Am Hafen

Obwohl Sarma eine Wüstenstadt ist, besitzt sie einen florierenden Hafen. Reisende und Händler aus Andunie laufen hier mit ihren Schiffen ein und aus. Selten ist im Hafen nichts los.
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Madiha Al'Sarma
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Re: Am Hafen

Beitrag von Madiha Al'Sarma » Samstag 7. Dezember 2024, 23:24

Der Verlust ihrer Kräfte würde Madiha noch nachhaltig beeinflussen. Ihr wurde nicht nur das Arkane weggenommen, sie machte auch in Sachen Selbstbewusstsein einige Schritte zurück. Der Glaube an sich selbst war wertvoll für sie gewesen, aber jetzt, da sie zwei herbe Schicksalsschläge hatte einstecken müssen, fiel es ihr schwer, ihre Zuversicht zu behalten. Krampfhaft suchte sie nach anderen Möglichkeiten, um die Leere in sich zu füllen und die Zweifel nicht zu sehr aufkommen zu lassen, aber sowohl Kjetell’o als auch Jakub bremsten ihren Elan. Madiha aber konnte nicht warten. Sie hatte trotz dieser Rückschläge nicht aufgehört daran zu denken, dass man Vertrauen in sie setzte. Für jemanden, wie Madiha, war das sehr viel wert. Sie wollte es nicht einfach so enttäuschen. Sie wollte alles daransetzen, dass es nicht enttäuscht würde. Aber wenn sie nicht schnell etwas Neues erlernte, dann könnte sie…nichts. Nichts würde sie unternehmen können. Diesen Gedanken hatte Madiha auch noch, als sich das eigenartige Schauspiel am Hafen zeigte. Offenbar verbrannte das Feuer nicht in alles verschlingender Manier, sondern… suchte aus? Ging das denn? Madiha selbst hatte nicht vernichten als viel mehr schützen wollen. Sie hatte sich bemüht, mit ihren Kräften etwas Gutes zu schaffen und noch bis vor wenigen Augenblicken hätte sie auch geglaubt, dass ihre arkane Macht das ebenfalls wollte. Dann aber war der Drache über Sarma aufgestiegen und hatte angefangen, nun mehr sein Feuer in die Gassen der Stadt zu speien. Das Phänomen, dass einige Menschen offenbar unverletzt davonkamen, wollte sie aus reiner Neugierde schon untersuchen. Aber sie zögerte. Sie musste erkennen, dass sie nicht mehr so leichtfertig etwas tun konnte. Sie hatte soeben den größten Fehler ihres Lebens gemacht und einen Teil ihrer selbst verloren. Sie wollte nicht noch mehr verlieren und hielt sich zurück. Caleb war es, der ihr gut zuredete und auch Kjetell’o oder Jakub reihten sich ein. Sie gingen zusammen! Zwischen Caleb und Kjetell’o folgte Madiha ihren Schritten. Sie selbst strahlte nicht annähernd diese Zuversicht über ihren Zusammenhalt aus. Sie konnte einfach nicht mehr. Allerdings hatte sie ihre Neugierde nicht verloren, sondern ließ ihren Blick umherschweifen. Sie musterte die Soldaten der Dunklen, die kleinen Wesen, deren Namen sie nicht kannte. Sie sah die Orks, mit ihren teilweisen scharfen Hauern. Sie sahen eigentümlich aus, aber auch in Andunie hatte sie mal einen gesehen. Anders war es dann bei ihrem eigenen Volk. Sie zu betrachten war, als wäre sie niemals fort gewesen. Madiha sah die Stoffe, leicht verkohlt oder zerrissen, aber nichts davon klebte unappetitlich in den Verbrennungen, die sie eigentlich hätten haben müssen. Die Männer, Frauen und Kinder waren verängstigt, verstört und erschöpft aber sie lebten. Das Mädchen aus Sarma musterte die verhärteten Fronten und seufzte stumm innerlich. Der Krieg war … verheerend. Keiner von ihnen traute dem anderen und sie alle warteten nur angespannt darauf, dass ein Fehler begangen wurde. Plötzlich löste sich eine Frau aus den Reihen und trat auf die Angreifer zu, richtete einen Sebel auf sie und begann auf Sendli zu sprechen. Madiha hörte ihr zu und schluckte. Sie verstand die Wut der anderen, aber die Situation war nicht dafür geeignet nun Drohgebärden zu machen. Sie wollte doch keinen Angriff provozieren… oder? Unsicherheiten sah man auf jeder Seite des Krieges und keiner schien recht zu wissen, was die jeweils anderen sagten.

Madiha seufzte. Darin lag der ganze Kern… Sie verstanden einander nicht. Plötzlich schrie Jakub neben ihr auf und Madiha zuckte erschrocken zusammen. Sie starrte den Maat an und glaubte im ersten Moment noch, er wurde von etwas getroffen, doch dann fuhr er fort: "Bin kein großer Redner. Mach du das, sonst muss es der Käpt'n noch tun und dann sind wir alle verloren." Sie glotzte. Madiha machte fast Handteller große Augen und starrte Jakub an. „i-i… ICH?!“, fragte sie ungläubig und schaute zurück zu der Meute, die sie alle anstarrten. Dann wieder zu Caleb, der gerade lachend mit Jakub Witze riss. Schon mischte sich Kjetell’o ein und Madiha spürte, wie er sie bereits in die Mitte zwischen die Fronten schob. Madiha machte sich schwer. "Jakub hat Recht, wenn jemand mit ihnen reden kann, dann bist du es. Dazu brauchst du keine elementare Magie, sondern nur die deines Herzens." Sie war wie erstarrt. „Was, wartet nein!“, wehrte sie sich und wollte nicht vorgeschoben werden. Nicht wieder. Nicht sie! Sie machte alles schlimmer und nicht besser. Madiha japste nach Luft, sie spürte Panik in sich aufsteigen. „Ich will nicht mit ihnen reden!“, versuchte sie einzuwenden, aber sie bekam keine Chance dazu. Plötzlich stand sie in der Mitte zwischen aller Augen und hatte sich selten kleiner gefühlt. Ihr nützten in dem Moment auch nicht, dass die anderen sie begleiteten. Sie fühlte sich elend. „Ehm…“, machte sie heiser und räusperte sich. „Hallo.“, begann sie verlegen und hustete etwas. Ihr blieb die Stimme weg. Sie hatte Angst. Die vielen Augen, die sich ihr entgegen reckten, schnürten ihr die Kehle zu. „Ich kann das nicht..“, keuchte sie und ihre Finger wurden schweißnass. „Was sollte ich ihnen sagen?“, flüsterte sie. Doch dann kam ihr eine Erkenntnis. Madiha öffnete überrascht den Blick. Sollte sie den anderen etwa sagen, dass das Feuer… von ihr kam? Sie spürte, wie ihr Herz zu hämmern begann. Sie würden sie lynchen… wenn sie erfuhren, dass sie dem Drachen zu neuer Stärke verholfen hatte. Das Mädchen schluckte. Das wäre wohl kein guter Ansatz.
