Im tiefen Dickicht

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Celest
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Donnerstag 19. Mai 2011, 11:18

Die Schlangenfrau stockte, als Azard einfach das Schwert in den Wald schleuderte. Auch wenn weder Firalúr noch der Nachtelf scheinbar nicht damit umgehen konnten, hätte sie es am liebsten wieder zurück geholt und es selbst angelegt.
Wie närrisch du doch bist, Celest. Was könntest du denn schon mit einem Schwert anfangen?
Sie merkte schnell, dass dies überhaupt keinen Sinn machen würde, mit Waffen war sie schließlich nicht vertraut und es würde womöglich in ihren Händen noch eine viel größere Gefahr für sie darstellen, als in den Klauen eines dunklen Ritters.
Dennoch hatte sie das dumpfe Gefühl, dass es ein Fehler war das Schwert ins Gestrüpp zu werfen, denn dies war immerhin eine kleine Spur auf den Verbleib ihrer Gruppe. Vorausgesetzt es würden die richtigen Schlüsse von den richtigen Personen gezogen. Im Nachhinein, stellte sich diese Vorstellung als so absurd heraus, dass sie über dieses Gefühl lieber schwieg und sich weiterhin den Fuchs aufbinden ließ.
Es war ein unnatürliches Gefühl plötzlich wie ein Packesel beladen zu sein, aber dennoch fühlte es sich richtig und gut an. Celest lächelte, denn sie konnte nun wieder etwas hilfreiches tun, obwohl sie unter dieser verdammten Krankheit litt.
Sie besah sich den armen Windfuchs , wie er da auf ihrem Schweif lag und setzte unbewusst eine sehr mitleidige Miene auf. Sie hoffte inständig, dass er es nicht allzu unbequem hatte und ermahnte sich im Stillen , vorsichtig mit ihm umzugehen, auch wenn er gut befestigt war.
Firalúr war eine große Hilfe für die Gruppe. Alleine würden sie es wahrscheinlich nicht schaffen, wieder vollständig auf die Beine zu kommen. Mit zwei Verletzten und keinem fachkundigen Heiler, hätte sich dieses Unterfangen, als ein viel zu beschwerliches herausgestellt.
Umso beeindruckter war sie von Firalúrs Idee die Spuren hinter ihnen zu verwischen. Natürlich war es ein einfaches Vorgehen. Eine simple Idee, die allein durch ihre Einfachheit funktionierte, aber Celest wäre in dieser Situation nicht darauf gekommen. Ihre eigenen Spuren, brauchte sie auch nie zu verwischen, denn keiner würde auf die Idee kommen, dass die tiefen Furchen, die sie ständig auf dem Boden hinterließ, einer Schlangenhybriden zuzuschreiben waren. Demnach fielen diese auch nicht auf: Man rechnete einfach nicht mit so etwas.
Da die Dunkelelfen aber nun wahrscheinlich wussten, was die dichten Bäume verbargen, war das verwischen der Spuren, mehr als angebracht.
Während sie sich auf Firalúr und Azard konzentrierte, schaffte es die kleine Schlange doch tatsächlich auf ihre Schulter zu kriechen. Dieses Gefühl auf der Haut, konnte die Schlangenfrau zwar nicht verwechseln, doch ließ sie es zu, ohne zu murren. Auch das zischen, was danach folgte, konnte ihr keine ärgerliche Erwiderung entlocken, denn sie war mit anderen Dingen beschäftigt.
Außerdem verstand sie von dem, was die Schlange sagte, ohnehin kein Wort. Die kleine machte es sich auf Celest ganz schön gemütlich, umschlang ihren Hals und ließ ab und an ihre Zunge hervorschnellen, um ihr damit über die Wange zu streichen.
Das kitzelte ungemein. Ein Kichern konnte sie sich daher nicht verkneifen.
„Jetzt reichts aber!“, ihre Stimme war belustigt, und keineswegs verärgert. Wie hatte sie sich nur so schnell an die Schlange gewöhnen können? Vorerst war es mehr eine erzwungene Toleranz, die man ihrem Gesicht nicht entnehmen konnte. Doch irgendwo gefiel ihr die Gesellschaft der Schlange schon.

Nun sollte es also los gehen. Azard war mit einem Ast bewaffnet, Celest beladen, und Firalúr lief unbeirrt durch den Wald und wies der Gruppe den Weg. In der halben Stunde Fußmarsch blieb die Gruppe still und bedacht. Das Gefühl verfolgt zu sein, schlich sich nun in Celests Herz und pochte dort mit einer Intensität, die bald schon ihren ganzen Körper mit dieser Aufregung ansteckte. Es war keine positive Aufregung, vielmehr ein Gefühl der Angst. Die kleinsten Geräusche ließen sie herum fahren, doch gleichzeitig musste sie vorsichtig mit Windfuchs sein. Ab und an blieben sie stehen und warteten auf Azard. Diese Momente waren für sie die schlimmsten, da diese die Angst in ihr nur noch mehr schürten.
Doch bald schon erreichten sie die Höhle von der Firalúr gesprochen hatte. Sie wirkte wie ein idealer Lagerplatz, der sogar ein Loch in der Decke aufwies, um Rauch abzulassen. Als hätte die Natur diese Höhle für Jäger und Waldläufer gemacht und für nichts anderes.
Erleichtert, dass sie nun wieder ausruhen konnten, schlängelte Celest hinein und stellte erfreut fest, dass sie genug Platz für ihren Körper haben würde.
Die Blätter, welche den Eingang verhüllten gaben ihr ein starkes Gefühl von Sicherheit, und gleichzeitig wurden sie hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht, die die Höhle zu einem recht gemütlichen Platz machten. Genau solch eine Höhle, hätte sie zu ihrem neuen Zuhause gemacht, wenn die Umstände es erlaubt hätten. Da konnte sie Azard wirklich zustimmen.
Firalúr hatte sich hier bereits ausgebreitet, all seine Kräuter, Felle und sogar die Feuerstelle konnte man hier noch vorfinden. Windfuchs wurde zuerst von Celest runter genommen und hinterließ ein angenehmes Gefühl der Wärme auf ihrer schuppigen Haut. Sie selbst kroch in eine andere Ecke und rollte sich dort zusammen. Die Worte des Waldelfen klangen ihr noch in den Ohren, als sie Mörser und Stößel entdeckte.
„Ihr... Eh, ich meine natürlich du..., bist uns eine große Hilfe, du hast ja ziemlich viele Kräuter hier zusammen gesammelt. Ich hoffe bloß, dass sie ihm helfen können.“ Und ihr Blick wanderte wieder zu Windfuchs, um sich dort zu verlieren und ihren Gedanken platz zu machen.
Die kleine Schlange hingegen, kroch von Celests Körper herunter und schlängelte in Richtung Azard, der gerade ein wundersames Lied angestimmt hatte. Scheinbar war die kleine Schlange musikalisch, oder aber sie hatte einen Narren an Azard gefressen.
Das Lied riss Celest aus ihren Gedanken und ließ sie sogar ein wenig aus ihrer Ecke heraus kommen. Die Sprache, in der das Lied verfasst war, hörte sich harmonisch an und seine tiefe Stimme passte wunderbar zu Melodie und Stimmung. Ein wenig traurig klang es schon, und die Schlangenhybridin vermutete, dass er es für seine Partnerin sang. Das Lied traf mitten in ihr Herz und erfüllte sie bald vollkommen. Sie schloss die Augen, um es zu genießen und war ein wenig enttäuscht als er aufhörte. Sie hätte gern noch weiter zugehört, denn es erinnerte sie ein wenig an Zuhause, als sie den Adligen beim Musizieren heimlich zugehört hatte.
„Was für ein wunderschönes Lied.“ sagte sie sanft und blickte Azard fragend an. Nie hätte sie hinter diesem unscheinbaren Fremden eine solch gefühlvolle Seite vermutet.
„Worum geht es ?“ fragte sie schließlich, denn Musik hatte sie schon immer interessiert. Besonders die Botschaften die hinter solchen Weisen steckten, weckten ihr Interesse.
Der Schlange schien es ebenfalls gefallen zu haben, denn sie zischte zufrieden, nachdem er geendet hatte. Doch auch dies konnte Celest nicht verstehen.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Sonntag 22. Mai 2011, 21:51

Der Waldelf sah beide noch immer fragend an. Doch sie schienen ganz vergessen zu haben, dass er neugierig etwas über die beiden wissen wollte. Wahrscheinlich zu erschöpft und zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Was der Waldelf irgendwie bedauerlich fand. Es war auch für ihn schon etwas her, dass er mit anderen gesprochen hatte. Und sie wollten immerhin gemeinsam gegen die Dunkelelfen vorgehen. Natürlich erst wenn sie wieder fit waren. Als Asgar zu singen anfing, war auch bei Firalúr das Erstaunen groß. Mit so was hatte er nicht gerechnet.
„Ich gebe Celest recht, es hat sich sehr schön angehört. Gesang hat eine beruhigende Wirkung“ Er lächelte als er die kleine Schlange vor Asgar sitzend sah, die scheinbar nach einer Zugabe bettelte.
„Ihr könnt gerne weitersingen“
Er trat zu den Mörser und Stößel und griff nach oben an die Decke. Auch dort hing eine große Anzahl von Kräutern zum Trocknen.
„ ich sammle alles, was von nutzen an Kräutern sein kann. Gewöhnlich bringe ich sie dann ins Dorf und verkaufe sie oder Tausche gegen andere Sachen…hmm“ Seine Finger gingen suchend durch die Kräuter und griffen dann gezielt nach einen Zweig. Wenn man genau hinsah, dann könnte es das gleiche Kraut sein, welches schon Windfuchs gefunden hatte.
„ Dieses Blatt das hilft gegen die Kratzer und Abschürfungen…man muss es nur zermahlen, wenn es schnell gehen soll, reicht auch kauen… dann schnell auftragen. Es hilf bei der Heilung…und reinigt die Wunde“ erklärte er dabei.
Dann ging er nochmals zu Windfuchs und legte ihn die Hand auf die Brust. Kurz schloss der Waldelf die Augen. Windfuchs selber öffnete die Augen und sein Blick schien irgendetwas zu suchen. Da Celest durch ihren Schlangenleib nun mal die Größte war, blickte er sie an. Oder es hatte den Schein. Wie viel Seele wieder in ihn war, dass konnte nur Asgar sagen. Die Kugel jedenfalls pulsierte mal stärker und dann wieder schwächer.
„ Wieso hat er sich so verausgabt?...er braucht was zur Stärkung, das Herz rasst ziemlich schnell.“
Er blickte sich um und sein Augenmerk fiel wieder auf Celest. Ihren mitleidigen Gesichtsausdruck hatte er ja schon öfters vernommen.
„ich werde ihn etwas zur Stärkung einflössen, dass sollte ihn wieder Kraft geben…aber manchmal hilft euch Zuwendung.“
Er machte mehrer Blätter in das Stößchen und holte neben seinen lager ein Gefäß hervor. Auch davon füllte er etwas Ab. So lief er mehrmals umher. Bis er zu frieden nickte. Das Reichte er dann Celest.
„ das muß er trinken….habt ihr Hunger, ich habe noch Vorräte“ Er trat von Windfuchs weg und suchte in der hinter Ecke der Höhle nach etwas. Hier und dort hörte man es leicht rumpeln. Dann kam er zurück. Er hatte etwas Brotähnliches und Käse dabei.“ Auf einem größeren Stein setzte er die Sachen ab und holte noch zwei kleine Töpfe hervor. Indem einem befand sich eine grünliche Paste, die nach Kräutern roch. In der anderen war eine Rotte nach Erdbeere riechende Mischung. Aus einem weiteren Tongefäß holte er eine Honigwabe hervor. Sie glitzerte im hellen Gelb und roch sehr süß.
„ hier könnt ihr euch stärken, aber zuerst will ich mit deinem Brustkorb ansehen.
Er erhob sich und trat auf Asgar zu.
Er tastete vorsichtig den Nachtelfen ab. Jetzt konnte Asgar auch sehen, dass es sich ordentlich verfärbt hatte. Und man die blauen Flecken umso deutlicher sah. Tatsächlich fielen sie auf seiner hellen Haut nur umso mehr auf. Firalúr war sorgfältig und bereitete Asgar nicht mehr Schmerzen als nötig. Die kleine Schlange zischte wie aus Erstaunen auf.
„ Es muß von alleine heilen, aber ich stabilisiere es. Dann geht es schneller. Auch werde ich dir gleich einen Tee geben, der die Heilung von Knochen fördert“
Firalúr holte lange Leinenstreifen und machte Daraus einen Festen Verband, der die Knochen an ihre frühere Position drückte. Es dauerte eine Weile, dann saß der Verband perfekt und Firalúr machte sich daran in einem Topf Wasser zu erhitzen, nachdem er die Glut etwas stärker wieder entfachte. Nicht zu stark, dass es groß qualmte, man musste immerhin nicht mehr Aufsehen erregen als nötig.
Dann holte er zwei Tonkrüge hervor. Mehr besaß er nicht. Dies war immerhin kein Ort um Gäste zu empfangen. Er stellte sie Asgar und Celest hin, er selber nahm seinen Wasserschlauch.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Asgar » Dienstag 24. Mai 2011, 22:11

Während er so auf den Boden starrte und seinen mörderischen Gedanken nachging, schienen die anderen auf sein Lied aufmerksam geworden zu sein. Als er direkt angesprochen wurde, und zwar von beiden, verflogen seine Rachepläne und lösten sich vorerst in Wohlgefallen auf. „Ähm, wie?“ fragte er etwas verwirrt. Beide sagten, dass ihnen das Lied, welches er einfach aus einer Laune heraus gesungen hatte, gefallen hatte und das er gerne weitersingen könnte. Verlegen kratzte sich der Nachtelf am Hinterkopf. Damit hatte er ja nun gar nicht gerechnet. Mit allem, aber nur nicht mit dem. „Ähm, danke. Es ist nur so, dass ich hauptsächlich nur solche Lieder kenne. Von daheim kenne ich nichts anderes. Wenn man aus armen Verhältnissen kommt, ist Melancholie meist das einzige, dass man dort hat.“ Er seufzte leise.

Er erinnerte sich ungern daran, auch an die Anfänge seiner Diebeszeit. Damals war er ein junger Draufgänger gewesen, unerfahren, meist schlampig und deshalb immer wieder mit dem Gesetz und den dazugehörigen Schattenkriegern aneinandergeraten. Das hatte sich eine halbe Ewigkeit so weiter gezogen, bis er da jede Menge 'Freunde' hatte. Besser, die erwischen mich nicht. Er wusste nur zu gut, was die mit einem Dieb seines Kalibers taten. Erst einsperren, dann foltern und dann, wenn sie gnädig waren, erlösen. Er hatte bisher nur Glück gehabt, denn sie ließen ihn immer wieder laufen, da selbst ein schnelles Verfahren Aufmerksamkeit bedurfte, welche sie nicht entbehren wollten. Zum Glück...

Die kleine Schlange, welche sich vor nicht allzu langer Zeit ihnen spontan angeschlossen hatte, blickte ihn erwartungsvoll an, so als warte sie darauf, dass der Nachtelf wieder ein Lied anstimmte. Es war merkwürdig, denn normalerweise waren Schlange doch taub. Aber anscheinend schien das keine gewöhnliche Wald- und Wiesenschlange zu sein, noch dazu war sie Musik-interessiert. Asgar legte den Kopf leicht schief, die Schlange tat es ihm gleich. Was war das nur für ein merkwürdiges Tier? Er konnte Klugheit in ihren Augen erkennen, eine Intelligenz, die irgendwie nicht zu diesem Wesen passte. Das ist unheimlich... Und sicherlich würde jeder auch so denken wie er.

Der Waldelf erklärte, dass er Heilkräuter hier hatte, die meisten aber in sein Heimatdorf brachte, um zu tauschen oder zu verkaufen. Asgar beobachtete, wie er einen Zweig heraussuchte und ihn der Frau namens Celest gab. Das hab ich doch schon einmal gesehen.... Bloß wo? Angestrengt überlegte der Nachtelf. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Natürlich! So ein ähnliches Kraut hatte doch Windfuchs ihnen gepflückt, damit sie sich notdürftig versorgen konnten. Er erkannte die Ähnlichkeit.

Dann war Windfuchs an der Reihe. Firalúr prüfte, was mit dem Hybriden nicht stimmen könnte. Warum war er plötzlich so entkräftet, dass er nicht einmal mehr einen Muskel rühren konnte? War das so eine Art Sperre? Auf jeden Fall spürte er einen Impuls, welchen die Kugel ausstrahlte. Er zog sie vorsichtig hervor. „Das hier, diese Kugel, könnte ebenfalls damit zu tun haben. Ich habe sie einer Gruppierung abgenommen, welche Seelenlose als Kampfsklaven an das Dunkle Volk verschachert. In solchen Gefäßen fangen sie die Seelen ein, aber warum er jetzt zusammengebrochen ist, weiß ich nicht so genau. Vielleicht hat er sich zu stark verausgabt.“ Er zuckte entschuldigend mit den Schultern. Es gab einen Grund, warum er dem Waldelfen dies mitgeteilt hatte. Weil er genau wusste, dass dieser kein Freund der Dunkelelfen war. Aber das Problem blieb, Windfuchs war im Moment, so entkräftet wie er war, nicht gerade eine große Hilfe.

Dann trat der Waldelf auf ihn zu. Um es ihm nicht allzu umständlich zu machen, zog Asgar die Lederrüstung aus, sodass er nun mit entblößtem Oberkörper dasaß. Der Anblick erschreckte ihn. Die Haut war dort, wo die Rippe gebrochen war, seltsam verfärbt. Das Farbspektrum reichte von Blau über Grün, bis hin zu einem schmutzigen Braun. Bei allem was mir heilig ist! Das ist sogar noch übler, als ich es mir auch nur im entferntesten vorgestellt hätte. Doch zum Glück versorgte der Waldelf die Wunde fachkundig und legte einen strammen Verband an. Der Nachtelf biss die Zähne zusammen, das tat schrecklich weh! Gedanklich versuchte er sich abzulenken.
Denk an was anderes! Es tut nicht weh, es tut nicht weh, es tut nicht weh, es tut nicht.... Aber keine zwei Sekunden später: Doch! Scheiße! Es tut verdammt weh! Arrrgh!!! Der Aufschrei gegen Ende fand ausschließlich in seinem Kopf statt, sodass von Außen nicht viel zu sehen war. Doch man konnte an seinem eher gequälten Gesichtsausdruck erkennen, dass das alles andere als ein Vergnügen für ihn war. Und dennoch hielt er eisern bis ganz zum Schluss durch. Er hatte ein überaus schmerzhaftes Gift überlebt, da würde er sich doch nicht von so einem kleinen Rippenbruch einschüchtern lassen. Aber wer redete die eigenen Verletzungen nicht gerne klein. Er hatte riesigen Dusel gehabt. Die Rippe hätte sich durch innere Organe bohren können und dann wäre es um ihn geschehen gewesen.

Dann als Firalúr fertig war, entwich dem Nachtelf noch ein angestrengtes „Danke“. Jetzt würde er erst einmal Ruhe brauchen. Aber etwas zu Essen war auch nicht verkehrt. Also bediente er sich an den zahlreichen Vorräten, die der Waldläufer ihnen großzügiger weise zur Verfügung gestellt hatte. Mit einem dankenden Kopfnicken nahm er den Becher Tee an sich und trank einen kleinen Schluck. Er schmeckte starke Kräuter, welche ein leichtes Brennen im Hals hinterließen. Aber er tat gut. Und er würde zur Heilung beitragen, so hatte es der Elf zumindest erklärt. Trotzdem würde es schon einige Zeit dauern, bis er wieder vollkommen genesen war. Auch die Natur konnte nicht von jetzt auf nachher Wunder vollbringen.
Dann jedoch wollte er noch einen Gedanken äußern, welcher in dem ganzen Wirrwar beinahe komplett untergegangen war: "Du hast nicht zufällig Nadel und Faden da? Mein Umhang braucht dringend einen Reperatur."

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Donnerstag 26. Mai 2011, 14:35

Azards Antwort war ebenso traurig wie das Lied, welches er eben noch angestimmt hatte. Dass er nur traurige Lieder von zuhause kannte, war für Celest begreiflich, als sie bedachte aus welchen Verhältnissen er stammte. Was er alles durchleben musste, wusste sie zwar nicht, aber dass das meiste mit Hunger, Verschmähung und bitterem Überlebenskampf zu tun hatte, konnte sie sich schon vorstellen. Ihr Leben verlief anders, ebenso undankbar, aber dennoch anders. Schließlich hatte sie einen festen Wohnsitz, eine Arbeit und einen festen Platz in der Welt. Wie es bei Azard aussah würde sie schon interessieren. Doch die Stimmung war dafür möglicherweise nicht geeignet. Manche Menschen und Elfen schwelgten gerne in Erinnerungen, aber bei Azard konnte sie sich das beim besten Willen nicht vorstellen. Vielleicht täuschte sie sich in diesem Punkt aber auch?
Vorerst wollte sie darüber lieber schweigen,, um seine Gefühle zu schonen.

