Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

In diesem gigantischen Anwesen haust die Nachtelfen-Herrscherin Méntara Tronás. Sie wird von mehreren Dutzend Wächtern bewacht und man sagt, das Anwesen sei magisch abgesichert.
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Sarin Kasani
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Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Sonntag 6. Oktober 2019, 19:15

Einstiegspost:


Sarin stand an ihrem großen Zeichenpult und schaute nachdenklich auf ihre Notiz, die sie sich vor einigen Monaten dort angeheftet hatte. Manche der Kunden formulierten ihre Wünsche in unterschiedlichen Maßen, benutzen unterschiedliche Worte und so war es hilfreich geworden so viel wie möglich darüber heraus zu bekommen. Der kleine Zettel wies folgende Information aus:


1/2 Kilogramm = 1 Pfund
100 Pfund = 1 Zentner
2 Zentner = 1 Doppelzentner
4 Gerstenkörner = 1 Querfinger
30 Finger = 1 Fuß
2 Fuß = 1 Elle
4 Fuß = 1 Aune
Schriftrolle Fuss

Sarin schob eine verirrte Haarsträhne hinter ihr Ohr.
Das kleine Fräulein Imelin wünscht sich eine zwei Aunen lange Schleppe an ihrem Kleid. Eben genau so wie ihre Oma eine hatte! ... Hm ...Ich brauche also vier Ellen Seide und bestimmt ein Pfund von den kleinen Perlen, die sie so liebt. Die Spitze muss ja verziert werden, genauso wie der Halsausschnitt...
Das Kind, für das sie im Moment ein neues Kleid nähen sollte, war milde gesagt, ein kleiner Despot. Ihre Amme hatte Sarins vollstes Mitgefühl und auch die Eltern schienen mit dem verwöhnten Mädchen etwas überfordert.
Eine Schleppe für ein so kleines Mädchen... sie wird drüber fallen und dann ist das Geschrei groß. Ich muss mir was einfallen lassen, damit sie ihren Willen bekommt, aber das Kleid so schneidern, dass ...ja, das man die Schleppe hoch binden kann... Ich glaube, hab da auch schon eine Idee...
Und damit griff sie nach einem Stift und skizzierte die nötigen Raffungen, die die viel zu lange Schleppe auf ein gesundes Maß reduzieren ließ. Versteckt auf der Innenseite des Kleides würde sie Schlaufen anbringen, die man dann im Abstand von einem halben Fuß zusammen ziehen konnte. Wie bei einer gerafften Gardine ließe sich dann die Schleppe zusammen ziehen, der Stoff würde hübsche Wellen werfen und alle waren hoffentlich zufrieden. Die teuren Perlen machten Sarin noch etwas Bauchschmerzen und von ihren Kunden einen Vorschuss zu verlangen, widerstrebte ihr schon ein wenig. Doch Imelin war schwierig. Wenn sie heute Perlen wollte, dann könnten es morgen auch Schleifen oder Diamanten sein – nicht, dass die Familie es sich nicht leisten konnte, aber ein Kind mit Edelsteinen zu behängen, bedeutete auch oftmals den Verlust eben jener Kostbarkeiten.
Wenigstens wusste Sarin inzwischen mit dem kleinen Wirbelwind umzugehen. Wenn sie merkte, dass man etwas vor ihr versteckte, dann wollte sie es um so mehr. Also hatte Sarin schon des öfteren zu kleinen Trick gegriffen um das Mädchen bei Laune zu halten. Sie hatte die hellblaue Seide ganz „zufällig“ an ihr vorbei getragen und gemeint, dass sie schon für eine andere Dame zurück gelegt worden sei. Prompt wollte Imelin unbedingt alles in hellblauer Seide, statt in Scharlach Rot, wie es erst ihre Idee gewesen war. Ihr nächstes Treffen drehte sich dann um die Applikationen und da konnte Sarin ihr mit einer Geschichte über sagenumwobene Meerwesen die günstigeren kleinen Perlen schmackhaft machen, statt der deutlich teureren Saphire. Imelin war nicht einfach, aber wenigstens auch nicht bösartig. Da hatte Sarin schon ganz andere Kundschaft gehabt. Selbst ihre eigene Cousine konnte zuweilen ein kleines Biest sein. Einmal war sie mit ihren Freundinnen bei Sarin erschienen und sie hatten sie im Wechsel fast zwei Tage am Stück wach gehalten. Als sie dann unaufmerksam wurde, hatte Lucil dann regelrecht vorgeführt. Sie erinnerte sich an den herablassenden Ton:
„Ich will den Ballen da oben mir mal ansehen!“
Sarin kletterte müde wie sie war auf die Leiter und zog an dem schweren Ballen.
„Nu mach schon! Wir haben ja nicht die ganze Nacht Zeit! Aaaah, pass doch auf du Tölpel!“
Sarin war der Ballen entglitten und ihrer Cousine vor die Füße gefallen.
„Hier wird man ja vom Personal erschlagen! Kommt! Lasst uns gehen! Das wird hier heute ohnehin nichts mehr!“
Lucil war gegangen und ein paar Stunden später wieder gekommen um nach ihr zu sehen. Wenn sie alleine waren, dann war sie viel netter und redetet ihr gut zu, brachte ihr auch mal Kleinigkeiten zu essen mit. Dieses Mal entschuldigte sie sich sogar dafür, dass sie in Anwesenheit ihrer Freundinnen so eine Nervensäge gewesen war.
„...aber du willst es ja so.“

Ja, sie wollte es so und Lucil war Sarins Meinung nach auch eigentlich eine ganz liebe Person. Manchmal schlug sie über die Stränge und konnte auch unhöflich sein, aber das gehörte schließlich zu ihrem Stand, dass verstand auch Sarin. Jeder musste seine Rolle spielen. Ihr eigenes Leben war ohne den hohen Stand viel einfacher geworden. Die Spiele des Adels streiften sie nur am Rande und darüber war sie auch glücklich.
Sarin schüttelte die düsteren Gedanken ab, konzentrierte sich noch einmal auf die Raffung und betrachtete dann wohlwollend ihr Werk. Der Plan stand und musste nur noch umgesetzt werden. Das beste war, dass sie dieses Mal nicht einmal Imelin mit einbeziehen musste. Die „Notfalllösung“ für das Kind war gut zu verstecken. Sie musste sie nur der Amme mitteilen und einmal zeigen, wie es ging. Lächelnd betrachtete sie die Skizze, dann ging sie zu ihrem Sofa hinüber und setze sich einen Moment. Auf dem kleinen Beistelltisch stand eine Karaffe mit Wasser, in der ein paar Blätter Höhlenminze schwammen. Sie trank ein paar Schlucke und betrachtete sich dabei selbst in dem großen Spiegel, den ihr der Palast für die Anproben gestiftet hatte.
Die Frau im Spiegel sah sie aufmerksam, mit einem feinen Lächeln um die sanft geschwungenen Lippen an. Die mandelförmigen Augen lächelten und eigentlich fand sie sich ganz ansehnlich. Die Haare waren streng nach hinten gekämmt, bis eben auf diese eine Strähne, die sie mal wieder einbinden sollte. Sarin stand auf und trat näher an den Spiegel. Sie löste ihr Haar, dass ihr dann lang und weich bis kurz über den unteren Rückens fiel.
Einen Moment betrachtete sie ihre wallende Mähne und fühlte sich an zärtliche Stunden erinnert, in denen eine männliche Hand die offenen Längen berührt hatten. Stunden die so lange her waren, dass die sanften Berührungen schon fast wieder ganz vergessen waren. An IHN wollte sie sich nun wirklich nicht erinnern! Abermals schüttelte sie leicht den Kopf und steckte dann ordentlich wieder jedes Haar dort hin zurück, wo es hin gehörte. Kunstvolle Frisuren zogen zu viel Aufmerksamkeit auf ihre Person und gehörten sich auch nicht als einfache Schneiderin. Sarin strich ihr schlicht, aber elegant geschnittenes silbergraues Kleid glatt. Die Runen Fehu (Bedeutung: Besitz
Wirkung: hilft bei Geschäften, Verhandlungen) und Ansuz (Bedeutung: Inspiration
Wirkung: hilft bei mangelnder Inspiration) begleiteten sie schon seit langem und die Stickereien, aus denen sie gefertigt waren, zierten den gleichfarbig den Rand ihres Gürtels. So waren sie kaum zu sehen, aber doch fein vorhanden.
Sarin ging zurück zum Pult und widmete sie sich wieder ganz ihren Skizzen. Solange sie daran arbeitete, solange war die dicke Deckplatte zurück geschlagen, die mit zwei Vorrichtungen sogar verschlossen werden konnte. Solange sie nicht im Anwesen der Stadtherrin war, so musste sie schließlich dafür sorgen, dass niemand an ihre Entwürfe heran kam, selbst wenn es nur Rohskizzen waren. Sie hatte schon oft die neugierigen Blicke abwehren müssen, die manche der Kunden an den Tag legten um ihre Freunde und Feinde auszuspionieren. Es gab einen Schlüssel für den Deckel, einen versteckten Hebel, den man tätigen musste und natürlich hatte Sarin einen Schlüssel für diesen Raum. Doch sie wusste auch, dass Schlösser zu knacken waren, also hatte sie sich noch eine vierte Sache ausgedacht, damit sie wenigstens merkte, wenn jemand an ihren Sachen gewesen war. Sie legte jedes Mal einen kleinen dünnen Seidenfaden zwischen Deckel und Platte und das jedes Mal an eine andere Stelle. Beim öffnen fiel er heraus, wenn man nicht wusste, wo er steckte. Sie hatte auch schon darüber nachgedacht, ob sie einen noch unbehandelten Seidenfaden dafür von den spinnen nehmen könnte, denn diese waren fast durchsichtig und noch leicht klebrig. Wer sich dann an ihren Sachen zu schaffen machte, den könnte sie so überführen... Aber bisher war das nur ein Gedanke geblieben. Heute drängten sich wieder andere Aufgaben auf. Weitere Aufträge standen nun an, kleine Reparaturen und wer wusste schon, wer als nächstes durch die Tür kommen würde.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 13. Oktober 2019, 23:06

Das kleine Fräulein Imelin und ihre Schleppe würden warten müssen. Nicht, weil Sarin eine müßige Schneiderin war, die lieber einmal die zierlichen Füße hochlegte, anstatt die Nadel aufblitzen zu lassen, oh nein! Aber nicht einmal die Göttin Manthala selbst hätte damit gerechnet, was heute auf die Nachtelfe zukommen sollte. Erst Recht nicht, wenn man bedachte, wie ruhig der Morgen doch eigentlich begonnen hatte.
Morgen. Ein Begriff, der im Reich der Nachtelfen nicht bizarrer hätte sein können. Sie rechneten nicht wirklich mit dem Stand der Sonne, zu selten wagten sie sich doch unter ihre Strahlen an die Oberfläche. Zu gefährlich war das Antlitz Lysanthors für ihre seidige Haut. Dennoch wusste auch das Nachtelfenvolk ihre Zeit zu messen. Es gab Raupen und Pilze, an denen man sich orientieren konnte. Gewisse Höhlenraupen wagten sich nämlich nur aus ihren Löchern, wenn kalter Nebel den Waldboden des Arus bedeckte und das geschah lediglich in den frühen Morgen- oder Abendstunden. Warf man dann noch einen Blick auf eine gewisse, heimische Pilzart, so konnte man feststellen, ob sich der Zeiten Lauf dem Tag oder der Nacht zuwandte. Denn nur nachts weiteren sich die Hüte dieser einen Pilzsorte und versprühten winzige Sporen, die wie glitzernde Staubkörnchen durch die nachtelfischen Höhlen schwebten. Sie genügten niemals, um einen Raum zu erhellen, aber so mancher Nachtschwärmer war dankbar für das sporenhafte Nachtlicht, welches wie ein unteridischer Nebel sein Gewand über alles legte und wenigstens so markante Formen oder Kanten in ein schwaches, bläulich-violettes Licht tauchte. Behalfen sich die Nachtelfen allein nur mit ihrem Fackellicht oder jenem der Leuchtpilze, ohne dieses gewohnte Glimmen der Sporen zu bemerken, so wusste man, dass oberhalb ihres Reiches Lysanthors brennende Sonnenstrahlen auf sie warteten und es keine gute Idee war, die Heimat zu verlassen.
Im Moment schwebten keine der mikroskopischen Sporen durch die Straßen und auch der Palast war rein von ihnen. Ein neuer Tag war angebrochen und noch gestaltete er sich ruhig. Sarins Schneiderstube, die in einem der Seitenflügel des Stadtherrinnen-Anwesens lag, hielt zwar genug Arbeit für die Nachtelfe bereit, aber letztendlich stürmte wenigstens kein Kunde um sie herum. Sie konnte sich ein wenig zurücklehnen, die Beine überkreuzen und in ihrem persönlichen Tempo der Erfüllung offener Aufträge nachgehen. Nun, in gewissem Rahmen. Es gab natürlich Fristen einzuhalten wie jene für die Schleppe der kleinen Imelin, aber Sarin besaß wahrlich genug Erfahrung um sich ihre Zeit produktiv einteilen zu können. Jedenfalls war doch so, wenn keine unvorhergesehenen Ereignisse stattfanden. So wie just in dem Moment, da sie noch einmal einen Blick auf ihre kleine Umrechnungstabelle warf, in der diverse Maßangaben verzeichnet waren. Das Papier flatterte vom Windhauch getrieben, der mit drei wild schnatternden Elfen zur Tür herein kam.
"Fräulein Kasani, Fräulein Kasani! Hört mich an, ich habe einen Auftrag für Euch!"
"Oh nein, Ihr müsst mir zuerst zuhören. Immerhin werde ich mehr für die Auftragsarbeit zahlen und noch einen Bonus, wenn Ihr heute noch fertig werdet!"
"Zügelt Eure Zungen, ihr beiden! Selbstverständlich werde ich zuerst von Sarin bedient. Immerhin ist sie meine liebe Cousine, nicht wahr?"

Die drei Nachtelfen, welche ihre Schneiderei betreten hatten, waren Sarin nur allzu vertraut. An vorderster Front und mit Perlen besetzten, hochhackigen Schuhen jeden ihrer schwingenden Schritte begleitend stolzierte Lucil Kasani an den Schreibtisch ihrer Cousine heran. Eine einzige fließende Bewegung war nötig und sie schob ihren in einem kostbaren Brokatgewand gehüllten Hintern auf den Schreibtisch empor und verdeckte so einige Unterlagen ihrer Cousine. Sarin wusste natürlich, dass die Bezeichnung "Brokat" mittlerweile so geläufig für feinste Stoffe und Textilien des Adels war, dass ihr eigentlicher Ursprung mit der heutigen Nutzung nichts mehr gemein hatte. Sie selbst würde ihn wohl wie viele andere, professionelle Schneider nicht mehr in den Mund nehmen, wenn sie von ihrem Fach sprach. Das Wort und vor allem dessen wahre Bedeutung war von der nachtelfischen Aristokratie entfremdet und somit vernichtet worden. Trotzdem trug Lucil ein wirklich ansehnliches Gewand aus purpur gefärbter Seide, aus dem die eingewebten Silberfäden mit ihrem wilden Muster beinahe an Spinnennetze erinnerten. Sarin dachte diesbezüglich vielleicht eher an ihre Freundin und deren Haustierchen, wohingegen es neuerdings wieder in Mode kam, wilde Musterungen auf der Kleidung zu tragen. Selbst die Männer zeigten sich etwas rebellisch und ließen ihre Mantelaufschläge oder Fracksäume mit Silberfäden durchziehen. Für Elfen wie Sarin bedeutete dies ein gutes Stück mehr Arbeit. Letztendlich konnte sie jedoch stolz darauf sein, dass gerade ihre Präzision so anerkannt war. Auch bei Cousine Lucil, andererseits säße sie nun nicht mit überschlagnenen Beinen und einem von Lippenrot geschönten Lächeln auf ihrem Schreibtisch. Sie neigte den Kopf etwas, dass ihr silbriges Haar in absoluter Perfektion über die Schulter fiel. Lucil hatte purpune Bänder hinein geflochten und silberne Ringe als Verschluss genutzt. Sie war schön, aber das waren die Giftpilze der unterirdischen Höhlen genauso.
Mit einer einzigen Handbewegung brachte sie ihre beiden Begleiterinnen zum Schweigen. Die beiden Elfenmädchen verbargen ihre Schmollmünder hinter Seidenfächern, welche unter einem Flirren ausgebreitet und vor das Gesicht gehalten wurden.
"Gewonnen", säuselte Lucil selbstzufrieden. Dann wandte sie sich erneut Sarin zu. "Liebste Cousine, meine Freundinnen Blanche und Chrystlin brauchen deine Hilfe, gewiss. Aber ich benötige sie noch mehr. Du kannst Zeit erübrigen für deine treuste Verwandte, ja? Ich brauche ein Kleid."
"Wir alle brauchen eines"
, mischte sich Chrystlin ein, als sie mit großen Augen über ihren Fächer hinweg spähte. Neben ihr nickte Blanche so gerade abgeschnitten wie ihre lange Nase, die einer Messerschneide in ihrem Gesicht bildetet und es noch strenger aussehen ließ als es ohnehin schon war. "Und zwar noch heute", führte sie aus. Davon erhielt sie von Lucil einen scharfen Blick. Der hinderte Blanche jedoch dieses Mal nicht am Weitersprechen: "Wir können unmöglich in unseren Ballkleidern der letzten Saison vorstellig werden. Wer weiß, ob unter den Soldaten nicht auch ein geheimnisvoller Prinz steckt."
"Morgeria besitzt Adlige wie wir, aber keine Prinzen! Mach dich nicht lächerlich, Blanche. Oder sollen Chrystlin und ich dich ab sofort Blamche nennen? Von Blamieren?"
Lucil kicherte gehässig, was Blanche ein erbostes Schnauben entlockte. Ein erneuter Sieg für die Cousine. "Sarin, es ist so: Dunkelelfen kommen in die Stadt. Fürsten und Offiziere, wie die Gerüchte vom Tor bis zum Palast huschen. Sie haben Soldaten dabei. Es sind nicht viele, doch ihre Mission scheint wichtig, wenn sie den beschwerlichen Weg von Morgeria bis in unser Reich aufnehmen. Die Stadtherrin wird - das weiß ich auch fast erster Hand! - einen Ball veranstalten, bei dem sich das ganze Reich von seiner besten Seite zeigen soll. Und nun kommst du ins Spiel, liebe Cousine! Wie könnte man die Nachtelfen von der besten Seite zeigen, wenn ich, Lucil Kasani, nicht dabei bin? Und zwar in einem atemberaubenden Kleid! Du musst es mir fädeln, nähen, herstellen oder wie auch immer du dein kleines Pleb-Hobby nennen möchtest. Hauptsache, du bekomsmt es bis heute Abend fertig, verstanden!"
"Drei Kleider"
, wies Chrystlin erneut darauf hin und Blanche nickte unter Zustimmung.
"Du musst es schaffen, liebe Cousine. Schließlich willst du heute Abend sicherlich nicht bloßgestellt werden, oder? Ich habe in all meiner Güte immerhin vor, dich auf den Ball mitzunehmen und zu präsentieren. Vorausgesetzt, das Kleid wird rechtzeitig fertig."
Chrytlin klatschte ihre Hände und den Fächer träumerisch zusammen. Sie seufzte. "Das wäre ein großer Karrieresprung, wenn de edlen Damen und Herren der Dunkelelfen in Morgeria deine Kleider tragen würden. Du könntest so etwas wie eine ... nun ... eine Diplomaten-Schneiderin werden!"
"Nun machst du dich lächerlich, Chrystlin"
, schnarrte Blanche.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Montag 14. Oktober 2019, 16:16

Sarin atmete einmal tief durch und blieb äußerlich gelassen.
Wenigstens hatte sie noch geistesgegenwärtig ihre Mappe schließen können, bevor sich Lucil auf den Schreibtisch gesetzt hatte und damit auch auf ihre Werke. Sie servierte souverän Getränke und bot ihren Kunden Sitzplätze an. In ihrem Inneren jedoch hatte sie schon, als die drei Freundinnen von einem neuen Ball in den heutigen Abendstunden berichteten, angefangen zu überschlagen, was sie noch alles benötigte.
Und das erste was sie brauchte und ihr zu dieser Information einfiel war:
HILFE!!!
Also hob sie, während Blanche gerade daran erinnert hatte, dass sie drei Kleider benötigten und nicht nur eines für Lucil, sich einen Moment entschuldigend den Zeigefinger und ging zur Tür. Draußen auf den Fluren des Anwesens liefen immer irgendwelche Bedienstete und Boten herum. Sie hoffe, dass sich wie so häufig der junge Quartiermeistergehilfe Lariel hier herum trieb, aber wenn nicht, tat es auch ein Anderer. Egal wen sie so schnell zu greifen kriegte, der wurde schnell gefragt, ob es wahr war, dass heute Abend ein Ball statt fand (und dies kein Streich ihrer Cousine war) und dann sogleich, ob er eine Nachricht zu Meister Londro überbringen konnte. Derlei Notsituationen traten immer mal wieder ein und dann half man einander. Sarins Wortwahl, war bei der Nachricht beschränkt auf wenige Schlüsselworte, die ihr Meister verstehen würde. „Ball“ war eines davon, da dies auch bedeutete, dass eben nicht nur Lucil und ihre Freundinnen bei ihr aufkreuzen würden, sondern womöglich noch viel mehr Damen und Herren des Hochadels noch in letzter Minute ein Wunder verlangten. Sie würde Gehilfen gebrauche und hoffte, dass ihr Meister ein paar seiner fleißigen Zuarbeiter entbehren könnte. Ein Ball brachte den Adel immer in Aufruhr und einen Schneider stets zum Lächeln... Insgeheim liebte Sarin diesen Trubel! Das wirre Durcheinander, dass sich zu einer Symphonie aus Tanz, lachenden Gesichtern, schwingenden Stoffen und vollendeterer Schönheit dann doch am Ende zusammen fügte. Ihre Haut prickelte einen Moment vor Aufregung und sie strich sich über die Arme. Dann wurden die Ärmel auch gleich hoch geschoben und mit diesen Gedanken ging sie wieder hinein und hoffte still das Schicksal wäre ihr heute wohl gesonnen. Still überschlug sie schon ihre Möglichkeiten und selbst wenn alles gut lief, sie Hilfe bekam und die ohne Pause arbeite, würde es knapp werden. Und manche Dinge waren auch schlicht unmöglich, also wandte sie sich an ihre drei „liebsten“ sehr aufgeregten Kundinnen:
„Teure Lucil, du weißt, meine Wunder brauchen Zeit und Blanche, da hilft auch kein doppelter oder dreifacher Preis. Doch bevor ihr euch sorgt...“
Um so dringender die Situation, um so überlegter musste man vorgehen. Und das strahlte Sarin nun auch aus. Äußerst rational heran gehen, schauen, was möglich war und Lösungen anbieten, die in diesem Fall drei Freundinnen sonst außer einander treiben und ihr Geschäft schädigen könnten. Also ruhig bleiben.
„...Ich kann nicht zaubern.“
Na ja, ein bisschen schon.
, lächelte Sarin in sich hinein und zauberte auch so für die drei hohen Damen ein Strahlen auf ihr Gesicht.
„In der kurzen Zeit könnte ich zwar ein einzelnes Kleid fertigen, aber dann wäre nur eine von euch glücklich. Da ihr drei mir jedoch so liebe treue Kunden seid, hier mein Vorschlag: ...“
Sie lehnte sich ein bisschen verschwörerisch nach vorne und stemmte eine Hand in die Hüfte.
„Da ich eure Maße ja auswendig kenne und ihr hoffentlich nicht vier oder fünf Pfund in den letzten drei Tagen zu oder abgenommen habt, bringt mir einfach eines euer älteren Ballkleider, eines das ihr vor allem letztes Mal nicht getragen habt und ich werde es so ändern, dass ihr es nicht wieder erkennt. So kann ich drei in der Zeit von einem machen und ihr könnt zusammen auf den Ball gehen.“
Sarin lächelte freundlich und damit Lucil auch ein bisschen gebremst wurde, erwähnte sie auch noch, WO sie sich hier befanden und was dies auch für Folgen haben könnte... was Lucil anscheinend immer wieder vergaß.
„Ein Ball steht bevor und auch die anderen Nachtfürsten oder die Stadtherrin könnte noch nach mir rufen lassen, was sogar recht wahrscheinlich ist. Ich will ja nicht, dass ihr am Ende ohne etwas neues da steht.“
Sie legte den Kopf etwas nachdenklich zur Seite und sprach weiter:
„Wenn ihr vielleicht in euren Häusern noch fleißige Hände übrig habt, die mir ausnahmsweise helfen könnten...“
In den hohen Familien hatten die Hausherrinnen oft eine persönliche Schneiderin und wenn man zusammen arbeitete, dann gelang viel mehr, als wenn nur einer sich auf alles konzentrieren musste. Das war nur gut, wenn man Zeit hatte und die hatte Sarin nicht. In der kleinen rhetorischen Pause wanderte sie nun an ihren Regalen vorbei, sah sie sich bewusst offensichtlich bei den feinsten Stoffen um und ließ ein paar wirklich delikate Borten durch die Finger streifen, schüttelte dann aber den Kopf und murmelte etwas leiser:
„...Ach nein... dafür ist keine Zeit.“
Dann wandte sie sich an die drei Elfen.
„Und? Wie habt ihr euch entschieden? Einer mit allem oder alle mit etwas?“

