Q'lalars Domäne

Kaum jemand hat die vielen Ebenen dieser Welt je gesehen und eigentlich möchte niemand jemals den Harax betreten, denn hier regieren die Dämonen.
Jene arme Seele wird als verloren betrachtet, die es in dieses finstere Reich aus Hass und Chaos verschlägt.
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Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Dienstag 2. August 2016, 13:01

Darak Luthrokar kommt von Die Insel Belfa > Die Wüstenstadt Sarma > Wohnviertel Sarmas > Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

"Pass auf dich auf. Ich liebe dich, Darak!" Liliths Worte hallten noch in Daraks Ohr nach, das keine Taubheitsprobleme hatte. Sie waren das letzte, was er aus Sarma mit sich nahm, als er die silbrige Oberfläche des verzauberten Spiegels durchtrat. Alles verschwamm ihm sofort vor den Augen. Er konnte Rhiven nur noch als schattenhafte Gestalt mit verwaschenen Konturen ausmachen. Ringsum zeigte sich nichts als silbernes Licht. Sollte dies so sein? Ging etwas schief? Es gab keinem Weg, dem man folgen konnte, aber auch kein Zurück mehr. Hinter ihm prasselten plötzlich unzählige Splitter zu Boden. Der Durchgang, der rettende Weg zurück nach Sarma, zerfiel, als hätte jemand den Spiegel zerbrochen. Die Splitter wurden vom silbrigen Licht aufgenommen, verschmolzen damit und blieben verschwunden. Ebenso stand es um Daraks Füße und die Enden seiner Krücken. Wenn er zu Boden sah, war da nur dieses silbrige Licht.
Wie ein Echo aus weiter Ferne drangen Rhivens Worte an sein Ohr: "Das war eine Falle!" Im ersten Augenblick hatte es auch den Anschein. Selbst im zweiten, als das Licht endlich nachließ und weitere Konturen der Umgebung sichtbar wurden. Wo bis eben noch Silber vorherrschte, da fanden sich Darak und Rhiven auf einer Art schwebendem Plateau aus schwarzem Gestein wieder. Kein Himmel zeigte sich über ihnen, kein Boden unter ihnen. Sie schwebten in einem Raum aus schwarzen Wolken, die mit roten Blitzen gefüllt waren und die Umgebung in stetiges Donnergrollen hüllten. Jedes Mal, wenn ein Blitz im Inneren der Wolken aufkrachte und sich seinen Weg als zackiger Lichtzweig nach außen bahnte, so erhellte sich auch die Umgebung kurzzeitig. Alles glühte wie unter einem rötlichen Filter und in der Ferne zwischen den Wolken ließen sich weitere steinerne Plattformen ausmachen. Sie alle schwebten, trieben einfach im Gewitternichts vor sich hin.
Wo hinter ihnen noch die andere Seite des Spiegels hätte sein müssen, da fand sich nichts außer sich empor reckenden Gesteinsbögen. Wie zwei Krallen aus schwarzem, scharfkantigem Fels reckten sie sich am Rand der Plattform in die Höhe, berührten einander nur an den "Fingerspitzen" und hinterließen den Eindruck eines Torbogens ins Verderben. Aber von ihnen ging nicht wirklich Gefahr aus. Da war das Wesen, das sich mit Elf und Mensch auf dem Plateau befand, weitaus furchterregender. Etwa auf halber Strecke zum anderen Ende der Plattform befand sich ein gewaltiges Geschöpf und obwohl es hockte, überragte es Darak und Rhiven doch um mehrere Köpfe. Mindestens zwei einhalb Meter musste es groß sein, ein muskelbepackter Berg aus grauer Haut, der sich so nur mäßig vom steinernen Untergrund abhob. Auf den ersten Blick war dieses Wesen nackt, doch zierten schwarze Schuppen aus demselben Stein wie jene Plattform seinen Körper im Lendenbereich und auch an den Ellenbogen. Zwei armlange Hörner wuchsen in geschwungener Form aus der Stirn der Bestie, weitere vier kleine Zacken reihten sich bis zu den mehrfach gelappten Ohren. Jene erinnerten an Fauchs Drachenflügel und auch diese Bestie besaß derlei Schwingen. Sie hatte sie angezogen, dass es an zusammengeklappte Fächer erinnerte. Ein langer, glatter Schwanz peitschte unruhig über den steinernen Untergrund und stellte sofort ein Hindernis zum anderen Ende dieser kleinen schwebenden Welt dar. Warum aber sollte man ausgerechnet die Gefahr auf sich nehmen, von diesem Ungeheuer entdeckt zu werden, nur um auf die andere Seite zu gelangen?
Rhiven zeigte es Darak, als er mit ausgestrecktem Finger jenseits des Monsters deutete. "Schau", machte er den Helmlosen auf sich aufmerksam. "Ob wir dort hindurch müssen?" Am anderen Ende der Plattform war ein steinerner Bogen zu sehen, gleich dem hinter Darak und Rhiven. Der Unterschied bestand darin, dass die Fläche, die beide Felssäulen einrahmten, vom schimmernden Silber durchzogen war. Die Oberfläche schillerte immer wieder in allen Regenbogenfarben, wenn die Blitze der Umgebung den merkwürdigen Himmel erhellten. Mehr als diesen kuriosen Durchgang gab es auf der Plattform nicht, abgesehen von dem Onster, das den beiden Männern glücklicherweise noch immer den Rücken zukehrte und ins Nichts starrte.
"Uns bleibt keine Wahl", raunte Rhiven in Flüsterstimme. "Das muss der Spiegel sein, durch den wir ans Ziel kommen. Ich bezweifle, dass wir uns mit dieser Bestie anlegen sollen, um nach Morgeria zu kommen." Es schien wirklich besser, des Drachenartigen Aufmerksamkeit nicht zu wecken. Doch Rhiven setzte sich noch nicht in Bewegung. Tatsächlich unterstellte er sich still schweigend Daraks Führung. Darak, dem Krüppel. Darak, der gewiss Schwierigkeiten haben dürfte, über den ledrigen Schwanz des Dämonenviechs zu gelangen.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Sonntag 7. August 2016, 14:35

Erst konnte Darak noch einen kurzen Blick auf sein Spiegelbild erhaschen. Himmel, es kam ihm vor als sei er um mindestens 10 Jahre gealtert! Die Strapazen der letzten Wochen hatten deutliche Spuren hinterlassen... Tiefliegende Augen hinter schwarzen Höhlen...und dann erst noch seine Kopfhaut. Schrecklich! Früher, als er noch gänzlich von seinem adonishaften Aussehen überzeugt gewesen war, hatte er es nicht ungern in verspiegelten Räumen getrieben. Hach...Sarma...die Stadt der unendlichen verruchten Möglichkeiten! Aber wenn er sich selbst und Vesta aktuell in einem solchen Raum vorstellte.... Er schauderte. Pass auf dich auf. Ich liebe dich, Darak!» Hallte es in seinem Gehörgang nach. Darak beschlich ein ungutes Gefühl Er liebte sie auch, keine Frage. Doch sie war eine Elfe und er nur ein Mensch. Sie würde mitansehen müssen, wie er langsam vor sich hinwelkte. Alt und impotent werden würde... das sind doch erbärmliche Aussichten! Genau für solche erbärmlichen Aussichten kämpfte er gerade. Um die Zukunft... Pah! Er kam zu dem Schluss, dass er Spiegel nicht mehr mochte.

Er hatte es plötzlich eilig, sein Spiegelbild zu durchstossen. «Nur nicht zu schnell.» Brummte der Befreier nervös, als sich die Umgebung um ihn herum langsam auflöste. Darak hatte keine Lust, irgendwo zwischen Sarma und Morgeria in dieser komischen Zwischenwelt stecken zu bleiben. Wer konnte schon wissen, wie lange dieses Portal halten würde! Sie waren sicherlich gut damit beraten, sich nicht allzu weit voneinander zu entfernen. Es war schon seltsam. Wieder hatte sich Darak in eine Situation befördert, wo er froh um die Anwesenheit des mürrischen Dunkelelfen war. Hoffentlich bildete er sich darauf nichts ein! Er hörte es plötzlich hinter sich klirren und als er sich umwandte sah er gerade, wie der Spiegel hinter ihm zerfiel. Das wars Die Verbindung zu Sarma war abgebrochen. Na wunderbar. Na wunderbar! NA WUNDERBAR! Was hatte ihn nur dazu getrieben, blindlings dieser pummeligen Vertreterin der Diebesgilde zu vertrauen? Er sah an sich runter. So wirklich konnte er nicht festmachen, auf was er sich gerade fortbewegte. Er schien sich schon auf einer Art Boden fortzubewegen, aber er fühlte sich nicht unbedingt normal an. Wo zur Hölle waren sie hier nur gelandet? Langsam nahm die Umgebung Konturen an. Darak knirschte mit den Zähnen, als Rhiven seine Fallentheorie äusserte. «Die Diebesgilde klotzt nicht beim Beseitigen von Leuten. Das hier wäre viel zu Aufwendig. Wenn sie uns hätten loswerden wollen, dann im Labyrinth und nicht in ihrem Luxussuperspiegel.» Darak kannte die Diebesgilde gut genug, um einigermassen zu wissen, wie sie tickte. Einen Zauberspiegel an den Befreier zu verschwenden, nur um ihn kunstvoll aus dem Weg zu räumen... näh... Auch wenn er diese Möglichkeit kategorisch ausschloss, so fühlte er sich selbst aber auch nicht wirklich wohl in seiner Haut. Was immer sich hier gerade für eine Welt materialisierte, Darak hatte nicht das Gefühl, dass er und Rhiven hierhingehörten. «Das ist wohl der Abschnitt bei dem es um die «Kraft irgendwelcher Portaldämonen» geht.» Brummte Darak leise und äffte dabei Suleika nach. Erst jetzt bemerkte er, dass ihn diese Worte nicht im geringsten gekratzt hatten, als Suleika sie ausgesprochen hatte. Zu schnell, zu beiläufig und zu Abstrakt waren sie gewesen. Oh dieses Miststück hatte allen Grund dazu gehabt, angeblich nicht über die Details der Transformation Bescheid zu wissen. Er wäre sicherlich nicht in dieses Ding gestiegen wenn er von diesem MONSTER hier gewusst hätte!! Darak erblickte es offensichtlich als Erster. «Bei Lysanthors Klöten.» Keuchte er und stiess Rhiven vorsichtig mit den Krücken an.
Darak hätte sich bestimmt eingenässt, wenn er nicht genau gewusst hätte, dass er seine vermeintliche Sklaventracht noch eine ganze Weile brauchen würde. Er war in seinem Leben ja schon vielem begegnet: Riesenschlangen, Valrock, Riesen, Spinnen, Amazonen, Schlangen, Skorpionen, Alma, Drachen...aber DAS da...war nicht von dieser Welt.

Nein...er wollte das nicht. Er wollte zurück nach Sarma. Es reichte. Er kündigte! Das war zu viel! Er schaute sich nochmals über die Schultern. Aber es war hoffnungslos. Für einen Moment wäre er am liebsten ein Mädchen gewesen. Jawohl! Ein Mädchen! Dann hätte er sich jetzt hinhocken und hemmungslos Losweinen können! Aber er war der Befreier... verdammt nochmal! Das hatte er sich auch nicht ausgesucht! Alles an diesem Wesen sah nach Tod aus. Die Hörner (die ihm übrigens sehr gut gefielen), die Schwingen, der Schwanz, die schuppige Haut. Alles Indizien dafür, dass ein Krüppel wie er keinen Ärger mit diesem Wesen haben wollte. Natürlich hatte er nur solche Angst, weil er dieses riesige Handicap hatte. Ein Darak Luthrokar in seinen besten Jahren und ohne kaputte Knie hätte sich vor nichts und niemandem gefü....ach wem machte er schon was vor? Er vermisste seinen Helm.
Darak nickte Rhiven zu, als dieser auf den Torbogen am anderen Ende des Plateaus zeigte. «Sieht zumindest erfolgsversprechender aus, als die Donnerwolken.» Meinte er schal. Eigentlich mussten sie ja nur durch dieses Portal dort gelangen. Eine simple Sache, wenn da dieser Dämon nicht gewesen wäre. Nervös blickte er auf den Schwanz des Viechs, der – zufällig oder nicht – den Weg versperrte. Der Befreier schnaubte. Na wunderbar! Na wunderbar!!

"Das muss der Spiegel sein, durch den wir ans Ziel kommen. Ich bezweifle, dass wir uns mit dieser Bestie anlegen sollen, um nach Morgeria zu kommen." Darak sah sich nochmals um. «Und ich bezweifle...dass dieses Viech uns nicht schon längstens bemerkt hat. Ich meine...sieh dich mal um...» Einen eintönigeren und langweiligeren Ort konnte man sich ja wohl kaum ausmalen. Sie befanden sich hier auf einer kleinen Ebene, auf der es nichts gab als schwarzer Gestein und Wolken. Wie könnte einem Bewohner einer solchen Sphäre schon die Anwesenheit zweier Individuen entgehen? Aber Rhiven hatte durchaus Recht, auch Darak wollte es nicht unbedingt darauf anlegen. Langsam krückelte er auf den zweiten Spiegel zu. Das wird uns definitiv was kosten! Definitiv! Nichts in dieser Welt bekam man kostenlos, so zumindest Daraks Erfahrung. Diese Regelung galt für Celcia wie vermutlich für jeden anderen Ort in diesem Universum auch. «Ich...glaube.... wir befinden uns an der Pforte zum Harax.» Murmelte der ehemalige Mönch leise. Viel wusste er nicht über die Welt der Dämonen. Als ehemaliger Mönch Lysanthors war jegliche Beschäftigung mit dem Harax strengstens verboten gewesen. Man wusste nur vor diesem Ort, um die Brüder vor jeglichen Sünden zu warnen.

Langsam schritt er voran, doch er hatte das Gefühl, dass jeder Atemzug zu laut war. Ihm fiel ohnehin auf, dass er schwerer atmete als sonst. Irgendwie hatte er den Eindruck, von einer äusserst ungesunden Luft umgeben zu sein. Sie sollten die Sache schnell hinter sich bringen... Er behielt das Wesen stets im Auge, während er sich langsam dessen Schwanz näherte. Vielleicht hatten sie ja zur Abwechslung wirklich einmal... naja...Glück... und würden den leichten Weg gehen können...ohne dämonisches Zwischenkapitel. So viel Optimismus entsprach irgendwie nicht seinem Naturell...und Darak fürchtete tatsächlich, dass sich das Viech jeden Augenblick regen würde.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Sonntag 28. August 2016, 00:28

