Alleine im Wald?

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. November 2006, 14:03

Gena wanderte nun schon ungefähr vier Stunden durch den Wald Neldoreth. Ihr ganzer Körper meldete sich und wollte eine Pause. Da sie unweit des Flusses Ilfar war und sie das Wasser schon plätchern hören konnte, beschloss sie dort einen kleine Rast zu machen und etwas zu trinken. Ihr war dennoch sehr unangenehm. Die Elfe dachte an die vielen verschiedenen und gefährlichen Wesen, die hinter jedem Busch lauern konnten. So kniete sie sich an das Ufer des Flusses und schöpfte etwas Wasser mit den Händen und trank es.

Sie befand sich dicht am Waldrand zur Stillen Ebene und sie konnte, wenn sie an einigen Bäumen vorbei schaute, die grüne Fläche der Ebene erkennen. Alles war verdunkelt von den schwarzen Wolen. Es war seltsam, denn es fing einfach nicht an zu regnen. Nur hin und wieder zuckten einzelne Blitze über den Himmel, welche von einem grollenden Donner begleitet wurde. Es schien gefährlich zu sein hier im Wald, denn wenn ein Blitz in einen der Bäume einschlagen würde, könnte sich schnell ein ganzer Waldbrand daraus entwickeln.

Dann raschelte es im Gestrüb. Gena blickte sich um und entdeckte schnell, wo das Geräusch her kam. Sie machte sich zum Kampf bereit und hielt ihren Langbogen vor sich. Mit festem Blick fixierte sie den Busch und erwartete schon das schlimmste. Dann kam ein Arm, ein Bein und schließlich auch ein Rumpf mit Kopf zum Vorschein. Nun stand ein junger, stämmiger, muskulöser, männlicher Mensch vor ihr, der sich verwirrt umblickte.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 26. November 2006, 15:56

"So ein Mist. Jetzt habe ich mich doch verlaufen.", sagte der junge Mann ärgerlich.

Er blickte sich erneut um und sah dann eine Elfe auf dem Boden nahe des Wassers liegen. Verdutzt näherte er sich ihr und als er bemerkte, dass sie sich nicht bewegte, beschleunigte er seine Schritte. Er kniete sich neben sie und legte eine Hand auf ihre Wange. Da sie nicht kalt war atmete er erleichter auf.

<b>Zum Glück. Tot ist sie nicht. Was macht eine Elfe denn hier so alleine im Neldoreth? Naja egal... erst einmal zählt, dass ich sie wieder zu bewusstsein bringe.</b>

Er streichelte leicht über die Wange Genas und holte ein Tuch aus seinen Taschen hervor. Dieses machter er mit dem Wasser des Ilfar nass und legte es vorsichtig auf die Stirn der Elfe. Dann hob er leicht ihren Kopf an und legte ihn auf seinen Schoß. So blieb er sitzen und wartete darauf, das Gena wieder erwachte.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 26. November 2006, 16:23

Nach einiger Zeit öffnete die Elfe ihre Augen. Wie aus Refelx schlug sie nach dem Tuch auf ihrer Stirn und der Hand des jungen Mannes. Erschreckt entfläuchte ihr ein kleiner unverständlicher Laut und richtete sich auf. Sitzend wich sie ein Stück zurück und sprang regelrecht auf. Nun stand sie, wie bereit zur Flucht, vor dem Mann und sagte keine Wort. Der Fremde richtete sich ebefalls auf, jeoch nicht in so einer Geschwindigkeit.

"Oh, geht es Euch schon besser?", fragte der Mann mit freundlicher Stimme. "Vielleicht solltet Ihr Euch noch etwas hinlegen. Schließlich wart ihr Bewusstlos und es ist nicht gut gleich wieder so schnell auf den Beinen zu sein."

Er lächelte sie freundlich an, ging zu seinem Tuch hinüber und hob es langsam auf. Dann richtete er sich erneut der Elfe zu und musterte sie nun.

<b>Merkwürdige Person. Sie spricht kein Wort mit mir. Vielleicht habe ich sie erschreckt. Ich sollte erklären was ich hier mache und was passiert ist.</b>

"Es tut mir leid, wenn ich Euch erschreckt habe. Das war bei den Göttern nicht meine Absicht.", sagte er. "Ich bin ein herzensguter Mensch. Ich habe mich scheinbar verlaufen. Dumme Sache und das auch noch bei dem Wetter. Ich habe Euch dort drüben liegen sehen."

Er deutete auf die Stelle wo Gena gelegen hatte.

"Ich war sehr überrascht eine Elfe hier vorzufinden. Und als Ihr Euch nicht bewegt habt, wollte ich sehen was mit Euch los ist. Bei den Göttern, ich bin froh das Ihr nicht tot wart."

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 26. November 2006, 17:13

Der Mann sah nach wie vor die Elfe an. Er wurde einfach nicht schlüssig aus ihr. Scheinbar hatte er sie so erschreckt, dass sie nicht ein Wort sagen konnte. Sie stand einfach nur da und blickte den Mann an. Ihr schien sehr viel im Kopf herum zu gehen, denn ihre schönen grün-gelben Augen waren mehr oder weniger leer. Ihr ganzer Körper schrie nach einer Pause und verlangte, dass sie endlich aus ihrer Erstarrung aufwachte.

"Ihr seid wirklich etwas seltsam, wenn ich das sagen darf.", sagte der Mann und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. "Ach herje, wo sind nur meine Manieren geblieben."

Der Mann kratzte sich am Hinterkopf und musste nun laut lachen.

"Mein Name ist Erik.", er blickte sich um und setzte ganz plötzlich ein ernstes Gesicht auf. "Wir sollten hier besser verschwinden. Ich habe ein ungutes Gefühl hier. Es könnte sein, dass uns jemand beobachtet. Kommt mit."

Er ging mit dem ernsten Gesicht zu der Elfe und packte sie mit festem Griff an den Schulter und kam mit seinem Gesicht immer näher zu dem Ihrem. Seine Lippen berührten fast die Haut der Elfe und nun flüsterte er in ihr Ohr.

"Ich glaube jemand ist hinter mir im Gestrüpp. Lasst uns langsam in Richtung Stille Ebene gehen. Dort dürften wir sicherer sein als hier mitten im Wald."

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von fremder Mann » Sonntag 26. November 2006, 20:05

Erik zog Gena mit sich um sie von der eventuellen Gefahr fort zu bringen. Er packte sie am Arm und schleifte mehr oder weniger die Elfe hinter sich her. Anscheinend ging es ihr nicht so gut. Sie schien immernoch wie abwesend. Das konnte doch nicht normal sein, selbst für Elfen nicht.

<b>Was ist nur los mit ihr? Sie sollte sich mal zusammen reisen!</b>

Dann vernahm Erik von der Elfe ein "sicher doch" und etwas später sagte sie sogar ihren Namen. Gena, hieß sie. Nun erreichten sie auch die Stille Ebene. Sie rannten über das grüne Gras und ließen den Wald mit seinen Schatten und unheimlichen Gegenden hinter sich. Nach einer Weile des Rennens blieb Erik stehen und stemmte sich die Hände in die Hüften. Er schnappte verschwitzt nach Luft und atmete schwer.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von fremder Mann » Mittwoch 29. November 2006, 21:09

Noch immer stand Erik schnaufen auf dem Gras der Stillen Ebene. Er betrachtete Gena und bemerkte, dass sie weder erschöpft noch außer Atem war. Sie schien sich von der Anstrenung des Rennens nicht weiter stören zu lassen. Der junge Mann senkte erneute seinen Blick und stützte sich nun mit seinen Händen auf seinen Oberschenkeln ab. Keuchend rang er nach Luft, welche seine schmerzenden Lungen von der Qual befreien sollten. Nach einer kleinen Weile erhob er sich nun doch wieder zu seiner ganzen Größe.

<b>Was für eine Elfenfrau. Sie scheint nicht mal außer Atem zu sein, obwohl wir doch ein ganzes Stück gerannt sind. Da würde doch jeder außer Puste kommen. Schon merkwürdig, aber Elfen haben wohl eine große Ausdauer.</b>

Gena zog plötzlich aus ihrer Tasche einen Trinkbeutel heraus und hielt diesen Erik hin. Der junge Mann ergriff ihn dankbar und nahm einen großen Schluck.

"Danke für das Wasser. Das habe ich jetzt dringend gebraucht. Aber lasst uns nicht hier verweilen. Es kann immernoch passieren, das etwas aus dem Wald uns bis hier her verfolgt.", sagte Erik und hoffte nun endlich einmal auf eine wörtliche Antwort der Elfe.


