Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

In diesem gigantischen Anwesen haust die Nachtelfen-Herrscherin Méntara Tronás. Sie wird von mehreren Dutzend Wächtern bewacht und man sagt, das Anwesen sei magisch abgesichert.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. Juli 2020, 09:41

Das war keines von ihren Zettelchen, auf denen Sarin sich hin und wieder Notizen machte. Es war gut, stets etwas zum Schreiben mit sich zu führen. Denn oft genug zeigte die Schönheit des Nachtelfenreichs ihr einzigartige Bilder, die ihre Inspiration weckten. Sie luden Sarin dazu ein, selbst in einer besonders geformten Erdsäule oder einem von den Spinnen ihrer Freundin gewebten Netz einen Ansatz für ein neues Modestück zu finden. Hatte sie nicht vor Monaten erst dieses wunderbare lange Ballkleid genäht, das einen Schleier als Überwurf besaß, der genau wie ein Netz ausgesehen hatte? Und den schwarz glänzenden Knopf am Hut, der den oberen Teil des Schleier trug, hatte man mit acht winzigen Beinchen als Verschluss um die feine Seide klemmen können. Solche Liebe zum Detail ruhte tief in Sarins Talent. Für sie war es wichtig, Inspiration nicht zu verlieren, also musste sie in der Lage sein, sie jenseits ihres Kopfes festzuhalten. Denn manchmal glitten auch Gedanken ab und ließen sich Stunden später nicht mehr zum eigentlichen Ursprung zurückverfolgen.
Genauso wenig wie Sarin sich nun erklären konnte, woher sie dieses kleine gefaltete Papier besitzen mochte. Wie bereits erwähnt, es konnte keiner ihrer Notizzettel sein. Sie nutzte Papier aus dem nachtelfischen Schreibwarenhaus "Schattentinte" nahe des Marktes. das Sortiment war groß, aber Sarin bevorzugte gerade ihr Papier, weil sie es recht dick verkauften. Es mochte schwerer sein, aber für eine Schneiderin war es ideal. Durch die Dicke ließ sich eingetrocknete Tinte oder die Entwürfe mit Kohlestift problemlos abschmirgeln, ohne dadurch Risse zu erzeugen. Sie konnte ein solches Papier sicher drei oder vier mal nutzen, ehe es zu dünn geworden war.
Der gefaltete Zettel zwischen ihren Fingern aber fühlte sich auch anders an. Er war dünner als alles, was sie kannte. Außerdem erfühlte sie eine unsichtbare Prägung am Rand. Wenn sie ihr mit dem Finger folgte, wusste sie, dass es kein Zufall, sondern tatsächlich eine eingestanzte Prägung war. Sie konnte die Muster einer geschwungenen Ranke fühlten und an manchen Stellen piekte es, als hätte sie in den Dorn einer Rose gegriffen. Es passierte gar, dass Sarins Finger ein paar Blutstropfen aus dem Papier hinterließ. Nichts, worum sie sich sorgen musste. Es schmerzte sogar nur kurz.
Aber all das festigte ihren Entschluss trotz aller Müdigkeit einen Blick auf den Zettel zu werfen. Ihre Neugier war geweckt, also faltete sie ihn auf und las.

Ich hörte vom Fluch des Brautkleids.
Wenn er sich erneut erfüllen soll, suche die Dunkelschenke auf, sprich mit dem Wirt und frage ihn nach einem Glas roten Mondschein.
Schriftrolle Fuss
Viel stand dort ja nicht und noh weniger Sinnvolles. Roter Mondenschein? In den Zeiten, in denen Sarin es in die Dunkelschenke getrieben hatte, war ein solches Getränk niemals auf der Karte gewesen. Einfacher Mondenschein, ja. Das war ein angnehmer samtiger Weißwein mit einem milchigen Tropfen darin. Man erzählte sich, dass er die Milch einer Oberflächenblume sei, die nur nachts blüht. Wieviel davon Märchen und wieviel Wahrheit war, wusste Sarin nicht. Aber der Wein bot Anlass dazu, die Dunkelschenke gelegentlich aufzusuchen. Er schmeckte nicht schlecht.
Galt diese Nachricht überhaupt ihr? Wenn ja, müsste sie sich beeilen. Es war schon spät, Mitternacht wäre bald erreicht. Aber sie war müde. Vielleicht konnte sie auch tags darauf noch ein Glas roten Mondschein bestellen? Sie hatte den Zettel in der Hoffnung entfaltet, ihre Neugier zu stillen und anschließend mit dem Tag abschließen zu können. Nichts davon hatte sich erfüllt. Und der Verfasser der Nachricht schien gewillt, dass sich ihr Fluch wiederholte. Wollte sie das? Es lag erneut bei ihr allein.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Freitag 31. Juli 2020, 09:29

