Alleine im Wald?

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 24. Oktober 2012, 11:16

Es war alles andere als leicht für Allrick, den Vogel zu tragen, der sich heftig gegen diese viele Bewegung sträubte und viel dazu beitrug, warum es noch schwieriger und langwieriger wurde. Aber schließlich schaffte der Mensch es und konnte sein Päckchen an Velten übergeben.
Dieser wusste zwar auch keine vollständige, zwangsläufig erfolgversprechende Lösung des Problems, jedoch zumindest einen Ansatz dazu. Natürlich wehrte sich Liya weiterhin gegen die Behandlung und wollte ihr scheinbar sicheres Versteck nicht so einfach aufgeben. Allerdings half die Methode, denn nun, wo ihr etwas von fremder Hand über den Kopf geworfen wurde, wurde sie tatsächlich schlagartig ruhig.
Mit ihren Krallen hatte sie dem Zentauren trotzdem einige unangenehm brennende, blutende Wunden am Arm zugefügt und es kam auch noch ein protestierendes Krächzen aus dem Schnabel, doch damit war das Thema schon erledigt.
Ganz im Gegensatz zu dem Wetter, denn kaum hielt der Vogel still, begann der Platzregen. Innerhalb von Sekunden war das Feuer gelöscht und wurde der Boden aufgeweicht. Nun war Schnelligkeit gefragt, Allrick musste Danika zu sich ziehen und mit Velten gemeinsam Platz unter der Decke finden. Diese war eindeutig nicht wasserdicht, also brauchten sie eine andere Lösung, um nicht gleich zu triefen und sich alles Mögliche einzufangen.
Mühsam kämpfte sich die Gruppe unter das ausladende Blätterdach des Waldes, denn ganz die Lichtung zu verlassen war keine gute Idee ohne schützendes Feuer. Wer wusste schließlich, ob und wo die Wölfe noch auf sie lauerten!? Zwar konnten sie bei diesem Wolkenbruch ohnehin nichts sehen und ein Angriff war mehr als unwahrscheinlich, aber riskieren mussten sie letzten Endes ja auch nichts.
Vollkommen durchnässt, wenngleich mit einem ruhigen Vogel zwischen ihnen, der nur manchmal leise protestierend und ängstlich krächzte, verbrachten sie auf diese Art die nächsten Stunden.
Die Blitze zuckten über den Himmel, die Donner krachten und der Regen dämpfte mit seinem Rauschen fast nichts von dem Lärm, als das Gewitter direkt über der kleinen frierenden, durchnässten Gruppe war. Umso schlimmer war es, als plötzlich vor ihnen, auf der anderen Seite der Lichtung, ein Blitz in einen Baum hinein schoss. Dieser fing Feuer, aber nur für äußerst kurze Zeit, denn die Sturzbäche vom Himmel löschten es wieder schnell. Also auch keine Lichtquelle für sie.
Es schien Ewigkeiten zu dauern, bis die Hölle über ihnen weiter zog und sich die Natur allmählich wieder beruhigte.
Einen positiven Nebeneffekt hatte dieser Guss jedoch, denn durch die Anzahl der Schutzsuchenden unter der Decke, passte Velten nicht vollständig hinein. Seine Wunde lag offen und wurde so durch den Regen ausgewaschen, er würde keinen Bach oder gar Fluss aufsuchen, sich mühsam hinquälen müssen, um das zu erledigen. Ein schwacher Trost für das Frieren, allerdings bei weitem besser als nichts.
Sobald das Unwetter vorbei wäre, bräuchten sie dennoch rasch wieder ein wärmendes Feuer. Die Zeit zog sich dahin, dehnte Minuten zu Stunden, in denen sie dazu verdammt waren, untätig unter der Decke zu kauern, in Ungewissheit, was für ein Unglück sie als nächstes heimsuchen würde, ein Blitz, ein Wolf oder sonstiges räuberisches Getier.
Das Schicksal allerdings zeigte sich diesmal gnädig und als der Regen allmählich verklang, die Wolken heller wurden und sogar an der ein oder anderen Stelle aufrissen, zeigte sich, dass der neue Tag dabei war anzubrechen. So lange hatte das Gewitter sie in seinen Klauen gehalten, dass sie die ganze Nacht hatten durchwachen müssen. Entsprechend groß waren Müdigkeit wie Erschöpfung, zusätzlich genährt von den Wunden.
Trotzdem musste sich einer von ihnen dazu aufraffen, Holz zu sammeln, das nicht ganz so durchnässt wäre wie der Rest, und ein Feuer wieder in Gang zu bringen. Sonst würden sie tatsächlich allesamt krank werden und das wäre in dieser Umgebung der letzte Rest des Todesurteils.


(OCC: ich war so frei, es ein wenig vorzuspulen ^^)
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Donnerstag 15. November 2012, 14:59

Es war geschafft! Liya war ruhig gestellt, auch wenn Velten sich einige Kratzer ihrer scharfen Krallen hatte auf die Liste setzen müssen. Seine Arme wie auch seine Brust brannte von den hauchdünnen Einrissen, die der Vogel in seiner Haut hinterlassen hatte. Einige davon färbten sich zu roten Linien, als das Blut daraus hervor trat. Der Zentaur jammerte jedoch nicht, hielt den Raubvogel nun weiterhin fest und achtete darauf, dass der Kopfschutz nicht verrutschte. Aus den Augen aus dem Sinn, so sagte man doch. Mit einem Daumen strich er Liya sanft über das Gefieder, seine Stimme war ein Raunen, als er leise zu dem Vogel sprach: "Du bist in Sicherheit, Jägerin. Sammle Kräfte, erhol dich. Wir werden deine Fähigkeiten und dein scharfes Auge sicherlich noch brauchen." Bedauerlicherweise konnte Velten Allrick wenig beim Spannen der Decke helfen, außer ihm Anweisungen zu geben und die behielt er nur dann nicht für sich, wenn der Mensch wirklich nicht weiter wusste. Allein die Decke schützte sie jedoch nicht. Sie war wasserdurchlässig und so musste die Gruppe auf den Schutz der Natur - Blätter - zurückgreifen. Das bedeutete, dass Velten sich nun doch noch erheben musste. Er schaute zu Allrick herüber und zu der noch immer bewusstlosen Danika. Den Falken noch immer haltend stemmte er sich langsam in den Stand. Dabei musste er den massigen Pferdekörper am Stamm des Baumes anlehnen und langsam nach oben drücken. Er versuchte, die verletzte Flanke so wenig wie möglich zu belasten. Die Zähne zusammengebissen gelang es ihm schließlich. Der Zentaur war wieder auf den Beinen. Mit einem Hinterhuf leicht humpelnd, wobei er unter Schmerzen wohl auch hätte normal laufen können, näherte er sich Allrick und Danika. Er blickte auf die Elfe herab. Es missfiel ihm, diesen Vorschlag gleich zu unterbreiten, aber die Vernunft siegte gegen den persönlichen Stolz. Sie konnten nicht hierbleiben, ohne klatschnass und vielleicht sogar krank zu werden. Er schluckte seinen Stolz herunter, brummte nur: "Heb sie an und wirf sie auf meinen Rücken. Ich trage sie." Seine Miene blieb eine versteinerte Grimmigkeit, die an einen brummigen Bären erinnern mochte. Aber er trug Danika in das besser geschützte Dickicht, Liya natürlich keinen Moment ablegend.

Im neuen Schutz vor dem Gewitter verharrten sie dann. Velten blieb nun stehen, lehnte sich mit dem Körper aber an einen Baumstamm und entlastete so das hintere Bein. Er schwieg all die Zeit lang, solange ihn Allrick nicht direkt ansprach. Er hatte nichts zu sagen, wartete geduldig das Gewitter ab. Seine Finger fuhren immer wieder durch das Gefieder des Vogel, um sich selbst eine Beschäftigung zu verschaffen und Liya weiterhin ruhig zu halten. Erst als es heller wurde, die dunklen Wolken sich verzogen, verließ der Zentaur den Unterschlupf und blickte zum Himmel hinauf. Er atmete durch. Es hatte auch sein gutes, wenn ein Gewitter vorüber war. Der Waldboden war gereinigt, alles duftete nach der Feuchtigkeit der Luft, dem herben Geruch der Rinde, frischem Moos und feuchter Erde. Er liebte es, dieses Gemisch einzuatmen. Velten hatte immer das Gefühl, es belebte ihn von neuem. Langsam drehte er den menschlichen Anteil seines Körpers zurück zu Allrick. "Wir brauchen ein neues Feuer, aber trockene Äste zu finden, wird uns spärlich gelingen. Vielleicht sollten wir weiterziehen und unsere Muskeln durch Bewegung warm halten. Kennst du einen Ort in dieser Gegend, der uns weiterhelfen könnte?" Insgeheim hoffte der Zentaur ja, dass die Elfe sich endlich regen würde. Ihr traute er eine bessere Orientierung und Kenntnis der umliegenden Wälder zu. Vielleicht wusste sie sogar einen Ort mit anderen ihrer Art, wo man gegen eine Gefälligkeit unterkommen und sich aufwärmen konnte.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 25. November 2012, 18:25

Es war eine mehr denn ungastliche Situation, in welcher sich das Grüppchen befand. Der Regen war eisig, erbarmungslos, wie ein schier endloser Hagel aus Pfeilen kamen Allrick die Wassertropfen vor, die sich die ganze Nacht lang über ihnen ergossen. Entgegen ihrer aller Hoffnung taugte die Decke kaum als längerfristiger Schutz und begann schon durchzunässen, noch während der Mensch resignierend beobachtete, wie das so mühevoll entzündete Feuer erbarmungslos erstickt wurde und erstarb.
Er gab sich alle Mühe, sich seine Kapitulation vor der Natur nicht anmerken zu lassen, auch wenn Velten derzeit wohl der einzige war, denn Elfe und Vogel - letzterer mit Allricks Erleichterung behaftet - waren ruhig gestellt und Velten der Einzige, dessen Stimme zu vernehmen war.
Sie waren stumm, ehrfürchtig und verunsichert harrend der Dinge, die da kommen mochten: Ihrer Erlösung oder ihrem Untergang offen ins Auge blicken, wenn auch nicht mit dem spöttischen, zuversichtlichen Grinsen, dass man doch zumindest den tapferen Pelgarern nachsagte. Dennoch war er nur all zu bereit, mit dem Zentauren zusammen einen besseren Schutz für sie alle zu suchen und so die Nacht zu überstehen. Wassertropfen rannen ihm durch den Bart, als sie Danicka und Liya in Sicherheit gebracht hatten und er und der Zentaur sich im Dunkel ihres Unterschlupfes müde und frierend anstierten.
Dessen Vorschlag, Danicka auf dessen Rücken zu verfrachten um den Transport zu vereinfachen, nahm Allrick nur ungern angesichts des Zähneknirschens, welches das Mischwesen schon beim aufstehen hatte verlauten lassen. Nur der Umstand, dass er selbst auch Probleme hatte, die junge Elfe mit sich herum zu tragen, zwang den Menschen, das ohnmächtige Mädchen, stumm und ernst nickend, sachte auf Veltens Wirbel zu verfrachten. Im Schutze des Blätterdaches angekommen, fand man schnell eine Stelle, an der man die Last, die nun auf Velten lastete, von ihm nehmen und den immernoch regungslosen Körper niederlegen konnte. Dabei achtete der Mensch auf Danicka, als wäre sie ein rohes Ei, sein eigen Fleisch und Blut. In der langen Starrezeit, die ihnen bevorstand, verfolgten Allrick Erinnerungen an ihre Angreifer und die Gefangenschaft und er sah sich mehr als ein mal verstohlen um, während die Dunkelheit sie alle im Würgegriff hielt. Stunden verbrachten sie auf diese Art, wartend, lauernd, frierend und erschöpft, bis der Regen abebbte, die Finsternis ein Ende nahm und Velten einen ersten Blick gen dem entleerten Himmel wagte. Allrick selbst hielt sich dabei zurück, achtete lieber darauf, dass sich ihre Umgebung langsam erhellte. Und sich die finstren Schimmer um sie in durchnässtes Grün und modrige Böden verwandelten. Sorgenvoll lag Allricks Aufmerksamkeit wieder bie Danicka, vielleicht würden ja Sonnenstrahlen gereichen um sie aufzuwecken. Zuerst jedoch betastete er die durchnässte Decke, unschlüssig darüber, wie es weitergehen sollte. Es wäre schmerzlich für sie alle, das große Stück Stoff seines Gewichtes wegen zurück zu lassen. Velten unterdessen tat seine Meinung kund, dass es wohl das einfachste wäre, sich in Bewegung zu erwärmen, zu versuchen, den Weg - wohin auch immer - fortzusetzen. Nachdenklich sah der Mensch das Mischwesen an, sonst hätte es ihm nicht gepasst, ihm gegenüber unzulänglichkeiten einzuräumen, doch er war zu müde um noch Stolz zum überwinden aufzubringen. "Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wohin wir gehen könnten, dieser Wald ist nicht meine Heimat. Danicka ist diejenige, die uns zwei in diesen unseeligen Wald geführt hat." Veltens Überlegungen des Feuers wegen ließ Allrick schlicht unkommentiert, er ging nicht davon aus, dass den Zentaur ein neues Feuer wirklich für eine Option hielt. "Wir sollten versuchen, allesamt in die Sonne zu kommen, sie wird uns wärmen, wenn wir genug davon bekommen. Mit etwas Glück steht auf der Lichtung nach wie vor die Luft, sodass sie uns trocknen kann..." Dabei wandte er sich zu Danicka um, dass seine eigene, klamme Kleidung nun an den durchnässten, dünnen Binden über den Narben seiner Gefangenschaft klebte, war, ebenso woe der Schmerz vergessen, die Müdigkeit betäubte sein Fleisch, während er Danicka ein paar Strähnen uas dem Gesicht strich. "... Vielleicht kriegen wir sie so auch wach." Vielleicht brachte der Moment diese Hoffnung hervor, vielleicht war es aber auch der schlichte Umstand, dass sie ohne die Führung der jungen Elfe hier festsaßen, gestrandet waren und nicht erwarten durften, diesen Wald bei seiner dichte bald verlassen zu können.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Montag 10. Dezember 2012, 10:54