[weiter in --> Die Stille Ebene --> Die Durchquerung der der Stillen Ebene]

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Montag 1. August 2011, 22:49

Danika und Allrick kommen mit letzter Kraft von der: Flucht


Es schien Ewigkeiten zu dauern, bis die junge Elfe nicht mehr vor Angst heftig zitterte. Es war wirklich knapp gewesen, wie sie dem kleinen Trupp Dunkelelfen in der Finsternis der herein gebrochenen Nacht entkommen waren. Nur mit Mühe hatten sie beide so flach atmen können, um sich nicht durch Geräusche zu verraten. Und dann plötzlich war es noch viel knapper geworden, sodass sie schon rettungslos verloren schienen. Wäre nicht mit einem Mal eine Eule laut raschelnd aus ihrem Versteck aufgeflogen, sodass sie den Fokus auf sich gezogen hatte.
Die Soldaten hatten die Spur abgetan und nach einer guten halben Stunde hatten die Zwei es wieder gewagt, sich zu rühren. So rasch, wie es ihr noch möglich war in dieser Finsternis des Waldes, hatte sie ihn weiter geführt, egal, in welche Richtung es gewesen war, Hauptsache, weg von Kosral.
Zeit wurde unerheblich, ließ sich ohnehin nicht messen in dieser Umgebung, die keinen Blick auf die Sterne oder überhaupt auf den Himmel zulassen würde. Lediglich die Beine wurden schwer, das Atmen ging mühsamer, Müdigkeit setzte sich in die Knochen und die Stimmen der Männer vom Dunklen Volk wurden leiser.
Trotzdem konnte Danika noch nicht anhalten und sich entspannen, sie durfte es einfach nicht!
So zog sie ihn, immer langsamer, Minute um Minute, schlussendlich sogar Stunde um Stunde weiter, ohne es zu ahnen, Richtung Westen.
Bis sie auf einmal durch das Unterholz brachen und mitten auf einer Lichtung standen. Keuchend hielt sie inne und blinzelte bei dem abrupten Lichteinfall, so schwach er auch war.
Es dauerte Sekunden, bis sie die Kraft fand, in die Höhe zu sehen. Dort färbte sich der Himmel schon ein wenig heller, was ihr anzeigte, dass sie tatsächlich die gesamte Nacht über durchgelaufen waren.
Mit dieser Erkenntnis gaben ihre Beine nach und sie knickte einfach ein.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Mittwoch 3. August 2011, 17:36

Eine ganz kurzen Verschnaufpause, ein paar Atemzüge nur, damit Allrick wieder bei Verstand war und weiterlaufen konnte, ohne sich übergeben zu müssen. Es brauchte wirklich nicht lange, bis die beiden weiterhasten konnten und ihr bestes gaben, nicht über jede kleine Wurzel zu stolpern, das wäre fatal gewesen und zwar für beide.
Wieder glitt Danicka geschmeidig durchs Unterholz und trotz seiner nicht annähernd änlich grazielen Bewegungen blieb er an ihrer Seite. Nichts würde sie aufhalten, nicht solange er sich auf den Beinen halten konnte, denn sie nahm es mit der Vegetation auf und hätte es auch ohne ihn schaffen können.

Danicka musste wirklich mehr wahrnehmen als Allrick, denn der Pelgarer war sich der nahenden Bedrohung durch die Dunkelelfen nicht immer so vollends bewusst wie Danicka. Seine Unruhe saß dafür umso tiefer, denn während Danicka wenigstens etwas hören konnte, fühlte sich ihr Begleiter, als würden sie vor unsichtbaren Feinden fliehen, die sich in jedem Blatt, jedem Gebüsch und jedem Baum zu verbergen vermochten.
Danicka hatte wenigstens eine Orientierung, wohingegen Allrick nichts blieb, als an ihr dran zu bleiben, denn es war sicher, dass er ohne die kleine Elfe keine Chance hatte, auch nur den Luftzug von Freiheit zu erhaschen.
Spätestens als sie um Haares Breite ergriffen worden waren, während sie sich für einen kurzen Moment versteckt halten mussten, bekamen ihre Verfolger auch für Allrick wieder eine Gestalt, erneut waren sie nicht nur Schatten aus Boshaftigkeit, sondern dreidimensionale Ungeheuer mit Köpfen, Körpern und Waffen. Sie waren in diesem Moment so nah, dass sogar Allrick mit seinen stumpfen, menschlichen Ohren sie hören konnte. Das Blut gefror in seinen Adern, als ihr schlangenhaftes Gezischel zu hören war. Wäre ihnen das Schicksal nicht zuhilfe gekommen, wären sie schon dort wieder gescheitert, doch sie sollten weiterleben und die Chance bekommen, zu entfliehen. Im richtigen Moment ergriffen sie die Intiative und liefen weiter, keine Sekunde zu früh, denn fast hätten die Sucher die beiden gefunden.

Danicka zog den Pelgarer rastlos mit sich, nach Leibes Kräften, eilte er ihr nach, auch wenn seine Kondition bei weitem nicht in Hochform war, es musste einfach sein. Eine Ewigkeit hielt er mit ihr Schritt so gut er konnte, sie rasten durch Büsche, an Bäumen verschiedenster Größen vorbei und störten vermutlich so manchen Nachtjäger. Die Finsternis der Blätterdächer verschluckte die beiden wieder und wieder, als würde der Wald in der Nacht wieder und wieder versuchen, sie zu verschlingen. Oder als würden sie nur für Sekunden die Augen auf schlagen und blind durch die Wildnis rasen.
Zumindest fühlte es sich für Allrick so an. Langsam ertaubte sein Verstand, die Muskeln schriehen schon, sie wären müde und müssten rasten, sonst würde es sie bald zerreißen, Übelkeit stieg in ihm auf, ohne jedes Zeitgefühl stürmten sie immer weiter, bis plötzlich der Wald vor ihnen eine Lichtung öffnete, als würde er sie ausspucken, damit sie an die Oberfläche treiben und Luft holen konnten.

Luft holen, genau so fühlte es sich an, als er plötzlich stoppte. Denn Danicka hatte angehalten, als wüsste sie, dass ihr Flucht plötzlich geglückt war. War sie das denn? Allricks Verstand war zu müde, um das zu begreifen, erst als der Puls abflachte und sich sein Blick klärte, kamen auch seine Gedanken wieder vom Status eines berauschten Tieres ab. Er sah mehr oder minder klar, sein Blick folgte Danickas zum Himmel, das andämmernde Licht der Morgensonne schien für ihn wieder das Ende eines Traumes, oder der Anfang. Als läge er gerade im Sterben und der sanfte Schauer kehrte in ihm ein, vielleicht endlich Frieden zu finden und der Bitterkeit und Gefangenschaft in seiner Vergangenheit entkommen zu sein. Entfernt glaubte Allrick, er vernäme eine ihm wohl bekannte Stimme und ein leichter Strahl von Wärme, der von der heranblinzelnden Sonne ausging, berührte Allricks Gesicht, schien ihn zu streicheln. Halluzinationen rissen ihn zuboden und ließen ihn besinnungslos auf dem weichen Boden der Lichtung aufkommen und wurden zu Schlaf.
So gut fühlte es sich an vor Erschöpfung zusammenzusacken und nichtmal die Berührung des Mooses unter ihm zu fühlen, sie hatten es tatsächlich geschaft.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Erzähler » Samstag 6. August 2011, 15:33

Die junge Elfe ahnte ja nicht, wie schwer es ihrem Begleiter fiel, sich in ihrer Heimat zu orientieren und die Bedrohung hören zu können. Ihr hingegen war es nur zu bewusst, wie gefährlich es um sie herum war, während sie selbst immer weniger sehen konnte. Nun half ihr Gehör ihr weiter, sodass sie anhand des Raschelns der Blätter darauf schließen konnte, wie der Weg weiter gehen würde.
Doch auch sie stieß irgendwann an ihre Grenzen und wurde nach einiger Zeit immer langsamer. Trotzdem trieb sie beide eine gewisse Kraft, die Macht der Angst und der Freiheitsdrang sowie Überlebenswille, an, weiter zu laufen. Solange, bis sie an einer Lichtung ankamen und erst jetzt tatsächlich begreifen konnten, wie viele Stunden seit ihrer Flucht aus Kosral vergangen waren.
Noch bevor Allrick zu Boden ging, raubte die Erleichterung Danika bereits die Sinne. Sie sackte erschöpft zusammen und sank ebenfalls wie er Sekunden später in den gerechten Schlaf der Erschöpften. Alles um sie herum war mit einem Schlag ausgelöscht und hätte ein Dunkelelf sie verfolgt, er hätte sie jetzt ganz gemächlich und bequem aufsammeln können, beide hätten es vermutlich nicht einmal bemerkt, wenn er grob gewesen wäre dabei. Doch sie hatten Glück und ihre Verfolger abgehängt. So drohte ihnen nichts außer Erholung durch den Schlaf.

Die Stunden vergingen und schließlich war es wieder Danika, die zuerst zur Besinnung kam. Sie setzte sich auf dem weichen Waldboden auf und rieb sich über die Augen bei dem ganzen Licht um sie herum, da die Sonne schien.
Danach streckte sie sich ausgiebig und atmete tief die frische, warme Luft ein.
Erst nach Sekunden fiel ihr ihre gemeinsame Lage wieder ein und sie sah sich hastig, erschrocken um. Aber nichts und niemand war zu erkennen, der sie heimlich beobachtet hatte und jetzt schadenfroh einfangen wollte, ehe sie erneut fliehen könnte. Das einzige, unnatürliche Geräusch in ihrer Umgebung war ihr knurrender Magen, der sich nun meldete.
Sie grinste schief und sah zu Allrick, der noch immer schlief, bevor sie aufstellen wollte, um sich nach ein paar Beeren umzublicken.
Wäre da nicht auf einmal ein laut raschelndes Geräusch gewesen, das sie mit einem erstickten Aufschrei herum fahren ließ. Hatte sie sich denn zu früh gefreut? Würde sie nun trotz aller Bemühungen wieder eingefangen und gequält werden?! Am liebsten wäre sie zu Allrick gekrochen und hätte bei ihm Schutz gesucht, wenn sie sich nur hätte bewegen können!


