Ins Ungewisse

Der Wald liegt südwestlich und erstreckt sich weit in den Osten. Die Zwillingsflüsse Euwin und Auwin schenken dem Wald das Leben. Der Turm der Weisheit und die Ruinen Kosrals verbergen sich in ihm. Angeblich haben die Elfen dort ein Dorf errichtet.
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Raye-Lin Sarlathza
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Re: Ins Ungewisse

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Montag 20. Dezember 2010, 22:31

Raye hob den Blick und sah in das Gesicht ihres Mentors. Ein Lächeln erhellte ihre Züge und sie sog seine Worte auf. Sie spürte, wie jede Faser ihres Körpers nach seiner Stimme lechzte. Ihr war nicht bewusst, dass sie träumte- zu schön war der Moment, zu kostbar. Dass er sie belehrte, machte ihr nichts aus. Er durfte sie anbrüllen, sie maßregeln und zurechtweisen, wenn er nur weiter sprach.

Ihre Sehnsucht war doch größer nach ihm, als sie anfangs geglaubt hatte. Er war wie ein Vater und großer Bruder zugleich; liebevoll und warmherzig. Sie durfte diese Kostbarkeiten für einige Jahre ihr Eigen nennen, bevor es ihr wieder genommen wurde und nun griff sie nach diesem Halm. Doch so schnell diese verklärte Erinnerung kam, so schnell zerbrach sie auch und entließ sie zurück in die kalte, farblose Wirklichkeit. Sie blinzelte langsam und spürte den brennenden Schmerz ihrer Augen, den die Kälte mit sich brachten. Ihr Körper fror und sie hatte Mühe, aus der hockenden Position heraus, aufzustehen. Es dauerte gefühlte zehn Minuten, bis sie endlich aufstand und sich langsam ihrer Umgebung wieder gewahr wurde. Die Worte ihres Mentors hallten in ihrem Kopf wieder und sie begann, fast so als würde sie durch Nexor’s Stimme gesteuert, nach Holz und einer Lichtung zu suchen. Sie stolperte mehr, als dass sie ging, doch das war ihr egal. Sie suchte sich Hölzer zusammen, sorgte für eine halbwegs geschützte Umgebung und entzündete, nach Stunden wie es schien, ihr Feuer. Die wärmenden Flammen waren eine Wohltat für ihre tauben Finger und sie rutschte näher an die orangefarbene Pracht heran.

Sie hatte, bevor sie das Feuerholz sammelte, einen Wolf heulen hören und sie versuchte in der Dunkelheit etwas auszumachen. Doch ihre Augen gewöhnten sich schnell an das, wenn auch spärliche, Tageslicht. Offenbar erinnerten sie sich daran, dass sie dem Tag gewidmet waren und nicht der Nacht. Wehmütig hob sich ein Mundwinkel. Sie verlor immer mehr das Bisschen Heimat, was sie einschließen und gut verwahren wollte. Die Stimme in ihrem Kopf nahm eine andere Farbe und Sprache an, ihre Augen verrieten ihre wahre Natur und sie hatte das Gefühl, dass auch Nexor’s Antlitz immer mehr verblasste. Es mochte Einbildung oder einfach die schiere Angst davor sein, dass sie so dachte. Dann war da dieser Fuchs, den sie verfehlt hatte, der hatte leiden müssen, ihretwegen. Sie spürte eine Veränderung nahen, mit der sie vergessen würde, was man ihr einst gelehrt hatte. Düster zogen ihre Gedanken in Richtung Morgeria. Ja, die Stadt hatte sie nicht vergessen. Ihre Geburtstadt, ihre eigentliche Heimat. Von ihr ging ein schwarzer Schatten aus, der sich ihrer zu bemächtigen versuchte. Noch hatte sie die Stärke, sich zu wehren, doch wie lange noch?