Rhiven reagierte. Er hatte sich bereits an Daraks Methodik gewöhnt, auf sich aufmerksam zu machen. Die Krücke tippte den Elfen nur minimal an. Es handelte sich um nicht mehr als eine seichte Berührung, aber sie war ihm weit genug vertraut, um sie nicht nur zu erkennen, sondern auch richtig zu deuten. Langsam wandte er den Kopf. "Faldors blutgetränkte Sackhaare!" Auch ein Dunkelelf vermochte zu fluchen. Vielleicht hätte es Darak sogar ein Kichern entlockt, hätte sich Rhiven nicht auf seine Muttersprache Lerium beschränkt. So aber blieben die wenigen Worte ein Kauderwelsch in listigtem Unterton. Beide konnten nur hoffen, dass diese Bestie die Stimmen ebenso ausblendete wie ihre Anwesenheit in seinem ungemein kleinen Refugium.
Hier gab es nichts zu essen weit und breit. Überhaupt war diese im Nichts schwebende Portalinsel mehr als kärglich. Sie mussten ja zwangsläufig auffallen! Es brauchte hier keinen Zweig, auf den man versehentlich drauf tappte und ein verräterisches Geräusch verursachte. Es brauchte kein Niesen im ungelegenen Moment. Jeder Atemzug erregte doch sicherlich die Wahrnehmung der Bestie, dass etwas anders war!
Und tatsächlich merkte das dämonische Wesen auf. Es waren Daraks Worte, die Regung in ihm weckten. Langsam, aber unter einem unangenehmen Knacken der Halsmuskulatur ließ das Vieh den Kopf von einer auf die andere Seite wippen. Dann breiteten sich die Schwingen unter einem Tosen aus, als ließ jemand das Segel eines Schiffes los, das sich sofort unter einer heftigen Bö spannte. Die ledrigen Schwingen waren riesig. Mit Fauchs Flügeln hätte es das Monstrum nicht aufnehmen können, aber die Spannweite reichte aus, um beinahe die gesamte Länge der seltsamen Insel einzunehmen. Ein Grollen drang an Daraks und Rhivens Ohren. Es kam nicht von den Gewitterwolken her. Dort züngelten nur weiterhin die Blitze am Himmel, jedoch drang das Rumpeln tief aus der Kehle der Bestie. Sie wandte den Kopf, dass ein Paar blutroter Augen auf beide Männer traf. Der Dämonenschwanz schlängelte sich in nervösen Windungen über den steinernen Grund.
"Es ist bereits der Harax", schnaubte das Monstrum. Sein Atem drang als Dampf aus seinen kleinen Nasenlöchern und formte sichtbare Wölkchen in der Luft. Erst jetzt dürften sowohl Darak als auch Rhiven feststellen, dass das Atmen ein Kratzen in ihren Hälsen hinterließ. Es wurde zunehmend schwerer, wenngleich es bisher eher an eine Erkältung erinnerte, die Halsschmerzen verursachte. Unter erneutem Grollen drehte sich die massige Dämonengestalt. Dieses Wesen war trotz seiner Größe sicherlich behände, auch wenn seine träge anmutenden Bewegungen versuchten, es zu kaschieren. Sicherlich genügte ein Hieb mit den Krallen bewährten Pranken, um ein Leben auszulöschen. Es entließ einen weiteren Dampfschwall seines Dämonenatems.
Rhiven fackelte nicht lange. Er mochte nur mit einem Söbel bewaffnet sein - oh, wie hatte der in Sarma noch prächtig ausgesehen und jetzt mochte er genauso sinnvoll sein als würde man Zahnstocher nach dem Ungeheuer werfen! - doch der Elf schob seinen schlanken, trainierten Körper vor jenen Daraks. Seine Hand glitt zum Waffengurt. Er lockerte die Klinge aus derScheide mit einem metallischen Schneiden. Doch noch bevor er sie ziehen konnte, grollte der Dämon und schüttelte den Kopf.
"Lass den lieber stecken, sonst verletzt du dich noch." Es klang so herablassend und doch konnte es nur der Wahrheit entsprechen. Die Bestie machte sich nicht einmal die Mühe, die Klinge weiter zu beachten. Rhiven ließ den Griff nicht los. Er behielt den Säbel nun aber weiterhin halb in seiner Waffenscheide. "Krückel zum Portal, ich halte ihn auf", zischte er Darak zu. Wieder schüttelte der Dämon den Kopf. Seine Augen huschten nun selbst zum Portal herüber; zu jenem, das noch intakt war.
"Hrrrm, nach Morgeria wollt ihr." Er wusste es. "Ohne meine Hilfe könntet ihr dort überall hinein platzen. In ein Gladiatorenrund der Orks ebenso wie auf der lustvollen Orgienfeier eines dunkelelfischen Adelshauses." Die Bestie kannte sich wahrlich mit Celcia aus. Rhiven wagte es nicht, nach seiner Quelle des Wissens zu fragen, aber nun war es an ihm, leise zu grollen. Der Säbel kehrte mit einem leisen Klicken gänzlich in seine Scheide zurück. Der Elf übernahm das Reden: "Und du... Ihr, Bestie, könnt uns überall nach Morgeria bringen?"
"Jaaaahhhr", entstieg dem Ungetüm die Antwort aus den Untiefen seines Schlundes. Er gab dabei den Blick auf eine Reihe messerscharfer Zähne frei. Dann schaute er von Rhiven zu Darak herüber. "Wo genau wollt ihr hin?"
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Sonntag 9. Oktober 2016, 00:28

Darak konnte nur ahnen, dass es sich bei Rhivens seltsamen Wortausbruch ebenfalls um einen Fluch gehandelt hatte, aber bei diesen Spitzohren wusste man nie. Der Befreier verzog sein Gesicht als er dieses hässliche Knacken hörte, welches offenbar von der Muskulatur dieses Monstrums herrührte. Dieser Dämon könnte definitiv von Almas kräftigen Händen profitieren, denn der brummigen Heilerin waren Muskelknoten stets ein Dorn im Auge und sie schreckte nicht davor zurück, diesen unter Einsatz ihres Ellenbogens und Gewichts (!) an den Kragen zu gehen. Seine Augen weiteten sich, als der Dämon seine Schwingen ausbreitete. Naja, die würde er hier definitiv nicht brauchen, denn diese Portalebene war so klein, dass die beiden ohnehin nicht weglaufen konnten. Einzig die Tatsache, dass sie noch nicht Tod waren, beruhigte Darak geringfügig, dennoch verkrampfte sich seine Faust um seine Krücke, als sich der Dämon ihnen zuwandte. Als ob das im Ernstfall was nützen würde, was sollte er den tun? Diesen Titanen mit einer Krücke erschlagen? Nein, hier war definitiv Diplomatie und Verhandlung angesagt. Immerhin war ihm letzteres ja ziemlich gut vertraut. Darak war sich jetzt schon sicher, dass sie hier nicht ohne Preis wieder heil herauskamen. Es sei denn, die Diebesgilde hatte auch hierfür vorgesorgt. Der Dämon markierte sein Revier, indem er sich einerseits aufplusterte und andererseits seine Gäste mit einem Grollen empfing. Es war so stark, dass es in Daraks Magen unangenehme Vibrationen verursachte, so wie wenn jemand in unmittelbarer Näher auf eine grosse Pauke schlug. Darak, der ein ausgesprochener Tierliebhaber war und in seiner kriminellen Vergangenheit oft mit irgendwelchen Wachtieren konfrontiert gewesen war, hatte gelernt sich stets auf die Rute des Tieres zu achten, denn diese spiegelte oft das Gemüt wieder. Der Dämon schien nicht gerade erfreut über ihren Besuch.

"Es ist bereits der Harax" Naja, wie viele Leute hatten ihm in seinem Leben schon gesagt, er solle doch gefälligst genau hierhin fahren.... Da war er nun. Sein nächster Halt könnte schliesslich die Untiefen Faldors sein, wenn er seinen aktuell eingeschlagenen, ehrenhaften Lebenspfad nicht zu Ende führte.
Die Luft in dieser Welt wog schwer und es war, als würde mit jedem Atemzug ein Schwarm von kleiner Zecken in seinen Hals geraten und sich dort festbeissen und ihm die Lebensenergie aussaugen. Ein ekelhaftes Gefühl. Während Darak sich keinen Deut rührte bewegte sich der Dunkelelf. Beschützend stellte er sich vor seinen Herrn. Der Befreier runzelte die Stirn und hob überrascht eine Augenbraue. Warum war Rhiven berit für ihn zu sterben? So ganz hatte er es immer noch nicht begriffen. Seine Absichten in Ehren, aber in dieser Situation war sein Heldenmut mehr als nur überflüssig, denn die Kraftverhältnisse waren ganz eindeutig verteilt. Wenigstens zeigte sich der Dämon kooperativ und schien nicht auf einen Kampf aus zu sein. Der hätte vermutlich auch äusserst wenig Spektakel geliefert. Ausserdem ging Darak nicht davon aus, dass sich Dämonen von Menschen ernährten, dafür gab es hier doch schlicht zu wenige, um einen solch gewaltigen Körper zu versorgen. Erst jetzt dämmerte ihm für einen kurzen Augenblick, dass er hier gerade einen Ort betreten hatte, den viele Menschen nur aus Erzählungen kannten und noch mehr für unmöglich hielten. Eine weiteres spektakuläres Kapitel in seiner Biographie!

"Krückel zum Portal, ich halte ihn auf" Die Situation war derart Aussichtslos, dass Darak sich paradoxerweise völlig entspannte. Er vertraute darauf, dass die Diebesgilde ihn nicht auf diese exorbitant aufwendige Weise hatte loswerden wollen und daher auch wusste, dass diese Methode hier einigermassen sicher war. «Und dann? Ich glaube ohne seine Hilfe materialisiere ich mich als Gulasch verteilt über ganz Morgeria. Das war der erste Schritt um ein Verhandlungsgespräch anzufangen. Darak anerkannte die bessere Verhandlungsposition seines Gegenübers und gab offen zu, dass er von dessen Entgegenkommen abhängig war. Gleichzeitig zollte er ihm damit auch den nötigen Respekt.

"Hrrrm, nach Morgeria wollt ihr.Ohne meine Hilfe könntet ihr dort überall hinein platzen. In ein Gladiatorenrunde der Orks ebenso wie auf der lustvollen Orgienfeier eines dunkelelfischen Adelshauses." Die Orgienfeier tönte eigentlich gar nicht so schlecht... aber er war beruflich hier. Erstaunt war er eher darüber, wie gut die Bestie sich in Morgeria auskannte. Vermutlich verbrachte dieser Dämon viel Zeit damit, um die andere Seite durch den Spiegel hindurch zu beobachten. Was sonst konnte man an diesem Ort schon tun? Nägelkauen und sich einen Runterhohlen womöglich... obwohl er sich gar nicht sicher war, ob dieses Wesen überhaupt an solchen Dingen interessiert war. Wie vermehrten sich Dämonen eigentlich? Irgendwie war es bedauerlich, dass er die Gelegenheit hier nicht nutzen konnte, um den Dämon solche Dinge zu fragen. Die Tatsache, dass sich seine Gedanken um solche Trivialitäten kreisten war ein Ausdruck seiner Angst. Wenn Darak sich Machtlos und Ohnmächtig fühlte gab er sich absurden und unnützen Gedankengängen hin um der aktuellen Situation etwas von der Schwere zu nehmen. Diese Strategie hatte bisher in seinem Leben mehr oder weniger gut funktioniert.
"Und du... Ihr, Bestie, könnt uns überall nach Morgeria bringen?"

"Jaaaahhhr" Darak starrte in den Zähne bewehrten Schlund dieser Bestie und schluckte leer. Er wollte es sich mit diesem Wesen wirklich nicht verscherzen. So ganz verstand er nicht, was diese Dämonen genau machten. Warum hüteten sie diese Portale? Was hatten sie persönlich davon? Dieses Mal war es Darak, der das Wort ergriff. Wenn er sich in Morgeria so gut auskannte... dann konnte er ja versuchen etwas konkreter zu werden, denn wer konnte schon wissen, ob sich die Feuerhexe wirklich in einem Kerker befand und nicht als exklusive Luxussklavin in irgend einem Haushalt?
«Wir suchen eine Frau. Eine Menschin. Eine ausgesprochen mächtige Magierin. Wir möchten möglichst unauffällig in ihre Nähe gelangen.»
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Freitag 21. Oktober 2016, 12:06

Hätte Darak mal hingesehen, wäre ihm aufgefallen, dass dieser Dämon ein schweres Schicksal besaß. Denn ihm fehlte etwas. Zumindest sah man nichts zwischen seinen Beinen. Auf diese Weise musste er zwar keine Kleidung tragen, nicht mal einen Schurz, aber war das wirklich eine Alternative, die man sich wünschte? In jedem Fall fiel die Freizeitbeschäftigung "sich einen runterzuholen" für das Wesen ebenso flach. Da war nichts! Neutralität besaß im Harax oder zumindest auf der Ebene dieses Dämons eine gehörige Bedeutung. Jetzt konnte man sich mit Recht fragen, wie er seine Daseinsfrist gestaltete. Rhiven und Darak mussten ja eine gehörige Abwechslung bedeuten.
Der Schweif des Biestes zuckte. Bei Katzen war das kein gutes Zeichen. Sie bereiteten sich so oftmals auf einen Angriff vor und zeigten ihrem Gegenüber, dass er lieber die Füße still hielt oder sich noch besser sofort aus dem Staub machte. Hunde hingegen erfreuten sich oftmals an etwas oder waren immens aufgeregt, wenn deren Rute einem wilden Kolibri gleich hin und her schwirrte. Was war das Naturell von Schwanz bewährten Dämonen? Konnte man sie überhaupt alle in eine Schublade stecken? Existierten Unterschiede? Ein jeder Harax-Forscher oder Ritualmagier hätte Darak Luthrokar um seine Situation beneidet. Er durfte schließlich nicht nur Beobachtungen führen, er verhandelte mit einer dieser gehörnten Bestien!
"Eine Frau." Bewegung kam in den Dämon. Genug davon, dass Rhivens gesamter Körper sich anspannte und man erneut den Säbel in seiner Schutzhülle klicken hören konnte. Zeitgleich hob sich der linke Mundwinkel des Haraxiers. Erneut knackten Gelenke, als sich deren Sehnen unter der Haut über die Knochen schabten und an ihren angestammten Platz zurückschnellten. Muskelstränge wurden gefordert. Der Dämon erhob sich. Mit Gemächlichkeit, als sei ihm alle Zeit der Welt zuteil, trottete er auf das aktive Portal zu.
Rhiven ließ ihn nicht aus den Augen. Langsam neigte er sich zu Darak hinter und wisperte ihm zu: "Wir sollten das Ungeheuer nicht unterschätzen. Er bewegt sich langsam, aber ich wette, er ist schnell wie ..."
"Bin ich", entgegnete besagtes Ungeheuer und hinter ihm sog der Dunkelelf die Luft ein, dass ein leicht geräuspertes Husten folgte. Zu viel haraxische Luft brannte wahrlich in der Kehle. Sie mussten zusehen, dass sie diesen Ort verließen.
Der Q'lalar berührte mit ausgestreckter Pranke die wabernde Oberfläche des Portals. Sie geriet in heftige Wallungen. Ein Wirbel aus Farben stob auseinander und formte sich neu. Dann wurde das Bild klarer. Ein winziger Raum war zu sehen. Die Wände glänzten mattschwarz. Jeder Stein, aus dem diese Kammer gehauen war, bestand aus Obsidian - ein feuerfester Rohstoff. Nur ein winziges, rechteckiges Fenster in der oberen Wand besaß Gitterstäbe. Hier war nicht einmal eine Tür zu erkennen, aber durch das vergitterte Loch drang Mondlicht bleich in die Kammer ein. Es fiel auf einen feurig roten Schopf. Jede Strähne stand wirr ab und die Haut darunter wirkte blass, nahezu kränklich. In einem anderen Licht wäre die Frau, die sich auf dem nackten Stein zusammenkauerte sicher attraktiv gewesen. Und wahrlich, ihre knappen Fetzen an Kleidung hätten die Fantasie angeregt. Sie nun aber zu sehen, so in sich zusammengesunken, ließ jene schaudern, die Cassandras Temperament kannten. Das war die Feuerhexe, klein und verloren in einer schwarzen Zelle ohne ersichtlichen Zugang. Beinahe nackt und neben sich nur eine Schale, in der noch wenige Reste Wasser zu erkennen waren. In einer Ecke fand sich ein Eimer. Seine Nutzung mochte unausgesprochen klar sein. Ein schreckliches Bild.
"Diese Frau?", erkundigte sich der Dämon und just in jenem Moment hob das Bildnis der Hexe auf der anderen Seite des Spiegelportals den Kopf an. Ihre Züge wirkten unscharf. Nun fiel auf, dass alles irgendwie verwaschen war. Lediglich ein trotziger Glanz in ihrem Blick zeugte von ihrer Willenskraft. Noch war Cassandra nicht gebrochen. Es bestand Hoffnung.

Der Dämon löste seine Pranke vom Portal. Das Bild schwand und die wabdernde Masse nahm seinen Platz wieder ein. "Ich kann euch nicht direkt zu ihr bringen", entgegnete der Q'lalar. "Zu wenig spiegelnde Oberfläche. Ihr würdet ... es bereuen, euch für dieses Ziel entschieden zu haben." Aber sie hatten nun den Beweis. Cassandra musste in Morgeria sein, jedenfalls, wenn man den Bildern und den Worten des Dämons Glauben schenkte.
Rhiven löste seine Hand vom Heft des Säbels. Er straffte seine Statur und machte einen halben Schritt nach vorn, auf den Dämon zu. "Bestie, ist Euch das Haus derer von Rasverath ein Begriff?"
Interessanterweise nickte der Dämon. Er musste sich viel mit der anderen Welt beschäftigen. Celcia war seine Freizeit und das Portal ein Auge dorthin. Selbst den Dunkelelfen überraschte die positive Geste. Er ließ sich dadurch jedoch nicht lange beeindrucken. Ohne Darak im Rücken zu beachten, übernahm dessen selbst ernannter Sklave nun die Verhandlungen. "Seid Ihr in der Lage, uns in das Anwesen derer von Rasverath zu bringen? In das Nachtgemach ihres ältesten, noch lebenden Sohnes?"
"Das bin ich", entgegnete der Q'lalar ohne Umschweife.
"Dann bringt uns genau dorthin."
Ein Lachen erfüllte die Domäne. Es war tief und grollig, wie ein herannahendes Gewitter. Die Blitze im Hintergrund untermalten es nahezu perfekt. Das Geräusch konnte nur vom Dämon selbst stammen. Er entblößte dolchartige Reißzähne, als er grinste. Dann hob sich erneut eine Pranke. Der Zeigefinger war ausgestreckt und allein der spitze Nagel seiner Klaue hätte Darak gereicht, um ihn als Dolch zu nutzen. "Ich werde es tun", ließ sich die Bestie vernehmen, "vorausgesetzt, euer Preis stimmt. Und ich verlange, dass jeder Reisende ihn zahlt." Etwas trat in die dunklen Augen. Jetzt erkannte man den Sinn seines Daseins. Der Q'lalar lechzte so sehr nach dem Preis - wie immer er aussehen mochte - dass sich seine gesamte Haltung veränderte. Sein Schweif zuckte nur noch unruhiger über den Grund. Seine Muskeln spannten sich erneut an. Die Vorfreude blitzte als dunkles Omen in seinen pechschwarzen, geschlitzten Pupillen auf. "Ich ... bin hungrig", sagte er, während eine gespaltene Zunge über seine Lippen fuhr.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Donnerstag 3. November 2016, 02:01

Darak vermied es bewusst, gewisse Zonen des Dämonenkörpers anzugaffen. Er wollte schliesslich nicht, dass die Aufmerksamkeit des Wesens auf Gefilde gelenkt wurde, die ihm in dieser Konstellation ganz und gar nicht angenehm wäre. "Eine Frau." Oh und was für eine Frau! Darak hatte zwar nie das zweifelhafte Vergnügen gehabt, Cassandra persönlich zu begegnen – er hätte einen solches Zusammentreffen vermutlich auch kaum überlebt – aber alleine schon die Erzählungen über ihre Schönheit und...naja...eben Feurigkeit überboten sich nur so. Es war das ungezügelte und wilde Temperament dieser feuermagisch begabten Frauen, die sie auf dem Sklavenmarkt so unschätzbar wertvoll machten und natürlich auch der Umstand, dass sie nicht so leicht zu kriegen waren. Selbst ein erfahrener Sklaventreiber wie Darak hatte sich an der einen oder anderen Novizin schon sprichwörtlich die Finger verbrannt.

