Der stolze Clan der Kieselzwerge

In diesem weiträumigen Viertel leben die gewaltigen Zwergenfamilien und Clans beisammen. Die Bauten sind meist direkt in den Stein gehauen, es gibt aber auch Häuser, die denen der Oberfläche ähneln.
In diesem Viertel findet sich auch Grimbardts Schenke.
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Der stolze Clan der Kieselzwerge

Beitrag von Erzähler » Montag 20. September 2010, 17:03

Elwin kommt von Der Wald Eldoras -> Mitten im Eldoras

Zwergisches Gebrummel drang zu Elwin durch. Ihr Schädel pochte leicht, nicht aber so sehr wie ihr Rücken. Am meisten schmerzte jedoch der Arm, der ihr auf dem Bauch lag. Er befand sich in einer Schlinge. Sie selbst lag auch, jedoch nicht mehr auf dem Laub- und Moosboden des Eldoras. Das letzte, was sie gespürt hatte, war wohl der unglückselige Pfifferling gewesen, der unter ihrer Landung zerquetscht worden war.
Doch es herrschte kein Wald um sie herum. Stimmen sowie das stetige Schlagen auf Gestein oder Metall mischten sich zusammen mit einem erdigen Geruch und leicht metallischem Geschmack, der in der Luft lag. Es roch ebenso ein bisschen nach Rauch, aber kam dieses Aroma aus der Ferne.
"Jetzt fallen die Großlinge schon von Bäumen."
"Ich habe immer gewusst, dass sie nicht aus dem Boden geschossen kamen. Ich meine, der Fels hat sie nicht geschmiedet, das ist schon eine Untat der Natur."
"Seit wann bist du denn Naturfreund?"

Elwin lag nicht weich. Der Untergrund war hart, aber glatt. Eine Decke lag über ihr oder vielmehr ein Pelz. Er fühlte sich etwas borstig an. Ihr Kopf ruhte auf einem knautschigen ... Sack? Wo befand sie sich?
"Hat sich die Kleine ... Große ... Frau eben gerührt?!"
"Vielleicht ist sie gar keine Frau, so wie der letzte Kleidchenträger."
"Der ist Zauberer, da ist das etwas Anderes."
"Aber er trägt keinen Spitzhut!"

"Jetzt hört doch mal auf zu plappern, ihr weckt sie noch!", donnerte eine gewaltig tiefe Stimme wie auf eine Trommel. Das weckte Elwin mit Sicherheit, vor allem, weil der Sprecher seine Forderung auf Celcianisch gestellt hatte. Wenigstens gaben die übrigen Stimmen nun Ruhe. Etwas ruhiger fragte auch der tiefe Bass: "Bist du wieder bei Bewusstsein, Mädchen? Keine Angst, wir Kiesel beißen nicht."

Elwin befand sich in einer gewaltigen Wohnhöhle. Die Decke ragte mindestens 30 Meter in die Höhe. Säulen waren direkt aus dem Fels gehauen worden, ebenso wie das traumhafte Fresko in der Decke selbst. Es zeigte Zwerge im Kampf gegen verschiedene Feinde. Da waren Drachen zu sehen, die ihre Schätze bewachten; Zwerge, die ihr Gold verteidigten; fremde Monster mit tentakelartigen Mäulern, die unter Äxten und Hämmern fallen ...
Eingerichtet war die Höhle eher karg. Es gab einen Tisch - ebenfalls ein großer Steinklotz - mit kleinen Klötzchen, die als Stühle dienten. Ein Kamin sorgte für genügend Wärme. Der Rauch entwich durch ein kleines Loch direkt über dem Kamin. Ein unterirdischer Abzug, auch wenn Elwin vielleicht nur ahnte, dass sie sich nicht mehr über der Erde befand. Größte Schlussfolgerungen boten hierbei wohl die knapp hundert Zwerge, die sich im Raum befanden. Sie verteilten sich auf Felsenbetten wie jenes, auf dem Elwin lag, oder standen und hockten im Raum. Ein besonders breitschultriger Vertreter des kleinen Volkes bediente Hammer und Amboss in einem Nebenraum. Er unterbrach seine Arbeit, um durch einen hohen Torbogen hinein zu schauen. "Ist der andere Mensch schon wach?"
"Sei doch mal ruhig, Robarth." Der Zwerg mit der Bass-Stimme wandte den Kopf Elwin zu. Er war steinalt, seine Haut hatte einen grauen Ton angenommen. Sein Bart reichte bis zu den Zehen des kleinen Mannes und er trug eine Brille mit dicken Gläsern. "Willkommen bei den Kieseln, man nennt mich Khulag. Ich bin der Kiesel-Älteste und deshalb einstimmig der Sprecher des Clans. Wie dürfen wir dich nennen, Mädchen?"
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Elwin Fock
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Re: Der stolze Clan der Kieselzwerge

