Blut und Sand

Um die Stadt Sarma betreten zu können, musst du das immer bewachte Stadttor passieren. Vor der Pforte und in zwei kleinen Türmen links und rechts davon sind die Beschützer der Wüstenstadt postiert.
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Re: Blut und Sand

Beitrag von Erzähler » Samstag 19. Juli 2014, 10:24

Es gab etwas, das Darak Luthrokar am Leben hielt. Sicherlich besaß er noch mehr Gründe, als Buße tun zu wollen, doch dieser eine Entschluss hatte sich in ihm fest verankert. Er hätte gigantische Wunden im Fleisch seiner Seele gerissen, wäre er dem Drang, sein Leben durch eine Bußtat reinzuwaschen nicht nachgegangen. Er hätte niemals Frieden finden können in einer Nachwelt, die vielleicht auch ohne eine solche befreiende Buße ohnehin nicht Gutes für ihn verhieß. Was wartete auf ihn? Eine Wallküre wie jene, in die sich der Gevatter verwandelt hatte? Ein Harem aus paarungswilligen Frauen, die ihn für die Ewigkeit verwöhnen würden? So manch Assassine der Sarmaer Lande beging Bluttaten, weil man ihm 77 Jungfrauen für das Leben nach dem Tode versprach. Eine solche Zahl wär zu gering für einen Mann von Daraks Format und ständig nur Jungfrauen zu haben, käme für ihn sicherlich auch nicht in Frage. Er erwartete darüber hinaus Rassefrauen wie Vesta, Exoten wie Constanze, Liebe wie bei Lilith und eine tief verbundene Seelenverwandtschaft wie bei Elena.
Nein, er konnte noch nicht gehen. Der sture Bock hatte noch nicht genug getan, um sich seine Form des Nachlebens zu verdienen. Noch nicht genug für "seine Jungfrauen" ... und die Erfahrenen. Er würde sie auch niemals erreichen, wenn er nicht Buße tat. Also schlug er das Angebot des Zeitlosen aus. Leben kehrte in ihn zurück, erfüllte ihn mit der Fähigkeit, all seine Sinne und darüber hinaus auch den Schmerz zu spüren, der in seine Glieder drang. Der Absturz war keine angenehme Sache gewesen. Zwar hielt sich die Pein in Grenzen, weil er noch immer wie gestorben im Sand lag, doch er brach wie eine Welle über ihn herein, kaum dass er sich bewegte. Es kostete Darak Kraft, doch vielmehr Willen, sich aufzuraffen. Leben war ein unermüdliches Fortschreiten durch Schmerz, Enttäuschung und Pein.

Ein Röhren brachte seinen gesamten Körper zum Erzittern. Das nachhallende Grollen vibrierte in seinen Knochen. Wo Darak gerade ums Überleben kämpfte, da focht der gewaltige Feuerdrache eine Schlacht um das Leben aller aus, denen er im Bündnis Treue geschworen hatte. Die dunkle Armee mochte Fauch vom Himmel geholt haben, aber vernichtet hatte sie ihn nicht und jetzt durfte sie feststellen, dass eine geschuppte Bestie am Boden genauso gefährlich sein konnte wie am Himmel. Gleißende Schreie, als die Hitzewelle des Feuerodems selbst Darak noch streifte ... während sie anderen die Haut von den Knochen schmolz oder sie verkohlte. Für einen Moment befand sich der Befreier, der es noch nicht auf die Beine geschafft hatte, im kühlen Dunkel eines Schattens. Fauchs geschuppter Schweif flog über ihn hinweg, wirbelte den Sand auf, dass es in Augen und Lungen kratzte. Dann erbebte die Erde unter den Pranken der Bestie. Fauch kämpfte. Auch für Darak war es Zeit dafür.

Und für Rhiven. Was immer Darak dazu bewegte, sich dem dunkelelfischen Soldaten - dem Kriegsgefangenen! - zuzuwenden, er wollte nicht, dass dieser starb. So widmete er sich zunächst nur einer einzigen anderen Sache, die höhere Priorität besaß: sein Helm. Er musste zurück auf den Dickschädel. Da unterdrückte er auch das quälende Pulsieren in seinem zertrümmerten Knie. Mit dem Beinahetod hatte die Wirkung von Catties Wunderpillen geendet. Nur die Hitze der Wüste, sowie der Eifer des Gefechts und nicht zuletzt Daraks willensstarke Sturheit, nicht ohne seinen Helm hier zu krepieren, sorgten dafür, dass er die Pein ausblenden konnte. Er hörte sich selbst keuchen. Schrie er vor Schmerz? Irgendwie war alles noch nicht ganz real. Manchmal verschwamm ihm die Sicht, je länger er das verletzte Bein beanspruchte. Seine Kräfte schwanden. Der Tod mochte sich vorläufig abgewandt haben, doch wieviel Zeit gab er ihm noch? Er wäre weiterhin hier ... für andere.
Darak erreichte Rhiven kriechend. Ein jeder Dunkelelf hätte triumphierend ob dieser Demütigung gegrinst. Dieser hier nicht. Er lag reglos am Boden. Wieder verschwamm dem Gehörnten die Sicht. Rhiven nahm ein seltsames Leuchten an. Rötlich mit einem goldenen Zentrum, wo sich das Herz befand. Dieses Zentrum schickte Impulse in den Körper, aber sie waren so schwach, dass die den Rand des roten Scheins lange nicht mehr erreichten. Und dennoch ... die Gestalt mit der Sense entfernte sich, just in dem Moment, in dem Darak den Körper rüttelte. Grinste der Gevatter ihm zu? Eigentlich grinste dieser Schädel immer irgendwie. Es war makaber, doch nur der Tod durfte über das Ende lachen ... oder den Verlust einer Seele, die er irgendwann bekommen würde. Ihm entkam niemand.
Daraks Sicht klärte sich und das war ausnahmsweise schlecht. Der Schimmer, in den sein Sklave getaucht war, verblasste. Er würde nicht sagen können, ob dieser nun starb oder ob Darak einfach nicht mehr in der Lage war, das Leben in ihm zu sehen. Noch hatte sich Rhiven keinen Deut weit gerührt.

Ein Blick über die Schulter verriet dem Befreier von Sarma, dass sein Drache noch immer für ihn kämpfte. Er dezimierte die Reihen der dunklen Armee, doch es waren längst nicht alle besiegt. Außerdem meinte er, plötzlich eine blendend weiße Gestalt durch das Heer fegen zu sehen. Sie bewegte sich wie ein Schatten, sie kam näher und näher ... direkt auf ihn zu und ihr folgte eine Schar von Schreiender. Darak konnte Schwerter in der Sonne blitzen sehen. Er konnte die Rufe hören, sie waren gellend laut und ... weiblich. Die weiße Gestalt stürmte auf ihn zu. Zuerst fiel ihm das wehend goldene Haar auf, dann die blauen Iriden, die sich vor Schreck weiteten. "Luthrokar!" Nicht einmal Lilith hätte seinen Namen erregender ausrufen können. Constanze war die wahre Exotin. Das Weiß ihres Seelenschimmers verblasste, dass die Sonne hinter ihrer Gestalt verschwand und sie zu Darak und Rhiven in den Sand stürzte. Hinter ihr brachen die amazonischen Schwestern wie eine Flutwelle über den Sand hinweg. Ihre Schreie, ihr kriegerisches Rufen, erfüllte die Luft, paarte sich mit dem Grollen des Drachen und dem Wehklagen des Feindes, als Schwerter große Teile seiner Armee niedermetzelten. Eine Pfeilsalve flog in weitem Bogen über Daraks Blick zum Himmel hinweg. Dann trat Connys Gesicht wieder in seinen Fokus. Sie hob ihn etwas an. Oh, hier war seine wahre Wallküre. Er lag mit dem Oberkörper halb auf den verschwitzten Schenkeln der Amazone, die ihn prüfend aber auch in trotziger Sorge ansah. "Luthrokar, bist du noch am Leben?"
Um Rhiven scherte sie sich nicht.
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Re: Blut und Sand

Beitrag von Darak Luthrokar » Montag 21. Juli 2014, 10:58

Die Sache mit der Busse war im Falle von Darak ohnehin ein seltsames Vorhaben. Wollte er sich doch zurück in die Obhut des Gottes Lysanthor begeben um seinen Seelenfrieden zu finden. Doch der Herr des Lichts war nicht gerade dafür bekannt, dass er sein himmlisches Reich mit Huren und willigen Jungfrauen vollstellte, die nur so auf seine Gläubigen warteten. Noch immer war es bezüglich Daraks Biographie mehr als erstaunlich, dass aus dem frommen Mönch ein Mann geworden ist, der sich nach einem modifizierten und noch verruchteren Nachleben sehnte, als so manch ein sarmischer Assassine… Darak konnte nur hoffen, dass er sich mit der Busse ein Nachleben verdiente, wie er es sich wünschte und nicht wie es Lysanthors eigenem Ideal entsprach. Dieser Gott – so rein und gütig er sein mochte, neigte dazu, so ziemlich die langweiligsten Ewigkeitsvorstellungen zu kreieren, die nur irgend möglich waren. Einst hatte er in einem Buch gelesen, dass seine geschätzten Paladine und Lichtbrüder nach dem Tod an einer gemeinsamen Rittertafel vereint sein würden… wo sie… beten würden. Beten! Bis in alle Ewigkeit! Wie langweilig war das denn! Rumsitzen und Beten. Ihm schauderte es. Die Busse war seines Wissens aber nicht dafür da, ihn zurück zu Lysanthor zu bringen. Der Gott des Lichts fungierte dabei eher als der oberste Richter der er war und er würde jenen Büsser, der sich ihm gegenüber und der Welt versündigt hatte, von seiner Schuld rein waschen, wenn er sich denn als würdig erwies. Danach stand es einem frei, welchem Gott sie weiterhin würden huldigen wollen, denn alle waren sie schliesslich mit Lysanthor verwandt. Solange das zukünftige Leben nach den Gesetzen des obersten Richters verlief, dürfte der geläuterte nichts mehr befürchten. Aber das Ritual der Busse stand im Moment nicht zur Debatte, zumal Darak sich noch nicht wirklich darüber informiert hatte, er wusste nur um deren Existenz.

Die himmlischen Huren mussten sich also noch gedulden, denn Darak atmete und lebte, so stur und hartnäckig wie eh und je. Der heisse Sand brannte ihm im Rücken und an den Oberschenkeln. Auch sein Helm hatte die Hitze in sich aufgesogen und glühte beinahe wie ein Heizofen. Doch Darak war sich dies von früher gewöhnt. Metallhelme waren eine denkbar ungünstige Kopfbedeckung für die Wüste, darum trugen die meisten sarmischen Soldaten höchstens Leder, wenn nicht einfach nur Turbane auf ihrem Haupt, doch Darak hatte schon als Sklaventreiber dieses Ding immer auf seinem Haupt getragen und die gleissende Hitze jeweils in Kauf genommen.

Sein Herz klopfte, seine Schläfen pulsierten ebenso wie sein zertrümmertes Knie. Dennoch musste er weiter machen. Weiter machen! Den Überblick hatte er schon längstens verloren. Wie stand es um die Schlacht? Gelang es ihnen tatsächlich, die Angreifer zurück zu drängen? Oder würden die Fronten bald einbrechen und der Feind an die Tore der Stadt poltern? Wie war es den tapferen Frauen auf See ergangen und hatten sie wirklich alle Belagerungstürme zerstört?
Darak war ohne reitbaren Untersatz in er Schlacht so nützlich wie ein einzelnes Pfefferminzblatt für den Mundgeruch eines Drachen. Der symbolische Anführer Sarmas konnte sich momentan ja nicht einmal auf seinen eigenen Beinen halten. Brüllend vor Schmerz versuchte er es wenigstens mit Kriechen. Ihm wurde schlecht, als die Belastung seines Knies ihm den Schmerz förmlich durch die Adern jagte.

Darak Luthrokar mochte wohl von vielen um seinen ausschweifenden und sexuell ausgereizten Lebensstil beneidet werden, doch hatte sein Leben auch eine andere – sehr sehr sehr schmerzhafte Seite, die wohl kaum einer mit ihm würde tauschen wollen. Gerade jetzt in diesem Augenblick wurde er von der heissen Druckwelle von Fauchs Flammeninferno erfasst, selbst wenn er davon nur gestreift wurde, spürte er, wie sich sein Helm und das Metall an seinem Körper erhitzte und auf seiner Haut unangenehm brannte. Doch er sah, wie nur ein paar Meter vor ihm die feindlichen Soldaten aufschrien und kläglich brüllten, als sie durch die Schmelze ihrer eigenen Rüstung elendig verreckten. Es stank penetrant nach verbranntem Haar und versengter Haut. Dieser Geruch war nur schwer wieder aus der Nase zu kriegen. Darak schniefte ohnehin Rotz und Wasser vor Schmerzen. „ARHRH!“ Tränen schossen ihm in die Augen, als er sich mühsam zu Rhiven vorkämpfte. Wenn man ihn so betrachtete, so schien es, als hätte Sarma sich einen auf dem Rücken liegenden Käfer zum moralischen Anführer ihrer eigenen Truppen gewählt…

„Rrhrhrrhrh!“ Er spürte wie kalter Schweiss an seiner Haut heruntertropfte und wie seine Muskeln zitterten vor Anstrengung und Pein. Er würde hier nicht im Sand verrecken! Oh nein! Dennoch tanzten immer wieder schwarze Punkte vor seinen Augen auf und manchmal fand er sich mit dem Kopf im Sand wieder, wenn er wieder zu sich kam. „SCHEISSE VERDAMMTE, VERFLUCHTE, VERKACKTE!“ Fluchte er und irgendwie schien es ihm zu helfen. Dies würde er auch noch in den Griff bekommen müssen, wollte er Busse tun. Aber eins nach dem andern… „Eins“ war die lächerlich anmutenden drei Meter Luftlinie zu Rhiven zu überbrücken. Doch jeden zurückgelegten Zentimeter bezahlte er mit ungeheuerlichen Schmerzen. Diesen verlieh er Ausdruck indem er in den Sand kotzte. Viel war es nicht. Nur Galle. Er würde ein lächerlich leichtes Ziel für jeden Feind abgeben, doch im Moment schienen sie ihn schlicht und ergreifend zu übersehen.
Er blickte zu seinem Ziel auf. Rhiven, der von einer seltsamen Aura umgeben schien. „Was..rhr..“ Keuchte er und blinzelte heftig mit seinen Augen und mit letzter Kraft begann er an dem Dunkelelfen herum zu rütteln. „Wach..auf…verdammt…Rhiven…“

Er wusste nicht, wie er ohne Hilfe vom Schlachtfeld wegkommen würde, er würde hier zugrunde gehen. Alleine. Hier im Sand. Er hätte nicht einmal die Kraft um Fauch auf sich aufmerksam zu machen. Er wollte nicht sterben. Nicht hier. Nicht so. Nicht jetzt. Er blickte auf die noch immer dampfenden und rauchenden sterblichen Überreste eines Dunkelelfen… dieser hatte vermutlich genau das gleiche Gedacht. Seine Kräfte verliessen ihn. Wütend und verzweifelt schlug er mehrmals auf Rhivens Brust, ehe er sich keuchend auf den Rücken rollte. Im Augenwinkel erkannte er, dass sich etwas… oder besser gesagt jemand, auf ihn zubewegte. Jemand weisses. Darak bekam Angst, hatte Rhiven ihn nicht vor dem schrecklichen weissen Kommandanten der Dunklen Armee gewarnt. Sie hatten ihn entdeckt! Nervös tastete er nach seinem Schwertgut. Doch sein Säbel war nicht mehr an seiner Seite. Er lag einige Meter neben ihm. Unerreichbar. Nein! Er versuchte es dennoch. Kroch darauf zu und streckte seine zittrige Hand danach aus. Er erreichte ihn nicht und sank erschöpft und röchelnd in den Sand. Doch etwas stimmte nicht an seiner vemeindlichen Nemesis. Rhiven hatte den Kommandanten nicht als Frau bezeichnet – so ein Detail wäre ihm aufgefallen –. Ein weiterer Engel? Er sah nur das goldene Haar, welches von er Sonne angeleuchtet wurde und eine schimmernde Rüstung die von einer perfekt geformten Gestalt getragen wurde. War der Tod zurückgekehrt? Das war nicht fair!

"Luthrokar!" Er wollte etwas unglaublich eloquentes und beruhigendes Erwidern- Macho blieb Macho – doch es kam, zu seiner eigenen Enttäuschung, nur ein gekrächztes. „Hargnrhmkk…“ Heraus. Surrend flogen Pfeile über ihn hinweg. Eine weitere urdaraksche Horrorvorstellung. Er hatte ziemliche Angst vor Pfeilen. Eigentlich machte ihm ehrlich gesagt gerade alles ziemliche Angst, da er sich einfach nicht wehren konnte. Er war der Schlacht hilflos ausgeliefert. Wie froh war er darum, dass es Constanze war, die da zu ihm in den Sand gestürzt kam. Er starrte sie ungläubig an. Was machte sie hier?! War sie nicht bei den Schiffen…hatten sie gewonnen? Oder waren sie geschlagen worden? Wie verlief die Schlacht? Sarma würde Morgeria vielleicht den Sieg über diese Schlacht abtrotzen können, doch würden sie den Krieg gewinnen können? Wohl kaum. Doch eins nach dem Anderen. Jetzt war ein denkbar falscher Zeitpunkt für Pessimismus, immerhin war es Constanze gelungen, ihn im Schlachtgetümmel zu finden. Sicherlich, sie hatte vermutlich in erster Linie vor allem Fauch gefunden, doch alle mochten sie wohl gesehen haben, wie der Drachenreiter hier in der Umgebung abgestürzt war. Dennoch hatte Darak zweifellos Glück gehabt, dass sie ihn hier im Sand, zwischen all den Leichen entdeckt hatte. Sein Helm rutschte ihm vom Haupt als sie ihn anhob, da er ihn sich nur notdürftig aufgestülpt und nicht befestigt hatte. Ohne den Helm war er weniger der grosse Darak Luthrokar und vielmehr einer von vielen sarmischen Kämpfern im heissen Sand der Wüste, der ums Überleben kämpfte. Verschwitzt und fahl wie er war, wirkte er ohnehin um Jahre gealtert, während Constanze durch die Hitze des Gefechts nur an Attraktivität gewonnen hatte…

Ich habe damals für sie einen viel zu niedrigen Preis verlangt Schoss es ihm völlig unangekündigt durch den Kopf. Ein Gedanken, an dem er gut daran tat, ihn für sich zu behalten. In jeder anderen Situation hätte seine aktuelle Position ihn wohl in höchste Aufregung versetzt, denn die kriegerische Amazone bettete ihn auf ihre, vom Kampf erhitzten Schenkel und gewährte ihm den Blick von unten an ihren makellosen Vorbau. „G…e.winnen..wir?“

Hauchte er angestrengt und wurde vermutlich vom Schlachtgetöse übertönt. Er krallte sich an ihren Armen fest. Er, ihr ehemaliger Sklaventreiber und Hauptverantwortlicher für den Tod ihrer eigenen Schwester. Kam ihr nicht ein einziges Mal der Gedanke, doch noch späte Rache zu üben? Hier auf dem offenen Schlachtfeld würde ihre Tat wohl kaum persönliche Konsequenzen für sie nach sich ziehen… oder hatte sie tatsächlich ihren Frieden mit ihm gefunden, wie es schien? So sehr, dass sie sogar ihre Liebe mit ihm teilen konnte?