Darak schauderte ab dem seltsamen Geräusch, das die Sehnen des Wesens verursachten. Irgendwie erinnerte ihn das an Valrock... und das war nun wirklich nichts Angenehmes. Mit wachsender Ungeduld beobachtete er das gemächliche Verhalten des Dämons, der sich langsam zum aktiven Portal bewegte. Zugegebenermassen war es aber nicht die frappante Langsamkeit des Haraxwesens, dass ihn unruhig werden liess, sondern seine Abhängigkeit von eben jenem. Darak mochte es gar nicht, wenn er die Dinge nicht selbst in die Hand nehmen konnte. Ausserdem vermisste er Alma. Jetzt in diesem Moment. Alma konnte mit grossen Viechern umgehen... es gab praktisch nichts, dem Alma nicht gewachsen war... ausser möglicherweise erotischem Bauchta... Er petzte die Augen zusammen und unterdrückte krampfhaft das Bild des Grauens, welches sich in seinem Gehirn gerade zu manifestieren versuchte.

Zum Glück hatte der Nichtgenannte ihn gut genug in der Kunst der Meditation geschult, um sich selbst dieses Trauma zu ersparen. Er fokussierte sich wieder auf das wesentliche. Seine Mission. Cassandra. Das Portal.

"Wir sollten das Ungeheuer nicht unterschätzen. Er bewegt sich langsam, aber ich wette, er ist schnell wie ..." Darak hustete nur und räusperte sich. «Ja.» Brummte er nur und gönnte dem Dämon seinen kurzen Triumpf. Rhiven konnte die Sache mit dem Säbel wirklich bleiben lassen. Sie waren hier in einer fremden Sphäre, in einer lebensfeindlichen Umgebung, konfrontiert mit einem gigantischen Dämon. Selbst wenn sie ihn töten könnten, würden sie doch auf dieser Ebene festsitzen und zugrunde gehen, da war er sich sicher. Nein...diesen Dämon wollten sie sich definitiv nicht zum Feind machen. Darak wusste, dass der Dämon sich der Sachlage auch mehr als nur bewusst war und deshalb war er dazu verdammt zu warten, bis das Viech den ersten Schritt tat. Er beobachtete den Dämon schweigend dabei, wie er den Spiegel berührte. Reflexartig kniff er die Augen zusammen, damit er schärfer sehen konnte.

Er erkannte einen dunklen Raum. Eine Zelle möglicherweise... und... er atmete tief ein, was er sofort bereute. Darak hatte einen merkwürdigen Sinn für Schönheit. Trotz ihres Elendes und schlechten körperlichen Zustands erkannte der Befreier sofort den Willen in den Augen der Feuerhexe. Jenen trotzigen Willen, den es brauchte, um eine Extremsituation zu überleben. Darak wusste diesbezüglich schliesslich Bescheid. Dennoch war der Anblick grauenvoll. Etwa so musste er in Liliths Augen ausgehen haben, als sie ihn aus der dunklen Kammer geholt hatten. Er schauderte. "Diese Frau?" «Ja.» Bestätigte der Befreier knapp. In seinem Kopf arbeitete es bereits. Ein Fluchtplan musste her! Eine Strategie! Nichts davon war vorhanden.... ja sie wussten noch immer nicht wirklich, wo sie war.

"Ich kann euch nicht direkt zu ihr bringen" Darak schnaubte nur und nickte. Sich in einer Pfütze zu materialisieren war wirklich nicht gerade eine berauschende Vorstellung. Aber es war gut zu wissen, dass sie noch lebte. War sie aber auch kräftig genug um zu fliehen? Sie musste es sein! Nicht einmal einen Treffpunkt hatten sie vereinbart... sie würden es ja wohl unmöglich ohne Hilfe bis zurück nach Sarma schaffen. Diese Mission... ist scheisse. Sie ist schlecht. Sie ist ein Himmelfahrtskommando! Bei Lysanthors goldenen Eiern!!! Warum kann ich nicht einmal EINMAL im meinem Leben den leichten Weg haben! Warum muss immer alles kackscheisse kompliziert sein! Naja...was hatte er erwartet? Er führte eine rebellierende Stadt gegen eine gewaltige Übermacht von blutrünstigen Kriegern an...
"Bestie, ist Euch das Haus derer von Rasverath ein Begriff?" Darak hatte diesen Namen noch nie in seinem Leben gehört. Er runzelte die Stirn und sah Rhiven prüfend an. «Wer?» Er setzte seinen haben-die-was-mit-deiner-persönlichen-Angelegenheit-was-zu-tun-Blick auf.

"Seid Ihr in der Lage, uns in das Anwesen derer von Rasverath zu bringen? In das Nachtgemach ihres ältesten, noch lebenden Sohnes?" «W...was..wohin...?» Sicher! Sich in das Anwesen irgendeines Dunkelelfenclans zu teleportieren, schien ihm ein grossartiger Plan zu sein! Naja... war es vermutlich auch, wenn man ein Dunkelelf war und möglicherweise gerade den Befreier Sarmas ans Messer lieferte. Er kniff seine Augen zusammen und musterte Rhiven misstrauisch. Sicherlich, Rhiven hätte bisher schon mindestens eine zillion Möglichkeiten gehabt, ihn um die Ecke zu bringen... aber hier in Morgeria... könnte er ihn ausliefern. An den dunklen Herrscher... oder so.
Aber für etwaige Einsprüche war es in jenem Moment zu spät, als der Dämon plötzlich erneut zum Leben erwachte. Mit einem ziemlich ausgeprägten Sinn für Dramatik gab er Rhivens Zielort die nötige Gewichtigkeit. Darak erstarrte. Ein Zustand, der ihm in seinem Leben nur sehr selten widerfahren war. Aber ihm blieb nichts weiteres übrig, als an den Reisszähnen vorbei in den Schlund des Dämons zu starren, der seine grosse Stunde gekommen sah.

"vorausgesetzt, euer Preis stimmt. Und ich verlange, dass jeder Reisende ihn zahlt." Darak wich reflexartig zurück, eine abrupte Bewegung, die sein Knie für einen Moment überforderte. Ächzend brachte er sich selbst wieder ins Gleichgewicht. [b]Verdammt! Davon hat die Diebesgilde nichts gesagt![b]
Ich ... bin hungrig" Darak tauschte einige unruhige Blicke mit Rhiven. Viel hatten sie nicht bei sich und der Dämon sah nicht unbedingt danach aus, als würde er sich auf einen Kredit einlassen. Was vermutlich auch klug war, denn die Wiedereinreiserate in den Harax war vermutlich relativ klein. «Wir haben nicht viel bei uns, Dämon. Schau uns an... gibt es etwas, dass dich für deine Dienste entschädigen kann?»

Er konnte nur hoffen, dass der Dämon nicht doch noch plötzlich gedachte einen von ihnen beiden zu verspeisen. Er brauchte Rhiven ganz dringen...naja und sich selbst natürlich auch!
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Montag 7. November 2016, 08:32

Rhiven schnappte Daraks Blick aus dem Augenwinkel heraus auf. Es genügte, dass er den Kopf von der Bedrohung der dämonischen Wesenheit weit genug abwandte, um Darak im Profil zu betrachten. Seine Haltung straffte sich kaum merklich. Der Elf sagte nichts. Er stießt lediglich die Luft aus und nickte. Dann schüttelte ihn ein leichtes Husten.
Darauf wurde der Q'lalar sofort aufmerksam. Sein Schweif peitschte einmal kräftig über den Boden, dass ein Klatschen entstand. "Ihr solltet nicht zu lange hierbleiben", riet er ihnen. Dabei klang er so aufrichtig wie ein Dämon nur klingen konnte. Nichts deutete daraufhin, dass er sich über weiter anhaltende Gesellschaft freute noch dass sie ihn stören könnte. Er würde die beiden wohl auch nicht mehr lange zu Gast auf seine winzigen Insel haben. Das Anwesen der Rasveraths - wer immer das nun auch war - stellte sich als umsetzbares Ziel heraus. Der Haraxier war sogar in der Lage, die beiden in einen ausgesuchten Raum des Anwesens zu bringen. Wenn die Wüstendiebe davon gewusst hätten! Der Spiegel, den sie für Daraks und Rhiven Reise nach Morgeria nun geopfert hatten, besaß ungemein viel Macht. Die beiden Männer durften nicht scheitern, nicht für dieses Opfer. Außerdem ging es um Cassandra. Darak hatte sie gesehen. Eine Frau wie sie verdiente ihr aktuelles Schicksal nicht. Die Frage war, welche Schicksale es für den Enthörnten und seinen Begleiter verhieß. Keine Guten, deutete man die dämonische Reaktion richtig.

Der Q'lalar bäumte sich auf. Er spreizte die ledrigen Schwingen, die sich unter einem nicht spürbaren Wind blähten. Das Geräusch gespannter Segel rückte in die Erinnerungen. Dann legte der Dämon seine Schwingen um den Leib wie einen fledermausartigen Mantel. Seine Gestalt streckte sich. Er glich einem viel gezahnten, gehörnten Baron aus den tiefsten Abgründen der Boshaftigkeit. Seine Augen blitzten erstmals in einem triumphalen Licht, seit Darak und Rhiven in seine Domäne eingedrungen waren. Wo er sich bislang noch als recht neutral, gar zurückhaltend, gegeben hatte, so zeigte die Bestie nun erste Einblicke auf ihr wahres Gesicht. Im Grunde ihrer monströsen Körper waren sie doch alle gleich!
In diesem Ungetüm tobte der Hunger. Natürlich! Hier lag schließlich weder Nahrung herum, noch ließ sich ein Strauch mit Früchten oder Nüssen entdecken. Aber vermutlich bevorzugten Dämonen Fleisch. Bei all den Zähnen sicherlich.
Als Darak unter einem Ächzen zurückwich, bekam er einen Schatten. Einen, der sich vor ihn stellte. Rhiven hatte sich erneut in sein Blickfeld geschoben. So verzweifelt die Aktion auch war, er hatte seine Hand erneut an den Griff der Klinge gelegt. Es brachte den Dämon nicht einmal zum Schmunzeln, aber dem Dunkelelfen gab es ein Gefühl von Sicherheit. Solange er eine Waffe ziehen konnte, besaß er einen letzten Anteil an Kontrolle.
"Der Plan war, dass wir beide in Morgeria ankommen - in einem Stück, Dämon", warf Rhiven ihm entgegen. Das entlockte der Bestie doch tatsächlich ein Lachen. Rauch stieg ihm aus dem Schlund. War er ein Drache? Nein, er war wesentlich schlimmer. Mit Fauch hatte man vernünftig handeln können. Obwohl auch bei ihm die Unsicherheit bestanden hatte, gefressen zu werden.
Eine Kralle reckte sich. Der Dämon zeigte auf Rhivens Kopf. "Ich bin nicht an eurem jämmerlichen Fleisch interessiert. Ich ernähre mich von weitaus anderem. Und es wird euch Vorteile bringen. Lasst mich genug davon fressen und der Nährboden wird ebenso schwinden wie mein Hunger."
"Worauf seid Ihr aus, Bestie?!" Rhivens Geduld hing nur noch an einem seidenen Faden. Er war angespannt. Seine Spitzohren zuckten leicht.
"Was ich will", grollte der Dämon in verzückter Gier, "sind Erinnerungen eurer Seelen. Vor allem die düsteren sind besonders schmackhaft für mich. Qual und Pein haben Narben in euer Sein geschlagen. Ich will mich daran sattfressen und es wird auch euer Vorteil sein. Was ich fresse, ist fort."
Rhiven drehte den Kopf. Über seine Schulter hinweg blinzelte er Darak an. Sein Blick war fragend, zugleich runzelte sich die Stirn, dass die elfische Makellosigkeit Risse bekam. Wären er oder Darak Ritualmagier gewesen, könnten sie vorhersehen, was ein dämonisches Festmahl für ihre Seelen bedeutete. So aber konnten sie sich nur auf das Wort des Q'lalar verlassen.
"Ihr wollt unsere Erinnerungen und davon nur die schlechten? Wo ist der Haken, Dämon?" Rhiven traute ihm nicht und er tat gut daran. Das dicke Ende offenbarte sich ihnen, als der Haraxbewohner erneut mit Vibration in der Stimme ansetzte: "Eine Mahlzeit muss aufgetischt werden. Ihr werdet euch ein letztes Mal erinnern, durchleben, was ihr mir serviert ... und dann fresse ich." Während er sprach hüllte sich seine Gestalt in eine flammende Aura. Blaues Feuer umwaberte ihn, sammelte sich als flackernder Haarschopf auf seinem Schädel. Stachlig und in grellem Licht brannte es dort, ohne ihm Schaden zuzufügen. "Ich gebe euch zwei Minuten, euch zu beraten. Danach ... treffen wir eine endgültige Entscheidung. Die Zeit läuft."
Rhiven dreht dem Biest den Rücken zu. Er sah Darak an. Seine Entscheidung hatte er bereits getroffen, obwohl durchaus der Hauch von Furcht und Unbehagen in seinen roten Augen glomm. Er würde es tun. Er würde den Preis für den Weg nach Morgeria zahlen.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Sonntag 15. Januar 2017, 13:38

Daraks Blick ruhte eine ganze Weile auf Rhiven. Er wusste noch immer viel zu wenig über diesen Dunkelelfen. Wenn alles gut ging, dann würde er schon bald an dessen Seite direkt ins Maul des Löwen steigen. (Eine Höhle war schliesslich im Falle von Morgeria doch eher eine satte Untertreibung). Noch immer verfügte er über keinerlei Anhaltpunkte hinsichtlich Rhivens Motivation dem Gehörnten zu helfen. Gehörte die Familie der Rasveraths dazu? In welcher Beziehung stand Rhiven zu diesem Haus? Fragen über Fragen, auf die er keine Antworten erhalten würde. Zumindest nicht jetzt, denn sie mussten dem gefährlichen Dämon all ihre Aufmerksamkeit und Konzentration widmen. Ausserdem hatte der Dämon recht, sie mussten sich sputen. Die Luft des Harax verätzte ihnen allmählich die Lungen.
Der Dämon hatte definitiv ein Flair für dramatische Auftritte und sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Darak humpelte einige Schritte zurück, als das Haraxviech seine Flügel spreizte. Für einen Moment musste er an Fauch denken. Hoffentlich hatten Vesta, Alma, Constanze und Lilith ihn unter Kontrolle. Auch Drachen waren launische Wesen. Darak starrte den Dämon verdutzt an, als dieser die Schwingen wieder zusammenzog und um seinen Körper schmiegte. Es wirkte so, als hätte der Q’lalar diese Pose jahrelang eingeübt...nun ja...Zeit genug hatte er dafür wohl auch gehabt. Rhiven stellte sich abermals vor seinen „Herrn“. Dieser Mann würde zweifelsohne mit dem Schwert in der Hand sterben. Aber warum würde er es für Darak tun? Schon wieder? Rhivens Opferbereitschaft war sein grösstes Geheimnis.
"Der Plan war, dass wir beide in Morgeria ankommen - in einem Stück, Dämon", Darak nickte nur und blickte den Dämon mit wachsender Nervosität an. Einen Pakt mit einem Dämon einzugehen klang in sich schon nach einer unglaublich schlechten Idee. Allerdings war er im Gegensatz zu dem Dunkelelfen schon lange zur Überzeugung gelangt, dass dem Dämon nichts an ihrem Fleisch lag. Menschen unterhielten sich schliesslich auch nicht Minutenlang mit ihrem Essen...
"Ich bin nicht an eurem jämmerlichen Fleisch interessiert. Ich ernähre mich von weitaus anderem. Und es wird euch Vorteile bringen. Lasst mich genug davon fressen und der Nährboden wird ebenso schwinden wie mein Hunger."