Als wäre das Mischlingswesen nicht schon genug angeschlagen, schaffte es der Vogel auch noch, ihn zusätzlich zu verletzen. Allerdings waren diese Kratzer relativ harmlos im Vergleich zu der starken Wunde in seiner Flanke, die durch den Regen zumindest ausgewaschen wurde.
Fehlten danach eigentlich nur noch heilende Kräuter, ein Verband und viel Schonung, obwohl gerade letzteres für Velten derzeit nicht zur Verfügung stand. Weder war er im Kreis seiner Familie, trotz der kleinen Gruppe, die sich mit ihm gebildet hatte, noch hatte er die Zeit dafür, da er schließlich seinen Sohn finden musste. Er war ja nicht zum Spaß soweit weg von seinem Zuhause.
Dafür hatte er dank seinem Instinkt und seinen Erfahrungen es geschafft, Liya halbwegs ruhig zu bekommen und ihr Vertrauen zu halten. Seine beruhigenden Worte halfen, dass sie sich weniger stark gegen den Sichtschutz sträubte, auch wenn sie noch das ein oder andere klägliche Krächzen ausstieß. Das sowieso rasch verstummte, als das Gewitter richtig los legte.
Wovon Danika nichts mitbekam, genauso wenig wie von der großzügigen Hilfe, die ihr zuteil wurde, damit sie nicht im strömenden Regen liegen blieb und vielleicht auch noch von einem Blitz getroffen worden wäre.
Während sich der Donner näherte und die Elektrizität sich immer stärker bei ihnen entlud, wurde auch der Vogel wieder unruhiger. Als Tier spürte sie alles viel deutlicher und trotz des Sichtschutzes steigerte sich die Angst.
Erst, als das Gewitter weiter zu ziehen begann, konnte sich Liya allmählich wieder entspannen und wehrte sich endgültig nicht mehr gegen das, was Velten mit ihr tat. Auch war sie ruhig geworden, krächzte nicht mehr derart kläglich.
Am Ende schien sie sogar wegzudämmern und zu schlafen, erkennbar an ihrem Köpfchen, das immer schwerer wurde und herabsackte. Es ruckte gerade wieder nach oben, als das Mischwesen einen Vorschlag machte.
Allrick war alles andere als begeistert und im Prinzip war auch Velten viel zu schwach, um sich auf Dauer solange in Bewegung zu halten, um warm zu werden. Noch dazu, wo die Luft noch immer sehr kalt war und die Sonne außer Licht nicht sonderlich viel Wärme spenden würde. Nicht umsonst fror es nachts rasch und es entsprach beinahe einem Wunder, dass dies in dieser nicht passiert war.
Der Mensch wandte sich der bewusstlosen Elfe zu, strich ihr liebevoll das klitschnasse Haar aus dem Gesicht… und schien damit endgültig das auszulösen, worauf sie die gesamte Zeit über gewartet hatten.
Ein leises Stöhnen kam über die zu lassen Lippen der jungen Frau und ihre Lider begannen zu flackern, als sich ihr Bewusstsein zurück aus der Schwärze kämpfte.
Es war ein alles andere als ein leichter Weg dahin, doch schließlich, nach einigen weiteren Seufzern, hob sie allmählich ihre Lider an. „Wa… was ist… passiert?“, hauchte sie noch vollkommen benommen und bemerkte erst im zweiten Moment, wie kalt es um sie herum war. Sie begann zu bibbern und zu frieren, ihre Zähne schlugen klappernd aufeinander.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Dienstag 25. Dezember 2012, 09:37

Velten schwieg lange. Die Natur war nicht sein Feind, das hatte der Jäger seit Anbeginn seiner Zentaurenjahre lernen dürfen. Die Natur stellte einen vor Herausforderungen, aber sie war etwas von Florencia und Phaun geschaffenes. Sie sollte seinem Volk als Zuflucht, Nahrungsgeber und weitaus mehr dienen, aber sicherlich nicht dazu da sein, dass man sich gegen sie auflehnte. Und doch kam es ihm in dieser Nacht fast so vor, als wollte die Natur selbst ihn in die Knie zwingen. Velten, ganz der geduldige Jäger, nahm es zur Kenntnis und wartete. Letzteres half oft, wenn man nicht mehr weiter wusste. Nun aber, da es sich wohl tatsächlich etwas aufzuhellen schien, war die Zeit des Wartens ebenfalls vorüber. Danika war zwar immer noch nicht aus ihrer Ohnmacht erwacht, aber wenn sie hier weiterhin untätig im Nassen und Kalten herum saßen, würden Krankheit und Unterkühlung ihren Beitrag leisten, dass sie niemals wieder aufstanden. Unglücklicherweise wusste nicht einmal der Mensch, wohin sie ihre Füße würden tragen können.
"Wenn nur die Elfe diese Wälder kennt, die auch fernab meiner Heimat liegen, Mensch, dann müssen wir sie wach bekommen. Etwas Anderes hat keinen Sinn." Er spähte zu der Decke hinauf, die sie zeitweise vor Regen bewahrt hatte. Sie war mit der Feuchtigkeit vollgesogen und nun sicher doppelt so schwer, außerdem nass und unhandlich geworden. Man würde sie auswringen müssen, sehr stark, um sie mitzunehmen. Zu kostbar konnte der Stoff werden, um ihn zurück zu lassen. Allrick kümmerte sich derweil um Danika, strich ihr sorgevoll das Haar aus der Stirn. Dass diese leichte Berührung genügte, um sie wieder in den Kreis der Wachen zurückzuholen, hätte nicht einmal der Zentaur geglaubt. Er wandte den Oberkörper um. Seine prankenartigen Hände hielten Liya weiterhin behutsam fest. Hin und wieder fuhr ein Finger durch ihr Gefieder, um sie ruhig zu halten. Nun aber lag die Aufmerksamkeit auf der Elfe, die soeben erwacht war. Für eine ganze Weile sagt Velten nichts. Er wollte Danika Zeit geben, aus ihrer Benommenheit vollends zu ihnen zurück zu finden. Dann aber sprach er, obgleich es der Elfe wohl wenig Aufschluss geben würde. "Wölfe, ein Gewitter. Wir brauchen eine warme Unterkunft, Herrin der Wälder." Diese Betitelung erhielt sie, weil sie die einzige schien, die sich hier auskannte. Zwar würde Velten als Jäger einige Hinweise aus jedem Wald herauslesen können, aber sicherlich nicht, wann er endete oder wo eine schützende Höhle zu finden wäre. Für Nahrung würde er sorgen können. Noch immer besaß er seinen Bogen. Der Speer musste auch irgendwo in der Nähe sein.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Samstag 12. Januar 2013, 19:06

Hier waren sie nun also, immer noch frierend, immer noch geschwächt und zumindest nach menschlichem Urteilsvermögen bräuchten sie ein Wunder, um sich aus dieser Situation zu erretten. Vielleicht hoffte Allrick auf eben ein solches, als er sich um Danicka kümmerte und sie mit großen Sorgen in den Augen anstarrte. Sie lag so regungslos da, dass man meinen konnte, sie wäre bereits gestorben, doch noch atmete sie.
Plötzlich geschah es, etwas regte sich in dem Mädchen, sie gab einen Laut von sich. Allrick wurde nervös, hatte er doch fast nicht mehr damit gerechnet, Danicka erwachen zu sehen. Es dauerte einen Moment, bis sich in ihrem Gesicht der Hauch einer Bewegung tat, doch es sollte so kommen. Zuckende Lider, tiefere Atemzüge und erste Laute, die aus ihrer schlanken Kehle gekrochen kamen.
Trotz der Eiseskälte um sie alle herum, ging zumindest dem Menschen das Herz auf, auch wenn ein kurzes Aufflackern sachlich betrachtet nichts zu sagen hatte, doch als Danicka endlich ihre Stimme erhob, war jedwede Gefahr eines Zweifel in Stücke geschlagen. "Ganz ruhig, Mädchen, hol erstmal Luft und komm völlig zu dir, wäre ja ein Jammer wenn du uns gleich wieder ohnmächtig wirst." Da war es wieder, dieses väterliche Grinsen, das zu den wenigen seiner Gesichtsausdrücke gehörte, in denen man keinerlei Angst oder Sorge zu erkennen vermochte. Er hatte sich schon gefürchtet, sie verloren zu haben, das junge Fräulein, dem er immerhin das Ende seiner Knechtschaft zu verdanken hatte!

Die letzte Strähne verschwand aus Danickas zartem, aber immer noch blassem Gesicht, als neuerlich die Stimme des Mischwesens zu vernehmen war, während Allrick darüber grübelte, wie man der Elfe das Frösteln austreiben konnte. "Wölfe, ein Gewitter. Wir brauchen eine warme Unterkunft, Herrin der Wälder." In gewohnter Manier sprach Velten, zumindest nach dem Geschmack des Menschen, ziemlich geschwollen, doch jedweder Groll darüber war mit dem letzten Tageslicht des vorigen Tages verschwunden. "Ich werde mal sehen, ob ich unser 'Dach' flott bekomme... Wird Zeit, dass wir von hier verschwinden." Sachte stützte Allrick Danickas Körper und luxierte sie vorsichtig näher zu Velten, dass sie sich an das Mischwesen anlehnen und sich besser erholen konnte. Eigentlich wollte er das junge Wesen dem Zentauren nicht anvertrauen, oder zumuten, davon ab, dass er sich lieber selbst um sie kümmern würde, hatte Velten schließlich noch mit Danickas forschem Federvieh zu tun. "Nicht weglaufen." Ein spitzbübisches Zwinkern folgte, er versuchte, die Situation ein wenig herunterzuspielen, zumindest so zu tun, als wäre er zuversichtlich, doch auch wenn ihnen hier gerade ein kleines Wunder widerfahren war, sah es nach Allricks Einschätzung düster aus.
Ebenso frierend wie die anderen, wobei Allrick der kalten Luft auf jeden Fall besser widerstand als die junge Elfe, hatte sich der Mensch aufgerappelt und mühte sich aus Gewohnheit leise fluchend die durchnässten Knoten zu lösen, mit denen die Wolldecke über ihnen gespannt worden war.
Er hatte schon eine ungefähre Ahnung, wie er das Tuch zumindest in Vorarbeit trocknen können würde. Als er zu seinen Gefährten hinübersah wurde ihm ein weiteres mal gewahr, dass er, trotz seiner Ahnungslosigkeit was dieses Land betraf und seiner körperlichen Unterlegenheit, gegenüber Velten, als dieser noch gesund war, war er nun der einzige, der hier wirklich zumindest versuchen konnte, etwas zu stemmen. "Du hast unser aller Leben gerettet, weißt du? Die Wölfe hatten uns fast."