Plötzlich fühlte sich die Elfe schrecklich einsam und hilflos gegenüber dem, was auf sie wartete. Sie spürte den schmerzenden Stich in ihrer Brust, der ihr piesackend zuflüsterte, dass sie vollkommen alleine war. Sie hatte niemanden, nur die Stimme in ihrem Kopf und ihren Mentor, der sie davor bewahrte, im Wald zu erfrieren.
Während die Dunkle ihren Gedanken nachhing, veränderten sich ihre Züge. Sie hatte einen Entschluss gefasst und hob den müden Kopf, von ihren Knien. Ja, da war diese Stimme, die Stimme ihres Volkes doch da war auch Nexor, der ihr heute das Leben gerettet hatte. Er würde nicht einfach verschwinden und sie würde das nicht zulassen. Dieses Stück Heimat, tief in ihr drin, konnte ihr keiner nehmen und sie würde es mit aller Kraft die sie aufbringen konnte, verteidigen.
Sie gewann neuen Lebensmut durch ihre Selbstmotivation. Sie konnte Farben zwischen dem Grau-in-Grau erkennen. Sie wärmte sich an dem Feuer auf, horchte kurz auf, als sie erneut den Wolf vernahm und blickte hoch zu den meckernden Raben. Sie verspürte Hunger, doch durch ihre neu gewonnene Stärke, konnte ihr dieser nichts anhaben. Im Moment genügte ihr das Feuer und die Gewissheit, nicht gänzlich alleine zu sein. Es mochte ein winzig kleiner Strohhalm sein, doch an diesen wollte sie sich klammern, mit aller Kraft.

“Du wirst kriechen, kriechen vor mir..”

