Gewaltmarsch nach Pelgar

Dieser gefährliche Sumpf erstreckt sich vor dem Drachentor. Er ist ein Zeichen für die Verschließung des Drachentores im Großen Krieg. Sumpfechsen hießen dies Willkommen und ließen sich dort nieder. Denn als Einzige können sie dort außer Gefahr leben.
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Das Reisen im Sumpf ist für Feinde der dunklen Völker nun noch gefährlicher, denn die Sumpfechsen stehen mit ihnen im Bündnis.
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Sithis
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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Sithis » Montag 5. April 2010, 23:08

Die kalte Luft, die ihn begrüßte, lies seine Gedanken wieder klarer werden. Seine Wut erlosch langsam aber sicher. Das Feuer in seinen Augen verflog. Er schloss sie, da sie sich erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen mussten. Als er sie wieder öffnete sah er nur umherschleichende Gestalten. Es war unmöglich "seinen" Dunkelelfen ausfindig zu machen. Pah! Verdammt! Die riechen gleich, bewegen sich gleich..Keine Chance den richtigen auszumachen! Er ist mir entwischt!
Das er diese verdammte kleine Made töten würde, dass war für ihn von Anfang an klar. Niemand beleidigt mich und kommt mit dem Leben davon! Dann bildete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht ab. Ich sag dem Anführer einfach, dieser Kerl habe einen wichtigen Gefangenen ermordet, der Informationen über diesen Ort besessen hätte. Nun wenn ich das so sehe wird der Anführer derart ungehalten sein, dass er ihn möglicherweise dem Tod überantworten wird. Und sein Vollstrecker werde ICH sein! Hahaha! Die Gedanken, die sich Sithis ausmalte, waren boshaft und niederträchtig. Zwar müsse er dann lügen, doch wenn dadurch seine Ehre wiederhergestellt werden würde, so würde er diese kleine Schmach gelassen auf sich nehmen.

Langsam verstaute er seine Waffe wieder an seinem Gürtel. Der Lederbeutel, den er ebenfalls dort befestigt hatte, schaukelte sanft hin und her. Was sich wohl darin befand? Gold? Juwelen? Oder vielleicht sogar ein magisches Artefakt? Sithis konnte es nicht recht abschätzen. Doch seit er es gefunden hatte, regte sich seine dunkle Seite mehr und mehr in ihm. Als würde sie von dem Beutel angestachelt werden. Auch er selbst merkte, dass er dabei war sich zu verändern.
Was immer da drin ist, es gehört MIR! Niemand hat Anspruch darauf, außer ICH! Sollte es einer dieser kümmerlichen Dunkelelfen auch nur wagen es einzufordern, werde ich seine Schultern von seinem aufgeblasenen Kopf befreien! Sithis schüttelte den Kopf. War das wirklich er? Waren es seine Gedanken? Nun war er erst recht verwirrt. Die Dunkelheit schien nach seiner Seele zu greifen. Er versuchte der Dunkelheit den Zugang zu seiner Seele zu blockieren. Schweiß rann ihm über seine Schuppenhaut. Er sah müde aus. Er brauchte dringend Ruhe. Ruhe und etwas zu essen. Schlaf wäre auch nicht verkehrt.

Das Einzige was er noch wahrnahm war die Stimme im Hinterkopf, dass er demjenigen, der sie ausgeschickt hatte, Bericht erstatten musste. Südlich der Gehöfte. Sithis trat nun vollends aus dem Hauseingang und ging in südliche Richtung. Die Dunkelelfen beachtete er kaum, nur ein kleiner Gedanke schoss ihm noch durch den Kopf. Nicht mehr lange, Dunkelelf. Dann schicke ich dich zu deinem Schöpfer! Gnahahaha!