Sarin hatte den Zettel in der Hoffnung entfaltet, ihre Neugier zu stillen und anschließend mit dem Tag abschließen zu können. Nichts davon hatte sich erfüllt. Und der Verfasser der Nachricht schien gewillt, dass sich ihr Fluch wiederholte.
„...erneut erfüllt....“
, kam es ihr flüsternd über die Lippen und tropfte in ihr Bewusstsein, zäh wie Honig.
Wollte sie das? Es wirkte, als ob die Entscheidung vom Schicksal selbst, ihr in ihre Hände gelegt worden wäre. Aber war dem so?
Nachdenklich strich sie über das feine Pergament und wunderte sich über die winzigen Ritzer, die es hervorrief. Plötzlich war sie wieder hellwach.
Papier... mit Ranken...wie von... Blutdornen...
Das es nicht von hier war, war offensichtlich und die Ranken, die feine Prägung sowie die Blutstropfen erstellten die ersten Puzzleteile in diesem Rätsel. Die erste Vermutung war schnell gewachsen, die den Ursprung dieser Nachricht untermalte. Aber Sarin musst mehr bedenken als nur diesen einen Faden entlang im Netz aus Informationen. Sie hatte von ihrer Stadtherrin einen Auftrag erhalten. Sie war teil eines Vertrages zwischen zwei Königreichen und nun hielt sie quasi die Aufforderung zum Hochverrat in der Hand. Ablegesehen von der Verlockung wirklich selbst entscheiden zu können, ob sie den Prinzen heiraten würde oder nicht, konnte diese Nachricht auch genauso gut eine schlichte Falle sein. Eine Falle, die das zarte Bündnis zwischen den Nachtelfen und ihren dunklen Verwandten gefährdete.
Ob nun um meinetwillen oder um Mentára davon später zu berichten... ich muss dem nachgehen!
Wohl war ihr bei der Sache nicht, denn es war eine Sache sich bewusst in eine Falle zu begeben und noch eine ganz andere, heimliche Hoffnung zu hegen, dass hier sich vielleicht doch noch ein Weg auftat, der ihr eine Wahl gab.
Eine Wahl... aber auch nur, wenn dann nicht am Ende die Schuld eines Krieges auf meinen Schultern ruht.
, dachte sie bitter. Sarin war treu in ihrem Herzen und Treue zu ihrer Heimat war es, die sie mit diesem Gedanken an eine Heirat mit Morgeria befreundet hatte. Eben noch hatte sie sich langsam versucht mit der Vorstellung abzufinden, das beste daraus zu machen und ihren Mut dahinter zu finden und schon wurde dies alles mit halbseidenen Verlockungen wieder zerstreut.
Die Wahl war für sie nicht wirklich das, was sie im ersten Moment zu seien schien. So war auch die Entscheidung schnell getroffen. Sie würde dem nachgehen und sich mit den Verschwörern treffen, die Falle offenen Auges betreten und wenn sie genug Informationen gesammelt hatte, konnte sie zu Mentára gehen. So der bewusst gewählte Plan, doch tief in sich verborgen keimten schon die ersten Zweifel.
Sollte ich vielleicht gleich mit dem Zettel zu Méntara gehen? Oder erst Informationen sammeln? Erst etwas schlafen... Ich bin so müde... Was mach ich nur?...Hab ich noch...
Sarin fiel in diesem Moment ein, dass es durchaus Mittel und Wege gab, seine Leistungsfähigkeit über das normale Maß hinaus zu steigern. Einige Pilze und Getränke hatten durchaus diese Wirkung, auch wenn man später dafür den Preis dafür zahlen musste. Bei bestimmten Anlässen hatte sie diesen Weg im Laufe ihres Leben auch ein oder zwei Mal gewählt. Nachdenklich drehte sie noch einmal den Zettel in den Händen.
Dort steht nichts von Zeit oder Tag. Nur der Ort und das Codewort.
Sie grübelte. Derjenige, der mit das zusteckte, der muss mich beobachtet haben. Sie ging noch einmal den vergangenen Tag durch und fand viele Möglichkeiten, von Palastpersonal, über ihre Schneiderinnen bis hin zu dem fremden Diener, der sie angerempelt hatte. Ein Schmunzeln so schmal wie ein Spinnenfaden huschte über ihre Lippen.
Wer auch immer dies mir zukommen ließ, konnte nicht wissen, wann ich ihn lese, also wird er im Umkehrschluss eine Möglichkeit gefunden haben meine Schritte zu beobachten, damit er weiß, wann ich die Dunkelschenke betreten werde. Ergo – Ich kann ihn oder sie warten lassen. Sie wollen etwas von mir! Nicht ich von ihnen.
Sarin grinste schmal, streckte sich, faltete den Zettel so, dass er sie nicht verletzen konnte, also die Kanten nach innen und schob ihn unter ihren Brustwickel. Unter ihrem Herzen lag er sicher verwahrt.
Ich sollte nicht meine Gesundheit gefährden, für jemanden, der nicht das Wohl meines Landes im Sinn hat. Schlaf... das ist, was ich jetzt brauche. Sonst kann ich nicht klar denken und das würde mich nur noch angreifbarer machen... vor allem da es auch eine Falle sein könnte...
Kurz huschten ihre Gedankenspielereien dabei sogar zu ihrer eigenen Familie. Lucil würde sie sogar zutrauen, sie hinterrücks zu erschlagen, damit sie doch noch die Chance bekam, ihren Prinzen zu heiraten.
Schlaf...
Sarin setzte sich auf das Sofa, dass ihr in vielen Nächten mehr zur Heimat geworden war, als jeder andere Ort dieser Stadt. Sie schwang die Beine hoch, strich das Nachthemd glatt und legte sich hin. Die Decke wurde bis zur Nase hochgezogen und mit einem letzten Gedanken und einem sanften Lächeln schlief sie ein.
Diese kleine Nachricht ist der erste Schicksalsfaden, der mir in diesem Netz gewährt wird. Doch in welche Richtung er zu ziehen geht, das muss ich noch ergründen.
Bleiern fiel Müdigkeit über sie her und riss sie in die Welt der Träume, in Manthalas Arme.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. August 2020, 12:18

Heute nicht mehr. Es war viel zu spät. Auf der Nachricht befand sich keine Zeitangabe, kein Datum, das eine Frist setzte. Es konnte warten. Sarin hatte ihre Neugier weit genug genährt, um sich nun ihrer Müdigkeit hinzugeben. Sie würde vielleicht im Schlaf auf einige Ideen stoßen, was sie aus der Nachricht machte. Bereits jetzt formten sich Spekulationen hinter ihrer Stirn, aber ihre Augen brannten schon. Ihre Arme waren schwer. Sie brauchte Schlaf, also legte sie sich endlich auf ihrem Sofa zur Ruhe.
Wenn man schlief, verarbeitete das Gehirn die Ereignisse des Tages. Es holte alte Erinnerungen hervor und versuchte, die neu gewonnenen in ein nur dem Hirn selbst logisches Konzept einzuordnen. Weniger gläubige Celcianer erklärten sich so die Entstehung von Träumen. Andere sahen darin einen Einblick in das Reich Manthalas, die es liebte, über ihre Traumwelten schicksalshafte Nachrichten zu schicken. So mancher hatte sein Leben aufgrund einer von Manthala gesandten Vision schon aufgegeben. Die Nachricht an Sarin aber war echt gewesen und eine Antwort fände sich vielleicht in der Dunkelschenke.

Während die junge Schneiderin ihren wohlverdienten Schlaf forderte, wurde es in besagter Dunkelschenke langsam ruhiger. Die letzten Stammgäste verließen den Schankraum, um draußen in der Dunkelheit der Straßen noch ein wenig zu plaudern oder sich an der nächstbesten Hauswand zu erleichtern. Der Wirt der Taverne schickte seine Aushilfe los, die Stühle umgekehrt auf die Tische zu hängen, damit darunter noch gewischt werden konnte. Erst dann würde er seine Mitarbeiter für heute entlassen, selbst jedoch noch im Hinterzimmer die Gewinne verrechnen.
Der letzte Gast des Abends war ihm bis dahin überhaupt nicht mehr aufgefallen. In die Schatten der Sitzecke hatte er sich verzogen und schien selbst einer der ihren geworden zu sein. Jetzt aber, als der Wirt den Tisch erreichte, um die geleerte Tasse abzuräumen, entdeckte er die kapuzierte Gestalt wieder. War sie nicht den ganzen Abend hier gewesen, ohne sich zu rühren? Bis auf einen Wein, eine Mahlzeit und anschließend Tassen heißen Pilzcreme-Kakaos hatte die Person nicht auf sich aufmerksam gemacht.
"Ihr sucht jemanden, nicht wahr?"
Der Fremde reagierte nur mit einem Brummen.
"Hört zu, ich spiele das Spiel ja gern mit. Vor allem, weil ihr gut dafür gezahlt habt. Aber heute ist niemand gekommen und ich schieße jetzt. Wenn Ihr noch rasch ein Zimmer wollt, kann ich Euch eines anbieten. Ansonsten wird's Zeit."
"Haltet mir den Tisch frei"
, erwiderte die Gestalt mit einem enttäuschten Seufzen. Dann erhob sie sich. Unter dem weiten Kapuzenumhang aus dickem Saum blitzte kurz die silberne Rosenranke auf, die sich um eine schwarze Schwertscheide schlang wie die Jungfer in ihrer ersten Liebesnacht um den Leib ihres Helden. Dann schob sich der Vorhang aus dickem Stoff davor und das Lieblingsgeräusch des Wirts erklang. Mit leisem Klirren landeten drei Fuchsmünzen auf dem Tisch. Eine Anzahlung. Der Wirt wusste, er könnte mehr kriegen. Immerhin hatte der Fremde vorab für seinen seltsamen Plan schon enorm viel bezahlt.
So still wie er den ganzen Abend gewesen war, verließ er nun auch die Dunkelschenke. Er blieb nur noch einmal vor dem Gebäude stehen und schaute zur gewölbeartigen Höhlendecke empor, als suchte er dort nach Sternen. Wieder seufzte er aus. "Faldor und Manthala, lasst sie morgen Nacht erscheinen. Wir haben doch Besseres zu tun als mich nun Abend für Abend in diese Kaschemme zu setzen..."