Velten kommt von: Eine Beute namens Mensch

Er hatte ein wenig Glück gehabt. Etwa einen halben Tag lang war der Zentaur erst unterwegs gewesen, als er auf eine erneute Spur stieß. Diese bestand wieder aus Hufen, doch diesmal war es eindeutig die Größe seines Sohnes gewesen.
Er war ihr gefolgt, hatte so wenig wie möglich gejagt und gerastet, um keine Zeit zu verlieren. Nicht immer war sie so klar wie am Anfang gewesen, aber bevor er verzweifelt war, hatte er stets den Anschluss wieder gefunden.
So war er nun inzwischen den vierten Tag unterwegs, als er sich eine Lichtung für eine kurze Rast suchen wollte, wo er ein Lager aufschlagen und eine Stunde oder zwei rasten könnte, denn seine Beine schmerzten inzwischen und sein Magen knurrte wieder.
Doch Halt... das war gar nicht sein Magen gewesen! Es hatte so ähnlich geklungen, allerdings viel zu leise für seinen Körper. War hier noch jemand? Lauerte Gefahr auf ihn oder hatte er die verfluchten Zweibeiner gefunden?
Die Aussicht auf letzteres sorgte für Unachtsamkeit des Zentauren, da der Gedanke allein natürlich vieles in ihm auslöste. So war er nicht sonderlich leise, als er durch das Unterholz lief und plötzlich hervor brach, um mitten auf einer Lichtung gelandet zu sein und direkt in große, vor Schreck geweitete Augen einer Elfe zu sehen.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Donnerstag 11. August 2011, 10:30

Endlich meinten es Florencia und Phaun gut mit ihm. Velten hatte lange gebraucht, um auf die neue Fährte zu stoßen, doch er hatte sie gefunden. Zuerst schwach nur erkannte er sehr schnell die Hufabdrücke im erdigen Untergrund, die durchaus denen seines Sohnes Taimi entstammen konnten. Natürlich mochte ein Huf aussehen wie jeder andere, aber die Größe passte. Taimi war noch kein ausgewachsener Zentaur und diese Abdrücke stammten von keinem Erwachsenen. Dazu versanken sie nicht tief genug im Erdreich und zeigten sich ein wenig kleiner als seine eigenen, als Velten vorsichtig seinen Vorderhuf über die Spur legte.
Ihm blieb kaum eine Wahl. Er konnte nach diesem Strohhalm greifen und der Fährte folgen oder sich abwenden, um neu mit der Suche zu beginnen. Er entschied sich für Ersteres. Im besten Fall würde ihn die Spur zu seinem Sohn führen. Dann wären sie wieder vereint, er könnte ihn nach Hause bringen - nachdem er Rache an jenen Menschen genommen hatte, die es wagten, einem Zentauren die Freiheit nehmen zu wollen. Sie würden büßen, dieses finstere Zweibeinerpack. Doch er ließ sich nicht von seinem Zorn beherrschen. Velten war ein besonnener Vertreter seines Volkes. Er wusste, dass die Zeit der Rache kommen würde. Bis dahin musste er ruhig bleiben. Nur mit einem kühlen Kopf und klarem Verstand ließ sich die Jagd fortsetzen. Also folgte er der Fährte, die ihn weit nach Süden trieb, bis über die Grenze des Arus hinaus. Er bemerkte, dass er sich im Wald Neldoreth befand, als sich der Bewuchs änderte. Es gab hier weniger Kiefern und Tannen, viel mehr Laubbäume herrschten vor. Und auch mehr bunte Sträucher und Blumen. Sie waren teilweise von sehr großem Wuchs. Seine Frau würde sich darüber freuen. Wo Blumen wuchsen, da existierten auch Kräuter. Sie hätte hier ihre Vorräte aufstocken können, Velten aber war nicht so bewandert in der Kräuterkunde, um sich nun Stunden damit aufzuhalten, kleine Büschel von irgendetwas zu sammeln. Außerdem hatte er eine andere Aufgabe zu erledigen, welcher er mit sturer Entschlossenheit nachging.

Ganze vier Tage reiste er nun schon. Seine Herde mochte weitergezogen sein. Er würde sie finden. Zuerst hieß es, den Jungen zu finden und zurück zu holen. Sein Magen fühlte sich ein wenig taub an, als hätte sich sein Innerstes verknotet. Er durfte in seinem Jagdtrieb nicht vergessen, sich auch Nahrung zu beschaffen. Geschwächt nützte er niemandem, schon gar nicht Taimi. Also entschied sich der Zentaur, die Suche vorerst zu unterbrechen, um auf Beutejagd zu gehen. Ein Kaninchen, ein oder zwei Vögel, vielleicht sogar eine Natter, wenn er eine aufscheuchen konnte. Er würde schon etwas finden. Notfalls bot ihm der Wald auch noch die Reichhaltigkeit an Nüssen und Beeren. Velten war in der Natur aufgewachsen, ganz der Zentaur. Wenn er keine Nahrung fand, wer dann?
Er machte sich auf die Pirsch. Dabei trottete er verhältnismäßig langsam voran. Er musste wirklich hungrig sein, wenn er seine Tarnung derart vernachlässigte. Denn im Normalfall hätte er sich nicht so laut durch das Dickicht bewegt. Sogar sein Magen spielte nicht mehr mit. Aber nein, das Knurren kam gar nicht von ihm. Velten legte einen Pfeil in seinen Bogen und spannte diesen halb. Ihn bereits auf voller Länge zu spannen, wäre dumme Kraftverschwendung. Vielleicht knurrte da nur ein weiterer Magen. Vielleicht hockte irgendwo ein kleines Tier, das ebenso hungrig war wie er selbst. Vielleicht würde es mit seinem Opfer seinen Hunger stillen. Velten stapfte voran, jetzt deutlich aufmerksamer als eben noch zuvor. Und doch passierte es, dass er beinahe in seine Beute hinein lief. Plötzlich stand sie vor ihm, schlank und zart. Sie war viel kleiner als er, der doch als mächtiger Vierhufer vor ihr zwischen den Sträuchern auftauchte. Seine Brust hob und senkte sich unter einem tiefen Atemzug, als er in ein paar vor Schreck geweiteter Augen blickte. Den Bogen auf dieses Ziel gerichtet, senkte er seine Waffe zeitlupenartig. Die Sehne entspannte sich, der Pfeil wurde zurück in den Köcher geschoben. Von einem solchen Wesen ging keine Gefahr aus und sollte sie es tatsächlich wagen, anzugreifen - immerhin war sei eine Zweibeinerin -, dann konnte Velten immer noch steigen und mit seinen Vorderhufen nach ihr treten. Das würde ihr hauchzarter Körper nicht überleben. Im Moment blieb er jedch ruhig, sagte allerdings auch nichts. Er schnaubte nur leicht, dass man ihn tatsächlich noch für ein Pferd hätte halten können. Sein Schweif pendelte hin und her.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Freitag 12. August 2011, 14:08

Als wären sie aus einem Albtraum erwacht, hatten sie den dichten Wald durchbrochen und waren auf dieser kleinen Insel im Grün gestrandet. Erschöpfung hatte sie übermannt, die Erleichterung ließ sie schlafen und sich ein wenig erholen. Hoffentlich würde die Zukunft Allrick und besonders Danicka die Erinnerung an Kosral bald vergessen lassen. Sie hatten es sich verdient...

Nebelschwaden umkrochen Allrick, eine ungekannte Wärme strich ihm durchs Haare. Seine Verletzungen waren fort, er wachte auf und träumte dennoch. Die Sonne schien, ihre weichen, warmen Strahlen fielen ihm sanft ins Gesicht und ließen ihn das Gesicht verziehen, als würde er morgens erwachen und nichts wäre jemals gewesen. Murmelnd öffnete er die Augen. Ein Wesen mit wallendem, schwarzem Haar lag ihm gegenüber im Gras und lächelte ihn an. "Siehst du? Ich habe es dir versprochen, Allrick. Du bist wieder ein freier Mann, zumindest für den Augenblick." Der Pelgarer zog seine Augenbrauen zusammen, was sollte das bedeuten. "Du träumst, mein Liebster, eigentlich liegst du allein im Wald, mit dem Gesicht im Moos, völlig erschöpft, aber frei." Sie lächelte süß und strich Allrick das Haar aus dem Gesicht. "Versprich mir, dass du noch bei Danicka bleibst. Du brauchst sie und sie braucht dich. Sieh es als persönlichen Gefallen, ja?"
Allrick nickte wortlos, traurig darüber nur zu träumen und es zu wissen.
"Jetzt zieh nicht so ein Gesicht, Allrick. Hättest du es dir nicht gewünscht, wäre ich jetzt nicht hier, das weißt du." Rabanna kicherte, ihre Gestalt lößte sich langsam zu Nebel auf. "Bleib bei ihr und hütet euch vor Fremden. Viele werden euch Böses wollen, denn noch seid ihr leichte Beute. Bitte sorge dafür, dass ihr durchkommt. Auch wenn du dir wünscht, dass wir uns wieder im Arm halten können, halte durch. Wir sehen uns bald genug wieder." Just als er seine Hand nach ihr ausgestreckt hatte und hoffte, dass es doch kein Traum war, war sie schon gänzlich verschwunden. "Ich verspreche es dir..."

