Die geheime Bibliothek des Yaris'

Jeder weiß, dass sich das geheime Versteck in der Stadt selbst befindet, aber nur Mitglieder der Wüstendiebe kennen den Weg dorthin. Niemand weiß, wo man suchen muss und bisher blieb diese Gemeinschaft unentdeckt.
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Die geheime Bibliothek des Yaris'

Beitrag von Gestalt » Dienstag 24. Januar 2012, 16:25

Ririn findet nach langer Suche den Weg.


Oh die Suche war weißgott nicht simpel gewesen. Ririn bewies Kreativität und Hartnäckigkeit und sogar ein Talent dafür, akribisch und logisch zu arbeiten. Sie hatte sich viel Mühe gemacht und Feingefühl bewiesen, dass sie niemanden nach den Zeichen fragte. Doch nach und nach, je mehr Ririn sich damit auseinander setzte, konnte sie immer mehr scheinbar willkürliche Formen und Figuren an jedem erdenklichen Platz erkennen. Sarma war, als Hochburg der Wüstendiebe, voll davon. Wenn man nicht wusste, dass diese Symbole keine willkürlichen Kritzeleien waren, achtete man auch gar nicht auf sie. Doch egal wohin Ririn ging; die Zeichen waren überall und doch nirgendwo. Manchmal waren sie winzig klein, dann wiederum riesengroß oder versteckt in gut platzierten, anderen Bildern. Viele dieser Zeichen sind inzwischen von den Jugendlichen abgeändert worden und waren nur noch schwer zu erkennen, doch die junge Frau würde lernen, alle lesen zu können.
Die dunkle Gasse, die sie umgab, strahlte Kälte und Unbehagen aus. Vermutlich etwas klischeehaft, doch wenn man das weiter dachte, konnte das auch ein geschickter Schachzug sein, dass sich hinter dieser Tür ein geheimer Ort des Bundes verbarg. Denn jeder, der auf der Suche nach so etwas gewesen wäre, würde sich vielleicht denken, dass die Wüstendiebe in ganz ‚normalen‘ Gassen hausten und nicht auch noch durch solche Finsternis aufwarteten. Ein doppelter Trugschluss, denn die Diebe hatten sich überall nieder gelassen. Nun blieb nur noch zu hoffen, dass Ririn die richtige Tür gefunden hatte und nicht etwa an einen ganz üblen Kerl geraten war, den sie in seiner Ruhe gestört hatte oder ähnliches.

Das Klopfen wurde mit Nichtbeachtung gestraft und Ririn musste unerträglich lange in der Gasse ausharren. Wenn sie sich nicht so sehr darauf eingelassen hätte, die richtige Tür gefunden zu haben, wäre sie sicherlich schon wieder gegangen, doch zu ihrem Glück, meinte sie, am richtigen Ort zu sein, denn wenige Zeit später, wurde die Tür geöffnet. Es waren ratsch-Geräusche zu hören, als ob jemand einen Riegel zur Seite schob. Dann wurde die Tür einen kleinen Spalt breit geöffnet und die ehemalige Prostituierte blickte nicht wie vielleicht erwartet in Yaris‘ Gesicht, sondern in das einer bildschönen Frau.
Wallendes, rotes Haar fiel ihr im lockeren Zopf über die schmale Schulter und hatte etwas Explosives in dieser dunklen Gasse. Mit einem reifen, wissenden Blick betrachtete sie Ririn und ließ die scheinbar violetten Augen über das Mädchen vor sich wandern. Gekleidet war die Rothaarige in eine weiße Rüschenbluse mit angenähtem, ebenfalls violetten, Korsett und darüber einen dunkelgrünen Mantel aus feinem Stoff. Um den Hals hatte sie locker aber keck ein blaues Band gebunden und mit einer Schleife verknotet. Die feinen Gesichtskonturen hatten schon fast etwas Verbotenes und ihre Ausstrahlung stellte jede Frau neben sich in den Schatten.

"Sie ist da.“ kam es im klaren, betörenden Ton. Sie trat elegant zur Seite und gewährte Ririn mit einer fließenden Bewegung ihres rechten Armes, Einlass. Drinnen verschwand die seltsame Präsenz aus der Gasse. Kerzen waren angezündet und spendeten ein warmes Licht. Die junge Frau schloss hinter Ririn die Tür und übernahm dann die Führung. "Komm‘ mit.“ gebot sie und führte Ririn durch den Raum, zur nächsten Tür. Im ersten Raum, den man nach der Gasse betrat, fielen sofort die ganzen Bücherregale auf, die sich links und rechts an den Wänden erstreckten. Gegenüber der Tür, rechte Hand, befanden sich ein roter, gemütlicher Sessel, ein kleiner Tisch, aus dunklem Holz, mit Kerze und ein kleiner Fußschemel davor. Sofort war klar, dass es sich hierbei um ein gemütliches Fleckchen zum Lesen handelte.
In den Regalen selber standen, Einband an Einband, zig verschiedene Bücher. Einige wiesen bereits deutliche Gebrauchsspuren auf, andere sahen beinahe unangetastet aus. Die Rothaarige, führte Ririn durch den nächsten Durchgang, in einen weiteren Raum. Auch hier standen die Wände voll von Bücherregalen und dennoch wirkte alles gepflegt und ordentlich. Bemerkenswert war der Geruch des Raumes: Man konnte das bearbeitete Pergament riechen, die verschiedenen Tintenformen und die Ledereinbände. Sie alle verströmten den Geruch der Bücher, den Geruch des Wissens und der Geschichten, aus denen sie gemacht waren. Abgesehen von den Büchern, befand sich hier jedoch auch ein größerer Schreibtisch, mit fielen Utensilien darauf, die Ririn bekannt sein dürften: Griffel und Pergament, Tintenfässchen und Feder, sogar einige Messing-Buchstaben lagen dort, die man in Tinte tauchen und danach dann auf Papier drucken konnte. An diesem Schreibtisch, der am äußeren Rand jede Menge Kerzen stehen hatte, saß auch Yaris. Sie hatte also tatsächlich die richtige Tür gefunden. Stolz durfte sich durchaus in der angehenden Diebin breit machen. Ihr Mentor blickte von seiner Arbeit auf und erhob sich. Adrett und mit einer Präsenz, die selbst den schillerndsten König in den Schatten gestellt hatte, stand er vor Ririn. Er nickte ihr zu und es war sogar so etwas wie ein leichtes Lächeln, um seine Mundwinkel zu erkennen. Die Rothaarige verließ indessen Ririn’s Seite und stellte sich neben Yaris; so dicht, dass man meinem würde, sie hätte Angst, dass er verschwinden könnte. Doch es fiel noch etwas anderes auf: Yaris und die Rothaarige wären ein ideales, aber auch einschüchterndes Paar. Beide waren bildschön und ebenmäßig glänzte die Haut der beiden. Ihre porzellanweiß, seine dunkel und sonnengefärbt. "Ich freue mich, dass du den Weg gefunden hast, Ririn. Es sagt viel mehr über dich aus, als ein Gespräch.“ Er klang ehrlich. Sie hingegen musterte Ririn wie ein Raubtier, das noch nichts gegessen hatte. "Das hier,“ Er ruckte kurz mit dem Kopf in die Richtung der fremden Frau "ist Astadia. Sie gehört ebenfalls zum Bund und ist schon seit vielen Jahren dabei. Sie beherrscht Rendinea ausnahmslos perfekt und wird dir beim Erlernen behilflich sein.“ Astadia lächelte ein bisschen zu glatt. Irgendetwas störte an dieser perfekten Frau! Vermutlich genau dieses Wort, mit welchem man sie einfach beschreiben musste: Perfekt.

