Maskenball der Finsternis

Inmitten Morgerias ruht der Herrschersitz des Stadtherrn. Ein dunkler Palast ist es, mit finsteren Zinnen, Türmen und düsteren Steinfratzen, die auf die Besucher des gewaltigen Anwesens blicken.
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Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 4. April 2019, 23:33

Darak Luthrokar kommt von Die dunkle Stadt Morgeria -> Das Heereshaus -> Die Obsidiankammer

Daraks Bewusstsein schwamm in einem Meer aus Ohnmacht. Die Wellen peitschten ihn hin und her, spülten ihn dabei immer wieder in die Nähe des Strandes, der sein Erwachen bedeutet hätte. Doch jedes Mal, wenn er glaubte, gleich nach dem rettenden Ufer greifen zu können, entglitt der Sand seinen Fingern und er wurde zurück in seine traumlose, schwarze Welt gezogen. Einzig einen kurzen Dialog schnappte er auf.
".... soll wirklich der Befreier von Sarma sein? Sieht ja mickrig aus!"
"Er ist bewusstlos. Du würdest auch nicht weniger jämmerlich ausschauen in dem Zustand."
"Pha! Wieder einmal achtest du nicht auf die Details. Schau dir sein Bein an. Das Knie wurde zertrümmert. Und dafür erntet diese Rasverath nun so viel Ruhm und Ehre? Weil er einen Krüppel mit nach Hause gebracht hat?"
"Es ist ein moralischer Sieg. Unsere Brüder und Schwestern kämpfen noch immer an der Front. Die Sarmaer werden ein zweites Mal untergehen, nun, da sie ihren Befreier nicht mehr haben."
"Schändlich genug, dass sie unvorsichtig wurden und Sarma schon einmal an diese sonnengebräunten Bastarde zurückgegangen ist!"
"Lern daraus! Wir werden beim Befreier von Sarma nicht unvorsichtig sein. Und jetzt geh ein bisschen schneller. Er mag ein Krüppel sein, aber er ist immer noch ein verdammt schwerer Brocken."


War es ein Gespräch? War es Gesang? Die Art, wie die Wellen sich miteinander unterhielten, war nicht gänzlich unvertraut und doch würde es Darak unmöglich sein, in seinem Zuzstand mehr darin zu erkennen als Geräusche, die ihn im Traum begleiteten. Das Meer holte ihn wieder ein. Darak konnte das Schaukeln spüren. Leider wollten die Wellen sich nicht ganz einem gleichmäßigen Rhythmus hingeben. Immer wieder polterte er in den Fluten umher. Hinzu kam das Rasseln von Ketten. Trugen Seemöwen Metallschmuck? Das Meer lullte ihn erneut ein.
Zeit verging, in der Darak nicht Herr seiner Sinne war. Wie lang er ohnmächtig gewesen war, ließ sich von seiner Seite aus nicht sagen. Fest stand, dass es lange genug gedauert haben musste, dass man seinen nackten Körper hatte aus der Obsidiankammer holen lassen und ihn irgendwohin transportiert hatte. Nach wie vor zierte ihn nicht der kleinste Fetzen an Kleidung. Er spürte, dass sein Körper etwas fröstelte, aber nicht so sehr, dass es ihn endlich in den Wachzustand getrieben hätte. Hin und wieder erreichte ihn eine kuschelige Wärme, die wie die heißen Dünenwinde der Wüste Sar über ihn hinweg zogen. Sie streichelten ihn. Sie flüsterten gedämpft.
Nein, halt! Das war kein Wind. Er hörte wirklich Stimmen und je mehr er sich wieder auf seine Sinne konzentrierte, desto deutlicher konnte er nicht nur Geräusche, sondern auch andere Gegebenheiten ausmachen. Zunächst einmal nahm er natürlich die Geräuschkulisse wahr. Gespräche wurden geführt und sie waren nicht nur aufgrund seiner einseitigen Beinahe-Taubheit gedämpft, nein. Es wurde leise gesprochen, getuschelt und gelegentlich gelacht. Hier und da räusperte sich jemand. Darak konnte auch die feinen Klänge von Musik vernehmen. Jemand zupfte an Saiten. Eine Harfe? Und eine Geige, aber sie fidelte nichts Munteres. Die Melodie besaß eine düstere Schwere. Gleichsames Gewicht hing auch in der Luft. Sein zweiter Sinn - seine Nase - meldete sich. Darak konnte brennende Kohle riechen und das in unmittelbarer Nähe. Auf seinen Reisen als Sklavenjäger hatte auch er sich immer wieder an nächtlich entfachten Kohlebecken gewärmt. Die Dämpfe waren ihm vertraut, ebenso wie das Aroma von Wein, das sich mit ihnen mischte. Ein schwerer Wein musste es sein, vermutlich rot. Wo immer er war, das Ambiente legte auf Gewichtigkeit. Ein ernste Sache? Na sicher, er befand sich als Gefangener in Morgeria! Natürlich trank man hier keinen lieblich leichten Apfelwein und wenn zur Musik noch gesungen wurde, könnte es unmöglich ein fröhlicher Reigen sein. Klagelieder hätten gepasst, aber niemand sang.
Stattdessen drang endlich eine lautere Stimme aus dem leisen Plauschen heraus. "Du da, Sklave! Es wird Zeit, nimm den Samt ab. Die Feierlichkeiten gehen gleich los.
"J-jawohl, Herr..."

Es raschelte. Dann drückte sich Helligkeit als rötliches Glühen durch Daraks Augenlider. Die veränderten Lichtverhältnisse sorgten dafür, dass er nun gänzlich seiner Ohnmacht entkam. Und sobald der Luthrokar seine Augen öffnen würde, offenbarte sich ihm der Einblick auf einen morgerianischen Prunkball in all seiner düsteren Perfektion.