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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Gestalt » Sonntag 18. April 2010, 19:50

Sithis hatte sich bereits einen Plan überlegt, was er dem dunkelelfischen Kommandanten erzählen würde. Falls dieser überhaupt fragen würde. Er könnte auch einfach abwarten, ob es diesen überhaupt interessierte, ob in dieser Ansammlung von Gehöften noch jemand gelebt hatte. Denn sonderlich viel hatte Sithis nicht von dem alten Kauz erfahren können. Das war schon immer eine schlechte Sache, wenn man einen theoretischen Gefangenen hatte, der die Einstellung besaß, dass ihm eh nichts mehr passieren könnte und im Endeffekt nur auf das lang herbei gesehnte Ende wartete. Das waren dann immer so die Situationen, die jeden Krieger frusteten.
Man machte es Sithis auch nicht leicht, seine Rolle hier zu finden und einnehmen zu können. Aber keiner hatten gesagt, dass das leben ein Ponyhof wäre und Sithis musste ja alle Warnungen und gut gemeinte Ratschläge in den Wind schlagen und sein Leben komplett anders gestalten. Neid und Habgier waren schon ziemlich lästige Charaktereigenschaften.
Deswegen hatte er auch keine Scham davor, zu lügen, besonders dann nicht, wenn es ihm gut gelegen kam und ihn in seinen Dingen vorwärts brachte und ihm eine gute Partie verschaffte.
Um nicht wieder in Raserei zu verfallen, lenkte er sich ab und wog den gefundenen Lederbeuteln in seinen Pranken ab. Die Aussicht darauf, dass sich dort etwas Wertvolles oder Interessantes befand, beflügelte seine Gedanken und fast hätte man meinen können, würde er wieder gute Laune bekommen. Was immer auch immer das bei Sithis heißen mochte.
Kharim hatte ihn das eine Mal wortwörtlich ausgelacht, da Sithis gemeint hatte, er wäre guter Laune. Dabei hatte er einen Gesichtsaudruck, als wolle er gleich jedem den Kopf einschlagen. Das war eine der Situationen in seinem Leben, die er lieber vergessen würde, weil Kharim ihn immer noch dann und wann damit aufzog und Sithis hasste so etwas, wie die Pest.
Auf jeden Fall war er sehr froh darüber, dass sich dieser kleine Auftrag dem Ende neigte und er danach dann endlich Gelegenheit dazu bekommen würde, zu speisen und zu ruhen. Sein Körper war zwar große Strapazen gewöhnt, aber das würde sich in der nächsten Zeit noch öfter wiederholen, dass er auch bis an seine körperlichen Grenzen gehen würden müsste. Momentan waren es wohl eher die geistige Anstrengung, an die er sich gewöhnen müsste und daran, dass die Dinge nun nicht mehr gänzlich in seiner hand lagen und sich einiges wohl verselbstständigen würde.
Auf dem Weg zum „verabredeten“ Treffpunkt, verstaute Sithis sein Hab und Gut und war wieder einmal damit abgelenkt, über sich nachzudenken. Er hatte einige neue Seiten an seinem Charakter entdeckt, die ihn überraschten und auch ein wenig verunsicherten, teilweise erkannte er sich nicht wieder.
Er brauchte nicht lange, bis er kurz vor dem Feld ankam, an dem schon die anderen Dunklen offensichtlich auf ihn warteten. Sie sahen alle ziemlich lässig aus, wie sie da auf ihre Waffen gestützt oder in der Hocke kniend auf ihn warteten. Einige hatten das typisch überlegen, kalte Lächeln auf ihren Zügen. Der Vollmond war von keiner Wolke mehr verdeckt und so schützten sie sich mit ihren Kapuzen, unter denen wieder die Augen rot hervorblitzten.
Der Einzige, der aufrecht stand, war der Befehlshaber. Sithis konnte merken, wie er gemustert wurde, ehe dieser sich an ihn wandte oder vielmehr an die anderen Dunkelelfen, aber es betraf eindeutig Sithis selber.