"Durch meine Botschaft weißt du, dass wir uns hier in einer sogenannten geheimen Bibliothek befinden. Nun, das ist nicht ganz richtig, genau genommen bist du bei mir Zuhause!“ Das war eigenartig. Yaris wirkte eher wie derjenige, der sich spartanisch auf eine Pritsche legte und Stroh als Kopfkissen wählte. Doch hier war alles in warmes Licht getaucht und die Bücher wurden gar liebevoll zur Schau gestellt. Als ob Yaris ahnen würde, was sich eventuell bei Ririn im Kopf tat, lächelte er knapp und trat einen Schritt von Astadia weg. "Das wird die nächste Sache sein, die du lernen musst: Nichts ist so, wie es aussieht und jeder ist gewiss nicht das, was er vorgibt zu sein.“ Eine wertvolle Mitteilung, man sollte sie sich zu Herzen nehmen. Astadia lächelte zuckersüß. "Yaris gibt gerne an, mit seiner Sammlung an alten und auch neueren Büchern. Er liest und schreibt, kartographiert und analysiert, jedes geschriebene oder gemalte Wort. Er ist unser.. Bibliothekar. Sagen wir so.“ Ihre Stimme war melodisch und sanft.
Yaris schenkte Astadia einen undefinierbaren Blick, als er sich wieder an Ririn wandte. "Ich habe dich hier erwartet, weil ich möchte, dass du ein paar Bücher liest, die über die Diebe geschrieben wurden. Du wirst dadurch einiges hinzulernen und mehr über den Bund und seine Wirkung auf die Außenstehenden erfahren. Es ist wichtig auch hierin gut gerüstet zu sein. Ich habe dir einige Werke rausgesucht.“ er deutete auf einen Stapel von ungefähr fünf Büchern, auf seinem Arbeitstisch. "Es gibt natürlich deutlich mehr Bücher, aber diese hier sind ein guter Anfang. Eines ist dabei…“ er zog ein dünnes Büchlein unter den anderen hervor und zeigte es Ririn "das in Rendinea verfasst wurde. Jedenfalls soweit, wie der Verfasser meinte, dass es sich um die Sprache handelte. Dabei wird dir dann Astadia helfen. Du kannst es dir hier bequem machen, Wasser und etwas zu Essen, findest du hier durch die nächste Tür in der Küche. Ich selber habe noch etwas zu erledigen, aber Astadia wird hier sein, wenn du etwas brauchst.“ Mit diesen Worten nickte er Ririn zu und machte sich auf den Weg zur Tür. Astadia folgte ihm und griff nach seiner Hand, was Ririn sicher nicht verborgen war. Vom ersten Raum war dann leises Gemurmel zu verstehen und wenn Ririn neugierig genug war, würde sie sehen, dass Astadia auf Yaris einredete. Sie lächelte honigsüß und trat dann soweit an ihn heran, dass sie ihn küssen konnte. Er jedoch verwandelte ihre Geste in einen scheinbar freundschaftlichen Kuss auf die Wange, zum Abschied, drückte ihr befremdet die Hände und verschwand dann aus seinem eigenen Haus und ließ die Damen alleine zurück.
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Re: Die geheime Bibliothek des Yaris'

