Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Weit unter Morgeria befindet sich dieses geheime Tunnelsystem. Nur wenige kennen es und noch weniger finden jemals wieder heraus. Es sollen gefährliche Wesen den Untergrund bewachen, doch gesehen hat sie noch niemand.
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Kazel Tenebrée
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 23. Juli 2020, 23:33

Kazel setzte alles auf eine Karte - mehr oder weniger. Aber vom Flüchten hatte er genug. Außerdem war er immer noch viel zu erschöpft, als dass ihm ein derartiges Vorhaben geglückt wäre. Er gestand es sich vielleicht nicht ein, aber auch den Aufstieg den Schacht empor, wo der tumbe Ork lauerte, hätte er nicht mehr bewältigen können. Also versuchte er es mit einer Methode, die in Morgeria sicher unerwartet kam: Er riskierte Freundlichkeit. Nein! Nicht ganz, denn ohne offene Drohung kam auch Kazel nicht aus. Er riskierte es, nicht allzu feindselig zu sein und hoffte insgeheim, dass Goblin und Ork entweder Sklaven irgendeines dahergelaufenen Dunkelelfenhauses waren oder aber der Mittel- oder gar Unterschicht angehörten. Bei sämtlichen Optionen bestand immerhin die Möglichkeit, dass ein halbwegs netter Elf die Ausnahme darstellte und der laufende halbe Meter geneigt wäre, ihnen tatsächlich zu helfen.
Kazel wartete ab, ohne dabei offene Ungeduld zu zeigen. Selbst für ein Spielchen in diese Richtung reichte es ihm nicht mehr. Er wollte nur noch irgendwohin, wo es sicher war, um dann eine ganze Weile schlafen zu können. Sein Magen meldete sich glücklicherweise bislang nicht mit einem Hungergefühl. Das käme vielleicht noch, aber angesichts der noch immer anhaltenden Miefigkeit hier in den Kanälen kam bei Kazel nicht einmal Appetit auf. Er wartete eine Reaktion des Goblins ab und ... reagierte seinerseits auf dessen Starren, indem er langsam seine Hand vor den Schritt schob. Nicht, dass er sich hätte verstecken müssen. Immerhin hatte er bei Janay längst bewiesen, dass auch er ein ganzer Mann war! Naja, zumindest konnte er sich fortpflanzen und jetzt wollte er sowohl die Frucht seiner Lenden als auch deren Trägerin mit allen Mitteln beschützen. Aber auch seine Reserven waren begrenzt, gleichermaßen wie seine Nerven. Er kaufte dem Goblin Firlefitz das weinerliche Jammern ohne jeglichen Zweifel ab. Kazel hatte nie allzu viel mit dem kleinsten Volk seiner Heimat zu tun gehabt. Natürlich hatte er in seiner Jugend auch mal ein Spiel Goblinball verfolgt, aber wenn die Orks einem der kleinen Gesellen die Gliedmaßen brachen, sie zu einer Kugel formten und durch Tore zu beiden Seiten eines Spielfeldes schossen, konnte man das nicht als Kontakt mit seiner Art bezeichnen. Ebenso wenig, wenn Kazel sich in die Straßen geschlichen und mal bei einem goblinischen Koch eine Mahlzeit verspeist hatte. Nein, mit den Kurzen hatte er nie viel zu tun gehabt. So entging ihm auch Firlefitzes Schläue. Am Ende wollte er schließlich auch nur hier heraus.
"Unternimm, was du für nötig hältst", murmelte Kazel. Am liebsten hätte er Firlefitz gefragt, ob dieser ihn mit seinem geradezu primitivem Gebaren verspotten wollte. Aber er biss die Zähne zusammen. Vielleicht beherrschte der Goblins kein besseres Celcianisch und der Mischling wollte nicht unnötig provozieren. Er beobachtete den Winzling und sah auch einmal zum Schacht empor, ob der Ork der Aufforderung nachkam. Schließlich verstand er nicht wirklich, was Firlefitz gesagt hatte. Er glaubte allerdings, einige vertraute Worte herauszuhören. Nichts, was er direkt hätte übersetzen können, aber Worte, die er bei den wenigen Goblins in seinem Leben schon häufiger mitbekommen hatte. Er mutmaßte, dass es sich um irgendeine höfliche Anrede handelte. Oder einen Fluch, verpackt in eine freundlichere Tonlage. Was kümmerte es ihn, solange Firlefitz ihnen nur entgegen kam? Und wenn nicht, mache ich seine komische Maschine kaputt ... oder ihn. Ob Janay und ich uns durchringen können, Goblinfleisch zu essen, wenn es sein muss? Uff, Idiot, was denkst du da?! So verloren seid ihr beiden auch noch nicht!
Er blinzelte und schüttelte leicht den Kopf, auf der Suche nach innerer Ruhe. Als der Goblin ihn und Janay dann direkt ansprach, nickte Kazel. "In Ordnung. Firlefitz. Wir warten. Wenn es mir zu lange dauert..." Wieder überließ er es der Fantasie des Kleineren, was die Zukunft brächte. Kazel behielt den Blick auf Firlefitz, griff aber nach hinten. Er suchte nach Janays Hand. Sie hatte eben erst noch nach seinem Arm gefasst und die Nähe - selbst in aufgestiegener Sehnsucht nach einer weiteren Flucht ihrerseits - hatte ihm gut getan. "Wenn wir mit deiner Hilfe sicher an die Oberfläche kommen, Firlefitz, erhältst du von mir etwas von höchstem Wert für dich", versprach Kazel. Vielleicht motivierte es den Kleinen noch etwas mehr. Vielleicht verhinderte es, dass er die beiden Elfen in einen Hinterhalt lockte. Wer weiß, am Ende holte HauRuck nun weitere Orks, um sie oben dann auseinanderzunehmen. Aber weder er noch Janay besaßen etwas. Was also wollte der Mischling dem Goblin überlassen? Ich lasse dir dein Leben..., dachte er bitter, glaubte er doch des Gevatters Knochenhand an seiner Schulter oder war es nur eine kühle Brise? Bei Manthala und Lysanthor, er musste sich endlich erholen! Alle anderen Pflichten konnten ihn wieder einholen, wenn er in Sicherheit war und ausgeschlafen hatte.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. Juli 2020, 09:20

"Unternimm, was du für nötig hältst"
, murmelte Kazel. Er beobachtete den Winzling und sah auch einmal zum Schacht empor, ob der Ork der Aufforderung nachkam. Oben donnerte der massige Ork über den Boden, dass es hier unten nur so bebte. Wenigstens beeilte er sich. Kazel hatte die Worte des Goblin nicht wirklich verstanden. Er glaubte allerdings, einige vertraute Worte herauszuhören. Nichts, was er direkt hätte übersetzen können, aber Worte, die er bei den wenigen Goblins in seinem Leben schon häufiger mitbekommen hatte. Er mutmaßte, dass es sich um irgendeine höfliche Anrede handelte. Oder einen Fluch, verpackt in eine freundlichere Tonlage. Was kümmerte es ihn, solange Firlefitz ihnen nur entgegen kam?
Und wenn nicht, mache ich seine komische Maschine kaputt ... oder ihn. Ob Janay und ich uns durchringen können, Goblinfleisch zu essen, wenn es sein muss? Uff, Idiot, was denkst du da?! So verloren seid ihr beiden auch noch nicht!
Er blinzelte und schüttelte leicht den Kopf, auf der Suche nach innerer Ruhe. Als der Goblin ihn und Janay dann direkt ansprach, nickte Kazel.
"In Ordnung. Firlefitz. Wir warten. Wenn es mir zu lange dauert..."
Wieder überließ er es der Fantasie des Kleineren, was die Zukunft brächte. Etwas an Kazels Aussehen, seinem Blick oder seinem Gebaren jagte dem kleinen Mann ordentlich Angst ein. Wer darüber nachdachte Goblinfleisch zu essen, sah sicher nicht freundlich dabei aus. Kazel behielt den Blick auf Firlefitz, griff aber nach hinten.
"Wenn wir mit deiner Hilfe sicher an die Oberfläche kommen, Firlefitz, erhältst du von mir etwas von höchstem Wert für dich"
, versprach Kazel und tatsächlich weiteten sich bei dieser Aussicht die Augen des Gegenübers.
Ich lasse dir dein Leben...
, dachte er bitter, glaubte er doch des Gevatters Knochenhand an seiner Schulter oder war es nur eine kühle Brise? Vielleicht war es auch eben jene Kälte, die dem Goblin instinktiv seine eigene Endlichkeit vor Augen führte und Kazel für ihn so abschreckend darstellte. Janay war bekleidet, hatte fliehen wollen, also vermutete der Wicht in ihr keine Gefahr, was aus seiner niedrigen Perspektive sicher immer ein Fehler war. Kazel war einfach gerade der Ansprechpartner, der ihn gruselig ansah und Angst einjagte, als wäre der Tod selbst hinter ihm her.
„Firlefitz, beeilt sich! Eilt sich!“
Der Goblin sah gehetzt nach oben und schien zu beten, dass der dumme Ork diesmal alles richtig machte.
„Möge dein Arsch in der Sonne verschrumpeln, wenn er dich in der toten Ebene aussetzt, weil du wieder was falsch machst! Noch mal schaff ich es bestimmt nicht uns da raus zu holen!“
Er klang verzweifelt und ein bisschen wütend, als er die unverständlichen Worte hinauf rief, aber der Ork war wohl grade nicht da um sie zu hören. Verzweifelt klagen auch die nächsten Silben:
„Ich will weg von dem Kerl!“
Das Gekeife ging Kazel auf die Nerven, denn bei Manthala und Lysanthor, er musste sich endlich erholen! Alle anderen Pflichten konnten ihn wieder einholen, wenn er in Sicherheit war und ausgeschlafen hatte. Der Goblin beobachtete ihn stets aus dem Augenwinkel und dachte gerade angestrengt nach. Dann schien er ein bisschen Mut zu fassen und zeigte auf Kazels Schritt.
„Darf Firl...“
Was? Kazels Blick musste sich verändert haben, denn der Kleine stockte. Nein, er zeigte nicht auf Kazels männliche Auswüchse. Er deutete nun auf die Innenseite seines eigenen Unterarms.
„Darf Firlefitz im Licht sehen, dann kann er Zeichen erkennen und hohe Herrschaft vielleicht leichter nach Hause bringen... ohne Aufsehen! Weil doch nackt.“
Ok, er hatte das Zeichen an seinem Arm gesehen. Sicher gab es noch andere Familien, die ihre Kinder mit derlei Brandnarben zeichneten. Vielleicht hatte er noch nicht Kazels Haus erkannt, aber wohl, dass er zu einem der solchen gehörte. Nach Hause...
Allein der Gedanke musste merkwürdig wirken. Zu Hause... das versprach aber auch Schutz und Nahrung, ein Bett und … Verrat, Intrige und viele andere Unwägbarkeiten. Aber versprachen Morgerias Wege nicht einen schnellen sicheren Tod, wenn er nackt, ohne Schutz und ohne Namen durch die Straßen zog? Ihre Situation konnte sich durchaus noch verschlechtern und ein Blick auf Janay, auf ihre schönen, wenn gleich schmutzigen Züge, würde reichen um sie in vielen Gassen zum beliebten Opfer zu machen. Sollte sich Kazel nun hier offenbaren, das Zeichen seiner Familie nutzen oder fiel ihnen vielleicht doch noch ein anderer Weg ein?
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Janay » Freitag 31. Juli 2020, 17:27