Er befand sich Zentrum eines gewaltigen Saals mit gewölbtem Kuppeldach aus Stein, in den ein beeindruckender Kronleuchter aufgehängt war. Zahllose, dicke schwarze Kerzen tropften ihr heißes Wachs auf das ebenso schwarze Eisen des handwerklichen Meisterstücks der Schmiedekunst und Eisengießerei, welches genau über Daraks Kopf baumelte. Nun, nicht ganz. Zwischen ihm und dem Kronleuchter befand sich noch der Käfig, in dem der Mann steckte. Ebenfalls aus schwarzem Eisen, aber mit reichlich güldenen Verzierungen sah er auf den ersten Blick nicht stabil aus, sondern diente eher dazu, dem Auge zu schmeicheln. Doch der Schein trübte. Mehrere Schlösser erschwerten es selbst dem gewieftesten Knacker, diese in Windeseile zu öffnen. Die Gitterstangen des Käfigs waren zudem so dick, dass auch ein Troll Schwierigkeiten hätte, sie aufzustämmen. Wie sollte Darak es dann schaffen? Auch war er bei weitem nicht dürr genug, sich dazwischen hindurch zu drängen. Ein abgemagertes Kind hätte es vielleicht geschafft. Bei Darak würden aber nur Arme oder Beine durch den Spalt passen.
Sein Käfig befand sich auf einem quadratischen Steinsockel inmitten des Saales. In jeder Ecke des Sockels fand sich ein Kohlebecken vor, dessen Schale aus jeweils zwei steinernen Fledermäusen mit aufgerissenen Mäulern bestanden. Sie berührten sich an den Spitzen ihrer Schwingen und der perfide Künstler hatte funkelnde Smaragde in ihre Augen eingefasst. Schräg versetzt und somit das Quadrat des Sockels nur erweiternd ragten vier Säulen bis zur Decke empor, um mehreren Bahnen purpurnen Samtschleiern als Befestigungspfosten zu dienen. Die schweren Deckenbehänge führten bis an die Wände des Saales heran. Auch jene waren aus Stein. Purpurne Vorhänge mit dicken silbernen Kordeln und Quasten verteilten sich in gleichmäßigen Abständen an den Wänden entlang. Vermutlich verbargen sie deckenhohe Fenster, aber der Stoff hing davor und ließ kein Licht in den Saal hinein. Darak konnte somit nicht einmal sagen, ob es Tag oder Nacht war. Der Saal selbst mochte mit vielen Kandelabern und Wandkerzen, den Kohlebecken und nicht zuletzt dem riesigen Deckenleuchter genug erhellt werden. Trotz allem hinterließ er eine finstere Atmosphäre im Herzen.
Das mocht aber auch an den Versammelten liegen. Dunkelelfen beider Geschlechter, entweder in feinsten aber dunklen Samtanzügen, ausschweifenden Ballkleidern mit reichlich Edelsteinen verziert oder aber schwer gerüstete, düstere Schattenkrieger mit Fledermaushelmen verteilten sich im Raum. Die Damen und Herren erinnerten an eine morbid unheimliche Version des Pelgarer Adels. Prachtvoll gekleidet, faszinierend geschminkt, alles in allem aber wie Advokaten des dunklen Herrschers persönlich. Die Frauen unter den Elfen hatten ihre Luppen schwarz oder blutrot gefärbt, purpurnes Rouge auf die Wangen aufgetragen und die glühenden Augen durch dicke, schwarze Linien noch mehr zur Geltung gebracht. Sie hielten schwarz gefiederte Masken an langen Stäben fächelten sich Luft mit ihren Handfächern zu, bei deren Gestaltung der Fantasie kaum Grenzen gesetzt worden waren. Darak konnte Exemplare erkennen, die silbern aufblitzende Spitzen an den Enden besaßen und somit sicherlich auch als Waffe dienen konnten. Auf dem Papier waren schwarze Rosen gemalt worden. Es gab aber auch gänzlich schwarze Fächer, wieder in Form einer Fledermaus, so dass es aussah, als winkte die tragende Elfenhand dort mit einer ledrigen Schwinge.
Die Männer trugen ihre Masken nicht an Stäben, sondern hatten sie sich direkt auf die Nasen gesetzt. Bizarre Fratzen rangen um die Aufmerksamkeit der Frauen zusammen mit goldenen, aber nahezu emotionslos gestalteten Gesichtern.
Es war ein Maskenball des Schreckens ... und Darak offenbar Mittelpunkt und Anschauungsobjekt. Immer wieder traten Paare oder Grüppchen der maskierten Elfen an den Käfig heran. Die Grenzen des Steinsockels sorgten für den nötigen Abstand. Keiner der Dunkelelfen kam dem Gefangenen auch nur zu nahe - abgesehen von einem doch eher blässlichen Elfen an der Seite des Käfigs. Dieser hockte in sich zusammengekauert da und wirkte nicht wie die übrigen Elfen. Seine Haut war gräulich mit einem leicht violetten Schimmer, wenn das Licht perfekt darauf traf. Sein Haar hing ihm silbrig über die Stirn, solang er den Kopf gesenkt hielt. Er trugt lediglich eine violett-graue Tunika mit silbernen Verzierungen, aber keinesfalls so pompös, um auch nur mit einem der anderen Elfen mitzuhalten. Vor sich auf dem Boden war ein großer Samtstoff zusammengefaltet. Dieser musste vorher den Käfig abgedeckt haben. Ganz klar, der kauernde Elf musste ein Diener oder Sklave sein. Ihn beachteten die übrigen Elfen auch überhaupt nicht. Sie zeigten sich mehr an Darak interessiert. Mit Neugier, Faszination und Verachtung starrten sie ihm entgegen. Einige Frauen rümpften die gepuderten Nasen oder stießen einen Ton der Abscheu aus, ehe sie am Arm eines galanten Begleiters wieder fortgeführt wurden.
In Daraks Rücken und zu beiden Seiten einer riesigen, schwarzen Flügeltür spielten Musikanten auf. Tatsächlich saßen dort weitere Elfen an einer Harfe, vor einer Trommel, einem schwarzen Konzertflügel und an zwei Geigen. Auch diese Elfen wirkten eher gräulich bis violett. Keiner von ihnen schaute in den Saal hinein. Sie spielten ihre düsteren Reigen, perfekt einstudiert. Über allem hielt eine Art Dirigentin mit strengem Blick Aufsicht. Außerdem besaß sie eine kleine Reitgerte und schlug damit sogar zu, als einer der Violinisten sich verspielte.
In welches faldorgefällige Schreckensszenario war der Befreier von Sarma nun wieder hinein geraten?!
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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Darak Luthrokar » Mittwoch 10. Juli 2019, 23:03

Darak Luthrokars bestes Stück wurde von der Frauenwelt und sogar auch von einigen Männern, die sich anerkennend über Daraks Ruf in Sarma geäussert hatten, mit vielen Bezeichnungen ausgestattet. Meistens enthielten diese Metaphern, die irgendwie auf die kolossale Grösse seines Gemächts anspielten. Niemals aber, absolut NIEMALS – nicht einmal Valrock Moslag – hatte jemand das adjektiv KÜMMERLICH in Zusammenhang mit ihm in Verbindung gebracht. Es war auch nicht kümmerlich. In keinem möglichen Aggregatszustand. Daraks Mine verfinsterte sich, als Cassandra in Gelächter ausbrach. Er hätte ihr am liebsten auf der Stelle gezeigt, zu was seine vermeintlich kümmerliche Wurst alles im Stande war! Im wahrsten Sinne des Wortes! Er schnaubte nur, als sich Schritte der Luke näherten und die Wache herunterbellte, sie sollten sich gefälligst benehmen. Darak hatte allerdings nicht lange Zeit um Cassandra nachtragend zu sein, denn ihre spitze Antwort auf die Anordnung liess ihn dann doch wieder etwas optimistisch stimmen.

"Wir werden gleich wie die Kaninchen rammeln, dann erfährst du, was wirklich laut ist!" Nun grinste auch der Befreier der Luke entgegen und leckte sich über die Zähne. Es war Daraks Glück, dass er seinen Blick auf die entblösste Brust der wetternden Cassandra richtete, so wurde er im Gegensatz zur Feuerhexe nicht direkt ins Gesicht getroffen, als das Wasser auf sie hinabprasste. Ein Teil des Wasser platschte in den Kackeimer und verursachte eine kleine Überschwemmung, was die allgemeine Stimmung nun auch nicht gerade hob. Dicht neben seiner Schulter prallte ein kleines Geschoss auf den Boden. Cassandra sprang sofort zurück, während Darak deutlich träger reagierte und versuchte das schwarze Ding zu identifizieren. Sofort fand er sich in einer Rauchwolke wieder, die zwar keinen bestimmten Geruch absonderte, ihm aber zunehmend den Hals abschnürte und ihn ganz schwummrig zu Mute werden liess. Seine Instinkte rieten ihm als letztes nur noch, sich möglichst vom Schlafblock und auch vom Eimer zu entfernen. Er taumelte ein paar Schritte davon weg, bis ihm die Beine versagten und er wie ein nasser Sack zu Boden krachte. Das letzte was er sah, war die wilde rote Mähne von Cassandra, die dicht neben ihm zu Fall gekommen war. Dann empfing ihn die Schwärze.