Der Morgen kam für Sarin schneller als ihr lieb war. Noch nie zuvor hatte sie so schlecht auf dem Sofa geschlafen wie die letzten Stunden. Es war nicht unbequem. Sie kannte dieses Mobiliar nun schon lange genug und hatte es ebenso viel genutzt, um sich eine für sie komfortable Liegeposition selbst im Schlaf zu schaffen. Aber die ganze Nacht über waren seltsame Bilder durch ihren Kopf gegeistert. Träume vom Nähen und Brautkleidern mit blutenden Rosen hatten sie ebens beschäftigt wie der Satz auf der Nachricht, welcher sie den ganzen Schlaf lang begleitete hatte. Wie das Echo eine verschiedenen Seele hatte sie eine dunkle Stimme immer wieder sagen hören: Wenn der Fluch des Brautkleids sich erneut erfüllen soll...
Der Satz war nie beendet worden, sondern hatte stets von Neuem begonnen, teilweise mit leichtem Versatz und anderer schauriger Stimmlage, so dass Sarins Schlaf von einem Kanon der geheimnisvollen Botschaft begleitet worden war.
Hätte sie nicht so viel zu tun und noch so wenig Zeit bis sie ihre Heimat verlassen sollte, wäre es wohl das Sinnvollste gewesen, noch einmal ein paar Stunden Schlaf nachzuholen. Am besten in einem richtigen Bett. So aber musste sie sich aufraffen. Es gab Pflichten zu erledigen. Die meisten davon hatten mit ihrer Abreise zu tun. Sie musste noch immer die Kleidung fertig nähen, die sie an der Oberfläche zum Schutz vor der Sonne tragen wollte. Sie musste ihr Brautkleid gestalten und konnte nur hoffen, dass einer von Meister Londros Lieferanten sich bald meldete. Außerdem kam im Laufe des Morgens eine beladene Kutsche bis vor das Anwesen der Stadtherrin gefahren mit dem Auftrag, dass Sarin die Lieferung in Empfang nehmen sollte. Es handelte sich um ihren gesamten Hausstand aus dem Zimmer, das ihr Onkel ihr zur Verfügung gestellt hatte. Da waren nicht nur ihre persönlichsten Habseligkeiten dabei. Bis auf das hohe Bett und die Schränke hatte ihr Onkel wirklich alles liefern lassen! Stühle und gar ihr kleiner Frisiertisch waren auf die Kutsche geladen worden, zusammen mit Sitzkissen, der Trennwand zum Umziehen, einem hohen Standspiegel, Vasen und tatsächlich auch den Vorhängen, deren Stoff Sarin noch selbst ausgesucht und vernäht hatte. Die war ein eindeutiges Zeichen. Es gab kein Zurück mehr.
Den ganzen Vormittag war sie nun damit beschäftigt, ihre LIeferung irgendwo unterzubringen. Im Anwesen der Stadtherrin war gewiss genug Platz. Die Frage war, inwieweit es Mentára gestatten würde, dass Sein ihr Mobiliar fernab der Schneiderstube untebrachte. Außerdem mussten die Sachen auch noch getragen werden. Da kamen ihr Pagen und erneut ihr guter Freund Larian zu Hilfe, um alles dorthin zu bringen, wo es keinen für lange Zeit stören mochte. Vielleicht für immer. Sarin konnte unmöglich so sperrige Dinge wie ihren Frisiertisch mit auf die Reise nehmen. Es blieb aber ungewiss, ob sie ihn wie gleichermaßen das Reich der Nachtelfen jemals wiedersehen würde. Vielleicht war es auch nicht schlecht, ein paar Sachen zu verschenken. Auf jeden Fall benötigte sie bis in die Mittagsstunden, ehe die Kutsche leer war und den Rückweg antreten konnte.
Sarin genehmigte sich anschließend eine Mahlzeit in der Küche und fand dann die Zeit, ihre Pläne neu zu ordnen. Das Brautkleid war immer noch nicht weiter bearbeitet, ebenso wenig wie die weiteren Kleidungsstücke. Aber da gab es noch die Nachricht von letzter Nacht. Ob sie die Dunkelschenke auch tagsüber aufsuchen konnte? Oder sollte sie ihre Idee von gestern wieder aufgreifen und versuchen, Mentára Tronás von der Botschaft zu erzählen?
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Montag 3. August 2020, 13:25

Wie viel Zeit war eigentlich seit ihrer unfreiwilligen Verlobung vergangen? Tag null, ihrer Zeitrechnung, war der Abend des Balls.War es wirklich erst Tag zwei? Das fragte sich Sarin nach einer viel zu kurzen Schlafphase blinzelnd und seufzte tief und lang. Dann zuckte sie mit den Schultern und setzte sich auf. Kein Stöhnen oder Jammern nahm ihr die Arbeit ab, die auf sie wartete und natürlich hielt auch dieser Morgen eine unschöne Überraschung für sie bereit, wenn gleich sie zwar nicht ganz unerwartet, sie aber doch wie ein herabfallender Stalaktit ins Herz traf.
Neben all den großen und kleinen Arbeiten hatte ihr Onkel Jafar es doch noch geschafft, sie erneut zu verletzten und ihr ihre Habseligkeiten in sehr endgültiger Form quasi vor die Tür gestellt. Sie fühlte sich wie ein ausgesetzter Hund dem man sein Halsband und sein Körbchen noch hinterher warf, als sie die Kutsche sah. Und so erstaunlich es war, es war somit Jafars Handeln, dass sie zu der Entscheidung trieb, Méntara von dem Zettelchen zu berichten.