Beitrag von Ririn » Freitag 24. Februar 2012, 13:36

Stumm verharrte Ririn in der Gasse und war sich ein paar schreckliche Augenblicke sicher an der falschen Tür gelandet zu sein. Der Bund würde sich doch sicher nicht an so einem Ort versteckt halten?! Aber bei wem hatte sie dann gerade angeklopft? Ihre Muskeln spannten sich und wie ein schießbereiter Bogen war sie bereit zur Flucht, fals die falsche Person die Tür öffnen sollte. Doch als die Tür letzendlich geöffnet wurde, war Ririn so von dieser Erscheinung überrascht, dass sie stehen blieb. Diese Frau... wie sollte man sie beschreiben? Jede Frau erblasste sicher vor Neid in ihrer Nähe, Ririn konnte in diesem Moment jedoch nur denken: Sind das wirklich violette Augen? Sie betrat hinter der Fremden den Raum und sogleich schlug ihr ein Geruch entgegen, der ihr wohl bekannt war, doch sie wusste nicht sofort woher er stammte. Dann durchzuckte sie eine Erinnerung und sie wusste wieder was das für ein herrlicher Duft war.
Sie saß auf dem Boden in der Schlafkammer ihrer Ziehmutter, ein Buch aufgeschlagen auf dem Schoß und fuhr mit kleinen Fingern die Zeilen entlang, übte mühselig die Zeichen zu entziffern um ihnen ihre Geheimnisse zu entreißen. Ihre Ziehmutter hatte sie das Lesen gelehrt und von ihr hatte sie auch das einzige Buch bekommen, dass sie je gelesen hatte; ein Märchenbuch mit alten Sagen und Geschichten, stark zerfleddert und seit Generationen im Familienbesitz.
Bücher!
Mit schneller pochendem Herzen betrachtete Ririn den ganzen Raum. Buch um Buch, Regal um Regal, Unmengen von Wissen türmten sich vor ihr auf, säuberlich eingeräumt und wahrscheinlich sortiert. Alles hier lud zum Lesen ein, zwang einen gerade zu gegen den Drang anzukämpfen ein Buch herauszuziehen es aufzuschlagen und in der Welt die es einem bot zu verschwinden. Was man hier wohl alles erfahren konnte? Auf jeden Fall wurde Ririn nun klar, was das Zeichen zu beudeuten hatte. Mit "Regalen oder Büchern" hatte sie gar nicht so falsch gelegen. Dies war eine Bibliothek! Jedenfals hatte es den Anschein. Oh, bisher hatte sie es nicht gewusst, aber dies war der Ort an dem sie sein wollte. Sie wollte jedes Buch einzeln lesen, wollte sich all dieses Wissen aneignen. Bezaubert ließ sie ihren Blick über die Regale, die Stifte, das Pergament gleiten... und blieb an Yaris hängen. Sie war richtig. Ein Gesteinsbrocken fiel ihr vom Herzen. Doch es machte sich kein Stolz in ihr breit, eher war sie der Meinung die Aufgabe noch schneller hätte lösen müssen. Yaris saß an dem gut geordneten Schreibtisch und schien, umgeben von vielen interessanten Gegenständen, zu arbeiten. Woran konnte Ririn nicht erkennen. Er blickte von seiner Arbeit auf, und ein Hauch Überraschung zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Er hatte wohl nicht erwartet, dass sie es schaffen würde hierher zu finden. Ihr Blick huschte ein weiteres Mal zu den Regalen um sie herum und es juckte sie noch immer in den Fingern eines der Bücher herauszuziehen und es zu betrachten. Inzwischen hatte Yaris sich erhoben und stand nun vor ihr. Die junge Frau blickte zu ihm hinauf,denn er war ein ganzes Stück größer als sie, und fragte sich wie man in so wenigen Tagen so vielen eindrucksvollen Gestalten begegnen konnte. Bin Ramdan, die hübsche Frau mit den violetten Augen und Yaris, sie alle ließen sie sich, auf unterschiedliche Art und Weise, klein und unbedeutend fühlen. Wie auf Kommando nahm die Fremde ihren Platz an Yaris´ Seite ein, jedenfals schien sie dort wie angegossen hinzupassen, denn die beiden gaben ein erschreckendes Päarchen ab. "Ich freue mich, dass du den Weg gefunden hast, Ririn. Es sagt viel mehr über dich aus, als ein Gespräch.“ Die zierliche Frau wurde langsam ruhiger, denn anscheinend war es wohl nicht ganz so selbstverständlich diese Aufgabe zu lösen, wie sie gedacht hatte. Yaris sah sie beinahe freundlich an, sie schien sogar ein Lächeln zu erkennen. Ririns Blick huschte zu der fremden Rothaarigen hinüber und sie zuckte leicht unter ihrem Blick zusammen. Oh nein, den Blick kenne ich. Das bedeutet Ärger. Nicht umsonst hatte sie ein Jahr... unter Frauen gearbeitet. Die Braungelockte biss sich auf die Lippen, sie hasste solche Kriegsspielchen untereinander. "Das hier ist Astadia. Sie gehört ebenfalls zum Bund und ist schon seit vielen Jahren dabei. Sie beherrscht Rendinea ausnahmslos perfekt und wird dir beim Erlernen behilflich sein.“ Ririn fluchte lautlos vor sich hin. Womit hatte sie verdient, dieser Frau hilflos ausgeliefert zu sein? Astadie, so hieß sie also, lächelte sie zuckersüß an. Das bedeutete gar nichts Gutes. Ohhh nein. Ririn straffte sie Schulter, hob den Kopf und lächelte einfach ... freundlich zu Astadia hinüber. Sie wollte sich nicht auf solche Dinge einlassen, sie wollte einfach mit der neuen Situation klarkommen und nicht sterben. Wieso hatte diese Frau es jetzt schon auf sie abgesehen? Sie war doch keinerlei Bedrohung oder war ihr anderweitig im Weg. Ririn war ratlos. Yaris sprach weiter und die junge Samaerin richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihn, während sie Astadias Blick weiterhin auf sich spürte. "Durch meine Botschaft weißt du, dass wir uns hier in einer sogenannten geheimen Bibliothek befinden. Nun, das ist nicht ganz richtig, genau genommen bist du bei mir Zuhause!“ Ririn blickte den jungen Mann kurz erstaunt an, dann lächelte sie. Das hätte sie nicht von ihm gedacht. Aber sie kannte ihn ja noch nicht so lange und er schien allgemein sehr schwer zu durchschauen. Ihr Blick wanderte wieder einmal sehnsuchtsvoll über die Bücher. Ob Yaris sie alle gelesen hatte? Vielleicht würde sie ihn irgendwann danach fragen. "Das wird die nächste Sache sein, die du lernen musst: Nichts ist so, wie es aussieht und jeder ist gewiss nicht das, was er vorgibt zu sein.“ Ihr Blick verfinsterte sich. Das hatte sie bereits gelernt. Ihre Gedanken huschten kurz in die falsche Richtung, nämlich zu ihren "Freunden". Außerdem stand ein perfektes Beispiel für diese Regel vor ihr. Astadia schien das selbe zu denken, denn sie blickte Ririn wieder einmal viel zu freundlich an und sprach dann auch mit ihrer mekrwürdig sanft klingenden Stimme, die ihr perfektes Schaubild abrundete. "Yaris gibt gerne an, mit seiner Sammlung an alten und auch neueren Büchern. Er liest und schreibt, kartographiert und analysiert, jedes geschriebene oder gemalte Wort. Er ist unser.. Bibliothekar. Sagen wir so.“ Ririn strich ihre Kleidung glatt und blickte sich erneut im Raum um. "Bei einer solchen Bibliothek darf man das auch." Diesen Satz hatte sich Ririn einfach nicht verkneifen können und ihre liebliche Stimme verriet, dass sie Yaris dafür auch bewunderte. Sie blickte ihn kurz an. So hatte sie sich einen Bibliothekar eigentlich nicht vorgestellt, zu ihm passte eher eine Rolle als Krieger. Er warf Astadia im Moment Blick zu, den Ririn nicht genau entschlüsseln konnte. Irgendwie schien ihr, als gefiele ihm etwas an Astadias Aussage nicht. Oder an Astadia? "Ich habe dich hier erwartet, weil ich möchte, dass du ein paar Bücher liest," Ein seliges Lächeln umspielte ihre Lippen, egal was sie lesen sollte, es freute sie ungemein, dass sie überhaupt lesen durfte! Hätte sie diesen Ort verlassen müssen, ohne ein einziges Buch aufgeschlagen zu haben, sie wäre wohl verrückt geworden. "die über die Diebe geschrieben wurden. Du wirst dadurch einiges hinzulernen und mehr über den Bund und seine Wirkung auf die Außenstehenden erfahren. Es ist wichtig auch hierin gut gerüstet zu sein. Ich habe dir einige Werke rausgesucht. Es gibt natürlich deutlich mehr Bücher, aber diese hier sind ein guter Anfang. Eines ist dabei… das in Rendinea verfasst wurde. Jedenfalls soweit, wie der Verfasser meinte, dass es sich um die Sprache handelte. Dabei wird dir dann Astadia helfen. Du kannst es dir hier bequem machen, Wasser und etwas zu Essen, findest du hier durch die nächste Tür in der Küche. Ich selber habe noch etwas zu erledigen, aber Astadia wird hier sein, wenn du etwas brauchst.“ Das schlanke Mädchen nahm das kleine Büchlein entgegen und betrachtete es. Wieder erinnerte sie sich daran, wie sie lesen gelernt hatte. Sicherlich würde es ebenso schwer werden dieses Buch zu lesen, wie damals das Märchenbuch. Sie nickte Yaris -beinahe dankbar- zu und sah ihm hinterher wie er zur Tür verschwand. Beklemmung machte sie in Ririn breit. Astadia und ihr helfen? Also wenn Ririn sich nicht stark in dieser Frau irrte, dann würde das eine schreckliche Angelegenheit. Die Rothaarige folgte Yaris nach draußen, Ririn hörte wie sie auf Yaris einredete. Die junge Samaerin wollte indes den kleinen Moment vor dem Sturm, der sicherlich herein brechen würde wenn sie mit Astadia allein wäre, genießen und schlug eines der Bücher auf. Im Stehen blätterte die zierliche Frau in dem Buch, vorsichtig und ehrfurchtsvoll. Flink glitten ihre Augen über die Reihen von Buchstaben. Sie hob einmal kurz den Blick und ließ ihn über die zahlreichen Regale gleiten. Ob es hier auch Bücher auf Celcianisch gab? Ririn war neugierig, ob sie diese auch lesen könnte. "Du machst dich ja bereits an die Arbeit, fleißiges Mädchen.", kam Astadias zuckersüße Stimme vom Türbereich. Doch da Yaris nun abwesend war, glitzerten ihre violetten Augen gefährlich im sanften Kerzenschein. Ririn erwiderte mit einem freundlichen Lächeln ihren Blick. "Kann ich mich hier irgendwo setzen?" Noch war sie nicht bereit, sich auf einen Kampf einzulassen. Astadia hob eine ihrer perfekt gezupften Brauen. "Dort drüben steht ein Sessel, der sehr bequem ist." Ihre Stimme war eine Spur kälter geworden. Ririn kam das Bild einer wilden Raubkatze in den Sinn, die ihre Beute lauernd umkreist. Das Mädchen schluckte. "Danke schön.", sagte sie nicht minder freundlicher als vorher. Sie setzte sich zögernd in den gepolsterten Stuhl, auf den Astadia gewiesen hatte. Es war wirklich der perfekte Ort zum lesen. Ein brütendes Schweigen breitete sich aus. "Nun gut.", sagte die Rothaarige schließlich. "Wenn du also meine Hilfe brauchst, sag ruhig bescheid." Ihre Stimme war wieder so zuckersüß wie zuvor. Danach verließ sie den Raum durch eine weitere Tür und ließ Ririn endlich allein. Mit einem erleichterten Seufzen entspannte sich diese und schlug das Buch in ihren Händen erneut auf. Mit einer wahren Begeisterung und einem Lächeln auf den Lippen laß sie Seite um Seite, Kapitel um Kapitel und lernte dabei die Geschichten, die Yaris ihr aufgegeben hatte. Dabei schmolzen die Kerzen dahin und ihr Bücherstapel wurde kleiner. Sie verspürte keinerlei Müdigkeit, was sie stark wunderte. Sie genoß die Ruhe in diesem Raum, kein Geräusch drang von draußen herein und schließlich ... blieb nur noch das dünnste der Bücher übrig.