Am liebsten wäre es Janay gewesen, wenn sie beide in der Dunkelheit eines der Gänge verschwunden wäre, bevor dieser kleine Knilch sie hatte sehen können. Doch da ihr Begleiter anderer Meinung war, war diese Gelegenheit vertan. Sie verstand es nicht und dennoch konnte sie es nicht ändern. Später, wenn sie die Gelegenheit hätte, würde sie ihn vielleicht nach seinen Beweggründen fragen.
Aber hier und jetzt war ihr das nicht möglich, da auch sie davon ausging, dass der Fremde Lerium verstand. Schließlich befand er sich in Morgeria und da er eine Arbeit zu haben schien, hatte sein Besitzer oder Auftraggeber bestimmt dafür gesorgt, dass er ihn auch verstand. Das allgemeine Celcianisch galt hier schließlich mehr als Notwendigkeit und wurde intern kaum gebraucht. Zumindest in ihrer Familie war es so gehalten worden...
Kazels Stimme holte sie aus ihren Gedanken, ehe sie zu tief darin versinken konnte. Er wollte sie beschützen, ja, nur... so recht glaubte sie nicht daran, dass er derzeit wirklich dazu imstande war. Auf der anderen Seite war ihre Angst jetzt auch nicht derart groß und lähmend wie zuvor, sodass sie sich im Gegenteil sogar relativ sicher war, sich selbst verteidigen zu können. Zumindest diesem kleinen Kerl gegenüber und zur Not auch seinem tumben Gesellen.
Schließlich war sie hier in ihrer Geburtstadt und könnte es mit betont herrschaftlicher Art womöglich schaffen, sich etwas Zeit zur Flucht zu besorgen, sollte das notwendig werden. Wenngleich sie hoffte, dass es nicht soweit kommen würde.
Trotzdem stellte sie sich nicht direkt neben den Mischling, sondern ein wenig hinter ihn, so, als würde sie ihm ihren Schutz tatsächlich zutrauen. Zwar hatte sie im Gegensatz zu ihm Kleidung am Leib, aber im Kämpfen war definitiv er der Erfahrenere. Sie könnte und würde höchstens ihr Mundwerk zur Verteidigung haben.
Bei ihrer neuen Position nutzte sie den Vorteil, dass der Goblin ihren linken Arm nicht sehen konnte, und legte ihre linke Hand zwischen Kazels Schulterblätter, um ein wenig Körperkontakt zwischen ihnen herzustellen. Damit wollte sie ihn spüren lassen, dass sie da war, wenn auch hinter ihm. Und gleichzeitig spürte sie dadurch auch seine Wärme, die ihr ein bisschen Halt zu geben schien. Herzensangelegenheiten konnten wirklich seltsame Blüten treiben...
Lautlos seufzte sie und konzentrierte sich wieder. Nach gefühlten Ewigkeiten reagierte der kleine Kerl vor ihnen, wenn auch auf eine Art, die das Misstrauen in ihr sofort hochkochen ließ. Ihre Augenbraue hob sich wie von selbst an und unbewusst straffte sie ihre Haltung, schon jetzt bereit dazu, mit betonter, dunkelelfischer Arroganz dafür zu sorgen, dass ihr Gegenüber sich noch kleiner fühlte, als er durch seine Körpergröße im Vergleich zu ihr tatsächlich war. Etwas, das sich erst einmal lediglich in ihrer Miene abzuzeichnen begann.
Es behagte ihr nicht, dass er vor ihnen zurück wich. Dabei wirkte er so, als wäre er drauf und dran, beim nächsten Atemzug ihr Verderben auslösen zu können. Einstweilen allerdings rief er nicht um Hilfe, zumindest hätte sie es nicht verstanden, wenn er es getan hätte.
Und danach biederte er sich ihnen fast schon etwas zu sehr an, um ihr Misstrauen nicht noch mehr zu steigern. Janay beschloss, weiter abzuwarten. Doch dann rief der kleine Kerl nach oben in einer Sprache, die sie nicht kannte. "Verstehst du das?", raunte sie ihrem Begleiter zu, während sie den anderen nicht aus den Augen ließ, weil sie ihm nicht traute.
Erst recht nicht, als er betonte, dass Hilfe kommen würde. Nein, in dieser Stadt durfte man nicht einmal dem niedersten Sklaven vertrauen! Sobald man ihm den Rücken kehrte, würde man es durchaus mit dem Leben bezahlen.
Anscheinend war er jedoch bislang nützlich genug, wenn sie die Worte des Mischlings richtig interpretierte. Dennoch konnte und wollte sie sich eine Bemerkung nicht verkneifen. Sie rückte dichter zu ihm heran, dass sie sich beinahe schon an seinen Rücken anlehnte. "Ich trau dem Knilch nicht.", wisperte sie so leise, dass er es hoffentlich gerade noch verstehen konnte. Sie wollte und würde nicht lauter sprechen, um nichts unnötig zu riskieren.
Ohnehin lenkte er sie ab, als er nach hinten griff. Janay spürte es mehr, als dass sie es sah, weil sie den Goblin nicht aus den Augen ließ, aber sie begriff instinktiv und schloss ihre Finger um die seinen. Fest und froh über diesen Kontakt, der diesmal von ihm ausging.
Dann allerdings sagte Kazel etwas, das selbst sie irritierte. Er wollte dem Kleinen eine Belohnung geben? Und was?! Auch ihr war bewusst, dass sie nichts außer sich selbst hatten, und sie glaubte kaum, dass er sie als Ware betrachtete. Nein, so jemand war er nicht, das hatte sie inzwischen begriffen. Trotzdem verbiss sie sich die Frage, um ihrer beider Position nicht zu schwächen.
Jedoch schien es zu wirken, warum auch immer, zumindest bemühte der Kleine sich, sie mit Worten gnädig zu stimmen. Die Frage war nur, ob er sie nicht doch noch herein legen würde... Umso mehr erstaunten sie die folgenden Worte, die sie wieder verstehen konnte. Ihre Augenbraue wanderte noch weiter nach oben, während ihr Blick sich senkte und sie nach dem Zeichen sah, das der Fremde entdeckt hatte.
Ihr war es hingegen noch gar nicht recht aufgefallen. Und selbst wenn, war es fraglich, ob sie es als solches hätte erkennen und zuordnen können. Schließlich war ihr Kontakt zu anderen Familien außerhalb ihrer unmittelbaren Nachbarschaft sehr beschränkt gewesen. Außer, es würde sich um ein so hoch angesehenes Haus handeln, dass sie im Unterricht davon hatte hören müssen... oder von ihren Eltern, wenn es um Handels- oder mögliche Ehepartner gegangen wäre.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 1. August 2020, 23:14

