Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Sämtliche Straßen Andunies sind gepflastert und von schönen kleinen Häusern gesäumt. Meist Fachwerkhäuser, aber auch mal eine prächtige kleine Villa. Nur die ärmeren Bezirke der Bettler und Halunken sollte man meiden.
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Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Miriel Lefay » Montag 21. August 2006, 01:59

Bereits früh am Morgen war Miriel schon auf den Beinen und belud den kleinen Karren mit Krügen, Bechern, Tassen, Schalen und allem was sie sonst noch in den letzten Tagen hergestellt hatte. Auch wenn sie noch etwas Geld übrig hatte, musste sie sehen, dass sie endlich wieder etwas verkaufen konnte. Die Geschäfte waren in letzter Zeit nicht so gut gegangen. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hatte sie in den letzten fünf Tagen nicht einen einzigen Gegenstand verkauft. Gestern jedoch war ein Schiff aus Belfa eingetroffen und Miriel hoffte, dass sie mit den angekommenen Kaufleuten einige Geschäfte tätigen konnte.
Als der kleine Karren endlich beladen war, holte sie ihren Esel aus dem Stall und spannte ihn vor den Karren. Zum Schluss verschloss sie das kleine Häuschen mit der Töpferwerkstatt und machte sich fröhlich pfeifend und gut gelaunt auf den Weg zum Marktplatz, um dort einen guten Platz für ihren Stand zu ergattern.
So früh am Morgen waren noch nicht viele Leute unterwegs und so kam sie mit dem voll beladenen Karren ziemlich zügig voran.

[weiter auf dem Marktplatz]

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 23. August 2006, 00:11

[kommt vom Marktplatz]

Es dauerte nicht allzu lange und sie hatten Miriels Töpferwerkstatt erreicht. Nachdem sie die Teile ihres Marktstandes abgeladen hatte, verabschiedete Miriel den Händler. „Ich wünsche euch eine glückliche Überfahrt und gute Geschäfte. Ach, und lasst euch ruhig Zeit mit dem Verkauf. Es hat keine Eile.“
Sie blickte noch dem Wagen hinterher, bis er um die nächste Häuserecke verschwunden war, zog dann die Goldkette mit dem Amulett aus ihrer Tasche und betrachtete dieses nun genauer.

<b>Da sind tatsächlich Schriftzeichen eingraviert. Dumm nur, dass sie nicht der menschlichen Sprache entstammen. Hmm, könnte elfisch oder aber auch zwergisch sein. Verdammnt noch mal, ich hätte mich doch mehr mit meiner Familiengeschichte befassen sollen.</b>

Nachdenklich zog sie ihr eigenes Amulett hervor und betrachtete es. Es zeigte eine Schmetterlingsfee, die einen Rubin mit ihren Händen umfasste. Die Darstellung wies darauf hin, dass vor undenklichen Zeiten Feenblut in die Linie der Lefays einfloss. Dieser Feenanteil war auch Ursache dafür, dass nur die weiblichen Nachkommen magisch begabt waren. Außerdem erklärte er auch die Anmut und Grazie aller weiblichen Mitglieder der Lefays und die Tatsache, dass sie sehr naturverbunden waren und zurückgezogen im Wald Eldoras lebten.
Missmutig ließ sie das Amulett wieder unter ihrem Kleid verschwinden.

<b>Die Feen sind mit den Elfen noch enger verwandt, so dass fast alle aus der Familie der elfischen Sprache und Schrift mächtig sind, außer mir natürlich. Ich musste ja unbedingt die Familie verlassen und meinen eigenen Weg gehen. Schön, dann muss ich mir wohl Hilfe holen.</b>

Sie steckte die Kette wieder in ihre Tasche und machte sich auf den Weg in die Schenke „Zum Seeman“. Von früheren Besuchen her wusste sie, dass dort häufig ein alter Gelehrter aus Pelgar verkehrte, der die meisten Sprachen Celcias beherrschte. Er würde die Schriftzeichen sicher entziffern können.

[weiter in Schenke „Zum Seeman“]

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Miriel Lefay » Freitag 25. August 2006, 01:03

[kommt von Karlus Häuschen]

Kurz bevor es endgültig dunkel wurde, erreichte sie ihre kleine Werkstatt und ging sofort in den an die Werkstatt angrenzenden Wohnraum. Da sie sich die meiste Zeit über in der Werkstatt aufhielt, war der Raum nur spartanisch eingerichtet. Gegenüber der Tür eine kleine Feuerstelle, an der Miriel ihre Mahlzeiten zubereitete, daneben ein Schrank für Geschirr und Vorräte. Links im Raum befand sich ein großer Schrank, in dem sich ihre Kleidung und sonstige Wäsche befand, auch bewahrte sie dort ihr Schwert auf. In der Mitte das Raumes stand ein kleiner Tisch mit vier Stühlen und auf dem Tisch ein Kerzenhalter mit drei Kerzen, welche Miriel nun anzündete. Ein Bett mit einem kleinen Nachtschrank und einem Hocker mit einer großen Waschschüssel und einem Eimer zur Verrichtung der Notdurft am Fußende des Bettes komplettierten die Einrichtung.
Nach einer ausgiebigen Mahlzeit überlegte sie, was sie für die Reise alles benötigte.

<b>Mal sehen, Essen und Trinken für wenigstens zwei Tage, den Umhang, falls das Wetter schlechter wird und natürlich das Schwert zur Verteidigung. Dann noch der Dolch, Geld und natürlich das Amulett. Ja, das müsste alles sein.</b>

Nachdem sie im Geiste die Liste noch mal durchgegangen war, begann sie damit, alles notwendige für die Reise zusammenzupacken und auf den Tisch zu legen. Als erstes nahm sie das Kurzschwert aus dem Schrank und legte es auf den Tisch. Danach nahm sie ihren Umhängebeutel und packte ihren Umhang, Brot, Schinken, und Wurst sowie einen Schlauch mit Wasser und ihren Geldbeutel hinein. Dazu kam noch Karlus Buch, da sie unterwegs weiter an der Vervollkommnung ihrer Magie arbeiten wollte. Den Beutel legte sie neben das Schwert und dazu noch den Dolch. Die Kette mit dem Amulett behielt sie zur Sicherheit gleich um den Hals.
Als sie alles soweit vorbereitet hatte, machte sie sich für die Nacht fertig und war alsbald in einen tiefen Schlaf gefallen.

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Miriel Lefay » Freitag 25. August 2006, 12:34

Am nächsten Morgen erwachte Miriel bereits sehr früh. Ein Blick aus dem kleinen Fenster sagte ihr, dass die Sonne noch weit unter dem Horizont stand. Trotzdem stand sie schon auf, wusch sich gründlich und zog ihr Kleid an. Anschließend schob sie den Dolch auf den weißen Gürtel und schlang ihn um die Hüfte, so dass der Dolch nun an der linken Seite lag. Nach einer letzten ausgiebigen Mahlzeit hängte sie sich ihren Reisebeutel mit dem Proviant und anderen Utensilien über die Schulter und steckte noch zwei Phiolen mit einem wirkungsvollen Heiltrank gegen Krankheiten und Verletzungen hinein. Man wusste ja nie, was einem unterwegs alles passierte. Zum Schluss legte sie sich ihr Schwert um, so dass es mit der Scheide auf dem Rücken zu liegen kam. So gerüstet verließ sie das Haus, verschloss es sorgsam und versteckte den Schlüssel in einem kleinen Blumentopf neben dem Eingang.
Im Schein der ersten Morgenröte erreichte sie das Stadttor. Mit einem letzten wehmütigen Blick auf die Stadt, in der sie so viele Jahre ihres Lebens verbracht hatte, ging sie auf die Wachen zu.

[weiter in Andunie ---> Stadttor]
Zuletzt geändert von Miriel Lefay am Freitag 25. August 2006, 12:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Erzähler » Sonntag 1. Dezember 2013, 13:44

Miriel kommt mit Ryld(NSC) von viewtopic.php?f=82&p=56698#p56698//url

Für den Dunkelelfen war so ein Anblick normal. Fast schon alltäglich gewesen, als er noch aktiv im Dienst war. Das Grauen und der Tod waren seine Begleiter gewesen, aber irgendwann reichte es ihm. Trotzdem war er abgestumpft, hatte zu viel gesehen und selbst ein Dunkelelf konnte am eigenen Leid durch die Taten seines Volkes zerbrechen. Ryld zerbrach nicht- aber er war emotionsmäßig schon lange Tod deswegen. Konnte sich diese Bilder ansehen ohne die geringste Emotion. Er hatte es über die Jahre gelernt, lange bevor sogar Miriel geboren war.
Das es für sie schockierend war, spürte und sah er. Es führte ihn umso deutlicher vor Augen, dass sie zwei Welten waren und er wohl nie ein Teil der ihren werden würde. Trotzdem, es war jetzt wichtig, dass Miriel und ihre Tochter hier heil davon kamen. Er fasste Miriel am Oberarm, zog sie von dem Anblick des Mädchens weg, wessen Anblick sich tief ins Miriels Herz gefressen hatte.
Es würde nichts bringen, wenn er die Frau in den Arm nehmen würde, denn noch waren sie nicht bei ihrer alten Töpferwerkstatt. Hoffentlich war es im Wohnviertel besser.

Doch die Hoffnung verflog schnell. Zerstörung war auch in den Wohnviertels. Einige Häuser waren komplett ausgebrannt, Gesindel duckte sich in dunkle Nischen noch tiefer herein.

Das Grauen ging weiter…die nächste Straße die sie betraten war durch den Geruch von Zerfall und Tod gezeichnet. Orkische Sklaven waren dabei menschliche Kadaver auf einen Karren zu schaufeln und zu einem großen Feuerplatz zu bringen. Hoch loderten die Flammen und ließen den Geruch von Kleidung, Horn und Fleisch andere Gerüche vertreiben. Die Rauchsäule stieg empor und wehte an den Häusern vorbei, wo seltsame Statuen zu sein schienen. Die Toten aus Adelshäuser hingen wie groteske Figuren von ihren Balkonen . Eine kichernde Gestalt mit langen Haaren befehligte die Orks. Sah man genau hin, so erkannte man, dass dies wohl ein Mann gewesen sein musste, der sich die Haut eines anderen wie einen Mantel über gelegt hatte. Lachend und verspottend stand er vor etwas und Miriel konnte einen hölzernen Pfahl sehen, der einer Person durch den Körper getrieben wurde war. Langsam zog das Eigengewicht die Person runter…sie lebte noch und stöhnte.
Miriel kannte den Mann. Es war ein Nachbar gewesen, der einst auch um sie gebuhlt hatte. Ein wahrer Kämpfer immer, der nun keinen Heldentod erhalten würde.

Das Wesen welches ungeduldig mit den Fingern auf seinen Oberarm trommelte, schien es jedoch nicht schnell genug geben.
„der ist noch immer nicht tot…verdammt, wir sollen doch aufräumen. „ Ein Surren erfüllte die Luft. Der Bolzen, der dann diesen armen Mann erlöste, ließ diesen Troll jedoch zusammen zucken. Zwei Menschen, die mehr als zerlumpt waren und dabei waren, die Leichen und des weitere zu entsorgen, blickten zwar panisch aber aus leeren Augen zu den Neuankömmlingen. Ihr Wille war schon länger gebrochen. Waren Schatten ihrer selbst.
Ryld packte mit einem tiefen Grollen seine Armbrust weg. Sein Gesicht war eine eisige Maske. Das Entsetzen welches hingegen überhaupt nicht mehr aus dem Blick von Miriel weichen wollte, traf ihn härter als als die Grausamkeit, die sein Volk angestellt hatte. Miriel meinte in der Wüste, jeder hat die Chance sich zu ändern, aber galt es wirklich für jemanden wie ihn? Er zweifelte im Moment immer wieder daran. Er sollte Miriel schnellstmöglich wegbringen. Irgendwohin, wo jemand nicht die Dunkelheit mit sich führte. Aber gab es noch sichere Orte?
„Warum habt ihr das gemacht?“ wurde Ryld angesprochen und der Troll war zu ihm gewandt, war jedoch geguckt.
„Es hat mir zu lange gedauert“ zischte dieser nur kalt. Sein Stimme klang so frostig die die Kälteste Jahreszeit bei ihrem härtesten Nacht.
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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Miriel Lefay » Freitag 30. Januar 2015, 21:17