Ja nach dem, wie die drei sich einigten, bzw. ob Lucil sich durchsetzte, danach plante Sarin dann auch schon den Tag in ihrem Kopf.
Pausen gab es sowieso nicht und sie musste sich für kleine Notfälle wappnen. Ihre Schneidertasche mit den nötigsten Utensilien hatte sie immer griffbereit. Das wichtigste hatte sie ohnehin immer dabei: ihre Kreativität. Denn oft musste man schnell umdenken und aus etwas zerstörten, etwas neues erschaffen. Darin war sie gut, aber auch sie hatte nur zwei Hände und so hoffte sie lange bang auf die ein oder andere Unterstützung. Der Preis für die Mehrarbeit wurde in solchen Situationen oft hinterher abgewunken. Kein hoher Adelige würde sich dazu herab lassen über Preise zu feilschen. Je höher man stand, durfte Geld keine Rolle spielen! Bei den niederen Ständen war es dann aber um so wichtiger, dass man am besten vorher auch einen Kostenvoranschlag gleich mit brachte. Aber heute ging es um einen Ball und da griffen die Familien tief in die Taschen um am besten auszusehen, am besten aufzutreten und sich am besten zu präsentieren.
So platt und fahl, ja sogar langweilig so manche dieser Leute im Geiste auch waren, der erste Eindruck zählte nun mal. Eine Frau konnte so schön, so mystisch und sogar grausam in ihrem Äußeren erscheinen, einen Mann keines einzigen Blickes würdigen und doch konnte sie ihn im gleichen Moment ihn damit einfangen wie eine Spinne ihre Beute. ...und doch konnte die gleiche Person hinter der Fassade einfach nur grau, monoton und dumm sein.
Gleichermaßen sprach niemand die intelligente graue Maus an oder nahm von ihr auch nur Notiz. Kleider machten Leute und darin war Sarin gut. Ein bisschen Raffinesse hier und da und schon öffneten sich manche Türen, die sonst verschlossen geblieben wären. Damit kam sie dann auch auf das wirklich liebe Angebot ihre Cousine zurück und nahm sie ein bisschen beiseite, als sie sich gerade über die Stoffproben feinster Spitze beugte:
„Lucil, das ist so fürsorglich, dass du an mich denkst! Aber ich auf einem Ball? Nein. Ich werd ohnehin viel zu viel hinter den Kulissen zu tun haben. Du weißt doch, hier etwas verrutsch, da etwas gerissen und ich bin da.“
Sarin lächelte lieb und ein bisschen schüchtern.
„Das ist meine Welt. Genies du die deine! Wer weiß, vielleicht findest du ja heute wirklich deinen Traumprinzen.“
Ein Hauch Wehmut huschte über ihr Gesicht. Aber sie war ja bei ihrer Cousine, die sie liebte und so nett an sie gedacht hatte. Hier im Palast war Lucil wohl ihre beste Freundin, da war es nicht schlimm einen Herzschlag lang zu träumen. Aber dann straffte Sarin auch schon wieder die Schultern und räusperte sich leise in die Hand.
„Ich hätte für mich sowieso nichts passendes anzuziehen.“
So ganz stimmte das nicht...
Sarin arbeitete schon seit einigen Monaten immer mal wieder an einem privaten Projekt, dass kurz vor seiner Fertigstellung war. Auf einem Ball würde sie damit schon allein wegen seiner Schlichtheit auffallen. Sie hatte dafür doppelt gewebte Spinnenseide gewählt, da diese dann blickdicht und wärmender war als einfach gewebte, die dann eher einem Hauch von nichts glich. Die Oberfarbe hatte sie dem zarten Schimmer ihrer Haut und ihrer purpurnen Augenfarbe angeglichen. Das Kleid an sich lag eng am Körper und floss in langen weichen Bahnen hinab. Um die Schultern lag ein Tick hellerer Kragen wie ein Wasserfall, den man links und rechts variabel mit einem Knoten oder einer Schleife schließen konnte. Die Ärmel waren lang bis zum Knie und spitz zulaufend, wobei sie an der Außenseite offen waren und nur am Ellenbogen mit einer kleinen Naht gehalten wurden. Die Innenseite des Futters hatte Sarin in Nachtschwarz gewählt. Unter der Brust verliefen zwei kleine Ketten aus feinen Silberperlen, die die Weiblichkeit zart hervor hoben. Eine Weile hatte sie über Gold nachgedacht, aber Silber dann als passender empfunden. Der Stoff des Kleides konnte ebenfalls variabel seitlich an der Hüfte geknotet werden, so dass eine verspielte Asymmetrie entstand. In den Längen weitete sich der Rock und leicht um die Beine. Der Saum war mit silbrig eingewebter Runenmagie verstehen, die mit kleinen Ausläufern sich nach oben wanden wie Sternbilder an Manthalas Himmel. Die Schleppe konnte mit der seitlichen Bindung aufgerafft werden und gab dann einen hübschen Einblick auf das schwarze Futter und ein Bein, so wenn man denn wollte. Sarin war stolz darauf, denn sie hatte Funktionalität, Flexibilität, Eleganz und Magie eine Form gegeben. Das es auf den ersten Blick nicht so viel her machte wie manch anderes Kleid, was sie schon erschaffen hatte, das war ihr gleich.

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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. Oktober 2019, 03:14

Nur zu gern ließen sich die beiden Glucken, welche sich Lucils Freundinnen schimpften, mit Getränken und dem Komfort eines Sitzplatzes beruhigen. Sie schnatterten trotz allem weiterhin recht hysterisch über den bevorstehenden Ball. Schon häufiger hatte Sarin eine solche Situation erlebt, in der gerade die heranreifenden jungen Frauen aufgeregt ihre Schneiderei stürmten, um das schönste Kleid für irgendwelche Festlichkeiten von ihr hergestellt zu bekommen. Ein Ball gab schließlich immer die Möglichkeit, sich noch mehr wie eine Prinzessin zu fühlen - vor allem dann, wenn man von den nobelsten und edelsten Junggesellen des nachtelfischen Adels umschwärmt und zum Tanzen aufgefordert wurde.
Allerdings konnte Sarin nicht behaupten, ihre Cousine jemals mit dieser Form der Aufregung erlebt zu haben. Sicherlich, sie besuchte die Schneiderei auch jedes Mal, wenn Feierlichkeiten anstanden, bei denen es Sitte war, mit einem möglichst schönen Gewand aufzutreten. Lucil liebte es, auf diese Weise auf sich aufmerksam zu machen. Dass man in den meisten Fällen eher ihre Garderobe als sie bewunderte, glaubte sie keine Sekunde lang. Sarins Kleider sollten dazu dienen, die aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Anschließend - so glaubte Lucil - badete sie nur weiterhin im Rampenlicht ihrer Bewunderer, weil sie eine so anmutige und herzliche Elfe war. Sarin hingegen konnte sich darüber nicht wirklich beklagen. So lange sie Stillschweigen bewahrte und ihrer Cousine nicht ins Wort fiel, würde diese weiter ihrem Irrglauben folgen und, wichtiger noch, eine gute Werbung für die Schneiderei abgeben. Denn tatsächlich machte sie regelmäßig auf sich aufmerksam, genoss den Trubel und den Tanz. Aber Sarins Lohn waren die Tage danach, wenn gestandene Herren ihren Verkaufsraum betraten und sich nach ihrer Fingerfertigkeit erkundigten. Seltener stellten sie Kleidung für sich selbst in Auftrag. Meistens erhielt Sarin auf diese Weise Neukunden in Form der Töchter jener Nachtelfen und dann begann der Kreislauf praktisch von Neuem, denn wieder würde jemand ihre Meisterwerke bei einem Tanzball präsentieren.
Dass nun offenbar erneut eine solche Feierlichkeit anstand, würde Sarins Ruf nur weiter tragen. Vielleicht gelangte er sogar über das Reich der Nachtelfen hinaus. Immerhin hatten Lucil und ihre Freundinnen Chrystlin und Blanche doch von Dunkelelfen gesprochen. Vertreter Morgerias würden ihre Mode möglicherweise für sich entdecken und bis in die Heimat tragen. Sarin musste diese Gelegenheit nutzen, um ihre Reichweite zu erhöhen. Das hieß, wenn sie im Moment überhaupt so wirtschaftlich dachte. Bei all dem wilden Geschnatter in ihren gemütlichen vier Wänden fiel das Denken schwer.
Um den Kopf frei zu bekommen, aber vor allem innerlich nach Hilfe schreiend verließ Sarin ihre Schneiderei kurz. Lucil und die beiden anderen Elfen winkten ihr nach. Komm rasch zurück, du hast nicht viel Zeit!, flöteten sie im Chor und kicherten dann. Die letzten Worte, die Sarin noch in die spitz geschwungenen Muscheln ihrer Ohren flogen, waren irgendwelche Gespräche über die Optik und die ansehnlich dunkle Haut der Morgerianer. Chrystlin schwärmte bereits von einer Hochzeit mit einem dunkelelfischen Prinzen, noch ehe Sarin die Tür hatte hinter sich schließen können.
Endlich! Ein wenig Ruhe und Luft zum Durchatmen. Die Kronleuchter aus feinst verarbeitetem Kristall über ihrem Kopf erhellten den mit purpur und grauem Teppich ausgelegten Palastgang. Jeder noch so stark gerüstete Schritt wurde hier verschluckt. Allerdings mussten die Teppiche regelmäßig gut abgeklopft werden, da sie in ihnen auch eine Menge Staub fing.
Sarin hatte gerade andere Probleme. Zum Glück konnte sie ihnen aber auch mit reichlich Erfahrung begegnen. Es handelte sich schließlich nicht um den ersten Ball, bei dem sie als Schneiderin tätig war. Damals hatte der Andrang sie fast erschlagen und den Tränen nahe gebracht. Selbst ihr Meister Londro war dann dünnhäutig gebaut und reagierte oftmals forscher als er wollte. Die Stimmung konnte schnell kippen, wenn man die Nächte statt mit Schlaf damit verbrachte, die letzten Bestellungen im Schein einer kleinen Kerze noch fertig zu bekommen. Es blieb nicht aus, gereizt zu werden, doch gerade am Anfang und in jüngeren Jahren musste man erst noch lernen, dass harsche Worte unter harschen Bedingungen nie so gemeint waren wie sie gesagt wurden. Inzwischen hatte Sarin sich daran gewöhnt und konnte mit der Situation umgehen. Trotzdem blieb es stressig und wenn dann in den letzten Arbeitsstunden plötzlich doch noch ein Knopf absprang oder das goldene Garn aufgebraucht war, zehrte es gewaltig an den Nerven.
Ein einziges Mal hatte Sarin ihren Meister verzweifelt erlebt. Irgendein wichtiger Amtsträger und Freund Londros war bei einem Kampf in den tieferen Höhlen des Gebirges umgekommen. Der arme Meister hatte so viel zu tun gehabt, die Trauerkleidung der geladenen Gäste zu nähen, dass er erst einige Stunden vor der Beisetzung bemerkt hatte, dass er für sich keinen Anzug geschneidert hatte. Damals waren dem sonst so souveränen Elfen die Tränen offen über seine bleichen Wangen gelaufen. Letztendlich hatte er mit Sarins Hilfe aber doch noch einen Anzug schneidern können, der ihn vor seinem verstorbenen Freund nicht beschämte.
Eine solche Situation würde heute gewiss nicht passieren. Vor allem dann nicht, wenn Sarin und Meister Londro sich gut vorbereiteten. Hier kam Lariel ins Spiel. Als hätte die Nachtelfe nach ihm gepfiffen, schlenderte er den Gang entlang und ließ sich natürlich gern von ihr aufhalten. Es handelte sich nicht um einen Streich ihrer Cousine. In anderen Ecken des Palastes - vor allem der Küche - entstand langsam geschäftige Panik. Die Dunkelelfen warteten wohl noch an der Oberfläche auf Rückmeldung, ob man sie überhaupt einließ. Natürlich sei dies jedoch längst klar und die Stadtherrin wandte mit der Wartezeit nur einen kleinen Trick an, um ihren Bediensteten etwas Zeit zu verschaffen. Sie wollte ihr Reich nicht unvorbereitet präsentieren. Je früher Sarin jedoch mit jeglichen Nähkünsten fertig würde, desto besser. Und natürlich würde Lariel sofort dem guten alten Londro Bescheid geben. Er fackelte nicht lange, hielt das Gespräch ebenso knapp wie die Schneiderin. So wusste Sarin am Ende aber leider auch noch nicht viel mehr. Der Ball würde stattfinden. Der gesamte Adel nahm daran teil, aber nur wenige würden in den Genuss kommen, mit einem neuen Kleid zu tanzen. Sarin und andere Schneider konnten auch keine Wunder bewirken. Die Stadtherrin habe bereits Eilboten zu jenen Adelshäusern ausgesandt, welche sich überhaupt bei einer Schneider noch melden durften. Ob es Lucil wirklich gestattet war, eine Bestellung aufzugeben? Sie würde darauf beharren, da konnte Sarin sich ein Elfenohr abschneiden. Sie käme nicht umhin, ihre Cousine und deren Freundinnen noch irgendwo in die offiziell genehmigten Bestellungen unterzuschieben. Und beweisen konnte sie ihr bisher nicht, ob sie nicht auch mit auf der Privilegiertenliste stand.
Es half nichts, wenn sie nun darüber grübelte. Sie musste zurück in die Schneiderei und jene Zeit nutzen, die ihr noch blieb. Aber innerliche Aufregung hatte Sarin längst gepackt. Dafür war sie Schneiderin geworden. Für jene Prozesse, in denen es hektisch zuging, die am Ende aber mit den wunderschönsten Werken belohnt wurden, welche ihre Finger aus Stoffen vollbringen konnten. Die Leidenschaft in ihr brannte und wärmte sie von innen.
Kaum, dass Sarin die Schneiderstube erneut betrat, verstummte das Schnattern der Frauen. Sie lauschten aufmerksam Sarins Ausführungen. Blanche warf Chrystlin einen kritischen Blick zu, als man auf das Gewicht der Frauen zu sprechen kam. Die Freundin schob ihren Kopf nur etwas zwischen die Schultern und murmelte kleinlaut einige Worte zu viel zu vielen Verwandten, die in dieser Jahreszeit geboren worden waren.
"Damit steht es fest, dein Kleid macht sie zuletzt. So kannst du noch versuchen, die Pfunde wieder loszuwerden", gängelte Blanche süffisant. Lucil ließ die beiden hinter sich diskutieren. Sie neigte sich ihrer Cousine etwas näher. "Ich weiß, dass du für dich auch Kleider anfertigst. Ändere eines von deinen auf mich ab. Du gehst so gut wie nie zum Tanzen auf einen Ball. Alle werden denken, das Kleid ist vollkommen neu. Aber wenn du dein verfluchstes Hochzeitsgewand an mich abtreten willst, kratze ich dir die Augen aus, liebstes Cousinchen", zischte sie leise und unter einem lieblichen Lächeln der Falschheit. Sie würde Sarin keine andere Wahl lassen, aber ob diese nun eines von Lucils Kleidern änderte oder Hand an ihre eigenen Lieblings legte ... rein zeittechnisch machte es keinen Unterschied. Lucil seufzte leise aus. "Verzeih. Die knappe Zeit macht mich gereizt. Ich habe in anmaßendem Ton zu dir gesprochen. Aber so siehst du, wie wichtig mir diese Sache ist. Du weißt, dass ich noch immer unversprochen bin ... und meine Blüt welkt irgendwann. Wer will schon eine vertrocknete Blume, bei der ungewiss ist, ob sie noch Honig hervorbringt? Bitte, Cousinchen ... ich brauche ein gutes Kleid. Im Gegenzug lasse ich alle fingerfertigen Mädchen und Jungen zu dir bringen, die ich entbehren kann." Das war ein Angebot, welches Sarin besser nicht ausschlug. Gerüchten zufolge hatte Lucil jüngst über ihren Vater mehrere Plakate aushängen und nach privaten, geschickten Händen suchen lassen. Hatte nicht sogar Lariel ihr kürzlich noch im Vorbeigehen erzählt, dass ihre Cousine wohl glaubte, mit Quantität könne sie erfolgreicher sein als mit Sarins Qualität? Aber helfende Hände konnte sie nun wirklich gut gebrauchen.
Die drei Schnattergänse hatten sich entschieden. Lucil im stillen Abkommen mit ihr. Sie wartete noch immer auf eine Antwort und ein Nein würde sie nicht dulden. Blanche wollte ein altes Kleid vorbeibringen lassen, um es zu ändern und Chrystlin würde in der Zeit nochmal schauen, ob sie überhaupt eines zum Ändern hätte, das ihre Hüften nicht zu sehr betonte. Im schlimmsten Fall könnte sie sich sonst überhaupt nicht blicken lassen. Die Furcht vor der Blamage stand ihr bereits jetzt ins Gesicht geschrieben. Alle drei wussten, dass Sarin ihre letzte Rettung war ... und alle drei verließen sich darauf, gerettet zu werden.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Sonntag 20. Oktober 2019, 15:55

Der stille Moment auf dem Flur, er glich der Ruhe vor dem Sturm, was die wenigen Nachtelfen berichteten, die im Oberreich zu tun hatten, eine Seemännische Metapher war. So konnte sie sich sammeln und den Auftrag mit Lariels Hilfe schnell los schicken. Er war .. nett? Auf jeden Fall nicht so oberflächlich wie mancher vom Hochadel und auch nicht so ungebildet wie die Unterschicht. Sarin mochte ihn, wie man jemanden so mochte, den man häufig sah und den vor allem anderen die Arbeit verband.

Kaum, dass Sarin die Schneiderstube jedoch erneut betrat, verstummte das Schnattern der Frauen. Sie lauschten aufmerksam Sarins Ausführungen. Blanche warf Chrystlin einen kritischen Blick zu, als man auf das Gewicht der Frauen zu sprechen kam. Die Freundin schob ihren Kopf nur etwas zwischen die Schultern und murmelte kleinlaut einige Worte zu viel zu vielen Verwandten, die in dieser Jahreszeit geboren worden waren. Auch Sarin nahm kritisch erst mit den Augen und dann doch lieber mit dem Knotenband Maß. Sie runzelte nachdenklich die Stirn. Da musste es wirklich einige Geburtstage und Festivitäten gegeben haben, seit ihrem letzten Treffen.
"Damit steht es fest, dein Kleid macht sie zuletzt. So kannst du noch versuchen, die Pfunde wieder loszuwerden"
, gängelte Blanche süffisant. Sarin legte Chrystlin beruhigend die Hand auf die Schulter und sprach mit sanften Klang in der Stimme:
„Dieser Vorschlag entbehrt nicht einem gewissen Pragmatismus...“
Es war unter den Adeligen bei Hof halb laut ausgesprochen Sitte, so EINIGES dafür zu tun, damit das Kleid am Abend perfekt saß. So waren auch Sarin ein paar Techniken bekannt.
„Ich würde vorschlagen, Chrystlin, du gehst schnell nach Hause und schaust ob du nicht doch irgend ein Kleid findest in das du hinein passt! Wenn du keines findest...da gäbe es noch die Möglichkeit, wenn es dir sehr wichtig ist, ...dann nimm eines was nur um den Bauch herum zwickt und lass es schnell her bringen. Du selbst nimmst dann ein großes Glas Salzwasser, trinkst es schnell und trinkst gleich zwei Kannen Wasser hinterher. Halt dich in der Nähe des Aborts auf und keine feste Nahrung mehr heute! Wenn dir schwindlig wird, trink gesüßten Tee, sonst nichts!“
So bekam man wenigstens den Körper leer und passte doch noch innerhalb von ein paar Stunden in eine Nummer kleiner. Dann verlange Lucil Sarins Aufmerksamkeit und zog sie etwas näher.
"Ich weiß, dass du für dich auch Kleider anfertigst. Ändere eines von deinen auf mich ab. Du gehst so gut wie nie zum Tanzen auf einen Ball. Alle werden denken, das Kleid ist vollkommen neu. Aber wenn du dein verfluchtes Hochzeitsgewand an mich abtreten willst, kratze ich dir die Augen aus, liebstes Cousinchen"
, zischte sie leise und unter einem lieblichen Lächeln der Falschheit. Sarin schluckte kurz. Der Seitenhieb war angekommen, aber sie sah nur kurz zu Boden, dann war sie wieder ganz professionell. Lucil ließ Sarin keine andere Wahl, aber ob diese nun eines von Lucils Kleidern änderte oder Hand an ihre eigenen Lieblinge legte, rein zeittechnisch machte es keinen Unterschied. Lucil seufzte leise aus.
"Verzeih. Die knappe Zeit macht mich gereizt. ...“
Sarin nickte nur knapp und vergab ihr damit natürlich. Lucil meinte es nicht so, da war sie sich sicher. Sie war halt aufgeregt und da war das entschuldbar. Sie selbst würde in einer anderen Situation gewiss...
„...Ich habe in anmaßendem Ton zu dir gesprochen. Aber so siehst du, wie wichtig mir diese Sache ist. ...“
Sarin nickte noch einmal und lächelte verständnisvoll.
„...Du weißt, dass ich noch immer unversprochen bin ... und meine Blüte welkt irgendwann. Wer will schon eine vertrocknete Blume, bei der ungewiss ist, ob sie noch Honig hervorbringt?“
Sarin fühlte sich gerade wie eben dieses halbtote Gewächs, von dem ihre Verwandte da gerade sprach. Ohre Blätter hingen zwar noch nicht, aber mit 88J noch Jungfrau zu sein, war auch unter Nachtelfen eine Ausnahme. Sie drohte jetzt schon zu einer „alten Jungfer“ zu werden. Ihr Fluch machte es nur noch schlimmer... oder anders herum, ihr Fluch war schuld, dass sie hier als alte Jungfer sterben würde. Auch das war ein Punkt, den Lucil schon recht häufig ansprach, natürlich ohne es böse zu meinen.
„Bitte, Cousinchen ... ich brauche ein gutes Kleid. Im Gegenzug lasse ich alle fingerfertigen Mädchen und Jungen zu dir bringen, die ich entbehren kann."
Das war ein Angebot, welches Sarin besser nicht ausschlug und sie nickte sofort. Gerüchten zufolge hatte Lucil jüngst über ihren Vater mehrere Plakate aushängen und nach privaten, geschickten Händen suchen lassen. Hatte nicht sogar Lariel ihr kürzlich noch im Vorbeigehen erzählt, dass ihre Cousine wohl glaubte, mit Quantität könne sie erfolgreicher sein als mit Sarins Qualität? Sarin war sich sicher, früher oder später würde Lucil doch immer wieder bei ihr landen. Oder hatte ihrer Cousine etwas anders vor? Etwas, wofür sie fleißige Hände brauchte, es aber ihr nicht erzählte? Wenn ja, dann bestimmt nur, weil sie es bisher versäumt hatte...
Aber helfende Hände konnte sie nun wirklich gut gebrauchen!
Die drei Schnattergänse hatten sich entschieden. Lucil im stillen Abkommen mit ihr. Sie wartete noch immer auf eine Antwort und ein Nein würde sie nicht dulden, also bekam sie auch keines. In Gedanken, wenn auch mit einem dicken Klos im Hals überlegte Sarin, welches Kleid ihrer Base am besten stehen würde und pompös genug für den Ball sein würde.
Blanche wollte ein altes Kleid vorbeibringen lassen, um es zu ändern und Chrystlin würde in der Zeit nochmal schauen, ob sie überhaupt eines zum Ändern hätte, das ihre Hüften nicht zu sehr betonte. Im schlimmsten Fall könnte sie sich sonst überhaupt nicht blicken lassen. Die Furcht vor der Blamage stand ihr bereits jetzt ins Gesicht geschrieben. Alle drei wussten, dass Sarin ihre letzte Rettung war ... und alle drei verließen sich darauf, gerettet zu werden.
Held der Stunde!