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Februar 2013, 14:03

Der Vogel auf Veltens Arm verhielt sich weiterhin still. Ab und zu zuckte das kleine Köpfchen unter dem Stoff, als könne sie auf diese Art einen Blick hinaus werfen und etwas von ihrer Umwelt erkennen. Ansonsten jedoch blieb sie ruhig und friedlich, besonders, nachdem das Gewitter, das sie derart in Panik versetzt hatte, vorüber gezogen war.
Die Finger, die öfters durch ihr Federkleid strichen, ließen sie jedes Mal zusammen zucken im ersten Moment, da sie die Bewegungen nicht kommen sehen konnte. Aber ansonsten zeigte sie keine Angst oder setzte sich gegen diese Zuwendung zur Wehr.
Dadurch hatten die beiden männlichen Wesen die Ruhe, um sich mit Danika zu beschäftigen, die von dem ganzen Schrecken nicht berührt worden war. Noch immer dämmerte sie vor sich hin und erst jetzt, Stunden nach ihrem Zusammenbruch, begann ihr Geist sich an die Oberfläche zurück zu kämpfen.
Die junge Elfe begann zu zucken und leise zu seufzen, hinter ihren Lidern wurden ihre Augen unruhig. Sofort zog sie die gesamte Aufmerksamkeit auf sich, die sie ohnehin gerade bekommen hätte, da der Zeitpunkt zufällig zusammen fiel.
Dadurch jedoch konnte sich ein anderes Wesen aus dem Dickicht anpirschen und im Schatten der Morgendämmerung einen Gegenstand auf die Lichtung legen, welcher der Decke über Veltens Pferdekörper recht ähnlich sah. Jedoch nur auf den ersten Blick, denn sobald das Material auseinander gefaltet werden würde, würde sich zeigen, dass dieses viel größer geschnitten worden war, perfekt für ein Pferd, während die andere für Zweibeiner gedacht war.
Aber noch blieb der Gegenstand verborgen, ebenso wie noch niemand die Waffe an sich gezogen hatte, die ebenfalls in der Nähe lag. Alles fokussierte sich auf das aufwachende Mädchen.
Endlich schlug sie die Augen auf und versuchte, sich zu orientieren. Dass dabei eine Frage über ihre Lippen kam, lag in der Natur der Sache.
Sofort erhielt sie keine Antwort, erst, als sie sich mühsam und mit einem Schwindelanfall in eine halb sitzende, halb liegende Position gekämpft hatte, wurde das Wort wieder an sie gerichtet. Auf die Unterarme gestützt sah sie verwirrt zu dem Mischwesen. „Wie…?“, murmelte sie und war noch nicht so munter, um klar denken und das eigentlich Logische verstehen zu können.
Dabei konnte sie auch Allricks Stimme hören, der ihr viel näher war und auf sie besorgt herab sah. Seine Worte waren freundlich und entlockten ihr den Anflug eines Lächelns, ehe sie fragend blinzelte. „Ohnmächtig? War… war ich das denn?“, murmelte sie wieder verwirrter und sah sich um, versuchte einen Anhaltspunkt zu gewinnen, wo sie sich befand und welche Tageszeit gerade herrschte.
Damit beschäftigt, nahm sie seine Bemerkung nur am Rande wahr, genauso wie die Berührung, die ihre Position etwas verlagerte. Schon lehnte sie mit dem Rücken an der Schulter des Pferdekörpers und spürte dessen Wärme, die ihr Zittern dennoch nicht besänftigen konnte.
Noch erschöpft schloss sie seufzend die Augen und wäre fast wieder eingeschlafen, als Allrick noch etwas zu ihr sagte. Danika zwang sich, ihre Lider anzuheben und ihm einen schiefen Blick zu zuwerfen.
„Höchstens kriechen…“, murmelte sie in dem Versuch, einen kleinen Scherz zu machen. Sie lächelte dabei ganz leicht sogar.
Danach drehte sie mühsam den Kopf und versuchte, zu Velten zu sehen. „Du hast vorhin von etwas gesprochen… einem Unterschlupf?“ So ganz waren die Worte also doch nicht an ihrem trägen Gehirn vorbei gezogen.
Die junge Elfe wartete auf eine Antwort, als auch Allrick sie wieder in Anspruch nahm. Fragend blinzelnd sah sie ihn an. „Habe ich…? Wie das?“ Ihr fehlte die Erinnerung daran. Nicht an den Kampf, den Angriff der Wölfe, sondern daran, wie sie diese in die Flucht geschlagen hatten.
Umso erschrockener fuhr sie nun zusammen und schreckte hoch in eine aufrecht sitzende Position. „Wo sind sie? Wir müssen hier!“, keuchte sie und Panik flackerte in ihrem Blick auf.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Freitag 22. Februar 2013, 09:01

Anfangs galt der Blick des Zentauren Danika. Endlich war sie erwacht und das war gut, denn so würde sie zum einen weniger eine Bleastung sein, zum anderen ließen sich Fragen beantworten. Doch schließlich wanderte der dunkle Blick Veltens auf den Mann, welcher Danika soeben fast schon väterlich beruhigende Worte zuraunte. Velten neigte etwas den Kopf - nicht viel, aber genug, dass die nassen Spitzen seiner Haare die nackte Schulter berührten. Er beobachtete das Zusammenspiel zwischen Mensch und Elfe. Es stach ihm dabei ins Herz, denn er wurde an seine eigene Aufgabe, an seine Pflicht, erinnert. Taimi steckte noch irgendwo da draußen und er musste ihn finden. Zum Glück dachte Allrick ähnlich, zumindest was die Aufbruchsstimmung anging. Sie konnten nicht länger hierbleiben, sie mussten weiter. Jeder hatte seine persönlichen Gründe, aber in diesem Punkt schienen sie sich alle einig. Der Zentaur nickte dem Menschen zu. Sollte dieser sich um die "Zeltplane" kümmern, welche jetzt vermutlich schwer wiegen würde, weil sie mit Wasser vollgesogen war. Die Decke zurückzulassen war jedoch die schlechtere Wahl. Wer wusste schon, ob sie diese - sobald sie erst einmal wieder trocken wäre wie sie alle zusammen - nicht gebraucht würde? Jetzt, in trockenem Zustand, hätte sie der Elfe jedenfalls schon helfen können. So nass die Wolle momentan aber war, würde sie Danika nur eine ordentliche Erkältung einbringen. Deshalb tat Velten sein Übriges, um sie warm zu halten und auch, um sie zu beruhigen. Vorsichtig hob er Liya an, raunte dem Vogel zu: "Deine Freundin ist wach." Schon versuchte er, das Tierchen weiterzureichen. Die Stoffkappe behielt er zunächst einmal an Ort und Stelle. Man wusste ja nie, ob sie Liya inzwischen nicht doch noch einmal einer Panikattacke hingab.
Aber so bekam der Zentaur wenigstens die Hände wieder frei, die sogleich auf den Schultern der Elfe landen sollten. Diese großen Pranken vermochten, nochmals Wärme auszustrahlen. Außerdem sollten sie die Frau beruhigen. "Nur keine Sorge, die Wölfe sind vorerst weg. Trotzdem müssen wir weiter." Er unterbrach sich selbst. Sein Blick wanderte zu Allrick hinüber, prüfend, als wollte Velten untersuchen, ob der Mann ihn hören konnte. Trotzdem richtete er daraufhin wieder das Wort an Danika. "Wenn du nicht zum Gehen fähig bist, trage ich dich, aber du musst uns den Weg weisen."

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Samstag 9. März 2013, 22:56

Allrick freute sich ehrlich, dass die junge Elfe wieder bie Bewusstsein war, es hatte aber auch lange genaug gedauert. Die Ohnmacht musste sie sehr mitgenommen haben, schien sie sich doch an ihren Mark-erschütternden Schreihg nicht erinnern zu können. Folglich würden sie sich nicht darauf verlassen können, dass sich das kleine Wunder aus der Nacht wiederholen würde, sollten die Wölfe zurückkehren. Doch soweit sollte es besser nicht kommen, zumindest wenn der alte Mensch in dieser Welt einmal etwas zu sagen haben sollte. Es war wirklich an der Zeit, dass sich ihr Kurs änderte und zwar zum Besseren. Glücklicherweise schien sich Velten Danickas gröbsten Schrecken anzunehmen, wie das Mischwesen vermocht hatte, beide Damen zu beruhigen war schon ein wenig beeindruckend, fand Allrick.
Er jedenfalls hatte genug zutun, sollten sie sich zeitnah aus dem Staub machen wollen. Die Wolldecke hatte scih vollgesaugt und wog nun gut doppelt so viel wie noch zuvor, ein schweres Hindernis, das vermochte jeder Narr sofort zu erkennen. Nach besten Fähigkeiten löste der Mensch die dicke Decke von ihren Knoten und legt sie zu einer Art Schlauch zusammen, nachdem er sie ausgelegt hatte. Dabei ächzte Allrick leise, da seine Verletzungen, die er ob der Übermüdung fast vergessen hatte, ihn schmerzhaft daran erinnerten, wo noch vor kurzem sein eigener Platz in dieser Welt gewesen war. Innerlich wünschte Allrick allen Dunkelelfen der schmerzhaftesten aller möglichen Tode, in seinen Augen hatten sie alle solch ein Schicksal verdient und schlimmeres.
Als die Decke zusammengelegt war, suchte Allrick sich einen Baum aus, der geeignet erschien. Er hatte diesen Trick schon oft benutzt, es wäre nicht das erste mal gewesen, dass sich Textilien mit Wasser vollsogen und getrocknet werden mussten. So schlang er die gefaltete Decke horizontal um den Stamm, so dass er die jeweiligen Enden in Händen hielt. Inzwischen rann Allrick das Regen wasser von den Händen, weil er die Tuchenden so fest zusammenpresse. Nun war es an der Zeit für etwas Fortschritt, weshalb der Mann die Enden der Decke fest zusammenhielt und das triefende MAterial in sich und um den Baum herum verdrehte, sodass man praktisch mitansehen konnte, wie die Nässe auf den Boden herabtropfte. Als sich die Decke nicht weiter drehen ließ, löste er den Griff um sich und verdrehte sie nocheinmal in die entgegen gesetzte Richtung, bis nichts mehr nachzurinnen schien, dabei knirschte er merklcih mit den Zähnen. Teisl vor Anstrengung, teils, weil alte Schmerzen in ihm aufflammten.
Schließlich war die Decke hinreichend ausgewrungen und wurde von Allrick wieder glatt ausgeschlagen. Sie war zwar nach wie vor etwas klamm, jedoch längst nicht mehr triefend nass und konnte mitgeführt werden, ohne, dass sie einen einnässte. So legte der Pelgarer das Textil zusammen und wirkte erschöpft, dennoch mehr oder minder zufrieden mit sich, als er zu Mischwesen, Vogel und Elfe zurückkehrte. "Eine Ahnung wie weit es ungefähr bis zur nächsten Siedlung oder Enpferchung ist? All zu ziellos umher zu irren können wir uns nicht mehr leisten, nicht in unserem Zustand." Er klang wie so oft ernst, aber auch besorgt und ausnahmsweise einmal hoffnungsvoll.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Montag 25. März 2013, 10:58

Die junge Elfe fühlte sich erschöpft und ausgelaugt, eigentlich noch nicht fähig dazu, schon wieder auf die Beine zu kommen und womöglich noch einen längeren Marsch zu bewältigen. Trotzdem sickerte auch in ihr Bewusstsein die Erkenntnis, dass es wohl besser wäre, wenn sie sich hoch kämpfen würde. Auch wenn das leichter gesagt, als getan wäre…
Allerdings konnte sie nicht sonderlich viel helfen dabei, dazu war sie nun wirklich noch zu geschwächt und obendrein froh darüber, noch ein paar Momente sitzen bleiben zu können. Ihre Konzentration kehrte allmählich zurück, sodass sie sich immer besser ihrer Umgebung widmen und beobachten konnte. Die Wärme in ihrem Rücken tat ihr gut und half ihr dabei, nicht ständig vor Kälte zu zittern, denn die nassen Fetzen klebten auch ihr regelrecht auf der Haut.
Indes wurde der Falke angesprochen und als hätte sie die Worte verstanden, krächzte sie und flatterte leicht, als könne sie sich so gegen den Sichtschutz wehren. Ein feines, erschöpftes Lächeln umspielte Danikas Lippen und sie streckte den Arm aus, um Liya über ihr Brustgefieder, das ebenfalls durchnässt war, zu streicheln. Sofort plusterte das Tier sich ein wenig auf, um ihr entgegen zu recken.
„Ja, es ist alles wieder gut, Liebes.“, murmelte sie raunend, als wäre sie nicht selbst noch absolut durcheinander. Sie übernahm den Vogel, hielt ihn fachmännisch auf ihrem Arm und zuckte dennoch minimal zusammen, als die großen Hände sich auf ihre kleinen, zierlichen und vor allem mageren Schultern legten. Doch sie konnte sich daran erinnern, dass es ein Verbündeter war, der sie hier berührte und sie nicht mehr in Kosral war, wo sie solche Begegnungen hätte fürchten müssen.
Bei seinen Worten seufzte sie leise und nickte ergeben, denn sie wusste, er hatte Recht. Sein Angebot allerdings ließ sie abrupt aufsehen und ihre Mimik war weich vor Rührung. Sie konnte sich gut vorstellen, dass er so etwas nur äußerst selten aussprach, umso mehr wusste sie es zu schätzen. Noch dazu, wo er schließlich obendrein verletzt war, wie sie sich wieder erinnern konnte.
Dennoch schüttelte sie den Kopf. „Danke, es geht schon… glaub ich. Ich hoffe nur, ich erkenne, wo wir überhaupt sind.“ Die letzten Worte waren ein beinah unverständliches Murmeln.
Gerne hätte sie jetzt Liya, die sie geistesabwesend weiterhin kraulte, losgeschickt, um ihr einen Anhaltspunkt zu verschaffen. So musste ihr das selbst und anhand anderer Hilfsmittel gelingen. Dazu jedoch musste sie erst einmal aufstehen… Obwohl…
Ihr kam eine Idee. „Velten… Weißt du noch, welchen Weg du gekommen bist? Aus welcher Himmelsrichtung? Hast du einen Fluss vielleicht überquert? Den Ilfar, den Euwin oder den Auwin?“, fragte sie ihn mit leicht klopfendem Herzen. Denn in ihrem Kopf erschien eine Möglichkeit, wohin sie sich wenden konnten, wenn sie nur die richtige Richtung ausmachen könnte.
Währenddessen kümmerte sich Allrick um jene Decke, welche sie ein wenig bedeckt hatte während dem Regenguss. Die anderen beiden Gegenstände lagen noch immer bei dem erloschenen Feuer und bekamen einstweilen keine Aufmerksamkeit.
Dafür kehrte der Mensch schließlich zu ihnen zurück und die junge Elfe fand inzwischen ausreichend Kraft, um ihm ein kleines Lächeln schenken zu können.
Bei seinen Worten nickte sie zustimmend. „Ja, wir werden schon einen Weg finden…“, erwiderte sie leise, bemühte sich darum, Hoffnung zu wecken, auch wenn sie sich alles andere als sicher war, dass sie diese Aufgabe würde bewältigen können. Aber sie musste es mit all ihren Möglichkeiten versuchen.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Dienstag 26. März 2013, 13:49