Die Bewusstlosigkeit war unruhig und manchmal erschien es ihm, als würde er beinahe erwachen, ohne aber den Schleier der Ohnmacht gänzlich durchbrechen zu können. Manchmal quietschte und dröhnte es in seinem Geist und ab und an glaubte er Schmerz zu verspüren. Doch letztlich löste sich alles immer wieder in Schwärze auf. Einmal sah er zwar wieder schummrige Schemen, die an ihm herumzerrten und es ertönte eine Stimme die so ekelhaft verzerrt waren, dass ihm davon beinahe der Schädel platzte. ".... soll wirklich der Befreier von Sarma sein? Sieht ja mickrig aus!" Was hatten nur alle heute mit seiner angeblichen Mickrigkeit! Er wollte lauthals Protestieren, doch er war nicht Herr über seine Stimmbänder.
"Pha! Wieder einmal achtest du nicht auf die Details. Schau dir sein Bein an. Das Knie wurde zertrümmert. Und dafür erntet diese Rasverath nun so viel Ruhm und Ehre? Weil er einen Krüppel mit nach Hause gebracht hat?" Rasverath. Ruhm. Ehre. Krüppel. Rasverath. Rum. Krüppel. Ehre. Rasverkrüppel. Ehrum. Krüpplruhm. Ehrsverat. Die Wörter vermengten sich in seinem benommenen Geist und vermischten sich zu einem unverständlichen Geschwurbel, aber ihm wurde auch ein seltsamer Gedanke, ein Gefühl, eine dunkle Ahnung beigemengt, die Darak beunruhigte. Krüppelruhm. Rasverrat. Verrat. Verrat. Verrat. Schwärze.

Er wurde von einem unruhigen Meer in Empfang genommen, dass seinen Körper hinfort trug. Manchmal fühlte es sich warm an, manchmal eher kühl. Doch während sein Körper noch in den Wogen der Ohnmacht lag, setzten seine Sinne allmählich wieder ein. Er hörte leises Geflüstern und Murmeln, allerdings in einem fürchterlichen Kauderwelsch. Nichts Vertrautes lag in den Stimmen. Stattdessen konnte er die Musik besser verarbeiten. Er erkannte die Melodie, die Gesetze der Harmonie und identifizierte die Klänge sofort als gewichtig, schwer, düster aber doch gehaltvoll und professionell rezitiert...ja... das war Musik. Eine universelle Sprache, die von jedem verstanden werden konnte. Langsam setzte sein Verstand wieder ein. Er erkannte, dass er sich nicht mehr in der Obsidiankammer befinden konnte. Dort hatte es keine Musik gegeben und wenn schon, dann wäre sie von hoch oben und nicht von der Seite her an sein Ohr gedrungen. Zumal er sich nun eher in einem Saal, als in einer kleinen Zelle befand. Ausserdem roch es nach verbannter Kohle. Wenn Cassandra sich doch noch dazu entschlossen hätte ihn zu grillen, hätte es niemals so gerochen. Verbranntes Menschenfleisch roch anders. Er musste es wissen, hatte er als Foltermeister doch oft glühende Eisen verwendet.

Plötzlich entfernte sich der Schleier der Ohnmacht und Darak wachte mit einem Ruck von seiner Bewusstlosigkeit auf. Das erste was er tat, war heftig nach Luft schnappen, so dass einige der umliegenden Gäste ihm sofort gewahr werden mussten. Seine Atmung ging erst flach und schnell, sein Hals und seine Lungen brannten. Er hustete und krümmte sich zusammen. Sein Rücken drückte sich dabei an die kühlen, dicken Eisenstäbe. Darak zuckte zusammen und rappelte sich dann langsam auf. Er setzte sich in die Ecke des Käfigs und lehnte sich abermals an den Eisenstäben an, diesmal aber bewusst die kühle Lehne in Kauf nehmend.

Bei Lysanthors Sackhaaren. So eine Scheisse! Dachte Darak nur, als er seinen Blick erstmals durch den Raum schweifen liess. Er sass mitten im vermaledeiten Herzen dieser verfluchten Dunklen Brut! WARUM HATTE ER SOWAS JEMALS FÜR EINE GUTE IDEE GEHALTEN?!!! Ein Anflug von Panik erfasste ihn und kurz wähnte er sich in Sarma wieder, wo er beinahe zu Tode garrotiert wurde. Nein nein nein...in den Händen dieser Irren zu sein war nicht gut. Ganz und gar nicht gut!

Innert kürzester Zeit musste er erste Entscheidungen fällen. So entschloss er sich dazu, weiterhin den Benommenen zu geben und sich nicht all zu vital zu verhalten, damit er nicht unnötige Aufmerksamkeit auf sich zog. Obwohl es schwierig war, nicht aufzufallen, befand er sich doch in diesem überdimensioniert und völlig geschmacklos dekorierten verfluchten Käfig.... und ja er war nackt! Immer noch nackt!

Er beobachtete die Szenerie aus dem Augenwinkel heraus. Es erschien ihm, als ob die ganze vermaledeite Elite dieser schwarzen Pest sich hier versammelt hatte. Wo war Cassandra wenn man sie mal brauchte! Hier hätte sie das Grillfest ihres Lebens veranstalten können!
Erst auf den zweiten Blick erkannte er die Masken. Während er durchaus zugeben mussten, dass manche der weiblichen Vertreterinnen durchaus ansehnlich waren, musterte er die männlichen Gäste argwöhnisch. Wie mächtig musste die Dunkle Armee sein, wenn sie es sich leisten konnten hier einen Maskenball zu veranstalten während ihre Truppen überall in Celcia auf Eroberungszug waren. Wie hatte es nur passieren können, dass die ganze freie Welt Celcias die Gefahr nicht erkannt hatte. Nun bezahlten sie ihre Nachlässigkeit mit Blut und mit ihrer Freiheit.

Seine Nackenhaare stellten sich auf. Er spürte, dass er von unzähligen Augenpaaren hinter den Masken beobachtet wurde. Manche von ihnen taten es eher diskret aus der Entfernung, andere hingegen gaben ihrer Neugierde nach und traten direkt an den Käfig heran. Darak fühlte sich sofort herausgefordert und liess es sich nicht nehmen, den Fremden direkt entgegen zu starren. Oh ihr werdet mich nicht als winselndes Häufchen zu sehen kriegen! Ihr nicht ihr Bastarde! Dachte er trotzig. Darak fiel sofort in alte Verhaltensmuster zurück, die er unter den Folterungen durch Valrock gezeigt hatte: Trotzig, frech, aufmüpfig. Es war eine seltsame Ausprägung seines Überlebenstriebes, die letztendlich darauf basierte lieber mehr Schmerz zu provozieren und zu leben, als aufzugeben und zu sterben. Als Foltermeister wusste er schliesslich, dass die Gebrochenen immer getötet wurden, da man aus ihnen keine weiteren Informationen mehr herausquetschen konnte und sie somit jeglichen Wert verwirkt hatten. Die Widerspenstigen erlitten manchmal zwar durchaus auch das gleiche Schicksal, aber sie starben immerhin in dem Wissen, dem Foltermeister nicht das gegeben zu haben, was dieser wollte. Auch das war gewissermassen eine Genugtuung.

So erwiderte er die Verachtung in den Blicken der Gäste stoisch, was diese wohl eher dazu animierte, sich wieder von ihm abzuwenden. Was zur Hölle war das hier für eine Veranstaltung? Er wollte nicht recht glauben, dass dieses ganze Brimborium nur seinetwegen veranstaltet wurde. Dafür waren die Ausmasse viel zu gross und so lange war er ja auch noch nicht in der Zelle gewesen. Er interpretierte seine Anwesenheit als Sahnehaupt einer viel grösseren Veranstaltung. Was hatten diese Spitzohren zu feiern? Die Weltherrschaft? Den Sieg über Sarma? Was auch immer es war, es war sicherlich nichts gutes für alle Lebewesen, die nicht der dunklen Brut angehörten. Darak rieb sich über seine nackten Arme.