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Re: Die geheime Bibliothek des Yaris'

Beitrag von Gestalt » Montag 19. März 2012, 19:20

Astadia hatte sich verabschiedet und war in einem der hinteren Räume verschwunden. Offenbar wollte auch sie vorerst keinen Streit vom Zaun brechen. Ob es wirklich Feindseligkeit gegenüber Ririn war, konnte man nur schwer sagen, denn es war ebenso möglich, dass die Rothaarige lediglich vorsichtig und wachsam war. Immerhin war sie, nach Aussage von Yaris, lange bei den Dieben und man konnte davon ausgehen, dass sich Astadia durch die vielen Jahre verändert hatte. Sie war vielleicht härter geworden, verschwiegen, misstrauisch – alles war möglich.
Während Ririn die Bücher laß, kam Astadia nur hin und wieder zu ihr, um ihr Wasser oder ein Brot zu bringen. Sie sprach Ririn nicht an und machte auch sonst keine auffälligen Geräusche oder Gesten. Nach einer langen Weile, betrat Astadia erneut den Leseraum und hatte einige neue Kerzen im Schlepptau, um sie gegen die abgebrannten Stumpfe auszutauschen. Sie tat das alles mit einer Selbstverständlichkeit und gleichzeitiger Anmut, dass man vermuten mochte, sie wäre hier zu Hause. –Vielleicht war sie das ja auch.

Ririn hingegen wurde in eine Welt aus Lug und Trug, Illusion und Faszination gezogen. Die Bücher handelten von schillernden Figuren, herzzerreißenden Liebesschwüren und der bunten Welt der Diebe. Sie lockten den Leser in die Fänge des Unsichtbaren, des Verwirrenden und Unaussprechlichen. Es gab Abenteuer und blutige Kämpfe, Ehre und Neid, Habgier und Sucht. Alles war in diesen Geschichten verborgen und zeigten Ririn eine Welt, die sie vermutlich so nicht erwartet hatte.
Das erste Buch handelte von einem Abenteurer, der nach etlichen Wagnissen und Betrügereien, schließlich in den Fängen der Diebe wiederfand und so nach und nach sein zweifelhaftes Glück fand. Dabei war seine Geschichte so banal und doch so schillernd und gleichzeitig plausibel erzählt, als hätte der Verfasser das selbst alles erlebt. Yaris hatte ihr gesagt, dass nicht alles echt wäre und das einige vieles lediglich hinzudichteten, doch in all diesen Büchern, gab es eine Wahrheit: Den Bund der Wüstendiebe, den alle Bücher gleich beschrieben.

Er war die Vorhut eines neuen Lebens, das man nicht erwählen konnte, sondern von dem man erwählt wurde. Die Wüstendiebe traten an die einzelnen Protagonisten immer heran und nie fand man, dass sich einer der Suchenden in den Büchern, selber dazu entschloss einer von ihnen zu werden. Sie alle wurden durch Umstände dazu gebracht und nicht jeder frohlockte bei dem Gedanken. Doch gleichzeitig spiegelten diese Bücher eine gewisse Sympathie für den Bund wieder, die es dem Leser schwer machte, nicht hineingezogen zu werden.
In einem anderen Buch, ging es um eine junge Diebin, die sich mit Tricks und unter mysteriösen Umständen, sehr viel schneller einen festen Stand innerhalb der Gilde sicherte, als so manch einer vor ihr. Sie war der Inbegriff von Schönheit und hatte die Angewohnheit das Schönste und Teuerste zu tragen und somit zur Schau zu stellen.
In dem Buch wurde beschrieben, wie der Autor sie sah und wie er glaubte, dass diese Frau ihren Rang ergattert hatte. Nach ihm, hatte die Blondine mit geschicktem Spiel, Lug und Trug sowie vielem Geld und Bestechungen ihren Rang ergattert, was sie zu einer der durchtriebensten Personen machte, die in diesen Büchern beschrieben wurde. Die Faszination, die der Autor beschrieb, hatte etwas Lebhaftes; etwas Echtes, was darauf schließen ließ, dass er wusste, worüber er schrieb. Entweder war dieser Schriftsteller ein grandioser Erzähler, oder aber diese Geschichte besaß Wahrheit, was wiederum vermuten ließ, dass die rücksichtslose Blondine existierte. Ihren Namen nannte der Autor nicht, was noch mal mehr darauf hindeutete, dass diese Frau real war.