In einer Sache hatte Janay Recht: Kazel war der erfahrenere Kämpfer von beiden und das nicht erst, seit dieser dunkelelfische Heerführer ihn mit seinen ... Modifikationen zu einer Tötungsmaschine der dunklen Armee hatte machen wollen. Auch vorher schon hatte Kazel sich zumindest passabel wehren können. Vor allem, wenn er aus dem Hinterhalt einiger Sträucher der Stillen Ebene mit seinen verbliebenen Wurfsternen einem einsamen Wanderer oder einem Kaninchen hatte auflauern können. Im Werfen dieser gezackten Metallscheiben hatte er stets großes Geschick gezeigt. Auch mit einem Dolch ließe sich noch etwas Wehrhaftigkeit aus Kazel herausholen. Dann hörte es aber auch auf. Seine Mutter, die Dunkelelfe Preia, hatte sich oft genug negativ über sein mangelndes Talent ausgelassen, mit dem er das Schwert schwang. So käme er nie in die dunkle Armee, würde nie ein wahrer Schattenfürst sein.
Das letzte Quäntchen an Hoffnung hatte Kazel dann gesprengt, als seine Haut wie unter zu viel Sonne gepellt hatte und er blasser geworden war. Danach war ohnehin nichts mehr so gewesen wie er es gekannt hatte. Nichts, woran er sich jemals wieder erinnern wollte und doch stand er nun hier, in Morgeria. Er befand sich wieder näher an seinem alten Zuhause als ihm lieb war. Viel zu nahe. Und er spürte die Erinnerung der Folter im Keller fast so die Peitschenhiebe, die zu jener Zeit auf seinen Rücken niedergeprasselt waren. So zuckte er zusammen, als Janays Finger sich zwischen seine Schulterblätter legten. Diesen einen Moment des inneren Schreckens mochte vielleicht auch der Goblin gesehen haben. Kazel hielt die Luft an, spannte seine Rückenmuskulatur an. Janay konnte unter ihren Fingern nicht nur das weiße Blitzgewitter alter Narben unter ihren fingern sehen, sondern auch fühlen. Kazels Rücken besaß Dutzende schlecht verheilter Striemen. Die Furchen der Narben erinnerten an einen wild gewordenen Ackergaul, der wahllos seinen Pflug über den Rücken des Mischling gezerrt hatte. Glücklicherweise schien keine der Narben aktuell aufgerissen. Sie mochten den Rücken teils mit einer Art Hornhaut aus abgestorbenem und verfestigtem Gewebe etwas taub für äußerliche Berührungen gemacht haben, aber nicht gänzlich unempfindlich. Im Gegenteil! Zu viel Druck gegen seinen Rücken konnte ihn auch heute noch in die Bewusstlosigkeit treiben. Seltsam, dass Raxtian Tausendtod und seiner verflixte Gehilfin Juduka das Problem nicht behoben hatten. Aber vielleicht war nicht einmal Juduka mit ihrer Lichtmagie dazu in der Lage gewesen. Sie hatte es ja versucht! Sie hatte einige Narben Kazels verblassen, wenige sogar verschwinden lassen. Nur so war er überhaupt in der Lage gewesen, Janay aufsitzen zu lassen und ohne Schmerzempfinden die Kletterpartie zu wagen. Doch noch immer ließen sich genug der weiß gezackten Furchenblitze auf seinem Rücken finden. Würde der Goblin das sehen, hätte er vielleicht deutlich weniger Angst vor Kazel, denn Narben verpasste man nur Sklaven.
Solange der Mischling sich aber mit all seiner natürlichen Pracht vor Firlefitz aufbaute, solange schienen sie sicher. Auch wenn es Kazel nicht gefiel, dass der kleine Geselle den Blick über seinen Körper wandern ließ. Letztendlich wäre es ihm aber lieber gewesen, das Kerlchen hätte sich stundenlang am Anblick seines Schritts ... ergötzt? Besser, als dass er das Hautbild an seinem rechten, inneren Handgelenk sah. Leider hatte er es trotzdem entdeckt.
Zum zweiten Mal spannte Kazel sich an und im selben Herzschlag stieß er unter einem beinahe gebellten "Nein!" die Luft durch die Nase aus. Außerdem machte er einen kleinen Schritt rückwärts, so dass sein gesamter Körper dicht gegen Janay rückte. Seltsam, wie er auf ihre Frage reagierte, ob er all die Sprachkünste des Goblins verstand. Denn darauf hatte Kazel gar nicht geantwortet, aber jetzt meinte er es gar nicht. Ansonsten hätte er Janay zugestehen können, wenigstens so viel Krz'ner zu verstehen, um zu wissen, dass Firlefitz seinen Kumpanen oben einen Arsch genannt hatte ... oder so ähnlich.
Nein, die Frage nach seinem Hautbild - seinem Familienzeichen - hatte ihn mehr als bestürzt. Es hatte ihn erschreckt und sofort jegliche Erinnerungen an die letzten Momente im hohen Haus der Tenebreés aufkommen lassen. Die Zeremonie, die ihn zu einem der ihren gemacht und ihn von seiner Folter befreit hätte. Die Aufgabe, der er sich hatte stellen müssen: der Mord am eigenen, waldelfischen Vater. Die Bitterkeit, als es geschehen war, gefolgt vom Entschluss, aus Morgeria zu entkommen. Weg nur von der Familie, die ihn zum Mörder gemacht hatte. Die ihm gezeigt hatte, dass es nicht viel brauchte, um auch die eigene Mutter zu töten. Es war leicht gewesen, weil sie geschlafen hatte. Aber Tante Starle mochte noch am Leben sein. Wer weiß, was inzwischen geschehen war. Suchen lassen hatte sie ihn wohl nicht oder aber er war nie gefunden worden. Immerhin hatte seine Flucht erst in der Stillen Ebene geendet. Das war Jahre her. Und trotzdem kam ihm die Zeit viel zu kurz vor, als dass er sich seiner Familie wieder widmen wollte. Selbst dann nicht, als ein Funke Neugier in ihm aufkeimte. Ja, Tante Starle Tenebrée, Schwester seiner Mutter. Was mochte aus ihr geworden sein und aus den anderen Verwandten, mit denen er so wenig Kontakt gehabt hatte, dass ihm keiner der Namen mehr geläufig war. Ob das Haus Tenebrée überhaupt noch existierte?
Er könnte es herausfinden. Eine Frage an den Goblin genügte. Zwar waren die Tenebrées nie eines der bekanntesten oder am meisten angesehenen Häuser der Dunkelelfen gewesen, aber auch keines, das nur ein Schattendasein in Morgeria geführt hatte. Dazu waren sämtliche Mitglieder, außer ihm, stets zu ehrgeizig gewesen, dem dunklen Herrscher zu gefallen. Sie hatten schon immer versucht, in höhere Adelsränge aufzusteigen. Ob Starle es ohne ihre Schwester und das missratene Kind von einem Mischling gelungen war? Ja, ein bisschen Neugierde schwelte in Kazel, doch seine Furcht trat die glimmenden Kohlen mit festem Lederstiefel aus.
Langsam atmete er durch. Es gelang ihm nicht, seine Stimme zu festigen. Er schaffte es lediglich, den rechten Arm nun auch noch hinter seinen Rücken zu schieben. Janay hatte perfekte Einsicht auf das Hautbild, aber es war verblasst und ebenfalls mit Narben versehen. Ganz so, als hätte jemand versucht, es zu entfernen und war gescheitert. Das Wappen der Tenebrée zeigte nun einen von drei länglichen Kratznarben durchzogenen schwarzen Kreis, in dem ein zu gräulichem Schein verlbasster Sichelmond zu finden war. Vielleicht kannte Janay das Wappen, vielleicht auch nicht. Das kam wohl darauf an, in welchen Kreisen sie sich selbst bewegt hatte. Außerdem müsste sie sich auch hier die Narben wegdenken, wenn sie es wirklich erkennen wollte.
Kazel hingegen hatte andere Sorgen, als über das Aussehen seines Hautbilds nachzudenken. Auch wenn seine Sorge die Tätowierung selbst betrafen, so musste er nun eine Ausrede für den Goblin finden. Eine, die man ihm auch abkaufte. Außerdem musste er entscheiden: Das Anwesen der Tenebrées aufsuchen oder nicht? Nun, diese Frage war schnell geklärt. Meine Familie hat mich schon damals als verdorben angesehen, missraten durch meine Haut. Daran hat sich nichts geändert. Und wenn Starle noch lebt und ahnt, wer Mörder ihrer Schwester war ... nein, das Risiko ist zu groß. Wir finden auch irgendwo in der Gosse einen Unterschlupf. Wir müssen.
Kazel sah eine höhere Gefahr darin, Janay und sich der eigenen Familie auszusetzen als finsteren Strauchdieben, lüsternen Obdachlosen oder aggressiven Orks, die einen zu viel getrunken hatten. Vielleicht war es auch einfach nur Angst. Er nickte nur auf Janays leisen Hinweis. Auch er traute dem Goblin nicht. Im Moment war Firlefitz aber ihre einzige Option, hier herauszukommen. Weiter in den Kanälen, unter denen dieses unheimlich Maulwesen lebte, wollte er auch nicht bleiben.
"Mein Zuhause ist keine Option, Goblin", versuchte Kazel so kalt wie möglich herüber zu kommen. Dieses Mal gelang es ihm nicht mehr. Wie sollte er auch als arroganter Dunkelelf auftreten, wenn die blanke Angst ihm in den Knochen brannte? "Aber du kennst sicherlich einen anderen Unterschlupf. Man behauptet ja, Goblins sind klug." Ja, schmier ihm Honig um's Maul. Vielleicht hilft das. Eine Alternative wäre ... Kazel sah über die Schulter herüber. Sein Blick war fragend. Er sprach leise, wollte es so aussehen lassen, als holte er sich von Janay das Einverständnis für sein Vorhaben ein. Stattdessen fragte er sie: "Du kommst doch sicher auch aus Morgeria. Was ist mit deiner Familie? Bestehen Chancen für eine sichere, nicht tödliche Unterkunft?" Gerade die letzten Worte wisperte er nur noch, um dem Goblin nicht zu viele Informationen zukommen zu lassen, falls der auch noch Lerium verstand. Aber er musste es fragen und Janay gleichzeitig damit offenbaren, was er im Haus seiner Verwandten erwartete.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. August 2020, 11:23