Langsam hob sich Daraks Augenbraue und er sah den Dämon skeptisch an. Ein Vorteil? Für sie? Was genau hatte der Dämon vor? Wollte er sie lausen? Gehörte er zu einer Spezies, die mit den Doktorfischen verwandt war? Trachtete es ihm nach der Hornhaut an ihren Füssen? Wohl kaum...
Der Enthörnte widerstand dem Impuls, Rhiven beruhigend die Pranke auf die Schulter zu legen. Die Anspannung des Dunkelelfen war beinahe so toxisch wie die Umgebungsluft und übertrug sich allmählich auch auf Darak.
"Was ich will sind Erinnerungen eurer Seelen. Vor allem die düsteren sind besonders schmackhaft für mich. Qual und Pein haben Narben in euer Sein geschlagen. Ich will mich daran sattfressen und es wird auch euer Vorteil sein. Was ich fresse, ist fort." Darak starrte den Dämon an. WAS?! Wo war der Haken? Es musste einen Haken geben! Wenn nicht, dann würde Darak zukünftig all seine Reisen über den Harax buchen. Rhiven drehte sich zu ihm um. Beide verstanden sich ohne Worte, denn die sich aufdrängende Anschlussfrage lag auf der Hand: Wo ist der Haken?
"Eine Mahlzeit muss aufgetischt werden. Ihr werdet euch ein letztes Mal erinnern, durchleben, was ihr mir serviert ... und dann fresse ich." Darak schluckte Leer und es stellten sich ihm seine Nackenhaare auf. Die Folter durch Valrock nochmals zu durchleben? Die Minen? Das Brechen seiner Beine? Es war klar, dass sich der Dämon nur mit etwas besonders Furchtbaren zufriedengeben würde und sich wohl kaum auf eine der vielen süssen, aber äusserst schmerzhaften Episoden zwischen Darak und Vesta einlassen würde... zumal Darak diese Erinnerungen auch behalten wollte...

Aber es gab ein noch nicht so weit entferntes Erlebnis, dass Darak gerne loswerden wolle, weil es ihn noch immer plagte und ihn schwächte. Rhiven drehte sich zu ihm um und er konnte sofort in dessen Blick lesen, dass er sich bereits mit seinem Schicksal abgefunden hatte. Darak hob seine Hände. „Warte.“ Brummte er zu dem Dunkelelf. „Alle deine Erinnerungen die irgendwie mit Morgeria zusammenhängen, wirst du hier brauchen.“ Murmelte er nur und sah ihn direkt an.
Er selbst merkte aber, wie sich ein Gefühl des Unbehagens in ihm Breit machte. Warum wollte er sich opfern? Warum sollte er Rhiven nicht Vorschicken und diese Bürde tragen lassen? „Ausserdem wissen wir nicht, wie die Nachwirkungen davon sind. Du bist der Einzige, der kämpfen kann. Ein ausgemergelter Sklave hingegen, fällt wohl weniger auf.“ Was ihm scheinbar so leicht von den Lippen ging, löste in seinem von kriminellen Energien geprägten Gehirn ein Sturm der Entrüstung aus. Das Gehirn eines jeden Berufskriminellen zeichnete sich in der Regel durch einen hohen Anteil an Egoismus aus. Selbstaufgabe und Opferungen waren daher kaum anerkannte Strategien, insbesondere dann nicht, wenn sich jemand anderes dafür anbot und es sich dabei nicht um eine Person handelte, mit der Darak sich fortpflanzen wollte.
Auf der anderen Seite war Darak aber auch ein Realist. Er ging nicht davon aus, dass ihr Aufenthalt in Morgeria ein Spaziergang werden würde. Ohne einen voll einsatzfähigen Rhiven würde er vermutlich keine drei Minuten überdauern.
„Ich werde es tun.“ Sagte der Enthörnte bestimmt, allerdings noch immer in der Annahme, dass er selbst würde entscheiden können, welche Erinnerung ihm der Dämon würde entreissen dürfen.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Dienstag 7. Februar 2017, 05:30

Daraks Gedanken kreisten für geraume Zeit um seinen Begleiter. Jenen Dunkelelfen, der als Kriegsgefangener an seine Seite gelangt war und bereits häufiger sein eigenes Leben für das Wohl des Gehörnten riskiert hatte als so mancher enge Freund. Was trieb Rhiven? Welche Motivation lag hinter seinen Taten, die unmöglich vollkommen selbstlos sein konnten. Kein Dunkelelf war so. Nicht einmal Menschen waren so! Aber Darak würde sich diese offenen Fragen nicht durch bloßes Grübeln beantworten können. Auch Beobachten reichte längst nicht mehr aus, wie er feststellen durfte. Denn er hatte schon reichlich Gelegenheit gehabt, Rhiven im Auge zu behalten und trotz allem war der nicht viel schlauer als zuvor. Dieser Elf blieb ein Mysterium.
In den Untiefen seines Hinterkopfes durfte sich der Luthrokar aber eines vermerken: Damals in Sarma hatte sich der Elf als Rhiven Nocturn vorgestellt und nun wünschte er, das Portal brächte sie ins Haus der Familie Rasverath. Ob er jener Familie diente und wenn ja, in welcher Weise? Es türmten sich nur mehr Fragen auf! Außerdem hatte Darak gar keine Zeit, sich langfristig darüber Gedanken zu machen. Später vielleicht, falls alles aufflog und er zusammen mit Cassandra in einem der morgerianischen Zellentrakte verroten durfte. Dann könnte er seinen spitzohrigen Begleiter vielleicht sogar direkt fragen, falls es dazu kam. Ob Rhiven ihm immer noch so loyal gegenüber wäre, würden sie erst einmal morgerianischen Boden betreten haben?
Fakt war, dass sie überhaupt nur dann ins Reich der dunklen Völker gelangen würden, wenn sie sich mit dem Dämon einigen konnten. Der Q'lalar betrachtete beide. Obgleich Rhiven erneut das Schwert erhoben hatte, zuckte das Viech nicht einmal mit einem Lidmuskel. Er machte allerdings auch keinen bedrohlichen Eindruck; von seiner sonstigen Optik abgesehen. Dämonen schauten schließlich immer sehr bedrohlich, einschüchternd und Furcht einflößend aus. Der Q'lalar bildete keine Ausnahme. Nur seine Forderung klang schrecklicher als sein Äußeres an Unbehagen wecken konnte. Er wollte sich an schlechten, an dunklen Erinnerungen laben. Im ersten Moment schien das keine allzu schlechte Idee zu sein. Erst recht nicht, wenn solche Erinnerungen schwinden würden, wären sie erst einmal von dem Dämon gefressen. Doch die Vorstellung, die eigenen Untiefen der Seele noch einmal zu durchforsten, noch einmal all diese Schrecken geistig zu erleben, ließen garantiert so manchen tief durchatmen, bevor eine Entscheidung getroffen wurde. Das Haraxwesen wirkte darüber nicht überrascht. Darak und Rhiven waren bestimmt nicht die ersten armen Reisenden, die sich einer solchen Herausforderung stellen mussten. Er ließ seinen beiden Besuchern tatsächlich Zeit, sich zu beraten.
Rhiven war es, der Überraschung zeigte. Seine ohnehin feinen, elfischen Brauen wölbten und hoben sich. Der Blick aus den blutroten Seelenspiegeln weitete sich zeitgleich. Für Sekunden schaute der Elf den Menschen einfach nur an. Plötzlich glomm etwas in seinen Pupillen. Darak besaß genug Menschenkenntnis, dass er erkannte, was er dort sah. Er hatte in seiner Vergangenheit viele Sklavinnen nach Sarma gebracht. Er hatte in den Minen getötet, um selbst überleben zu können. Aber in beiden Fällen hatte er solche Blicke schon gesehen. Unter seinen Minenbrüdern, wenn sie der eisenhaltigen Schachtluft der Stollen endgültig erlagen und langsam zu ersticken drohten oder wenn Verletzungen und andere Krankheiten sie restlos auszehrten, dass das Leben nur noch eine Qual war. Darak hatte solche Blicke gesehen, kurz bevor er jene Minenbrüder erlöste. Aber auch manche Sklavin, die er statt zu einem gewalttätigen Sultan doch noch ins Haus der Schwarzen Witwe und somit in Vestas Hände brachte. Nicht unbedingt ein behütetes Schicksal, aber ein Besseres, denn Vesta kümmerte sich um ihre Mädchen. Ja, Darak war ein solcher Blick nicht fremd. Ein Blick der Dankbarkeit. Jetzt sah er ihn wieder, Sekunden nur, bevor sich Rhiven halbwegs entgleiste Miene wieder festigte. Er fasste sich, nickte entschlossen. "Gut", sagte er nur.
"Ihr seid euch einig geworden?", fragte der Dämon, aber da stand Darak schon bereit. Er besaß genug dunkle Erinnerungen, dass er vermutlich eine ganze Armee nach Morgeria hätte portieren können. Für den Q'lalar musste Darak ein luxuriöses Mehrgänge-Menü darstellen. Der Q'lalar schien es zu riechen. Seine Nüstern blähten sich und dann bleckte er die dolchartigen Eckzähne. Es blitzte in seinen Augen. "Dann fangen wird an."
Und plötzlich brach es aus dem Dämon heraus: hell lodernde, giftgrüne Flammenzungen stoben aus seiner Haut heraus, fraßen sich von der Schwanzspitze seine Wirbelsäule entlang bis hinauf auf den Schädel, wo sie zwischen den gewaltigen Hörnern einen flackernden Kamm bildeten. Funken soben aus den Augen, die im gleichen Giftgrün zu glühen begonnen hatten. Säureartig lief ihm der Speichel aus den Winkeln seines Maules. Wo er zu Boden tropfte hinterließ er zischende Rauchsäulen. Auch die Pranken der Bestie hatten zu brennen begonnen. Wild züngelten die grünen Flammen um die Klauen, tauchten sie in giftiges Licht. Der Dämon riss sein Maul unter einem vorfreudigen Brüllen auf. Seine gespaltene Zunge entblößte sich. Unnatürlich lang schnellte sie zwischen den spitzen Zähnen hervor und bewegte sich wie ein eigenständiges Wesen. Sie war eine schwarze Schlange, ohne Augen, aber dafür von der giftgrünen Flammenaura umgeben. Seelenfeuer. Es würde sich durch Daraks Körper fressen, ohne ihn physisch zu verbrennen. Aber was richtete es mit dem Mann an? Bevor sich Darak überhaupt nur ansatzweise nähere Gedanken dazu machen konnte, schnellte die endlos erscheinende Zunge des Q'lalar vor. Sie peitschte um den Hals des Sarmaers, wickelte sich um ihn und riss Darak schließlich von den Füßen, als sie sich samt ihres Opfers zurückzog. Zurück auf den Dämon zu. Darak konnte Rhiven noch aufschreien hören, dann versank er in Finsternis ...


Du darfst nun zwischen drei Erinnerungsfetzen eine auswählen, an der sich der Dämon laben wird, ohne zu wissen, was sich hinter dem Titel verbirgt:
  • Der Schuster
  • Das Mädchen mit den Zündhölzern
  • Gebrochen
Entweder arbeitest du den gewählten Titel direkt in deinen nächsten Post ein oder du schreibst ihn ans Ende.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Samstag 18. Februar 2017, 00:59

Seine Worte waren schnell gesprochen gewesen. Aber nun, nachdem er sie geäussert hatte, tropfte das Bewusstsein über die persönliche Tragweite seiner Entscheidung wie zäher Honig in seinen Verstand. Luthrokar...du lässt auch wirklich gar nichts aus, um dein Leben beschwerlich zu machen! Klagte sein inneres, egoistisches und kriminelles Ich. Es war ja nicht so, dass diese Seite von Darak nicht mehr existierte. Darak hatte einen grösseren Teil seines Lebens auf der dunklen Seite gestanden und hat sich auf Abwegen befunden. Seine jetzige Linie zu halten, war für den ehemaligen Sklavenhändler eine stetige Herausforderung. Was war aus seinem Leben geworden, seit er den aufrechten Pfad beschritt? Man hatte ihm wieder mehrmals Gewalt angetan, man hatte ihn in Andunie beinahe hingerichtet, er hatte Bekanntschaft mit dem Innenleben einer Riesenschlange gemacht und war in der Dunklen Zelle gelandet... Sicherlich rational hatte sein aktuelles Opfer auf den ersten Blick durchaus Sinn gemacht. Er musste Rhivens Kräfte schonen, denn er war auf eben jene in Morgeria angewiesen. Aber die Ratio zeichnete sich dadurch aus, dass sie unabhängig von Emotionen und Gefühlen funktionierte... und auf der emotionalen Basis pisste ihn die Situation langsam gehörig an, denn er schlitterte im Moment von einer aussichtslosen Lage in die nächste. War das das ruhige Leben eines Anständigen Mannes?! Drauf geschissen! Wenn er ehrlich zu sich selbst war – nur hatte er im Moment keine Zeit dafür – aber wenn er mal eine Sekunde innehalten und ehrlich zu sich selbst sein würde, dann würde er feststellen, dass er zumindest Anteile seines alten Lebens vermisste. Sein Leben als Sklaventreiber war definitiv einfacher gewesen, als das hier! Dort hatte er sich ab und an mit Frauenspucke auseinanderschlagen müssen, die ihm entgegenflog...hier hingegen starrte er gerade ins geifernde Maul eines Dämons! Welcher vernünftige Mann würde sich in diesem Fall für die Dämonenvariante entscheiden? Doch irgendwie passte es in sein Leben, dass der aufrechte Weg bei ihm immer der verdammt schwierigste und beschissenste war... so war es ja schon gewesen, als er noch ein junger Mönch gewesen war.

Irritiert starrte er Rhiven an und brauchte eine ganze Weile, bis er die Dankbarkeit in dessen Augen erfassen konnte. Das war der Lohn, für sein unendlich kompliziert gewordenes Leben. Er wurde mit Emotionen und Gesten konfrontiert, die ein Sklaventreiber nur selten zu Gesicht bekam. Doch waren die Liebe und Freundschaft die er erfuhr, die Dankbarkeit der Menschen... genug? Legitimierten sie all seine Strapazen? Lohnte es sich auf die Vorzüge eines kriminellen Lebens zu verzichten für all diese Dinge?
Ja. Sagte sein Herz. Er nickte Rhiven kaum merklich zu, doch direkt hinter Rhiven, der sein Gesicht zu Darak umgedreht hatte, stand der Dämon und als er seinen Blick auf diesen Fokussierte, konnte er erkennen, wie sein Körper bereits grüne Flammen von sich abstiess. Die Aura des Dämons knisterte förmlich von haraxischer Magie und Erregung. Er freute sich offensichtlich auf seine bevorstehende Mahlzeit... es würde ein Festessen für den Dämon sein. Die Seele eines gefallenen Geistlichen musste besonders köstlich schmecken. Doch erkannte Darak wirklich das ganze Ausmass des Handels, den er einging? Konnte man für eine Tat büssen, die man vergessen hatte? Er würde nicht mehr selbstständig dafür um Vergebung bitten können. Sie wird durch den Eingriff des Dämons nicht ungeschehen werden..., sondern nur übertüncht mit dem dunkeln Schimmer des Vergessens.

Daraks Augen weiteten sich, als der Dämon auf ihn loskam. Der Enthörnte schrie auf und wich aus einem natürlichen und durchaus verständlichen Reflex heraus zurück, wandte sich von dem gleissenden und schrecklichen Seelenfeuer ab und hob schützend seine Arme. Panisch starrte er Rhiven entgegen und versuchte ihn zu erreichen, als sich etwas klebriges um seinen Hals legte und ihn mit einem Ruck von den Füssen riss. Bei seiner Körpergrösse krachte da schon einiges zu Boden, wenn es den Luthrokar von den Füssen haute. Benommen versuchte er die Zunge zu greifen, die ihn würgte. Er strampelte mit den Beinen, doch er konnte nichts gegen den Lauf der Dinge unternehmen und schliesslich versagten ihm auch die Sinne, denn er wurde von Dunkelheit umfangen.

Plötzlich merkte er, dass er nicht mehr gefangen war, doch noch immer konnte er nichts sehen. Er hechelte nervös, schnappte nach Luft. «Was...» Keuchte er und sah für einen Moment abertausende von flüsternden Lichtern an ihm vorbeirauschen. Manchmal hörte er einzelne Geräusche, und Sprachfetzen. Er griff nach den Lichtern und wenn immer er eines davon berührte drang dieses in seine Fingerspitze ein, floss bis in seinen Handteller und zeichnete darin eine Sequenz ab, die gerade lang genug war, dass er den Fetzen fassen konnte. So sah er sich selbst als junger Mönch in der Messe sitzen, wie er eine weisse Kerze hielt und zu Lysanthor betete. Kaum war die Sequenz abgespielt, löste sie sich in seinem Handteller auf und der Lichtstrahl setzte seinen Weg über Daraks Blutgefässe fort. Er fing noch eine Erinnerung, diesmal hörte er das Gackern von Cattie und wie sie mit seinem Zeigefinger schnäbelte... er lächelte. Das waren «gute» Erinnerungen... doch er spürte instinktiv, wie er tiefer in sein Bewusstsein glitt und allmählich jenen Ort erreichte, wo richtige, respektive absolute Dunkelheit herrschte.