Darak mochte sich gar nicht mehr erinnern, wie oft er von irgendwelchen Frauen schon zusammengesammelt worden war, dies war sozusagen zu einem seltsamen Hobby von ihm geworden. Er sah, dass sie von ihren Schwestern umgeben war, die einen schützenden Kreis um sie beide bildeten. „Fauch… Rhiven… wieder..in die Luft…“ Er versuchte Anweisungen zu geben, versuchte seiner Rolle wieder gerecht zu werden, mit mässigem Erfolg. „Müssen…hie.r..weg…“ Brachte er mühsam hervor. Man sah ihm an, dass er Angst hatte.

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Re: Blut und Sand

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 20. August 2014, 10:01

Wie es um die Verteidigung stand, konnte Darak Luthrokar nicht sagen. Nicht einmal, obwohl er sich mitten unter den Kämpfenden befand. Nun, vielleicht am Rande und teilweise im Schutz des mächtigen Drachenkörpers, der wie ein verschwommen geschuppter, tiefroter Berg in seiner Nähe aufragte; ein Berg, in dem Leben steckte. Hin und wieder wischte der schier endlos lange Schwanz über die Körper im Sand hinweg, peitschte sie mit erhitztem Wüstenwind und harten Sandkörnern, die wie kleine, schmerzhafte Nadeln gegen die Haut prasselten. Die Schreie der Feinde oder Freunde, in jedem Fall Kriegsrufe und das Klagen Verletzter, hallten ebenso über sie hinweg. Die Schlacht hielt an, doch wie es um die Sarmaer stand, blieb für Darak ungeklärt. Vielleicht hatte man trotz Fauchs Bemühen längst die Stadt eingenommen. Vielleicht war Constanze mit ihren tapferen Amazonen Ventha in einer wilden Seeschlacht zum Opfer gefallen. Vielleicht trieb ihr prachtvoller Körper bereits am Meeresgrund. Vielleicht hatte man Lilith gefunden oder Vesta, die nicht einmal flüchten könnte mit ihren zertrümmerten Beinen.
Er durfte es sich nicht ausmalen. Was im Kopf geschah, konnte schrecklichere Ausmaße annehmen als die Realität. Außerdem durfte sich Darak nicht seinen Träumereien hingeben. Davon würde er nur dösig und jeder wusste, was mit denen geschah, die in brenzligen Situationen nur kurz die Augen schlossen. Der Gevatter hatte ihm das Leben gewährt, wenn er sich gegen seine Hand entschied. Aber er hatte nicht die Zeitspanne seines weiteren Lebens verkündet. Vielleicht käm der Zeitlose jeden Augenblick zurück... Darak sah doch schon eine Gestalt ... hell ... weiß ... die Walküre, die ihn ins Reich der Toten hatte geleiten wollen ... es war ...

Constanze, die Amazone, zog Darak den Helm mit spitzen Fingern vom Kopf. Sie fasste ihn an den Hörnern, denn das Metall war bereits viel zu heiß und sie hätte sich auf diese Weise nur verbrannt. So jedoch konnte sie Daraks Kopf auf ihren Schenkeln betten. Aus einer Schnittwunde an ihrem Arm musste Blut geronnen sein, es verteilte sich bis zum Ellenbogen herunter, doch der Schnitt war verbunden worden. Und das sogar recht professionell. Es dauerte nicht lang, da wurde Darak nicht nur von Constanze mit Aufmerksamkeit überhäuft. Eine weitere Amazone, eine zweite und eine Dritte bildeten einen stehenden Kreis um beide. Sie hielten ihre Schwerter bereit, die im Sand Befindlichen zu verteidigen.
"Dana", rief Conny über die Schulter und was sie meinte, bewegte sich nun ebenfalls auf die Gruppe zu. Man machte der neuen Amazone Platz. Sie besaß etwas ausladendere Hüften - waren alle Heilerinnen übergewichtig? - aber noch lange nicht dermaßen ausladend wie Alma. Ja, sie könnte man neben der Lieblingsheilerin des Luthrokar wirklich als schlank bezeichnen. Um ihre Stirn legte sich ein schwarzes Band als Zeichen ihres Standes in der Gruppe. Sie zog eine Tasche vor, griff dann aber schon nach Daraks Arm, um seinen Puls zu fühlen. "Er ist sehr geschwächt, Hauptfrau. Dehydriert würde ich sagen."
Constanze nickte. "Wie alle hier." Daraks Frage hatte sie glatt überhört, was im Kampfgetümmel nicht weiter verwunderlich war. Erst auf Daraks Festkrallen an ihrem Arm, was ihr ein Zischen entlockte, reagiert sie. Ihr goldbrauner Blick traf den Mann auf ihren Beinen zunächst mit blanker Strenge, dann aber schlich sich Besorgnis in ihren Blick. Sie neigte sich etwas tiefer für den Versuch, Daraks Worte zu verstehen. Es misslang. Hier auf dem sandigen Schlachtfeld war es viel zu laut. So schüttelte Constanze lediglich entschuldigend den Kopf. Sie wusste nicht, was Darak ihr mitteilen wollte. Also hörte sie auf diese Dana, der eine braune Strähne über das Stirnband fiel. Dieses kleine Detail war etwas, woran sich Daraks letzter Rest Wachsamkeit klammern konnte. Sein Körper verlangte immer mehr den Tribut dessen, was er durch die Einnahme von Catties Pillen hinausgezögert hatte. Die Glieder schmerzten mehr und mehr. Aus dem Pochen im Knie wurde erst ein schmerzhaftes Ziehen, doch mit der Zeit, die er hier nun schon lag und von der Amazone umsorgt wurde, nahm ein leicht bitzelndes Taubheitsgefühl zu. Überhaupt überkam ihn mehr und mehr dieses Bedürfnis, sich schweigender Schwärze hinzugeben. Dagegen konnte er überhaupts nichts unternehmen, erst recht nicht in seinem Zustand.
Dana hob seinen Kopf etwas an und spielte mit einem Finger an seinen Lippen herum. Was hatte die Frau denn vor? Ausgerechnet jetzt?! Nein, sie prüfte lediglich, ob er noch auf die Berührung reagierte, ehe sie ihm behutsam etwas Wasser einflößte. Oh, das weckte die Lebensgeister, auch wenn es vorkommen konnte, dass sich Darak verschluckte. Letztendlich ölte es aber die Stimmbänder. Das musste genügen, ihn so lange wach zu halten, bis die Amazonen ihn hinter die Front schaffen konnten. Jedenfalls schien Conny irgendetwas in der Art zu befehlen. Erneut verschwamm alles vor Daraks Bewusstsein. Nur ein letztes Mal näherten sich Constanzes große, schöne Augen. Man konnte sich in dem Goldbraun, das ihm entgegen glänzte, wirklich verlieren. Ihre vollen Lippen ... der Mundwinkel war mit Blut gesprenkelt. Es tanzte, als sie sich bewegten, aber was sprach die mutige Anführerin? Die Lippen zogen sich auseinander, dann wieder zusammen. Wie ein dumpfer Hall drang es an Daraks Ohren. Das eine konnte ohnehin kaum noch etwas aufnehmen. Sie stellte ihm eine Frage. Sie wiederholte diese, dann berührten warme Hände sein Gesicht. Welch wohliges Gefühl, würde es nur nicht zur Seite gedreht. Was war das? Ein Fingerzeig? Constanze deutete auf ein Ziel. Darak konnte kaum mehr erkennen, was es war. Die Bewusstlosigkeit drohte, ihn einzuholen. Dunkle Haut und ein im Sonnenlich fast silbrig schimmernder Haarschopf waren alles, was er sein Verstand noch verarbeitete. Und endlich schwanden ihm die Sinne.

Wieviel Zeit wohl vergangen war? Er konnte es nicht sagen. Das einzige, was er fühlte und sich somit dessen nur zu gut bewusst war, war der Schmerz. Das bedeutete allerdings auch, dass er lebte. Tote waren vom Schmerz befreit, ihr einziges Privileg, wenn der ewige Kampf des Lebens endete. Für Darak Luthrokar war es noch nicht vorbei. Er hatte die Hand der schönen Wallküre abgelehnt, stattdessen jene Fürsorge einer anderen Frau angenommen. Einer blonden kämpferischen Frau, die im Moment nicht an seiner Seite weilte. Trotzdem war da jemand.
Das erste, was Daraks Sinne wahrnahmen, waren Gerüche. Seine Nasenhaare empfingen sie, lange bevor ihm klar wurde wie schmerzlich das Atmen war oder wie anstrengend das Heben der Augenlider. Ihn umgebende Gerüche teilten ihm mit, dass er nicht allein war. Menschen erkannten einander an einer Duftnote, auch wenn dies wohl nur noch auf instinktiven und unterbewussten Ebenen geschah. Doch auch sie waren einst dem Tierreich entsprungen, welches noch immer auf diese Fähigkeit zurückgreifen konnte. Daraks Bewusstsein schenkte ihm die Erkenntnis. Er befand sich unter Menschen. Keine Dunkelelfen, keine Orks, die rochen ganz anders. Es war das vertraute Aroma der Wüste. Sarmaer. Er befand sich unter ihnen. Aber da war noch mehr! Ebenfalls vertraut schob sich eine strenge Note in sein Bewusstsein. Allein diese Mischung aus Moschusartigem und bittersüßem Ekel vermochte es, seine Lebendigkeit anzuregen. Andere hätten jetzt von einer bestialischen Pestilenz gesprochen. Darak erkannte ... Schweiß ... und Blut. Erst dann kamen die Schreie, die Rufe. Befand er sich noch immer auf dem Schlachtfeld?
"Ich glaube, er wacht auf! Alma, seht doch!"
"DANN LASST MICH AUCH MAL DURCH!" Wie ein tosendes Gewitter prasselte Almas Stimme auf ihn ein. Sie hämmerte noch die letzten Winkel von Daraks Sein wach, das sich in einer ewig eingelullten Welt zu verkriechen suchte. Denn das Wachsein war für ihn nicht angenehm. Schmerz empfing ihn wie ein alter Freund. Er war ihn gewohnt und dennoch konnte jede neue Begrüßung besonders sein. Dieses Mal war es sein Rücken, der ihn in die Wirklichkeit zurückholte. Ein geplagter Rücken, welcher nach Linderung verlangte. Erst dann meldete sich das Knie, gefolgt von sämtlichen Gliedern. Oh, wären sie nur amputiert worden, dann hätte das Leiden ein Ende!
Von Wasser gereinigte, kalte Hände berührten ihn. Man fasste sein Handgelenk, dann seine Stirn. Jemand legte ein Ohr an seine Brust, einen Finger unter die Nase, um seine Atmung zu prüfen. Es war Alma. "Darak, hörst du mich? Blinzle, wenn es so ist und du noch nicht sprechen kannst. Beweg dich nicht, du hast einiges abgekriegt. Dein Drache lässt deine Peiniger bluten."
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Re: Blut und Sand

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 24. August 2014, 00:27

Die „alten“ Sarmaer, die Vertreter jenes stolzen Wüstenvolkes, welches für die Haltung von Sklaven und eine sehr ausschweifende Lebensführung bekannt und berüchtigt gewesen war, hatten sich gewiss viele Eitelkeiten erlaubt, aber keiner von ihnen hatte diese ausgerechnet durch das hartnäckigen Tragen eines Eisenhelmes mitten in der Wüste ausgedrückt! So eine Torheit konnte nur einem unwissenden Ausländer in den Sinn kommen, beispielsweise einem emigrierten Pelgarer, der sich als Sklaventreiber einen Namen gemacht hatte. Darak Luthrokar.
Sicherlich hatte er dieses Ding zuerst aus Eitelkeit getragen und den gestohlenen Helm schliesslich zu seinem Markenzeichen gemacht, denn Darak Luthrokar war zeitlebens immer ein Räuber gewesen. Er hatte Mädchen geraubt, Leben geraubt, Träume geraubt und die Zukunft seiner Opfer. So war es nicht verwunderlich, dass auch „sein“ heissgeliebter Helm gestohlen war. Manche mochten vermutlich bitter den Standpunkt vertreten, dass jeder Atemzug, der dieser Mensch noch tat, Raub war.

Vielleicht mochten die Barden der Zukunft den Stoff des gestohlenen Helmes und seinem berühmten Besitzer irgendwann aufnehmen und zu einem klingenden Heldenepos verarbeiten – sollte die ganze Sache hier gut ausgehen. Ansonsten würden vermutlich nur noch Klagelieder bleiben, wenn die neuen dunklen Herren überhaupt noch Musik dulden würden. Waren Dunkelelfen musikalisch? Von Orks wusste er, dass sie sich gerne mit der dumpfen Musik von Trommeln zudröhnten, doch wie war es bei den Spitzohren? Sicherlich, ihre pazifistischen Verwandten standen auf Flöten und Harfen und alles was sonst noch zwitscherte und harmonierte, doch wie war es jetzt bei den Dunkelelfen? Er wusste es nicht und er würde wohl Rhiven beizeiten mal fragen müssen. Ja Rhiven…
„R..“ Brachte der Befreier gerade noch so heraus, doch ohnehin zu leise, als dass irgendwer ihn mitten im Schlachtgetöse hätte verstehen können. Obwohl er glaubte wach zu sein, musste er immer wieder mit ansehen, wie seine Umgebung sich immer wieder vermische und ineinander überlief, wie wenn man ein Gemälde mit Wasser übergoss. Die menschlichen Schemen um ihn herum zerliefen als bestünden sie aus einer teigigen Masse, die unter der Hitze der Sonne schmolz. Es war beängstigend, vor allem in jenem Moment, als eine der wohlgeformten Brüste von Constanze sich gerade verabschiedete und auf den Sandboden tropfte. Er versuchte sie entsetzt darauf aufmerksam zu machen, sowas musste doch weh tun! Doch er brachte keinen Laut mehr aus seiner trockenen Kehle. Stattdessen fuchtelte er nur halbpatzig vor sich hin und blinzelte immer wieder, denn seine Augen brannten, von den Tränen.

Wären die Umstände anders gewesen, wäre er sicherlich gerade ein unendlich glücklicher Mann gewesen, denn er war umringt von wohlgeformten Frauenhintern, welche in Eisen und Leder gekleideten Amazonen gehörten. Die Mähne ihrer Haare flog immer wieder nach hinten, wenn sie sich bewegten oder sie ein Windhauch erreichte. Doch leider tropften auch sie mit seinem schwindenden Bewusstsein dahin und wandelten sich in undefinierbare fleischige Klumpen, welche langsam im Sand versickerten, der ihn selbst langsam aber sicher zu ertränken drohte. Es fühlte sich an, als läge er im Treibsand. Langsam aber stetig zog es ihn nach unten.

Er fuchtelte mit letzter Kraft wieder protestierend herum als jemand an seinem Kopf zerrte und ihn von seinem Helm befreite. Er spürte einen kühlen Luftzug - und dies mitten in der Wüste neben einem feuerspeienden Drachen… Er fühlte sich nackt und elendig. „M..ein…Helm…“ Protestierte er leise und winselte elendig und bestürzt vor sich hin. Er riss seine Augen auf, als sich eine weitere Göttin mit ausladenden Hüften auf ihn zubewegte und sich zu ihm beugte. Er lächelte und wollte etwas unglaublich keckes sagen, kriegte aber nur ein wenig überzeugendes „Krhrrk..“ heraus. Er kriegte Constanze zu packen, die ihn dann für einen Moment entrüstend anstarrte. Es war ja schon so ungewöhnlich genug, dass sich Amazonen mitten an die Front begaben um einen Kerl zu retten… und dann noch einen wie IHN! Er starrte sie erschrocken an und verschluckte sich an seiner eigenen Spucke. Jeder Sklaventreiber mochte wohl den Anblick einer wütenden Amazone fürchten. Darak erlag diesem alten Reflex, bis er sich entfernt der Gegenwart entsann. Sie waren Freunde, sie teilten sogar ein Mädchen zusammen. Sie teilten sich Lilith zusammen. „L.i:th.“ Japste er und begann die Augen zu verdrehen. Der letzte Fetzen seines Bewusstseins hing letztendlich an einer einzelnen braunen Strähne der Amazonenheilerin… ausserdem war da noch sein stummer Zeuge, der letzte Pförtner, den es für die komplette Besinnungslosigkeit zu überwinden galt, er sein altbekannter Freund, der Schmerz.

Darak verzog sein Gesicht, brennende Tränen rannen über seine Augenwinkel, seine Zunge fühlte sich dick und Geschwollen an, als er sie hechelnd über seine trockenen und spröden Lippen schob um zu ächzen. Die braune Strähne vor ihm machte sich inzwischen zischelnd selbstständig und schoss plötzlich auf ihn zu. Er zuckte zusammen, als sie ihn biss, wieder und wieder. Gleissende Bisse in die Knie, in den Rücken, er sah kein Haar mehr vor sich, sondern eine wütende Python die immer wieder ihre langen Zähne in sein Fleisch grub und ihm ihr Gift einspritzte. Es schüttelte ihn am ganzen Körper, er fror – mitten in der Wüste! Er stöhnte auf, krächzte bei jedem Biss, dass es einem wohl ganz elendig zumute sein dürfte, wenn man ihn so hörte. Kein Lebewesen sollte so jämmerlich Krächzen müssen, doch der Krieg war nicht gerade für seine humanität bekannt, obwohl er so typisch für eine hochentwickelte Spezies wie den Menschenwar.

