselte dabei unbewusst in die Sprache ihrer Rasse.
Was scheinbar der richtige Weg gewesen war, denn der Vogel wurde tatsächlich still und blickte lediglich nervös um sich, als Danika sie behutsam vor sich auf den Boden legte. Es behagte Liya merklich nicht, dass sie auf dem Rücken lag, allerdings konnte die junge Elfe ihr das leider nicht ersparen.
Die Zweige nahm sie eher automatisch entgegen, ehe sie begriff, wofür sie gedacht waren.
Doch anlegen konnte sie diese vorerst nicht, dafür starrte sie Velten abrupt entsetzt an. "Bist... bist... du von Sinnen?! Liya ist der beste Jagdfalke meines Zuhauses gewesen, niemals würde ich auch nur daran denken, sie einzusperren!", hauchte sie, deren Stimme vor Schreck die Kraft verloren zu haben schien.
Heftig schüttelte sie den Kopf und begann wieder zu frieren, da allein der Gedanke daran ihr die Kehle zuschnürte.
Hätte der Vogel zwischen ihnen nicht schwach protestiert, sie hätte sich kaum auf ihr Vorhaben der Hilfe so rasch besonnen. So lächelte sie entschuldigend herab. "Ja, ja, ich mach ja schon. Bitte, hab etwas Geduld.", sprach sie beruhigend und erklärte Liya, als wäre sie kein Tier, sondern von ihresgleichen, was folgen würde, damit sie nicht erschrak und das Vertrauen verloren gehen würde.
Deutlich konnte sie im Blick ihrer kleinen Freundin sehen, wie unbehaglich ihr zumute war, und trotzdem hielt sie sich. Nur manchmal kamen leise Schmerzlaute aus dem Schnabel, vor allem, als Danika den Flügel abtasten musste. Das Strecken selbst ging halbwegs, erst das Zusammenbinden der stützenden Zweige wurde wieder stärker kommentiert. Die junge Elfe riss sich dafür kleine Streifen aus ihrem zerfetzten Gewand, um sie stramm herum zu wickeln, damit alles halten konnte.
Als sie fertig war, atmete sie auf. "So, das hätten wir.", murmelte sie und nahm den Vogel behutsam hoch, um ihn auf die eigenen Beinchen zu stellen.
Misstrauisch beäugte Liya die Schiene und bewegte ihren Flügel, aber viel brachte es nicht. Wenigstens waren die Schmerzen nicht mehr ganz so schlimm, sodass sie ein Krähen ausstieß, das wie ein Dank klang und von Danika auch so verstanden wurde.
Lächelnd strich sie über das Köpfchen, bevor das Knurren eines großen Magens sie ablenkte. Sie sah auf und beobachtete, wie der Zentaur sein Essen auspackte. "Aber...", begann sie und brach wieder ab.
Was hatte er vor? Sollte nicht seine Beute gekocht werden? In Gedanken versunken, hörte sie seine Worte gar nicht recht.
Liya hatte indes weit weniger Fragen in sich, sondern ging zielstrebig auf ihn zu und positionierte sich so, dass der Größere sie bemerken musste. Herausfordernd, fast schon frech, blickte sie zu ihm hoch und gab einen fordernden Laut von sich, wie als Aufforderung, sie gefälligst zu füttern, wenn er hier schon Essen hervor kramte.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 19. November 2011, 12:52

Veltens streng wirkender Blick ruhte auf Allrick. Der Mensch wirkte ... irritiert? Jedenfalls machte er sich nicht gleich an die Aufgabe, die der Zentaur ihm sogar irgendwo halbwegs zugetraut hätte. Da habe ich wohl falsch gedacht. Allrick schien also nicht einmal in der Lage zu sein, ein Tier zu häuten und auszuweiden? Er würde in den Wäldern umkommen!
Doch glücklicherweise irrte Velten dann doch nicht. Allrick war sehr wohl zu dieser Tätigkeit in der Lage, vorausgesetzt, er besaß das passende Werkzeug. Velten betrachtete sich die Hände des Menschen. Sie waren wie seine eigenen, wenn auch nicht so kräftig und groß. Aber auch Allrick besaß weder Krallen noch Klauen, um Fleisch mit bloßer Hand zu bearbeiten. Da hatten sie etwas gemeinsam.
