Sehnsucht

Obwohl Sarma eine Wüstenstadt ist, besitzt sie einen florierenden Hafen. Reisende und Händler aus Andunie laufen hier mit ihren Schiffen ein und aus. Selten ist im Hafen nichts los.
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Ririn
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Sehnsucht

Beitrag von Ririn » Freitag 23. September 2011, 21:03

[Einstiegspost]

Ririn lehnte an einer warmen Hauswand, beobachtete das rege Treiben am Hafen und blickte sich um. Es war die Zeit des Übergangs und so war es angenehm kühl, für die Verhältnisse Sarmas. Die Arbeit hatte sie hierher gebracht, doch nun genoss sie einfach den fortgeschrittenen Tag. In der letzen Nacht hatte sie genug Geld für den ganzen Tag verdient, auch wenn sie einen Teil ihrem Chef abgeben musste. So ignorierte sie die Blicke der Männer, die an ihr hängen blieben und parierte ein paar Bemerkungen. Dies war ihr liebster Ort in der ganzen Stadt. Sie liebte das Gefühl in der Masse unterzugehen, aber auch einfach auf das Sonnenmeer hinauszuschauen oder mit Koh ein paar Äpfel zu stehlen. Wo der sich mal wieder rumtrieb, das wusste sie nicht. Sicher würde er sich bald wieder blicken lassen.

Ririn holte einen Apfel aus ihrer Gürteltasche und biss genüsslich hinein. Ihr ganzes Hab und Gut war in dieser Tasche zu finden. Ihr Geldbeutel, ihre Schminkutensilien, ihr kleiner Spiegel... Den holte sie nun hervor und überprüfte ihr Aussehen. Vielleicht suchte sie sich später noch einen Kunden. Doch nun war sie froh über die freie Zeit. Als sie ihren Apfel halb aufgegessen hatte, kam ein kleines ärmlich dreinschauendes Kind und sah sie flehend an. Es sah abgemagert aus. Sicher eines aus den vielen Kinderscharen der Stadt. Vorsorglich griff Ririn zu ihrer Gürteltasche und blickte hinein, ihr Geld war noch da. Die Tasche in der Hand behaltend warf sie dem Kind den halben Apfel zu. Das jauchzte glücklich und sauste davon. Wohl doch keines aus den Diebesbanden.

Ririn blickte wieder aufs Meer und spürte wieder einmal dieses Ziehen in der Brust. Diesen Drang einfach fortzufliegen. Ihre Hand griff zu der Kette, die wie immer an ihrem Hals hing. Hätte sie Flügel und Federn, wie der Anhänger sie zeigte könnte sie sich diesen Traum erfüllen. Übers Meer... Nur aus Geschichten kannte sie die Welt dahinter, immergrüne Wälder, hohe Gebirge und vorallem die ewige Eiswüste. Nur schwer konnte sich Ririn dieses wunderliche Land vorstellen, schließlich herschte in Sarma eine nie enden wollende Hitze. Die Vorstellung von Eis und Schnee war geradezu absurd. Ein Schmunzeln huschte über Ririns liebliches Gesicht, was sie noch schöner aussehen ließ. Eins war sicher: Irgendwann würde sie Schnee auf der Haut spüren. Doch im Moment saß sie noch in dieser verfluchten, engen und heißen Stadt fest. Sie fühlte sich wie eine Gefangene. Ririn seufzte, strich sich die braunen Locken aus dem Gesicht und ließ ihren Blick wieder auf dem Meer ruhen.

Ob ich jemals Belfar verlassen kann? Ich bin nun schon so oft gescheitert... trieben ihre Gedanken wieder davon. Auf ein Boot musste sie kommen, das war der Knackpunkt. Noch hatte sie nicht genug Geld und als Arbeitskraft war sie auf einem Boot nicht zu gebrauchen. Sie hatte ja nichts gelernt... Gedankenverloren betrachtete Ririn ihre Hände und lies einen Feuerfunken auf ihrem Fingernagel erscheinen. Wie so oft beruhigte sie das magische Lichtchen und sie schöpfte neue Hoffnung, dass sie ihren Weg übers Meer bald finden würde. Sie täte alles dafür. Doch wie? Wie sollte sie es anstellen?!
So stand sie eine ganze Weile da und war in ihre Gedanken vertieft. Ein Wort hallte in ihrem Innern nach. Sehnsucht....