Nun war es an der Zeit, aufzuwachen, von einem Traum in den nächsten zu wandern. Schon fühlte der Mann das Moss an seiner Wange, Waldkräuter an seinen Händen und Schmerzen in seinen Gliedern, zu seinem Glück hielten Danickas Wickel noch, nichts war aufgeplatzt, noch nicht. Die Stirn Allricks warf sich in Falten, noch ehe er die Augen geöffnet hatte. In ungewohnter Taubheit hatte er diesen Traum erlebt, jedoch war er diesmal sehr friedlich gewesen. Es war ein guter Traum.
Ein Rascheln drang zwischen all den Lauten des Waldes an Allricks menschliche Ohren, war Danicka schon erwacht? "Ist alles in Ordnung?" Murmelte er, während Allrick seine Augen öffnete und sich aufzurappeln versuchte. Erst als er aufsah, erblickte er den großgewachsenen Zentauren, der Danicka wie ein Berg entgegenstand, mit hervorgeholtem Bogen. Allrick erschrak, nie zuvor hatte er solch ein Wesen erblickt. Er konnte nur durch Geschichten erahnen, worum es sich bei Velten handeln musste. Es waren schreckliche Geschichten gewesen, die Allricks Vater ihm erzählt hatte, wenn er unartig gewesen war.
In diesen waren sie wilde, Menschen jagende Ungeheuer, nicht besser als Orks. Nur unberechenbarer und verschlagener. Angeblich raubten sie Kinder, um sie zu verzaubern und zu einem von ihnen zu machen. Viele Dinge, die ihn als Kind schwer verängstigt hatten und nun stand solch eine Kreatur vor ihnen, vollkommen stumm.
Allricks Blick fiel auf Danicka, die starr vor Schreck auf dem Boden kauerte.
Grund zur Beunruhigung hatten sie mehr als genug. Schließlich stand ein fremdes, bedrohliches Wesen vor ihnen, das sie leicht überwältigen und verschleppen konnte. Zumindest Danicka, Allrick würde vermutlich im Wald zurückgelassen werden.

So zumindest spukte es durch seinen Kopf und trat auf seine Vernunft mit Füßen ein. Allrick holte tief Luft, sein Blick war sehr ernst geworden und mit aller Kraft, die er aufwenden konnte, stand er auf und versuchte, so sicher zu wirken, wie es eben ging.
Zu Kreuze zu kriechen hatte keinen Sinn, das hatte er von den Dunkelelfen lernen dürfen. Es blieb schlichtweg abzuwarten, was dieser jemand vorhatte, denn sie hatten ohnehin nichts zu verlieren. Entweder würde er sie niedermachen, oder nicht, etwas anderes konnte nicht geschehen. Langsam näherte sich Allrick an Danicka an, er sollte ihr Beschützer sein, daran wollte er sich halten. Kurz sah er zu Danicka, ihre Blicke streiften einander, er war wach und war für sie da. Auch wenn sie beide noch ein paar Schritte von Velten entfernt standen, musste sogar er noch den Blick heben um in das mistrauische Gesicht des Zentauren blicken zu können. Er ist anders als die Elfen. Aber... Irgendetwas stimmt mit ihm nicht, er ist ein Wilder, die Wilden sind gefährlich. Mit seinen Vorurteilen ringend versuchte Allrick, vorsichtig und sachlich zu denken.

Wenn er uns etwas Böses wollte, hätte er uns doch schon angefallen, oder nicht? Nein, das kann nicht sein, er ist ein Fremder! Erinner dich Allrick, hat es sich jeh gelohnt, einem Fremden nicht mistrauisch zu sein? Kurz suchte Allrick erneut den Blick Danickas. "Hör zu, wir wollen keinen Streit ja?" Auch wenn sie entkommen waren, Allrick und Danicka waren nach wie vor 'nur' Sklaven. Entflohene Sklaven, sicher, dennoch hielt die steinerne Umarmung Kosrals sie immernoch fest. Sie müssten den Albtraum hinter sich verarbeiten, um sich ganz zu befreien, was nur wenigen Leuten in ihrer Situation gelungen war. Beide hatten lange Zeit unfreiwillig tun müssen, was man ihnen befahl. Danicka bei den sadistischen Dunkelelfen und Allrick bei den Truppen und in den Strafcamps des pelgarischen Armee. Vermutlich hatte Allrick es besser getroffen und würde sich schnell lösen können, den Willen dazu hatte er. Doch wie es mit Danicka aussah, konnte er nichteinmal erraten, umso wichtiger war es, bei ihr zu bleiben. Sie waren nicht in der Verfassung, sich mit solch einem Riesen zu messen, Unterwerfung war aber auch keine Option. So musste eben das bisschen Vernunft, dass sich der Pelgarer aufzwingen konnte eben genügen, um diesem Wesen zu begegnen, welches ihnen vielleicht ebenso gegenüberstand wie die beiden ihm...

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 13. August 2011, 16:30

Dass sich noch ein Zweibeiner auf der Lichtung befand, bemerkte Velten erst, als es sich in näherer Entfernung bewegte. Jemand regte sich. Sein Bogen fuhr hoch, über den Kopf der Frau hinweg, die ihn mit starrem Blick musterte. Er zielte direkt auf den Hals des anderen Fremden. Seine Haltung zeigte eine defensive Kampfweise, er verteidigte sich. Velten mochte Zweibeiner nicht, er besaß Vorurteile, vor allem gegenüber Menschen. Andere Völker kannte er schließlich nicht, abgesehen von Dunkelelfen. Aber das gab ihm noch lange keinen Grund, sie blindlings umzubringen. Vielleicht wussten diese beiden etwas über den Verbleib seines Sohnes. Ihnen das Leben aus den Körpern zu reißen, brachte ihn nicht weiter. Solange sie ihn nicht attackierten, würde auch er nicht angreifen.

Trotz allem blieb der angelegte Pfeil aus Holz und angespitztem Stein angelegt. Die Sehne war nicht vollends gespannt, doch würde das Geschoss sein Ziel treffen, ehe dieses auch nur die Möglichkeit hätte, den Zentauren anzugreifen. So schnell konnte dieser kleine Mensch unmöglich sein. Die Frau in seiner Nähe vielleicht, aber sie wirkte auf Velten nicht mutig genug, um es zu wagen. Ihm blieben ja auch noch seine Vorderhufe. Ob er den Kopf der Frau damit zerquetschen konnte? Darüber dachte der Gescheckte gar nicht wirklich nach. Ihm gingen andere Dinge durch den Kopf. Tief durchatmend, weil es ihm die nötige Ruhe verschaffte, schwieg er die beiden Zweibeinerwesen weiterhin an. Sollten sie ruhig zuerst sprechen. Er hatte ihnen nichts zu sagen - noch nicht. Nach seinem Jungen konnte er jederzeit noch fragen. Es eilte nicht. Velten war die Ruhe selbst.

Der Zentaur beobachtete, wie das männliche Wesen näher kam. Es erreichte seine Gefährtin. Velten ließ es zu. Beide wirkten sehr vorsichtig, ebenso wie er. Man misstraute einander, soviel stand fest. Aber dann sprach der Mann zu ihm und es gab Grund zu der Veranlassung, endlich den Bogen zu senken. Ein wenig. Der Pfeil wurde nicht zurück in den Köcher geschoben. "Ich werde euch nichts antun, sofern ihr mir keinen Grund dazu gebt, Menschen", antwortete Velten. Seine Stimme klang selbst für seinen Geschmack etwas zu tief und kratzig. Er hatte schon eine Weile nichts mehr getrunken, was seine Kehle hätte befeuchten können. Zwar besaß er noch immer Proviant, doch damit ging er sorgfältig um. Er wusste nicht, wie lange die Suche noch dauern würde. Vorsichtig hob er einen Huf, dann den zweiten. Er trat aus dem Dickicht heraus und näher auf die Lichtung. Nun zeigte sich vollends, was er war: ein gewaltiger Hengst mit einem Menschenleib statt eines Pferdekopfes, der Pelz am Hinterteil gescheckt und schwarze Mähnenbüschel um die Fesseln, als reite er in einem Dunst aus finsteren Flammen. Sein dunkles Haar flatterte leicht in einer aufkommenden Brise, ebenso wie die Enden seiner Weste, doch Velten kümmerte es nichts. Er blickte auf die beiden herab, war er doch größer als sie. Er umrundete sie halb. Schließlich bemerkte er: "Ihr gehört nicht zu denen, die ich suche. Zieht eurer Wege, Menschen." Besser, sie verschwanden, ehe ihn doch noch der Jagdtrieb packte.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Samstag 13. August 2011, 20:51

Es gefiel Allrick überhaupt nicht, wie sich der Zentaur ihnen gegenüber verhielt. Sicher war es beruhigend, seine Waffe gesenkt und seine Absichten als friedlich abgetan zu wissen. Dennoch störte es den Pelgarer, wie sich dieses Wesen ihnen gegenüber gebahr.
Da half es auch wenig, dass sich der Fremde aus dem Gebüsch lößte und zu Allrick und Danicka auf die Lichtung trat. Jetzt, wo er ganz zu erkennen war, wirkte er eher noch bedrohlicher, noch überlegener.
Ob es Paranoia war, wusste er nicht, aber irgendetwas regte sich in ihm, schon seit dem Moment, indem der Zentaur das erste mal das Wort an sie gerichtet hatte. Es wirkte die ganze Zeit, als ob er die beiden wie zweibeinige Rehe betrachtete. Niederes Getier, das man beobachten, vielleicht sogar jagen durfte, mit dem man sich jedoch nicht abgab. In gewisser Weise änelte dieser ungebetene Gast in seinem Verhalten so den Dunkelelfen, was dem Pelgarer überhaupt nicht behagte. Mit etwas besorgtem Blick sah er seine Begleiterin an, der Schrecken war ihr immernoch anzusehen.