Plötzlich wurde sein Kopf angehoben und dann strömte auch schon Wasser seinen Hals hinab. Wasser, von welchem er erst dachte, es würde ihn ertränken, weil er mit schlucken nicht nachkam, doch irgend eine vereinzelt und stur funktionierende Zelle in seinem Gehirn signalisierte ihm, dass er trinken musste, wenn er Leben wollte und so trank er gierig und hastig, bis er sich verschluckte und es ihm am ganzen Körper schüttelte. Er wollte nicht sterben. Er konnte nicht sterben. Er durfte es nicht. Diesbezüglich war Darak ein Phänomen, denn alles was er dereinst „nicht gedurft hätte“ hatte ihn Zeit seines Lebens geradezu angezogen und er hatte sich nur zu gerne über jede moralische Pflicht und Regel hinweggesetzt… doch in dieser Sache war er eisern, wie es nur ein Mönch sein konnte.
Die Welt um ihn herum begann nun auch noch zu schwanken. Constanze beugte sich über ihn, ihre mächtige blonde Mähne, ihre strahlend blauen Augen, sie war wunderschön. Hatte er ihr das jemals gesagt? Vermutlich nicht, vermutlich hätte eine Amazone wie sie solch ein Kompliment ohnehin nur als anzügliche Reduktion auf ihre äusserlichen Merkmale aufgefasst. Darak Luthrokar hatte wahrlich das Glück mit sehr vielen wunderschönen Frauen was zu tun zu haben. Constanzes Anblick beruhigte ihn, lullte ihn ein mit ihrer Schönheit. Er lächelte ihr entgegen und hatte gleichzeitig keine Chance sie noch zu verstehen. Sein armes verbliebenes heiles Ohr hatte ohnehin schon längstens kapituliert und übermittelte nur noch ein Rauschen und Pfeifen. Warme Hände umfingen ihn doch sanft waren sie nicht. Sie waren schwielig vom tragen einer Waffe und körnig vom Sand, der ohnehin allgegenwärtig war. Sie umfassten seine teigige, kaltschweissige Haut und die stoppeln seines Bartes. Die Welt drehte sich, als sein Kopf bewegt wurde. Er erkannte die Gestalt am Boden und zog eine Augenbraue hoch. Während dies seine letzte äusserliche Regung gewesen war, ehe seine Muskulatur erschlaffe und er zusammensackte, brach in seinem Geist die Hölle los.

Plötzlich ging ein Ruck durch seinen Körper und er merkte wie seine Füsse den Bodenkontakt verloren. Mit unglaublicher Geschwindigkeit riss es ihn in den Himmel hoch. „Waasshrrhrh!“ Krächzte er und ruderte mit den Armen. Erst jetzt merkte er, dass er an einem Haken hing, der sich durch seinen Nacken gebohrt hatte. Doch das Seil, an welchem er hing, erstreckte sich bis in die Unendlichkeit, so schien es. Entsetzt entdeckte er über den Wolken einen verdutzt blickenden Fauch, der nun neben ihm herflog. Du kannst nicht Fliegen, Idiot!“ Piepste er ihm mit der ulkig verzerrten und irritierend hohen Stimme eines jungen Lysanthor-Sängers an und spie ihm seinen vernichtenden Drachenodem entgegen.

Darak schrie, doch als das Feuer direkt auf ihn zuschoss, erkannte er, dass es gar keines war, sondern ein Pulk nackter, rothaariger Amazonen. Sie streckten willig und anzüglich ihre Hände nach ihm aus und riefen ihm äusserst obszöne Dinge zu. Er breitete seine Arme aus um sie – inzwischen ebenso willig – zu empfangen. Der Pulk prallte heftig bei ihm auf und schleuderte ihn mit voller Wucht zurück. Dennoch konnte er ihre Hände überall spüren, doch sie wollten ihn nicht verführen, sondern in Stücke reissen, doch sie verpufften, ehe es ihnen gelang. Zum Glück wurde er von einer gigantischen, weichen, fleischigen Masse aufgefangen. Darak lehnte erschöpft seinen Kopf zurück. Erst nach einer Weile erkannte er, dass er einige Zentimeter tief in einem Cellulitekrater von einer gigantischen Alma-Hinternbacke lag. Diese wurde sich ebenfalls dem kleinen Störenfried an ihrem Hintern gewahr, sie drehte ihren Kopf um 180 Grad, so dass sie an ihrem Rücken herunterschauen konnte. Aus den Poren ihrer Stirn tropfte fädenziehend Fett herab und drohte Darak zu erschlagen, doch glücklicherweise wurde er nicht getroffen. Sie lachte nur und zog an ihrer Pfeiffe, während sie mit der anderen Hand wuchtig auf ihren Hintern schlug, was in ihrem Gewebe eine monumentale Welle auslöste. Als diese Daraks Krater schliesslich erreichte katapultierte es ihn fort. Er strampelte mit seinen Armen und Beiden und chrie wie am Spiess. Unter ihm türmte sich eine gefährlich anmutende Bergwelt auf. Bei einem kleinen, schneebedeckten Plateau erkannte er entfernt sieben Zwerge die, Arm in Arm eingehakt, um ein abgetrenntes Bein tanzten und ständig: „Eisbein, Dreibein, Eisbein, Dreibein, Eisbein, Jochbein, Jochdein, dein Joch, dein Joch!!“ schrien und hysterisch lachten, ehe sie sich einander an den Bärten packten und sich gemeinsam in die Tiefe stürzten.

Sein Flug wurde jäh unterbrochen, als sich vor ihm eine Riesenschlange, in deren Schlitzförmigen Augen zwei nackte Elfenpriesterinnen Harfe spielten und sich selbst berührten, emporhob und ihn kurzerhand verschluckte. Er landete auf einem nassen, schleimigen und stinkenden Untergrund. Seine Rüstung ätzte dahin in dieser Säure und alles was ihm lieb war ein dreckiger Fetzen. Er vernahm das ihm bekannte Geräusch, wenn Eisen geschürft wurde und als er sich endlich erhoben hatte und nach vorne blickte, erkannte er, dass der Schlangenleib eine riesige Mine war. Mit Entsetzen musste er feststelle, dass auch das Fleisch seiner Arme abgefallen war, stattdessen hatte er nur noch zwei Pickel als Glieder. Die Wände waren mit seiner Gefangenennummer bestrichen. Minenbrüder schlurften auf ihn zu, sie alle waren halb vermodert, teilweise hingen ihnen die Augäpfel bis zu den Brustwarzen herunter, bei anderen sah man bereits den blanken Schädel unter der Haut hervorschimmern. Sie feuerten ihn an. „Hack, hack hack!“ Sie trieben ihn durch den Schlangenschlund und als er ihnen zu langsam hackte, da beulten sich ihre Hosen aus und sie begannen ihn mit anzüglichen Gesten zu verfolgen und versuchten ihn zu packen und ihn herzunehmen. „Pickeln oder Bücken, Pickeln oder Bücken!“

Darak schrie auf und hackte um sein Leben, doch dann vertat er einen Hieb und der Pickel preschte ihm direkt ins Auge, welches er sich dann durch die Wucht seiner Routinierten Bewegung gleich selbst herausriss. Es starrte ihn einfach an und gab ein leises, pfeifendes Geräusch von sich, als es langsam und klöglich in sich zusammenschrumpfte. „Dabei hast du doch Mutters Augen.“ Wisperte es ihm traurig entgegen. Daraus kroch schliesslich ein kleiner Wurm, der aber über eine riesige Zunge verfügte und damit begann Darak aufzulecken. Er spürte förmlich wie er sich in eine zähe Flüssigkeit verwandelte. Da spuckte ihn der Wurm aus und er landete auf einem rosigen Nippel, an dem er langsam herunter tropfte. Warme Hände fingen ihn auf und modellierten ihn wieder zu einem Mann. Es waren Liliths Hände, sie lächelte ihm entgegen und hauchte ihm einen Luftkuss zu, doch diesen Fing eine andere Gestalt auf, eine Göttin, gänzlich gekleidet in Nebel und Wunderschön. „Mein Reich, meine Gesetze.“ Hauchte sie und lachte, ehe sie an der Modellfigur von Darak eine kleine Korrektur vornahm. War er wirklich ein Mann? Vom Körperbau her schon, er hatte einen Bart und einen flachen Brustkorb, sowie die richtige und gewohnte Postur doch zwischen seinen Beinen befand sich der unschuldige Schoss einer Jungfrau. Er krächzte auf und sah sich erschrocken um. Da sah er auch schon seine Männlichkeit, verkehrt an seinen rotierenden Bällchen hängend abheben, als wollte sie vor ihm fliehen. Im Hintergrund gurrte lachend eine Eule und flatterte davon.

Darak jagte seiner Männlichkeit hinterher, doch Constanze schnappte sie sich vor ihm und biss ihr kurzerhand die rotierenden Klöten ab, die sie dann schulterzuckend Ausspuckte. „Überreif.“ Meinte sie nur und zertrat sie unter ihren Stiefeln. Als sie ihren Fuss anhob, klebten am Absatz dutzende zerstörte Embryonen. „WARHRHRH!!!“ Krächzte Darak kreidebleich und stopfte sich in die Hose, was von seiner Männlichkeit noch übrig war. Constanze packte ihn daraufhin und küsste ihn hart auf den Mund, sie liess ihn nicht mehr los. Völlig überrumpelt schloss der Befreier seine Augen, doch als er sie wieder öffnete hatte er das böse Grinsen von Ach'Ray Da'rion vor sich. „Na, hast du meinen Kuss genossen, Süsser?“ Er biss ihm erst in die Lippen und zog ihm dann seine eigene dunkle Haut über den Kopf. Die Dunkelheit raubte ihm den Atem und erwürgte ihn beinahe, doch dann riss die Haut an einigen Stellen auf und Darak kriegte ein paar blutige Fäden zu packen, an denen er sich mit aller Kraft hochzog.

Ein grelles Schreien empfing ihn. „DARAK, du tust mir weh! Du tust mir weh! HÖR AUF DU ELENDIGER BASTARD!“ Da erkannte er mit Schrecken, dass er sich an den Sehnen und Gefässen von Vesta festklammerte, die ihr aus den offenen Stümpfen hingen. Sie weinte und sah ihn anklagend an. „Waruum du Hurensohn?! Waruuum?!!“ Er liess los und fiel… und fiel und fiel.
Eine Schlinge fing ihn jäh auf, die sich um seinen Hals zog und ihn aufhängte. Er spürte einen heftigen Ruck in seinem Nacken, doch die Schlinge zerfiel in pergamentene Fetzen, worauf gut erkennbar Lysanthorverse geschrieben waren. „Der, der Busse tut, der der Busse tut…“ Stand immer wieder darauf geschrieben. Er versuchte einer dieser Verse zu packen, stattdessen erwischte er aber knorpelige, orangene Füsse. Er klammerte sich daran fest und erst als er ein ihm vertraues Gackern vernahm, wagte er es nach oben zu sehen. Über ihm flatterte weiss und stolz eine übergrosse Cattie, die zu ihm runter blickte und freudig gackerte. Es war dieses treue Tier, welches ihn immer höher und höher flog, zurück in die Welt, zurück ins Bewusstsein, so schien es… doch das Bewusstsein war in seinem Fall unten, denn kurz vor dem wohlig aussehenden Licht traf ein Bolzen Cattie genau zwischen den Augen. Das Tier gab einen herzzerrissenden Schmerzesschrei ab und zerfiel in tausend Stücke. Darak fiel und fiel und fiel, weisse Hühnerfedern begleiteten ihn dabei.


Er fiel zurück in seinen Körper und so wachte er mit einem Ruck auf.

Ein ebenso treuer Freund hiess ihn schliesslich im Diesseits willkommen. Schmerz. Allmählich kehrten die anderen Sinne zurück. Gerüche prassten auf ihn herein, Geräusche, vor allem das unverkennbare Gebrüll von Alma, welches beinahe einen Migräneanfall triggerte. Die Umwelt nahm er noch verschwommen wahr, weil seine Augen mit Tränen benetzt waren. Er begann zu hecheln und bekam einen Schweissausbruch. Dieser Drogen-, Entzug-, Fieber- oder was auch immer für eine Art Traum er gehabt hatte, hatte ihn völlig geschafft. Sein Herz pochte ihm wild bis zum Hals. Angst und Entsetzen standen in sein Gesicht geschrieben und obwohl er seine Augen weit aufgerissen hatte, so sah er doch nur rote und schwarze Punkte um ihn herumfliegen. Erst langsam wurde ihm bewusst, dass er geträumt hatte, dass er sich hier auf einer Liege oder Pritsche oder etwas ähnlichem befand. Er roch Verletzung und Tod, doch er roch auch Menschen. Seinesgleichen. Das war gut. Das war gut!
Darak starrte Alma – die echte Alma – an. Seine Stirnvene drückte sich heftig nach vorn, vor Anstrengung, doch der Befreier brachte ein Nicken zustande. Er wollte etwas heldenhaftes sagen, etwas, von dem er glaubten, dass Helden sowas in einer solchen Situation von sich gaben. Er musste doch den Leuten Mut machen. Doch Niemand würde erfahren, wie schnell sich Darak an seine Pflichten erinnere, denn statt einer monumentalen Rede tränten ihm einfach nur die Augen vor Schmerz. Er war kein Held, er war doch einfach nur ein sturer Mensch. Matt streckte er seine Hand nach Alma aus. Suchte halt. Ja, der Befreier von Sarma, der Drachenreiter, wollte gehalten werden und gesagt bekommen, dass alles nur ein böser Traum gewesen war.