„Ich… Ich bin Madiha.“, stellte sie sich vor und empfand es noch im selben Moment als vollkommen irrelevant. Sie kam sich dumm vor. Noch nie hatten ihr so viele zugehört oder sie überhaupt gesehen. Sie war doch nur der Schatten, bis auf ihren kleinen Kosmos bestehend aus ein paar Halunken und Magiern. Mehr wollte sie nicht. „Ich bin hier in Sarma aufgewachsen… das hier ist meine Heimat, aber… aber ich habe sie verlassen, weil… naja weil es nicht das Leben war, das ich …. Ich für mich also ich dachte, ich … ist auch egal, was ich sagen will ist…“, stammelte sie sich einen zurecht und holte tief Luft. „Ich kam nach Andunie. Auf einem Schiff. Ich lernte dort einen Dunkelelfen kennen, der die ganze Mannschaft vernichten wollte, weil er sich unsterblich in eine Andunierin verliebt hatte. Er wollte sie retten und war bereit alles dafür zu tun.“ Madiha schluckte. Sie wusste gar nicht, was sie da redete oder ob sie jetzt alles sehr viel schlimmer machte – wie gewöhnlich. „So, wie ihr bereit seid alles dafür zu tun, dass euer Volk eine bessere Zukunft haben kann“, sie sah zu der dunklen Seite mit ihren Soldaten und den Helfern. „Ihr wollt neue Heimat finden und seid bereit sie an euch zu reißen…“, sprach sie weiter. Nun aber trat Madiha etwas mutiger vor und rieb sich die Hände in nervöser Absicht. „Aber… aber Sarma ist bereits die Heimat von Unzähligen. Nicht immer ist die Stadt gut zu einem, ich.. kann da aus Erfahrung sprechen aber… aber sie bietet auch Platz genug für all jene, die nach Frieden suchen…. Schätze ich. In … also in Andunie funktioniert es bereits. Die Dunklen leben mit den Anduniern zusammen, gemeinschaftlich, friedlich… Sie … sie wurden aufgenommen, passen sich an. Man kann sie sogar auf dem riesigen Markt zusammen plaudern sehen…“, erinnerte sich Madiha und lächelte sachte. Dann blickte sie zu der Sarmaer-Seite.
„Einen solchen Markt habt ihr noch nie gesehen! Überall Stände, egal, was das Herz ersehnt, das Auge kann es erfassen!“, schwärmte sie und lächelte breiter. Sie hatte es erlebt. Madiha trat noch einen Schritt vor und blickte beide Fronten an. Im Hintergrund flog der Drache. Sie wurde ernster. „Meine Heimat brennt und obwohl ich Sarma den Rücken gekehrt habe, bin ich wieder hier. Ich wurde um Hilfe gebeten, sollte Sarma retten aber…“, Madiha seufzte. „Wir sind nicht sehr viele…“, sie deutete auf die Männer, die ihr beistanden. „Wir wollen eine Gemeinschaft erschaffen, wie in Andunie. Dunkle und Sarmaer gemeinsam und in Harmonie. Ich weiß, dass es geht. Und im Grunde, wollt ihr doch nur das selbe… eine Heimat. Einen Ort, der sicher ist. Wollen wir das nicht alle? Ein Zuhause, an dem man geliebt wird, an dem man Fehler machen darf, die nicht gleich… Leben kosten. Ich verstehe das, auch ich suche danach… Aber im Krieg werden wir das nicht finden… Krieg bleibt immer gleich…“, murmelte sie wieder. Madiha wusste nicht, was sie eigentlich redete. Sie tat es einfach ohne groß darüber nachzudenken oder gar eine gezielte Absicht zu erzielen. Unsicher blieb sie dennoch und sah in die Gesichter der jeweiligen Fronten.