„Da ist ja unsere glorreiche Echse …“, eine stilistische pause wurde eingelegt, eher einige der anderen Dunklen hämisch lachten.
„Nun, da wir alle wieder vollzählig sind und offensichtlich nichts los war …“, wieder eine Pause seitens des Befehlshabers, in der dieser alle Fünf anschaute.
„… dann Mädels, können wir ja wieder zurückgehen …oder hat noch einer etwas Dringendes auf dem Herzen, was sie loswerden möchte?“
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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Sithis » Sonntag 18. April 2010, 20:35

Er kam relativ zügig am Treffpunkt an und zu seinem Erstaunen waren alle anderen schon dort. Oha. Ich hab die Elflein wohl doch etwas unterschätzt. Scheint so als wären sie nicht so langsam wie ich dachte.. Man sah ihm die Verwirrung nicht an. Gekonnt verbarg er sie unter seinen Gesichtszügen. Als der Anführer ihn so komisch begrüßte, stutzte Sithis kurz. Was wird das hier? Willst du mich verspotten?
Er hatte den schlimmen Verdacht, dass dieser verräterische Hund von Dunkelelf ihn verpfiffen hatte. Na toll! Und wieder einmal hast du's geschafft, deinen Arsch in eine verdammt beschissene Situation zu bringen! Das Lachen einiger der Dunkelelfen entging ihm nicht. Passt bloß auf, über wen ihr euch lustig macht! Wenn ich euch erst mal aufgeschlitzt und ausgeweidet habe, werdet ihr nicht mehr so lachen!
Äußerlich sah man ihm seine Wut kaum an, nur ein leichtes aufglühen seiner Augen verriet, was er gerade denken könnte. Er hatte schon immer einen impulsiven Charakter. Jeder der ihn kannte und im Dorf kannte ihn jeder, konnte sagen, dass wenn er wirklich und richtig wütend war, eine große Gefahr für alles Leben in seiner Nhe darstellte. Das hatte ihm auch den Spitznamen Zorn eingebracht, der wirklich zu ihm passte.
Was ihn aber wirklich wurmte war, dass keiner der Dunkelelfen ihn ernst nahm. Verdammte Bastarde! Wenn ihr mich erst mal in Aktion erlebt habt, werdet ihr euch wünschen, mich nicht ausgelacht und verachtet zu haben! In Gedanken malte er sich aus, wie als verkrümmte und zerstückelte Leichenteile zu seinen Füßen liegen würden.

Über die Mitteilung, dass sie zurück zum Lager gehen würden lies Sithis innerlich aufatmen. Ihm war dieser Ort nicht geheuer. Schon weil überall Kampfspuren zu deuten waren, ohne dass man einen Gegner weder gesehen noch gehört hatte.
Der Anführer fragte zudem noch, ob es noch Fragen gäbe. Sithis hätte schon Fragen gehabt, doch diesmal hielt er den Mund. Nicht dass er schon wieder zuviel Aufmerksamkeit auf sich zog.
Er folgte den Dunkelelfen langsam in Richtung Lager. Immer noch mit dieser dunklen Stimme in seinen Gedanken. Könnte es an dem Inhalt dieses kleinen Beutels liegen?
Sithis würde spätestens im Lager dazu kommen, es herauszufinden.

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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Erzähler » Dienstag 20. April 2010, 23:56