Nachdem Ryld sie hart am Arm gefasst und vom Schauplatz des Grauens weggezogen hatte, trottete Miriel teilnahmslos durch die Straßen hinter ihm her. Doch seine Absicht, Miriel den grauenvollen Anblick zu ersparen, wurde mit jedem weiteren Schritt zunichte gemacht. Die Bilder, die sie sahen, glichen sich, egal welchen Straßenzug sie gerade passierten. Es schien, als wären sie aus dem Albtraum eines Irren Psychophaten entsprungen. Selbst im Viertel der reicheren Andunier herrschte nur Tod und Zerstörung. Eine Szene war besonders grotesk. Während am Balkon einer Villa noch die verwesenden Leichen der vormaligen Beitzer baumelten, feierten die neuen Bewohner, warscheinlich ein einflussreicher Dunkelelf und sein Gefolge, in den Räumlichkeiten darüber gerade ein rauschendes Fest.
Kaum ein Gebäude, das nicht irgendwelche Schäden des Kampfes um die Hafenstadt aufwies. Viele der Häuser waren niedergebrannt, andere standen zwar noch, hatten aber keine Fenster mehr oder beschädigte Dächer und Wände. Lediglich einige wenige Häuser wiesen nur geringfügige Schäden auf und waren mehr oder weniger bewohnbar.
Seitdem sie das an das Tor genagelte Mädchen verlassen hatten, hatte Miriel kaum ein Wort gesprochen, doch ihre Gedanken fanden keine Ruhe. Immer mehr kamen ihr Zweifel an ihrer Entscheidung, nach Andunie zurückzukehren. Von Ryld hatte sie doch erfahren, dass sich die Dunkelelfen zum Krieg rüsteten, also was hatte sie gedacht? Nein, es wäre besser gewesen, wenn sie wieder nach Zyranus gegangen wäre. Dort kannte sie den Feind, dort hätte sie sich entsprechend verhalten können. Dies hier war nicht das Andunie, in welches sie wollte. Nein, dieses Andunie war nicht ihre Heimatstadt, diese Stadt war ihr fremd und sie war tödlich. Jeder Schritt konnte hier ihr letzter sein. Sie war so in Gedanken, dass sie auf Rylds Rücken prallte, als dieser plötzlich einfach stehen blieb.
Mechanisch, ganz ihre Rolle ausfüllend, murmelte sie mit ängstlichem Blick: „Verzeiht Herr, es war meine Schuld. Ich habe nicht aufgepasst. Bitte bestraft mich nicht.“
Ein drohendes Knurren war alles was sie von Ryld zu hören bekam. Dies konnte in den Augen etwaiger anwesender Feinde so gut wie alles und auch nichts bedeuten. Während Ryld sich dem Geschehen zuwandte und den gepfählten Mann, den Miriel als ihren Nachbarn erkannte, mit einem Schuss seiner Armbrust vom Leid erlöste, ließ Miriel, nachdem sie sich von dem Schock wieder erholt hatte, den Blick schweifen. Ihre Augenmerk legte sie schließlich auf ein Pergament, dass an ein Brett am Straßenrand geheftet war. Es handelte sich um einen Steckbrief. Nicht um irgendeinen Steckbrief, nein, auf dem Pergament konnte sie fein säuberlich ihr eigenes Konterfei als auch das von Yann, Earane und Lyrien erkennen. Die Summe, die auf jeden einzelnen dieser Köpfe ausgesetzt war, verschlug ihr fast den Atem. Es grenzte schon an ein Wunder, dass sie, seitdem sie Venthas Tempel verlassen hatten, noch nicht erkannt wurde. Auf jeden Fall würde sie jeder Strauchdieb, sobald er sie erkannte, mit Freuden an die Dunkelelfen verraten, nur um den schönen Batzen Gold für sich einzustreichen. Gut, dass sie in Zyranus wenigstens ihren Umhang mitgenommen hatte. So konnte sie schell die Kapuze über ihren Kopf und tief ins Gesicht ziehen, was ihr Erkennen durch andere nun erschwerte. Da im Moment niemand auf sie achtete, riss sie den Steckbrief vom Brett und steckte ihn schnell in ihre Umhangtasche. Sie würde später noch mit Ryld darüber reden müssen. Im Moment war es allerdings wichtig, dass sie schnell weiter gingen und ihre kleine Töpferei erreichten, sofern diese überhaupt noch existierte und nicht auch niedergebrannt war.
Mit nun gesenktem Blick wandte sie sich an Ryld, der sich gerade mit einem selbst für Miriel unheimlich wirkenden Landsmann unterhielt. Leider wusste sie nicht worum es bei dem Disput ging, aber das spielte auch keine Rolle.
Unterwürfig und mit verzagter Stimme hauchte sie mehr als sie tatsächlich sprach:
„Herr!“, dabei zupfte sie kaum merklich an Rylds Arm. „Herr. Können wir weiter? Mein Kind ...“
Weiter kam sie nicht, denn schneidend fuhr Ryld sie an: „Schweig still Sklavin! Ich entscheide wann wir gehen und wann nicht! Für deine Unbotmäßigkeit wirst du bestraft werden! Nicht jetzt, aber später, wenn wir allein sind.“
Mit gespielt vor Angst bebenden Schultern und weinerlicher Stimme entgegnete sie darauf nur ein: „Natürlich Herr. Meine Dreistigkeit ist unverzeihlich und nur durch angemessene Strafe zu sühnen.“
Ihr war klar, dass sie als Sklavin Rylds eine strafwürdige Handlung begangen hatte, aber die Gefahr einer Entdeckung ihrer Identität rechtfertigte dies in ihren Augen. Sie hoffte nur, dass sie den anderen Dunkelelfen mit ihrer Unbotmäßigkeit nicht misstrauisch gemacht hatte. Nicht auszudenken was passieren würde, sollte er ihre Scharade durchschauen.

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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Erzähler » Samstag 31. Januar 2015, 10:41

((Moderatorenwechsel))

Ryld hatte sich halb vor Miriel positioniert, sodass sie kaum zu sehen war und auch sie nur ein halbes Bild auf das Geschehen hatte. Seine lässige Haltung war trügerisch, denn hinter seinem Rücken ruhte seine freie Hand auf dem Griff seines Schwertes. Sie kannte ihn schon so gut um sofort zu wissen, dass etwas im Argen war. Ihre Hand riss schnell den Steckbrief ab, dann spähte sie vorsichtig nach vorne, an ihm vorbei. Der Kerl mit dem Menschenhaut-Mantel näherte sich in Begleitung zweier Orks und musterte die beiden Neuankömmlinge teils misstrauisch, teils verärgert.
„Herr!“
, dabei zupfte sie kaum merklich an Rylds Arm.
„Herr. Können wir weiter? Mein Kind ...“
Ryld fuhr sie an:
„Schweig still Sklavin! Ich entscheide wann wir gehen und wann nicht! Für deine Unbotmäßigkeit wirst du bestraft werden! Nicht jetzt, aber später, wenn wir allein sind.“
„Natürlich Herr. Meine Dreistigkeit ist unverzeihlich und nur durch angemessene Strafe zu sühnen.“

Ihr kurzes unterwürfiges Geplänkel zwischen Herr und Sklavin wurde aufmerksam beobachtet, doch wirkte er vor allem wie ein verwöhntes Kind, dass Ryld durch den Schuss seines Bolzen, sein Spielzeug weggenommen hatte.
„Warum habt ihr das gemacht?“
war Ryld angesprochen worden und der Dunkelelf mit dem grotesken Mantel hatte sich ihm zugewandt. Irgendwie geguckt, wohl für den Fall, dass sich der Fremde entschließen könnte, noch einen Bolzen auf die Reise zu schicken, näherte er sich weiter.
„Es hat mir zu lange gedauert“
zischte Ryld nur kalt und ließ die Armbrust betont langsam sinken. Schnelle Bewegungen waren in solchen Situationen immer wenig hilfreich. Er schob die Kapuze herunter, entblößte sein Gesicht und seine Wange, damit der andere ihn deutlich sehen konnte und die Aufmerksamkeit auf ihn anstatt auf seine Begleiterin gezogen wurde. Der Andere zog die Stirn kraus, als würde er etwas erkennen, das ihm nicht gefiel. Erkannte der Kerl sein Gegenüber? Oder kannte Ryld diesen Kerl? Seine Stimme hatte so frostig wie die kälteste Jahreszeit, in ihrer härtesten Nacht geklungen. Doch nicht nur seine Stimme war wie Eis. Tatsächlich begann es plötzlich zu schneien und dicke weiße Kristalle stachen wie Nadeln, dort wo sie die nackte Haut berührten. Der Wind frischte auf und irgendwo in der Ferne läuteten Glocken. Was sie wohl bedeuteten? Der Kopf des Kerls vor ihnen, der sich in Menschenhaut gewandete, zuckte zum Himmel und er blieb verwundert stehen.
„Was bei Faldors blutigem … ?“
Auch die umstehenden Orks und die menschlichen Sklaven schauten einen Moment lang verwundert den weißen Flocken entgegen. Vielleicht war es die trügerische Hoffnung die dieser stille Anblick spendete, vielleicht auch das ferne Leuchten eines funkelnden Sterns oder der Klang der Glocken, der den Blick der Sklaven verwandelte. War ihr Wille auch einst gebrochen worden, konnte ein Funken Hoffnung, Licht in ihr trostloses Dasein bringen. Auch wenn es nur für einen Moment bewirkte, dass sie sich wieder lebendig fühlten. Miriel sah den Wandel vor sich gehen. Vier Männer, geschunden und ausgemergelte Leiber, die zuvor die Körper ihrer verstorbenen Nachbarn auflasen und auf einen Wagen mit Stroh geladen hatten, starrten in den weißen Himmel, aus dem sich Venthas Segen über die Stadt legte. Kurz zuvor hatte Miriel noch selbst in dem geschändeten Hause der Göttin verweilt und jetzt fielen ihre kalten Sterne vom Himmel, als wollten sie all das vergossene Blut auf den Straßen der Stadt unter sich begraben. Vielleicht fühlte die Erdkristall-Trägerin selbst Venthas Zauber in diesem kostbaren Momenten. Vielleicht lenkte sie ebenfalls das helle Leuchten des neu erschienen Stern Lysanthors am Himmel ihre Aufmerksamkeit ab und ließ sie den Schnee im Wind beobachten. Eine Böe erfasste ihren Mantel und wehte vom Wagen ihr den Gestank des Todes entgegen, doch gleichzeitig verfingen sich einige golden glitzernde Strohhalme in ihrer Kleidung. Es war kalt. Das mit Runen besetzte Tragetuch um ihre Tochter hielt den Wind von ihrem Kind fern, doch Miriel wurde sofort klar, dass sie sich nicht lange im Freien aufhalten durfte. Ein kurzer Blick auf ihren größten Schatz ließ sie erschauern. Die winzigen Händchen hielten einen Strohalm fest umspannt und zwischen all dem Bösen dieser Welt schenkte ihr ihr Kind im Schlaf ihr ein kleines Lächeln. Egal wie schrecklich diese Welt auch sein konnte, es gab immer Wunder die es zu bewahren und zu schützen galt.
Als Miriel wieder aufsah, bemerkte sie, dass die meisten noch in den Himmel sahen und sie sah sich um. Eine kurze Bewegung erregte ihre Aufmerksamkeit und sie beobachtete den schnellen Blickwechsel der Sklaven untereinander. Auch sie trugen den Funken der Hoffnung in ihren Augen und dieser ließ sie handeln. Zwei griffen nach den Schaufeln im Stroh, die sie bekommen hatten um ihre Landsleute zu begraben, einer zog den Verbindungsbolzen, ähnlich einem dicken Nagel, zwischen Karren und Gespann aus seiner Halterung und der letzte ballte einfach nur die Fäuste und sah zu ihr herüber. Die Entschlossenheit in ihren Gesichter, würde Miriel nie vergessen. Dann ging plötzlich alles ganz schnell!
Sie schrien nicht zum Angriff, sie rannten einfach los. Zwei auf einmal attackierten einen der Orks, der gerade wieder erst zu sich kam und den gepfählten Nachbarn von seinem Hochsitz holen wollte. Der Nagel traf den Hals des grünhäutigen Koloss, der gurgeln etwas unverständliches brüllte. Sofort kam Leben in die Szenerie und auch der Rest riss sich vom Anblick des Schneegestöbers los. Einer rannte von hinten auf den Anführer im Mantel zu, schwang die Schaufel in den Händen, doch die beiden Orks wirbelten herum und machten jedem Versuch ihren Herrn zu erreichen ein schnelles Ende. Inmitten des ausbrechenden Chaos brüllte eine sich überschlagende Stimme:
„TÖTET SIE ALLE! BRINGT DIESE STINKENDEN MENSCHEN UM! ICH WILL IHR BLUT FLIESSEN SEHEN!“
Ryld drehte sich zu Miriel um, packte sie bei den Schultern, drückte sie an eine Hauswand und sein Blick bohrte sich in ihren. Eine unheilvolle Ahnung kroch wie die Kälte unter Miriels Haut.
„Du musst hier weg! Schnell!"
In seiner Aufregung hatte er in seine Muttersprache begonnen zu flüstern, fing sich aber dann wieder.
"Ich kann sie eine Weile aufhalten. Falls wir getrennt werden sollten und du gefangen, falls sie dich nach Morgeria bringen, dann merk dir diesen Namen: Kasan! Er ist Schmied und der einzige der dir helfen wird. Ich werde versuchen dich zu finden. Ich …“
Sein Blick wurde weicher. Vielleicht hatte er noch etwas anderes sagen wollen, doch dann schaute er über seine Schulter zu dem Anführer, der sie beide anstarrte. Miriel wurde eiskalt. Der Blutdurst in diesen roten Augen war grenzenlos und er sah ihr direkt in die Augen. Er wollte sie! Er wollte ihr Blut! Rylds Atem war nah an ihrer Wange und eine unheilvolle Endgültigkeit lag in seinen Worten.
„Er darf dich nicht kriegen! Ich werde es nicht zulassen.!“
Dann wirbelte er herum, riss die Armbrust hoch Seine breiten Schultern verdeckten ihr die Sicht, doch sein Befehl war klar und deutlich.
„LAUF!“
Um ihres Kindes und ihres eigenen Lebens Willen musste sie fliehen! Ryld würde ihr Zeit verschaffen und sie dann suchen. Er war ein herausragender Kämpfer und die Chancen standen bestimmt nicht schlecht für ihn, doch wenn er seine Aufmerksamkeit teilen und sie beschützen musste, könnte er verletzt werden. Miriel sah sich um. Es gab nur einen Weg. Der Platz den diese T-Kreuzung bildete, war nicht all zu groß und der Wagen mit den Leichen versperrte inzwischen den Fluchtweg zur rechten, geradezu wurde gekämpft und dort lauerte schlimmeres als der Tod. Die Gasse zur Linken führte nicht weit von hier, in Richtung ihres alten Töpferladens. Dort hatte sie hin wollen, dort hatte sie doch ein neues Leben mit ihrer Tochter beginnen wollen. Spätestens jetzt musste ihr klar werden, dass das in Andunie unmöglich war! Trotzdem war es der einzige noch freie Weg um zu entkommen. Das, ein Kampf mit einem schnellen Tod oder eine noch schlimmere Zukunft als wahre Sklavin eines Faldor-Schlächters. Was dieser Kerl mit ihrer Tochter anstellen würde, wollte sie sich gar nicht erst nicht ausmalen! Der bloße Gedanke an die Möglichkeiten beflügelte all ihre Kräfte.
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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 8. Februar 2015, 22:24