Der gewaltige Hengst umkreiste sie in seiner ganzen Gestalt und schien sie zu mustern. Allrick ließ ihn nicht aus den Augen, so wenig Sinn das auch hatte. Es waren Instinkte, die ihn dazu veranlassten, diese Kreatur zu beobachten. Irgendwie erinnerte diese Szenerie Allrick an früher, als er noch ein Junge gewesen war. Damals war er auf dem Weg zum Bäcker von einigen Strolchen abgefangen und umzingelt worden. Sie waren kaum älter als er gewesen, dennoch waren sie schon krimminel und hatten keine Anstalten gemacht, Allrick zufrieden zu lassen, bis sie ihm sein Geld abgeknöpft hatten.
Dies war ein schlechter Tag für ihn gewesen, denn sein Geld war nach dieser kleinen Begegnung futsch und er hatte ein blaues Auge zurückbehalten.
Nun sah er sich genauso umzingelt wie damals, nur, dass es diesmal nicht vier Lausejungs waren, die ihn umzingelten, sondern ein Waldmonster, stark wie zehn Männer, dass ihn und eine zerbrechliche Elfe bedrängte.
Wenn dieser Fremde so ungefährlich war, wie er vorgab, hätte er sich anders verhalten, die Situation war bei weitem nicht so entspannt, wie es nach den ersten paar Worten zu erhoffen gewesen war.

Der Aufforderung des Zentauren zu gehen, begegnete Allrick mit einem etwas unversöhnlichen Blick. Sicher, konnten sie sich keine Konfrontation leisten, trotzdem war es anmaßend von Velten zu erwarten, dass Danicka und Allrick, die zuerst hier angekommen waren nun zu gehen hatten, nur weil es dieser Waldbewohner für richtig hielt. "Wir haben einen langen und harten Weg hinter uns. Sind ohne Ziel durch diesen unseeligen Wald geirrt. Jetzt, da wir endlich rasten können, werden wir uns nicht verdrängen lassen. Dieser Ort ist groß genug für uns alle, Zentaur. Wir wollen keinen Streit, dennoch müssen und werden wir bleiben." Mit einer Mischung aus Stolz, Verstimmung, Erschöpfung und Angst sprach der Pelgarer so und mit fester Stimme zu diesem Riesen. Auch wenn man es auf den ersten Blick für unvernunft halten mochte, sie hatten ein Recht, hier zu sein und zu ruhen und das galt es, zu verteidigen.
"Da wir offensichtlich uninteressant für dich sind, sollte das kein Problem sein oder? Der Wald gehört allen, die darin Schutz suchen."

Mochte sich Velten aufspielen, wie er wollte, Allrick war das jetzt egal. Würden Danicka und er noch viel weiter laufen müssen, würden sie irgendwo im Dickicht rasten müssen und dort garantiert die Orientierung verlieren. Mit etwas besorgtem Blick hockte er sich neben Danicka hin, sah sie an und legte beruhigend seine Hand auf ihre.
Dann sah er erneut zu Velten auf, von hier unten wirkte er noch gefährlicher und gewaltiger. Bei so einer Übermacht überlegte auch Allrick kurz, ob er nicht zu weit gegangen war. Auch wenn er den Zentaur entgegen seiner Vorurteile nicht für grausam genug hielt, einen offensichtlich verletzten Menschen und eine junge, wehrlose Elfe niederzumachen.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Dienstag 16. August 2011, 17:51

Velten betrachtete die zwei Fremden mit Sicherheit nicht als Rehe. Nein, Rehe waren stolze und aufrechte Tiere. Jagenswert. Diese Menschen - er hatte noch immer nicht bemerkt, dass die Frau zum Elfenvolk zählte - galten keineswegs so viel wie ein flinkes Reh, das man Tage oder gar Wochen durch die Weiten der Wälder hetzte. Einem solchen Wesen gegenüber zeigte der Zentaur Respekt und gedachte seiner, wenn er die Bogensehne losließ und der Pfeil sirrend sein Ziel traf. Ein Mensch war Velten nicht einmal ein Pfeil wert - mit Ausnahme dieser Verbrecher, die er immer noch verfolgte. Die furchtsame Frau und der müde ausschauende Mann vor ihm gehörten allerdings nicht dazu. Sie mochten Eindringlinge im Wald sein, lebten sie den Legenden nach doch in großen, hm ja, steinernen Wäldern. Städte, so hatte sie der Anführer seiner Herde bezeichnet. Velten konnte sich darunter trotz allem nichts vorstellen. Er wusste nur eines: diese Menschen waren nicht jene, die er suchte und somit nicht sein Problem. Ließen sie ihn in Frieden, würde er auch sie ignorieren.

Leider gingen die Menschlinge nicht auf seinen Ratschlag ein. Natürlich nicht. Sie waren dumm! Sie mussten ja unbedingt zu diskutieren beginnen. Velten schnaubte leise, als der Mann seine Stimme erhob, aber er hörte zu und das sehr aufmerksam. "Wenn ihr kein Ziel vor Augen habt, solltet ihr nicht blind im Wald herum stapfen, Mensch. Ihr zerstört, was die Naturgötter geschaffen haben. Nichts davon ist unseelig." Seine Worte klangen hart, obgleich er sie ruhig aussprach. Aber der Blick aus stahlgrauen Augen zeugte von Verachtung, denn nichts Anderes brachte er diesen beiden entgegen. Sie hielten die Natur für etwas Schlechtes in ihrer menschlichen Dummheit. Nur weil sie nicht wussten, wie man jagte oder einen guten Rastplatz aussuchte, verurteilten sie die Natur. Sie zerstörten sie in ihrer Naivität und wofür? Kein Ziel vor Augen, wohin wollten sie ihre vernichtenden Bahnen denn noch ziehen lassen?
"Ihr solltet nicht hierbleiben", begann Velten wieder. Es überraschte ihn selbst, dass er zu diesen Wesen so viel sprach, aber andererseits sah er ein, dass es eine Notwendigkeit darstellte. Von allein würden sie nicht lernen. Dann musste er ihnen eben die Hinweise geben. Er streckte seinen Arm über die halbe Lichtung aus. "Es mögen wenige Bäume an dieser Stelle stehen, aber der Boden ist uneben und beherbergt kleine Zweige, Steine und riecht ihr nicht die animalischen Markierungen? Ihr wollt euch nicht wirklich im Urin der Tiere suhlen?" Mit nur dumpf auf dem Waldboden auftreffenden Hufen stapfte der Zentaur die Lichtung ab. An einer Stelle blieb er stehen. Diese war noch am besten geeignet, um zwei naiven Menschen einen kleinen Rastplatz zu gewähren. Hier wuchs Moos, auf dem sie sich betten konnten und kein Tier hatte sich dazu entschlossen, diesen Teil des Waldes als sein Revier zu markieren. "Hier solltet ihr euch niederlassen, wenn ihr ein wenig Schutz und Erholung sucht. Die Blätter sind trocken, das Moos wird euch warmhalten. Achtet darauf, nichts davon auszureißen, wenn ihr euch erhebt. Und knickt nicht diese Sträucher dicht neben der Buche um. Es sind junge Bäume, die einmal größer werden könnten als ihr. Erweist ihnen Respekt!" Deutlich umgänglicher, denn er hoffte auf Antworten, fragte Velten anschließend: "Aber bevor ich weiter meiner Wege ziehe, sagt mir, wovor sollte ein Mensch sich schützen wollen? Und habt ihr in der Gegend andere Menschen mit einem kleineren Zentauren gesehen?"

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Mittwoch 17. August 2011, 11:09

Geschwätz, geschwätz, in Allricks Ohren hallten Veltens Worte wider, wirkten für Allrick aber wie leere Luftbläschen. Arrogantes Getue, wie der Pelgarer fand, ob seine Einstellung von Ignoranz, Erschöpfung oder Verärgerung über die schulmeisternde Haltung des Mischwesens herrührte, war fragwürdig. "Wir finden schon unseren Weg, keine Sorge." Allricks Antwort fiel knapp und ernst aus, so zynisch und doch ruhig wie möglich. Denn in der Tat war es so, dass Velten begann, ihm auf die Nerven zu gehen. Spiel dich hier nicht so auf, fehlt nurnoch, dass du wie ein Troll auf deiner Brust herumtrommelst.
Auch Veltens vielleicht sogar gut gemeinter Kommentar ließ den Mann unbeeindruckt, er für seinen Teil hatte nicht nach Veltens Meinung gefragt, keiner hatte das. Entweder war er also geschwätzig oder arrogant, beides Charackterzüge, die Allrick nicht mochte. Wenn wir so unwürdig sind, wie du uns ansiehst, dann verschwinde doch einfach wieder. Allrick stand auf, kurz verzog er dabei das Gesicht, sein Rücken schmerzte immernoch, der ohnehin schon dreckige Verband färbte sich an einer Stelle wieder in einem dunklen Rotton ein, ein wunder, dass es bis jetzt nicht etwas nachgeblutet hatte.
Doch er verkniff sich jedweden Ausdruck, wer war er denn, gegenüber diesem Popanz Schwäche zu zeigen? Sie waren schon bedauernswert genug, da musste er nicht noch sein letztes bisschen Stolz wegwerfen und jammern wie ein kleiner Junge.