"Nein!"
Der Goblin wich fast genauso erschrocken zurück wie Kazel es gerade tat. Die Frage nach seinem Hautbild - seinem Familienzeichen - hatte den Mischling mehr als bestürzt und sein Gegenüber zog darauf hin erst einmal überrascht die Brauen in die Höhe.
Tante Starle mochte vielleicht noch am Leben sein. Wer wusste schon, was inzwischen geschehen war oder wie die politische Lage in Morgeria aussah. Das war alles Jahre her. Und trotzdem kam ihm die Zeit viel zu kurz vor, als dass Kazel sich seiner Familie wieder widmen wollte. Selbst dann nicht, als ein Funke Neugier in ihm aufkeimte. Ja, Tante Starle Tenebrée, Schwester seiner Mutter. Was mochte aus ihr geworden sein und aus den anderen Verwandten, mit denen er so wenig Kontakt gehabt hatte, dass ihm keiner der Namen mehr geläufig war. Ob das Haus Tenebrée überhaupt noch existierte?
Er könnte es herausfinden. Eine Frage an den Goblin genügte. Zwar waren die Tenebrées nie eines der bekanntesten oder am meisten angesehenen Häuser der Dunkelelfen gewesen, aber auch keines, das nur ein Schattendasein in Morgeria geführt hatte. Dazu waren sämtliche Mitglieder, außer ihm, stets zu ehrgeizig gewesen, dem dunklen Herrscher zu gefallen. Sie hatten schon immer versucht, in höhere Adelsränge aufzusteigen. Ob Starle es ohne ihre Schwester und das missratene Kind von einem Mischling gelungen war? Ja, ein bisschen Neugierde schwelte in Kazel, doch seine Furcht trat die glimmenden Kohlen mit festem Lederstiefel aus.
Langsam atmete er durch. Er schob den rechten Arm nun auch noch hinter seinen Rücken. Janay hatte perfekte Einsicht auf das Hautbild, aber es war verblasst und ebenfalls mit Narben versehen. Ganz so, als hätte jemand versucht, es zu entfernen und war gescheitert. Das Wappen der Tenebrée zeigte nun einen von drei länglichen Kratznarben durchzogenen schwarzen Kreis, in dem ein zu gräulichem Schein verblasster Sichelmond zu finden war. Vielleicht kannte Janay das Wappen, vielleicht auch nicht.
Da die Mutter seines Kindes in einer mittelständigen Handelsfamilie entstammte, deren Mutter eine Wahrsagerin war, hatten sie wenig Kontakt zu den Adelhäusern gehabt und Janay hatte nur das gelernt, was sie zur gehobene Heiratszwecke vielleicht gebrauchen hätte können. Doch bei ihrer Flucht war sie 13J. gewesen und hatte sicher für derlei Dinge noch wenig Interesse gehabt, zumal ihr Vater ihr noch eine schallende Ohrfeige für ihr grad erwachte Koketterie gegeben hatte. Mit 16J. war sie schon fern der Heimat eine angehende Prostituierte gewesen, die selbstständig und mutig ihr Leben bestritt. Janay hatte sich bis jetzt nicht seines Nachnamens als adelig erinnert, also tat es sicher auch sein Wappen nicht. ...und doch war er es.
Kazel hingegen hatte andere Sorgen, als über das Aussehen seines Hautbilds nachzudenken oder die Heraldik, die dahinter steckte. Auch wenn seine Sorge die Tätowierung selbst betrafen, so musste er nun eine Ausrede für den Goblin finden. Eine, die man ihm auch abkaufte. Außerdem musste er entscheiden: Das Anwesen der Tenebrées aufsuchen oder nicht? Nun, diese Frage war schnell geklärt. Kazel sah eine höhere Gefahr darin, Janay und sich der eigenen Familie auszusetzen als finsteren Strauchdieben, lüsternen Obdachlosen oder aggressiven Orks, die einen zu viel getrunken hatten. Vielleicht war es auch einfach nur Angst vor seiner Vergangenheit.
"Ich trau dem Knilch nicht."
Er nickte nur auf Janays leisen Hinweis. Auch er traute dem Goblin nicht. Im Moment war Firlefitz aber ihre einzige Option, hier herauszukommen. Weiter in den Kanälen, unter denen dieses unheimlich Maulwesen lebte, wollte er auch nicht bleiben.
"Mein Zuhause ist keine Option, Goblin"
, versuchte Kazel so kalt wie möglich herüber zu kommen. Aber allein das Wort: „Zuhause“ Verriet, dass er eben ein solche hier sein Eigen nannte und eben doch kein Sklave war. Ein Sklave hätte nicht von einem Zuhause geredet, eher von dem Anwesen seines Herrn.
"Aber du kennst sicherlich einen anderen Unterschlupf. Man behauptet ja, Goblins sind klug."
„Der Schlauste! Und ihr verbergt was.“
Der Goblin machte einen Kratzfuß, da er sich der Worte anscheinend geehrt fühlte. Kazel sah dabei schnell über die Schulter herüber und fragte Janay:
"Du kommst doch sicher auch aus Morgeria. Was ist mit deiner Familie? Bestehen Chancen für eine sichere, nicht tödliche Unterkunft?"
Gerade die letzten Worte wisperte er nur noch und die großen Ohren des Goblin zuckten bei seiner leisen Flüsterstimme neugierig. Er machte sogar wieder einen Schritt nach vorne und schien sich langsam in der Gegenwart des seltsamen Paars etwas sicherer zu fühlen. Er murmelte:
„Merkwürdig... sehr merkwürdig... suspekt, könnt man meinen...
Firlefitz ist schlau und Firlefitz ist Mechaniker, der viele viele gute Verstecke kennt, auch wenn Firlefitz nicht versteht, warum hohe Herrschaft nicht nach Hause will. Oh... Verzeiht Firlefitz, geht das nichts an!“
Er machte noch einen Katzbuckel und duckte sich instinktiv, als befürchtete gleich geschlagen zu werden. Dann rieb er sich nachdenklich die Stirn und hatte ein paar Ideen, die er auch gleich eifrig kund tat. Er sprach schnell und eilig:
„Wo kann ich sie gefahrlos für mich los werden...?
Firlefitz kann euch zu Sklavenmarkt bringen. Da euer Aussehen ganz normal, wenn Wappen abgedeckt. Nackte Sklaven nichts besonderes und ihr da euch sauber machen könnt. Quartiere nicht doll schön, aber schlafen geht, wenn auch etwas gefährlich, wenn entdeckt.
Wo sind sie halbwegs in Sicherheit, so dass sie sich nicht später rächen wollen?
Oder ich bring euch zu „rotem Lampion“, da ihr bei den „Jennys“ liegen könnt, warm und kuschelig, wenn Geld habt. Euch raten von Palast, Kaserne, Heerhaus oder Gasthaus und Stadttor fern zu halten! Da Soldaten. Oder … ober steter Gott Faldor euer Blut anbieten, dann er auch gutes Versteck für Elfenherrschaften. Sonst Firlefitz euch nur unterirdische Anlagen kennt. Viel Wege hier, viel Verstecke, aber nicht für hohe Herrschaften.“
Er schüttelte voller Überzeugung vehement den Kopf.
„Selbst Firlefitz immer nur kurz unter der Oberfläche für Arbeit an Brunnenpumpen. Tiefer sehr seeehr gefährlich! Nicht hingehen, sonst nie wieder kommen! Wohnviertel sicherer! Firlefitz kann euch auch zu ...“
Oben rumpelten Schritte näher und ein neues Seil wurde herunter geworfen.
Tatsächlich war es aber dieses Mal oben wohl irgendwo fest gemacht, denn es rollte sich nicht wie das letzte gleiche einer Schlange am Boden zusammen.
„Fertigmache! Ziehen?“
, erklang es von oben. Der Goblin sah zu Kazel und Janay und fragte:
„Wollen Herrschaften zu erst? ...oder darf Firlefitz Hauruck erst erklären, dass Herrschaft Hilfe braucht? Hauruck manchmal etwas... dumm und schnell mit Fäusten. Wenig Hirn in harte Schale.“
Am unteren Ende des Seils baumelte eine kleine Holzscheibe auf die man sich stellen oder setzten konnte, während der Ork einen den Brunnenschacht hoch zog, so wenn man den wollte. Ließ Kazel den Goblin zu erst gehen?
„Ich könnte sie auch einfach hier unten einsperren und die Wachen rufen...
Hauruck warte noch. Bin gleich bei dir.
Herrschaften sich gut festhalten. Schaukelt.“
Der Goblin machte ein zwei kleine Schritte auf das Seil zu.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Janay » Montag 3. August 2020, 11:02