Beitrag von Elwin Fock » Donnerstag 7. Oktober 2010, 07:35

Sie war gefallen und das aus einer nicht gerade niedrigen Höhe, doch den Aufprall auf den mit Moos und Laub bedeckten Waldboden des Eldoras sollte sie schon gar nicht mehr mitbekommen. Noch während sie einen klaren Gedanken hatte fassen können, verweigerte ihr Bewusstsein seinen Dienst und sie versank in der Schwärze ihres Unterbewusstseins. Zunächst war dort nur Finsternis gewesen, eine undurchdringliche Dunkelheit, woran sie später keine Erinnerung haben sollte. Aber dann begannen einzelne Bilder vor ihrem inneren Auge herum zu tanzen - sie begann zu träumen.
Es waren wilde und völlig verdrehte Träume, welche sie in dieser Zeit erlebte. Sie zeigten ihr noch einmal die letzten Erlebnisse, welche sie mehr oder weniger freiwillig durchlebt hatte. Zum Beispiel rannte sie einen dunklen Korridor entlang, welcher von rußigen Fackeln erhellt wurde. Sie erreichte seine Ende und fand sich plötzlich in der Mitte der Arena wieder. Dort wartete eine Gestalt auf sie - Stygmar der Magier. Er lachte hämisch und mit donnernder Stimme, dann löste er sich in jenem seltsamen Rauch auf, welchen er während ihres Kampfes inhaliert hatte. Die Menge auf der Tribüne schien wie aus seinem Munde anzufangen zu schreien und dann erschien Meister Windhaller auf der Bildfläche. Sie schaute sich um, dann erkannte sie, dass der Meister der Windmagie von Zombies umringt und zu Boden gedrückt wurde, dann versank das ganze Gewühl im schlammigen Untergrund. Sie schrie ebenfalls auf, wandte sich und wollte davon stürmen, aber die Tür in der Mauer des Arenahofes war verschwunden... Schwärze umhüllte sie erneut. Dann fand sie sich auf einer weiten, mit Gras bewachsenen Ebene wieder. Elwin erkannte sie als die Stille Ebene. Etwas verwirrt blickte sie sich um, hatte kaum Zeit sich zu orientieren, da erkannte sie auch schon Faldors schwarze Horde, welche auf sie zu kam. War gerade die letzte Schlacht im zweiten Kristallkrieg? Sie wusste es nicht, konnte auch Timathian nirgends entdecken. Ein ohrenbetäubender Lärm erhob sich hinter ihr und als sie sich umwandte sahen ihre beiden tiefblauen Augen zwei riesige Wirbelstürme, die mit direktem Kurs auf sie zu kamen. Alles war so seltsam, dann wurde sie von einem der Windhosen erfasste, empor gehoben und wirbelnd hinfort getragen...

Langsam, aber sicher drängte sich ihre Bewusstsein wieder in den Vordergrund. Der Traum verblasste und wurde ebenfalls langsam und stetig immer mehr zu einer unschönen Erinnerung. Elwin erwachte aus ihrer Bewusstlosigkeit und konnte ferne Stimmen vernehmen. Zunächst registrierte sie gar nicht, dass diese in einer ihr völlig unbekannten Sprache miteinander redeten. Es dauerte einen Moment, dann bemerkte sie, dass sie nicht auf einem annähernd weichen Waldboden lag, sondern auf etwas wesentlich härterem. Lag da eine Decke auf ihr? Sie rührte ihren gesunden Arm etwas und konnte feststellen, dass sich diese Decke eher borstig anfühlte. Schmerzen drangen in ihren Verstand und sie bemerkte, dass ihr anderer Arm in einer Schlinge lag. Ihre Ohren konnten ein stetiges schlagen auf Gestein oder Metall hören und ein seltsam erdiger Geruch drang ihr in die Nase. Wo, bei Ventha, befand sie sich nur? Nun es würde sich sicherlich leichter feststellen lassen, wenn sie endlich ihre Augen öffnen würde. Noch immer konnte sie die fremden Stimmen in einer fremden Sprache reden hören, doch dann war da noch eine andere und diese, welche sich wohl gerade in das Gespräch einmischte, sprach auf celcianisch.

