Maskenball der Finsternis

Inmitten Morgerias ruht der Herrschersitz des Stadtherrn. Ein dunkler Palast ist es, mit finsteren Zinnen, Türmen und düsteren Steinfratzen, die auf die Besucher des gewaltigen Anwesens blicken.
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Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 4. April 2019, 23:33

Darak Luthrokar kommt von Die dunkle Stadt Morgeria -> Das Heereshaus -> Die Obsidiankammer

Daraks Bewusstsein schwamm in einem Meer aus Ohnmacht. Die Wellen peitschten ihn hin und her, spülten ihn dabei immer wieder in die Nähe des Strandes, der sein Erwachen bedeutet hätte. Doch jedes Mal, wenn er glaubte, gleich nach dem rettenden Ufer greifen zu können, entglitt der Sand seinen Fingern und er wurde zurück in seine traumlose, schwarze Welt gezogen. Einzig einen kurzen Dialog schnappte er auf.
".... soll wirklich der Befreier von Sarma sein? Sieht ja mickrig aus!"
"Er ist bewusstlos. Du würdest auch nicht weniger jämmerlich ausschauen in dem Zustand."
"Pha! Wieder einmal achtest du nicht auf die Details. Schau dir sein Bein an. Das Knie wurde zertrümmert. Und dafür erntet diese Rasverath nun so viel Ruhm und Ehre? Weil er einen Krüppel mit nach Hause gebracht hat?"
"Es ist ein moralischer Sieg. Unsere Brüder und Schwestern kämpfen noch immer an der Front. Die Sarmaer werden ein zweites Mal untergehen, nun, da sie ihren Befreier nicht mehr haben."
"Schändlich genug, dass sie unvorsichtig wurden und Sarma schon einmal an diese sonnengebräunten Bastarde zurückgegangen ist!"
"Lern daraus! Wir werden beim Befreier von Sarma nicht unvorsichtig sein. Und jetzt geh ein bisschen schneller. Er mag ein Krüppel sein, aber er ist immer noch ein verdammt schwerer Brocken."


War es ein Gespräch? War es Gesang? Die Art, wie die Wellen sich miteinander unterhielten, war nicht gänzlich unvertraut und doch würde es Darak unmöglich sein, in seinem Zuzstand mehr darin zu erkennen als Geräusche, die ihn im Traum begleiteten. Das Meer holte ihn wieder ein. Darak konnte das Schaukeln spüren. Leider wollten die Wellen sich nicht ganz einem gleichmäßigen Rhythmus hingeben. Immer wieder polterte er in den Fluten umher. Hinzu kam das Rasseln von Ketten. Trugen Seemöwen Metallschmuck? Das Meer lullte ihn erneut ein.
Zeit verging, in der Darak nicht Herr seiner Sinne war. Wie lang er ohnmächtig gewesen war, ließ sich von seiner Seite aus nicht sagen. Fest stand, dass es lange genug gedauert haben musste, dass man seinen nackten Körper hatte aus der Obsidiankammer holen lassen und ihn irgendwohin transportiert hatte. Nach wie vor zierte ihn nicht der kleinste Fetzen an Kleidung. Er spürte, dass sein Körper etwas fröstelte, aber nicht so sehr, dass es ihn endlich in den Wachzustand getrieben hätte. Hin und wieder erreichte ihn eine kuschelige Wärme, die wie die heißen Dünenwinde der Wüste Sar über ihn hinweg zogen. Sie streichelten ihn. Sie flüsterten gedämpft.
Nein, halt! Das war kein Wind. Er hörte wirklich Stimmen und je mehr er sich wieder auf seine Sinne konzentrierte, desto deutlicher konnte er nicht nur Geräusche, sondern auch andere Gegebenheiten ausmachen. Zunächst einmal nahm er natürlich die Geräuschkulisse wahr. Gespräche wurden geführt und sie waren nicht nur aufgrund seiner einseitigen Beinahe-Taubheit gedämpft, nein. Es wurde leise gesprochen, getuschelt und gelegentlich gelacht. Hier und da räusperte sich jemand. Darak konnte auch die feinen Klänge von Musik vernehmen. Jemand zupfte an Saiten. Eine Harfe? Und eine Geige, aber sie fidelte nichts Munteres. Die Melodie besaß eine düstere Schwere. Gleichsames Gewicht hing auch in der Luft. Sein zweiter Sinn - seine Nase - meldete sich. Darak konnte brennende Kohle riechen und das in unmittelbarer Nähe. Auf seinen Reisen als Sklavenjäger hatte auch er sich immer wieder an nächtlich entfachten Kohlebecken gewärmt. Die Dämpfe waren ihm vertraut, ebenso wie das Aroma von Wein, das sich mit ihnen mischte. Ein schwerer Wein musste es sein, vermutlich rot. Wo immer er war, das Ambiente legte auf Gewichtigkeit. Ein ernste Sache? Na sicher, er befand sich als Gefangener in Morgeria! Natürlich trank man hier keinen lieblich leichten Apfelwein und wenn zur Musik noch gesungen wurde, könnte es unmöglich ein fröhlicher Reigen sein. Klagelieder hätten gepasst, aber niemand sang.
Stattdessen drang endlich eine lautere Stimme aus dem leisen Plauschen heraus. "Du da, Sklave! Es wird Zeit, nimm den Samt ab. Die Feierlichkeiten gehen gleich los.
"J-jawohl, Herr..."

Es raschelte. Dann drückte sich Helligkeit als rötliches Glühen durch Daraks Augenlider. Die veränderten Lichtverhältnisse sorgten dafür, dass er nun gänzlich seiner Ohnmacht entkam. Und sobald der Luthrokar seine Augen öffnen würde, offenbarte sich ihm der Einblick auf einen morgerianischen Prunkball in all seiner düsteren Perfektion.

Er befand sich Zentrum eines gewaltigen Saals mit gewölbtem Kuppeldach aus Stein, in den ein beeindruckender Kronleuchter aufgehängt war. Zahllose, dicke schwarze Kerzen tropften ihr heißes Wachs auf das ebenso schwarze Eisen des handwerklichen Meisterstücks der Schmiedekunst und Eisengießerei, welches genau über Daraks Kopf baumelte. Nun, nicht ganz. Zwischen ihm und dem Kronleuchter befand sich noch der Käfig, in dem der Mann steckte. Ebenfalls aus schwarzem Eisen, aber mit reichlich güldenen Verzierungen sah er auf den ersten Blick nicht stabil aus, sondern diente eher dazu, dem Auge zu schmeicheln. Doch der Schein trübte. Mehrere Schlösser erschwerten es selbst dem gewieftesten Knacker, diese in Windeseile zu öffnen. Die Gitterstangen des Käfigs waren zudem so dick, dass auch ein Troll Schwierigkeiten hätte, sie aufzustämmen. Wie sollte Darak es dann schaffen? Auch war er bei weitem nicht dürr genug, sich dazwischen hindurch zu drängen. Ein abgemagertes Kind hätte es vielleicht geschafft. Bei Darak würden aber nur Arme oder Beine durch den Spalt passen.
Sein Käfig befand sich auf einem quadratischen Steinsockel inmitten des Saales. In jeder Ecke des Sockels fand sich ein Kohlebecken vor, dessen Schale aus jeweils zwei steinernen Fledermäusen mit aufgerissenen Mäulern bestanden. Sie berührten sich an den Spitzen ihrer Schwingen und der perfide Künstler hatte funkelnde Smaragde in ihre Augen eingefasst. Schräg versetzt und somit das Quadrat des Sockels nur erweiternd ragten vier Säulen bis zur Decke empor, um mehreren Bahnen purpurnen Samtschleiern als Befestigungspfosten zu dienen. Die schweren Deckenbehänge führten bis an die Wände des Saales heran. Auch jene waren aus Stein. Purpurne Vorhänge mit dicken silbernen Kordeln und Quasten verteilten sich in gleichmäßigen Abständen an den Wänden entlang. Vermutlich verbargen sie deckenhohe Fenster, aber der Stoff hing davor und ließ kein Licht in den Saal hinein. Darak konnte somit nicht einmal sagen, ob es Tag oder Nacht war. Der Saal selbst mochte mit vielen Kandelabern und Wandkerzen, den Kohlebecken und nicht zuletzt dem riesigen Deckenleuchter genug erhellt werden. Trotz allem hinterließ er eine finstere Atmosphäre im Herzen.
Das mocht aber auch an den Versammelten liegen. Dunkelelfen beider Geschlechter, entweder in feinsten aber dunklen Samtanzügen, ausschweifenden Ballkleidern mit reichlich Edelsteinen verziert oder aber schwer gerüstete, düstere Schattenkrieger mit Fledermaushelmen verteilten sich im Raum. Die Damen und Herren erinnerten an eine morbid unheimliche Version des Pelgarer Adels. Prachtvoll gekleidet, faszinierend geschminkt, alles in allem aber wie Advokaten des dunklen Herrschers persönlich. Die Frauen unter den Elfen hatten ihre Luppen schwarz oder blutrot gefärbt, purpurnes Rouge auf die Wangen aufgetragen und die glühenden Augen durch dicke, schwarze Linien noch mehr zur Geltung gebracht. Sie hielten schwarz gefiederte Masken an langen Stäben fächelten sich Luft mit ihren Handfächern zu, bei deren Gestaltung der Fantasie kaum Grenzen gesetzt worden waren. Darak konnte Exemplare erkennen, die silbern aufblitzende Spitzen an den Enden besaßen und somit sicherlich auch als Waffe dienen konnten. Auf dem Papier waren schwarze Rosen gemalt worden. Es gab aber auch gänzlich schwarze Fächer, wieder in Form einer Fledermaus, so dass es aussah, als winkte die tragende Elfenhand dort mit einer ledrigen Schwinge.
Die Männer trugen ihre Masken nicht an Stäben, sondern hatten sie sich direkt auf die Nasen gesetzt. Bizarre Fratzen rangen um die Aufmerksamkeit der Frauen zusammen mit goldenen, aber nahezu emotionslos gestalteten Gesichtern.
Es war ein Maskenball des Schreckens ... und Darak offenbar Mittelpunkt und Anschauungsobjekt. Immer wieder traten Paare oder Grüppchen der maskierten Elfen an den Käfig heran. Die Grenzen des Steinsockels sorgten für den nötigen Abstand. Keiner der Dunkelelfen kam dem Gefangenen auch nur zu nahe - abgesehen von einem doch eher blässlichen Elfen an der Seite des Käfigs. Dieser hockte in sich zusammengekauert da und wirkte nicht wie die übrigen Elfen. Seine Haut war gräulich mit einem leicht violetten Schimmer, wenn das Licht perfekt darauf traf. Sein Haar hing ihm silbrig über die Stirn, solang er den Kopf gesenkt hielt. Er trugt lediglich eine violett-graue Tunika mit silbernen Verzierungen, aber keinesfalls so pompös, um auch nur mit einem der anderen Elfen mitzuhalten. Vor sich auf dem Boden war ein großer Samtstoff zusammengefaltet. Dieser musste vorher den Käfig abgedeckt haben. Ganz klar, der kauernde Elf musste ein Diener oder Sklave sein. Ihn beachteten die übrigen Elfen auch überhaupt nicht. Sie zeigten sich mehr an Darak interessiert. Mit Neugier, Faszination und Verachtung starrten sie ihm entgegen. Einige Frauen rümpften die gepuderten Nasen oder stießen einen Ton der Abscheu aus, ehe sie am Arm eines galanten Begleiters wieder fortgeführt wurden.
In Daraks Rücken und zu beiden Seiten einer riesigen, schwarzen Flügeltür spielten Musikanten auf. Tatsächlich saßen dort weitere Elfen an einer Harfe, vor einer Trommel, einem schwarzen Konzertflügel und an zwei Geigen. Auch diese Elfen wirkten eher gräulich bis violett. Keiner von ihnen schaute in den Saal hinein. Sie spielten ihre düsteren Reigen, perfekt einstudiert. Über allem hielt eine Art Dirigentin mit strengem Blick Aufsicht. Außerdem besaß sie eine kleine Reitgerte und schlug damit sogar zu, als einer der Violinisten sich verspielte.
In welches faldorgefällige Schreckensszenario war der Befreier von Sarma nun wieder hinein geraten?!
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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Darak Luthrokar » Mittwoch 10. Juli 2019, 23:03

Darak Luthrokars bestes Stück wurde von der Frauenwelt und sogar auch von einigen Männern, die sich anerkennend über Daraks Ruf in Sarma geäussert hatten, mit vielen Bezeichnungen ausgestattet. Meistens enthielten diese Metaphern, die irgendwie auf die kolossale Grösse seines Gemächts anspielten. Niemals aber, absolut NIEMALS – nicht einmal Valrock Moslag – hatte jemand das adjektiv KÜMMERLICH in Zusammenhang mit ihm in Verbindung gebracht. Es war auch nicht kümmerlich. In keinem möglichen Aggregatszustand. Daraks Mine verfinsterte sich, als Cassandra in Gelächter ausbrach. Er hätte ihr am liebsten auf der Stelle gezeigt, zu was seine vermeintlich kümmerliche Wurst alles im Stande war! Im wahrsten Sinne des Wortes! Er schnaubte nur, als sich Schritte der Luke näherten und die Wache herunterbellte, sie sollten sich gefälligst benehmen. Darak hatte allerdings nicht lange Zeit um Cassandra nachtragend zu sein, denn ihre spitze Antwort auf die Anordnung liess ihn dann doch wieder etwas optimistisch stimmen.