Velten dachte momentan nicht primär an die Wölfe. Sicher, sie galten als stetige Gefahr des Waldes wie so vieles andere, aber momentan hatten sich die Tiere zurückgezogen und würden über den Tag hinweg wohl auch nicht mehr aufkreuzen. Einst jagten Wölfe eher tagsüber, doch die Besiedelung des Menschen von vielen Gebieten drängten die Tiere nicht nur in den Wald zurück, sondern zwangen sie, zur Dämmerung ihre Beute suchen zu gehen. Schon wieder die Menschen.
Der Zentaur musterte Allrick eine Weile vollkommen schweigend. Sein Blick war neutral und seine Mimik nicht zu ergründen. Zwar schaute das Mischwesen immer irgendwie hart, was wohl auch im Allgemeinen an seinen Zügen lag, aber wer ihn schon ein Weilchen kannte, wusste, dass dies nicht bedeutete. Dennoch versuchte er, das Wesen des Menschen vor sich zu ergründen. Sicherlich kann man ihn nicht für alles verantwortlich machen, was sein Volk zu verschreiben hat. So alt ist er nicht und auch wenn er mich positiv überrascht hat, so stecken in ihm bestimmt genauso düstere Gedanken wie in jedem dieser herzlosen Menschen. Möglicherweise hat er boshafte Taten begangen, bevor wir aufeinander trafen. Velten schüttelte kaum merklich den Kopf. Er entschied sich, kein vorschnelles Urteil zu treffen, nicht hinsichtlich Allrick. Der Mann hatte Kooperation und eine Spur Neutralität bewiesen. Ob sich dieses Verhalten fortsetzen würde, könnte der Zentaur dann sehen, wenn sie alle nicht mehr in Gefahr schwebten. Denn obgleich die Wölfe momentan Ruhe gaben, sicher war die Gruppe noch immer nicht. Sie brauchten einen trockenen Unterschlupf, um sich erholen zu können. Sie benötigten Vorräte und Velten einen Heilkundigen, der sich die Wunde einmal genauer anschaute. Ausgebrannt war sie, aber vielleicht entzündete sich während des Heilprozesses etwas, was durch die Kenntnisse eines pflanzenkundigen Medicus vermieden werden könnte. Sie alle brauchten Hilfe, hofften, sie in der Elfe zu finden, aber diese schien selbst nicht genau zu wissen, was getan werden musste. Danika wirkte nach wie vor trotz ihres Erwachens matt und erschöpft. Wenigstens sprach sie mit ihnen.

Der Zentaur wandte den Kopf etwas ab. Er musterte die Umgebung, ließ sich dabei Zeit. Schließlich schweifte sein Blick zum Himmel hinauf. Die dunklen Wolken waren noch vorhanden, aber das Gewitter hatte sich verzogen. Trotz allem konnte er nun nicht am Stand der Sonne die Himmelsrichtung ausmachen. Ein leises Brummen kam über seine Lippen. Ob es Verärgerung bedeutete, ließ sich nicht deuten. Das Mischwesen striff mit seinen Pupillen nun den Stamm eines Baumes, auf dessen Seite Moss wuchs. Velten nickte. "Moos wächst immer auf der westlichen Seite eines Stammes. Ich kam aus Westen, diese Richtung." Er zeigte in jene, die vom Moosbewuchs ausging, ehe er mit Sprechen fortfuhr: "Einen Fluss habe ich nicht überquert. Ich bemerkte nur, dass sich die Pflanzenvorkommen änderten. Im Arus wachsen hauptsächlich Nadelbäume."

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 14. April 2013, 23:15

Eher ruhig verfolgte Allrick die Worte, die Velten und Danicka miteinander wechselten, sich über eine Orientierungsmöglichkeit absprachen. Der Mann freute sich innerlich ehrlich, dass Danicka Hoffnung zu haben schien und sich vermutlich erholen würde, wenn man ihr etwas Zeit gab. Das Lächeln der jungen Elfe hatte dem Menschen ein wenig Zuversicht geschenkt und das sah man ihm auch mehr oder weniger gut an. Allerdings schien sich Danicka ähnlich schwer zu tun wie Allrick und Velten, kannte jedoch scheinbar einen Ort, auf den man sich zu bewegen könnte. Eine Siedlung vielleicht? Vermutlich elfisch, zumindest würde es ihn wenig überraschen wenn es genau so wäre und zugleich auch ziemlich egal, solange sie alle endlich in Sicherheit wären.
Sie suchte Rat bei Velten, fragte das Mischwesen nach seiner Herkunftsrichtung, es dauerte eine Weile, bis eine fachmännische Antwort folgte und er Andeutungen machte, aus Richtung des Aruswaldes zu kommen, was Allrick aufhorchen ließ. Waren sie alle amEnde aus einer ähnlichen Richtung gekommen? Danicka und er waren schließlich gefangene in Kosral gewesen, im süd-östlichen Teil des besagten Waldes. Wo waren sie hier nur? Und viel wichtiger: Wie sollten sie wieder von hier verschwinden?! Allrick versuchte, sich mit Gedanken an sein altes Zuhause abzulenken, sich an sein Haus und seine Arbeit zu erinnern. Das friedliche Leben, dass er einst besaß und dessen er beraubt worden war. Erneut blickte er zu Danicka, wirkte nachdenklich, was wohl ihre wirkliche Geschichte war? Sicher war es ihr ähnlich oder noch schlimmer ergangen als ihm selbst. Ein Seufzer entwich der menschlichen Kehle und verdrängte die bohrenden Gedanken wieder, die ihn hatten aufmuntern sollen, statt ihm nun die neu gewonnene Hoffnung zu zerstören. "Wenn wir wissen wo Westen ist können wir versuchen, uns zu orientieren. Am einfachsten hätten wir es, wenn es hier einen Fluss gäbe..." Der Mensch überlegte halblaut, versuchte, sich ein paar Landkarten, die er früher einmal studiert hatte ins Gedächtnis zu rufen. Das pelgarische Heer hatte selbstredend Aufklärer unterhalten, die regelmäßig Streifzüge nahe den Grenzen durchführten. So hatte man schon oft Gelegenheit gehabt, sich ein paar Dinge zu merken. Wenn hier doch bloß nicht alles voller Bäume wäre! Wenn sie doch nur einen Fluss in ihrer Nähe ausmachen könnten, dann wäre es relativ leicht, sich zu orientieren...
Nachdenklich suchte Allrick sich einen Stock und wühlte ein wenig Erdreich frei, begann dabei, grobe Linien in den Dreck zu krakeln, dass Danicka und Velten es beobachten konnten. Tatsächlich konnte man nach einigem Wegwischen und Neuzeichnen eine ungefähre Grundform der wahrscheinlich Flussläufe des Ilfar und eine Markierung für den Standort von Kosral, zumindest, wie Allrick ihn einschätzte, während er vor sich hin murmelte, bis er plötzlich zu Danicka herüber sah. "Sind wir eigentlich über einen Fluss gekommen? Es ging alles so schnell, dass ich mir nicht mehr sicher bin..." Er glaubte Velten, dass die Vegetation des Arts anders sein musste als diese hier, waren sie vielleicht nur in einer Art Randgebiet des Waldes gestrandet? Wenn dem so war, müssten sie es nicht weit bis zum Ilfar haben, würden vermutlich nur gen Süden gehen müssen, was allerdings ein neues Problem hervorrief: Wie würden sie durch den Wald streifen können, ohne im Kreis zu wandern? Moos gab es schließlich nicht überall. Allrick war kein großer Fährtenleser und erst recht kein Geograph, die Schlangenlinie des Ilfar allerdings hatte er in seinem Gedächtnis behalten. Wieder dachte der Mann angestrengt nach, wenn sich einem solche grundlegenden Probleme stellten, verbiss man sich nur all zu schnell in ihnen. "Liegt unser Ziel denn an einem Fluss? Dann müssten wir es in südlicher Richtung versuchen können..." Dass Allrick nur schätzte, unterschlug er dabei gekonnt, wollte er doch etwas hilfreiches beitragen und hatte selbst nur diese logische Möglichkeit erdenken können.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 17. April 2013, 09:21

Im Gegensatz zu dem Mischwesen und auch dem Menschen war Danika noch eine relativ arglose Persönlichkeit. Natürlich, gegenüber Dunkelelfen würde sie sich nichts mehr vorhalten, was ein zu positives Bild dieser Rasse entwerfen würde, das hatte sie die Zeit in Kosral definitiv gelehrt. Allerdings würde sie das nicht davon abhalten, tief in sich drinnen zu hoffen, dass die Zivilisten aus Morgeria bei weitem nicht derart grausam wären wie die Soldaten.
Allen anderen Völkern gegenüber indes war sie noch so aufgeschlossen wie zuvor. Vielleicht vorsichtiger, doch das war auch schon alles, denn sie kannte kaum jemanden von den anderen.
Allrick war der erste Mensch, der ihr begegnet war, und bisher hatte er sie keineswegs enttäuscht, obwohl sie noch weit davon entfernt waren, einander kennen gelernt zu haben. Und bei Velten… da war es ähnlich. Zwar jagte er ihr einen viel größeren Respekt ein, allein schon aufgrund seiner Größe und seines muskulösen Körpers, menschlicher wie tierischer Teil. Aber sie unterstellte ihm keine Böswilligkeit oder andere negative Eigenschaften, war weiterhin so unvoreingenommen, wie sie es vor ihrer Gefangenschaft gewesen war.
Umso mehr hätte es sie verwundert, hätte sie die Gedanken des Zentauren lesen können, denn sie hätte diese nicht verstehen können, weil ihr dazu die Erfahrung fehlte. Stattdessen war es tief in ihr verwurzelt, dass sie ohne Vorurteile neuen Bekanntschaften begegnen sollte.
Ganz zu schweigen davon, dass sie sich noch nicht ausreichend erholt hatte, um sich über so etwas den Kopf zerbrechen zu können. Erst einmal war es wichtig, die Situation zu meistern und darauf versuchte sie sich ausschließlich zu konzentrieren.
Als erstes musste sie demnach einmal herausfinden, wo sie sich befanden… oder wenigstens die Himmelsrichtungen bestimmen, um sich ein Bild davon zu machen, wohin sie sich wenden könnten. Vor allem, um nicht unbeabsichtigt zurück nach Kosral zu kommen.
Deswegen sprach sie auch das Mischwesen darauf an, woher er kam. Seine Beobachtung indes ließ sie leise seufzen und einen Moment lang den Kopf hängen. Natürlich, das Moos… darauf hätte sie selbst kommen können!
Es ärgerte sie flüchtig, weil sie derart unachtsam gewesen war, jedoch konnte sie sich mit den weiteren Informationen, die er ihr dennoch gab, davon ablenken. Ihr Kopf hob sich wieder und kurz sah sie ihn überrascht an, als er so freimütig eröffnete, dass er aus dem Arus kam.
Dann allerdings lächelte sie leicht. „Verstehe…“ In ihr begannen die Gedanken zu kreisen, versuchte sie sich an alles zu erinnern, was ihr über die Geographie der näheren Umgebung erklärt worden war, falls sie sich selbst einmal verlief, und daran zu denken, was sie selbst bei ihren Erkundungsgängen entdeckt hatte.
In der Zwischenzeit kam Allrick zu ähnlichen Schlüssen wie sie, wenngleich die ihren schon ein bisschen weiter waren. Sie sah zu ihm hin und deutete ein Lächeln an, während sie knapp nickte. „Es gibt sogar mehrere, einen großen Fluss, der sich in zwei Nebenarme teilt, die südlich davon fließen.“, erwiderte sie und wusste, sie würden das Gewässer nicht nur zu ihrer Orientierung gebrauchen können.
Ihre Kehle war ausgetrocknet, wie sie bei dem Gedanken an das Nass feststellen musste, und auch die Wunden ihrer Begleiter sollten einmal wieder gesäubert werden, sofern der Regen das nicht hatte bewerkstelligen können. Und da weder sie beide, noch Velten auf einen Fluss gestoßen waren, wäre es das Beste, sie würden sich südwärts wenden. Dann konnten sie nur auf den Ilfar stoßen und dieser könnte sie leiten, definitiv weg von Kosral.
Indes griff sich der Mensch einen Stock und begann, seltsame Linien in den aufgeweichten Waldboden zu ziehen. Irritiert blinzelte Danika, kam nicht auf die Idee, dass dies eine Karte darstellen könnte, da sie sich auf diese Art nicht orientierte, es auch gar nicht gelernt hatte.
„Was tust du da?“, fragte sie verwundert und war sich nicht sicher, ob sie einen Sinn hinter diesen Kritzeleien entdecken können sollte oder ob er sich gerade lediglich die Zeit vertrieb.
Abrupt hob er kurz darauf den Kopf und stellte ihr eine Gegenfrage, die sie ohne langes Grübeln verneinen konnte. „Nein, den Ilfar haben wir nicht erreicht.“
Und auch nicht die Grenze des Neldoreth, sodass sie vermutlich in westliche Richtung gelaufen waren. Blieb ihr nur zu hoffen, dass sie sich auf ihrer Flucht nicht unabsichtlich noch Norden gewandt hatten, damit ihr Weg nicht unnötig länger werden würde. Allerdings sah sie auch keine Berge durch die Baumkronen durchschimmern. Das gab ihr Hoffnung, dass sie keine Ewigkeiten benötigen würden bis zu ihrem Ziel, das ihr in den Sinn gekommen war. Eine andere Möglichkeit fiel der jungen Elfe derzeit nicht ein.
Dass sie hingegen im Wald im Kreis laufen könnten, war für sie absolut keine Gefahr. Danika kannte sich aus im Neldoreth, kannte die Zeichen und wusste, wie sie es verhindern konnte, dass sie ihre eingeschlagene Richtung womöglich verlor. Das Risiko bestand eher darin, dass einer von ihnen diesen Weg nicht schaffen könnte, sie nicht ausgenommen davon.
Ein weiteres Mal nickte sie Allrick zu. „Ja, von hier aus müssten wir den Ilfar überqueren. Es gibt hie und da eine Furt, die sich auch leicht finden lassen, sobald wir einmal sein Ufer reicht haben.“
Ihr Blick wanderte zu Velten, der sich bisher noch nicht erhoben hatte und noch immer ihren Körper mit dem seinen wärmte. Eine erfolgreiche Methode, denn ihr Zähneklappern hatte nachgelassen. „Ich kann leider nicht sagen, wo genau wir sind. Es kann sein, dass wir den Ilfar in einer oder erst in fünf Stunden erreichen oder noch länger brauchen.“
Ihre Augen schweiften zurück zu dem Menschen und sie rang sich ein schmales Lächeln ab, um ihnen Zuversicht zu zeigen, obwohl sie diese gar nicht empfand. „Aber es gibt viele Lichtungen und im Laufe des Tages wird das Holz bestimmt gut genug trocknen, um wieder entflammbar zu sein.“ Zumindest hoffte sie das…
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Donnerstag 25. April 2013, 11:50