Sofort wurde er von einem Gefühl der Beklemmung umfangen. Er drehte sich im Kreis, doch da war nichts als Finsternis. «H...hallo? Hallo?!» Nichts. Doch plötzlich hielt er inne. Hatte er etwas gehört? Er lauschte...und tatsächlich. Er hörte ein leises Kinderlachen, dass immer näher zu kommen schien. Der Geruch von Feuer lag in der Luft...gleichzeitig spürte er, wie der Druck auf seiner Brust immer intensiver wurde. Er realisierte, dass er sich nun keine Erinnerung ansah, sondern dass er sich in einer Erinnerung befand... und sein Körper signalisierte ihm deutlich, dass diese hier...nicht zu den guten gehörte.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Freitag 3. März 2017, 17:06

Schwärze.
Alles begann mit Finsternis. Sie war der Anfang von allem, selbst schon anwesend noch bevor Lysanthor das Licht erschuf. Es konnte ohne Finsternis nicht existieren, denn es musste sich davon abheben, um gesehen zu werden. Aber der Dunkelheit genügte es, vorhanden zu sein. Sie brauchte kein Licht, um ihre Vorherrschaft in die Köpfe derer zu pflanzen, die sie umgab. Im Gegenteil. Allein durch ihre Anwesenheit und das Fehlen von Licht gestattete sie so vielen kleineren Dienern, sich in ihr zu erheben. Sie wuchsen in ihrem Schutz und sorgten doch dafür, dass sie an Macht gewann. Finsternis wurde mächtiger, wenn ihre Advokaten wie Beklemmung, Angst oder Einbildung in ihren Schatten die Waffen wetzten.
Letzterer hatte Darak in seiner Domäne entdeckt. Jener spürte noch das Seelenfeuer auf seiner Haut. Es brannte nicht, aber ein Kribbeln hallte irgendwo am Rand seines Bewusstseins nach. Er spürte, das er weder schlief noch gestorben war und trotzdem wirkte es nicht real. Daraks Verstand war sich bewusst, dass er in seinen Erinnerungen weilte. Erinnerungen, die sich erst noch als Licht aus der Finsternis erheben mussten, Göttern wie Lysanthor gleich. Bis auf ein Kinderlachen in der Ferne war jedoch bislang nichts davon präsent. Sie ließen sich Zeit damit, nach und nach das Bild zu einem Gesamten zu offenbaren. Es begann mit Darak selbst.

Erinnerungen an einen festen Stand beflügelten ihn. Das war doch nichts Negatives. Er fühlte, dass er auf zwei kräftigen Beinen stand. Kräftiger jedenfalls als vor seiner Reise in die eigenen Gedankenfetzen seines Kopfes. Denn im Harax hatte er kaum ohne Krücken lang allein das eigene Gewicht halten können. Jetzt stand er, nahezu aufrecht und in einer gewohnten Haltung. Sie gestattete ihm Balance, Sicherheit, obgleich er spürte, dass das rechte Knie nicht richtig saß. Es war falsch verwachsen. Er musste sich in einer Erinnerung nach Valroks Folter befinden. Diese würde ihm erspart bleiben. Das bedeutete aber auch, dass er sie nach seinem Seelenfeuer-Exkurs nicht vergessen haben würde. Was hatte sich der Dämon ausgesucht? Was sollte Darak verlieren? Was konnte besser schmecken als die quälenden Erinnerungen an die pelgarischen Stiefel?

Das Kinderlachen nahm zu. Glockenhell und heiter, vertraut. Aber das war alles an diesem Ort. Darak erkannte die grauen Konturen eines Kamins in der Wand. Kein Feuer brannte und Asche hatte die letzte Glut restlos zum erlöschen gebracht. Auf dem Kaminsims fanden sich eine Reihe an gerahmten Bildern. Klein und ohne Licht nicht zu erkennen.
Aus irgendeinem Grund wusste Darak, dass gegenüber dem Kamin ein Esstisch stehen musste. Sechs Stühle, ordentlich herangeschoben. In der Mitte ruhte ein Zweig mit Apfelblüten in einer Vase. Blüten eines andunischen Apfelbaumes, wie sie zu dieser Jahreszeit als Blütenmeer die Plantagen vor der Handelsstadt in weißrosa Wolken tauchten. Ein Blütenblatt segelt herab. Auch daran erinnerte sich Darak Luthrokar. Die Bewegung im grauen Zwielicht hatte ihn erst auf die Richtung aufmerksam gemacht. Sein Kopf hatte sich gedreht und hinter dem Tisch die eigene Gestalt im Glas einiger Vitrinen reflektiert. Auch jetzt sah er sich. Oh, er war so viel jünger! Ausgeruht und in vollem Saft. Seine Muskeln strotzten nur so von einem trainingsreichen Leben. Am Gürtel war die Peitsche aufgerollt und sein komplettes Äußeres passte eher zu einem Sarmaer, der sicht auf heißes Wetter gefasst machte. Viel trug Darak nämlich nicht am Leib. Aber der gehörnte Helm, der war vorhanden. Sein Helm. Sein über alles geliebter Helm!
Sollte er ihn vergessen?
Fast vermochte der Anblick dieses Kopfshutzes es, das glänzende Silber hinter den Glastüren der Vitrine verblassen zu lassen. Einzig Daraks Erinnerung, dass er einst zu den Schränken geschlichen war und sich das Tafelsilber betrachtet hatte, reichte aus, es wieder in den Vordergrund zu rücken. Wertvoll war das Zeug, ohja. Würde er alles mitnehmen, brauchte er sich eine Woche keine Sorgen darum zu machen, ob er ein Weibstück in Andunie entführen könnte oder nicht. Er würde in Bordellen nächtigen und gut speisen können. Das Tafelsilber hätte in seinem mitgeführten Jutebeutel auf jeden Fall Platz. Und da waren auch noch dunkle Erinnerungen an ein teuer aussehendes Schmuckkästchen in seinem Hinterkopf. Es musste auf dem kleinen Rundtisch stehen, der sich neben einem Ohrensessel befand, nahe der Treppe hinauf in den ersten Stock. Man würde ihn nicht hören. Die Hausbewohner schliefen. Es war dunkel und Darak bemühte sich darum, leise zu sein. Er brauchte sich nur zu nehmen, wonach ihm begehrte.


Hinweis: Ich habe dein Wichtelgeschenk nicht vergessen! Es passt im Moment nur absolut nicht in die Postings hinein. Darak erhält es, wenn er wieder in der Realität zurück ist :)
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Dienstag 21. März 2017, 17:56

Es war seltsam für den Befreier, dass er sich zuerst vor allem an seine Jugendlichkeit und Stärker erinnerte. Bei Lysanthors Eiern, was war er nur für ein stattlicher Recke gewesen! Zwei starke Knie, obwohl sein rechtes bereits einmal in seinem Leben zerschmettert worden war. Nie würde er Valrock vergessen... Niemals. Ausser vielleicht, er würde irgendwann nochmals haraxische Dienste in Anspruch nehmen müssen. Doch die Erinnerung an Valrock, war im Gegensatz zu dem, was Darak wohl bevorstand ein nahezu leicht verdauliches Mahl für diesen Dämon gewesen. Warum sollte er sich auch mit einem schnöden körperlichen Trauma zufriedengeben, das so viele Menschen irgendwann in ihrem Dasein auf Celcia erlitten, wenn er doch was Besseres haben konnte. Daraks Erinnerungen waren eine wahre Fundgrube für einen seelenfressenden Dämon und so schickte er ihn nicht zurück nach Pelgar und in Valrocks Gewahrsam, sondern in jenes vermaledeite Haus in Andunie, das sein Leben stark prägen würde. Darak sah sich in dem Raum um. Es roch angenehm nach der kürzlich erstickten Glut im Kamin, gemischt mit einer feinen Note andusianischen Apfelweines. Die Bewohner dieses Hauses führten ein gutes Leben. Darak spürte, wie dieser Gedanke seinem jungen selbst ein Grinsen entlockte. Ja, diese Menschen lebten gut, so gut, dass sie dazu ausserkoren waren zu teilen. Mit ihm. Darak Luthrokar. Der einstige Minenbruder und gefeierte sarmaer Sklaventreiber. Oh er hatte einen Ruf und sein Geschäft florierte gerade. Nie in seinem Leben hatte er sich agiler, stärker und freier Gefühlt wie in jener Zeit kurz vor Andunie.

Er drehte sich vom Kamin weg und dem Tisch entgegen. Liess seie Finger spielerisch über die Stuhllehnen gleiten. Selbstbewusst und geschmeidig bewegte er sich im fremden Haus. Er betrachtete sich die Apfelblüten und beobachtete eines der Blätter dabei, wie es sich löste und heruntersegelte. Dabei registrierte er ein Funkeln in seinem Augenwinkel und drehte seinen Kopf. Er betrachtete sich die Vitrinen, deren Glas so stark reflektierten, dass er sich selbst im Halbdunkel erkennen konnte. Darak hatte schon lange nicht mehr an seine eigene Vergangenheit gedacht. Beinahe hatte er vergessen, welcher Mann er gewesen war, bevor er zum Befreier wurde. Jetzt hatte er hingegen die Zeit sich selbst zu betrachten. Er sah gut aus. Zu diesem Zeitpunkt war er noch völlig unbelastet von all den Entbehrungen, Abgründen und Opfer, die sein Weg zu einem bessern Leben begleitet hatten. Ein besseres Leben? Mhm... war dies wirklich die richtige Bezeichnung? Eher, ein besserer Mensch. Der junge Darak hatte schliesslich alles gehabt. Geld, Frauen, ein Nest in Sarma und Vesta... Zu diesem Zeitpunkt hatte er weder Elena, noch Lilith gekannt... und auch Cattie war ihm noch völlig fremd. Sein treues Huhn hatte er schliesslich erst einige Zeit später im Fischerdorf aufgegabelt. Damals... als er sein Bein verloren hatte.

Irgendwie hatte Darak Mitleid mit seinem jüngeren Selbst. Er hätte diese Zeit noch mehr geniessen sollen. Auch wenn ihm inzwischen schmerzlich bewusst war, dass er dies immer auf Kosten anderer Menschen getan hatte. Jener Mädchen, die er in die Sklaverei verkauft hatte. Mädchen wie Constanze und ihre Schwester...
Aber den jungen Darak hatten solche Sachen nicht gekümmert. Er hatte die Minen überlebt und hatte mit seiner Karriere als Sklaventreiber mehr in seinem Leben erreicht, als er sich selbst hätte vorstellen können. Er hatte nie vorgehabt, wieder ein besserer Mensch zu werden. Stattdessen hatte er heftig, gewaltätig und in Sünde leben wollen. Viel Blut, viel Frauen, viel Geld... Er hatte für sich nie einen gemütlichen Lebensabend eingeplant gehabt. Ja...so hatte der junge Darak Luthrokar gedacht... und er war lange Zeit verdammt gut mit dieser Strategie gefahren. Er war dem Tod und der Justiz mehrmals von der Schippe gesprungen und hatte so jeglicher Gerechtigkeit stets ein Schnippchen geschlagen... und dabei auch noch üble Gotteslästerung gegenüber Lysanthor betrieben. Dieser alte verstockte Gott konnte ihm nämlich gar nichts! Manthala war seine neue Muse gewesen, ihr hatte er sich verschrieben.

Gut gelaunt machte sich dieser Bösewicht also ans Werk. Eigentlich hätte alles ganz still ablaufen sollen. Er musterte zuerst das Tafelsilber und richtete seine Aufmerksamkeit schliesslich auf das kleine Schmuckkästchen.

„Nah...kommt zu Darak...meine kleinen funkelnden Babies..hehehe.“ Brummte e vor sich hinr und schnappet sich das Schmuckkästchen, welches er erst vorsichtig in seinen Händen wog. Es war ordentlich gefüllt, da würde sicherlich auch was Hübsches für seine Vesta dabei sein. Oh sie würde ihn dafür wohl ganz besonders streng behandeln... Er grinste schon vor Vorfreude. Darak hatte Vesta immer mit Aufmerksamkeiten überhäuft und sie hatte nie danach gefragt, woher die ganzen Reichtümer stammten. Sie hatte nichts dagegen, wohlhabende Personen um ihre Habe zu bringen. Nur mit äusserst talentierten und schönen Mädchen schien sie ab und an Mitleid gehabt zu haben und hatte sie dann jeweils bei sich aufgenommen. Ja...selbst eine junge Vesta und auch der junge Darak waren schon damals nicht durch und durch böse gewesen. Darak hatte beispielsweise seine Ware immer relativ gut behandelt – wenn primär wegen wirtschaftlichen Motiven. Manchmal hatte er Vesta auch ein Mädchen zu einem geringeren Preis überlassen, auch wenn deutlich üblere Herren mehr dafür bezahlt hätten. Er konnte seiner Lieblingshure einfach nichts ausschlagen...
Darak nahm sich nicht die Zeit ins Schmuckkästchen hineinzusehen, er würde noch genug mit dem Tafelsilber beschäftigt sein und er wollte sein Glück schliesslich nicht herausfordern...

Dabei hatte er dies bereits getan.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Montag 3. April 2017, 08:36

Da Darak sich in seiner eigenen Erinnerung befand, wusste er in dem Moment, da er sich in der Reflektion begutachtete, dass dieser stattliche Anblick ihm selbst gehörte. Er wusste, dass er nun als Befreier von Sarma und auf einem besseren Lebensweg alles andere als körperlich athletisch oder noch sehr anziehend für die Frauenwelt war. Wie auch, wenn er zum einen klapprig auf seinen Krücken vorwärts kam und zum anderen Lilith ihren Platz streitig machte ... und Constanze ein wenig ... und Vesta sicherlich ebenso auf ihre Weise. Dass Lysanthor ihm seine Attraktivität nahm, um die Waagschalen auszugleichen war nur gerecht. Darak hatte es verdient. Sein träumerisches Mannesbild verfiel den Erinnerungen und doch! Wenn er nur ein wenig über den Tellerrand schaute, dann wirkte etwas nicht ganz richtig. Etwas war anders als er es aus seinen Gedanken an damals abrufen konnte. Die Erinnerungen waren verzerrt. Noch konnte Darak nicht genau sagen, was ihn störte oder diese Idee überhaupt in Erscheinung treten ließ, aber aus dem hintersten Winkel seines Bewusstseins meldet sich etwas.
Dann verklang es. Das Licht, in dessen Kegel es hatte treten wollen um Daraks Aufmerksamkeit vollends zu gewinnen, schwenkte herum. Es richtete sich auf das Tafelsilber und sogleich reflektierte jenes kostbare Geschirr dermaßen, dass nichts sich über diesen Schein hinwegsetzen hätte können. Darak verfiel der Versuchung, derer sein vergangenes Ich schon nicht hatte widerstehen können. Ein Sack wog plötzlich mittelschwer in seiner Hand. Richtig! Irgendwie musste er sein Diebesgut ja verstauen. Unter leisem Klirren landeten Teller, Untertassen und Silberbesteck in dem Jutebeutel. Es folgte das noch wertvoller anmaßende Schmuckkästchen. Darak erinnerte sich jedoch nicht mehr an dessen Inhalt. Dunkel nur funkelten Farben von Edelsteinen und goldenes Geschmeide auf. Dann war dieses Bild vor seinem inneren Auge auch schon wieder verschwunden, einem Wimpernschlag gleich.
Ob die Erinnerung an den Reichtum in ein anderes Zeitintervall gehörte, das während dieser Szene nicht zur Debatte stand? So musste es sein. Schatten sollten seine Aufmerksamkeit erneut umlenken. Bewegte sie da nicht etwas nahe dem dicken Vorhang am oberen Ende der Treppe? Er konnte nur die Vermutung eines Huschens die Ballustrade entlang ausmachen. Es genügte aber, um Adrenalin in seine Adern zu pumpen. Darak hatte keine Kontrolle über seine Beine. Sie bewegten sich in der Erinnerung von allein, führten ihn weg von den noch offen herumliegenden Schätzen und dicht an die Holzvertäfelung unterhalb der Treppe. Er spürte die kleine Kommode am Rand seiner Hüfte, während sich der Einbrecher eng gegen die Wand drückte. Dann überflog ihn neue Erkenntnis der Vergangenheit.
Sein Ohr ließ manchmal nicht zu, dass er sofort Stimmen hörte. Diese helle, kindliche Stimme musste schon mehrmals leise in die Nacht gefragt haben. Zu leise, als dass er es hätte ausmachen können. Jetzt aber, als sich das Knarren auf der obersten Treppenstufe hinzugesellte, gefolgt von dem Tappsen nackter Füße auf dem Samtläufer, der vor einem Ausrutschen und Stürzen von der Treppe bewahren sollte, da warnte ihn sein Gehör. Gerade noch rechtzeitig.
"Mama? Kannst du wieder nicht schlafen?" Weitere sanfte Schritte. Tapp, tapp, tapp. Erneutes Knarren einer Stufe und eine Hand, die auf halber Höhe das Geländer umfasste. Selbst im nächtlichen Grau ließen sich die Konturen kurzer Finger ausmachen. Sie passten zum Eindruck, den man durch die helle Stimme gewinnen konnte. Eine Kinderhand. Und Darak konnte abschätzen, wie lange der Drei-andunische-Äpfel-hoch brauchen würde, um zum Ende der Treppe zu gelangen. Unter der Haut spannten sich die Muskeln an.
Eine Erinnerung zu durchleben ließ die ganze Szenerie in einem einfacheren Licht erscheinen. Er wusste, was geschehen sollte. Er wusste, dass sein Plan funktionierte, das Kind zum Schweigen zu bringen. Er wusste, dass dieses Mädchen ihre Eltern nicht würde aufwecken könnte. Darak entkäme in die Nacht hinaus, ohne dass auch nur ein Schrei das stattliche Herrenhaus erfüllen sollte. Das Wissen um seinen Erfolg machte es einfache, beflügelte ihn und schenkte ihm die Zuversicht, mit der er sich nur noch in Bewegung setzen musste, sobald die kleine Hand sich mit gespreizten Fingern auf dem Pfosten am unteren Treppengeländer ablegte.
Da erschien sie! Es wurde Zeit ...
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Montag 17. April 2017, 00:23

Erinnerungen waren trügerisch. Die meisten Personen, die etwas einschneidendes in ihrem Leben erfahren hatten – und wer tat dies nicht – behaupteten im Nachhinein, diesen Moment nie vergessen zu können und sich noch genau daran zu erinnern als wäre es erst gestern passiert. Doch es steht nicht im Interesse der ureigenen Psyche, die faktische Wahrheit wiederzugeben, sondern nur jene Version einer Wahrheit, mit der man selbst am besten zurechtkam. Was Darak Luthrokar, den Schlächter von Andunie, betraf hatten in seinem Geist zu unterschiedlichen Zeiten gänzlich verschiedene Versionen der Ereignisse in jener besagten Nacht existiert. Das perfide an diesen falschen Erinnerungen war, dass sie für den Betroffenen zu jeder Zeit völlig real und damit auch als richtig erschienen.