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Re: Sehnsucht

Beitrag von Erzähler » Montag 26. September 2011, 22:48

Das Stadtbild von Sarma war geprägt von Bettlern ausgemusterten Menschen. Dreck und Unrat verteilten sich hie und dort in den dunkelsten Gassen und es war jedem sofort klar, der hier zum ersten Mal einen Fuß in den Wüstensand setzte, dass er Hab und Gut sicher verwahrt am Körper tragen sollte. Die Samaer kannten ihre Stadt unter der sengenden Hitze am Tag und der eisigsten Kälte in der Nacht. Durch die Zeit des Überganges, verlor die Sonne ihre Kraft und auch am Tag war es nun kalt. Man sah diejenigen, die geschäftigt durch die untergehende Sonne eilten, mit dicken Mänteln - zumindest jene, die sich solche leisten konnten - und gebeugter Haltung. Für Ririn mochte die Kälte ebenfalls unangenehm sein, stand sie doch den größten Teil ihrer Arbeitszeit auf der Stelle. Bis auf ein paar Schritte die Gasse auf oder ab, war da nicht viel mit Bewegung.
Doch im Moment interessierte sich die braunhaarige Schönheit wenig für die lüsternden Blicke der Hafenarbeiter. Jeder einzelne von ihnen bedeutete bares Geld und doch gab sich Ririn ihren Träumerein hin. Einmal das Gefühl von dem weißen, kühlen Nass auf ihrer Haut spüren, die von der Sonne bereits deutliche Spuren davongetragen hatte. Auch wenn ihre andunische Blässe nach wie vor einen Unterschied zwischen ihr und den Samaern machte. Bei Koh jedenfalls bemerkte man das deutlich; der Junge war ein waschechter Samaer und seinem Verhalten nach auch gerne. Kurz streiften ihre Gedanken den guten Freund, doch lange blieben sie nicht bei ihm. Es galt noch sovieles zu erträumen, sovieles zu erfinden in der eigenen kleinen Welt, sie niemand je sehen würde und sie sie nach Lust und Laune gestalten konnte.

Während die unfreiwillige Prostituierte auf das Fernweh-erzeugende Meer starrte, näherte sich ihr eine Gruppe Hafenarbeiter von links, die sich gegenseitig bei ihrem Anblick zuzwinkerten. Das ansich war natürlich nichts neues, doch die Frotzeleien, die sie untereinander verteilten, waren vielleicht interessant für das junge Mädchen:
"Seht euch die an! Mann-o-Mann, wenn ich nur nicht so knapp bei Kasse wäre!" brummte einer der Männer, mit dickem Bauch und schweißnassen Haaren. Sein Kumpel stieg sofort darauf an und grölte: "Genau, Kreff, dann würdest DU die da" er machte eine Geste in Richtung Ririn "mit Sicherheit nicht abkriegen! SOWAS können wir uns gar nicht leisten!" Der mit dem Namen Kreff Angesprochene zuckte kraftlos die Schultern. "So hab ich das gar nicht gemeint! Ich würde das Mädchen mal richtig schick ausführen!" Diese Äußerung löste bei den anderen heftiges Gegröle und Gejohle aus. Schulterklopfend schoben sich die Männer an Ririn vorbei und ließen die Braunhaarige mit ihren Gedanken wieder alleine. Alles in allem sollte sich Ririn schon an solcherlei Bemerkungen gewöhnt haben, doch eine Sache war mehr als interessant: Da gab es also einen Mann, der sich dafür interessierte, mit ihr auszugehen. Ließe sich daraus etwas machen? Wohlkaum, denn dieser Kreff dürfte sicherlich einer von höchstens drei in ganz Sarma seien, die so dachten; doch es gab noch eine andere, wichtige Erkenntnis: Wenn Ririn schon dazu verdammt war sich zu protituieren, wieso sollte sie dass dann nicht nach ihren Regeln machen? Sicherlich hatte sie ein beinahe geregeltes Leben und ein Dach über den Kopf, doch das alles konnte ihre Sehnsucht nicht ausmerzen. Wieso sollte sie ihre Dienste nicht einfach für eine andere Gegenleistung als Geld anbieten? Wie wäre es zum Beispiel mit einer Überfahrt nach Andunie? Oder aber sie bot ihre Dienste auf einem Handelsschiff an? Einen Versuch war es doch wert? Seit rund einem Jahr opferte sie nun ihre Jugend für anderer Genuss, warum sollte sie nicht endlich einen entscheidenen Vorteil daraus ziehen?
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Re: Sehnsucht