"Wir werden gleich wie die Kaninchen rammeln, dann erfährst du, was wirklich laut ist!" Nun grinste auch der Befreier der Luke entgegen und leckte sich über die Zähne. Es war Daraks Glück, dass er seinen Blick auf die entblösste Brust der wetternden Cassandra richtete, so wurde er im Gegensatz zur Feuerhexe nicht direkt ins Gesicht getroffen, als das Wasser auf sie hinabprasste. Ein Teil des Wasser platschte in den Kackeimer und verursachte eine kleine Überschwemmung, was die allgemeine Stimmung nun auch nicht gerade hob. Dicht neben seiner Schulter prallte ein kleines Geschoss auf den Boden. Cassandra sprang sofort zurück, während Darak deutlich träger reagierte und versuchte das schwarze Ding zu identifizieren. Sofort fand er sich in einer Rauchwolke wieder, die zwar keinen bestimmten Geruch absonderte, ihm aber zunehmend den Hals abschnürte und ihn ganz schwummrig zu Mute werden liess. Seine Instinkte rieten ihm als letztes nur noch, sich möglichst vom Schlafblock und auch vom Eimer zu entfernen. Er taumelte ein paar Schritte davon weg, bis ihm die Beine versagten und er wie ein nasser Sack zu Boden krachte. Das letzte was er sah, war die wilde rote Mähne von Cassandra, die dicht neben ihm zu Fall gekommen war. Dann empfing ihn die Schwärze.

Die Bewusstlosigkeit war unruhig und manchmal erschien es ihm, als würde er beinahe erwachen, ohne aber den Schleier der Ohnmacht gänzlich durchbrechen zu können. Manchmal quietschte und dröhnte es in seinem Geist und ab und an glaubte er Schmerz zu verspüren. Doch letztlich löste sich alles immer wieder in Schwärze auf. Einmal sah er zwar wieder schummrige Schemen, die an ihm herumzerrten und es ertönte eine Stimme die so ekelhaft verzerrt waren, dass ihm davon beinahe der Schädel platzte. ".... soll wirklich der Befreier von Sarma sein? Sieht ja mickrig aus!" Was hatten nur alle heute mit seiner angeblichen Mickrigkeit! Er wollte lauthals Protestieren, doch er war nicht Herr über seine Stimmbänder.
"Pha! Wieder einmal achtest du nicht auf die Details. Schau dir sein Bein an. Das Knie wurde zertrümmert. Und dafür erntet diese Rasverath nun so viel Ruhm und Ehre? Weil er einen Krüppel mit nach Hause gebracht hat?" Rasverath. Ruhm. Ehre. Krüppel. Rasverath. Rum. Krüppel. Ehre. Rasverkrüppel. Ehrum. Krüpplruhm. Ehrsverat. Die Wörter vermengten sich in seinem benommenen Geist und vermischten sich zu einem unverständlichen Geschwurbel, aber ihm wurde auch ein seltsamer Gedanke, ein Gefühl, eine dunkle Ahnung beigemengt, die Darak beunruhigte. Krüppelruhm. Rasverrat. Verrat. Verrat. Verrat. Schwärze.

Er wurde von einem unruhigen Meer in Empfang genommen, dass seinen Körper hinfort trug. Manchmal fühlte es sich warm an, manchmal eher kühl. Doch während sein Körper noch in den Wogen der Ohnmacht lag, setzten seine Sinne allmählich wieder ein. Er hörte leises Geflüstern und Murmeln, allerdings in einem fürchterlichen Kauderwelsch. Nichts Vertrautes lag in den Stimmen. Stattdessen konnte er die Musik besser verarbeiten. Er erkannte die Melodie, die Gesetze der Harmonie und identifizierte die Klänge sofort als gewichtig, schwer, düster aber doch gehaltvoll und professionell rezitiert...ja... das war Musik. Eine universelle Sprache, die von jedem verstanden werden konnte. Langsam setzte sein Verstand wieder ein. Er erkannte, dass er sich nicht mehr in der Obsidiankammer befinden konnte. Dort hatte es keine Musik gegeben und wenn schon, dann wäre sie von hoch oben und nicht von der Seite her an sein Ohr gedrungen. Zumal er sich nun eher in einem Saal, als in einer kleinen Zelle befand. Ausserdem roch es nach verbannter Kohle. Wenn Cassandra sich doch noch dazu entschlossen hätte ihn zu grillen, hätte es niemals so gerochen. Verbranntes Menschenfleisch roch anders. Er musste es wissen, hatte er als Foltermeister doch oft glühende Eisen verwendet.

Plötzlich entfernte sich der Schleier der Ohnmacht und Darak wachte mit einem Ruck von seiner Bewusstlosigkeit auf. Das erste was er tat, war heftig nach Luft schnappen, so dass einige der umliegenden Gäste ihm sofort gewahr werden mussten. Seine Atmung ging erst flach und schnell, sein Hals und seine Lungen brannten. Er hustete und krümmte sich zusammen. Sein Rücken drückte sich dabei an die kühlen, dicken Eisenstäbe. Darak zuckte zusammen und rappelte sich dann langsam auf. Er setzte sich in die Ecke des Käfigs und lehnte sich abermals an den Eisenstäben an, diesmal aber bewusst die kühle Lehne in Kauf nehmend.

Bei Lysanthors Sackhaaren. So eine Scheisse! Dachte Darak nur, als er seinen Blick erstmals durch den Raum schweifen liess. Er sass mitten im vermaledeiten Herzen dieser verfluchten Dunklen Brut! WARUM HATTE ER SOWAS JEMALS FÜR EINE GUTE IDEE GEHALTEN?!!! Ein Anflug von Panik erfasste ihn und kurz wähnte er sich in Sarma wieder, wo er beinahe zu Tode garrotiert wurde. Nein nein nein...in den Händen dieser Irren zu sein war nicht gut. Ganz und gar nicht gut!

Innert kürzester Zeit musste er erste Entscheidungen fällen. So entschloss er sich dazu, weiterhin den Benommenen zu geben und sich nicht all zu vital zu verhalten, damit er nicht unnötige Aufmerksamkeit auf sich zog. Obwohl es schwierig war, nicht aufzufallen, befand er sich doch in diesem überdimensioniert und völlig geschmacklos dekorierten verfluchten Käfig.... und ja er war nackt! Immer noch nackt!

Er beobachtete die Szenerie aus dem Augenwinkel heraus. Es erschien ihm, als ob die ganze vermaledeite Elite dieser schwarzen Pest sich hier versammelt hatte. Wo war Cassandra wenn man sie mal brauchte! Hier hätte sie das Grillfest ihres Lebens veranstalten können!
Erst auf den zweiten Blick erkannte er die Masken. Während er durchaus zugeben mussten, dass manche der weiblichen Vertreterinnen durchaus ansehnlich waren, musterte er die männlichen Gäste argwöhnisch. Wie mächtig musste die Dunkle Armee sein, wenn sie es sich leisten konnten hier einen Maskenball zu veranstalten während ihre Truppen überall in Celcia auf Eroberungszug waren. Wie hatte es nur passieren können, dass die ganze freie Welt Celcias die Gefahr nicht erkannt hatte. Nun bezahlten sie ihre Nachlässigkeit mit Blut und mit ihrer Freiheit.

Seine Nackenhaare stellten sich auf. Er spürte, dass er von unzähligen Augenpaaren hinter den Masken beobachtet wurde. Manche von ihnen taten es eher diskret aus der Entfernung, andere hingegen gaben ihrer Neugierde nach und traten direkt an den Käfig heran. Darak fühlte sich sofort herausgefordert und liess es sich nicht nehmen, den Fremden direkt entgegen zu starren. Oh ihr werdet mich nicht als winselndes Häufchen zu sehen kriegen! Ihr nicht ihr Bastarde! Dachte er trotzig. Darak fiel sofort in alte Verhaltensmuster zurück, die er unter den Folterungen durch Valrock gezeigt hatte: Trotzig, frech, aufmüpfig. Es war eine seltsame Ausprägung seines Überlebenstriebes, die letztendlich darauf basierte lieber mehr Schmerz zu provozieren und zu leben, als aufzugeben und zu sterben. Als Foltermeister wusste er schliesslich, dass die Gebrochenen immer getötet wurden, da man aus ihnen keine weiteren Informationen mehr herausquetschen konnte und sie somit jeglichen Wert verwirkt hatten. Die Widerspenstigen erlitten manchmal zwar durchaus auch das gleiche Schicksal, aber sie starben immerhin in dem Wissen, dem Foltermeister nicht das gegeben zu haben, was dieser wollte. Auch das war gewissermassen eine Genugtuung.

So erwiderte er die Verachtung in den Blicken der Gäste stoisch, was diese wohl eher dazu animierte, sich wieder von ihm abzuwenden. Was zur Hölle war das hier für eine Veranstaltung? Er wollte nicht recht glauben, dass dieses ganze Brimborium nur seinetwegen veranstaltet wurde. Dafür waren die Ausmasse viel zu gross und so lange war er ja auch noch nicht in der Zelle gewesen. Er interpretierte seine Anwesenheit als Sahnehaupt einer viel grösseren Veranstaltung. Was hatten diese Spitzohren zu feiern? Die Weltherrschaft? Den Sieg über Sarma? Was auch immer es war, es war sicherlich nichts gutes für alle Lebewesen, die nicht der dunklen Brut angehörten. Darak rieb sich über seine nackten Arme.

Verdammt nochmal diese Dunkelelfen bewiesen aber auch keinen Sinn für Trophäen! Als Sklaventreiber wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, seine kostbare Fracht – und eine solche war er für die Dunkle Armee sicherlich – in einem solch vermaledeiten Zustand zu präsentierten. Wenn sie schon mit ihm als Trophäe angeben wollten, dann hätten sie gut daran getan ihn in eine edle Rüstung zu stecken, sein verkrüppeltes Knie zu kaschieren und ihn möglichst wild zu machen. So sah er ja aus, als hätte man ihn in irgend einer Kneipe mitten in Sarma einfach aufgelesen....und das war ja doch ziemlich schmählich, wenn man bedenkt welchen Ärger er ihnen verursacht hatte. Darak stutzte und blickte nochmals in den Raum. Die ganze Aufmachung mit den Roben und den Masken erinnerte mehr an einen kultischen Zusammenschluss als eine Adelsparty. Er schauderte. Vielleicht war er gar nicht als Trophäe hier...sondern als Opferlamm. Er schluckte leer, doch sein Verstand hielt wieder dagegen. Auch Opferlämmer waren oft besonders schöne Tiere, die entsprechend dekoriert und ausgestattet auf die Schlachtbank geführt wurden. Vielleicht, vielleicht war er überhaupt gar nichts Spezielles. Vielleicht bildete er sich in einem Anflug von Narzissmus nur ein, irgendwie was besonderes für die Dunkle Armee zu sein. Was wusste er schon über Helden und Widerstandskämpfer anderer Städte und Regionen? Vielleicht hatte man schon hunderte von ihnen nach kurzen Rückschlägen niedergemetzelt und von dieser Welt getilgt. Aber nein, da war doch was gewesen in seinem seltsamen Traum. Hatte er nicht irgendwas vernommen vonwegen Rasverath, der zu grossen Ehren gekommen sei, weil er den Befreier gefangen hatte?!

Rasverath...jetzt dämmerte es ihm langsam wieder, woher er diesen Namen kannte. Rhiven hatte ihn als Zielort für die Teleportation genannt. Haus Rasverath. Er sah sich wieder um. Verdammt nochmal, war DIES etwa das Haus Rasverath?! Vielleicht war Rhiven tatsächlich ein Vertreter dieses Hauses und hatte sich nur hinterlistig das Vertrauen des Gehörnten erschlichen um ihn dann pünktlich zu seinem eigenen Maskenball als Trophäe abzuliefern! Oh, wenn diese These stimmte, dann würde Darak Luthrokar diesem Spitzohr höchst persönlich den Hals umdrehen! Wie hatte er Rhiven überhaupt vertrauen können? Eine Gelegenheit zu Nutzen, um Darak Luthrokar das Leben zu retten war ja im Grunde nicht schwer, denn er manövrierte sich ja ständig irgendwie in Lebensgefahr. Hatte Rhiven ihn getäuscht?! Oder verlief alles nach Plan? Doch selbst wenn, wie sollte Rhiven hier irgendwas unter Kontrolle haben?! Verdammt, das war ein schlechter Plan gewesen! Ein verflucht schlechter Plan! Zumal sich ihre Lage durch die Einschleusung von Darak überhaupt nicht verbessert, sondern nur noch verschlimmert hatte. Das eigentliche Ziel der Mission, die Feuerhexe, hockte vermutlich noch immer in ihrer Zelle und trocknete sich die Haare, während der Befreier von Sarma nun inmitten dieses Puppentheaters festsass. Wie bitte konnte das in irgendeiner Form ein Erfolg für die eigene Mission darstellen?! Der einzige erkennbare Nutzniesser der aktuellen Situation war einzig und allein Rhiven. Wo auch immer dieses Spitzohr gerade steckte! Darak blickte durch die Menge, doch da alle männlichen Dunkelelfen über eine etwa ähnliche Statur verfügten und sie ihre Gesichter hinter ihren Masken verbargen, war es ein Ding der Unmöglichkeit für Darak, den Elfen in der Menge zu Orten. Da müsste schon die ganze Aufmerksamkeit im Saal auf ihn gerichtet werden, damit das gelingen konnte. Darak musste sich selbst einräumen, dass die Verratsthese sich bisher als die wahrscheinlichste entpuppte. «Wie blöd muss ich sein. Wie blöd. Wie blöd. Wie blöd!» Grummelte er vor sich hin und ditschte sich mehrmals mit der flachen Hand auf die Stirn.