In Daraks Erinnerungen existierten zwei Mädchennamen die er mit den Morden in Andunie in Verbindung brachte: Laryssa und Samantha. Kaum auszudenken, dass man den Namen des eigenen Opfers falsch erinnern konnte! Doch genau dieser Streich hatte ihm seine eigene Psyche gespielt. Darak hätte diesen gewaltigen Kunstgriff seines eigenen Geistes vermutlich nie bemerkt, wenn er nicht hier im Harax gelandet wäre, wo ihm eben jener Mord nochmals schonungslos vorgespielt wurde und zwar so, wie es sich damals tatsächlich abgespielt hatte. Das Gefühl, welches er gerade empfand, die Vorfreude auf den fetten Gewinn und die Aussicht auf die Huren, die er sich damit leisten konnten, fühlten sich plötzlich seltsam fremd an. So war es doch nicht gewesen! Er hatte dringend Geld für eine Überfahrt nach Sarma gebraucht...kein Vermögen... Der Dämon führte ihm die Wahrheit vor Augen. Vermutlich hatte ihm seine Psyche diese Version zurechtgelegt, weil diese Version ein etwas...mhm... nachvollziehbareres Motiv erhielt. Er hatte nach Sarma zurückgehen wollen. Er hatte gar nie in Andunie sein wollen! Hätte alles funktioniert, wäre er vermutlich ein rechtschaffender kleiner Foltermeister geworden... das war alles nur aufgrund absolut unglücklicher Umstände passiert! Darak hatte diese Version der Geschichte lange Zeit gebraucht, um überhaupt mit der Schuld irgendwie fertig zu werden. Denn die Wahrheit schmerzte zu sehr... jetzt wusste er wa wieder: keine Not hatte ihn in jenes Haus getrieben, sondern lediglich Selbstsucht und die pure Gier.

Laryssa war der Name des tatsächlichen Opfers gewesen. Jenes sechsjährige Mädchen, dass damals in ihrem eigenen Elternhaus durch Darak einen gewaltsamen Tod gefunden hatte. Doch auch die Umstände dieses Mordes hatten im Verlauf der Zeit einige nebulöse Veränderungen erfahren und auch hier hatte ihm sein Geist einen Streich gespielt. Darak war lange Zeit davon überzeugt gewesen, dass ihn Laryssas Vater überrascht hatte, ihm ein Holzscheit über den Schädel geschlagen hatte und er ihn deshalb in Notwehr – wenn man so wollte – erschlagen hatte. In dieser Version wäre Laryssa Zeugin jenes Mordes gewesen... und hatte somit Darak zu einer schnellen und fatalen Reaktion gezwungen. Er hatte sie augenblicklich um Schweigen bringen müssen. Er hatte keine andere Wahl gehabt... hatte er nicht?

Er sah sich selbst eben jene fatalen Entscheidungen treffen, die er damals tatsächlich getroffen hatte. Der Darak Luthrokar von damals, war ein arroganter und stolzer junger Mann gewesen. Er hatte Lysanthor seinen blanken Hintern gezeigt, hatte die Minen überlebt und sich selbst von zertrümmerten Beinen nicht aufhalten lassen! Er war der Mann der Stunde und er war gekommen um die Früchte dieser Erde zu pflücken und sie in vollen Zügen auszukosten. Die Minen hatten ihn skrupellos gemacht Jeder, der sich seinem neuen Lebensentwurf in den Weg stellte, würde er vernichten... und an jenem Abend...war es eben Laryssa. Respektive zuerst war es nur ein Hauch eines Schattens. Eine simple Bewegung, die bei ihm alle Alarmglocken zum Läuten brachten. Er durfte nicht erwischt werden! Nicht hier auf dem Festland! Nicht in Andunie! Er reiste zwar auf dem Festland jeweils mit einer gefälschten Identität umher – als Woltov. Dies funktionierte ganz gut, denn Woltov hatte optisch rein gar nichts mehr mit jenem Häftling gemein, den man vor einiger Zeit aus den Minen entlassen hatte. Bessere Nahrung und ausreichendes Training hatten seinen Körper wieder gestählt und gesunden lassen. Aber sein Deckname reichte nur für den Alltagsverkehr. In Andunie kannte man die Praxis der pelgarischen Stiefel. Nicht viele erhielten diese und man würde ihn vermutlich anhand seiner Narben und vor allem auch aufgrund seiner Tätowierung schnell identifizieren können, sollte er wirklich erst in die Mühlen des Rechtssystems geraten. Ein Grund mehr, warum dieses Mädchen dringend zum Schweigen gebracht werden musste!

Darak fühlte seine damalige Angst, als er sich gegen das Täfer der Treppe drückte. Normalerweise war er nicht so leichtsinnig gewesen! Er hatte diesen Einbruch aus einer Laune heraus begangen. Er hatte sich unaufhaltbar gefühlt! Solche Fehler hatte er in seinem Leben nur selten begangen. Oder... war es nicht eher so, dass er solche Fehler nach diesem Ereignis nie mehr begangen hatte...

"Mama? Kannst du wieder nicht schlafen?" Darak erstarrte. Jener Darak von damals schloss kurz die Augen. Der heutige Darak spürte den Gedanken. Verdammt!. Er kannte Laryssas respektive Samanthas Stimme gut, er hatte sie oft in seinem Geist gehört, doch diesmal erinnerte er sich an ihren wahrhaftigen Klang und das war weit Schmerzhafter. Es fühlte sich falsch an, dass die Stimme des Opfers im Geist des Mörders eingeschlossen wurde. Es fühlte sich an wie eine weitere Verhöhnung, eine weitere Demütigung des Opfers und ihren Angehörigen. Darak Luthrokar war Zeuge ihrer Letzten Worte, ihrer letzten Atemzüge gewesen, damit war er ihr auf diese schändliche Art und Weise näher, als ihr eigenen Angehörigen. Sowas konnte sich nur falsch anfühlen!

Er wusste bereits was kommen würde. Die Vergangenheit liess sich nicht verändern. Nur die Erinnerung daran. Er musste sich dieser Wahrheit stellen. Der nun zu gehende Weg breitete sich vor Daraks inneren Augen aus... er würde erst Samantha ermorden und dann im Blutrausch auch ihre schlafenden Eltern. Die ganze Familie auszulöschen war ihm in dieser Situation opportuner Vorgekommen. Eltern von getöteten Kindern konnten unglaubliche Kräfte entwickeln und Getriebe in Gang setzen, die ihn selbst in Sarma hätten erreichen können.... Er erschrak ab sich selbst. Ab der Kälte und Menschenverachtung, die sich in seinen eigenen Gedankengängen widerspiegelten. In Daraks damaliger Welt hatte es nur eine relevante Person gegeben – Darak.

Aber eine Frage war noch ungeklärt. Weshalb Samantha? Warum hatte er aus Laryssa irgendwann in seinem Leben Samantha gemacht? Samantha war ein Konstrukt. Eine Mahnfigur, von Darak selbst in geschaffen um sich allmählich seiner Schuld zu stellen. Samantha war möglich geworden, weil er sein Leben verändert hatte, oder hatte er sein Leben verändert, weil Samantha da war? Eine schwierige Frage.... Samantha stand für all seine Gräueltaten. Sie war die Anwältin seiner Opfer. Der Inbegriff seiner Schuld. Sie war die treibende Kraft, die dafür gesorgt hatte, dass Darak Luthrokar beschlossen hatte Busse zu tun... und nun forderte das Schicksal, so grausam und ironisch wie es manchmal war, den Ursprung all dieser Erinnerungen als Preis für eine Überfahrt nach Morgeria.

Manch ein Narr mochte wohl denken, dass die Portaldämonen ein sehr bescheidenes Angebot machten, wenn es darum ging jene Momente der Angst und des Leids von ihren Reisenden zu fordern, doch dem war nicht so. Denn an jede Situation, die uns in tiefe Angst versetzte, an jede Erinnerung die mit tiefen Schmerz und Sorge einherging war gleichzeitig ein Lernprozess gekoppelt. Diesen opferte Darak gerade. Der Dämon wollte Samantha. Die Konsequenzen daraus waren kaum vorherzusehen, aber sie würden gewaltig sein. Der Dämon liess ihn den gewaltigen Preis erkennen, den er für die Portalbenutzung bezahlt hatte. Er liess ihn diesen Schrecken spüren, bevor er ihn vergessen würde...und mit ihm einen grossen Teil seiner selbst.

Seine Augen weiteten. Sich. „Nein...nein..nein...Moment...nein!“ Kein Laut ertönte. Sein Widerstand verhallte stumm. Ungehört. Er konnte den Lauf der Dinge nicht mehr verhindern. Dazu war es nun zu spät. Der Pakt war geschlossen. Der Handel galt.

Es wurde Zeit...
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Dienstag 16. Mai 2017, 12:32

Es ist so eine Sache mit der Erinnerung. Allem voran gilt, dass sie ungemein subjektiv ist und abhängig vom persönlichen Geschmack. Jener kann sich im Laufe der Zeit allerdings ändern. Eigentlich eine gute Sache, aber wenn man den Gedanken weiterspinnt, treten Zweifel auf. Sind Erinnerungen echt? Vergisst man Anteile, die man zum Zeitpunkt des Erlebten als so wichtig empfand, dass man sich den falschen Glauben schenkt, sie niemals wieder zu vergessen? Ändern sich Erinnerungen mit einer veränderten Perspektive? Nicht umsonst kann es doch passieren, dass man Opfer von Traumata in einen hypnoseartigen Zustand versetzt und ihre Erinnerungen noch einmal durchleben lässt. Sie sollen als stiller Beobachter an diesen Fetzen in ihrem Gedankengut heran gehen. Sie sollen ihn sachlich betrachten, Fakten schildern oder einfach nur die Perspektive wechseln ... dennoch werden sie am Ende keinen Zweifel daran hegen, dass diese Erinnerung genau so ablief; dass es ihre Erinnerung war und ist und immer so sein wird.
Doch was davon bleibt am Ende als echte Erinnerung übrig?

Auch bei Darak mischten sich verschiedene Blickwinkel, Eindrücke und persönliche Geschmäcker in das Gedankenbild, das ihm sein Geist nun vorgaukelte. Jenes Bild, das so lebendig war und in das er scheinbar doch nicht eingreifen konnte. Er erlebte etwas Vertrautes, aber mit neuer Sicht auf die Dinge. War ihm früher der Anblick seines adonischen Körpers doch ein alltäglicher, so sah der Krüppel nun sicherlich nicht ohne Sehnsucht auf die kräftigen Muskeln seines alter Egos herab. Andere Dinge wie der prachtvoll verführerische Glanz seiner Beute rückten dadurch in den Hintergrund. Die Erinnerung änderte sich mit dem Wechsel des Blickwinkels.
In wie weit war die Geschichte veränderbar? Konnte Darak überhaupt Einfluss darauf nehmen? Wen würde er gleich töten? Laryssa oder Samantha?

Sanfte Schritte von Füßen auf die Stufen der Treppe gesetzt, welche aus dem ersten Stock herunter in das Speisezimmer führten. Hinunter zum Mörder des Mädchens, das sich mit neugieriger Ruhe in Sicherheit wog. Was sollte schon passieren? Sie war Zuhause, in den eigenen vier Wänden. Ihre Eltern befanden sich im Haus - schlafend oben in ihren Betten. Sie wusste nicht, was am Fuß der Treppe auf sie lauerte. Sie ahnte nichts in ihrer kindlichen Sorglosigkeit. Man konnte ihr nichts vorhalten. Laryssa hatte nur nachsehen wollen, woher das Geräusch kam. Nicht einmal bewaffnet tappste sie die Stufen herunter. Und Darak? Er versteckte sich nicht. Jedenfalls nicht auf eine Weise, die Schlimmeres hätte verhindern können. Es gab Möglichkeiten. Es hätte sie gegeben! Im schlechtesten Fall hätte er auch einfach fliehen können, dabei Unmengen an Geräuschen verursacht, vielleicht ein Fenster zu Bruch gehen lassen ... aber ein Mädchen wäre am Leben geblieben. Dieses Schicksal sollte Laryssa nicht vorher bestimmt sein. Noch wenige Stufen, dann würde Darak Luthrokar zum Kindsmörder. Die Treppe war viel zu kurz!
Er würde es nicht verhindern können. Selbst seine stumme Rebellion verhinderte es nicht. Stumm? "Nein ... nein, nein?" Laryssas Stimmchen kündigte ihre letzten Schritte an. "W-wer ist d-?" Zu spät. Es war zu spät. Darak konnte es nicht aufhalten. Er konnte sich selbst nicht aufhalten. Mit Augen seiner Vergangenheit, aber einer Seele der Gegenwart musste er mitansehen, wie seine Pranke vorschnellte. Er spürte den Stoff des dünnen Nachthemdchens unter seinen eigenen, schwieligen Fingern. Er spürte die Kraft, mit der er Laryssas kleinen Körper von den Füßen riss, einmal um den unteren Treppenpfosten herum schwang und zu sich zog. Er hörte den abgehackten Schreckenslaut, der unter seiner Hand nur noch mehr abgedämpft wurde. Laryssas Nähe entpuppte sich als Gemisch aus angenehmer Körperwärme, noch flauschig vom Schlaf, dem sie entstiegen war, und erstem zappelnden Widerstand ob des unerwarteten Ereignisses. Wäre sie doch in ihrer Traumwelt geblieben! Darak würde sie in eine befördern, aus der sie nie wieder erwachen sollte.
Mit kläglicher Kraft versuchte das Mädchen, gegen Daraks überdimenionale Pranke anzugehen. Ihre winzigen Finger klammerten sich um sein Handgelenk. Sie umschlossen es nicht einmal halb, aber sie zitterten vor wachsender Angst. Heiß schlug der panische Atem des Kindes gegen Daraks Handinnenfläche und befeuchtete sie. Er hörte ihre entsetzten Laute und fühlte den wachsenden Druck, den er selbst gegen ihren Mund und Hals ausübte, um sie ruhig zu halten. In seinem Innern drängte sich eine Forderung ins Licht. Sie keimte und wucherte wie Unkraut, gehegt durch Laryssas halb erstickte Stimme. Schweig rief sie und durchflutete Daraks Geist. Schweig endlich, sonst werde ich deine Eltern auch noch töten. Schweig - ich werde - sei still! - deine Eltern - Schweig endlich! - deine ganze Familie - Kein Wort mehr, kein Atemstoß! - umbringen...