Verdammt nochmal diese Dunkelelfen bewiesen aber auch keinen Sinn für Trophäen! Als Sklaventreiber wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, seine kostbare Fracht – und eine solche war er für die Dunkle Armee sicherlich – in einem solch vermaledeiten Zustand zu präsentierten. Wenn sie schon mit ihm als Trophäe angeben wollten, dann hätten sie gut daran getan ihn in eine edle Rüstung zu stecken, sein verkrüppeltes Knie zu kaschieren und ihn möglichst wild zu machen. So sah er ja aus, als hätte man ihn in irgend einer Kneipe mitten in Sarma einfach aufgelesen....und das war ja doch ziemlich schmählich, wenn man bedenkt welchen Ärger er ihnen verursacht hatte. Darak stutzte und blickte nochmals in den Raum. Die ganze Aufmachung mit den Roben und den Masken erinnerte mehr an einen kultischen Zusammenschluss als eine Adelsparty. Er schauderte. Vielleicht war er gar nicht als Trophäe hier...sondern als Opferlamm. Er schluckte leer, doch sein Verstand hielt wieder dagegen. Auch Opferlämmer waren oft besonders schöne Tiere, die entsprechend dekoriert und ausgestattet auf die Schlachtbank geführt wurden. Vielleicht, vielleicht war er überhaupt gar nichts Spezielles. Vielleicht bildete er sich in einem Anflug von Narzissmus nur ein, irgendwie was besonderes für die Dunkle Armee zu sein. Was wusste er schon über Helden und Widerstandskämpfer anderer Städte und Regionen? Vielleicht hatte man schon hunderte von ihnen nach kurzen Rückschlägen niedergemetzelt und von dieser Welt getilgt. Aber nein, da war doch was gewesen in seinem seltsamen Traum. Hatte er nicht irgendwas vernommen vonwegen Rasverath, der zu grossen Ehren gekommen sei, weil er den Befreier gefangen hatte?!

Rasverath...jetzt dämmerte es ihm langsam wieder, woher er diesen Namen kannte. Rhiven hatte ihn als Zielort für die Teleportation genannt. Haus Rasverath. Er sah sich wieder um. Verdammt nochmal, war DIES etwa das Haus Rasverath?! Vielleicht war Rhiven tatsächlich ein Vertreter dieses Hauses und hatte sich nur hinterlistig das Vertrauen des Gehörnten erschlichen um ihn dann pünktlich zu seinem eigenen Maskenball als Trophäe abzuliefern! Oh, wenn diese These stimmte, dann würde Darak Luthrokar diesem Spitzohr höchst persönlich den Hals umdrehen! Wie hatte er Rhiven überhaupt vertrauen können? Eine Gelegenheit zu Nutzen, um Darak Luthrokar das Leben zu retten war ja im Grunde nicht schwer, denn er manövrierte sich ja ständig irgendwie in Lebensgefahr. Hatte Rhiven ihn getäuscht?! Oder verlief alles nach Plan? Doch selbst wenn, wie sollte Rhiven hier irgendwas unter Kontrolle haben?! Verdammt, das war ein schlechter Plan gewesen! Ein verflucht schlechter Plan! Zumal sich ihre Lage durch die Einschleusung von Darak überhaupt nicht verbessert, sondern nur noch verschlimmert hatte. Das eigentliche Ziel der Mission, die Feuerhexe, hockte vermutlich noch immer in ihrer Zelle und trocknete sich die Haare, während der Befreier von Sarma nun inmitten dieses Puppentheaters festsass. Wie bitte konnte das in irgendeiner Form ein Erfolg für die eigene Mission darstellen?! Der einzige erkennbare Nutzniesser der aktuellen Situation war einzig und allein Rhiven. Wo auch immer dieses Spitzohr gerade steckte! Darak blickte durch die Menge, doch da alle männlichen Dunkelelfen über eine etwa ähnliche Statur verfügten und sie ihre Gesichter hinter ihren Masken verbargen, war es ein Ding der Unmöglichkeit für Darak, den Elfen in der Menge zu Orten. Da müsste schon die ganze Aufmerksamkeit im Saal auf ihn gerichtet werden, damit das gelingen konnte. Darak musste sich selbst einräumen, dass die Verratsthese sich bisher als die wahrscheinlichste entpuppte. «Wie blöd muss ich sein. Wie blöd. Wie blöd. Wie blöd!» Grummelte er vor sich hin und ditschte sich mehrmals mit der flachen Hand auf die Stirn.

Naja und da war natürlich noch Cassandras These: Vielleicht war Darak doch nur eine Trophäe und die Dunkelelfen präsentierten eben doch d das Beeindruckenste an ihrem Fang, nämlich eben doch seinen Körper mit seiner kolossalen Wurst. «HAH!» Platzte es aus ihm heraus, amüsiert ab seinem eigenen Witz. Er blickte kurz zu dem Elfen hinüber, der ab seiner plötzlichen Lautäusserung offensichtlich erschrocken war. «Entschuldige.» Brummte Darak leise und rieb sich die Stirn. Von diesem seltsamen Gas, das ihn ausgehebelt hatte war ihm immer noch schummrig und seine Gedanken rasten wie wild umher. Eigentlich wollte er sich dennoch dem Elfen neben sich zuwenden doch ehe er das Gespräch vertiefen konnte, spielte die Musik auf und lenkte so die Aufmerksamkeit des Befreiers auf sich.

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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Montag 15. Juli 2019, 11:36