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Re: Blut und Sand

Beitrag von Erzähler » Sonntag 14. September 2014, 17:35

Zäh wie Honig, der einige Zeit zu lang in einem Keramikgefäß verbracht hatte, erwachten seine übrigen Sinne. Zu den Gerüchen gesellten sich immer mehr Geräusche, auch die leiseren, welche aus dem Lärm der Schreie ein schauspielerisches Orchester formten, in dem jeder Ton seinen Platz hatte. Natürlich war das Klagen, das Wimmern und Weinen anderer Schmerzleidender präsent wie der Schlag zweier Becken in einem solchen Orchester, doch nach und nach drangen die sanft streichenden Geigen anderer Laute bis an sein Ohr. Darak filterte sie. Er hörte Einzelheiten. Da war das Husten irgendeines Fremden. Es klang trocken wie der Sand der Wüste Sar, auf dem vermutlich noch immer gekämpft wurde. Der Fremde brauchte Wasser. Ja, er hört auch Wasser! Etwas tröpfelte, schwappte, dann ein Klirren, gefolgt von einem Aufschrei. Er unterschied sich von jenen qualvollen Klängen, die einen Hintergrund zu allem bildeten. Es war ein überraschter Entsetzensschrei ob eines gefallenen und zerstörten Gegenstandes. Sein Hirn verarbeitete nur träge, dass dort eine Frau vielleicht einen Wasserkrug hatte fallen lassen. Aber es gab noch reichlich mehr zu entdecken. Angestrengt musste er die Töne filtern, neu ordnen, damit sie sich ergründen ließen. Sein fast taubes Ohr half Darak da nur wenig weiter, dennoch konnte er sich nach und nach allein aufgrund der Gerüche und Geräusche ein Bild von seinem Aufenthaltsort machen.
Stimmengewirr. Es gelang ihm nicht, die Gespräche zu entschlüsseln. Zwar erkannte er, dass viel auf Sendli gesprochen wurde - eigentlich fast ausschließlich - und er fing teilweise Wortfetzen auf, doch wer wollte schon länger Themen wie eine bevorstehende Amputation, die Nachricht zwei weiterer Toter durch Blutverlust oder die grässliche Botschaft hören, dass irgendwelche Feinde auch Gift einsetzten. Auf die letzte Information folgte ein schmerzerfülltes Klagen, das mit letzter Kraft den Befehl gab, dieses Wissen an einen Offizier weiterzutragen. Eine höhere, leicht brüchige Stimme, aus der ansonsten jegliche Jugend gewichen war, brabbelte etwas von den Dieben und dass sie Schlangengift einsetzten. Nur Daraks Ohr nahm die wenigen Worte auf. Im Krieg achtete niemand auf die Ratschläge eines Burschen. Seine Stimme verschmolz wieder mit dem Rest der dumpf hallenden Gespräche.
Warum waberten sie so? Warum hallten sie träge wie Daraks Körper es gerade war? Er musste einen weiteren Sinn wach rufen, den des Fühlens. Etwas war beklemmend, irgendwie eng. Die Luft musste es sein. Wieder meldete sich die Nase, als ihre Flügel sich riechend etwas blähten. Die Luft stank. Schweiß und Blut hatte er bereits filtern können, nun erreichte Darak die Erkenntnis, dass die Luft um ihn herum auch dick war, richtig muffig. Daraus ließ sich schlussfolgern, dass er irgendwo innen und auf engem Raum mit jeder Menge Menschen sein musste. Zu viele, als dass noch irgendetwas frisch sein könnte. Wärme erreichte ihn zusammen mit Erinnerung. Sein Körper kannte diese besondere Form der Wärme. Sie stammte aus Sarma, wenn man unter einer der aufgespannten Marktstandsplanen lag, um der Mittagshitze etwas zu entrinnen. Es war diese einlullende, drückende Wärme. Die Sonnenstrahlen konnten nicht durch den dicken Stoff gelangen und trotzdem erkannte man kleine Staubkörner im Licht, wie sie über einem hinweg wirbelten, ihre Tänze vollführten. Auch aktuell musste sich Darak irgendwo unter einer solchen Stoffplane befinden. Vielleicht lag er in einem Zelt.
Endlich schwanden die Punkte, welche ihm vor den Augen tanzten. Er musste dennoch warten, bis sich auch eine scharfe Sicht eingestellt hatte, aber schließlich bestätigten ihm seine Augen, was er mit den übrigen Sinnen nur hatte vermuten können. Die gesammelten Informationen entsprachen der Wahrheit. Darak Luthrokar lag auf einem simplen Feldbett, das aus nichts weiter bestand als einem auf ein Holzgestell gespanntes Tuch. In einer Welt wie Sarma verzichtete man darauf, einen Verletzten zuzudecken. Es war ohnehin zu warm. Trotzdem bedeckte ihn etwas. Es legte sich eng um seinen Rumpf, allerdings nicht zu eng, als dass er nicht mehr hätte atmen können. Der Verband würde bald gewechselt werden müssen. Er roch streng nach Schweiß, seinem eigenen Schweiß. Über ihm tanzten der Staub träumerische Reigen knapp unterhalb der cremefarbenen Zeltdecke. An dünnen Holzstreben, die über einige Balken ein stützendes Gerüst innerhalb der Unterkunft bildeten, hingen allerlei Dinge herab: lange Laken, die als Vorhänge dienten und Bereiche des Zeltes voneinander abtrennten. Sein Vorhang war an einer Seite aufgeschoben, so dass er an Almas massigem Körper vorbei das übrige Innere teilweise erblicken konnte. Er musste sich in einem Lazarett befinden. Verletzte, Sterbende und jene, die ihre Leben versuchten zu retten, bewegten sich. Vor allem Frauen liefen immer wieder an seinem kleinen Sichtfenster der Welt vorbei. Sie trugen Verbände, Schalen, eine hielt gar eine blutige Säge zwischen ihren nicht minder vom roten Lebenssaft triefenden Fingern. Auf den Zeltwänden tanzten die Schatten derer, die außen vorbei rannten. Hier herrschte eine Hektik wie in einem Ameisenhaufen, den man mit Wasser übergossen hatte. Nur gab es nichts, das einem erfrischenden Schluck Wasser nun gleichgekommen wäre. Seine Kehle fühlte sich trocken an.
Der Blick kehrte zurück zu den Streben, wo Darak neben den Vorhängen auch aufgehängte Verbandsrollen, getrocknete Kräuter und Wasserschläuche entdecken konnte. Alma, die sein Erwachen durch den Ruck bereits bemerkt hatte, reagierte schnell und dennoch griff sie mit der Gemächlichkeit einer Alma nach einem solchen Schlauch. Bevor sie ihn Darak an die Lippen hielt, schraubte sie den Verschluss ab und gab einige Tropfen aus einer kleinen Phiole in das Getränk. "Scheint, als hättest du Baldrian nötig. Es wird dich etwas beruhigen", meinte sie und ließ ihn soviel trinken, wie er wollte und konnte. Dazu hob sie seinen Kopf etwas an. Ein brennender Schmerz durchzuckte den hinteren Teil. Sein Nacken brannte, aber kam dieses Gefühl von der strafenden Verfluchtentätowierung oder ...?
"Du hast dir einige Verbrennungen zugezogen. Zum Glück nicht allzu schwer, aber ... Darak! Trag nie wieder einen Helm UND leg dich zum Sonnen damit in die Wüste, während ein DRACHE seinen feurigen Atem über dich hinweg schickt. Ja, ich hab mir alles erzählen lassen." Alma legte den Wasserschlauch mit der Baldrianlösung beiseite. Sie griff zu ihrer Pfeife, um diese zu stopfen. Auch hierbei ging sie ganz gemächlich vor, was nur einer Alma gelang. Wer sonst könnte angesichts des Krieges, der im Hintergrund tönenden Schreie und all des Leids so ruhig bleiben, um nun eine Pfeife zu rauchen? Niemand. Nur eine Alma nahm sich die Zeit, ebenso wie mit Darak zu sprechen, obwohl es sicherlich noch genug Verletzte gab, die ihre Hilfe brauchten.
Dann hob Darak seine Hand an. Er bemerkte vielleicht nicht, dass seine Finger zitterten, Alma schon. Und so klemmte sie ihre Pfeife in den Mundwinkel, paffte ohne dass der Tabak darin schon entzündet war. Sie lange mit ihrer speckigen Hand nach Daraks Gliedern, umschloss diese. Ihre Finger waren kalt, leicht feucht vom Wasser, mit dem sie eines Patienten Blut entfernt hatte. Nein, die Annahme war falsch. Es gab zwar noch andere Bedürftige, aber im Moment brauchte dieser Patient hier ihre Hilfe. Verständnisvoll wischte sie ihm mit dem Daumen der anderen Hand die Tränenflüssigkeit aus den Augen.
"Es wird immer noch gekämpft. Du liegst bereits seit Stunden hier. Irgendeiner deiner Soldaten meinte, dass sich beide Seiten zur Nacht hin eine Pause gönnen werden. Die Sarmaer, weil sie müssten, die dunklen Völker, weil ihr Kreislauf sonst versagen könnte. Sie sind es nicht gewohnt, dass es am Tag so heiß ist und die Wüste nachts stark abkühlt. Constanze will das zu unserem Vorteil nutzen." Alma nickte sacht. "Ja, sie und ihre Mädchen sind schon wieder unterwegs. Haben dich und den Dunkelelfen hier abgeladen - keine Sorge, den hab ich auch behandelt! - dann ist sie wieder los. Der Hafen gehört uns, die Schiffe konnten aufgehalten werden, wenn die Gerüchte stimmen. So eine Heilerin wie ich kriegt einiges mit." Sie gönnte sich und ihm eine Pause, in der sie die Pfeife aus dem Mund nahm, betrachtete und dann seufzend beiseite legte. Mit einer Hand gelänge es ihr nicht, sie zu entzünden, aber Daraks Pranke wollte sie offenbar gerade nicht loslassen.
Dann setzte Alma erneut zum Sprechen an: "Du gehst nicht wieder nach draußen, Darak. Nicht mal auf Fauch, verstanden? Für dich ... reicht es jetzt. Sobald du für einen Abtransport wieder kräftig genug bist, lasse ich dich zu Vesta in den Palast bringen. Plane, führe den Krieg mit ihr auf einer Karte und schick die Befehle nach draußen, aber du wirst nicht nochmal zwischen die Reihen gehen." Ihre Augen huschten kurz zu seinen Beinen. "Das schaffst du nicht."
Es klang nicht danach, dass sie in ihn kein Vertrauen hätte. Ihr Tonfall war der einer erfahrenen Heilerin, die wusste, wann die Grenzen eines Körpers erreicht waren und der Zeitpunkt eintrat, sich zu schonen oder zu vernichten. Sie kannte Darak zu lang, als dass sie es ihm nicht auf diese Weise versuchte einzubläuen. Der sture Bock würde letztendlich vermutlich mindestens noch einen Versuch wagen, sich ins Getümmel zu stürzen. Es gab noch zu viel dort zu erledigen.
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Re: Blut und Sand

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 18. Oktober 2014, 23:14

Wieviel wollte Darak Luthrokar, der Mörder, der Sklaventreiber, der Verdammte, der Befreier, der Drachenreiter, seinem Körper eigentlich noch zumuten? Doch tatsächlich beruhte vermutlich sein ganzer Erfolg, sei es im Guten wie im Schlechten, auf dieser Bereitschaft sich selbst bis aufs Blut zu schinden. Ein faldorischer Pakt, der allmählich seinen Tribut forderte. Zu viel Schmerz steckte in Daraks Knochen, zu Narben störten die Linien seiner Muskulatur, zu viel Grauen hauste in seiner Seele und nicht zu vergessen die unendlich grosse Schuld. Mühsam pumpte sein Herz das immer gleiche alte Blut durch seinen Körper, welches er nur zu leichtsinnig vergoss. Er liess nach, er spürte es selbst. Er war keine 20 mehr und jede Schlacht, jeder Kampf, jeder Hieb steckte ihm länger in den Knochen als der vorhergehende. Er ging schliesslich auf die 40 zu. Ein beinahe schon episches Alter, wenn man seinen eigenen Lebenswandel berücksichtigte. Er hatte seinen Zenit überschritten, die Huren würden ihn nur noch unwillig bedienen und höhere Preise verlangen… warum dachte er an Huren? Er hatte doch Lilith… Diese Hitze. Dieser Gestank. Dieser Geruh des Todes in seiner Nase, machten ihn ganz konfus, daran musste es liegen…
Seine spröden Lippen blieben praktisch an Almas Phiole kleben und er schluckte alles gierig herunter, was sie ihm anbot. Darak war schon immer gierig gewesen und stur, stur wenn es ums Sterben ging, damit tat er sich nach wie vor mehr als nur schwer, obwohl es ihm der Leibhaftige jedes Mal versuchte schmackhaft zu machen. Nun bediente er sich schon an erotischen Walküren, um ihn ins Jenseits zu ziehen… mrhmm… wäre er ihr doch nur gefolgt. Für einen Moment fühlte er sich so unendlich müde, so unendlich träge, so unendlich erschöpft, doch der Schmerz zwang ihn wach zu bleiben, zwang ihn zu empfinden, zu leiden, zu leben. Er verzog sein Gesicht, als Almas wurstige Finger über seine verbrannte Haut strichen. „Arhrgh scheisse!“ Knurrte er und ruderte matt mit den Armen und formte seine Hände zu klauen. "Du hast dir einige Verbrennungen zugezogen. Zum Glück nicht allzu schwer, aber ... Darak!“ Der Angesprochene schnaubte nur und versuchte den Schmerz wegzuatmen. Verbrennungen? Was für Verbrennungen in Faldors Namen?!

“Trag nie wieder einen Helm UND leg dich zum Sonnen damit in die Wüste, während ein DRACHE seinen feurigen Atem über dich hinweg schickt. Ja, ich hab mir alles erzählen lassen." „Hah…“ Er war Geisteskrank. Definitiv. Wie Recht sie doch hatte. Offensichtlich war er als Feldherr nicht mal mehr in der Lage zwei Ellenweit zu denken. Zum Glück wussten dies seine Gefolgsleute nicht. Doch plötzlich machte sich eine irrationale Sorge breit, die ihn sogar seine eigenen Verbrennungen und Verheerungen für einen Moment vergessen liessen. Er tastete nach seinem Kopf und spürte erst jetzt die Vakanz seines Eisentopfes. Er hatte ebenfalls offenbar ein paar Haare gelassen, vermutlich sah sein Kopf aus wie die Oberfläche einer alten Tomate. „Mein…“
Er fürchtete für einen Moment schon das Schlimmste. Hatte Fauch ihm etwa mit Hilfe seines wütenden Feuerodems den Helm vom Kopf geschmolzen?! „Mein…“ Keuchte er entsetzt und da half auch kein Baldrian mehr. „Ist er…“ Er hielt inne, als er die Schreie vernahm. Was sorgte er sich um einen Helm, während um ihn herum jene Männer starben, die ihm seine Treue geschworen hatten und deren „Befreier“ er war. Was für eine Freiheit hatte er Sarma letztendlich gebracht? Eine, deren Taufe aus Blut und Krieg bestand… Das neue Sarma fusste auf dem gleichen Fundament wie das Alte. Blut… immer nur Blut. Zum Glück war die Stadt in der Nähe einer Wüste gebaut. Der Sand verschlang schliesslich geduldig jeden Tropfen und liess die Menschen schnell vergessen.

Der Befreier war ganz froh, als Alma zu rauchen begann, es neutralisierte den Gestank von Wundbrand, Eiter, Ausscheidungen und Blut. Es überdeckte sogar sein Eigengeruch, denn er schien in seinem eigenen Fieberschweiss zu baden.

"Es wird immer noch gekämpft. Du liegst bereits seit Stunden hier.“ Das war schlecht. Er verbrachte inzwischen zu viel Zeit auf der horizontalen Lage. Das würde nicht mehr lange gut gehen, selbst ein Luthrokar konnte das Schicksal nicht ewig herausfordern.
“Irgendeiner deiner Soldaten meinte, dass sich beide Seiten zur Nacht hin eine Pause gönnen werden.“ Er rieb sich sachte über die Stirn, eigentlich wollte er seinen Kopf auf die Seite recken, um nach seinem geliebten Helm Ausschau zu halten, doch sobald er sich rührte, machte sich sein Nacken bemerkbar. Er wollte nicht noch mehr Schmerz, er hatte schon genug für heute. Also liess er es bleiben.

“Die Sarmaer, weil sie müssten, die dunklen Völker, weil ihr Kreislauf sonst versagen könnte.“ „Ja…die Nacht…ja… wir müssen uns sammeln… ja…“ Er war nicht bei der Sache. War noch nicht Einsatzfähig, das war offensichtlich. “Constanze will das zu unserem Vorteil nutzen." „Conny…“ Hauchte Darak Wie hatte sie ihn gefunden? Warum hatte sie all diese persönlichen Risiken aufgenommen, nur um ihren ehemaligen Peiniger zu retten? Wie nur hatte sie es geschafft ihm… zu verzeihen? Tat sie das wirklich? Er wusste es nicht. Tat sie es für Sarma? Das war fraglich. Für Lilith? Wahrscheinlich. Für die Freiheit? Bestimmt. Sie war eine Amazone. Doch sie hat nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Frauen einem unendlichen Risiko ausgesetzt, als sie zu ihm an die Front gekommen war, um ihn da rauszuholen. War er denn so wichtig für die Schlacht? „Wie…hat…sie das nur..g.emacht… ist sie noch im Feld?“ Ihm behagte der Gedanke ganz und gar nicht. Er lag schon seit Stunden da und wenn sie immer noch draussen war… auch ihre Kraft war nicht unerschöpflich. „Ist..sie..“ Er schüttelte den Kopf. „Sie muss zurückkommen…ja…“ Er drückte Almas Hand.

"Ja, sie und ihre Mädchen sind schon wieder unterwegs. Haben dich und den Dunkelelfen hier abgeladen - keine Sorge, den hab ich auch behandelt! - dann ist sie wieder los. Er keuchte. „Aber… sie kann doch nicht stundenlang… sie…“ Zu viele Informationen prasselten auf ihn ein, Neuigkeiten, die ihn verwirrten und durcheinanderbrachten und die er erst verarbeiten musste. „…meinen Dunkelelfen?“ Für einen Moment wusste er nicht, was sie damit meinte, dann dämmerte es ihn. „…arhrh..Rhiven, ja…“

Der Hafen gehört uns, die Schiffe konnten aufgehalten werden Das waren sehr gute Neuigkeiten. Damit hatten sie nur noch eine Front zu verteidigen. So konnten sie ihre Kräfte bündeln und sich hinter den Mauern in Sicherheit wähnen, solange eben jene noch standhielten.
"Du gehst nicht wieder nach draußen, Darak. Nicht mal auf Fauch, verstanden? Für dich ... reicht es jetzt. Sobald du für einen Abtransport wieder kräftig genug bist, lasse ich dich zu Vesta in den Palast bringen. Plane, führe den Krieg mit ihr auf einer Karte und schick die Befehle nach draußen, aber du wirst nicht nochmal zwischen die Reihen gehen." Es war ein Gespräch, welches sie schon so oft geführt hatten und immer war am Schluss das gleiche Resultat dabei rausgekommen. Er war natürlich wieder an der Front gelandet. Doch diesmal schien etwas anders zu sein. Daraks Blick war anders. Das trotzige Funkeln in seinen Augen fehlte. Diese unerbittliche Entschlossenheit. Dieser unbeugsame Wille. Er hatte einmal von den Göttern neue Beine geschenkt bekommen. Diese Gnade würde ihm kein zweites Mal zuteilwerden und er spürte es bis ins Mark, dass sie Recht hatte. Er würde es nicht mehr schaffen. Ausserdem gefährdete er damit nur seine Freunde, die ihn dann wieder rausholen mussten.

Einerseits konnte man dies vielleicht als Ausdruck eines gewissen Reifeprozesses interpretieren, andererseits war es bei Darak immer ein sehr ungutes Zeichen, wenn er offensichtlich schwächelte. Es war absolut nicht seine Art, doch sein Körper brachte es nicht mehr. Er spürte es instinktiv. Er würde nur ausziehen um zu sterben. Er nickte nur… und diesmal war es keines von diesen falschen Zugeständnissen, über die er sich im nächsten Atemzug gleich wieder hinwegsetzen würde, diesmal war es ein einsichtiges Nicken. Für einen Moment schloss er die Augen und atmete ein paar Mal tief durch. Er verhielt sich auch als Patient anders. Er legte es nicht darauf an, möglichst schnell seinen Helm in die Finger zu bekommen und sich von der Pritsche runterzuwurschteln. Er lag da und behielt die Augen geschlossen, seine Stirn in schmerzliche Falten gelegt, seine Augenbrauen vor Anstrengung zusammengezogen. Ja, er hatte genug. Mehr als genug. Wie war er nur wieder in all dies Hineingeraten? Er wusste es schon gar nicht mehr. Seit der Stillen Kammer scheint es kaum noch eine Vergangenheit zu geben und die jüngsten Ereignisse wirkten, als hielten sie schon seit Jahren an. „Wie...geht..es..Rhiven…ist…er schwer verletz?“ Hauchte er leise und während er Alma früher stets direkt angesehen hatte, mit seinen stahlblauen Augen, so war sein Blick im Moment an die Decke gerichtet, ohne wirklich einen Punkt zu fixieren.

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Re: Blut und Sand

Beitrag von Erzähler » Sonntag 9. November 2014, 01:54

Darak Luthrokar war ein Phänomen. Diese These konnte man mit Fug und Recht behaupten. Man brauchte ihn sich doch nur zu betrachten oder seinen Werdegang anhören. Was hatte dieser Mann nicht schon alles erlebt? Was hatte er seinem Körper nicht schon alles angetan? Dass er erst jetzt langsam schlapp machte, würde doch die meisten Medici wundern. Vermutlich hätte keiner seiner alten Mithäftlinge in den pelgarischen Eisenminen je geglaubt, dass er überhaupt länger als ein Jahr draußen überleben würde. Keiner der ihn beaufsichtigenden pelgarischen Soldaten hätte ihm abgekauft, dass er jemals so weit in seinem Leben kommen würde. Und nun lag er hier: wieder mit zertrümmertem Knie, wieder zerschunden und eigentlich am Ende seiner Kräfte, wieder von Schmerzen geplagt. Er besaß einen Titel, war zum Idol aller Sarmaer geworden. Ein Drache kämpfte für seine Sache! Doch das alles zählte nicht, wenn man im Sterben lag. Aber hier war der Unterschied. Darak starb nicht. Am luthrokar'schen Stursinn hatte sich nichts geändert, in all den Jahren nicht. Dieser Mann besaß einen dermaßen verbissenen Überlebenswillen, dass er dem Gevatter persönlich wohl den Stinkefinger gezeigt und sich einfach umgedreht hätte, wenn dieser noch einmal bei ihm erschien. Denn dass beide sich kannten und inzwischen fast schon alte Bekannte zu nennen waren, war ebenso ein Fakt wie die Tatsache, dass der Luthrokar einfach nicht gehen wollte. Er lag hier und lebte, dieser glücklose Bastard!