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Re: Am Hafen

Beitrag von Erzähler » Sonntag 8. Dezember 2024, 23:02

An den Verlust ihrer magischen Kräfte würde Madiha sich noch gewöhnen. Sie hatte keine Wahl, also würde es passieren. Doch der damit verbundene Rückschritt in Sachen Selbstvertrauen könnte nachhaltiger schädigen als ihr oder den anderen bewusst wäre. Weder Kjetell'o noch Caleb machten sich allzu große Sorgen, dass ihr Herzfeuer und die ach so potenzielle Schülerin nicht mehr leisten konnte, worauf sie alle gehofft hatten. Für Caleb war es glücklicherweise ohnehin Nebensache. Er würde Madiha nicht weniger lieben, denn ihre Kräfte waren niemals ausschlaggebend für seine Gefühle gewesen. Kjetell'o aber könnte kaum mehr ihr Lehrmeister sein. Es sei denn, seine Idee, dass Madiha sich Fremdfeuer zum Zaubern bediente, ging auf. Doch das würden sie erst noch in Erfahrung bringen müssen. Vorerst war keine Zeit, denn ein anderes Phänomen hatte sich seitens Sarma ereignet. Im Hafen sammelten sich Überlebende der Brandflut, die der Drache ausgelöst hatte. Interessanterweise schien niemand von ihnen verletzt. Zumindest nicht durch Brandschäden. Nicht einmal die Kleidung war versengt. Blessuren stammten von der Flucht vor zu scharfen Klingen oder physischen Konfrontation mit der jeweiligen Gegenseite. Das machte die Situation interessant genug, dass Caleb, Jakub, Kjetell'o und auch Madiha sich des Ganzen widmen wollten. Nur Letztere wagte sich dieses Mal nicht vor. Sie fürchtete erneute Folgen durch unbedachte Taten und so ließ sie sich eher mitnehmen, als dass sie wie ihre kleine Anführerin voran marschierte. Trotzdem gaben ihre Gefährten in Sachen Madiha noch lange nicht auf. Sie mochte keine magischen Fähigkeiten mehr besitzen, aber auch ihre Worte hatten schon oft genug etwas bewirkt. Kjetell'o erinnerte sich noch sehr gut daran und so schob er seine Schülerin ins eiskalte Wasser des trockenen Hafensandes und auf die beiden Gruppierungen zu, die aktuell nur von einigen tapferen Sarmaer Soldaten wie von einer Grenze aus Männern voneinander abgeschirmt wurden. Lediglich die verzweifelte Witwe stand zwischen jenen und wäre wohl wirklich bereit, mit bloßer Hand auf die gerüsteten Dunklen loszugehen. Was diese sprachen, erkannte Madiha zwar Dank ihrer Begegnung mit Corax inzwischen als Lerium, die Sprache der Dunkelelfen, jedoch verstand sie dadurch noch immer kein Wort. Sie wusste nicht, was die eine Seite zu bereden hatte, wohl aber bemerkte sie, dass die Anspannung dort ebenso groß war wie auf jener der Sarmaer. Vor allem aber könnte die Witwe zum Problem werden. Der Verlust ihres Mannes machte sie verzweifelt genug, ihre Kinder zu vergessen und sich rachedurstig in einen Angriff stürzen zu wollen. Madihas ureigenes Bedürfnis nach Harmonie und ihr Drang zu helfen sorgten dafür, dass sie nun doch einschritt. Angestachelt von Kjetell'o, der sie nun einmal vorschob, gab sie ihren Protest schlussendlich auf und versuchte es diplomatisch. Es war schließlich noch das Einzige, was sie tun konnte. So Recht wusste sie dennoch nichts zu sagen und in ihrem Hinterkopf keimte die Furcht, was wohl mit ihr selbst geschähe, wenn beide Seiten herausfänden, dass sie es gewesen war, die den Angriff des Drachen überhaupt erst ermöglicht hatte.
"Ich kann das nicht...", meldete sich ein letzter Widerstand. Schon durfte sie Kjetell'os Hand auf ihrer Schulter fühlen. Er legte sie nur dort ab, um Madiha wissen zu lassen, dass er hinter ihr stand. Sie brauchte nichts zu befürchten. Ja, sie konnte darauf vertrauen, dass er sie nicht einfach auslieferte. Er würde nicht zulassen, dass ihr etwas geschah. Er wollte es nicht, aber er hatte auch für Corax kein solches Schicksal gewollt und doch war er nun...
Eine andere, deutlich größere Hand legte sich nun auf Madihas freie Schulter. Auch Caleb stellte sich hinter sie und er würde jedes ihrer Haare mit seinem Leben verteidigen. Unter beiden Händen fühlte sie die Körperwärme der Männer. Es war keine Magie und sie könnte damit nichts bewirken, aber es besaß einen Effekt auf sie. Es nahm ihr ein wenig die Nervosität. Jedenfalls genug davon, dass sie endlich zu sprechen begann. Sie stellte sich beiden Seiten vor, nannte ihren Namen und erklärte ihre Herkunft. Bei den Gründen ihrer Flucht aus Sarma geriet sie ein wenig ins Straucheln, doch konnte sie es gut überbrücken, als sie von Andunie erzählte. Denn die Hafenstadt des Festlands hatte sie stark beeindruckt und während sie von den Märkten sprach und der Atmosphäre eines gemeinsamen Miteinanders zwischen Dunkelelfen und Menschen, da brauchte es kein magisches Feuer. Sie brannte dafür. Die Leidenschaft in ihr schlug kleine Funken und entzündete ihre Worte. Geradezu hoffnungsvoll erzählte sie, was in Andunie stattfand und was auch in Sarma möglich sein könnte, wenn sie nur alle die Waffen niederlegen würden. Im Krieg gewann niemand, aber beim Versuch eines gemeinsamen Friedens konnten Vorteile für alle entstehen.
"Wir wollen eine Gemeinschaft erschaffen, wie in Andunie. Dunkle und Sarmaer gemeinsam und in Harmonie, ich weiß, dass es geht." Beide Seiten blickten Madiha skeptisch an. Sie aber hatte ihre Passion in den eigenen Worten gefunden, die Zuversicht darauf, dass auch in Sarma gelingen könnte, was in Andunie bereits im Entstehen war. Sie wollte diese Hoffnung weitergeben. Somit ließ Madiha sich nicht aufhalten. Sie redete einfach weiter. "Und im Grunde wollt ihr doch nur dasselbe ... eine Heimat. Einen Ort, der sicher ist. Wollen wir das nicht alle? Ein Zuhause, an dem man geliebt wird, an dem man Fehler machen darf, die nicht gleich ... Leben kosten. Ich verstehe das, auch ich suche danach ... Aber im Krieg werden wir das nicht finden ... Krieg bleibt immer gleich..."