Firalúr kümmerte sich derweil um Windfuchs Verletzungen. Er beantwortete dabei Celests Frage und weckte dadurch großes Interesse in ihr. Das Leben eines Waldelfen war fremd und geheimnisvoll für sie. Mit Kräutern statt mit Geld zu bezahlen und den Wald als Lebensraum zu betrachten statt als Ausbeutungsobjekt, weckten in ihr den Eindruck, dass diese Lebensweise einfach nur richtig sein konnte. Harmonie war das einzige Wort in ihren Augen, was diese Verbindung zur Natur treffend beschreiben konnte.
Celest kroch nun wieder an Windfuchs heran, während Firalúr eifrig weiter erklärte. Schweigend hörte sie zu und beobachtete seine Hände bei der Arbeit. Vielleicht konnte sie sich so etwas abgucken?
„ Dieses Blatt das hilft gegen die Kratzer und Abschürfungen…man muss es nur zermahlen, wenn es schnell gehen soll, reicht auch kauen… dann schnell auftragen. Es hilf bei der Heilung…und reinigt die Wunde“
Bei diesem Satz wurde Celest hellhörig, denn 'kauen' musste sie das Kraut, welches Windfuchs ihr gegeben hatte, auch. Bei genauerem Hinsehen konnte sie sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem besagtem Kraut nicht abschlagen. Dennoch würde sie nicht darauf beharren, dass es genau das Gleiche war. Schließlich gibt es so viele verschiedene Kräuter, dass es sicher auch ähnliche Pflanzen mit ähnlichen Wirkungen geben konnte. Er gab ihr das Kraut und wandte sich nun an Windfuchs.
Celest aber wollte sich zunächst nicht um sich selbst, sondern vielmehr um Windfuchs kümmern, weil ihre Wunden so gering ausfielen, dass sie diese kaum bemerkte. Windfuchs allerdings konnte sich nicht einmal mehr bewegen!
Sie behielt die Pflanze also erst einmal in der Hand, und hoffte irgendwie helfen zu können.
Es kam ihr sogar so vor, als würde Windfuchs Blick, der sie nun gezielt zu suchen schien, nach ihrer Hilfe schreien. Sie wollte unbedingt etwas tun.

„ Wieso hat er sich so verausgabt?...er braucht was zur Stärkung, das Herz rasst ziemlich schnell.“
Ihre Hände umklammerten das Kraut fieberhaft, als sich Azard zu Wort meldete und die geheimnisvolle Kugel wieder zum Vorschein brachte. Seine Seele! Schoss es ihr durch den Kopf.
Gleichzeitig fragte sie sich, warum eigentlich Azard auf die Kugel acht gab und nicht Windfuchs in dessen Besitz war. Celest verurteilte dies nicht, Azard passte vermutlich auf diese Kugel auf, um Windfuchs irgendwie einen Gefallen zu tun. Aber wäre es nicht besser wenn Körper und Seele wieder beisammen wären? Sollte die Kugel also nicht lieber bei Windfuchs sein?
„ich werde ihn etwas zur Stärkung einflössen, dass sollte ihn wieder Kraft geben…aber manchmal hilft euch Zuwendung.“ Die Schlangenfrau hörte diese Worte noch ehe sie wirklich, angesprochen fühlen konnte durch das Wort 'Zuwendung'. Sie wandte sich um und beobachtete noch wie Firalúr die Medizin zubereitete, die den Fuchshybriden stärken sollten. Dann wurde ihr auch schon das Gefäß in die Hand gedrückt. Gleichzeitig wurde sie gefragt ob sie noch Hunger habe, und schon war Firalúr im hinteren Teil der Höhle verschwunden.

Sie hingegen freute sich nun endlich helfen zu dürfen und kroch eilig an Windfuchs heran.
„Hier werter Freund, das wird dir sicher gut tun. Trink langsam, aber trink alles aus!“ waren ihre sanften Worte, ehe sie seinen Kopf leicht anhob und ihm die Flüssigkeit einflößte. Vorsichtig ging sie dabei vor. Sie war darauf bedacht, ihn nicht zum eifrigen trinken zu bewegen, sondern stellte das Gefäß immer dann schräg, wenn er weitere Flüssigkeit aufnehmen konnte.
Dies erinnerte sie an ihre Mutter, die sie damals auch manchmal so füttern musste, als sie ans Krankenbett gefesselt war. Wie krank sie damals war! Und doch ist sie wieder gesund geworden. Celest hoffte bei Windfuchs ähnliches zu beobachten.
Als das Gefäß geleert war, stellte sie es beiseite und blieb eine Weile an seiner Seite sitzen.
„Du wirst schon wieder auf die Beine kommen“, versuchte sie ihm einzureden, bis ihr wieder die Kugel in den Sinn kam. „Deine Seelenkugel...“, begann sie mit einem Hauch von Hoffnung in der Stimme. „Sollen wir dir vielleicht deine Seelenkugel geben?“ Celest erwartete keine Antwort, vielmehr wollte sie ihre Idee in die Tat umsetzen, denn schaden konnte es ja nicht.
Die Schlangenfrau erhob sich, doch in diesem Moment kam auch der Waldelf mit einem Laib Brot, Käse und einigen Töpfen wieder. Ein feiner süßer Duft durchzog bald die Höhle und sofort fühlte sich die Schlangenhybridin an alte Zeiten erinnert. In der Küche ihrer Herrin hatte es oft so gerochen, doch nie durfte sie etwas von den Leckereien ab haben, die dort zubereitet wurden.
Das was Firalúr mitgebracht hatte lenkte sie also für einen kurzen Moment ab, doch ihr Gedanke an die Seelenkugel verflog dabei nicht.
Ihr neugieriger Blick führte sie zu den Töpfen und instinktiv leckte sie sich über die Lippen. Am liebsten hätte sie gleich eine dicke Portion zu sich genommen, denn ihr Magen machte sich, auf den verführerischen Duft reagierend, bemerkbar. Aber zuerst wollte sie sich um wichtigere Dinge kümmern.

Als sie sich aber den beiden Elfen zuwandte, bemerkte sie wie beschäftigt sie waren, Schlimmer noch, Azard schien wirklich starke Schmerzen zu haben, was man allerdings nur seinem Gesicht ansehen konnte. Er gab keinen einzigen Schmerzenslaut von sich und dabei ließ die Wunde, die sich in verschiedensten Farben bemerkbar machte, anderes vermuten. Celest konnte gar nicht weiter hinsehen, weswegen sie sich lieber wieder zu Windfuchs gesellte und ihm beiläufig über den Kopf strich. Eine mehr automatische als bewusste Handlung, doch die Schlangenfrau bereute es nicht. Normalerweise verzichtete sie auf körperliche Nähe und Berührungen jeglicher Art, aber wie sie bereits in ihrem letzten Lager bewiesen hatte, machte sie hier eine bedeutende Ausnahme. Windfuchs litt wie sie an einer Krankheit die ihn zu einem Außenseiter machte. Celest kannte keine glücklichen Schicksale von Hybriden, genau genommen kannte sie keine andere als ihre eigene, aber genau deswegen dachte sie, dass keine dieser Geschichten jemals glücklich verlaufen konnte. Nichts anderes dachte sie also auch bei Windfuchs. Sie hatten das gleiche Problem, waren Leidensgenossen und genau das verband sie in gewisser Weise.

Als Azards Behandlung schließlich ihr Ende fand, machte sich Firalúr daran, Wasser zu kochen, und dem Nachtelfen den Tee zu zubereiten. Letzterer hingegen würde erst einmal seine Ruhe brauchen auch wenn er kurz darauf nach Nadel und Faden fragte.
Celest, die nun ein wenig bereute sich vielmehr um Windfuchs als um Azard gekümmert zu haben, nahm dankend das Wasser an, und stellte es zunächst beiseite, damit es ein wenig abkühlen konnte.
Dann erhob sie ihre Stimme ohne von Windfuchs Seite zu weichen.
„Ich könnte deinen Umhang nähen! Schließlich war ich eine Kammerfrau, und bin erfahren mit solcherlei Dingen. Du und Windfuchs ihr braucht Ruhe.“ Ihre Worte waren streng, waren aber durchaus von fürsorglicher Natur. Schließlich hatten die beiden ihr Leben gerettet. Natürlich würde sie sich deswegen nicht zu einem willenlosen Sklaven machen, aber sie wollte schon ein wenig dienlich sein. Vielleicht auch um der alten Zeiten willen? Paradox, wenn sie doch ständig aus dem Kammerfrauen Dasein ausbrechen und frei sein wollte.

Dann kroch sie an Azard heran und fragte endlich, nach der Kugel.
„Darf ich vielleicht mal Windfuchs Seelenkugel haben? Vielleicht hilft es ihm ja, wenn er sie bei sich hat. Ich werde sie auch nicht kaputt machen!“ Sie wusste, dass sie viel falsch gemacht hatte in der jüngsten Zeit, und dass Azard ihr das Übel nahm, wusste sie auch, daher wollte sie mit ihrem letzten Satz ein wenig Vertrauen stiften. Auch wenn dies womöglich nicht viel bringen würde.

Während sie auf seine Antwort wartete, drehte sich die Schlangenfrau kurz um, damit sie Firalúr im Blick hatte. „ Darf ich gleich etwas von dem süßen Essen haben? Das riecht so gut, dass ich am liebsten alles aufessen würde.“ Die Begeisterung war klar aus ihren Worten aber auch aus ihrer Mimik herauszulesen. Ihre Augen strahlten förmlich vor Glück, ehe sie sich besann und ihre Worte korrigierte. „Also, natürlich ziemt sich das nicht für eine Dame, und abgesehen davon gibt es hier schwächere Personen als mich, die das Essen viel nötiger haben, also werde ich mich natürlich zurückhalten.“
Schon wieder ein Versprechen, was sie halten wollte, um das Vertrauen ihrer Gefährten ein wenig zu gewinnen? Eigentlich wollte sie ihre kindliche Freude überspielen und sie mit den ernsten beigefügten Worten etwas entkräften, aber genau dieser Kontrast, hob ihre Freude noch ein bisschen mehr hervor.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Samstag 28. Mai 2011, 23:04

Firalúr musterte Asgar eine ganze Weile. Das Lied hatte ihm gefallen, auch wenn es eine melancholische Note besaß. Das musste ja nicht heißen, dass es schlecht war. Denn das stimmte nicht. Außerdem besaß dieser Mann eine passable Singstimme. Unter den Elfen des Neldoreth könnte er sich garantiert als würdiger Sänger erweisen. Zumindest für ein Beisammensein an abendlichen Feuern reichte es mehr als aus. "Wenn wir meine Nichte zweiten Grades retten können, würde sie sich bestimmt freuen, dir einige Lieder meines Volkes beizubringen. Sie sind fröhlich und leicht." Er lächelte, ohne aufzuschauen und arbeitete weiter. Dies sagte er nicht nur aus Freundlichkeit. Der Waldelf spürte die düsteren Gedanken geradezu, die Azards Kopf umkreisten. Er wollte ihn davon lösen. Sein Gast durfte sich nicht zu viel Melancholie hingeben. Er könnte sich darin verlieren und dann würde er für eine Rettungsaktion der Bewohner Neryans vollkommen unnütz sein. Firalúr meinte es in dieser Hinsicht nicht einmal persönlich. Er sah die Situation mit den Augen eines Jägers. Diese waren Einzelgänger und mussten sich so nur auf sich selbst und ihre Fähigkeiten verlassen. Zogen sie im Rudel los, sorgten sie dafür, ebenfalls Einzelgänger zu sein - indem sie ein Mann wurden. Sie bildeten eine Einheit, aufeinander abgestimmt und nach Möglichkeit eine unschlagbare Gruppe, die keine Worte zur gegenseitigen Verständigung brauchte. Wenn unter ihnen jemand nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllte, musste er im Dorf zurückgelassen werden. Es war besser so, denn ein unaufmerksames Kettenglied nutzte niemandem. Manchmal, wenn das Problem kein großes war, versuchte man auch, es zu lösen. Das kostete Zeit, aber die Einheit verlor kein wertvolles Mitglied für ihren Jagdeinsatz. Firalúr konnte es sich nicht leisten, gewonnene Verbündete zu verlieren. Er durfte nicht zulassen, dass Azard sich seinen trüben Emotionen hingab. Dies musste er erreichen und seinen füchsischen Freund wieder aufbauen. Beide mussten genesen. Die Kräuter würden ihnen helfen, ebenso wie der Tee, den er gerade aufgoss.

Azard unterbrach ihn in seinem Tun, als er plötzlich eine schwarze Kugel zückte. "Sie hat einen Sprung", bemerkte der Elf nur, obgleich er jedem Wort des Nachtelfen gelauscht hatte. Er blieb auf Distanz zu dieser Kugel. Offenbar gefiel sie ihm als Kunstwerk, nicht aber als ein geschaffenes Artefakt des dunklen Volkes. "Du solltest es nicht besitzen, aber das ist nur meine Meinung. Ich bin kein Zauberer, dass ich dir einen guten Rat geben könnte. Dein Freund ist absolut verausgabt, daran besteht allerdings kein Zweifel. Gib ihm Zeit." Firalúr untersuchte Windfuchs noch einmal. Er war nicht verletzt, nicht sonderlich. Die Wunde im Gesicht heilte gut. Man konnte sie als nicht lebensbedrohlich einstufen. Er schien lediglich all seine Kraftreserven aufgebraucht zu haben.
Celests Schatten fiel auf ihn und er blickte flüchtig über seine Schulter zurück. Dieses wundervolle Wesen schien sich sehr für die Kräuterkunde und Heilkunst zu interessieren. "Wenn du möchtest, Freundin, gebe ich dir nachher eine kleine Einführung in meine Kenntnisse. Es ist nicht schwer, nur eine Menge an Informationen - so reichhaltig wie Florencias Schöpfung." Fiarlúr nickte und schaute wieder zu Windfuchs. "Er muss essen, vor allem aber trinken. Hilf ihm dabei, Azard. Dann erholt er sich bestimmt." Zum Gesichtsausdruck des Nachtelfen sagte er gar nichts. Es zeugte von Respekt dem anderen gegenüber. Sie waren beide Männer in Anwesenheit einer Frau - Schlange - Schlangenfrau! Man musste also Härte zeigen, der Dame ein wenig imponieren. Nur ein Kratzer, dieser Ausspruch fehlte noch, aber den konnte Firalúr nicht vorlegen. Das musste schon aus Azards Mund kommen. Also schwieg er vollkommen darüber. Die Rippe würde ebenfalls heilen. Er durfte sich nur nicht zu sehr überanstrengen. Denken war ihm allerdings erlaubt, das schadete ja bekanntermaßen nie. Der Elf nickte löblich. Dass sich Azard trotz allem Gedanken über seine Ausrüstung machte, konnte er nur gutheißen - wenn auch stillschweigend. Ein Umhang hielt den Regen ab, konnte tarnen. "Man sollte seine Sachen stets pflegen. Ich kann dir sogar beides überlassen." Er begann erneut in der Höhle zu kramen.

Während sich Firalúr also um Azard - respektive Asgar - kümmerte, bekam Celest die Gelegenheit, sich um Windfuchs zu sorgen. Der Hybrid schaute sie an. Er rührte sich nicht, blinzelte lediglich. Die Schlangenfrau musste da schon aktiv werden und ein dankbarer Blick fiel auf sie, als sie den Kopf des Fuchses anhob, damit er trinken konnte. Beim ersten Schluck verschluckte er sich noch, so dass ein Großteil des Gebräus seinen Mundwinkel herab lief und von seinem pelzigen Kinn tropfte. Er hustete, dass es seinen Körper schüttelte. Es klang nach einem an einer Grippe krepierenden armen Mann. Doch den nächsten Schluck bekam er herunter und trank sogar mit großer Gier. Celest konnte verhindern, dass er es zu eifrig anging. So gelang es ihr, den Rest problemlos einzuflößen. Windfuchs seufzte. Es klang zufrieden - dankbar. Sein Ohr zuckte kurz und der kleine Finger seiner rechten Hand bewegte sich ein bisschen. So konnte er mit der füchsischen Kralle über eine der funkelnden Schuppen Celests streichen. Dies schien ihn allerdings äußerst anzustrengen und er endete früh damit. "Hfff...", antwortete er nur auf ihre Frage zur Seelenkugel. Derzeit funktionierte es wohl nur über Blickkontakt bei ihm. Er schielte zu Asgar herüber, dann wieder zu Celest, ehe sich die Augen für einen kurzen Moment vollkommen schlossen. Erneut zuckte das Ohr, als die sanften Finger der Frau über seinen pelzigen Kopf strichen. Das gefiel ihm. Er hielt ganz still - eine große Wahl hatte er ja ohnehin nicht - aber er genoss es offensichtlich, so betüttelt zu werden.

"Du hast Glück, Freund", meldete sich Firalúr wieder zu Wort. "Als ich in das überfallene Dorf zurückkehrte und nachdem ich meinen Schrecken überwunden hatte, besorgte ich mir ein paar Dinge von dort. Ich konnte nicht wissen, ob eine erneute Rückkehr möglich war. Nadel und Faden zu haben, ist nie verkehrt. Hier." Er reichte beides allerdings an Celest weiter, die sich anbot, diese Aufgabe zu übernehmen. Ihre Gefährten hatte Ruhe wirklich nötig. "Sobald das Essen die richtige Zersetzung erreicht hat, bekommt ihr alle etwas ab. Es wird euch schmecken, habt Vertrauen in meine Kochkünste." Lächelnd werkelte Firalúr weiter.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Asgar » Mittwoch 1. Juni 2011, 00:20

Einerseits fühlte sich der Nachtelf schon geschmeichelt, andererseits war es für ihn ein mehr als fremdes Gefühl, für ungeförderte Qualitäten Anerkennung zu ernten. Über seine Gesangsstimme hatte er bisher nie wirklich nachgedacht. Doch irgendwie kam dieses Talent, welches offenbar schon länger tief in seinem Inneren schlummerte, ganz recht. Sofern er Rin aus der Gewalt der Dunkelelfen retten konnte und sie tatsächlich ein Kind von ihm erwartete, könnte er so zumindest etwas zum neuen Alltag beitragen. Denn ein Kind veränderte das Leben doch maßgeblich. Doch leider blieb das erst einmal ein Traum, der in einiger Entfernung vor sich hin dämmerte, denn bisher hatten sie noch nicht wirklich viel erreicht.

Auch das Angebot von Firalúr, dass seine Nichte ihm vielleicht einige Lieder der Waldelfen beibringen konnte, fand er interessant. Und schon bot sich ihm ein Weg, wie er etwas von der schiefen Bahn, welche sein bisheriges Leben anhaltend geprägt hatte, abkommen könnte. Doch das war ja schon fast wieder eine ehrliche Arbeit, welche der Nachtelf nun doch lieber nicht machen wollte. Er war schon fester Bestandteil in der celcianischen Unterwelt, auch wenn er dort nur eine bescheidene Stellung einnahm. Doch aufgrund seiner Kenntnisse im Schlösser knacken, wurde er ziemlich oft von Klienten aufgesucht, damit er ihnen einen 'dringend benötigten' Gegenstand 'beschaffte'.

Doch die Bemühungen des Waldelfen, ihn aufzuheitern fruchteten. Irgendwie. Denn Asgar war schon nicht mehr so mies gelaunt, wie Augenblicke zuvor. Nach kurzer Zeit lächelte er schon wieder. Immer wieder nippte er an dem Tee, welchen Firalúr ihm gegeben hatte. Er schmeckte herrlich! So frisch und leicht, ein typisches Elfengetränk eben. „Der Tee ist wirklich gut“, bemerkte er.
Zu der Kugel sagte der Elf nur, dass sie einen Sprung hatte. Das wusste er selbst ja schon. Er hatte es ja abbekommen. Dunkel erinnerte er sich noch an den elektrischen Schlag, den er von der Kugel erhalten hatte, als Windfuchs verletzt worden war. Das muss irgendwie einen logischen Zusammenhang haben.
Celest war jedenfalls der Meinung, er solle sie Windfuchs geben, da es ja quasi seine Seele war, die darin herum waberte. Abschätzend musterte er sie. Aber ihre Idee hatte was. Dennoch hatte er Zweifel. „Hm.. ich weiß nicht, wie er dann reagieren könnte. Am Ende überanstrengt er sich nochmals und das dürfte die Rettungsaktion wieder etwas nach hinten verschieben.“ Er selbst wusste nicht genau, wie Windfuchs darauf reagierte, wenn er seine Seele in Händen hielt. Leider schürte das seine eigene, persönliche Angst, die er vor dem Hybriden empfand. Was wäre, wenn er tatsächlich seine Seele zurückgewinnen würde, ihn dann aber für den erzwungenen Mord an seinem Bruder zur Rechenschaft ziehen wollte?
Aber im Grunde traf den Nachtelfen keine direkte Schuld. Dorcha war der Verbrecher, der seinen Bruder auf dem Gewissen hatte, da er ansonsten Rin getötet hätte. Noch immer nagte dieses schlechte Gewissen an der Seele des Diebes. Das würde er sich niemals verzeihen können. Solange er lebte, würde dieser dunkle Schatten nie verschwinden. Wieder diese Melancholie, die in seinem Kopf ihre wohlbekannte Runde machte. Doch dabei durfte es nicht bleiben, denn das brachte sie auch nicht weiter. Er musste sich zusammenreißen!