Naja und da war natürlich noch Cassandras These: Vielleicht war Darak doch nur eine Trophäe und die Dunkelelfen präsentierten eben doch d das Beeindruckenste an ihrem Fang, nämlich eben doch seinen Körper mit seiner kolossalen Wurst. «HAH!» Platzte es aus ihm heraus, amüsiert ab seinem eigenen Witz. Er blickte kurz zu dem Elfen hinüber, der ab seiner plötzlichen Lautäusserung offensichtlich erschrocken war. «Entschuldige.» Brummte Darak leise und rieb sich die Stirn. Von diesem seltsamen Gas, das ihn ausgehebelt hatte war ihm immer noch schummrig und seine Gedanken rasten wie wild umher. Eigentlich wollte er sich dennoch dem Elfen neben sich zuwenden doch ehe er das Gespräch vertiefen konnte, spielte die Musik auf und lenkte so die Aufmerksamkeit des Befreiers auf sich.

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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Montag 15. Juli 2019, 11:36

Daraks Fluchen war es nicht, das den blasseren Elfen neben seinem Käfig zusammenzucken ließ, sondern die klatschenden Geräusche die der nackte Befreier mit seiner Hand gegen die eigene Stirn verursachten. Einmal wagte es der Elf, zu ihm herüber zu schauen. Violette Augen begegneten Daraks. Dann hob das Spitzohr einen schlanken Finger zu den eigenen Lippen und spähte gleichzeitig halb über seine Schulter zurück.
In Daraks Rücken spielten die Musiker auf. Das erregte auch die Aufmerksamkeit der versammelten Maskierten. Das Plaudern erstarb langsam, wich leisem Getuschel hinter empor gehaltenen Fächern. Alle Augen waren auf die große Flügeltür gerichtet. Ein Elf in noblem Frack und natürlich ebenso vorherrschenden dunklen Farben positionierte sich ein Stück neben der Tür. So stand er nicht im Mittelpunkt jener, dennoch wusste er ob seiner Wichtigkeit. Der Elf straffte die Schultern, wippte einmal auf den Hacken seiner polierten Schuhe und schlug nach kurzem Räuspern mit einem langen Stock auf den schwarzen Marmorboden. Das Metall verstärkte, klauenförmige Fußende des Stockes erzeugte nicht nur ein goldenes Aufblitzen, sondern auch einen hallenden Knall. Nun erstarb auch noch das letzte Wispern. Wiederholt räusperte sich der Elf. Zu Daraks Ärgernis sprach er ausschließlich in Lerium: "Ich darf um Ruhe bitten. Ähem, werte Gäste. Heißen wir nun das Oberhaupt des Hauses Rasverath in seinen Hallen Willkommen." Der Elf hüstelte wiederholt. Dann erhob er die Stimme: "Montgomeric Faldorslieb der Vierte Rasverath!"
Unter dem höflichen Applaus der Gäste huschten zwei nicht minder bleichliche Elfen mit violett schimmernder Haut zwischen Falten der dunklen Vorhänge heraus, um die Flügeltüren aufzuziehen. Sie hatten reichlich Mühe damit. Schließlich aber konnte man den Vorgestellten erkennen, der als aufrechter und großer Schatten sich vor dem Kerzenschein im Hintergrund abhob. Trotz der Tatsache, dass er sich auf einen Gehstock stützen musste und bei jedem Schritt ein erschütterndes Klonk hinterließ, so wirkte die Gestalt dieses breitschultrigen Elfen mehr als erhaben. Langes, ergrautes Haar wallte ihm über den Rücken und hing ihm wie ein seidiger Mantel bis knapp zu den Füßen herunter. Lediglich zwei Strähnen führten zu beiden Seiten seines Kopfes über die Spitzohren und hingen in aufwändiger Flechtung nach vorn über seine Schultern, wo sie auf Brusthöhe von einer purpurnen Fledermausfibel zusammengehalten wurden. Diesem Elfen war das Haar wahrlich ein Umhang!
Feine Falten umgaben den streng verzogenen Mund, Krähenfüße umrahmten die schmalen Augen mit dem kalt grauen Blick. Montomgeric Rasverath spähte den gesamten Saal aus, ohne den Kopf zu drehen, während das Licht aus den Kohlebecken vom tiefen Purpur seines Anzugs verschlungen wurde. Er humpelte kaum, als er sich Daraks Käfig näherte, dort allerdings knapp vor dem Podest und etwas seitlich Position bezog. Sein strenger Blick ging vor ihm zunächst ins Nichts, bis der schneidige Elf mit dem Klauenfußstab erneut die Stimme erhob.
"Es betritt den Saal die Gastgeberin des Abends, überlebender Zwilling und zweites Kind Montgomerics und seiner in Faldors Hände gegebenen Gattin Pyrdalia Rasverath, die erlauchte und weitreich verehrte Edle Clodia Rasverath!" Erneut kam Applaus auf, dieses Mal sogar etwas lauter, als sich die angekündigte Elfe den Versammelten präsentierte. Und ihr Auftritt war jenseits aller Bescheidenheit.
Gleich vier dürre, aber pompös in schwarze Seide gehüllte Elfen mit perlmuttfarbener Haut und kahlrasierten Schädeln, auf denen silberne Kränze ruhten, krochen ihrer Herrin eilig voraus. Auf Knien warfen zwei von ihnen ihr schwarze Rosenblüten vor die Füße, die beiden anderen küssten zusätzlich ihre pechschwarzen Schuhe, sofern diese beim Voranschreiten unter den wallenden Gewändern hervor lugten. Denn auch bei der Garderobe war Clodia Rasverath nicht zimperlich. Blutrot und schwarz präsentierte sie sich, in einem zwar eng anliegenden langen Kleid, das allerding mit Armen und Kleid verbundene Tüll- und Seidenbahnen besaß, so dass die Elfe beim Winken wie ein finsterer Schmetterling aussah, der seine Flügel ausbreitete. Purpurne Augen waren in die Musterung des Tülls eingearbeitet. Es wirkte hypnotisch, lenkte aber nicht von ihrer Wespentaille und dem wippenden Busen ab, der bei jedem Schritt drohte, aus dem Kleid zu fallen. Das Dekolletée war großzügig geschnitten, so dass man die kleine tätowierte Fledermaus auf ihrer linken Brust gut erkennen konnte. Die Elfe hatte sich wohl direkt zwei winzige Blutrubinsplitter in die Haut stechen lassen. Wie sonst ließen sich die funkelnden Fledermausaugen ihres Hautbildes erklären?
Um den Hals trug sie ein schwarzes Seidenband, an dem ebenfalls ein facettenreicher Rubin schillerte. Auch ihr Gesicht war passend zur Kleidung geschminkt. Blutrote, volle Lippen, ein geradezu andächtiges Rouge auf den Wangen, dafür aber kunstvoll schwarz umzeichnete Augen. Auch hier hatte man den Schmetterling wohl als Vorlage verwendet. Die roten Augen der Elfe wirkten wie das Muster der Flügel, welche sich in wilden Schnörkeln über ihre Wangen zogen. In beiden Spitzohren glitzerten schwarze Edelsteine and silbrigen Ketten, die mit mehreren fledermausförmigen Klemmen an der Ohrmuschel gehalten wurden. Auch das Diadem auf ihrem honigblondem Haar besaß solche Kettchen, die in silbernen Bögen in ihre Stirn hingen. Die goldenen Strähnen zierten schwarze und blutrote Bänder. Das Haar selbst trug die Elfen entgegen allen Erwartungen einfach offen, aber die Farbe allein zog ohnehin genug Aufmerksamkeit auf sich. Sie passte zum schlanken Gürtel, der als einziges Accessoire an ihrem Kleid ebenfalls eine andere Farbe als Blutrot oder Schwarz aufwiese. An silbernen Fledermausflügeln, die an den Spitzen miteinander verbunden waren, schimmerte in der Mitte ein eingefasster Bernstein genauso honiggolden wie ihr Haar.
Mit einem süffisanten Lächeln, das dem Publikum galt und einer anschließend ausladenden Handbewegung gen der Versammelten genoss sie das Bad in der Menge. Clodia neigte das Haupt vor ihrem Vater und stellte sich anschließend ihm gegenüber auf. Sie würdigte Darak keines Blickes, trat indessen einer ihrer Dienerinnen mit der spitzen Hacke ihres Schuhs auf die Hand, der einen blutigen Abdruck hinterließ. Die Dienerin wimmerte eine Entschuldigung - so dürfte es jedenfalls für Darak klingen - und zückte sofort eine kleine Bürste. Anschließend tat sie es ihren drei Begleiterinnen gleich, um das goldene Haar der Herrin selbst jetzt durch sanftes Bürsten zum Glänzen zu bringen. Clodia richtete ihren Busen.

"Der Haushofmeister hat das Oberhaupt und seine Tochter vorgestellt", wisperte es plötzlich entsetzlich leise an Daraks Seite. Er hatte Glück, dass der Elfensklave in Richtung seines unversehrten Ohres sprach, sonst hätte Darak ihn vermutlich nicht einmal wahrgenommen. "Aber heute geht es nicht um sie. Jetzt ist der zurückgekehrte Sohn dran." Dann verstummte der Diener wieder und senkte den Kopf noch mehr.
Interessanterweise sprach der Haushofmeister - jener Elf mit dem Klauenfußstab - nun auf Celcianisch weiter. Die Musiker begleiteten ihn mit einem sanften Reigen, der mit jedem Wort epischere Ausmaße nahm und seinen Höhepunkt fand, als der nun Angekündigte den Saal betrat.
"Wir heißen in unserer Mitte den Auslöser für den heutigen Maskenball Willkommen. Bitte begrüßen Sie mit mir den ausgesandten Sohn. Den Kommandanten und Befehlshaber, der mit seiner Truppe Faldors Zorn seine Feuertaufe im Eroberungszug Celcias fand. Den tapferen Krieger, der sich vor Sarma behauptete, wo seine Männer nach wie vor kämpfen - ich hörte übrigens: mit Erfolg! Nein, begrüßen Sie mit mir den legendären Helden, welchem es gelang, den Anführer der feindlichen Rebellen nicht nur zu überwältigen, sondern allein und mit bloßen Händen bis nach Morgeria zu schaffen. Ihr seht den gefallenen Anführer eines gefallenen Volkes im Zentrum unserer Halle. Begrüßt nun alle mit mir den Triumphator über Luth Rokar, den zurückgekehrten Kommandanten und nächsten Erben des Hauses Rasverath: RHIVEN RASVERATH!"
Die Menge hielt sich nun nicht mehr zurück. Nebst Applaus gab es aus einigen Ecken sogar Lobesrufe und Zuspruch, natürlich beides in Lerium. Da betrat Rhiven die Bildfläche. Es war wirklich Rhiven, Daraks Begleiter, der als angeblich einfacher Soldat und Kriegsgefangener in Sarma aufgegriffen wurde. Der Elf, der Darak ohne jeglichen Grund gedient, ihn beschützt und ihm sogar das Leben gerettet hatte. Der Verräter.
In schwarzer Rüstung mit dem Wappen Morgerias auf der Brust und einem reich verzierten Fledermausprunkhelm am Gürtel schritt Rhiven in den großen Saal. Jeder Schritt hallte hart in Daraks Kopf wider, dass man glauben mochte, er hörte eine Stimme. Aber da war wirklich noch eine Stimme, leise und fern zwar, doch vorhanden. Sie gluckste: Nun hat man dich verraten. Dein Ende naht.
Rhiven schritt auf Vater und Schwester zu. Der violette Umhang, der ihn zierte, wurde in seinem Rücken von einem weiteren der bleichlichen Elfendiener wie eine Schleppe getragen und sanft hinter ihm ausgebreitet, als Rhiven das Käfigpodest erreichte. Sein Vater begrüßte ihn offenbar, denn er richtete das Wort an den Elfen. Die Stimme Montgomerics ging jedoch in dem noch immer anhaltenden Beifall unter. Ebenso wie der Gruß der Schwester Clodia, die sich zu ihrem Bruder empor reckte, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. Rhiven wich diesem mit einem seichten Kopfdrehen aus. Absicht oder Zufall? Er neigte sich etwas, um zwischen der Familie direkt zu Daraks Käfig und dem Befreier aufschauen zu können. Emotionslosigkeit lag in Rhivens Blick.
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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 13. Oktober 2019, 11:17