Nachdem Ryld sie mit seinen harschen Worten auf ihren Platz erwiesen hatte, hoffte Miriel inständig, dass der andere Dunkelelf keinen Verdacht schöpfte. Schon schlimm genug, dass Ryld ihn durch seinen Schuss verärgerte und so dessen Aufmerksamkeit weiter auf sie beide zog. Aus zu Schlitzen verengten Augen beobachtete die Erdmagierin hinter Rylds Rücken die Szenerie. Die Orks machten ihr weniger Sorgen. Diese waren selbst Sklaven, wenn auch etwas besser gestellte als die Menschen, aber dennoch Sklaven, die nur die Befehle der Dunkelelfen ausführten. Anders der hagere Dunkelelf. Bei seinem Anblick kroch Miriel ein Schauder den Rücken hinauf, hatte er doch mit seinem höhnschen Kichern, dem Mantel aus Menschenhaut und seinem fratzenhaften Gesicht etwas dämonisches an sich. Sie konnte nur hoffen, dass Rylds Stand unter den Dunkelelfen ausreichte, um auch diesen Kerl im Zaum zu halten.
Als ihr Begleiter seine Kaputze nach hinten schob und der Dunkelelf des Gesichts ansichtig wurde, sah es im ersten Moment so aus, als würde dies wieder einmal genügen. Immerhin schlich sich so etwas wie Erkennen in den Blick des anderen Dunkelelfen und Miriel wollte schon aufatmen, als sich die Situation von einem Augenblick auf den anderen änderte.
Im Nachhinein konnte Miriel nicht mehr sagen was es war, dass das Verhalten, vor allem der menschlichen Sklaven, veränderte. Möglicherweise waren es die entfernt läutenden Glocken, vielleicht aber auch der unversehens einsetzende Schneefall, auf jeden Fall erkannte Miriel die plötzlich aufkeimende Hoffnung und Entschlossenheit im Blick der Sklaven. Für sie selbst änderte sich nicht viel. Ja, auch sie spürte wie mit einem Mal etwas in der Luft mitschwang, aber sie hatte inzwischen zu viel Leid erfahren und ihr Zorn und ihr Hass hatten sich zu sehr in ihrem Herzen festgesetzt, als dass sie in den weißen Flocken mehr sah als sie tatsächlich waren. Nämlich Schnee, nur nasser, kalter Schnee.
Für die menschlichen Sklavern bedeutete er jedoch Reinheit und Hoffnung und alles was Miriel denken konnte war: Es kommt immer anders als man denkt. Und bei ihr war dies seit dem Sieg über Faldors Wolken immer mit Leid und Verlust verbunden.
Innerlich betend, dass die Menschen nun keine Dummheit begehen mochten, ahnte sie doch, dass ihre Gebete einmal mehr nicht erhört werden würden. Die Götter hatten sich schon längst von ihr abgewandt oder war es umgekehrt? Hatte sie sich längst von den alten Göttern, die die Menschen in ihrem Leid allein ließen, abgewandt? Wahrscheinlich war es so, denn wo waren Florencia und die anderen Götter denn gewesen, als sie fast gestorben wäre? Wo waren sie, als man ihr den Geliebten und ihrem Kind den Vater genommen hatte? Und wo waren sie jetzt, in diesem Augenblick?
Nein, auf die Götter zählte Miriel schon lange nicht mehr. Und so kam es wie es kommen musste, wie es wohl unausweichlich war. Die Sklaven erhoben sich gegen ihre Peiniger. Was hatten sie denn auch groß zu verlieren? Nichts! Aber alles zu gewinnen, allen voran ihre Freiheit! Kaum mit ihren Gedanken so weit gekommen, ging auf einmal alles rasend schnell. Wie versteinert stand Miriel da, ungläubig ob des Geschehens, des Schreiens und Sterbens um sie herum. Sie sah und hörte alles und verstand doch nichts. Erst als Ryld sie vehement an der Schulter rüttelte, erwachte sie aus ihrer Trance und erfasste ihre Umwelt wieder bewusst. Mit schmerzhafter Klarheit erkannte sie, dass sie hier schnellstens weg mussten. Und wie um ihre Gedanken zu bestätigen, beschwor Ryld den braunhaarigen Lockenkopf sofort zu verschwinden. In aller Eile nannte er ihr für den Fall, dass man sie fasste und nach Morgeria verschleppte, den Namen eines Mannes. Kasan! Ein Schmied, aber vor allem jemand, der ihr helfen könnte. Sie nickte nur, zum Zeichen dass sie ihn verstanden hatte, wohl wissend, dass sich ihre Wege hier und jetzt trennen würden. Ryld würde seinen Schwur, sie und ihr Kind zu beschützen, nun einlösen und sie gegen den wie von Sinnen kreischenden Dämon von einem Dunkelelfen verteidigen. Seinen Schrei: „LAUF!“ nahm sie nur noch am Rande war, da sie bereits wie von Sinnen davon rannte.
Nicht umdrehen, bei allem was dir lieb und teuer ist, bloß nicht umdrehen. Lauf wie du noch nie gelaufen bist, war alles was sie denken konnte während sie sich wie gehetzt immer weiter vom Kampfplatz entfernte.
Sie wusste nicht wie lange sie schon lief, als sie schließlich keuchend und nach Atem ringend stehen blieb. Zum Glück kannte sie sich in Andunie aus und hatte instinktiv den Weg in Richtung ihrer Töpferei eingeschlagen. Sich kurz umblickend erkannte sie, dass es von ihrem jetzigen Standort aus nicht mehr weit war. Nur die Straße noch ein Stück weiter, dann links und gleich wieder rechts und sie würde das Haus schon sehen können. Nun, so ganz ohne Rylds Schutz und auf sich allein gestellt, würde sie auf der Straße für jeden zum Freiwild werden. So verschnaufte sie auch nicht zu lange und nahm beizeiten die Beine erneut in die Hand.
Sie wusste später nicht zu sagen wie, aber es grenzte schon an ein Wunder, dass sie schließlich unbehelligt ihre Töpferei erreichte. Zum Glück war niemand auf der Straße zu sehen, was ihr im Weiteren wohl zum Vorteil gereichte. Sich den Zustand des Hauses nicht weiter betrachtend, stieß sie die Tür auf und rannte wie von Furien gehetzt in das Haus. Nur runter von der Straße, weg aus dem Blickfeld zufällig herumstreunender Leute. Kurz sichernd stellte sie erleichtert fest, dass das Haus leer stand und nicht von irgendwelchem Gesindel als Bleibe genutzt wurde. Warum auch immer, dieses Viertel war anscheinend völlig verwaist, worüber sie jedoch nicht allzu gram war. Sie blieb nicht lange in dem ehemaligen Wohnraum stehen, denn auch hier konnte jederzeit jemand eindringen und sie ergreifen. Also eilte sie durch den Raum und die angrenzende Küche in die Töpferwerkstatt. Dort, unterhalb des Bodens und über eine Bodenluke erreichbar, war ein kleiner Lagerraum, in den sie nun hinab stieg. Sollte durch einen Zufall irgendetwas schief gehen und ihr Haus als möglicher Schlupfwinkel durchsucht werden, so hoffte sie, dass derjenige nicht bis in die Werkstatt vordrang oder wenn, dann dort wenigstens die Bodenluke übersah.
Schwer atmend ließ sie sich auf einer Kiste nieder, in der noch einige ihrer zuletzt gefertigten Waren lagerten, schloss ihre Augen und hoffte, dass es Ryld gelang, unbeschadet zu ihr zu gelangen. Er war ein ausgezeichneter Kämpfer und seine Chancen standen deswegen nicht allzu schlecht. Doch was wenn nicht? Sie wollte diesen Gedanken garnicht weiter denken, aber wenn doch? Was dann? Was sollte sie dann tun? Was konnte sie überhaupt tun, umgeben von lauter Feinden? Sie spürte das Pergament des Steckbriefs in ihrer Tasche, welches mit einem Mal wie Feuer unter ihren Nägeln brannte. Sie würde für den Fall der Fälle planen müssen, würde sich mit dem Gedanken abfinden müssen, dass Ryld wohlmöglich nicht wieder kam. Irgendwann döste sie über ihre Gedanken hinweg ein und wurde erst wieder wach, als sich Toireasa in ihrem Tragetuch regte. Sie wusste nicht wieviel Zeit vergangen war, doch anscheinend war Ryld nicht gekommen und so wagte sich Miriel nicht aus dem Lagerraum heraus. Erst eine gefühlte Ewigkeit später, als Toireasa zu quengeln anfing und sie es nicht mehr hinauszögern konnte, blieb ihr nichts anderes übrig, als den Lagerraum zu verlassen und sich im Haus umzusehen.

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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Erzähler » Dienstag 10. Februar 2015, 21:52

Dieses Viertel war anscheinend völlig verwaist, denn Miriel hatte auf ihrer Flucht niemanden auf den Straßen gesehen. Es war zwar nicht unmöglich, dass sich hier und da noch jemand in den dunklen Gassen der Stadt versteckte, doch offen wagte sich niemand auf die Straße. Es grenzte schon an ein Wunder, dass sie schließlich unbehelligt ihre Töpferei erreichte. Zum Glück war niemand auf der Straße zu sehen, was ihr im Weiteren wohl zum Vorteil gereichte. Sich den Zustand des Hauses nicht weiter betrachtend, stieß sie die Tür auf, die kaum noch wirklich in den Angeln hing. Sie blieb nicht lange in dem ehemaligen Wohn- und Geschäftsräumen stehen, denn auch hier konnte jederzeit jemand eindringen und sie angreifen. Also eilte sie durch den Raum und die angrenzende Küche in die Töpferwerkstatt. Der einstige große, massive Brennofen war das einzige, was ihr in ihrer Eile auffiel. Er stand noch, auch wenn er vollkommen schwarz, wie fast alles andere in der Umgebung war. Neben dem Asche-Fang, unterhalb des ebenen Bodens und über eine Bodenluke erreichbar, war ein kleiner Lagerraum, in den sie nun hinab stieg. Sollte durch einen Zufall irgendetwas schief gehen und ihr Haus als möglicher Schlupfwinkel durchsucht werden, so hoffte sie, dass derjenige nicht bis in die Werkstatt vordrang oder wenn, dann dort wenigstens die Bodenluke übersah, die sich Ton in Ton in die Umgebung fügte. Schwer atmend ließ sie sich auf einer Kiste nieder, in der noch einige ihrer zuletzt gefertigten Waren lagerten, schloss ihre Augen. Irgendwann döste sie über ihre trüben Gedanken hinweg ein und wurde erst wieder wach, als sich Toireasa in ihrem Tragetuch regte. Sie wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, doch anscheinend war Ryld nicht gekommen und so wagte sich Miriel nicht aus dem Lagerraum heraus. Erst eine gefühlte Ewigkeit später, als Toireasa zu quengeln anfing und sie es nicht mehr hinauszögern konnte, blieb ihr nichts anderes übrig, als den Lagerraum zu verlassen und sich im Haus umzusehen. Vorsichtig stieg sie die Stufen zur Töpferei hinauf, als sie hinter sich ein leises Knarren gefolgt von einer Stimme hörte:
„Ihr … Ihr habt ein Kind?“
Miriel wirbelte auf der Treppe herum und wäre fast vor Schreck gestürzt. Aus der Dunkelheit schälte sich der Schemen schmaler Schultern und ein gebeugtes Haupt. Die ängstliche Haltung zeigte keinerlei Aggressionen oder Gefahr, aber trotzdem musste sie erst einmal ihren Herzschlag beruhigen. Sie hatte gerade so einen Schrei verhindern können, der ihren Standort wohl möglich der gesammten Umgebung verraten hätte und musste sich erst einmal gedanklich sortieren. Sie hatte mit dieser Gestalt ganz offensichtlich geraume Zeit in diesem Keller verbracht, ohne es zu merken, sogar in ihrer Gegenwart geschlafen!
„Ihr … bitte sprecht leise. Ihr habt ein Kind?“
Die Stimme zitterte und die Gestalt machte noch einen kleinen Schritt näher auf Miriel zu, hinaus aus der Finsternis. Ruß und Schmutz tarnten ihren Körper fast perfekt und eine dünne Hand hob sich kurz um sich gleich wieder zuckend zu verstecken.
„Ihr dürft hier kein Kind haben! Nicht hier! Nein, ihr … sie werden kommen und es euch weg nehmen! Sie werden kommen!“
Der Schatten lichtete sich, als sie in den schmalen Lichtstreifen trat, der von der Luke oben in den Keller fiel. Die zitternde Gestalt war eine Frau, die vielleicht 30 oder 40 Winter gesehen hatte. So genau war das unter dem Schmutz nicht zu erkennen. Einzig die hellen, graublauen Augen stachen wie Aquamarine aus dem Dunkel hervor. Ihr rotbraunes, stoppeliges Haar ragte nach allen Seiten, gleich einem alten Besen. In den verklebten Spitzen hingen Spinnweben. Eine Bewegung des Kopfes zeigte helle Haut am Hals und wenn sie aufrecht hin stellen würde, maß sie vielleicht 1,70m. Doch sie stand nicht aufrecht. Mit ihrem Körper stimmte etwas nicht. Die seltsam nach vorn gebeugte Haltung war nicht normal und wirkte verkrampft. Noch einmal wiederholte sich jetzt schon mehr flüsternd ihre Warnung:
"Ihr dürft hier kein Kind haben!"
umspannte mit den Armen den bebenden Köper, wiegte sich selbst und zog sich wieder tiefer in die Schatten zurück.
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Miriel Lefay
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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Miriel Lefay » Donnerstag 12. Februar 2015, 22:42