Beitrag von Ririn » Montag 26. September 2011, 23:17

Nun da der Entschluss gefasst war versuchte Ririn ihn fast sofort in die Tat umzusetzten.
Innerlich dankte sie Kreff für diesen Gedankenanstoß. Ririn stand wie beinahe üblich im Teil des Hafens der den Hafenarbeitern gehörte. Hier hatte sie auch schon Stammkunden. Mit schon leicht schmerzenden Gliedern vom langen Stehen machte sich das Mädchen auf den Weg in den weitaus belebteren Teil, aber zum Träumen weniger geeigneten, an dem die Handelsschiffe anlegten und auch wieder abfuhren.
Geschickt schob sich das Mädchen durch die lärmenden Menschenmassen, gab nebenbei einem von ihr erwischten kleinen Dieb einen Klaps auf den Hinterkopf, und erreichte bald ihr Ziel. Der Junge war geflüchtet. Leicht fröstelnd rieb sich Ririn die Arme. Wenn sie wirklich eine Überfahrt wagen wollte, musste sie sich einen Umhang kaufen. Bis jetzt hatte das Mädchen sich nie einen leisten können und war eigentlich auch so gut durch die Zeiten des Übergangs und der Dunkelheit gekommen. Wie immer ein wenig fasziniert sah sich Ririn um. Zwischen den Menschen aus allen Ecken des Landes verbarg sich auch die ein oder andere Gestalt. Ririn entdeckte ein paar Elfen, die sich nur in dieser Jahreszeit öfter mal blicken ließen, auch glaubte sie die Gestalt eines Zwerges zwischen all den Menschen zu entdecken. Aber das konnte sie sich auch wieder mal eingebildet haben.
Ririn bemerkte den gierigen Blick eines Matrosen auf sich liegen. Doch der fiel gar nicht in ihr "Beuteshema". Das fettige Haar klebte ihm auf dem Kopf, er sah reichlich ungepflegt aus und noch viel wichtiger, seine Kleidung war zerschlissen und man sah ihm an, dass er sie nicht für ihre Dienste bezahlen konnte. Ririn erschauderte. Sie kannte im Gegensatz zu manch anderem Mädchen ihre Grenzen. Und mit diesem Mann waren sie eindeutig überschritten.
Suchend streifte das mehr oder weniger unfreiwillige Freudenmädchen durch die Menschentrauben, auf der Suche nach einem Schiff, dass sie übers Meer bringen würde. Ein Lächeln, dass ihr Gesicht leuchten ließ, schlich sich auf ihr Gesicht.
Ihre Augen suchten auch nach etwas anderem. Nach Jemand anderem. Eigentlich trieb Koh sich auch oft am Hafen herum, gerade zu dieser Zeit. Hier war der perfekte Ort für einen geschickten Taschendieb wie ihm. Doch sie konnte seinen Lockenschopf und sein gewitztes Augenpaar noch nirgends entedecken. Ob er sie mit übers Meer begleiten wollen würde? Ririn schüttelte antwortend auf ihre eigene Frage den Kopf. Nein, er liebte Sarma. Die überfüllten Gassen, die Hitze, auch sein Diebeshandwerk. Ihren Freund würde sie wohl am meisten vermissen und die anderen. Doch dieser Gedanke war bei weitem nicht stark genug um sie hier zu behalten.
Erstmal wollte sie nach einem Schiff Ausschau halten, dass sie nach Andunie bringen würde.

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Re: Sehnsucht

Beitrag von Erzähler » Freitag 30. September 2011, 22:43

Es war normal, dass man sich an Dinge klammerte, die man unbedingt haben wollte und in der eigenen Situation nicht hatte. Dennoch musste sich Ririn fragen, ob sie da nicht alles etwas überstürzte. Es galt noch soviele Dinge zu planen und zu beachten und dann wollte das Schiff auch gut ausgewählt werden. Zumal nicht jedes Schiff, die Dienste einer Prostitutierten in Anspruch nehmen würde und man sie bei einem eindeutigen Angebot sicherlich auch gerne den Stadtwachen vorstellen würde. Zwar gehörten die Mädchen der Lust ganz normal zum Stadtbild dazu, doch es gab auch genug Bewohner, die diese Art der Arbeit als ungebürlich bezeichneten und sicherlich gerne dazu beitragen würden, das eine oder andere "Schmutzige Mädchen" auf die saubere oder eben nicht ganz so saubere Art verschwinden zu lassen. Vorsicht war also geboten, man wusste nie, an wen man geriet. Nicht alles was männlich war, gehörte automatisch zu denen, die sich gerne mit einem Mädchen gegen Bezahlung vergnügten!