Hatte sie noch nach dem Aufwachen kurz das kleine Gefühl von Handlungsfähigkeit und die Illusion genossen, selbst entscheiden zu können, vielleicht selbst erst einmal in die Schenke zu gehen, um heraus zu finden, wer der Urheber war und was er genau wollte, so hatte ihr Onkel sie wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Sie war keine ausgebildete Spionin, auch wenn sie kurz darüber nachgedacht hatte, vielleicht mit ihren Gehilfen zusammen und damit nicht allein, abends in die Schenke zu gehen und ihren Abschied gebührend zu feiern. Das waren aber vorerst nur Ideen gewesen. Jafar hatte ihr noch einmal sehr deutlich gezeigt, dass sie hier nicht mehr erwünscht war und damit zog sich dann ihr Herz vollständig von ihm und dem kläglichen Rest ihrer Familie zurück. Ihr Inneres glich einem Scherbenhaufen, als sie die Möbel und Erinnerungen an ihre Kindheit verstaute. Es war als liefe sie über gläserne Splitter und wer sie gut kannte, der ahnte vielleicht auch ohne Worte, wie sie sich fühlte. In so wenigen Tagen seine Heimat, seine Wurzeln, ja sein ganzes Leben hinter sich zu lassen, das war nicht einfach. Sarin stand vor ihrem Schminktisch, strich über das Holz, dass einst auch ihrer Mutter berührt hatte und musste Abschied nehmen. Das war also das Ende ihrer Familie.
Vater hätte sich für Jafar geschämt...
, schoss ihr durch den Kopf, aber sie verwarf den Gedanken gleich wieder. Es brachte nichts irgendjemand Vorwürfe zu machen.
Es stellte sich nur noch eine Frage:
Wem also gilt meine Loyalität?
Und da war die Antwort einfach. Wenn es keine Familie mehr gab, um die sie sich hätte Gedanken machen brauchen, dann war es ihr Volk, ihr Land und ihre Herrin. Und diese musste wissen, was vor sich ging, zumal sie gerade dabei war einen Vertrag für Sarin und den Prinzen aufzusetzen. Hier waren Mächte am Werk, Kräfte, die dem entgegen wirken wollten und sei es selbst der Prinz höchstpersönlich. In dem mehr oder weniger unterbewussten Leid, dass sie beim Verlust ihrer Wurzeln empfand, so lenkte nun die Furcht ihr Handeln. Eine diffuse Angst, dass sie heimatlos war, entwurzelt und verstoßen sein würde, wenn etwas schief ging. Sarin war keine große Abenteurerin, die sich bisher nach fernen Ländern gesehnt hatte. Sie war eine Schneiderin, die ihr Handwerk liebte und ja ab und an gern mal etwas von der Welt gesehen hätte um dann ihre Kunden mit Geschichten bei Laune halten zu können. Doch nun war sie plötzlich selbst ein Teil dieses Abenteuers und jeden Tag wurde es realer. Sie brauchte Hilfe um auf diesem Weg nicht zu stolpern, zu fallen und Méntara war die Frau in ihrem Leben, die ihr eine Rückkehr im Notfall ermöglichen könnte. Denn wo sollte sie sonst hin wenn Morgeria sie nicht empfing? Wo sollte eine Nachtelfe leben, wenn nicht im Untergrund? Für einen Moment sah Sarin eine Zukunft in zwei vollständig unterschiedlichen Schattierungen:
Die eine war rosig und glamourös. Sie kehrte Jahre später als hohe Dame des Morgerianischen Hofs ab und an hier her zurück um ihr Erstgeborenes zu besuchen, wob die Verbindungen zwischen den Reichen und war mit Méntara fast so etwas wie befreundet, aber die andere war weit weniger rosig. In der andern kehrte sie geschlagen und verjagt, allein und einsam schon nach wenigen Monden zurück und nur durch ihre Loyalität wurde sie wieder aufgenommen. Diese beiden Varianten spukten ihr durch den Kopf, auch wenn es sicher noch viele mehr gab, so sah Sarin sie bisher nicht. Und so verging ein arbeitsreicher Vormittag mit dem Verstauen von ihren Habseligkeiten. Verschenken konnte sie vieles immernoch, wenn sie sicher war, sie nicht mehr zu brauchen. Wenn alles gut lief, würde sie per Nachricht die Sachen weiter verteilen können, wenn nicht, nun dann würde sie sie als Startkapital benötigen um wieder auf die Beine zu kommen. Einiges war durchaus von Wert. Die Möglichkeit, dass ihr Prinz, ihr Verlobter noch weitere Wege ihres Schicksals eröffnen könnte, daran dachte sie zu dieser Zeit nicht und es gab auch viel zu viel zu tun. Sie erbat per Briefbote bei Méntara die Erlaubnis ihr Stofflager vorerst um weitere Dinge, wie ihre persönlichen Habseligkeiten erweitern zu dürfen, bat um einen späteren Gesprächstermin, sofern sie Zeit erübrigen könnte und räumte dann mit Lariel alles fertig ein. Ein paar der Mädchen halfen vielleicht auch und so war gen Mittag alles verstaut.