"Jetzt hört doch mal auf zu plappern, ihr weckt sie noch!", erklang sie und endlich verstand Elwin, was gesagt wurde. "Bist du wieder bei Bewusstsein, Mädchen? Keine Angst, wir Kiesel beißen nicht." Fügte die Stimme noch an und es schien, als hätte sich jemand über sie gebeugt.

Langsam und nur ganz allmählich begann die junge Magierin damit, ihre Augen zu öffnen. Zunächst war alles was sie erkennen konnte, noch dermaßen verschwommen, sodass sie eigentlich nur Umrisse bemerkte. Es dauerte eine kleine Weile, dann schärfte sich ihr Blick wieder und nach und nach konnte sie ihre nähere Umgebung in Augenschein nehmen.
Sie befand sich in einer Höhle, das zumindest schätzte sie, denn über ihr und um sie herum befand sich eine steinerne Decke beziehungsweise steinerne Wände und an diversen Stellen konnte sie große und mächtige Säulen erkennen. Ob diese allerdings direkt aus dem Stein gehauen, oder aber ob diese hierher geschafft und aufgestellt worden waren, konnte sie nicht sagen. Während ihr Blick so umher schweifte, sah sie auch das wunderbare Deckengemälde, welches die obere Wand zierte. Als sie ihren Kopf endlich gen Höhle drehte, konnte sie einen ganzen Haufen kleiner, aber gedrungener Leute sehen. Warum hatte sie diese noch nicht bemerkt, denn die hier Anwesenden unterhielten sich schließlich lautstark, auch wenn sie kein einziges Wort von dem Verstand was gesagt wurde. Offenbar war ihr Verstand erst jetzt wieder richtig in Gang gekommen und mit dieser Erkenntnis kamen ihr auch die Erinnerungen an die letzten Ereignisse zurück. Sie hustete und konnte erneut eine Stimme vernehmen, welche celcianisch sprach. "Sei doch mal ruhig, Robarth.", donnerte diese und endlich konnte Elwin auch ihren Besitzer ausmachen.

Er wirkte alt, sehr alt um genau zu sein. Seine Haare waren fast weiß, sein Bart reichte ihm bis zu den Füßen und seine Haut wirkte eher kränklich grau, als wie gesund rosa bei Menschen üblich. Ebenfalls trug er eine Brille mit dicken Gläsern, welche die Schwerkraft eigentlich schon von allein nach unten hätte drücken müssen. "Willkommen bei den Kieseln, man nennt mich Khulag. Ich bin der Kiesel-Älteste und deshalb einstimmig der Sprecher des Clans. Wie dürfen wir dich nennen, Mädchen?" Sie wirkte noch etwas verwirrt, was wohl auch verständlich war, denn als letztes erinnerte sich Elwin an den Wald Eldoars und jetzt was sie unter der Erde? Ihr fehlte völlig die Orientierung, aber schließlich versuchte sie sich zu fassen.

"Ich... ich bin... Elwin Fock.", meinte sie mit zitternder Stimme. "Wo... wo bin ich? Timathian? Wing?"

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Re: Der stolze Clan der Kieselzwerge