Darak schnaubte dem Elfen nur entgegen, als dieser ihn Nervös zur Ruhe bitten wollte. Dem ehemaligen Sklaventreiber war durchaus nicht entgangen, auf welche Geräusche der elfische Sklave offenbar besonders empfindlich reagierte. Armer Kerl Darak biss die Zähne aufeinander. Die halbe Welt bestand nun aus armen Kerlen wie dieser Elfensklaven. Er selbst war auch ein armer Kerl! Schaut ihn an! Nackt, mit verkrüppelten Knien, gefangen, verraten von seinem eigenen Spitzohr und unglücklicherweise zu früh von Cassandra entzogen! Wenigstens ein paar weitere wilden Stunden mit ihr, hätte das Schicksal ihm doch noch vergönnen können! Aber nein! Celcia hatte sich in eine Welt von Arschlöcher verwandelt... und zwar just genau dann, wo sich Darak Luthrokar – der ehemalige Foltermeister, der Sklaventreiber, der notorische Schürzenjäger – sich entschlossen hatte KEIN Arschloch mehr zu sein! Was für ein verflucht schlechtes Timing! Als Arschloch hätte Darak keine Probleme gehabt auch unter der Ägide der Dunkelelfen zu überleben. Sklaventreiber waren Kriegsprofiteure, für Sklaven gab es immer freudige Abnehmer. Schliesslich hatte auch die Dunkle Armee besseres zu tun, als irgendwelchen entlaufenden Haustierchen nachzustellen.
Ja, die aktuelle Zeit war ein Paradies für Sklaventreiber, aber Darak Luthrokar musste ja unbedingt ein Befreier werder. Ein guter Kerl. Mit gutem moralischen Kompass, der ihn direkt in diesen vermaledeiten Käfig gelotst hatte! Scheisse! «WHAAHHR!» Knurrte er frustriert und rüttelte an seinem Gehege. Es war aussichtslos. Hier kam er nicht mehr raus – es sei denn es würde sich unter seinen Füssen plötzlich ein Loch auftun und er einfach von der Welt verschluckt werden. Wo waren diese verfluchten Zauberspiegel, wenn man sie einmal brauchte!
Eine düstere Musik spielte auf und Darak wurde Zeuge eines absolut übertriebenen Empfangszeremoniell. Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass Dunkelelfen auf ein so verstocktes und formalisiertes Zeremoniell standen. «Ahhh das ist nicht gut...» Murmelte er vor sich hin. Verstockte und formalisierte Gemeinschaften neigten zu besonders perfiden Spielchen. Darak wünschte sich, er wäre von einer Horde Ork gefangen worden, die hätten ihn schon längstens gefressen. Aus Schluss vorbei Grausam – aber immerhin kurz. Einem Foltermeister musste man schliesslich nicht erklären, dass es weit schlimmere Zustände als der Tod gab.
Darak musste die Worte nicht verstehen um ungefähr erahnen zu können, was sich da gleich abspielen würde. Ihm fiel auf, dass die Oberschicht von Sarma dereinst ein ähnliches Gebaren an den Tag gelegt hatte. Auch sie stand auf diesen ganzen Pomp. Die Funktion des dürren Elfen mit seinem verfluchten Stock war, den Mann des Abends zu präsentieren. Den Platzhirsch. Der mit den vermeintlich grössten Eiern. Darak verdrehte die Augen, konnte es aber doch auch nicht lassen den Kopf emporzurrecken um einen Blick auf den Platzhirschen zu erhaschen.
«HAH!» Patzte er aus sich heraus, doch er war zu weit weg und zu unbedeutend, als dass irgendjemand abgesehen von dem dürren Elfen neben sich irgendwelche Notiz von ihm nahm. In diesem Augenblick hätte er gar aus seinem Gehege scheissen können und niemand hätte auf ihn geachtet, denn alle Augen huldigten dieser imposanten Elfenfigur. Darak verschränkte seine Arme. Dieser Kerl war ein Greis! Das Alter von Dunkelelfen war zwar kaum zu schätzen, aber wenn man es ihnen schon ansah, dann mussten sie Steinalt sein! Uralt! Dieser Kerl mochte vielleicht den grössten haben, aber sicherlich war schon alles verkrustet und verschrumpelt. Mehr Haut als Muskeln!
Darak fand etwas Trost und Zerstreuung in seinen unfreundlichen Gedanken. Ganz mulmig war ihm aber nicht zumute, als sich der Gastgeber auf den Käfig zubewegte. Er wollte nicht zur nackigen Kulisse des Egos dieses Typen werden! Doch angesichts der beschränkten Handlungsmöglichkeiten, entschloss sich Darak dazu, einfach möglichst grimmig dreinzublicken. Es wurde eine zweite Person angekündigt und angesichts der Klatscherei kam ihr wohl etwas mehr Sympathien zu, als dem Platzhirsch. Als er sie zum ersten Mal erblickte wusste er auch weshalb.
WAS für eine Erscheinung! Darak hatte ja eine gewisse Vorliebe für dunkle und dominante Weibspersonen und im Gegenzug zu diesem Exemplar, wirkten Vesta und Cassandra ja geradezu drollig. Es war für ihn sofort klar, von wem er heute gefoltert werden wollte. Wie es Darak fertig brachte, angesichts seiner Lage doch noch in diesen Bahnen zu Denken sollte sein Geheimnis bleiben. Vermutlich lenkten ihn seine Fantasien von der Aussichtslosigkeit seiner Situation ab und verminderte etwas seinen Stress. Der Enthörnte erhaschte die funkelnden Fledermausaugen und war wie hypnotisiert von dieser Stelle, was wohl vor allem auch damit zu tun hatte, was man darum herum so alles bestaunen konnte.
Falls Clodia ihn musterte, dann dürfte ihr wohl nicht entgangen sein, dass selbst ihr Gefangener beindruckt von ihrem Auftritt war und verblüfft vor sich hinglotzte. Darak konnte ihre Erscheinung gar nicht richtig fassen – für die meisten Elemente ihrer komplizierten Kleidung kannte Darak nicht einmal die Worte und so stempelte er einfach jeden Part mit dem Prädikat: «Geil» ab. Er konnte nicht anders. Darak war nun mal so gestrickt. Wenn er heute würde sterben müssen, dann doch bitteschön durch die Hände dieser düsteren Walküre!
Frustriert musste er aber feststellen, dass seine Chancen diesbezüglich eher schlecht standen, denn Clodia würdigte ihm keines Blickes. "Der Haushofmeister hat das Oberhaupt und seine Tochter vorgestellt" Darak hob eine Augenbraue und musterte den Elfen. Warum half dieser ihm? Er nickte ihm unauffällig zu. Er war froh um jede Information die er kriegen konnte.
"Aber heute geht es nicht um sie. Jetzt ist der zurückgekehrte Sohn dran." «Ach wie reizend...eine Familienzusammenführung...» Brummte Darak finster vor sich hin. Was für eine nette Gesellschaft das doch war! Darak konzentrierte sich aber wieder auf die aktuellen Geschehnisse – zumal er diesmal auch verstand wer hier angekündigt wurd.
"Wir heißen in unserer Mitte den Auslöser für den heutigen Maskenball Willkommen. Bitte begrüßen Sie mit mir den ausgesandten Sohn. Den Kommandanten und Befehlshaber, der mit seiner Truppe Faldors Zorn seine Feuertaufe im Eroberungszug Celcias fand. Den tapferen Krieger, der sich vor Sarma behauptete, wo seine Männer nach wie vor kämpfen - ich hörte übrigens: mit Erfolg!» Diese Bemerkung versetzte Darak einen Stich. Er richtete sich auf und packte nach den Gitterstangen. Seine Handknöchel verfärbten sich weiss, da er so viel Kraft aufwendete, als wollte er das Eisen zum Bersten bringen. Besorgt dachte er an seine Freunde! Alma, Constanze, Lilith, Vesta...ja sogar Fauch! Waren sie gefallen? War Sarma gefallen?
Nein, begrüßen Sie mit mir den legendären Helden, welchem es gelang, den Anführer der feindlichen Rebellen nicht nur zu überwältigen, sondern allein und mit bloßen Händen bis nach Morgeria zu schaffen. Ihr seht den gefallenen Anführer eines gefallenen Volkes im Zentrum unserer Halle. Begrüßt nun alle mit mir den Triumphator über Luth Rokar, den zurückgekehrten Kommandanten und nächsten Erben des Hauses Rasverath: RHIVEN RASVERATH!" «Ihr wollt mich verarschen!» Nicht mal seinen Namen hatten sie richtig mitgeschnitten! Darak knurrte vor sich hin und starrte zur Flügeltür, wo der Heimgekehrte Sohn seinen Auftritt hinlegte. IHR WOLLT MICH DOCH ALLE VERARSCHEN!!!! Polterte es durch sein Gehirn, als Rhiven Rasverath...diese kleine Made in den Raum stolzierte.
Nun hat man dich verraten. Dein Ende naht. Dieser verdamme Bastard! BASTARD! Was für eine perfide Made! Darak taxierte Rhiven mit vernichtenden Blicken. Er hasste diesen Kerl. Er hasste ihn so abgrundtief, weil es ihm gelungen war ihn zu blenden. Ihn! DARAK LUTHROKAR! Er ärgerte sich besonders, weil er auf ihn hereingefallen war – all seinen ursprünglichen kriminellen Instinkten zum Trotz. Eigentlich hätte er es wissen müssen – es war zu offensichtlich gewesen! Wie dumm konnte er nur sein, wie dumm dumm dumm! Dafür entging Darak durchaus nicht, dass Rhiven dem Kuss seiner Schwester ausgewichen war. Vielleicht gab es doch noch Hoffnung für ihn? Oder interpretierte er da nur etwas hinein, was nicht da war.
Die Möglichkeit bitter Verraten worden zu sein, erschien weit wahrscheinlicher, als dass es sich hier tatsächlich um eine gigantische Maskerade zu seinen Gunsten handeln könnte. Weshalb sollte Rhiven das schon tun? Warum sollte er Darak jetzt noch helfen? Jetzt, wo er an der Spitze des Ruhmes und seiner Macht stand?! Der Befreier funkelte Rhiven finster entgegen und taxierte ihn mit mörderischen Blicken. Wenigstens anständig präsentieren hättest du mich können! Nicht als nackter Krüppel! Dachte er beleidigt und knirschte mit den Zähnen. Unruhe machte sich in seinem Körper breit und eine Welle der Panik breitete sich in seinem Bauchraum aus. Er fürchtete was nun kommen mochte, denn sein Körper witterte bereits Schmerz und so konnte Darak es nicht verhindern, dass seine Knie etwas zitterten. Was ihn nur noch mehr aufregte.

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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 16. Oktober 2019, 01:39