Dass er noch lebte, verdankte er neben seiner nicht enden wollenden Sturheit auch noch seiner Heilerin Alma. Sie versorgte den geschundenen Leib. Sie salbte ihn und nun würde Darak spüren können, wo er verbrannt war. Vielleicht machte er sich ja einen Reim darauf. Selbst der Atem eines Drachen konnte einiges bewirken. Die heiße Luft, die über ihn hinweg gefegt war, bevor er sich entschlossen hatte, zu Rhiven zu robben. Sie hatte ihm Brust, Arme und Gesicht verbrannt. Die Haut dort war mit einer leichten Rötung überzogen, wie wenn man sich heißes Wasser über den Körper kippte. Er würde ein paar Wochen mit dieser hässlichen Farbe herumlaufen, aber dann wäre es vergessen. Vorausgesetzt, er lebte dieses Mal noch so lang. Draußen, vor den Mauern, tobte weiterhin die Schlacht. Er, der Befreier, lag hier. Almas Finger strichen kühlende Paste auf seinen Körper. Der Schmerz ließ langsam nach, zumindest dort, wo sie ihn berührte. Sein Knie war beansprucht worden. Die blauen Beeren von Catties pflanzenhaftem Federkleid wirkten nicht mehr. Das Pochen kehrte zurück, schickte mit jedem Herzschlag neue Impulse der Pein in seinen Körper. Es war erträglich für einen Mann wie Darak, der schon so vieles ertragen hatte und bei dem sich eine Gewohnheit für den Schmerz breitgemacht hatte. Aber es war auch spürbar - gut genug, um ihn wach und am Leben zu halten.

Alma patschte Darak auf die Finger, als er sich an den Koopf griff. Seine Haarspitzen waren etwas angesengt. Sie erzählte ihm lieber nicht, dass sie seine Frisur auf kürzeste Stoppel hatte schneiden müssen, weil sein Haar mit dem Metall seines Helms verschmolzen war. Es hatte Zeit gekostet, den Kopfschutz von ihm zu trennen, aber jetzt war er erst einmal ab. Und Darak griff noch in die frisch aufgetragene Salbe, wenn er so weitermachte. Sie zog seine Finger zurück. "Er ist nicht zerstört, falls du das meinst. Ich hab ihn abgegeben, damit man ihn ... reinigt. Das war nötig. Du kriegst das Ding ja wieder!" Alma wusste, wieviel Darak an dem miserablen Helm lag. An diesem billigen Stück Metall. Niemals würde sie ihm sagen, dass ein Leben und vor allem ein Kopf wichtiger war und er den Helm in der Wüste gar nicht erst wieder aufsetzen sollte. Er schenkte dem Befreier nämlich mehr als nur einen erhitzten Schädel. Er spendete ihm Kraft und Geborgenheit. Beides brauchte er jetzt mehr denn je. So meinte sie deutlich sanfter: "Du bekommst ihn wieder, versprochen. Auf mich hörst du doch ... manchmal ..."
Sie ließ ihn brabbeln. Die Hitze, die Verbrennungen, der Wassermangel. Alles sorgte dafür, dass ihm jetzt noch, nach Stunden, schwindlig sein musste und er Schwierigkeiten hätte, einen klaren Gedanken zu fassen. Alma rechnete damit, dass sie Darak sämtliche Informationen auch nochmal würde geben müssen. Sie bereitete sich mental darauf vor und griff erneut nach seinen Fingern, als er sich die Stirn reiben wollte. "Lass mal dein Gesicht jetzt in Frieden", mahnte sie. "Sonst heilt da doch garnichts."
Schließlich winkte die Heilerin sogar mit Daraks Fingern in ihrer Pranke ab. "Mach dir um Constanze keine Sorgen. Sie und ihre Mädchen sind derzeit das Beste, was du den sarmaer Soldaten als Unterstützung hättest liefern können. Sie wird später sicherlich nach dir sehen." Sobald es der Krieg zuließe. Conny kämpfte so verbissen wie Darak am Leben blieb. Auch sie konnte stur sein und hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn zunächst mitten in einem Gewusel aus kleinen Scharmützeln, einem fauchenden Drachen, Feuern und weiteren Gefahren der Schlacht zu suchen, sondern ihn noch zurück zur Stadt zu bringen und sich wieder ins Getümmel zu stürzen. Darak, der doch nicht an ihrer Seite war, lernte eine neue Facette der Amazone kennen. Sie war eine Kriegsbraut. Und sie war loyal. Etwas, das überraschen konnte, denn der Krieg bot doch die beste Gelegenheit, Darak "versehentlich verschwinden" zu lassen und dann Lilith wieder für sich allein zu haben. Stattdessen hatte sie ihn gerettet. Ihn und ...
"Jaja, Rhiven. Deinen Sklaven oder was immer du mit ihm anstellen willst." Sie nahm seinen Blick zur Kenntnis, mehr aber noch den fehlenden Widerspruch, den sie auf ihre Worte hin eigentlich schon erwartet hatte. Alma zog einmal kräftig an ihrer Pfeife. Ein Luthrokar, der hinnahm, dass man ihn anwies, sich aus der Schlacht fernzuhalten? Conny hatte sie nicht aufhalten können und bei Darak mit ähnlichem Trotz gerechnet. Doch er fehlte. Sie suchte in seinen Augen nach dem glimmenden Funken, der ihn antrieb. Sie fand ihn nicht. Sorgenvoll brummte sie auf, dass der Stuhl unter ihrem breiten Hintern ächzte. Schließlich legte Alma die Pfeife beiseite. Sie ließ sich Zeit damit, um Darak einen Moment Privatsphäre zu gönnen. Das Eingeständnis, körperlich eine Pause zu brauchen, musste schwer auf ihm lasten. Alma betüttelte ihn an dieser Schwelle seines Lebens nicht, aber sie hielt ihm auch nicht vor, sich nicht hängen zu lassen. Sie hielt sich heraus. Er würde mit den Gedanken klarkommen und wieder erstarken, wenn er erst einmal genug Ruhe gefunden hatte. Das brauchte der Luthrokar nun am meisten. Ruhe.
"Du solltest dir nicht so viele Sorgen um deinen Dunkelelfen machen, Darak", setzte die Heilerin schließlich wieder an. "Und wie es ihm geht, kann er dir selbst sagen." Auf ihrem Stuhl drehte sie sich um. Dann ging ein Plärren durch das gesamte Lazarett, dass dessen Zeltwänder erbebten. "BRINGT MAL DAS DUNKLE SPITZOHR HER!"
Es dauert nicht lange, da traf ein Schatten auf Darak, legte sich vor das Licht, welches seine Umgebung erhellte und milderte es ab. Jemand war an seine Liege herangetreten, denn Alma hatte sich erhoben. Sie bildete einen Mond, der für die persönliche Sonnenfinsternis sorgte. Wenige, gedämpfte Worte wurden zwischen ihr und dem Herangetretenen gewechselt. Sie drangen nicht bis zu Darak durch. Erst als sich Alma ihm wieder zuwandte, vermochte er, sie zu verstehen. "Ich lass euch beide allein. Dein Helfer weiß ja Bescheid."
"Helfer ist auch nur eine andere Bezeichnung für Sklave, Weib."
"Pass auf, was du sagst." Alma reckte den Zeigefinger mahnend empor, was von einem Knurren des anderen untermalt wurde. Es war Rhiven, mit dem die Heilerin Darak nun allein ließ. Der Elf trat unter leichtem Ächzen an ihn heran. Sein Brustkorb lag frei von Kleidung, denn das dünne Hemd, das er trug, war offen. Es gab den Blick auf einen Verband frei, der sich um seinen oberen Rumpf wickelte. "Angeknackste Rippen. Du wirst deinen Sklaven schonen müssen", murmelte er zynisch und ergänzte, "ich nehme also an, du gibst mir einige leichte Aufgaben. Dich durch die halbe Stadt zu deiner verkrüppelten Freundin zu schleppen oder dergleichen, hrm?" Er lachte, aber weder Ton noch Mimik erreichten seine blutroten Augen. Rhiven nahm Almas Platz an Daraks Seite ein, als er sich auf ihren vom dicken Hintern erwärmten Stuhl setzte. Kurz rümpfte er die Nase. In der Mitte des Sitzholzes hatte sich eine Schweißpfütze gebildet.
"Wie fühlst du dich?" Fragte der Elf das wirklich? Er klang sogar interessiert.
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Re: Blut und Sand

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 7. Dezember 2014, 01:10

Vorsichtig tippte Darak mit seiner Fingerkuppe auf den Scheitel seines Schädels. Er runzelte die Stin, als er die kurzen Stoppeln ertastete. Er sah Alma skeptisch an, als sie ihm weissmachen wollte, dass man seinen Helm nur zur „Reinigung“ in die Schmiede gebracht hatte. Das Ding war einem Feuerodem ausgesetzt gewesen, sowas hielt sein alter, ungemein treuer Begleiter nicht aus. Vermutlich war sein Helm völlig deformiert und sicher waren die Hörner mächtig in Mitleidenschaft gezogen worden. Er nickte nur und lächelte matt. Es war lieb von Alma, wie sie ihn versuchte zu schonen. Obwohl er noch immer Schwierigkeiten mit der Artikulation hatte, wurde sein Geist langsam wieder klarer. Der Nebel der Schlacht und Ohnmacht lichtete sich und er wurde sich seiner Umgebung gänzlich bewusst. Diese kindische Sorge um seinen blöden Helm. Irgendwie kam er sich lächerlich vor und er schämte sich gar ein bisschen deswegen. Dies lag definitiv am Setting in dem er sich gerade befand. Hier lagen und starben die Träume von Freiheit und Autonomie, welche er den Menschen Sarmas in den Kopf gesetzt hatte. Er fühlte sich für ihr Sterben verantwortlich. Ohne ihn hätten sie zwar ein Leben in Sklaverei gefristet, aber sie hätten es wenigstens behalten. Nun starben sie zu hunderten, für die schmale und schwindende Hoffnung, wenigstens ihren Liebsten eine Zukunft in Freiheit zu ermöglichen. War ein solcher Blutzoll gerechtfertigt? Wie viele Seelen war die Freiheit wert? Wie viele Opfer? Wie würde Lysanthor über ihn richten? Negiert die gute Absicht einer Sache etwa die Last der Konsequenzen? Würden die Toten ihn wieder heimsuchen? Würde seine Seele nun von einer Stadt bevölkert sein? Nun gab es kein Zurück mehr. Weder für ihn, noch für die Bewohner Sarmas. Sie würden hier entweder zusammen einen Sieg von ungewisser Dauer erringen, oder allesamt sterben. Das war der Weg, der Darak ihnen wies und in beiden Fällen war er in Blut getränkt.
Mit seiner versengten Haut und seinem kahlen Schädel wirkte der gebürtige Pelgarer ungemein älter. Tatsächlich war er aber auch merklich vorgealtert. Bei seinem Lebenswandel wäre es ja auch fast ein Wunder gewesen, wenn keine Verschleisserscheinungen sichtbar gewesen wären. Seine Augenhöhlen lagen in tiefen Schatten, seine Hände waren schwielig und rau… von den offensichtlichen Narben und Wunden mal abgesehen.

"Du bekommst ihn wieder, versprochen. Auf mich hörst du doch ... manchmal ..." Er lächelte matt. „Ja….manchmal…“ Die Paste auf seiner Brust brachte ihm spürbare Linderung und auch der Baldrian entfaltete seine beruhigende Wirkung. Sein Muskeltonus nahm merklich ab und er entspannte sich etwas. Er behielt seine Augen geschlossen und sah so gerade unendlich ernst aus, man konnte die Last auf seinen Schultern praktisch physisch spüren, wenn man ihn ansah. Er hatte nicht nur den Namen des Befreiers angenommen, sondern auch die Aura eines Feldherrn, der schwere Entscheidungen getroffen hatte und noch würde treffen müssen. Sicherlich war es niemals Darak Luthrokars ursprünglicher Plan gewesen, dereinst Sarma aus der Sklaverei zu führen und in die erbitterte Rebellion gegen die dunklen Horden zu leiten. Daraks ursprünglicher Plan war es einmal gewesen, sich eine kecke rothaarige Frau zu schnappen und sie zu einem guten Preis zu verkaufen. Aber wenn er ehrlich war, hatten seine Pläne selten dorthin geführt, wo er eigentlich hingewollt hatte.
Trotz aller Ernsthaftigkeit und trüben Gedanken blieb Darak aber eben letztendlich doch Darak und er konnte es einfach nicht lassen, an seinen Haarstoppeln und seiner Stirn rumzufummeln. "Lass mal dein Gesicht jetzt in Frieden", mahnte sie. "Sonst heilt da doch garnichts." Doch dann übernahm Alma ohnehin die Kontrolle über seine Hände und winkte damit vor seinem Gesicht herum, als er sich nach Constanze erkundigte. "Mach dir um Constanze keine Sorgen. Sie und ihre Mädchen sind derzeit das Beste, was du den sarmaer Soldaten als Unterstützung hättest liefern können. Sie wird später sicherlich nach dir sehen." Er biss sich auf die Lippen. Natürlich machte er sich Sorgen. „Lilith… hätte wenigstens…“ Er biss sich auf die Lippen. Einen gesunden Partner verdient. Er wollte nicht, dass sie plötzlich von zwei Kriegsversehrten umgeben war. Schon schlimm genug, dass man ihn wieder zum Krüppel geschlagen hatte. Das würde abermals ein langwieriger und beschwerlicher Weg werden, damit klarzukommen. Mit allen Einschränkungen, was so ein kaputtes Knie eben mit sich brachte. Er wollte für sie sorgen, nicht sie sollte sich ständig um ihn kümmern müssen. Ausserdem konnte er ihr im Moment ja nicht einmal eine Zukunft garantieren. Er war ein gesuchter Mann. Vermutlich würde er ewig von der dunklen Horde gejagt werden. Constanze hingegen, war attraktiv und wild und stark und so entschlossen…und sie liebte Lilith über alles, während er sich nach den Armen einer gewissen Hure sehnte, wie er sich gerade eingestehen musste. Vor Lilith wollte er nicht Schwach sein. Er wollte nicht, dass sie ihn so sah. Mit Vesta verband ihn eine ganz andere Geschichte. Er war in ihrem Bordell gelandet, wenn er ordentlich Beute gemacht hatte und allen Grund zum Feiern gehabt hatte. Was waren das für wilde Nächte und Zeiten gewesen! Da hatte er auch schon mal gut und gerne einen grossen Teil seiner Beute für die eine oder andere Ausschweifung mit Vesta ausgegeben. Ohnehin hatte er den grössten Teil seines Vermögens in sie investiert. Geld, welches er mit dem Verkauf junger Mädchen verdient hatte. Er hatte es ohne sich auch nur einen Gedanken darum zu machen verhurt. Doch zu Vesta hatte er sich eben auch verkrochen, wenn eine Sache ganz ordentlich schief gelaufen war und er für eine Weile untertauchen musste. Das hatte sie jeweils sehr wütend gemacht und zu Beginn hatte sie sich ihm nur dann strafend angenommen, wenn er auch Zahlungsfähig war, später hingegen nahm sie ihn auch auf Pump auf, da sich Darak doch als relativ zuverlässiger Kunde erwiesen hatte. Manchmal hatte er sie auch einfach nur beschenkt, ohne etwas von ihr zu wollen und manchmal haben sie auch einfach nur geredet…

Sie war die einzige Konstante in seinem Leben. Eine Seele, die ähnlich abgestumpft war wie er, die ebenfalls die Höhen und Tiefen, die Abgründe und Schatten der Welt kannte. Ihr konnte er alles sagen. Bei ihr konnte er sogar schwach sein, was er sonst nur bei Alma konnte. Er brauchte sie jetzt und sie brauchte ihn, da war er sich sicher. Doch würde Lilith dies verstehen? War es ihr gegenüber wirklich Fair, sie zu lieben? Wo er doch wusste, wie er war. Was er war. Er biss sich auf die Lippen und war gänzlich in seinen eigenen Gedanken versunken, so dass er Almas spitze Bemerkung, die für gewöhnlich eine gewisse homophobe Abwehrreaktion in ihm ausgelöst hätte, einfach hinnahm.

"Du solltest dir nicht so viele Sorgen um deinen Dunkelelfen machen, Darak" Er suchte wieder ihren Blick. Er fühlte sich auch für Rhiven verantwortlich. Seltsamerweise hatte er mit diesem Kerl in kurzer Zeit mehr erlebt, als mit den meisten anderen männlichen Bekanntschaften der letzten Jahre. Er stutzte einen Moment, weil er an den Nichtgenannten und an Hauptmann Zitter denken musste. Was wohl aus ihnen geworden war? Vor allem um den Hauptmann machte er sich ebenfalls Sorgen. Seltsam, wie dieser Name immer wieder den Weg in sein Bewusstsein schaffte.

"BRINGT MAL DAS DUNKLE SPITZOHR HER!" Darak petzte die Augen zusammen, als Alma aus den vollen Röhrte. Zum Glück war er auf dem einen Ohr beinahe Taub. Man könnte Alma problemlos auch als Schlachthorn verwenden. Alma machte Rhiven gerade Platz und die beiden geizten auch nicht mit Nettigkeiten, die sie gerade austauschten. "Helfer ist auch nur eine andere Bezeichnung für Sklave, Weib." Das vergass Darak nicht. Man konnte Rhiven den Status geben, den sie wollten, er selbst sah sich als Sklave und dies musste man als Herr nun mal im Hinterkopf behalten. Er hatte schliesslich lange genug mit dieser Spezies gearbeitet, um zu wissen, dass sie tickende Zeitbomben waren. Doch offensichtlich war Rhiven nicht bereit, sein Leben für sein Volk herzugeben. Er hätte nämlich bereits genug Möglichkeiten gehabt, sich seines Herren zu entledigen, doch bisher wohl nur mit der Konsequenz, selber sterben zu müssen. Wie würde er aber Handeln, wenn eine Aussicht auf eine Rückkehr in die Dunkle Armee bestand? Er könnte sein absolut atypisches Verhalten ja noch immer als Meisterplan zur Ausschaltung dieses unkonventionellen und hartnäckigen Feindes verkaufen. Vermutlich würde er damit sogar durchkommen….
Darak musterte Rhivens Verbände. Bei einem Dunkelelf sahen diese zugegebenermassen weit dramatischer aus, als bei einem Menschen. Weil der Kontrast zwischen Haut und Bandage einfach gewaltig war. Ausserdem sah Rhivens Brust nicht aus, wie ein Schweinehintern.