Sein Blick folgte Velten, wie er über die Lichtung stapfte und irgendwann an einer Stelle stehen blieb, um erneut zu kommentieren und, in Allricks Ohren, selbstgerecht herumzuschwafeln. Nur leise würdigte er die Ansprache mit einem gemurmelten Kommentar. "Wenn die Wurzeln nicht von Mutterbaum und Moss erstickt werden, weil ihnen Nässe und Licht fehlen. Wenn sie lange genug weiterleben, ohne dass sie Wildfraß zum Opfer fallen, dann zolle ich Respekt." Allrick war Handwerker, er hatte im Wald sein Geld verdient und betrachtete die Mechanismen um sie herum so, wie sie für einen Menschen waren. Nichts mystisches, das umso mehr, da der Pelgarer im allgemeinen alles, aber nicht religiös war. Wieder eine Sache, die ihm an dem Zentauren sauer aufstieß; Religion. Dennoch gab er sich friedlich. Ernst und unvermittelt, dennoch ruhig, obwohl er den Riesen am Liebsten davongejagdt hätte, wenn er jemals in der Lage dazu gewesen wäre. Umso überraschter war der Mensch, als Velten plötzlich wesentlich diplomatischere Klänge anstieß. Allrick verschränkte die Arme vor der Brust und schwieg eine Weile, sollte er dem Zentauren antworten? Er hatte eigentlich kein Bedürfnis, weiter mit dieser Kreatur zu sprechen. Ja, er war wieder eine Kreatur, nichts weiter.
Irgendwo ist jeder in gewisser Weise ein Rassist und weder Velten noch Allrick waren da eine Ausnahme. Beide hielten sie ihre Meinung vom jeweils anderen für gerechtfertigt, weil ihnen der Charackter nicht passte, mit dem sie es zutun hatten.
Solche Einstellungen waren der Grund für Kriege, doch zu diesem Zeitpunkt war das nicht von Belang.

Er braucht nicht so zu tun, als würden wir ihn interessieren. Es war nicht so gedacht, dennoch zeigte er Velten die kalte Schulter, während sich Allrick nocheinmal an Danicka wandte. Einfach nur um sicherzugehen, dass sie nicht vor Schreck erstarrt war. Bei all dem Ärger, den der Mensch verspührte durfte er nicht vergessen, dass er und Velten nicht allein hier waren. Schon nach einem kurzen Moment sah Allrick wieder dem Mischwesen entgegen, das wohl immernoch auf eine Antwort wartete. In diesem Moment wog er ernsthaft ab, ob er ihm einfach irgendeine Lüge auftischen sollte, er hatte nicht übel Lust dazu, den Fremden einfach in irgendeine Richtung zu schicken, nur damit er ebenso orientierungslos sein würde wie sie. Was kümmerte es ihn denn, wer diese Leute waren, die er suchte? Wie Velten war Allrick der Meinung, dass sie selbst genug Probleme hatten. Wie konnte er sich erdreißten zu erwarten, dass zwei Menschen, die offensichtlich Probleme hatten, sich nicht einer anderen Gruppe von Menschen anschließen würden? Er musste sie wirklich für sehr dumm halten. Die Situation war verkorkst, denn auch wenn er es nicht wahr haben wollte, hatte sich Allrick dazu verleiten lassen, einfach nichts zu sagen. Aus blanker Gehässigkeit und Desinteresse für den besserwisserischen Zentauren, der 'ja alles besser wusste'.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 18. August 2011, 13:03

Alle drei Personen hatten einiges hinter sich. Velten seine ganz eigene Tragödie und bereits vier Tage Suche, während Allrick und Danika noch allzu erschöpft von ihrer Flucht waren, der heftige Martyrien voraus gegangen waren. Entsprechend unterschiedlich reagierten die Drei auch aufeinander, als der Zentaur so plötzlich aus den Büschen auftauchte.
Danika blieb beinahe das Herz stehen, als sie zuerst ein menschliches Gesicht und schließlich auch den übermächtig wirkenden, dazu gehörigen Körper zu sehen bekam. Ihre Augen hatten sich scheinbar auf das Doppelte geweitet und es hätte bestimmt nicht viel gefehlt, dass sie laut geschrien hätte vor Angst und Schreck. Erst auf den zweiten Blick bemerkte sie obendrein die Waffe, die dieses Wesen auf sie richtete.
Sollte es das gewesen sein? Alles umsonst, was sie und Allrick durchgemacht hatten? Sie hatten keine Waffen dabei und die junge Elfe war realistisch genug, um zu wissen, dass sie beide allein mit ihrer Körperkraft gegen ihn absolut keine Chance hätten. Wenn er wollte, wären sie leichte Beute für ihn... Woher kam er nur? War er von den dunkelelfischen Soldaten auf sie angesetzt worden? Würde er sie gleich töten oder nur einfangen?
Ein leises Wimmern kam ihr über die Lippen, das sie gar nicht unterdrücken konnte in ihrer Furcht.
Doch halt... was geschah denn jetzt? Langsam, viel zu langsam, senkte er seinen Bogen allmählich und ließ sogar die Sehne nach einigen unendlich wirkenden Sekunden locker, der Pfeil verschwand wieder bei den anderen.
Danika begann am gesamten Körper wie Espenlaub zu zittern und ihr gaben die Knie nach, sodass sie mit einem leisen Aufschluchzen der Erleichterung zu Boden sank.
Erst, als sich ein Schatten in ihr Blickfeld schob, konnte sie wieder reagieren, zumindest ein klein wenig, indem sie den Kopf leicht drehte und zu Allrick hochsah, der anscheinend aufgewacht war.
Oder hatte sie nach ihm um Hilfe gerufen? Nein... nicht, dass sie sich erinnern könnte. Es wäre also Zufall... oder sein Schlaf war nicht derart tief gewesen, dass er das Rascheln gehört hatte.
Wie auch immer, sie flehte ihn stumm mit den Augen an, keine unbedachte Reaktion zu zeigen, weder körperlich, noch verbal. Zu mehr war sie im Moment nicht in der Lage, sie zitterte noch immer am gesamten Leib, auch ihre Lippen, und ihre Stimme würde ihr nicht gehorchen.
Eine ähnlich große Angst hatte sie damals verspürt, als die Dunkle Armee in ihrer Heimat aufgetaucht war und sie und die anderen als Sklaven eingefangen hatte. Bei seinen Worten atmete sie innerlich zwar auf, konnte jedoch nichts weiter tun, als sich zu zwingen, den Zentaur wieder anzusehen, sein kommendes Handeln abzuwarten. Wäre sie nicht so von der Angst ergriffen gewesen, hätte sie ihn in Ruhe mustern und seine kräftige, muskulöse Schönheit bewundern können, aber so war sie einfach nicht dazu fähig. Auch für sie war es die erste Begegnung mit einem Wesen seiner Art, doch sie kannte im Gegensatz zu Allrick auch Geschichten, in welchen sie ein positives Bild abgaben.
Leicht zuckte sie zusammen, als der fremde Vierbeiner mit einem Mal Allrick bedrohte. 'Bitte nicht...', dachte sie flehend und war sogar geneigt, die Augen zu schließen, um es nicht mit ansehen zu müssen. Allerdings war es wie ein Zwang, den Riesen vor sich anzustarren, mit glasigem Blick.
Schwer schluckte sie, als er endlich eine Erwiderung von sich gab, die sie eigentlich hätte aufatmen lassen sollen. Jedoch derzeit war das alles noch viel zu viel für sie, sodass sie weiterhin die unfreiwillige, furchtsame Beobachterin blieb. Während sein Timbre sie zusätzlich erschauern ließ, so rau und tief klang es.
Ein leises Quietschen entrang sich ihrer Kehle und sie wich instinktiv einen halben Schritt zurück, weiter ging es nicht, da Allrick dort stand, als der Zentaur heraus kam aus dem Dickicht.
Ihre geweiteten Augen verfolgten seine Bewegungen und sie wunderte sich durchaus, dass niemand auf ihr laut pochendes Herz reagierte. War es denn für sie nicht hörbar? Und das, obwohl es derart heftig in ihrer Brust hämmerte.
Die folgenden Worte wären das einzig Richtige, was sie machen könnten. Aber trotzdem beinhalteten sie etwas, was sie allmählich aus ihrer Angst hervor holte und ihren elfischen Stolz weckten.
Noch immer zitternd rappelte sie sich soweit auf, dass sie auf dem Waldboden kniete und besser flüchten könnte als aus ihrer vorherigen Position. "Ich... bin kein Mensch!", protestierte sie mit noch schwacher Stimme, doch hörbar.
Allricks Worte hingegen ließen sie erneut schlucken. Im Prinzip hatte er ja recht und wäre ihre Lage ein wenig anders gewesen, hätte Danika auch zustimmend die Partei für ihn ergriffen. Allerdings jetzt...
Danach fügte er noch etwas hinzu, womit er eindeutig richtig lag.
Ob das jedoch auch der Zentaur ebenfalls so sehen würde... War er denn vernünftig? Oder würde er nun wirklich ausrasten und seiner Kraft Ausdruck verleihen? Gut, sie könnte ebenfalls kaum noch laufen, aber bevor sie eine Konfrontation mit diesem Riesen riskieren würde, würde sie lieber weichen.
Als sie eine Berührung aus ihren Gedanken riss, zuckte sie leicht zusammen, da sie darauf nicht vorbereitet gewesen war. Dennoch schlich sich auch Dankbarkeit in ihren Blick, als sie diesen Allrick schenkte.
Danach sah sie ebenfalls wieder zu dem Fremden hin und konnte spüren, wie sich ihre Nerven allmählich ein bisschen beruhigten. Was dazu führte, dass sich auch in ihr Trotz zu regen begann. Noch nicht sehr viel, doch es reichte, um sie ihre Schultern straffen und ihr Kinn leicht vorstrecken zu lassen, die Augen nun fester auf die des Zentauren gerichtet.
"Wir wissen nichts über deine Geschichte und du nichts über die unsere. Bedenke dies, bei Florencia!", gab sie zurück und verwedente dabei instinktiv den Namen der Waldgöttin, was ihn hoffentlich ein bisschen zum Einlenken bringen würde.
Und dann ging er noch weiter, beleidigte sie wirklich. "Bei Florencia und Phaun, was habe ich euch getan, dass ich auch noch solch eine Belehrung erdulden muss?!", entkam es mit einem Hauch Verzweiflung in ihrer Stimme.
Die Dunkelelfen hatten sie schon ausreichend beleidigt und gedemütigt, allerdings jetzt so etwas zu hören zu bekommen... Was dachte sich dieser Zentaur überhaupt? Sie hatte nicht gedacht, dass diese Wesen derart arrogant und überheblich waren, regelrecht beleidigend!
Als er nach diesem Vortrag mit einem Mal eine Frage hinten nach schob, war sie nicht mehr gewillt, ihm überhaupt zu zuhören. Sie war erschöpft genug und wollte ihre Ruhe haben, um die Kraft zu sammeln, nachher nach Nahrung zu suchen für sich und Allrick.
Dann erhob sich ihr Begleiter und zog ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich. Dadurch erkannte sie auch das Blut, das allmählich durch den Stoff durchsickerte. Sie seufzte leise. Daran hatte sie gar nicht mehr gedacht...
Auch sie bemühte sich, sich zu sammeln, und endlich wieder auf die Beine zu kommen. Es dauerte zwar seine Zeit und im Endeffekt stand sie noch etwas wackelig da, allerdings sackte sie nicht wieder zusammen und das war für sie schon etwas.
Danika trat hinter Allrick und ließ den Zentauren vorerst links liegen. "Achtung.", wisperte sie und tastete behutsam über die roten Ränder, die sich gebildet hatten, um heraus zu finden, wie weit die Wunde aufgerissen war und wie sehr sich das Blut lediglich ausgebreitet hatte. Dabei bekam sie auch zu hören, was er an Wissen über den Wald preisgab und musste lächeln.
Sie war selbst ein wenig darüber erstaunt, konnte jedoch auch eine leise Schadenfreude empfinden, weil es dem Fremden bestimmt zu denken geben würde, wenn ein Mensch ihm so etwas erzählen konnte. Heimlich lugte sie hinter ihrem Begleiter hervor, um das Gesicht des Zentauren auch sehen zu können.
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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Velten » Samstag 20. August 2011, 15:11