Auch die junge Frau hatte gelernt, sich zu verteidigen, und das schon ungezählte Male anwenden müssen. Allerdings hauptsächlich mit ihrem Mundwerk und ihrer Haltung, ohne wirklich handgreiflich geworden zu sein. Trotzdem würde sie es vermutlich nun tun, wenn es notwendig wäre, dass sie beide überlebten. Wobei sie sehr hoffte, dass das nicht von ihrer Seite aus notwendig werden würde.
Ihr reichte längst, was sie seit ihrem unvermittelten Auftauchen in dem Höhlensystem unter ihnen passiert war. Jetzt würde sie etwas Ruhe und Sicherheit durchaus zu schätzen wissen. Bis es jedoch soweit wäre, sofern es an einem Ort wie diesem überhaupt je dazu kommen könnte, musste sie stark bleiben.
Dabei wollte sie ihren Begleiter auch berühren, ihm zu spüren geben, dass sie da war. Dennoch hatte sie nicht mit seinem Zusammenzucken gerechnet, als sie leicht ihre Hand auf seinen Rücken legte. Irritiert und auch leicht erschrocken sah sie ihn an und warf dann einen raschen Blick auf seine Rückseite.
Nein, eine tiefere Wunde konnte sie weder sehen, noch austretendes Blut spüren. Warum also hatte er so auf ihre Hand reagiert? Die Frage beschäftigte sie, aber sie würde sie nicht in dieser Situation stellen, ganz gleich, wie es um ihre Geduld bestellt war.
Stattdessen ließ sie ihre Hand wieder sinken, besonders, als er seine Muskeln anspannte, und überlegte, wie sie ihn sonst fühlen lassen konnte, dass er nicht allein diesem Winzling gegenüber stand. Anscheinend war ihm diese Variante eher unangenehm als hilfreich gewesen.
Janay war noch zu keiner Lösung gekommen, als der Goblin das Zeichen entdeckte und auch ihre Aufmerksamkeit darauf lenkte. So war sie ebenfalls unvorbereitet auf Kazels Abwehrreaktion. Das eine Wort, das er entschlossen ausstieß, ließ sie aufsehen, während sie instinktiv ihre freie Hand auf seine Schulter legte. Gleichzeitig wich sie nicht zurück, sondern bildete eine Art Barriere, gegen die er drückte, um ihn aufzufangen.
„Sch… alles gut…“, entkam es ihr beruhigend und ohne näher darüber nachzudenken. Was auch immer ihn gerade aufwühlte, sie wollte es wissen, doch erst zur rechten Zeit. Im Moment war es wichtiger, ruhig zu bleiben und einen klaren Kopf zu behalten.
Deswegen auch löste sie ihre Hand von seiner Schulter, als er seinen zweiten Arm in ihre Richtung streckte, und ergriff diese Hand ebenfalls. Wenngleich dieses Mal nur, um sie kurz zu drücken und ihn dann hier wieder loszulassen. Einfach, damit er handlungsfähiger blieb, sollte die Situation es erfordern.
Daran, sich sein Zeichen nun näher anzusehen, dachte sie nicht. Sie hatte es auf den ersten Blick nicht erkannt und zu mehr fehlte ihr die Konzentration. Somit musste auch dieser Punkt warten.
Also ließ sie ihn erneut die Führung übernehmen und hörte zu, während es hinter ihrer Stirn arbeitete. Dieser Knilch vor ihr wurde ihr mit jedem Mal, bei dem er vor sich unverständlich hin murmelte, suspekter. Der hatte etwas vor und das wäre kaum gut für sie beide, davon war sie überzeugt.
Umso mehr überraschte sie die Frage des Mischlings. Ihre Miene verfinsterte sich einen Moment lang. „Es gibt schlimmeres als den Tod.“, nuschelte sie, ohne Anspielung auf seine Vergangenheit, von der sie kaum etwas wusste.
Trotzdem warf seine Frage Gedanken in ihrem Kopf auf, die durcheinander wirbelten und ihr sogar leichten Schwindel verursachten. Ja, es gäbe eine Möglichkeit, nur… die war äußerst riskant. Sie könnte ihren Tod oder Folter bedeuten… oder einen Unterschlupf für ein paar Stunden, in denen sie zumindest zu Kräften kommen könnten. Obwohl es ihr bei weitem lieber wäre, sie müssten diesen Ort nicht einmal in Erwägung ziehen!
Dann begann allerdings der Goblin los zu sprudeln und allmählich festigte sich in der jungen Frau der Entschluss, dass ihre Option wahrscheinlich die Beste wäre. Und das sorgte dafür, dass sich in ihrem Bauch ein Knoten bildete, der ihr Übelkeit zu verursachen begann.
Also ließ sie ihn plappern und streckte sich, um mit ihren Lippen direkt bei Kazels Ohr sein zu können, um noch leiser zu sprechen. „Ich habe eine Idee, aber sie ist gefährlich. Es kommt auf deinen Namen an, den Rest erledige ich. Wir brauchen nur Kleidung für dich und müssen sauber sein. Dann haben wir ein paar Stunden… hoffe ich…“, wisperte sie und konnte nicht verhindern, dass die letzten beiden Worte selbst für sie kaum noch hörbar waren. Sie hatte Angst vor diesem Schritt und war dennoch überzeugt davon, dass es der einzige Ausweg war.
Wenngleich mit einer Einschränkung… „Der Knilch darf uns nur nicht verraten.“, fügte sie warnend hinzu und löste sich von ihrem Begleiter.
Ihr Blick war fest auf den Goblin gerichtet, dessen Haltung sich für sie verändert hatte. Zwar konnte sie es nicht beschreiben oder sonstwie in Worte fassen, doch war sie der Überzeugung, dass er etwas ausheckte. Was sie auf jeden Fall verhindern wollte, indem sie rasch ausschritt und die Distanz zu dem Seil überbrückte, ehe der Kleine es tun konnte.
Sofort griff sie danach und schenkte ihm ein unschuldig-verführerisches Lächeln. „Mir wird die Luft hier unten langsam zu schwer und werde zuerst gehen. Oben kann ich bestimmt besser atmen.“, säuselte sie, um den Beschützerinstinkt in ihm zu wecken, so, wie sie es durchaus schon öfter bei Männern getan hatte. Nur mit dem Unterschied, dass er dafür nicht bezahlen würde… zumindest nicht so, wie sie es bislang verlangt hatte.
Ohne auf seine Erlaubnis oder Zustimmung zu warten, stellte sie sich auf die Holzscheibe und hielt sich vorsorglich mit beiden Händen fest. Dann sah sie zu Kazel und versuchte ihm dabei zu zeigen, dass sie ihm vertraute.
Was blieb ihr auch anderes übrig? Sobald sie hochgezogen wurde, würde er dafür sorgen müssen, dass dieser Knilch nichts hoch schrie, das ihr Verderben wäre. Dennoch war sie der Meinung, dass es so rum besser wäre, sonst könnte der Kleine noch auf die Idee kommen, sie hier unten versauern zu lassen. Oder schlimmeres…
Außer er hatte gelogen und oben würde nicht nur sein Ork auf sie warten. Aber dann wäre es so oder so zu spät für sie beide.
Also nickte sie dem Goblin zu und schenkte ihm erneut ein Lächeln, das schon so manchen Mann in ihre Arme gelockt hatte, bereit, endlich hochgezogen zu werden.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 3. August 2020, 19:59

Janay traute dem Goblin nicht und auch in Kazel wuchs die Skepsis, vor allem weil Firlefitz zunehmend in seiner goblinischen Sprache vor sich her murmelte. Er hätte alles sagen können, aber man bezog schnell etwas auf sich selbst, wenn man die Sprachen icht kannte. Und man vermutete ebenso schnell, dass es etwas Negatives war. Im Augenblick schien es jedoch nicht verkehrt zu sein, die Gutgläubigkeit etwas herunter zu schrauben, immerhin befanden Kazel und Janay sich in Morgeria. Genauer gesagt, noch unter Morgeria. Aber der simpel gestrickte Ork brachte endlich ein zweites Seil. Außerdem hatte er verstanden, dass er es dieses Mal vorher festbinden oder halten sollte.
Kazel beobachtete, wie die flache Standscheibe den Boden erreichte, als wartete sie nur darauf, dass jemand sie mit seinem Körpergewicht belastete. Für den Bruchteil einer Sekunde blitzte ein Bild vor den inneren Augen des Mischlings auf, auf dem Firlefitz sich auf die Scheibe setzte, das Seil zwischen die Beine beklemmt und anfing zu schaukeln, bis er hochgezogen wurde. Hastig blinzelte er und verbannte das Gedankenspiel in die hinterste Ecke seines Verstandes. So ablenkend und erheiternd das Bild auch war, er durfte sich dessen nun nicht hingeben. Wenn Janay und er irgendwo in Sicherheit wären, könnte er darauf zurückgreifen und aus einem dadurch hervorgerufenen Schmunzeln vielleicht sogar neue Kraft schöpfen. Für die aktuelle Situation war es keineswegs hilfreich.
Und noch war nicht gesagt, dass sie an der Oberfläche auch einen sicheren Unterschlupf fänden. Kazels Heim war keine Option - aus seiner Sicht. Die Angst kroch zusammen mit alten Erinnerungen seinen Körper hoch, hinterließ eine Gänsehaut und ein Ziehen in seinem vernarbten Körper. Auch darauf durfte er sich nicht zu stark konzentrieren, damit er die Furcht bloß nicht schürte. Panik durfte er jetzt nicht bekommen, erst recht nicht vor dem Goblin. Janays körperliche Nähe half. Zwar war er unter ihrer Hand zusammengezuckt, aber nun da er direkt an ihr lehnte, weil er vor Entsetzen zurückgewichen war, spürte er den Halt. Es war trotz seiner Zeit mit anderen Gefährten vor Wochen und Monaten noch immer ein ungewohntes Gefühl. Kazel musste nach einer nahezu lebenslangen Prägung erst lernen, zu vertrauen. Aber es tat gerade mehr als gut, was er spürte. Am liebsten hätte er sich mit Janay irgendwo zurückgezogen und nur durch ihre Nähe und Körperwärme neue Kraft geschöpft. Körperwärme war im Übrigen ein gutes Stichwort. Ihm fröstelte inzwischen ordentlich. Wie lange waren sie durch die unterirdischen Gänge gestreunt? Wie lange hatte diese Bestie mit dem Tentakelmaul sie verfolgt? Wie lange war er schon nackt und jeglicher Witterung ausgesetzt?
Wenn mich kein Ungeheuer zerfleischt oder wir von dem Goblin und seinem Ork verraten werden, bekomme ich garantiert eine so schwere Erkältung, dass ich irgendwo in Morgerias Straßen daran verrecke. Manthala, so sadistisch bist du doch nicht! Er schauderte. Dieses Schicksal wollte er sich nicht einmal vorstellen, denn es bedeutete auch, Janay allein hier zurückzulassen. Würde sie denn irgendwo unterkommen?
Sie beantwortete Kazels Frage mit einem leisen Wispern. Er lauschte aufmerksam.
"Meinen Namen?", raunte Kazel leise zurück. Nicht so hauchzart wie Janay, denn dazu hätte er sich seinerseits zu ihrem Ohr drehen müssen, damit sie ihn verstand, aber er hielt seine Stimme auf einem gedämpften Maß. Ihr Vorschlag, so geheimnisvoll er bisher auch klang, gefiel Kazel bereits besser als der von Firlefitz. Auf dem Sklavenmarkt verstecken! Ja, da wäre er optisch sicher nicht aufgefallen, aber er sah dort auch keine Chance, als freier Elf wieder heraus zu kommen. So viel Gerissenheit wie er dem Goblin angedichtet hatte, besaß dieser wohl dann auch nicht. Oder er war nervös. Wirkte er nervös? Kazel konnte es nicht wirklich deuten. Er kannte diese duckmäuserische Haltung als einzige von Goblins, wusste also nicht, ob er sie vielleicht nur fehlinterpretierte. Letzten Endes hatte er ohnehin nicht vor, auf Firlefitzes Vorschlag einzugehen. Er winkte diesbezüglich nur ab und antwortete lieber Janay. Kennt sie meinen Familiennamen überhaupt? Sicher nicht. Ich habe ihn nicht einmal benutzt, seit ich damals Morgeria verlassen habe. Nur der Goblin darf ihn nicht hören. Das könnte fatale Folgen haben. "Ich heiße..." Weiter kam er nicht. Firlefitz und auch sein Ork drängten zur Nutzung des Seiles und Janay schickte sich an, als erste zu gehen. Kazel folgte ihr, näherte sich dem Schacht. Bevor sie sich am Seil festhalten konnte, legte er seine Arme um sie und schlang sie eng an sich. Er streifte ihr Gesicht mit seinen Lippen für einen flüchtigen Wangenkuss. Natürlich war er nach wie vor um sie besorgt, aber jetzt sollte es nur eine Schau für den Goblin werden. Zwei liebende Elfen, die ein wenig Zuneigung offenbarten. Das sollte Firlefitz sehen, während Kazel nun seine geheime Botschaft flüsterte. "Tenebrée. Das ist der Name meiner Familie."
Er fragte nicht nach, welchen Nutzen diese Information nun für Janay haben würde. Er versuchte es mit Vertrauen. Er versuchte, ihr bedingungslos zu vertrauen, auch weil er inzwischen eingestehen musste, dass seine Kräfte mehr und mehr nachließen. Nun war es an ihr, sie alle zu retten. Wenigstens für den Moment. Und solange der Goblin uns nicht verrät, wie sie meinte. Sonst... Kazel spähte umher, durch die Dunkelheit. Falls der Gevatter nahe war, sah er ihn nicht. Und er konnte längst nicht mehr bestimmen, ob das Frösteln von ihm oder der wachsenden Unterkühlung ausging. Kleidung. Was gäbe er nun dafür oder für eine warme Decke. Sein Blick blieb erneut an Firlefitz hängen.
"Du bildest das SChlusslicht, damit ich das Seil kappen kann, falls du vorhast, deinem orkischen Freund da oben irgendeinen Befehl zuzurufen, sollten meine Gefährtin und ich oben ankommen." Besäße er noch die Schärfe in der Stimme wie vor einigen Momenten, käme es bedrohlicher herüber. Aber vielleicht reichte der Inhalt seiner Worte schon aus.
Kazel wartete, dass Janay die Oberfläche erreichte und das Seil erneut zu ihnen herabließ. Falls der Ork oder irgendein unbekannter Hinterhalt nicht einschritten, würde er als Zweiter den primitiven Aufzug nach oben nehmen.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Erzähler » Dienstag 4. August 2020, 16:13