Mit dem erneut metallischen Hall des Stockes brachte der Haushofmeister die jubelnde Menge zum verstummen. Der Beifall ebbte ab, doch erst als es nahezu vollkommen still im Saal geworden war, schickte sich die schönste Elfe unter den Versammelten an, das Wort zu ergreifen. Mit einem wilden Hüftschwung riss sie nicht nur ihr aufwändiges Ballkleid nach vorn, sondern auch eine ihrer Dienerinnen. Es handelte sich um jene, die schon Bekanntschaft mit dem spitzen Schuhabsatz ihrer Herrin gemacht hatte. Nun verlor sie durch den Ruck fast den silbernen Kopfkranz. Schief hing er ihr vom kahlen Schädel und wurde lediglich noch vom Spitzohr aufgehalten. Die Nachtelfensklavin japste vor Schreck und unterbrach so ihre Herrin, noch ehe diese überhaupt die Stimme hatte erheben können.
Immerhin gewann sie auf diese Weise ihre Aufmerksamkeit, sowie die aller Gäste. Clodia warf den Kopf herum, spähte zunächst mit einem blutroten Todesblick auf die Nachtelfe herab. Darak hätte ihr mit seinem Blick, der Rhiven galt, durchaus Konkurrenz machen können, aber nur der Verräter erwiderte ihn. Alle anderen starrten Clodia und ihre Sklavin an, welche sich beide Hände vor den Mund presst und dann so weit vor ihrer Herrin den Kopf neigte, dass ihre Stirn den kalten Marmor berührte.
"Nutzloses Miststück", fauchte die blonde Dunkelelfe, ohne dass sie dabei wirklich laut wurde. Konnte man ein geflüstertes Fauchen von sich geben? Ihr gelang es und trotzdem reichte ihre Stimme noch bis in die hinterste Ecke des Saales. Dass die Musiker ihr Handwerk verstanden, ließ sich nun mehr als erkennen. Sie spielten nämlich erneut auf. Nicht so, dass sie die Szene zwischen Herrin und Sklavin zerstört hätten, im Gegenteil. Ihre Melodie war leise, wuchs jedoch an Spannung und Dramatik heran, je länger der Moment anhielt. Sie wussten, die Situation gekonnt zu begleiten, was das ganze Musikstück nur noch unheimlicher erscheinen ließ.
Umd Clodia und die Sklavin hatte sich inzwischen eine natürliche Grenze aus Gästen gebildet, die nur von Seiten des Käfigpodests nicht von Elfen umschlossen wurde. Darak konnte zwischen dem Rücken des steinalten Elfenvaters und Rhivens halb abgewandten Körpers direkt auf die Szenerie schauen. Leider verstand er kein Wort, aber vielleicht genügte die Schärfe in Clodias Stimme als Erkenntnis. Sie streckte ihre Hand vor, dass der Tüll raschelte. "Ich werde dich lehren, mir im Weg zu stehen und meinen Auftritt zu vermasseln. Dein Kranz, sofort!"
Die Nachtelfe gehorchte. Ihre zittrigen Finger lösten das Schmuckstück vom Kopf und sie reichte es ihrer Herrin entgegen, ohne aufzuschauen. Clodia entriss ihr den Kranz mit harscher Bewegung. Für den Moment kümmerte sie sich nicht eine Sekunde um ein adrettes Auftreten. Keiner der Zuschauer schien es ihr zu verübeln. Einige nickten sogar unter Zustimmung und aus den Masken anderer drangen nicht minder verachtende Blicke für die Sklavin wie ihre Herrin sie für die arme Nachtelfe übrig hatte.
Mit einem Knacken und Reißen teilte der finstere Schmetterling den Kranz. Etwas vom dünnen Silber sprang ab und hüpfte wohl irgendwo ungesehen über den Marmor. Man hörte das Auftreffen. Zurück blieb ein zerstörter Kopfschmuck, dessen ausgefranste Metall-Enden nun von Clodia verbogen wurden. Sie formte das silberne Stück, bis es ein halbwegs gerader Metallstecken geworden war. Dann befahl sie kalt: "Kopf in den Nacken und reiß deinen schmutzigen kleinen Mund auf. Keinen Mucks will ich hören."
Der Nachtelfe liefen bereits Tränenbahnen die Wangen herunter. Sie hatte Schwierigkeiten, das Schluchzen zu unterdrücken. Die anderen Sklavinnen senkten ihre Köpfe. Keiner von ihnen wollte sehen, wie ihre Leidensgenossing bestraft wurde. Die unglückliche Nachtelfe aber musste alles mit ansehen. Durch einen Tränenschleier hindurch erkannte sie noch Clodias eisigen Blick. Dann öffnete sie wie befohlen den Mund. Der kahle Kopf hatte sich in den Nacken gelegt. Ihre Herrin zögerte nicht einen weiteren Moment.
Mit gezielter Präzision rammte sie ihre Hand nach vorn, welche den verbogenen Kranz hielt. Einer der beiden scharfen Enden verschwand im Hals der Nachtelfe. Clodia stoppte jedoch nicht. Sie drückte den Kranz tiefer in den Schlund hinein. Als die Sklavin vor Angst und Schmerz röchelte, schnarrte Clodia Rasverath: "Habe ich dir nicht gesagt, ich will keinen einzigen Laut hören?!" Dann grinste sie auf. "Das ... war ein Fehler zu viel." Sie lenkte das obere Ende des Kranzes herum und stach mit der verbliebenen Spitze in das rechte Auge ihrer Sklavin. Diese schrie auf und krümmte sich sofort vom Schmerz getrieben nach vorn. Clodia trat zurück, lächelte ihren Vater an. Dieser nickte er ihr und dann seinem Sohn zu. Rhiven zögerte ebenso wenig wie seine Schwester. Er packte die Sklavin im Nacken, riss sie auf ihre Füße und zückte dann einen verborgenen Dolch mit schwarzer Klinge, um ihr die Kehle aufzuschlitzen. Nachtelfenblut ergoss sich über das Gewand und einen Teil des Marmorbodens. Kleine Spritzer sprenkelten auch Rhivens Rüstung. Erst als die Sklavin das Röcheln zusammen mit ihrem Leben beendete, ließ er sie los. Ihr Körper traf mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden auf.
"Selbst jetzt bist du nichts weiter als ein Schandfleck, der die Festlichkeiten ruiniert", tadelte Clodia die Verstorbene voller Verachtung. Sogleich wurde sie von Montgomeric beruhigt. Während er seine Tochter ein wenig beiseite nahm und auf sie einsprach, huschten weitere Sklaven herbei. Sie fingen das Blut der Toten mit Weingläsern auf, die sie an einige Gäste in den vordersten Reihen verteilten. Diese zeigten sich verzückt, als hätten sie einen kostbaren Preis gewonnen. Sie prosteten einander zu und erste tranken sogar!
"Tu nichts Unüberlegtes", hauchte der Nachtelf neben Daraks Käfig erneut leise. Dann verstummte er wieder. Montgomeric schlug nun mit seinem Stock auf. Es hallte nicht so laut wie beim Haushofmeister, reichte aber aus, um die Versammelten erneut verstummen zu lassen. Der alte Elf trat vor. Seine Stimme war fest, vom Alter etwas rau, doch klar. Und auch er sprach auf Celcianisch. Rhiven warf ihm einen längeren Blick zu.
"Ich bedaure die kurze Unterbrechung und bitte darum, geschätzte Damen, edle Herren, dem Moment nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Das würde diese ungehorsame Schande nur noch wichtiger machen als sie ist. Richtet Euren Blick stattdessen bitte auf die Trophäe, die mein Sohn mitgebracht hat. Luth Rokar..." Montgomeric Faldorslieb der Vierte Rasverath wandte sich Darak zu und musterte ihn. "Die Zeit für Faldors Höllenspiele ist leider noch nicht reif, aber angesichts der Umstände ließe sich privat etwas arrangieren." Der Elf legte eine Hand in den Steiß und ließ die andere auf seinem Stock ruhen. Er musterte Darak. "Ich bin wirklich gespannt, wie Ihr Euch schlagen werdet und welche Spiele meine Tochter für den großen Tag vorbereiten wird."
Im Hintergrund funkelte Clodias blutiges Augenpaar erstmals in Daraks Richtung. Und ebenso erstmalig seit seiner Ankunft setzte auch Rhiven zum Sprechen an. Wie das Oberhaupt der Rasveraths nutzte er Celcianisch. "Werter Vater, darf ich Euch eine Bitte abschlagen?" Er wartete auf das Nicken, das dem überraschten Brauenheben Montgomerics folgte. "Die Spiele wären bei Leibe langweilig. Rasch würden sie enden, wenn meine Trophäe nicht ihr ganzes Potenzial ausschöpfen kann. Jeder Goblin würde Euch mehr unterhalten als dieser Krüppel."
"Er hat Recht, lieber Vater", mischte sich Clodia ein. Sie ließ sich nicht auf das Niveau herab, eine Sprache zu nutzen, die jeder verstand. Ihre Zunge hatte Besseres verdient! "Schau ihn dir doch an. Es ist fast traurig, meinen Bruder dafür zu feiern, dass er einen halbtoten, kümmerlichen Krüppel nach Hause gebracht hat, der garantiert eine helfende Hand zum Pissen braucht." Die Frauen unter den Gästen gaben gekünsteltes Entsetzen zum Besten, während unter den Männern das eine oder andere Kichern zu vernehmen war. Montgomeric hievte seinen Körper mit Hilfe des Stocks auf das Podest. Er war nicht dumm, sondern hielt genug Abstand zu Darak, um nicht Opfer einer vorschnellenden Pranke zu werden. Aber er betrachtete ihn ausgiebig.
"Wirklich ein Krüppel", sprach er. "Luth Rokar, so kannst du weder meine Augen erfreuen noch den Blutdurst unseres Gottes stillen. Es wäre mir peinlich, dich so in die Arena zu schicken. Lachhaft, fürwahr." Er drehte den Kopf. "Meine Tochter, liebste Clodia, kann ich dir diese Aufgabe zumuten."
Die Dunkelelfe nickte süffisant. "Überlass das nur mir, werter Vater. Es wird mir ein Vergnügen sein." Dann trat sie neben ihn auf das Podest und beugte sich ein wenig zu Darak hin. In ihren Augen glomm Blutdurst. Sie schnippte mit einem Finger und der Nachtelf an Daraks Käfigseite sprach für sie: "Gib deine Bereitschaft bekannt und die Höllenspiele des Hauses Rasverath mögen beginnen. E-eine Ablehnung wird bestraft", fügte er an und duckte sich unter Clodias düsterem Blick etwas mehr. Dieser Hinweis war wohl nicht vorgesehen gewesen.
"Nun?", setzte Montgomeric mit der Geduld eines Zeitalters an. "Wir erwarten deine Antwort, Trophäe."
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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Darak Luthrokar » Donnerstag 2. Januar 2020, 01:13

Darak blieb nicht viel anderes übrig, als dem Treiben schweigend zuzusehen, dass sich da vor seinen Augen abspielte. Während Clodia in den ersten Minuten ihres Auftritts noch durchaus wilde Fantasien in Darak auslöste – sollte sich dieser Eindruck in den nächsten Augenblicken sofort verändern. Er wurde Zeuge vom Missgeschick einer ihrer Elfendienerinnen, die damit den Groll ihrer Herrin auf sich zog. Der Elfensklave in seiner Nähe verkrampfte sich augenblicklich und sein Atem setzte kurz aus. Darak umklammerte die Gitterstäbe mit seinen Pranken und beobachtete die schaurige Szenerie, die seinen düsteren Lauf nahm.

Clodia stellte auf grausamste Weise unter Beweis, wie wenig ein Leben in diesen Hallen wert war. Sogar Darak, der in Bezug auf Grausamkeit und Brutalität schon ziemlich abgestumpft war, lief es nur noch kalt den Rücken runter, als er mitansehen musste, wie die Dunkelelfe ihrer Dienerin das Diadem in den Rachen rammte. Als Rhiven einschritt und ihr mit seinem Dolch die Kehle aufschlitzte war sich Darak nicht einmal mehr sicher, ober damit auch einfach nur grausam war – oder doch eher gnädig.

Nein... mit dieser Frau wollte er definitiv keine nähere Bekanntschaft machen... und ja... seine Situation machte ihm verdammt Angst. Jetzt noch mehr als vorher. Diese Dienerin musste sich immerhin ziemlich verdient gemacht haben in den Augen ihrer Herrin. Sonst hätte sie kaum die Ehre gehabt, an einem so wichtigen Anlass in ihrer Nähe zu sein. Ebenfalls musste Clodia sie zumindest für vertrauenswürdig gehalten haben, dass sie sie so nahe an sich herangelassen hatte. Wenn man hier in diesen Hallen mit verdienten Sklaven auf diese Art und Weise verfuhr... welch ewig langes Sterben war dann wohl jenen vorbehalten, die sie verachteten und zum Feind erklärt hatten?

Die Knöchel seiner Fäuste wurden weiss. So fest klammerte er sich an das kalte Metall. Er wollte hier weg. Immer wieder suchte er den Blickkontakt zu Rhiven. Er war das einzige vertraute Gesicht in diesem Saal. Der einzige Kerl, der seine Mission kannte. Darak war bereit nach dem letzten Strohhalm zu greifen. Hatte Rhiven ihn wirklich verraten, oder bestand tatsächlich die Möglichkeit, dass dieses Spitzohr seine eigene Familie verraten würde? Darak zweifelte daran. Was könnte Rhiven dadurch schon gewinnen, ausser einer ganzen Horde verdammt mächtiger Feinde? Er konnte schliesslich nicht die ganze Halle töten! Oder doch? Gab es irgend ein Motiv, weshalb Rhiven sich lieber auf die Seite des Befreiers schlagen würde? Hatte er diesbezüglich jemals etwas erwähnt? Darak kam nicht mehr dazu, in seinen Erinnerungen nach möglichen Antworten zu wühlen. Er konnte nur noch für sich festhalten, dass Rhiven tausende Möglichkeiten gehabt hätte, um ihn zu beseitigen. Andererseits war der Ruhm, den Rhiven durch die Anlieferung des lebenden Befreiers nun ergattern konnte weit grösser, als wenn er nur mit seinem Kopf nach Morgeria zurückgekehrt wäre. Irgendwelche Rebellen köpfen – das konnte schliesslich jeder. Hatte Rhiven wirklich ein so grosses Ego? War er wirklich derart durchtrieben und verschlagen? Darak wusste es nicht – und das ärgerte ihn auch so dermassen. Wie hatte es Rhiven nur geschafft, dass er ihm so schnell blind vertraut hatte?

Seine Aufmerksamkeit wurde aber sofort wieder auf die Szenerie gerichtet, als ein paar Dienerinnen auf den Leichnam ihrer Kollegin zu hasteten und ihr Blut mit einigen Trinkgefässen einfingen. Hätte Darak was im Magen gehabt, er hätte es auf der Stelle ausgekotzt. Er wusste nicht, was ihn mehr anwiderte – die Tatsache, dass die Sklavinnen zu so einem Dienst gezwungen wurde, oder jene, dass die Dunkelelfen tatsächlich Menschenblut kredenzten. Darak nahm sich die Ermahnung des Elfensklaven zu herzen. Nein... hier durfte er sich wirklich keine Fehltritte erlauben und musste vorsichtig sein. Verdammt vorsichtig. Dies umso mehr, weil er nun selber wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit geriet.