"Angeknackste Rippen. Du wirst deinen Sklaven schonen müssen. „Scheint mir so…“ Brummte Darak matt. „Du hast einen tollkühnen Ritt auf deinem Kamel hingelegt….dich mit einem Drachen angelegt… und diesen dann auch geritten, obwohl du offensichtlich Flugangst hast und dich der Drache ursprünglich hat verspeisen wollen… und nun stehst du hier und bist weiterhin Frech zu jener Frau die dich zusammengeflickt hat… und deinem… für was auch immer du mich hältst…“ Er rieb sich die Stirn. „Nur bei Letzterem erinnerst du mich an eine Amazonensklavin… bei den anderen Dingen…“ Er schaute Rhiven nachdenklich an. „Das war… alles Wahnsinnig...“ Die meisten Sklaven hätten das Weite gesucht oder gemeutert. Warum also tat Rhiven das alles? Darak hatte die Rhivens Sklavenrolle schon mehrfach negiert. Er konnte ihm nur die Freiheit Sarmas schenken und wie es um diese gerade stand, war ja offensichtlich. Darak konnte sich nicht daran erinnern, irgendeine Form von Zwang auf Rhiven ausgeübt zu haben. Er war ihm einfach…gefolgt… stets betonend, sein Sklave zu sein, als hätte er keine andere Wahl. Die Wahrheit war, Rhiven hätte schon mindestens ein dutzend Mal eine andere Wahl gehabt. Was bewegte ihn? Er kannte sich mit diesen Dunkelelfen einfach nicht aus. Fand er Darak etwa sympathisch? Begeisterte er sich tatsächlich für den Weg der Rebellen? Es fiel ihm schwer, dies zu glauben.

„Wir haben ein scheiss Glück gehabt, da draussen.“ Brummte er schliesslich. „Ich hätte es kommen sehen müssen…“ Fauch war so übermütig geworden. Aber konnte man Darak wirklich einen Vorwurf machen? Er kannte sich schliesslich mit der Steuerung von Drachen nicht aus. „Wir waren so nahe daran, diesen weissmanteligen Bastard zu verbrennen.“ Ihr Scheitern würde wohl einigen seiner Leute das Leben kosten. Sie konnten nur hoffen, dass Fauch wieder zurückkam, oder sich wenigstens sich nicht in seinem Zorn gegen alles wandte, was sich bewegte. „Wir…wir müssen hier raus…“ Sie versperrten hier nur den dringend benötigten Platz. „Du könntest mir einen winzigen Gefallen tun und Alma höflich darum bitten, dass man uns zum Palast bringt. Dort kriegst du dann auch deinen verdienten Keks, weil du so ein aussergewöhnlich braver Sklave bist und dann gewähre ich dir etwas Ruhe in einem der Palastflügel…ich möchte nicht, dass du in Sarma herumstreunst und dir etwas zustösst, weil man dich versehentlich mit dem Feind verwechselt…“ Er versuchte sich allmählich aufzuhocken, was ihm eher schlecht als recht gelang und einiges an Anstrengung erforderte. Kaum sass er einigermassen aufrecht. Drehte sich alles um ihn, so dass er sich doch wieder dazu entschied sich hinzulegen. Er knurrte ab seiner eigenen SChwäche. Er wusste ja, dass er genug hatte, aber SO genug?! - Das ärgerte ihn. Fiel ihm schwer zu akzeptieren. Er konnte nicht aus seiner Haut, blieb irgendwo einfach der starrsinnige Luthrokar, der immer mehr wollte, als er eigentlich haben konnte. Er schloss seine Augen und rieb sich die Schläfen, bis ihm Almas mahnende Worte in den Sinn kam, dass er nich an seinem Kopf rumfummeln sollte, so liess er dies ebenfalls wieder bleiben. Nun konnte er entweder rumfluchen, oder sich ablenken. Er entschied sich für letzteres.

„Hast…du ein Mädchen… in deinen Landen? Irgendwo? … und prahl mir jetzt nicht mit deinen Vergewaltigungen… ich meine… ein richtiges…“

Er wusste selbst nicht genau, warum er gerade jetzt diese Frage stellte. War es vielleicht, weil er einen guten Rat, hinsichtlich seiner Beziehung zu Lilith und jener zu Vesta gebrauchen konnte? Suchte er diesen wirklich ausgerechnet bei Rhiven? Nun… wenigstens schien das Spitzohr zumindest ehrlich zu sein. Seine verkrüppelte Freundin…. Der Gedanke versetzte ihm einen Stich. Seine Vesta. Diese grosse, stolze Frau, dieser Inbegriff einer Domina… gebrochen. Wie oft war sie da gewesen, als er sie gebraucht hatte, wie oft hatte er sie auch wirklich lange Zeit gebraucht, wie man einen Gegenstand eben brauchte. Ganz eigennützig und egoistisch. Er war einfach automatisch davon ausgegangen, dass ihr auch gefiel, was ihm gefiel. Er hatte sich selten um ihr Innenleben gekümmert, schliesslich hatte sie ihm stets eine perfekte Fassade vorgewiesen und die hatte er auch nie hinterfragt. Doch nun wusste er es einfach besser. Er musste zu ihr. Vesta brauchte ihn, auch wenn sie es vielleicht nicht zeigen würde. Auch Lilith brauchte ihn vermutlich, schliesslich war er verwundet und ihre Liebste in der Schlacht. Migräne machte sich in seinen Schläfenlappen breit. Nichts machte Darak Luthrokar so fertig, wie sein Liebesdurcheinander.
„Wie soll es mir schon gehen?“ Brummte er schliesslich um wenigstens Rhiven keine Antwort schuldig zu bleiben. "Verdammt." Hätte er doch besser gleich mit Fluchen begonnen.

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Re: Blut und Sand

Beitrag von Erzähler » Sonntag 4. Januar 2015, 11:22

Das hatte sich Trisst Na'Werdenn deutlich anders vorgestellt, als man ihm mitteilte, dass sich Hehlerware am besten in Sarma verkaufen ließ. Hätte er nur mal auf einen anderen Wichtel gehört und wäre nach Rumdett gegangen. Die Wüstenstadt bot aktuell keine Möglichkeit, Diebesgut an den Mann zu bringen. Hier herrschte Krieg! Missmutig gab der Wichtel seiner Ratte die Sporen zu spüren. Diese quiekte, unterließ allerdings ein Aufbäumen des halb gekrümmten Körpers. Hastig und mit hopsenden Bewegungen hechtete sie unter eine zerbeulte Brustrüstung. Sie gehörte einem der dunklen Völker, von denen sich derzeit genug auf dem Schlachtfeld ein wahres Gemetzel mit den Verteidigern Sarmas boten. Ja, selbst jetzt noch kämpfte man, obwohl schon die Nacht hereingebrochen war und die meisten sich vom Feld zurückgezogen hatten. Einige, um ihre Wunden zu lecken. Andere, um neue Kriegsstrategien für den kommenden Tag auf einem Stück Karte auszuhandeln. Trotzdem floss immer noch Blut, färbte den Sand rot und hinterließ überall diesen metallischen Geruch in der Luft. Jener, sowie der des bestialisch riesigen Schuppenwesens, das mit seinem Feueratem noch immer den Nachthimmel erfüllte. "Ich hasse Drachen", murmelte der Wichtel. Es gab Dinge, die waren selbst für ihn eine Nummer zu groß. Er hätte nach Rumdett gehen sollen. Nun war er aber hier und noch immer wollte er aus seiner Beute Gewinn schlagen. Sie einfach liegenlassen oder zu verschenken, wie es eigentlich Tradition der Wichtelwesen war, kam für ihn nicht in Frage. Das brachte ja keine glitzernden Münzen ein, aber genau auf die hatte es Trisst abgesehen. Er mochte Münzen. Sie funkelten so schön!
Aber wohin sollte er sich nunmehr wenden? Seine Ratte reckte die Schnauze empor, schnuffelte, dass ihre silbrigen Barthaare wippten. Der Wichtel wusste, dass sie mehr lauschte anstatt zu schnuppern. So reckte auch er den Kopf, denn wenn sein Reittiert zuhörte, musste es wichtig sein. So richtete sich seine Aufmerksamkeit auf zwei Soldaten der Sarmaer. Der eine führte seinen Kameraden gerade vom Feld und Richtung der Tore. Dem Mann lief das Blut die gesamte rechte Körperhälfte herab und sein Bein hing nur noch an wenigen Gewebefasern. Es schleifte schlaff hinter beiden her, hinterließ eine lange und blutige Spur im Sand. Der Anblick war ernüchternd.
"Wir haben es gleich geschafft, Adil. Gib nicht auf."
"Ich kann mein Bein nicht mehr spüren. Es ist alles verloren. Lass mich hier liegen."
"Nein, beim verfluchten Sonnengott! Ich hab dir gesagt, gib nicht auf. Denk an den Befreier von Sarma."
"Darak Luthrokar?"
"Eben jenen. Denk an ihn. Tapfer wie er ist, hat er die Hoffnung nicht fahren lassen. Er ist mit zwei verkrüppelten Beinen auf einem Drachen in die Schlacht geflogen und hat sich Säbel schwingend durch die Reihen der Feinde gemäht."
"Aber ich habe keinen Drachen, Mussath."
"Du hast mich."

Die Soldaten zogen an der verbeulten Rüstung vorbei, unter der sich Wichtel Na'Werdenn noch immer verbarg. Er verfolgte sie geraume Zeit aufmerksam, bis er erkannte, dass sie die Stadt Sarma betraten. "Befreier, wie?" Der Wichtel hob einen Mundwinkel. Na, wenn so ein Mann wie dieser Luthrokar mit missgestalteten Beinen in den Kampf zog, war er sicherlich auch in der Lage, selbst im Krieg eine Münze springen zu lassen. Erneut spürte die Ratte die Hacken des Wichtels, dann huschte sie auf die Stadtmauer zu und suchte sich dort einen schmalen Spalt zum Hindurchschlüpfen.

Währenddessen wirkte der Befreier nicht gerade so mächtig, so befreiend, wie seine getreuen Soldaten über ihn gesprochen hatten. Ganz im Gegenteil, es war bei weitem kein schöner Anblick, den er seinem dunkelelfischen Sklaven da bot. Rhiven ließ sich auf Almas Hocker nieder, knurrte noch leicht über die dort befindliche Schweißpfütze, die seinen Hintern befeuchtete. Dann aber erkundigte er sich tatsächlich nach Daraks Zustand. Er klang interessiert, was man einem seines Volkes angesichts des feindlichen Anführers sicherlich nicht zugetraut hätte. Aber Rhiven gab sich von Anfang an als schwer einschätzbarer Elf. Seine Motive blieben Darak noch immer verborgen, der Mann ein ungelüftetes Geheimnis. Was trieb ihn an, sein Leben so oft für jemanden zu riskieren, von dem er behauptete, dass er ihn in die Sklavschaft getrieben hatte?
Der helmlose Luthrokar stellte diese Fragen auf seine Weise, verborgen in Erklärungen, die keinen fragenden Laut bedurften und dennoch genau darauf abzielten, endlich Antworten zu erhalten. Der Dunkelelf musterte jenen Mann auf der Liege. Seine Augen funkelten tiefrot, vermutlich so dunkel wie das Blut, das die Wüste färbte. Er stank - wie der Rest im Lazarett. Jeder von ihnen konnte ein Bad gebrauchen. Etwas, das sich in Sarma ohnehin nur die gut Betuchten leisteten. Sultane, für die es keinen Aufwand bedeutete, in Milch oder Wasser zu baden. Die Unterschicht missbrauchte kostbare Flüssigkeiten nicht für derlei Belange. Es kam vor, dass man badete, aber nicht so intensiv. Immerhin wollte man das Wasser im Anschluss noch zum Kochen und Trinken verwenden! So mancher Sarmaer tat einiges für sein Überleben. War dies auch das Kernmotiv hinter Rhivens Taten? Überleben? Warum verlor er dann jeglichen Respekt vor der Frau, die ihn heilte?
Rhiven schaute zur Plane, die den Eingang des Lazaretts darstellte. Almas mächtiger Schatten hob sich als dunkler Fleck davor ab. Sie stand draußen, gönnte sich etwas "frische Luft" und rauchte vermutlich. "Befehlt mir doch, manierlich zu sein ... Herr", gab der Elf zurück. Ein Schnauben folgte: "Als wüsste ich nicht, dass man mich am Leben erhält, damit ich Euch besser dienen und Euch aufs Neue den Arsch retten kann. Sieht so aus, als kommt das ohnehin häufiger vor." Da hatte er nicht ganz Unrecht. Darak geriet so oft in brenzlige, gar lebensgefährliche Situationen ... er könnte von einem Wohlwollen der Götter sprechen, dass sie sein Leben noch immer verschont hatten. Oder keiner der höheren Wesen wollte ihn in seinem Reich wissen...
"Das war ... alles wahnsinnig..."
Rhiven grinste auf, dass seine Eckzähne hell leuchteten wie der Verband auf der dunklen Brust. "War es." Wahnsinn passte zu diesem Spitzohr. Oder es schien ein Gewand zu sein, in das er sich gern kleidete. Aber um des Wahnsinns Willen solche Taten zu begehen? "Also werden wir ihn noch töten? Lacheis Aertes, den Unbefleckten ... deinen weißmanteligen Bastard. Immerhin ... wäre das ebenso Wahnsinn, oder nicht?" Das Grinsen verweilte mehrere Intervalle auf den elfischen Zügen, ehe es abebbte. Hatte es Rhiven tatsächlich darauf abgesehen, einen anerkannten und den Worten nach unbesiegbaren Anführer seines eigenen Volkes zusammen mit Darak Luthrokar hinzurichten? Mit Darak Luthrokar, der momentan vermutlich sogar Hilfe brauchte, wenn er zum Donnerbalken wollte?
Das war im Moment aber gar nicht Daras Ziel. Er erkannte, dass er nicht hier liegenbleiben durfte. Er nahm einen wichtigen Platz im Lazarett in Anspruch, den andere viel nötiger hatten als er selbst. Außerdem wollte er zum Palast gelangen, Vesta sehen. Ohne in diese Richtung auffällig zu werden, erteilte er Rhiven den Befehl, ihm einen Gefallen zu tun. Der Elf erhob sich und vollführte trotz seiner verbundenen Brust einen nahezu perfekten Salut mit halber Verbeugung. Dabei senkte er den Kopf so übertrieben demütig, dass ihm die silberweißen Haare an beiden Spitzohren vorbei wie ein Vorhang bis ins Gesicht fielen. "Für einen Keks werde ich alles tun, Herr. Seid versichert, dass auch Euer Spielzeug nicht auf den Straßen Eurer Stadt zu Bruch gehen möchte." Der Sarkasmus troff ihm aus dem Mund wie Geifer aus dem Maul eines Hundes. Er richtete sich wieder auf und wandte sich ab, verließ das Zelt. Darak konnte von seinem Platz aus sehen, wie er sich mit dem großen Schattenfleck Almas unterhielt. Kurz darauf ertönte ihr Lachen, dass es Darak in den Ohren läutete. Nein ... das war etwas Anderes. Glockengeläut, jedoch nicht wie jenes eines Alarmsignals. Es kam von viel weiter her, als tönte jeder Glockenschlag wie ein Echo, der von den Winden übers Meer getragen worden war. Er passte sich Daraks Herzschlag an. Halluzinierte der Mann bereits wieder? Wenn ja, so waren es die besten im Wahn entstandenen Wachträume seit langem. Denn die läutende Musik in seinen Ohren erfüllte ihn, gab ihm das innere Bedürfnis, weiterhin für Sarma kämpfen zu wollen. Für jeden einzelnen, der auf seiner Seite stand. Und nicht nur Darak schien dieses Gefühl zu befallen.
Ein Heiler, der sein Blickfeld durchquerte, beugte sich nieder, um einen verlorenen Lappen aufzuheben. Sogleich knotete er ihn zusammen, bis er einem knorpeligen Männchen ähnlich sah. Unter einem Lächeln reichte er die Lappenpuppe an ein verletztes Kind auf einem der anderen Lager. Der Bursche bekam feuchte Augen, drückte die Puppe an sich und lachte. Hell und fröhlich, dass es das Herz erwärmte.

Rhiven kehrte zurück. Dieses Mal fehlte die Übertreibung in seiner militanten Verbeugung, dafür suchte er gezielt Daraks Blick. Seine Worte erreichten auch deutlich milder das fast taube Ohr, sowie dessen Bruder: "Alma lässt dir eine Sänfte bringen. Ich ... draußen regnet es Asche. Weiße, kalte Asche." Er blickte über die Schulter zurück zum Zelteingang. "Fauch mag zwar ein Feuer speiender Drache sein, doch deine Gefolgsleute und Soldaten behaupten, es sei sein Werk. Feuer und Asche ... du weißt schon. Angeblich soll er Rauch in den Himmel gespuckt haben, der sich über den Wolken abkühlte, dort reinweiß wurde und nun als Flocken auf Sarma rieselt. Er fühlt sich erfrischend kühl an. Einige beginnen damit, ihn in Eimern zu sammeln. Es ist wie ... wie ein Segen." So ehrfurchtsvoll hatte Darak seinen Sklaven noch nicht sprechen hören. Tatsächlich wirkte Rhiven beeindruckt von dem seltsamen Wunder, das sich draußen ereignete. Darak sollte selbst noch Zeuge davon werden und erkennen, dass es simpler Schnee war. Dennoch ... in Sarma schneite es nicht. Es war ein Wunder!