Eine Ruhe legte sich über den Hafen, die auch nicht vom Rauschen der Wellen von Seeseite durchbrochen wurde, noch vom Kreischen des Drachen, der nach wie vor weit über der Stadt seine Kreise zog. Irgendwie befanden sich alle in einer Blase aus nachdenklicher Stille, nachdem Madihas Worte endeten. Plötzlich jedoch geriet Bewegung in die Seite der Dunklen. Einige Elfen wurden beiseite geschoben und schließlich verpasste eine dunkle Soldatenhand dem Unterarm eines der Orks einen Klaps, damit dieser etwas beiseite trat. Ein durchschnittlicher Elf, optisch kaum erwähnenswert, trat nach vorn. Dunkle Haut, dunkles kurzes Haar, eine Platzwunde auf der Stirn, die sein halbes Gesicht hatte blutig werden lassen. Ansonsten schien er aber unverletzt. Sein Alter war schwer einzuschätzen wie bei vielen Dunkelelfen, doch seine Stimme machte ihn ... jung. Er klang fast wie ein Bursche, der gerade erst den Kinderschuhen entstiegen war und viel zu ... nett.
"Ja", stimmte er Madihas Worten zu und zog sein Schwert. "Ich mag nicht mehr kämpfen. Das wollte ich auch vorher nicht." Er warf die Klinge einfach zu Boden, wo sie mit einem Klirren die sandigen Pflastersteine traf und liegenblieb. "Ich hab so viele Tode gesehen und so viele selbst getötet. Ich hab die Schnauze voll." Er wandte sich zu seiner Gruppe um, breitete die Arme aus. "Ich mag nicht mehr. Ich möchte nach Hause!" Sein grauer Blick glitt über seine Schulter, hin zu Jakub. Jener spürte die Augen sofort auf sich und straffte seine Haltung ein wenig. "Ihr sagt, ihr seid mit einem Schiff gekommen. Lasst mich anheuern. Bringt mich fort von hier. Der Krieg ist für mich vorbei."
Jakubs Mundwinkel hob sich an. Er ruckte mit dem Kopf weit genug herum, dass es ein Nicken hinter sich darstellte. "Sind mit der Schwarzen Muräne angereist, mit einer Mannschaft ausschließlich aus deinesgleichen, von mir und dem Käpt'n abgesehen. Alle Dunkelelfen segeln loyal unter diesem Taugenichts von Mann." Caleb brummte auf. Jakubs Mundwinkel hob sich weiter an. "Das funktioniert, weil er zu gütig ist, um irgendwelchen Vorurteilen nachzujagen. Für Käpt'n van Tjenn zählt die Persönlichkeit, nicht die Herkunft."
Caleb rieb sich den Nacken, schmunzelte zu Madiha und dann zu Jakub herüber. Schließlich aber sah er den fremden Soldaten an und nickte ihm fast einladend zu. Wenn jener zurück auf's Festland wollte, ließ sich das bestimmt bewältigen. Es war wichtig, ihm nun Hoffnung zu machen. Es war ein erster Schritt in die richtige Richtung - leider nicht für alle.
"All eure Worte bringen mit meinen Mann nicht zurück", meldete sich die sarmaer Witwe zu Wort. Sie klang müde. Auch sie wollte den Krieg nicht. Er hatte ihr bereits alles genommen so wie der Drache es mit Madihas Magie getan hatte. Die Frau schluchzte auf, zeigte anklagend auf die dunklen Völker. "Er ist gefallen, durch die Hand der Dunkelelfen!", wimmerte sie. Dann konnten ihre Beine sie nicht länger halten. Unter Tränen brach sie zusammen, verbarg das Gesicht in Händen und begann bitterlich zu weinen. Das rief ihre Kinder auf den Plan, die sich einfach aus den Reihen der Sarmaer lösten. Ungeachtet jeder möglichen Gefahr rannten sie zu ihrer Mutter hin. Der Älteste trug noch das jüngste Geschwisterchen auf dem Arm, welches selbst noch nicht laufen konnte. Schon hingen sie an ihrer Mutter, umarmten und hielten sie und weinten mit ihr.
In diesem Moment löste sich ein weiterer Dunkelelf von seiner Gruppe. Weniger aggressiv schob er sich an seinesgleichen, den Orks und Goblins vorbei. Er wagte sich auf die Reihe aus wachsamen Sarmaern zu, die allesamt sofort mit neuer Anspannung ihre Säbel auf ihn richteten. Der Elf aber zeigte sich nicht angriffslustig. Er marschierte einfach durch ihren Wall hindurch, bis er die Frau samt ihrer Kinder erreichte. In gebrochenem Celcianisch sprach er sie an: "Meine ... Bruder ... liegen dort ... in Wegen." Er deutete zum Zugang der Stadt, der nur vom Hafen aus zu erreichen war. Die Frau schaute auf, bis ihr Blick den seinen traf. Manchmal benötigte es keine Worte, um einander endlich zu verstehen.
Sie löste eine Hand vom Rücken ihres Kindes und streckte sie dem Elfen entgegen. Er nahm seinen Schwertgurt ab, warf ihn in den Sand und sank dann neben der Frau selbst hinab. Er ergriff ihre Hand, senkte den Kopf, beugte sich zu ihr vor und nun weinte auch er. Die Kinder zögerten nicht, seinen Rücken zu tätscheln. Das Bild war rührend und zeigte, was Madihas Worte schon angedeutet hatten. Niemand von ihnen wollte den Krieg. Sie wollten nur leben können, nicht überleben. Sie alle.
Weitere Waffen fielen zu Boden, dieses Mal nicht nur auf der Seite der Dunkelelfen. Sarmaer Soldaten ließen ihre Säbel los, schauten sich um. Caleb nutzte die Chance. "Du hast genug geredet", wisperte er Madiha zu und von Kjetell'o erreichte sie ein leises "Gut gemacht." Dann wandte sich der Wüstendieb an die Versammelten. Er breitete die Arme aus, um ihre Aufmerksamkeit noch vor seinen Worten zu erlangen. "Hört mir zu! Was auch immer das Feuer des Drachen bei euch verursacht hat. Hier bewirkt es jetzt, dass ihr eine Chance auf einen Neuanfang habt - einen gemeinsamen. Rauft euch zusammen. Niemand muss kämpfen!"