Nachdem Ririn also die Bücher verschlungen hatte und allerlei Neues und Altes, Erstaunliches sowie Unaussprechliches, über den Bund der Wüstendiebe, in Erfahrung bringen konnte, war es an ihr zu entscheiden, was sie davon glaubte und was sie als Humbug abtat. Doch ganz gleich, was davon nun Hand und Fuß hatte, sie alle beschrieben den Bund als eine Familie, die – wenn man zu ihr gehörte – sich um einen kümmerte und solange man seine Sache vernünftig durchzog, sogar für einen ein stand. Doch alle Geschichten hielten sich sehr vage mit irgendwelchen Beschreibungen und der sagenumwobene Zunftgarten von Grandessa, wurde lediglich nur erwähnt, nicht aber beschrieben wie er aussieht.
Das letzte Buch, würde Ririn nicht ohne die Hilfe von Astadia lesen können, die – als hätte sie es geahnt – im richtigen Augenblick auftauchte, um ihr zu helfen. Dieses Mal hatte die bildhübsche Frau einen Krug mit süßlichem Wein in der Hand und schenkte beim Näherkommen, zwei Gläser davon ein.

“Und? Hast du die ollen Kamellen, fertig?“ Sie lächelte etwas und reichte Ririn das eine Glas Wein. Dann stellte sie Krug und Glas auf den kleinen Tisch ab, zog sich einen Stuhl heran und griff nach dem kleinen Buch. Sie schlug es auf, ohne noch weiter auf ihre Frage einzugehen. Ihre feingliedrigen Finger strichen über die Buchseite und die seltsamen Schriftzeichen darauf. Ririn konnte feststellen, dass die Zeichen immer mal wieder einen seltsamen Abstand zueinander hatten, so als ob zwischen ihnen etwas fehlen würde. Dieser Umstand trug dazu bei, dass es aussah, als hätte man ein Kind diese Seiten füllen lassen, das wahllos Dinge aufmalte. “Hier geht es nicht so sehr um den Sinn in diesem Buch, denn es enthält nichts Nützliches, das man wissen müsste, doch hat der Verfasser eine seltsame Art und Weise gefunden, Rendinea auf Papier zu bringen. Er hat nicht alles richtig gemacht, dennoch muss ich meinen imaginären Hut vor ihm ziehen.“ Sprach Astadia weiter und blätterte einmal nichtssagend die Seiten durch. Dann kehrte sie wieder zum Anfang zurück und reichte Ririn das Büchlein. “Diese Abstände zwischen den einzelnen Zeichen sind Lücken und die Sätze somit unvollständig. Hier gibt es keine Zeichen dafür, sondern eher eine Bewegung oder einen Laut. Dinge, die man eben nicht zu Papier bringen kann. Wie du sicher schon weißt, ist Rendinea keine Sprache im herkömmlichen Sinne, sondern eine Abfolge von Zeichen, Lauten und Bewegungen. Sie zu erlernen ist nicht weiter schwierig, man muss jedoch seine Auffassungsgabe und sein Auge schulen.“
Sie deutete auf die erste Zeile im Buch: “Siehst du hier? Diese beiden Schriftzeichen sind identisch und sagen dir, dass es sich, um die gleiche Sache handelt.“ Sieh lehnte sich zurück. “Im Prinzip kannst du davon ausgehen, dass gleiche Zeichen auch dasselbe bedeuten, jedoch nur unterschiedliche Laute oder Bewegungen, einen anderen Sinn bekommen. Das ist die eigentliche Kunst dabei- nicht das Offensichtliche annehmen. Siehst du hier?“ sie deutete auf ein anderes Zeichen. “Das ist das Wort für Mord. Nun ist es aber so, dass das Grundwort >Mord<, durch verschiedene Laute und Bewegungen verändert werden kann in etwa Mörder oder ermordet. Wichtig sind die Kleinigkeiten, nicht die Zeichen selbst. Sie sind nur die Grundlagen, aber die Sprache später ist um einiges komplexer.“

Astadia machte eine kleine Pause und betrachtete das hübsche Gesicht von Ririn. Ihre violetten Augen funkelten und ließen keinen Zweifel daran, dass diese Frau blitzschnell und eiskalt töten konnte. Sie wirkte wie eine Sirene aus den Geschichten der Seeleute am Hafen, die Ririn sicher dutzende Male gehört hatte und es war sicher, dass sie das ausnutzte. Vielleicht konnte Ririn auch noch anderes von ihr lernen, außer der Sprache der Diebe.
“Die einzige Möglichkeit, Rendinea zu erlernen besteht darin, sie zu sprechen. Schau dir an, was andere machen, wenn sie sich darin unterhalten und beobachte genau. Jede Kleinigkeit kann wichtig sein. Rendinea zu erklären oder gar innerhalb eines Abends beizubringen, ist unmöglich und um ehrlich zu sein, habe ich auch wichtigeres zu tun. Also – studiere das Buch, versuche gleiche Zeichen zu finden und lerne ihre Bedeutungen. Weiter hinten im Buch, habe ich die Worte in Sendli dazu geschrieben, damit du weißt, was es bedeutet. Alles andere kommt von selbst, wenn du erst lange genug dabei bist.“ Sie erhob sich schwungvoll. “Und jetzt entschuldige mich, ich habe noch dringendere Dinge zu tun. Yaris sollte jeden“- während sie das sagte, öffnete sich die Tür der Wohnung und Yaris kam kurze Zeit später in den Raum. Sie lächelte Ririn nur mit scharfer Miene an und verabschiedete sich mit einem Nicken von Yaris. Nachdem die beiden alleine waren, konnte Ririn feststellen, dass Yaris Handschuhe trug und diese über und über mit einer dickflüssigen Schicht überzogen waren. Er zog die Handschuhe aus, trat in die Küche und schien sie wegzuschmeißen, sowie sich die Hände gründlich zu waschen. “Und? Hast du die Bücher gelesen?“ fragte Yaris aus der Küche heraus und kam dann, nachdem er sich gesäubert hatte, zurück zu Ririn. Er setzte sich ihr gegenüber, wo vorher Astadia gesessen hatte und griff nach ihrem Glas Wein. Kurz roch er daran, schwenkte den Alkohol und stellte ihn wieder weg, als ob er nie vorgehabt hatte, ihn zu trinken.