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Re: Ins Ungewisse

Beitrag von Erzähler » Dienstag 28. Dezember 2010, 22:13

Auch wenn es lediglich ein Traum oder Vision oder eine Mischung aus beidem war, in welchem Nexor auftauchte, Raye hatte noch immer eine ausreichend starke Bindung zu ihm, dass er ihren Lebenswillen anfachen konnte. Vielleicht sprach er aus dem Jenseits zu ihr, aus dem Reich der Toten, aus dem sein Geist sie besuchte, um sie aufzurütteln. Vielleicht jedoch war es auch nur ihr eigener Instinkt, der in Form von ihm zu ihr sprach, da er sie so lange begleitet und geschult hatte, versucht hatte, ihr die Freude am Leben zu vermitteln, die sie in ihrem Alter haben sollte, ganz gleich, welcher Rasse sie angehörte.
Wie auch immer, auf jeden Fall sah sie ihn und er belehrte sie, maßregelte sie sogar, wie er es oft getan hatte. Die genauen Umstände waren in diesem Punkt eher unwichtig, denn das, was zählte, war, dass es wirkte.
Mühsam, aber doch schaffte sie es, ihre Lider, die fast schon festgefroren waren, anzuheben und in die Realität zurück zu kehren. Ihr Körper war stark ausgekühlt, ein beständiges Zittern durchlief ihre Glieder und jeder Atemzug schmerzte in den Lungen.
Es wäre so einfach, die Augen wieder zu schließen und sich dem Schlaf hinzugeben, der endgültig und trotzdem so verlockend war. Allerdings hatte Nexors Geist oder ihre Einbildung das Ziel wirklich erreicht und obwohl es mehr als schwierig war, schaffte sie es, sich aus ihrer hockenden Lage hoch zu kämpfen. Wie genau, das wäre selbst Beobachtern bestimmt schleierhaft, jedoch gelang es ihr und sogar auf den Beinen konnte sie sich, mehr schlecht als recht, halten.
Nachdem sie diese Hürde genommen hatte, bewirkte ihr Instinkt und das von ihrem Mentor gelehrte, dass sie sich aufrappelte, um nach Brennholz zu suchen.
Es war furchtbar, alles schmerzte unbeschreiblich stark und noch immer lockte der Schlaf, um sie aus dieser eisigen Wirklichkeit zu holen.
War es nicht zuvor schön gewesen, bei Nexor und auf der warmen, sonnigen Wiese? Warum sich nicht dorthin zurück flüchten? Sollte er ruhig mit ihr schimpfen, aber dann wäre sie bei ihm und nicht mehr in dieser Welt, die so kalt und grausam sein konnte. Sie könnte wieder lachen und glücklich sein.
Nein! Das war es nicht, was ihr Mentor ihr beigebracht hatte. Die junge Frau musste kämpfen und nur so könnte sie sein Erbe in Ehren halten, das er ihr geschenkt hatte durch seine Fürsorge.
Während die Zeit verging und die Sonne hinter den Wolken weiter den Himmel entlang wanderte, schaffte sie es, sich ausreichend Holz zusammen zu suchen und ihre Finger soweit zu bewegen, ein Feuer zu entzünden.
Wenngleich es auch Schmerzen mit sich brachte, als sich ihre Glieder wieder erwärmten, war es ein mehr als angenehmes Gefühl, endlich wieder so etwas wie Wärme empfinden zu können. Zwar wurde dadurch der Kontrast zur Kälte umso deutlicher, aber es half ausreichend, um die drohende Gefahr des Einschlafens und Erfrierens vorerst von ihr abzuwenden.
Ihre Gedanken begannen wieder um etwas anderes zu kreisen, als lediglich zu überleben, und sie brachten Angst mit sich, Befürchtungen, die eigentlich unnütz wären, wäre ihr Körper nicht derart durch ihr eigenes Verhalten geschwächt worden.
Sie würde ihre Erfahrungen nicht verlieren, wahrscheinlich sogar wieder zu der Sprache der Nachtelfen zurück finden, sobald sie völlig klar würde denken können und ausreichend sich aufgewärmt hätte. Doch diese Furcht blieb natürlich und sie konnte nicht in die Zukunft sehen. Stattdessen wurden ihre Selbstzweifel nur genährt durch ihre derzeitige Problematik.
Wie sollte sie an etwas Essbares kommen? Würde sie wieder Glück haben und ein Tier ihr über den Weg laufen, das sie erlegen könnte, egal, ob beim zweiter oder dritten Versuch? Oder würde sie nun endgültig verhungern, weil sie keine Beute mehr erlegen könnte?
Wie auch immer, zumindest etwas hatte sie in all den Jahren nicht gerade gelernt, sondern Nexor hatte es lediglich geweckt und verstärkt, ihren Willen zu kämpfen! Das hatte seit ihrer Kindheit in ihr geschlummert, sonst hätte sie auch damals den Weg von Morgeria bis in den Wald Arus nicht geschafft. Und ihr Mentor hatte es erkannt und zu fördern gewusst. Es mochte noch so oft tiefer in ihr schlummern, als für sie gut war, allerdings war es immer da und kam genau dann zum Vorschein, wenn sie es wirklich am Nötigsten hatte. Nein, sie würde sich nicht unterkriegen lassen, das hätte Nexor nur enttäuscht.
Sie würde weiter kämpfen, irgendwo müsste es in der Nähe schließlich irgendwann zu einer Besiedlung gekommen sein! Celcia war nicht unendlich groß und früher oder später konnte sie gar nicht anders, als auf Personen zu stoßen, die ihr hoffentlich helfen würden. Sie musste nur noch so lange durchhalten, nichts weiter, ganz gleich, wie erschöpft sie bereits war.
Die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt und selbst Nexors Geist versuchte immerhin, ihr beständig Mut zu machen... oder ihre Einbildung. Ganz gleich, es funktionierte.
Allerdings wäre es ganz gut, wenn sie nicht übermütig werden würde. Nicht nur, dass sie zwar den Hunger ignorieren konnte, obwohl sie Nahrung dringend bräuchte, nein, auf das Heulen des Wolfes, das sich etwas genähert hatte, antwortete ein zweites Tier. Das klang gar nicht gut...
Wieso mochten auf einmal diese Räuber in ihrer Hörweite auftauchen? Dass sie die Reste des Fuchs' weggeschmissen hatte, war nicht der Auslöser, wenngleich diese Art auch Aasfresser waren... oder etwa doch? Er war bereits so verdorben gewesen, da könnten sie keinen Geschmack an ihm finden. Zumindest in der Theorie...
Über ihr krächzten ein paar der Raben und wurden ein bisschen unruhiger, denn erneut erklang das Heulen. Es kam langsam näher und mit jedem Mal klang es schaueriger.
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Re: Ins Ungewisse

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Montag 3. Januar 2011, 23:01