„Es gibt schlimmeres als den Tod... Ich habe eine Idee, aber sie ist gefährlich. Es kommt auf deinen Namen an, den Rest erledige ich. Wir brauchen nur Kleidung für dich und müssen sauber sein. Dann haben wir ein paar Stunden… hoffe ich…“
, wisperte sie und konnte nicht verhindern, dass die letzten beiden Worte selbst für sie kaum noch hörbar waren. Anscheinend hatte sie also einen Plan, der mit Kazels Familiennahmen zusammen hing, aber gerade war wohl der Zeitpunkt nicht so günstig ihn ihrem Begleiter auch mitzuteilen, zumal der sich dem Goblin gegenüber vehement gegen seine Familie ausgesprochen hatte. Was auch immer sie also vorhatte, es musste im geheimen stattfinden.
„Der Knilch darf uns nur nicht verraten.“
, fügte sie warnend hinzu und löste sich von ihrem Begleiter.
"Meinen Namen?"
, raunte Kazel leise zurück.
Kennt sie meinen Familiennamen überhaupt? Sicher nicht. Ich habe ihn nicht einmal benutzt, seit ich damals Morgeria verlassen habe. Nur der Goblin darf ihn nicht hören. Das könnte fatale Folgen haben.
"Ich heiße..."
Weiter kam er nicht. Janay überbrückte die Distanz zu dem Seil, ehe der Kleine es tun konnte. Sofort griff sie danach und schenkte ihm ein unschuldig-verführerisches Lächeln.
„Mir wird die Luft hier unten langsam zu schwer und werde zuerst gehen. Oben kann ich bestimmt besser atmen.“
, säuselte sie, um den Beschützerinstinkt in ihm zu wecken, so, wie sie es durchaus schon öfter bei Männern getan hatte. Ohne auf seine Erlaubnis oder Zustimmung zu warten, stellte sie sich auf die Holzscheibe und hielt sich vorsorglich mit beiden Händen fest. Sie nickte dem Goblin zu und schenkte ihm erneut ein Lächeln, das schon so manchen Mann in ihre Arme gelockt hatte, bereit, endlich hochgezogen zu werden.
Firlefitz blinzelte und sah sogar kurz hinter sich, ob das nicht noch jemand stand, den die Elfe hätte meinen können. Als das der verführerische Blick ihn traf zog er die Brauen hoch und auch ein Teil seines Mundes verzog sich, so dass sein Gesicht merkwürdig verkrampft aussah.
„Widerwärtig!“
Janay hatte es nicht wissen können, denn sie hatte sich mit seiner Rasse nie beschäftigt. Ihre weibliche Herausforderung glitt nicht nur an ihm am, sie verstörte ihn zutiefst. Goblins paarten sich für gewöhnlich nur mit ihren eigenen Weibchen und das oft auch nur, wenn diese über Monate von ihren mit den schönsten Geschenken umworben worden waren. Immer waren es die tollsten Erfindungen und Mechaniken, die sie dafür einsetzen. Hätte Janay seine Maschine gelobt, hätte sie ihm damit mehr Erfolg gehabt. Er nickte aber nur zu ihren Celcianischen Worten und ließ sie auf die Holzscheibe steigen.
„HauRuck, ZIEH!“
Das Geflüster in Lerium, ob er die Worte nun verstand oder nicht, war eben sowenig vertrauenerweckend, auch wenn er wohl grade das einzige Wesen war, das es schon aus reinem Pragmatismus gut mit ihnen meinte. Aber woher sollten die beiden das auch wissen? Sicher, er war auch nur für die beiden in soweit wichtig, dass er hoffentlich nur eine Randnotiz in ihrer Geschichte sein würde. Janay und Kazel hatten ja einander. Sie brauchten niemanden sonst, als sich selbst in einer Stadt wie Morgeria. Oder? Solange Firlefitz ihnen nicht gefährlich wurde, nicht verriet von dem war er vielleicht gehört hatte, solange war er auch nicht wichtig. Aber verraten durfte er sie auf keinen Fall! War vielleicht sogar in Janays Worten eine versteckte Botschaft enthalten, den Wicht einfach umzubringen? Dies wäre vielleicht auch eine Möglichkeit, sein Schweigen zu sichern. Hatte sie das gemeint? Wenn Kazel hier mit ihm alleine war und Janay oben den Ork ablenkte... aber solche Ideen hatten die beiden wohl garnicht.
Kazel folgte Janay, näherte sich dem Schacht. Bevor sie sich am Seil festhalten konnte, legte er seine Arme um sie und schlang sie eng an sich. Er streifte ihr Gesicht mit seinen Lippen für einen flüchtigen Wangenkuss. Ein schönes Bild, wenn nicht beide so vollkommen verdreckt gewesen wären.
"Tenebrée. Das ist der Name meiner Familie."
Er fragte nicht nach, welchen Nutzen diese Information nun für Janay haben würde. Er versuchte es mit Vertrauen. Er versuchte, ihr bedingungslos zu vertrauen, auch weil er inzwischen eingestehen musste, dass seine Kräfte mehr und mehr nachließen. Nun war es an ihr, sie alle zu retten. Sein Blick blieb erneut an Firlefitz hängen.
"Du bildest das Schlusslicht, damit ich das Seil kappen kann, falls du vorhast, deinem orkischen Freund da oben irgendeinen Befehl zuzurufen, sollten meine Gefährtin und ich oben ankommen."
Besäße er noch die Schärfe in der Stimme wie vor einigen Momenten, käme es bedrohlicher herüber. Aber Firlefitz eiliges Nicken musste reichen.

Derweil wurde Janay ins Licht gezogen.

(Janay weiter bei: Das Tenebrée-Anwesen)

Kazel wartete, dass Janay die Oberfläche erreichte und das Seil erneut zu ihnen herabließ. Falls der Ork oder irgendein unbekannter Hinterhalt nicht eintraten, würde er als Zweiter den primitiven Aufzug nach oben nehmen. So sah er ihr hinterher, wie sie sich dem Licht am Ende des Schachtes näherte, während der Goblin die Zeit nutze und seine Maschine umrundete. Seine Finger tasteten an der seltsamen Mechanik herum und plötzlich stieß er laut aus:
„HAB ICH DICH!
Du Übeltäter!“
Bevor Kazel sich nun wirklich angesprochen fühlen konnte, oder schon aus Reflex den Goblin hätte töten können, kam dieser hinter der Pumpe hervor gewatschelt. Firlefitz hielt einen Stein freudestrahlend in die Höhe.
„Der Schuft hier war es! Er hat alles blockiert!
Moment...“
Firlefitz drehte Kazel tatsächlich den Rücken zu, war ganz und gar auf sein Tun konzentriert und machte sich daran die Pumpe wieder in Gang zu bringen, was ja nun mal seine Aufgabe war. Er drückte ein paar gezackte Räder, schob einen Stift in ein Loch, legte einen Hebel um und glucksend und blubbernd erwachte das Monster zum Leben. Schnell begann es hier unten auch besser zu riechen, denn in dem Becken brodelte frisches Wasser aus der Tiefe hervor. Die Maschine war also um ein vielfaches Länger und vor allem tiefer in das Erdreich unter Morgeria gebaut worden, als es den ersten Anschein hatte. Firlefitz klatschte noch einmal vor Freude in die Hände, als alles wieder lief und das Brunnenloch wieder frisches Quellwasser förderte. In kleinen Schaufeln wurde nun das frische Nass hinauf befördert. Dann fiel ihm wieder ein, dass er nicht allein war und drehte sich zu Kazel um.
„Was Firlefitz noch vorhin sagen wollte... ähm“
Er rieb sich den Schädel und sprach schnell:
„...Ich könnte euch auch zu Werkstatt bringen. Da sicher!
Mein Zuhause,
aber dann müsst ihr schwören, mir nix zu tun. Und Firlefitz euch nicht kennen. Das sehr unsicher alles. Aber … wenn ihr einen Gefallen tut, dann auch ich Gefallen tun werde und hohen Herrn verstecken … vor seiner Familie.“
Hatte er jetzt schon zu viel Preis gegeben? Anscheinend wusste Firlefitz schon eine Menge. War das zu viel um ihn am Leben zu lassen? Er sprach schnell weiter und musterte Kazel dabei aufmerksam:
„Firlefitz euch nicht kennen, aber euer Wappen. Mächtige Frau! Viel Geld und Einfluss, viele Aufträge von ihr erhalten. Das hier...“
Er zeigte auf die Maschine.
„Pumpe auf ihrem Land. Tenebree-Land.“
Namen klangen in allen Sprachen gleich, ob man ihn nun in Lerium oder Krzner flüsterte. Firlefitz wusste zu viel. Er hatte das Zeichen auf seinem Arm erkannt, oder sie belauscht. Wie genau er eins und eins zusammen gezählt hatte, war auch gewiss nicht wichtig. Aber das erschreckendste war wohl, dass Kazel wohl der Aussage des Goblins nach, schon „Zuhause“ war. Und Janay war gerade oben angekommen. Von unten konnte er nur, spähte er den Schacht hinauf, zwei große dunkle Hände gegen den hellen Himmel sehen, die nach ihr griffen.
„Gefallen für Gefallen?“
, fragte der Wicht nach und blinzelte mit den kleinen Augen. Seine graublaue Glatze spiegelte einen kleinen flackernden Lichtstrahl.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 7. August 2020, 17:20