Jetzt war es ein Ork, der sich an alle wandte. Es mochte überraschen, wenn man Vorurteile besaß, aber Orks waren per se nicht dumm. Jener hier drückte sich sogar besser aus als der Dunkelelf vor ihm. Aber er widersprach Caleb mit basslastiger Stimme: "Doch, wir müssen kämpfen! Uns bleibt keine Wahl." Die Goblins bei seinen Füßen klagten leise und in ihrer Sprache auf. Der Dunkelelf, der auf der Muräne anheuern wollte, seufzte. Der Ork aber zeigte zum Himmel. "Wir müssen kämpfen, aber wir haben einen neuen Feind. Einen gemeinsamen Feind!", wandte er sich nun direkt an die Sarmaer. Er schaute sie erwartungsvoll an. Orks waren nun einmal schneller bereit, sich in ein Gefecht zu stürzen. Der Tod begleitete sie ständig, jedenfalls natürlicher als bei anderen Völkern.
Ein Goblin mit einem eisernen Band um den Hals, an dem eine halb geborstene Kette mit dicken Gliedern hin, schob sich an den grünen Füßen vorbei. Da nun alle gesprochen hatten und das auf Augenhöhe, wollte auch er es wagen. Allerdings wandte er sich nicht an die versammelten Gruppen. Er schaute zu Caleb und zu Madiha. Vor allem zu Madiha. "Mein Herr, ein Dunkelelf, und ich sind direkt vom Feuer des Drachen getroffen worden. Ich dachte schon, nun ist's vorbei. Ich wurde als Sklave geboren, musste als Sklave Kriege anderer führen und würde in diesen Kriegen als Sklave sterben." Die anderen Goblins nickten sacht. Sie alle schienen nicht freiwillig hier zu sein. "Das Feuer traf uns direkt. Ich spürte, wie es heiß über mich hinweg fegte. Ich hörte die Schreie meines Herrn. Er ... verbrannte. Er schmolz geradezu neben mir, dass von ihm nichts als ein Haufen Knochen und Asche übrig blieben. Ich ... ich stand neben ihm. Er hielt meine Fessel!" Der Goblins griff an die Kettenglieder, um sie demonstrativ in die Höhe zu recken. "Ich wurde genauso getroffen wie er. Ich spürte die Hitze, aber es schmerzte nicht. Es ... es verschonte mich, das Feuer, meine ich. Ich bin vollkommen unverletzt."
Da trat ein sarmaer Soldat nach vorn. "Mich hat es auch getroffen, direkt im Gesicht, weil ich nach oben blickte." Er besaß nicht eine Brandblase. Verwirrt schüttelte er den Kopf. "Ich weiß nicht, warum Lysanthor seine Drachenhitze wie eine Fata Morgana über mich fahren ließ, aber er war mir gut." Ein weiterer Soldat trat vor und bestätigte die Worte. Dann wurde es in beiden Gruppen lauter. Menschen und Dunkelelfen, Orks und Goblins murmelten, brabbelten, aber alles stimmten überein. Das Drachenfeuer hatte sie berührt ... und verschont.
"Vielleicht sollten wir uns das genauer ansehen", meinte Caleb. Kjetell'o schaute ihn kritisch an. Jakub brummte. "Hey, wir können sicher irgendwie ausweichen, wenn wir ... unterirdisch gehen. Ich will wissen, warum das Feuer nicht brennt. Und ich will schauen, wer überlebt hat." Sein Blick glitt zu Madiha. "Notfalls nur du und ich. Lehne nicht ab, ich weiß, du bist genauso neugierig. Gemeinsam, ja?"
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Re: Am Hafen

Beitrag von Madiha Al'Sarma » Montag 9. Dezember 2024, 11:58

Madiha war niemals eine Anführerin gewesen. Sie handelte nicht besonnen oder behielt den Überblick. Sie führte niemanden an, weil sie vom Leben nichts wusste. Sie handelte nach ihrem Innersten, hoffte darauf, dass man es gut mit ihr meinte und wollte für kein Leid verantwortlich sein. Sie beherrschte weder höfische Gepflogenheiten oder hatte gelernt, welche Länder auf Celcia existierten. Sie war nicht belesen und darüber nicht besonders eloquent. Ihr Handeln war einfacher Natur und trotzdem war sie damit bereits weit gekommen. Auf ihr Herz zu hören hatte Madiha nicht nur Freiheit, sondern vor allem auch Liebe und Freundschaft gebracht. So, wie sie war, war es gut und das war etwas, das ihr ihre Freunde vermittelten. Sie blieben, auch wenn sie Fehler machte. Madiha aber tat sich schwer damit, derart zu scheitern. Vielleicht auch, weil sie sich durch ihre Magie und das Potenzial, das diese entfaltete ein wenig besonders gefühlt hatte. Sie hatte das Gefühl bekommen, endlich im Licht zu stehen und nicht nur am Rand. Es war ein berauschendes Gefühl gewesen und vielleicht war es gut so, dass sie es nun eingebüßt hatte. Bescheidenheit war eine Tugend und Madiha hätte sie womöglich verlieren können… Oder? Irgendwie musste sie sich diesen Verlust erklären, damit sie verstehen konnte. Noch immer war sie unsicher und wusste nicht recht, wer und was sie nun sein konnte. Madiha aus Sarma, die nichts besaß außer diesem Wissen. Das und dass ihre Freunde sie immer begleiteten. Das war reichlich und sie fühlte sich auch nicht undankbar. Nur nutzlos, wenn es hieß, sie müsste eben jene Freunde und ihre Zuneigung beschützen. So hemmte sie das Erlebnis mit dem Drachen und dass sie beinahe gestorben wäre, deutlich. Sie fand sich schwer zurecht in dem, was sie nun darstellte, und ließ die anderen handeln. Es wäre ihr sehr viel lieber gewesen, wenn Kjetell’o mit seiner Weisheit oder Jakub mit seiner Direktheit reden würden, aber erneut schob man sie vor. Unbehagen und zu wenig Selbstvertrauen machten ihre Worte unrund. Sie plapperte irgendetwas, war nervös und schüchtern. Nie hatten ihr überhaupt so viele Menschen zugehört, geschweige denn sie wahrgenommen. Da konnte einem schon mal angst und bange werden. Je mehr Madiha spürte, dass die Soldaten oder die Sarmaer ihrem Geplapper lauschten, desto lauter pochte ihr Herz. Allerdings besaß Madiha eine gewisse Fähigkeit und die kam ihr nun zugute. Sie sprach aus dem Herzen, sagte nichts, was sie nicht selbst so empfand. Es machte sie echt, wahrhaftig und das trug schließlich auch Früchte.