Velten musterte die Elfe. Er kannte sich mit ihrer Lebensform nicht aus, aber mit der Natur. Sie war so gerecht wie ihre Götter, Florencia und Phaun. Man sortierte die Schwachen aus, um den Starken die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln und ein gutes Leben zu führen. Schwache, Kranke, Verletze und Alte dienten dem Stärkeren als Ressourcen. Das waren die Lebensgesetze, die der Zentaur keineswegs als gnadenlos bezeichnet hätte. Es war eine natürliche Auslese. Danika hatte den Angriff der Wölfe überlebt und gelobte, sich zu erholen, wenn man ihr genug Zeit gäbe. Sie würde es schaffen. Sie zählte zu den Starken.
Velten warf einen Blick an ihrem Schopf vorbei zu seiner Flanke. Allrick, der Mensch, hatte die Wunde geschlossen. Jetzt blieb abzuwarten, ob sie sich entzündete, bis ein pflanzenkundiger Heiler sie sich nochmals genauer ansehen konnte. Das Mischwesen war fest entschlossen, hier ebenfalls stark zu bleiben. Es war kein Krieger wie andere seiner Sippe, aber ein Kämpfer. Willenkraft wie manchmal einfach auch nur die Sturheit, überleben zu wollen, pumpten das Blut durch seinen Körper. Auch er wollte sich erholen, doch dazu brauchte auch er Zeit. Sie alle hatten einen sicheren Unterschlupf und Versorgung nötig. Das sah er sofort ein. Er würde die Suche nach seinem Sohn nicht verletzt fortsetzen können.
Noch während er Worte mit Danika austauschte, suchte sich Allrick einen Stock und begann mit seltsamen Zeichnungen auf das Erdreich. Velten blickte flüchtig zu ihm herüber. Er kannte diese Art der Orientierung nicht, denn bei den Zentauren verwendete man keine Karten - sie besaßen kein Papier und wenn man solcherlei Zeichnungen anstellte, dann ...
"Mensch, wie willst du das Schicksal am Tage deuten?" Seine Aussage mochte vielleicht für andere verwirrend sein. Ein Zentaur hätte es sofort verstanden und sein Handeln beschämt beendet. Das Schicksal stand in den Sternen, die am Tage verborgen blieben. Die Nacht ware ihre Zeit. Dann besahen sie sich das Werk, das die Lebenden während ihrer Verborgenheit begangen hatten und sie formten deren weiteren Weg aufgrund dieser Basis. Velten war keiner seiner sternenkundlerischen Brüder, aber selbst diese Tatsache wusste er. So war es für ihn einfach nur befremdlich, Allrick beim Sternendeuten zu sehen, als dass er seine Zeichnungen fälschlicherweise interpretierte. Doch er ließ ihn fortfahren. Sollte der Mensch seine Fehler machen und aus ihnen lernen.
Überrascht neigte er jedoch den Kopf, als ein Vorschlag kam, den Fluss zu erreichen. Südliche Richtung. "Wie hast du ohne die Sterne...?", begann Velten sichtlich fasziniert jetzt. Er reckte den Oberkörper etwas, konnte er doch noch nicht aufstehen, wenn Danika weiterhin an seinem Leib lehnte. Er versuchte, sich die Zeichnungen anzusehen ... und verstand nicht. "Bring mir deine Sternendeutung bei." Die Bitte eines Mannes, der sie nur brummend aussprechend konnte, aufgrund der tiefen Stimme. Es fehlte im Klang allerdings das Fordernde, so dass es tatsächlich freundlich anmutete.
Dann fuhr sein Blick zum Himmel. Sterne mochten fehlen und auch die Sonne zeigte sich nur teilweise, aber es genügte zum Abschätzen der Tageszeit. Schließlich hatten sie alle die Dämmerung beobachten könnten. Vor allem warf Velten aber auch einen Blick auf die Spitzen der Äste, wo man Blätter beobachten konnte. Er schaute sich den Grad ihrer Entrollung an, denn manche zogen sich etwas zusammen, wenn die Nacht eingbrach. Ein weiteres Indiz für die Benennung der ungefähren Stunde. Berücksichtigte er nun den Stand der Sonne, der mittags natürlich den südlichsten Punkt erreichte, war es gar nicht so schwer, sich auch in einem fremden Waldgebiet zu orientieren. "Süden liegt in dieser Richtung." Er zeigte zwischen einigen Baumreihen hindurch und war sich recht sicher, dass seine Aussage der Wahrheit entsprach. Als Jäger las man nicht nur Fährten seiner Beute. Man musste auch den Weg aus den Jagdgründen wieder nach Hause zurückfinden.
"Bis das Holz trocken ist, sollten wir uns ins Bewegung gesetzt haben. Es würde schon vorerst ausreichen dem Revier der Wölfe vollends zu entkommen, sonst kriegen wir in der bevorstehenden Nacht die gleichen Probleme." Er versuchte, Danika etwas von sich zu drücken. Da sie nun Liya hielt, hatte er dazu beide Hände frei. Velten wollte aufstehen, signalisieren, dass er zum Aufbruch bereit war. Es würde ihm wohl auch gelingen, sofern die Wunde sich nicht rapide verschlimmert hatte. "Kannst du laufen, Elfe?", fragte er brummend, während seine Vorderhufe sicheren Stand suchten.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 26. Mai 2013, 18:06

Allricks Laune besserte sich allmählich, wozu nicht nur die Hoffnung, den Wald zu verlassen seinen Beitrag leistete, sondern auch die Zuversicht, die Danicka und Velten auszustrahlen schienen, zumindest in Ansätzen. Dass Danicka dabei mehr künstelte, als man ihr ansehen mochte, fiel Allrick in seiner verzweifelten Suche nach etwas Ermunterung gar nicht auf, oder er ignorierte es unterbewusst, Menschen waren da ja bekanntlich eigen und verloren mit zunehmender Fassungsnot an Empathie. Zumindest reichten seine Sorgen aus, jedwedes Stück Hoffnung als doppelt so groß misszuverstehen. Für ihn war es nun gefasste Sache, dass sie den Fluss erreichen würden, spätestens als Velten ihre zu beschreitende Himmelsrichtung herausgestellt hatte.
Der Mensch schmunzelte ein wenig als ihn der Zentaur nach seiner Art der "Sterndeutung" befragte und es lernen wollte, nachdem er erst in eigenem Irrglauben gewandelt war und unterschwellig ein wenig gespöttelt hatte. Allrick gefiel es, dem mächtigen Waldläufer etwas voraus zu haben, etwas, dass ihn zu mehr machte, als "nur" einem Menschen. Dass das Mischwesen allerdings nie zuvor eine Landkarte - so primitiv die Zeichnung auch war - gesehen zu haben schien, überraschte Allrick selbst schon ein wenig. In seiner Unwissenheit ob der Lebensverhältnisse von Veltens Sippschaft war der Mensch einfach davon ausgegangen, dass auch sie derlei Dinge wie Landkarten kannten, was er sich nun allerdings nicht anmerken ließ. Er bemerkte jedoch durchaus, dass der dominante Unterton in Veltens Stimme fehlte, ob dies Absicht war oder nicht, war Allrick ziemlich gleichgültig, denn so oder so schenkte er dem Vierbeiner sein erstes freundliches Grinsen seit er Danicka begegnet war. "Ich erkläre es dir gern, aber lasst uns erst einmal in Bewegung kommen. Das ist im Moment wichtiger, im Gegenzug könntest du mir dann erklären, woran du erkannt hast, wo Süden liegt." Während Velten sich aufrappelte und sich nach dem Stehvermögen Danickas erkundigte, hatte Allrick sich wieder gesammelt und seinen Platz neben der zerbrechlichen Elfe gefunden, väterlich reichte er ihr die Hand, um ihr auf zu helfen, sofern sie den verletzten Vogel für einen Moment mit nur einer schützenden Hand zufrieden stellen konnte. Liya mochte so liebenswert sein wie sie wollte, es würde noch etwas dauern, bis Allrick in dem Greifvogel mehr sehen würde, als Danickas pickendes, krächzendes Haustier. Der einzige Grund, dass der Mann sie nicht auch essen würde, käme es hart auf hart, lag derzeit schlicht daran, dass er schon einmal einen ähnlichen Vogel als einzige Ausbeute verspeisen wollte, dieser ihm jedoch grässliche Magenschmerzen beschert hatte. Davon ab, dass an dem Tier eh kaum genug dran war, als dass sich die Mühe lohnen würde, Danicka wegen Hungers das Herz zu brechen. "Hier, nimm meine Hand, Mädchen. Wir kriegen dich schon wieder auf die Beine."
Hatte das feine, künstliche Lächeln der zierlichen Elfe etwas in dem sonst so kritischen und sorgenvollen Herzen Allricks berührt und in Bewegung gesetzt? Zumindest schien es so zu sein, dass der Zweibeiner ernsthaft bestrebt war, ihre gemeinsame Chance zu überleben, nicht verkommen zu lassen. Wäre sie nicht gewesen, wäre Allrick jetzt immer noch ein Sklave, oder bereits tot und selbst wenn er es ohne sie so weit Geschäft hätte, spätestens die Wölfe hätten ihn in Fetzen gerissen. Er konnte jetzt nur daran denken, sich und die anderen hier heraus zu schaffen, hin zum Ufer des Ilfar, der ihnen allen wenigstens den Schimmer einer Zukunft versprach.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 31. Mai 2013, 10:08