Der kleine Widerstand verhallte. Kraft, wenngleich kaum erwähnenswert, schwand. Ein Körper erschlaffte und wo zuvor die feuchte wärme ihres Atmes in panischen Schüben gegen Daraks Haut stieß, da versiegte diese Quelle. Laryssa gewann an Schwere in den Armen ihres Mörders. Welch Gewicht ein lebloser Körper doch haben konnte, wenn man ihn trug. Das Gewicht von Welten, auf ewig nun mit unzerstörbaren Ketten an den eigenen Leib gebunden.
Darak sank auf die Knie und .... halt! Das war anders. Etwas stimmte nicht. Das sollte nicht so sein. Darak Luthrokar hatte sich damals nicht niedergekniet, um den getöteten Mädchenkörper in Armen zu halten und nach ihrem Gesicht zu suchen. Er hatte sie einfach liegenlassen, war in seiner Gier die Stufen der Treppe empor geeilt, um ihre Eltern mit dem Kind zu vereinen. In der Ewigkeit des Todes.
Doch jetzt war es anders. Das war nicht die Erinnerung, die er kannte. Es war nicht einmal die Erinnerung eines anderen Blickwinkels. Das war nicht seine Erinnerung! Etwas aus den Teifen der Dunkelheit dieser Szene heraus grollte. Es drang mit düsterem Kichern in Daraks Geist und richtete sämtliche Härchen seines Nackens auf. Er lenkte ihn, sich das Mädchen anzusehen. Ein Blick nur auf ihr totes Gesicht. Nur einen einzigen auf diese makellose ebene, schöne Haut. Auf die feinen und doch einst so entschlossenen Züge. Auf die geschwungenen Lippen, die so lieblich schmeckten, als er sie geküsst hatte. Auf ihre vollen Brüste, von denen Darak doch nie einen Blick lassen konnte. Auf das Haar, rot und wallend wie flüssiges Feuer. Selbst im Tod war Elena ein atemberaubender Anblick, der dazu verführte, mit den Händen sehen zu wollen.
Und dann schlug sie ihre Augen auf ...
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Donnerstag 25. Mai 2017, 16:41

Eine quälende Frage dröhnte in seinem Schädel, als er sich selbst dabei zusehen musste, wie er das junge Mädchen mit Gewalt packte und an seinen Körper presste. Warum bin ich nicht geflohen?! Hatten ihn die Minen derart abgestumpft, dass ihm das Töten als einziges opportunes Mittel in Sinn gekommen war? Darak erkannte, dass ihm das eigentliche Motiv fehlte. Er hätte fliehen können, bis die andunischen Wachen beim Haus gewesen wären, wäre er schon längstens über alle Berge gewesen. Gut, vielleicht hätte das Mädchen ihn gesehen...und dann? Er war zu diesem Zeitpunkt schon längstens rückfällig geworden, dieser kleine Diebstahl wäre hinsichtlich seines Strafenregisters nicht mehr sonderlich ins Gewicht gefallen. Er hätte nichts zu verlieren gehabt, ausser vielleicht seinen stolz schlauer als alle anderen zu sein. War dies sein Motiv? Nein. Die Wahrheit war, dass er sich in jenem Moment gar keine Gedanken gemacht hatte. Keine Gedanken zur Ethik oder Moral. Keine Gedanken hinsichtlich der Konsequenzen seines Tuns – nichts.

Wenn immer ein Mensch zum Mörder wurde, er diese unsichtbare Grenze überschritten hatte, offenbarte sich ihm eine unerwartete Wahrheit: Töten war so unsäglich leicht. In jenem Moment, wenn das Opfer sein Leben aushaucht passiert praktisch nichts. Die Körper werden einfach nur schwer, ansonsten dreht sich die Welt einfach weiter, als wäre nichts passiert. Es ist auch nichts passiert, denn die Natur blickt jeglicher Tötung mit einer gewissen nihilistischen Gleichgültigkeit entgegen. Im Tierreich passiert dies schliesslich ständig. Nicht jedes Tier wird aus reiner Notwendigkeit getötet, sondern manchmal werden sie Opfer von Spieltrieben, Langeweile oder einfach nur der Lust des Tötens. Erst der Tod selbst, löst die Reaktion bei den Überlebenden aus.

Getötete Ameisen beispielsweise, werden von ihren Kamerade geortet und abgeholt. Ihre Körper werden in den eigenen Staat zurücktransportiert und dienen fortan als Baumaterial. So sind ihre Überreste wieder mit dem Kollektiv vereint. Elefanten ehren ihre Toten, indem sie an den Ort ihres Sterbens zurückkehren. Affenmütter schleppen ihre toten Kinder teilweise Wochenlang mit sich herum, bis sie gänzlich verwest sind. Die Tierwelt kennt also sowas wie Trauer. Aber keine Schimpansenmutter, keine Elefantenkuh und keine Ameise fordert Gerechtigkeit und wenn sie es doch tun, dann äussert sich ihre Rache ebenso in Gewalt. Es gibt keine Prozesse, keine Verhaftungen, keine Gerichtbarkeit. Es sind die humanoiden Geschöpfe Celcias, die aus einer persönlichen Sache wie der Trauer um einen Verlust – eine öffentliche machen. Es ist diese Öffentlichkeit, die den Menschen im Zaum halten. Sobald der Justizapparat blind ist oder nicht mehr richtig funktioniert, sinkt die Hemmschwelle für Gewaltexzesse. Dies sieht man im Krieg, in despotischen Königreichen oder in rechtsfreien Räumen wie den Minen...

Darak konnte sich gut an die Leichtigkeit von Samanthas Körper erinnern. Die kläglichen Versuche sich gegen seine Kraft zu stemmen – ein aussichtsloses Unterfangen für das Mädchen. Er hörte sich selbst nur immer: „Shhh...ruhig...ruuuhig...“ Sagten, nicht dass es dem Mädchen geholfen hätte, wenn sie gehorcht hätte. Die Absicht sie zu töten, hatte er bereits getroffen, bevor ihr Körper erschlafft war. Es war kein Unfall gewesen, keine Überreaktion, wie er es sich zeitweise eingeredet hatte. Er hatte ihr nicht versehentlich das Genick gebrochen, nein, er hatte sie kläglich ersticken lassen. Wie kalt. Wie gleichgültig dem Leben gegenüber er doch gewesen war!
Das perverse an Mördern war, dass sie einerseits in der Lage waren solche Gräueltaten zu begehen und gleichzeitig doch auch mitfühlend, liebend, witzig und empathisch sein konnten. Mörder waren nicht zwingend gruselige Gestalten mit toten Augen. Darak war auch nicht so, wenn er mit Cattie schmuste, oder seine Liebste liebkoste, konnte er unglaublich warmherzig sein... und dennoch klebte an seinen Händen das Blut mehrerer Menschen. Seine Freunde mochten ihn, obwohl er ein Killer war. Darak hatte sich nie gefragt, wie sein Umfeld mit seiner Geschichte umging. Wie konnten Constanze und Lilith zu ihm stehen, als Amazonen?! Wieso hatte Alma ihn derart fest in ihr grosses Herz geschlossen? Wieso mochte Cattie ihn? Sein Lebenswandel hatte nichts daran geändert, was er getan hatte.

Was immer aus Darak im Verlauf der Zeit geworden war... für Samantha machte dies keinen Unterschied. Er lebte, während sie nie die Chance gehabt hatte, ihre eigene Geschichte zu schreiben. Vermutlich wäre sie um ein so vieles besser geworden als er und auch sein Leben wäre möglicherweise anders verlaufen. Wer weiss dies schon?
Wer konnte wirklich wissen, welche Konsequenzen eine einzelne Tat für das eigene Leben und jenes von anderen haben konnte? Manche Menschen glaubten, dass man unabhängig von den eigenen Entscheidungen immer wieder an die vorherbestimmten Schicksalspunkte herangeführt wird. Andere hingegen glauben, dass jede Realität, jede Geschichte ein Produkt von einzelner Entscheidungen ist und man letztlich nicht mehr sagen kann, ob lediglich ein Flügelschlag eines Schmetterlings letztlich einen Krieg verursacht hat.

Darak drohte nun etwas gar seltsames zuzustossen. Er würde vergessen, was sein Umfeld geprägt hat... und wieder war er just in jenem Moment mit seinen Gedanken ganz bei sich, als er Samantha abermals tötete und ihr Körper in seinen Armen erschlaffte. Nein...es war noch Schlimmer – ihre Gegenwehr hatte ihn gar wütend gemacht, ihn zornige Gedanken denken lassen. Hatte er es damals ausgesprochen? Hatte er ihr in den letzten Minuten noch den Tod ihrer Elter angekündigt? Er wusste es nicht mehr... wollte es auch gar nicht wissen.

Er sank in die Knie. Spürte den schweren Leib in seinen Armen. Seine Pranke hielt ihren Hinterkopf. Er runzelte die Stirn. Nein...so war es damals nicht gewesen! Etwas stimmte hier nicht! Seine Augen weiteten sich. Instinktiv nahm er eine unheilbringende Präsenz wahr. Seine Nackenhaare richteten sich auf und er verspürte den heftigen Impuls, diesen leblosen Kinderkörper von sich zu stossen, doch er konnte nicht! Hier in dieser Welt war er nur eine Marionette eines dämonischen Puppenspielers und dieser hatte erst gerade damit begonnen, diabolisch an den einzelnen Fäden zu ziehen.

Er blickte auf das Wesen herunter, das auf seinem Schoss lag. Zuerst erkannte er die roten Haare. Samantha aber war blond gewesen! Nein...ihm war in seinem Leben nur eine Frau mit solchen Haaren begegnet! Er starrte auf sie herab. Betrachtete ihre Gesichtszüge, ihre roten Lippen, ihre klaren Augen, die ihn manchmal so feurig, manchmal strafend und manchmal auch voller Sorge betrachtet hatten. Elena hatte ihn oft entweder in einer äusserst prekären Lage oder Verletzt gesehen. Mhmm...und dann ihre Brüste. Der Körper des Kindes hatte sich gänzlich in den ihrigen verwandelt. Noch immer hielt Darak eine Pranke an ihrem Hals, ohne jedoch zuzudrücken. Er wich etwas zurück, so dass seine Hand praktischerweise auf ihrem Brustkorb zu liegen kam.

Er schreckte zusammen, als sie die Augen öffneten. „Aber..wie...“ Er brach in Tränen aus, hatte er sie schliesslich zuletzt nur noch im Dunste seines Fiebers gesehen. Damals, als sie in diesem Greiffennest festgesessen hatten. Elena hatte sich auf dem Weg gemacht um Arnika für ihn und den Nichtgenannten zu besorgen. Etwas hatte sie dabei zutiefst aufgewühlt und sie war schliesslich von den Klippen gestürzt. Sie war auch wegen ihm gestorben. Wegen ihm allein!
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Sonntag 2. Juli 2017, 15:38

Darak erinnerte sich an das geringe Gewicht, welches Samantha selbst im Tod getragen hatte. Es war spielend gewesen, ihren schlanken, kindlichen Körper zu halten, nachdem das Leben mit letzten erstickten Japsern aus ihr gewichen war. Jetzt fühlte er eine ähnliche Leichtigkeit, als er im wiederholten Traum nochmals ihren Körper hielt. Dieses Mal war es jedoch anders und er musste nicht erst die flammend rote Mähne Elenas erblicken, um zu wissen, dass Leben ihn hierbei unterstützte. Wenn einem Körper noch Lebenskraft innewohnte, so konnte er die Muskeln anspannen. Der Körper arbeitete und half unwillkürlich jenem, der ihn hielt. Nur ein vom Tode erschlaffter Leib leistete nichts mehr. Man sollte meinen, selbst einem Stein wohnt dann mehr Leben inne, weil nicht einmal der schwerste Brocken so drückend auf einem selbst lastet wie der Körper eines Lebewesens, das man soeben getötet hatte.
Aber Samantha - Larissa - Elena! - war nicht tot. Sie regte sich. Ihre Brust hob sich in ersten sanften Zügen. Ihre Finger zuckten leicht und die Wimpern vibrierten, als ihre Lider leicht flatterten. Dieser winzige Moment vor dem Erwachen. Sie lebte. Es war Elena, die in Daraks Armen lag, und sie lebte!

Was war das für ein perfides Spiel? Der Dämon griff auf Daraks Erinnerungen zu. Er hatte sie hervor gelockt wie es nur Lysanthors Licht bei den Motten schaffte, sobald sich sein Sonnenantlitz vor der Welt verbarg. Falsche Hoffnung und tödliche Gefahr fand sich daraufhin in jeder Flamme, in jedem Feuerkessel und jeder noch so kleinen Kerze für die nachtaktiven Insekten. Wer zu dicht bei dem sein wollte, das er begehrte, ohne auf die Umgebung zu achten, der verbrannte sich nicht nur die Flügel, sondern ging gänzlich in Flammen auf. Beinahe wie ein Zündholz.
Darak konnte den feinen Duft eines Gemischs aus Kohle und Schwefel wahrnehmen, der jedoch zunehmend auch eine Substanz von verbranntem Fleisch bekam. Der Geruch nahm zu, je mehr sich Elenas Augen weiteten, als sie in in jene ihres Gegenübers blickte.
Aber das stimmte so doch nicht! Elena hatte Samantha nie kennen gelernt. Elena war überhaupt gänzlich fehl am Platz zu diesem Zeitpunkt. Der Q'lalar machte etwas falsch. Er griff auf Erinnerungen und Sehnsüchte seines Opfers zurück, aber er vermischte sie. Einer Spinne gleich webte er die Fäden der Synapsen, die Daraks Gedächtnis zu einem Ganzen formten mit all den erlebten Momenten, den getroffenen Entscheidungen und daraus resultierenden Lektionen, die er für sein Leben beherzigt hatte. Aber zu welchem Zweck machte sich der Haraxwächter einen derartigen Aufwand? Ging etwas in der realen Welt nicht mit rechten Dingen zu? Falls ja, würde Darak es vorerst nicht erfahren. Er war in seiner Erinnerung gefangen, die ihm aufgrund bekannter Räumlichkeiten und Personen so vertraut und dann doch wieder so fremd war, denn er hatte sie niemals so erlebt.

Elenas Lider senkten sich eine Nuance, als auch sie den ersten Schreck zu überwinden schien. Erkennen stand in ihrem Blick, gepaart mit einer Spur Neugier und hinter diesem Schleier wuchs ein Feuer, das nur ihr zu eigen war. Es loderte hinter dem Glas ihrer Iriden, brachte jene fast schon facettenreich zum Funkeln, als hielte man einen mehrfach geschliffenen Diamanten dicht an ein Feuer.
Ihre vollen Lippen spalteten sich einen Deut. Gerade genug, dass man dazwischen die rosige Zungenspitze erkennen konnte. In ihrem Mundraumgefängnis bewegte sie sich sacht, zusammen mit den Lippen nun, um Worte zu formen. Darak konnte sehen, dass Elena ihn ansprach. Die Zeit schien still zu stehen. Er konnte sehen, aber hören konnte er sie nicht. Noch nicht. Zunächst mussten seine Sinne anderes wahrnehmen, vorausgesetzt er konnte überhaupt noch offen für seine Umgebung sein. Tränen verschleierten ihm die Sicht. Seine Nase funktionierte jedoch immer noch. Der Schwefelduft, durchsetzt mit dem Geruch brutzelnden Fleisches, blieb vorhanden. Zudem konnte der Luthrokar Metallisches in seinem Mund schmecken. Lutschte er auf einer Kupfermünze herum oder hatte er sich die Lippe aufgebissen? War es Blut? Woher kam es?
Endlich meldete sich sein Gehörsinn. Von weit her drangen Elenas Worte, die sie anscheinend ständig wiederholte. Darak konnte ausmachen, dass ihre Lippen sie immer wieder aufs Neue formten. Der Klang ihrer Stimme aber traf ihn von weit weg. Er drang nur leise bis zu ihm durch, kräftigte sich allerdings mit jeder weiteren Silbe, die ihre Lippen verließ. Zugleich veränderte sich Elenas Mimik.
"... Du ..." Ihr feinen, nur leicht geschwungenen Brauen zogen sich zusammen, bildeten eine dunkle Falte zwischen sich, die einem zornigen Blitz gleich nach oben schoss, um auch die Stirn zum runzeln zu bringen. "... hast ..." Elenas Wangen gewannen an Farbe. Sie bekamen rote Flecken und mit jedem wütenden Aufatmen schienen sie zu glühen. "... mich ..." Ihr seidiges Haar umwaberte Darak. Es wuchs und legte sich um seine Glieder. Es schlang sich um jedes Körperteil von ihm, das es erreichen konnte, bis er in einem Meer aus ihrem Haar gebettet war. Dann drang das letzte Wort mit unterschwelligem Zorn ob seiner Tat zu ihm durch. "... umgebracht." Du hast mich umgebracht. Elena sprach es als Feststellung aus. Sie realisierte, was geschehen war und hier in Daraks Erinnerung bekam sie Gelegenheit, auf diese Erkenntnis zu reagieren.
Elena verzog keine Miene mehr. Sie schaute zwar zornig mit feurigen Augen, aber ihre Stimme war seidene Ruhe, als sie erneut den Mund bewegte. Dieses Mal formten ihre Lippen nur ein einziges Wort. Eines, das sie bislang nicht ausgesprochen hatte und sie würde es nicht wiederholen. Es war eine letzte Nachricht, ein Befehl an Darak Luthrokar: "Stirb."
Mit dieser einen Silbe meldeten sich beim Helmlosen plötzlich sämtliche Sinne. Er konnte die verzweifelte Wut in Elenas Augen auflodern sehen. Hass war ihr Nährboden. In seinen Ohren hallte das Wort mit bitterer Schwere nach, während der Geschmack von Blut auf seiner Zunge zunahm. Irgendwo in den hintersten Winkeln seines Bewusstseins wusste er, dass er Elenas Blut schmeckte, denn es brannte ihm heiß auf der Zunge. Überhaupt spürte der die Hitze. Ihre Haare wärmten seinen Körper, doch die Temperatur stieg weiter an. Dann flammten Elenas Augen wahrlich wie entzündete Schwefelhölzer auf und das Feuer breitete sich über ihre Haare im gesamten Traumbild seiner Erinnerung aus. Ditz Hitze legte sich über Daraks Haut, raubte ihm die Atemluft und hinterließ den Geruch seines verbrannten Fleisches. Nur Schmerz blieb aus. Körperlicher Schmerz, denn dafür war in einer Traumwelt kein Platz. Dort existierte nur die seelische Variante, geboren aus Emotionen und Erinnerung, ganz gleich ob sie vertraut oder fremd war.
"Du hast mich umgebracht", wiederholte Elena nun ihre Worte und sie drangen wie ihr heißes Flammenhaar von allen Seiten und in wirbelndem Echo auf Darak ein. "Du hast mich umgebracht .... umgebracht ... mich ... du hast ... umgebracht hast du mich ... hast ... Hass .... mich ... ich hasse ... dich ... bring dich um ... ich bringe ... dich um ... stirb. Stirb. STIRB!"
Aus dem Winkel seines Beobachtungspostens heraus leckte der Q'lalar sich die Lippen. Er wartete auf das Festmahl, welches das Mädchen mit den Zündhölzern ihm kredenzte.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Darak Luthrokar » Mittwoch 26. Juli 2017, 20:53

Der Befreier hatte dem Dämon Zutritt in die tiefsten Ecken seines Gedächtnisses gewährt und dieser liess sich nichtzweimal bitten. Voller Lust und Schadenfreude tobte sich der Eindringling in Daraks Geist aus, riss einige Gedanken und Erinnerungen hervor und stopfte sie an Orte, wo sie gar nicht hingehörten. Unzusammenhängendes erschien nun plötzlich zusammenhängend, glückliches so unendlich traurig und verdorbenes...nun...verdorbenes blieb verdorben.