Dann trafen die dunklen Augen, Ririn’s und er musterte die junge Frau ernst. “Wie steht’s eigentlich mit deinen Kampfkünsten, Ririn?“ fragte er nach einer kleinen Schweigepause. Er erhob sich wieder von seinem Platz und gebot Ririn durch eine Bewegung, ihr zu folgen. Er verschwand im angrenzenden Raum und öffnete eine Bodenluke. Danach griff er nach einer Kerze, setzte sich auf den Rand des Bodens und ließ seine Beine baumeln, ehe er sich fallen ließ. Er verschwand in einer Art Kellergang und hatte die Fackeln darin schon entzündet, wenn Ririn ihm gefolgt war. Nach nur wenigen Schritten unterhalb seines Hauses entlang, öffnete der Samaer eine weitere Tür und Ririn fand sich in einem Trainingslager wieder. Überall standen Waffen und künstliche Gegner, die mehr oder minder gebeutelt aussahen und nachdem Yaris auch hier die Fackeln am Eingang entzündet hatte, konnte Ririn einen dreimal so großen Raum erkennen, wie ihre Wohnung. Hier trainierte Yaris also seinen Körper, wenn er fertig war, oben seinen Kopf zu schulen. Was würde Ririn hier erwarten? Hatte sie überhaupt den Hauch einer Chance im Zweikampf? Im Kampf überhaupt? Es musste viel sein, was auf die junge Frau niederregnete…
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Re: Die geheime Bibliothek des Yaris'