Erst als sie wieder über ihrem zweiten Brautkleid saß und an den Details feilte, da kamen so langsam erneut Zweifel auf. Sie strich mit den Fingern über die Zeichnung. Wie eine Rosenrüstung kam es ihr vor und die Ranken, Runen und Muster verbanden sie mit den Gedanken an ihre Zukunft.
...Wenn der Fluch des Brautkleids sich erneut erfüllen soll...
Die Worte hatten sie im Traum begleitet.
Will ich das denn? … Was will ICH eigentlich?
Sarin wusste es gerade nicht so genau. Sie war verkauft, verstoßen und wurde an einen Mann gebunden, den sie nicht kannte. Eigentlich nichts was es nicht schon hundert mal auf der Welt gegeben hatte. Viele Frauen vor ihr hatten ein ähnliches Schicksal geteilt und das beste draus gemacht. Ihre Gedanken glitten zu dem Tanz zurück, zu seinen Augen, seinem Lächeln, seinen Armen und soooo schlimm war das alles nun doch nun wirklich nicht gewesen.
Dhansiar...
Sein Name brachte in ihr bisher zum klingen, geschweige denn Erinnerungen hervor um wirklich entscheiden zu können, ob sie ihn heiraten WOLLTE oder nicht. Aber er war freundlich und erstaunlich ehrlich zu ihr gewesen. Könnte er in diesem Spiel vielleicht kein Geliebter, aber ein …
… ein Verbündeter?
sein? Sollte sie vielleicht heute Abend doch in die Taverne gehen? Irgendwie erwartete sie, dass er den Zettel hinterlassen hatte. Der Faden wurde gerade immer dünner, den sie da spann. Sie hatte um ein Gespräch mit der Stadtherrin gebeten, aber das war ganz normal. Sie hatte noch tausend Fragen und ob sie nun den Zettel erwähnte oder nicht, dass konnte sie auch in der Situation entscheiden. Aber was war mit Dhansiar? Er steckte in der gleichen Situation wie sie.
Na ja, nur fast.
, gestand sie sich ein. Sollte sie ihm deswegen vielleicht einen Vertrauensvorschuss geben? ER könnte sich jederzeit jemand anderes suchen. Fühlte er sich überhaupt zu diesem Bund ihrer Heimatländer verpflichtetet, oder war es nur ein Spiel für ihn? Würde er einen Krieg riskieren nur um seiner Freiheit willen? Sarin begann zu merken, dass sie wirklich noch mehr Informationen brauchte. Das alles wurde zu einem Balanceakt ihrer Loyalität Méntara gegenüber, denn sowie sich fragte, was sie ihr überhaupt zu berichten hatte, das fühlte sie nur den Zettel über ihrem Herzen. Es waren wenig Worte, aber man konnte viel daraus schließen und die Stadtherrin war definitiv bewanderter in der Kunst der Intrige und Diplomatie. SIE könnte gewiss Sarin einen Rat geben, was am besten zu tun sei. Sollte sie allein zu dem Treffen gehen? Sich womöglich von Neidern überfallen und hinterrücks ermorden lassen? Nachtelfen galten als hervorragende Assassinen. Oder doch lieber in einer Gruppe erst mal nachsehen, wer das überhaupt etwas von ihr wollte – auch wenn sie es ja ahnte. Es gab so viele Variablen und Sarin fürchtete sich wirklich, das falsche zu tun. Sie war gut in der Kunst der Informationsbeschaffung, wenn Kunden während der Anproben über ihre Träume und Wünsche bei ihr sinnierten, aber sie hatte dies alles noch nie für sich selbst angewendet. So viele Jahre hatte sie vor sich hin gelebt und nun?
Sollte sie wie ein junges Ding ohne Plan zu Méntara laufen, sich von ihr sagen lassen, was sie genau zu tun hatte? Das passte nicht so Recht zu ihren 88 Jahren. Allerdings war es auch oftmals klug, wenn man sich Hilfe an Stellen holte, die mit Wissen und Erfahrung aufbieten konnten.
Noch immer fragte sich Sarin, warum die Herrin der Nachtelfen ausgerechnet SIE gewählt hatte. Sarin stellte sich vor den Spiegel in ihrer Schneiderei und versuchte sich mit Mentáras Augen zu betrachten. Ihr Äußeres ignorierte sie dabei bewusst und überlegte, was für Fähigkeiten sie sonst noch mitbrachte und als aller erstes fiel ihr dabei tatsächlich auf, dass sie durchaus anpassungsfähiger war, als die meisten Frauen bei Hof. Viele lebten in ihren gleichförmigen Bahnen, bestanden auf ihre Rechte und den Stand, auf ihre Ehre, selbst auf die kleinsten Annehmlichkeiten, die sie eben alle als selbstverständlich voraus setzten, als hätten sie eben diese Rechte geerbt und könnten sie nie verlieren.
Sarin wusste es besser.
Man konnte alles verlieren und sie hatte gelernt, trotzdem dabei zu lächeln. Sie hatte die Fähigkeit sich schwierigen Umständen anzupassen hart erlernt. Umgeben von sich die kleinsten Dinge neidenden Elfen, hatte sie ihren Platz gefunden. Sie konnte einen Schritt zurück gehen um das ganze Bild zu betrachten, während andere immer nur voran preschten.
Und noch etwas konnte sie gut.
Zuhören.
Allein das Wissen was sie über all die Jahre über ihre Kunden gesammelt hatte, könnte den ein oder anderen stürzen oder in den Hochadel erheben. Nutze sie es? Nein. Aber nun... Nun musste sie diese Fähigkeiten nutzen! Für SICH!
„Habt ihr mich deshalb ausgewählt, meine Herrin?“
, fragte sie den Spiegel leise flüsternd und lächelte mal freundlich, mal unterwürfig, mal arrogant, keck und versuchte sich sogar in verführerisch, was ihr nicht so recht gelingen wollte. Aber das brauchte sie auch nicht. Niemand erwartete von ihr die Rolle der Fame fatal. Ja, sie wusste um das Spiel der Eitelkeiten. Sich zuzwinkernd sah sie sich an. Jedes Wesen hatte ein Ziel und wenn man um Motive wusste, konnte man die Fäden so legen, dass das Netz entweder trittsicher war, oder so löchrig, dass man hindurch fallen konnte. Nur...
Will ich diese Fliege selbst fangen? Oder will ich das Netz weiter spinnen und die Fäden einer anderen Spinne durch mich wirken lassen? Ist das vielleicht ein Test?
Letzter Gedanke war ihr erst jetzt gerade gekommen.
Nicht zu viel interpretieren!
, ermahnte sie sich.
Fakten sammeln.
Sie stand mit in die Hüften gestemmten Händen vor der glatt polierten Fläche und grinste sich frech an. Dann bemerkte Sarin, dass sie tatsächlich ein paar Minuten „getrödelt“ hatte und machte sich wieder an die Arbeit. Das Schnittmuster war fast fertig, jetzt mussten die Stoffe zugeschnitten und umsäumt werden. Vielleicht kam bald der Kontakt von Meister Londro? Oder Méntara ließ sie zu sich rufen? Den frühen Nachmittag hatte sie genug zu tun. Am Abend würde sie so oder so gewiss eine Verabredung haben. Und vielleicht war es sogar gut, wenn sie in Begleitung ihrer langjährigen Gehilfen zur Dunkelschenke ging. Zum einen war es sicherer, zum anderen könnte sie sogar den Zeitpunkt, wann sie dort sein würde verlauten lassen und die Zielperson müsste nicht so lange auf sie warten. Ein paar private Worte konnte man immer in diesem Laden wechseln. Genug Möglichkeiten und dunkle Ecken gab es.

Also wartete Sarin auf die nächste Nachricht, den nächsten Boten, der ihr Tagwerk unterbrechen solle und machte derweil einen Brief für Meister Londro fertig.

**Mein Freund und Meister Londro.
Ich würde euer Angebot mir in diesen Tagen zu helfen tatsächlich gern in Anspruch nehmen, da Zeit nun etwas geworden ist, an dem es mit ständig zu mangeln scheint. Ich vertraue dabei vollkommen auf euer Wissen um meine Maße und Vorlieben, sowie um eure Kunst Kleidungsstücke für die Oberwelt zu schneidern. Vielleicht wäre dies auch eine gute Übung für euren neuen Lehrling. Er macht einen guten und fleißigen Eindruck. Bitte gebt mir Bescheid, ob und in welchem Maße ich mich durch euch entlastet fühlen darf.
Für immer euch zu tiefst dankbar
Sarin.**
Schriftrolle Fuss

Kurz hatte sie überlegt, ob sie einfach ihren alten Meister auf einen guten Wein für heute Abend mit einladen sollte, doch durch seinen angeknacksten Fuß war dies unmöglich. Doch das Treffen mit dem Kontaktmann von Meister Londro sehnte sie trotzt einer etwaigen Entlastung dringlich herbei, denn was man nicht selbst lernte, dass konnte man dann im Ernstfall auch nicht anwenden. Sarin musste lernen, worauf es auf der Oberfläche ankam, wie sie sich am besten schützen konnte und ob es Gefahren gab, die sie von hier aus ihrer Perspektive einfach nicht sehen konnte. Dieser Schirm-Mantel, gleich einem Pilzhut, den sie mal bei ihrem Meister gesehen hatte, war der wirklich notwendig? Reichten nicht Schleier und Kapuzen? Was trugen Nachtelfen am Tage um ihre Augen zu schützen? War die Sonne wirklich so hell? Würde sie sich vielleicht mit der Zeit an einiges gewöhnen? Und vor allem, falls sie doch plötzlich da oben ganz allein da stehen sollte musste sie eine gute Ausrüstung haben um wenigstens überleben zu können.