Inzwischen war das Thema wieder bei Windfuchs angelangt. Der Fuchs musste so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen, damit er sie bei der Befreiung der armen Gefangenen tatkräftig unterstützen konnte. Leider war das schwerer als gedacht, da keiner so recht wusste, an was der Hybrid nun genau litt. Akute Erschöpfung und Überanstrengung hätte Asgar getippt, was auch nicht sonderlich verkehrt gewesen wäre. Schließlich war er ja wie von der Tarantel gestochen durch den Wald geflitzt und hatte mehrere Dinge gleichzeitig erledigt.

Kurz durchzuckte ihn ein leichter Schmerz, da sich sein Körper noch nicht wirklich an den eng anliegenden Verband gewöhnt hatte. Aber immerhin schmerzte es nicht mehr ganz so stark wie zu anfangs. Auch der Tee tat sein Werk, der Knochen fing langsam an zu heilen. Firalúr sagte, der habe Nadel und Faden da, reichte sie aber an Celest weiter, welche sich anbot, den Umhang zu flicken. „Dann nehme ich das Angebot an. Danke, Celest.“ Er reichte ihr seinen ramponierten Umhang herüber, damit sie sich ans Werk machen konnte. Dass er nun nur in einer Hose dasaß, störte ihn nicht. Sein Oberkörper war zwar nackt, aber dennoch größtenteils mit einem strammen Verband verdeckt.

Er fand es irgendwie herzig, wie die Frau den armen Windfuchs so umsorgte. Vielleicht ist an Firalúrs Gedanke doch etwas dran... Mal schauen wie sich das noch entwickelt. Aber tatsächlich glaubte er kaum daran, dass etwas ernsthaftes passieren könnte. Das wäre nun doch etwas zu skurril. Fuchs und Schlange, nein, da war der Waldelf bestimmt auf dem totalen Holzweg. Das konnte schon rein anatomisch nicht klappen. Oder vielleicht doch? Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr brummte sein Schädel. Er sollte sich wohl etwas Ruhe gönnen und sich hinlegen. Wenn der Plan zu Rettung der Liebsten erst angelaufen war, gab es bestimmt nicht mehr so schnell Ruhe.

„Ich brauche erst einmal ein bisschen Ruhe, um mich wieder etwas zu erholen. Ihr könnt mich dann zur Essenszeit wecken.“ Sein Körper schrie förmlich nach Ruhe. Die anderen würden es ihm schon nachsehen. Auch die Frau war entkräftet. Auch sie würde erst einmal richtigen Schlaf brauchen. Von der körperlichen Fitness her war Firalúr momentan derjenige, der von ihnen am fittesten war.
Er schnappte sich ein paar überschüssige Felle und richtete sich einen bequemen Schlafplatz ein. Das Lager, auf welchem Windfuchs lag, hatte ja genug Felle, sodass es für alle reichte. Bis es Essen gab, würde es wohl noch einige Zeit lang dauern, bis dahin konnte er ja seine stark strapazierten Kräfte wieder etwas regenerieren, damit er später nicht untätig herum saß, sondern im Notfall noch mit anpacken konnte. Kurz nachdem er sich eine bequeme Position herausgesucht hatte, nickte er auch schon in einen leichten Schlaf ein.

[Puh! Endlich einen Post hinbekommen...]

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Mittwoch 8. Juni 2011, 01:48

Die Dankbarkeit, die Celest in Windfuchs Augen sah, zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht. Es tat gut, helfen zu können und noch schöner war es, dabei auch noch Dankbarkeit zu ernten. Sie kannte den Fuchshybriden zwar nicht, aber sie fühlte sich ihm noch viel mehr verbunden als zu manch einer ihrer besten Freundinnen, die sie damals am Hofe ihrer Herrin hatte. Eine verrückte Vorstellung aber so war es nun mal. Dabei war es ihr auch vollkommen gleich, ob er mit ihr sprach oder nicht. Sie bedauerte sein Schicksal und wollte helfen so gut es ging, besonders weil es ihn viel härter getroffen hatte als sie. Schließlich wandelte er seelenlos durch die Lande. Und das nur wegen dieser verdammten Dunkelelfen!
Doch an dieses dunkle Volk, wollte sie keinen weiteren Gedanken verschwenden. Vielmehr kümmerte sie sich um das jetzt und hier, und die interessanten Handgriffe, die Firalúr mit seinen Kräutern zu bieten hatte. Ihr Interesse entging ihm nicht und daher machte er ihr das Angebot ihr einiges von dem beizubringen was er wusste. Sie nickte lächelnd und nahm dieses Angebot dankend an. Diese Kenntnisse würden sich sicher noch als sehr nützlich erweisen, besonders für sie, die ständig im Wald leben würde und die Medizin auch nur aus den Wäldern beziehen konnte.

Das nächste Angebot, welches der Elf aber Azard machte, stieß auch auf ihre Ohren und steckten sie mit wachem Interesse an, schließlich liebte sie die Musik, die ihr schon so oft Trost gespendet hatte. „Ich würde auch gerne von deiner Nichte lernen Firalúr!“ bemerkte die Schlangenfrau begeistert, als dieser es Asgar anbot.
„Ich singe nämlich auch sehr gerne, musst du wissen. Musik kann so viel mit den Gefühlen von Menschen und Elfen anfangen. Es ist fast schon wie Magie.“ Ihre Stimme geriet ins Schwärmen als sie von ihrer Leidenschaft sprach, denn tatsächlich konnte eine sanfte Melodie viel in ihrem Herzen bewirken. Freude oder Traurigkeit, Wut oder Verzweiflung... all diese Gefühle konnten durch Noten vermittelt werden, und in manchen Fällen vermochten sie es sogar, die zu vermittelnden Gefühle direkt in die Herzen der Hörenden zu pflanzen. Ja, Celest konnte sich lange mit Musik beschäftigen und während sie lächelnd Nadel und Faden sowie beschädigten Umhang entgegennahm, summte sie das Lied, welches der Nachtelf auf so wunderschöne Weise vorgetragen hatte. Stich für Stich geriet sie immer mehr ins schwärmen und schon fast wäre sie abgedriftet, wäre da nicht wieder der Gedanke an Windfuchs.
Sie unterbrach das Summen, dafür aber nicht ihre Arbeit , um erneut über die Kugel zu sprechen.
Doch leider war der geheimnisvolle Nachtelf bereits eingeschlafen, und konnte somit nicht erneut gefragt werden. Man konnte ihm seine Erschöpfung aber auch nicht verübeln. Die Schlangenfrau hatte seine Wunde gesehen, und musste zugeben, dass diese alles andere als harmlos aussahen. Dieser kleine Blick auf dieses blutige Farbenspiel, hatte ihr schon fast wieder den Rest gegeben, obwohl sie an jenem Tag schon etwas viel schlimmeres erlebt hatte. Aus diesem Grund, konnte sie sich wohl nie vorstellen, als Heilerin zu arbeiten. Selbst wenn diese Entscheidung in ihrer Macht gelegen hätte!
Sein Verlangen nach Schlaf war, daher verständlich, auch wenn Celest gerne noch ein wenig länger mit ihm gesprochen hätte. Naja, sie hatte ja noch Firalúr.
„Also ich finde, wir sollten Windfuchs die Kugel geben. Seine Seele steckt dort drin, und nicht Azards. Findest du nicht auch Firalúr?“ Sie sprach leise, aber dennoch so laut, dass man sie verstehen konnte. Sie wollte die Ruhe der Verletzten nicht stören und vielleicht würde sie ja noch die Möglichkeit bekommen, an die Kugel heranzukommen.
Nein, so etwas würde man nicht mit einem so niederen Wort wie „stehlen“ betiteln! Diese schwarze Perle gehört schließlich nicht ihm, sondern Windfuchs. Da versteht es sich von selbst, dass dieser seinen Schatz auch bekommt.
Andererseits wollte sie es sich nicht noch einmal mit Azard verschärzen. Das Vertrauen zwischen den beiden, schien nicht richtig Fuß fassen zu wollen, ansonsten hätte er ihr die Kugel bereits gegeben. Und wenn sie für eine Weile zusammenarbeiten mussten, vor allem, da sie ihren Rettern noch etwas schuldete, musste sie ein gewisses Vertrauen aufbauen.
Während sie weiter nähte, huschte ihr Blick immer wieder zu Windfuchs und manchmal auch zu Firalúr. Der Geruch war bereits so verführerisch, dass sie froh war, sich durch die Handarbeit ablenken zu können. Ihr Magen hätte sich sonst wieder bemerkbar gemacht.
In dieser ruhigen Lagersituation schien es keine Spur von diesem „Inneren Tier“ zu geben, was die Schlangendame am Vortag noch übermannt hatte. Beinahe wie ein ganz normaler Mensch, saß sie da und tat einen Stich nach dem anderen.
„Kennst du Grandessa, Firalúr?“ fing sie plötzlich an, scheinbar um die Zeit ein wenig tot zu schlagen. „ Ich bin dort groß geworden. Aber viel habe ich von dieser grausamen Stadt nicht gesehen. Lysanthor sei Dank!“ Obwohl sie nur durch kleine Botengänge und Einkäufe auf die Straßen Grandessas geschickt wurde, konnte sie sich noch genau an die hungernden Blicke erinnern, die sie ständig verfolgten. Das Leid, stand den Menschen dort ins Gesicht geschrieben und der Glaube an einen gerechten Gott, war der einzige Hoffnungsschimmer an den sie sich richtigen konnten. Von der Kriminalität sah sie auch einiges, aber vor Angst schaute sie dann eher weg und ging stur ihren Weg. Sie hätte sich in so mancher Situation anders verhalten sollen, doch wollte sie damals keinen Ärger mit ihrer Herrin oder gar gefährlichen Zeitgenossen haben. Viele Diener taten es ihr gleich, sie war nicht die einzige gewesen die darüber hinweg sah, und Celest war sich ziemlich sicher, dass sich diese Zustände bis heute nicht geändert hatten.
Ob der Waldelf, ähnliches Leid kannte? Wie war sein Heimatdorf von dem er so oft sprach? Er musste es wirklich lieben. Ansonsten konnte sich Celest nicht erklären, warum er Hals über Kopf in die Rettung seiner Lieben gestürzt war und sich auf den Weg nach Kosral gemacht hatte. Ganz ohne Unterstützung! Nur gut, dass er rechtzeitig auf ihre kleine Gruppe getroffen war. Wie es wohl sonst ausgegangen wäre?
„Du hingegen scheinst deine Heimat zu lieben. Aber deine Liebe hätte dich beinahe in den Tod geritten. Hattest du wirklich geglaubt, die Dunkelelfen überlisten zu können?“ Ihre Worte sollten nicht beleidigend gemeint sein. Dieser Mut, oder vielleicht auch Torheit, waren ihr nur ein Rätsel mit dem sie bisher nie konfrontiert wurde. Helden gab es nur in Kindermärchen. Prinzen die den Drachen besiegten, um die Prinzessin zu befreien. Solche Geschichten hat sie ab und an auch bei ihrer Herrin gehört, die scheinbar das Kind in sich nie wirklich aufgeben hatte. Aber in der Wirklichkeit konnte so etwas nicht funktionieren. Außer Lysanthor selbst hätte dabei seine Hände im Spiel!

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Sonntag 12. Juni 2011, 04:18

Asgar oder auch Azard hatte sich kaum in die Felle gelegt, da überkam ihn auch schon die Müdigkeit. Sein gebeutelter Körper forderte den Schlaf um vollkommen zu genesen. Bis jetzt war alles nur ein halbherziger Schlummer gewesen. Das „ich werde dich wecken“, hörte er wahrscheinlich gar nicht mehr. Doch der Waldelf konnte es ihm nachsehen. Schlaf war die beste und schnellste Methode sich von Verletzungen zu erholen.

Und ehe sich Asgar versah, stand er wieder allein da. Er hörte den lieblichen Gesang seiner Gefährtin und Liebsten Rin, welche in einiger Entfernung leise ein Lied aus der Heimat sang. Verstraut und verführerisch hallte es an den Wänden des großen Höhlensystem hernieder. War er eben nicht woanders?
Jetzt befand er sich in der umarmenden Kühle der Höhlenlandschaften der alten Heimat. Der Geruch von Stein und Erde mischte sich mit dem von Rin.
Liebster“ säuselte eine Stimme in sein Ohr und Rin war nur eine Handbreit von ihm entfernt. „egal was geschehen wird, ich bin bei dir…immer“ dann wurde ihr Gesicht ernst und sie griff ihn an den Kragen seiner Kleidung. Panik war in ihrem Gesicht
„ RETTE MICH!!!!!...du hast mich in Stich gelassen….warum“ Aus Entsetzen wurde schnell Anschuldigung.
„Weil er ein Feigling ist“ kam die dunkle und kalte Stimme von Dorcha aus den Schatten. Der Dunkelelf lehnte an der Wand, die Arme grinsend vor der Brust verschränkt. In der Hand hielt er eine Kette, welche, wenn man ihr folgte, zum Hals von Rin führte. Ihr Blick war traurig. Sie wollte zu Asgar, doch Dorcha hielt sie zurück. Ihre Arme erreichten ihren Liebsten nicht.
„ Er wird dich nicht retten“ Er zog sie hart zu sich und hielt ihr Gesicht mit einer Hand. Ein fieses Grinsen war in seinen Augen, als er seine Lippen auf die von Rin drückte. Blut ran. Ein Zischen war zu hören.
Sie hallte ebenfalls von den Wänden, während sich das Bild wandelte und es überall eine seltsame Färbung sah. Die Wände nahmen eine ungewöhnliche Musterung an. Wie Wellen schienen sich die Wände zu bewegen. Als wäre es Atmung. Bei genauer Betrachtung sah er , dass es sich um ihn um riesige Schuppen handelte. Er befand sich in der Mitte von diesen Schuppen.
Neben sich tauchte eine große schwarze Kugel auf, welche einen Riss hatte. Sie ging ihn an Größe bis zur Hüfte.
„Mörder!...Du hast meinen Bruder getötet“ dröhnte aus der Kugel die Stimme Windfuchs.
„ Wieso lässt du mich nicht frei???“
Aus der ferne hörte er eine Stimme, weiblich und nicht unbekannt.
„…wir sollten Windfuchs die Kugel geben. Seine Seele steckt dort drin, und nicht Azards.“
Die Kugel rollte auf Asgar zu.
Die Stimme, die aus ihr kam, war die von Windfuch.
„ Du willst mich nicht freilassen…du willst mich nutzen…genau wie die Dunkelelfen…als weitere Waffe soll ich dir dienen…Lässt mich zum Mörder werden….ich werde dich vernichten, wenn ich kann…HÖRST DU ASGAR, ich werde dich ebenso töten, wie du eiskalt meinen Bruder getötet hast….ich hasse dich…“ Die Stimme wurde sanft.
„ ich durfte nicht mal wegschauen…nutzt du jeden von uns…gönnst du mir meine Freiheit nicht?...soll ich so lange leiden…“
Riesige Finger hoben plötzlich die Kugel an. Hoch oben konnte er das Gesicht von Celest sehen, die wie ein Riese im Vergleich zu Asgar wirkte.
Der Schlangenleib schloss sich enger um seine Brust. Das Atmen wurde schwerer. Es wirkte beklemmend. Aber von Irgendwo kam eine Stimme. Rins Stimme.
„verzweifel nicht, ich liebe dich…ich warte“

Das was Asgar in seinen Schlaf bewältigte bekam von den anderen keiner mit. Der Waldelf war dabei ein ordentliches und kräftigendes Mahl vorzubereiten. Dann wenn alle gestärkt waren, konnte man die weiteren Schritte überlegen.
„ Wen du auch gerne singst, dann wird dich meine Nichte bestimmt auch unterrichten. …ja, Musik ist etwas Besonderes. Wir hatten eins einen Elfen im Dorf, so erzählte mir meine Mutter einst, der wenn er sang, Bilder in einen hervorrufen konnte.“
Er blickte zu Celest, die inzwischen dabei war, die Melodie von Asgar mitzusummen. Es klang wirklich schön.
Seine Mutter geriet jedes Mal ins Schwärmen und hatte Tränen in den Augen, wenn sie von diesem Elfen erzählte.
„ Wenn dieser Elf sang, war es als befände man sich an einem anderen Ort. Sang er über das Erwachen der Pflanzen nach der Zeit der kalten Tage, dann konnte man die Gerüche und die Bilder dazu sehen…ja, Musik ist ein mächtiges Mittel. Wenn sie wieder frei sind, dann werde ich dir gerne meine Nichte vorstellen. „
ER wand sich wieder dem Essen zu.
Celest Haltung wegen der Kugel machte ihn nachdenklich. Er kannte sich nicht mit Magie aus, und sie war ihm auch nicht ganz geheuer. Außer wenn es die Magie für Heilung war. Doch er war auch der Meinung, dass sich kein Fremder die Seele eines anderen verwalten sollte. Firalúr war der Meinung, man sollte seine Seele nur mit einem Partner teilen. Bei Elfen kam es vor, dass so Liebende oder auch für einander Bestimmte, den Wahren Namen gaben. Sie machten damit ein Band, welches stärker und inniger als die Liebe war. Sie hatten einen Zugang zur Seele des Partners. So musste er schmunzeln, dass gerade so was von Celest kam. Er war ja sowieso der Meinung, dass die beiden ein schönes Paar abgeben würden.
„ natürlich gehört einem die Seele nur allein…oder dem, den sie anvertraut wurde“ Er zwinkerte ihr keck zu. Ob Celest wusste was er meinte, konnte er nicht wissen. Für den Waldelfen waren viele Sachen seines Volkes ebenso selbstverständlich, wie essen und schlafen.
Es gab vieles was Unterschiedlich zwischen Menschen und Elfen war. Und Celest nutze die zeit um sich über so was zu informieren.
Sie konnte die Liebe zu seiner Stadt nicht verstehen, da es bei ihr doch so anders war.
Die kleine Schlange hatte sich inzwischen zum Hobby gemacht, dass sie abwechselnd zu Celest und auch Firalúr sah.
Hätte sie Schultern gehabt, hätte sie mit diesen gezuckt. Was es sich die Zweibeiner doch meist umständlich machten. Ohne auf irgendetwas zu warten, schlängelte sie sich zu dem Lager wo Asgar schlief und durchforschte geschickt seine Tasche. Dabei wurde sie einmal fast von Asgars Arm niedergedrückt.
Wenn dich das mit der Kugel stört, warum holst du sie dir dann nicht…autsch“ Wie ein Wurm sich windend kroch die kleine Schlange wieder hervor. Den kleinen Kopf schüttelnd, kroch sie auf Asgars Bauch und lugte zu Celest. Das die Hybridin auch nicht reagierte?
Davon bekam Firalúr nichts mit, er runzelte auf Celest aussagen nur die Stirn.
„ ist das Typisch für Menschen, dass sie keine Liebe für ihre Stadt oder Dörfer empfinden. Ich lebte in meinem Dorf seit klein an, sowie meine Elterns Vorfahren. Ich kenne dort alles und könnte mir was anderes nicht vorstellen….Wir unterstützen uns, wenn jemand Hilfe braucht, egal wie fremd er uns auch scheint. Wir halten zusammen, wie eine große Familie, weil dass sind wir alle im Grunde doch…ich habe gehört, dass es angeblich Menschen geben sollen, welche Gold sammeln, obwohl sie es nicht bräuchten. …Die Natur gibt einem doch alles“ Es sah sie verwundert an.

OT:So Celest, so lange Asgar in Urlaub ist, darfst du trotzdem weiter schreiben.
Asgar, wenn due zurück bist, steigst du einfach wieder ein…ich habe dir einen netten Traum hinterlassen.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Donnerstag 16. Juni 2011, 12:55

Interessiert hörte Celest Firalúrs Erzählungen zu, während sie sich in Gedanken diesen Elfen vorstellte, der mit seiner Musik so etwas magisches bewirken konnte. Sie schmunzelte bei dem Gedanken, dass die Mutter des Waldelfen so gerührt war von diesem elfischen Barden. Ihre eigene Mutter war zwar nicht ganz so sentimental, aber vielleicht hatte sie dies auch nie gezeigt, in Anbetracht der Tatsache, dass es selten etwas gab was ihr Herz so stark berührte.
Was Celest hingegen in diesem Moment sehr bewegte, war der Optimismus, mit dem Firalúr von der Befreiung seiner Familie und seinen Freunden sprach. Er musste wirklich sehr darunter leiden, aber dennoch zeigte er Keinem diesen Schmerz. Oder aber die Hoffnung in ihm war so stark, dass sie keinen Schmerz zuließ. Die Schlangenfrau wusste es zwar nicht, aber sie vermutete, dass letzteres der Fall war. Firalúr schien schließlich wirklich daran zu glauben, dass sie es schaffen würden. Umso beschämter war Celest, als sie sich eingestehen musste, in diesem Punkt überhaupt keine Hoffnung zu haben.
Mir läuft es schon eiskalt den Rücken herunter, wenn ich an einen dieser Scheusale denke, aber gleich eine ganze Stadt von ihnen?
„Danke Firalúr, ich bin schon gespannt, was sie mir alles beibringen kann.“ Damit schloss sie dieses Thema ab und flickte weiterhin den ramponierten Umhang Azards.
Dann kam das Gespräch wieder auf die Kugel, um die sich nicht nur Celest Gedanken zu machen schien.
„ Natürlich gehört einem die Seele nur allein…oder dem, den sie anvertraut wurde“
Bemerkte Firalúr und zwinkerte ihr anschließend zu. Sie wusste zwar nicht ganz was er damit meinte, aber irgendwie lockte dieser kleine Anhang eine leichte Schamesröte in ihr Gesicht. Irgendwas in seiner Stimme sagte ihr einfach, dass er auf etwas anspielte was mit ihr und Windfuchs zu tun haben musste und das allein löste schon diese Reaktion aus.
Doch dann vernahm sie etwas, was sie gefrieren ließ. Ihr Blick wandte sich abrupt zur Schlange um sich zu vergewissern, ob sie tatsächlich dieses Kriechtier gehört hatte. In der Hoffnung die Sprache der Schlangen nie wirklich verstehen zu können, hatte sie dieses Thema innerlich bereits abgeschlossen, aber scheinbar konnte sie immer mehr von dem verstehen, was die Schlange sagte.
Diese Tatsache schluckte sie aber zunächst herunter, in dem Versuch ruhig zu bleiben und sich nichts anmerken zu lassen.
Allerdings musste sie zugeben, dass die Schlange irgendwo recht hatte. Die Kugel gehörte nicht Azard, sondern Windfuchs und wenn sie diese nur kurz ausborgen und anschließend wieder zurück legen würden, bekäme er sowieso nichts von alledem mit. Wieder einmal hatte die Schlange also einen guten Einfall gehabt. Celest konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen.