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Oktober 2010, 09:40

Vielleicht war der Aufprall härter gewesen als geplant. Vielleicht hatte es sie nicht nur ins Laub, sondern hindurch und direkt unter die Erde verbannt. Befand sich Elwin in einer Nachwelt, im Jenseitsreich der Götter? Falls ja, dann musste Brocknar der einzig wahre Gott sein, denn hier standen überall Zwerge herum.
Sie brauchte noch Zeit, sich zu fassen. Halb perpelx stellte sie sich vor. Ihr Name hallte von Dutzenden mit Mineralstaub überzogenen Lippen, als die Kiesel ihn wiederholten. "Ruhe, Ruhe!", gemahnte ihr Sprecher wieder. Jener Zwerg, der sich als Khulag vorgestellt hatte. Aber Elwin fragte verwirrt erst einmal nach Timathian und Wing. Erneut erhob sich ein Raunen in der gigantischen Zwergenhalle. Jetzt reichte es Khulag. Er zog einen gewaltigen Streithammer und schlug damit auf blanken Stein. Ein Krachen erklang, Donner gleich. Sofort verstummte der ganze Clan.
"Lasst uns allein. Ich kümmere mich um die Großfrau."
Plötzlich tummelten sich die Zwerge. Sie verstreuten sich in der Halle, jeder ging auf einmal seiner eigenen Wege. Einige Blondbärte stapften zu den Schmiederäumen, von denen Elwin kurz darauf stetes Schlagen hörte. Der Geruch von Schwefel erfüllte hauchdünn die Luft. Ein weiterer Zwerg schleppte einen Blasebalg heran.
Andere des Clans wandten sich eigenen Aufgaben zu. So setzte sich beispielsweise eine Gruppe weiblicher Zwerge - fast nur am Rock erkennbar und weil sie keine Bärte besaßen - in eine Ecke auf mehrere Steinklötze. Sie zückten Lederstücke, Nadel und Faden. Schon begannen sie mit Näharbeiten, um kleine Beutel und Taschen für den Clan herzustellen.
Einen Augenblick lang musterte Khulag die Zwerge. Schließlich nickte es zufrieden. Es war wieder Ruhe in die Behausung eingekehrt. Er wandte sich Elwin zu. "Kannst du aufstehen, Mädchen? Könnte dich zu dem anderen Großling bringen. Hast seinen Namen ja schon genannt. Timathian. Ja, der ist auch hier, ruhig bleiben." Khulag hob beschwichtigend die kurzen Arme. "Ich bring dich zu ihm, wenn du willst. Dem Menschen geht's gut, obwohl er ... naja ... seltsam ist. Er will gar kein Bier trinken." Der Zwerg zuckte mit den Schultern. "Ich hoffe, ich kann dich wenigstens zu einem Humpen überreden. Echtes Zwergenbier muss jeder einmal gekostet haben, bei Brocknar!"
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Elwin Fock
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Re: Der stolze Clan der Kieselzwerge

Beitrag von Elwin Fock » Mittwoch 20. Oktober 2010, 07:38

Elwin erwachte. Sie schlug langsam ihre Augen auf und völlige Verwirrung ergriff sie. Wo befand sie sich? Es war so "dunkel" hier und überall war nur Stein zu sehen. Eben war sie doch noch in einem Wald gewesen, auf einem Baum und hatte versucht von dort wieder herunter zu kommen. Sie wusste nicht mehr was geschehen war und als dann auch noch unzählige Stimmen in einer ihr unbekannten Sprache redeten, überfiel sie eine gewaltige Welle an Angst. War sie vielleicht tot und bereits im Reich der Götter? Schließlich überwand sie sich und wandte ihren Blick zu den sprechenden Stimmen. Dort erkannte sie eine ganze Horde an kleinwüchsigen Menschen, aber ihr Verstand schaltete sich langsam wieder ein und verriet ihr, dass es sich dabei vermutlicherweise um Zwerge handelte und dann kamen ihre Erinnerungen wieder zurück. Sie hatte ja zwei Zwerge unter "ihrem" Baum gesehen und war schließlich bei dem Versuch hinab zu klettern gestürzt und die letzten paar Meter gefallen, wobei sie das Bewusstsein beim Aufprall verloren hatte.

Nachdem sie wieder einigermaßen bei Sinnen war, beantwortete sie die Frage nach ihrem Namen, welche ihr auf celcianisch gestellt wurde, und fügte gleicht die verständliche Gegenfrage an, wo sie sich denn befand. Aber auch nach Timathian und Wing fragte sie im gleichen Atemzug. Augenblicklich wurde ihr Name von den Horden an Zwergen wiederholt und zwar immer und immer wieder, bis das Zwergenoberhaupt, welches sich als Khulag vorgestellt hatte, seinen gewaltigen Streithammer packte und einem Donner gleich damit auf einen blanken Stein schlug. Elwin zuckte bei dem Geräusch merklich zusammen, denn auch wenn sie ein Schlaggeräusch vermutet hatte, dann doch nicht solch ein gewaltiges. Sie wollte sich ihren Ohren zuhalten, zuckte aber wieder zusammen, als ihr der stechende Schmerz ihres in der Schlinge liegenden Armes durch den Körper fuhr. Aber die Aktion von Khulag schien Wirkung zu zeigen, denn plötzlich verstimmten alle Zwerge und eine seltsame Ruhe herrschte in der Wohnhöhle. Dann löste sich die Versammlung auf und die Zwerge verteilten sich, wobei sie ihrem eigentlichen Tagewerk wieder nachgingen.