Und wenn Méntara sie zu sich rief, dann würde auch sie mit Fragen überschüttet werden, wie z.B. wie weit der Vertrag schon war, ob sie ihn schon lesen durfte um sich auf ihre Rolle darin besser vorbereiten zu können. Wieso sollte ihr Erstgeborenes hier her zurück kommen, bzw. was war das Motiv der Stadtherrin dahinter? Sofern sie dies überhaupt sich zu fragen wagte. Das kam auf die Situation an. Welche Pflichten würden ihr auferlegt werden und berücksichtigte man auch ihre sonnen empfindliche Konstitution darin? Gesellschaftliche Anlässe unter freiem Himmel bedürften ggf. gewisser Anpassungen und dem Verständnis ihres Gatten, wenn sie dann nicht daran teil nahm, oder sich eben entsprechend verhüllen musste. Wurden ihr auch Rechte eingeräumt als zukünftige Herrin im Hause Blutdorn? Wie würde ihr Alltag aussehen? Und um so mehr Sarin sich mit diesen Gedankenspielereien beschäftigte um so mehr schwirrte ihr der Schädel.
Konzentriere dich auf die Fakten!
, ermahnte sie sich abermals und nutzte ihre Kreativität um sie in produktivere Bahnen zu lenken. Das neue Hochzeitskleid nahm schnell erste Gestalt an.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 6. August 2020, 15:40

Als Sarin eine kurze Verschnaufpause zwischen all dem Unterbringen ihrer Habseligkeiten gegönnt wurde, die Onkel Jafar einfach vor das Anwesen hatte fahren lassen, bekam sie Gelegenheit zu realisieren, dass von ihrer Woche tatsächlich erst zwei Tage vergangen waren. Fünf blieben noch übrig. Nein, knappe vier, denn der heutige Tag füllte sich bereits mit reichlich Arbeit jenseits ihrer geplanten Vorhaben. Dafür fand sie Zeit, sich auf eine essentielle Frage tief in ihrem Inneren zu besinnen: Wem galt ihre Loyalität?
Sarin sprang zwischen ihrer Zukunft in Mogeria und ihrer Beziehung zum Reich der Nachtelfen und im Dienste Mentáras hin und her. Entgegen des Verfassers der geheimen Nachricht unter ihrem Herzen war sie nicht bereit, einen Krieg zwischen beiden Domänen zu riskieren. Vielleicht, weil sie befürchtete, dass das Reich der Nachtelfen unterliegen würde. Gerüchte über einen Eroberungsfeldzug der dunklen Völker waren in der letzten Zeit selbst bis unter die Erde gesickert, vergiftetem Wasser gleich. Sie konnte nur hoffen, dass ihrem Volk kein Schicksal bevorstünde wie den Bewohnern an der Oberfläche, die Feindbild Morgerias waren. Umso wichtiger war ihre Hochzeit mit Dhansair von Blutsdorn doch! sie stärkte die Verbindungen und das schien dringend nötig. Hatte Mentára ihre liebste Schneiderin also gar nicht verraten wollen, sondern keine Wahl gehabt? Aber warum dann Sarin? Warum sie? Was unterschied sie von jeglicher anderen, heiratswilligen Elfe? Was brachte sie mit, dass sie zur ersten Wahl der Stadtherrin geworden war? Sarin sehnte sich nach Antworten und bat schließlich um einen Gesprächstermin mit Mentára selbst.
Bis der Page mit einer Rückmeldung erneut bei ihr auftauchte, vergingen Stunden. In dieser Zeit konnte sie zusammen mit einigen Helfern nicht nur all ihre Sachen im Anwesen der Stadtherrin verstauen, sondern auch Meister Londro eine weitere Nachricht zukommen lassen. Der alte Schneidermeister antwortete prompt, indem er Muhlin losschickte, sämtliche Entwürfe und bisher verarbeiteten Stoffe abzuholen. Die Ergebnisse wolle man ihr zuschicken, falls sie zeitlich eingebunden sei. Von seinen Lieferanten habe er aber bisher nichts gehört.
Dafür sollten Sarin weitere Nachrichten erreichen. Am frühen Nachmittag kehrte Lariel in seiner Position als Laufbusche und Bote der Stadtherrin wieder in der Schneiderstube Kasani ein. Ganz außer Atem ließ er sich erst einmal ein Getränk bringen, nur um Sarin dann mit Bedauern mitzuteilen, dass Mentára Tronás nicht vor dem Folgemorgen Zeit für sie aufbringen könnte. Dann aber wäre sie eingeladen, mit ihr zu sprechen und auch nochmal mit Fürst von Blutsdorn, denn auch er habe erneut um eine Audienz gebeten. Sarin war nicht die Einzige, die nun reichlich zu tun hatte. So füllte sie ihre Zeit mit weiteren Vorbereitungen aus, so gut sie diese eben erledigen konnte und dann erschien Lariel ein zweites Mal in ihrer Schneiderei. Mit seiner üblich freundlichen Begrüßung riss er Sarin aus ihren Gedanken.
"Heute geht es hier ja zu wie sonst nur hinter der Bühne des nachtelfischen Theaters. Ich habe eine Botschaft für Euch." Er wedelte mit einem Umschlag. Sarin erkannte schon vorn vornherein, dass er unmöglich von der Stadtherrin stammen konnte. Er wirkte aus schlichtem Papier, besaß wieder eine Borte noch das Siegel des Nachtelfenreiches. Er war nicht einmal mit Wachs verschlossen!
"Er wurde von den Toren aus zum Anwesen gesandt. Erwartet Ihr eine Botschaft von jenen, die an die Oberfläche gehen?" In der Tat, wenn es sich um einen von Meister Londros Lieferanten handelte. Lariel überreichte ihr den Umschlag und machte es sich anschließend auf Sarins Sofa bequem. Nicht, weil er aus Neugier versuchte, Informationen über den Inhalt der Nachricht zu erhalten. Er war immer noch im Dienst und stünde Sarin für eine Rückantwort natürlich sofort zur Verfügung.
Der Brief war deutlich länger als jener kleine Zettel, der immer noch dicht an ihrem Herzen ruhte.