Schließlich antwortete Firalúr auf ihre Frage hin, warum er sein Heimatdorf so sehr liebte. Also konzentrierte sie sich wieder auf den Waldelfen und gab der Schlange mit einem Handzeichen zu verstehen, dass sie kurz warten solle. Ob diese es verstand, wusste sie zwar nicht, aber ein Versuch war es schließlich wert.
Seine Erzählung weckten Sehnsüchte in Celest, die bisher noch nie wirklich gestillt worden waren. Wie gerne wäre sie in einer harmonischen Dorfgemeinschaft aufgewachsen, in der Hilfe eine Selbstverständlichkeit war und niemand Geld dafür verlangte. Ihrer Mutter hatte sie nie Vorwürfe deswegen gemacht, schließlich waren ihre Möglichkeiten damals arg begrenzt gewesen, sie konnte also froh sein zumindest ein Dach über dem Kopf gehabt zu haben. Azard hingegen hatte sicherlich nicht einmal das.
„In meiner Heimatstadt, gibt es viele solcher Menschen die Geld häufen, während viele andere Hunger leiden müssen und zu Dieben werden, um überhaupt zu überleben. Geteilt wird da nicht. Hilfe gibt es nur für Geld und jeder muss alleine sehen wie er im Leben klar kommt. Es ist das komplette Gegenteil deiner Heimat, worum ich dich auch sehr beneide, wenn ich ehrlich sprechen darf. Aber nun habe ich ja die Wildnis. Es tut irgendwie auch gut, frei zu sein und nicht für alles bezahlen zu müssen. Das ist der Vorteil dieser scheußlichen Krankheit. Ich bin frei von meinen Pflichten und ich allein bin Herrin meiner Entscheidungen.
Du hast Recht, die Natur gibt einem bereits alles was man braucht. Aber viele haben sich wahrscheinlich schon so weit von ihr entfremdet, dass sie die Natur und ihre Geschenke vergessen haben.
Es gibt aber auch diejenigen, welche die Natur ganz und gar nicht vergessen haben. Im Gegenteil: Sie beuten ihre Schätze aus und bereichern sich damit, während viele andere Lebewesen darunter leiden, dass ihre geliebte Heimat nicht mehr das ist was sie einmal war.“ Sie hoffte so, dem Waldelfen ein möglichst gutes Bild von dem gegeben zu haben, was da draußen in der Welt der Menschen tagein tagaus passiert. Noch sind die Wälder einigermaßen verschont geblieben, vermutlich durch den Einfluss der Götter, aber Celest bezweifelte, dass dies ewig so sein würde.
Um diese traurigen Gedanken beiseite zu schieben, blickte sie wieder zur Schlange die tatsächlich gewartet hatte. Die Schlangenfrau legte ihr Nähzeug beiseite und schlängelte geräuschlos an Azard heran. Es konnte nicht allzu schwer sein, diese Kugel zu finden, also tastete sie den Schlafenden behutsam ab und entdeckte so, wo sich die Kugel befand. Da sich Azard ab und an bewegte, er schien recht intensiv zu träumen, war es allerdings ein wenig schwierig, an die Seelenkugel heran zu kommen.
Jedes mal wenn er sich regte, wich sie zurück und probierte es anschließend noch mal. Schließlich und endlich hatte sie die schwarze Kugel mit dem Riss in der Hand und freute sich sehr über ihren Erfolg.
„Das war eine sehr gute Idee, Kleiner!“ lobte sie die Schlange durch leise Zischlaute und wandte sich dann ab. Sie schlängelte an Firalúr vorbei zu Windfuchs und legte ihm die Kugel in die Arme.
Anschließend streichelte sie seinen Kopf und beobachtete gespannt was passieren würde. Ihren Gesichtsausdruck in diesem Moment konnte man gut mit dem eines Kindes vergleichen, was voller Vorfreude auf sein Geschenk wartete. Was Firalúr zu diesem kleinen "Diebstahl" sagen würde, bedachte sie dabei allerdings nicht.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Samstag 18. Juni 2011, 15:23

Der Waldelf schüttelte ungläubig den Kopf. So was konnte er einfach nicht verstehen. Doch zeigte sie ihn auf, warum sich einiger Waldvölker von den Menschen fernhielten oder ihnen nicht vertrauten. Wer wollte schon jemand bei sich haben, der alles vernichtete, was einem selbst teuer und lieb war.
Wieso haben die Götter so was zugelassen
Nicht dass er selber der Meinung wäre, immerhin war er auch schon Menschen begegnet, die nicht so dachten. Sie lebten ebenfalls im Einklang mit sich und Natur. Seiner Meinung nach, konnte Celest gar nichts Besseres passieren, als zu so ein beachtliches und schönes Wesen zu werden.
Es erfreute ihn umso mehr, dass sie ihre neue Freiheit genoss und auch bereit war, neues zu erlernen. Und dass sie endlich wohl erkannte, dass sie nicht so allein war, wie sie gedacht hatte.
Er stellte gerade , auf einen provisorischen Tisch die restlichen Speisen auf, da horchte er auf. Einen Blick über seine Schulter verriet, dass sich Celest mit der Schlange unterhielt. Das sie daraufhin den schlafenden Asgar nach der Kugel durchsuchte, übersah er einfach. Nur ein Lächeln huschte kurz über seine Züge.
Mal nebenbei, dass er selber gespannt war, was sich jetzt ergeben würde.
Die kleine Schlange sah Celest an. Wenn man bedachte, dass sich Celest geweigert hatte, dass sie tatsächlich die Sprache der Schlange verstand, wusste sie jedoch instinktiv wie sie antworten konnte. Ihre leisen gezischten Laute, entging somit Firalúr nicht.
Doch dieser störte sich daran nicht.
Ich weiß ja immerhin meinen Kopf zu nutzen“ antwortete die Schlange auf Celest Worte und kroch nach dem erfolgreichen Diebstahl ebenfalls zu Windfuchs. Sie schlängelte sich auf das Schlaflager, machte diesmal aber einen Boden um die Hände und Arme. Als Celest Windfuchs die Kugel in die Arme legte, machte auch die Schlange einen langen Hals. Als wollte sie ebenfalls mitbekommen, was jetzt geschah. Schlange und Hybridin blickten gebahnt auf den verletzten Hybridin.
Doch es tat sich nichts.
Er sprang nicht auf. „ Und geschieht was?“ zischte es neben Celest.
Nichts.
Der Hybrid lag nur da.
Plötzlich zuckten seine Finger.
Mehr und mehr bewegten sie sich und langsam ertastete er die Kugel. Behutsam schlossen sich die Finger um die Kugel.
Ein tiefes Durchatmen folgte. Die Kraft war noch nicht da, um richtig zu handeln.
Die Augenlider öffneten sich. Erst nur kurz, dann richtig.
Sein sonst so entfernter Blick, wurde klar. Er blickte Celest an.
„Danke Celest“, flüsterte er und sah die Hybridin an. Die Stimme sanft, doch stark. Emotionen, die noch nicht sich zu geordnet hatten.
Seine grünen Augen strahlten, dann wechselte der Ausdruck.
Windfuchs war überfordert.
So viel war ihm geschehen. Verrat vom Bruder. Sein eigener Bruder hatte aus Eifersucht ihn an einem Dunkelelfen verkauft. Sein Bruder hatte sogar gehofft, dass Windfuchs von diesem ermordet wird. Und er war zu naiv gewesen und glaubte bis zuletzt, dass das nicht sein konnte.
Der Diebstahl seiner Seele, der Schmerz und Trauer
Asgar und Celest.
Asgar hatte ihn genutzt, wie man eine Waffe nutzte, doch hatte er auch klargemacht, dass er sich sorgte und Windfuchs erlösen wollte.
Celest, sie hatte ihn fasziniert. Von ersten Moment an.
Zusätzlich hatte der Fuchshybrid einen Eindruck in ihre Gefühlswelt bekommen als sie die Kugel das erste Mal berührte. Genauso wie es bei Asgar der Fall war.
Doch er würde alles wieder verlieren, wenn er nicht richtig Herr seiner Seele wurde.
Er spürte förmlich, wenn er die Kugel losließ, dann wäre er wieder leer
Er wollte soviel sagen, doch sein Körper machte nicht mit. Er war hilflos. Sein Griff zitterte, als er die Befürchtung hatte, dass er die Kugel verlieren könnte
Tränen rannen. Seine Seele machte sich frei von den Ereignissen der letzten Zeit.
„ver..verzeiht“ bekam er zwischen einem Schluchzen hervor. Seinen Kopf drehte er schwerfällig zur Seite. Seine Schultern bebten.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Sonntag 19. Juni 2011, 14:28

Nach einer Weile des gespannten Wartens, hörte Celest bloß ein: „Und geschieht was?“ von der Seite. Mehr konnte sie leider nicht bemerken und das machte sie sichtlich nervös.
„Nein … er rührt sich nicht.“ sprach sie leise auf celcianisch und mehr zu sich selbst als zu dem kleinen Tier. Ihre Instinkte hatten sie vielleicht dazu verleitet die Sprache der Tiere anzunehmen, doch dies schien sie ziemlich schnell wieder vergessen zu haben. Jetzt jedenfalls war ihr nicht danach, diese einzigartige neue Fähigkeit auszuprobieren, derer sie sich bisher noch nicht einmal wirklich bewusst wurde, denn ihr Leidensgenosse, war noch immer nicht wieder auf den Beinen.
Ihr Blick senkte sich und ein Seufzer entwich ihr. Magie war doch nicht so einfach, wie sich die Schlangenfrau das vorgestellt hatte. Sie war tatsächlich naiv genug gewesen, zu glauben, eine einfache Geste bringe ihm seine Seele wieder zurück, oder bringe ihm zumindest seine Beweglichkeit wieder. Als ob Azard dies nicht schon auch versucht hätte. Andererseits war sie sich nicht ganz sicher, ob der Nachtelf wirklich etwas in dieser Richtung versucht hatte. Seine Absichten konnte sie in Bezug zu Windfuchs nämlich noch nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht würde sie ein wenig mehr über die beiden erfahren, wenn Windfuchs' Seele wieder an ihrem rechtmäßigem Platz war?
Plötzlich konnte sie aus ihren Augenwinkeln eine Bewegung ausmachen, die scheinbar von Windfuchs' Händen ausging. Sofort wandte sich ihr Kopf in seine Richtung und augenblicklich erhellte sich ihre Miene wieder ein wenig.
Sie kam noch ein Stück näher, um alles genau beobachten zu können, bis sich seine Augen öffneten.
„Er... seine...“, voller Aufregung wusste sie nicht recht, was sie sagen sollte. Doch war dies auch gar nicht nötig. Die Schlange wusste auch so, dass sich Windfuchs bewegte und dementsprechend neugierig blickte sie auf den Verletzten.
Sein Blick hatte sich auf Celest gerichtet, wodurch ihr Herz aufgeregt zu hämmern anfing. Hatte ihr Einfall also doch etwas gebracht! Sein Blick war nicht mehr glasig, sondern viel lebendiger als zuvor. Celest lächelte ihn an, in dem Glauben ihm tatsächlich seine Seele wiedergegeben zu haben, aber irgendetwas stimmte noch nicht. Er war noch so schwach und konnte sich kaum rühren. Seine Bewegungsunfähigkeit musste mit etwas anderem zu tun haben, aber mit was? Die Schlangenfrau grübelte, doch ihre Aufmerksamkeit wurde schnell wieder von Windfuchs in Anspruch genommen, denn er zitterte.
Eilig umschlossen ihre Hände die seinen, welche die Kugel im Griff hatten, da sie befürchtete er könne sie fallen lassen. Wenn sie kaputt ginge, wüsste sie nicht was geschehen würde. Aber sie wollte sich die Folgen auch nicht ausmalen und ausprobieren wollte sie es schon gar nicht. Man musste vorsichtig mit dieser Kugel umgehen, denn so etwas wertvolles wie eine Seele war nicht wiederzubeschaffen. Doch galt eine Seele nicht als unsterblich? Celest schob den Gedanken erst einmal beiseite, denn es gab wichtigeres in diesem Moment.
Plötzlich schien Windfuchs Gefühlswelt außer Kontrolle zu geraten. Er entschuldigte sich, und zitterte am ganzen Leib. Tränen rannen durch sein Fell, während sein Kopf unruhig zur Seite kippte.
„Firalúr! Kommt schnell! Irgendetwas ist mit ihm!“ reif sie schließlich, ohne sich von dem Fuchshybriden abzuwenden.
Sie streichelte seinen Kopf, strich ihm über die Finger, und versuchte ihn mit sanften Worten zu beruhigen: „Ihr braucht euch nicht zu entschuldigen … es ist alles gut, beruhigt euch..“
Aber auch ihr Innerstes begann unruhig zu werden. Sie verstand diese Reaktion nicht, konnte sie nicht einmal ansatzweise einordnen. Aber sie hoffte inständig, dass dies seinen Zustand nicht noch verschlimmern würde. Die Streicheleinheiten die sie ihm gab, waren von unbewusster Natur. Es fühlte sich an, als würde sie einen armen Hund streicheln, der an einer schweren Krankheit leidet und doch war er so viel mehr als das. Er war ein Mensch, genau wie sie. Und beide hatten sie ein ähnliches Schicksal. Wie gerne würde sie sich mit ihm austauschen und das Leid mit ihm teilen, denn wahrscheinlich war er der einzige, der diese Qualen wirklich verstand. Firalúr schien ihre Krankheit als Segen zu betrachten und mit Azard konnte sie sich so ein Gespräch beim besten Willen nicht vorstellen. Sie waren einfache Gefährten, mehr verband die beiden nicht. Er hatte außerdem andere Sorgen die ihn quälten, da wären ihre eigenen nur ein unnötiger Balast für seine Seele. Windfuchs hingegen hatte sie noch nicht einmal richtig kennen lernen können, dank dieser skrupellosen Dunkelelfen. Sie wollte ihm, dem richtigen Windfuchs, in die Augen blicken und ihm dafür danken, dass er sie vor dem Tod bewahrt hatte.
Umso dringlicher war ihre Stimme als sie nach Firalúr rief. Ob er helfen ihm konnte?

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 22. Juni 2011, 10:02

Gerade noch war der Waldelf noch mit der letzten Kleinigkeit beschäftigt, als er Celest hörte. Erschrocken sah er auf. Was war geschehen?
Sie hörte sie erschrocken an. Er blickte automatisch zur Tür seines Versteckes.
Wurden sie entdeckt?
Immerhin konnte man sie unter Umständen hören.
So war sein Impuls erst zum Höhleneingang zu verschwinden. “ bleib ruhig…sonst finden uns die Dunklen” kam es noch im vorbeigehen an ihr Ohr.
Er lugte vorsichtig heraus. Horchte auf die Geräusche des Waldes. Nur das Zirpen der Grillen und mal der Ruf einer Eule.
Es war wie sonst. Die Natur würde ihn warnen.
Erleichtert trat er zurück in die Höhle.
Jetzt hatte er die Möglichkeit nach Windfuchs und Celest zu schauen.
Diese tätschelte Windfuchs, der tatsächlich Regung zeigte. Ihre Hände hielten die seinen Umklammert. Beide darum bemüht die Kugel nicht zu verlieren. Dem Fuchshybrid liefen nur so die Tränen. Er zitterte, doch war zu schwach aufzustehen.
Firalúr kannte sich zwar mit Kräutern und auch um etwas der groben Heilung aus, doch mit dieser Situation war er auch überfordert. Er war ja selber noch jung und so ein Problem hatte man meist im Walde nicht. Geschweige denn dass irgend jemand überhaupt so was hatte.
“Halte ihn fest” wies er Celest an.
Er selber konnte auch nichts tun. Der einzige der sich vielleicht damit auskannte war Asgar, doch der schlief zu fest. Mal nebenbei das Firalúr nicht an ihn dachte.
“ Wenn das stimmt, was Azard sagte, …dann könnte dies die Folge der letzten Zeit sein” Mutmaßte Firalúr, während er Windfuchs betrachtete.
“….Der Streß und so…achte darauf, dass er nicht lauter wird”
Zum Glück für alle war dies auch nicht der fall. Der etwas aufgebrachte Aufruf von Celest hatte auch Windfuchs erreicht.
Seit langer Zeit war er wieder Herr über sich. Spürte die streichelnden Berührung auf seinem Fell. Es war angenehm und eine Beruhigung.
Celest konnte merken wie Windfuchs langsam ruhiger wurde, als der erste Schwall gewichen war. Ihre sanften Berührungen und die Worte schien ihre Wirkung nicht zu verfehlen.
Die eine Hand auf der Kugel legte er die andere jetzt über die Hand von Celest. Er atmete wieder tief durch.
“also, der Elf hat auf jeden Fall recht…nettes Paar seit ihr” zischte es von der Schlange zu Celest. Diese hatte sich nicht unweit neben den Füßen von Windfuchs bequem gemacht.
Windfuchs blickte sie wieder an.
“ wieso hat man das mit mir gemacht?…wieso?…“ Noch waren seine Finger um die von Celest geschlossen. Sie gab ihn Kraft sowie die Kugel seine Emotionen gab. Als er es bemerkte, löste er seinen Griff, doch es schien widerwillig zu geschehen. Nie zuvor hatte Windfuchs jemanden wie sich getroffen. Er dachte er wäre der Einzige
“…ich weiß, dass ihr es nicht wisst” fugte Windfuchs dann traurig klingend dazu.
Firalúr sah Celest ratlos an. Er konnte es selber nicht verstehen. Er verstand Magie nicht so gut.
“ich dachte…ich wäre allein. …weil ich anders bin…doch du bist wie ich, oder?”
Waren das die Worte, die Celest so gerne hören wollte?
Das es andere wie sie gab?
Die ebenso dachten und fühlten wie sie?
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Mittwoch 22. Juni 2011, 15:54