"Kannst du aufstehen, Mädchen? Könnte dich zu dem anderen Großling bringen. Hast seinen Namen ja schon genannt. Timathian. Ja, der ist auch hier, ruhig bleiben.", mit diesen Worten wandte sich Khulag wieder der jungen Magierin zu.

Elwin glaubte sich verhört zu haben. Hatte er tatsächlich gesagt, dass Tima auch hier war? Ihre Augen weiteten sich, als sie versuchte aufzustehen. Zunächst richtete sie ihren Oberkörper auf, was allerdings nicht so einfach war, wie man hätte meinen können, denn mit nur einem gesunden Arm und nicht sonderlich stark trainierten Bauchmuskeln, kostete es einiges an Kraft sich aufrecht hinzusetzen. Erneut durchzuckte sie eine Welle des Schmerzes, als ihr Arm eine ungünstige Position einnahm. Ein Seufzen entfuhr ihrem Mund, dann war es auch schon wieder vorbei.
"Ich muss gestehen, dass mir das Bewegen noch etwas schwer fällt.", meinte Elwin zu Khulag. "Aber es wird schon gehen. Es... au... wäre sehr freundlich von Euch, wenn ihr mich zu Timathian bringen könntet."
Der Enthusiasmus kehrte nun wieder zu Elwin zurück. Sie hatte endlich eine Spur von Tima, nachdem sie durch den Wirbelwind von Meister Windhaller getrennt worden waren. Allerdings fehlt dafür jemand anderes - Wing. Aber vielleicht wusste ja ihr Freund, wo sich der Vogel befand.

"Ich bring dich zu ihm, wenn du willst.", antwortete Khulag und fuhr gleich fort: "Dem Menschen geht's gut, obwohl er ... naja ... seltsam ist. Er will gar kein Bier trinken. Ich hoffe, ich kann dich wenigstens zu einem Humpen überreden. Echtes Zwergenbier muss jeder einmal gekostet haben, bei Brocknar!"

Nachdem die junge Magierin es endlich auf ihre Füße geschafft hatte, blickte sie auf den alten Zwerg hinab. Zwergenbier? Sie konnte verstehen, dass Tima das Gesöff ablehnte, denn sie hatte bereits Geschichten darüber gehört. Es sollte eines der stärksten alkoholischen Getränke auf ganz Celcia sein. Erneut durchzuckte sie eine Welle des Schmerzes und sie schloss für einen Augenblick ihre Augen. Als sie diese wieder öffnete war sie zu einem Entschluss gekommen. Sie wandte sich wieder an den Clanführer:

"Ich denke, nachdem ich bei meinem Grossling-Freund bin, werde ich Euer großzügiges Angebot zu einem Humpen annehmen. Vielleicht verschwinden ja dann die Schmerzen in meinem Arm."

Bei diesen Worten lächelte sie den alten Zwerg an. Zwar schaffte sie es nicht, eines ihrer zauberhaften und unwiderstehlichen, verführerischen Lächelns zu zeigen, aber war doch ehrliche Dankbarkeit in diesem abzulesen.

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Re: Der stolze Clan der Kieselzwerge

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Oktober 2010, 12:31

Khulag zeigte Geduld. Er wartete ruhig ab, gab Elwin Zeit, sich aufzurichten und schwieg. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn sie sich noch eine Weile ausruhte, aber der Zwerg wusste, wie gut ein vertrautes Gesicht sein konnte. Die Kiesel waren ein traditionell familiärer Clan. Selten zog jemand allein aus, im Grunde sah man sie nicht einmal oft zu zweit. Ausnahme hatten Durin und sein Gefährte gebildet, als sie kurz im Wald unterwegs waren. Mit den Elfen aus dem Dorf Eldar hatten die Kinder des Berges wenig zu tun, aber so manches Mal wurde doch gehandelt. Eigentlich hatte Durin, ein junger Zwerg des Clans, seine Handelsgeschicke ausprobieren und Werkzeug an den Elfen bringen sollen. Stattdessen brachte er Menschen mit.
Khulag brummte in seinen Bart. Elwin hatte es inzwischen auf ihre Beine geschafft. Die waren unglaublich lang, wenn man selbst der Magierin nur knapp bis zur Hüfte reichte - und das mit Helm!