Beitrag von Ririn » Dienstag 20. März 2012, 05:19

Brot und Wasser nahm sie dankend an, dem Frieden jedoch nicht gänzlich trauend, und nickte Astadia freundlich aber vorsichtig zu. Sie nahm einen Schluck und versenkte sich wieder kopfüber in den Welten die die Bücher ihr boten.
So stand er da, unser junger Abenteuer, in staubiger Kluft, mit leeren Taschen und einer Brust voller Verzweiflung und war sich seiner Situation nicht komplett im Klaren. Der Mann vor ihm, von edler Gestalt und mit feinen Gesichtszügen, schien ihn mit seinem scharfem Blick zu durchbohren. Er schien bis auf den Grund seiner selbst zu sehen. Nun also wurde er gefragt, was er von dem Angebot hielt, das ihm der Mann dargelegt hatte. Die Erlassung all seiner Schulden und den damit verbundenen Strafen gegen seinen Eintritt in den Wüstenbund. Wie sollte er da verneinen? Einem Mann, der eine hohe Stellung im Bund einnahm, konnte man keine Abgsage erteilen. Und so besiegelte er sein Schicksal und begab sich ins Ungewisse, aber gleichzeitig auch in die schützende Hand des Bundes.
Wie bekannt ihr diese Situation doch vorkam! Ein dunkler Schatten verdunkelte kurz das Gesicht der jungen Sarmaerin. ... Ein Stich ging ihr durchs Herz, vor ein paar Tagen hatte sie dieser Schmerz noch überall hin verfolgt, während sie sich wand und versuchte ihm zu entkommen. Er tat körperlich weh, wirklich weh. Wie es Koh wohl gerade ging? Insgeheim sehnte sich die hübsche Frau nach der Unterstützung ihres Freundes, nach der Gewissheit, dass jemand hinter ihr stehen würde egal was auf sie zukam. Sie fühlte sich noch immer schrecklich ausgeliefert. Ihr fehlte die Sicherheit der Freundschaft die sie durch all ihre schweren Zeiten hindurch begleitet hatte und ihr Schutz gab. Doch diese Gedanken schob sie mit einem Kopfschütteln wieder zurück in ihren braunbelockten Hinterkopf. Wieso?
Stundenlang glitten ihre Augen flink über die Zeilen, blätterten ihre Finger Seite um Seite um und wurde Ririns Gesichtsaudruck heller. Sie fieberte bei den Abenteuern der jungen Diebin mit, die sich den Weg der Gilde empor kämpfte bis sie einen sicheren Rang besaß und ihr immer wichtigere Aufträge erteilt wurden. Ob es sie gab? Ob sie noch lebte und wenn ja, wo steckte sie in diesem Augenblick? Sie bewunderte diese Frau für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen, doch war sie nicht gewillt diesen Weg zu beschreiten. Nein, sie wollte diese unsichere Zeit überstehen und ihrem Leben wieder geregelte Bahnen geben. Mehr nicht, war das zu viel verlangt? Das würde die Zeit zeigen.
Diese Zeit unbeschadet zu überstehen, dabei würde ihr hoffentlich diese Lektüre helfen. Überrascht stellte sie fest, dass sie die letzte Seite des 4. Buches erreicht hatte. Einige Stunden mussten bereits vergangen sein! Der Abend, gar die Nacht, war sicher schon hereingebrochen. Leicht verwirrt, legte das Mädchen das Buch auf den Stapel derer die sie bereits gelesen hatte. Doch noch schien niemand sie zum gehen bewegen zu wollen. Ririns Blick schweifte kurz umher, sie verzehrte das Brot und trank das Wasser, dann blieb ihr Blick am letzten Buch hängen. Leise stöhnte sie auf und griff zögernd danach. Das in Rhendinea verfasste Exemplar... Sie streckte ihre ersteiften Glieder um den Augenblick in dem die köstlich ruhig-warme Atmosphäre durchbrochen werden würde hinauszuzögern. Sollte sie nun Astadia fragen gehen? Da kam die Schönheit auch schon anmutig durch die Tür geflogen. Die letzten Stunden hatte sich die Rothaarige völlig unauffällig verhalten, sehr aufmerksam und einfach höflich. Nun brachte sie einen Krug Wein, lächelte, reichte ihr ein Glas -ein richtiges Glas! - das Ririn vorsichtig entgegen nahm. Sie würde sich auf ewig schämen, wenn sie diese Kostbarkeit zerstören sollte. Die grünen Augen starrten fasziniert auf das durchsichtige Material, es war fein gearbeitet und spiegelte den Lichtschein der Kerzen wieder. So stelle ich mir Kristall vor. dachte Ririn kurz schmunzelnd, stellte das Glas jedoch wieder fort und wandte sich dann mit einer gewissen Neugier Astadia zu. Das Mädchen war schon immer rege an allem Neuem interessiert gewesen, was sie lernen konnte. Unersättlich, wie ein leeres Gefäß, dass gefüllt werden wollte. Sie stützte die Ellenbogen auf die Knie und legte darauf ihren Kopf ab, während sie die Seiten betrachtete und dem Gesagten lauschte, eine Welle von braunen Locken fiel ihr ins Gesicht und dieses Hindernis musste zuerst fortgeschaft werden.
Astadia erklärte ihr im Moment mit angenehmer Stimme die Grundlage der rendinäischen Sprache. In der Theorie ganz simpel, doch erst die Praxis würde zeigen ob sie es schnell erlernen würde. Sie erwiderte ohne sichtliche Regung Astadias Blick. Sie war sich bewusst, dass Mord und List ab sofort ihre ständigen Begleiter sein würden, ob bloß als Mitwisser oder als Täter war ihr jedoch noch ungewiss. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, doch sie konzentrierte sich unbarmherzig auf Astadias Augen. Diese violette Farbe war Ririn noch immer ein unerklärliches Rätsel, das sie nur zu gern gelöst hätte. Sie wusste aber zu wenig über den menschlichen Körper und Biologie um zu ergründen ob die Farbe natürlich sein konnte.
Die braungebrannte Sarmaerin nahm das Buch entgegen, blätterte darin, während sie Astadias restlichen Worten lauschte. "Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast.", Ririns freundlich-fröhliche Stimme erklang, als Astadia sich erhob. Ihr Hals kratzte ungewohnt, vom wenigen Sprechen in den vergangenen Tagen und Wochen. Sie hatte gelauscht und gelernt, nicht gesprochen. Dann wollte sie sich bereits an die Arbeit machen, dem Buch sein Geheimnis zu entreißen, als man hörte wie Yaris die Wohnung betrat. Dann betrat er auch schon den Raum und seine Anwesenheit veränderte die ganze Balance des Raumes, es schien als würde dieser Ort ihn zu Hause willkommen heißen. Ririn war nur ein Gast, den man kurzweilig freundlich aber nur auf bestimmte Zeit aufnahm. Hier war ihr nicht als würde sie die geregelten Bahnen stören, wie es bei Bin Ramdan der Fall gewesen war. Und das Gefühl nicht zu stören, hatte eine beruhigende Wirkung auf das Mädchen.
Inzwischen verließ Astadia die Wohnung und Ririn blickte zu Yaris hinüber, der sie noch nicht beachtete. Sie passte nicht in den Ablauf der immer statt fand... Ririns Augen weiteten sich kurz, als ihr Blick auf die blutbesudelten Handschuhe fiel, und sie biss sich auf die Lippe. Eine leichte Gänsehaut überzog ihre Arme. Was Yaris wohl in den letzten Stunden getan hatte, als sie die Ruhe dieser Bibliothek genossen hatte? Was würde da nur auf sie zukommen? Er verschwand in der Küche und Ririn nutzte die Zeit um sich zu beruhigen und das Grauen aus ihren Gedanken zu verbannen. Überrascht zuckte sie zusammen als Yaris Frage aus der Küche ertönte. "Ich... ja, bis auf das in Rendinea verfasste Buch." War sie zu langsam gewesen? Sie war nicht sehr geübt im Lesen... Doch Yaris erwiderte nichts, sondern setzte sich mit seiner üblichen Galanz auf Astadias Platz und griff wie selbstverständlich nach dem Glas Wein, dass ihr gereicht worden war. Sie hatte noch nicht daraus getrunken, also erwiderte sie nichts. Yaris hatte sie noch immer nicht angesehen, er roch am Wein und stellte den Wein wieder an seinen Platz, ohne einen Schluck genommen zu haben. Ririn war ein wenig verwirrt, war vielleicht etwas damit nicht in Ordnung? Ihr Blick huschte kurz zu Yaris´, Manthala seis gedankt, gereinigten Händen. Nichts war daran zu sehen und trotzdem fragte sich die junge Frau wer wohl schon von dieser Hand gestorben war. Und dabei war Yaris kaum ein paar Jahre älter als sie... Sie blickte wieder auf und traf den Blick von Yaris´ dunklen Augen, die immer eine Spur traurig wirkten. Er musterte sie ernst, schwieg und sie erwiderte offen seinen Blick. Im Stillen fragte sie sich, was als nächstes geschehen würde, als der Mann vor ihr ihr diese Frage bereits abnahm. “Wie steht’s eigentlich mit deinen Kampfkünsten, Ririn?“ Er schien keine Antwort auf seine Frage zu wollen, denn er erhob sich und begab sich in den anliegenden Raum. Die junge Frau folgte ihm nach einem kurzen Augenblick mit klopfendem Herzen. Sie war nicht gut im Kampf, ganz und gar nicht, sie verstand sich mehr auf flinkes Ausweichen und Verbiegen um dem Angreifer zu entkommen. Ihre Statur war zierlich und dratig, sie war schlank und nicht sehr kräftig. Natürlich hatte sie ihr Messer, das noch immer im verborgenen lag, doch wirklich kämpfen? Das konnte sie nicht! Sie folgte Yaris mit zögernden Schritten durch die Falltür und den Gang der sie zu seiner Trainingshalle führte. Das Herz sank Ririn, als sie die Unmengen an Waffen entdeckte die man hier fand. Yaris beherrschte sie alle? Wie sollte sie da mit ihrem Messer mithalten? Ihr Atem ging schneller.
Yaris beobachte ihre Reaktion, erwiderte aber nichts darauf. Sein Verhalten war so kontrolliert, distanziert und höflich wie immer. Er stand inmitten einer freien Fläche am Rande der Halle und wartete auf sie. Der Boden war aus einfachem plattgetretenem Sand, das federte sicher Stürze und anderes. Schweigend wartete Ririn darauf, dass Yaris beginnen würde zu sprechen. Seinen Mantel hatte er bereits oben abgelegt und stand eine Weile still vor ihr und musterte sie prüfend und ... lauernd. Da die Nerven des Mädchens schon zum Zerreißen gespannt waren, sah sie in der letzten Sekunde noch seinen Angriff und konnte mit einem Hechtsprung zur Seite ausweichen. Wie aus Gewohnheit hatte sie blitzschnell ihr Messer gezogen und war herum gewirbelt, den Blick erschrocken auf Yaris gerichtet. Dieser war noch immer unbewaffnet und stand erneut lauernd vor ihr, auf seinem Gesicht lag ein leichtes Lächeln. Ririns Herz zappelte in ihrer Brust wie ein gefangener Vogel und die Müdigkeit verschwand aus ihren Gliedern. In einem unachtsamen Moment, sie hatte den Impuls nicht unterdrücken können verschreckt nach hinten zu blicken, erfolgte Yaris nächster Angriff. Ehe Ririn´s sich versah, war er vor ihr und griff nach ihrem Arm. Sie kannte diesen Griff, war viel zu oft so gepackt worden, und wand sich mit einer geübten Bewegung aus seiner eisernen Faust, sprang erneut zurück. Yaris war die Ruhe weg, berechnend und kühl. An einen Angriff ihrerseits war gar nicht zu denken, denn außerdem rieht ihre Natur ihr zur Flucht. Yaris war ihr hinterher und für eine kurze Weile sah es nach einem bizarren Tanz aus, Ririn flog schon fast davon, während er sie zu fassen versuchte. Er war zwar schneller, als alle denen das Mädchen in Feindschaft begegnet war, doch ihre Beine hatten weniger Gewicht zu tragen und so war sie immer eine Spur flinker als er. Dann stolperte Ririn, erschrocken stellte sie fest wie nah sie der Wand schon war und wurde gepackt, ihr Messer aus ihrem Griff entwendet und in der nächsten Sekunde war sie geschlagen. Der "Kampf" hatte höchstens 3 Minuten gedauert. Yaris drückte sie fest gegen die Wand, eine Hand an ihrer Kehle und ihr eigenes Messer auf sie gerichtet. Sie war völlig wehrlos. Die junge Frau keuchte und in ihren Augen flackerte kurz Angst auf, die sie nicht sofort unterdrücken konnte. "Wie ein junges Kaninchen, dass man mit bloßer Hand fangen will! ...", murmelte Yaris. Er schien sich beinahe... zu amüsieren. Sein Gesicht war ihrem sehr nach und so konnte sie die Wandlung in seinem Gesicht wahrnehmen, als es wieder ernst wurde und er mit seiner dunklen Stimme meinte:
"Jetzt wärst du tot."