Fast hätte Sarin gelacht, aber ihre sanften Züge erhellte nur ein Lächeln, dass Hoffnung schenken sollte. Sodann trieb sie ihre Kundinnen aus der Schneiderstube um den Tag sorgfältig zu planen. Zeit für plötzliche Notfälle musste genauso einkalkuliert werden, wie eine Liste der Materialien, die sie noch benötigte, bzw. Adaptionen, wenn sie das Nötigste nicht bekam. Boten mussten ausgeschickt werden um Erkundigungen einzuholen, welche Adelshäuser auf der Pro-Liste standen. Wer würde in kürzester Zeit noch hier auftauchen? Wen konnte sie an ihren Meister weiter leiten ohne dass es seinem oder ihrem Ruf schadete? Sie war schon dabei, sich die wichtigsten Namen der Nachtfürsten zu notieren, damit sie jene abhaken konnte, die nichts benötigten oder weiter gingen, als ihr Gewissen sich meldete, dass sie immernoch eines ihrer eigenen privaten Projekte für Lucil her geben musste...
Sie seufzte einmal schwer.
Diese Kleider waren für sie wie Kunstvolle Kinder. Sie hatten ein Eigenleben und eine Geschichte zu erzählen. Sarin webte gern ihre ganz privaten Träume in die Stoffe ein und verhalf ihnen so zu einer Schönheit, die sie glaubte nur selbst sehen zu können. Die meisten ihrer privaten Stücke hatten auch hier oder da mal eine kleine Rune eingebunden bekommen. Sarin ging zu dem gewaltigen verschlossen Schrank in ihrer Schneiderstube, der fast die ganze Länge einer Wand einnahm, öffnete ihn mit dem kleinen Schlüssel um ihren Hals und strich mit den Fingerspitzen über die Kleidersäcke, die darin die feinen Roben vor dem Kontakt mit ihren Nachbarn schützten. Pailletten und Perlen, Steine und Schleifen durften sich ja nicht miteinander verhaken. Deshalb hatte jedes ihrer Werke eine eigene Schutzhülle mit ihrem sanft geschwungenen „S.“ darauf. Nachdenklich und mit einem gewissen inneren Widerwillen, den sie sich nicht so recht eingestehen wollte, suchte sie eines ihrer Kleider. Kurz hielt sie sogar ihr liebstes Kleid in den Händen, aber dieses war wohl nicht für einen Ball dieser Größenordnung geeignet. Es hatte viel zu wenig Stoff dafür, zu wenig Schick und wäre in Lucils Augen viel zu schlicht. Sie löste mal hier, mal da eine der Schlaufen um mit der Hand hinein zu fahren und der Erinnerung Herr zu werden, aber die Entscheidung war schwer. Zu schwer und kostete zu viel Zeit. Sarin schüttelte den Kopf.
Nun hab dich nicht so. Es ist für Lucil! Sie ist Familie! Sie wird wunderbar aussehen darin. Sie macht uns damit Ehre.
Sarin schnaufte leise und griff zu. Ein Funken Wehmut lag in dieser Entscheidung, aber sie hatte das richtige für Lucil, dass wusste sie sicher sogar besser als ihre Cousine selbst. Sie hob den Kleidersack vom Bügel und öffnete ihn ganz.
((ooc: Bilderlink stell ich bei 'Bilder, Bilder, Bilder“ rein.))
Ein paar kleine Änderungen musste es geben, da Lucil etwas weniger in die Körbchen brachte als sie. Das Kleid war in sich ganz und gar Schwarz. Die Korsage war mit einem Hauch Spinnenseide hinterlegt, die die Haut darunter durchscheinen ließ und darauf die feinste Spitze trug. Zwei feine, aber stabile Träger hielten das Ganze an Ort und Stelle und wirkten doch nur „wie auf die Haut gemalt“ Die Musterungen waren reine Phantasie und so war während der Herstellung die Rune „Hagalaz“ mit ihrer Bedeutung: Elementargewalt und der Wirkung: Schutz gegen Magie, sehr gut zu verstecken gewesen. So wie das Oberteil schlicht und doch raffiniert und auch sexy genug für Lucil war, da war der Rockteil weit, lang und gleich in mehreren scheinbar wirren Schichten eher ausladend und doch einladend für das Auge. Die Stoffe wechselten sich ab. Deine durchsichtige Spitze tanzte mit glänzender Seide und teurem Brokat ein Ballett. Das einzige Manko, dass Lucil allerdings leicht lösen konnte war, dass Sarin etwas kleiner als ihre Cousine war. Sie würde flache Schuhe tragen müssen, die man aber so oder so nicht sehen würde unter dem ganzen Stoff.
Dann galt es los zu legen!
Sarin stellte ihre Schneiderpuppe bereit und hängte das „Bitte klopfen“ - Schild an die Tür, das Diskretion einforderte. Das Kleid allein in all seiner Raffinesse würde Lucil nicht reichen, also machte sie sich mit flinken fingern an die Änderungen des Mieders um dann sogleich ein paar kleine funkelnde Steine aufzunähen. Sie wusste, bald würden die nächsten Aufträge herein schneien und hoffentlich auch die angeforderte Verstärkung. Dann würde die bis heute Abend keinen ruhigen Atem mehr machen können und irgendwie war das auch schön.
Sarin liebte es ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu könne, Probleme zu lösen und im Meer der Hektik zu baden. Ihre Hände waren das nach all den Jahren gewöhnt und auch ihr Körper konnte auch mal zwei Tage durch arbeiten. Sie orderte leichten hellen Wein, gestreckt mit Wasser von der Küche für die fleißigen Helfer, etwas leichtes und süßes um die Konzentration halten zu können und ein bisschen Verbandsmaterial: der Erfahrung halber. Gerade die jungen Hände, die die Routine nicht kannten, sich aber alle Mühe gaben, gerade diese ließen an solchen Tagen doch den ein oder anderen Blutstropfen.
Sie war bereit für den Sturm, der da kommen sollte. Natürlich würde es Überraschungen geben, aber inzwischen hatte sie auch darin Routine.

...Hin und wieder würde im Laufe der Arbeit ihr Geist sich vielleicht doch auf den Ball stehlen... Lucils Neugierde, die Aufregung war natürlich ansteckend und in einem anderen Leben hätte sie vielleicht auch auf dem Ball getanzt... Wie die Dunkelelfen wohl aussahen? Das was an Gerüchten kursierte war recht oberflächlich und sicher gab es auch weniger wohl gesonnene Stimmen bei Hof... Doch der Ball ging vor! Im Geiste würde sie in all ihren Kleidern tanzen und vielleicht, so hoffte sie, ergab sich eine Möglichkeit einen kurzen Blick auf die Gäste in ihren schicken Roben, im sanften Licht der Kerzen tanzen zu sehen...
Dafür wäre sie gern dabei... Nicht um einen Prinzen zu finden, nicht um Ränke zu schmieden, auch nicht um Politik zu machen... nur wegen der Freude an der Schönheit wegen.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Dienstag 22. Oktober 2019, 14:29

Chrystlin schaute untröstlich drein. Es war nicht das erste Mal, dass sie mit ihrem Gewicht zu kämpfen hatte. Dabei wäre es nicht nötig. Die wenigen Pfunde zu viel gaben ihr ein liebsames Äußeres. Sie wirkte dadurch wie ein reifer Pfirsisch - etwas rundlich, aber immer noch mehr als bezaubernd anzuschauen. Sie war nichts im Vergleich zu mancher adligen Matrone, bei der man sich insgeheim fragen musste, ob sie nur den Wohlstand zu sehr genoss oder das Resultat einer heimlischen Liebschaft unter dem Herzen mit sich herum trug. Beides war möglich und üblich im nachtelfischen Hochadel, auch wenn Letzteres ungern gesehen war. Sobald die Matrone nämlich urplötzlich Gewicht verloren hatte, entstanden Gerüchte. In solchen Fällen verschwand die Person zumeist ganz von der Bildfläche.
Die Nachtelfen gingen dabei nicht so skrupellos vor wie ihre noch dunkleren Verwandten und beseitigten sowohl den Bastard als auch die Mutter. Aber entweder hielten sie beide unter Verschluss, bis man das Kind als Waise irgendwo loswerden konnte, wo niemand nach dessen Herkunft fragte. Oder man schickte sie an die Oberfläche. Dorthin eilte niemand ihnen nach und sie konnten ein neues Leben beginnen. Lysanthors Sonnenstrahlen waren eine zusätzliche Straße für den fruchtbaren Seitensprung.
Chrystlin hingegen sah nicht schwanger aus. Sie liebte einfach nur zu sehr die Köstlichkeiten, die sich nur der Adel leisten konnte und ihr Vater unternahm nichts dagegen. Im Gegenteil. Nebst Geburtstagen der Verwandtschaft wurde Chrystlin inzwischen oft genug auf Debütantinnenbälle und zu anderen Feierlichkeiten mitgenommen. Ihr Vater pries sie immer wieder an wie ein nachtelfischer Händler seine Ware auf dem Markt. Fehlte nur noch, dass er eines Tages zu schreien begann, um potenzielle Heiratskandidaten auf sie aufmerksam zu machen.
Mit der Ehevermittlung hatten sie so alle ihre Probleme. Auch Blanche war noch nicht versprochen, obgleich sie mehrere Anwärter bereits hatte vorsprechen lassen. Einmal wäre es beinahe zur Verlobung gekommen, doch dann war der Brautwerber unsittlich geworden. Seither trug Blanche nur noch Kleidung, die bis weit hoch zum Hals zugeknöpft war. Es war dann an Sarin, ihr passende Kleidung zu nähen, die trotz ihrer Bedingungen auch auf einem Ball wie dem anstehenden traumhaft aussah. Blanche hatte niemals ein Kompliment für Sarins Arbeit übrig gehabt, aber sie kam immer wieder in ihre Schneiderei, wenn etwas Neues nötig wurde. Das konnte man ebenso als eine Form von Anerkennung deuten.
Blanche wusste um Sarins Talent, wie überhaupt die meisten. Mehr Nachtelfen noch, seit man hörte, die Stadtherrin selbst trüge ihre geschneiderte Mode. Das war damals ein wahrer Schub für Sarins Geschäft gewesen. Aber auch diese Medaille besaß zwei Seiten, vor allem jetzt. Viele Kunden würden noch bei ihr hereinschneien, um neue Ballgarderobe oder Änderungen an alter vornehmen zu lassen. Was Sarin brauchte, war Zeit .. oder helfende Hände. Daher kam Lucils Angebot wie gerufen.
Schnell war alles besprochen. Lucil verabschiedete sich mit einem vielsagenden Blick. Noch heute würden einige Helfer ihres Hauses bei ihr vorstellig werden. "Setze sie einfach ein, wo du sie brauchst, Cousinchen. Bis zum Ball wären sie mir ohnehin nur im Wege."
Nun konnte Sarin sich wirklich an die Arbeit machen.

Die ersten Planungen verliefen fast reibungslos. Natürlich tauchten im Laufe des Tages weitere Kunden auf, allesamt gut betuchte Adlige, welche jedoch ein Selbstbild an den Tag legten, das es schwer machte, sie zu vertrösten oder gar zu Meister Londro weiterzuschicken. Die meisten sahen sich selbst als beinahe noch wichtiger an denn die Stadtherrin und demnach müsste ihr Auftrag natürlich zuerst abgearbeitet werden.
Bei manchen dieser Kunden hatte Sarin wirklich zu kämpfen und so kam ihr Lariel irgendwann nur Recht, der sie aus der Patsche rettete. Mit federndem Gang wie man ihn kannte betrat er die Schneiderstube und reihte sich bei den Wartenden ein. Als ihm anhand der Diskussion heraus klar wurde, in welchen Schwierigkeiten Sarin steckte, räusperte er sich. "Entschuldigt, Schneiderin Kasani! Ich bin lediglich hier, um Euch mitzuteilen, dass Euer Mentor, Meister Londro, kostbarste Seide der preisgekrönten Raupenzucht von Elfe Sylk erhalten hat. Nur für den Fall, dass einige Eurer Kunden es wirklich extravagant für den bevorstehenden Ball haben wollen." Diese Worte reichten aus, um die Warteschlange um gute zwei Drittel zu verkürzen. Mit einem Zwinkern raunte Lariel dann an Sarins Ohr: "Euer Meister wollte eigentlich, dass ich mich erkundige, ob Ihr zu viel Arbeit habt und ihm einige Kunden für den Ball abtreten wollt. Ich schätze, damit ist mein Auftrag erledigt." Er machte sich beschwingt wieder aus dem Staub. Sarin aber konnte nun mit etwas weniger Hektik zu ihren Aufgaben zurückkehren.
Im Laufe des Tages erschienen dann auch tatsächlich ein halbes Dutzend Nachtelfen in schlichten grauen Tuniken, die aber alle das ureigene Emblem des Hauses Kasani am Kragen trugen. Die Gehilfen, die Lucil ihr aussenden wollte, waren angekommen. Sarin musste sogar nicht viel Zeit investieren, um die jungen Frauen und Männer einzuweisen. Sie kannten ihr Handwerk und halfen dabei, die Grundschnitte der neu zu fertigenden Kleider vorzubereiten, Gold- und Silbergarn einzunähen oder Änderungen vorzunehmen. An Sarin war es letztendlich, sich um die Details oder ihre bevorzugten Werke zu kümmern. Der Tag ging geschäftig um.
Einzig eine schwere Last lag ihr die ganze Zeit über auf den Schultern: Lucils Wunsch. Sie wollte eines von Sarins Kleidern tragen. Sicherlich würde es ihr stehen und die Schneiderin hätte nicht viel daran zu ändern. Glücklicherweise besaßen sie beide eine sehr ähnliche Statur, wenngleich Lucils Dekolletée nicht Blickpunkt ihrer Garderobe sein durfte. Dafür besaß sie zu wenig Reize, als dass sie mit ihnen hätte spielen können. Nach einer Weile aber wurde Sarin fündig. Ein Traum aus mehrfach gefächertem, schwarzem Stoff würde ihre Cousine garantiert wie eine Nachtrose erscheinen lassen. Wenn die Blüte ihres Kleides sich bei jedem Schritt sanft wiegte, fiel das Augenmerk sofort auf ihre fein gepuderte Haut, die als Blütenstempel jeden in seinen Bann schlagen könnte. Wenn Lucil nun zu diesem Kleid noch den passenden Schmuck trug, wäre das Gesamtbild perfekt. Niemand könnte sich dieser prachtvollen und zugleich mystischen Schattenrose entziehen. Gewiss würde Lucil dazu ihre Haar hochstecken und vollkommen bewusst eine oder zwei Strähnen heraus hängen lassen, die als seidene Löckchen dazu einluden, sie richten zu wollen. Ein klassisches Mittel, um sofort mit einem Mann ins Gespräch zu kommen, der unsicher war, wie er sich der Dame seiner Wahl nähern könnte. Vielleicht trug Lucil dazu auch ihre Ohrringe aus schwarzem Obsidian. Angeblich waren sie eine zwergische Fertigung aus dem weit entfernten Nogret. Geformt wie Schmetterlinge würden sie das gefächerte Rosenblüten-Kleid Sarins nur noch deutlicher zur Geltung bringen und mit jedem Schritt aufblitzen. Lucil dankte ihr es noch, wenn sie dadurch den Mann ihrer Träume fand, vielleicht wirklich in Form eines dunkelelfischen Prinzen aus Morgeria.
Die Entscheidung stand fest. Sarin hatte das Kleid für ihre Base gefunden und mit dieser Erleichterung im Kopf konnte sie sich neu motiviert an die Arbeit machen. Es ging ihr plötzlich sehr leicht von der Hand und die Zeit verging wie im Fluge. Zwei Mal nur wurde sie in ihrem Tun gestört. Einmal von einem Boten ihres Meister Londro, der nur mitteilen sollte, dass alle übrigen Kunden bei ihm untergekommen seien und sie sich nicht sorgen solle und das zweite Mal waren es die Schneider von Lucil, welche sich verabschiedeten. Hatte Sarin wirklich den ganzen Tag über geschuftet?
Wenn man in der Schneiderstube hockte, bemerkte man kaum, wie die Zeit verging. Allerdings drang vom Gang her nun mehr Licht in ihre Kammer und irgendwann hatte jemand ihrer Helfer Kerzen entzündet. Nun waren all ihre Werke in den golroten Schein der Flammen getaucht. Sarins Rücken durchzog ein leichter Schmerz von der ewig gleichen Haltung, in der sie sich beim Nähen befunden hatte. Es war Zeit, Nadel und Faden beiseite zu legen. Den Rest würde sie auch Tags drauf noch fertig bekommen. Schließlich sollte der Ball er morgen Abend stattfinden, soviel hatte sie von ihren Kunden noch erfahren können. Anscheinend sei es den angereisten Dunkelelfen vorab dann doch zu knapp geworden. Sie genossen es erst einmal, nach der langen Reise wieder in richtigen Betten schlafen zu können. Das war gut, es gab allen etwas Zeit.
Plötzlich veränderte sich das Licht in ihrem Verkaufsraum. Ein minimaler Wechsel, aber auffallend. Jemand stand vor der Tür und unterbrach mit seiner Gestalt den eindringenden Lichteinfall. Dann schob sich die Pforte in Sarins Reich auch schon auf. Was eintrat, konnte kein Elf sein. Groß, breitschultrig schob sich die Gestalt halb ins Innere. Bei jeder noch so kleinen Bewegung klapperte oder rasselte etwas an der pechschwarzen Rüstung der Person. Prunkvoll schaute sie aus und die Schulterstücke bildeten Fledermäuse, deren aufgerissene Mäuler nur darauf warteten, dass sich jemand an ihren spitzen Eckzähnen ein Auge ausstach. Der schwere Stoff eines am unteren Saum abgewetzten Umhangs legte sich über die rechte Schulterfledermaus, als die Gestalt sich etwas herab neigte, um durch die Tür einzutreten. Außerdem zog sie die Kapuze ab, so dass Sarin erkennen konnte, dass es sich um keinen ihres Volkes handelte. Ein Dunkelelf stand da in der Tür, die Haut fast so schwarz wie seine Rüstung. Das ebenso schwarze Haar hatte er zu einem Kriegerzopf im Nacken zusammengebunden, wenngleich sie einige der dunklen Strähnen daraus gelöst hatten. Im Licht ihrer Kammer schimmerte das Haar einen Deut bläulich und passte somit zu den tieflbauen Augen des Elfen. "Faldors Blut ... oh, Ihr ... sprecht Ihr Lerium? Offenbar nicht", setzte der Mann nun auf Celcianisch nach. Dann trat er endgültig ein. Mit einer leichten Verbeugung sprach er weiter: "Ich beherrsche kein Herendia, deshalb müssen wir im Celcianischen kommunizieren. Guten Abend. Verzeiht, dass ich Euch so spät noch störe, aber es ist dringend. Mein Herr, Fürst Raikhyn von Blutsdorn schickt mich mit einem Schneiderauftrag. Ein Page namens Lariel sandte mich hierher. Ihr seid Schneiderin?"
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Dienstag 22. Oktober 2019, 17:23

Was – Für – Ein – Tag!!!
, dachte Sarin und streckte die Beine unter ihrem Nähtisch aus. Sie legte das letzte Nähzeug zurück an den Platz wo es hingehörte und atmete tief durch.
Was für ein Tag...
Sie spreizte die angespannten Finger, reib sich die Unterarme und griff einmal links und einmal rechts in das verspannte Fleisch ihrer Schultern. Gaaaanz selten, eben in solchen Momenten wie diesen, da vermisste sie das feine Leben in dem man einfach einen Diener heran winkte, der einen dann massierte. Dann fiel ihr Blick aber wieder auf ihre Schneiderstube und sie lächelte. Sie hatte so viel geschafft und war mit Recht wohl stolz auf ihre Arbeit. Sie lehnte sich ein bisschen zurück und richtete damit vorsichtig ihre Wirbelsäule, die sich im Laufe des Tages wie ein Fächer zusammen gefaltet hatte – zumindest fühlte es sich so an. Ihr Blick wanderte dabei über die kleinen noch liegen gebliebenen Stoffstückchen, die Garn-fusseln und das ein oder andere leer getrunkene Glas der Gehilfen. Alles im Allem war der Tag ein voller Erfolg gewesen und so saß sie einen kleinen Augenblick einfach nur lächelnd und zufrieden da. Aufgeräumt hatten die Gehilfen schon, aber es lagen trotzdem noch hier und da Kleinigkeiten herum. Doch das alles wieder glänzte und perfekt war, dass hatte Zeit bis nach dem Ball. Sogar Lariel, der Schatz, hatte durch seine Leichtigkeit einmal mehr ihr geholfen und ihr den Tag gerettet. Sein Erscheinen und seine Worte klangen noch in ihren Gedanken nach.
"Entschuldigt, Schneiderin Kasani! Ich bin lediglich hier, um Euch mitzuteilen, dass Euer Mentor, Meister Londro, kostbarste Seide der preisgekrönten Raupenzucht von Elfe Sylk erhalten hat. Nur für den Fall, dass einige Eurer Kunden es wirklich extravagant für den bevorstehenden Ball haben wollen."
Gut zwei Drittel der wartenden Kundschaft war danach gegangen und Sarin konnte wieder atmen. Sie lächelte, als sie sich daran erinnerte, wie er mit einem Zwinkern an Sarins Ohr raunte:
"Euer Meister wollte eigentlich, dass ich mich erkundige, ob Ihr zu viel Arbeit habt und ihm einige Kunden für den Ball abtreten wollt. Ich schätze, damit ist mein Auftrag erledigt."
Er war ein Held gewesen! In dunkelster Stunde, in tiefster Höhle, hatte er schlau und gewitzt gehandelt und ihr damit den Tag gerettet.
Sarin lachte leise.
Ein Geräusch, dass sie in dieser Offenheit selten und meist ausschließlich von sich gab, wenn sie allein war. Der Tag war lang gewesen und sie war hungrig, erschöpft und rechtschaffend müde, aber auch sehr sehr glücklich. Ihre Werke würden auf dem Ball tanzen und sie in Gedanken mit ihnen. Mit Lucil würde sogar ein weiter kleiner Teil ihrer Magie mit auf dem Ball sein, ohne dass ihr kleines Cousinchen (jünger, aber größer) es wusste. Das Kleid für sie war wirklich gut gelungen und Sarin war mit sich und ihrer geleisteten Arbeit rund um zufrieden.
Jetzt wird es aber Zeit zu zu machen...
Sarin stand auf und spürte ihren Rücken schimpfen. Ja, so war das im arbeitenden Volk. Da blieben Schmerzen nicht aus. Aber sie war es gewohnt und auch irgendwie dankbar, denn dann wusste man, was man alles geschafft hatte. Sie lief ein paar Schritte durch den Raum, um die wichtigen Sachen zu verschließen und um die Beine auch wieder in Gang zu bekommen, hob die Arme über den Kopf, blieb stehen, streckte sich der Decke entgegen und gähnte. Fast wäre ihr der veränderte Lichtschimmer im Türrahmen entgangen und so ließ sie gerade noch rechtzeitig die Arme fallen, als die Tür sich öffnete.
Was da eintrat, konnte kein Elf sein! Sarins Augen weiteten sich unwillkürlich.
Groß, breitschultrig schob sich die Gestalt halb ins Innere. Bei jeder noch so kleinen Bewegung klapperte oder rasselte etwas an der pechschwarzen Rüstung der Person. Sarins Blick verweilte sofort und als erstes auf der Kleidung. Prunkvoll schaute sie aus und die Schulterstücke bildeten Fledermäuse, deren aufgerissene Mäuler nur darauf warteten, dass sich jemand an ihren spitzen Eckzähnen ein Auge ausstach.
Gefährlich...
Der schwere Stoff eines am unteren Saum abgewetzten Umhangs legte sich über die rechte Schulterfledermaus, als die Gestalt sich etwas herab neigte, um durch die Tür einzutreten.
...ob alle Dunkelelfen so groß sind?
Sarin schluckte, strich sich schnell ihr Kleid glatt, dass vom Strecken etwas verrutscht war und machte einen kleinen Knicks, noch während der Riese seine Kapuze ab nahm, so dass Sarin erkennen konnte, dass es sich wirklich um keinen ihres eigenen Volkes handelte. Ein Dunkelelf stand da in der Tür, die Haut fast so schwarz wie seine Rüstung. Ihr Blick wanderte zu seinem Gesicht hinauf und sie trat einen Schritt zurück, streckte den Arm aus, als Zeichen, dass er eintreten konnte. Sie schaffte es aber nicht den Blick zu Boden zu senken, wie sie es sonst tat, sondern behielt ihn voller Faszination im Auge. Das schwarze Haar hatte er zu einem Kriegerzopf im Nacken zusammengebunden...
So streng nach hinten...wie ich es immer trage...
, verirrten sich unsinnige Gedanken in ihren überwältigten Geist. Wenngleich bei ihm sich einige der dunklen Strähnen daraus gelöst hatten. Im Licht ihrer Kammer schimmerte das Haar einen Deut bläulich und passte somit zu den tiefblauen Augen des Elfen.
Puh! Geniale Kontraste und diese Haut...
"Faldors Blut ... oh, Ihr ... sprecht Ihr Lerium? Offenbar nicht"
, setzte der Mann nun auf Celcianisch nach, doch die dunkle Sprache klang schon in Sarins Seele nach. Jeder Ton war fremdartig und doch bekannt, wie ein lang vergessener Traum.
Lerium - die Sprache der Dunkelelfen.
Die Sprache der Dunkelelfen war in ihrem Ursprung, die der Waldelfen ziemlich ähnlich. Doch klang diese nicht gerade liebreizend und melodisch, sondern eher dunkel, düster und kalt. Die Sprache der Nachtelfen klang jedoch ähnlich wie Lerium – ebenso dunkel, düster und kalt. Doch im westenlichen Sinne sind es sehr unterschiedliche Sprachen, auch wenn die Nachtelfen entfernte Verwandte der Dunkelelfen waren, so hatten sie sich doch deutlich sozialer entwickelt und in festen Familienverbänden entwickelt.
Sarin musste sich zusammen reißen ihren ersten Dunkelelfen nicht mit offenem Mund anzustarren.
Dann trat er endgültig ein. Sarin hatte bei den unverständlichen ersten Worten etwas fragend den Kopf geneigt und auf die Couch gewiesen, doch der Gast der Abendstunde sah nicht mal ansatzweise so aus, als ob er sich hinsetzten wollte. Mit einer leichten Verbeugung sprach er weiter:
"Ich beherrsche kein Herendia, deshalb müssen wir im Celcianischen kommunizieren. Guten Abend. Verzeiht, dass ich Euch so spät noch störe, aber es ist dringend. Mein Herr, Fürst Raikhyn von Blutsdorn schickt mich mit einem Schneiderauftrag. Ein Page namens Lariel sandte mich hierher. Ihr seid Schneiderin?"
Fürst...noch ein Auftrag heute Nacht... Er kommt von Lariel, gut. Dann ist das in Ordnung... Oh je, doch noch nicht Feierabend...
Sarin nickte und lächelte freundlich. Sie verbeugte sich nun leicht, so wie er es getan hatte und antwortete:
„Ja mein Herr, ich bin hier die Schneiderin. Lariel hat euch mit Recht zu mir geschickt. Mein Name ist Sarin Kasani. Wie kann ich dienlich sein?“
Noch einmal, aber unaufdringlich bat sie ihrem Gast einen Sitzplatz an. Seine enorme Größe machte sie schon etwas nervös.
Wie groß ist der denn? Er hatte den Kopf einziehen müssen beim reinkommen... Einen neuen Mantel für ihn zu schneidern braucht ja gleich drei Ellen mehr in der Länge.
Um etwas Abstand von ihm zu gewinnen (und ihn seiner Gänze bestaunen zu können), ging sie zu dem kleinen Tisch und schenkte den letzten Rest des leichten Weines ein und bot ihn an. Aufmerksam hörte sie sich den Auftrag seines Herrn an. Je nach dem wie sich diese Situation entwickelte, würde sie ihn auch nebenbei nach seinem Namen fragen, wenn er ihn nicht selbst erwähnte, ihm vielleicht sogar etwas zu essen bringen lassen, wenn er länger warten musste... und vielleicht sich selbst auch etwas, sofern es schicklich einzubringen bar war und er kein zu hoher Gast war (sofern sie das heraus fand. Ansonsten musste sie sich einfach auf ihr Bauchgefühl verlassen). Als normaler Bediensteter seines Herrn, könnte sie ihn auch fragen, ob er ihr bei einer kleinen Mahlzeit Gesellschaft leisten wollte, sofern er dabei bleiben sollte, bis sie fertig war. Manche ihre Kunden taten das, da manche Aufträge auch delikate Details beinhalteten. Aber der Tag war lang und sie musste nun dringend etwas Essen wenn sie die Nacht durcharbeiten würde! ..und manchmal löste ein gemeinschaftliches Essen Probleme, bevor sie entstehen konnten. Und natürlich stellte sich eine ganz wichtige Frage für den Auftrag:
„Habt ihr die Maße eures Herrn dabei?“
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 30. Oktober 2019, 09:53