Erst als Firalúr ihre die Anweisung gab, sie solle ruhig bleiben, verstand sie, warum der Waldelf zunächst zum Ein- und Ausgang der Höhle schlich und horchte. Tatsächlich war sie wohl ein wenig zu laut geworden, obwohl sie sich gesagt hatte, nicht mehr so voreilig zu handeln. Die Aufregung hatte wohl einiges in die Hand genommen, was sie nun nicht mehr kontrollieren konnte.
Schließlich und endlich kam der Waldelf zu Windfuchs und begutachtete seinen Zustand. Sein Blick war ernst und konzentriert. Ihm stand das lächelnde Gesicht eindeutig besser, wie Celest nun bemerkte, aber das war in dieser Situation auch egal. Sie hoffte nur, er wüsste was den Fuchshybriden so quälte. Die Anweisung, Windfuchs Hände weiterhin zu halten, hätte sie auch ohne Worte fortgeführt. Obwohl sie nicht wusste, ob es gut oder schlecht für den Hybriden war, empfand sie es als eine Art der Sicherheit, wenn sie ihn irgendwie festhielt.
“ Wenn das stimmt, was Azard sagte, …dann könnte dies die Folge der letzten Zeit sein”, vermutete Firalúr schließlich “….Der Streß und so…achte darauf, dass er nicht lauter wird”.
Verwundert nickte die Schlangenfrau auf seine Worte hin, um anschließend zu fragen: „Wie meinst du das?“ denn es interessierte sie wirklich sehr, was es damit auf sich hatte. Schließlich konnte dieses Wissen auch sehr hilfreich sein, für die Heilung des Fuchshybriden.
Auf einmal wurden die Hände unter ihren eigenen ruhiger. Sie schienen sich langsam zu entspannen, als ob sie einen Sturm von Gefühlen bewältigt hätten und sich nun nach einer Erholung sehnten. Immer wieder schickte Celest innerliche Stoßgebete an den ehrwürdigen Lysanthor, dass es Windfuchs bald wieder besser gehen möge. Ob er sich mit dieser einsetzenden Beruhigung seiner vollkommenen Genesung näherte?
Plötzlich spürte sie, wie sich seine Hand auf ihre legte. Diese Wärme ließ sie leicht lächeln, war dies doch ein Beweis seiner Lebendigkeit.
Die Kugel hatte also tatsächlich geholfen! Am liebsten würde sie diese nie wieder an Azard zurück geben, aber vielleicht musste sie das auch nicht. Der Nachelf würde sehen, wie viel besser es dem Fuchshybriden mit dieser Kugel ging und dann würde er sich bestimmt dafür entscheiden, diese Kugel auch bei seinem Gefährten zu lassen. Dass die aufkommenden Gefühle und Erinnerungen Windfuchs' von Nachteil für Azard sein könnten bedachte sie dabei überhaupt nicht. Der Nachelf hatte den Bruder des Hybriden getötet! Ob es Windfuchs da nicht nach Rache gelüstete?
Celest kümmerte sich nicht weiter darum, sie konzentrierte sich ganz auf den geschwächten Mann unter ihren Händen. Irgendwas in ihrem inneren, spürte eine seltsame Harmonie in der Luft, als sie ihn ansah. Es war sonderbar ruhig, aber dennoch schien die Anspannung die Luft zu zerreißen. Ein merkwürdiges Gefühl, doch es schenkte der Schlangendame eine wohlige Wärme.
Die Bemerkung der kleinen Schlange durchbrach dieses Gefühl abrupt, und ließ Celest Gedanken in ein Wort abrutschen, welches sie nicht einmal wagte auszudenken. Mit offenem Mund und ungläubigen Blick, den sie einfach nicht verbergen konnte, blickte sie die Schlange an. „Wie kannst du es ...“ Ihr blieben die Worte weg. Das was der Waldelf vor einigen Stunden behauptet hatte, war einfach an ihr vorbeigegangen, aber die Schlange, mit der sie eigentlich kein einziges Wort mehr wechseln wollte, wärmte dieses Thema wieder auf und ließ Celest ein wenig rot anlaufen. „Du freches kleines Biest! ...“ zwar wollte sie noch eine wenig glaubhafte Drohung anhängen, aber bereits die ersten Worte waren nicht wirklich ernst zu nehmen und das wurde ihr ziemlich schnell bewusst. Also wandte sie sich wieder Windfuchs zu und versuchte diesen Gedanken wieder beiseite zu schieben. Noch ahnte sie ja nicht wie sie in Zukunft über diesen Moment denken würde. Es hatte irgendwo eine belebende Wirkung auf sie, endlich wieder ein wenig mit jemandem zu zanken und dann auch noch über ein so interessantes Thema!
Doch dann fing Windfuchs wieder an zu sprechen, was ihr wieder eine mitleidige Miene abverlangte.
“ wieso hat man das mit mir gemacht?…wieso?…“ Eine traurige Frage auf die Celest beim besten Willen keine Worte zu finden vermochte, aber dies verstand er scheinbar selbst am besten.
“…ich weiß, dass ihr es nicht wisst”. Wie sehr wünschte sich Celest in diesem Moment, dass es anders wäre! Ihr Blick wurde ein wenig benebelt. Nein, kein Nebel irritierte ihre Sicht, es waren Tränen, die anfingen ihre Augen zu füllen und sie dazu brachten die Augen zu schließen. Plötzlich sah sie all das Leid, welches sie durch ihre Krankheit erlitten hatte in den Augen des Hybriden. Mehr noch, die Dunkelelfen und ihre Grausamkeit spiegelten sich in seinen geschwächten Seelenspiegeln wieder, die so viel erdulden mussten ohne wirklich darauf reagieren zu können.
Mit feuchten Augen blickte sie zu Firalúr und versuchte mit aller Kraft diese aufkommenden Gefühle zu unterdrücken. Nie hätte sie gedacht, dass sie ihre Maske aus kalter Gleichgültigkeit einmal nicht aufsetzen könnte, weil die Gefühle zu stark würden und sie übermannten. Noch hatte sie sich im Griff, einzelne Tränen ließen aber darauf schließen, dass dies nicht mehr lange der Fall sein würde. Dabei wollte sie doch stark bleiben! Diese ganzen Ereignisse hatte sie doch deswegen weggeschoben, um sie später alleine für sich auszuleben.
Firalúrs Blick war genauso fragend wie ihr eigener, als sich ihre Blicke trafen und umso angespannter wurde sie, da keiner von ihnen wusste, was eigentlich los war.
Sie konnte und wollte nichts sagen, da sie mit diesem dicken Kloß im Hals und den Tränen in ihren Augen zu kämpfen hatte.
Erst als sie es beinahe geschafft hatte ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen, sagte Windfuchs schließlich die Worte, die den Damm vollkommen zum einstürzen brachten. Sie konnte daraufhin nur nicken und schluchzen. Wie warmer Regen tropften ihre aufkommenden Tränen auf ihre eigenen Hände und die Kugel, die sie noch fest im Griff hielt,. Sie konnte kaum noch klar sehen, und einen vernünftigen Gedanken, bekam sie auch nicht mehr zustande. Alles was da noch war, äußerte sich in einem Sturm aus bisher unterdrückten Gefühlen, welche die Kontrolle übernahmen und sie schließlich dazu brachten etwas zu tun, was sie in ihrem kontrollierten Zustand nie getan hätte: Sie beugte sich zu Wundfuchs hinunter und umarmte ihn bitterlich weinend. Die Kugel hatte sie losgelassen, doch war sie vorsichtig genug, um diese nicht von seinem Körper herunter zu drängen.
Jeder Gedanke in ihrem Kopf war wie ausgelöscht. Firalúr, die Schlange, Azard... all ihre Begleiter vergaß sie vollkommen in dieser Umarmung, denn nun waren da nur er, sie und all das Leid, was sie verband und welches nur die beiden wirklich nachvollziehen konnten.
Ja, diese Worte waren genau jene, die sie hören wollte.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 23. Juni 2011, 19:35

Der Waldelf versuchte Celest, die Sache mit dem Stress zu erklären.
„ Sein Körper war ziemlich erschöpft, wenn eine zu große Anstrengung geschehen ist, dann kann dies auch Auswirkungen auf das Gefühlsleben haben. Das hat die Natur so eingeführt, damit wir erkennen, wann unser Körper kurz davor ist zusammen zu brechen. Eine Warnung. Oder es könnte auch ein Schock sein.“ Er kratzte sich plötzlich leicht verlegen am Hinterkopf. „Aber so genau weiß ich das auch nicht. Warten wir ab.“
Und das Warten zeigte auch Erfolg. Es kamen Regungen. Aber nicht nur bei Windfuchs. Celest selber wurde emotional ergriffen. All ihre Gefühle zeigten sich mit einer Kraft, die sie überforderte. Sie hatte versucht, stark zu bleiben. Sich nicht gehen zu lassen. Doch die Worte, welche Windfuchs sagte, trafen ihre Gedanken. So lange hatte sie selber gedacht, allein zu sein. Die Befürchtung, keiner würde sie je verstehen können.
Alles um sich herum schien sie zu vergessen. Firalúr legte sanft eine Hand auf ihre Schultern. Mehr konnte er im Moment nicht machen.
Sie hatte den Hybriden umarmt. Die Kugel zwischen sich und ihn. Nur einen Moment zuvor, hatte sie es nicht verstanden, dass man schnell die Kontrolle über unterdrückte Gefühle verlieren kann. Doch jetzt liefen die Tränen nur so an ihren Wangen herunter. Windfuchs' Blickt zeigte Verständnis und auch bei ihm sah man wieder Tränen. Er erwiderte die Umarmung. Die Kugel lag zwischen beiden. Auch, ohne dass Windfuchs etwas sagen musste, spürte sie seine Gefühle. Wie Wellen flossen diese über Celest hinweg.
„Ich ..ich…“, bemühte er sich Worte zu finden. Worte, die ihm ebenso auf der Zunge lagen, wie ihr. Wodurch ist es passiert? Wie kommst du damit klar? Wie fühlt es sich für dich an? Hast du auch das Gefühl nicht zu wissen, was man eigentlich ist?
Fragen, die in ihren Kopf auftauchten. Wurden sie von der Kugel übertragen?
Sätze: Sie ist wie ich! ... sie ... ist wunderschön ... nein, ihr Dunkelelfen werdet ihr nichts tun ... Sie kann sich nicht mehr halten! ... Celest!
Windfuchs streichelte über ihr Haar, so wie sie es schon oft gemacht hatte. Langsam wurde er wieder Herr seiner Gefühle, auch wenn immer wieder eine Träne herunter kullerte. Er ließ sie so lange gewähren, bis sie sich beruhigt hatte.
„Ich verstehe Euch“, flüsterte er. Seine Stimme war belegt.
Sanft schob er sie von sich weg, seine Augen auf die ihren gerichtet. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, während das nasse Fell zerzaust war und wild abstand.
Windfuchs würde ihr eigentlich ein Tuch zum Trocknen der Tränen reichen, doch er hatte keins. So hob er die eine Hand und wische ihr zärtlich die Tränen mit einem Finger weg.
„Ich ... ich habe kein Tuch, um die Tränen zu trocknen“, kam es entschuldigend von ihm, "Ich bin Alcaero Sonnenwind, oder war ich. Bleibt bitte bei Windfuchs. Freut mich dich kennen zu lernen, Celest. Ebenso freut es mich auch Euch kennen zu lernen, Firalúr.“
Seine Stimme klang gefasster.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Samstag 25. Juni 2011, 14:24

Den Erklärungen des Waldelfen hatte sie aufmerksam zugehört. Der ganze Stress könnte also der Auslöser für diese Gefühle gewesen sein, und irgendwie konnte sie das auch verstehen. Windfuchs hatte sich sehr für Azard und sie angestrengt und außerdem waren da noch die Dunkelelfen die noch hinter ihnen her sein könnten. Mit der Kugel an seiner Seite schienen diese Gefühle ihm erst richtig ins Bewusstsein zu dringen und ihn wie eine Welle zu überfluten. Erst leer und dann ein Ozean voller Empfindungen, das musste bestimmt ebenso beanspruchen, wie diese nervös unsichere Hetzjagd vorhin. Niemand wusste ob sie wirklich verfolgt wurden, dennoch waren sie alle darauf gefasst gewesen. Zudem konnte man den Kampf mit den Dunkelelfen auch nicht einfach beiseite schieben, dies hatte wohl am meisten Kraft gekostet. Windfuchs hatte diese Pause wirklich dringend gebraucht. Seine Bewegungslosigkeit war das eindeutige Signal dafür, auch wenn Celest auf diesen unangenehmen Effekt lieber verzichtet hätte. Schließlich machte sie sich große Sorgen um ihren Leidensgenossen.

Aber nun lagen sie beide da, in einer sanften Umarmung voller Tränen und Zuwendung. Die Hand auf ihrer Schulter bemerkte sie kaum, denn sie widmete ihre Aufmerksamkeit ganz allein ihren Gefühlen und Windfuchs.
Unvermittelt erreichten sie Gefühle und Gedanken immensen Ausmaßes. Ob die Kugel dafür verantwortlich war? Sie spürte die Wärme, die von seiner Seelenkugel ausging und dankbar nahm sie diese auf. Ebenso wie all die Fragen, die sie glatt selbst hätte stellen können. Es fühlte sich so gut an, dass sie diese Umarmung am liebsten nie beendet hätte. Wie gerne hätte sie auch ihm tausend Fragen gestellt, und einen kurzen Moment wünschte sie sich, dass auch er einen Einblick in ihre Gefühle gewinnen würde. Nicht in jene, die sie ohnehin zum Ausdruck brachte, vielmehr in die inneren Reaktionen auf seine Fragen. Vielleicht war dies auch so? Sie konnte es nicht sagen, und wollte es auch nicht. Schließlich hatte bisher niemand jemals die Erlaubnis gehabt, in ihr Herz zu sehen, seitdem sie zu diesem Monster mutiert war. Wahrscheinlich hätte sie selbst Windfuchs zunächst diese Gefühle verwehrt, ehe sie näheres über ihn wusste.
Doch hatte er mit seinen Worten einen Schlüssel geformt, den es eigentlich nicht geben sollte, wenn es nach Celest ging. Er war ihr so entgegen gekommen, dass er ihre aufgesetzte Maske einfach abgenommen und ihr damit jegliche Kontrolle über ihre Empfindungen genommen hatte.
Auch wenn sie dies im Nachhinein vielleicht bereuen würde, in diesem Moment war sie ihrem Leidensgenossen mehr als dankbar dafür.

Die Hand auf ihrem Kopf beruhigte ihren Tränenfluss auf magische Art und Weise, es war genau das, was sie nun gebraucht hatte. Windfuchs hatte ihr in diesem Moment alles gegeben, was sie sich all die Jahre sehnlichst gewünscht hatte. Ein Glück, welches sie lange gesucht hatte, machte sich langsam in ihrem inneren breit und vollendete damit dieses Gefühlschaos in ihrem Herzen.
Obwohl sie noch gern ein wenig länger in dieser Umarmung verweilt hätte, ließ es zu, dass Windfuchs sie leicht von sich wegschob. Die Zärtlichkeiten die er ihr anschließend entgegenbrachte machten die sanft unterbrochene Umarmung wieder wett.
" Das macht nichts...“ sagte sie kopfschüttelnd auf seine Entschuldigung hin. Auch wenn sie gerne etwas schöneres über die Lippen gebracht hätte, fiel ihr einfach nichts besseres darauf ein. Seine Hand auf ihrer Wange fühlte sich an wie die Berührung eines Vaters, der sein Kind beruhigt. Nie hatte sie einen Vater gehabt, der ihr dieses Gefühl hätte vermitteln können, aber instinktiv wusste sie, dass es sich genauso anfühlen würde.
Auf einmal fühlte sie sich sehr erleichtert.

Sein zerzauste Fell sah irgendwie niedlich aus, vollkommen ungezwungen und ehrlich lächelte er sie an und ein ähnlich herzliches Lächeln bekam er dafür von ihr.
Alcaero Sonnenwind...
wiederholte sie in Gedanken. Am liebsten hätte sie ihn auch so genannt, denn das was er gerade für sie getan hatte, wirkte tatsächlich wie ein befreiender Wind, der zusammen mit gleißendem Sonnenlicht ihr Herz durchflutete und negative Gedanken fortspülte. Es wirkte ähnlich wie eine Reinigung der Seele.
„Es freut mich auch dich kennen zu lernen, Windfuchs.“ Erwiderte Celest schließlich nachdem sie das Schluchzen ein wenig unterdrückt hatte und sich etwas von ihm entfernt hatte, um wieder ein wenig Bewegungsfreiheit zu lassen. Auch wenn er diese vielleicht nicht richtig nutzen konnte.
Allerdings interessierte sie nun vor allem eines: „ Bleibt deine Seele jetzt bei dir?“
Ihr Blick glitt hinab auf diese Kugel, die ihr dieses Gespräch ermöglichte. Wie sehr hoffte sie doch, dass er ihre Frage mit einem `Ja` beantworten würde. Aber es gab noch viele weitere Fragen...
„Wie geht es dir? Kannst du dich wieder ein wenig bewegen? Weißt du vielleicht, was dich so lähmt?“ Mittlerweile waren ihre Tränen getrocknet und ließen bloß leicht gerötete Augen und vereinzelte Schluchzer zurück, die sie noch nicht ganz unterdrücken konnte.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Asgar » Sonntag 26. Juni 2011, 14:48

Asgar sah oder hörte nichts, das um ihn herum passierte. Auch den 'Diebstahl' der Seelenkugel bemerkte er nicht. Momentan war er ganz gut mit seinen eigenen Träumen beschäftigt. Und die hatten es in sich.

Die Szene fing sogar noch ganz reizvoll an, doch sehr schnell wurde klar, dass es sich hier nicht um einen romantischen Traum, zusammen mit Rin, handelte. Sehr schnell wurde aus der erneuten Liebesbekundung eine rohe Anschuldigung. „RETTE MICH!!!!!...du hast mich in Stich gelassen….warum“ Sein Traum-ich stand einfach nur da und starrte ungläubig in ihre Richtung. Und dann ertönte auch schon die Stimme, welche er wirklich verabscheute: Dorcha! „Weil er ein Feigling ist.“ Dieser Kerl war der Stolperstein in dieser ganzen Geschichte. Und jetzt nistete er sich auch noch in seinen Träumen ein. „Lügner!“, schrie der Nachtelf in seinen Traumgefilden den Dunklen erbost an. Er würde sie niemals im Stich lassen. Nicht nach alledem, was sie zusammen durchgemacht hatten.

„Er wird dich nicht retten“, kommentierte der Dunkle nur gelangweilt und zog sie von Asgar fort. Nach einigen Sekunden waren beide im Nebel, welcher sich langsam über den Schauplatz legte, verschluckt worden. „Er lügt. Egal wo du bist und egal wie weit ich auch rennen muss um dich zu finden, ich verspreche dir, dass ich dich von ihm befreie.“ Seine Traumgestalt war den Tränen nahe, doch alles fühlte sich so staubtrocken an.

Dann wechselte der Schauplatz, doch damit wurde es für den Traum-Nachtelfen nicht besser. Er war inmitten einer schuppigen Umklammerung gefangen, aus der er nicht entrinnen konnte. „Mörder!...Du hast meinen Bruder getötet“, ertönte eine Stimme. Es war Windfuchs, welcher immer noch seiner Seele beraubt war. Für einen Seelenlosen hörte sich das allerdings mehr als selbstständig an. Doch das war ein Traum, da war alles etwas anders als in der Wirklichkeit. „Wieso lässt du mich nicht frei???“ Er wusste es selbst nicht so genau. Einerseits, weil er nicht wusste wie und andererseits, weil er nicht genau abschätzen konnte, ob er bei dem Versuch umkommen könnte oder ob er überlebte.

Von weiter Ferne konnte er eine Stimme hören, doch sie klang seltsam verzerrt, sodass er nichts verstehen konnte. „Du willst mich nicht freilassen…du willst mich nutzen…genau wie die Dunkelelfen…als weitere Waffe soll ich dir dienen…Lässt mich zum Mörder werden….ich werde dich vernichten, wenn ich kann…HÖRST DU ASGAR, ich werde dich ebenso töten, wie du eiskalt meinen Bruder getötet hast….ich hasse dich…“ Wieder war die Stimme des Hybriden zu hören. „Ich durfte nicht mal wegschauen…nutzt du jeden von uns…gönnst du mir meine Freiheit nicht?...soll ich so lange leiden…“ Sie hatte eine seltsame Spur von Sanftheit. Oder aber sein Verstand spielte ihm gerade einen mehr als bösen Streich.

Erst Rin und nun auch noch Windfuchs. Im Moment kam es dem Traum-Asgar vor, als ob er für alles verantwortlich war. Als ob er für all das Leid, dass sie erleiden mussten der Verursacher gewesen war. Dabei war er auch einer derjenigen, die darunter leiden mussten. Das jetzt die ganzen Probleme der anderen einfach auf ihn abgewälzt wurden, fand er einfach nur ungerecht.

Er wollte gerade ein Gegenargument anbringen, doch da drückte der riesige Schuppenleib erbarmungslos zu, sodass daraus nur ein abgehaktes Gestammel wurde. Er wand sich wie von Sinnen in der eisenharten Umklammerung, doch er kam nicht frei. Er spürte, wie sein Leib zu kollabieren drohte. Das ist ein Traum, ein Traum, rief er sich ins Gedächtnis. In Träumen konnte man nicht wirklich sterben. Oder doch? War das überhaupt einer? Oder war das die nackte Wirklichkeit? Wirkte das Gift doch noch? Verlor er gerade seinen Verstand? So viele Fragen auf einmal, auf die er momentan keine Antwort finden konnte.

Und doch gab es einen Wermutstropfen. „Verzweifel nicht, ich liebe dich…ich warte“, hörte er die liebliche Stimme seiner geliebten Rin. Zumindest hörte es sich ehrlich an. Aber wer wusste denn schon, ob er das in seinem gebeutelten Zustand überhaupt ernst nehmen konnte.

Dann war es auch schon vorüber.

Schweißgebadet wachte er auf und bemerkte erst nach einer ganzen Weile, dass er im Schlaf von dem Stein gefallen war und nun als erstes, auf dem Rücken liegend, die Höhlendecke sah. Er atmete hektisch, seine Augen huschten fast schon apathisch von einer Seite der Decke zur anderen. Wenn man bei seinem Traum dabei gewesen wäre, könnte man die Angst, welche er gerade in seinem ganzen Körper verspürte, nachvollziehen.

Man sah ihm mehr als deutlich an, dass er viel durchgemacht hatte. Und diese Nacht war nicht ganz unbeteiligt dabei gewesen: Seine Augen lagen tief in den Höhlen, machten einen sehr müden und abgekämpften Eindruck. Und unterhalb waren schwarze Schatten mehr als deutlich auf seiner hellen Hautfarbe zu erkennen. Eine Stresserscheinung. Und davon hatte er gerade mehr als ihm lieb ist. Dazu mischten sich auch Schuldgefühle und vor allem monströse Rücken- und Kopfschmerzen, welche das Ganze auch nicht gerade leichter machten. Was ihn vor allem älter wirken ließ. Bei den Elfen, egal welchem Volk sie nun angehörten, war es eher unüblich, dass Alterungserscheinungen auftraten und wenn, dann nur unter abnormalen Bedingungen.