Nachdem sie geendet hatte, trat ein Dunkelelf aus seinen eigenen Reihen und Madiha schluckte entsetzt. Sie glaubte bereits, dass man ihr nun die Zunge herausschneiden wollte! Allerdings musste sie erkennen, dass der Elf keineswegs nach Blut verlangte. Er wollte… Leben, wollte nicht mehr kämpfen. Madiha staunte und starrte ihn an. Es bildete sich ein warmes Gefühl in ihr aus. Selbst der eine, der sich zu einem Umdenken bewegen ließ, fühlte sich… wundervoll an. Sie lächelte leicht, als er mit Jakub und Caleb abmachte, dass er auf der Muräne anheuern dürfte. Es war skurril. "Das funktioniert, weil er zu gütig ist, um irgendwelchen Vorurteilen nachzujagen. Für Käpt'n van Tjenn zählt die Persönlichkeit, nicht die Herkunft." Madiha’s Blick wurde wärmer, als sie Caleb’s auffing. Jakub hatte Recht. Caleb war der richtige Mann dafür, wenn es darum ging eine Mannschaft unter sich zu vereinen, die integer und harmonisch war. Egal woher jemand kam, er besaß Qulitäten, die innerhalb einer Gemeinschaft wichtig sein konnten. Madiha stutzte bei diesen Gedanken. Egal woher jemand kam… Sie schluckte etwas und holte schließlich zitternd Luft. Auch sie war in seinen Bann geraten und es war ihm immer egal gewesen, dass sie ein Leben als Sklavin geführt hatte. Ihr Blick glitt abermals zu Caleb, als jener sich um den Neuzugang kümmerte. Ja, er war die strahlende Gestalt dieser neuen Ordnung. Er war es, der die Seelen vereinte. Er schuf ein neues Andunie und er würde hier weitermachen. Madiha war stolz auf ihn. Durch seine Liebe zum Leben würde er diesen Krieg beenden. Sie wusste gar nicht, warum man sie geschickt hatte. Caleb hätte es selbst tun können! "All eure Worte bringen mit meinen Mann nicht zurück" Sie wandte sich der Witwe zu und sah, wie sehr sie litt. Madiha wollte schon auf sie zugehen, doch da kamen ihre Kinder und weinten. "Er ist gefallen, durch die Hand der Dunkelelfen!" Als Madiha ihren Kloß geschluckt hatte, öffnete sich ihr Mund, doch erneut löste sich jemand aus den Reihen der Dunklen. Sie beobachtete das Geschehen und mit einem Mal verselbstständigte es sich. Das Mädchen aus Sarma trat wieder zurück in den Hintergrund und beobachtete still, wie sich eine Dynamik entwickelte. Es brauchte nur einen Mutigen. Ihr Blick glitt zu dem Soldaten, der anheuerte. Er hat den ersten Schritt getan und nun folgten ihm andere. Sie sah zu, wie die Witwe gemeinsam mit dem Dunklen weinte. Niemand gewann in einem Krieg. Schon gar nicht diejenigen, die kämpften. Kriege waren nur für Könige und für Fädenzieher. Das Volk verlor, entweder das Leben, die Freiheit oder die Heimat… "Du hast genug geredet", hörte sie Caleb hinter sich und schreckte aus ihren Gedanken auf. Sie wandte sich halb um und nickte verstehend. "Gut gemacht.", kam von Kjetell’o. Madiha stand neben ihm, während Caleb sich an die Versammelten wandte. "Hört mir zu! Was auch immer das Feuer des Drachen bei euch verursacht hat. Hier bewirkt es jetzt, dass ihr eine Chance auf einen Neuanfang habt - einen gemeinsamen. Rauft euch zusammen. Niemand muss kämpfen!" Sie schluckte und beobachtete stolz Caleb’s Tun. „Ich bin das nicht. Das ist er.“, raunte sie Kjetell’o daraufhin zu. Sie lächelte voller Liebe zum Wüstendieb. „Er verbindet die Massen ohne jeden Hintergedanken…“, murmelte sie.