Tatsächlich zählte der Soldat nur zum Durchschnitt, was seine Größe betraf. Für einen Dunkelelfen war er nicht herausragend. Im Vergleich mit der ohnehin für ihr Volk klein geratenen Sarin ragte die voll gerüstete Gestalt allerdings wie ein Berg vor ihr auf. Die Farbe von Rüstung, Haut und Haar trug dann auch nicht dazu bei, sich sicherer zu fühlen. Vor allem die Schulterstücke, deren Fledermauszähne im Kerzenlicht immer wieder aufblitzten, flößte doch gut und gern Angst ein. Wie viele der adligen Kinder im Palast mochten schon vor diesem Dunkelelfen geflohen sein? Oder hatte er sich deshalb erst so spät zu ihr auf den Weg gemacht. Immerhin entschuldigte er sich für sein Eintreffen, erst kurz vor Ladenschluss. Angesichts des bevorstehenden Balles könnte Sarin sich eher wundern, dass er der einzige Kunde auf den letzten Drücker war. Aber da hatten Lariel und Meister Londro garantiert die Fäden in der Hand. Wieviel Arbeit mochte ihr alter Mentor ihr wirklich abgenommen haben? Um diese kam sie nun wohl nicht drumherum.
So bot sie ihm einen Sitzplatz auf ihrem Sofa an, doch der Elf lehnte mit einer einzigen Handbewegung der Rechten ab. Über die linke hing etwas Längliches, eingepackt in Leinen. Ein Leinensack? Aber so sorgsam, wie er ihn über seinen Unterarm drapiert hielt, musste sich im Innern etwas Wichtiges befinden.
"Danke, ich stehe lieber." Vermutlich konnte er kaum mehr oder befürchtete, nur unelegant oder am Ende gar nicht mehr von der Couch empor zu gelangen, wenn die schweren Rüstplatten ihn behinderten. Der Elf wahrte lieber seine Würde, selbst wenn es den Verlust von Komfort bedeutete. Nachdem Sarin sich vorgestellt hatte, verneigte der Elf sich erneut - etwas steif, weil die Rüstung nicht mehr zuließ, dennoch formvollendet. "Ihr dürft mich Iryan Ferndall nennen, Unteroffizier der persönlichen Leibgarde Fürsts von Blutdorn." Er richtete sich wieder auf und schob dabei den Umhang hinter sein Fledermausschulterstück. Der abgewetzte Saum streifte über den Boden. Iryan lächelte daraufhin verbissen und wandte sich erneut an Sarin. "Die Reise bis ins Reich der Nachtelfen war beschwerlich, deshalb verzeiht mein Auftreten. Aber auch hier liegt - im Namen meines Fürsten - das Problem. Maß nehmen ist nicht nötig." Den Grund zeigte er Sarin auch sogleich. Der Elf streckte nämlich den linken Arm vor und nahm den Leinenbeutel von seinem metallischen Unterarmschutz herunter. Er löste die Kordel, ließ das robuste Leinen erst einmal zu Boden fallen und schüttelte den Stoff im Innern dann ordentlich durch.
Zwei längliche Röhren aus einem so blutroten Samt, dass er beinahe schwarz wirkte, streckten sich. Eine Hose. Am unteren Saum waren reichlich goldene Garnfäden verwebt, welche ein schnörkeliges Muster aus Dornenranken bildeten. Dazwischen waren aus dunkelrotem Garn Rosenblüten gestickt worden, in deren Zentrum jeweils ein kleiner Rubin aufblitzte. Die Rankennaht wanderte seitlich an den Hosenbeinen empor und bis hin zum Hüftsaum. Sarin würde das Problem rasch erkennen. Am rechten Hosenbein hatte sich das Garn gelöst und hing nun in einem traurigen Faden etwas vom Samt ab. Außerdem fehlte einer von vier goldenen Knöpfen, mit denen sich die Hose vorn schließen ließ. Weil sie so groß wie Fuchsmünzen waren, fiel dieser Missstand sofort auf.
"Wenn Ihr in der Lage seid, das Beinkleid an der Naht zu reparieren und die Knöpfe komplett auszutauschen - mein Herr erwartet erneut goldene Exemplare - so wird er Euch mit etwas Besserem entlohnen als Drachmen und Lysanthemern. Bevor ich Euch die Hose jedoch aushändige, möchte Ich Euer Wort, dass Ihr talentiert genug für den Auftrag seid. Rechnet mit einer Strafe, wenn es Euch nicht gelingt", fügte er nach einer Kunstpause und mit einem leicht schneidenden Unterton an.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Donnerstag 31. Oktober 2019, 09:42

Vielleicht war es die Ausstrahlung von Brutalität und Gewalt, die Sarin schon ein bisschen einschüchterte, vielleicht auch nur der Größenunterschied der Völker. Nachtelfen waren ein eher kleines, zierliches Volk, wohingegen ihre Verwandten unter freiem Himmel, diesem hatten entgegen wachsen können. Wenigstens bemühte sich ihr Gast um Höflichkeit, sonst hätte sie vermutlich auch ganz anders reagiert. Trotzdem musterten ihre Augen fachkundig jedes Detail. Allein die Nähe seiner Rüstung konnte verletzen, wenn man nur aus Versehen an ihm hängen blieb.
Die Fledermaus...sie steht für Faldors Dienerschaft... Hass, Blutlust und Mordlust, Gnadenlosigkeit, Brutalität und Finsternis... Sie werden wohl kaum mit friedlichen Absichten kommen. Manthala, was hat dein Bruder mit uns vor?...
Unbewusst hatte Sarin sogar seit langem wieder einmal das gedankliche Wort an ihre Göttin gerichtet. Vielleicht suchte sie unbewusst Schutz im Glauben, so wie es ihr ihre Mutter einst hatte gelehrt.
"Danke, ich stehe lieber."
Nachdem Sarin sich dann vorgestellt hatte, verneigte der Elf sich erneut - etwas steif, weil die Rüstung nicht mehr zuließ, dennoch formvollendet. Auch hinsetzten hatte er sich nicht wollen, da die Platten ihn einschränkten.
Das ihn die Rüstung so arg behinderte, wunderte die Schneiderin. Sie kannte sich nicht mit dem Beruf des Schmiedes aus, aber hatte so manchen Wappenrock oder auch Unterzeug in Zusammenarbeit mit dieser Zunft geschneidert. Das Träger und Rüstung so wenig mit einander harmonierten, kratzte irgendwie in ihrem Unterbewusstsein. Waren die Rüstungen der Nachtelfen besser? Oder war sie nur besseres gewohnt. Oder...
Vielleicht tut er auch nur so? Er ist ein Krieger, das sieht man doch! Im Kampf würde er sich doch dann auch kaum bewegen können...
Ihre aufkeimenden Zweifel wurden jedoch vor seiner Vorstellung durchkreuzt:
"Ihr dürft mich Iryan Ferndall nennen, Unteroffizier der persönlichen Leibgarde Fürsts von Blutdorn."
Iryan Ferndall… Klangvoll...
Er richtete sich wieder auf und schob dabei den Umhang hinter sein Fledermausschulterstück. Der abgewetzte Saum streifte über den Boden und ließ Sarin unwillkürlich leise seufzen. Iryan lächelte daraufhin verbissen und wandte sich erneut an Sarin.
"Die Reise bis ins Reich der Nachtelfen war beschwerlich, deshalb verzeiht mein Auftreten. Aber auch hier liegt - im Namen meines Fürsten - das Problem. Maß nehmen ist nicht nötig."
Den Grund zeigte er Sarin auch sogleich. Der Elf streckte nämlich den linken Arm vor und nahm den Leinenbeutel von seinem metallischen Unterarmschutz herunter. Sarin beobachtete neugierig geworden, wie er die Kordel löste, das robuste Leinen erst einmal zu Boden fallen ließ und den Stoff im Innern dann ordentlich durch schüttelte. Zwei längliche Röhren aus einem so blutroten Samt, dass er beinahe schwarz wirkte, streckten sich.
Eine Hose.
Sarins Neugierde gewann die Oberhand über ihre Vorsicht und sie trat näher an den Dunkelelfen heran. Sie streckte die Hand aus um den weichen Stoff zu berühren und die Arbeit genauer zu inspizieren.
Am unteren Saum sind reichlich goldene Garnfäden verwebt worden, welche ein feines schnörkeliges Muster aus Dornenranken bilden. Eine gute Handarbeit... Dazwischen sind aus dunkelrotem Garn Rosenblüten gestickt worden, in deren Zentrum jeweils ein kleiner Rubin platziert wurde. Rosen... eine Hommage an Manthala? Ansonsten wäre ein Blumenmuster wenig ungewöhnlich für einen Herren, aber was Maße ich mir ein Urteil an... Aha, die Rankennaht wandert seitlich an den Hosenbeinen empor und bis hin zum Hüftsaum und...
Sarin erkannter rasch das Problem. Sie hielt das rechte Hosenbein in ihren Händen uns strich fast zärtlich über den Schaden.
Das Garn hat sich gelöst. Die Borte hängt traurig herab. Der edle Herr muss wahrscheinlich irgendwo hängen geblieben sein... Außerdem fehlt einer von vier goldenen Knöpfe.
"Wenn Ihr in der Lage seid, das Beinkleid an der Naht zu reparieren und die Knöpfe komplett auszutauschen - mein Herr erwartet erneut goldene Exemplare - so wird er Euch mit etwas Besserem entlohnen als Drachmen und Lysanthemern. …“
Etwas besserem? Was meint er denn und woher will er wissen was ich als besser...
Sie sah zu Iryan auf.
Huch...
Erst jetzt fiel Sarin auf, dass sie deutlich zu nah für ihr schickliches Empfinden an dem dunklen Elfen gestanden hatte. Sie erschrak fast ein wenig, da ihr jetzt erst klar wurde, WIE NAH sie ihm war und zu was sie sich hatte hinreißen lassen... Hatte sie sogar den Arm unter dem Samt gestreichelt? Sie war sich selbst nicht sicher, zu konzentriert war sie auf das Kleidungsstück gewesen. Das Neue hatte seinen Zauber auf sie gewirkt und ganz in ihren Bann gezogen.
Oh bitte nicht! Kein Fehler schon beim ersten Kontakt. Unsere Stadtherrin würde mir das nicht verzeihen...
Nun wich sie in höflicher Geste zurück, bei der sie die Hände wie zwei Hacken vor der Brust ineinander verschränkte. Es war ihrer noblen Herkunft geschuldet, dass sie dies ganz unbewusst und vor allem aus dem Schreck heraus tat. Aber was wussten die dunklen Gäste schon von ihren Sitten und kleinen Gesten, die so viel verraten konnten. Sarin wandte sich zur Seite, schluckte ihren kleinen Schreck herunter, entspannte die Schultern und bat mit einer Handbewegung dann ihren Gast, das Arbeitsstück auf ihren Tisch zu legen. Dieser blieb jedoch vorerst wo er war und sprach:
„Bevor ich Euch die Hose jedoch aushändige, möchte Ich Euer Wort, dass Ihr talentiert genug für den Auftrag seid. …“
Wie bitte?
Sarin war froh, dass sie gerade abgewandt von ihm stand und und ihn nicht gerade ungläubig anblinzelte. Er kannte ihren guten Ruf hier bei Hof nicht. Er war ein Fremder.
...dass er glaubt, dass man für das Annähen einer Borte und von ein paar Knöpfen TALENT benötigte...
Sarin atmete einmal etwas tiefer durch und wollte gerade antworten, da setzte er noch etwas nach, dass sie verstummen ließ.
„... Rechnet mit einer Strafe, wenn es Euch nicht gelingt"
, fügte der Krieger nach einer Kunstpause und mit einem leicht schneidenden Unterton an.
Wie - bitte?
Sarin stand still da und dachte einen Moment lang nach.
Mir ist wahrlich noch nie mit Strafe gedroht worden. Puh... jetzt heißt es diplomatisch sein.
Sie ging zu einer ihrer Schubladen und winkte Iryan Ferndall heran näher zu kommen um einen Blick auf die Auswahl an Knöpfen zu werfen, die sie ihm zu präsentieren gedachte. Dabei sprach sie in ruhigem Tonfall:
„Ich kann euch versichern, dass ich in der Lage bin den Schaden zu beheben, ...aber ich werde weder die Belohnung eures Herrn annehmen, noch seine Strafe bei 'Nichtgelingen'. So handeln wir hier nicht. ...Ich bitte euch nur die Materialkosten zu begleichen. Meine Zeit und Kunstfertigkeit könnt ihr sodann als Gastgeschenk ansehen.“
Das Wort 'Gastgeschenk' unterstrich sie leicht in der Betonung, damit klar wurde, dass sie unentgeltlich für ihn arbeiten würde, aber gleichzeitig auch klar stellte, dass sie nicht seine Bedienstete war, über die man frei verfügen konnte. Ihre Kunst gehörte allein der Herrin über das Nachtelfenreich. Dann zeigte sie auf eine Auswahl von Goldknöpfen und empfahl:
„Diese hier würden meiner Meinung nach gut passen.“
Dann wartete sie ruhig auf seine Reaktion, während sie schon das Garn für die Borte heraus suchte.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 10. November 2019, 13:51

Wer immer die Samthose seines Herrn geschneidert hatte, verstand sein Handwerk. Es war keine Meisterarbeit. Sarin fand allein schon durch einen kurzen Blick Stellen, an denen man hätte nacharbeiten und somit vieles verbessern können. Aber sie hatte ihre Kunst ja schon nahezu perfektioniert und unter Meister Londro und ihrer namenlosen Freundin reichlich Wissen über das Schneiderhandwerk erlangt. Trotz allem war hier kein Pfuscher am Werk gewesen! Dass die goldene Naht sich gelöst hatte und Knöpfe abgesprungen waren, konnte nur ebenfalls Resultat der Reise gewesen sein, die Iryan erwähnt hatte. Der Saum sah noch zu neuwertig aus. Er war sicherlich kaum getragen worden. Veilleicht höchstens zur Anprobe selbst!
Es würde Spaß machen, mit dem Stoff zu arbeiten. Der Saum fühlte sich weich an. Hochwertig. Nur der Adel konnte sich derlei Textilien überhaupt leisten. In ihrer Inspektion war Sarin dem Dunkelelfen ziemlich auf die Pelle gerückt. Er hielt noch immer die Hose und zwar so, dass Sarin sie gut untersuchen konnte. Tatsächlich störte sich Iryan entgegen der üblichen Etikette nicht daran, dass sie beidseitig die Formalitäten nicht einhielten. Er wartete geduldig ab, verfolgt die Nachtelfe beim Zurückweichen allerdings mit den Augen und auf seinen tiefschwarzen Zügen kräuselte ein Schmunzeln die Mundwinkel. Sarin blieb dieses amüsierte Lächeln verborgen. Sie hatte sich abgewandt und hatte stattdessen mit ihren eigenen Zweifeln und Emotionen zu kämpfen. Außerdem wurde sie nun mit den Sitten der Dunkelelfen konfrontiert. Iryan war immerhin so diplomatisch, ihr mitzuteilen, dass es nebst Lohn auch in die andere Richtung gehen konnte, wenn ein dunkelelfischer Kunde unzufrieden war. Ihre Kultur war nicht frei von Strafe und von Konsequenzen für Fehltritte geprägt; auf brachialere Weise als das der nachtelfischen Verwandten. Hier war der Ruf das höchste Gut, das man verlieren konnte. Bei den Bewohnern Morgerias gingen Schmerz und Folter Hand in Hand damit.
Sarin blieb keine Wahl. Sie konnte den Kunden nun entweder abweisen und damit ihren Ruf riskieren - denn ein abgelehnter Kunde würde nur Gerüchte über ihr mangelndes Talent oder unschickliches Verhalten verbreiten! - oder sie konnte sich in ihre sachliche Professionalität retten. Sie musste keine Strafen fürchten, wenn sie keine Fehler beging. Und sie war hoch anerkannt, gut in ihrem Schaffen. Sie würde alles richtig machen!
So ließ sie Offizier Ferndall einen Blick auf die Auswahl an Knöpfen werfen. Ganz gleich, ob der Elf ein Verständnis für Mode besaß oder nicht. Er kam ihrer Bitte nach und betrachtete sich die Knöpfe. Jene, die nicht rund waren, schob er mit zwei Fingern sofort beiseite. Dabei war der eine Knopf, der wie ein kleiner Diamant geformt war, durchaus schön anzusehen. Das Licht würde sich bei jeder Hüftbewegung perfekt in ihm brechen. Doch er war nicht rund. Iryan konnte nur auf diese Information zurückgreifen. Für ihn war ein Knopf ein Knopf. Sein Herr besaß runde Knöpfe an der Hose, also sollten es wieder welche in derselben Form sein. Er sortierte einige weitere aus.
Letztendlich gab er es auf. Er war Soldat - Leibwächter in einer unbequemen Vorzeigeprunkrüstung! - kein Schneider. Das war nicht seine Aufgabe. So lehnte Iryan sich wieder in eine gerade Haltung zurück. Seine Augen suchten Sarin. "Ich überlasse es Euch, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, damit die Hose wieder tragbar ist." Problem weitergeschoben. Wenn die Knöpfe seinem Herrn nicht gefielen, würde Sarin der Sündenbock sein. "Was Eure Forderungen angeht ... ich werde sie ausrichten, aber sie werden meinem Fürsten nicht gefallen. Er ..." Tatsächlich senkte Iryan die Stimme ein wenig. "Er kann sehr starrköpfig sein. Seht einfach darüber hinweg und schlagt seinen Wunsch nicht ab. Das rate ich Euch im Guten." Ob und wieviel sie nun an Lohn für ihre Arbeit bekommen sollte, blieb somit offen im Raum stehen.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Montag 11. November 2019, 20:13

Ein übersehenes Kräuseln der Mundwinkel, ein vernommenes diplomatisches Wort, eine brachiale Tatsache, die Leid für Versagen versprach... Was für ein Abend!