Sithis war doch etwas verwirrt gewesen, über die Fähigkeit der Dunkelelfen, dass sie schon alle lässig am „verabredeten“ Treffpunkt waren und augenscheinlich nur auf ihn warteten.
Das ließ eigentlich nur den Schluss zu, dass Sithis mal wieder zu abgelenkt war, um die leisen Elfen in seiner Umgebung wahrzunehmen … und nun verspotteten sie ihn auch noch. Wenn auch nicht auf direkte Art. In den Augen der Dunkelelfen waren halt alle anderen Rassen Nichts, es sei denn, sie bewiesen sich und zeigten, dass man ihnen Respekt zu zollen hatte.
Wenn Sithis dies erreichen wollte, so müsste er seine alte Form der Disziplin wieder finden und den Dunklen im Grunde in nichts nach zu stehen. Ob er dies aber mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, das würde die Zeit zeigen. Noch war keine Gelegenheit gewesen, um sein Heldentum zu zeigen. Lediglich den Weibchen seiner eigenen Art konnte er imponieren.
Wie er die überheblichen Gisechter der Dunklen vor sich sah, nahm er sich vor, ein weiteres Mal auf Rache zu sinnen, an jenen, die wiederholt sein Ego gekränkt hatten. Noch würde er auf seine Gelegenheit warten müssen, es sei denn, er hatte vor, es mit Sechs von ihnen auf einmal aufzunehmen.
Der Befehlshaber beendete dieses nonverbale Duell überraschend und ordnete die Rückkehr zum Lager an. Sithis war doch irgendwie froh, diesem komischen Ort entkommen zu sein. Für ihn war es ein Ort, an dem er nicht greifen konnte, was geschehen war. Kampfspuren, verlassene menschliche Gehöfte und ein oder mehrere theoretische, unsichtbare Feinde.
Da die Gegend hier „sicher“ war, zumindest sicher vor humanoiden Überraschungen, so konnte Sithis sich wieder ganz seinen Grübeleien hingeben. Er war erschöpft und hungrig und wollte eigentlich nur noch seine Ruhe haben und schlafen.
Zumindest er hatte in dieser Gegend keine Probleme und musste deswegen auch nicht weiter auf seine Umgebung achten. Irgendwann Sithis konnte es nicht mehr genau sagen, kam der kleine Trupp wieder im Lager an. Die Meisten dort ruhten friedlich und genossen die Erholung, würde es doch die nächsten Tage noch anstrengend genug werden.
Sithis schlich auf leisen Sohlen durch die ruhenden Soldaten. Hier und da brannten noch niedrige Lagerfeuer und einige Wenige unterhielten sich auch noch leise, Echsen genauso wie Dunkelelfen. Es dauerte nicht lange, wie Sithis an dem Punkt im Lager angelangte, wo Kharim bereits auf seinen Freund wartete. Dieser sah in voller Neugier und Ungeduld an, sagte aber nichts.
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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Sithis » Mittwoch 21. April 2010, 17:02

Der Weg zog sich etwas in die Länge. Die Dunkelelfen hatten wohl Probleme mit den versteckten Wasserlachen, nicht so Sithis. Wer in einem Sumpfgebiet aufgewachsen war, konnte solche Überraschungen sofort lokalisieren und umgehen. Zumindest eine Eigenschaft, auf die er stolz war und es bereitete ihm Genugtuung, diese dunkelhäutigen Spitzohren schwitzen zu sehen, während sie sich durch den Schlamm kämpften. Doch diese Genugtuung würde nicht reichen. Er verlangte Blut. Dunkelelfisches Blut. Das Blut jenes Mistkerls, der ihn in seinem Stolz und seiner Ehre gekränkt hatte.

Die scheinen nicht gerade etwas von Moral und Ehre zu halten. Verstecken sich und greifen feige aus dem Hinterhalt an! Memmen! Schwächliche Säuger! Schwaches Volk!
Innerlich brodelte er wie ein aktiver Vulkan, doch Äußerlich lies er sich nichts anmerken. Dazu wäre es noch zu früh gewesen. Und je weniger sie von seinem Vorhaben wussten, desto besser.

Nach einer Weile kamen sie auch schon wieder am Lager an. Der Großteil der Truppe lag schon im Schlaf. Wer konnte es ihnen verübeln. Der morgige Tag und alle anderen Tage würden sehr hart werden. Vielleicht konnte er dann diesem schmierigen kleinen Drecksack das Fell über die Spitzohren ziehen. Sollte er so dreist sein und ihn zu einem kleinen Kampf herausfordern, nun dann würde die Echse ihm schon zeigen, was es heißt, eine Sumpfechse gereizt zu haben.