"Doch, wir müssen kämpfen! Uns bleibt keine Wahl. Wir müssen kämpfen, aber wir haben einen neuen Feind. Einen gemeinsamen Feind!" Sie folgte seinem Fingerzeig und sah zum Drachen. Es schmerzte. Es tat weh. Madiha fröstelte erneut, weil ihr wieder die Kälte in sich bewusstwurde. Sie kehrte in sich zurück und umfasste mit ihrer Hand den Arm. Sie schämte sich nach wie vor. Der Ork hatte Recht, aber diesen Feind hatte sie geschaffen. Mit entschlossener Miene wollte Madiha vortreten, damit sie ihnen sagen konnte, wer daran die Schuld trug. Damit sie sich nicht gegen einen Drachen verbündeten… Und ihr Leben verloren. Da richtete ein Goblin das Wort direkt an sie. Madiha hielt inne und blickte auf. "Mein Herr, ein Dunkelelf, und ich sind direkt vom Feuer des Drachen getroffen worden. Ich dachte schon, nun ist's vorbei. Ich wurde als Sklave geboren, musste als Sklave Kriege anderer führen und würde in diesen Kriegen als Sklave sterben." Sie verstand ihn. Wäre sie noch hier, wer weiß, ob sie nicht das gleiche Schicksal hätte… "Das Feuer traf uns direkt. Ich spürte, wie es heiß über mich hinweg fegte. Ich hörte die Schreie meines Herrn. Er ... verbrannte. Er schmolz geradezu neben mir, dass von ihm nichts als ein Haufen Knochen und Asche übrig blieben. Ich ... ich stand neben ihm. Er hielt meine Fessel!" Madiha stutzte und lauschte der unglaublichen Geschichte. Der Goblin musste unwahrscheinliches Glück gehabt haben! Doch dann folgten auf einmal unzählige Berichte von anderen, die exakt das gleiche erlebt hatten. Sie alle hatten das Drachenfeuer überlebt. Madiha starrte sie alle nacheinander an. Ihr lief es eiskalt den Rücken hinunter. Sie verstand das nicht, wie war das möglich? "Vielleicht sollten wir uns das genauer ansehen", hörte sie Caleb überlegen. Madiha vergaß, dass sie der Menge mitteilen wollte, wem sie den angreifenden Drachen zu verdanken hatten. Sie trat zurück in die Reihe aus Kjetell’o, Jakub, Caleb. „Und was wird aus ihnen?“, fragte sie nickend zu den anderen, die sich am Hafen versammelt hatten. "Hey, wir können sicher irgendwie ausweichen, wenn wir ... unterirdisch gehen. Ich will wissen, warum das Feuer nicht brennt. Und ich will schauen, wer überlebt hat.", lenkte Caleb ein, weil die anderen beiden offenbar nicht sonderlich begeistert waren. Madiha schwieg dazu. Es lag nicht an ihr, das zu entscheiden. Nur durch sie hatten sie dieses Rätsel überhaupt zu lösen und sie wollte einfach nicht mehr Chaos stiften als sowieso schon. Außerdem war sie sich nicht bewusst, dass man auch ihre Meinung dazu hören wollte. "Notfalls nur du und ich. Lehne nicht ab, ich weiß, du bist genauso neugierig. Gemeinsam, ja?" Sie hob den Blick in seine Augen. War sie neugierig? Madiha hatte sich diese Überlegung nicht gestattet, weil sie sich zurückhalten wollte. „Ich… meinst du? Ist das eine gute Idee?“, überlegte sie unsicher und blickte zu den verschiedenen Soldaten.
Sie hatten ihre Grenzen scheinbar aufgegeben und erzählten einander die gleichen Geschichten. Geschichten, die verbanden, weil sie jeder auf die gleiche, grausame Weise unabhängig der Herkunft erlebte. Madiha lächelte kurz. „Sieh, was du geschafft hast, Caleb…“, murmelte sie und holte tief Luft. „Meinst du, es gibt noch mehr von ihnen? Wenn sie wüssten, dass sie nicht als einzige Glück hatten sondern aus irgendeinen Grund verschont wurden, würden sie vielleicht auch aufhören zu kämpfen. Du könntest ihnen sagen, dass hier am Hafen ein sicherer Ort ist“, sagte sie bestätigend zu Caleb. Madiha merkte gar nicht, dass sie ihn zu einem Anführer machte, der er nie sein wollte. Aber er machte seine Sache so gut, sie konnte gar nicht anders. Es gab wahrlich schlimmeres, als einem Caleb Tjenninger zu folgen. Sie tat es gern. Madiha aber nickte schließlich. „Lasst uns die Tunnel nehmen, dann umgehen wir womöglich das Gröbste. Hoffen wir, dass sie nicht eingestürzt sind“, warnte sie noch und sah Kjetell’o und Jakub an. „Caleb könnte noch mehr erreichen. Wir sollten es versuchen!“, lächelte sie zuversichtlich.
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Re: Am Hafen

Beitrag von Erzähler » Dienstag 10. Dezember 2024, 18:27

Madiha hatte sich niemals als Anführerin gesehen. Sie verglich sich unbewusst mit anderen, die besser in die Rolle passten und erkannte für sich, dass ihr einfach die Qualifikationen fehlten. Sie war weder stark, noch optisch heroisch beeindruckend. Sie war einfach nur sie. Aber sie vergaß, welchen Einfluss sie nehmen konnte und das ganz ohne Magie. Sie sprach, lebte und handelte stets mit dem Herzen. Sie stand hinter ihren Entscheidungen und versuchte stets, in allem und jedem zuerst das Gute zu sehen. Das machte ihr Mut, ließ sie handeln, Stärke zeigen und ... anführen. Im Moment konnte sie es nicht sehen. Mit dem Verlust ihres Feuers glaubte sie kaum noch an das, was in ihr übrig war. Sicher, Caleb liebte sie und ihre Freunde standen ihr weiterhin zur Seite - deshalb waren sie Freunde! Aber von Nutzen fand sie nichts mehr an sich. Das mussten nun andere übernehmen. Andere wie Kjetell'o, der ihr keine Wahl ließ und sie direkt auf die angespannten Grüppchen im Hafen schob, damit sie jene mit Worten daran hinderte, sich gegenseitig an die Kehle zu springen. Dass es ihr wahrlich gelang, kam einem Wunder gleich. Aber genau das war es, was Madiha regelmäßig in ihrem Leben passierte, unabhängig magischer Fähigkeiten. Sie erlebte Wunder, an deren Schaffen sie immer einen kleinen oder großen Teil beigetragen hatte. Tatsächlich hatte sie so viel schon bewegt, auch wenn sie es im Moment nicht sah. Und es geschah erneut. Es begann mit einem einzelnen, der sich von ihren Worten verzaubern ließ. Ein Dunkelelf, dessen Herz für den Krieg hier im Grunde auch zu weich war und der nicht länger daran teilnehmen wollte. Jemand, den man nicht vollends hatte zum Soldaten machen können, weil er dessen Qualifikationen nicht mitbrachte, so wie Madiha sich nicht als Anführerin geeignet sah. Es waren diese aus der Norm fallenden Geschöpfe, die etwas bewegten. Denn kaum, dass er vortrat und seinen Ausstieg aus dem Schrecken verkündete, indem er darum bat, an Bord der Muräne anheuern zu können, um schnellstmöglich nach Hause zu gelangen, folgten ihm andere. Zunächst auf anderen Wegen und eher ablehnend stellte sich heraus, dass sie sich doch alle nur ein Ende des Krieges wünschten ... und dass sie alle ein Herz besaßen, das weinte.