Toireasa forderte ihr Recht auf Nahrung und eine saubere Windel ein, so dass Miriel nichts anderes übrig blieb, als sich in der Düsternis des Kellerlagers zur Leiter voranzutasten, welche zu der Luke in der Töpferwerkstatt führte. Toireasa war aber nur eines ihrer Probleme, das es zu lösen galt. Ein weiteres war die Veränderung ihres Aussehens. Und dann war da auch noch das Problem der Nahrungs- und Wasserbeschaffung. Gut, Wasser war nicht unbedingt ein Problem, da die kleine Töpferei über einen eigenen Brunnen im Hof verfügte. Mit etwas Glück fand sich im Stall, wo früher ihr Esel untergebracht war, noch etwas Stroh, woraus sie in der Werkstatt eine Schlafstatt errichten konnte. Die Wohnung selbst und auch die Küche wollte sie so wenig wie möglich nutzen, um die Möglichkeit einer Entdeckung so gering wie möglich zu halten. Allerdings blieb da noch das Problem des Feuers zum Kochen und zum aufwärmen, immerhin war es draußen nicht gerade warm. Aber ein Restrisiko war wohl unumgänglich, wollte sie mit Toireasa nicht erfrieren. Und der Brennofen sollte dafür ausreichend sein. Tongeschirr hatte sie jedenfalls noch genug im Kellerlager stehen.
Über all ihre Probleme und Möglichkeiten sinnierend erreichte sie die Leiter und stieg diese nach oben, öffnete die Luke und wollte gerade durch diese in die Werkstatt steigen, als sie ein Knarren im Lagerraum vernahm und dieses Knarren kam nicht von der Leiter auf der sie gerade stand. Begleitet wurde das Knarren von einer Frauenstimme, die für Miriel unerwartet zu ihr sprach:
„Ihr … Ihr habt ein Kind?“
Vor Schreck wäre Miriel beinahe von der Leiter gefallen, als sie sich ruckartig umdrehte und einen Aufschrei nur mit aller Mühe unterdrücken konnte. Woher kam die Frau, denn dass es eine Frau war, hatte der Erdmagierin die Stimme verraten. Und noch viel wichtiger, wie konnte ihr die Frau im Lagerraum entgehen?
Verdammt, sie durfte sich solche Fehler einfach nicht erlauben, wollte sie die nächste Zeit überleben! Nun, die Stimme sparch Garmisch, Miriels Muttersprache, auch wenn sie sich inzwischen fremd für die braunhaarige Magierin anhörte, sprach sie seit fast einem Jahr nur noch Lerium. Trotzdem, seine Muttersprache verlernte man nie. Wie gesagt, sie sprach Garmisch und hatte ängstlich und zittrig geklungen.
Und da die Frau sich erst jetzt meldete, entschied Miriel, dass von ihr vorerst keine Gefahr ausging, anderenfalls wäre es ihr vorhin, als die Magierin wegdämmerte, ein Leichtes gewesen, ihr etwas anzutun.
Wahrscheinlich versteckte sie sich dort ebenso, wie es Miriel tat. Kurz überlegte sie, ob sie antworten sollte, als sich die Stimme erneut meldete:
„Ihr … bitte sprecht leise. Ihr habt ein Kind?“ Aus der Dunkelheit des Kellers schälte sich die ausgemergelte, von Dreck- und Ruß geschwärzte Gestalt einer Frau. Ihr Alter ließ sich aufgrund des geschwächten und verdreckten Körpers schwer schätzen. Miriel nahm an, dass sie 30 vielleicht aber auch schon 40 Winter gesehen hatte. Ihre Stimme, Haltung wie ihr ganzes Auftreten waren jedoch eher mit einem verschreckten, eingeschüchterten Kind zu vergleichen, denn als Frau in Miriels Alter.
Erneut die Stimme: „Ihr dürft hier kein Kind haben! Nicht hier! Nein, ihr … sie werden kommen und es euch weg nehmen! Sie werden kommen!“
Miriel konnte mit den Worten der Frau einfach nichts anfangen. Wieso sollte sie kein Kind haben dürfen? Abgesehen davon, dass sie ja schon ein Kind hatte. Was sollten die Worte der Frau also bedeuten? Gab es etwa ein Gesetz der Dunkelelfen, dass Menschen keine Kinder mehr haben durften und von dem Miriel nichts wusste.
“Was soll das heißen? Was meint ihr? Warum darf ich kein Kind haben?“ Doch statt einer Antwort zog sich die Frau wieder in die Dunkelheit des Kellers zurück, legte wie zum Schutz die Arme um ihren Körper und begann damit, sich rhythmisch vor und zurück zu wiegen. Ganz leise vernahm Miriel nur noch einmal, dass sie hier kein Kind haben dürfe.
Was auch immer der Frau geschehen war, Miriel entschied, dass sie selbst genug eigene Sorgen und Probleme hatte, deren Lösung vordringlicher war als das Problem der Frau im Kellerlager. Kurz zuckte sie mit den Schultern, drehte sich wieder um und verließ das Kellerlager. Die Luke ließ Miriel erst einmal geöffnet, damit wenigstens etwas Licht in den Lagerraum fiel und auch für den Fall, dass es sich die Frau überlegte und das Lager doch noch verlassen wollte.
Gedanklich machte Miriel eine Liste der Dinge, die sie erledigen wollte, geordnet nach der Priorität. Als vordringlichstes war Toireasas Versorgung. Nur wenn die Kleine ruhig blieb, war eine Entdeckung durch ihr Kindergeschrei unwahrscheinlich. Nun gut, sie brauchte ein Tuch, dass sie als Windel nutzen konnte und Wasser und einen Eimer um die alte Windel zu säubern. Mit etwas Glück fand sie etwas im Wohnzimmer. Bei der Gelegenheit konnte sie auch gleich ein Messer aus der Küche mitnehmen und dort nach einem Eimer schauen.
Vorsichtig verließ sie die Werkstatt durch die Tür zur Küche. Dort nahm sie eines der Messer, die sich noch im Küchenschrank fanden, an sich. Auch einen alten Holztrog konnte sie entdecken, der sich gut zum Wasser holen und waschen eignen würde. Im Wohnzimmer verschloss sie als erstes die Hauseingangstür, welche noch offen stand, ehe sie Schrank und Truhe durchwühlte. Viel war nicht mehr vorhanden. Das meiste war wohl Plünderern in die Hände gefallen. Mit Glück entdeckte sie eine alte verstaubte Wolldecke, die sie unter dem Schrank lag und eine Tischdecke, welche den Plünderern entgangen war. Es grenzte überhaupt an ein Wunder, dass sie noch verwertbare Dinge fand. Zum Glück war die Tür zur Werkstatt unauffällig und den Plünderern entgangen. So hatte sie wenigstens eine vorerst sichere und einigermaßen komfortable Bleibe. Bevor sie das Wohn- und gleichzeitig Schlafzimmer verließ durchwühlte sie noch die Asche des Kamins, wo sie einige wenige Holzstücke an sich nahm, welche nicht vollständig zu Asche zerfallen, sondern nur verkohlt waren. Die Holzkohle würde als provisorisches Haarfärbemittel herhalten müssen. Wieder in der Werkstatt verschloss sie die Zugangstür, so dass man die Tür schon aufbrechen musste, wollte man sich Zutritt zur Werkstatt verschaffen.
Bevor sie die Werkstatt mit dem Holztrog zum Hof hin verließ, rief sie in das Kellerlager hinunter:
“Ihr braucht keine Angst vor mir haben. Ich werde euch sicher nichts tun. Und wenn ihr wollt, könnt ihr auch den Keller verlassen.“ Und wenn ihr nicht wollt, soll's mir auch recht sein, dachte sie noch, während die leicht knarrende Tür anzeigte, dass Miriel die Werkstatt verlassen hatte.

Zuerst ließ sie den Trog in den Brunnen hinab und holte ihn mit Wasser gefüllt wieder nach oben. Danach ging sie in den ehemaligen Stall und klaubte alles was sie an Stroh dort fand zusammen. Wieder in der Werkstatt schichtete sie das Stroh zu einer kleinen Schlafstatt zusammen und legte die Wolldecke darüber. Anschließend bettete sie Toireasa darauf und wechselte ihre Windel, wobei sie die Tischdecke mit dem Messer in vier gleiche Teile zerlegte. So hatte sie nicht nur eine, sondern gleich vier Windeln. Als Toireasa gewickelt und gefüttert war, wobei sie vergeblich versuchte, die Frau im Lagerkeller zum Reden zu bringen, legte sie ihre Tochter auf die Schlafstatt und deckte sie mit ihrem Umhang zu. Die verdreckte Windel wurde gesäubert, das Dreckwasser auf dem Hof entsorgt und der Trog mit frischem Wasser gefüllt.

Wieder in der Werkstatt verschloss sie nun auch akribisch die Tür zum Hof, nahm sich das Messer und machte sich daran ihr Haar zu kürzen bis es schließlich nur noch etwa kinnlang war. Am Ende sah sie wie ein gerupftes Huhn aus, da das Messer nicht unbedingt das schärfste war, aber egal, Hauptsache kürzere Haare. Abschließend nahm sie sich eine kleine Schüssel, in der Werkstatt stand noch genug Töpferware herum, zermahlte die Holzkohlereste zu grobem Staub, den sie anschließend mit etwas Wasser zu einer zähen Paste vermengte. Diese trug sie nun auf ihr Haar auf, so dass sich ihr kastanienbraunes Haar nach und nach in pechschwarzes glattes Haar verwandelte. Mit etwas Ruß und Dreck im Gesicht würde man sie nun nur schwer mit der Frau auf dem Steckbrief in Verbindung bringen. Allerdings war sie sich darüber im Klaren, dass sie damit nicht bei Regen oder Schneefall das Haus verlassen konnte. Für den Moment reichte es, langfristig musste aber eine bessere Lösung für das Problem der Haarfarbe her.

In der Zeit hatte sich die Frau im Kellerlager nicht gerührt, trotzdem Miriel immer wieder versucht hatte, sie zu irgendeiner Reaktion zu bewegen. Es gab für Miriel zwar noch genug zu tun, doch so konnte es einfach nicht weiter gehen. Außerdem brauchte sie unbedingt Hilfe. Allein würde sie früher oder später in dieser von den Dunkelelfen beherrschten Stadt untergehen. Zu zweit hatten sie eher eine Chance zu überleben. Also stieg sie wieder in das Kellerlager hinab und sah sich nach der Frau um. Irgendwie musste sie diese aus ihrem Schneckenhaus heraus holen. Die Frau betrachtend, wie sie sich noch immer vor und zurück wiegte, kam ihr unwillkürlich das Mädchen in Venthas Tempel in den Sinn. Anscheinend hatte die Frau hier ähnliche Schrecken durchlebt wie das Mädchen.
Miriel stöhnte lautlos auf. Warum um alles in der Welt traf sie immer wieder auf Leid und Elend? Nicht nur bei sich selbst, sondern bei allen Menschen mit denen sie zusammentraf. Wozu hatte sie damals gegen Faldor und seine Wolken gekämpft? Welchen Sinn hatte es gehabt, wenn am Ende doch alles umsonst war. Wenn sie statt als Heldin gefeiert, mit Undank und Verfolgung bedacht wurde.
Traurig sah sie zu der Frau und stellte sich wieder und wieder diese Fragen, ohne am Ende eine befriedigende Antwort darauf zu bekommen.
Aufseufzend streckte sie eine Hand aus und strich sanft über den Arm der Frau.

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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Erzähler » Freitag 13. Februar 2015, 19:22

Bei Miriels Suche nach nützlichen Dingen, fiel ihr vor allem erst einmal der erbärmliche Zustand ihres einstigen Eigenheims auf. Die Nordwand des Wohnzimmers war im oberen Drittel nicht mehr vorhanden, denn ein Feuer hatte dort gewütet und sah man dort hinaus, hatte es die nächsten drei Häuser bis auf die Grundmauern nieder gebrannt. Die Töpferei hatte wohl einen Schutzengel besessen, dass sie nicht auch komplett in Flammen aufgegangen war, aber das war vielleicht auch dem Bau an sich zugute zu halten, da alles was brennbar war weit weg vom Tonofen gelagert worden war. Die Möbel die nahe der Nordwand gestanden hatten, waren verkohlt und auch der Schrank unter dem sie die verrußte Tischdecke fand, war halb verbrannt. Es grenzte wahrhaftig an ein Wunder, dass sie noch ein paar nützliche Dinge zusammen sammeln konnte. Die Schneeflocken schwebten durch das Loch in der Decke und machten das ehemalige Wohn- und Schlafzimmer damit vollkommen unbrauchbar. In der Kochecke, fand sie noch ein stumpfes Messer, dessen Griff schon zur Hälfte nicht mehr existent war. Plünderer hatten sich den Rest ihrer Habseligkeiten geholt und nur in versteckten Ecken, die nur sie kannte, fand die einstige Töpferin noch das was sie zum Überleben brauchte. Damals, als sie von hier fort gegangen war, hatte sie ohnehin das meiste zu Geld gemacht, aber nun war auch noch der letzte Rest verschwunden. Bis auf zwei Kisten mit alten Tongeschirr im Keller und dem hölzernen Eimer aus dem Hof war hier kaum etwas zu gebrauchen. Miriel konnte aber nicht in Gedanken der Vergangenheit nachhängen, denn das liebste in ihrem Leben brauchte sie im hier und jetzt! Ihr leises Quengeln trieb die junge Mutter voran und ließ sie nicht schwach oder weinerlich werden. Sie hatte ein Leben zu beschützen. Während sie also das Notwendigste zusammen klaubte, sah sie doch ab und an zu der Klappe im Boden. Genauso wie sie dringend Hilfe brauchte, brauchte diese Seele dort unten sie auch. Nachdem Toireasa versorgt war und wieder ruhig am Daumen nuckelnd in ihrem Tragtuch hing, stieg Miriel die Stiege hinab und kniete sich zu der Frau. Die Luke ließ sie diesmal offen, damit genug Licht in den Keller fallen konnte. Sie betrachtete das Häufchen Elend vor sich. Das Kleid war zerrissen und an mehreren Stellen grob geflickt. Ein paar alte Narben auf Armen und Gesicht waren unter dem Schmutz zu erkennen. Sie hatte die Knie an den Bauch gezogen und wiegte sich leicht vor und zurück. Als Miriel ihren Arm berührte zuckte zu zurück und riss die Augen auf. Erst jetzt schien sie aus ihrer Trance wirklich zu erwachen und starrte erst sie und dann den Säugling an.
„Heilige Ventha! Ich habe gedacht, ich hätte das geträumt! Ihr seid echt! Ihr Götter!“
Sie berührte Miriel zart an der Schulter, wie um sich noch einmal vergewissern zu müssen. Dann streckte sich ihre Hand nach Toireasas Köpfchen aus, zog sie dann jedoch zurück. Über ihre Lippen huschte ein kurzes Lächeln und gleichzeitig begannen heiße Tränen in Strömen aus ihren Augen zu laufen. Ihre Stimme war nun ganz weich und voller Liebe, wie die einer Mutter.
„Ihr habt ein Kind ...“
Sie legte eine ihre Hände auf ihr Herz und die andere auf ihren Bauch und dabei konnte Miriel Lefay den Grund für die Verwirrung ihres Geistes sehen. Dort wo ihre Hand den Unterleib berührte war ein breiter, quer verlaufender Schnitt im Kleid. Sie hatte ihn mit groben Band in Kreuzen geflickt, doch ein paar Lücken zeigten das gerötete Narbengewebe darunter, dass anscheinend mit dem selben Material geflickt worden war. Sie sah Miriels Blick und sah dann an sich hinab. Sie flüsterte nur noch, aber schien mit jedem Wort mehr und mehr in die Realität zurück zu kehren.
„Sie haben es mir aus dem Bauch geschnitten! Fünf Monde habe ich es unter dem Herzen getragen, dann haben sie es sich geholt. Ich … ich hatte drei Kinder. Ein Mädchen, acht, einen Jungen, vier und das Ungeborene. Sie haben sie alle mitgenommen. Da war diese Frau … sie trug eine schwarze Sonne auf der Brust … sie hat die ganze Zeit gelacht. Sie hat mein Baby genommen und sein kleines Herz vor meinen Augen gegessen, während ihre Wächter mich mit blutendem Bauch gesch... … Meine beiden anderen haben sie von ihren Monstern, diesen großen Wölfen jagen lassen. Nur zum Spaß! Dies ist keine Welt in der man Kinder haben sollte! Ihr müsst die Stadt verlassen! Sie dürfen sie nicht auch noch kriegen! Ich … „
Sie atmete tief durch und straffte die Schultern.
„Ich werde euch helfen! Vielleicht schaffen wir es gemeinsam.“
Der glühende Funken Hoffnung in ihren Augen bezog sich einzig und allein auf Miriels Kind. Was hatte diese Frau auch sonst noch für einen Lebenssinn? Miriel schaute in das narbige Gesicht. Sie hatten ihr alles genommen, ihre Schönheit, ihren Stolz, ihre Kinder! Jetzt da sie das kleine Abbild vollkommener Unschuld vor sich sah, einen Säugling, erwachten all ihre Instinkte. Sie griff sich etwas verlegen an die Brust und ein kleiner dunkler Fleck bildete sich auf ihrem Hemd. Das geschehene war noch nicht all zu lang vorbei und zeigte deutlich körperliche Reaktionen. Dass sie das alles überhaupt überlebt hatte, war wohl ebenso ein Wunder. Zwischen all dem Leid, das Miriel schon gesehen hatte, gab es auch immer wieder kleine Funken Hoffnung und zarte Keime der Freundschaft die aus schwärzester Asche erblühten.
„Ich bin Nadeka … nennt mich Nada. Bitte … bitte erlaubt mir eure Freundin zu sein. Wr müssen doch zusammenhalten! Ich werde alles tun, damit ihr und euer Kind den finsteren Häschern dieses dunklen Gottes entkommt! Bitte!“
Vielleicht war es der Schnee, das Stroh, dass Miriel an ihren Schuhen mit hier her hinunter getragen hatte, oder schlicht der Anblick ihrer Tochter, was dieser Frau neuen Lebenswillen gab. Und brauchte sie nicht ebenso einen Verbündeten in dieser grausamen Zeit? Vielleicht hatte das Schicksal oder irgend ein milde gestimmter Gott doch ihre Not gesehen und die beiden Frauen zusammen geführt. Nada streckte zögernd ihre Hände nach ihr aus und versuchte ein schmales Lächeln. Selbst wenn Miriel nicht an das Schicksal oder Götter glaubte, so war es gewiss der reine Pragmatismus der dieses Angebot sehr verlockend machte. Eine Frau, die kurz zuvor ihr eigenes Kind verloren hatte und sogar noch Milch produzierte, konnte in diesen Tagen eine wirkliche Hilfe sein.
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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Miriel Lefay » Dienstag 10. März 2015, 20:25