Er setzte sich langsam auf, sein Blick suchte den ganzen Raum ab. Es würde ihn nicht wundern, wenn die anderen ihn mit Anschuldigungen überhäufen würden. Er würde es in seinem gepeinigten Zustand eh kaum mitbekommen. Wenn es zu schlimm wird, wäre da immer noch der Freitod... Zum ersten Mal in seinem Leben dachte er ernsthaft über Selbstmord nach. Aber damit wäre keinem geholfen, weder Rin, noch Windfuchs, noch jemand anderem seiner Begleiter. Und dann, in der Nachwelt würden diese schrecklichen Träume womöglich Wirklichkeit werde und darauf war er wirklich nicht aus. Nein, es musste weitergehen! Außerdem waren Traum und Realität zwei paar Stiefel. Am Ende standen sie ihm womöglich dennoch wohlwollend gegenüber und er wollte es nicht akzeptieren.

Doch bisher blieb es ruhig. Sein Blick fiel auf Windfuchs, der seltsamerweise lebhafter als jemals zuvor wirkte. Auch die Umarmung mit Celest fand er merkwürdig und schon wieder beschlich ihn eine akute Todesangst. Außerdem war die Kugel nicht mehr da, wo sie eigentlich sein sollte und er erkannte, dass der Hybrid sie in der Hand hielt. Seine Augen weiteten sich, weniger aus Überraschung, sondern eher blanke Angst.
Er zitterte. Windfuchs hatte ihm in seinem Traum mehr als deutlich gedroht, er würde ihn töten, sobald er eine Gelegenheit dafür bekommen würde und die Tatsache, dass Celest ebenfalls versucht hatte, ihn dort wie ein Insekt zu zerquetschen, ließen ihn nochmals vor Angst schaudern. Zwar musste das nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen, aber ein bisschen Paranoia würde ihm sicher niemand verübeln. Vielleicht war ihm auch einfach nur kalt, Höhlen waren bekannt dafür, dass man sich dort leicht Verkühlen konnte, wenn man zu leicht bekleidet herumlief. Und er war nur in seine Hose gekleidet...

Der Waldelf stand am Höhleneingang, so als wolle er prüfen, ob sich nicht doch ein paar Dunkelelfen in ihre Nähe verirrt hatten. Doch nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, war die Luft rein.

Aber sein Bauchgefühl sagte ihm mehr als deutlich, dass er auf der Hut sein musste. Mehr denn je.

[So, bin wieder da^^.]

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Dienstag 28. Juni 2011, 23:55

Firalúr stand nicht weit von dem ganzen. Ihn rührte das Bild. Die Götter waren ihnen hold, da war er sich sicher. Das es dem Fuchshybriden besser ging, war auch ein Zeichen.
“Er nickte Windfuchs ebenfalls freundlich zu.
“Schön, dass es dir besser geht”
Rücksichtvoll hielt er sich zurück. Er wollte lieber dafür sorgen, dass weiterhin Sicherheit gewährleistet wurde.
Sie waren in einem sicheren Versteck. Aber da war so ein Gefühl. Er hatte sich überzeigt, dass keine Dunkelelfen in der Nähe waren, obwohl Celest so laut war.
Trotzdem hing gerade noch etwas in der Luft. Als wären sie eben etwas entkommen.
Dass sich nur ein paar Minuten später tatsächlich Dunkelelfen in Hörreichweite kamen, zeigte ihr Glück umso deutlicher. Die Dunkelelfen waren ohne eine Stur in die Richtung weitergegangen, nachdem sie Blut gefunden hatten. Das der Waldelf so vorsichtig war, rettet die seltsame Truppe davor entdeckt zu werden. Die Götter meinten es wirklich gut mit ihnen.
Ohne einen Hinweis schritten sich weiter. Jetzt machten sie sich auf den Weg zurück, hier war keiner zu finden.

Firalúr sah gerade zu Asgar rüber, der nicht besonders gut schlief. Er drehte und wälzte sich unruhig. Und als Firalúr gerade zur Seite blickte, donnerte es. Der Waldelf schreckte auf.
Er konnte Asgar am Boden liegen sehen. Panik stand in des Nachtelfens Gesichts.
“ein schlechter Traum?” kam die besorgte Frage . Er verließ seinen Posten und trat neben Asgar. Dort ging er in die Hocke und half ihn hoch.
“das mit euren Wunden, wird so auch nicht besser…ich helfe dir. Du hast schlecht geträumt.” Er reichte Asgar die Hand.
“Freudig zeigte er auf Celest und Windfuchs.
“Dein Freund ist erwacht. Nachdem er die Kugel bekommen hatte, erwachte er aus seinem Zustand. …Sie scheint ihm gut zu tun” Ob er jetzt von der Kugel oder von Celest sprach, konnte man nur raten. Firalúr hoffte, dass sie dadurch bald aufbrechen konnten. Jeder Tag der verging konnte von größter Wichtigkeit sein. Die Freude über die Genesung war ihm ins Gesicht geschrieben.
“Du solltest aber erst mal richtig speisen”
Welche seelischen Qualen Asgar gerade ausgesetzt war, interessierte ihn wohl nicht. Eigentlich würde er es nicht verstehen. Firalúr wusste ja auch nicht, dass sich der Nachtelf mit Schuldzuweisungen rumplagte.

Windfuchs stemmte sich etwas hoch. Er war für ihn beschwerlich, als hätte er Blei im Körper.
Doch wollte er nicht den Moment mit Celest zerstören. Sie hatte ihn geholfen. Seine Finger schlossen sich wieder fester um die Kugel. Die Antwort, die sie hören wollte, konnte er ihr nicht geben. Er spürte es, sobald die Kugel etwas loser in seiner Hand lag, dass ihn die Gleichgültigkeit überkam. Er wollte nicht wieder ein Wesen ohne Leben werden. Angst machte sich breit. Doch auch dieses Gefühl hieß er willkommen.
Die Kugel presste er an sich.
“Ich vermute nicht…ich kann es spüren. Es wird alles so fern dann. Verzeiht!” seinen Kopf lief er matt auf die Brust sinken.
“ Doch die Kraft kommt zurück. Ich konnte einfach nicht mehr, dass lähmte mich…ich glaube, es hätte mein Ende bedeutet, wenn ich…” Die weiteren Worte schluckte er hinunter. Er wollte es nicht aussprechen. Er wusste es ja auch nicht genau.
Dann überkam ihn der selbe Wissensdurst wie ihn auch Celest hatte.
“ich würde euch so viel fragen wollen, aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll…”
Rumps!
Das war Asgar der aus dem Bette gefallen war.
Windfuchs richtete sich etwas auf. Seine Augen suchten die von Asgar. Die eine Hand legte er dabei sanft auf den Arm von Celest. Als er es realisierte zog sie mit einem entschuldigenden Blick wieder fort. Sein Fell war weich, wenn auch struppig.
“Asgar?…” War die Frage, welche bestimmt einen weiteren Schock für den Nachtelfen bedeutete.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Donnerstag 30. Juni 2011, 12:38

Ihre Verfolger, Kosral, und die Rettung unschuldiger Seelen hatte Celest erst einmal beiseite geschoben. Selbst die schlimmen Ereignisse des gestrigen Tages, konnte sie weiterhin vor sich her schieben, auch wenn sie sich irgendwann wieder damit beschäftigen musste. Sie hätte beinahe einem Dunkelelfen das Leben genommen, doch kurz bevor dies überhaupt geschehen konnte, erledigte dies ein anderer Dunkelelf für sie. Dieser Blick... dieser letzte angst verzerrte Blick... sie würde ihn nicht einfach so vergessen können, doch sich mit diesen Ereignissen auseinanderzusetzen, bedeutete auch wieder, über ihre eigene Existenz als Mischwesen nachzudenken.
Firalúr war glücklicherweise so geistesgegenwärtig, für die weitere Sicherheit der Gruppe zu sorgen. Selbst wenn sie nicht gefunden wurden von der allzu nahen Gruppe der dunklen Elfen, so mussten sie doch vorsichtig sein, um sie nicht in die Höhle zu locken. Celest hätte diese Sicherheit des verhüllenden Blätterschleiers und dem groben Gestein, beinahe aufs Spiel gesetzt. So wie am gestrigen Tag, als sie sich wegen der Schlange so dermaßen erschreckt hatte. Dabei sollte sie doch am besten wissen, wie wichtig es ist ruhig zu bleiben? Lange Zeit war sie schließlich auf sich allein gestellt und musste vor allzu neugierigen Wesen entkommen, die es auf ihre Haut abgesehen hatten oder vor lauter Angst nach ihrem Leben trachteten. Lag es vielleicht an der Gruppe, die ihr eine gewisse Sicherheit gab? Wurde sie deswegen unvorsichtig?
Sie würde später noch darüber nachdenken müssen, denn die Ereignisse innerhalb der Höhle waren schon aufregend genug.
Auch sie vernahm das Geräusch, als Azard von seinem Stein herunter plumpste. Ebenso wie alle anderen in der Höhle richtete sich ihr Blick schlagartig in seine Richtung, während sie die Kugel mit ihren Händen regelrecht umklammerte.
Ein wenig schuldig fühlte sie sich schon in diesem Moment, schließlich hatte sie Azards Kugel geklaut, was er nun bemerken musste. Für einen kurzen Moment dachte sie sogar, er würde sie mit diesem erschrockenen Blick ansehen, doch dann unterbrach Firalúr diesen Gedanken, indem er auf den armen Nachtelfen, der vermutlich einen ziemlichen Alptraum erlitten hat, zuging.
In diesem Moment tat Azard ihr ziemlich leid. Allgemein empfand sie es als mitleiderregend, wenn jemand so plötzlich aus dem Schlaf gerissen wurde, denn die geröteten Augen, der panisch, verwirrte Blick und die Unsicherheit die in dessen Gesicht geschrieben stand, wirkten auf die Schlangenfrau sehr hilflos, auch wenn diese Schlaftrunkenen in vollem Bewusstsein, ernst zunehmende Persönlichkeiten sein mochten. Reißt man sie aus ihrem Schlummer, werden sie plötzlich ganz klein und irgendwie verletzbar. Celest war wirklich froh, dass sich Firalúr um den Nachelfen kümmerte, denn so konnte sie selbst noch bei Windfuchs bleiben. Auch wenn es ihr leid tat, seinen Umhang nicht weiter bearbeitet zu haben. Windfuchs war ihr in diesem Moment irgendwo wichtiger gewesen, wenn sie wirklich ehrlich sein sollte.
Nachdem sie Azard also unter Firalúrs Fittichen versorgt sah, blickte sie wieder auf den geschwächten Hybriden neben sich, der sich langsam versuchte aufzusetzen.
Seine Antwort auf ihre vorher gestellte Frage, ließ sie ein wenig trauriger erscheinen, doch schüttelte sie den Kopf: „Das ist doch nicht deine Schuld. Wir werden schon einen Weg finden, wie wir deine Seele wieder mit dir verbinden können und solange behältst du sie eben bei dir.“ Doch zumindest schien er seine Kräfte langsam wieder zurück zu gewinnen. Ob sein Schwächeanfall also daher rührte, dass er so lange von seiner Seele getrennt gewesen war? Celest war froh ihm wenigstens in diesem Punkt ein wenig geholfen zu haben.
“ich würde euch so viel fragen wollen, aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll…”
Ebenso erging es auch der Schlangendame, daher musste sie darüber schon ein wenig lachen. Es war einfach gesagt, aber es brachte die Sache auf den Punkt.
Nun schien aber auch Windfuchs seine Aufmerksamkeit auf Azard zu richten. Dieser Moment musste ein ziemlich wichtiger sein, das spürte Celest ganz deutlich, denn nun konnten sie wohl richtig über all das sprechen, was in der ganzen Zeit vorgefallen war. Seine Hand auf ihrer Schulter kitzelte sie merkwürdigerweise ein wenig, aber es war dennoch angenehm seine Wärme zu spüren.
Auf seinen Blick hin, schüttelte sie nur verständnisvoll den Kopf, ehe sie den Blick wieder gen Azard wendete.
Nun wollte sie sich ein wenig zurück halten, denn vielleicht würde nun der Moment kommen, in dem sie einiges über die beiden erfahren würde. Wie war die Beziehung zwischen ihnen beschaffen?

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Asgar » Samstag 2. Juli 2011, 22:50

Der Traum hatte es wirklich in sich gehabt und Asgar beruhigte sich nur langsam von dem Schrecken, den er dort erlitten hatte. So zuckte er kurz zusammen, als sich der Waldelf zu ihm herunter beugte und ihn ansprach. „Wie? Jaja, ein böser Traum..“, murmelte der Nachtelf noch etwas verwirrt, nahm aber dankend die ausgestreckte Hand von Firalúr an. Schon stand er wieder einigermaßen fest auf den Beinen.

Für einen kurzen Blick traf sein Blick auf den der Frau. Irgendwie schien sein innerer Fluchtreflex ihm zu raten, schnell das Weite zu suchen, doch dann fiel ihm schlagartig etwas auf: er hatte außer seinen Hosen keinerlei Kleidungsstücke am Leibe. Wäre er so nach draußen geflüchtet, hätte es nicht lange gedauert und er wäre buchstäblich in Flammen aufgegangen, sobald die Sonnenstrahlen seine Haut berührten. Oder er wäre von Dunkelelfen geschnappt worden. Wenn er eine Wahl zwischen Sonne und dem dunklen Volk hatte, dann würde er doch eher lieber die Sonne wählen.

Innerlich scholt er sich einen Dummkopf. Das war nur ein Traum gewesen und die bedeuteten meist gar nichts. Vielleicht war dieser Alptraum auch nur seine eigene, persönliche Art, Erlebnisse zu verarbeiten und mit ihnen fertig zu werden. Dass er sich danach aber fühlte, als hätte er wirklich schwere körperliche Arbeit getätigt, das hatte ihm niemand gesagt. Immer noch schwirrte der eine Satz seiner Geliebten durch den Kopf: sie würde auf ihn warten. Mein Leben würde ich für sie riskieren... Für die Frau meines Herzens... Ironischerweise hatte er eben genau das sehr oft für sie getan. Öfter, als es eigentlich gesund für ihn oder sie gewesen wäre. Wie oft hatte er sie schon retten müssen, allein, weil sie sich mit ihrer vorlauten Art immer in Teufels Küche brachte? Er hatte mittlerweile aufgehört zu zählen. Aber es war oft.
Rin hatte ein Händchen dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Aber dafür liebte er sie umso mehr. Vor ein paar Jahren wäre das Wort Liebe zwischen ihnen beiden noch undenkbar gewesen. Oder hatten sie schon damals etwas füreinander gefühlt, es sich aber nicht getraut anzusprechen? Aber er wusste, dass es richtig war.
Nur leider war zwischen alledem, was er als schöne Zukunft hätte planen können, eine Stadt voller dunkler, schwert- schwingender Sadisten. Was für anderes Viehzeugs in der Stadt herumlungerte, das musste erst noch herausgefunden werden. Das wussten nur die, welche sich in der Stadt befanden.

Die Anspannung wich einem seltsamen Gefühl. Er fühlte sich innerlich so leer. Dann jedoch merkte er, dass es von seinem Magen kam, der da so ein flaues Gefühl hinterließ. Wann hatte er das letzte mal etwas gegessen? Es kam ihm wie Tage vor. Da kam die Einladung zum Essen gerade recht. „Danke, ich bin in der Tat sehr hungrig.“ Kurz tastete er sich nochmals ab, nicht dass er sich bei seinem Sturz, der dem Lärm nach zu urteilen sehr stark ausgefallen war, noch etwas zusätzlich verletzt hatte. Erleichtert atmete er auf, als er keine weiteren Verletzungen ertasten konnte. Das hätte wirklich noch gefehlt, dass er seine Genesung durch ein weiteres Manko verlangsamte.

Windfuchs wirkte lebendiger als jemals zuvor. Also, lebhafter als Asgar ihn in Erinnerung gehabt hatte. Was vor seiner seelenlosen Zeit war, wie lebensfroh er damals war, das ahnte er nicht. Andererseits machte ihm das auch ein bisschen Angst. Aber sollte er nur seine Seelenkugel bei sich behalten. Solange er nicht gegen ihn arbeitete, würde der Nachtelf ihn als Begleiter akzeptieren. „Schön, dass es dir besser geht Windfuchs. Ich habe mir Sorgen gemacht, als du einfach so zusammengebrochen bist.“
Sein Blick fiel nun auf Celest. Sie hatte ihm anscheinend wohl die Kugel gestohlen. Firalúr traute er diese Handlung kaum zu. Aber er wollte diese harmonische Stimmung von ihr und Windfuchs nicht kaputt machen. Da haben sich offenbar zwei gefunden... So seltsam es auch scheinen mochte, aber irgendwie verband die beiden etwas. Die gleiche Sache. Ein gleiches Schicksal? Wer wusste das schon. Asgar war kein Hellseher und konnte demnach nicht in die Zukunft schauen, um die Wahrheit herauszufinden. Zumal seine eigene Zukunft auch von dickem, schwarzem Nebel umhüllt war. Er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, ob er dieses Abenteuer überhaupt überlebte, geschweige denn seine Freundin retten konnte.
Als er sie da so in Umarmung fand, jagte ein seltsamer Gedanke den anderen. Schlange und Fuchs? Irgendwie stand die Welt und besonders die Tierwelt gerade Kopf, denn normalerweise gingen sich diese beiden Tierarten für gewöhnlich aus dem Weg. Aber es erinnerte ihn entfernt an den Zeitpunkt, als Rin ihm offenbart hatte, dass sie ihn liebte und er sie. Es war eine gute Zeit gewesen. Zwar war sie seiner Meinung nach zu kurz gewesen, aber sie war so im Grunde die beste Zeit seines schon mehr als 90 Jährigen Lebens. Und das musst wirklich etwas heißen.

Als der Hybrid schwach das Wort an ihn richtete, zuckte der Angesprochene kurz zusammen. Genau genommen war es nur ein einziges Wort gewesen, sein richtiger Name, doch das reichte, um ihn wieder daran zu erinnern, dass seine wahre Identität stark am wackeln war. Er war mit seiner Identität nicht ganz ehrlich zu ihnen gewesen.
Fast dachte er schon, sie würden diesbezüglich nachfragen und drauflos bohren, doch als nichts derartiges aus ihrem Munde kam, entspannte er sich wieder. Immer diese Anspannung. Wann hatte ich das denn mal nicht? Als Dieb war man ständig in einer Art Stresssituation gefangen. Immer die Furcht vor dem Erwischt werden verhinderte mehrere Stunden Erholung. Das so etwas auf Dauer für Körper und Geist nicht gesund war, hatte er jetzt mehr als deutlich gespürt.