Sarin liebte ihren Beruf und ging in ihrer Arbeit auf, aber das hier war ein neues Parkett, das sie ganz unfreiwillig betreten musste. Aber sie reckte den Hals und streckte den Rücken, denn sie war auch nicht irgendwer. Sie war Sarin Kasani, die Hofschneiderin, angesehen und umworben, geehrt und belobigt. Sie würde nicht versagen. Als sie sich zu Iryan umdrehte und ihm die Knöpfe präsentierte begann schon ein Entschluss in ihr zu reifen. Sein leichtes Unbehagen, dass sie ihn in die Entscheidung mit einband, welcher Schmuck es nun werden sollte, bestätigte ihren unbewussten gedanklichen Wandel. Während sie Knöpfe und Garn vorzeigte und in seinem Gesicht las, reiften in ihr die Gedanken.
Mir bleibst keine Wahl...
Nur waren es weniger seine Worte, oder die Furcht vor einem kleinen Ruf-Verlust, die sie letztendlich dahingehend überzeugten, dass sie diesen Auftrag übernehmen musste. Es war etwas ganz anders.
Sie musste keine Strafen fürchten, wenn sie keine Fehler beging. Dafür war sie zu gut.
Und sie war hoch anerkannt, gut in ihrem Schaffen. Sie würde alles richtig machen! Doch wenn sie diesen Auftrag ablehnte, dann würde dieser schnell bei einer wenigen geübten Hand landen, die diese dann womöglich verlieren würde.
Sarin dachte dabei an die jüngeren Gehilfen und die fleißigen Zofen, die zwar gut, aber eben nicht so gut wie sie waren. Keiner von ihnen schuldete sie etwas, aber die Vorstellung, dass eine von ihnen bestraft werden könnte, weil SIE abgelehnt hätte...?
...Nein! ICH muss das machen! Alles andere wäre nicht nur unverantwortlich der Geschädigten und bestraften Person gegenüber, sonder auch der Stadtherrin! Ein solcher Zwischenfall darf sich hier nicht ereignen. - Und die Chancen, dass etwas schief geht, steigen sobald ich ablehne gewaltig, zumal Meister Londro sicher schon schläft...
In ihrer vor Müdigkeit und Hunger angeregten Vorstellung malte ihre Phantasie gruselige Szenarien. In einer verlangte der Gesandte eine öffentliche Auspeitschung, oder Schlimmeres, weil die Naht beim Tanzen einfach wieder auf gegangen war, oder ein Knopf schlicht abfiel. Natürlich wurde auch im Reich der Nachtelfen bestraft, aber ihr Volk ging filigraner vor, leiser und weniger brachial. Man verhandelte sogar teilweise das Strafmaß, was sehr im Sinne der dunklen Göttin war. Soweit Sarin wusste, soweit die Gerüchte und die Geschichten stimmten, so war das Volk der Dunkelelfen für ihren Hang zur blutigen Grausamkeit bekannt. Dass sie überhaupt hier waren, bereitete ihr einiges Unbehagen und einmal rieb sie sich auch verstohlen über den Arm, als Iryan nicht hinsah, damit sich die Härchen wieder hinlegen konnten.
So ließ sie also Offizier Ferndall einen Blick auf die Auswahl an Knöpfen werfen. Ganz gleich, ob der Elf ein Verständnis für Mode besaß oder nicht. Es war ihre Art ihn besser einschätzen zu können. Er kam ihrer Bitte nach und betrachtete sich die Knöpfe. Jene, die nicht rund waren, schob er mit zwei Fingern sofort beiseite. Die Bewegung war zwar unsicher, aber er ging auch sorgfältig und vorsichtig vor. Nichts viel vom Tisch. Er hielt sich korrekt an seine Vorgaben, dabei war der eine Knopf, der wie ein kleiner Diamant geformt war, durchaus schön anzusehen. Das Licht würde sich bei jeder Hüftbewegung perfekt in ihm brechen. Doch er war nicht rund, also wurde er aussortiert. Sein Herr besaß runde Knöpfe an der Hose, also sollten es wieder welche in derselben Form sein. Er sortierte einige weitere aus und Sarin sah ihm dabei aufmerksam zu.
Letztendlich gab er es auf. Er war Soldat – Ein Leibwächter in einer unbequemen Prunkrüstung die mehr dem Zweck diente Eindruck zu schinden, in der man sich aber kaum bewegen konnte! So lehnte Iryan sich wieder in eine gerade Haltung zurück und seine Augen suchten Sarins:
"Ich überlasse es Euch, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, damit die Hose wieder tragbar ist."
Problem weitergeschoben. Wenn die Knöpfe seinem Herrn nicht gefallen, werde ich der Sündenbock sein.
Das erkannte auch Sarin sofort und lächelte etwas schmal.
"Was Eure Forderungen angeht ... ich werde sie ausrichten, aber sie werden meinem Fürsten nicht gefallen. Er ..."
Tatsächlich senkte Iryan die Stimme ein wenig.
"Er kann sehr starrköpfig sein. Seht einfach darüber hinweg und schlagt seinen Wunsch nicht ab. Das rate ich Euch im Guten."
Ob und wie viel sie nun an Lohn für ihre Arbeit bekommen sollte, blieb somit offen im Raum stehen. Nun gut, notfalls würde Sarin auch vollkommen umsonst den Auftrag übernehmen, damit es ihrer Herrin nicht schadete. Es war nur ein Goldknopf und ein bisschen Garn. Das konnte sie verschmerzen, selbst wenn der Gesandt NICHT bezahlte. Natürlich würde sie ihm das niemals sagen!
Niemals ohne einen guten Handel ein Geschäft abschließen! ...Aber verhandeln die Dunkelelfen? Oder setzten sie einfach ihre Macht voraus?
Ernüchterung stellte sich ein bisschen bei Sarin ein. Was sie jedoch mehr beschäftige, war die Warnung:
Im Guten... Er warnt mich, aber dass sein Herr damit Probleme bekommen könnte... Hm... sollte ich ihn auch warnen?
Sarin lächelte charmant und hob das Kinn ein kleines Stück.
„Ich werde seinen Wunsch erfüllen, ...Allein schon damit niemand zu Schaden kommt. Es wäre doch schrecklich wenn die Verhandlungen eures Herrn von einer Strafhandlung überschattet werden würden...“
Sie lächelte noch etwas mehr und fügte hinzu:
„... Also wenn ihr erlaubt...?“
Sie streckte die Hände aus, damit er ihr die Hose übergeben konnte, nahm die Knöpfe, die sie schon vor Beginn an als die Richtigen eingeschätzt hatte und machte sich ans Werk. Nebenbei bemerkte sie:
„Ich könnt ruhig hier bleiben. Es dauert nicht lange und ihr könnt eurem Herrn dann seine Hose gleich wieder mitnehmen.“
Sie fädelte den Goldfaden schon durch die Öse der Nadel, rieb kurz die Fingerspitzen aneinander, sah noch einmal kurz auf zu ihrem Gast, ob er noch da war und arbeitete dann hoch konzentriert. Ihren knurrenden Magen ignorierte sie geflissentlich und allein das Adrenalin der neuartigen Begegnung hatte ihr ein bisschen Energie zurück gegeben. Sobald sie fertig war würde sie irgendwann vermutlich einfach auf dem Sofa gleich hier einschlafen. Das war schon öfter geschehen und das Sitzmobiliar war bequemer, als es aussah. Doch jetzt galt es einen Dunkelelfen zufrieden zu stellen, also verglich sie immer wieder die Stichführung, damit alles gleichmäßig aussah, zog doppelte, versteckte Fäden, wo Spannung im Stoff bei Bewegungen zu erwarten war und verbesserte hier und da noch ein paar Kleinigkeiten, ohne dass es wirklich am grundlegenden Stil etwas änderte. Zum Schluss trennte sie ordentlich mit einem winzigen Skalpell die verbleibenden Knöpfe aus dem Samt, ohne diesen zu beschädigen und nutzte die alten Einstichlöcher um die neuen Knöpfe anzubringen. Auf der Innenseite hatte sie jedoch für die Stabilität, damit nicht noch ein Knopf abriss und den feinen Stoff womöglich noch weiter beschädigte, einen schmalen Steg gesetzt der so den Halt gewährleistete. Das ganz hatte nicht mal ganz eine halbe Stunde gedauert und als sie fertig war, war sie durchaus mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie hielt die Hose hoch, schaute sich nach dem Kleidersack um, den Iryan hatte fallen lassen und bettete den weichen Samt wieder dort hinein. Ein letztes abschließendes Streicheln schloss den Sack und Sarin war fertig.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 28. November 2019, 15:37

Manchmal war das Leben von Handwerkern oder selbst armen Schluckern einfacher. Sie besaßen entweder gar nichts, außer der Frage, wie sie für den heutigen Tag ihren Magen füllen konnten oder sie verdingten sich mit einem simplen Leben, das ihr Handwerk und als größte Ziele wohl Ehe und Nachkommenschaft beinhalteten. Aber für beide Gesellschafstschichten galten nicht die formellen Regeln, an die sich Mitglieder des Adels zu halten hatten. Etikette war unter einfachen Nachtelfen etwas, das sie mit dem üblichen Gruß oder einem freundlichen Lächeln verbanden. Gerieten Fronten jedoch aneinander, so sprach man die Zwistigkeiten offen an. Man warnte auch direkt.
Eine noble Schneiderin wie Sarin Kasani konnte diese Privilegien nicht genießen. Sie durfte es sich weder erlauben, ihren Gegenüber auf die indirekte Drohung einfach anzusprechen, noch ihm offen mit einer Gegendrohung kontern. Nein. Selbst diese Form der Kommunikation war durch die Etikette des Adels vorgegeben. Glücklicherweise bewegte Sarin sich darin wirklich gut. Sie wusste, auf eine Warnung zu reagieren, ohne sich sofort den Zorn des gesamten dunkelelfischen Hauses zuzuziehen.
Iryan lauschte ihren Worten und ... schmunzelte. Nicht offen spöttisch, es lag eher eine bizarre Version von Mitleid darin. Dunkelelfen kannten das Gefühl nicht, wenn man den Gerüchten glauben mochte. Iryan schien also entweder eine Ausnahme seines Volkes zu bilden oder man sollte nicht alles für bare Münze nehmen, was man sich über die dunklen Spitzohren so erzählte.
"Ihr seid niedlich", erwiderte er ohne Scham. Dann übergab er Sarin die Beinkleider und blieb auf ihr Geheiß hin an Ort und Stelle stehen. Es sollte nicht lange dauern? "Ihr seid auch schnell", fügte Iryan daraufhin an. Seine Neugier war geweckt und innerlich jubelte wohl ein Teil von ihm vor Erleichterung. Denn er wäre in der Lage, die Hose sofort repariert zu seinem Herrn zurückzubringen. Damit könnte er mehr in dessen Gunst stehen, als kehrte er nur mit der guten Nachricht zurück, dass sich jemand um den Stoff kümmerte. So zeigte der Elf sich geduldig.
Sarin machte sich sogleich an die Arbeit. Besser, es wäre jetzt noch erledigt, als wenn sie damit erst Tags darauf begann. Unter diesen Umständen könnte sie zwar heute endlich den Feierabend einläuten, andererseits müsste sie morgen sehr früh aufstehen oder unter höherem Zeitdruck arbeiten. Morgen Abend sollte der Ball doch schon stattfinden! Nein, nein, die Hose des dunkelelfischen Edlen konnte nicht warten! Und es handelte sich tatsächlich nur um eine Kleinigkeit, die im Handumdrehen gerettet war, bedachte man den übrigen Arbeitsplan der Schneiderin.
Iryan ließ sich in all der Zeit weder dazu bewegen, mit der schweren Prunkrüstung Platz zu nehmen, noch seine Position anderweitig zu verlassen. Er schaute sich nicht einmal groß in der Schneiderstube um. Ein geübtes, wachsames Auge wusste, was es an Informationen durch wenige, umher schweifende Blicke ins Auge fassen musste. Diese hatte er schnell vollführt und starrte danach vor sich ins Nichts oder sah Sarin bei der Arbeit zu. Auch schwieg er, solange sie ihn nicht ansprach. Ganz der Soldat. Stillstehen und Schweigen, das gehörte zu ihrem Alltag. Der Elf ließ sich nicht einmal von ihrem Magen irritieren, welcher mit zunehmender Stunde entweder häufiger oder aber energischer aufknurrte. Dann, als sich in ihm bereits dieses flaue Hungergefühl bemerkbar ausbreitete, war sie endlich fertig.
Ein prüfender Blick über ihre Arbeit verriet ihr, dass es nichts gab, woran der Fürst sich hätte empören können. Die Naht befand sich wieder in einwandfreiem Zustand und Sarins gewählte Knöpfe machten einen noch besseren Eindruck als ihre Vorgänger. Diese konnte sie nun behalten und vielleicht anderweitig einsetzen. Möglicherweise fanden sie sogar noch an einer Hose für den Ball Verwendung, dann aber unter anderem Träger. Im besten Fall würde so einer der Dunkelelfen auf die heimatliche Machart der Knöpfe aufmerksam und ein Gespräch entstand, dem sogar gute Beziehungen folgen konnten. Die kleinen Details im Leben waren es, die Steine oftmals erst ins Rollen brachten und allein der Gedanke an die unzähligen Möglichkeiten, die sie aus einem neu angenähten Hosenknopf ergeben mochten, reichten aus, um das Herz einer Schneiderin wie Sarin vor Aufregung flattern zu lassen. Jetzt jedoch war es eher ihr Magen, der wild nach Aufmerksamkeit schrie. Nein, er knurrte und das ausgerechnet in jenem Moment noch einmal, als sie die reparierten Beinkleider in ihr Schutzleinen verpackt und Iryan zurückgereicht hatte. Der Soldat grinste schief auf.
"Ihr solltet Euch nun eine Mahlzeit gönnen", schlug er vor. Höflicher und wesentlich garlanter wäre es wohl gewesen, wenn er sie nun zum Essen eingeladen hätte. Vielleicht sogar als Dank, aber Sarin würde verstehen, dass dies nicht seine Entscheidung war. Sie wusste nicht, ob er einfach nicht gewillt war oder keine Freizeit für ein gemeinsames Essen aufbringen konnte. Möglicherweise fehlte ihm auch das nötige Geld. Außerdem kannte er sich im Reich der Nachtelfen sicherlich noch nicht weitgehend aus, um ein Gasthaus oder eines der kleinen Restaurants zu finden, in denen Sarin gern einmal speiste. Manche davon vermochten es, aus den unliebsamten Wildpilzen der Höhlen wahre Köstlichkeiten zu zaubern. So wie es Sarin immer wieder gelang, aus einfachem Stoff einen Blickfang herzustellen.
"Ich danke Euch, auch im Namen meines Herrn", lenkte Iryan ihre Gedanken in die Realität zurück. Er verneigte sich erneut leicht, soweit es die Rüstung zuließ. "Ich werde in meinem Bericht vor allem Euren Umgang mit mir und die Schnelligkeit Eures Schaffens würdigen. Erwartet eine entsprechende Gegenleistung ... ob Ihr wollt oder nicht." Er zwinkerte nicht, aber seine Augen blitzten auf. Sie würde nicht umhin kommen, einen Lohn entgegen nehmen zu müssen. Wahrscheinlich war Raikhyn von Blutsdorn ein Sturkopf, der sich davon mit Biegen und Brechen nicht abbringen ließ. Es hieß, abzuwarten. In der Zeit sollte Sarin dem Vorschlag des Dunkelelfen nachgehen und sich eine Mahlzeit, dann aber vor allem Schlaf gönnen. Morgen stand noch eine Menge Arbeit vor ihr und erst wenn alll in ihren Meisterwerken wie bestickte Blüten, kleiner Winterkristalle aus Bausch oder von Nebeltau benetzte Feenschleier über das Parkett schwebten, wäre Sarin in der Lage, wirklich einmal auszuruhen.
"Möge Manthala Euch segnen", verabschiedete sich Iryan und verließ kurzerhand die Schneiderstube. Sein schwerer Gang wurde draußen sogleich von den teuren Teppichen im Gang geschluckt. Geschafft. Es herrschte Stille in der Schneiderstube Kasani.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Donnerstag 28. November 2019, 18:42

"Ihr seid niedlich"
, erwiderte er ohne jede Scham und Sarin zog überrascht ob dieser Betitlung die Bauen hoch. Man hatte sie schon einiges genannt...aber noch nie niedlich! Sie blinzelte ein paar mal schnell und vielleicht bekamen die Spitzen ihrer Ohren eine etwas dunklere Farbe. Iryan übergab ihr indes die Beinkleider und blieb auf ihr Geheiß hin an Ort und Stelle stehen, während sie sich eilig an die Arbeit machte.
"Ihr seid auch schnell."
Das muss ich auch sein.
Besser, es wäre jetzt noch erledigt, denn morgen Abend sollte der Ball stattfinden! Nein, nein, die Hose des dunkelelfischen Edlen konnte nicht warten! Und es handelte sich tatsächlich nur um eine Kleinigkeit, die im Handumdrehen gerettet war, dachte sie an ihren übrigen Arbeitsplan. Eilig flogen die Finger über das feine Material.
Der Dunkelelf zeigte sich derweil geduldig. Iryan ließ sich in all der Zeit weder dazu bewegen, mit der schweren Prunkrüstung Platz zu nehmen, noch seine Position anderweitig zu verlassen. Ganz der Soldat, der er war. Stillstehen und Schweigen, das gehörte zu seinem Alltag. Sarin genoss fast seine stille Gesellschaft ein bisschen. Es war merkwürdig, aber selten hatte sie sich so beschützt gefühlt.
Wenn jemand an ihm vorbei würde wollen, … Womöglich um an die Hose seines Herrn zu kommen... oder nur um mich bei der Arbeit zu stören, er würde allem mutig entgegen treten und...
Was für ein Unsinn ich da denke!!! ... das ist die Müdigkeit.

Ein letzter prüfender Blick über ihre Arbeit verriet ihr, dass es nichts gab, woran der Fürst sich hätte empören können. Die Naht befand sich wieder in einwandfreiem Zustand und Sarins gewählte Knöpfe machten einen noch besseren Eindruck als ihre Vorgänger. Just knurrte ihr Magen, als sie die reparierten Beinkleider in ihr Schutzleinen verpackt und Iryan zurückgereicht hatte. Der Soldat grinste schief auf.
"Ihr solltet Euch nun eine Mahlzeit gönnen."
, schlug er vor.
Hätte ich längst, wenn ihr nicht gewesen wäret...
Sarins Gedanken wurden langsam schnippischer, da der Hunger an ihnen nagte, aber sie vermied es tunlichst auch nur eine Andeutung in diese Richtung zu machen. Sie lächelte nur dankbar für diesen Vorschlag und machte eine kleine Verbeugung.
Höflicher und wesentlich galanter wäre es wohl gewesen, wenn er mich jetzt zum Essen einladen würde...
Wo kam dieser Gedanke nur her? War es allein der Hunger oder auch die Neugierde auf den Mann, bzw. das fremdartige Volk? Aber Sarin wusste, dass dies nicht seine Entscheidung war. Er war ein Untergebener wie sie. Möglicherweise fehlte ihm auch das nötige Geld und ganz gewiss kannte er sich im Reich der Nachtelfen noch nicht aus, um ein Gasthaus oder eines der kleinen Restaurants zu finden, in denen Sarin gern einmal speisen würde. Sarin träumte grade von feinem Pilzragout, als er sagte:
"Ich danke Euch, auch im Namen meines Herrn."
Er verneigte sich erneut leicht, soweit es die Rüstung zuließ.
"Ich werde in meinem Bericht vor allem Euren Umgang mit mir und die Schnelligkeit Eures Schaffens würdigen. Erwartet eine entsprechende Gegenleistung ... ob Ihr wollt oder nicht."
Er zwinkerte nicht, aber seine Augen blitzten auf.
Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen, oder besser schnell die Stadt verlassen sollte.
Sarin sah ihn mit großen Augen an und hatte ein flaues Gefühl in der Magengegend, dass sie aber auf den Hunger schob. Sie würde nicht umhin kommen, einen Lohn entgegen nehmen zu müssen.
"Möge Manthala Euch segnen."
, verabschiedete sich Iryan und verließ kurzerhand die Schneiderstube.
„Euch auch eine gute Nacht, Iryan Ferndall.“
Sie sah ihm noch einen Moment wie in Trance hinterher, was der nun, nach getaner Arbeit, schlagartig aufkommenden Müdigkeit geschuldet war. Sarin schloss die Tür und verriegelte das Schloss von innen.
Geschafft...
Es herrschte Stille in der Schneiderstube Kasani und nach dem geschäftigen Treiben des Tages summte der Tag noch in ihren Ohren und Händen nach. Sie lehnte mit dem Rücken an der Tür und atmete ein paar mal betont langsam ein und aus. Normaler Weise ging sie nach solch anstrengendem Tagwerk gern nach Hause und gönnte sich ein Bad, wenn es die Zeit erlaubte. Heute aber war sie selbst dafür zu müde. Sarin lebte ja sowieso schon fast im Anwesen der Herrin, also holte sie eine Decke unter der Couch hervor und bereitete sich ihr provisorisches Bett, dass sie schon einige Male hier errichtet hatte. Sie wollte sich gerade entkleiden, da trieb sie aber der Hunger doch noch schnell einmal zur Küche. Ihr Magen knurrte laut und so ließ sie die Bänder ihres Mieders wieder los.
Es bringt nichts. Ich muss was Essen, sonst schaffe ich den Tag morgen nicht! Los Sarin! Ein kurzer Ausflug in die Küche und dann ab ins Bett...
So schloss sie die Tür noch einmal auf und beeilte sich dem Ruf des Herdes zu folgen.
Für das Personal war die Küche der Dreh- und Angelpunkt des Lebens. Hier wurden die neusten Informationen ausgetauscht, gelacht, geschäkert, Freundschaften wurden geschlossen und manchmal auch beendet und nebenbei wurde natürlich auch gegessen. Da niemand hier je zu der selben Zeit erschien, da sich ja alles nach dem Rhythmus der hohen Gesellschaft drehte, hing immer ein Topf mit Suppe über der Glut und manchmal fand man auch dunkles Brot, weiche Butter oder harter Käse, die gelegentliche Gaumenfreuden, die das Personal bei Kräften hielt. Sarin war mit gesenkten Kopf durch die Flure geschlichen, holte sich nun so schnell es ging einen Kanten zum Dippen und eine Schale Suppe und machte sich dann auch schon wieder davon. Die Gespräche der Mägde waren zwar immer interessant und ihre Ohren sonst gespitzt, doch heute rief das Sofa ihrer Schneiderstube lauter als das Geschnatter der fleißigen Hände des Anwesens. Vielleicht blieb etwas in ihrem Unterbewusstsein hängen, Worte, an die sie sich später erinnern konnte, aber Hunger und rechtschaffene Müdigkeit waren jetzt einfach stärker.
So kam Sarin wieder zurück, schloss abermals auf, aß schnell und etwas hastig, was einen kleinen Husten herbei rief, versteckte dann nachdem sie fertig war das Geschirr vorsorglich unterm Tisch, falls morgen früh sie die Kunden überraschen würden. Dann hing sie das kleine Schild mit der Aufschrift:
**
Anprobe
Bitte anklopfen und haben sie
etwas Geduld.
**
an die Türklinke und schloss nun die Tür ein letztes Mal ab. Danach zog sie ihr Kleid aus, um nur im Unterkleid gewandet, schnell unter die Decke zu schlüpfen. Ihr Kopf hatte kaum das kleine Sofakissen berührt, da kam schon Manthalas Segen über sie.

Nicht mal im Schlaf nahm sich Sarin Zeit für Träume.