Er war schliesslich der einzige Grund, weshalb der alte Sack sich dazu niederlassen musste, um Celcianisch zu sprechen. Darak sollte also hören und verstehen, was über ihn gesagt wurde. "Ich bedaure die kurze Unterbrechung und bitte darum, geschätzte Damen, edle Herren, dem Moment nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Das würde diese ungehorsame Schande nur noch wichtiger machen als sie ist. Richtet Euren Blick stattdessen bitte auf die Trophäe, die mein Sohn mitgebracht hat. Luth Rokar..." Luth Rokar?! Darak knirschte mit den Zähnen. Machten sich diese vermaledeiten Bastarde nicht einmal die Mühe, ihre schlimmsten Feinde beim richtigen Namen zu kennen?! Diesbezüglich war Darak ziemlich eitel. Er hatte viele Namen zur Auswahl: Schlächter von Andunie, Befreier, Gehörnter, Verdammter.... da konnte es doch nicht so schwer sein, ihn richtig zu benennen! Darak konnte nicht verhindern, dass ein gehässiges Funkeln in seinen Blick geriet. Dies schien dem Alten aber durchaus zu gefallen. Offenbar legten die Dunkelelfen doch einen gewissen Wert darauf, dass ihre Spielzeuge auch einigermassen lebendig und wehrhaft waren.

"Die Zeit für Faldors Höllenspiele ist leider noch nicht reif, aber angesichts der Umstände ließe sich privat etwas arrangieren.Ich bin wirklich gespannt, wie Ihr Euch schlagen werdet und welche Spiele meine Tochter für den großen Tag vorbereiten wird." Darak schluckte leer. Faldors Höllenspiele? Er hatte nur gerüchteweise von dieser grausamen Tradition gehört. ER sollte also sein eigenes Höllenspiel kriegen? Welches Spektakel erwarteten die Dunkelelfen da von ihm? Er konnte nicht mal alleine aufs Klo – bei Lysanthors eiern! Es war doch offensichtlich, dass dies die erbärmlichsten Spiele aller Zeiten werden würden. Obwohl...so sicher war er sich diesbezüglich nicht, als er Clodias stechenden Blick ausmachte. Oh nein. Die würde ihn nicht so einfach in den Tod entfliehen lassen.

Tatsächlich war er aber nicht der einzige mit diesen Gedanken. Auch Rhiven schaltete sich ein, was offenbar ziemlich unerwartet war für den Alten. "Die Spiele wären bei Leibe langweilig. Rasch würden sie enden, wenn meine Trophäe nicht ihr ganzes Potenzial ausschöpfen kann. Jeder Goblin würde Euch mehr unterhalten als dieser Krüppel." Darak knrischte mit den Zähnen, verbiss sich aber einen Kommentar. Selbst in diesem Zustand könnte er noch eine schlimmere Zecke sein als ein Goblin. Davon war Darak überzeugt. Weniger klar war er sich eigentlich, was er sich wünschen sollte. Lieber krüpplig und erbärmlich- dafür aber schnell sterben. Als irgendwie noch eine Chance zu kriegen – und dann sehr langsam niedergehen. Nun schaltete sich auch Clodia ein. Die Grad an Verachtung, mit der sie ihm begegnete, liess sich kaum mehr steigern. Er hatte keine Ahnung, was sie über ihn sagte, aber den Reaktionen im Publikum zur Folge, hatte sie sich vermutlich in irgendeiner Weise über seinen Schwanz lustig gemacht. Obwohl das so ziemlich das einzige Körperteil an ihm war, dass definitiv noch sehr gut funktionierte und beeindruckend war! Da konnten die Dunkelelfen ihre dünnen, knorrigen Schniedel doch gleich einpacken! SO!

"Wirklich ein Krüppel" Darak schnaubte nur und dachte nur mit reichlich Genugtuung daran zurück, welchen Preis sein Peiniger Ach'ray für diesen Zustand bezahlt hatte. Ich werde euch alle vernichten! Dachte er düstern. Oh in Darak war noch reichlich Feuer vorhanden, dies zumindest mussten alle Anwesenden erkennen. Von seinem Temperament her, versprach Darak Luthrokar durchaus eingies an Unterhaltung, aber eben... sein kaputter Körper war wirklich ein Hindernis für jedes Folterspielchen. "Luth Rokar, so kannst du weder meine Augen erfreuen noch den Blutdurst unseres Gottes stillen. Es wäre mir peinlich, dich so in die Arena zu schicken. Lachhaft, fürwahr." Der Trotz und die Widerspenstigkeit in seinem Blick wich für einen kurzen Moment einem heftigen Schreck, als er bemerkte, dass er in die Obhut dieser Wahnsinnigen gelangen sollte. Darak versuchte diesen kurzen Schockmoment sofort wieder zu überspielen, aber aufmerksamen Beobachtern dürfte seine Angst nicht entgangen sein. Er konnte sich allerdings in seinem Käfig nicht wirklich etwas zurückziehen, da er seine Hände am Gitter halten musste, damit er wenigstens einigermassen stehen konnte. Es schien, als ob alle im Saal die Luft anhielten, als Clodia den Elfen aufforderte, an ihrer statt zu sprechen.
"Gib deine Bereitschaft bekannt und die Höllenspiele des Hauses Rasverath mögen beginnen. E-eine Ablehnung wird bestraft"
Alle Augen waren nun auf die Trophäe gerichtet. Darak versuchte so gut wie möglich Haltung zu wahren. Trotz seines geschundenen Körpers schaffte er es irgendwie, seinen trotzigen Stolz und seinen Kampfeswillen zu bewahren. Er hatte ohnehin keine andere Wahl als zuzustimmen, die Frage war nur, ob er mitseinen Worten noch einen kleinen Vorteil für sich herausschlagen konnte oder nicht.

«Ich werde euch und euresgleichen bis zu meinem letzten Atemzug bekämpfen und für die Freiheit Celcias einstehen. Gebt mir eine faire Ausganglage und ich trete euch in euren vermaledeiten Arsch, wie ich es mit euren Truppen in Sarma getan habe! Ihr mögt mich durch List und Verrat zu eurem Gefangenen gemacht haben, aber wenn es um einen Kampf auf Augenhöhe geht, dann werde ich euch lehren was es heisst, sich mit dem Befreier anzulegen!» Darak redete sich in Rage und verlor dabei seinen guten Vorsatz, es nicht zu übertreiben. Gleichzeitig griff er aber auch auf sein Mönchswissen zurück. Er kannte sich schliesslich aus mit Gemeinschaften, bei denen Religion einen sehr hohen Stellenwert hatte und diesen Umstand konnte er sich vielleicht zu Nutze machen. Dunkelelfen waren schliesslich genauso stolz wie er. «Ich werde euch und eurem Gott ein Spektakel liefern, dass ihr so schnell nicht vergessen werdet!» Knurrte er. «Vorausgesetzt ihr besitzt den Mut, mir wirklich mein ganzes zur Verfügung stehendes Potenzial zu gewähren.»

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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Samstag 4. Januar 2020, 10:40

Der Fokus verlagerte sich. Hier war soeben eine Sklavin gestorben, hingerichtet durch die Hand ihrer eigenen Herrin! Und doch kümmerte sich niemand mehr um den Leichnam und all das Blut, von anderen Sklaven abgesehen. Der leblose Körper wurde im Schatten der maskierten Gäste bereits aus dem Saal getragen. Andere nachtelfische Sklaven erschienen mit Tüchern und Putzeimer, um wirklich auch noch die letzten Spuren dieses unsäglichen Lebens zu beseitigen. Niemand der Dunkelelfen würde heute oder morgen noch von dem Ereignis sprechen. Der Fokus und das allgemeine Interesse lagen an anderer Stelle, nämlich bei dem Gefangenen, diesem Luth Rokar.
Ob Rhiven ihnen jenen Namen genannt hatte? Darak tauschte immer wieder Blicke mit dem Elfen, der in Sarma noch als Kriegsgefangener vor ihm gesessen hatte. Der Elf, den sie alle für einen Mann in kommandierender Position erachtet hatten und dem Darak letztendlich doch geglaubt hatte, nur einfacher Soldat zu sein. Der Dunkelelf, der von sich aus immer wieder seine Position als Sklave betont und freiwilliger eingenommen hatte als Darak bereit war, sie ihm zu erteilen. Der Mann, der ihm nicht nur einmal das Leben hätte nehmen können, sondern es auch noch vor Fauchs feurigem Atem und dessen tödlichen Pranken bewahrt hatte. Der Elf, der mit ihm durch den Harax gegangen war ... und ihn offenbar bis nach Morgeria gebracht hatte, denn wie seine Situation im Harax endete, war Darak angesichts der Halluzuinationen durch den Dämon nicht wirklich bewusst. Wie also hatte sich jemand wie Rhiven letztendlich doch zum Verrat an ihm entscheiden können?!
Für eine Weile schweiften Daraks Überlegungen die Hypothese, dass sein Gefährte nach wie vor auf seiner Seite war. Stellte er sich hier im Stillen ganz Morgeria? Riskierte er ein ähnliches Schicksal durch die Hand seiner Schwester Clodia wie es der Sklavin bestimmt gewesen war? Das konnte nicht sein. Niemand wollte sich mit der blonden Dunkelelfe allein anlegen und plante Rhiven wirklich einen Doppelverrat, so wäre ganz Morgeria auf der gegnerischen Seite. Das ... war ein reines Selbstmordkommando.
Darüber hinaus blieb Rhivens Mimik kühl. Fast schon mit Desinteresse erwiderte er Daraks Blicke, reckte dabei in arroganter Haltung das Kinn etwas an. Er blickte auf ihn herab und ließ sich auch nicht dazu verleiten, direkt auf ihn einzugehen. Dass er das wahre Potenzial seiner mitgebrachten Trophäe seiner Familie und den Gästen präsentieren wollte, schien kein Akt der Herzensgüte. Nein, hier ging es um blutige, brutale Unterhaltung. Man ließ ein Pferd auch nicht zu einem Rennen zu, wenn es hinkte. Da dachte niemand an das Wohl des Tieres. Es ging um den persönlichen Spaß. Wer schaute schon bei einem Pferderennen mit Krüppeln zu?
Wenigstens behielten selbst geschändete Ackergäule ihren Namen. Den verkrüppelte niemand! Nicht so wie Daraks. Luth Rokar ... Seine Reaktion bewirkte etwas. Mit Hohn und Amüsement blitzte es in den Augen des alten Dunkelelfen auf. Montgomeric wirkte zufrieden. Er las jedes Quäntchen an Reaktion aus Darak heraus, lehnte sich dabei fast schon bequem auf seinen Gehstock und beobachtete ihn weiter. Nach wie vor war er der einzige Dunkelelf, der sich auf das Celcianische herabließ. Zuvor wurde er jedoch von einer schnippigen Bemerkung seiner Tochter unterbrochen. Auch diese amüsierte sich offenbar. Der Hohn in ihrer Stimme war selbst für Darak nicht zu überhören.
"Befreier? Ha ... wo der doch splitternackt und vollkommen ausgeliefert in unserem Käfig sitzt!"
"Clodia", ermahnte der Vater mit erschreckend milder Stimme. Man traute es dem alten Dunkelelfen nicht zu. Es lag auch keine wahre, väterliche Wärme darin. Eher mangelte es seinem Timbre im Moment an Grausamkeit. Das mochte ein hohes Privileg unter Dunkelelfen sein. Darak konnte diese Form von Behandlung nicht erwarten. Die Klangfarbe seiner Stimme nahm bereits an Schärfe zu, als Montgomeric sogar nur über ihn sprach. "Du hast ihn doch selbst gehört. Er fordert ein, sein ganzes Potenzial zeigen zu können. Er glaubt, es möge ihm nützen."
Gelächter im Kreis der Maskierten kam auf. Dunkelelfinnen fächelten sich kokett Luft zu, während die Männer untereinander nickten oder sich gar die Schulter klopften. Offenbar wusste hier jeder, welches Schicksal Darak zu erwarten hatte. Jeder bis auf Darak selbst.
Montgomeric drehte sich halb der Menge zu. Erneut gab sein Gehstock dabei ein krachendes Geräusch von sich, das die gesamte Halle erfüllte. Es sorgte für Stille. "Tatsächlich stimme ich der Trophäe sogar zu. Wir alle wollen doch ... das Bestmögliche zu sehen bekommen. Er soll seinen Willen haben! Ich freue mich schon darauf, die Reue in seinem Blick zu finden, sobald die Erkenntnis ihn ereilt, was er hier aus freien Stücken gefordert hat. Geschätzte Gäste, noble Herren, edle Damen - es ist seine Entscheidung! Er bietet sich uns an! Also erfülle ich in all meiner Großzügigkeit und mit reinem Herzen seinen Willen!"
Applaus brandete auf, in dem das Fingerschnippen des dunkelelfischen Oberhauptes der Rasverath-Familie gänzlich unterging. Aber die Sklaven waren aufmerksam. Rasch huschten einer von ihnen aus den Schatten, ein Kissen aus purpurnem Samt mit schwarzen Quasten an den Spitzen in seinen Händen. Auf dem Kissen selbst lag etwas. Es schimmerte silbrig im Licht, aber Darak konnte es erst genauer erkennen, als der Sklave nahe des Käfigs demütig auf die Knie sank, den Kopf unten, aber das Kissen zu seinem Herrn empor hielt.
Darak kannte das auf dem Samt gebettete Schmuckstück. Als Sklavenhändler war ihm dieser Gegenstand nicht fremd. Befremdlich wirkte nur, dass ein solches Mittel auch in Morgeria genutzt wurde. Vor allem, weil sie keine eigene Variante davon nutzten, wie es schien. Die Ornamente auf dem silbernen Halsring glichen jenen vollkommen, die Darak aus seiner Zeit als Sklavenhändler aus Sarma gewohnt war. Er kannte die fein ins Metall gearbeiteten Bilder von Blitzen, die in alle Richtungen davon stoben. Einzig Lysanthors Sonnensymbol in der Mitte des Halsbandes der Züchtigung war durch ein faldorgefälligeres Symbol einer Fledermaus mit spitzen Zähnen ersetzt worden. Ansonsten bestand kein Zweifel darin. Es handelte sich um eines jener Halsbänder, die man widerwilligen, rebellischen Sklaven anlegte, um sie mit der Zeit entweder zu brechen ... oder zu töten. Jede Missetat, jeder Ungehorsam, den der Herr des Halsbandes mitbekam, forderte heraus, dass er einen Sterbebefehl gab. Dann zuckten Blitze durch den Körper des Unglückssklaven und versetzen ihm Schocks, die durchaus auch zum Tode führen konnten. Darak hatte viele Tode erlebt. Mancher Sarmaer Sultan stand in Grausamkeit den Dunkelelfen in nichts nach und viel zu oft hatten sie es übertrieben, ihre Sklaven zu strafen. Auf der einen Seite gut für's Geschäft - Darak gingen die Aufträge nach neuer Ware dadurch nicht aus. Auf der anderen Seite ... nun, jetzt befand er sich auf der anderen Seite. Ohne Zweifel war das Halsband für ihn bestimmt. Die Frage blieb, welcher Dunkelelf es mit der zugehörigen Schriftrolle auf sich prägen und somit Herr über Darak werden würde. Montgomreric als Oberhaupt seines dunkelelfischen Adelshauses? Seine Tochter Clodia? Rhiven?
"Clodia ... erweist du uns die Ehre?", fragte der Vater und nahm das Halsband auf dem Kissen entgegen. Er reichte es an seine Tochter weiter. Also sollte sie tatsächlich die Trägerin des Blitzwortes werden. Wenn sie "Stirb" sprach, würde Darak leiden...
Die Dunkelelfe nahm das Halsband der Züchtigung vom Kissen, hielt es in ihrer schlanken linken Hand, dass die Unheil verkündenden Ornamente darauf im Licht aufblitzten. Clodia lächelte mit gewisser, dunkler Vorfreude. Sie wandte sich dem Käfig zu. "Öffnet ihn, wenn ich das Zeichen gebe ... und dann seid schnell. Falls er doch flieh, tötet ihn augenblicklich."
Zwei dunkelelfische Wächter in voller Montur traten nach vorn. Wo kamen sie her? Unter all den Gästen waren sie nicht aufgefallen. Nun aber schluckten die schwarzen Rüstungen der Schattenkrieger jegliches Licht. Sie postierten sich links und rechts des Käfigs. Darak standen wohl Schmerzen bevor, bis man ihm das Halsband anlegte. In diesem Moment wisperte der Nachtelf an der Käfigseite erneut leise zu ihm: "Wehrt euch nicht", riet er. Offenbar wäre das Halsband das kleinere Übel? Der Sklave trug keines. Es war nicht nötig. Man hatte ihn bereits gebrochen.
Clodia klopfte mit dem Halsband an eine der Käfigstangen, um Daraks Aufmerksamkeit zu gewinnen. "Bereit?", fragte sie, wobei unklar war, ob sie wirklich den Gefangenen ansprach oder nicht doch die Wachen. Die nächsten Worte und die damit verbundene Wirkung war in jedem Fall für Darak bestimmt. "Lysanthors Blendwerk!". rief sie laut und hielt Darak ihre rechte Handfläche entgegen. Aus jener drang gebündeltes, magisches Licht, das selbst imstande war, durch seine geschlossenen Lider zu dringen. Es war so grell, so gleißend und schmerzhaft. Es blendete ihn und brannte in den Augen. Allerdings galt diese Wirkung nur für Darak, der als Ziel von Clodia auserkoren war. Die übrigen Zeugen ihrer Lichtmagie schirmten lediglich ein wenig die Augen ab, weil es leicht blendete. Einzig die Nachtelfensklaven duckten sich ängstlich. Licht war ihr größter Feind ... und Daraks Verhängnis.
Er sah nichts mehr, konnte nur noch hören, wie jemand den Käfig öffnete und anschließend wurde er grob an Armen und Beinen gepackt. Eine metallene Faust landete mit voller Wucht in seinem Schritt.
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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 1. Februar 2020, 13:07