Alma brüllte etwas von draußen. Rhivens Ohren zuckten kurz, dann neigte er sich vor und schob Darak unverwandt seinen Arm unter den Rücken, um ihn in eine sitzende Lage zu helfen. "Die Sänfte ist angekommen." Es dauerte, bis der Luthrokar zu jener gebracht worden war. Sein zertrümmertes Knie machte das Gehen nicht unmöglich, aber zu einer schmerzhaften Prüfung. Der Dunkelelf an seiner Seite bot da eine überragende Stütze, durch die er das angeknackste Bein entlasten konnte, aber auch Rhiven ächzte unter dem Gewicht des Befreiers. Soviel zur Schonung. Der Elf besaß eine ähnliche Sturheit wie sein Gebieter.
Schließlich aber hatte man Darak nach draußen geschafft. Und da durfte er neben dem herab rieselnden Schnee seine Sänfte begutachten. Eine zu hoch gegriffene Bezeichnung für das jämmerliche Plankenholz, das von zwei Sarmaern getragen wurde und auf dem man zu Daraks Komfort etwas Stroh ausgelegt hatte. Alma half dabei, ihn auf das Transportmittel zu heben. Sie tätschelte Daraks Arm. "Ich such dich im Palast auf, sobald ich kann", meinte sie. Dann gab sie Anweisung, den Befreier und seinen Kriegsgefangenen zum Palast zu bringen. Rhiven spazierte neben der Sänfte einher. Darak hatte es da deutlich bequemer auf dem Stroh. Ein frecher Halm wagte es sogar, ihn an der Nase zu kitzeln. Irgendwie erfüllte ihn das mit neuer Zuversicht. Jeder einzelne in der Stadt machte das Beste aus einer schier aussichtslosen Situation, doch niemand von ihnen gab auf. Der Befreier brauchte eine Sänfte? Dann bekam er eine, auch wenn sie wie eine aus den Angeln gehobene Tür aussah! Man behandelte ihn voller Respekt, kämpfte noch immer in seinem Namen und die Stimmen derer, die auf der Straße stehenblieben, um ihn zu beobachten, unterschieden sich von jenen, die einst in seinem Geist gelebt hatten. Niemand machte ihn für den Tod all der Soldaten vor den Toren verantwortlich. Im Gegenteil, man bejubelte ihn, schenkte ihm Kraft spendete Blicke oder Gesten bedingungsloser Loyalität. Darak wurde gefeiert, wie es seinem Titel gebührte. Sein Anblick und sei er noch so jämmerlich als halber Krüppel auf einer billigen Holzsänfte erfüllte jeden einzelnen Sarmaer mit neuer Hoffnung, stärkte dessen Moral. Sie lächelten ihm entgegen!

Darak genoss eine unglaubliche Aussicht. Wenn er sich zurücklehnte, konnte er in den Nachthimmel schauen. Schwarz war er mit rötlichem Schimmer in der Ferne. Hieß das, dass Fauch wieder kämpfte und Feuer spie? Oder brannten die Mauern der Stadt? An letzteres musste er nicht glauben. Nicht angesichts all der Gesichter, die seinen Weg bis zum Palast streiften. Sie waren voller Zuversicht, hell und klar wie der Stern, der allein und doch so leuchtend von Manthalas Nachtgewand auf die Welt herab funkelte.
Und dann blitzte er einmal auf. Im nächsten Moment spürte Darak Gewicht auf seiner Brust. War der Stern zu ihm herabgefallen?

Am Boden rappelte sich Wichtel Trisst Na'Werdenn auf. Er klopfte sich Blut, Staub und Sand von der Kleidung. Dann fluchte er mit erhobener Faust der Katze hinterher. Dieser verlauste Flohsack hatte sein Reittier auf dem Gewissen. Die Pranke war einfach aus dem Nichts gekommen, hatte sich die Ratte gepackt und den Wichtel von ihrem Rücken geschleudert. Noch jetzt schmerzte Trissts Hintern. Er rieb ihn sich, hielt nach dem kleinen Amulett Ausschau, das er gegen bare Münze verkaufen wollte. "Das darf nicht wahr sein!" Es war fort, ihm einfach aus den Händen geglitten. Es konnte nun überall sein! So ein Pech! Da half alles nichts. Bevor es schlimmer wurde, ging Wichtel Na'Werdenn lieber seiner Wege. Er wollte nicht noch das Unglück erleben, plötzlich aktiv am Krieg teilnehme zu müssen.
Hätte er geahnt, dass das Amulett sein geplantes Ziel nicht verfehlt hatte, wäre er Daraks Sänfte vermutlich nachgelaufen, ihm auf den Bauch gesprungen und hätte nach einer Bezahlung verlangt. So aber fand sich ein neuer Besitzer für das kostbare Schmuckstück, das silbern glitzerte und die Form eines Sichelmondes besaß. In der Fassung befand sich ein perlmuttfarbener Stein, der die Nacht beinahe ebenbürtig erhellte wie der Stern über dem stoppeligen Schädel des Befreiers.

"Ein Zeichen Manthalas", raunte Rhiven, dem das Amulett aufgefallen war. Er schwitzte bereits wieder. Die Strecke machte auch ihm zu schaffen. Immerhin war auch er leicht verletzt. Dann erfolgte ein Stocken. "Mädchen? Ich ... nein ... ich hab keines. Nicht in dem Sinn. Ich ..." Er räusperte sich, ausnahmsweise um einen zynischen Spruch verlegen. "Dunkelelfische Soldaten haben während ihrer Ausbildung kaum Zeit, sich um Weiber zu kümmern", ergänzte er schließlich etwas schroff.

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  • Feylins Strohhalm der Hoffnung
  • Es schneit in Sarma! (noch zwei Posting lang)
  • Brocknars Glockengeläut der Nächstenliebe
  • Lysanthors Stern der Zuversicht
  • Ein sichelmondförmiges Perlmutt-Amueltt, das im Dunkeln leuchten kann (Wichtelgeschenk von Roac)
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Re: Blut und Sand

Beitrag von Darak Luthrokar » Dienstag 27. Januar 2015, 00:01

"Befehlt mir doch, manierlich zu sein ... Herr" Darak rollte mit den Augen. „Steck dir deine Manieren in den Arsch… würdest du diesen Befehl auch ausführen?“ Rhiven erinnerte den ehemaligen Sklaventreiber praktisch jede Minute aufs Neue da-ran, warum sich Darak persönlich nie einen Sklaven gehalten hatten – sie waren unend-lich anstrengend. Man musste sie erst brechen und abrichten und gefügig machen, oder sich eben um solche ständigen Provokationen kümmern. Nun, manche seiner Kunden hatten sich jeweils besonders auf den ersten Teil der Sklavenabrichtung gefreut, beson-ders wenn sie junge Mädchen gekauft hatten… er biss sich auf die Lippen und dachte an Constanze. Verdammt, selbst wenn er ganz Sarma aus dem Sand stampfte und die Dunkelelfen dorthin schicken würde, wo der Pfeffer wächst, würde er nie wieder gut machen können, was er ihr angetan hatte. Dies mussten doch auch die Götter einsehen. Ein geraubtes Leben konnte vermutlich selbst mit einer ganzen Welt nicht aufgewogen werden, denn ein geraubtes Leben…beinhaltete die gesamte Welt eines Individuum und diese Welt hatte er unwiederbringlich zerstört. Eigentlich verdiente er seinen Bei-namen nicht. Er war kein Befreier. Er konnte sich nicht von seiner Schuld befreien. Darak war in letzter Zeit ständig von solchen Gedanken geplagt. Man konnte es ihm ja kaum verübeln, so oft wie er schwere Entscheidungen traf und mit einem Fuss selbst im Abgrund stand. Ewig würde er das Spiel mit dem Tod nicht gewinnen können und dies wussten wohl beide Seiten. Rhiven war wohl ein zu guter Beobachter, als dass ihm Daraks gedankliche Abschweifungen nicht auffallen würden.
"Als wüsste ich nicht, dass man mich am Leben erhält, damit ich Euch besser die-nen und Euch aufs Neue den Arsch retten kann. Sieht so aus, als kommt das ohnehin häufiger vor." „Ja…ich war halt schon immer ein begehrter Arsch.“ Meinte Darak trocken und setzte ein schiefes Grinsen auf, doch man spürte, dass er nicht bei der Sa-che war. Irgendwie gefiel ihm das Lächeln des Dunkelelfen nach seiner Feststellung, dass das Leben von ihm selbst der reinste Wahnsinn war und die letzten Stunden dies nur all zu sehr verdeutlicht hatten, auf der anderen Seite fand er genau dieses Lächeln auch wieder unheimlich. Wer wollte schon einen Sklaven an seiner Seite wissen, der Spitz auf wahnsinnige Dinge war? Doch vermutlich konnte aktuell nur ein solches Format an Daraks Seite bestehen. Der Befreier war sich nach wie vor unschlüssig, ob er dem Elfen wirklich vertrauen konnten – lag vermutlich an Rhivens ziemlich miesepet-rigen Artverwandten.

Also werden wir ihn noch töten? Lacheis Aertes, den Unbefleckten ... deinen weiß-manteligen Bastard. Immerhin ... wäre das ebenso Wahnsinn, oder nicht?" Darak hob eine Augenbraue – eigentlich konnte er froh sein, dass er überhaupt noch Augen-brauen hatte und ihm Fauch diese nicht auch weggeschmorrt hatte. “Was persönliches? Ist dir dieser Lacheis auf den Schwanz getreten? War er dein Hauptmann?“ Wenn ja, wäre es zumindest gut für Darak zu wissen. Hatte er dies den Elfen nicht schon einmal gefragt? Darak versuchte sich angestrengt zu erinnern und spürte erst jetzt, wie viele Eindrücke auf ihn eingeprasselt waren und wie viele wichtige und entscheidende Ge-spräche er in letzter Zeit eigentlich geführt hatte. Er merkte auch, wie er durch die ganzen Kriegsgedanken immer wieder auch Lilith vergass und er merkte auch, dass er aktuell öfters an Vesta dachte, als an seine Liebste. Es beschlich ihn das ungute Gefühl, dass er deswegen eigentlich ein schlechtes Gewissen haben müsste. Dennoch gab er Befehl, ihn zu Vesta zu bringen. Er liess Rhivens erneute Scharade über sich ergehen. Offenbar wollte Rhiven unbedingt geschlagen werden, um Darak genau diese Tat dann triumphierend vorzuhalten im Sinne eines – ich hab es doch gesagt. Doch bisher hoffte der Dunkelelf vergebens.

„Für einen Keks werde ich alles tun, Herr. Seid versichert, dass auch Euer Spielzeug nicht auf den Straßen Eurer Stadt zu Bruch gehen möchte." „Gut, ich mag Spielzeu-ge, die auf sich aufpassen.“ Meinte Darak müde. Der Befreier war dankbar für die we-nigen Augenblicke der Privatsphäre. Schliesslich schwirrte ständig irgendwer um den Gehörnten herum, sei es seine Heilerin, sei es sein selbsternannter Sklave, sei es Lilith, Constanze oder Vesta….oder sei es das Volk, welches all seine Hoffnungen in ihn setz-te. Jeder wollte ein Stück von ihm haben und irgendwie hatte der Sklaventreiber lang-sam aber sicher das Gefühl, sich in diesem ganzen Gewirr selbst zu verlieren. Er fühlte sich nicht so wichtig, nicht so hoffnungsträchtig, nicht so mächtig und nicht so zuver-sichtlich, wie die Leute. Der Erwartungsdruck, er auf ihn lastete hatte ungeheuerliche Ausmasse angenommen. Himmel er konnte nicht einmal stehen! Wie sollte er da Sar-ma retten! Fragte Vesta sich diese Dinge auch? Vielleicht dachte er auch so oft an sie, weil sie vermutlich diejenige Person war, die am ehesten nachvollziehen konnte, wie es ihm aktuell ging. Er schloss für einen Moment die Augen. Einen Moment der Ruhe. Nur einen Moment. Es dröhnte in seinem Schädel…nein…da war etwas anderes, der ehemalige Mönch runzelte die Stirn. Glocken? Was waren das für Glocken? Er atmete ruhig im Takt des Geläuts und entspannte sich ein wenig und irgendwie schöpf-te er allein durch den Klang dieser seltsamen Glücken neuen Mut. Rhiven hatte Recht, dass alles hier war Wahnsinn, aber wenn jemand sich aus wahnsinnigen Situationen herausmanövrieren konnte – dann doch er! Darak musterte Rhiven skeptisch, als dieser wie ein ausgewechselter Handschuh zurück ins Lazarett kam.

"Alma lässt dir eine Sänfte bringen. Ich ... draußen regnet es Asche. Weiße, kalte Asche." „Weisse, kalte Asche??“ Schnee?Darak kannte denn Schnee natür-lich von Pelgar – besonders aus den Minen – aber Schnee in Sarma? Sowas hatte es noch nie gegeben! "Fauch mag zwar ein Feuer speiender Drache sein, doch deine Gefolgsleute und Soldaten behaupten, es sei sein Werk. Feuer und Asche ... du weißt schon.“ Darak wusste im Moment gar nicht mehr. “Angeblich soll er Rauch in den Himmel gespuckt haben, der sich über den Wolken abkühlte, dort reinweiß wurde und nun als Flocken auf Sarma rieselt.“ „W..a.“ “Er fühlt sich erfrischend kühl an. Einige beginnen damit, ihn in Eimern zu sammeln. Es ist wie ... wie ein Segen." Oder eben wie Schnee. Ausserdem würde Darak sich davon hüten zu essen, was Fauch in den Himmel gespuckt hatte, dieses Drachenviech verschlang schliesslich al-lerlei wunderliche Dinge! Im Moment vermutlich hauptsächlich Dunkelelfen. Doch das eigentliche Wunder war, was dieser Schnee mit Rhiven gerade machte. Darak hätte es bis vor zwei Minuten nicht für möglich gehalten, dass dieser Kerl überhaupt etwas erstaunen könnte – und wenn doch – dass er es tatsächlich zugeben würde. Die Sänfte war herangeschafft worden und wie sich die Sarmaer Mühe gaben, ihm eine eben sol-che zusammen zu zimmern, gab sich der Befreier Mühe, sie auf den eigenen Beinen zu erreichen. Ohne sein Diener wäre ihm dies nicht gelungen und auch dieser mühte sich ab. Alle bemühten sich um ihr gemeinsames Ziel. Das war vermutlich das grössere Wunder, als dieser seltsame Schnee. Darak musste dennoch den Impuls unterdrückten seinen Mund zu öffnen und die Zunge heraus zu strecken, wie er es sonst immer getan hatte. Er musste immer noch an Fauchs Mahlzeiten denken. Darak packte Almas spe-ckigen Arm, bevor sich die Sänfte in Bewegung setzte. „Danke.“ Hauchte er und sah ihr lange nach, ehe sich der kleine Tross in Bewegung setzte. Etwas kitzelte ihn so arg an der Nase, dass er Niesen musste…und doch fühlte er sich danach besser. Er blickte hinaus und winkte den Menschen auf den Strassen zu, die meisten von ihnen waren ehemalige Sklaven. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie viele Menschen in Sarma ei-gentlich Sklaven gewesen waren und was die Befreiung bedeutet hatte. Er hatte Sarma nicht von den Dunkelelfen befreit, sondern von ihrer früheren Ordnung. Vielleicht war er doch ein Befreier, denn jetzt hatten diese Menschen hier wenigstens eine Chance auf Freiheit. „Habt Mut… wir werden gewinnen.“ Dies und weitere Worte sprach er zu den Menschen die zu ihm traten und seine Hände schütteln wollten. Er musste es einfach schaffen… diese eine Sache musste er einfach Hinkriegen! Er musste sich verdammt nochmal zusammenreissen. Dennoch zuckte der Befreier unvermittelt zusammen, als etwas auf seine Brust spickte. Irritiert griff er danach. Wo kam das denn jetzt plötzlich her? Die wundersamen Ereignisse schienen sich hier im Moment geradezu zu überstür-zen. Er strich mit seinem Daumen die Form der Sichel nach und nickte nur, als Rhiven aussprach, was Darak bereits wusste. „Ja…Manthala…“ Meinte er nachdenklich. Sie war seine Göttin gewesen – mit ihr hatte er Lysanthor sozusagen betrogen. So war der Mönch Darak Luthrokar halt gewesen, hatte seinen Gott mit dessen Schwester betro-gen, ein toller Hecht. „Manthala…“ Er hatte schon lange nicht mehr zu ihr gebetet.
"Mädchen? Ich ... nein ... ich hab keines. Nicht in dem Sinn. Ich ..." Darak run-zelte die Stirn. „Was soll das heissen – nicht in dem Sinn?“ Er blickte zu dem überra-schend verstockt wirkenden Dunkelelfen hin.

"Dunkelelfische Soldaten haben während ihrer Ausbildung kaum Zeit, sich um Weiber zu kümmern „Mhm… verstehe… die Soldaten waren also die ganze Zeit über immer nur unter sich.“ Meinte er beiläufig und verstand vermutlich nicht, falls der Sklave tatsächlich Andeutungen in diese Richtung gemacht hatte. Darak hing sich das Amulett um. Er sollte keine Göttergaben, die auf seine Brust fielen, nicht verzichten und sie nicht abweisen. Vesta würde das Amulett gefallen, sie betete selbst zu Mantha-la – so glaubte Darak zumindest. Constanze wäre vermutlich auch nicht dagegen, schliesslich war Manthala eine Frau… und Lilith… nun Lilith mochte vermutlich die wenigen finsteren Götter lieber… und Alma…glaubte Alma überhaupt an irgendwel-che Götter? Er wusste es nicht. „Bist du ein gläubiger Mann, Rhiven?“

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Re: Blut und Sand

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 25. Februar 2015, 10:10

Der Unterschied zwischen einem typischen Sarmaer Sklaven und Rhiven bestand darin, dass der Dunkelelf kein Sklave war. Nein, er zählte zu einer überaus stolzen Rasse. Noch dazu war er Soldat, ein Kriegsgefangener. Und doch war er es, der sich häufiger als Sklave betitelte als es Darak selbst tat. Wie einer dieser armen Hunde benahm er sich allerdings bei weitem nicht. Rhiven bot dem Befreier praktisch immer wieder aufs Neue die Stirn. Er legte einen Sarkasmus an den Tag, der ihn an besseren Tagen entweder ein Schmunzeln oder mehrere Peitschenhiebe eingebracht hätte. Je nachdem, wer sein Herr nun einmal war. Darak hatte selten die Sklaven ausgepeitscht, die er nach Sarma gebracht hatte. Beschädigte Ware verkaufte sich schlechter und er war dafür bekannt gewesen, dass gerade seine weiblichen Exemplare überaus heil in der Wüstenstadt angekommen waren. Das hatte Darak nicht zuletzt einen guten Ruf in seiner Branche eingebracht und letztendlich zu Vesta Tenma Negra geführt. Die Bordellherrin war überaus interessiert an seinen exotischen Mädchen gewesen. Sarmaer mochten sich einen Dreck um Sklaven scheren, wenn sie sie für bizarre Gladiatorenspiele, Kamelrennen oder die Hausarbeit einsetzten. Wenn es aber um das eigene, primär das sexuelle Vergnügen ging, dann konnte eine Hure oder ein Lustknabe nicht wertvoller sein, wenn seine Haut makellos war.
Rhiven würde man nicht mehr zum Höchstpreis verkaufen können. Noch wusste Darak nicht, ob unter der Bandage des Elfen eine Narbe zurückbleiben würde. Alma hatte ihm zwar versichert, der Elf sei nicht schwer verwundet, aber jeder noch so sichtbare Rückstand minderte die Chancen auf einen unglaublichen Gewinn. Es war Rhivens Glück, dass der Befreier aktuell überhaupt keine Zeit besaß, über ihn im Sinn eines guten Verkaufs nachzudenken. Er hatte ganz andere Sorgen.