"Ein Messer habe ich nicht. Ich verwende den hier." Er tippte an seine Brust, wo die Raubkatzenkralle an der Lederschnur baumelte. Ja, die könnte als Messer sehr gut zweckentfremdet werden. Sie war noch immer scharf, denn Velten wetzte sie oft genug. Er war sehr stolz darauf - zu stolz, um sie in Allricks Hände zu legen. Da bliebe ihm wohl nur noch, ihm seine Speerspitze zu überlassen. Muss ich sie doch vom Schaft lösen. Schon wollte er danach greifen, als der Mensch Eigeninitiative zeigte und seinen Feuerstein verwendete. Er besaß scharfe Kante. Velten erkannte das, als die Konturen im Feuerschein auffunkelten. Er nickte. Der Stein würde es tun. Seine Speerspitze bestand letztendlich auch aus ähnlichem Material. Zentauren besaßen kein Metall und verarbeiteten es auch nicht.
"Du kommst zurecht", kommentierte er Allricks Arbeit. Es war seine Art, ein Lob auszusprechen. Danach ließ er ihn allerdings in Frieden, er hatte zu tun. Wenn er sich nicht allzu ungeschickt anstellte, könnte man einen Großteil der Organe vermutlich sogar noch essen. Das Fell würde eine Weile zum Ausbluten und Trocknen brauchen, außerdem hatten sie nicht die nötigen Materialien, um es anständig zu gerben. Zudem war es kein sehr großes Fell. Aber eine Körperstelle würde es irgendwann bestimmt wärmen.

Der Zentaur widmete seine Aufmerksamkeit wieder Danika und ihrem Vogel. Liya. Dass Velten fragte, ob man sie in einem Käfig halten würde, entrüstete die Elfe. Ihn ließ es umso zufriedener schauen. "Jetzt weiß ich definitiv, dass du kein Mensch bist." Nur Menschen fingen andere Lebewesen, um sie ihrer Untertan zu machen. Sie sperrten sie ein und wenn sie sich wehrten, wurden sie geschlagen oder getötet. Danika zählte nicht zu diesen Wesen. Elfen, die offenbar keine Dunkelelfen waren, gefielen Velten. Ihr Verständnis für anderes Leben und ihr Glaube an Florencia und Phaun ähnelten dem seinen. Sie war ihm sympathisch.
"Es war nicht meine Absicht, deine Liya zu verletzen. Wir haben um die Beute konkurriert. Sie ist eine gute Jägerin." Er musterte die Falkendame. Sie zeigte sich so empört über die Behandlung, die ihr doch nur gut tun sollte, dass Velten keine Zweifel hatte, dass sie sich wieder erholen würde. Sie war ein willensstarker Vogel. Daher sagte er nichts mehr, lauschte stattdessen den Geräuschen der hereinbrechenden Nacht. Und er hoffte darauf, endlich mal eine Frage von den beiden beantwortet zu bekommen. Sie wichen ihm bisher ja sehr konsequent aus. So packte er weiterhin den Proviant aus, nahm sich ein Stück der getrockneten Früchte und des Fleisches. Dann reichte er es weiter. Sie saßen in einer Gemeinschaft zusammen, da wurde geteilt. Unter seinesgleichen war das üblich. Und da zählten auch Tiere hinzu!
Als Liya sich demonstrativ vor ihn setzte, hielt Velten ihr ein Scheibchen Trockenfleisch hin. Mit dem Vogel verstand er sich trotz des Jagdunfalls vermutlich am besten. Am wenigsten konnte er bisher mit Allrick anfangen; aber das war auch nur ein Mensch.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Dienstag 22. November 2011, 22:57

Still und ziemlich nachdenklich bastelte Allrick an dem scharfkantigen Stein herum, denn er sollte schon etwas taugen und das Tier zerlegen, ohne zu splittern.