Die Reaktion auf Miriels Berührung war nicht viel anders als diejenige, welche das Mädchen in Venthas Tempel gezeigt hatte. Die Frau zuckte erschrocken und ängstlich zurück und brachte erst einmal etwas Abstand zwischen sich und die Erdmagierin.
Miriel ließ ihr die Zeit, um die für die Frau neuen Situation zu begreifen und nutzte diese, um sich das völlig verängstigte Häufchen Mensch genauer zu betrachten. Die Frau sah wirklich bemitleidenswert aus. Das Kleid zerrissen und nur notdürftig geflickt, Arme und Gesicht von Narben gezeichnet und überhaupt war sie ausgemergelt und reichlich unterernährt. Miriel konnte nur Vermutungen anstellen, wann die Frau zuletzt etwas ordentliches zu Essen bekommen hatte. Wahrscheinlich hatte sie die halbverfallene Töpferei und den Keller darin zufällig entdeckt und versteckte sich dort schon seit längerem vor den Dunkelelfen.
Zögerlich und nur ganz allmählich traute sich die Frau schließlich wieder näher. Im Gegensatz zu dem Mädchen in Venthas Tempel verdaute sie den Schock wesentlich schneller, denn nur wenig später überzeugte sie sich mit einem Ausruf des Staunens davon, dass Miriel kein Trugbild ihrer überreizten Nerven war. Wie um sich selbst von der Echtheit der Magierin zu überzeugen, tippte sie Miriel vorsichtig mit dem Zeigefinger an die Schulter, nur um gleich darauf ihre Hand über Toireasas Kopf streichen zu lassen. Zumindest hatte sie es vor, schreckte aber im letzten Moment zurück, ganz so als könne das Bild durch ihre Berührung am Ende doch noch verschwinden.
Dass nun eine völlig andere Frau vor ihr hockte, schien sie jedenfalls nicht im Mindesten zu stören. In Anbetracht der Umstände, unter denen sie Miriel vorhin entdeckt hatte, war es hinwiederum nicht verwunderlich. Wahrscheinlich hatte sie Miriel einfach nicht bewusst wahrgenommen und meinte nun, die selbe Frau, zumindest vom Aussehen her, vor sich zu haben. Es war sicher besser so, dachte sich Miriel. So brauchte sie ihre Veränderung wenigstens nicht erklären. Die Frau hatte sowieso nur noch Augen für Toireasa, da sie nun mit Tränen in den Augen erneut, diesmal nur viel sanfter, meinte: „Ihr habt ein Kind?“ Und erneut konnte sich Miriel über diese an sich doch lapidare Feststellung nur wundern. Sie konnte sich einfach keinen Reim darauf machen, warum dies für die Frau so ungewöhnlich, ja sogar unvorstellbar war.
“Ja natürlich. Was ist daran den so ...?“ Mitten im Satz stockte Miriel, denn in jenem Moment, als die Frau eine Hand auf ihren Bauch legte, erkannte sie den Grund für die Fragen.
“Was um alles in der Welt haben sie euch nur angetan?“, war alles, was Miriel herausbrachte, nicht sicher, ob sie es wirklich wissen wollte. Doch es war zu spät, um ihre Frage zu bereuen, denn mit Schmerz und Traurigkeit in der Stimme begann die Frau von ihrem Schicksal zu erzählen:
„Sie haben es mir aus dem Bauch geschnitten! Fünf Monde habe ich es unter dem Herzen getragen, dann haben sie es sich geholt. Ich … ich hatte drei Kinder. Ein Mädchen, acht, einen Jungen, vier und das Ungeborene. Sie haben sie alle mitgenommen. Da war diese Frau … sie trug eine schwarze Sonne auf der Brust … sie hat die ganze Zeit gelacht. Sie hat mein Baby genommen und sein kleines Herz vor meinen Augen gegessen, während ihre Wächter mich mit blutendem Bauch gesch... … Meine beiden anderen haben sie von ihren Monstern, diesen großen Wölfen jagen lassen. Nur zum Spaß! Dies ist keine Welt in der man Kinder haben sollte! Ihr müsst die Stadt verlassen! Sie dürfen sie nicht auch noch kriegen! Ich … “
Scharf zischend holte Miriel Atem. Kannten die Gräuel der Dunkelelfen denn keine Grenzen? War es nicht genug, dass sie die Menschen töteten, versklavten und demütigten? Mussten sie ihre Bösartigkeit nun auch noch an ungeborenem Leben austoben?
Nur kurz dachte sie an Ryld, welcher so völlig anders war und den sie schmerzlich vermisste, doch dann kehrte ihr Zorn und ihre Wut über die Niedertracht dieser Hexe von einer Dunkelelfin zurück. Insgeheim schwor sie sich, dass diese eines Tages dafür bezahlen würde. Doch im Moment war das Überleben wichtiger und sie verbannte Ihren Zorn so schnell wie er gekommen war wieder tief in sich selbst. Sollte der geeignete Zeitpunkt kommen, so würde sie ihn mit Freuden und Genugtuung aus seinem Gefängnis befreien.
Miriels kurzzeitige Wut musste der Frau aufgefallen sein, da sie mit einem Mal deutlich die Schultern straffte und Miriel von sich aus ihre Hilfe anbot. Genau wie Miriel schien sie erkannt zu haben, dass sie nur gemeinsam eine Chance hatten, diesem Irrsinn zu entkommen. Kurz nur überlegte die Magierin, ehe sie nickte: “Ihr habt recht. Wir müssen zusammenhalten wenn wir überleben wollen.“ Während sie der Frau ihre Hand reichte und ihr aufhalf meinte sie beiläufig: “Ich bin ...“ Kurz zögerte sie, ehe sie fortfuhr: “... Raina. Und diese fast abgebrannte Ruine war einmal mein Zuhause. Nun ja, genau genommen ist es noch immer mein Zuhause. Es ist nur nicht mehr so schön wie es dies einmal war.“ So sehr sie auch die Hilfe, die ihr diese Frau anbot, benötigte, so erschien es ihr doch zu riskant ihren wahren Namen zu nennen. Was die Frau nicht wusste, konnte sie im Falle einer Ergreifung durch die Dunkelelfen diesen auch nicht verraten. “Ich bin Nadeka … nennt mich Nada. Bitte … bitte erlaubt mir eure Freundin zu sein. Wr müssen doch zusammenhalten! Ich werde alles tun, damit ihr und euer Kind den finsteren Häschern dieses dunklen Gottes entkommt! Bitte!“
“Wie ich gerade sagte“, meinte Miriel nun lächelnd zu Nadeka. “Wenn wir überleben wollen, so können wir dies nur gemeinsam schaffen. Als erstes sollten wir diesen dunklen, staubigen Keller verlassen. Ich denke oben in der Töpferei lässt es sich besser reden. Auch müssen wir uns etwas zu essen besorgen. Wenn ich ehrlich sein soll, ich verspüre gerade einen mörderischen Hunger und wenn ich euch so betrachte, so dürfte euch ein ordentliches Mahl ebenfalls gut tun. Wisst ihr, ob der Markt noch steht. Von irgendetwas müssen die Dunkelelfen doch auch leben.“ Noch während sie redete stieg Miriel die Leiter nach oben und reichte anschließend Nadeka die Hand, um ihr ebenfalls aus dem Keller zu helfen. Sie hoffte inständig, dass der Markt von Andunie noch existierte. Anderenfalls waren sie in dieser vom dunklen Volk besetzten Stadt verloren.

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Re: Durch die Straßen Andunies