Die Geräusche des erwachenden Haushaltes weckten auch Sarin und hoffentlich gerade noch rechtzeitig um sich gerade so zurecht zu machen, bevor die ersten Kunden eintrafen. Dann konnten schon die nächsten kleinen und großen „Katastrophen“ über sie herein brechen. Die Hilfsschneider vom Vortag mussten an den neuen Kleidern eingewiesen werden und die Liste ihrer selbst zu erledigenden Dinge war lang und zeitaufwendig. Irgendwann „drohte“ auch noch eine Belohnung für sie einzutreffen, aber Sarin hatte kaum noch Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Auch ein Frühstück zwischendurch wäre schön, aber wer den Hof kannte, der rechnete nicht zu fest damit. Die Nadeln stachen durch feinste Stoffe, säumten Röcke und Ärmel, rafften Schösse und zurrten Ab-näher fest. Um so weiter der Tag voran schritt, um so mehr spürte auch Sarin die Aufregung des kommenden Balls. Ganz auf ihre eigene Weise war sie dabei und jedes fertige Gewand, dass ihre Hände verließ, würde dort ihre Kunstfertigkeit weiter tragen. Mit Spannung erwarteten alle den großen Moment.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 22. Dezember 2019, 17:42

Die Nacht in der Schneiderstube forderte ihren Tribut. Zwar hatte Sarin auf ihrem Sofa schon häufig die eine oder andere Nacht verbracht, doch nicht, wenn am Vorabend alles so hektisch verlaufen war. Vielleicht ließ sich die Verspannung ihres Nackens und der Schultern aber auch auf die Aufregung zurückführen, die sich langsam ebenso in ihr breit machte. Selbst, wenn sie nicht aktiv am heutigen Ball teilnehmen würde, ihre Nähkünste präsentierten sich dort mit jedem geschwungenen Kleid und bei jeder Verbeugung eines adligen Nachtelfen. Wie viele zauberhafte Blumen der Oberwelt mochten heute von mutigen Sammlern gepflückt worden sein, um am Revert eines Anzugs zu landen, dem sie mit Nadel und Faden den letzten Schliff verpasst hatte? Wie viele Augen ließen sich von einer Samtschärpe ihres eigenen Stils in Bann ziehen? Wie viele Männer schauten einer Elfe in feinster Spitze nach, die Stunden zuvor noch ihre eigenen Finger berührt hatte?
Sarin befände sich mitten unter den Tanzenden, den Tuschelnden und den koketten Plaudereien bei Wein und winzigen Häppchen. Ihr Name würde mehrmals fallen an dem Abend, da war sie sich sicher. Ob auch der dunkelelfische Auftraggeber, dieser Raikhyn von Blutsdorn, über sie sprechen würde? Darauf hatte sie keine Antwort und im Grunde nicht einmal Zeit, längerfristig darüber nachzudenken. Denn nach dieser kurzen Nacht folgte ein ereignisreicher Morgen mit viel Arbeit.
Sarin wies ihre helfenden Hände der Base Lucil eilig, aber so sorgfältig als möglich, ein. Zum Glück waren es keine blutjungen Anfänger. Viele fassten die Aufgaben schnell auf, die vor ihnen standen und so dauerte die Einarbeitung weituas weniger lang als die Schneiderin anfangs befürchtet hatte. Das war gut. Sie alle gewannen Zeit, in der sie sich größeren Problemen widmen konnten. Über Langeweile konnte Sarin sich an diesem Morgen nicht beschweren. Einzig über ein fehlendes Frühstück hätte sie klagen können, denn sie kam nicht einmal dazu, eine Tasse nachtschwarzen Tee zu sich zu nehmen, den eine ihrer Helferinnen aufgebrüht hatte. Nein, sie war zu beschäftigt. Es hab zu viel zu tun und selbst heute strömten noch einige Nachtelfen in ihre Stube, um letzte Änderungen in Auftrag zu geben.
Sarin konnte nicht für alle da sein und musste tatsächlich ein paar enttäuschte Gesichter unter ihrer Kundschaft wieder mit den ungeänderten Kleidungsstücken nach Hause schicken. Wer sich zu viel Zeit ließ, der musste mit den Konsequenzen leben. Letztendlich musste aber auch Sarin mit ihrer Zeit kalkulieren können. Zu allem Ja zu sagen, hätte sie unnötig unter Druck gesetzt und zur Folge, dass sämtliche Arbeiten weniger sorgfältig getan werden konnten. Das schadete dem Ruf und den durfte sie nicht riskieren. Inzwischen befand sie sich als Schneiderhin innerhalb des Palastes in einer zu hohen Position, als dass sie sich solche Schnitzer erlauben durfte. Dann hieß es, sich für ... weniger wichtige Kunden rar zu machen. Das konnte auch ein Vorteil sein. Ihre Zeit, ihre Werke und jedem, den sie sich zuwandte, würde teurer auf die Waagschale des Erfolges gelegt werden. Für manche mochte ihr Verhalten arrogant herüber kommen, aber andere schätzten ihre Unnahbarkeit, die aus ihrer einflussreichen Stellung geboren war. Allen konnte sie es ohnehin niemals Recht machen.
Doch auch darüber nachzudenken blieb ihr am heutigen Morgen keine Zeit. Tatsächlich konnte Sarin sich überhaupt erst der Notwendigkeit einer Pause bewusst machen, als ihr Magen sich zu einem flauen Ball verformte und ein lautes Aufknurren ertönen ließ, das einige ihrer Helferinnen und Helfer zum Kichern brachten. Nur die fingerfertige Elfe Estellia mit den blassen Pausbacken und den großen, neugierigen Augen bat Sarin voller Sorge: "Oh, Ihr solltet wirklich eine Pause einlegen. Wenn Ihr uns zusammenbrecht, haben wir alle mehr Probleme - ganz zu schweigen von Eurer Gesundheit. Bitte, hört auf Euren Magen, Herrin!"
Noch ehe Sarin sich jedoch für eine Option entscheiden konnte, wurde ihr diese schon abgenommen. Zumindest, was eine Verschnaufpause betraf. Ob sie sich in der Zeit einen Happen gönnte, blieb noch offen. Aber die kleine Glocke ihrer Tür klimperte, als ein vertrautes Gesicht die Stube betrat. Lariels weite Schritte führten ihn flugs in die Schneiderei und mit einem Lächeln auf den Lippen suchte sein Blick nach Sarin. Gleichzietig wedelte der Elf mit einem goldenen Umschlag. Allein die Farbe genügte als Signal, den Absender erkennen zu lassen. Nur der Palast höchstselbst sandte goldene Umschläge aus. Lariel bestätigte es keinen Wimpernschlag später.
"So sieht man sich wieder! Geschätzte Frau Kasani, ich habe einen Brief von der Stadtherrin selbst. Ihr wisst, was das heißt: Alles stehen und liegen lassen. Ihr habt eine Nachricht zu lesen." Sein Auflachen ließ auch noch den letzten Helfer neugierig aufschauen. Sie alle waren gespannt, welche Nahricht die regierende Méntara Tronás für ihre angesehene Schneiderin hätte. Lariel bemerkte die aufgekommene Stille. Er spähte zu den anderen Nachtelfen und neigte sich dann erneut Sarin entgegen, um deutlich leiser zu wispern: "Vielleicht zieht Ihr Euch für den Brief in ein Hinterzimmer zurück. Ich will gern hier warten, solltet Ihr eine Antwort verfassen wollen."
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Dienstag 24. Dezember 2019, 10:50

Was für ein Morgen!
Sarin massierte sich einen Moment lang ihren schmerzenden Nacken, aber da kamen schon die Helfer. Es gab viel zu tun und ihr Fleiß würde belohnt werden. Der Moment, in dem ihr hungriger Magen laut protestierte, der war Sarin schon ein wenig peinlich.
Wann habe ich das letzte mal was gegessen?
, fragte sie sich in Gedanken, als Estellia mit den blassen Pausbacken und den großen, neugierigen Augen Sarin voller Sorge bat:
"Oh, Ihr solltet wirklich eine Pause einlegen. Wenn Ihr uns zusammenbrecht, haben wir alle mehr Probleme - ganz zu schweigen von Eurer Gesundheit. Bitte, hört auf Euren Magen, Herrin!"
Sarin schenkte ihr ein dankbares Lächeln für ihre Sorge. Noch ehe Sarin sich jedoch für eine Pause entscheiden konnte, wurde ihr diese Option schon abgenommen. Irgendwann würde sich das alles rächen, wenn sie nicht auf sich Acht gab. Die kleine Glocke ihrer Tür klimperte, als ein vertrautes Gesicht die Stube betrat. Lariels weite Schritte führten ihn flugs in die Schneiderei und mit einem Lächeln auf den Lippen suchte sein Blick nach Sarin. Er fand sie am Pult stehend und Maße berechnen. Er wedelte mit einem goldenen Umschlag. Allein die Farbe genügte als Signal, den Absender erkennen zu lassen.
Oh...
Sofort strafften sich Sarins Schultern noch ein wenig mehr. Nur der Palast höchstselbst sandte goldene Umschläge aus. Lariel bestätigte es keinen Wimpernschlag später.
"So sieht man sich wieder! Geschätzte Frau Kasani, ich habe einen Brief von der Stadtherrin selbst. Ihr wisst, was das heißt: Alles stehen und liegen lassen. Ihr habt eine Nachricht zu lesen."
Sein Auflachen ließ auch noch den letzten Helfer neugierig aufschauen. Sie alle waren gespannt, welche Nachricht die regierende Méntara Tronás für ihre angesehene Schneiderin hätte. Lariel bemerkte die aufgekommene Stille. Er spähte zu den anderen Nachtelfen und neigte sich dann erneut Sarin entgegen, um deutlich leiser zu wispern:
"Vielleicht zieht Ihr Euch für den Brief in ein Hinterzimmer zurück. Ich will gern hier warten, solltet Ihr eine Antwort verfassen wollen."
Sarin nickte ihm freundlich zu und nahm den goldenen Brief an sich. Ein wirkliches Nebenzimmer gab es nicht in der Schneiderstube. Es gab aber einen Bereich zwischen den Regalen mit Stoffproben, wo sie unbeobachtet sein konnte. Hier konnte sie sicher sein, dass ihr niemand über die Schulter sah um das vertrauliche Schreiben zu öffnen. Die geräumige Ankleidekabine hinter dem schweren Vorhang wäre auch noch eine Möglichkeit, aber das wäre schon etwas übertrieben. So nahm Sarin das Bedeutungsschwere Papier an sich und zog sich zwischen Knöpfe, Garn und Stoffballen zurück.
Wie immer erfasste sie eine leichte Aufregung, wenn von höchster Stelle Nachrichten kamen, aber inzwischen zitterten ihre Finger dabei auch nicht mehr. Ruhig atmend öffnete sie den Brief und las...

Ihrer Miene war keine Regung zu entnehmen. Im Laufe der Jahre hatte sie sich diese Maske zu eigen gemacht. Es war nicht schicklich. Mit einer fließenden Bewegung steckte sie den Brief in ihre Rocktasche und wandte sich höflich lächelnd zu Lariel. Gab es eine Antwort zu schreiben? So würde sie an ihr Pult treten und ggf. zu neugierige Helfer an weiter entfernte Arbeiten dirigieren. Diskretion ging hier vor und war Sarin sehr wichtig. Oder sollte sie zu ihr kommen? Dann würde sie die beste Schneiderin (vermutlich Estellia) mit ihrer Vertretung beauftragen, schnell ein paar letzte Anweisungen geben und alle noch mal ernst anblicken, damit sie sich auch wirklich Mühe gaben.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 1. Januar 2020, 01:18

Als Sarin sich zurückzog, empfingen ihre spitzen Ohren noch das Klatschen Lariels und seine Aufforderung an die Helfer: "Genug pausiert, meine Lieben! Ihr habt zu arbeiten. Wir alle. Der Ball steht bevor und jeder sollte sich von seiner besten Seite zeigen. Husch, husch!" Dass er selbst sich nun eine Pause gönnen konnte, während er auf eine mögliche Antwort Sarins wartete, ließ der gut gelaunte Bote einstweilen unter den Teppich fallen. Ohnehin würde ihm niemand seine faule Minute ansehen. Lariel besaß die Gabe, selbst dann vollauf beschäftigt und eifrig auszusehen, wenn er lässig an einer Wand lehnte. Wenigstens behielt er so die Schneidereigehilfen etwas im Auge und ihre eigentliche Vorgesetzte konnte sich dem Umschlag widmen. Nicht nur jener war golden. Der Brief - teures Papier, kostbar und gefertigt wohl in den Werkstätten der Palastschreibstuben - wies eine kunstvolle Goldborte auf, in der sich das Wappen des Nachtelfenreiches wiederfand. Der Tinte hatte man einen zusätzlichen Farbstoff verpasst, so dass sie ein wenig purpur schimmerte, wenn man das Papier im richtigen Winkel hielt. Die fein geschwungene Schrift stammte nicht von Méntara Tronás. Sie schrieb nicht, sie ließ schreiben. Aber Sarin erkannte ihren Stil in den Formulierungen wieder. Es war wirklich eine Nachricht ihrer Herrin.

Meine geschätzte Dienerin des Hofes,
Sarin Kasani vom Hause Kasani,

ich schreibe Euch sicherlich nichts Neues, wenn ich direkt auf den bevorstehenden Ball zu sprechen komme. Er wird zu Ehren und Empfang Gesandter aus dem Reich der Dunkelelfen, Orks und Goblins gehalten. Wir haben Besuch aus Morgeria und Adlige der dunklen Stadt höchststelbst hat es in unsere Heimat geführt. Es steht außer Frage, dass ein jeder auf meinen Befehl hin, sich von seiner adretten Seite zu zeigen hat. Alles andere wird mit Schmach bestraft.
Mit Freude und Anerkennung an Eure Arbeit teile ich Euch mit, dass Ihr Euren Beitrag bereits geleistet habt. Mich erreichte die Kunde über einen Zwischenfall, in dem Eure geschickte Hand die Rettung eines Dunkelelfenfürsten beinhaltete. So will ich nicht nur seiner Bitte nachkommen, nein, es ist auch mir ein Anliegen, dass er Euch persönlich kennen lernt.
Eine offizielle Einladung als Ehrengast auf den heute Abend stattfindenden Ball liegt dem Umschlag bei. Eine Absage wird nicht geduldet. Ich erwarte Euch pünktlich, wenn die Nachtpilze unserer Höhlen am hellsten zu leuchten beginnen. Ihr werdet den Abend an meiner Seite und in Gesellschaft unserer Gäste verbringen.
Natürlich dürft Ihr für den damit verbundenen Arbeitsausfall eine finanzielle Entschädigung erwarten, zuzüglich der Chance, Kontakte zu unseren dunklen Verwandten knüpfen zu können. Zu diesem Anlass stelle ich eine letzte Forderung an Euch: Tragt das Kleid, Ihr wisst, welches ich meine. Gerüchte und geheimnisvolle Legenden sind bei Hofe gern gesehen. Allein die Geschichte Eures mystischen Fluches wird das Interesse wecken und von anderen Dingen ablenken. Seid mir eine vielversprechende Braut ohne Versprochenem an diesem Abend.
Ich erwarte keine Rückmeldung, sondern Euch heute an meiner Seite.

Manthalas Rose seidig auf Eurer Zunge, Ihr Eulenfederkleid Euch ein Gewand aus Weisheit und Erfolg.

Méntara Tronás,
Stadtherrin des Reiches der Nachtelfen
Schriftrolle Fuss
Dem Brief lag wirklich ein weiteres Papier bei. Es war erneut mit einer Goldborte umrandet, besaß aber ein mit Wachs befestigtes Siegelband, ein Zeichen für seine Echtheit. Darauf ließ sich deutlich Sarins Name erkennen und dass sie als Ehrengast am Ball und Empfang der dunkelelfischen Abgesandten geladen sei. Einlassbedingung war allerdings ihr verfluchtes Brautkleid, dies stand gesondert in einer Zeile knapp unterhalb der Unterschrift des Schreibers, der die Einladungen im Auftrag ihrer gemeinsamen Stadtherrin verfasst hatte.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Mittwoch 1. Januar 2020, 16:56

Das feine Papier in den Händen, der Goldschnitt, die purpurnen Letter...

...Méntara Tronás,
Stadtherrin des Reiches der Nachtelfen
Schriftrolle Fuss
Sarin hatte jedes Wort gelesen und mit den Silben setzte sich auch der Sinn zu einem Ganzen zusammen. Ein Sinn, der Sarin nicht tiefer hätte treffen können und so geschah das, was sich die Tochter des Hause Kasani sonst niemals bewusst erlaubt hätte.
Ihr Blick wanderte in die Ferne einer schon fast verblassten Erinnerung und ihren Fingern entglitt das Schreiben. Die zwei Papierstücke segelten unbemerkt und still wie fallende Federn zu Boden. Einen Atemzug lang erstarrte die Welt um sie herum, die Hand noch ausgestreckt, als würde sie noch lesen, wanderten ihre Gedanken zu dem schrecklichen Moment, zu jenen Stunden, die ihr Leben so nachhaltig geprägt hatten. Bilder von fließender Seide und fließendem Blut vermischten sich zu jenem Albtraum, den sie hatte gehofft vergessen zu haben. Doch es war alles noch da.
Lebendig wie zu vor, sah sie das Gesicht ihres Geliebten, die Gesichter ihrer Familie, ihres Onkels, der Gäste, der Priesterin... und alles drängte mit Gewalt wieder an die Oberfläche. Einen Atemzug lang verlor sich Sarin in dem Leid, dem Entsetzten, welches sie damals in eben so einem Moment voller Panik empfunden hatte. Sie fühlte die Enttäuschung die so viel mehr war als nur dieses eine Wort beschreiben konnte. Sie war zurückgewiesen worden, verloren, gedemütigt, klein, ungeliebt und verflucht... Sie schluckte heftig.
Sarin sah auf ihre leere Hand. Schnell bückte sie sich nach den Lettern, die ihr gerade so schicksalshaft, erneut ihren Fluch vor Augen geführt hatten und hob sie eilig auf. Der glückliche Umstand, dass Lariel für einen unbeobachteten Moment gesorgt hatte, die Schneidergehilfen beschäftigt und angetrieben hatte, kam ihr nun ungewollt zu Gute. Alle gingen ihrer Arbeit nach und zwischen den Regalen konnte Sarin sich einen Moment nehmen um sich zu sammeln. Mit der Einladung in der Hand hielt sich sich an einem der Regale gedankenverloren fest und überflog das Schreiben erneut.
Dies ist keine Einladung. Dies ist ganz klar ein Befehl, dem ich Folge zu leisten habe... in einer Intrige, in der ich als „Ablenkung“ zu fungieren habe ...für meine Herrin.
, fasste Sarin kurz und sachlich in Gedanken zusammen.
Nur warum muss es DAS Kleid sein?!?! Ach verflu.... Ach Mist! Genau das ist ja das Problem, dass Méntara für sich nutzen will. Es soll „...von anderen Dingen ablenken.“ Ich bin ein Manöver, eine Figur in ihrem politischen Spiel. Ich bin... Es... es ...es nützt nichts darüber zu hadern.
Sarin seufzte leise. Das die Herrin des Nachtelfenreiches sich ihres persönlichen Schicksals bediente, war ihr gutes Recht und Sarin war eine treue Vasallin. Das ungute Gefühl, dass der Elfe jede Farbe aus dem Gesicht getrieben hatte, das blieb jedoch. Zu gern hätte sie geglaubt, ja sogar gehofft, dass Méntara Tronás ihre ergebene Gefolgschaft würdigte und sie deswegen schützen würde, doch nun gewannen die Zweifel die Oberhand. Ihren Fluch dazu zu benutzen um die Gesandten Morgerias zu beschäftigen, das war...
...Es ist ihr gutes Recht!
, rief sich Sarin zur Ordnung.
Ich diene meinem Land, meiner Herrin.
Sie starrte noch einmal auf die fast persönlichen klingenden Zeilen, die den klaren Befehl enthielten.
Sie wird ihre Gründe haben... Ich werde also auf Geheiß meiner Herrin, Fürst Raikhyn von Blutsdorn persönlich kennen lernen und meine „verfluchte“ Geschichte soll Teil dieses Treffens sein.
Ihr Magen krampfte sich um das wenige, dass sie gegessen hatte.
Mist! Mist! Mist! „...eine Absage wird nicht geduldet...zur Stunde, an der die Pilze am hellsten...“...Mist!
Sarin überschlug die Zeit, die sie bis dahin noch hatte und wusste sofort, dass es knapp werden könnte. Sie musste die meisten Arbeiten sofort weg delegieren um sich selbst noch rechtzeitig fertig machen zu können, um für den Ball an der Seite ihrer Herrin präsentabel zu sein. Sie atmete noch einmal tief durch, bevor sie sich umdrehte und mit Professionalität und einem höflichen Lächeln an die Arbeit ging.
„Estellia, bitte habe ein Auge auf alles. Ich muss mich um andere Dinge kümmern. Schneide diese Stoffe noch nach diesem Muster dort drüben zu und der Saum muss noch angerechnet werden...“
Sie wanderte eilig umher und zeigte auf Stoffe und Kleider.
„.. Hier sind nur noch die Spitzenborten anzubringen und bei diesem Gehrock muss diese Naht ausgelassen werden...“
Mit Routine und Souveränität gab die Schneiderin des Hofes schnell und zielgerichtet alles, was noch zu tun war, auf den Weg. Sie hatte es nun nicht mehr in der Hand, was geschehen würde. Fehler waren vorprogrammiert, aber war nun nicht mehr zu ändern. Auch solche Zeiten hatte Sarin schon überstanden und mit Charme und Höflichkeit später wieder ausgebügelt. Kleine Kostbarkeiten und Geschenke, oder ein paar unentgeltliche Arbeitsstunden halfen dann die Stimmung wieder ihr wohlgesinnt werden zu lassen und ihren Namen aufzuwerten. Manche wollten auch einfach nur ein bisschen „meckern“ und auch diesen Kunden wurde volle Aufmerksamkeit geschenkt. Doch das alles rückte jetzt in den Hintergrund.
Nachdem sie soweit alle Arbeiten verteilt hatte und sie halbwegs guten Gewissens ihre Zeit nun anders nutzen konnte, machte sich Sarin auf den Weg ihr „verfluchtes“ Hochzeitskleid zu holen. Einen kleinen Moment hatte sie tatsächlich nachdenken müssen, wo es eigentlich war, doch dann war es ihr wieder eingefallen. Es lag in einer gut verschlossenen Kiste, deren Schlüssel sie auch noch aus einem Versteck holen musste, im Haus ihres Onkels unter ihrem Bett. Sie musste ohnehin dort hin. Hier im Palast konnte sie sich nicht vorbereiten. Ein Bad stand auf ihrem Programm, die Inspektion des Kleides selbstverständlich, Haare, Schmuck, … zurück zum Anwesen und noch mal in die Schneiderstube nach dem Rechten sehen, dann allen danken, sie in den wohl verdienten Feierabend schicken und sich dann sich selbst ankleiden. Zwischendurch noch etwas essen wäre auch nicht schlecht, oder einen Moment der Ruhe zur Besinnung, aber sie rechnete nicht damit, dass dies auch möglich wäre.
Am schwersten würde der Moment des Ankleidens werden, das wusste sie jetzt schon. Nicht aus pragmatischen Gründen. Das Kleid war so schlicht geschnitten und funktionell, dass sie dafür keine Hilfe benötigte. Sie konnte hinein schlüpfen wie in ein langes Nachthemd... aber die emotionale Überwindung bereitete ihr jetzt schon einige Bauchschmerzen.
Bleib ruhig... bleib ruhig... Es wird schon alles gut gehen... Hm... berühmte letzte Worte... Ach, Mist!
Soweit der Plan. Wenn alles gut ging, dann würde sie kurz vor Mitternacht wie befohlen mit zitternden Fingern ihr Brautkleid über streifen und sich wie eine Fremde im Spiegel betrachten. Wenn alles Gut ging, dann würde sie ihr Herz verschließen und zu einer Marionette an den Fäden ihrer Herrin werden. Sie würde lächeln und tanzen, eben alles tun, was man von ihr verlangte...
Oder... Ich könnte meine „alte Freundin“ aufsuchen, mir von ihr Rat holen und die Stadt verlassen bevor es zu spät ist... Ich bräuchte nicht viel. Mantel und etwas Proviant...und... und...
Sarin schüttelte über ihre aufkeimende Panik den Kopf. Sie war keine verwegene Abenteurerin, die auszog um große Heldentaten zu vollbringen. Sie war eine Schneiderin bei Hof, ohne die Fähigkeiten da draußen allein zu bestehen. Sie wob Träume in die Kleider der feinen Gesellschaft und verhalf ihnen zu Ansehen und Würde. Ihr Schicksal war eine anderes und es würde sich ihr bald offenbaren, da war sie sich auch ohne ein Gebet zu Manthala ganz sicher.... obwohl das vielleicht gerade nicht schaden konnte:
**Weise Göttin, Blume der Nacht. Ich erbitte deinen Segen und deine Weisheit. Führe mich an deiner Hand und lass mich dein Werkzeug sein. Schenke mir Mut und Scharfsinn für dieses Unterfangen, auf das ich dir Ehre bereite.**
Es war der einfache Segenswunsch einer ehemaligen Novizin Manthalas. Viele ihrer Anhänger würden sich sicher in dieser Nacht mit der Bitte um Erfolg an sie wenden und Sarin rechnete sich ihre Chancen erhört zu werden eher gering aus. Trotz allem war sie ein Kind ihrer Mutter, der Priesterin und ehrte sie auch nach ihrem Tod mit diesen kleinen Funken der Hoffnung.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Samstag 4. Januar 2020, 09:33