Daraks Fluchen war es nicht, das den blasseren Elfen neben seinem Käfig zusammenzucken ließ, sondern die klatschenden Geräusche die der nackte Befreier mit seiner Hand gegen die eigene Stirn verursachten. Einmal wagte es der Elf, zu ihm herüber zu schauen. Violette Augen begegneten Daraks. Dann hob das Spitzohr einen schlanken Finger zu den eigenen Lippen und spähte gleichzeitig halb über seine Schulter zurück.
In Daraks Rücken spielten die Musiker auf. Das erregte auch die Aufmerksamkeit der versammelten Maskierten. Das Plaudern erstarb langsam, wich leisem Getuschel hinter empor gehaltenen Fächern. Alle Augen waren auf die große Flügeltür gerichtet. Ein Elf in noblem Frack und natürlich ebenso vorherrschenden dunklen Farben positionierte sich ein Stück neben der Tür. So stand er nicht im Mittelpunkt jener, dennoch wusste er ob seiner Wichtigkeit. Der Elf straffte die Schultern, wippte einmal auf den Hacken seiner polierten Schuhe und schlug nach kurzem Räuspern mit einem langen Stock auf den schwarzen Marmorboden. Das Metall verstärkte, klauenförmige Fußende des Stockes erzeugte nicht nur ein goldenes Aufblitzen, sondern auch einen hallenden Knall. Nun erstarb auch noch das letzte Wispern. Wiederholt räusperte sich der Elf. Zu Daraks Ärgernis sprach er ausschließlich in Lerium: "Ich darf um Ruhe bitten. Ähem, werte Gäste. Heißen wir nun das Oberhaupt des Hauses Rasverath in seinen Hallen Willkommen." Der Elf hüstelte wiederholt. Dann erhob er die Stimme: "Montgomeric Faldorslieb der Vierte Rasverath!"
Unter dem höflichen Applaus der Gäste huschten zwei nicht minder bleichliche Elfen mit violett schimmernder Haut zwischen Falten der dunklen Vorhänge heraus, um die Flügeltüren aufzuziehen. Sie hatten reichlich Mühe damit. Schließlich aber konnte man den Vorgestellten erkennen, der als aufrechter und großer Schatten sich vor dem Kerzenschein im Hintergrund abhob. Trotz der Tatsache, dass er sich auf einen Gehstock stützen musste und bei jedem Schritt ein erschütterndes Klonk hinterließ, so wirkte die Gestalt dieses breitschultrigen Elfen mehr als erhaben. Langes, ergrautes Haar wallte ihm über den Rücken und hing ihm wie ein seidiger Mantel bis knapp zu den Füßen herunter. Lediglich zwei Strähnen führten zu beiden Seiten seines Kopfes über die Spitzohren und hingen in aufwändiger Flechtung nach vorn über seine Schultern, wo sie auf Brusthöhe von einer purpurnen Fledermausfibel zusammengehalten wurden. Diesem Elfen war das Haar wahrlich ein Umhang!
Feine Falten umgaben den streng verzogenen Mund, Krähenfüße umrahmten die schmalen Augen mit dem kalt grauen Blick. Montomgeric Rasverath spähte den gesamten Saal aus, ohne den Kopf zu drehen, während das Licht aus den Kohlebecken vom tiefen Purpur seines Anzugs verschlungen wurde. Er humpelte kaum, als er sich Daraks Käfig näherte, dort allerdings knapp vor dem Podest und etwas seitlich Position bezog. Sein strenger Blick ging vor ihm zunächst ins Nichts, bis der schneidige Elf mit dem Klauenfußstab erneut die Stimme erhob.
"Es betritt den Saal die Gastgeberin des Abends, überlebender Zwilling und zweites Kind Montgomerics und seiner in Faldors Hände gegebenen Gattin Pyrdalia Rasverath, die erlauchte und weitreich verehrte Edle Clodia Rasverath!" Erneut kam Applaus auf, dieses Mal sogar etwas lauter, als sich die angekündigte Elfe den Versammelten präsentierte. Und ihr Auftritt war jenseits aller Bescheidenheit.
Gleich vier dürre, aber pompös in schwarze Seide gehüllte Elfen mit perlmuttfarbener Haut und kahlrasierten Schädeln, auf denen silberne Kränze ruhten, krochen ihrer Herrin eilig voraus. Auf Knien warfen zwei von ihnen ihr schwarze Rosenblüten vor die Füße, die beiden anderen küssten zusätzlich ihre pechschwarzen Schuhe, sofern diese beim Voranschreiten unter den wallenden Gewändern hervor lugten. Denn auch bei der Garderobe war Clodia Rasverath nicht zimperlich. Blutrot und schwarz präsentierte sie sich, in einem zwar eng anliegenden langen Kleid, das allerding mit Armen und Kleid verbundene Tüll- und Seidenbahnen besaß, so dass die Elfe beim Winken wie ein finsterer Schmetterling aussah, der seine Flügel ausbreitete. Purpurne Augen waren in die Musterung des Tülls eingearbeitet. Es wirkte hypnotisch, lenkte aber nicht von ihrer Wespentaille und dem wippenden Busen ab, der bei jedem Schritt drohte, aus dem Kleid zu fallen. Das Dekolletée war großzügig geschnitten, so dass man die kleine tätowierte Fledermaus auf ihrer linken Brust gut erkennen konnte. Die Elfe hatte sich wohl direkt zwei winzige Blutrubinsplitter in die Haut stechen lassen. Wie sonst ließen sich die funkelnden Fledermausaugen ihres Hautbildes erklären?