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 11. März 2015, 21:14

“Ihr habt recht. Wir müssen zusammenhalten wenn wir überleben wollen.“
Während sie der Frau ihre Hand reichte und ihr aufhalf meinte sie beiläufig:
“Ich bin ... Raina. Und diese fast abgebrannte Ruine war einmal mein Zuhause.“
Die Brauen der Frau hoben sich merklich und der Anflug von Verwunderung huschte über ihre verdreckten Züge.
„Nun ja, genau genommen ist es noch immer mein Zuhause. Es ist nur nicht mehr so schön wie es dies einmal war.“
So sehr sie auch die Hilfe, die ihr diese Frau anbot, benötigte, so erschien es ihr doch zu riskant ihren wahren Namen zu nennen. Was die Frau nicht wusste, konnte sie im Falle einer Ergreifung durch die Dunkelelfen diesen auch nicht verraten. Nachdem sich Nada auch vorgestellt hatte, hörte ihr diese zwar aufmerksam weiter zu, aber begann anscheinend etwas im Geiste zu suchen, so wie sie sich hier im Keller umsah.
“Wenn wir überleben wollen, so können wir dies nur gemeinsam schaffen. Als erstes sollten wir diesen dunklen, staubigen Keller verlassen. Ich denke oben in der Töpferei lässt es sich besser reden. Auch müssen wir uns etwas zu essen besorgen. Wenn ich ehrlich sein soll, ich verspüre gerade einen mörderischen Hunger und wenn ich euch so betrachte, so dürfte euch ein ordentliches Mahl ebenfalls gut tun. Wisst ihr, ob der Markt noch steht. Von irgendetwas müssen die Dunkelelfen doch auch leben.“
Noch während sie redete stieg Miriel die Leiter nach oben und reichte anschließend Nadeka die Hand, um ihr ebenfalls aus dem Keller zu helfen. Doch statt der Hand bekam sie eines ihrer alten Werke in die Hand gedrückt und die Frau stieg dahinter die Stufen empor, um sich danach aufmerksam in der Umgebung umzusehen.
Miriel hielt derweil eine kleine Schale in ihrer Hand, die sie vor langer Zeit mit eigenen Händen geformt hatte. Sie kannte jede Rille, jede zarte Rundung. Ein Künstler erkannte immer sein eigenes Werk und ihre Familie hatte früher einen sehr guten Ruf genossen. Tonwaren aus dem Hause Lefay waren in dieser Gegend früher weit verbreitet gewesen und sie hatte von ihrem Handwerk gut leben können. Das alles schien schon eine Ewigkeit her … Vielleicht kamen sogar ein paar Erinnerungen aus schöneren Zeiten in der Töpferin hoch, doch gleichzeitig begann sie zu ahnen, dass sie gerade einen Fehler begangen hatte. Nada sah sie blinzelnd an und fragte:
„Dann seid ihr diese „Lefay?“
Nadas Hand griff nach der Schale und drehte sie in Miriels Händen um. Wie alle Künstler, hatte sie ihr Werk geprägt, damit der Käufer auch wusste aus welchem Laden er sein Kunstwerk erstanden hatte. Plötzlich rann es ihr eiskalt über den Rücken. Was wenn es ein Fehler war hier her zurück gekehrt zu sein? Sie wurde steckbrieflich gesucht und ihr Familienname war bekannt. War die Töpferei ihrer Familie für sie sicher? Wurde dieser Ort vielleicht überwacht? Paranoide Enge legte sich für einen Augenblick um ihre Brust und schnürte ihr unwillkürlich den Atem zu.
„Keine Angst.“
Nadeka hatte ihr den Arm um die Schulter gelegt und schien an Miriels entgleisten Gesichtszügen ihre Gedanken erraten zu haben.
„Selbst wenn sie mich fangen würden, sie haben mir schon alles genommen und ich habe gesehen, wie man sie dazu bringt, einen zu töten, bevor man etwas verraten kann.“
Ich sarkastisches Lächelns hatte leider nicht ganz die beruhigende Wirkung, die vielleicht damit erzielt werden sollte, doch Versuch war gut gemeint.
„Es gibt noch Widerstand in der Stadt und vielleicht ein paar Leute die uns helfen könnten. Aber es wäre nicht ganz ungefährlich. Viele Menschen haben die Hoffnung verloren und krallen sich an das wenige was ihnen geblieben ist. Manche würden einander für einen Sack Äpfel verraten.“
Damit hatte sie den Nerv des Ganzen getroffen. Miriel musste sich langsam eine komplett neue Geschichte für ihr Leben ausdenken und nicht herum erzählen, wo sie früher einmal gewohnt hatte und was sie dort getan hatte. Viele Dinge konnte sich ein aufmerksamer Zuhörer zu leicht selbst zusammen reimen. Ein neuer Haarschnitt und etwas Kohle auf dem Kopf würde wohl nicht reichen. Wenn sie hier überleben wollte, musste sie jemand anders sein und das bis ins kleinste Detail. Wie als würde sie die wachsende Unruhe ihrer Mutter bemerken, fing Toireasa leise an zu quengeln. Sicher musste sie auch bald wieder gestillt werden und ihre kleinen Füße traten gegen das einengende Tragetuch.
„Wie alt ist die Kleine jetzt? Hat sie einen Namen?“
Nada lächelte das Mädchen an, dann merkte sie, dass sie ja noch nicht auf die andere Frage geantwortet hatte.
„Der Markt ist noch in Betrieb, ja. Äußerst gefährlich, aber ein guter Ort zum Einkaufen, WENN man Geld hat. Wenn man Geld hat, sollte man sich allerdings noch mehr vorsehen, da das nicht nur die Langfinger sondern auch die Dunkelelfen aufmerksam werden lässt. Am unauffälligsten sind im Moment Tauschgeschäfte. Habt ihr denn Geld oder etwas zum Tauschen?“
Schon etwas neugierig musterte die arme Frau nun Miriel.
„Ich würde versuchen uns etwas zu essen zu besorgen, wenn ihr mit vertraut. Dann könntet ihr euch hier inzwischen einrichten und wenn ich zurück bin wird gegessen.“
Sie lächelte tatsächlich bei dem Gedanken.
„Ich hätte ja schon euer Geschirr im Keller eingetauscht, aber irgendwie … Das klingt vielleicht dumm, aber die schönen Sachen haben mich an bessere Zeiten erinnert … da konnte ich es einfach nicht. Vielleicht hätte ich es irgendwann doch getan.“
Sie zuckte mit den Schultern.
„ … wenn der Hunger zu groß geworden wäre.“
Sie schwieg betreten, aber man konnte deutlich die erwachende Neugierde erkennen, die ihrem Gesicht wieder etwas Leben einhauchte. Nada tat es gut sich mit Miriel zu unterhalten und sie konnte helfen, sie war an die Umstände in Andunie bereits angepasst. Umstände, an die keine einzige Seele sich anpassen sollte, doch manchmal war das Schicksal ein dreckiges Miststück.
Sie strich sich durch ihr rotbraunes, stoppeliges Haar, dass es nur so staubte und sah sich etwas genauer um. Sie fand einen alten Stuhl, der nach eingehender Prüfung recht stabil wirkte und stellte ihn Miriel hin. Sie selbst setzte sich auf einen herabgestürzten Dachbalken und zog die Knie nah an die Brust.
„Raina also … „
Sie lächelte schief und zwinkerte.
„Wenn du allein, ohne Beschützer unterwegs bist, ist das auffällig, vor allem mit einem Kind. Falls du aufgegriffen wirst, muss es sich anhören, als hättest du irgendwo viele Freunde, die Ärger bedeuten könnten … am besten reiche oder mächtige, dann sind deine Überlebenschancen besser. Rania, Rainer, Reiner, äh … *seufz*… und wie weiter? Woher kommst du, wie verdienst du deine Brötchen und wo ist der Vater deines Kindes?“
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Eáránë Fëfalas
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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Dienstag 21. April 2015, 00:54

cf: Im Lager der dunklen Armee

Es mochte bizarr sein, aber es war eine Tatsache, dass die Nachtelfe in dieser Situation am besten lernen konnte eine Fassade aufrecht erhalten zu können. Und es war wirklich alles andere als leicht. Auch das Wissen, dass es für ihr beiden Begleitet nicht weniger schwer war, so zu tun als würde einem das alles hier nichts angehen. Als sei einem das Leid hier gleichgültig. Die Frau war so froh darum, dass Wolf sich ebenfalls stark zusammenreißen konnte. Beide waren dies nicht gewohnt. Die junge Nachtelfe fragte sich, wie oft Akái so etwas schon erlebt hatte. Ob er so etwas in solchen Ausmaßen schon erlebt hatte? Vielleicht. Er schien jedenfalls gewisse Erfahrungen zu haben. Zumindest hatte er genug Erfahrung im Umgang mit dem dunklen Volk.
Er konnte ja gar deren Sprache verstehen und selbst sprechen. Entsprechend wusste er, was diese Bestien sprachen, während sie an diese vorbei gingen. Und es war auch sehr gut so, dass der Nachtelf jegliche Übersetzung für sich behielt. Denn dann wäre die Fassade ihrerseits nicht nur einfach gebröckelt. Womöglich hätte sie sich wohl gänzlich verloren und ihren Gefühlen und somit wohl auch ihrer Magie freien Lauf gelassen. Doch wären sie dann kurz darauf alle todgeweiht gewesen. Wolf wäre genau das widerfahren, was diese Monster sich offen erzählten, was sie mit ihm vorhätten. Akái hätte man womöglich gefangen genommen und zu Tode gefoltert. Und Eáránë selbst? Da blieben wohl die ein oder anderen Möglichkeiten offen... Glücklicherweise aber kam es nicht erst so weit. Die kleine Gruppe ging weiter. Passierte das Stadttor.

Der Anblick der Stadt war entsetzlich. Es war einfach nur ein Alptraum! Dies war einer von vielen Momenten, in denen man einfach die Hände über den Kopf schlagen mochte, die Finger tief in den Haaren vergraben wollte und auf die Knie fallen. Es war einer dieser Momente, in denen man einfach seinen Gefühlen Luft machen lassen wollte. Aber sie konnte nicht. Sie durfte nicht. Keiner von ihnen. Die Fassade musste erhalten bleiben. Kein Muskel durfte zufällig zucken. Auch nicht bei dem Anblick, als ein Ork den leblosen Leib eines Hundes hinter sich her zerrte. In Gedanken betete sie zu Phaun, dass dieser all jene Orks und Dunkelelfen für solcherlei Taten bestraft werden mochten. Dass er diesen Frevel bestrafen würde. Diese Missachtung des Lebens... Sie sendete ja gar Stoßgebete zu sämtlichen Göttern, die ihr bekannt waren. Auch zu Florencia, zu Manthala ja gar Lysanthor wurde ein Stoßgebet gesendet. Vielleicht half es ja, zu mehreren Göttern in Gedanken zu sprechen. Zumal es... Etwas ablenkte. Mehr oder weniger.
Ihr Herz verkrampfte sich, als einige Frauen und Kinder durch die Straßen getrieben wurden. Der Spion führte die junge Frau in eine andere Richtung, als eines der Kinder kurzerhand getötet und achtlos beiseite beseitigt wurde. Immerhin ein schneller Tod, ohne Folter.... Und Eáránë musste nicht hinsehen um sich inzwischen vorstellen zu können, was hier geschah. Die Geräusche, die sie umgaben und durch die Straßen und Gassen hallten regten nur so die Phantasie an. Eher fluchtartig gingen sie durch eben jene Straßen. Aber vor der Grausamkeit hier, konnten sie nicht fliehen.
Nach einer Weile hielten sie dann an. Die Frau streichelte seinen besten Freund, als dieser sich an ihre Beine schmiegte. Kurz hatte sie zu ihm gesehen. Ein müdes Lächeln umspielten ihre Lippen. Ehe sie dann zu Akái sah. Durchatmen... Es fiel ihr nicht sonderlich leicht. Besonders nicht bei dem Gestank, der hier vorherrschte. Und doch gab es eine Frage! die sich die Diebin gestellt hatte und nun wagte diese dem Mann zu stellen. Sie ging um das Eheritual der Nachtelfen im Nachtelfenreich. Es lenkte für wenige Augenblicke komplett von all dem hier ab. Ihre Augen waren nach wie vor auf dem Antlitz des Mannes gerichtet, während er sprach. Als er dann darauf ansprach, dass eine Ehe für einen Spion aber nicht in Frage käme, senkte sich kurz ihr Blick. Akái hatte schon einige Male angedeutet, dass Spione keine Beziehungen eingehen durften. Dass dieser Beruf ein sehr einsamer Beruf sei. Es war einleuchtend. Sie verstand. Und doch... Ihr Herz schlug einen Takt schneller, als der Mann sie so ansah. Der Satz wurde aber von ihm nicht beendet, sodass die Frau wieder zu ihm blickte.
Diese geflüsterten Worte... Auch wenn es an sich etwas recht belangloses war, das er ihr zugeflüstert hatte... Vor ihrem inneren Auge sah sie wieder das Gesicht des Nachtelfen, das leicht gerötet gewesen war. Leicht hatte sie bei seinen geflüsterten Worten genickt, so, als ob er tatsächlich ihre Frage beantwortet hätte. Auch wenn dem nicht so gewesen war. Doch war es egal. Nach wie vor hatte sie den Kopf ihres Wolfes gestreichelt.
Dieser aber zog dann auch schon die Aufmerksamkeit auf sich. War nun zu Akái gegangen. Dessen Lob, dass aus ihr eine Spionin werden würde und die darauffolgenden Worte ließen sie lächeln. Ehe ihr Gesichtsausdruck wieder ernst wurde. Nun hieß es, einen Unterschlupf zu suchen. Bis dahin musste wieder die Fassade aufrecht erhalten werden. Sie sah zu Wolf, bald haben wir es geschafft mein Freund. Übersichtlich sah sie ihn an, ehe es dann weiter ging. Sie trat nun wieder an Akáis Seite. "Dann lass uns nun weiter gehen" sprach sie leise. Und sie hoffte, dass der Mann Recht behalten würde. Somit hielt die Frau Ausschau, während sie aber gleichzeitig ihre wieder Fassade aufsetzen musste.

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Erzähler » Montag 27. April 2015, 15:23

Moderationshinweis für Miriel und Eáránë:
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Wie ihr vielleicht bemerkt habt, haben wir Mods (Maruka, Kazel) euch bewusst aufeinander losgelassen. Wir würden euch gern in der Gruppierung weiterspielen lassen und fortan gemeinsam moderieren, immer in Absprache. Da eure Postingshäufigkeit in etwa gleich ist, sollte sich niemand von euch gehetzt fühlen. Widerstrebt euch der Wunsch einer Gruppenbildung und Doppelmoderation, würden wir aus eurem Aufeinandertreffen nur ein Zwischenspiel machen. Bitte per PN an Maruka und Kazel mitteilen.
Erzählerpost für Eáránë:

Hätte die Nachtelfe nachgefragt, so hätte sie erfahren, dass der aktuelle Zustand Celcias mit den Eroberungszügen des dunklen Volkes auch für Akái eine neue Erfahrung war. Eine schreckliche Erfahrung, um genau zu sein. Man brauchte sich ja nur die verwaisten Straßen des Viertels von Andunie anschauen, in die sie nun einkehrten! Die dunklen Völker hatten die Stadt zu einem Albtraum werden lassen. Im Gegensatz zu Eáránë konnte Akái als Spion des Nachtelfenreiches aber auf Ressourcen zurückgreifen, die ihr noch verwehrt waren. So ließ er nichts über seine Gefühlswelt nach außen dringen. Lediglich ein tiefer Blick in die fast giftgrün hellen Augen hätte einem Vertrauten verraten können, was in ihm vorging. Für Fremde mochte er ein abgebrühter Nachtelf sein, der nur seiner Mission folgte und sich wenig um die Schicksale der Stadt und seiner Bewohner kümmerte. Fast schon dunkelelfische Züge, mochte man meinen, aber es war nur seine Ausbildung, die ihm diese Fassade aufzwang.

Schweigend ging es weiter voran, so dass sie sich fast nahtlos in das Bild der Stadt einfügten, die ebenso totenstill jetzt schwieg wie die beiden Nachtelfen und ihr wölfischer Gefährte. Die Schreie aus den lebendigeren Vierteln waren hier noch kaum mehr zu hören. Man hatte den Teil Andunies bereits bis aufs Letzte geplündert und all jene, die sich zwischen abgebrannten Ruinen oder hinter den Überresten von Mauern versteckten, würden nicht bewusst auf sich aufmerksam machen.
Es hatte auch seinen Vorteil. Wo absolute Ruhe herrschte und das Leben der Trostlosigkeit und Verzweiflung gewichen war, da ließ sich bestimmt ein Unterschlupf finden. Einer, den niemand sonst aufsuchen würde und der somit fern jeglichen Risikos war, von den Dunkelelfen entdeckt zu werden. Was sie schon einmal geplündert hatten, würden sie nicht so schnell erneut einer Inspektion unterziehen.
Akái blieb schließlich stehen und löste sich etwas von Eáránë. Mit zwei Fingern teilte er sein silbrig weißes Haar, schob es hinter die Spitzohren und hob den Blick. Rauch verdunkelte den Himmel, zusätzlich lag die Straße, in der sie sich befanden, etwas im Zwielicht. Ein jedes Haus sah aus wie andere: Ein Hort der Zerstörung. Da hingen aufgebrochene Türen nur noch teilweise in den Angeln, wenn sie nicht ganz herausgerissen worden waren. Fensterscheiben waren zerschlagen worden, Blumenkübel umgeworfen und ihr Inhalt platt getrampelt. Das Fachwerk der andunischen Häuser zierten Blutflecken, Schmutz und Asche niedergebrannter Gebäude und Gegenstände. Unter einem zerstörten Fuhrwerk ragten die reglosen Beine eines Orks hervor. Er trug keine Stiefel, so dass man die graugrünen Zehen mitsamt der spitz zulaufenden Nägel erkennen konnte.
Akái trat an den Leichnam heran und tippte diesen mit der Stiefelspitze an. Keine Regung, keine Gefahr. Er nickte. "Hier könnten wir einen Unterschlupf finden. Sieh dich um. Das Haus, das am wenigsten nach Tod riecht und am brauchbarsten ist, wird es werden." Auch Akái ließ den Blick wieder schweifen. Doch es war Wolf, der erste Meldung machte. Bislang hatte er sich im Hintergrund gehalten, den Kopf gesenkt wie ein gebrochenes Tier.
Nun aber legte er die Schnauze aufs Pflaster, um zu schnuppern. Er hob ihn erst, als er Witterung aufgenommen hatte. Die Ohren stellten sich auf und in den Wolf drang eine angespannte Starre. Schließlich wedelte er kräftig mit der Rute. Ihm entkam ein Winseln, das er nicht unterdrücken konnte. Dann machte er sich auf, stob an Eáránë vorbei und an einer der aus den Angeln hängenden Türen vorbei in ein heruntergekommenes Gebäude.
"Was ist denn in ihn gefahren?", fragte sich Akái, blieb jedoch bei wachsamer Vorsicht. Eine Hand legte sich an den Gürtel, obgleich er nur einen Dolch mit sich führte. Er würde sich nach bestem Maß verteidigen, wenn es sein musste. Als Wolf jedoch weder kläffte, noch einen Schmerzenslaut, verursacht durch einen möglichen Angriff, von sich gab, runzelte er die Stirn. Warum kam das das Tier dann nicht wieder aus der Ruine heraus. Sein Blick wanderte an dem Haus entlang, entdeckte ein Schild. Die Schrift konnte er lesen, sprach man in Andunie doch genauso Garmisch wie in Pelgar. Und ein Spion, der Jahre lang in der clecianischen Haupstadt zugebracht hatte, lernte die Sprache von allein. "Eine Töpferei?", entkam es ihm verwirrt. Was mochte Wolf in einer Töpferei wollen? "Hm. Töpferei Lefay ... sagt mir nichts."