Auch die junge Elfe wusste um die Gesetze der Natur und darum, dass man nur überlebte, wenn man stark blieb. Das musste nicht immer körperlich gemeint sein, oft half auch ein wacher, aufnahmefähiger Geist, um durchzukommen. Aber ein Aufgeben jeglicher Art wäre der Untergang, für sie, für ihre Begleiter womöglich oder auch für andere Wesen, sollten diese unterliegen. Von daher blieb ihr gar keine andere Wahl, als sich wieder aufzuraffen, und sie wollte es auch, ihr Lebenswille war ungebrochen.
Danika begann sich zu erholen und konnte allmählich auch wieder klar denken, um sich zu überlegen, wie es weiter gehen sollte. Sie alle brauchten einen weitaus sichereren Unterschlupf als diese Lichtung hier und ihre Begleiter benötigten medizinische Versorgung, die sie ihnen lediglich mit ausreichend Quellwasser und einigen Kräutern geben könnte, sofern sie keine anderweitige Hilfe fand. Und da in der Nähe kein Gewässer war, müssten die anderen mit ihr kommen.
Wozu sie sich erst einmal orientieren musste. Was auch sie nicht mittels Karten für gewöhnlich tat, da sie diese Kunst nie erlernt hatte. Ebenfalls kannte sie nicht einmal im Ansatz, was Allrick da fabrizierte.
Dass sie damit nicht alleine war, bewiesen ihr Veltens Worte. Er brachte sie dadurch allerdings auf eine Idee, sodass sie den Kopf leicht schief legte. „Du kannst das Schicksal deuten?“, hakte sie nach, weil sie die Erkenntnis des Zentauren als die richtige einstufte.
Es wäre zwar ungewöhnlich und ein etwas unpassender Zeitpunkt, doch vielleicht war er ja abergläubisch? Zwar hätte sie das bisher schon irgendwie wahrscheinlich mitbekommen, aber ihr Nichtwissen musste ja nichts heißen.
Neugierig beugte auch sie sich vor und sah begeistert zu, wie er immer mehr Linien formte, nach einem Muster, das ihr unbekannt war und blieb. Was das alles nur bedeuten mochte? Ob sie mit weiteren Schwierigkeiten rechnen mussten? Oder würden sie erfolgreich bis zum nächstgelegenen Dorf gelangen können?
Währenddessen gab das Mischwesen seine Vermutung der richtigen Himmelsrichtung bekannt. Die junge Elfe folgte mit dem Blick seinem Fingerzeig und kontrollierte ihn instinktiv mit der Lage vom Moos an den Stämmen. Hm… das könnte stimmen, vielleicht ein bisschen abweichen und nicht der direkteste Weg sein, aber alles in allem würde dieser sie wohl zum Fluss führen. Ab dann wäre die Orientierung für sie kaum noch ein Problem.
Zu seinen weiteren Worten nickte sie und rappelte sich hoch. Ihre Knie waren wie Butter und sie drohten anfangs einzuknicken, doch schließlich schaffte sie es, auch durch die Stütze des Menschen, dem sie ein kleines, wenngleich sehr warmes Lächeln dafür schenkte.
Während ihre Augen danach ein kleines Bisschen besorgt zu Velten wanderten, besonders zu seiner Wunde. „Ich kann. Jedoch wird es bei dir gehen?“, stellte sie die Gegenfrage und wandte sich ganz der Verletzung zu, um sie im spärlichen Tageslicht, das sie erreichen konnte, zu begutachten.
Indes bemerkte auch Allrick, dass er lieber aufbrechen, denn lange Erklärungen abgeben würde. Wogegen sie nichts hatte, denn auch Danika wollte lieber jetzt als gleich losgehen und sich den Weg voran kämpfen. Sie würden so oder so länger als gewöhnlich brauchen in ihrem allgemeinen Zustand.
Nachdem sie sich also kurz um Velten bemüht hatte, wandte sie sich an ihren zweiten Begleiter und nickte dankbar, da sie seine Worte nicht vergessen hatte. „Wir schaffen das alle. Es ist nicht weit… und dieses Mal sind wir am Abend vorbereitet, sollten die Wölfe glauben, sie könnten uns noch einmal zusetzen.“, meinte sie zuversichtlich und hoffte es inständig.
Wie als Bestätigung krächzte Liya auf ihrem Arm und regte sich, schüttelte sich leicht, ehe sie ihr Gefieder aufplusterte. Die Untätigkeit gefiel ihr nicht und sie wurde allmählich ungeduldig.
Mit einem kleinen, abwesenden Lächeln löste Danika die Hand von Allricks Arm und strich ihrer Freundin beruhigend über das Köpfchen. „Ist schon gut, Liebes. Es geht ja gleich los.“, murmelte sie und sah wieder zu Velten, fragend und besorgt, ob er es schaffen würde auf die Beine zu kommen… und auch zu bleiben.
Schließlich hatte die Wunde äußerst böse ausgesehen, auch wenn sie nicht mehr blutete und notversorgt gewirkt hatte. Aber mehr könnte sie für ihn vorerst auch nicht tun, ehe sie kein Wasser hätte, mit dem sie für Sauberkeit sorgen könnte.
Apropos, Wasser… ihr Körper wäre auch dafür, dass sie sich diesem einmal entleerte und danach erst neues hinzufügen würde. Ihre Wangen röteten sich leicht bei dieser Erkenntnis und schief lächelnd sah sie zu Allrick. „Würdest du sie kurz nehmen? Ich… ähm… müsste mal… in die Büsche…“, murmelte sie verlegen und wollte ihm schon Liya reichen.
Velten konnte sie den Vogel nicht geben, wenn dieser erst darum kämpfen musste, auf die Beine zu kommen. Und mitnehmen kam auch nicht in Frage.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Freitag 7. Juni 2013, 14:11

"Es ist nicht allzu schwer, Süden zu bestimmen. Wir Zentauren haben mehrere Möglichkeiten. In der Nacht oder zur Mittagsstunde ist es am einfachsten, wie du dir sicherlich denken kannst." Velten sprach ruhig, mit der Stimme eines Mentors. Es machte ihm nichts aus, dieses Geheimnis seiner Sippe weiterzutragen. Er hoffte darauf, seinerseits neue Methoden zu erlernen und die Richtungsbestimmung war in seinen Augen nun wirklich nichts, das man nicht auch einem anderen Volk beibringen konnte! Selbst, wenn es ein Mensch war, aber Allrick hatte sich bisher als brauchbar erwiesen. Er wollte es auf einen Versuch ankommen lassen. Er zeigte zum Himmel, noch immer auf seine halb aufgerichteten Vorderhufe gestützt. "Wirf einen Blick in die Wolken und suche die Sonne. Erinnere dich, wann und wo sie aufging. Du musst ein Zeitgefühl besitzen, sonst wirst du es schwer haben. Sag mir, wo sie bei ihrem Aufgang stand, wieviel Zeit vergangen sein könnte und wo sie jetzt steht. Dann helfe ich dir weiter, Schüler."
Es sollte keineswegs abwertend klingen. Es war Veltens Art und vermutlich die vieler Zentauren, den Lernenden sofort als den Schüler zu bezeichnen. Er nahm diese Rolle für den Moment ein und hatte sich hinsichtlich des zu vermittelnden Themas auch in diese Rolle einzufinden. So war das, eine einfache Struktur mit Fundament.

Und noch einen Einblick in das Leben seines Volkes gab er, als das Mischwesen es endlich schaffte, sich wacklig aufzurichten. Die Bewegung mochte an die ersten Gehversuche eines jungen Kitzes erinnern. Velten brauchte mehrere Wimpernschläge, um das Gleichgewicht zu finden, aber ja, auch bei ihm ging es.
Er wollte die verletzte Flanke nicht unnötig belasten, musste also die Masse seines Körpers etwas mehr auf das andere Bein verlagern. Schließlich aber stand er und gab Danika endlich eine Antwort, indem er den Kopf schüttelte. "Ich bin keiner unserer Sternendeuter. Sie legen unser Schicksal offen, aber ich kann grundlegende Dinge aus den Sternen lesen - wie alle meiner Art." Er brummte leise, machte ein paar Schritte. Es funktionierte und schmerzte nicht wirklich, obgleich ein stetiges Pulsieren vorhanden war wie ein andauernder Kopfschmerz, an den man sich irgendwann gewöhnen mochte. Schließlich meinte er: "Ich könnte bei Einbruch der Nacht versuchen, unser Schicksal zu lesen, aber ich bin nicht sehr befähigt darin. In meiner Sippe hat es ein anderer übernommen."

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 9. Juni 2013, 18:18

Damit beschäftigt, der jungen Elfe auf die Beine zu helfen, hatte Allrick andere Dinge im Kopf, als sich ein Lektorat anzutun, weswegen er Velten einen etwas verständnislosen Blick zuwarf. "Dann sollten wir vielleicht warten, bis die Wegrichtung der Sonne wieder leichter auszumachen ist, Meister. Wir haben jetzt keine Zeit für solche Dinge." Meister... Er hatte es schon als Kind gehasst, jemanden Lehrer oder Meister zu nennen. Grade letzterer Titel bescherte ihm eine kurze Gänsehaut, erinnerte es ihn doch an schlechtere Zeiten. Kein Wunder, dass da ein leichter Tadel in seiner sonst konstruktiv gemeinten Anmerkung mitschwang.

Danika war nicht die einzige, die sich am Umstand erfreute, dass sie alle ihren Weg zurück auf die Beine fanden, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, wie man es bei Velten bemerkte. Doch das Mischwesen war vermutlich stärker als sie beide zusammen, daher hatte der Mensch damit gerechnet, dass der Zentaur früher oder später auf die Beine kommen würde. Im Gegensatz zur zierlichen Elfe hätte Allrick sich bei Velten auch schwer getan, ihm etwas von seiner Last abzunehmen, angesichts des Gewichtes, welches der Zentaur mit sich herumschleppte.
Aufmerksam achtete Allrick darauf, dass Danika bei ihren ersten Schritten nicht zu straucheln begann, nach dieser Nacht war es einfach nicht möglich, da zu übertreiben. Schließlich jedoch löste sich das zarte Wesen von der Stütze des Mannes und besänftigte, die krächzende Liya, welche ebenfalls der Meinung zu sein schien, dass sie sich beeilen sollten, diesen Ort zu verlassen. Fast etwas nachdenklich betrachtete er den Vogel, bevor er von Veltens Stimme abgelenkt wurde. Zwar war diese an Danika gerichtet gewesen, dennoch brachte sie auch ihn zum überlegen, auch wenn er Sterndeuterei eigentlich für völligen Humbug hielt. Menschliche Ignoranz, so würde der Mischling es vermutlich nennen, doch Allrick lag nicht vor Augen, inwiefern die Sterne einem etwas über die Zukunft sagen mochten, insgesamt hatte er nie viel für übermäßigen Aberglauben und Mystizismus übrig gehabt. Die Predigten der Priester in Pelgar waren ihm schon genug Hokuspokus für ein Menschenleben gewesen, davon musste er nicht noch mehr haben. Dennoch schwieg er sich zu dem Thema aus, sollten sie doch deuten, was sie wollten, solange sie zu essen hatten und nicht froren war genug Zeit, Gedanken an die Religiosität zu verschwenden.

Fragend warder Blick, mit dem Allrick auf das gemurmelte Anliegen Danikas reagiert, erst nicht realisierend, worum es ging, doch als die junge Elfe ihm den verletzten Vogel ja förmlich in die Handdrücke und äußerst verlegen wirkte, war auch der Mensch wieder in der Gegenwart angelangt und hatte die knappe und eigentlich eindeutige Äußerung verarbeitet. Dezent raunte er ihr zu, während Liya behutsam von seinen rauen Händen entgegen genommen wurde, "ist gut, lass dir die Zeit die du brauchst. Ich beabsichtige nämlich nicht anzuhalten, ehe wir am Ziel sind." So sprach er, während er sich Mühe gab, das gefiederte etwas, dass ihm sonst so unlieb war, ruhig zu halten. Sanft lagen seine Hände am Gefieder des Vogels, während man auf die junge Elfe wartete, ganz Gentleman war Allrick natürlich ein paar Schritte fort getreten, um wenigstens eine Illusion von Privatsphäre zu schaffen, während er sich ein Plätzchen gesucht hatte, an dem die Sonne tatsächlich bis zum Boden hindurch drang. Die warmen Strahlen würden sicher auch dem Vogel guttun, ihm zumindest half die Sonne oft auf die Beine zu kommen...