So lautlos und leicht waren die beiden Papiere zu Boden gesegelt und doch wogen sowohl Brief als auch Einladung bleischwer auf Sarins Schultern. Auf den Ball selbst hätte sie sich vielleicht gefreut. Wer wurde nicht gern zu einem Ereignis eingeladen, bei dem man sich als junge Elfe wie eine Prinzessin fühlen konnte? Aber nicht unter diesen Umständen! Die Stadtherrin machte sie zu einer Marionette. Sie war nur eine Schachfigur im Ränkespiel zwischen Nachtelfenreich und Morgeria. Garantiert stellte sie dabei auch keine wichtige Figur dar. Ein Bauer war sie, auf den Feind losgeschickt, um sich durch seine Reihen hindurch zu mogeln. Es gab kein Zurück. Bauern konnten nur nach vorn gehen. Vielleicht aber ermutigte sie der Fakt, dass ein Bauer mehr werden konnte, wenn man ihn nur geschickt einsetzte. Wenn sie Méntara Tonás' Wunsch nachkäme, würde sie möglicherweise die hintersten Reihen der Dunkelelfen erreichen und aus einem simplen Bauern würde selbst eine Dame werden. Eine, die von der anderen Seite aus in alle Richtungen agieren könnte. Ob das der Plan ihrer Herrin war? Sie konnte Sarin unmöglich einfach nur als Kanonenfutter präsentieren. Méntara musste doch einen Plan haben!
Antworten erhielt die Schneiderin nicht. Sie konnte sich auch nicht sträuben. Die Einladung war ein Befehl, aber selbst wenn sie ablehnte, würde es für sie der weitaus größere Schaden sein. Der Verlust ihrer Stellung am Palast. Sicher entzog man ihr die bestmöglich gelegene Schneiderstube. Die Gerüchte würden sich nicht nur wie ein Lauffeuer verbreiten, sondern von Méntara persönlich geschürt - ein Racheakt für Ungehorsam. Eine List, die Sarins komplette Existenz zerstören könnte. Was würde ihre Familie dazu sagen? In Lucils Augen wäre es sicherlich ein schwerer Verlust und die Enttäuschung ihres Meisters Londro könnte sie wohl nicht ertragen. Nein, ihr blieb keine andere Wahl, als sich der Aufgabe zu stellen ... in ihrem einstigen Brautkleid; dem verfluchten Kleid.
Viel Zeit blieb ihr nicht mehr, selbst wenn Sarin keine Änderunden mehr an ihrem verfluchten Herzstück durchführen müsste. Es lag nicht in der Schneiderstube. Sie musste zurück nach Hause und es aus seinem Versteck bergen. Sie würde es ein wenig glätten und entstauben müssen. Sarins körperliche Struktur hatte sich seit dem Vorfall kaum verändert. Der Kummer mochte ihr damals einige Pfunde genommen haben, doch mittlerweile hatte sie sich wieder stabilisiert. Erst der jetzige Brief drohte, alles ein wenig zu erschüttern. Lucils Freundin Chrystlin hätte eine solche Nachricht gut getan, wenn ihm ein ähnliches Entsetzen gefolgt wäre. Wie rasch hätte sie Gewicht verloren und doch noch in ihr bevorzugtes Ballkleid gepasst! Bei Sarin zeigte es bis auf den Schrecken und die Bestürzung leider keine Wirkung. Letztendlich bewahrte sie aber Ruhe und blieb so professionell, wie es ihr angesichts ihrer Situation möglich war.
Rasch erteilte sie ihren Helferinnen und Schneidergehilfen einige Anweisungen, um sie im Anschluss ihrem Schicksal zu überlassen. Aber sie war dennoch nervös. Ein wachsames Auge oder jemand, der sie schon eine Weile kannte, konnte es entdecken. Jemand wie Lariel, an dem sie einfach vorbei eilte, ohne das Wort nochmals an ihn zu richten. Seine Schritte wurden vom langen Teppich verschluckt, der den Korridor ausschmückte. Er holte die Schneiderin rasch ein, passte sich ihrem Tempo an und spazierte eine Zeit lang wie ein Schatten hinter ihr her. Dann räusperte sich der Nachtelf, gerade mitten in Sarins stilles Stoßgebet hinein.
"Fräulein Kasani ... ähem .... Sarin! Bitte, entschuldigt meine Forschheit, aber..." Er packte nach ihrem Arm. Dabei war er keineswegs forsch, eher zielführend, als er Sarin daran zog und in der Bewegung umdrehte. Sein Augenmerk lag auf ihr und sein Blick war durchdringend. Es passte nicht zu dem sorglos schiefen Lächeln, das auf seinen Lippen lag. Plötzlich zog Lariel erneut an ihr. Er zog sie dichter an sich, in eine Umarmung, die er Sekunden lang aufrecht hielt und über eine simple Herzlichkeit hinaus etwas enger schnürte. Sarin konnte den schlanken Körper dicht an ihrem spüren, konnte fühlen, dass der Elf trotz seiner federleichten Art Muskeln besaß. Dann befreite er sie aus der Umarmung und schob sie an den Schultern auf Armeslänge von sich, um sie erneut anzusehen. Jetzt lächelte er offen. "Bitte, hört mir zu. Was immer im goldenen umschlag steckte ... es wird schon alles gut gehen. Habt Vertrauen!" Mit zwei Fingern fuhr er unter ihr Kinn und hob es ein wenig an. Dann nickte der Nachtelf. So gefiel ihm Sarin offensichtlich besser. Er zwinkerte verschmitzt. "Ich muss nun weiter. Manthala möge über Euch wachen!" Und noch bevor Sarin in irgendeiner Form auf seine Gesten hätte reagieren können, geschweige denn ihm etwas sagen, eilte Lariel schon die Gänge entlang und hinaus aus ihrem Sichtfeld.


Du kannst in deinem nächsten Post nun alles inklusive eingesetzter NPCs bis kurz vor den Ball abhandeln, wenn du magst. Solltest du vorher noch ein Gespräch mit einem oder mehreren NPCs suchen, dann ende dort. Ich passe mich dann an.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Sonntag 5. Januar 2020, 17:28

Das Spiel begann, die Figuren wurden aufgestellt.
Sarin wusste um ihre Position, sie war ein Bauer, eine Figur die leicht geopfert werden konnte um einem höheren Ziel zu dienen. Aber wenn sie Méntara Tronás' Wunsch nachkäme, könnte sie möglicherweise auch die hintersten Reihen der Dunkelelfen erreichen und aus einem simplen Bauern würde selbst eine Dame werden. Eine, die von der anderen Seite aus in alle Richtungen agieren könnte. Ob das der Plan ihrer Herrin war? Sie konnte Sarin unmöglich einfach nur als Kanonenfutter präsentieren.
Méntara muss doch einen Plan haben!
Sarin war kaum im Stande über die Hintergründe nachzudenken, denn eine lautlose Angst hatte sich in ihrem Bauch eingenistet, die wuchs wie ein Tumor und langsam aber sicher ihre Energien anzapfte. In einem ruhigen Moment, vielleicht zu Hause, da würde sie nachsinnen können, was ihr nun eigentlich bevorstand, doch jetzt „funktionierte“ sie erst einmal nur.

Lariel, an dem sie einfach vorbei eilte, ohne das Wort nochmals an ihn zu richten, bemerkte wohl ihre Anspannung, so gut sie sie auch zu verbergen suchte. Seine Schritte wurden vom langen Teppich verschluckt, der den Korridor ausschmückte, als er ihr folgte. Er holte die Schneiderin rasch ein, passte sich ihrem Tempo an und spazierte eine Zeit lang wie ein Schatten hinter ihr her. Dann räusperte sich der Nachtelf, gerade mitten in Sarins stilles Stoßgebet hinein. Sarin hatte ihn nicht bemerkt und zuckte merklich zusammen.
"Fräulein Kasani ...“
Was?...Es ist Lariel... Heilige Nacht, ich muss aufmerksamer...
„... ähm .... Sarin! Bitte, entschuldigt meine Forschheit, aber..."
Er packte nach ihrem Arm. Dabei war er keineswegs forsch, eher zielführend, als er Sarin daran zog und in der Bewegung umdrehte. Sarin war teils erschrocken, dass sie ihn tatsächlich nicht bemerkt hatte, so in Gedanken war sie gewesen, weshalb sie sich nun leicht wie einer Feder führen ließ! Sie war erleichtert, das nur er es war. Seine Hand an ihrem Arm fühlte sich warm an, oder war es sie selbst, die fror? So übernächtigt und hungrig wie sie war, sicher kein Wunder. Die Nachricht hatte sie schon geschockt und ihren Kreislauf etwas belastet. Jetzt sah sie ihm auf. Sein Augenmerk lag auf ihr und sein Blick war durchdringend. Es passte nicht zu dem sorglos schiefen Lächeln, das auf seinen Lippen lag.
Lariel... Was?...
Plötzlich zog Lariel erneut an ihr. Er zog sie dichter an sich, in eine Umarmung, die er Sekunden lang aufrecht hielt und über eine simple Herzlichkeit hinaus etwas enger schnürte.
...was???...
Ihre Gedanken verstummten einen Augenblick. Sarin konnte den schlanken Körper dicht an ihrem spüren, konnte fühlen, dass der Elf trotz seiner federleichten Art Muskeln besaß.
...so stark... woher?...
Sie war im ersten Moment wie erstarrt, befanden sie sich doch mitten auf einem der Flure wo sie jederzeit entdeckt werden konnten. Doch die Umarmung tat noch etwas anders mit ihr, außer sie im ersten Moment peinlich zu berühren... etwas dass sie sich kaum eingestehen wollte. Seine Arme, die Kraft die er ausstrahlte hüllten sie in eine Geborgenheit, die sie so schmerzlich all die Jahre vermisst hatte, dass sie ihr jetzt die Tränen in die Augen trieb. Sarin spürte das leichte Brennen unter ihren Liedern und blinzelte hektisch an seiner Schulter.
Ich darf nicht weinen! NEIN! Nicht jetzt! NICHT JETZT!!
Sie atmete schnell und heftig, als er sie aus seiner Umarmung befreite und schob sie an den Schultern auf Armeslänge von sich, um sie erneut anzusehen. Jetzt lächelte er offen.
"Bitte, hört mir zu. Was immer im goldenen Umschlag steckte ... es wird schon alles gut gehen. Habt Vertrauen!"
Mit zwei Fingern fuhr er unter ihr Kinn und hob es ein wenig an. Sarin schluckte.
Vertrauen...
Sarin presste die Lippen aufeinander. Die Hoffnung, dass Lariel Recht behalten könnte war so dünn, dass es sie in ihrer Seele schmerzte. Ja, sie hatte Angst vor der Zukunft, sogar sehr große und was das Schicksal für sie bereit halten könnte. Sich einem Dunkelelfen zu nähern, in politische Ränke mit ihnen verstrickt zu werden, das konnte schnell ihren Tod bedeuten! Die dunklen Verwandten standen in keinem guten Ruf und Sarin war doch eher eine gute Seele. In diesem einen langsamen Wimpernschlag und jenem intensiven Blick konnte Lariel vielleicht den Hauch all ihrer Befürchtungen lesen, von falscher Anklage bis Vergewaltigung. Doch ihre Gedanken rasten so schnell an ihren Seelenspiegeln vorbei, dass sie kaum eine wirkliche Form annehmen konnten. Es war eine diffuse Furcht die sie ergriffen hatte, aber die sie nicht zulassen durfte, da sie sie sonst zu lähmen drohte. Deshalb schüttelte Sarin leicht den Kopf, senkte den Blick und starrte auf seine Brust. Sie würde kämpfen - Sie würde klug sein und bedacht handeln! - Sie musste es um zu überleben!
Vertrauen... In Wen? ...in mich?!? Sonst in keinen, nur in meine Fähigkeiten, in meinen Verstand und in mein Herz. Auf Manthala und auf meine Herrin muss ich vertrauen, auch wenn der Weg ungewiss ist.
Etwas in ihrem Gesicht musste sich verändert haben, denn der Nachtelf vor ihr nickte. So gefiel ihm Sarin offensichtlich besser. Er zwinkerte verschmitzt.
"Ich muss nun weiter. Manthala möge über Euch wachen!"
Dein Wunsch in ihrem Ohr!
Und noch bevor Sarin in irgendeiner Form auf seine Gesten hätte reagieren können, geschweige denn ihm etwas sagen, eilte Lariel schon die Gänge entlang und hinaus aus ihrem Sichtfeld. Einen Moment lang stand sie noch auf dem langen Gang und starrte ihm hinterher. Die Wärme seiner Berührung verflüchtigte sich viel zu schnell. Sie hörte Schritte irgendwo und setzte sich selbst wieder in Bewegung. Es gab viel zu tun.

Ihr Ausflug nach „Zuhause“, was nun schon seit einigen Jahren der Wohnsitz ihres Onkels war, war kurz. Eilig betrat sie das Anwesen der Familie Kasani, das einst ihre Heimat gewesen war und jetzt nur noch dunkle Erinnerungen für sie bereit hielt. Vielleicht war sie auch deshalb so selten hier und stürzte sich in die Arbeit. Sie holte ihr Hochzeitskleid, fast ohne es anzusehen, aus dem Versteck und steckte es in einen Kleidersack. Es wog so viel schwerer auf ihrer Seele als auf ihrem Arm, so leicht war die Spinnenseide. Wem sie begegnete, dem sagte sie, dass sie es eilig habe und die Herrin sie schnell zurück erwartete. So schnell es ihr eben möglich war, setzte Sarin ihren Plan um. Sie badete gründlich, parfümierte ihren Körper mit leichten Ölen im warmen Wasser, was sie etwas entspannte, rieb sich gut ab, machte sich danach die Haare und packte den Seidenschmuck ein, der das Kleid komplettierte.
An den Angestellten ihres Onkels, ja sogar an ihrer Amme Romana, eilte sie nur schweigend vorbei und schenkte ihr maximal ein kurzes Kopfnicken. Ein Verhalten, was gegenüber ihrer Amme schon ein wenig auffällig war, aber wenn sie sie jetzt in ein Gespräch verwickeln würde, oder sie gar so in den Arm nehmen würde, wie Lariel es getan hatte, Sarin wäre zusammen gebrochen! Deshalb mied sie jene, die ihr zu viel bedeuteten. Romanas Wärme und Zuneigung würde ihr jetzt die letzte Kraft rauben, die sie brauchte um diesen Abend zu überstehen. Vielleicht hätte sie ihr auch Kraft geben können, doch Sarin hatte entschieden sich dem allein zu stellen. Ob das schlau war? Vielleicht nicht. Als sie an Ramona vorbei eilte, da war sie sich jedoch sicher, dass es richtig war. Denn was hätte sie ihr auch sagen können oder sagen dürfen? Und was hätte die alte Frau ihr auch helfen können? Weder sie noch Lariel, noch sonst irgendjemand wollte Sarin in dieses Netz der Intrigen, dieses Spiel mit hinein ziehen.
Was wäre, wenn ich Lariel erzählt hätte, was ich tun soll...???... Was wenn er mir helfen würde wollen, ich würde ihn nur mit in Gefahr bringen. Außerdem... was könnte er schon tun... er könnte mich ja wohl kaum begleiten!
Und für ihre Amme galt das gleiche. Auch ihre „Alte Freundin“, ihre Seidenlieferantin und Meisterin der Runen, auch diese wollte sie wenn es irgendwie möglich war nicht in Gefahr bringen.
Nach heute Abend werden es eh alle wissen und es wird sich einiges verändern. Mein Auftritt an der Seite der Herrin... oh je... ich will garnicht daran denken, was Lucil dazu sagen wird.
So war der Besuch im Anwesen der Familie Kasani kurz und bedrückend still.

Zurück in ihrer Schneiderstube, nachdem sie die Angestellten entlassen hatte und endlich allein war, trat sie an den bereit liegenden Kleidersack heran und konnte sich Minutenlang einfach nicht überwinden ihn zu öffnen. Da lag ihre Vergangenheit, verbunden mit Erniedrigung und Schmerz und einem Fluch, der sie zur Einsamkeit verbannt hatte...
Was will Méntara damit bewirken, dass ich das Kleid zur Schau trage... Der Fluch...
Sarin zog mit zitternden Fingern den Verschluss auf und legte weiße Seide frei. Die Jahre waren vergangen und mit ihnen die flüsternden Stimmen um ihre Geschichte. Doch jetzt war alles wieder da:
Der Tag der, der Glücklichste werden sollte, wurde die schlimmste Nacht ihres Lebens!
Dagals Familie hatte sich es nicht nehmen lassen, ihren Einfluss spielen zu lassen und so sollte die Hochzeit im Palast statt finden. Alles war vorbereitet und auch ihr Onkel hatte sich nicht lumpen lassen. Sarins Mitgift war stattlich und so mancher im Palast, der zuvor nur in ihr die arme Schneiderin gesehen hatte, begann spätestens jetzt nachzugrübeln. Es hätte die Hochzeit des Jahrhunderts werden können...
http://www.bilder-hochladen.net/files/b ... s-be30.jpg
(Sarins Hochzeitskleid im ganzen)
Sarin schritt in ihrem Kleid den langen Gang entlang und alles schien perfekt.
Dort vorne im Schatten des Altars von Manthala wartete der Mann, den sie zu lieben glaubte. Ihr Onkel geleitete sie zum Altar und Sarin sah nur Dagal und sein Lächeln. Alles war perfekt! Sie vermisste ihre Eltern, ihre Mutter, die als Hohepriesterin dies hier noch gekrönt hätte, sie vermisste ihren Vater, seinen fürstlichen Segen, ... aber sonst war es perfekt.
Bis Dagal ihre Hand ergriff und plötzlich die Türen aufsprangen und ein Lufthauch alle Kerzen erlöschen ließ. Manthalas Priesterin, die sie trauen sollte, hob mahnend die Hände, dass alle ruhig bleiben sollten, doch dafür war es schon zu spät. Ein solches „Ohmen“ wie Lucil laut verkündete, durfte nicht übergangen werden. Plötzlich lief aus den Fugen über dem schwarzen Rosenaltar blutrote Flüssigkeit und die Leute begannen zu schreien. Das alles verstörte Sarin, doch das schlimmste war, dass Dagal ihre Hand los gelassen hatte. Fassungslos sah sie auf ihre Finger, die eben noch seine Wärme gespürt hatten und sahen dann ihn sein aufgebrachtes Gesicht, dass nervös hin und her zuckte.
Dann ging alles ganz schnell. Um sie herum liefen die Leute durcheinander, aber alles was Sarin sah, war Dagal, der den Gang hinunter vor ihr flüchtete. Danach war sie ohnmächtig in sich zusammen gesunken und in das Blut der Göttin gefallen.
Der Fakt, dass das Kleid nicht einen Tropfen in sich aufnahm und sie wie ein weißes Rosenblatt in einem purpurnen See aus Blut gelegen hatte, der ließ alle glauben, und auch Sarin selbst, dass Manthalsa selbst hier einen Fluch gewirkt hatte. Sarin stand später vollkommen neben sich und ihre fahrige Erklärung, das der neuartige Stoff ihres Hochzeitskleides schmutzabweisend war, das wollte niemand hören. Alle sprachen bald davon, dass ihr Kleid verflucht sei und nur die wahre Liebe diesen Bann brechen könne. Lucil vertrat diese Meinung vehement und erzählte ihr, dass Dagal noch in der gleichen Nacht das Reich verlassen hätte. Mit wahrer Liebe konnte es bei ihm
also nicht weit her sein.

Sarin starrte auf die weiße Seide zwischen ihren Fingern. Die Jahre waren ins Land gezogen und die Gerüchte waren nie ganz versiegt, hatte sich sogar hier und da ein wenig überspitzt.
Seither glaubt jeder, dass mein Brautkleid, oder ich selbst verflucht sei und jedem Mann Unglück oder den Tod bringe, der sich wagt mir zu nähern, denn Manthala selbst hat ihr Blut gegeben um diesen Bund zu verhindern.
Mit diesem Gedanken verstärkte sich einmal mehr das Gefühl der Einsamkeit in Sarins Herzen. Die Hoffnung, dass sie jemals die wahre Liebe erfahren und erlöst werden würde, die hatte sie schon lange aufgegeben.
Plötzlich kam ihr dann jedoch ein merkwürdiger Gedanke...
Wenn...
Sie hob das Kleid sanft auf ihre Arme, schüttelte es aus und hielt es vor sich an ihren Körper.
„Wenn ich verflucht bin...“
, sprach sie leise zu sich selbst in ihre Einsamkeit.
„... Wenn niemand sich wagt mir zu nähern... Ein Fluch mich schützt, gleich einem seidenen Schild der Unantastbarkeit, dann...“
...dann wäre ich immer allein, aber auch ...sicher?
Fragend sah sie ihr eigenes Spiegelbild an, dass ihr jedoch die Antwort vorenthielt. Nachdenklich griff sie zu Glätteisen und vorbereitetem Wasserdampf um die Jahre der Lagerung aus dem Stoff verschwinden zu lassen. Als sie damit fertig war widmete sie sich sich selbst. Hinter verschlossenen Türen der Schneiderstube zog sie sich splitternackt aus und betrachtete sich einen Augenblick lang ihr Spiegelbild. Ihre graue Haut schimmerte zart purpurnem, im Licht der Lampen. Wie alle Nachtelfen besaß Sarin außer auf dem Kopf keinerlei Körperbehaarung, dafür war ihre Haut wie glattes Porzellan und besaß eine Makellosigkeit, die einmalig unter den Rassen Celcias ist. Sarins langes silbernes Haar hatte sie sittsam in einem Knoten am Hinterkopf zusammen gesteckt. Die purpurne Iriden ihrer Augen wurden umrahmt vom Silberkranz langer Wimpern und spiegelten das sie umgebene Licht gleich einer Katze. Ihre Nase war klein und gerade, das Gesicht ebenmäßig und symmetrisch, die Lippen weich und voll. Durch ihre behütete Kindheit hatte sie keinerlei Narben vorzuweisen. Einzig ihre Hände verrieten von der Arbeit spezifische Verhärtungen und im Gegensatz zu manch anderer Frau, trug sie ihre Nägel kurz.
Bin ich schön?
Sicher hätte in all den Jahren der ein oder andere Mann versucht ihre Gunst zu gewinnen, wenn nicht der Fluch wäre. Doch so war sie von jeglichen Avancen verschont geblieben.
Ist es das, was Méntara in mir sieht? Keine Frau, sondern ein Werkzeug, dass sie vielleicht gekonnt wie ein feines Messer zwischen die gefährliches Zähne der dunklen Bestie schieben kann, ohne dass ich mich selbst dabei verletze?
Lariel hatte von Vertrauen gesprochen. Vertrauen auf Manthala, der Göttin, die sie durch ihren Fluch vielleicht nicht nur zur Einsamkeit verbannt hatte, sondern ihr so auch ihren Schutz gewährte? Doch konnte Sarin darauf vertrauen? Und wie sollte sie diesen Schutz glaubhaft dem Abgesandten des dunklen Volkes verkaufen?
Vertrauen...
Méntara würde sicher auch dafür einen Plan haben. Oder es ging garnicht um Sarin selbst und das alles war nur ein Ablenkungsmanöver. Dann wäre Sarin eben nur das Bauernopfer an diesem Abend.
Hatte sie eine Wahl?
Nein.
Gleich einem sinnlichen Streicheln, einer liebenden Hand floss die Seide über Sarins Haut, als sie das verfluchte Brautkleid über sich streifte. Glatt und edel rann es wie Wasser an ihr hinab. Schlichte Eleganz von vorn und Raffinesse von hinten, dort wo die blickdichten Stoffbahnen auseinander klafften und nur die Vorstellung von Gewebe gestreuter Nachtblüten die intimsten Stellen verdeckten. Auch der Haarschmuck war aus Seide geformt und zierte den Knoten in ihrem Nacken. Wie Eisblumen in der Nacht schimmerten sie auch am Rand von ihren Elfenohren.
Weder Metall, noch Schminke lenkten von der Makellosigkeit des Gesamtkunstwerkes ab. Alles war aus Seide und Träumen zusammen gewebt worden.