Er schlich durch die Ruhenden, bis er zu jenem Platz kam, an dem Kharim saß. Das Wiedersehen erfolgte eher still. Sein Kumpel sagte nichts, also setzte sich Sithis zu ihm. Er flüsterte seinem Freund zu, was er erlebt hatte: "So da wäre ich wieder. Die Erkundungsmission lief..wie soll ich sagen..merkwürdig. Überall waren Kampfspuren zu sehen, doch der Verursacher war unauffindbar. Ich hab ein paar Hütten durchstöbert, aber da war auch alles hinüber..Bis ich einen alten Mann gefunden habe..Er lebte noch, komischerweise..Aber der sprach so langsam, da wäre man im Stehen eingeschlafen. Ich hab versucht etwas über den Ort zu erfahren, doch werd der oder die Angreifer waren, konnte er mir auch nicht sagen. Kurz danach wurde er von einem dieser Spitzohren kaltblütig und auch noch aus dem Hinterhalt ermordet! Und genau dieses Spitzohr nannte mich schwach, weil ich es nicht tun konnte!" Er war nun zorniger als zuvor, doch er brachte sich unter Kontrolle. "Du kennst doch den Kodex, dem ich mich unterworfen habe, oder? Klar, schließlich wurden wir ja zusammen von meinem Vater ausgebildet. Ich konnte ihn nicht töten, er war blind und wehrlos..es wäre schlichtweg unehrenhaft." Mit diesem Satz appelierte er an die Loyalität zu dem Kodex. Sein Freund, so wusste er, würde den Kodex niemals freiwillig brechen.
Bisher hatten sie ihn immer eingehalten, doch spätestens in Pelgar mussten sie sich entscheiden. Und zwar zwischen der Loyalität des Kodexes oder der Loyalität zur Dunklen Armee.
Er lehnte sich an den Baum und schloss die Augen. Doch den Schlaf verdrängte er so gut es ging. Er würde wachsam sein, selbst wenn alle schliefen. Wenn Kharim zu seinem Bericht etwas zu sagen hatte, so bekam er es mit. Er spürte ein vertrautes Stupsen an seinem Bein. Siliz! Seine Schlange war also noch wohlauf. Zumindest ein Punkt, der wenigstens erfreulich war.

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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 29. April 2010, 00:03

Kharim hörte seinem Freund aufmerksam zu und schüttelte nur nebenbei schmunzelnd seinen Kopf, weil Sithis schon wieder komische Dinge vermutete. Nun gut, Vorsicht war immer besser wie Nachsicht, aber Paranoia, dem konnte Kharim beim besten Willen nichts abgewinnen.

„So wie du den Ort beschreibst, schien er schon länger verlassen worden zu sein … auch wenn es schon seltsam ist, dass die Menschen einen alten Mann alleine zurück lassen.“, flüsterte Kharim fast beiläufig.
„Aber wahrscheinlich liegt es am Krieg, der über diesen Landstrich herein gebrochen ist … viele reagieren dann mit Panik. Aber so gut kenne ich die Menschen auch nicht …“, schulter- zuckend sah er Sithis an.
„Natürlich kenne ich den Kodex und nein, gerade ich würde mich nicht gegen den Kodex lehnen … überleg mal, … wäre ich sonst Heiler geworden? … eine wirklich dumme Frage, Sithis.“, mit ungläubigem Blick sah er Sithis nun fest in die Augen, bevor er seinen Blick gen Himmel wand.
„Wie dem auch sei, … alter Freund, … wir sollten ruhen, bevor wir morgen hinterher hinken, wie alte Männer.“, grinsend suchte auch Kharim sich eine halbwegs bequeme Stelle und wartete darauf, dass der friedliche Schlummer über ihn kam.
Sithis lehnte im Grunde auf der andren Seit des niedrigen Felsen und gab sich, wie so oft in der letzten zeit, seinen Gedanken hin. Kharim war schon ein klein wenig zu beneiden, egal wo er sich befand, er konnte immer schlafen.
Sithis zumindest kam dann doch nicht zum übermäßigen Grübeln, da Siliz ihn wieder gefunden hatte. Sie stupste ihn an und machte sich dann daran, an seinem Bein hinauf zu schlängeln.
Da Sithis ja schon bequem lag, hatte sie es umso einfacher. Wie so oft machte sie es sich wieder auf seinen Schultern bequem, dort war sie sicher und konnte sich auch endlich ausruhen.
Bevor auch Sithis vom Schlaf übermannt wurde, spürte er noch Siliz´ gespaltene Zunge an seiner Wange.
Die Nacht war, wie zu erwarten viel zu kurz. Zumindest war sie ruhig gewesen und es gab keine Störungen. So ereignislos wie die Nacht auch war, so leer waren Sithis Träume. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen war, dass müsste er noch mit sich selber ausmachen.
Siliz war bereits wach und hatte sich solang nicht bewegt, wie ihr Freund noch am schlafen war.
Im Lager war schon gut was los, es war zwar nicht sonderlich laut, aber von Rücksichtnahme konnte hier auch keiner sprechen.
Ziemlich wortlos verliefen die Vorbereitungen, für einen neuerlichen Aufbruch.
Der Morgen war noch ziemlich grau, Nebel hing tief über dem Sumpf und zog in Richtung Felder, Gebirge und der Menschenstadt. Dies versprach ein klammer Tag zu werden, ein Tag, wie er auch Sumpfechsen nicht gefiel.
Mehr oder weniger missmutig machte sich Sithis und Kharim wieder mit auf den Weg.
Die Gegend hatte sich nicht sonderlich verändert, lediglich das laue Lüftchen wehte günstig, dass die Soldaten allesamt den Geruch von Feuer dauerhaft in ihrer Nase hatten.
Mit den ersten hundert Schritt wurde die Geschwindigkeit des Marschierens angezogen und sie kamen trotz des schwierigen Geländes gut voran.
So zog sich der Tag dahin, komisch war nur, dass keine rast eingelegt wurde. Selbst die Dunkelelfen aßen im Marschieren, aber ansonsten tat sich nichts. Lediglich die Gespräche mit Kharim lockerten die dröge Situation auf.
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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Sithis » Donnerstag 29. April 2010, 18:05