"Auch das ist der Lauf der Natur", entgegnete Velten in ruhigem Tonfall, aber er musste schmunzeln, als der Mensch doch tatsächlich einen Sinn für Pflanzenkunde bewies. Aus seinen Worten ging hervor, dass sein Respekt nicht dem Leben um ihn herum galt, aber zugleich widersprach er sich da. Er hätte keine Kenntnisse über Mutterbaum, Nässe, Wildfraß, wenn er nicht wenigstens im Wunsch, mehr über diese Phänomene zu wissen Respekt zeigte. Das machte ihn bereits jetzt zu einer Ausnahme in den Augen des Zentauren, denn wann traf man schon einmal einen Menschen von minderer Intelligenz. Üblicherweise zeigten sie davon nicht den Hauch einer Spur!

Beide Individuen waren in ihren persönlichen Vorurteilen dem anderen gegenüber ziemlich festgefahren. Trotz allem zollten sie einander ein gewisses Maß an Neutralität und Höflichkeit. Es gab andere, die sofort die Axt schwangen und mit Krieg drohten. Doch Velten hielt die Wesen für harmlos. Es waren nicht die Menschen, nach denen er suchte. Es musste sich jemand anderes um sie kümmern, um sie aus den Wäldern zu vertreiben. Er nicht, er hatte seinen Nachwuchs zu finden. Dass es der Mann ähnlich hielt, einfach weil ihm derzeit jegliche Kraft zu fehlen schien, sich mit dem Zentauren anzulegen, darüber dachte selbiger nicht nach. Was interessierten ihn schon die Gedanken eines Menschen, der hier plötzlich auf einer Lichtung aufgetaucht war? Noch dazu mit einer Begleiterin. Vielleicht wollten sie sich auch ihren Instinkten hingeben und sich paaren, aber ihr Äußeres erzählte eine andere Geschichte. Sie wirkten erschöpft, hatten zudem bereits gesagt, dass sie rasten mussten. Nein, es würde hier zu keinem natürlichen Akt kommen, da war sich Velten sicher. Trotz allem bot er beiden seine Hilfe an - zum Wohle der Natur, verstand sich. Er konnte nicht zulassen, dass sie hier alles zertrampelten. Dann lieber nachgeben und ihnen einen Schlafplatz organisieren. Sie würden sich ausruhen und hoffentlich bald weiterziehen. Genau das, was der Zentaur im Grunde vor hatte. Doch noch kam er nicht von den beiden Zweibeinern los. Außerdem hatten sie seine Frage nicht beantwortet.
Aber es waren andere Worte, die ihm stutzen ließen, als man sie ihm präsentierte. Kein Mensch? Er wandte sich um. Jeder Schritt seiner Hufe war ein dumpfes Hämmern auf dem Waldboden, das die Erde, kleine Steinchen und dürre Zweige erzittern ließ. Letztere zerbrachen knackend unter seinem Fuß. Er kam nun direkt auf die Frau zu, blieb aber in knapp einem halben Meter Entfernung stehen. Die Distanz reichte aus, sie eingehend zu mustern. Velten betrachtete sich die Fremde. Sie sah doch aus wie ein Mensch. Was sollte sie sonst sein? Er kannte neben dem verachtungswürdigen Volk nur noch jenes der Dunkelelfen - flüchtig, aber er hatte schon Exemplare dieser Rasse gesehen. Sie waren dunkelhäutiger, schauten boshafter und keiner von ihnen hatte gezittert, nicht einmal im Tode. Er wollte nicht glauben, dass ihre Frauen hellhäutig und so furchtsam waren wie diese hier. "Hrrrmm."

Er beugte sich etwas herab, so dass sein menschlicher Oberkörper die Distanz noch weiter verkürzte. Die Pumazähne an der aufgezogenen Schnur raschelten leise, die schwarzen Strähnen seiner Haare fielen an Hals und Schultern vorbei. Sie bildeten einen halb geöffneten Vorhang, durch den sein strenges Gesicht auf die Fremde herab schaute. "Kein Mensch", wiederholte er ihre Worte nachdenklich. Bei Florencia, welche Wesen hatte ihr göttlicher Gatte noch alles hervor gebracht. "Was bist du dann - Gefangene dieses Mannes? Wie viele Lebewesen macht ihr zu versklavten Tieren, Mensch?" Er warf dem fremden Zweibeiner einen warnenden Blick zu. Wenn seine Vermutungen ins Schwarze trafen, würde ein Pfeil folgen und ebenfalls sein Ziel finden. Ein von ihm abgeschossener Pfeil für ein menschliches Herz. Kurz meldete sich der Jagdtrieb, aber Velten schüttelte den Wunsch beiseite. Er konnte sich auch irren, wollte die Antwort abwarten. Sofern die beiden überhaupt ihre Münder aufbekamen.
"Ihr sprecht wenig", kommentierte er und wusste zugleich, dass sich seine Herde im Dreck gewälzt hätte vor Lachen, das von ihm zu hören. Velten galt in seiner Sippe nicht als großer Redner und so war es auch. Er hatte mit diesen beiden Menschlingen - respektive dem Menschenmann und der Was-auch-immer-Frau - mehr Worte gewechselt als in den letzten Wochen, als er verletzt auf Moos und Zweigen gelegen hatte. "Liegt es an seiner Verwundung?" Sein Blick ruhte noch immer auf dem Weibchen, aber die Verbände am Körper des Mannes waren ihm nicht entgangen. Er sinnierte, was sie wohl sein könnte. Gab es Hell-Elfen? Zumindest besaß auch sie Kenntnisse über Florencia und Phaun. Es wurde unheimlich. Beide Wesen entsprachen nicht voll und ganz dem Wissen, das sich der Zentaur über die Menschenvölker angeeignet hatte. Vielleicht doch ein Grund mehr, sie nicht aus den Augen zu lassen - vorerst.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Allrick » Sonntag 21. August 2011, 16:30

Ein kurzes Zucken, mehr brachte Allricks gereiztes Fleisch nicht hervor, als Danickas sanfte Finger den Verband berührten und die roten Spuren im Stoff absuchte. Sicher war es schmerzhaft gewesen, als es ein wenig eingerissen war, jedoch nicht bedrohliches. Nur ein weiteres Zeichen dafür, dass er auch hiervon eine Narbe zurückbehalten würde.
Auch wenn sie nicht viel geholfen hatte, war Allrick für Danickas kleine Vorwarnung dankbar, ein neuerliches Zeichen ihrer Besorgnis um seinen Zustand. Auch wenn der stolze Pelgarer Mitleid verabscheute, war es doch gut zu wissen, dass sich jemand um ihn schehrte. In diesem Punkt war Allrick ein Mensch wie jeder andere auch.