Um den Hals trug sie ein schwarzes Seidenband, an dem ebenfalls ein facettenreicher Rubin schillerte. Auch ihr Gesicht war passend zur Kleidung geschminkt. Blutrote, volle Lippen, ein geradezu andächtiges Rouge auf den Wangen, dafür aber kunstvoll schwarz umzeichnete Augen. Auch hier hatte man den Schmetterling wohl als Vorlage verwendet. Die roten Augen der Elfe wirkten wie das Muster der Flügel, welche sich in wilden Schnörkeln über ihre Wangen zogen. In beiden Spitzohren glitzerten schwarze Edelsteine and silbrigen Ketten, die mit mehreren fledermausförmigen Klemmen an der Ohrmuschel gehalten wurden. Auch das Diadem auf ihrem honigblondem Haar besaß solche Kettchen, die in silbernen Bögen in ihre Stirn hingen. Die goldenen Strähnen zierten schwarze und blutrote Bänder. Das Haar selbst trug die Elfen entgegen allen Erwartungen einfach offen, aber die Farbe allein zog ohnehin genug Aufmerksamkeit auf sich. Sie passte zum schlanken Gürtel, der als einziges Accessoire an ihrem Kleid ebenfalls eine andere Farbe als Blutrot oder Schwarz aufwiese. An silbernen Fledermausflügeln, die an den Spitzen miteinander verbunden waren, schimmerte in der Mitte ein eingefasster Bernstein genauso honiggolden wie ihr Haar.
Mit einem süffisanten Lächeln, das dem Publikum galt und einer anschließend ausladenden Handbewegung gen der Versammelten genoss sie das Bad in der Menge. Clodia neigte das Haupt vor ihrem Vater und stellte sich anschließend ihm gegenüber auf. Sie würdigte Darak keines Blickes, trat indessen einer ihrer Dienerinnen mit der spitzen Hacke ihres Schuhs auf die Hand, der einen blutigen Abdruck hinterließ. Die Dienerin wimmerte eine Entschuldigung - so dürfte es jedenfalls für Darak klingen - und zückte sofort eine kleine Bürste. Anschließend tat sie es ihren drei Begleiterinnen gleich, um das goldene Haar der Herrin selbst jetzt durch sanftes Bürsten zum Glänzen zu bringen. Clodia richtete ihren Busen.

"Der Haushofmeister hat das Oberhaupt und seine Tochter vorgestellt", wisperte es plötzlich entsetzlich leise an Daraks Seite. Er hatte Glück, dass der Elfensklave in Richtung seines unversehrten Ohres sprach, sonst hätte Darak ihn vermutlich nicht einmal wahrgenommen. "Aber heute geht es nicht um sie. Jetzt ist der zurückgekehrte Sohn dran." Dann verstummte der Diener wieder und senkte den Kopf noch mehr.
Interessanterweise sprach der Haushofmeister - jener Elf mit dem Klauenfußstab - nun auf Celcianisch weiter. Die Musiker begleiteten ihn mit einem sanften Reigen, der mit jedem Wort epischere Ausmaße nahm und seinen Höhepunkt fand, als der nun Angekündigte den Saal betrat.
"Wir heißen in unserer Mitte den Auslöser für den heutigen Maskenball Willkommen. Bitte begrüßen Sie mit mir den ausgesandten Sohn. Den Kommandanten und Befehlshaber, der mit seiner Truppe Faldors Zorn seine Feuertaufe im Eroberungszug Celcias fand. Den tapferen Krieger, der sich vor Sarma behauptete, wo seine Männer nach wie vor kämpfen - ich hörte übrigens: mit Erfolg! Nein, begrüßen Sie mit mir den legendären Helden, welchem es gelang, den Anführer der feindlichen Rebellen nicht nur zu überwältigen, sondern allein und mit bloßen Händen bis nach Morgeria zu schaffen. Ihr seht den gefallenen Anführer eines gefallenen Volkes im Zentrum unserer Halle. Begrüßt nun alle mit mir den Triumphator über Luth Rokar, den zurückgekehrten Kommandanten und nächsten Erben des Hauses Rasverath: RHIVEN RASVERATH!"
Die Menge hielt sich nun nicht mehr zurück. Nebst Applaus gab es aus einigen Ecken sogar Lobesrufe und Zuspruch, natürlich beides in Lerium. Da betrat Rhiven die Bildfläche. Es war wirklich Rhiven, Daraks Begleiter, der als angeblich einfacher Soldat und Kriegsgefangener in Sarma aufgegriffen wurde. Der Elf, der Darak ohne jeglichen Grund gedient, ihn beschützt und ihm sogar das Leben gerettet hatte. Der Verräter.
In schwarzer Rüstung mit dem Wappen Morgerias auf der Brust und einem reich verzierten Fledermausprunkhelm am Gürtel schritt Rhiven in den großen Saal. Jeder Schritt hallte hart in Daraks Kopf wider, dass man glauben mochte, er hörte eine Stimme. Aber da war wirklich noch eine Stimme, leise und fern zwar, doch vorhanden. Sie gluckste: Nun hat man dich verraten. Dein Ende naht.
Rhiven schritt auf Vater und Schwester zu. Der violette Umhang, der ihn zierte, wurde in seinem Rücken von einem weiteren der bleichlichen Elfendiener wie eine Schleppe getragen und sanft hinter ihm ausgebreitet, als Rhiven das Käfigpodest erreichte. Sein Vater begrüßte ihn offenbar, denn er richtete das Wort an den Elfen. Die Stimme Montgomerics ging jedoch in dem noch immer anhaltenden Beifall unter. Ebenso wie der Gruß der Schwester Clodia, die sich zu ihrem Bruder empor reckte, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. Rhiven wich diesem mit einem seichten Kopfdrehen aus. Absicht oder Zufall? Er neigte sich etwas, um zwischen der Familie direkt zu Daraks Käfig und dem Befreier aufschauen zu können. Emotionslosigkeit lag in Rhivens Blick.
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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 13. Oktober 2019, 11:17