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Re: Die geheime Bibliothek des Yaris'

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 12. April 2012, 23:24

Der Atem von Yaris ging nicht wesentlich schneller – er war wohl in sehr guter Verfassung. Er löste sich von Ririn und wandte ihr den Rücken zu. “Du musst verstehen, was das bedeutet, Ririn – Tot. Unwiderruflich, unweigerlich und endgültig.“ Er sprach ruhig und sachlich, als würden sie über die Farbe des Tischtuches fürs Abendbankett reden. Trotzdem versuchte er ich gleichzeitig nahe zu bringen, was es heißt, für die Diebe sein Leben aufs Spiel zu setzen. Er musste schon lange mit dem Tod zutun haben und offensichtlich war er selber nicht mehr in der Lage, bei dieser Thematik ein ausreichendes Maß an Betroffenheit zu vermitteln. “In erster Linie gilt es, dein Leben zu schützen. Du musst umdenken – dein Handeln und Denken danach ausrichten, dass dich alles tödlich verwunden kann. Sei es eine Klinge, ein falscher Absprung oder eine Information – alles kann dich vernichten. Du musst selber darauf achten, dass dich Nichtigkeiten nicht aus der Bahn werfen und du immer einen kühlen Kopf behältst.“ Jetzt erst, wandte er sich wieder dem Mädchen zu und in seinen Augen lag Entschlossenheit. “Das eben, war ein ganz normaler Fluchtreflex und der ist bei dir ausgeprägt und ausbaufähig. Denke immer daran: Solltest du mal in eine aussichtslose Situation kommen, hör auf zu kämpfen und verschwinde lieber! Der erste Impuls ist meist der Richtige – halte dich daran.“ Er kam wieder einen Schritt näher, nahm Ririn’s Arme in seine Hände und hob sie an. Er musterte ihren Körper ganz genau und ungeniert – jedoch hatte das ganze nichts Romantisches ansich, sondern eher ein Ausloten der Möglichkeiten. “Eindeutig… er ließ ihre Arme los “…Deine Spezialität wird das Laufen werden. Du bist zierlich und schlank, hast lange Beine und eine gleichmäßige Körperform. Du wirst viel Laufarbeit machen und das Kämpfen anderen überlassen. Soviel ist sicher. Du musst deine Ausdauer stark verbessern und ich lege dir nahe, dass du täglich eine gewisse Strecke läufst. Such dir etwas aus, was dich anspornt und laufe sie jeden verfluchten Tag. Wenn du merkst, dass die Strecke zu einfach wird, nimm eine andere oder erweitere die Leichte. Wichtig ist, dass du mit wenig Strecke anfängst, dafür aber solange wie möglich durchhältst. Es geht nicht um Schnelligkeit, sondern um Ausdauer – alles klar? Wenn du dir unsicher bist, dann sag mir Bescheid und wir laufen zusammen deine Route. Es ist an mir, dich fit zu kriegen bis zum nächsten Auftrag.“

Yaris entfernte sich von Ririn und ging zum Eingang zurück. Doch anders, als vielleicht gedacht, war das Training nicht zu Ende – im Gegenteil: Der stattliche Samaer löste den Knoten seiner Tunika und ließ eben jene von seinem Körper gleiten. Unter ihr befand sich ein einfaches Leinenhemd, welches mehr Bewegungsfreiheit einräumte. Er wandte sich abermals an die junge Frau und nickte ihr zu. “Da das offensive Kämpfen für dich erstmal ausfällt, zeige ich dir jetzt Schritte, die dir deinen Hals retten können.“
Er ging in eine herabgesenkte Position und hielt sein Gewicht nur mit seinen Beinen. In dieser Haltung, überragte Ririn ihren Mentor um einen halben Kopf und dieser musste etwas zu ihr heraufschauen: “Diese Position, bietet dir bei einem Frontalangriff, gute Möglichkeiten, dich wegzuducken. Entweder, duckst du dich unter dem Angriff hinweg und weichst zur Seite aus, oder du rollst dich auf den Boden ab und siehst zu, dass du Land gewinnst.“ während er das sagte, zeigte er Ririn, welche Bewegungen er genau meinte. Sie konnte sehen, dass er sich unter einer imaginären Faust hinwegduckte und nach Links auswich. Beim zweiten Teil, rollte er sich über seine Schulter ab und stand zwei Sekunden später wieder, klar zum Weglaufen. “Ich denke, dass dein Fluchtreflex sehr stark ausgeprägt ist und das wollen wir nutzen und weiter fördern. Später, wenn du das Weglaufen beherrschst, zeige ich dir auch kleinere Kniffe mit einer Waffe, doch zuvor müssen wir deine Stärken schulen und dich soweit kriegen, dass du auf diese Optionen immer zurückgreifen kannst.“

Bei all den schlechten Neuigkeiten und der bedrohlichen Situation, die sich in Ririn’s Leben breit machten, erschien doch gerade Yaris als eine wahre Stütze. Beim Training – was ja auch sehr persönlich war – nahm er sich sehr viel Zeit für Ririn und zeigte ihr all das, was sie brauchte auch hundertmal. Er war geduldig mit ihr, verständnisvoll und zurückhaltend im Umgang. Yaris entpuppte sich als absoluter Menschenfreund und war nicht so distanziert und kühl, wie er vielleicht wirkte. Während des Trainings, entfuhr ihm auch der ein oder andere Lacher und er witzelte hin und wieder mit der hübschen Brünetten. Vielleicht bekam Ririn das leise Flüstern eines vertrauten Gefühls mit, welches ihr schwach aber präsent Geborgenheit und so etwas wie Zusammenhalt vermittelte. Früher empfand sie das sicher bei Koh und es würde ganz gewiss noch lange dauern, bis diese Wunde verheilt war, doch der fremde, gar nicht so unbarmherzige Samaer hier unten in dem Kellergewölbe, machte es ihr vielleicht ein kleines bisschen angenehmer und ließ sie für eine gewisse Zeit, die Angst über das Bündnis vergessen. Nach wie vor war Yaris zurückhaltend im Umgang mit Ririn und wirkte reserviert, doch hin und wieder ließ er erkennen, dass er viel mehr zu bieten hatte, als man bis zu seinen Augen sehen konnte. Vielleicht war es die Mühe wert, diesen Mann näher kennen zu lernen und mehr über ihn und seine Geschichte zu erfahren.
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