Darak hatte sich bei seinem markigen Worten etwas aufgeplustert. Bei Lysanthors Eiern – er schämte sich nicht für seinen Körper, zumal er zumindest in den tieferen Regionen wohl durchaus einige Sehnsüchte bei den anwesenden Damen weckte. Diese Elfen hatten doch nur dünne, kümmerliche Würstchen! Er hingegen war selbst dann stattlich gebaut, wenn er auf einem kalten Käfigboden hockte. Allerdings hatte er nicht den Eindruck, dass er sich mit seinen Worten wirklich einen Gefallen getan hatte.

"Du hast ihn doch selbst gehört. Er fordert ein, sein ganzes Potenzial zeigen zu können. Er glaubt, es möge ihm nützen." Darak schnaubte und nickte nur. Seine Augen verengten sich zu schlitzen und er musterte die anwesende und kichernde Menge argwöhnisch. Was war daran jetzt bitteschön so verdammt lustig?! Er schielte kurz zu dem Sklaven neben ihn, doch solange die Aufmerksamkeit auf der Trophäe lag, rührte sich dieser keinen Millimeter. Darak konnte es ihm angesichts der soeben erlebten Szene mit der Dienerin nicht verübeln.

"Tatsächlich stimme ich der Trophäe sogar zu. Wir alle wollen doch ... das Bestmögliche zu sehen bekommen. Er soll seinen Willen haben!» Darak hätte am liebsten trotzig seine Arme ineinander verschränkt und kühl geguckt, aber das sein Knie ihn partout nicht tragen wollte, musste er sich nach wie vor an den Gitterstangen festklammern. »ich freue mich schon darauf, die Reue in seinem Blick zu finden, sobald die Erkenntnis ihn ereilt, was er hier aus freien Stücken gefordert hat.» Na, das klang abermals nicht sonderlich erbaulich. Darak suchte den Blickkontakt mit Rhiven, aber auch von dessen Mimik war nichts Brauchbares herauszulesen.

»Geschätzte Gäste, noble Herren, edle Damen - es ist seine Entscheidung! Er bietet sich uns an! Also erfülle ich in all meiner Großzügigkeit und mit reinem Herzen seinen Willen!" Nun kam plötzlich Bewegung in die Angelegenheit. Na, Darak Luthrokar sorgte eben immer für beste Unterhaltung – egal wo er aufkreuzte. Es aber gar nicht er, der einen Sturm der Begeisterung bei den Elfen auslöste, sondern ein mysteriöses Objekt auf einem Kissen, dass erst der Masse und danach dem Befreier präsentiert wurde.

«Scheisse». Murmelte Darak vor sich hin, als er das Schmuckstück des Grauens erkannte. Er wich etwas in seinem Käfig zurück, so gut es die engen Platzverhältnisse eben zuliessen. Darak hatte selbst noch nie so ein Halsband verpasst bekommen, aber er kannte natürlich die verheerenden Wirkungen aus seinem ehemaligen Berufsalltag. Die Vorstellung, direkt an seinen Halsschlagadern mit Blitzen eingedeckt zu werden, behagte ihm ganz und gar nicht. Er hatte schon gestandene und muskulöse Sklaven krampfen und schäumen sehen ab dem Effekt dieses Folterinstrumentes. Er selbst hatte es bei seiner Arbeit nie angewendet, da es sich besser für einen Sklavenbesitzer als einen Sklavenlieferanten eignete. Es diente mehr zur gezielten Abrichtung und Erziehung von widerspenstigen Sklaven. Ausserdem war es ihm immer viel zu teuer gewesen. Darum wurden sie auch nur bei speziellen Sklaven angewendet. Soweit Darak es erkennen konnte, handelte es sich um eine Standartausführung des Halsbandes. Einzig das Symbol von Lysanthor war entferntworden. Aber sicher konnte man sich bei Folterinstrumenten nie sein – viele Foltermeister modifizierten ihre Spielzeuge, um der damit verursachten Qual einen individuellen Note zu geben.

Darak blickte nervös in die Runde. Er wusste auf Erfahrung, dass das Überleben der Halsbandträger vor allem davon abhielt, dass es nicht auf einen impulsiven Besitzer geprägt wurde. Deshalb hoffte er inständig, dass dieser Kelch in seinem Fall an einen der männlichen Vertreter des Hauses Rasverath ging und nicht an die blutrünstige Clodia.

Aber wie es im Leben von Darak Luthrokar nunmal öfters der Fall war – er hatte Pech. Er schluckte leer, als er das diabolische Funkeln in ihren Augen erblickte. Bei den Göttern- früher hätte er sich vor Vorfreude an eine solch dominante Herrin kaum zurückhalten können – doch das hier war kein erotisches Spiel wie mit Vesta, bei dem er als devoter Part dauch immer auf seine Kosten kam. Das hier war echte Herrschaft, echte Dominanz. Er wurde zum Besitz dieser Frau und würde ihr ab sofort auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sein. Darak Luhtorkar – der einstige grosse Sklavenhändler, wurde selbst versklavt. Sicher, er hatte in seinem Leben schon einmal seine Freiheit eingebüsst, doch selbst in der Gefangenschaft, war er immer sein eigener Herr geblieben. Nun wiederfuhr ihm ein Schicksal, dass er selbst bei vielen anderen Personen besiegelt hatte. Clodia wurde damit die Macht zuteil, jeder Zeit auf seinen Körper oder seine Psyche zuzugreifen. Er konnte förmlich spüren, dass sie diesen Gedanken durchaus erregte – aber eben nicht auf jene lustvolle Art und Weise – zumindest nicht für ihn.

Darak war sich sicher, dass Clodia das Halsband ausprobieren würde – aus purer Lust an seiner Qual. Seine auserkorene Herrin liess sich nicht zweimal bitten und nahm das Halsband sofort an sich. Darak erkannte allmählich den Ernst seiner Lage. Das konnte nicht mehr Teil irgendeines Plans sein. Das war viel zu gefährlich! Diese Frau war durchaus in der Lage, ihm sofort das Licht auszuknipsen. Er war tatsächlich verraten worden! Clodia raunte irgend einen Befehl und plötzlich kamen schwergerüstete Soldaten auf ihn zu, die sich beim Käfig postierten. Sein Abgang hier im Saal würde nicht ohne Schmerzen verlaufen, dass stand bereits jetzt fest. Er kannte Herrin wie Clodia, sie würde die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, sich und ihre Macht über die Trophäe gebührend in Szene zu setzen.

"Wehrt euch nicht", Darak zögerte einen Moment. Vielleicht wäre es doch besser für ihn, genau dies zu tun und es jetzt hinter sich zu bringen. Einen schnellen – enttäuschenden Tod hinzulegen, vor den Augen seiner Feinde. Das war vielleicht nicht das Ende, welches er sich selbst immer erträumt hatte – er wollte schliesslich als alter Mann auf seiner Hühnerfarm friedlich einschlafen – aber möglicherweise war dieser unrühmliche Tod letztlich doch die bessere Variante als das, was immer da in den folgenden Tagen auf ihn zukommen würde. Doch Darak Luthrokar wollte und konnte nicht sterben. Nicht jetzt und so liess er den Moment verstreichen. Er blickte seine Herrin nervös an, als diese mit dem Halsband an die Käfigtüre klopfte. Ein Schaudern ging durch seinen Körper. Er wollte dieses Teil nicht umgelegt kriegen. Wollte dieses tödliche Metall nicht auf seiner Haut spüren. Sie überraschte ihn mit ihren pathetisch gerufenen Worten und da er sie nicht verstehen konnte, starrte er verdutzt auf ihre nackte Handfläche und wurde deshalb völlig von dem gleissenden Licht überrascht. Darak schrie vor Schmerz auf und versuchte zurück zu weichen. Seine Augen brannten wie Feuer und selbst wenn er versuchte sie zu öffnen, so umfing ihn nur gleissendes Rot. Er war geblendet. Daher war es ihm auch nicht möglich, bei dem direkt darauffolgenden Zugriff noch irgendwelchen Widerstand zu leisten. Er kämpfte lediglich gegen den Griff der Soldaten an, um seine Hände an seine schmerzenden Augen zu kriegen. Er brüllte auf, als sie auch seinkaputtes Bein packten und daran herumrissen. Schliesslich raubte ihm ein wuchtiger Schlag in sein Allerheiligstes jeglichen Atem. Er würgte gar und hätte er etwas im Magen gehabt, dann hätte er seiner Herrin zum Grusse direkt vor die Füsse gekotzt vor Schmerz. Er krümmte sich instinktiv zu einem Schmerzpaket zusammen um gab jegliche Gegenwehr auf, damit sie endlich aufhörten an ihm rumzuzerren. Angestrengt ächzte er, denn seine Augäpfel fühlten sich nach wie vor an, als würden sie jeden Moment in seinem Schädel explodieren und es quälte ihm, dass er seine Hände nicht gegen seine Augen pressen konnte. Er spürte wie seine Wangen nass wurden und wusste nicht, ob es sich nur um Tränen handelte, oder ihm die Augen ausliefen.