Wie gut, dass die Nacht ereignislos verstrich, doch sie hätte Sithis' Meinung nach länger gehen können. Er hielt sich den Kopf. Das was er erlebt hatte, hatte sich zu einem skurrilen Traum vermischt. Zum Glück war's nur ein Traum. Oder war es eine Vorahnung? Er grübelte kurz darüber nach. Werd ich langsam bekloppt? Hat Kharim mit seiner Paranoia-Theorie recht? Er schüttelte sich Es war nur ein Traum! Träume sind bedeutungslos! Was zählt, ist die Wirklichkeit! Aber die Bilder wollten ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen. An Schlaf war nun eh nicht mehr zu denken, da langsam Leben in das Lager kam. Befehle wurden gebrüllt, was seinem Kopf nicht gerade zuträglich war. Siliz war scheinbar schon länger wach. Es war gut, die Schlange wieder um sich zu haben. Sie war gute Gesellschaft, auch wenn sie manchmal etwas nerven konnte. Er stand auf. Sein Bein, das bei der Krokodilsjagt eine üble Schramme abbekommen hatte, schmerzte etwas. Na toll! Wieder eine Narbe, die nicht richtig verheilen will! Das ist jetzt schon die Zweite! Die erste Narbe war die, die seine linke Gesichtshälfte verunstaltete. Das Narbengeflecht schmerzte in unregelmäßigen Abständen. Verfluchter Nebeljäger! Die Pest über sie! Ach nein, diese Dinger sind ja wie die Pest! Trotzdem Tod diesen Viechern! Seine schlechte Laune sah man ihm an.

Der Marsch war eintönig wie immer. Den Rastplatz ließen sie bald hinter sich. Überall nur Sumpf, Bäume, Sumpf, Sumpf und noch mehr Sumpf. Sithis kannte ihn in- und auswendig. Das Wetter ließ noch zu wünschen übrig, es war neblig und kalt. Ein richtiges Dreckswetter eben. Auch die Echsen marschierten missmutig, die Stimmung war auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen, genau wie bei diesem Sturm vor ein oder zwei Tagen. Nur diesmal wehte kein starker Wind und es regnete auch nicht. Doch der wärmende Wind, der zu ihnen herüberwehte, brachte auch den Geruch von Feuer mit sich. Was ist hier los? Wer zündelt hier? Ich riech schon die ganze Zeit diesen Feuergeruch im Wind. Kurzes Grübeln, dann kam er zu dem Schluss, dass es nur die Hauptsadt sein konnte. Offenbar hatte der Kampf schon begonnen! Die hätten ruhig noch ein bisschen warten können...Spielverderber!

Kurz sah er sich nach Links und Rechts um. Außer Kharim waren da nur noch ein paar Dunkelelfen und andere Echsen zu sehen. Aber auch jemand anderes schob sich nach kurzer Zeit in sein Blickfeld: Das Weibchen, das ihm bei seiner Rückkehr vom Jagen aufgefallen war. Sie lächelte ihn wieder an und Sithis merkte, wie ihm langsam die Knie weich wurden. Trotzdem erwiederte er das Lächeln. Irgendwie motivierte es ihn, warum auch immer. Er unterdrückte jegliche Schamgefühle, doch sie schien sich ihm immer mehr anzunähern, bis sie nebeneinander marschierten. Sie war sehr attraktiv, für eine Sumpfechse.