Der weiße Wolf mit den gelben Augen - Eáránës Gefährte - hat die Töpferwerkstatt betreten und darf im nächsten Post von Miriel / Maruka ebenfalls erwähnt und gesteuert werden.
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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Dienstag 28. April 2015, 01:38

Zwar merkte Eáránë durchaus auf der einen Seite, was in dem Spion vorging. Dass all dies auch für ihn eine unglaublich schreckliche Erfahrung war und er ebenso wie sie eine Fassade aufsetzen musste, die Außenstehenden zeigte, dass man von dem Leid hier nicht im geringsten betroffen war. Eine Fassade der Gleichgültigkeit. Vermutlich nahm sie sehr viel mehr von seiner Gefühlswelt wahr, als die meisten in seinem Umfeld und doch stellte sich die junge Frau ab und an die Frage, wie gut sie ihn tatsächlich kannte? Konnte sie ihn wirklich richtig einschätzen? Ehrlich gesagt... Wusste sie es nicht. Derzeit aber befand sich die kleine Gruppe aber nicht einer Situation, in der die Gedanken der jungen Nachtelfe in diese Richtung weiter ausschweifen konnten. Zu viel geschah um sie herum, zu groß war das Risiko auffliegen zu können. Sie musste sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren.
Und nun mussten sie einen geeigneten Unterschlupf finden. Am liebsten wollte sie einfach nur noch weg von hier. Raus aus Andunie, weg von dem dunklen Volk! Weg von all dem Leid und Verderben, das die Dunkelelfen und Orks verbreiteten. Aber es war ihre Aufgabe hier für einen ungewissen Zeitraum zu verweilen. Sie hatten einen Auftrag. Warum nur wurde dieser ihnen nur so erschwert? Musste das alles unbedingt auf einen Zeitraum fallen?

Als Akái stehen blieb, hielt auch seine Begleiterin inne. Zu gerne hätte sie sofort wieder seine Nähe gesucht, ihn an sich gezogen, kaum dass er sich etwas von ihr gelöst hatte. Aber sie konnte diesem Drang widerstehen. Stattdessen sah sie zu ihm, wie er sein Haar hinter das Ohr streifte. Wie dieses sich wohl zwischen ihren Fingern anfühlen mochte? Für diesen Augenblick war sie von dem Entsetzen um sie herum abgelenkt. Doch wehrte dieser Augenblick nur sehr kurz, ehe sie wieder wegsah. Sie schluckte. Nun glitt ihr Blick umher und sie betrachtete sich die verlassenen Gebäude. Lauschte den Worten des Nachtelfen und nickte auf diese hin leicht. Den toten Ork hatte sie doch recht gekonnt ignoriert. Diesem wollte sie nicht weiterhin unnötige Beachtung schenken. Stattdessen aber zog nun Wolf die Aufmerksamkeit auf sich. Sie kannte die Reaktionen ihres besten Freundes auswendig. Und in seinem doch recht sonderbarem Verhalten konnte sie herauslesen, dass es sich nicht um eine Gefahr handelte. Dennoch irritierte sein Verhalten auch sie etwas. Fast schon automatisch hatte sie ihre Hand auf die des Spions gelegt, als dieser nach seinem Gürtel griff. Doch sprach sie nicht, sondern hatte ihre Augen in die Richtung gewandt, in der auch Wolf entschwunden war. Ihre Geste sollte aussagen, dass es sich um keine Gefahr handelte. Und doch... „Ehrlich gesagt weiß ich gerade nicht, was mit ihm nun los ist...“ Flüsterte sie leise und sah zu ihrem Begleiter. Nun bemerkte sie, dass ihre Hand auf seiner lag. Ihre Wangen röteten sich leicht. „...Entschuldige...“ Murmelte sie verlegen und hatte ihre Hand wieder weggenommen. Es war keine bewusste Bewegung gewesen. Aber warum machte es sie gerade so verlegen? Naaaahh! Das war ja fast schon zum verrückt werden!
Akáis Worte, als er von dem Schild las, ließ sie merklich stutzen. Ruckartig blickte sie zu ihm. Als er den Namen Lefay nannte weiteten sich ihre Augen und sie schien für einige Sekunden zu erstarren. „Hast du gerade Lefay gesagt?“ Ihr Blick wanderte zum Schild, das sie aber nicht lesen konnte. Ihr Herz schlug einige Takte schneller. „Das ist nicht möglich...“ Flüsterte sie leise und ihre Stimme schien schwacher zu werden. Ihre Atmung ging schneller. „Nein... Das... das ist nicht möglich...“ Ihre Gedanken überschlugen sich schon fast, während sie nur diese wenigen Worte von sich geben konnte. Also war dies Miriels Töpferei. Und Wolfs Verhalten... Mit einmal unterbrachen ihre Gedanken. „Dies ist die Töpferei meiner Freundin...“ Flüsterte Eáránë leise. Ohne weiter darüber nachzudenken nahm sie den Spion auch schon einfach bei der Hand um mit ihm gemeinsam Wolf zu folgen. Ihre Schritte waren zügig und sie schien es kaum abzuwarten das Gebäude zu betreten. Konnte es denn wirklich sein? War es denn tatsächlich möglich?

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Erzähler » Dienstag 28. April 2015, 08:20

Nadeka hatte Miriel gerade nach dem Vater ihres Kindes gefragt, als kratzende Geräusche an der Tür zum Hinterhof erklangen. Der Vordere Teil der Töpferei glich einer Ruine und die von Ruß verkrusteten Balken würden nicht lange Stand halten. An Flucht war hier nicht zu denken, denn die Kehrseiten der eng stehenden Häuser hatten diesen Hof umzingelt und ihn lange vor dem Blick von außen verborgen. Auch hier hatte das Feuer gewütet, aber trotzdem war er durch die innere Lage ein gutes Versteck gewesen … gewesen. Das Kratzen hörte kurz auf, dann erklang es erneut und von der Straße her war das Murmeln von leiser Stimmen zu hören. Die einzige Möglichkeit sich noch zu verbergen, war das dunkle Loch unter der Klappe im Boden. Versteckt neben dem alten Brennofen führte die steile Stiege hinunter in den Lagerraum, den selbst die Dunkelelfen bei ihrer Plünderung übersehen hatten. Nada war instinktiv schon auf dem Weg dort hin.
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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Miriel Lefay » Dienstag 28. April 2015, 20:43

Für Miriel überraschend wurde nicht ihre Hand von Nadenka ergriffen, stattdessen drückte ihr die Frau eine fein gearbeitete und kunstvoll bemalte irdene Schale in die Hand. Erst dann stieg sie selbst über die Leiter aus dem Keller in die Töpferwerkstatt hinauf. Während Nada sich in der kleinen Werkstatt umsah, betrachtete Miriel versonnen die kleine Schale. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, als sie diese angefertigt hatte. Es war eines der wenigen Stücke, dass eine liebevolle, sehr detaillierte Bemalung erhielt und so aus der sonstigen Massenware für den alltäglichen Gebrauch herausstach. Die Schale hatte ihr damals so gut gefallen, dass sie es nicht übers Herz brachte, diese auch zu verkaufen. Ein kleines Lächeln umspielte ihren Mund als sie daran dachte, dass eine ganz ähnliche Arbeit ihren ehemaligen Meister dazu veranlasste, sie aus seiner Lehre zu entlassen. Er meinte damals, dass sie nun soweit wäre, eine eigene Werkstatt zu führen. Erkönne ihr nichts mehr beibringen. Und er hatte Recht behalten, denn ihre Töpferware war in Andunie und den umliegenden Dörfern als eine der Besten im Land bekannt.
Sie war so in Gedanken versunken, dass sie Nadenkas Worte zuerst nicht verstand und sie verständnislos ansah. “Was habt ihr gesagt?“ „Dann seid ihr diese „Lefay?“ Es war mehr Feststellung denn Frage und auf Miriels fragenden Gesichtsausdruck drehte Nadenke die Schale um, so dass der im Boden eingebrannte Schriftzug „Miriel Lefay“ erkennbar wurde.
Zuerst kaum merklich, dann aber, als Miriel die Erkenntnis dämmerte, dass es vielleicht garkeine so gute Idee war, ihr altes Heim aufzusuchen, wandelte sich ihre Miene schlagartig und ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Es war nicht die Angst davor, dass Nadenka sie verraten könnte. Wäre dies der Fall, dann hätte die Frau sie nicht erst mit der Nase auf ihr Problem gestoßen, sondern eher Stillschweigen bewahrt. Nein, es war vielmehr die Angst davor, dass auch die Dunkelelfen auf den naheliegenden Gedanken kamen, ihr ehemaliges Heim im Auge zu behalten. Wie konnte sie nur so blind und unvorsichtig sein. Es war doch sonst nicht ihre Art,leichtsinnig in erkennbare Fallen zu laufen. Zugleich dämmerte ihr, dass es mit der Veränderung ihres Aussehens allein nicht getan war. Sie würde sich eine komplett neue Lebensgeschichte ausdenken müssen. Zumindest was ihren Aufenthalt in Andunie anging. Nadenkas Hinweis, dass es genügend verzweifelte in Andunie gab, die selbst ihre Mutter für ein paar Vergünstigungen ans Messer liefern würden, trug auch nicht gerade zu Miriels Beruhigung bei.
Vorsichtig legte sie die Schale aus der Hand und grinste Nadenke ein wenig schief an,versicherte ihr dann aber, dass sie ihr, was ihre Verschwiegenheit anging, Glauben schenkte. Als sich dann Toireasa auch wieder meldete,wahrscheinlich spürte sie Miriels Unruhe, lächelte Nadenke die Kleine an und wechselte schnell das Thema in eine unverfänglichere Richtung:
„Wie alt ist die Kleine jetzt? Hat sie einen Namen?“ Mit einiger Erleichterung ging Miriel auf den Themenwechsel ein und meinte lachend: “Ihr Name ist Toireasa und sie ist jetzt etwa ein halbes Jahr alt.“ Kurz hielt die Erdmagierin inne, fuhr dann aber mit einem freundlichen Lächeln an Nada gewandt fort: “Was meint ihr? Wollt ihr sie einmal halten?“ Das Leuchten in Nadenkas Augen war ihr Antwort genug. Kurzentschlossen nahm sie Toireasa aus dem Tragetuch und legte sie der Frau behutsam in den Arm. Wäjrend Nadenka die Kleine mit leuchtenden Augen im Arm wiegte, unterrichtete sie Miriel zu den notwendigen Dingen, die diese wissen musste.
Auf die Frage, ob sie denn Geld oder Tauschware hätte, zog Miriel ihren Geldbeutel hervor und klimperte mit den Münzen, was Nada ihrerseits mit einem zufriedenen Nicken quittierte.
“Sehr schön, damit wäre dieses Problem schonmal aus der Welt.“Vorsichtig legte sie Toireasa wieder in Miriels Tragetuch ehe sie weiter meinte: „Ich würde versuchen uns etwas zu essen zu besorgen, wenn ihr mit vertraut. Dann könntet ihr euch hier inzwischen einrichten und wenn ich zurück bin wird gegessen. Ich hätte ja schon euer Geschirr im Keller eingetauscht, aber irgendwie … Das klingt vielleicht dumm, aber die schönen Sachen haben mich an bessere Zeiten erinnert … da konnte ich es einfach nicht. Vielleicht hätte ich es irgendwann doch getan. … wenn der Hunger zu groß geworden wäre. Der Gedanke war Miriel bereits im Keller gekommen. Immerhin würden sie wohl eine Weile hier festsitzen und auch wenn sie nicht wenig Geld mit sich führte, würde es besser sein, die im Keller liegenden Dinge einzutauschen.
Doch für den Moment musste erst einmal ihr Geld ausreichen, was sie Nada auch sagte:
“Die Sachen im Keller einzutauschen ist kein schlechter Gedanke. Aber für den ersten Einkauf sollten wir etwas von dem Geld nehmen. Zum Glück habe ich mir ein wenig zusammengespart. Was das Vertrauen angeht ... bleibt mir da eine Wahl? Verstejht mich nicht falsch, aber um hier zu überleben muss ich wohl oder übel jemanden finden, der mich hilft. Wir hatten das ja vorhin schon.“
Etwas verlegen schaute sich Nadenka nun in der Töpferwerkstatt um, hatte sie anscheinend wieder ein heikles Thema angeschnitten. Auch klang es so, als würde sich Miriel ihrer nur bedienen, weil sie keine andere Möglichkeit sah und nicht weil sie ihr auch nur das geringste Maß an Vertrauen entgegenbrachte, was Nadenka, auch wenn sie es nicht zugeben würde, ein klein wenig verletzte. Diese Miriel Lefay schien ihr mehr und mehr eine recht zwiespältige Person zu sein. Einerseits freundlich, hilfsbereit, warmherzig und sehr emotional, andererseits kam sie ihr dann wieder kalt, unnahbar und sehr rational, ja fast schon pragmatisch vor. So wie es aussah würde es nicht einfach mit ihr werden, dennoch, es hätte sie auch schlechter treffen können. Schließlich entdeckte Nada einen halbwegs intakten Stuhl und schob ihn Miriel hin, die sich auch sogleich setzte. Sie selbst machte es s ich auf einem herabgestürzten Dachbalken bequem.
„Raina also … Wenn du allein, ohne Beschützer unterwegs bist, ist das auffällig, vor allem mit einem Kind. Falls du aufgegriffen wirst, muss es sich anhören, als hättest du irgendwo viele Freunde, die Ärger bedeuten könnten … am besten reiche oder mächtige, dann sind deine Überlebenschancen besser. Rania, Rainer, Reiner, äh … *seufz*… und wie weiter?Woher kommst du, wie verdienst du deine Brötchen und wo ist der Vater deines Kindes?“
“Valdoran. Raina Valdoran, Kaufmannstochter aus Grandessa. Ich war gerade auf einer Handelsreise, um einen gewinnbringenden Vertrag über die Lieferung von Andunischem Apfelwein abzuschließen, als die Stadt überfallen wurde. Aus Angst vor einer Ergreifung durch die Dunkelelfen versteckte ich mich, bis ich von einem mächtigen Faldorkrieger aufgegriffen und zu seiner Sklavvin gemacht wurde. Nun diene ich diesem mächtigen Dunkelelfen. Sein Name ist Ryld. Scheint mir eine gute Geschichte zu sein.“ Kurz beschrieb sie Nadenka Rylds Erscheinung, ganz besonders seine Tätowierung im Gesicht, die ihn als Faldorkrieger auswies. “Vor einem Faldorkrieger haben selbst die meisten Dunkelelfen angst, weswegen es sicher von Nutzen ist, sich als seine Sklavin auszugeben. Damit dürften die meisten Dunkelelfen abgeschreckt werden. Kein schlechter Schutz wie ich meine. Was Toireasas Vater angeht, so ist dies eine längere Geschichte. Ihr müsst nur wissen, dass er wohl tot ist. Zumindest gehe ich davon aus, sicher weiß ich es jedoch nicht.“