Darak schnaubte dem Elfen nur entgegen, als dieser ihn Nervös zur Ruhe bitten wollte. Dem ehemaligen Sklaventreiber war durchaus nicht entgangen, auf welche Geräusche der elfische Sklave offenbar besonders empfindlich reagierte. Armer Kerl Darak biss die Zähne aufeinander. Die halbe Welt bestand nun aus armen Kerlen wie dieser Elfensklaven. Er selbst war auch ein armer Kerl! Schaut ihn an! Nackt, mit verkrüppelten Knien, gefangen, verraten von seinem eigenen Spitzohr und unglücklicherweise zu früh von Cassandra entzogen! Wenigstens ein paar weitere wilden Stunden mit ihr, hätte das Schicksal ihm doch noch vergönnen können! Aber nein! Celcia hatte sich in eine Welt von Arschlöcher verwandelt... und zwar just genau dann, wo sich Darak Luthrokar – der ehemalige Foltermeister, der Sklaventreiber, der notorische Schürzenjäger – sich entschlossen hatte KEIN Arschloch mehr zu sein! Was für ein verflucht schlechtes Timing! Als Arschloch hätte Darak keine Probleme gehabt auch unter der Ägide der Dunkelelfen zu überleben. Sklaventreiber waren Kriegsprofiteure, für Sklaven gab es immer freudige Abnehmer. Schliesslich hatte auch die Dunkle Armee besseres zu tun, als irgendwelchen entlaufenden Haustierchen nachzustellen.
Ja, die aktuelle Zeit war ein Paradies für Sklaventreiber, aber Darak Luthrokar musste ja unbedingt ein Befreier werder. Ein guter Kerl. Mit gutem moralischen Kompass, der ihn direkt in diesen vermaledeiten Käfig gelotst hatte! Scheisse! «WHAAHHR!» Knurrte er frustriert und rüttelte an seinem Gehege. Es war aussichtslos. Hier kam er nicht mehr raus – es sei denn es würde sich unter seinen Füssen plötzlich ein Loch auftun und er einfach von der Welt verschluckt werden. Wo waren diese verfluchten Zauberspiegel, wenn man sie einmal brauchte!
Eine düstere Musik spielte auf und Darak wurde Zeuge eines absolut übertriebenen Empfangszeremoniell. Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass Dunkelelfen auf ein so verstocktes und formalisiertes Zeremoniell standen. «Ahhh das ist nicht gut...» Murmelte er vor sich hin. Verstockte und formalisierte Gemeinschaften neigten zu besonders perfiden Spielchen. Darak wünschte sich, er wäre von einer Horde Ork gefangen worden, die hätten ihn schon längstens gefressen. Aus Schluss vorbei Grausam – aber immerhin kurz. Einem Foltermeister musste man schliesslich nicht erklären, dass es weit schlimmere Zustände als der Tod gab.
Darak musste die Worte nicht verstehen um ungefähr erahnen zu können, was sich da gleich abspielen würde. Ihm fiel auf, dass die Oberschicht von Sarma dereinst ein ähnliches Gebaren an den Tag gelegt hatte. Auch sie stand auf diesen ganzen Pomp. Die Funktion des dürren Elfen mit seinem verfluchten Stock war, den Mann des Abends zu präsentieren. Den Platzhirsch. Der mit den vermeintlich grössten Eiern. Darak verdrehte die Augen, konnte es aber doch auch nicht lassen den Kopf emporzurrecken um einen Blick auf den Platzhirschen zu erhaschen.
«HAH!» Patzte er aus sich heraus, doch er war zu weit weg und zu unbedeutend, als dass irgendjemand abgesehen von dem dürren Elfen neben sich irgendwelche Notiz von ihm nahm. In diesem Augenblick hätte er gar aus seinem Gehege scheissen können und niemand hätte auf ihn geachtet, denn alle Augen huldigten dieser imposanten Elfenfigur. Darak verschränkte seine Arme. Dieser Kerl war ein Greis! Das Alter von Dunkelelfen war zwar kaum zu schätzen, aber wenn man es ihnen schon ansah, dann mussten sie Steinalt sein! Uralt! Dieser Kerl mochte vielleicht den grössten haben, aber sicherlich war schon alles verkrustet und verschrumpelt. Mehr Haut als Muskeln!
Darak fand etwas Trost und Zerstreuung in seinen unfreundlichen Gedanken. Ganz mulmig war ihm aber nicht zumute, als sich der Gastgeber auf den Käfig zubewegte. Er wollte nicht zur nackigen Kulisse des Egos dieses Typen werden! Doch angesichts der beschränkten Handlungsmöglichkeiten, entschloss sich Darak dazu, einfach möglichst grimmig dreinzublicken. Es wurde eine zweite Person angekündigt und angesichts der Klatscherei kam ihr wohl etwas mehr Sympathien zu, als dem Platzhirsch. Als er sie zum ersten Mal erblickte wusste er auch weshalb.
WAS für eine Erscheinung! Darak hatte ja eine gewisse Vorliebe für dunkle und dominante Weibspersonen und im Gegenzug zu diesem Exemplar, wirkten Vesta und Cassandra ja geradezu drollig. Es war für ihn sofort klar, von wem er heute gefoltert werden wollte. Wie es Darak fertig brachte, angesichts seiner Lage doch noch in diesen Bahnen zu Denken sollte sein Geheimnis bleiben. Vermutlich lenkten ihn seine Fantasien von der Aussichtslosigkeit seiner Situation ab und verminderte etwas seinen Stress. Der Enthörnte erhaschte die funkelnden Fledermausaugen und war wie hypnotisiert von dieser Stelle, was wohl vor allem auch damit zu tun hatte, was man darum herum so alles bestaunen konnte.
Falls Clodia ihn musterte, dann dürfte ihr wohl nicht entgangen sein, dass selbst ihr Gefangener beindruckt von ihrem Auftritt war und verblüfft vor sich hinglotzte. Darak konnte ihre Erscheinung gar nicht richtig fassen – für die meisten Elemente ihrer komplizierten Kleidung kannte Darak nicht einmal die Worte und so stempelte er einfach jeden Part mit dem Prädikat: «Geil» ab. Er konnte nicht anders. Darak war nun mal so gestrickt. Wenn er heute würde sterben müssen, dann doch bitteschön durch die Hände dieser düsteren Walküre!
Frustriert musste er aber feststellen, dass seine Chancen diesbezüglich eher schlecht standen, denn Clodia würdigte ihm keines Blickes. "Der Haushofmeister hat das Oberhaupt und seine Tochter vorgestellt" Darak hob eine Augenbraue und musterte den Elfen. Warum half dieser ihm? Er nickte ihm unauffällig zu. Er war froh um jede Information die er kriegen konnte.
"Aber heute geht es nicht um sie. Jetzt ist der zurückgekehrte Sohn dran." «Ach wie reizend...eine Familienzusammenführung...» Brummte Darak finster vor sich hin. Was für eine nette Gesellschaft das doch war! Darak konzentrierte sich aber wieder auf die aktuellen Geschehnisse – zumal er diesmal auch verstand wer hier angekündigt wurd.
"Wir heißen in unserer Mitte den Auslöser für den heutigen Maskenball Willkommen. Bitte begrüßen Sie mit mir den ausgesandten Sohn. Den Kommandanten und Befehlshaber, der mit seiner Truppe Faldors Zorn seine Feuertaufe im Eroberungszug Celcias fand. Den tapferen Krieger, der sich vor Sarma behauptete, wo seine Männer nach wie vor kämpfen - ich hörte übrigens: mit Erfolg!» Diese Bemerkung versetzte Darak einen Stich. Er richtete sich auf und packte nach den Gitterstangen. Seine Handknöchel verfärbten sich weiss, da er so viel Kraft aufwendete, als wollte er das Eisen zum Bersten bringen. Besorgt dachte er an seine Freunde! Alma, Constanze, Lilith, Vesta...ja sogar Fauch! Waren sie gefallen? War Sarma gefallen?
Nein, begrüßen Sie mit mir den legendären Helden, welchem es gelang, den Anführer der feindlichen Rebellen nicht nur zu überwältigen, sondern allein und mit bloßen Händen bis nach Morgeria zu schaffen. Ihr seht den gefallenen Anführer eines gefallenen Volkes im Zentrum unserer Halle. Begrüßt nun alle mit mir den Triumphator über Luth Rokar, den zurückgekehrten Kommandanten und nächsten Erben des Hauses Rasverath: RHIVEN RASVERATH!" «Ihr wollt mich verarschen!» Nicht mal seinen Namen hatten sie richtig mitgeschnitten! Darak knurrte vor sich hin und starrte zur Flügeltür, wo der Heimgekehrte Sohn seinen Auftritt hinlegte. IHR WOLLT MICH DOCH ALLE VERARSCHEN!!!! Polterte es durch sein Gehirn, als Rhiven Rasverath...diese kleine Made in den Raum stolzierte.
Nun hat man dich verraten. Dein Ende naht. Dieser verdamme Bastard! BASTARD! Was für eine perfide Made! Darak taxierte Rhiven mit vernichtenden Blicken. Er hasste diesen Kerl. Er hasste ihn so abgrundtief, weil es ihm gelungen war ihn zu blenden. Ihn! DARAK LUTHROKAR! Er ärgerte sich besonders, weil er auf ihn hereingefallen war – all seinen ursprünglichen kriminellen Instinkten zum Trotz. Eigentlich hätte er es wissen müssen – es war zu offensichtlich gewesen! Wie dumm konnte er nur sein, wie dumm dumm dumm! Dafür entging Darak durchaus nicht, dass Rhiven dem Kuss seiner Schwester ausgewichen war. Vielleicht gab es doch noch Hoffnung für ihn? Oder interpretierte er da nur etwas hinein, was nicht da war.
Die Möglichkeit bitter Verraten worden zu sein, erschien weit wahrscheinlicher, als dass es sich hier tatsächlich um eine gigantische Maskerade zu seinen Gunsten handeln könnte. Weshalb sollte Rhiven das schon tun? Warum sollte er Darak jetzt noch helfen? Jetzt, wo er an der Spitze des Ruhmes und seiner Macht stand?! Der Befreier funkelte Rhiven finster entgegen und taxierte ihn mit mörderischen Blicken. Wenigstens anständig präsentieren hättest du mich können! Nicht als nackter Krüppel! Dachte er beleidigt und knirschte mit den Zähnen. Unruhe machte sich in seinem Körper breit und eine Welle der Panik breitete sich in seinem Bauchraum aus. Er fürchtete was nun kommen mochte, denn sein Körper witterte bereits Schmerz und so konnte Darak es nicht verhindern, dass seine Knie etwas zitterten. Was ihn nur noch mehr aufregte.