Dann galt noch zu überprüfen, ob Ririn auch tatsächlich das nötige Ersparte in der Rückhand hatte. Wie wollte sie denn, nachdem sie eventuell ein Schiff gefunden und sogar die Überfahrt überlebt hatte, weiter machen? Möchte sie weiter machen, wie bisher? Oder würde mit Verlassen von Sarma, auch ein neues Leben beginnen? Auch wenn sie schon zahlreiche Rückschläge erlitten hatte, wieso aufgeben? Ging es hier nicht um ihr Leben? Ihre Zukunft? Sollte man nicht gerade dafür Kämpfen wie eine Löwin?

Dann blieb noch zu klären, was sie machte, wenn sie tatsächlich mit ihrer Art zu bezahlen nicht weiter kam? War es in diesem Falle nicht ratsam, sich noch etwas Geld zu verdienen und schön, auch wenn es mühsam ist, zu sparen? Einen Umhang zu haben, wäre natürlich auch sehr von Vorteil, da doch ihre heimliche Sehnsucht war, Schnee zu sehen. Erfahrungsgemäß war dieser kalt. Hinzu kam auch die Frage nach dem Essen. Woher nahm sie Gewissheit, dass sie, immer vorausgesetzt sie bekam eine Überfahrt, auch das Essen erhalten würde? Wie verhielt es sich eigentlich mit ihrem Stolz? Der schmierige Kerl, den sie innerlich angewiedert abgelehnt hatte, war nicht selten auf einem Schiff. Und wenn sich nun gerade solche Kerle dazu überreden ließen, sie mit zu nehmen? Was dann?

Doch all das war mit Sicherheit erstmal Nebensache. Es galt sich an diesen Strohhalm zu klammern, den ihr Kreff - ohne es zu wissen - überreicht hatte. Dennoch durfte Ririn nicht blindlings losstürmen. Und was ist mit Koh? Wie würde er wohl reagieren? Wenn er in Sarma blieb, würde die Freundschaft halten? Es war schon erstaunlich, wieviele Probleme sich bei einer Lösung auftun konnten. Jetzt galt es, alle zu kanalisieren und dann eines nach dem anderen abzuarbeiten. Vielleicht sollte Ririn sich systematisch auf ihre eventuelle Überfahrt vorbereiten.

Während das Mädchen all diese Fragen innerlich verarbeiten musste, tauchte hinter ihr ein Schatten auf, der den Weg vor ihr leicht verdunkelte. Da es bereits auf den Abend zuging und die Sonne um diese Jahreszeit schneller verschwand, war der Schatten nicht sehr lang und besonders angsteinflößend auch nicht. Beim Umdrehen, würde Ririn mit einem herzerweichenden Lächeln belohnt, dass in schelmischen Augen wiederspiegelte. Koh, hatte den Weg zu ihr gefunden und die Hände in die Hüften gestemmt. Den Kopf leicht schräg gelegt, feixte er seine Freundin an und schüttelte sich eine Locke aus dem Gesicht. "Na, Süße? Was bietest du mir heute an?" Ein typisch lockerer Spruch, für Koh. Würde Ririn ihrem Freund von ihren Plänen, die ja nun deutlich mehr Hand und Fuß bekommen haben, erzählen? Oder lieber doch nicht? Wie würde er reagieren? Was würde er sagen? "Ririn? Was hälst du davon, wenn ich dich mal ganz groß zum Essen ausführe? Ich habe heute geackert wie ein Teufelsbauer...-" Ein Passant, der ihren Weg kreuzte, horchte erschrocken auf, bei dem Wort "Teufel". Koh hob nur pikiert die Augenbraun und rollte dann die spitzbübischen Augen "Nicht so du... Man - hau ab! Zieh leine. Hat dich gar nichts anzugehen!" gespielt genervt, atmete der schlaksige Junge aus und wandte sich wieder an Ririn: "Wo gibt's denn sowas, hm? Also? Wo war ich... Achja: Also, ich habe heute geackert wie ein... Tier... und richtig Kohle gemacht. Was sagst du? Zu unserem Stammplatz?" Die ungezwungene Art Koh's machte es sicher nicht einfacher, die Gedanken an ein Weggehen zu erhalten, doch Sehnsucht war bekanntlich größer.
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Re: Sehnsucht