"Gut, dann können wir los", sagte Khulag. Stampfend setzte er sich in Bewegung. Er war wie ein kleiner Brocken, ein wandelnder Felsen, dessen Kettenrüstung bei jedem Schritt leise klirrte. Die Axt geschultert watschelte er voraus und durch einen hohen Torbogen in den nächsten Höhlenraum.
Das Licht war schummrig, obwohl hier viele Fackeln brannten. Die hohe Decke sorgte dafür, dass es sich weit ausbreiten konnte und so schon nach wenigen Metern verblasste, um von Dunkelheit verschluckt zu werden. Khulag ging langsam, damit Elwin trotz ihrer Schmerzen mit ihm Schritt halten konnte. Es würde ihr nicht schwer fallen, denn als Zwerg machte man ohnehin kleine Schritte.

Er gab sich Mühe mit der Menschenfrau und brachte eine Menge Geduld auf. Aber das wollte er auch, sie gefiel ihm besser als dieser Timathian. Der wollte nämlich kein Zwergenbier trinken. Elwin hingegen hatte zugesagt, von dem besten Gebräu Celcias zu probieren. Das hob die Stimmung des Zwergs und so zeigte er einen großen Haufen Nachsicht mit den Großlingen.
"Dein Arm wird schon wieder, Mädel. Der ist nicht mal richtig gebrochen. In ein paar Tagen kannst du damit wieder Steine werfen oder Juwelen aus dem Fels hauen oder ... naja, was ihr Menschen an der Oberfläche eben so macht."
Im Vorbeigehen grüßte Khulag einige Zwerge in seiner Muttersprache. Diese nickten, musterten Elwin nur kurz und arbeiteten anschließend weiter. Es ging in noch einen anderen Raum. Hier war die Decke deutlich niedriger und das Höhlenzimmer maß auch weniger Meter. Vermutlich handelte es sich um eine Abstell- oder Vorratskammer für Werkzeug zum Bergbau. Kisten mit Kohle türmten sich übereinander. Spitzhacken und Schaufeln hingen oder lagen überall verstreut herum. Es gab kleine Gürtel, von der Schnalle bis zum Leder-Ende mit anderem Werkzeug behangen. In einem Sack neben dem Eingang fanden sich rußige Laternen.
Und hinter einem werkelnden Zwerg in all dem Chaos stand Timathian Vengul, leicht nach vorn gebeugt. Er schaute dem Zwerg über die Schulter. Dieser war damit beschäftigt, ein Schmuckstück mit einer Fassung zu versehen. Auf einem Tisch vor ihm lag ein glänzender Rubin. Das Rot glitzerte wie Herzfeuer.

"Und da is' er auch schon!" Khulag präsentierte Timathian wie einen Edelstein. Stolz reckte er die Brust vor, dafür blickte der Energiemagier umso überraschter. Jedoch legte sich sofort ein Lächeln auf sein Gesicht. Man sah ihm die Erleichterung an, mit der er Elwin in Augenschein nahm.
"Du bist wieder auf den Beinen. Wie geht es deinem Arm? Brock, der Heilkundige der Kieselzwerge, teilte mir mit, du hättest ihn dir verstaucht. Alles in Ordnung?" Er blickte sich suchend um. "Wo steckt denn Wing?"
Khulag räusperte sich. "Nun, sagt ihr einem alten Zwerg mal endlich, was denn dieses Wing überhaupt ist, hä? Außerdem sollten wir weiter. Das Mädel möchte nämlich Zwergenbier probieren, jawohl!" Diesen Moment sehnte sich Khulag offenbar wirklich herbei. Wahrscheinlich, weil auch er sich dann einen Humpen genehmigen konnte.
"Und beim Trinken könnt ihr dann mal erzählen, was ihr überhaupt auf den Bäumen zu suchen hattet."
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