Caleb übernahm nun. Er wollte Madiha einen Gefallen tun und sie unterstützen, damit sie nicht alles allein machen musste. Es ging - wie oftmals bei den Ideen des Diebes - ein wenig nach hinten los. Die Gruppen einten sich zwar und das war gut. Aber Madiha sah den Erfolg nicht mehr als selbstverdient an.
"Ich bin das nicht. Das ist er. Er verbindet die Massen, ohne jeden Hintergedanken..."
Kjetell'o musterte die Szenerie. Tatsächlich wirkten zumindest die Soldaten eher geneigt, einem Mann zuzuhören, dessen Stimme sich beim Sprechen nicht überschlug. Sie kamen herbei und unterhielten sich, sowohl mit Caleb als auch untereinander. Die Frauen aber schauten teilweise noch immer zu Madiha hin. Einige nickten ihr zu. Viele rafften sich auf oder hingen sich nun gemeinsam weinend in den Armen. Caleb hatte Madiha das Zepter, die schwere Bürde eines Anführers, abgenommen, aber bewegt hatte sie das. Sie sah es nur nicht.
Kjetell'o neigte sich zu ihr herab und wisperte: "Hinter jedem großen Mann steht eine noch größere Frau." Er zwinkerte ihr warm zu. "Ohne dich wäre er nichts, könnte nicht all das machen, was er tut. Du bist sein Antrieb und er braucht das. Celcia braucht es, weil er nur so eine ganze Welt befrieden möchte - deinetwegen. Damit du diese Welt schön und groß erleben kannst, in Frieden. Wir anderen sind leider nur ein positiver Nebeneffekt." Jetzt lachte der Elf. Es war natürlich scherzhaft gemeint, aber gleichzeitig steckte eine Menge Wahrheit in seinen Worten. Calebs Taten waren fast ausschließlich durch Madiha angetrieben worden. Er hatte seit ihrer ersten Begegnung sein Leben so geführt, dass er sie immer wiedersehen konnte. Er hatte sie beobachtet und alles versucht, sie wieder aus der Bredouille herauszuholen, in die er sie mit seinem Verkauf an Abbas damals gebracht hatte. Er hatte sie vor einem Ende gerettet, das Khasib für sie vorgesehen hatte. Er hatte sie mit in den Bund der Wüstendiebe genommen, nur damit Dunia sich um sie kümmerte. Er hatte ihr Zugang in die Feuerakademie beschafft. Er hatte so vieles immer nur für sie getan. Und auch jetzt wollte er keineswegs ohne sie weitermachen.
Auch Caleb kam es seltsam vor, dass das Drachenfeuer so viele vollkommen verschont ließ, obwohl sie direkt in den Flammen gestanden hatten. Er wollte sich die Sache nun aus der Nähe anschauen, nicht aber, ohne Madiha mitzunehmen. Er würde nirgends mehr ohne sie hingehen.
"Und was wird aus ihnen?" Caleb folgte Madihas Nicken hin zu den Sarmaern und Dunklen. Inzwischen gab es nur noch eine Gruppe, dafür war sie groß. Sie hatten ein gemeinsames Ziel und wo sie zuvor noch gegeneinander kämpften, da schlossen sie sich unter der Hoffnung auf ein gemeinsames Überleben zusammen. Der Dieb lächelte kurz ob des Anblicks. Es ging schnell und funktionierte, offenbar besser als in Andunie. Niemand sträubte sich. Niemand wollte Blut vergießen. Es war beinahe so, als existierten Störenfriede in dieser Gruppierung nicht. "Jakub!", rief Caleb mit einer kräftigeren Stimme. Jetzt war er der Kapitän, der mit seinem Ersten Maat sprach und nicht mit einem Freund. Beide akzeptierten das. Jakub salutierte sogar. "Käpt'n?", fragte er als Signal, ihm zuzuhören.
"Auf dem Schiff ist nicht genug Platz, um all diese Seelen aufzunehmen. Und wir haben noch nicht vor abzureisen." Er schaute entschuldigend zu dem Soldaten, den Madihas Worte zuerst erreicht hatten. Er nickte. Er verstand. Für ihn zählte die Aussicht auf Hoffnung, die ihn weitermachen ließ. "Hier am Hafen scheint es sicher, aber sie brauchen einen Unterschlupf. In der prallen Sonne halten sie nicht lang durch."
"Ich verstehe, Käpt'n", gab Jakub zurück. Caleb hob einen Mundwinkel. Er hatte sich den besten Ersten Maat an die Seite geholt.
"Teil die Vorräte so gut es geht auf. Ich gehe mit Kjet und Madi in die Stadt. Wir versuchen, den Bund zu kontaktieren und sehen zu, was wir noch an Hilfe auftreiben können. Verteil Nahrung, Wasser, Decken - was benötigt wird. Aber schlachte die Muräne nicht aus. Ihr als Mannschaft seid genauso wichtig wie jeder einzelne hier."
"Aye, Käpt'n!" Jakub machte sich auf den Weg. Die Dunkelelfen der Mannschaft würden ihm helfen.
"Sieh, was du geschafft hast, Caleb..." Verwirrt schaute der Dieb Madiha an. "Du meinst, was du geschafft hast! Das Wichtigste war, dass sie zuhörten. Das verdanken wir dir." Er neigte sich zu ihr, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. Gern hätte er ihr mehr geschenkt, aber der Zeitpunkt war ungünstig. Sie mussten nun los. Sie mussten durch Sarmas Straßen und sich ansehen, was dort geschehen war.

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