Eine zeitlang liefen sie nebeneinander her, ohne zu reden oder andertweitig in Kontakt getreten zu sein. Kharim schien schon beinahe einen Lachanfall zu erleiden, doch er beherrschte sich, weil er seinem besten Freund nicht den Moment verderben wollte. War wohl auch besser so. Wie rede ich sie am Besten an? Ich habe noch nie wirklich mit Frauen geredet, meine Mutter mal ausgeschlossen..Was ist, wenn sie sich jemanden anderen sucht? Schrecklich! In seinem Kopf spielte sich ein derartiges Chaos ab, dass jeder, der es ergründen wollte, selbst wahnsinnig wurde. Schließlich ergriff er die Initiative: "Fürchterliches Wetter! Es wird Zeit, dass wir aus diesem Nebel rauskommen und das der Marsch mal etwas weniger eintönig ist." Er sprach es eher laut zu sich selbst, hoffte aber so, mit dem Weibchen ein Gespräch anzufangen.

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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. Mai 2010, 21:57

Pelgar war in detailreiche Sicht gerückt, eingebettet in das große Drachengebirge, welches dunkle Schatten auf die Ebene warf und Unheil verkündend in den Abend ragte.
Davor, lagerte eine große, im wahrsten Sinne des Wortes, dunkle Armee. Mit der Abendluft kamen weitere Geräusche auf den herannahenden Trupp Soldaten, zu denen auch Sithis gehörte, zu. Jede Menge Stimmen, Waffengeräusche, Geräusche von schweren Tieren, Kriegstrommeln und doch tatsächlich Geräusche von Orks. Von den Dunklen allerdings, die den Hauptteil der Armee ausmachten, hörte man ebenso nichts … und die Stadt dahinter, war wie ausgestorben. Aber jeder, der ein bisschen intelligent war, wusste, dass dem nicht so war.
Zwischendurch hatte Sithis die Gelegenheit genutzt und mit „seinem“ Weibchen ein Gespräch anzufangen. Er tarnte es zuerst damit, dass er beiläufig über das Wetter redete und das auch nur mehr zu sich, wie zu ihr und ganz zufällig lief er direkt neben ihr.
Grinsend sah sie ihn an und antwortete keck.

„Na, das sollte einen großen Krieger doch nicht aufhalten, nicht wahr? … Ich bin mir sicher, dass du dir Abhilfe schaffen kannst.“
Ein weiteres Mal grinste sie ihn an und machte sich dann daran, einen Schritt schneller zu marschieren, dass sie im Endeffekt vor ihm lief. hatte er etwas falsch gemacht? … fast wie vor Hohn zischelte seine Siliz neben seinem Ohr, aber sie macht sich wohl eher nur lustig über ihn.
Er wollte sich schon fast schwarz ärgern über seine eigene Unfähigkeit im Umgang mit Weibchen, da fiel sein Blick auf ihren Schwanz. Dieser tanzte beim „Marschieren von rechts nach links und beruhiget sich auch nach mehreren Schritten nicht. Ganz nebenbei, war dies ein sehr schöner, schlanker Schwan von wundervollem Wuchs und schöner Färbung … aber, so marschierte eigentlich niemand. es sei denn, es sollte seiner Aufmerksamkeit dienen.
Sie jedenfalls dreht noch ein Mal anmutig ihr Haupt zu ihm, zwinkerte leicht und lief mit einem leichten Lächeln nun weiter schneller voraus. Sein Blick blieb weiterhin auf ihren Hüften haften …augenscheinlich musste er sich noch weiter ins Zeug legen, was ihm ja eigentlich nicht schwer fallen sollte.
Ungefähr zwei Meilen vor der Armee und damit auch vor der Stadt, hielt der Trupp an. Warum, dass wusste mal wieder augenscheinlich keiner und die anderen Dunkelelfen schien es auch nicht zu interessieren.
Kharim nutzt die Gelegenheit der Minute und kümmerte sich um Sithis Bein. Als heiler war das schließlich seine Aufgabe. Die Wunde war natürlich ein wenig entzündet, er konnte von Sithis nicht mehr erwarten. In diesem Punkt war er genauso ungeduldig, wie in allen anderen Punkten.
Kharim öffnete schmerzhaft die Wunde, wusch sie aus und legte danach einen weiteren Verband mit Heilkräutern an. Um seiner Profession weiter nachzukommen, schritt er die reihen der Dunklen durch und musterte sie genau, ob sie sich bisher schon Verletzungen zugezogen hatten.
Sumpfgras und weitere Pflanzen waren tückisch und hier Verletzungen unbehandelt zu lassen, hatte in vielen Fällen weit reichende Konsequenzen.
Zumindest war die einzige Rast an dem Tage eine Wohltat, alle nutzten sie und tankten so viel Kraft wie sie konnten.