Ruhig beobachtete Kazel, wie Janay am Seil empor gezogen wurde. Erleichtert atmete er aus, obgleich die Gefahr dadurch noch nicht vorbei war. Weder er noch sie konnten schließlich ahnen, was Janay oben noch erwartete. Dennoch, sie käme aus den muffigen Tiefen der Kanalisation heraus und auch Kazel war bereit Morgeria diesem feuchten Loch voller unheimlicher Kreaturen und seltsamer Maschinen den Rücken zu kehren. Fraglich blieb, wie lange er es oben aushielt. Und ob ich den Auftrag des Gevatters werde erfüllen können. Er wappnete sich innerlich. Seine vom Tod persönlich geforderte Zielperson würde er noch ausmachen, sobald Zeit wäre. Der Tod hatte sicherlich genug davon mit all seinen Seelen-Sanduhren. Erst einmal wollte Kazel sich und Janay in Sicherheit wissen. Das hieß auch, dass er die Frau seines Herzens von Firlefitz distanziert sehen wollte. Nicht etwa, weil der Goblin auf der Attraktivitätsskala eine Gefahr darstellte, sondern weil beide Elfen ihm nicht trauten.
Es ging bei Kazel nicht so weit, als dass er de Wicht töten wollte. Nicht, solange dieser ihm keinen Grund gab! Aber er lebte in Morgeria und der Mischling hatte gelernt, in dieser Stadt nicht einmal dem eigenen Blut vertrauen zu können. Aus seiner Sicht war es besser, Kontakt zu so wenig Stadtbewohnern aufzubauen wie nur irgend möglich. Ein sicherer Unterschlupf, etwas Schlaf und vielleicht sogar eine Mahlzeit. Neue Kleidung für ihn selbst. Anschließend würde er sich um diesen Fremden kümmern, der die Seelen irgendwelcher Hybriden unrettbar machte. Hybriden. Das sind doch auch Mischwesen... aus Elf und Tier? Kazel hatte in seinem Leben noch keinen Kontakt mit einem Hybriden gehabt, aber auch er kannte die Schauermärchen von zweibeinigen Wolfsgestalten, die ganz dem tierischen Instinkt folgten und kein bisschen mehr intelligent zu nennen waren. Er betrachtete flüchtig seine Hände. Wieviel Märchen steckt in diesen Geschichten? Auch an mir ist Tierisches... Später! Er würde sich später darum kümmern. Die Konzentration musste im Hier und Jetzt bleiben, sonst gab er dem Goblin noch eine Gelegenheit, ihn doch zu hintergehen. So wollte Kazel das Seil auch als nächstes nutzen.
Er lauschte und hörte keine Schreie. Janay ging es demnach gut? Er konnte es nur hoffen und wollte schnell zu ihr aufschließen. Firlefitz brachte ihn aber aus dem Konzept, als der Aufschrei von seiner Seite kam. Sofort waren Kazels Sinne scharf wie eine Messerklinge. Er wirbelte zu dem Goblin herum, eine Hand bereits zur Faust geballt, dass die Adlerkrallen unter den Fingerknöcheln hervorlugten. Er starrte den Goblin an und brauchte einen Herzschlag länger um zu verstehen, dass dieser nicht ihn sondern nur eine langweilige Schraube meinte. Kazel lockerte seine Finger und senkte die versteiften Schultern. Er betrachtete die Kehrseite des Goblins. Nein. Es gab keinen Grund, diesen Wicht zu attackieren, bisher jedenfalls nicht. Ich bin nicht wie die da oben. Wie meine Familie. Auch wenn sie mich schon immer als Mörder haben sehen wollen .. auch wenn Raxtian mich zu einer Tötungsmaschine hatte "verbessern" wollen. Ich werde ihnen den Gefallen nicht tun. Ich töte ihn nicht ... grundlos.
Aber dann lieferte Firlefitz genau das, als er deutlich machte, dass er verstand, was sich hinter Tenebrée verbarg. Er hatte es zwar auf Lerium wiederholt, so war nicht ganz klar, ob er Kazels Haus wirklich kannte. Aber er sprach es mit einer Sicherheit aus, dass der Mischling nicht an der Intelligenz des Kleineren zweifelte. Firlefitz musste wissen, dass es sich um sein Haus handelte. Ohja, er wusste es! Immerhin bot er im fast gleichen Atemzug auch an, Janay und Kazel in seiner Werkstatt unterzubringen und vor den Tenebrées zu verstecken. Meine Tante und die übrigen Verwandten leben also noch. Verdammt! Kazel biss sich auf die Unterlippe und knetete sie zwischen den Zähnen. Er biss zu tief hinein, dass es schmerzlich brannte und er das Metallische im Blut schmecken konnte, als Firlefitz weitersprach.
"Dieses ... Ding gehört ...? Du arbeitest für...?!" Er strauchelte udn starrte den Schacht empor. Im letzten Moment und nur, indem er seine Finger zwischen die Zähne schob gelang es ihm, sich selbst daran zu hindern, Janay einen Warnruf nach oben zu schicken. Wenn das die Pumpe der Tenebrées war, dann musste er sich irgendwo unter dem Anwesen befinden. Und wenn das stimmte, dann war seine Familie da oben, wo Janay nun allein stand.
Er wartete, bis das Seil wieder herunter war, ließ Firlefitz außer Acht und packte alarmiert nach dem Strick. "Ich muss nach oben ... und dann bringst du uns in deine Werkstatt, Goblin. Wenn Zeit bleibt, höre ich mir an, wobei du Hilfe brauchst." Aber jetzt muss ich Janay vor meiner Familie retten und ... Er stockte, sah zu dem kleinen Arbeiter zurück. "Firlefitz, nicht wahr?", meinte Kazel und vergaß für den Moment den aufgesetzten Unterton dunkelelfischer Arroganz. "Die Pumpe gehört der Familie Tenebrée, sagtest du. Erzähl mir: für wen aus dem Haus arbeitest du? Wer ist aktuell das Oberhaupt und welchen Stand in der Gesellschaft haben sie?" Er musste das wissen, bevor er nach oben ging, damit er wusste, mit wem er sich würde anlegen müssen.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. August 2020, 10:13