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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 16. Oktober 2019, 01:39

Mit dem erneut metallischen Hall des Stockes brachte der Haushofmeister die jubelnde Menge zum verstummen. Der Beifall ebbte ab, doch erst als es nahezu vollkommen still im Saal geworden war, schickte sich die schönste Elfe unter den Versammelten an, das Wort zu ergreifen. Mit einem wilden Hüftschwung riss sie nicht nur ihr aufwändiges Ballkleid nach vorn, sondern auch eine ihrer Dienerinnen. Es handelte sich um jene, die schon Bekanntschaft mit dem spitzen Schuhabsatz ihrer Herrin gemacht hatte. Nun verlor sie durch den Ruck fast den silbernen Kopfkranz. Schief hing er ihr vom kahlen Schädel und wurde lediglich noch vom Spitzohr aufgehalten. Die Nachtelfensklavin japste vor Schreck und unterbrach so ihre Herrin, noch ehe diese überhaupt die Stimme hatte erheben können.
Immerhin gewann sie auf diese Weise ihre Aufmerksamkeit, sowie die aller Gäste. Clodia warf den Kopf herum, spähte zunächst mit einem blutroten Todesblick auf die Nachtelfe herab. Darak hätte ihr mit seinem Blick, der Rhiven galt, durchaus Konkurrenz machen können, aber nur der Verräter erwiderte ihn. Alle anderen starrten Clodia und ihre Sklavin an, welche sich beide Hände vor den Mund presst und dann so weit vor ihrer Herrin den Kopf neigte, dass ihre Stirn den kalten Marmor berührte.
"Nutzloses Miststück", fauchte die blonde Dunkelelfe, ohne dass sie dabei wirklich laut wurde. Konnte man ein geflüstertes Fauchen von sich geben? Ihr gelang es und trotzdem reichte ihre Stimme noch bis in die hinterste Ecke des Saales. Dass die Musiker ihr Handwerk verstanden, ließ sich nun mehr als erkennen. Sie spielten nämlich erneut auf. Nicht so, dass sie die Szene zwischen Herrin und Sklavin zerstört hätten, im Gegenteil. Ihre Melodie war leise, wuchs jedoch an Spannung und Dramatik heran, je länger der Moment anhielt. Sie wussten, die Situation gekonnt zu begleiten, was das ganze Musikstück nur noch unheimlicher erscheinen ließ.
Umd Clodia und die Sklavin hatte sich inzwischen eine natürliche Grenze aus Gästen gebildet, die nur von Seiten des Käfigpodests nicht von Elfen umschlossen wurde. Darak konnte zwischen dem Rücken des steinalten Elfenvaters und Rhivens halb abgewandten Körpers direkt auf die Szenerie schauen. Leider verstand er kein Wort, aber vielleicht genügte die Schärfe in Clodias Stimme als Erkenntnis. Sie streckte ihre Hand vor, dass der Tüll raschelte. "Ich werde dich lehren, mir im Weg zu stehen und meinen Auftritt zu vermasseln. Dein Kranz, sofort!"
Die Nachtelfe gehorchte. Ihre zittrigen Finger lösten das Schmuckstück vom Kopf und sie reichte es ihrer Herrin entgegen, ohne aufzuschauen. Clodia entriss ihr den Kranz mit harscher Bewegung. Für den Moment kümmerte sie sich nicht eine Sekunde um ein adrettes Auftreten. Keiner der Zuschauer schien es ihr zu verübeln. Einige nickten sogar unter Zustimmung und aus den Masken anderer drangen nicht minder verachtende Blicke für die Sklavin wie ihre Herrin sie für die arme Nachtelfe übrig hatte.
Mit einem Knacken und Reißen teilte der finstere Schmetterling den Kranz. Etwas vom dünnen Silber sprang ab und hüpfte wohl irgendwo ungesehen über den Marmor. Man hörte das Auftreffen. Zurück blieb ein zerstörter Kopfschmuck, dessen ausgefranste Metall-Enden nun von Clodia verbogen wurden. Sie formte das silberne Stück, bis es ein halbwegs gerader Metallstecken geworden war. Dann befahl sie kalt: "Kopf in den Nacken und reiß deinen schmutzigen kleinen Mund auf. Keinen Mucks will ich hören."
Der Nachtelfe liefen bereits Tränenbahnen die Wangen herunter. Sie hatte Schwierigkeiten, das Schluchzen zu unterdrücken. Die anderen Sklavinnen senkten ihre Köpfe. Keiner von ihnen wollte sehen, wie ihre Leidensgenossing bestraft wurde. Die unglückliche Nachtelfe aber musste alles mit ansehen. Durch einen Tränenschleier hindurch erkannte sie noch Clodias eisigen Blick. Dann öffnete sie wie befohlen den Mund. Der kahle Kopf hatte sich in den Nacken gelegt. Ihre Herrin zögerte nicht einen weiteren Moment.
Mit gezielter Präzision rammte sie ihre Hand nach vorn, welche den verbogenen Kranz hielt. Einer der beiden scharfen Enden verschwand im Hals der Nachtelfe. Clodia stoppte jedoch nicht. Sie drückte den Kranz tiefer in den Schlund hinein. Als die Sklavin vor Angst und Schmerz röchelte, schnarrte Clodia Rasverath: "Habe ich dir nicht gesagt, ich will keinen einzigen Laut hören?!" Dann grinste sie auf. "Das ... war ein Fehler zu viel." Sie lenkte das obere Ende des Kranzes herum und stach mit der verbliebenen Spitze in das rechte Auge ihrer Sklavin. Diese schrie auf und krümmte sich sofort vom Schmerz getrieben nach vorn. Clodia trat zurück, lächelte ihren Vater an. Dieser nickte er ihr und dann seinem Sohn zu. Rhiven zögerte ebenso wenig wie seine Schwester. Er packte die Sklavin im Nacken, riss sie auf ihre Füße und zückte dann einen verborgenen Dolch mit schwarzer Klinge, um ihr die Kehle aufzuschlitzen. Nachtelfenblut ergoss sich über das Gewand und einen Teil des Marmorbodens. Kleine Spritzer sprenkelten auch Rhivens Rüstung. Erst als die Sklavin das Röcheln zusammen mit ihrem Leben beendete, ließ er sie los. Ihr Körper traf mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden auf.
"Selbst jetzt bist du nichts weiter als ein Schandfleck, der die Festlichkeiten ruiniert", tadelte Clodia die Verstorbene voller Verachtung. Sogleich wurde sie von Montgomeric beruhigt. Während er seine Tochter ein wenig beiseite nahm und auf sie einsprach, huschten weitere Sklaven herbei. Sie fingen das Blut der Toten mit Weingläsern auf, die sie an einige Gäste in den vordersten Reihen verteilten. Diese zeigten sich verzückt, als hätten sie einen kostbaren Preis gewonnen. Sie prosteten einander zu und erste tranken sogar!
"Tu nichts Unüberlegtes", hauchte der Nachtelf neben Daraks Käfig erneut leise. Dann verstummte er wieder. Montgomeric schlug nun mit seinem Stock auf. Es hallte nicht so laut wie beim Haushofmeister, reichte aber aus, um die Versammelten erneut verstummen zu lassen. Der alte Elf trat vor. Seine Stimme war fest, vom Alter etwas rau, doch klar. Und auch er sprach auf Celcianisch. Rhiven warf ihm einen längeren Blick zu.
"Ich bedaure die kurze Unterbrechung und bitte darum, geschätzte Damen, edle Herren, dem Moment nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Das würde diese ungehorsame Schande nur noch wichtiger machen als sie ist. Richtet Euren Blick stattdessen bitte auf die Trophäe, die mein Sohn mitgebracht hat. Luth Rokar..." Montgomeric Faldorslieb der Vierte Rasverath wandte sich Darak zu und musterte ihn. "Die Zeit für Faldors Höllenspiele ist leider noch nicht reif, aber angesichts der Umstände ließe sich privat etwas arrangieren." Der Elf legte eine Hand in den Steiß und ließ die andere auf seinem Stock ruhen. Er musterte Darak. "Ich bin wirklich gespannt, wie Ihr Euch schlagen werdet und welche Spiele meine Tochter für den großen Tag vorbereiten wird."
Im Hintergrund funkelte Clodias blutiges Augenpaar erstmals in Daraks Richtung. Und ebenso erstmalig seit seiner Ankunft setzte auch Rhiven zum Sprechen an. Wie das Oberhaupt der Rasveraths nutzte er Celcianisch. "Werter Vater, darf ich Euch eine Bitte abschlagen?" Er wartete auf das Nicken, das dem überraschten Brauenheben Montgomerics folgte. "Die Spiele wären bei Leibe langweilig. Rasch würden sie enden, wenn meine Trophäe nicht ihr ganzes Potenzial ausschöpfen kann. Jeder Goblin würde Euch mehr unterhalten als dieser Krüppel."
"Er hat Recht, lieber Vater", mischte sich Clodia ein. Sie ließ sich nicht auf das Niveau herab, eine Sprache zu nutzen, die jeder verstand. Ihre Zunge hatte Besseres verdient! "Schau ihn dir doch an. Es ist fast traurig, meinen Bruder dafür zu feiern, dass er einen halbtoten, kümmerlichen Krüppel nach Hause gebracht hat, der garantiert eine helfende Hand zum Pissen braucht." Die Frauen unter den Gästen gaben gekünsteltes Entsetzen zum Besten, während unter den Männern das eine oder andere Kichern zu vernehmen war. Montgomeric hievte seinen Körper mit Hilfe des Stocks auf das Podest. Er war nicht dumm, sondern hielt genug Abstand zu Darak, um nicht Opfer einer vorschnellenden Pranke zu werden. Aber er betrachtete ihn ausgiebig.
"Wirklich ein Krüppel", sprach er. "Luth Rokar, so kannst du weder meine Augen erfreuen noch den Blutdurst unseres Gottes stillen. Es wäre mir peinlich, dich so in die Arena zu schicken. Lachhaft, fürwahr." Er drehte den Kopf. "Meine Tochter, liebste Clodia, kann ich dir diese Aufgabe zumuten."
Die Dunkelelfe nickte süffisant. "Überlass das nur mir, werter Vater. Es wird mir ein Vergnügen sein." Dann trat sie neben ihn auf das Podest und beugte sich ein wenig zu Darak hin. In ihren Augen glomm Blutdurst. Sie schnippte mit einem Finger und der Nachtelf an Daraks Käfigseite sprach für sie: "Gib deine Bereitschaft bekannt und die Höllenspiele des Hauses Rasverath mögen beginnen. E-eine Ablehnung wird bestraft", fügte er an und duckte sich unter Clodias düsterem Blick etwas mehr. Dieser Hinweis war wohl nicht vorgesehen gewesen.
"Nun?", setzte Montgomeric mit der Geduld eines Zeitalters an. "Wir erwarten deine Antwort, Trophäe."
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