Auf Veltens wohlweißlichen, ruhigen Kommentar konnte Allrick nur nicken. Es ärgerte ihn immernoch, dass dieses Mischwesen scheinbar auf alles eine Todschlägerantwort hatte. Doch es war ohnehin nicht von Belang, zumindest konnte er hoffen, Velten zu verstehen gegeben zu haben, dass er sich schon einen Hauch mit den Mechanismen des Waldes auskannte. Auch wenn ihm klar war, dass den Zentaur ihn vermutlich für seinen Beruf hassen würde. Zumindest war es diesem Waldbewohner zuzutrauen, oder auch nicht? Allrick war sich nicht mehr völlig sicher, zersetzte Veltens Geschwätz allmählig sein Gehirn? Wenig später jedoch, wieß selbst der scheinbar allwissende Velten Züge von Weltfremdheit auf, denn Danickas Äußerung, sie wäre kein Mensch, versetzte das Mischwesen doch in Verwirrung. Mit stapfenden Schritten und mistrauischem Blick näherte er sich der zierlichen Elfe und stierte sie unschlüssig an.
Allrick für seinen Teil amüsierte das schon ein wenig, wie leicht man ihn dann doch, wenn auch ungewollt, aus dem Konzept bringen konnte. Er war zuvor einen Schritt beiseite getreten und beobachtete die Szenerie mit einer gewissen Skepsis. Obgleich keine echte Gefahr von ihm auszugehen schien, war der Zentaur für Allrick immernoch ein Problem. Es sollte jedoch nur kurz dauern, bis Allrick erst verwundert und dann verärgert das Gesicht verzog. Velten hatte es gewagt, ihn zu tadeln und zu bedrohen, indirekt, dennoch war es ihm anzusehen. Wie konnte jemand derart überheblich sein, so eine Behauptung aufzustellen?

Velten hatte getroffen, nicht so, wie er es gedacht hatte, aber er hatte genau in die offene Wunde gedroschen, die noch in Danickas und Allrick Seelen klaffte. Es trieb ihn fast in den Wahnsinn, dennoch versuchte der Pelgarer seine Fassung zu behalten. Um Danickas Willen. Dabei wirkte Veltens anklagender Blick wie eine plumpe Provokation, am liebsten hätte er ihn angefallen und erdrosselt, so zornig war Allrick.
Die folgende Randbemerkung des Mischwesens brach das erstickende Schweigen, es fiel ihm schwer nicht zu schreihen. "Du weißt nicht, was es bedeutet, aus Vergnügen halb tot geschlagen zu werden. Du weißt nicht, wie es ist, wenn jemand anders frei entscheidet ob du weiterlebst, oder auf der Stelle stirbst. Red nicht über Dinge, von denen du nichts verstehst." Voller Verachtung sah Allrick Velten in die Augen, seine Rechte ballte sich vor Zorn fast krampfhaft zusammen. Nicht wissend, wie er mit der Situation umgehen sollte. Auf Veltens Frage, ging Allrick dabei nichtmal gedanklich ein.

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Re: Alleine im Wald?

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 24. August 2011, 12:29

Danika wusste nicht so recht, was sie von diesem Mischwesen halten sollte. Eigentlich kannte sie durchaus Geschichten von ihnen, die sie als umgänglich beschrieben hatten, zumindest in der Gegenwart von Waldelfen. Aber dieser hier nahm sich Dinge heraus, die er einfach nur falsch sehen konnte, weil er nichts von ihnen wusste. Woran die junge Frau eigentlich auch nichts ändern wollte, solange es nicht unabdingbar wäre.
Der Zentaur schien hingegen von Vorurteilen gefüllt zu sein, so wie er sich benahm. Und er erkannte nicht einmal, dass sie kein Mensch war! Dabei waren ihre Ohren doch sichtbar, oder? Durch ihre verfilzten, fettigen Haare lugten gewöhnlich die Spitzen von diesen. Bei Allricks Erklärung fühlte sie fast so etwas wie Stolz.
Wenigstens konnte er dem arroganten Gebaren etwas entgegen setzen und das nicht mit Schwindeleien, sondern mit Dingen, die auch ihr bekannt waren. Das würde ihm hoffentlich zeigen, dass er etwas weniger voreingenommen sich ihnen gegenüber verhalten sollte... oder am besten von sich aus wieder gehen.
Dass der Fremde sie beide hingegen als harmlos einstufte, damit hatte er ausnahmsweise völlig Recht. Ihr Begleiter hatte zwar körperlich relativ viel Kraft, jedoch war er zur Zeit eingeschränkt durch seine Verletzungen. Während sie überhaupt machtlos war, denn sie konnte sich weder verteidigen, noch hatte sie Wissen im Umgang mit einer Waffe. Ihr würde nichts weiter als die Flucht bleiben, sollte es ernst werden. Wobei ihre Beine das vielleicht diesmal nicht mehr mitmachen würden, nachdem sie sich kaum ausgeruht und noch gar nicht gestärkt hatte.
Was sie an ihren Magen erinnerte, der wieder leise grummelte und endlich gefüllt werden wollte. Aber jetzt konnte sie nicht einmal auf die Suche nach Beeren gehen, weil sie Allrick hier nicht mit dem Wesen allein lassen konnte. Ihr Körper müsste sich also noch gedulden.
Doch... wie lange denn? Wann wäre der Zentaur wieder weg? Oder müssten sie den Anfang machen? Das wollte sie nicht, denn jeder Schritt, der im Prinzip nicht nötig wäre, war ihr jetzt schon zu viel.
An das, was der Fremde noch vermutete, dass es zwischen ihr und ihrem Begleiter geben könnte, daran dachte sie überhaupt nicht. Gerade, um so etwas nicht zu erleben, war sie unter anderem aus Kosral geflohen, außerdem war Allrick zu alt für sie und ein Mensch. Nein, so etwas war bestimmt nicht im Bereich des Möglichen!
Da sie von seinem Rücken hervor gespäht hatte, um die Reaktion des Mischwesens beobachten zu können, wollte sie sich jetzt dahinter wieder verstecken, als sich sein Blick auf sie richtete. Allerdings zwang sie sich dazu, standhaft zu bleiben, obwohl Allrick einen Schritt beiseite machte, vermutlich, um das Geschehen besser im Auge zu haben.
Sie hatte es geschafft, unter der dunkelelfischen Besatzung zu überleben, da würde sie sich nun nicht von so einem Blick einschüchtern lassen... nahm sie sich zumindest fest vor, denn behaglich war ihr nicht zumute.
Und noch schlimmer wurde es, als er auf sie zukam. Knapp, bevor sie sich nicht mehr beherrschen konnte und zurück gewichen wäre, blieb er stehen. Schwer schluckte sie.
Was würde jetzt denn kommen? Müsste sie wider Willen doch laufen?
Dann beugte er sich auch noch zu ihr herab, sodass sie spürte, wie sie sich instinktiv duckte, obwohl es sinnlos war. Immerhin stand er so, dass er sie problemlos sehen konnte, und auch, dass sie nach dessen Arm tastete, um eine Stütze zu finden.
Was wollte er denn auf einmal von ihr?! Panik drohte ihr die Kehle zu zuschnüren... bis er das Rätsel auflöste.
Innerlich konnte sie aufatmen und musste sich kurz darauf empören. Ihre Haltung straffte sich wieder, der Mut kehrte in ihre Augen zurück. "Sicher nicht! Er ist mein Begleiter, mein... mein Freund. Ich bin keine Gefangene, nicht mehr!", entgegnete sie etwas heftiger als geplant.
Sie war gerade erst aus einer Knechtschaft entkommen, da wäre sie mehr als töricht, wenn sie sich sofort wieder in eine begeben würde. Bei der Erinnerung daran schüttelte es sie und sie wollte diese Bilder hastig wieder aus hrem Bewusstsein verbannen.
Als er auch noch bemerkte, dass sie nicht sonderlich viel sprachen, klang das für sie wie ein Vorwurf, sodass ihr Trotz erneut geweckt wurde. Das half ihr, ihren Mut beizubehalten, und ihm direkt in die Augen zu sehen, anstatt ihren Blick zu senken, wie sie es in der letzten Zeit so oft hatten tun müssen um ihrer eigenen Sicherheit willen.
"Eher an deiner Art.", rutschte es ihr heraus auf seine Frage.
Als ihr das klar wurde, war es ihr sofort wieder peinlich. Ihre Wangen röteten sich und sie hatte mit einem Mal sehr viel damit zu tun, die Verbände abzutasten. Zumindest, bis zu Allricks Ausbruch, der selbst sie erschreckte und sie leicht zusammen zucken ließ.
Er hatte schon Recht damit, aber... es war so heftig, das hatte sie nicht erwartet.
Schwer schluckte sie und zwang sich dazu, nicht zurück zu weichen, sondern ihn zu beruhigen. Behutsam legte sie ihm eine Hand auf die Schulter. "Sch... schon gut, atme tief durch.", raunte sie ihm zu, in der Hoffnung, damit etwas bewirken zu können. Einen Moment lang war der Zentaur tatsächlich für sie vergessen.
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