Nebenher war es neuerdings eine Möglichkeit für den unfreien Pelgarer, sich wie so oft seinen eigenen Gedanken zu widmen, denn das Theater mit dem wunderlichen Vogel interessierte den Mann eher tertiär. Lediglich die Tatsache, dass dieses Tier Danicka vertraut, also ein richtungsweisender Hoffnungsschimmer sein konnte machte es interessant. Ansonsten war dieses aufmüpfige Geschöpf nicht viel mehr für Allrick als ein Haustier, das ein Lächeln auf das zarte Gesicht der Elfe zu zaubern vermochte, was immerhin etwas war. Veltens wohlgemeinten Kommentar ließ der Mensch unbeantwortet, da ihn in seiner Sturköpfigkeit die Meinung des Zentauren wenig interessierte. Zwischen ihnen beiden stimmte wohl die Chemie einfach nicht, woran sich nach Allricks Dafürhalten auch nicht allzuviel zu ändern brauchte. So schabte und kratzte er andächtig an seinem Werkzeug herum, mit mehr Geschick, als er es sich selbst noch zugetraut hatte. Es wäre doch gelacht, wenn ich das hier nicht hinbekomme... Das Interesse der Gruppe hatte sich inzwischen auf Liya gebündelt, was wohl auch ganz gut so war. Im Moment mochte zumindest Allrick nicht unbedingt viel über das Vergangene und fast noch weniger über das Kommende nachdenken. Auch wenn er irgendwie das Bedürfnis verspührte, sich zumindest Danicka anzuvertrauen, war da immernoch etweas in ihm, dass ihm gebot, ruhig zu bleiben und sich nichts anmerken zu lassen. Als Velten den Proviant rumgehen ließ, nahm Allrick sich nickend sowohl vom Fleisch als auch vom Obst ein wenig und arbeitete weiter, während er sich etwas davon in den Mund schob. Nach dem 'Haferschleim', welchen ihm die Dunkelelfen in ihrer Güte vorgesetzt hatten, schmeckte diese Mahlzeit wie von Mutters Händen berührt. Es war schwierig zu beschreiben und noch unmöglicher zu erklären, doch die erste Mahlzeit in Freiheit, die nicht aus Moos und Geröll bestand, schien einem immer die beste des ganzen Lebens zu sein. Davon war äußerlich jedoch nicht viel zu merken, denn nach wie vor arbeitete Allrick regungslos und konzentriert weiter, während das flackernde Feuer ihm das nötige Licht spendete und an seiner Gestalt warm entlangflackerte. Prüfend glitt Allricks Daumen die scharfe Kante entlang, es konnte spühren, wie das scharfe Gestein in seine obere Hautschicht einschnitt. Es geht doch.
Grade als er sich daran machen wollte, das Tier aufzutrennen, blitzte im Kopf des Mannes ein Gedanke auf, der ihn aus seiner Ruhe riss und sein Augenmerk auf die Runde richtete. "Was wenn es hier Wölfe gibt? Wenn ich das Tier jetzt auftrenne, wird es Blut geben, dass jedes Raubtier in dieser Umgebung riechen wird. Feuer hin oder her, vielleicht sollten wir uns das nocheinmal überlegen?"
Seine Stimme klang fragend, aber ruhig, denn er hielt sie für berechtigt. Tiere wie Wölfe oder andere Waldräuber waren nicht zu unterschätzen. Ganz besonders, da Velten wohl der einzige war, der in der jetzigen Situation wirklich etwas gegen sie auszurichten vermochte. Sicher war Allrick kein Schwächling, sich in seinem Zustand und nur mit einem Stock bewaffnet auf ein Rudel Raubtiere zu stürzen wäre jedoch offensichtlicher Wahnsinn. Auf Danicka vermochte dabei niemand zu zählen, sie war auch in Allricks Augen diejehnige, die hier den meisten Schutz brauchte und auch erhalten würde, da sie schlichtweg die Schwächste von ihnen Dreien war. "Ihr kennt diese Wälder wohl besser als ich, trotzdem mache ich mir Sorgen, dass wir uns mit Blutvergießen nicht einige Feinde machen werden." Gewohnt düster und ernst blickte Allrick nun drein, während er noch etwas aß und schließlich schluckte, das Werkzeug hatte er währenddessen auf dem frischen Kadaver abgelegt.

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