Oh bei den Göttern, er wünschte jetzt schon, dass das ganze bald schon vorbei sein würde. Doch weder hauchte er sein Leben aus, noch war es ihm vergönnt, sich in eine Ohnmacht zu flüchten. Sein Gehirn konnte noch nicht verarbeiten, was gerade mit ihm geschehen war. Er konnte nur erahnen, dass dieser schmerzhafte Prozess sich an jenem Ort, wo sie ihn gerade hinbrachten wohl fortsetzen würde, denn noch hatte seine Herrin ihm das Halsband nicht angelegt.

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Re: Maskenball der Finsternis

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 20. Februar 2020, 11:42

Ouh, der hat gesessen!, ging es Darak durch den Kopf und wäre der zentral sitzende Schmerz des Faustschlags nicht so massiv gewesen, hätte ihm auffallen können, dass es gar kein Gedanke seines eigenen Bewusstseins war. Vielmehr kommentierte jemand seinen Schicksalsschlag, während er oder sie von den Schmerzen verschont blieb. Sie. Die Stimme war weiblich, leider aber auch schon wieder im schmerzhaften Pochen untergegangen, ertrunken in den Wellen aus Pein, die über Darak hinweg schwappten.
Darüber hinaus konnte er aktuell nichts sehen. Er hatte direkt in Clodias Handfläche geschaut und in das Licht, das ihr entgleißt war. Eine dunkelelfische Lichtmagierin! Was kam als nächstes? Er konnte es sich denken, so wie die vielen Hände ihn packten und aus dem Käfig zerrten. Man zwang den blinden Darak in den Stand. Seine Knie brannten, aber nur nebensächlich. Der Schmerz lag eine halbe Etage höher. Wenigstens hielt die Pranken ihn auch aufrecht. Allein wäre er wohl unter all der Pein einfach zusammengeklappt. So zwang man ihn nun, standhaft zu bleiben.
Die versammelten Dunkelelfen konnten ihn alle sehen, bloßgestellt, nackt und aktuell leider wirlich vollkommen hilflos. Mit dem halbtauben Ohr hörte er Gelächter und Spott nur gedämpft. An sein gesundes Ohr wurden aber auch Worte herangetragen. Zu dumm, dass er kein Lerium beherrschte.
"Schaut ihn Euch an. Das soll der Befreier son Sarma sein?"
"Lachhaft! Wenn die Menschen auf der verfluchten Insel Belfa alle so sind, wird ihre Stadt einem zweiten Angriff nicht standhalten können. Unsere Soldaten werden ihre Frauen schänden, die Kinder versklaven und die Männer abschlachten."
"Ja, aber seht ihn Euch an. Was sagt es über den Erben der Rasveraths aus, wenn er sich damit brüstet, einen Krüppel überwältigt zu haben?"


Die hervorgerufene Blindheit des Lichtzaubers ließ langsam nach, als kühles Metall sich wie ein Schraubstock um Daraks Hals legte. Es fühlte sich unangenehm an und obwohl das Material dünn und somit recht leicht für ein metallisches Halsband war, so wog es schwer auf den Schultern des helmlosen Befreiers. Ja, das Gewicht seines Helmes oder die flauschigen Pflanzenfedern seines Huhns Cattie in den Fingern zu spüren wäre jetzt wesentlich beruhigender gewesen!
Langsam kehrte Daraks Sicht zurück. Zunächst erkannte er nur graue Schemen, ehe die Schatten immer kleiner wurden und nur noch als winzige Punkte oder Blitze vor seinem inneren Auge herum tanzten. Die Konturen schärften sich, Farbe kehrte ebenfalls langsam ins Spiel zurück und schließlich wurde aus dem tiefgoldenen Flecken Honig wieder das beeindruckende Haar Clodias Rasverath. Sie stand ihm gegenüber, scheute seine Nähe offenbar nicht, denn großer Abstand war nicht gegeben. Soeben reichte irgendein Nachtelfendiener ihr ein blutrotes Samtkissen, auf dem eine Schriftrolle lag. Ihr Lächeln entwuchs dem Harax.
"Geschätzte Gäste", verkündete sie und für Darak blieb ihre Ansprache wieder nur als unverständliches Kauderwelsch zurück. Wenigstens bekam er so Zeit, sich etwas zu besinnen, langsam umzuschauen oder andere kleine Handlungen zu begehen, die nicht weiter auffielen. Jegliche Versuche, sich loszureißen oder gar die Herrin vor ihm zu attackieren, zerschmetterten die Pranken, die ihn hielten, mit einem kräftigen Ruck oder Drücken gen Boden, das ihm schmerzhaft in die Knie zog.
"Die Magierinnen des Hauses Rasverath und ich forschen schon seit langem an der nächsten Generation Halsbänder der Züchtigung. Wir waren und sind stets bestrebt, das Beste aus unseren Sklaven herauszuholen und ist deren absoluter Gehorsam nicht genau das?" Eifriges Nicken und zustimmendes Gemurmel erhob sich, bis Clodia weitersprach. "Nein, sage ich! Der Gehorsam unter dem Halsband der Züchtigung bezieht sich bislang nämlich nur auf jenen, der die Prägung ausspricht und üblicherweise auf sich selbst ausrichtet! Das Haus Rasverath will einen Schritt weitergehen und so präsentiere ich hier und heute nicht nur die Trophäe meines geliebten Bruders" - Darak erhaschte einen Blick auf Rhiven. Dieser straffte die Haltung, dass seine Rüstung leischt rasselte. Aber zugleich verdrehte er auch die Augen etwas - "Ich biete euch allen viel mehr. Neue Innovation! Neue Ideen! Umgesetzt in schweißtreibender Arbeit, aber mit Erfolg und das auf Kosten unserer eigenen Dienerschaft. Wir haben ihnen zu Ehren einen kleinen Gedenkstein auf das Massengrab stellen lassen, in dem wir die vollkommen freiwillig angetretenen ... Tester beerdigt haben. Ihr Blut wurde natürlich dem Faldortempel gespendet, ihre Organe den orkischen Kasernenküchen." Diese Worte ernteten Applaus. Das Ansehen des Hauses hob Clodia mit ihrer Ansprache deutlich an. Sie lächelte triumphal, dann wandte sie sich Darak zu und brach das Siegel der Schriftrolle, mit der sie das Halsband auf sich prägen würde - wie alle es erwarteten.
"Ich präsentiere euch allen nun den Prototyp einer neuen Generation von Halsbändern der Züchtigung. Seht und staunt ... oh und verzeiht, dass selbst ich meine Zunge nun mit dem widerlichen Celcianisch beflecken muss. Der Träger versteht unsere Sprache gewiss nicht, muss die Worte aber hören und verstehen, um die Prägung zu vollenden."
Es wurde still im Saal. Einige der maskierten Elfen drängten sich etwas näher, dennoch blieb alles gesittet. Clodia winkte ihren Vater heran. Der alte Rasverath stützte sich unter einem erneuten Klonk auf seinen Gehstock. Dann streckte seine Tochter ihre Hand nach Rhiven aus, dass die Schleier ihres Gewandes aufbauschten. Sie ergriff seinen Arm und zog ihn heran. Rhiven stellte sich an ihre linke Seite, verzog aber keine Miene, als sie ihm den Unterarm tätschelte. Anschließend richteten sich aller Augen auf Darak Luthrokar.
Clodia lächelte ihm süffisant zu, entrollte das Pergament mit dem Prägungszauber und verlas jenen: "So wie sich die Worte in den Kopf des Trägers des Halsbandes der Züchtigung einprägen werden, um ihm Gehorsam einzuflößen, so soll dieser Zauber auch die Beteiligten binden. Sprecher, Träger und..." Ein Raunen ging durch den Saal. Jene, die den Prägungsspruch kannten, waren sich bewusst, dass immer nur vom Sprecher der Schrift und vom Träger des Halsbandes selbst die Rede war. Clodia räusperte sich. "So soll dieser Zauber auch die Beteiligten binden, Sprecher, Träger und ... Zugesprochene. Mit den magischen Worten und Formeln der Academia Rasverath präge ich, Clodia Rasverath, das Halsband der Züchtigung mit der Nummer 38 an..." Der ganze Saal verstummte. Jeder geladene Gast erwartete, dass Clodia nun sich selbst oder ihren Bruder nennen würde, um das Halsband und somit auch dessen Träger an ihn zu binden. Dass es noch stiller im Saal werden könnte, hätte vermutlich niemand gedacht. Aber dann vollendete die Dunkelelfe ihre Prägung und danach hätte man selbst noch die Kriegsschreie der Sterbenden vor Sarmas Mauern bis hierher wahrnehmen können. "... die noble Familie Rasverath."
Niemand sprach. Vermutlich hielt auch ein jeder die Luft an, denn nicht einmal ein Atmen war zu vernehmen. Dann zückte Clodia eine silberne Nadel und stach sich damit in den Finger. Sie ließ die kleine Blutperle, die sich an der Spitze bildete, über das Pergament streichen. Anschließend reichte sie es ihrem Vater weiter, der die Geste wiederholte. Rhiven kam als dritter dran. Sie banden sich. Sie banden sich alle an den Zauber. Mit Blut besiegelt wurde die Schriftrolle anschließend an einem der Kohlebecken verbrannt und ging in einer violetten Flamme auf, die mehrere Blitze an die Hallendecke schickte. Ein Raunen ging durch den Saal. Die Prägung war vollzogen und endlich kehrte Leben in die Geladenen zurück. Ihr Staunen ließ sich nur vermuten, trugen die meisten doch weiterhin ihre Masken und die Damen ihre Fächer vor den unteren Teil des Gesichts gehalten.
Clodia gemahnte sie alle erneut zur Ruhe, als sie beide Hände anhob. "Gemach, gemach, meine Herrschaften!", ließ sie verkünden. Noch immer sprach sie Celcianisch. Sie wollte, dass Darak es verstand. "Was sind schon Worte, wenn keine Taten folgen? Das Haus Rasverath hat nur die Hälfte präsentiert. Kommen wir zum spannenden Teil!" Und sie griff zu beiden Seiten nach den Händen ihres Bruders und Vaters. Clodia machte einen Schritt auf Darak zu.
Ihre Lippen formten sich zu einem aufgeregten Lächeln, ehe sie sich teilen. Hauchzart gab sie den ersten von drei Befehlen, denn auf ihr Wort hin folgte das des alten Rasveraths. Und daraufhin folgte die vertraute Stimme des Verräters.
"Stirb!"
"Stirb!"
"... Stirb."
Schmerz explodierte an Daraks Hals, als das Metall sich erhitzte und ihm gleich drei Blitze durch den Körper jagte. Drei genügten bei einem Halsband der Züchtigung, um dem Befehl Bedeutung zu geben. Drei mal ausgesprochen kostete es üblicherweise jeden Träger das Leben, weil die Intensität von Feuer oder Blitz den Hals so weit verschmorte, dass der Unglückselige erstickte, falls er nicht schon zuvor den Verletzungen erlag. Doch hier zeigte sich zu Daraks "Glück" der Preis für eine Prägung an gleich mehrere Personen. Die Kraft der Strafe war auch auf diese aufgeteilt und somit jeder Blitz, der seinen Körper durchfuhr, nur noch ein Drittel so stark wie angenommen. Zusammen schmerzten sie dennoch, vor allem der letzte, von Rhiven hervorgerufen. Er gab Darak den Rest. Seine Muskeln zitterten und sein Körper lechzte nach Vergebung. Die Pranken, die ihn hielten, mussten ihn nun tragen, denn nichts mehr an Darak wollte sich diesem Schicksal stellen. Kein Körperteil zumindest. Eine Stimme, die nicht seine eigene war, erhob sich erschreckt, aber auch verärgert in seinem Hinterkopf: Du wirst doch jetzt nicht aufgeben! Ich will noch nicht gehen, nicht schon wieder!


Daraks Lebensenergie sinkt auf:


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