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Montag 1. Juli 2013, 19:31

Danika konnte zu der Erklärung des Mischwesens nur nicken. Auch sie hatte ein bisschen gelernt, sich anhand der Natur zu orientieren, wenngleich nicht immer und ausschließlich anhand der Bezeichnungen von Himmelsrichtungen und mittels Sonne, Mond und Sterne. Das ergab sich logischerweise aus dem Umstand, dass sie sich in dichtem Wald zurecht finden musste und außerdem nicht als Himmelsbeobachterin ausgebildet worden war. Sie konnte sich eher anhand des Bewuchs am Boden, sofern dieser vorhanden und die rechte Jahreszeit dazu war, fortbewegen und herausfinden, wohin sie sich wenden musste.
Deswegen konnte sie seine Worte nachvollziehen, obwohl sie sich selbst nicht einfach so trauen würde, lediglich anhand der Sonne derzeit den Weg zu bestimmen. Da gefiel ihr das Moos als Hinweis auf die richtige Richtung schon besser und daran würde sie sich auch halten.
Danach allerdings schlich sich ein feines Lächeln auf ihre Lippen, als Velten weiterhin ihrem Begleiter etwas beibringen wollte. Sie selbst war noch nicht soweit wiederhergestellt, als dass sie sich schon ausreichend auf etwas konzentrieren konnte. Außerdem hatte sie den Sonnenaufgang nicht bewusst miterlebt.
Wäre Liya nicht verletzt gewesen, hätte sie ihnen auch helfen können, indem sie ihnen voraus flog und einen Überblick gewann. Nur leider stand ihnen diese Möglichkeit bis auf weiteres nicht zur Verfügung.
Immerhin, der Vogel signalisierte ihr bislang nicht, dass sie Schmerzen litt. Das war schon einmal etwas, denn zu dieser Jahreszeit wäre es für sie sehr schwer, die passenden Kräuter finden und verarbeiten zu können. Auch wegen Allrick und dem Zentauren wären sie notwendig, sodass sie ihre Augen offen halten würde, bis sie am Ziel wären, um vielleicht den ein oder anderen Schatz unterwegs bergen zu können.
Doch um überhaupt dorthin zu gelangen, mussten sie erst einmal alle auf die Beine kommen. Während sie schon auf ihren noch weichen Knien stand, brauchte das Mischwesen noch Schwung und Kraft, um wieder in die Höhe zu kommen.
Danach bekam sie noch eine verspätete Antwort, die sie zwar nicken ließ, allerdings nicht mehr so sehr interessierte wie seine ersten Gehversuche nach der Verletzung. "Geht es? Wirst du es schaffen? Sobald ich etwas finde und wir rasten, werde ich versuchen, euch einen schmerzlindernden Trank zu machen.", bot sie sofort an und sah fragend zuerst zu Velten, dann zu dem Menschen, um von ihnen Antwort zu erhalten, ob sie es auch wirklich schaffen würden.
Indes quittierte Allrick die Belehrung, sodass sie erneut fein lächeln konnte. "Nein, wir müssen nicht warten. Die Sonne ist eine von vielen Hilfen zur Orientierung, aber wir haben ja auch noch das Moos und auch noch andere Dinge am Boden, die uns unterstützen werden.", meinte sie versöhnlich und strich Liya dabei über deren Gefieder. Wie zur Bestätigung krächzte der Vogel leise.
In der Zwischenzeit fand sie ausreichend Kraft, um sich von dem stützenden Arm zu lösen. Denn bevor sie aber aufbrechen konnten, gab es noch etwas, was sie erledigen musste. So peinlich es ihr auch war, das auszusprechen, musste es einfach sein, weil sie ihre Freundin nicht mitnehmen konnte. Sie lief rot an, lächelte jedoch dankbar bei Allricks leisen Worten und hatte ihm das Tier bereits fachmännisch auf den Arm gesetzt.
Dieses war hingegen nicht so begeistert von dem Tausch, da es merkte, dass es nun wieder auf einem muskulöseren Arm saß. Sehen konnte Liya ja noch nichts, aber fühlen und das versuchte sie zu erreichen, indem sie ihre Krallen testweise tiefer grub, um den Umfang feststellen zu können.
Während sich die junge Elfe ins Unterholz verzog, plusterte sich der Vogel ein wenig auf und krächzte protestierend, weil auch er endlich wieder etwas sehen wollte. Solange, bis die Sonne das Gefieder erreichte. Sie stieß ein Geräusch, einem wohligen Schnurren einer Katze vergleichbar, aus und spreizte ihre Flügel, ehe sie sich schüttelte und den Schnabel öffnete, sodass kurz die dicke, dunkle Zunge erkennbar war. Jetzt war sie wieder zufrieden und vergaß sogar, dass sie nicht bei Danika war.
Nur der Sichtschutz, der sollte ihr, nach ihrer Meinung, noch abgenommen werden. Entsprechend krächzte sie auffordernd in die Richtung, in welcher sie den Besitzer des Armes vermutete.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Sonntag 7. Juli 2013, 12:47

"Meister?" Da neigte selbst ein erhabenes Wesen wie Velten fragend den Kopf. Dieses Wort war ihm fremd. Natürlich wusste er von dessen Bedeutung. Wenn man Dinge meisterte, war man in diesem Gebiet wahrlich ein Könner, aber er verstand nicht, weshalb Allrick den Begriff im Kontext zu seinen erklärenden Worten brachte. Er sah sich nicht als Meister, nur weil er ihm ein paar einfache Lektionen mitteilte, wie man sich in der Welt zurechtfinden konnte. So schüttelte der Zentaur sacht den Kopf. "Ich bin kein Meister", meinte er schlicht. "So nenne mich weiterhin Velten."
Er machte einige Schritte. Für einen Galopp würde es nicht reichen. Eine Flucht wäre mit seiner Verletzung unmöglich, aber einfaches Gehen schaffte er fast vollkommen schmerzfrei. Das stete Pochen und Pieken ließ sich bis auf ein Minimum reduzieren, das er getrost noch ignorieren konnte. Trotz allem würde ein Kundiger sich die Wunde irgendwann ansehen müssen, die Allrick vorerst ausgebrannt und somit am weiteren Bluten gehindert hatte. Es würde reichen. Der Zentaur gab ein paar stampfende Schritte von sich, prüfte die Beweglichkeit seines Laufes. Er nickte, war mit dem Ergebnis der aktuellen Umstände zufrieden.
"Du hast Allrick gehört", sagte Velten mit ruhiger, dunkler Stimme. "Wir werden nicht rasten und ich werde es schon durchstehen, ohne wie ein Fohlen zu jammern." Ein Lächeln huschte über die sonst so ernst wirkenden Züge. Es war freundlich und galt der Elfe allein, die sich dann für einen Moment der natürlichen Bedürfnisse zurückzog. Velten wartete, sprach indessen kein Wort. Er betrachtete sich die Umgebung, suchte nach Möglichkeiten, die vorherrschende Natur näher kennen zu lernen und sich ein besseres Bild zu machen. Der typische Jäger sprach aus seinen Handlungen. Sie würden irgendwann größeren Hunger haben als jetzt. Wo steckten eigentlich seine Vorräte, wo befand sich sein Speer? Hatte der Mensch ihn noch? Kurz flog der Blick wieder zu Allrick herüber. Den Bogen samt Köcher und Pfeilen trug Velten noch bei sich, aber den Speer hatte er lange Zeit nicht mehr beachtet.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 14. Juli 2013, 23:25

Die lieb gemeinte Frage Danickas ließ Allrick unkommentiert. Sicher hätte er etwas sagen können, doch er fand, dass der Zentaur es bereits ziemlich treffend formuliert hatte. Allrick für seinen Teil war froh, überhaupt noch am Leben zu sein, irgendwann fand man sich wohl mit allem ab, solange man zuvor einem größeren Übel entgangen war. Sicher zwickten seine Wunden und juckten schon ein wenig unter den schmutzigen Wickeln, dennoch versuchte Allrick, keinen Gedanken in diese Richtung zu vergeuden. Noch ein Grund, sich in die Sonne zu begeben, die wenigen, warmen Strahlen taten nämlich nicht nur dem Vogel auf seinem Arm, sondern auch Allrick selbst gut. Angesichts der Tatsache, dass Allrick in Liya bis jetzt einen denkbar schlechten Start hatten, schien er dem Tier gegenüber überraschend wohlgesonnen zu sein, nicht mal, dass sie sich testweise in sein Fleisch krallte ließ er sich ohne zu mosern gefallen. Denn so tief war es bei Leibe nicht und er selbst würde an Stelle des Vogels vermutlich genau so handeln. Er ließ es sich nicht anmerken, doch irgendwie schien er so etwas wie Freude dabei zu empfinden, sich dem Tier zuzuwenden. "Das gefällt dir, hm?" So raunte er ganz leise mit dem behutsamsten Ton, den er anzuschlagen vermochte. Das fast possierliche Gebaren Liyas war jetzt genau das Richtige, um sich bei Laune zu halten, solange sie auf Danicka warteten. Er machte sogar Anstalten, den Vogel behutsam zu kraulen, zumindest versuchte er das nachzuahmen, was andere mehr oder minder mit Erfolg taten, um gehaltene Vögel zu besänftigen. Die warmen Strahlen taten einfach nur gut, trockneten nebenher schon in Ansätzen zumindest die leichte Nässe in Haaren und Bart des Mannes und wärmte seinen Kleider wie die behutsame Umarmung einer liebenden Frau.

Veltens fragender Blick entging dem Menschen daher völlig, hatte er doch grade eine schönere Beschäftigung gefunden, als sich unnütz mit dem allgemeinen Kulturschock auseinander zu setzen. Das konnte man später immer noch erledigen. Davon ab hatten er und Allrick eigentlich wenig miteinander zu schaffen, zumindest sah der Mensch es in seiner eher einzelgängerischen Art so. Für ihn zählten nur er selbst, Danicka und notgedrungen auch Liya. Was aus Velten wurde, scherte ihn wenig, auch wenn er sich derlei harte Gedanken grad nicht eingestehen wollte. Sie schuldeten dem Mischwesen Dank, immerhin hatte er ihnen geholfen, statt ihnen zu Leibe zu rücken, wie es zu diversen Gruselgeschichten gepasst hätte, die man in Pelgar kleinen Kindern erzählte bevor sie zu Bett geschickt wurden. Eine ziemlich unpassende Art Geschichte, wenn man sich ein Kind wünschte, das die Nacht alleine verbringen konnte, so dachte zumindest Allrick.

Die Suche des Mischwesens durfte allerdings nicht mehr von langer Dauer sein, hatte Allrick den Speer doch zusammen mit der Wollecke nahe eines Baumes deponiert, nur ein paar Schritte entfernt. Solch wertvolle Dinge irgendwo herumliegen zu lassen war für gewöhnlich nicht die Art des Menschen, daher erledigte er solche Kleinigkeiten oft schon wie von allein und ohne groß darüber nachzudenken. Man durfte streng genommen auch nicht über derlei Dingen nachbrüten, man musste sie einfach nur erledigen, denn jeder Zeit geschahen Dinge, die dringender zu bedenken waren, zumindest hatte Allrick das irgendwann lernen müssen.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. August 2013, 21:45

Danika machte sich selbstverständlich Sorgen um ihre Begleiter, von denen jeder für sich eine Verwundung davon getragen hatte. Rechnete man ihre derzeitige Schwäche, die allmählich verklang, nicht hinzu, war sie tatsächlich die Einzige, die kein Päkchen zusätzlich zu tragen hatte. Trotzdem hätte sie kein Problem damit, sich der Geschwindigkeit der anderen anzupassen, sodass diese von ihnen vorgegeben würde.
Sobald sie sich erleichtert hätte, könnte es somit los gehen. Besonders, solange sie noch so motiviert wären wie derzeit, wie es Velten ihr versichert hatte. Das hoffte sie, würde auch länger so bleiben, allerdings nicht auf Kosten ihrer misshandelten Gesundheit. Wenn sich abzeichnen würde, dass eine Unterbrechung notwendig wäre, würde die junge Elfe auch darauf bestehen und kein Nachgeben kennen.
Indes schienen sich der Vogel und der Mensch ein wenig näher zu kommen. Bei den Worten krächzte Liya, obwohl sie sich wohl selbst nicht ganz so sicher war, ob das nun zustimmend oder empört klingen sollte. Der Tonfall irritierte sie und ihr Misstrauen war viel zu groß, als dass sie sich sofort darauf hätte einlassen können oder gar wollen. Lieber wäre sie wieder bei ihrer Freundin oder auch bei dem Zentauren gewesen, allerdings konnte sie derzeit nicht fliegen und hatte auch noch keinen Grund, weswegen sie noch sitzen blieb.
Und bevor sie sich entschieden hatte, was genau sie tun sollte, welche Reaktion die Richtige wäre, kehrte Danika bereits zurück, mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen. "So, tut mir leid, dass es gedauert hat. Jetzt können wir, oder?", fragte sie und trat an das gelöschte Feuer, instinktiv, um zu sehen, dass sie nichts dort zurück ließen, das erneut Wölfe auf ihre Fährte bringen könnte. Oder andere Tiere...
Dabei bemerkte sie die Decke und blinzelte. Dann lächelte sie erleichtert und nahm den Stoff an sich. "Seht mal, was ich hier gefunden habe! Also haben wir jetzt zwei Decken... und einen Speer?", wandte sie sich an ihre Begleiter und deutete zur Seite zu einem Baum, wo diese seltsam anmutende Waffe lag, deren Spitze zu schimmern schien, und der Stoff für einen Pferdekörper.
"Na, dann sind wir ja ganz gut gerüstet, nicht wahr?", plauderte sie weiter und spürte, wie auch ihr die Sonnenstrahlen gut taten und den Schrecken der letzten Nacht vertrieben.
Lächelnd trat sie zu Allrick heran und nahm ihre Freundin wieder auf ihren Arm. Dafür übergab sie dem Menschen die Decke. "Da, kannst du die tragen? Irgendwie hab ich das Gefühl, sie wäre passend für dich."
Nachdem sie seine Reaktion abgewartet hatte, griff sie sich die Waffe und ging zu Velten. "Hier. Ich glaube, sie ist deinen Händen besser aufgehoben. Ich nehme deine Tasche, ja?" Denn diese hatte sie nicht vergessen, obwohl sie zuvor noch mal die Pferdedecke ergriff und sie über Veltens Körper legte, damit seine Wunde ein bisschen zumindest geschützt war.
Als das geklärt war, nickte sie ihren beiden Begleitern zu und rückte die Tasche auf ihrer Schulter noch einmal zurecht, ehe sie Liya über das Köpfchen strich. "Gut, dann los. Ich hoffe, wir kommen gut voran und wenn etwas ist, sagt es mir. Ich gehe voraus, ja?" Damit wandte sie sich schon um und wollte ins Unterholz verschwinden, warf aber einen letzten Blick über die Schulter zurück. "Wenn ich euch zu schnell werde, müsst ihr es sagen. Ich werde versuchen, euch nicht zu entwischen."
Endlich konnte sie wieder befreit lächeln und die Aussicht darauf, etwas Sinnvolles tun zu können und bald hoffentlich Hilfe zu erreichen, gab ihr Kraft. "Ich schätze wir werden zwei Tage brauchen, also eine Nacht noch mal im Wald auf einer Lichtung verbringen. Wenn es euch möglich ist, schauen wir, dass wir heute den Ilfar überqueren und an seinem südlichen Ufer rasten. Dann haben wir Wasser in der Nähe und ich kann eure Wunden reinigen.", erzählte sie ihr Vorhaben und drückte die ersten Äste geschickt mit einer Hand weg.
Sie war im Wald aufgewachsen, sie konnte sich problemlos im Unterholz bewegen, ohne davon aufgehalten zu werden oder ihre Kleidung mehr als nötig einzubüßen. Für sie würde es am leichtesten werden, sich fortzubewegen, und das nicht nur, weil sie recht unverletzt war.