Als das Heulen erneut ertönte, horchte die Dunkelelfe auf. Schaurig riss es eine schneidende Kluft in die Totenstille der Nacht. Es ließ sie frösteln, oder war das die Kälte? Sie horchte angestrengt in die Dunkelheit - da war es schon wieder! Täuschte sie sich, oder kam dieses seltsame Geräusch näher? Es dauerte einige Augenblicke, bis sich ihr Körper ihrem Willen beugte. Sie rappelte sich auf und stand dann, den Atem angehalten, regungslos da, was sich die Kälte sofort zu Nutze machte und erbarmungslos an ihr hoch kroch. Doch dieses Mal, gewann dieses grausige Heulen ihre Aufmerksamkeit. Über ihr wirbelten die Raben und krächzten empört über diese Bedrohung. Ihren Blick, von dem Ast über ihr abwendend, starrte sie angestrengt in die Dunkelheit und versuchte einen Schemen, oder etwas Ähnliches auszumachen. Ihre Augen spielten ihr böse Streiche, Streiche, die ihr ganz leicht zum Verhängnis werden konnten. Überall sah sie jetzt Schatten, die sich durch die Baumreihen stahlen. Ihr Atem ging schneller und ihr Körper pumpte mehr Adrenalin durch die Adern. Lockte etwa ihr Feuer, jegliches Getier an, oder lag es an dem verdorbenen Fleisch, welches sie weggeworfen hatte? Was es auch immer war, etwas oder jemand - wer wusste das schon so genau - war ihr auf den Fersen.
Eilig wirbelten ihre Gedanken durcheinander, versuchten eine Lösung zu finden, irgendetwas, was getan werden konnte. Eine gute Sache hatte diese neuerliche Situation: Sie vergaß ihre Müdigkeit und die Kälte um sich herum. Ihr Überlebenswille setzte ein und übernahm glücklicherweise die Führung, dieser Szene.
Um auszuschließen, dass das Feuer eine lockende Wärmequelle bot, löschte sie dieses und scharrte, so gut es ging, von der gefrorenen Erde darauf. Nun fand sie sich in völliger Dunkelheit wieder, Dunkelheit die auch der Mond nicht durchdringen konnte.
Erneut hielt sie beinahe den Atem an, um zu lauschen. Währendessen starrte sie erneut in die Dunkelheit und hoffte, dass nun, da die Schattenspiele der Flammen verschwunden waren, keine eingebildeten Schemen und Schatten durch den Wald huschten.
Minuten vergingen und immer noch heulte das Tier. Sollte sie weiter gehen? Sollte sie in Bewegung bleiben? Doch welche Chance hatte sie, wenn der Wolf - oder was es auch war - erst ihre Witterung aufgenommen hatte?
Was für Möglichkeiten gab es, wenn das Tier erstmal seinen Hunger stillen wollte?
Raye ließ die Konzentration abschweifen und kehrte aus der angespannten Haltung zurück in den “Normalzustand”. Sie war wieder Herr ihres Geistes und Körpers und verbannte den Überlebensinstinkt. Es würde ihr gar nichts bringen, wenn sie wegliefe. Das würde den Jagtrieb des Tieres lediglich anstacheln, so hatte sie gelernt. Warum stellten sich vermeintlich schwächere Gegner oft tot? Das war ihre Chance, vielleicht heil aus der Sache herauszukommen.
Doch wollte sich die Elfe gewiss nicht tot stellen, das wäre bei dieser Kälte schnell kein Theater mehr, sondern bittere Wahrheit. Doch Raye fand einen Kampfgeist und Stärke in sich, die sie seit Beginn ihres Lebens innewohnen hatte. So griff sie nach ihrem Bogen und spannte einen Pfeil ein. Sie hielt die Waffe im Anschlag und wurde ganz ruhig, innerlich wie äußerlich. Sie zelebrierte das, was Nexor ihr gezeigt hatte und verband es mit der Mitgift ihres Volkes. So stand die schlanke Gestalt wie versteinert im Wald, achtete mit allen Sinnen auf das, was da kommen sollte. Ihre Ohren lauschten auf jeden Knacks, auf jedes Geräusch, ihre Augen fixierten die schwarze Dunkelheit vor sich und endlich konnte sie auf ihre lange Zeit in der Dunkelheit zurückgreifen: Sie sah nicht so schlecht, wie man es von einer Dunkelelfe vielleicht erwartet hätte. Ihre ganze Körperhaltung glich einer Kriegerin, die sie nie gewesen war, doch die sie langsam in sich entdecken sollte.