Darak konnte nicht mehr wirklich einschätzen ob er wach war oder in einem immerwährenden Albtraum gefangen. So real erschien ihm Elena und so intensiv nahm er den Schwefelgeruch und den Geschmack von Blut wahr. Er starrte seine Geliebte an, die so sehr für ihn gebrannt hatte, ihn aber nun offenbar zu verzehren versuchte. Eine düstere Erkenntnis schien sich in ihrem Geist zu manifestieren und mit jedem Milimeter wo sich ihre Brauen zusammenzogen wurde ihr Feuer kälter und zerstörerisches. Sie entzog ihm all ihre Liebe, all ihren Respekt, all ihre Achtung bis schliesslich nur noch eine düstere, unausgesprochene Wahrheit übrigbliebt. Die Energie dieser Wahrheit war so mächtig, dass man glaubte sie greifen zu können. Langsam, als bestände ihre Gesichtsmuskulatur aus flüssigem Blei verformten sich ihre Lippen. Gleichzeitig schien Elena die ganze Energie der Umgebung zu absorbieren. Sie lud sich an ihrem eigenen Hass und Ärger auf und richtete all diese Energie wie ein gezielter Laserstrahl direkt auf Daraks Herz. Er hob abwehrend die Hände und schüttelte immer wieder den Kopf. „Nein...nein!“ Krächzte er, doch die Schuld die er empfand und die stumme Gewissheit, dass sie recht hatte, drückte auf seine Seele.

Sie hatte recht. Er hatte sie umgebracht. Wenn sie ihm nicht begegnet wäre, dann hätte sie nicht oben auf dem Krähennest ihr klägliches Ende gefunden! Sie hätte nicht bei Sturm ausziehen müssen, um Heilkräuter für einen selbstverliebten, gehörnten Bastard zu suchen! Sie wäre nicht ausgeglitten und in die Tiefe gestürzt! Ihr zertrümmerter Körper wäre nicht von irgendwelchen Aasgeiern zerrissen worden!
„Ich wollte das nicht!“ Nein... er hatte es wirklich nicht gewollt. Bei Elena nicht. Bei Samantha hingegen vielleicht...oder doch nicht? Die Wahrheit war, bei Samantha hatte es ihn zu Beginn nicht wirklich gekümmert, erst als er Andunie verlassen hatte und sich auf der Überfahrt nach Sarma befunden hatte, hatte er sich die Zeit genommen um über seine Tat nachzudenken. Erst dann hatte er begonnen zu bereuen... Eine späte Einsicht für einen Kindermörder.

„Elena!“ Krächzte er und versuchte sie zu greifen, aber ihr Körper war zu heiss. Instinktiv schreckte er zurück, obwohl er keinen physischen Schmerz spürte. Allein die Erinnerung an die zerstörerische Kraft des Feuers reichte für diese Reaktion aus. Er konnte sie nicht fassen. Er konnte es nicht fassen. Seine Liebste hörte nicht auf ihn anzuklagen und ihm seinen Tod zu wünschen. Bei jedem „Stirb“ zuckte er innerlich zusammen, als würde er eines dieser gefürhteten Halsbänder der Züchtigungen tragen. Sie hatte den Befehl dreimal gegeben. Sie wollte ihn tatsächlich tot sehen und Darak war für einen Moment dazu geneigt, ihr diesen Wunsch zu erfüllen.

Vielleicht wäre es wirklich besser diese gebeutelte Welt von seiner selbst zu befreien. War er denn nicht bloss ein Parasit? Ein Schädling? Sicher, in Sarma nannten sie ihn den Befreier, doch bedeutete dieser Titel wirklich etwas? Hatte er dem Wüstenvolk wirklich Freiheit geschenkt oder nicht doch eher ihr Schicksal besiegelt? Würden die tapferen Bürger Sarmas letztlich nicht doch den scharfen klingen des weissen Elfentänzers zum Opfer fallen? So war es doch! Darak sähte Hoffnung um seine Opfer letztlich doch nur dem Verderben zu übergeben! Mal ehrlich, welcher seiner glorreichen Pläne hatte bisher wirklich funktioniert? Vesta war doch ein gutes Beispiel für seine Taten. Sie hatte den Preis für die Befreiung Sarmas gezahlt. Vermutlich würden weitere Opfer folgen. Constanze vielleicht, möglicherweise auch Alma oder Lilith. Wer konnte schon wissen, was in jenem Moment gerade in Sarma passierte?

Ein versklavtes Sarma hätte eine echte Chance gehabt weiterhin zu bestehen, das „freie“ Sarma aber war der kompletten Vernichtung geweiht. Was für eine Karriere! Vom Kindermörder zum Vernichter ganzer Völker! Warum hatte Lysanthor ihm überhaupt nochmals eine Chance gewährt? Warum war er nicht einfach in der Stillen Kammer verreckt?!

Warum lief er noch immer auf seinen Beinen, obwohl man ihm die Knie mehrfach zertrümmert hatte?! Verstand er den Wink nicht? Warum trotzte er ihm noch immer, jetzt in diesem Augenblick, wo Elena – seine liebste – ihn aufforderte es endlich zu beenden?! War er zu Feige oder tatsächlich eingebildet genug zu erwarten, dass er würdig war Busse zu tun?! Wie Anmassend! Oder war es feige, sich den Tod selbst herbeizuwünschen? Ihn selbst herbeizuführen? Er wusste es nicht mehr!

Er wich vor Elena zurück. Ja... zurückweichen, ein Verhalten das er immer an den Tag legte, wenn er mit seinen Sünden konfrontiert wurde. Hatte er sich nicht von seiner eigenen Hinrichtung davongestohlen, damals in Andunie?

Er fasste sich an den Kopf, suchte Schutz unter seinem Helm, doch er trug ihn nicht. Er petzte die Augen zusammen und schrie. Der Sturm seiner Gedanken und Gefühle war überwältigend. „Ich werde sterben! Elena! Hörst du?! Ich werde sterben!“ Krächzte er ihr entgegen. Irgendwann würde er das bestimmt. Schliesslich forderte er das Schicksal regelmässig heraus. Darak Luthrokar würde wohl kaum eines natürlichen Todes sterben, soviel war ihm selbst bewusst. Er sah die flammende Elena ernsthaft an. „Aber erst wenn ich es wahrlich verdient habe.“ Sagte er bitter. Der Tod war zu einfach für einen Luthrokar. Viel zu einfach...war er zumindest inzwischen davon überzeugt.

Als ehemaliger Foltermeister wusste er schliesslich, dass das Leben so viel schmerzvoller war als der Tod.
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Re: Q'lalars Domäne

Beitragvon Erzähler » Montag 4. September 2017, 16:50

Ein Koch. Nachdem sich langsam offenbarte, wie ein Vertrag mit einem Q'lalar eigentlich aussehen konnte, ließ sich das Dasein der Kreatur mit der eines Kochs vergleichen. Nun, wenigstens in dem Moment, da das Wesen sich an den schmerzlichen Erinnerungen seiner Vertragspartner labte.
Ein Koch hatte das Bedürfnis, eine wunderbare Mahlzeit herzurichten. Er kannte das Rezept und konnte es im Fall von angeborenem oder erlerntem Talent noch durch eigene Variationen dermaßen verfeinern, dass niemand dem Resultat widerstehen konnte. Was er noch brauchte, waren die Zutaten in perfekter Zusammensetzung, sowie die Umsetzung des Rezeptes. Dem Koch namens Q'lalar war beides gegeben worden. Er bediente sich übereifrig an all den Ingredenzien, die Darak ihm bot. Dabei zupfte er Erinnerung um Erinnerung aus seinen Gedanken. Er schnappte sich eine Prise Schmerz, streute sie über das Fundament vom Einbruch ins andunische Elternhaus der kleinen Larissa. Er würzte kräftig mit ihrem Mord und den damit verbundenen Emotionen. Aber dann wurde der Dämon zum Meisterkoch, indem er das Rezept variierte. Wer wollte schon eine Mahlzeit versuchen, die nicht mehr überraschte. Das Haraxwesen nicht. Es öffnete eine große Packung aus einer anderen Erinnerung, langte mit der Schöpfkelle hinein und wog eine gewaltige Portion rothaariger Pein in Form von Elena ab. Das brachte die richtige Würze in sein Meisterwerk. Er schüttete kräftig nach, bis die Flammenzungen ihrer Haare Daraks Personifizierung in dieser verfälschten Erinnerung vollkommen eingekesselt war. Das einzige, was neben flüssig gewordenem Feuer noch den Fokus auf ihn richtete, war Elenas Gesicht. Selbst zu einer Fratze verzerrt mochte es noch immer wunderschön sein.
"Oh, natürlich", erwiderten die wundervoll geschwungenen Lippen in tiefer Abscheu. Elena zischte. "Natürlich wolltest du es nicht. Wer möchte schon die Frau sterben sehen, die man ursprünglich hatte nach Sarma verkaufen wollen?!" Sie spie ihm die Worte förmlich ins Gesicht, dass Darak die Hitze ihres Speichels fühlen konnte. Es brannte, wo die Tröpfchen sich in Funken wandelten und seine Haut streiften. Jetzt wusste er, dass er nicht träumte. Im Traum existierte kein Schmerz. In jenem Moment, da unsagbare Pein drohte, wachte man auf. Hier aber schmerzte sein Körper, sein Gesicht und auch sein Herz. In der Brust zog es sich zusammen mit jedem weiteren Wort, das Elena ihm entgegen schleuderte. "Du wolltest die potentielle Einnahmequelle nicht sterben sehen. Ihr perfekter Körper, der sicher eine Menge Lysanthemer eingebracht hätte! Vielleicht auch Drachmen, falls du es geschafft hättest bis zum Einzug in Sarma zu widerstehen. Na, wie oft hast du dir vorgestellt, mich haben zu können? Wie oft, Darak Luthrokar, wolltest du meine Beine spreizen?!"
Elena holte mit einer Hand aus, die aus dem Nichts erschien. Sie drang einfach durch das flüssige Rot ihrer Haare hindurch und schwang an Daraks Augen vorbei wie fünf rote Blitze. Fünf schmerzende Blitze, die Striemen auf seiner nackten Brust hinterließen. Er war nackt? Nicht lange, denn ihre Kratzer hatten die Haut aufgerissen wie es sonst nur Peitschenhiebe vermochten. Die Hautränder hingen ihm in Fetzen herab und sein eigenes Blut floss zu einem neuen Gewand für den Luthrokar zusammen. Es war nicht imstande, ihm Kühle zu verschaffen. Im Gegenteil. Sein Lebenssaft wärmte die Haut und Elenas Haare ringsumher verbrannten ihn.
Am Rande seiner Wahrnehmung konnte Darak etwas Neues erkennen. Etwas, das nicht zu Elena gehörte, sich aber hinter ihrer Feuermähne verbarg. Es leckte dort in seinem Versteck an allem, was Darak wie Schweiß ausdünstete. Es war der Q'lalar, der sich bereits satt fraß. Das Leid des Enthörnten würde seinen Bauch füllen, doch wann wäre der Hunger gestillt? Wie viel musste Darak noch ertragen? Welche Wahrheiten würden ihm noch offenbart und welche ... würde er vergessen?
Vergessen. Genau das hatte er. Er hatte vergessen, worum es bei all diesem Wildwechsel chaotischer Erinnerungen ging. Er hatte einen Vertag ausgehandelt und alles, was er hier erlebte, war Teil davon. Er gewährte dem Dämon Zugriff auf die Erinnerungen und dieser stellte sich ein Festmahl zusammen. Sobald es verschlungen wäre, blieb nichts mehr. Das bedeutete ...
"So ist es, Darak. Du wirst sterben ... irgendwann. Aber das ist mir keine Genugtuuung. Was nützt es mir? Nein, sterben wäre in der Tat zu gnädig für dich." Elenas Stimme wandelte sich. Erinnerte sie jetzt nicht ein wenig an die dominante Schärfe seiner verehrten Vesta? Oder war es nicht doch das freie Selbstbewusstsein der Amazone Constanze? Würde er sie nun vergessen, weil sie gleich aus Elenas Feuerhaaren schritten, um ihn mit mehr qualvollen Erinnerungen in einen Pfuhl der Verzweiflung zu treiben? Was blieb ihm dann noch?
"Ganz Recht, Darak. Ich ziehe meinen Wunsch zurück. Sterben ist nicht mehr zeitgemäß und vor allem nicht genug für dich. Nein, Darak Liebster. Lebe, hörst du? Lebe und vergiss mich für immer!" Elenas Arme tauchten erneut aus ihrem Haar auf. Sie riess sie über ihren Kopf. Sie riss den Mund auf und lachte hyänenhaft. Das Keckern ging durch Mark und Bein. "Heißt es nicht, eine Liebe geliebt und verloren zu haben ist schlimmer als niemals geliebt zu haben? Was ist, wenn du beides bekommst, hm?" In seinem Versteck leckte sich der Q'lalar mit haraxischer List über blutige Eckzähne.
"Liebe mich, Darak! Erinnere dich hier und jetzt an die Liebe, die du für mich empfunden und die du verloren hast. Es war deine Schuld! Du bist schuld, Darak. Du hast mich geliebt, du hast mich verloren ... und gleich wirst du niemals geliebt haben!"

"NEIN!"
Es geschah schnell. Vermutlich viel zu schnell, als dass Darak nun alles hätte richtig begreifen können. Er war sich nicht mehr sicher, was seine Sinne ihm vermittelten und wie viel davon der Realität entsprach. Würde er nun sterben oder leben? Lieben oder vergessen? Elena und der Q'lalar stürzten sich auf ihn für den letzten Bissen. Abe dann war da dieses glockenhelle Geräusch. Eine Stimme? Ein Schrei? Es verklang bereits in seinen Ohren, noch ehe er den Ursprung hätte ausmachen können. Sein halb taubes Ohr nahm es ohnehin nicht wahr. Dafür sah er auf gleicher Seite einen Schatten hurtig zwischen den Flammenhaaren hindurch huschen. Er zerteilte den Vorhang flüssigen Feuers mit kräftigen Windschüben, die den schlanken Schatten trugen. Allzu groß war er nicht, so blieb es schwierig, ihn überhaupt halbwegs im Auge zu behalten. Das Letzte, was Darak sah, war, dass er direkt auf ihn zu hielt. Er spürte diesen Stoß gegen seine Rippen und wie seine Beine den Halt verloren. Darak stürzte in Schwärze hinein. Das Gebrüll des Q'lalar versuchte, ihm zu folgen, aber es verklang. Zurück blieb ... nichts.



Daraks Lebensenergie ändert sich auf



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