[weiter in: Das östliche Drachengebirge - Die Hauptstadt Pelgar - Das Stadttor Pelgars - Vor der Toren Pelgars - Das Lager der Dunklen Armee]
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Re: Gewaltmarsch nach Pelgar

Beitrag von Sithis » Samstag 8. Mai 2010, 22:49

Zuerst interpretierte Sithis ihre scheinbar scherzhafte Antwort falsch. Auch die Sticheleien von Siliz verunsicherten ihn zusätzlich. Als sie sich auch noch entfernte, sank seine Stimmung wieder.
Öh..hab ich etwas falsches gesagt? Er war sich nicht sicher. Sein Blick verdüsterte sich kurz, bis sein Blick auf ihren Schwanz fiel. Er schwang anmutig hin und her. So marschierte niemand! Sie wollte ihn auf sich aufmerksam machen. Zwar hatte er keine Erfahrung mit Weibchen, doch diese Geste besagte nur eines: sie stand auf ihn. Sollte er die Herausforderung von ihr annehmen? Die Antwort lautete: JA. Ein bislang unerfüllter Traum ging für ihn in erfüllung.
Er beschleunigte seine Schritte, doch sie blieb ihm immer eine "Schnauzen"-Länge voraus. Er fixierte nur noch sie, die Umgebung war ihm im Moment vollkommen egal. Immer wieder warf sie ihm kokette Blicke zu, die er selbst nur zu gern erwiderte.

So marschierten sie eine Weile, bis der Trupp wieder anhielt. Das Kharim die Zeit nutzte, um seinen Fuß erneut zu untersuchen, war ihm klar gewesen. Sein Bein hatte sich etwas entzündet, doch Kharim rückte ihr schon mit einer neuen Ladung Heilkräuter und einem frischen Verband zu Leibe. Als er die entzündete Stelle auf dem schmerzhaften Weg öffnete, verzog Sithis keine Miene. Bloß keine Schwäche zeigen! Er spürte zwar den Schmerz, doch solange SIE in der Nähe war, war ihm das völlig egal.

Kurz wandte er seinen Blick von ihr ab und beobachtete die Gegend. Der Sumpf war beinahe schon Gras gewichen, die Hauptstadt kam in Sicht. Und er sah auch die Armee, die sich vor ihr in Position gebracht hatte. Man konnte keine einzelnen Gestalten erkennen, nur eine dunkle Masse zeigte an, wo sich die Streitkräfte befanden. "Bei allen Morgukai. Das müssen ja tausende sein." Sagte er leise, kaum hörbar, aber immer noch überrascht. Er hatte die Dunkelelfen unterschätzt.

Sein Freund kontrollierte auch, ob die Dunkelelfen auch verletzt waren oder sich Krankheiten des Sumpfes zugezogen hatten. Viele hatten leichte Schnitte von scharfkantigen Blättern oder Abschürfungen, nicht sehr ernsthafte Verletzungen eben. Tja. Unser Kharim. Hilfsbereit und immer da, wenn es Verletzte gibt. Ich hoffe nur, dass die Dunkelelfen es zu schätzen wissen! Sein Blick fiel kurz über die Truppe. Die Rast würden sie brauchen, denn noch gab es eine Schlacht zu schlagen.

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