(Occ: tut leid fürs lange warten - ich hoff, der post entschädigt :))
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Montag 19. August 2013, 01:56

Velten ließ einen kleinen Zweig unter seinem Vorderhuf zerbrechen. Es knackte. Er kümmerte sich nicht darum. Der Wald allgemein bot erwachende Geräusche. Totenstille hätte ihn um diese Zeit beunruhigt. Nachts mochte es andersherum sein und selbst dann waren die Wälder, die er kannte, nie wirklich still. Endlich fand er Dank Danikas Aufmerksamkeit den Speer, nahm ihn entgegen. Bei der Wolldecke hätte er mehr Schwierigkeiten, schmerzte seine Flanke doch immer noch, auch wenn die Wunde ausgebrannt worden war. Zum Glück war die Elfe da und ging ihm zur Hand, legte sie ihm über den breiten Rücken wie eine Pferdedecke. So konnte er sie wenigstens ungehindert tragen.
"Das sind nicht meine Sachen", gab der Zentaur bekannt, scheute sich aber auch nicht, anzunehmen, was die Natur ihm spendete, wo auch immer es herkam. Er würde einen guten Speer nicht ungenutzt liegenlassen, ebenso wenig wie eine wärmende Decke. Auf Danikas Worte hin nickte er nur, reichte ihr sogar bereitwillig seine Tasche. "Achte auf sie", sagte er nur mit seinem brummigen Timbre, ohne dass er dadurch grollend böse klang. Er besaß einfach eine tiefwarme Stimme, mehr nicht. "Führe uns."
Der Zentaur machte sich nun auch mental aufbruchbereit, würde Danika folgen, dabei aber aus alter Gewohnheit selbst nach den Signalen des Waldes schauen und prüfen, wohin sie gingen, ob es sichere Pfade waren und wann man etwas Essbares finden konnte.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Samstag 31. August 2013, 15:01

Es würde wohl noch ein Weilchen brauchen, ehe Allrick und Liya Freunde würden, nicht, dass der Mensch übermäßig viel Wert darauf legte. Sollte das Tier doch machen was es wollte, niemand konnte es dazu zwingen, Danicka und Velten nicht als Umgang zu bevorzugen. Vermutlich fühlten sich wilde Tiere wie Liya zu wald-verbundenen Wesen eher hingezogen, oder etwas derartiges. Allrick war unter Menschen groß geworden und weder ein Alchemist, noch ein Waldkundiger gewesen, verstand also nichts von derlei Dingen.
Nur wenig Zeit verging, ehe Danicka sich erleichtert hatte und zu ihnen zurückkehrte, was zumindest Allrick mehr als recht war. Je eher sie von hier verschwanden, desto besser. Er zumindest würde sich nicht übermäßig beklagen, sollten seine Schmerzen wieder etwas zunehmen, im Vergleich zu Veltens Wunde - ob ausgebrannt oder nicht - hatte er doch lediglich ein paar Schrammen abbekommen, also nichts, das man nicht ignorieren konnte, wenn man sich nur etwas zusammenriss. Hauptsache, sie kämen gut voran, so dachte Allrick.
Verwunderung spielte sich jedoch in seinem Blick wieder, als die junge Elfe sich noch einmal umsah und plötzlich eine weitere Decke und einen edel anmutenden Speer auflas. Tatsächlich klebte Allricks Blick für einen Moment an der schimmernden Waffe, kein Wunder, denn sie war durchaus schön anzusehen und offenbar von guter Qualität, ebenso wie die Pferdedecke, welche Velten übergeworfen wurde. Er konnte sie sicher gebrauchen, auch wenn sie in Allricks Augen das Bild des großen Jägers störte, gab sie ihm doch etwas von einem fröstelnden Dressur-Rappen. Diese kleine Spöttelei behielt er allerdings für sich, denn er hatte irgendwie das Gefühl, hier nicht das richtige Publikum für derartigen Humor vor sich zu haben. Es kam ihm dennoch gerecht vor, dass der Zentaur scheinbar aus dem Nichts etwas derart nützliches erhalten hatte, denn ähnlich dem war ja auch die Wolldecke in Allricks Hände geraten, auch wenn er sie gestohlen hatte. Auch um den Speer beneidete Allrick das Mischwesen kaum, nahm er ohnehin lieber mit dem langen, unscheinbaren Stab Vorlieb, den er gefunden hatte. Der Speer hatte etwas wundersames, mystisches an sich und der Mensch war ohnehin er Auffassung, dass man mit solchen Dingen vorsichtig sein musste, weshalb er ihn nicht gerne in seiner Nähe haben wollte. Doch das alles war nicht von Belang.

Die Worte, mit denen Danicka den Aufbruch ankündigte, hatten fast etwas erlösendes an sich, sie alle wirkten nun optimistischer, war doch der Moment, diese verfluchte Lichtung endlich zu verlassen, gekommen. Allrick zumindest freute sich und würde seinerseits auch darauf achten, das junge Wesen nicht aus den Augen zu verlieren, egal wie dicht der Wald werden würde, auch wenn Danicka selbst sich nach Velten und Allrick richten wollte. Er selbst würde es wohl doch am schwierigsten haben, sich mit ähnlicher Grazie oder Kundigkeit durch das Gehölz zu bewegen wie Danicka oder Velten, da er es nie gelernt hatte. Diesbezüglich hatte sich nie eine Notwendigkeit oder gar Gelegenheit ergeben, weshalb ihm wohl nichts übrig blieb, als mit der Wolldecke im Gepäck und seinem Stock als Hilfe mehr oder minder elegant durch das Unterholz zu stapfen und sich zu bemühen, nicht übermäßig aus dem Rahmen ihres kleinen Grüppchens zu fallen.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 15. September 2013, 11:02

Die junge Elfe hatte sich ebenfalls schon darüber gewundert, woher diese Sachen kamen, denn sie waren am gestrigen Tage nicht auf dieser Lichtung gewesen, noch schienen sie dem Zentauren zu gehören. Dazu benötigte sie nicht erst seine Bemerkung, sondern es reichte die Tatsache, dass er sich mit der Decke nicht warm gehalten und mit dem Speer nicht verteidigt hatte. Dennoch wollte sie diese Dinge nicht zurücklassen, schon gar nicht das wärmende Material, das sie alle so nötig gebrauchen konnten, je verletzter, umso mehr.
Deswegen nickte sie auf Veltens Worte zwar, erwiderte jedoch mit einem Lächeln:"Unsere auch nicht. Du nimmst uns also nichts weg." Noch einmal prüfte sie, ob die Decke gut lag und nicht herunter rutschen würde, ehe sie die Tasche an sich nahm und ihm ein weiteres Lächeln schenkte. "Das werde ich.", versprach sie und hielt sie mit ihren dünnen, blassen Armen fest an ihren Körper.
Mit einem letzten Nicken in seine Richtung wandte sie sich um und sah Allrick aufmunternd an, in der Hoffnung, ihm somit Zuversicht geben zu können, dass sie diesen Weg schaffen würden. Da sie die Führung übernahm, wollte sie es ihren beiden Begleitern überlassen, wie sie sich hinter sie reihten.
Liya hatte es sich inzwischen auf der Schulter ihrer Freundin bequem gemacht und steckte den Kopf unter ihren unversehrten Flügel. Der Vogel war erschöpft und konnte etwas Schlaf gut gebrauchen, denn trotz des Sichtschutzes die Nacht über hatte er keine Erholung gefunden. Danika strich lächelnd mit der Fingerspitze über das gefiederte Brustbein, wie um Gute-Nacht zu wünschen, dann konzentrierte sie sich wieder auf ihren Weg.
Es war nicht so mühsam, wie es zu wärmeren Jahreszeiten der Fall gewesen wäre, in denen das Unterholz und sämtliche Gewächse in voller Blüte standen. Trotzdem kamen sie, aufgrund der Verletzungen der beiden männlichen Wesen nur langsam voran. Immer wieder musste die Elfe an sich halten, um ihnen nicht voraus zu eilen und ihren Blicken zu entschwinden, da sie viel wendiger und es gewohnt war, sich in diesem Umfeld zu bewegen. Außerdem war ihr, als würden ihre Lebensgeister zurück kehren, ihr Schwung und Energie geben.
Sie zwang sich dazu, stets auf die Geräusche hinter sich zu lauschen, und alle paar Meter stehen zu bleiben, so zu tun, als würde sie sich umsehen und vergewissern, die richtige Richtung eingeschlagen zu haben, während sie darauf wartete, dass die anderen wieder zu ihr aufschlossen. Dadurch dauerte es seine Zeit, bis sie ihrem Ziel endlich merklich näher kamen.
Als sie einmal stehen blieb und lauschte, lächelte sie ihren Begleitern zu, als diese sie erreicht hatten. "Hört ihr das? Das Rauschen? Wir nähern uns dem Ilfar. Dort können wir rasten und im Morgengrauen dann die Furt nehmen und weiter ziehen.", sprach sie, denn aus Erfahrung wusste sie, dass es noch dauern würde, bis sie den Fluss auch zu sehen bekommen würden. Nicht nur, weil sie relativ langsam voran kamen, sondern auch, weil im Wald zu dieser Jahreszeit die Geräusche weit getragen wurden.
Liya hatte ihren Schlaf längst beendet und krächzte immer wieder, schlug mit den Flügeln und wurde unruhig, weil sie am liebsten in die Luft aufgestiegen wäre. In solchen Momenten sprach Danika beruhigend auf sie ein und versuchte ihr, trotz allem, zu erklären, warum sie erfolglos bleiben musste für die nächste Zeit.
Hin und wieder mussten sie kurze Rasten einlegen, damit die Verletzten verschnaufen konnten. Bei diesen Gelegenheiten pflückte die Elfe ein paar Beeren, die sie kannte und um deren Verträglichkeit sie wusste, und hielt außerdem nach dem ein oder anderen herunter gefallenen Ast Ausschau, der sich gut zum Brennen eignen würde und den sie an Velten weiter reichte, damit dieser sie trug. Durch den Regen war zwar alles nass und der Boden schlammig, aber das beeinträchtigte sie recht wenig.
So erreichten sie schließlich ihr Etappenziel, denn als Danika mal wieder einen Ast zur Seite schob, blieb sie stehen und atmete auf. Vor ihr öffnete sich der Blick auf das Flussbett des Ilfar, der sich in dessen Mitte zurück gezogen hatte und relativ wenig Wasser führte. Deswegen gab er viel von der Au preis, die ihn zu beiden Uferseiten umrahmte und ihnen einen offenen Lagerplatz bot.
Lächelnd drehte sie sich zu den anderen um. "Wir sind da. Wir haben es für heute geschafft!" Wie aufs Stichwort knurrte ihr Magen, sodass sich ihr Lächeln zu einem schiefen Grinsen wandelte und sie hastig aus dem Unterholz trat, als dürfe sie keine Zeit verlieren, eine halbwegs trockene Stelle oder umgefallene Stämme als Sitzgelegenheit für sie alle zu finden.
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