Manthalas Segen, Fräulein Kasani
einer meiner Auftraggeber, Londro von der gleichnamigen Schneiderei, informierte mich darüber, dass Ihr eine Reise an die Oberfläche antreten werdet und Fragen an jeden erfahrenen Nachtelfen habt, der Euch helfen kann. Ich bin gern bereit dazu, mein Wissen mit Euch zu teilen und schlage ein Gespräch bei einer gemeinsamen Mahlzeit heute Abend in der Dunkelschenke vor, sobald das Licht der Pilze abnimmt und den Abend einläutet. Für das Abendessen werde ich selbstverständlich die Kosten tragen.
Ich freue mich auf Euer Erscheinen und bitte Euch um rasche Rückantwort. Unserer Stadtherrin zur Ehre,
Ardel Schattensprung, Waldläufer der Oberfläche
Schriftrolle Fuss

Der Mann besaß eine geschwungene Handschrift, ohne dabei zu verspielt zu wirken. Er musste eine gute Ausbildung genossen haben, wenn er keinen Schreiber für seine Nachricht benötigte. Und er wollte Sarin helfen. Da war es gut, dass sie doch nicht mehr heute mit Mentára sprechen konnte, sonst hätten sich die Termine vielleicht überschnitten.
Jetzt blieb nur noch die Frage, ob sie das immer noch wollte. Zumindest, was die Nachricht des geheimen Verfassers betraf, der doch ebenfalls in der Dunkelschenke auf sie warten wollte. Ob er den Versuch heute noch einmal wagte? Eien Zietangabe hatte es nicht gegeben. Folglich müsste er sich jede Nacht dort herumtreiben, bis Sarins Frist im Nachtelfenreich abgelaufen wäre. Ob sie ihn erkannte, auch ohne das Spezialgetränk zu bestellen? Es war möglich, dass sie es heute noch herausfand, vorausgesetzt, sie träfe sich auch mit dem Waldläufer Ardel.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Samstag 8. August 2020, 11:25

Mentára Tronás würde sie also nicht vor dem Folge-morgen Zeit für sie aufbringen können. Sarin sah einen Moment durch Lariel hindurch und sinnierte:
Das Schicksal scheint mich wohl doch unvorbereitet in die Schlacht schicken zu wollen... zumindest ...ohne Mentáras Hilfe.
Sie nahm die Information als gegeben hin.
Also morgen früh.
"Heute geht es hier ja zu wie sonst nur hinter der Bühne des nachtelfischen Theaters. Ich habe eine Botschaft für Euch."
Sie sah Lariel wieder in die Augen. Er wedelte mit einem Umschlag. Sarin erkannte schon vorn vornherein, dass er unmöglich von der Stadtherrin stammen konnte. Er wirkte aus schlichtem Papier, besaß wieder eine Borte noch das Siegel des Nachtelfenreiches. Er war nicht einmal mit Wachs verschlossen!
"Er wurde von den Toren aus zum Anwesen gesandt. Erwartet Ihr eine Botschaft von jenen, die an die Oberfläche gehen?"
Sarin zuckte nur vage mit den Schultern. Lariel überreichte ihr den Umschlag und machte es sich anschließend auf Sarins Sofa bequem. Nicht, weil er aus Neugier versuchte, Informationen über den Inhalt der Nachricht zu erhalten. Er war immer noch im Dienst und stünde Sarin für eine Rückantwort natürlich sofort zur Verfügung. Der Brief war deutlich länger als jener kleine Zettel, der immer noch dicht an ihrem Herzen ruhte. Sie las ihn aufmerksam und gleich zwei mal.
Ardel Schattensprung... ein klangvoller Name.
Der Mann besaß eine geschwungene Handschrift, ohne dabei zu verspielt zu wirken. Er musste eine gute Ausbildung genossen haben, wenn er keinen Schreiber für seine Nachricht benötigte. Und er wollte Sarin helfen. Da war es gut, dass sie doch nicht mehr heute mit Mentára sprechen konnte, sonst hätten sich die Termine vielleicht überschnitten.
Schicksalsfaden.
Sarin schmunzelte. Es sollte anscheinend so sein. Es war schon die zweite Verabredung für den Abend und ebenfalls in der Dunkelschenke. Jetzt blieb nur noch die Frage, …
…was sie anziehen sollte.
Bin ganz schön gefragt dieser Tage...
Sie lächelte Lariel an, schrieb auf die Rückseite des Briefes: **Ich werde da sein.** und rollte das Papier zusammen.
„Bitte bring das zurück zu den Toren.“
Da es ein offener Brief gewesen war und Lariel auch auf ihre Antwort wartete, war es so am einfachsten.
Dann habe ich wohl heute eine Verabredung mit dem Schicksal.
Sarin konnte nicht einmal genau beschreiben warum, aber ein kleines Hochgefühl hatte sie erfasst. War das die berühmte Abenteuerlust, von denen die Geschichten sprachen? Dann kam ihr ein Gedanke über die Lippen, den sie ohne viel nachdenken aussprach:
„Ich werde heute Abend zu den abnehmenden Pilzen in der Dunkelschenke noch mal ein Gläschen genießen. Magst du vielleicht auch vorbei kommen? Ich werd nicht mehr oft die Möglichkeiten haben ...Vielleicht mögen von den Küchenmädchen ja auch noch welche kommen. Ich möchte die lieben Seelen hier einladen, die so gut zu mir waren. Könntest du das verbreiten?“
Lariel wusste bestimmt schon wie der ganze Hof, was geschehen war und dass sie bald gehen würde. Also warum nicht noch einen Mann mehr in die Schenke als Figur in diesem Spiel platzieren, vorausgesetzt er hatte Zeit. Für den paranoiden Fall, dass Sarin heute Abend spurlos verschwand, so wusste wenigstens eine Seele wo sie hingehen hatte wollen. Es war für sie eine kleine Absicherung, selbst wenn er nicht auftauchte. Und wenn ein paar Mägde oder vielleicht die Köchin auch noch kamen, um so besser. Um so mehr Aufmerksamkeit wurde am Ende von ihr abgelenkt werden, wenn jeder ein bekanntes Gesicht fand um sich im ihm zu unterhalten. Eine kleine Feier zu ihrem Abschied sollte drin sein. Und Lariel wusste sicher ganz genau, wen er alles fragen könnte. Sie hatten so viele zusammen gearbeitet, da kannte man seine Leute.
Sie verabschiedete Lariel mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und ihre Wangen begannen mit leichtem Rosa die fahle Blässe der letzten Tage zu vertreiben. Mit 88Jahren war sie nicht mehr wirklich eine blutjunge Elfe, aber ein bisschen Aufregung war auch mal ganz schön. Sarin hatte das Gefühl, als würde sie noch einmal in die Pubertät kommen. Sie hatte ein Rendezvous mit gleich zwei Männern! Oder drei?
Na ja, kein Rendezvous, aber... doch eine Verabredung. Puh! Was zieh ich nur an?
Ratlos stand sie vor ihrem Schrank, nachdem Lariel gegangen war. Geplant war das nicht gewesen, aber wenn, wann dann? Sie war mit dieser Einladung einfach einmal spontan einer Eingebung gefolgt.
Eine Verabredung...Dunkelschenke...nicht zu aufreizend! Ich bin schließlich verlobt!...Bei Manthala! Das muss ich ja auch langsam in meine Überlegungen miteinbeziehen. Ich darf dem Haus meines Verlobten keine Schande bringen... Verlobt... Verlobt...
Sie wiederholte das Wort noch ein paar Mal in Gedanken und entschied sich dann für ein hoch geschlossenes Kostüm, dass aus einer eng anliegenden mattgrauen Hose und einer taillierten Jacke mit hinten etwas längeren Schößen und Stehkragen bestand. Dazu trug sie hohe schwarze Stiefel, schwarze Handschuhe und eine mit Spitzen besetzte Bluse, dessen Manschetten und Kragen nur als silbrige Andeutung zu sehen waren. Alles hatte den gleichen silbergrauen Farbton nur in unterschiedlich starker Ausprägung. Sarin bevorzugte graue Töne und die Jacke hatte auf dem Revier und auf dem Rücken ein paar schöne gleichfarbige Rosenranken aufgestickt. - eine Hommage an ihren Verlobten Blutdorn oder auch Manthala, je nach dem wie man es sehen wollte. Hosen trug sie bei Hof selten, aber in der Stadt waren sie auch unter Frauen ein beliebtes Kleidungsstück. Man konnte sich gut bewegen und schick waren sie auch. Der lange Schoß verdeckte den Blick auf ihren Hintern und auch sonst war bis auf das Gesicht jede Hautstelle bedeckt. Sarin wollte auch von diesem Ardel Schattensprung wissen, ob sie solche Kleidungsstücke oben gebrauchen könnte. Sie hatte da mal etwas gehört...
Reiten? Etwas das man ...oben... tut.
Das alles fühlte sich noch nicht ganz real an. Aber vielleicht würde dieses Treffen sie ein wenig auf die Oberwelt vorbereiten. Wenigstens hatte sie etwas Arbeit an Meister Londro weiter geben können, so dass sie bald zu dieser Verabredung gehen konnte und so das Schicksal es wollte, auch am nächsten Morgen noch Mentára einmal unter vier Augen treffen konnte. Dieses Mal hatte sie für jede Verabredung auch einen Zeitpunkt wann sie zu erscheinen hatte, also ging sie rechtzeitig zu ihrem Dinner los.
...roter Mondschein... Na mal sehen!
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 9. August 2020, 10:48