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Re: Ins Ungewisse

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. Januar 2011, 14:33

Es klang mehr als schaurig, welche Geräusche sich durch den noch winterlichen Wald ihren Weg bahnten. Und vor allem, waren sie gefährlich. Es hörte sich eindeutig nach mindestens zwei Wölfen an, die anscheinend auch noch näher zu kommen drohten. Das war alles andere als gut, denn Raye war kaum in der Verfassung, sich ernsthaft zur Wehr setzen zu können.
Selbst die Vögel krächzten, als würden sie sich über diese Bedrohung beschweren, und stoben bereits in die Luft, um dieser lieber auszuweichen und dem Geschehen aus sicherer Entfernung zu zusehen.
Zu allem Übel kam noch die Tageszeit hinzu, denn es war schon dunkel und das Feuer reichte gerade aus, um die nähere Umgebung zu erleuchten, jedoch nicht mehr.
Was sollte sie jetzt tun? Würden die Biester in ihre Nähe kommen oder hätte sie Glück und würde in Ruhe gelassen werden? Oder wäre es besser, einen Holzscheit mitzunehmen und weiter zu ziehen, bis sie in Sicherheit wäre? Egal, was die junge Frau unternehmen würde, sie sollte sich lieber bald entscheiden, bevor es zu spät wäre noch zu handeln.
In einem Punkt hatte sie Glück, denn ihre Gedanken konzentrierten sich auf die Gegenwart und die Gefahr des erneuten Einschlafens wurde dadurch eingedämmt. Der Überlebenswille, den sie schon immer gehabt hatte und den Nexor so gut wie möglich gefordert worden war, meldete sich und sorgte dafür, dass sich ihre Sinne fokussierten.
Ob es so klug war, das Feuer zu löschen? Es wäre schließlich eine Hilfe gewesen bei der Abwehr und hätte sie gewärmt. Andererseits zog es natürlich auch Lebewesen aus der Umgebung an und beeinträchtigte ihr Sehvermögen gegenüber der Dunkelheit.
Der Himmel war noch immer wolkenverhangen, aber genau deswegen gab es ein etwas diffuses Licht, das auf seine Art etwas heller war, als wenn es sternenklar gewesen wäre. Ihre Augen benötigten einige Sekunden, bis sie sich den neuen Verhältnissen anpassten und sie die Dunkelheit mit ihnen besser durchdringen konnte.
Erneut stellte sich ihr die Frage, was sie am besten tun sollte. Kälte kroch in ihren Körper ohne dem wärmenden Feuer. Wenn sie verharrte, müsste sie bald ein neues machen, oder sie ging und blieb somit in Bewegung, riskierte allerdings auch, dass sie zur Gejagten werden würde.
Das schaurige Heulen hatte sich wieder genähert und es klang ganz so, als wären es inzwischen sogar drei verschiedene Tiere, die sich zu sammeln begannen.
Wie viele würden das denn noch werden? Obwohl Raye den Bogen gespannt hatte, sollte sie ihr Vorhaben lieber noch einmal überdenken. Ein oder zwei dieser Bestien hätte sie vielleicht selbst bei diesem schlechten Licht schaffen können, ohne zu große Verletzungen erwarten zu müssen. Doch jetzt...
Da, da war auch ein viertes Heulen gewesen und gleich darauf folgte ein fünftes, das ein bisschen kläglicher wirkte als der Rest. Nein, dieser Meute sollte sie sich besser nicht stellen.
Wölfe jagten stets in Rudeln und sie konnten dabei durchaus hinterlistig werden. In diesem Falle war es wirklich klüger, die zweite Möglichkeit zu wählen, die Beine in die Hand zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass der Vorsprung ausreichend war, um aus der Sache heil heraus zu kommen.
Es blieb der jungen Frau nichts anderes übrig, als die Waffe wieder zu entspannen, ihre wenigen Habseligkeiten zu schnappen, auf dem Absatz kehrt zu machen und zu verschwinden. Vielleicht half es ihr ein wenig, wenn sie lautlos durch das Gesträuch schlich, obwohl sie dadurch Zeit vergeudete.
Wie auch immer, sie brauchte eindeutig eine Menge Glück, um dem Rudel zu entkommen.


Raye flüchtet nach: Auf dem Weg in die Stille Ebene
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