Beitrag von Ririn » Dienstag 4. Oktober 2011, 23:03

Nun da sich Ririn diese Fragen stellten wurde ihr klar wie leichtsinnig und übereilt sie die Sache angegangen war!
So beschloss die junge Frau erst einmal zu sparen. Sie runzelte leicht die Stirn. Bis jetzt hatte sie nur so viele Kunden gesucht,
um genug Geld für die nächste Zeit zu haben. So waren ihr noch ein paar freie recht unbesorgte Stunden geblieben. Doch nun würde sie wohl mehr arbeiten müssen. Es galt ein Geldpolster anzulegen und die ein oder andere Besorgung zu erledigen. Einen Umhang würde sie benötigen und so einiges anderes.
Da bemerkte sie einen Schatten, ihr Körper spannte sich an. Drohte Gefahr? Ihre Hand fuhr zu ihrem Messer, das verborgen unter ihren Rock lag.
Doch da ertönte hinter ihr eine wohlbekannte Stimme: "Na, Süße? Was bietest du mir heute an?"
Ein Lächeln trat auf ihre Lippen. Strahlend drehte sich sich um. Koh! Nach ihm hatte sie Ausschau gehalten. Da kamen ihr wieder ihre "Fluchtpläne" in den Sinn und das Lächeln erstarb für eine Sekunde. Wie sollte sie Koh davon erzählen? Würde er verstehen? Er liebte Sarma, dies war seine Welt. Und sie liebte ihn wie einen Bruder. Jedesmal wenn sie von ihren Träumereien erzählte, wich er aus. Nein, noch konnte sie ihm nicht davon erzählen. Noch galt es die Pläne auszubauen und Vorbereitungen zu treffen. Koh und ihre anderen Freunde wussten von ihrer Sehnsucht, doch war der Ausweg noch nie so real gewesen. Schon eine Sekunde darauf strahlte das Lächeln wieder auf ihrem Gesicht. Jeder Bürger Sarmas musste seine Mimik und Gestik im Griff haben, sonst war er geliefert.
Ririn verfluchte sich innerlich. Koh kannte sie zu gut, sicherlich würde er den Ausrutscher bemerken. Wie sollte sie da antworten??
Doch Ririn tat als sei nichts gewesen. Sie grinste ihn locker an, legte eine Hand an die Hüfte und sah ihn freundlich an. "Tja, das Gleiche wie immer. Einen Apfel und eine Backpfeife. " Wie zur Warnung hob sie die Hand. "Ich hab dich gesucht, Großer!" sagte sie gespielt anklagend. "Wo hast du dich denn schon wieder rumgetrieben? Und noch viel wichtiger, hat es auch was eingebracht?"
Sie strich sich eine braune Haarsträhne aus dem Gesicht. Er lud sie zum Essen ein und schlagartig musste Ririn an Kreff denken, der sie auch hatte einladen wollen. Ihr Lächeln verrutschte und ihr Herz schmerzte. Sie vertrieb die Gedanken aus ihrem Kopf und musste über Kohs Angebot und seine Ausdrucksweise lachen, ihr Lachen wurde lauter als sie den Gesichtsausdrucks des Passanten sah.
Das war typisch Koh. Der schmächtige junge Mann, nur 2 Jahre älter als sie, ensprach dem typischen samaerischen Bild. Er war groß, jedoch schmächtig und schlaksig. Außerdem war er wendig und er hatte schwarzes Haar und braune Augen. Und Ririn liebte alles an ihm. Er war einfach ihr bester Freund.
Nun legte sie den Kopf schief und sah ihn gespielt gleichgültig an. "Wieso sollte ich etwas mit dir unternehmen, Süßer?"
Ein paar Augenblicke hielt sie die Maske, dann schlug sie ihm brüderlich gegen die Schulter. "Klar! Wetten: Ich bin Erste!" schmunzelte sie.
Immer noch nagte an ihr der Zweifel. Wie sollte sie Koh von ihren Plänen erzählen?
Doch nun machte sie sich einfach auf den Weg, lief leichtfüßig in Richtung Marktplatz und wand sich zwischen den Leuten hindurch.
Sie liebte diese kleinen Wettrennen mit Koh. Die Rennen waren immer ausgeglichen. Das machte es so spannend. Sie lächelte vor sich hin.

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