Kazels Gedanken huschten umher wie Motten in der Dunkelheit auf der Suche nach dem Lichtstrahl. Er kannte nur Geschichten über Hybriden und vielleicht sah er sogar ein paar Parallelen zu seiner eigenen Geschichte. Der Auftrag war sicher nicht einfach und der Tod hatte ihm eine interessante Belohnung in Aussicht gestellt, sollte der den Auftrag gewissenhaft abschließen. Seine Grübelein wurden dann aber doch von einem herab fallenden kleinen Stein und dem Goblin je unterbrochen, als dieser seine Mordinstinkte auf die Probe stellte. Kazel hatte sich gut im Griff. Dann folgte jedoch eine Offenbarung die es ihm kalt den Rücken hinunter laufen ließ. Sie befanden sich nicht nur in seiner Heimat, sonder auf Tenebrée-Land. Das war aus Kazels Sicht eine Katastrophe.
Meine Tante und die übrigen Verwandten leben also noch. Verdammt!
Kazel biss sich auf die Unterlippe und knetete sie zwischen den Zähnen. Er biss zu tief hinein, dass es schmerzlich brannte und er das Metallische im Blut schmecken konnte, als Firlefitz weitersprach:
"Dieses ... Ding gehört ...? Du arbeitest für...?!"
Er strauchelte und starrte den Schacht empor. Im letzten Moment und nur, indem er seine Finger zwischen die Zähne schob gelang es ihm, sich selbst daran zu hindern, Janay einen Warnruf nach oben zu schicken. Wenn das die Pumpe der Tenebrées war, dann musste er sich irgendwo unter dem Anwesen befinden. Und wenn das stimmte, dann war seine Familie da oben, wo Janay nun allein stand. Er musste noch ein paar Minuten warten, bis das Seil wieder herunter war.
"Ich muss nach oben ... und dann bringst du uns in deine Werkstatt, Goblin. Wenn Zeit bleibt, höre ich mir an, wobei du Hilfe brauchst."
Aber jetzt muss ich Janay vor meiner Familie retten und ...
Er stockte, sah zu dem kleinen Arbeiter zurück.
"Firlefitz, nicht wahr?"
, meinte Kazel und vergaß für den Moment den aufgesetzten Unterton dunkelelfischer Arroganz.
"Die Pumpe gehört der Familie Tenebrée, sagtest du. Erzähl mir: für wen aus dem Haus arbeitest du? Wer ist aktuell das Oberhaupt und welchen Stand in der Gesellschaft haben sie?"
Er musste das wissen, bevor er nach oben ging, damit er wusste, mit wem er sich würde anlegen müssen. Firlefitz hatte sich wieder halb hinter seiner Maschine versteckt, denn die umgeschlagene Stimmung machte ihn nervös. Aber auf die Fragen antwortete er:
„Firlefitz arbeitet für Hausdame Keona. Sie gibt Firlefitz Auftrag wegen kaputte Pumpe. Strenge, furchtbar laute Frau!“
Er kniff die Augen zusammen als würde er sie nicht wirklich mögen. Kazel sagte der Name nichts. Sie konnte also niemand aus dem alten Hausstand seiner Eltern sein.
„HochHochHerrschaft Starle Tenebrée, Herrin über alles. Oberhaupt und Flüsterstimme im Rat Morgerias. Welcher Stand, fragt er! Stand Schall und Rauch. HochHochDame Starle Mätresse von Mandavar Amraén dem Blauen! Ihr sein Ohr gehört.“
Der Vorname sagte Kazel sicher nichts, aber der Nachname war weithin bekannt und klang voller Dunkelheit in ihm nach. Bestimmt war er ein naher Verwandter und vielleicht sogar Anwärter auf den Thron Morgerias, vielleicht ein Cousin des dunklen Herrschers. Kraen Amraén regierte sein Herrschaftsbereich von Pelgar aus und Morgeria war unter der Standherrin Myra Zhai lange gediehen, soweit Kazel wusste. Doch das war alles lange her. In der Zwischenzeit konnte sich vieles verändert und die Machtverhältnisse sich verschoben haben. Ganze Familien konnten innerhalb weniger Augenblicke in Ungnade falle, wurde in einer einzigen Nacht komplett ausgerottet oder in den Himmel gehoben. Es kam immer auf die „Flüsterer“ an die im Hintergrund die Fäden zogen. Seine Tante hatte also ein Verhältnis mit diesen Mandavar und dieses hatte ihr Macht verschafft, so viel war sicher. Das alles bedeutete vor allem eines! Starle war in seiner Abwesenheit zu einer mächtigen Frau geworden und hatte seinem Namen zu noch mehr Gewicht verholfen. Blieb zu hoffen, dass Janay damit nichts dummes anstellte. Er musste nach oben!
Wie gerufen kam gerade das Seil mit der Holzscheide wieder nach unten. Er ließ Firlefitz außer Acht und packte alarmiert nach dem Strick. Er ruckte daran, zum Zeichen, dass er hinauf gezogen werden wollte, doch erst einmal geschah nichts. Firlefitz kam zu ihm und ruckte ein paar mal schneller und starrte mit seinen kleinen Augen nach oben. Dann schüttelte er missmutig den Kopf.
„Dummer Ork! Dummer HauRuck. Muss ihn abgelenkt haben.“
Dann sah er Kazel an und ließ seinen Blick über seine Seite gleiten. Fast hätte er die Narben gesehen, aber der Mischling wusste sich noch rechtzeitig abzuwenden.
„Hoher Herr sollte so nicht aussehen...“
Sinnierte der Goblin kopfschüttelnd.
„Hoher Herr besser grade Kanalratte!“
Firlefitz grinste!
„Ja! Kanalratte!“
Er musterte Kazels Gesicht und beschloss sich daraufhin etwas genauer zu erklären:
„Kanalratte, Mann... oder Frau die Kanäle sauber machen, wenn verstopft.“
Er nickte begeistert, von seiner Idee und grinste.
„Dafür Kleidung unnütz, weil jedes Mal weg werfen. Kanalratte also gute Begründung und ich Hohe Ratte zu Firlefitz Werkstatt bringen. Dann Firlefitz war „gut“ bei Herr!“
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 9. August 2020, 09:14

Keona. Dieser Name sagte ihm absolut nichts. War sie eine Cousine, die ihm nie begegnet war? Oder eine Angeheiratete Dunkelelfe? Eine Tochter? Auch wenn Starle um einiges älter war als Kazel, seine Tante hatte gewiss den Zenit ihres Lebens noch nicht überschritten. Aber das konnte nicht sein, wenn Firlefitz keinem Säugling diente. So lange hatte der Mischling Morgeria noch nicht den Rücken gekehrt. Wie lange ist es nun her? Drei Jahre? Vier? Und dennoch war die Zeit viel zu kurz.
Kazel hob den Blick an. Er schaute noch immer den Schacht empor und fühlte sich innerlich zerrissen zwischen dem Drang, Janay möglichst schnell zu Hilfe zu eilen und der Furcht, sich seiner Vergangenheit stellen zu müssen. Ob die Keller noch existierten, die ihm ein monatelanger Kerker der Tortur gewesen waren? Er schauderte und schüttelte den Gedanken so schnell ab, wie er konnte. Gerate nicht in Panik. Alles ist gut. Noch haben sie dich nicht. Noch weiß kein Tenebrée, dass du hier bist.
Aber sie würden es erfahren. Er konnte sich unmöglich die ganze Zeit vor ihnen verbergen und dann würde man ihn zu Starle bringen. Oberhaupt der Familie, ja das konnte er sich sehr gut vorstellen. Vielleicht hatte Kazel ihr mit dem vorzeitigen Ableben der eigenen Schwester sogar einen Gefallen getan. Preia war eine herrische, unberechenbare Natter gewesen. Niemand würde seiner Mutter nachtrauern, am wenigsten die engsten Verwandten wie Tante Starle oder gar er selbst. Um seine Mutter hatte Kazel nicht eine Träne vergossen. Den Tod seines Vaters bedauerte er, konnte aber auch hier nicht trauern. Dazu hatte er ihn nicht gut genug kennen lernen können. Einzig sein Blut band ihn noch an die Familie Tenebrée. Das und das unliebsame Hautbild auf seinem Handgelenk. Er verdeckte es, als er den Arm dicht an den eigenen Körper drückte und mit einem Zucken zum Goblin herüber starrte.
"Amraén? Hast du gerade Amraén gesagt?" Das konnte unmöglich der dunkle Herrscher sein. Nein, der Vorname stimmte nicht. Er hieß nicht Mandavar, aber der Familienname war eindeutig. Seine Tante bändelte mit einem Verwandten des dunklen Herrschers an. Dahinter konnte keine Liebe stehen. Sie versuchte, einen Vorteil für das Haus Tenebrée, ihren eigenen Status und Lebensstandard herauszuschlagen. Kazel wurde speiübel. Das war eine viel zu große Nummer und nun tauchte er hier auf! Wenn sie herausfindet, dass ich noch lebe, rücke ich doch automatisch in der Herrschaftsfolge der Familie vor sie. Direkte Nachkommen stehen über Geschwistern des Oberhaupts. Es war wie mit der Thronfolge anderer Regionen Celcias. Starb der König, galten all seine Kinder als künftige Herrscher und nur ihr Alter bestimmte den Kurs. Onkel und Tanten, die nur im Fall keines einzigen Nachkommens an die Reihe kamen, mussten sich zurückstellen. Oh, wie würde seine Tante fluchen und vermutlich so schnell als möglich zu einer Klinge greifen, um ihn zu beseitigen.
Kazel musste nach oben. Er musste Janay retten und dann raus aus Morgeria. Für immer! Ohne dass auch nur ein Tenebrée Wind davon bekommt. Er lachte freudlos auf. Verzweiflung stand ihm auf den Zügen. Das schaffte er niemals. Sie würden ihn erwischen und wenn sie ihn im Namen seiner Tante nicht sofort das Herz aus dem Leib rissen, käme er zurück in die Kerker. Zurück zu Dunkelheit, Peitschenhieben und seinen eigenen Schreien, die nur er hatte hören können.
Kazels Finger zuckten. Nein, er bebte. Er zitterte, als sei er hier der Goblin von beiden. Firlefitz' Schicksal war gnädiger als sein eigenes. Er griff nach dem Strick und suchte Halt daran, wo er nun keine Hand mehr hatte, von der er Ruhe bekommen könnte. Die Panik ließ sich kaum mehr zurückhalten, denn nichts bereitete Kazel so große Furcht wie die Aussicht auf erneute Gefangenschaft und Folter. Er schluckte schwer, aber der Kloß in seinem Hals verschwand dadurch nicht. Er fühlte sich nur noch dicker an, schmerzte gar und versperrte ihm die Luftröhre. Er hatte das Gefühl zu ersticken. Seliger Erstickungstod...
"Ahrrrr!" Mit einer selbst zugefügten Ohrfeige versuchte Kazel, sich zu fokussieren. Seine Wange brannte nach dem Schlag und glühte von dem hinterlassenen Handabdruck rot durch den Schmutz hindurch. Hatte Firlefitz jemals einen ängstlichen, tief besorgten Dunkelelfen gesehen? Kazel war nicht reinblütig, aber er zeigte dem Goblin ein solches Antlitz, in dem Selbstbeherrschung einen verzweifelten Kampf gegen all die Ängste aus vergangener Zeit führte.
"Ja! Guter Plan - Ja, was immer du sagst. Bring mich nach oben. Versteck uns. Niemand darf wissen, dass wir hier sind. Bitte, Firlefitz." Eine Kanalratte. So ganz verstand Kazel noch nicht, welche Rolle er nun einnehmen sollte. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren. So starrte er den Schacht empor und zog an dem Seil, sobald er auf der Holzscheibe stand. Firlefitz würde sich entweder an seine Beine klammern müssen, falls er sofort mit hinauf wollte oder aber warten müssen. Kazel hingegen klammerte sich mit verschwitzten Fingern an den Strick. Er wollte nur noch hinauf. Nicht, weil er sich seiner Familie stellen wollte. Nach oben und Janay retten, dieser Gedanke brannte sich in seinen Geist. Janay retten und fliehen. Er meißelte Pläne in eine geistige Mauer seines Verstandes, die die letzte Barriere zwischen seinem Selbst und einer Armee aus Panik udn Furcht war, die sich gerade gezielt auf ihn zu bewegte. Auf diesen kleinen dummen Steinmetz, der da an der Mauer stand und glaubte, mit verzweifelten Plänen könnte er auch nur irgendetwas Anderes bewirken als Risse in den Stein zu schlagen.
Er hatte schreckliche Angst.
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Re: Ein Hauch zu tief, aber doch richtig.

Beitrag von Erzähler » Montag 10. August 2020, 15:20

(Kazel weiter bei: Das Tenebrée-Anwesen)
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