Noch immer hatte er keine Ahnung, wie es denn nun weitergehen sollte. Er wüsste zwar grob, wie man in die Stadt hineingelangen könnte, aber was kam danach? Wenn er einen Plan der Stadt in den Händen halten würde, könnte er sich flugs eine entsprechende Route zusammenbasteln – eine für den Reinweg und die andere, um eben wieder raus zu gelangen. Dafür musste er aber auf sich verändernde Gegebenheiten Acht geben: Wachablösungen, unvorhergesehene Rundgänge, das alles musste haarklein ausbaldowert sein, sonst würde man dort sehr schnell festsitzen, umgeben von dunklen Elfen, die einem mit Freude und aus reinem Jux das Fell über die Ohren ziehen wollen.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Montag 4. Juli 2011, 14:52

Windfuchs rappelte sich hoch. ”Bitte Celest, helft mir hoch…ich will Asgar ansehen. “
Seine Stimme zitterte als habe er selber Angst vor dem was er erzählen würde.
Was war so wichtig, dass er mit den Nachtelfen reden musste?
Was bedrückte ihn? Sein Ausdruck sagte Celest, dass er lieber mit ihr alles besprochen hatte, was die beiden gemeinsam machten. Aber als Azard wach wurde- oder hieß er Asgar? Schien es dem Fuchshybriden wichtig zu sein. Kam jetzt das wovor sich Asgar immer gefürchtet hatte?
“das muss ja wichtig und ernst sein” zischte die Schlange neben Celest. Sie war in die Nähe von Celest und Windfuchs Händen gekrochen.
Übrigends finde ich Schuppen schöner als so ein Fell” damit drückte sie ihren Kopf kurz in das Fell von Windfuchs. Ob Celest das ebenso empfand?
Windfuchs selber hätte ihr gesagt, dass er ihre Schuppen faszinierend und wunderschön waren. Aber dazu kam er bis jetzt noch nicht. Eindeutig wollte er sie an seiner Seite gerade haben. Selbst als Seelenloser hatte er sich zu ihr hingezogen gefühlt.
Der Waldelf hatte den Nachtelfen geholfen, doch auch er schien die Spannung in der Luft zu merken.
Seine Aufmerksamkeit wanderte von Windfuchs zu Asgar.
“hast du zwei Namen?” wollte er wissen.
Das war ja immerhin nichts schlechtes. Das Asgar die beiden belogen hatte, konnte keiner ahnen. Woher auch?
“bitte geht nicht weg” flüsterte Windfuchs zu Celest rüber. Er war am zittern. Seine Stimme dünn, vor aufkommenden Schuldgefühlen.. Es war als rollte gerade wieder eine Welle über ihn.
“ Asgar es tut mir leid!” brach es dann aus ihm hervor. Seine freie Hand krallte sich in die Felle. Die Hand zitterte vor Anspannung. Sein Blick verschleierte sich.
“ ich hätte sie retten sollen, aber ich konnte nicht. Dorcha hatte sie in seiner Gewalt, während ihr unter dem Gift gelietten hattet. Sie hat mich angefleht, euch und ihr zu helfen. Ich konnte nicht” Kraftlos war seine Stimme. Tränen rannten wieder über sein Fell. Er wischte sie nicht weg. Jetzt merkte man, wie jung die Stimme klang. Er war zwar kein Kind mehr, eher ein junger Mann.
“Er wollte euch töten, ich konnte nur euch schützen. Ich konnte es mir nicht aussuchen, es war ein zwang. Ihr hattest die Kugel. Ich habe ihn von euch abgehalten, aber …ich…ich habe nicht ihn aufgehalten…eure Rin ..mit zu nehmen. …Ich weiß das ihr keine Wahl hattest, als ihr meinen Bruder getötet hast, …ich vergebe euch… Er wollte mich töten und hat mich selber ausgeliefert an diese Dunkelelfen…ich versteh es selber nicht. …bitte…bitte verzeiht, dass ich ihr nicht helfen konnte…es ..ist nicht fair.” Er wich den Blick von Asgar nicht aus, während die Tränen nur so an seinem Fell dunkle Spuren hinterließen. Er schluckte und am liebsten hatte sich der Hybrid verkrochen. Irgendwo in den Fellen verborgen.
“ich kenne das Gefühl… jetzt kenne ich es wieder, was es heiß gezwungen zu werden, etwas gegen seinen Willen zu tun. Ich hätte nie …nie jemanden geschadet, dass hatte ich nicht vor. Sie haben mich mehr als einmal zum töten…oh ,bei allen Göttern, …sie haben mich töten lassen…ich..hatte…hatte keine Möglichkeit mich zu wehren.” Er ließ den Kopf hängen. Der Atem in tiefen Stößen.
Ein Knurren von Ihm, wurde zu hören. Der Hunger unterbrach die seltsame Situation. Es war schon her, dass er etwas gespeist hatte.
Der Waldelf räusperte sich. Die Arme vor der Brust verschränkt, hatte er aufmerksam zugehört. Es war schon seltsam, was hier gerade passierte. Hier hatten sich Personen gefunden, welche irgendwie alle miteinander verknüpft waren. Selbst er war darin verstrickt. “ Die Götter haben uns alle zusammen geführt. Wir sind alle miteinander verbunden, wie mir scheint. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen.” Es klang sehr philosophisch.
“Doch wir sollten erst mal etwas essen. Das tut uns allen gut.” Er wies auf das Essen und holte für Windfuchs und Celest eine Portion. Diese stellte er neben sie.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Samstag 9. Juli 2011, 14:03

Scheinbar gab es keinerlei Rachegefühle bei Windfuchs, und Azard schien auch eher froh als erschrocken darüber, dass sein Gefährte wieder auf den Beinen war. Zumindest sah dies in Celests Augen so aus, sie konnte ja schließlich nicht ahnen, welche Ängste den Nachtelfen heimgesucht hatten, als er erwachte.
In diesem Moment wollte die Schlangenfrau einfach nur das Gute in dieser Situation sehen. Es war schon viel unerfreuliches passiert, da taten ein paar ruhige schöne Momente wirklich ganz gut. Vielleicht war dies auch der Grund, warum ihr nicht auffiel, dass Windfuchs seinen Gefährten mit Asgar und nicht mit Azard ansprach.
”Bitte Celest, helft mir hoch…ich will Asgar ansehen. “, wandte sich der geschwächte Hybrid schließlich an sie. Ohne zu zögern half sie ihm auf und stützte ihn ein wenig, sodass er nicht den Halt verlor. Dass Windfuchs mit Azard sprechen musste hinterfragte sie in diesem Moment nicht, denn die Schlangenfrau konnte sich schon vorstellen, dass sie sich einiges zu sagen hatten. Lange musste es her sein, dass der Fuchshybrid wieder ein paar Worte an seinen Gefährten richten konnte, also hatte sich da vielleicht einiges angestaut. Einerseits hätte sie die beiden gerne allein gelassen, weil es sie eigentlich nichts anzugehen hatte, andererseits war sie so neugierig, dass sie schon froh war, Windfuchs stützen zu müssen.
Die Schlange neben ihr, fragte sich allerdings, was die beiden denn zu bereden hatten. Für Windfuchs musste das wirklich sehr wichtig sein, denn schließlich hätte Azard auch an seine Seite treten können.
Celests weitere Gedanken wurden aber von einer anderen Bemerkung der Schlange abgelenkt, über die sie selbst nun auch nachdachte.
Hm... eigentlich finde ich Fell sehr schön. Es ist kuschelig und weich und es schützt vor der Kälte der Natur. Aber andererseits fühlen sich Schuppen auch sehr schön an, wenn man darüber streicht. Außerdem kann man sich damit lautlos fortbewegen und es ist angenehmer in er prallen Sonne.
Schließlich antwortete sie leise: „Ich finde beides hat seine schönen Seiten, oder findest du nicht, dass Fell sich sehr schön anfühlt?“ Die Schlange schien es kurz auszuprobieren, aber ob sie sich da Celests Meinung anschließen würde wusste sie nicht zu sagen.
So langsam schien sich die Schlangenfrau daran zu gewöhnen mit dem Tier reden zu können. Bisher hatte es eigentlich auch keine Nachteile gehabt, außer dass es sich merkwürdig angefühlt hatte. Und nebenbei handelte es sich bei der schwarzen Schlange eindeutig um ein ziemlich schlaues Geschöpf, dessen Ideen der Gruppe auch schon sehr geholfen hatten. Dass dies ein Zeichen dafür war dass ihre Krankheit scheinbar noch weiter voran schritt, daran dachte sie zunächst nicht.
Vielmehr konzentrierte sie sich wieder auf die Geschehnisse um sie herum, denn nun stellte der Waldelf eine Frage die sie zunächst nicht nachvollziehen konnte.
Warum sollte Azard zwei Namen haben?Ob sie wirklich nicht richtig zugehört hatte, als Windfuchs mit Azard sprach?
Die Antwort des Nachtelfen würde Klarheit schaffen, vielleicht hatte er wirklich Zwei Namen und wollte es nur bei einem belassen. Es würde Celest aber auch nicht wundern, wenn er einen Decknamen benutzt hätte. Seine Aufmachung und seine Erklärungen über seinen Lebensstiel passten schließlich zu Geheimniskrämerei und vorsichtiger Tarnung. Decknamen gehörten dabei einfach dazu. Auch wenn sie sich dadurch ein wenig gekränkt fühlen würde, schließlich war sie selbst ziemlich ehrlich zu ihnen gewesen.
Bei diesem Gedanken fiel ihr kaum auf, dass sie Windfuchs ein wenig vernachlässigte und nur noch halbwegs stützte. Dabei musste er wohl denken, dass sie sich zurückziehen wolle, denn er richtete flehende Worte an sie, dass sie doch da bleiben solle. „Oh tut mir leid... ich bleibe natürlich!“, antwortete sie ihm stützte ihn wieder so sicher wie zuvor. In diesem Moment konnte sie ihn nicht alleine lassen, das wurde ihr jetzt klar. Sie durfte sich also fortan nicht mehr ablenken lassen.
Doch dann folgte etwas womit die Schlangenfrau nicht mal im Traum gerechnet hätte. Windfuchs entschuldigte sich! Die Geschichte die er erzählte zeugte von tiefstem Mitgefühl dem Nachtelfen gegenüber. Scheinbar wollte er Rin helfen. Rin, das wird wohl Azards oder... Asgars Partnerin sein. Weitere Erklärungen folgten, welche die Schlangenfrau nicht ganz verstand, aber eines wurde ihr jetzt klar, alles Leid was die beiden erlitten wurde scheinbar von einem Dunkelelfen namens Dorcha verursacht. Möglicherweise waren auch andere in diese Ereignisse verwickelt, das konnte sie nicht genau sagen, aber scheinbar war Windfuchs dem Nachtelfen überhaupt nicht böse, er wollte ihm und seiner Freundin sogar helfen.
Ein Gefühlsausbruch folgte dem nächsten, jedenfalls kam es der Schlangenfrau so vor, und sie hoffte, dass dies die Nerven des Fuchshybriden nicht allzu sehr beanspruchen würde. Er zitterte, weinte und wirkte fast wie ein kleines hilfloses Kind. Celest unterdrückte aber ihre Drang ihn zu umarmen, da er voll und ganz auf Asgar fixiert war und sie diesen Moment nicht stören wollte. Die ganzen Tränen mussten fließen und seine Worte mussten zittern, denn diese Gefühle waren ernst und echt und nur für Asgar gedacht. Denn auch der Nachtelf und Windfuchs waren durch gewisse Leiden irgendwie verbunden und diese Gefühle mussten auch erhört und ausgelebt werden.
Sie stützte also weiterhin den armen Fuchshybriden, während dieser seine ehrliche Entschuldigung offenbarte.
Wie würde der Nachtelf wohl darauf reagieren?
Schließlich wurde dieser emotionale Moment von den Worten Firalúrs beendet, der gut erkannte, dass sie alle irgendwo miteinander verbunden waren. Für ihr weiteres Zusammenarbeiten wird dies sicher von großer Bedeutung sein, vielleicht würde ihnen dies sogar eine Vorteil verschaffen, aber zunächst galt es gewisse Bedürfnisse zu befriedigen die auch in Celests Magen rumorten.
„Ja, da hast du wohl recht Firalúr. Danke für die Speisen! Das sieht wirklich sehr lecker aus.“
Die Schlangenfrau wollte sich zunächst um Windfuchs kümmern, da er die Nahrung sicher noch ein ganzes Stück nötiger hatte als sie. Zwar hatte sie an diesem Tag auch noch nichts gegessen, aber sie wusste nur zu gut wie man den Hunger auch ignorieren kann. Sie wartete also ab, bis sich Windfuchs wieder ein wenig beruhigt hatte, streichelte ihm öfters über den weichen Kopf und reichte ihm dann seine Portion. „Brauchst du Hilfe, oder kannst du wieder alleine essen?“ fragte sie sanft und wartete erst einmal ab. Gleichzeitig fiel ihr die Schlange ein, die sicher auch etwas Nahrung zu sich nehmen musste. Vorsichtshalber fragte sie also nach: „Hast du nicht auch Hunger?“ Ihre Frage war wieder einmal auf Celcianisch gestellt aber sie blickte die Schlange an, so dass sie zumindest erkennen konnte, dass sie gemeint war. Irgendwie freundete sie sich mit dem Gedanken an, mit der Schlange reden zu können. Dabei fiel ihr aber auch ein, dass sie nicht einmal wusste wie dieses Tier hieß, wenn es so etwas wie Namen in der Tierwelt überhaupt gab. „Vielleicht passt diese Frage nicht unbedingt in diese Situation, aber hast du auch einen Namen?“ Nun hatte sie in zischende Laute gewechselt und das vollkommen instinktiv. Ihr fiel es diesmal sogar auf, aber es störte sie nicht. Vielmehr wollte sie in Zukunft versuchen, diesen Wechsel der Sprache besser zu kontrollieren.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Asgar » Samstag 9. Juli 2011, 22:03

Der Dieb merkte, wie sich sein Magen langsam zusammenzog. Es war ihm unangenehm, dass Windfuchs seinen richtigen Namen preisgegeben hatte. Das seine Begleiter ihn doch mitbekommen hatten, war nun nicht mehr zu ändern und und Firalúr sprach ihn auch direkt drauf an. Bevor er antwortete herrschte erst einmal betroffenes Schweigen von Seiten des Nachtelfen. Er musste erst einmal die richtigen Worte finden, um sie nicht in irgendeiner Weise zu kränken. Dann jedoch: "Eigentlich nicht. Entschuldigt, wenn ich bei meiner Vorstellung nicht ganz ehrlich zu euch war, aber dort wo ich herkomme, legt man sich oft eine oder mehrere Identitäten zu. Das dient zum Schutz, da man sich dort recht schnell Ärger einhandeln kann." Leider nicht nur dort. Er starrte kurz auf den Boden. Die Erinnerungen an die vorherigen Tage kamen wieder hoch. Warum musste es soweit kommen? Ich bin ein schöner Freund.
Aber meinte er seine Entschuldigung eigentlich ernst? Wenn er so aus dem Bauch heraus antworten müsste: Ja. Auch wenn es bei einem Gesetzlosen wie er einer war, schlecht vorstellbar war. Auch er hatte so etwas wie Berufsehre, da verprellte man keine Freunde.

Das was zwischen Celest und Windfuchs vorging, bekam er nicht wirklich mit, da er wieder vollkommen seinen Gedanken nachhing. Dann, als Windfuchs erklärte, dass er Rin vor Dorcha verteidigen wollte, es aber nicht konnte, sah er auf. Er sah den trauernden Ausdruck in seinen Augen des Hybriden, welcher sich selbst die Schuld an der Sache gab. Asgar hatte wirklich Mitleid mit dem armen Kerl. Zuerst wurde ihm die Seele genommen, dann starb sein Bruder, welcher ihn eigentlich loswerden wollte und auch, dass er Asgars Geliebte, Rin, nicht beschützen konnte. Letzteres nagte wirklich schwer an ihm. Und bestimmt gab es noch eine ganze Reihe anderer Faktoren, doch darauf wollte der Nachtelf nicht so genau eingehen.

"Es... es war nicht deine Schuld. Auch ich bin daran nicht ganz unbeteiligt gewesen." Seine Stimme brach kurz ab. "Ich konnte sie nicht schützen und jetzt ist sie in der Gewalt dieses Schurken." Seine Mimik war zornig. Er war zornig auf sich selbst und die dunklen Ringe unter seinen Augen, sowie das lange schwarze Haar verliehen ihm etwas unheimliches. Auch seine helle Haut hatte ihren Anteil dabei. Seine Hände waren zu Fäusten geballt, so stark, dass es schmerzte, doch er ignorierte ihn. Er hatte sich selbst geschworen, diesen Bastard umzubringen und er würde es tun, wenn er die günstige Gelegenheit hätte. Doch er wusste, dass er sich damit auf etwas halsbrecherisches eingelassen hatte. Im direkten Kampf wäre er chancenlos.

"Dorcha..." sagte er langsam. "Dorcha ist der Kerl, der nicht nur mein Leben zerstört hat." Er sah zu Windfuchs hinüber und ahnte, dass der Hybrid ihm im Stillen beipflichtete. Auch sein Leben war zerstört. Auch etwas, für das der Dunkelelf zur Rechenschaft gezogen werden musste. Und je eher das geschah, desto besser. Windfuchs' Bruder hatte für seinen Verrat mit dem Leben bezahlt. Asgar bereute nicht wirklich, was er getan hatte. Dieser Elf hatte sich mit dem Dunklen Volk eingelassen und seinen eigenen Bruder in die seelenlose Sklaverei geschickt.

Aus den Augenwinkeln bemerkte er Celest, welche scheinbar mit der Schlange redete. Was macht die denn da? Er konnte den Inhalt des Gesprächs nicht wirklich mitverfolgen, da er sich auf das Essen, welches Firalùr großzügiger Weise zur Verfügung gestellt hatte, konzentrierte. Kurz prüfte er die verwundete Rippe. Ein klitzekleiner Schmerz durchzuckte ihn, ansonsten ging es. Der Tee und der Verband tat sein übriges, er wirkte gut.

"Wie geht es jetzt weiter?", fragte er den Elfen, als er wieder etwas ruhiger geworden war.

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Erzähler » Sonntag 17. Juli 2011, 14:50

Windfuchs war über die Äußerungen von Asgar froh. Er hatte gewaltige Angst gehabt, dass ihn der Nachtelf dafür verantwortlich machen würde. Er wollte helfen. Er konnte doch nichts für seinen Zustand. Die Wärme, welche ihn Celest spüren ließ, nahm er dankbar an. Mit einer zitternden Hand wischte er sich die Tränen ab.
Jetzt endlich fühlte er die Freiheit, ohne die Last der Sorgen. Auch wenn sie nicht von Dauer war.
„Danke“ erwiderte er gefasster.
Die schöne Schlangenhybridin war an seiner Seite, reichte ihm Essen. Der Hunger war endlich wieder da..
Was wird sie jetzt von mir denken
Liebevoll strich sie ihm über den Kopf. Automatisch drückte er sich leicht dagegen. Das war bei ihm das Tier. Die Person, die er vor seiner Verwandlung als Fuchs war, war erst gerade wieder zum Vorschein gekommen. Gefühle mussten erst wieder in die richtige Reihenfolge gepackt werden.
Aber das Tier reagierte schneller. Zögerlich nahm er das Essen entgegen.
„danke, ich schätze, es klappt schon irgendwie“ Wieder berührte er vorsichtig Celest am Arm. Das sie zur Hälfte Schlange war, störte ihn nicht. Sie war wunderschön, so wie es Firular gesagt hatte. Ihre Schuppen glänzten und er wusste wie weich sie sich anfühlten. Sie hatte ihn noch bevor der Waldelf zu ihnen gestoßen war, ihn weich zwischen ihren Schlangenleib gebettet.
Das Essen was der Waldelf brachte, fand so langsam seinen Weg in den Magen des Hybriden. Er wusste, dass die anderen bald aufbrechen wollten. Dem Waldelfen helfen, dessen Familie zu retten. Windfuchs hielt noch immer die Kugel gedrückt. Gerade wollte er zu einer Frage ansetzen, da hörte er die zischenden laute von Celest und der Schlange. Er legte den Kopf leicht schräg, beobachtete das treiben. Ja, sie war ihm ähnlich. Auch er verstand die Sprache der Füchse und anderen kleinen Waldgeschöpfen. Nur die Laute einer Schlange gehörten nicht dazu.

„natürlich habe ich auch Hunger!“ zischte gerade entrüstet die schwarze Schlange Celest zu.
„Doch ich werde mir später eine Maus erjagen. So was ist nichts für mich...hmm, ein Name? Wofür?“ Mit ihrem Schwanzende kratze sie sich nachdenklich am Kopf.
„ich habe keinen. Soll ich einen haben?...hmm, dann schlage mir doch etwas vor“ Erwartungsvoll blickte das Reptil Celest an, merkte aber zeitgleich dass Windfuchs etwas wollte. Sie deutet mit ihrem Schwanzende zu ihm.
„ich glaube er möchte etwas von dir“
Erst als sich Celest zu Windfuchs drehte, räusperte er sich verlegen.
„ich wollte nicht stören…du kannst auch mit ihr reden, oder?.. Natürlich wie dumm von mir, ich verstehe die Füchse ebenfalls. Fühlt es sich für dich auch seltsam an? …ich habe eine Bitte, Asgar nimm es mir nicht übel, aber ich möchte, dass Celest über meine Kugel wacht. ..ihr beide, du und Asgar, könnt mein Handeln dann lenken. Wenn es taktisch von Vorteil ist, überreiche sie sonst Asgar…aber sonst trage du sie. Asgar, du willst Dorcha töten, aber lass es nicht durch mich geschehen. Ich habe genügend an… angestellt“
Er blickte betroffen weg. Wenn sie wüssten, was er schon unter Zwang gemacht hatte, wie würden sie über ihn denken. Würde sich Celest auch von ihn abwenden? Nie hatte er ein Leben nehmen wollen, doch er hatte es getan. Man konnte es ihn ansehen, dass die Unschuld aus seinen Augen schon lange gewichen war.