Und so wartete Sarin auf die Stunde, da sie dem Ruf ihrer Herrin folgen würde.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 15. Januar 2020, 05:25

Es war soweit. Jetzt gab es kein Zurück mehr und Sarin musste letztendlich zugeben, dass sie sich trotz aller Bedenken in ihrem alten Brautkleid wohl fühlte. Es war ein Meisterwerk ihres Könnens, so fein und die Seide war so weich, dass sie sich fühlte, als trüge die Nachtelfe ein Gewand, gewoben aus den Nebelschleiern Manthalas. Hauchdünn schmiegte der Stoff sich an ihre Haut und schaffte es doch, dass ihr nicht fröstelte. Das filigrane Muster eingearbeiterer Blüten verdeckte die begehrbaren Körperstellen in Perfektion und wenn Sarin sich bewegte, glaubte man, sie trüge den glitzernden Sternenhimmel auf ihrem Stoff. In all seiner Schlichtheit war dieses Kleid pure Perfektion und lenkte alle Aufmerksamkeit auf sich.
Das war doch der Grund, weshalb ihre Herrin Mentára Tronás wünschte, dass sie es trug, oder nicht? Sarin sollte ablenken. Sie sollte die Aufmerksamkeit der eingereisten Dunkelelfen auf sich lenken, damit die Herrin feine Seidenfäden der Manipulation spinnen konnte, die im Glanz ihres Kleides so wenig Aufmerksamkeit erregten wie das Aufblitzen eines einzelnen Haares in der Dunkelheit. Was immer die Stadtherrin vor hatte, es geschah sicherlich zum Wohl des Nachtelfenreiches und war somit notwendig. Sarin sollte ihren Teil dazu beitragen und nun war sie mehr oder minder bereit dafür, sich ebenfalls von diesem Seidenfaden einspinnen und führen zu lassen.
Die Marionette wartete in ihrer Schneiderstube darauf, vom Haken genommen zu werden, damit sie ihre Glieder hampeln lassen konnte. Zeit verstrich und wie üblich in solchen Situationen lud sie den Zweifel ein. Käme die Nachtelfe nicht zu spät? Aber sie sollte warten. Man wollte sie abholen! Hatte man sie vergessen? War es ein grausamer Scherz, der sie nur hatte veranlassen sollen, erneut das verfluchte Kleid anzulegen? Nein, niemals! Ihre Herrin würde ihr derlei böse Streiche nicht spielen! Oder doch?
Ein Klopfen an die Tür ihrer Stube riss Sarin aus den Gedanken und scheuchte die dunklen Zweifel zurück in winzige Nischen, wo nur Staub und Spinnweben zu finden waren. Anschließend schob sich die Tür auf. Das Licht vom Gang traf in die Stube, ließ die Seide ihres Kleides noch ein wenig mehr glitzern und den Eintretenden sprachlos in der Tür verharren.
Es war Lariel. Natürlich war ein Elf seines Standes nicht zum Ball direkt geladen worden, aber man hatte ihm die durchaus ehrenhafte Aufgabe erteilt, besondere, geladene Gäste abzuholen und zu einem der Ballsäle zu bringen. Im Palast fanden sich viele davon, nahezu für jeden Anlass wurde ein ganz bestimmter Saal genutzt. Welcher es heute wohl sein würde? Nur die Gäste, die Stadtherrin und der Laufbursche Lariel wussten davon. Er trug einen feinen Anzug im schlichten Stil der Dienerschaft mit einer unechten, schwarzen Rose aus Papier im Revers und einem blassvioletten Seidenschal um den Hals. Es war nicht das erste Mal, dass Lariel für diese Aufgabe zugezogen wurde, das verriet seine dienerlich steife Haltung. Der Form halber hätte er sich nun vor Sarin verbeugen und mit einer ausgestreckten Hand empfangen müssen, um sie zum ausgesuchten Ballsaal zu bringen. Doch ihr Anblick hatte ihn erstarren lassen. Seine Augen hafteten gebannt an ihr. Sie strahlten, während sich in den Augenwinkeln wirklich Tränen bildeten? Das konnte doch nicht sein! Aber was glitzerte sonst wie winzige Diamanten dort? Zudem färbten sich Lariels Wangen in ein sanftes Kirschrot. Er keuchte leise, ehe er seine Fassung zurück gewann und lächelte.
"Ihr seht wahrlich bezaubernd aus, Frau Kasani." Natürlich. Er war kein Nachtelf der Familie gewesen und damals, zu ihrer Hochzeit, nicht im engen Kreis jener dabei, die ihr verfluchtes Desaster hatten mitansehen müssen. Damals hatte es sich nur um einen erschreckend kleinen Kreis Adliger und Freunde gehandelt, der in Sarins Erinnerungen natürlich über alle Maße gigantisch gewesen war. Für sie hatte gefühlt das ganze Reich der Nachtelfen zugesehen. Die Realität aber hatte Lariel nicht an ihrer Hochzeit teilhaben lassen. Er wusste wie ungemein viele Nachtelfen nur von den Gerüchten über die Braut Kasani, die ein verfluchtes Kleid vor den Altar trug, das von Manthala persönlich in Missgunst gesetzt worden war und die Heirat verhindert hatte. Dass es so schön aussah und sofort in ihren Bann schlug, hatte er wohl nicht erwartet. Lariel konnte kaum den Blick von Sarin lösen.
Mit einem Räuspern vollführte er dann aber doch endlich die nötige, formelle Verbeugung und streckte ihr die Hand entgegen. "Es ist nicht weit", ließ er sie wissen, als er die Elfe aus der Schneiderei und die Gänge entlang führte. "Für die heutige Feier hat Stadtherrin Tronás die Mondsteinhalle als Zelebrierungsort gewählt. Wart Ihr schon einmal dort? Nein? Sie wird Euch gefallen!"

weiter bei Die Mondsteinhalle
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 15. April 2020, 08:24

Sarin kommt von Die Mondsteinhalle

Das Gespräch war beendet und die lebensverändernden Konsequenzen ihres kleinen Tanzes würden bald eintreten. In einer Woche sollte sie ihre Heimat verlassen, um nach Morgeria zu gehen. Unterwegs würde man sie verheiraten, an einen dunkelelfischen Prinzen, von dem sie bisher lediglich wusste, dass er schön war, Charme besaß, gut tanzen konnte und Dhansair von Blutsdorn hieß. Der exotische Prinz, der den Fluch von ihrem Kleid nehmen sollte ... sofern er und sie rechtzeitig lernten, einander zu lieben?
Wie auch immer es ausging, ihr altes Leben war vorbei. Es würde enden. Eine Woche noch und die letzten Tage im Reich der Nachtelfen begannen, als Mentarà Tronàs ihr erlaubte, die Mondsteinhalle zu verlassen. Sie sollte Vorbereitungen für ihre Abreise treffen, dabei konnte sie kaum selbst gehen. Einer erkannte das! Lariel, der Nachtelf, bemerkte ihren Zustand und nahm sich ihrer sofort an. Er sprach kurz auf sie ein, stellte irgendeine Frage, seinem Tonfall nach zu urteilen. Doch was? Es kümmerte Sarin nicht. Sie war wie in Watte gepackt, als der treuer Helfer nach ihrem Arm griff und sie stützte. Er führte sie die Gänge entlang, über die jeden Ton verschluckenden dicken Teppiche und an zahllosen Türen vorbei zurück in sichere Gefilde. Er brachte sie wieder in ihre Schneiderstube, doch auch jene würde sie hinter sich lassen müssen. Noch eine Woche.
"Ihr seid ganz blass. Fräulein Kasani, was ist nur geschehen? Oh, bitte ... nein, nicht dort. Dort liegen Eure kostbaren Stoffe. Ich ... kommt, hierher. Setzt Euch. Ja, das wird gut sein. Ich setze Teewasser auf, nur einen Moment!" Der gute Lariel. Er kümmerte sich um sie, als die Welt sich in einen verschwommenen, dumpfen Sumpf verwandelte, der sie unbarmherzig in die Tiefe zog. Aber Lariel war da und tat alles, um es ihr halbwegs angenehm zu gestalten. Leider konnte nicht einmal er ihren Untergang verhindern.
Irgendwann breitete sich der Duft ihres Lieblingstees in der Stube aus. Er drang auch zu Sarin vor, war aber angesichts ihrer Probleme so bedeutungslos, dass er sie nicht aus ihrer Starre zerren konnte. Ebenso wenig gelang es dem Nachtelfen zur ihr durchzudringen. Immer wieder tauchte sein Gesicht am Rande von Sarins Blickfeld auf. Immer wieder nahm sie wahr, dass er zu ihr sprach, aber seine Worte schafften es nicht, ihren Geist zu erreichen. Anscheinend wollte er ihr Mut machen, doch wie konnte er? Es war alles verloren. Der Fluch ihres Brautkleides sollte gebrochen werden? Es fühlte sich mehr an, als entfaltete er sich erst. Das war erst der Anfang.
"Ich lasse Euch ein Licht an, werte Sarin. Versucht etwas zu schlafen, ich bitte Euch. Ansonsten werde ich einen Heilkundigen vorbei schicken." Etwas berührte ihr Gesicht. Finger! Sie streichelten ihre Wange, sanft und zart. "Ihr macht mir große Sorgen. Bitte, esst und trinkt und legt Euch schlafen. Möge Manthala über Euch wachen." Die Wärme schwand zusammen mit den federnden Schritten, die ihr so vertraut waren. Das beruhigende Geräusch ihrer Stubentür. Jemand verließ die Schneiderei. Sarin war allein. Vollkommen allein in ihrer kleinen, bislang so sicheren Welt. Einer Welt voller Genügsamkeit, Ruhe, farbenfrohen Stoffen und Kreativität in ihrem Schaffen. Eine Welt, in deren Mitte sie saß und die sie doch gänzlich verlieren würde.
Langsam erwachte die Elfe aus ihrer Starre und mit deren Schwinden fanden die Emotionen den Weg an die Oberfläche. Niemand konnte unberührt von ihrem Schicksal bleiben, am wenigsten sie. Alles stürzte über ihr zusammen. Wann immer sie ihr schönstes Kleid trug, schlug der Fluch zu und dieses Mal hatte er erschreckende Ausmaße angenommen. Was waren Spott und Getuschel, wenn sie alles hinter sich lassen musste, was sie kannte, um mit einem Fremden ein Eheritual zu begehen?
Ihrem Körper entzog sich jegliche Kraft. Sie spürte, wie ihre Beine nachgaben und wie der schöne Pollenstängel inmitten ihrer Blüte des Kleides sank sie auf die Knie. Ihre kleinen, salzigen Pollen bestäubten den Stoff, als erste Tränen ihre Wangen verließen. Die Feuchtigkeit traf auf ihre Brust, vermochte aber nicht, das schmerzende Herz hinfor zu spülen. Und das, obwohl sie weinte, so sehr. So viel, dass es sie doch ganz aus dem Nachtelfenreich tragen musste. Aber eine Flucht war keine Option. Sie könnte sich retten, würden ihr Reich aber verraten wie Mentará sie verraten hatte. Sie würde den Schicksalskelch nur an eine andere weiterreichen. Damit konnte Sarin nicht leben und auch wenn sie sich jetzt all ihrer Verzweiflung hingab - nur einen Moment! - wusste sie doch, dass sie sich ihrem Schicksal entgegenstellen würde. Es gab keinen anderen Weg.
Wie um ihr Mut zu machen, blitzte plötzlich etwas auf. Im schwachen Licht der Kerze, die Lariel ihr zurückgelassen hatte, erregte dieses leichte Blitzen plötzlich alle Aufmerksamkeit. Ein Grund mitunter war, dass es sich ganz dicht vor ihrem Gesicht zeigte und dort silbern glänzte, wie ein Hoffnungsschimmer. Ein Silberstreif am Horizont, hätte Sarin ihn jemals bisher zu Gesicht bekommen. Sobald die Tränen langsam trockneten und ihr Augenlicht die vertraute Schärfe zurückerlangte, um die Umgebung deutlicher zu erkennen, wurde ihr klar, was da so silbern blitzte. Fein, nicht dicker als ein Haar, schwang das Silber sanft vor ihrem Gesicht. Ein langer Faden, der von irgendwo aus dem Gebälk bis hinunter zu ihr herab gesponnen worden war, gesandt von der Freundin einer Freundin. Die kleine schwarze Spinne erreichte Sarins Kleid und löste ihren Hinterleib von dem Faden, den sie bis hinab zu ihr gewebt hatte. Er tänzelte ein wenig, erinnerte kurz an den wunderbaren Tanz mit Dhansair, der ihr bisheriges Leben nun veränderte. Aber da war noch die kleine Spinne. Mit winzigsten Schritten krabbelte sie über den Stoff und zu Sarins Fingern. Sie erklomm ihren Fingernagel, war sie doch nicht größer als jener und kitzelte anschließend sanft Sarins Haut, bis sie auf ihrem Handrücken anhielt. Acht schwarz funkelnde Augen schienen zu ihr aufzusehen. Und dann hob die kleine Spinne eines ihrer Beinchen, als wolle sie winken. He, ich bin da! Sie senkte das Beinchen zurück auf ihre perlmuttfarbene Haut. Sie hob es wieder ein wenig an, verlagerte es. Tätschelte sie die unglückliche Nachtelfe?
So allein Sarin sich auch fühlte, jemand dachte an sie ... und würde ihr vielleicht einen Rat geben können. Oder ihr wenigstens zuhören. Das tat sie immer. Vielleicht gelang es ihrer alten, namenlosen Freundin, ein wenig Ruhe in ihren aufgewühlten Geist zu bringen.
Es war an Sarin, sie aufzusuchen. Es war Zeit aufzustehen, denn Zeit blieb ihr nicht mehr viel. Noch eine Woche.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Sarin Kasani » Montag 27. April 2020, 11:12

Es gab keinen anderen Weg.



Ihre Tränen versiegten irgendwann, vielleicht auch nur, weil sie keine mehr in sich hatte, vielleicht weil die Erkenntnis so furchtbar ernüchternd war. Sarin fühlte sich so unendlich allein und leer, als triebe sie in einem Meer der Einsamkeit auf einer winzigen Scholle aus Eis.



Wie um ihr Mut zu machen, blitzte plötzlich etwas auf. Im schwachen Licht der Kerze, die Lariel ihr zurückgelassen hatte, erregte dieses leichte Blitzen plötzlich alle Aufmerksamkeit. Sarin blinzelte und ihre Augen versuchten das Gesehene zu verstehen. War das ihr Silberstreif am Horizont? Hatte Sarin ihn jemals bisher zu Gesicht bekommen? Sobald die Tränen langsam trockneten und ihr Augenlicht die vertraute Schärfe zurückerlangte, um die Umgebung deutlicher zu erkennen, wurde ihr klar, was da so silbern blitzte.
Fein, nicht dicker als ein Haar, schwang das Silber sanft vor ihrem Gesicht. Ein langer Faden, der von irgendwo aus dem Gebälk bis hinunter zu ihr herab gesponnen worden war, gesandt von der Freundin einer Freundin. Die kleine schwarze Spinne erreichte Sarins Kleid und löste ihren Hinterleib von dem Faden, den sie bis hinab zu ihr gewebt hatte. Mit winzigsten Schritten krabbelte sie über den Stoff und zu Sarins Fingern. Sie erklomm ihren Fingernagel, war sie doch nicht größer als jener und kitzelte anschließend sanft Sarins Haut, bis sie auf ihrem Handrücken anhielt. Acht schwarz funkelnde Augen schienen zu ihr aufzusehen. Und dann hob die kleine Spinne eines ihrer Beinchen, als wolle sie winken. He, ich bin da! Sie senkte das Beinchen zurück auf ihre perlmuttfarbene Haut. Sie hob es wieder ein wenig an, verlagerte es. Tätschelte sie die unglückliche Nachtelfe? So einsam und gebrochen wie sich Sarin gerade fühlte, so merkwürdig dieser sanfte Gruß auch anmutete, er verfehlte seine Wirkung nicht. Sarins Blick verschwamm wieder und neue Rinnsale flossen über ihre Wangen, dieses Mal jedoch nicht nur aus Trauer und Verzweiflung, sondern gemischt waren darin auch Gefühle der Rührung und der Hoffnung, denn so allein Sarin sich auch fühlte, jemand dachte an sie ... und würde ihr vielleicht einen Rat geben können. Oder ihr wenigstens zuhören. Das tat sie immer. Vielleicht gelang es ihrer alten, namenlosen Freundin, ein wenig Ruhe in ihren aufgewühlten Geist zu bringen.
Es war an Sarin, sie aufzusuchen. Es war Zeit aufzustehen, denn Zeit blieb ihr nicht mehr viel. Noch eine Woche und bestimmte Dinge erledigte man am besten gleich!

Sarin hob die kleine Spinne nah vor ihr Gesicht und lächelte sie durch die Schleier ihrer Tränen an.
„Warte meine kleine Freundin... Ich such dir schnell ein sicheres Heim und dann gehen wir unserer Freundin besuchen.“
Sarin sah an sich hinunter.
„Vielleicht sollte ich mir vorher etwas anderes anziehen.“
Gesagt getan. Sie setzte die Spinne auf ihrem Pult ab und sah sich um. Die Meisterschneiderin leerte eine der kleinen Dosen, die sonst teure Knöpfe oder Perlen beinhalteten. Sie wählte einen Deckel mit kleinen Löchern und legte sie auf ihrem Pult bereit. Eine so kleine Spinne brauchte ein geeignetes Mittel, damit sie sie heil transportieren konnte. Sarin sah sie fragend an und sprach ganz selbstverständlich mir ihr, als würde sie ihr antworten können... Vielleicht war es ihrer gerade etwas angeschlagenen Psyche zu verdanken...
„Oder soll ich dich einfach wie eine schicke Haarspange auf meinem Kopf tragen?“
Sarin lächelte. Warum lächelte sie? Ihr Herz schlug immernoch holprig und die Tränen waren nah. Erst einmal wandte sie sich zu ihren anderen Kleidern und suche eines, dass sie schnell und unauffällig aus dem Palast und durch die Stadt bringen würde. Dann zog sie ihr Brautkleid aus, legte es gründlich zusammen, starrte es eine Weile einfach nur an und riss sich dann zusammen.
„Schluss! Sarin Kasani! Du hast schon viel in deinem Leben verloren...“
Sie dachte wehmütig an ihre Eltern.
„... Dies ist kein Verlust, es ist nur eine Veränderung! … Du wirst einen Mann heiraten, den du nicht liebst, in einem Kleid, dass verflucht ist und dein Heimat verlassen, die dich verkauft hat.“
, stellte sie nüchtern fest und in dem Moment, da sie es ausgesprochen hatte, wurde es in ihrem Kopf zur Wirklichkeit. Zitternd stand sie da und starrte auf ihr Brautkleid.
„Ich muss hier raus!“
Schnell zog sie sich an, bat/schob die kleine Spinne in die Dose und steckte diese dann in den Ausschnitt ihres Bediensteten-Kleides über ihrem Herzen. Der Plan war gefasst. Die Umsetzung sah vor, etwaige Verfolger, die vielleicht die Braut beschatten sollten, damit diese nicht doch noch kopflos türmte abzuschütteln und dann zu ihrer alten Freundin, der Spinnenfrau zu gelangen. Sarin traute sich durchaus zu in „ihrer“ Stadt, auf ihren Gassen und Wegen sich aus dem Staub zu machen. Auch wollte sie sich ganz „offiziell“ hier im Palast abmelden, mit der Begründung, nach Hause zu ihrem Onkel zu müssen, denn wichtige Dinge mussten besprochen werden. Auch dies war ein Punkt auf ihrer Liste, aber er rangierte eigentlich weiter unten. Eigentlich noch nach der Übergabe ihres Ladens und ihrer Position an einen Nachfolger oder Nachfolgerin.
Erst einmal brauchte sie eine Freundin, jemand der ihr zuhörte und vielleicht einen Rat oder ein freundliches Wort für sie fand.

Der Plan war gefasst, also ging es an die Umsetzung.
Eine unauffällige Kleidung war gewählt, eine glaubhafte Abmeldung im Palast würde folgen, eine kleine Abkürzung hier und da und dann ihr Verschwinden in den Gassen der Stadt in der sie aufgewachsen war. Ziel war ihre alte Freundin, doch vor allem anderen stand deren Sicherheit. Wenn Sarin sich nicht ganz sicher war, dass sie nicht verfolgt wurde, dann würde sie einen Besuch bei ihrem Mentor oder auch bei ihrem Onkel vorziehen. Also musste sie nur noch ankommen... je nach dem wohin sie die Umstände gerade führten.
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Re: Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. Mai 2020, 11:00

Für so viele andere mochte eine Spinne der Inbegriff allen Ekels sein, selbst hier unter der Erde, im Reich der Nachtelfen. Es gab viele Höhlenspinnen, aber genauso viele Nachtelfen mieden die Vielbeiner oder begegneten ihnen mit aggressiver Abscheu. Für Sarin war die kleine, schwarze Spinne mit ihrem silbrigen Faden aber ein Lichtblick. Der kleine Hoffnungsschimmer und Signal, wo sie ihren Ruhepol und vielleicht sogar einen hilfreichen Rat erhalten konnte. Ihre namenlose Freundin war schon immer eine gute Zuhörerin gewesen und würde ihr auch jetzt die Last ein wenig von den Schultern nehmen. Darauf konnte die Schneiderin sich verlassen.
Also war der Entschluss schnell gefasst. Sie würde das Anwesen der Stadtherrin verlassen und in den abgeschiedenen Bezirk des Nachtelfenreiches gehen. Dorthin, wo halb verborgen zwischen den Felsen mehrere Spinnen- und auch andere Höhlen existierten. In manchen bauten die Elfen wie Zwerge Erze für ihre Werkzeuge und Waffen ab. Andere führten bis tief ins Schattengebirge hinein, teils künstlich, teils natürlichen Ursprungs. Aber jene bargen Gefahren, denen sich eine einfache Elfe wie Sarin lieber nicht stellen sollte. Es genügte, wenn sie in die ihr vertrauten Höhlen ging, deren verwobener Eingang ihr Willkommen war, andere aber abschrecken mochte.
So entledigte sie sich rasch ihres Brautkleides, das anscheinend einen neuerlichen Fluch über sie geworfen hatte. Sie würde dies mit ihrer Freundin besprechen. Nun war es schlichtweg unpassend das verflixte, aber so schöne Gewand zu tragen. Sarin tauschte es gegen klassische Kleidung ein, mit der sie nicht auffiel. Danach ging es los. Doch noch ehe sie die unteren Korridore erreichte, geschah etwas.
Möglich, dass es an ihrer Kleidung lag, aber vielleicht war der andere auch nur unaufmerksam gewesen. Jedenfalls stieß sie direkt mit einem Elfen zusammen, als sie um die nächste Kurve bog. Beinahe wäre sie zu Boden gestürzt, aber die Wand des schmalen Ganges bot ihr in letzter Sekunde eine Stütze.
"Pass doch au~! Oh ... ich meine ... verzeiht mir. Ich habe nicht aufgepasst. Alles in Ordnung?" Der Dunkelelf, der sie da ordentlich gerempelt hatte, besaß nichts von Iryans stattlicher Gestalt. Er trug nicht einmal eine Rüstung, sondern nur eine schlichte Tunika in Pupur und Schwarz. Seine Haut war dunkelbraun wie geschmolzene Schokolade und seine Augen so grau und trostlos wie die Zukunft, die Sarin bevorstand. Aber es lag nervöse Sorge im Blick des eher burschenhaften Elfen. Er mochte kaum die pubertäre Phase verlassen haben und war der erste seiner Art, der Sarin nicht mit dieser exotischen Aura begegnete. Vielmehr schien auch er eher unauffällig wie sie selbst sein zu wollen. "Verzeiht noch einmal", stammelte der Elfenbursche und schob das kurze, schwarze Haar hinter eines der Spitzohren. Dann streckte er die Arme aus, um Sarin an der Hüfte zu greifen und ihr so aufzuhelfen. Im Anschluss klopfte er ihre Kleidung von den Schultern bis zu den Beinen ab, während ihm fast schon bettelnde Worte um Vergebung über die Lippen stolperten wie einem Wasserfall gleich, der sich eine Klippe hinabstürzte. Hoffentlich war ihrer Spinnenbegleiterin nichts geschehen.
Nachdem Sarin von nicht vorhandenem Schmutz und Schaden abgeklopft war, verneigte sich der Elf überschwänglich tief. "Das nächste Mal halte ich die Augen offen, es tut mir leid." Und schon machte er sich wieder aus dem Staub.

Was Sarin nicht mitbekam war der Rapport des kleinen Dunkelelfen im Schlafgemach seines Herrn.
"Warst du erfolgreich?"
"Jawohl, Euer Hoheit. Ich glaube, sie hat nichts bemerkt. Spätestens wenn sie sich umzieht, sollte sie die Nachricht aber finden."
"Gut."
Sein Herr nickte zufrieden und schickte den Burschen hinaus. Dann sah er zu seiner Leibwache empor, welche eine der gepanzerten Hände auf die schmale Schulter des Elfen legte. Er seufzte.
"Und du willst diesen Weg wirklich gehen?"
"Es wird schwerer, die Fesseln meines Schicksal zu lösen, wenn sie sich erst einmal um meine Gelenke gelegt haben. Und vielleicht finden wir im Fräulein Kasani sogar eine Verbündete. Auch sie kann diese Behandlung nicht gutheißen."
"Handle nicht vorschnell, ich bitte dich. Als Freund."
"Ja. Es wird wohl eine Nacht- und Nebelaktion, direkt aus dem Tempel heraus. Lass uns hoffen, dass unsere Planung von Erfolg gekrönt ist. Ich möchte nicht die Leben treuer Gefolgsmänner nehmen."
"Mach dir keine Sorgen. Ich werde das tun..."

Der Herr lächelte seiner Leibwache leidlich zu und lehnte den Kopf an dessen Hüfte.

Für Sarin geht es weiter im Reich der Nachtelfen -> Die Wohnhäuser der Nachtelfen -> Die Spinnenhöhle
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