Lariel lächelte Sarin entgegen. Wie üblich brachte er dabei so viel Charme mit, dass man das innere Bedürfnis verspürte, einfach zurückzulächeln. Mentára hatte ihn für seine Position perfekt ausgewählt und der Nachtelf war stets damit zufrieden gewesen. Manche wunderten sich, warum er den Posten eines Laufburschen und obersten Pagen allen anderen Positionen vorzog, die er hätte haben können. Noblere Stellen, spezialisiert für Anlässe oder große Festivitäten, bei denen er als Diener der Stadtherrin doch noch sein Stück vom Kuchen abbekommen könnte, um wenigstens kurze Zeit im Rampenlicht zu stehen. Lariel hatte all das immer abgelehnt. Ich bin Dienstbote, sagte er dann stets mit einem verschmitzten Lächeln. Ob er nur das oder nicht sogar mehr war, ließ er nicht eine Sekunde lang durchdringen. Allerdings hatte Sarin in ihrer Zeit im Anwesen bereits bemerkt, dass auch Lariel so unauffällig die Strippen zog wie sie selbst es bei ihren Kunden tat. Eine beiläufige Frage, eine Anmerkung zu einer anderen Person und man erfuhr unglaublich viel. Wie viel wusste er? Wie viel von ihrem Plan, sich mit einer ominösen Gestalt in der Dunkelschenke zu treffen.
Nichts, so verhieß es nach wie vor sein Lächeln. Aber selbst wenn er für Mentára ein geheimes Paar Augen und Ohren sein mochte, so konnte es nicht schaden, ihn in der Nähe zu wissen. Letzten Endes freute sich Sarin aber auch über die Unterstützung durch einen Freund und Lariel war genau das. Deshalb lud sie ihn ein, sie in der Dunkelschenke zu treffen, sollte er Zeit erübrigen können. Und damit brachte sie ihn vollkommen aus dem Konzept, wenigstens für einen langen Herzschlag. Denn Lariel blinzelte überrascht, ehe er die Lider senkte und in sich hinein schmunzelte. Seine Wangen nahmen Farbe an.
"Mit Euch etwas trinken, werte Sarin Kasani? Ihr meint, das ist eine Verab~" Er stockte. Das Schmunzeln nahm eine andere Form an, ebenso die Röte auf seinen Wangen. Aus geschmeichelter Verlegenheit wurde von einem schnellen Schreck erfasste Scham. "Oh. Ohja, natürlich. Die Küchenmädchen. Ich, äh ... ja, natürlich. Ich kümmere mich darum, dass es alle erfahren, die Euch wichtig sind." Er seufzte aus, hob den Kopf und da war wieder das vertraute, unschuldige, aber sehr charmante Lächeln.
Sarin war die Tage wirklich gefragt.
"Dann will ich mich sofort auf den Weg machen. Es gibt viel zu tun." Lariel erhob sich eilig und winkte mit der Botschaft, die er an die Tore der Stadt und zu Ardel Schattensprung bringen sollte. Er würde ihn finden. Auf Lariel war immer Verlass. Unter hastigen Worten, aber einer wie sein Lächeln gleichermaßen vertrauten Verbeugung verabschiedete er sich.
Wenig später stand Sarin wieder allein in ihrer Stube. Endlich war Zeit, ihre Gedanken zu ordnen - dachte sie. Es kam ihr jetzt nämlich nur noch die Frage in den Sinn, was sie anziehen sollte. Als Verlobte eines exotischen Dunkelelfen von der Oberfläche durfte sie unter keinen Umständen mit ihren Reizen spielen. Das könnte Skandale auslösen, die sie sich so kurz vor ihrer Abreise nicht erlauben konnte. Zu hochgestochen durfte sie sich aber auch nicht zeigen, um nicht das Stigma einer prüden Gattin aufgelegt zu bekommen. Letztendlich ging es aber auch nur in die Dunkelschenke. Sie würde mit einem Lieferanten von Meister Londor sprechen, vielleicht Ausschau nach einem geheimnisvollen Fremden halten und möglicherweise sogar roten Mondenschein bestellen. Und sie würde das alles im Schutz von Lariel und den Küchenmägden tun, vorausgesetzt diese erschienen auch. Es war keine Frage des Willens. Sarin selbst wusste, dass sich viele der Mägde gern nach einem Abend Entspannung sehnten und die Dunkelschenke bei den Mitarbeitern des Anwesens einen hohen Grad der Beliebtheit besaß. Aber sie wusste ebenso, was es hieß, direkt für die Stadtherrin des Nachtelfenreichs zu arbeiten. Sarin konnte sich sicher sein, dass viele der Mädchen sich mit ihr würden treffen wollen, es aber ausschlagen mussten. In einer Küche gab es noch weitaus mehr zu tun als in einer Schneiderei, vor allem, wenn Mentára Besuch hatte. Und das schien der Fall zu sein, ansonsten hätte sie einen zeitlichen Termin für Sarin nicht auf den Morgen angesetzt.
Aber so wie Lariel gelächelte hatte, würde zumindest er sich bemühen, anwesend zu sein. Bis dahin blieb noch etwas Zeit, die Sarin für die Frage ihrer Garderobe nutzte und noch letzte kleine Änderungen an ihren Entwürfen vornahm. Zum Abend hin fand sie sich dann vor dem Gasthaus inmitten der dunklen Straßen ein.

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