Der Waldelf hatte sich alles angehört. Wie er selber schon gesagt hatte, das Schicksal hatte sie zusammen geschmiedet. Er war Aufbruchbereit. Es störte ihn auch nicht, dass Asgar ihnen einene anderen Namen genannt hatte. Er sah von Anfang an nicht wie der strahlende Held aus. Das war auch den Waldelfen aufgefallen.
Doch er wusste selber nicht, wie sie vorgehen sollten. Er war Jäger und kein großer Taktiker. Er hatte sich es einfach gedacht. Man würde loslaufen, in die Stadt einbrechen und dann alle befreien. Ohne viel über jeweilige Gefahren nachzudenken. Spontan ohne Plan.
„“ich bin dafür, dass wir uns einen Überblick schaffen, schauen wo wir reinkommen und dann die anderen befreien. Das sollte doch möglich sein. Azard, du sagtest doch, dass du dich mit Schlössern auskennst, dann sollte es leicht sein.“
Für Firùlar war das mehr als logisch. Jetzt zeigte sich, dass selbst er noch jung war. Vermutlich war Asgar hier der Älteste, abgesehen von einer kleinen Schlange und einem schwer einzuschätzenden Fuchshybriden.
„Aber ihr solltest erst einmal schlafen, Celest…oder seit ihr fit genug“
Die Schlange schüttelte den Kopf.
„Na dann, war es nett euch kennen gelernt zu haben, oder hat jemand eine bessere Idee“
Die Ohren von Windfuchs zuckten plötzlich.
„ Psst, da ist jemand!“ er drehte sich erschrocken zum Eingang. Auch die Schlange wandte sich blitzartig um.
Geräusche von brechenden Ästen war beim genausten hinhören zu vernehmen. Scheppern wie von Rüstungen und Klirren von Waffen. Firùlar hatte sofort seinen Dolch in der Hand.
Die Hand erhoben, dass alle still sein sollten, schlich er zum Ausgang.
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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Celest » Sonntag 17. Juli 2011, 19:45

Wie die Schlangenfrau bereits vermutet hatte, schützte der Zweitname den Nachtelfen und diente dazu andere hinters Licht zu führen. Selbst in der Wildnis musste er wohl diesen Sitten nachgehen, denn mittlerweile gab es da nicht nur Pflanzen, giftige Schlangen und Großkatzen, auch ein anderes Tier hatte sich dort eingenistet und verbreitete überall Angst und Schrecken mit seiner bluthungrigen Ader und seinen grauenhaften Methoden seine Opfer zu malträtieren: Der Dunkelelf.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, erschien es Celest weniger unhöflich als vielmehr notwendig seinen richtigen Namen zu verschleiern. Sie verzieh ihm also still in Gedanken und bedachte diese Angelegenheit mit keinen weiteren Worten als mit folgenden: „Ist schon in Ordnung.“ Vermutlich hörte er diesen kleinen Satz nicht einmal, denn ihre Stimme war leise und ein wenig unsicher.
Irgendwie erschien es der Schlangenfrau sehr bedrückend, wie Azard dort stand, den Worten des Fuchshybriden lauschte und selbst ebenso traurige Worte über die Lippen brachte.
Wie konnten sie die Situation denn schon ändern? Sie waren beide verletzt, hatten viel durchgemacht und hatten noch einen langen Weg vor sich, ehe wieder alles einigermaßen in Ordnung war. Hatten sie überhaupt eine Chance? Der Anblick Azards ließ Celest nur noch missmutiger werden, auch wenn der Nachtelf wie ein bedrohlicher Mörder wirkte, der sein Opfer gerade ausgesucht hatte. In diesem Moment war sie schon froh, dass er nicht ihr Gegner war.
Doch es war wie es war: Sie hatten nur eine minimale Chance ihre Lieben zu retten und dies schienen sie beide, Windfuchs und Azard, irgendwie zu ignorieren. Doch auch Firalúrs Naivität schien alle Hoffnung der Welt auftreiben zu wollen, um eine gewisse Motivation in seinem Herzen zu befördern. Celest hingegen...
Zum ersten Mal seit langem bin ich in Gesellschaft von anderen denkenden Wesen. Ich kann mit ihnen reden und gelitten habe ich auch schon mit ihnen. Aber wie soll es weitergehen wenn das Schwert der dunklen Ritter auf sie hernieder geht? Werde ich mit dieser letzten Gesellschaft untergehen?Nun begriff sie ein wenig den Eifer ihrer Mitstreiter. Der Gedanke zu scheitern war einfach zu furchtbar, um ihn auch nur auszudenken. Verständlich also, dass sie alle der Hoffnung folgten, um ihr Ziel zu erreichen. Sie würden andernfalls verzweifeln.

Windfuchs versuchte allein sein Essen hinunter zu kriegen und wein wenig dankbar war die Schlangendame schon dafür. In dieser Zeit konnte sie sich ihrem eigenen Essen widmen, was sie am liebsten mit großen Happen herunter geschlungen hätte. Da sie aber wie eine Dame wirken wollte und nicht wie das Tier was sie halbwegs war, benahm sie sich und hielt sich wacker zurück.
Das Gespräch mit der Schlange war eine erstaunlich schöne Abwechslung, denn sie schien die einzige zu sein, die von der bedrückenden Stimmung in der Höhle unberührt blieb. Es sah einfach nur zu komisch aus, wie sie sich am Kopf „kratzte“, die Schlangenfrau hätte sich daher beinahe an ihrem Essen verschluckt.
Nachdem sie ihren Happen herunter geschluckt hatte, musste sie wirklich und ehrlich grinsen. Vielleicht konnte sie sich sogar mit diesem kleinen Tierchen anfreunden? Dieser Gedanke wäre am gestrigen Tag noch unvorstellbar gewesen!
„Hm... dann lass mich überlegen...“, doch wurden ihre Überlegungen eines passenden Namens für die Schlange unterbrochen, denn Windfuchs schien etwas von ihr zu wollen.
„Oh Entschuldige... ja?“ sagte sie, noch während sie sich umdrehte und ihre Essen beiseite stellte.
„ich wollte nicht stören…du kannst auch mit ihr reden, oder?.. Natürlich wie dumm von mir, ich verstehe die Füchse ebenfalls. Fühlt es sich für dich auch seltsam an?“ Früher oder später mussten es die anderen bemerken, das war ihr schon klar gewesen, als es angefangen hatte, aber unangenehm war es schon auf irgendeine Art und Weise, denn so gab sie noch eine Eigenschaft zu, die sie von den Menschen entfernte. Doch bei Windfuchs war dies was anderes. Er war wie sie und damit ein Gleichgesinnter vor dem sie diese Eigenschaft ohnehin nicht verbergen konnte. Ja, er schien es sogar erwartet zu haben, dass sie mit den Schlangen reden konnte! Noch vor ein paar Tagen hätte sie dies aber noch für absolut absurd gehalten. Wie lange er wohl schon mit dieser Sprache umging?
„Ehm... naja, ja. Aber nicht sehr lange. Ich … habe nicht oft Kontakt mit Schlangen gehabt, vielleicht hatte ich diese Fähigkeit auch schon seit meiner Verwandlung, das kann ich nicht sagen, aber es würde mich sehr beruhigen, wenn ich es schon gekonnt hätte."
Denn sonst würde es den Fortschritt meiner Krankheit bedeuten... Irgendwann selbst eine vollwertige riesige Schlange zu sein, war der größte Alptraum für Celest, öfters träumte sie sogar davon und schreckte dann schweißgebadet wieder auf. Aber vielleicht würde dies nur ein einfacher Alptraum bleiben.
„Ja, es fühlt sich schon ziemlich merkwürdig a. Wenn du wüsstest wie ich reagierte, als ich die Schlange zum ersten Mal gesehen habe...“ Sie lachte leise aber offenherzig, denn im Nachhinein, war diese Situation schon irgendwie komisch gewesen. Aber davon würde sie ihm später vielleicht noch erzählen.
„…ich habe eine Bitte, Asgar nimm es mir nicht übel, aber ich möchte, dass Celest über meine Kugel wacht. ..ihr beide, du und Asgar, könnt mein Handeln dann lenken. Wenn es taktisch von Vorteil ist, überreiche sie sonst Asgar…aber sonst trage du sie. Asgar, du willst Dorcha töten, aber lass es nicht durch mich geschehen. Ich habe genügend an… angestellt“
„Was? Ich soll... auf deine Seele aufpassen? Das freut mich wirklich sehr, also... ich fühle mich geehrt aber...“ In Gedanken stellte sie sich die merkwürdigsten Situationen vor, wie sie die Kugel verlieren, gar kaputt machen würde. Diese Verantwortung die mit dieser Aufgabe einherging, war wirklich gewaltig in ihren Augen, aber sie wollte dennoch nicht zugeben, zu tolpatschig dafür zu sein. Andererseits wollte sie sein Leben nicht aufs Spiel setzen, nur weil sie zu stolz dazu war, ihre Schwächen zuzugeben.
„Weißt du... ich bin manchmal etwas … ungeschickt...“ Doch er sprach weiter, und das was er sagte ließ sie stocken.
Ich könnte sein Handeln lenken?
„Wenn es taktisch von Vorteil ist...“ wiederholte sie leise die Worte des Fuchshybriden und beschloss zeitgleich, es doch zu tun. Windfuchs war der einzige der über seine Seele bestimmen sollte, und da dies sein Wille war, konnte sie ihm dies doch nicht abschlagen, oder? Ihre Warnung hatte sie ausgesprochen, wodurch er seine Meinung auch noch ändern konnte, aber ob er dies wirklich tun würde, mochte Celest zu bezweifeln.
Einer Wildfremden die Seele anvertrauen... das ist Wahnsinn...
Doch fühlte sie sich auch sehr geschmeichelt, war es doch etwas sehr persönliches … so eine Seele.
Sie blickte anschließend zu Azard um seine Reaktion abzuwarten. Vielleicht würde er ebenfalls widersprechen, denn auch er wusste wie unvorsichtig Celest manchmal sein konnte, andererseits hoffte sie aber auch, dass er ihr ein gewisses Vertrauen in diesem Punkt entgegenbrachte, damit sie einige Dinge wieder gut machen konnte. Schließlich wollte sie in Azards Augen auch wieder in einem besseren Licht stehen.
Doch überhörte sie nicht, dass Windfuchs und Azard planten Dorcha zu töten. Zugegebenermaßen hatten sie allen Grund dazu, andererseits gefiel Celest dieser Gedanke ganz und gar nicht. Viel lieber würde sie ihn einsperren lassen, in einen Kerker oder ähnliches, damit er dort, den Rest seines Lebens versauern kann. Waren sie wirklich bereit eine solche Sünde zu begehen?
Nun ja, Celest konnte sich diese simple Frage auch selbst beantworten, denn sie hatte gesehen wie rücksichtslos Azard mit seinem Gefangenen umgegangen war. Er könnte bestimmt auch einen Elfen töten. Aber Windfuchs wollte sich dies nicht noch einmal zumuten, zumal der erste Mord nicht wirklich freiwillig abgelaufen war. Sie konnte daher gut nachvollziehen, warum Windfuchs darum bat, ihn nicht als Mordwerkzeug zu missbrauchen. Die Schlangenfrau nahm sich also vor besonders sorgsam auf Windfuchs Seele und auf seinen Körper aufzupassen. Wenn es nun mal sein Wunsch war, wollte sie sich seinem Willen beugen, zumal sie ihm noch einiges schuldig war.
In welches Abenteuer hab ich mich nur da wieder hinein geritten...
Sie hatte sich mit üblen Burschen eingelassen! Sie hatten gemordet, und andere üble Taten begangen. So würde das zumindest ein Außenstehender diese beiden bezeichnen, aber Celest kannte die beiden schon ein wenig und musste zugeben, dass ihre oberflächliche Haltung von damals, einem gewissen Verständnis gewichen ist. Als Dienerin war sie engstirnig, weltfremd und ziemlich egozentrisch gewesen. Vermutlich hätte sie nach Windfuchs Bekenntnis wirklich das Weite gesucht, hätte sich vermutlich auch nie auf diese komische Truppe eingelassen, aber die Wildnis hatte sie einiges gelehrt. Selbst die Dunkelelfen haben ihr ein gewisses Verständnis für unfreiwillige Gräueltaten gelehrt, welches sie wahrscheinlich nie wieder vergessen wird. Fraglich ist nur, ob es wirklich die Dunkelelfen waren die sie zu dieser Tat gebracht haben, oder ob ihr inneres Tier sie dazu verleitet hatte. Sie würde erst später darüber nachdenken. Aber eines war klar, sie würde den Fuchshybriden nicht für das verurteilen was er getan hatte. Denn er wollte es nicht und er bereute es wirklich. Das sah sie ihm deutlich an. Es wäre also eine Schande ihm so etwas noch einmal zuzumuten, und Azard würde das sicher genauso sehen.

Nun ging es aber daran den Aufbruch und die Befreiung der Verwandten und Freunde zu planen, auch wenn die Schlangenfrau keinen blassen Schimmer davon hatte, wie man diese ganze Sache angehen sollte. Es war gefährlich und riskant, normalerweise würde sie sich auf so etwas nicht einlassen, doch sie musste es tun, ob sie wollte oder nicht und dieser Gedanke bereitete ihr große Sorgen.
Ich muss mich zusammenreißen. Ich darf die anderen durch meine Angst nicht Gefahr bringen. Lysanthor, bitte wache über unsere Schritte und geleite uns sicher ans Ziel. Gib mir die Kraft und den Mut durchzuhalten bis ans Ende der Befreiung.Doch ihr Gebet an den ehrwürdigen Gott des Lichtes beruhigten sich nicht. Vielmehr schürten sie ihre Angst und ließen sie kurz erschaudern. Niemals wollte sie in die Hände dieser Monster geraten, denn ihr Schicksal wäre sicher ein ähnliches wie das, des seelenlosen Windfuchs.
„ich bin dafür, dass wir uns einen Überblick schaffen, schauen wo wir reinkommen und dann die anderen befreien. Das sollte doch möglich sein. Azard, du sagtest doch, dass du dich mit Schlössern auskennst, dann sollte es leicht sein.“Zumindest konnte man dem Waldelfen nicht vorwerfen, dass er sich keine Mühe gab. Vermutlich wusste er es wirklich nicht besser, schließlich drang man nicht alle Tage in eine besetzte Stadt ein. Wenn Celest aber wirklich ehrlich zu sich war, wäre sie zuerst auch auf diese Idee gekommen. Was anderes fiel ihr dazu nicht ein, denn sie war kein Kriegsheld, oder ein einfacher Soldat. Nein, sie war eine ganz normale junge Frau gewesen, die vermutlich irgendwann eine Familie gegründet hätte und bis an ihr Lebensende Hausfrau gespielt hätte. Jetzt im Nachhinein erschien ihr diese Aussicht ziemlich gruselig, aber darum ging es nun nicht.
Trotz der Aussage der kleinen noch namenlosen Schlange stimmte Celest Firalúrs Idee also zu: „Ich denke, ich kann keinen besseren Vorschlag machen. Es ist immer gut sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen, oder? Und macht euch keine Sorgen, ich habe schon mehr als genug geschlafen, aber ein wenig essen könnte ich schon noch...“
Das Leben als riesiges Halbtier, war schließlich nicht leicht. Ohne zu fragen, kroch sie also auf das Essen zu und nahm sich noch eine Portion, um diese mit eifrigen Happen hinunter zu schlucken. Sie wollte die anderen nämlich nicht warten lassen.
Doch dann vernahm sie die Worte Windfuchs und hörte schlagartig auf zu essen. Ihr Blick glitt zum Höhleneingang und ihre Muskeln versteiften sich.
Oh nein, ist das jetzt das Ende?
Ihr Puls nahm langsam an Schnelligkeit zu, während sich ihr die Härchen auf der Haut aufstellten. Ein wenig froh, war sie schon darüber, dass der Waldelf mit einem Messer nachschauen gehen wollte, aber andererseits fürchtete sie um sein Leben.
Sie malte sich bereits das schlimmste aus, obwohl nicht einmal klar war, was hinter dem Vorhang aus Blättern lauerte. Vielleicht waren es auch nur einfache Reisende, Flüchtlinge schlimmstenfalls Räuber.
Vorsichtig legte sie ihr Essen weg, und bewegte sich geräuschlos vor Winfuchs. Es war wie eine Art Beschützerinstinkt, der ihre Handlungen leitete, denn ihr Schlangenleib umrundete das improvisierte Bett des Geschwächten, während sie selbst eine angriffslustige Haltung einnahm. Leider konnte sie nur einen der Verletzten in dieser Art schützen, aber sie würde versuchen, auch die Angriffe auf Azard abzuwehren, sobald sich solch eine Situation ergeben würde. Der Nachtelf könnte sich vielleicht sogar auch alleine wehren, aber dieses Risiko wollte sie nicht eingehen. Sie hatte diese Gruppe schon zu lieb gewonnen, um sie jetzt schon wieder zu verlieren.
Es wird schon nichts Schlimmes sein... bitte Lysanthor, lass mich Recht behalten!

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Re: Im tiefen Dickicht

Beitrag von Asgar » Samstag 23. Juli 2011, 21:59

Innerlich spürte der Nachtelf eine Ruhe, wie er sie lange nicht mehr gefühlt hatte. Auch wenn er Augenblicke zuvor noch eine Art Todesangst hatte, welche von seinem nächtlichen Alptraum hergerührt hatte. Doch diese Angst war vergessen, Windfuchs wollte ihm nicht ans Leben und Celest schien auch keinen Todeswunsch gegen ihn zu hegen. Doch trotzdem musste er immer auf der Hut sein. Sein diebisches Misstrauen warnte ihn davor, allzu starke Bande zu dieser Gruppe zu schmieden, denn das konnte ihn noch einmal in Teufels Küche bringen. Nur Rin genoss sein Vertrauen und seine endlose Zuneigung. Für sie würde er selbst in den Harax gehen, um sie zu retten.

Aber trotzdem war die Atmosphäre hier ganz annehmbar und Asgar konnte seine Gedanken etwas neu ordnen. Ganz oben stand nach wie vor die Rettung seiner Partnerin und Geliebten, doch er hatte Firalúr versprochen, seine Verwandten aus den Klauen der Dunkelelfen zu retten. Da hast du dir ja was schönes eingebrockt. Du kannst nicht mal die Liebe deines Lebens retten und machst anderen das Versprechen, ihre Freunde zu retten. Für ihn war das zwar nicht ungewöhnlich, doch wie sollten sie in aller Heimlichkeit so viele Personen aus einer besetzten Stadt befreien. Vor allem wusste er nicht einmal, wie viele da jetzt überhaupt festsaßen.

Und bevor sie sich Gedanken über Flucht machen konnten, mussten sie erst einmal da rein, auch keine leichte Aufgabe. Doch wozu war er ein ausgefuchster Dieb, der so gut wie jeden Trick und Kniff beherrschte? Er würde schon einen Weg finden, wie sie da rein und wieder raus kommen könnten.

Dem Gespräch zwischen Windfuchs und der Frau lauschte er nur halb, da er sich jetzt erst einmal dem Essen vor ihm widmen wollte. Außerdem konnte er sich so in Ruhe etwas überlegen. Laut Firalúr sollten wir eher versuchen, durch ein Seitentor einzudringen. Das Haupttor ist bestimmt stark bemannt. Das scheidet also aus. Es dürfte nur schwer werden, ungesehen bis zur Mauer zu gelangen. Sind wir erst einmal dort, dürfte es dann kaum noch ernsthafte Schwierigkeiten geben. Wir müssen nur zusehen, dass wir uns gut genug verbergen, um nicht doch noch entdeckt zu werden. Es war riskant, doch er war es gewohnt, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Wie es mit den anderen aussah, das konnte er nicht wirklich wissen. Wahrscheinlich würden sie mir dem anfallenden Druck nicht klarkommen.

Kurz sah er zu den beiden rüber, die offenbar in ein tieferes Gespräch vertieft waren, doch seine Gedanken schweiften abermals ab, bis Windfuchs folgendes sagte: „…ich habe eine Bitte, Asgar nimm es mir nicht übel, aber ich möchte, dass Celest über meine Kugel wacht. ..ihr beide, du und Asgar, könnt mein Handeln dann lenken. Wenn es taktisch von Vorteil ist, überreiche sie sonst Asgar…aber sonst trage du sie. Asgar, du willst Dorcha töten, aber lass es nicht durch mich geschehen. Ich habe genügend an… angestellt“ Der Nachtelf blickte ihn verwundert an, zog sogar eine Augenbraue nach oben, nickte aber. Wenn er den Dunkelelfen töten wollte, dann musste er das wohl alleine tun, da Windfuchs anmerkte, dass er schon zu viel Leid verbreitet hatte. „In Ordnung. Dann machen wir das so. Celest, ich verlasse mich darauf, dass du die Kugel gut aufbewahrst. Pass aber auf, die Kugel hat einen Sprung und könnte ab und zu schmerzende Impulse auf dich übertragen. Außerdem...“ Weiter kam er nicht, denn im selben Moment ertönte von draußen ein unbeschreiblicher Lärm. Das Scheppern von Rüstungen und das Klirren von Waffen, wahrscheinlich Schwertern, erfüllte die Waldluft. Seine Gedanken überschlugen sich förmlich, sein Puls raste wieder binnen Sekunden, vor Angst. Wenn das jetzt Dunkelelfen sind, dann sind wir verloren. Dem Lärm nach zu urteilen, muss das eine ganze Horde sein! Und ich bin nicht einmal richtig gerüstet! Seine Rüstung, zumindest den oberen Teil, hatte er ja ausgezogen, damit der Waldelf seine Wunde verarzten konnte. Sie lag nun ungenutzt auf dem Boden herum. So schnell es seine Beine zuließen, huschte er zu dem Rüstungsteil, während Firalúr am Eingang Position bezogen hatte, den Dolch erhoben, jederzeit bereit, sich gegen etwaige Feinde zu werfen.
Celest hatte sich ebenfalls in Position begeben, gleichzeitig schützte sie Windfuchs, welcher sich immer noch nicht wirklich bewegen konnte und damit wehrlos war. Asgar zog sich nun das Oberteil über den Kopf, auch wenn jede blöde Bewegung schmerzte, kniete sich anschließend hin und hatte mit einem Mal jeweils einen Dolch in jeder Hand. Kampfbereit brachte er sich in eine gute Position und wartete ab. Er würde auch kämpfen, um diese Gruppe zu schützen und wenn er notfalls sein Leben dafür geben müsste.

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