Mitunter zählte auch der Unbefleckte noch immer dazu. Darak mochte sich nicht mehr auf dem Schlachtfeld befinden und ihn noch nicht einmal wirklich gesehen haben, aber Lachesis Aertes hatte seinen Weg in die Gedanken dieses Mannes gefunden. Er stellte einen Feind mit einem Namen dar und somit eine greifbarere Gefahr als wenn man nur von feindlichen Soldaten sprach. Die Moral der eigenen Männer würde steigen, wenn er diesen Elfen richtete und seinen Kopf irgendwo auf einen Pfahl spießte. Das wäre vielleicht sogar im Sinne seines eigenen Sklavens.
"Er ist und war nie mein Hauptmann. Das hast du schon einmal gefragt." Der Elf schnaufte auf. "Besser, Ihr ruht Euch aus ... Herr", wechselte er die Anrede ins weniger Vertraute. Bei Rhiven zeugte dies aber keineswegs von mehr Respekt. Irgendwie drückte er dadurch nur noch effektiver seinen Spott aus. Trotzdem war der Vorschlag nicht schlecht und Daraks Beine würden es ihm danken, wenn er es sich in der Sänfte etwas bequemer machte als er sich selbst zugestehen wollte, angesichts all der Schrecken, die fernab der zuziehbaren Vorhänge vonstatten gingen.

Die Sänfte setzte sich in Bewegung. Es ging etwas holprig vonstatten, aber Darak Luthrokar konnte froh sein, wenn dies sein einziges Problem blieb. Selbst Vorhänge konnten nicht allen Schrecken von ihm fernhalten. Der Kriegslärm erreichte ihn dennoch. Vor den Toren tobte die Schlacht noch immer. Neben der Kakophonie dunkler Kriegstrommeln, dem Klirren von Stahl auf Stahl und den gebrüllten Befehlen beider Seiten vernahm selbst das beinahe taube Ohr des Befreiers ein schmauchendes Tosen und tiefes Grollen, das nur einen Schluss zuließ: Fauch kämpfte noch immer. Der Drache war nicht gefallen. Seine Verletzungen, der Versuch der Überwältigung durch die dunklen Völker, hatten ihn offenbar nicht aufhalten können. Darak hörte ihn. Die ganze Stadt hörte ihn und der Befreier hörte Sarma. Auf den Straßen mochte man das Wimmern Verletzter zwar ebenso noch wahrnehmen, doch übertünchte eine Symphonie von Kampfeswillen jenen noch so kleinen Keim der Selbstaufgabe. Die Sarmaer wandelten ihren einstigen Stolz über die goldene Stadt in Ehrgeiz um. Sie wollten verteidigen, was ihnen gehörte. Nochmals würde das wüstengoldene Sarma nicht in die Hände ihrer Unterdrücker fallen. Darak hörte, wie die Bürger Seite an Seite füreinander einstanden. Da gab es ausnahmsweise keine Spalte zwischen arm und reich. Rassenkonflikte wurden, abgesehen von Sarmaer gegen Dunkelelf, beisete geschoben. Viele priesen auch jetzt noch den Befreier an, riefen in seinem Namen zum weiteren Kampf auf. Doch es sollte eine bizarr skurrile Szene sein, die Darak auf seinem Weg zum Palast im Gedächtnis bleiben wollte.

Es fing damit an, dass die Sänfte sich nicht mehr voran bewegte. Rhiven zog den Vorhang etwas zurück. Er erlaubte sich dies einfach, obgleich er selbst als dunkelelfischer Soldat von seiner morgerianischen Erziehung her wissen sollte, dass es sich weder schickte noch ihm ein längeres Leben einbringen könnte. Trotzdem tat er es; in beratender und unformierender Hinsicht. "Trümmer auf den Straßen ... Herr. Wir lassen sie wegräumen, der Umweg wäre zu groß." Und da wollte der Elf die Seite schon wieder zu ziehen, als er innehielt. Sein Blick wandte sich vom Befreier Sarmas ab und einer Gruppe Frauen und Kinder zu. Sie knieten am Wegesrand, waren mit Sand und Staub benetzt. Sie mussten sich keine Minute von ihrem Flecken fortbewegt haben. Keiner der Gruppe schien verletzt. So verharrten sie in tiefem Glauben an ein gutes Ende und ... sie beteten.
"Lysanthor, Herr des Lichts und des Feuers, Vater der brennenden Mittagssonne, Schaffer unfruchtbarer Böden und Meister der Austrocknung, erhöre uns! Lysanthor, der du thronst in den Wolken und voller Hohn herabblickst auf deine Kinder, die jeden Tag auf deinem ausgedörrten Boden um ihr Leben kämpfen, erhöre uns! Lysanthor, verhasster Gott der Folter, ein Volk ruft dich an, das trotz all der Strapazen noch immer und jetzt wieder zu dir betet. Wir hören dich! Erhöre uns! Wir beten dich an im Schein deiner Sonne - jeden Tag. Erhöre uns! Die dunklen Völker, die sich ergötzen sollten an deinem Licht, am ausgedörrten Tod, den du uns bringst - sie verspotten dich. Sie meiden dein Licht. Aber wir hören dich! Wir stellen uns diesem Licht! Wir sind bereit, dir im Leben und im Tode zu begegnen. So erhöre uns und erweise uns ein einziges Mal deinen Segen. Lass sie brennen. LASS - SIE - BRENNEN! Erhöre uns!"
Dass Rhiven nicht ein Wort von dem verstand, was die Gruppe in einem Singsang an, sowie mit erhobenen Händen dem Himmel pries, war seiner Miene abzulesen. Dennoch schien er fasziniert von ihren Lobpreisungen, ihren Gebeten. Er lauschte lang, während die Spitzen seiner Ohren sacht zuckten. Für Sekunden neigte er gar das Haupt. Seine Lippen formten wiederkehrende Worte: Lysanthor, erhöre uns. Dann zog der Dunkelelf den Vorhang zu, ohne zu Darak zurückzublicken. Die Trümmer waren fortgeschafft, die Reise zum Palast ging weiter.


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Re: Blut und Sand

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 21. März 2015, 23:47

"Er ist und war nie mein Hauptmann. Das hast du schon einmal gefragt." Darak zuckte mit den Schultern und gab nur ein Schnauben von sich. Er hatte verdammt viel um die Ohren und eigentlich vergass er laufend Dinge, welche er erst von ein paar Minuten gesagt oder getan hatte, da er sehr viel zu sagen und zu tun hatte. Die Eindrücke eines Schlachtfeldes und Feldlazarettes waren schwer zu verarbeiten und stellten wohl für jeden Geist eine Überforderung dar, zumal Darak vielleicht noch immer geringfügig unter dem Einfluss von Catties Beeren stand. Zum Glück hatte wenigstens er wieder Ruhe gegeben! „Ich habe einfach bemerkt, dass er dir wichtig ist…darum mein Nachhaken! Irgendwas verbindet dich mit ihm, oder?“ Hakte er nochmals nach. Darak konnte ziemlich Hartnäckig sein, wenn er war im „Urin“ hatte. Der Sklavenhändler hatte ein gutes Gespür für Menschen, schliesslich war dies eine wichtige Kompetenz für einen guten Händler. Er musste Sklaven einschätzen können, musste wissen, ob man sie zu einem guten Hausdiener oder doch eher zu einem Gladiator züchten sollte etc.

"Besser, Ihr ruht Euch aus ... Herr" „Behandle mich nicht wie ein Greis! Ruhen die Männer und Frauen Sarmas in diesen Minuten? Nein!“ Darak gefiel sich offenbar immer mehr in der Rolle des Kriegshelden und eigentlich machte er seine Sache gar nicht so schlecht. Sicherlich würde man viele Lieder über Darak Luthrokar, den Befreier singen, wenn die Sache gut ausging. Wenn nicht…nun…dann nicht. Hymnen wurden schliesslich von Sieger gemacht, die Verlierer kannten nur Klagelieder über unglückliche oder närrische Kriegsherren, die ein grosses Leid für ihre Schützlinge nicht zu verhindern vermocht hatten. Inhalt eines Klageliedes zu sein, war sicherlich das Letzte, was Darak Luthrokar wollte.

Tatsächlich ruhte die Stadt nicht. Sie lebte, pulsierte, zuckte, es war die Volksseele von Sarma, die praktisch körperlich spürbar war in den Gassen. Schwerter wurden gewetzt, Pech gekocht, Verbände angelegt, Wunden verdeckt, Mäuler gestopft, Tränen getrocknet…und gebetet, wie Darak feststellen musste, als die Sänfte zum Stillstand gekommen war. Er lauschte den Worten der Betenden. Oh die Sarmaer hatten eine ganz eigene Beziehung zu Lysanthor. Darak war im pelgarischen Lysanthrosglauben unterwiesen worden, der sich deutlich von dem hiesigen unterschied. Einige Priester würden wohl die eben gesprochenen Worte gar als Blasphemie bezeichnen. Doch hier in Sarma war Lysanthor nunmal der ungnädige Gott der Hitze und Dürre. Ein strafender Gott, ein richtender Gott, aber eben doch letztendlich ihr Gott. Die Gläubigen wussten schliesslich um die Fehde zwischen Lysanthor und Faldor und so war es nicht verwunderlich, dass sie sich im angesichts des faldorischgläubigen Feindes, an den Sonnengott wandten. Beinahe wäre es ihm über die Lippen gerutscht. Beinahe hätte er die letzten Worte wiederholt. Erhöre uns. Doch ein Verdammter durfte nicht beten, durfte keine Kirche betreten und den Lysanthorkult nicht ausüben. Zum Glück hatte dieses Attribut rund um den Befreier im Volk noch nicht die Runde gemacht. Es war besser, wenn sie nicht wussten, von wem sie da wirklich angeführt wurden. Ausgerechnet ein Verdammter!
Bei Lysanthor wusste man nie, ob er dies als eine derartige Blasphemie von Seiten des Volkes Sarmas betrachtete, dass er die Temperatur für die nächsten hundert Jahre gleich nochmals um paar Grad steigen lassen würde. Obwohl… Lysanthor hatte über ihn gerichtet und er hatte eine ausgeglichene Waage angezeigt…
Darak schloss für einen Moment seine Augen und strich über das Sichelförmige Amulett, welches ihm förmlich in den Schoss gefallen war. Bei ihr durfte er Zuflucht suchen. Manthala war die Göttin der Diebe und Halunken, der Straffälligen und vielleicht sogar auch der Verdammten. Sie mochte schliesslich die Schattenwesen. Es fiel ihm erst jetzt auf… er hatte in den Minen nie zu ihr gebetet. Nur immer zu Lysanthor, obwohl es doch eigentlich die Beschäftigung mit ihrem Kult gewesen war, der ihn in seine missliche Lage gebracht hatte. Eine späte Erkenntnis.

Er beobachtete Rhiven dabei, wie er die ihm unbekannten Silben nachsprach. Lysanthor erhöre uns. Der Dunkelelf betete. Interessant. Die Viertel um ihn herum wurden nobler und schon bald hatten sie die Palastanlage erreicht. Darak musterte irritiert die verschleierten Frauen, welche verstohlene Blicke in die Sänfte wagten und sich ab dem Dunkelelfen heftig erschraken. Was waren das für Frauen? Was trieb Vesta hier in ihrem Hoheitssitz?
„Was sind das für Frauen, Rhiven?“ Fragte Darak sogleich. Sie schweiften ab und kamen auf Rhivens Beziehungen zu sprechen.
"Nicht in dem Sinn heißt .... dass ich kein Mädchen habe. Nein. Ich hab keines. Fragt mich etwas Anderes, Herr!" Darak legte seinen Kopf schief und für einen Moment war er geneigt zu fragen, ob er denn einen Knaben hatte, doch er verkniff es sich. Das Thema schien dem Dunkelelfen ungewöhnlich stark zuzusetzen und er wollte doch seinem…Lieblingssklaven… nichts Schlechtes. Ausserdem hatte er selbst genügend Beziehungsprobleme.
"Erzogen im Glauben an den einzigen. Ich diene Faldor." „Faldor mhrmm… bei dem gibt’s aber wenig zu Lachen.“ Brummte Darak in einem unbedachten Moment. "Das ist ein Zeichen. Sie ist mit dir." Darak lachte. „Ja, ich übe eine unglaubliche Anziehungskraft auf schöne Frauen aus.“ Darak brauchte jeweils etwas Humor, denn sonst würde ihn die aktuelle Lage wohl erdrücken und er würde jede Zuversicht verlieren. Es nagten schon genug Zweifel an ihm, kleinere Witze, halfen ihm, aus diesem Strudel herauszubrechen. Sie drangen weiter in den Palast vor. Die Architektur war beeindruckend und drückte praktisch durch jeden Stein, jede Säule, jeden Pilaster, jeden Bogen und Detail den Herrschaftsanspruch seines Bewohners aus. Im Thronsaal endete schliesslich die Reise auf der Sänfte und nun waren seine eigenen Füsse wieder gefordert. Mühsam liess sich der Befreier aus seinem Vehikel helfen. Er verzog sein Gesicht, als er seinen Fuss belastete.

Er blickte auf, als er Liliths Stimme vernahm und mit Schrecken musste er feststellen, dass sie wie ein Fehler in seinem Leben wirkte. Ein Leben, welches geprägt war von Gewalt und Schrecken, ein Leben des Kampfes und des Todes, ein dreckiges, blutiges, gefährliches Leben und mitten in diesem Pulk aus Schmerz und Verlust, tänzelte Lilith Blütentau daher. Es war wie ein Fehler in der Matrix. Er hatte sie nicht verdient und sie hatte das hier nicht verdient und doch liebte er sie innig. Er rang sich ein müdes Lächeln ab und musste aufpassen, nicht seine Krücke fallen zu lassen, darum streckte er die Eine kurzerhand Rhiven entgegen um seine Pranke um Liliths Hüfte legen zu können. „Lilith“. Hauchte er erleichtert. Auch er hatte sich sorgen um sie gemacht. Ihre Ametystaugen waren schliesslich der Barometer für den Zustand seiner Freunde. Sie würden nicht so leuchten, wenn Alma oder Constanze etwas zugestossen wäre. Er fasste ihr sanft an die Wangen und küsste ihre Stirn. „Es geht mir gut.“ Das war zwar eine ziemliche Übertreibung seines wirklichen Zustandes, aber er war immerhin nicht tot… was doch schon eine Leistung war. Damit ging es ihm nämlich schon weit besser, als vieler seiner Männer da draussen. Schliesslich suchten seine Lippen die ihrigen und vereinigten sich in einem innigen Kuss. „Ich liebe dich.“ Hauchte er und es war aufrichtig. Er liebte sie wahrlich, doch er zweifelte daran, dass ihr diese Liebe sonderlich viel Glück bereitete.

Sein Blick zielte an Liliths Ohr vorbei zur Sänfte, die gerade in den Thronsaal getragen wurde. Vesta Temna Negra. Seine Vergangenheit, seine Lieblingshure und Geschäftsfrau, seine Freundin… wenn man so wollte.. und Schicksalsgenossin, was das „Erbe“ von Daarion betraf. Es befremdete ihn etwas, dass sie ihn so förmlich ansprach und er sah sie forschend an. Erschrocken musste er feststellen, wie elendig es ihr ging, doch der Sklaventreiber liess sich nichts anmerken. Er wusste, wie wichtig Vesta ihre Fassade vor ihren Leuten war und so tat er nichts, um diese zum Bröckeln zu bringen. Er deutete eine leichte Verneigung an, weil er wusste, dass sie es mochte, wenn man sich vor ihr niederbeugte. Schliesslich war sie noch immer eine Domina, ein ausgewiesener und besitzergreifender Machtmensch. Man musste sie fragen, ob sie in Friedenszeiten wirklich eine gütige Besetzung als Stadtherrin sein würde… doch im Krieg brauchte es nun mal etwas weniger, feinfühlige Qualitäten. „Stadtherrin.“

"Sie weint, wenn sie sich unbeobachtet fühlt." Darak nickte kaum merklich. Er nahm vorsichtig seinen Helm von seinem verbrannten Schädel und reichte ihn der Elfe. „Bist du so lieb und bringst ihn Cattie? Damit sie mich riechen kann und weiss, dass es mir gut geht? Sie soll sich reinsetzen und ihn für mich bewachen.“ Flüsterte er Lilith zu. Er wollte der Elfe eine Aufgabe geben, damit er mit Vesta reden konnte. Diese würde zugänglicher sein, wenn keine Personen da waren, vor denen sie keine Blösse zeigen wollte. Schliesslich nahm er einige Meter Krückenlauf in Angriff, um sich Vesta zu nähern, ehe er Rhiven ein Zeichen gab, sich bis zur Türe des Saales zu entfernen. Er würde ihn im Raum behalten, falls sie Hilfe benötigten (leider waren sie beide im Moment eher unselbstständig), aber er wollte nicht, dass er gleich alles mithören konnte. Er musste mit Vesta reden…im Vertrauen.

Er sah die Bordellherrin direkt an. Sie brauchte sein Mitleid nicht, dieses würde sie vermutlich nur wütend und noch verzweifelter machen. Darak konnte schliesslich ahnen, wie sie sich fühlen musste. Auch ihm waren dereinst beide Knie gebrochen worden, ehe man ihn in den Minen zurückgelassen hatte. Er war daran beinahe zu Grunde gegangen, beinahe Durchgedreht. Es gab keine Worte, die diesen Schmerz lindern konnten. Keine Gesten die Halfen. Es war einfach Schrecklich! „Vesta Temna Negra.“ Brachte er schliesslich über die Lippen. Eine Erinnerung daran, wer sie war. Vesta Temna Negra, war eine Herrin. Eine Herrin wie sie konnte man nicht brechen, konnte man nicht unterjochen, nicht besiegen. Sie war Vesta Temna Negra, vor ihr hatte man Respekt, man fürchtete sie so sehr, wie man sie gleichzeitig begehrte und sich nach ihr verzehrte. Mit der schlichten Nennung ihres Namens, versuchte Darak ihr das in Erinnerung zu rufen und ihr zu signalisieren, dass er noch immer so empfand. Sie brauchte sein Mitleid nicht, aber vielleicht seine Hilfe, nicht am Schmerz zu zebrechen und zu vergessen wer sie war.

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