Nadenka holte gerade Luft, um mehr über Toireasas Vater zu erfahren. Es interessierte sie vor allem warum Miriel ihn für tot hielt, obwohl sie es nicht sicher wusste, doch wurde sie von Kratzgeräuschen an der Hoftür unterbrochen. Augenblicklich waren beide Frauen auf den Beinen und hielten erschrocken den Atem an. Eine Weile war Ruhe und sie dachten schon, einer Täuschung erlegen zu sein, als das Kratzen an der Tür erneut einsetzte.
“Keine Sorge.“, versuchte Miriel sich selbst und Nada zu beruhigen. “Wahrscheinlich nur ein streunender Hund auf der Suche nach Fressen und einem Dach über dem Kopf. Sicher kein Grund zur Besorgnis.“ Ihre Worte schienen Nada tatsächlich etwas zu beruhigen. Das Kratzen an der Tür nicht weiter beachtend setzten sie sich wieder, nur um im gleichen Moment erneut aufzuspringen. Diesmal stand ihnen die Besorgnis regelrecht ins Gesicht geschrieben, denn zu dem Kratzen an der Tür waren nun auch Stimmen von draußen zu vernehmen, die sich stetig näherten. Da ihnen der Fluchtweg durch das Haus verwehrt war, blieb lediglich, sich im Keller zu verstecken. Nada war auch schon auf dem Sprung zur Kellerlucke, wurde aber von Miriels Ruf gestoppt: “Warte!“ Schnell nahm die Erdmagierin ihre Tochter aus dem Tragetuch und legte sie Nada in den Arm. “Kein Mucks! Passt gut auf sie auf. Ich werde versuchen sie hier oben so gut es geht aufzuhalten. Sollte mir etwas passieren oder sollte ich verschleppt werden, dann versprecht mir, euch um Toireasa zu kümmern.“ Eindringlich blickte sie Nada in die Augen. “Versprecht es!“ Etwas in Miriels Blick ließ Nada erschauern und wie unter Zwang antworten: “Ich verspreche es. Was immer auch geschieht, ich werde eure Kleine mit meinem Leben beschützen.“ Aufatmend entließ Miriel Nada aus ihrem Blick und diese verschwand mit Toireasa im Keller. Miriel schloss die Luke und Dunkelheit senkte sich über den Kellerraum. Derweil zog die Erdmagierin über den beiden im Keller wartenden ihren Dolch und postierte sich neben der Hoftür an der Wand. Es war zumindest etwas Glück im Unglück, dass sich die Hoftür nach innen öffnen ließ, so dass sie sich hinter der Tür verstecken und zumindest einen der Eindringlinge würde überraschen können.
Hatte sie erst einen von ihnen in Ihrer Gewalt, würde sich alles weitere zeigen. Kampflos würde sie sich auf jeden Fall nicht ergeben.

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Mittwoch 20. Mai 2015, 17:11

Gerade wurde Eáránë von sämtlichen Gefühlen regelrecht überrannt. Mit einem mal war ihr Puls hochgeschnellt und ihr Herz pochte heftig und schnell gegen ihre Brust. Erneut hallte die Stimme des Nachtelfen in ihrem Kopf wider, als dieser den Nachnamen ihrer engen Freundin nannte. Lefay. Die auszubildende Spionin schluckte, konnte sich aber nicht mehr länger zurückhalten. Wolfs Verhalten war zwar sonderbar aber... Eindeutig. Überwältigt von all dem hatte die junge Frau sich die Hand ihres Begleiters geschnappt und kurzerhand den Entschluss gefasst dieses Gebäude zu betreten. Doch ehe sie Tür erreichte hielt sie inne. Mahnte sich zur Ruhe. Schloss die Augen und atmete tief durch. Verdammt! Was war eben in sie gefahren? Sie musste nach wie vor vorsichtig bleiben! Ihre Hände zitterten vor Aufregung.
Die Weißhaarige blickte schweigend zu Wolf, der es wohl kaum erwarten konnte diese Töpferei zu betreten. Ungeduldig sah er sie an. Erneut schluckte sie und starrte auf diese Tür. War es eine gute Idee? Der Griff um Akáis Hand wurde etwas fester. Wirklich zur Ruhe konnte sie nicht kommen. Leicht hatten sich ihre Brauen zusammen gezogen. Zittrig aber langsam streckte die Frau nun ihre zierliche Hand zur Türklinke aus. Bei den Göttern, war sie tatsächlich gerade so langsam oder kam es ihr nur so vor? Vorsichtig öffnete sie die Tür, Wolf schien diese Spannung aber nicht mehr zu ertragen und schob die Tür direkt auf und drängte sich auch schon in den Raum hinein. Schnell war das große weiße Tier hinein geflitzt und sah sich hektisch suchend und, ehe er sich wieder zur Tür umwandte aber nicht hinaus sah. Freudig wedelte er heftig mit seiner Rute und hechelte voller Freude und tapste ungeduldig hin und her. Eáránë wiederum war zunächst stehen geblieben, wollte ihren besten Freund noch dazu ermahnen vorsichtig hinein zu gehen, aber es war zu spät. Er war viel zu schnell gewesen, stattdessen starrte sie recht verwundert auf eben diesen ehe sich... Eine Art Schockzustand bei ihr einstellte. Wie in Trance setzte sie sich dann allmählich in Bewegung, den Blick auf Wolf gerichtet. „..M..Miriel?“ Die Stimme zittrig und unsicher. Die Hand des Spions hielt die Frau nach wie vor. Er gab ihr gerade den Halt, den sie brauchte. War sie hier? War sie der Grund, weshalb sich Wolf so verhielt? Anders konnte sie sich gerade dessen Verhalten nicht anders erklären. Ihre Beine fühlten sich so unglaublich weich an und der weg durch die Türschwelle kam ihr wie ein ewig langer Gang vor, der nicht enden wollte.

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Gestalt » Montag 1. Juni 2015, 11:55

Auch wenn Eáránë im ersten Moment durch ihre Körperhaltung signalisierte, dass Wolfs Verhalten auf keine Gefahr hindeutete, so blieb der Nachtelf skeptisch. Er rechnete lieber ein Mal mehr mit einer brenzligen Lage als sich sorglos zu geben und anschließend in einer Nachwelt zu landen, falls sie existierte. Vermutlich musste man sich auch eine derartige Haltung aneignen, erst Recht als Spion. Akái konnte in seinem Gewerbe nicht vorsichtig genug sein. So lösten sich die Finger auch weder vom Gürtel noch von der Klinge, die daran hing. Dass er den Dolch noch nicht zog, war das Entgegenkommen und Vertrauen, das er für seine Begleiterin aufbringen konnte.
Auf ihre Rötung, die hastig zurückgezogene Hand und die genuschelte Entschuldigung reagierte er lieber nicht. Umso aufmerksamer zeigte er sich, als Eáránë stutzte. "Ja. Lefay, das steht dort", konnte der Nachtelf noch hervorbringen, ehe es ziemlich schnell ging. Zu schnell für ihn, um zu reagieren. Er wurde nun vollkommen überrumpelt und jetzt blinzelte er verlegen - zum Glück, ohne rot zu werden - als die Elfe nach seiner Hand griff. Zaghaft löste sie sich von der Waffe, um ihre fester zu umgreifen. Dennoch zog Eáránë ihn schon halb hinter sich her. Ihre geflüsterte Bemerkung nahm er für diesen Augenblick überhaupt nicht wahr.
Aus dem Inneren wurde Wolfs Winseln lauter. Noch hatte er Miriel nicht erreicht, hielt sich in der rußigen Ruinen ihrer Werkstatt und nicht im Hinterhof auf. Aber das Tier witterte sie, viel mehr noch, es erkannte sie, was es die Ohren spitzen ließ. Mit angespannter Haltung wie ein Jagdhund und der Schnauze am Boden wuselte Wolf durch den Raum, bis er den Zugang zum Hinterhof erreichte. Da Eáránë immer noch nicht zu ihm aufgeschlossen hatte, gab er jetzt gar ein Bellen von sicht. Es kam abgehackt und gemäßigt, ganz so als wollte Wolf nicht bei den Falschen auf sich aufmerksam machen, dennoch zur Eile rufen. Immerhin hatte er hier eine ganz heiße Spur entdeckt.
"Er bellt", warnte Akái, der jetzt mit der freien linken Hand den Dolch zog. Links war er bei weitem nicht so gewandt wie mit der Rechten, aber die wurde nach wie vor von der Elfe gehalten. "Vergiss deine Vorsicht nicht, Eáránë!" Allein um sie in ihrer Narretei, es könnte etwas Harmloses im Innern der Töpferei sein, zu bewahren, begleitete er sie. Normalerweise hätte sich Akái nun ein Versteck gesucht, geduldig ausgeharrt und beobachtet. Spione waren keine Kämpfer, er zumindest nicht. Auge in Auge mit einem geschulten Gegner, da unterläge er. Schließlich hatte man ihn auch nicht dazu ausgebildet, sich aktiv in ein Geschehen einzumischen. Die Beobachtung, das Lauschen, das waren seine Spezialgebiete. Unauffällig bleiben... Aktuell warf er all seine erlernten Tätigkeiten über den Haufen.
Einzig wachsam blieb er, als seine Begleiterin - noch immer die Hand haltend - nach ihrer Freundin raunte. Akái würde sich vorerst im Hintergrund halten. Solange er nicht das Gefühl hatte, wirklich in Gefahr zu sein, startete er auch keinen Versuch, Eáránë und sich zunächst zu verteidigen, nur um dann das Heil in der Flucht zu suchen.
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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 9. September 2015, 19:37

Angespannt lauerte Miriel hinter der Tür zum Hinterhof, lauschte angestrengt auf jedes Geräusch, dass aus der Werkstatt drang. Noch schienen sich die Eindringlinge, sie war sich inzwischen sicher, dass es zwei waren, ein Mann und eine Frau, nicht schlüssig zu sein, ob sie die Ruine ihrer Heimstatt weiter untersuchen sollten oder nicht. Im Stillen hegte Miriel die Hoffnung, dass die beiden ohne weitere Nachforschung wieder verschwinden würden. Einzig der Hund oder das hundeähnliche Tier bereiteten ihr Grund zur Sorge. Es gebärdete sich so, als hätte es ihre Witterung aufgenommen, was am Ende schnell dazu führen konnte, dass seitens der Eindringlinge doch genauere Nachforschungen angestellt wurden.

Als sie schon fast hoffen durfte, dass dieser Kelch an ihr vorubergehen würde, bereits seit ein paar Minuten hatte sie nichts mehr aus der Werkstatt vernommen, und als sie schon versucht war, die Tür zu öffnen und nachzuschauen, vernahm sie die zaghafte und von Unsicherheit geprägte weibliche Stimme, wie sie leise ihren Namen rief. Nun war guter Rat teuer. Wie es aussah, würden die beiden Störenfriede doch nicht so einfach abziehen und so blieben ihr letztendlich zwei Optionen. Sie konnte entweder hineingehen und so tun, als würde sie diese Miriel, also sich selbst, nicht kennen und hätte die Ruine aus der Not für sich beansprucht. Es war jedoch fraglich, ob man darauf hereinfallen würde. Andererseits konnte sie weiter abwarten und im Falle der Entdeckung vielleicht eine der beiden Personen als Geisel nehmen und verhandeln. Beide Optionen befriedigten sie nicht im Mindesten, aber was blieb ihr sonst noch übrig.
Zudem hatte sie die Stimme der Frau an irgendetwas erinnert. Etwas aus einer weit zurückliegenden Zeit, nebelhaft, nicht greifbar, fast wie aus einem anderen Leben. Es bestand allerdings auch die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass es sich, als diese ihren Namen rief, um einen Trick handelte, mit dem man sie aus ihrem Versteck locken wollte. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie in Andunie keiner mehr kannte oder sich an sie erinnerte bzw. die, die es konnten, nicht mehr lebten.

Also beschloss sie in ihrem Versteck hinter der Tür zum Hinterhof zu verharren und abzuwarten. Als sie sah, wie sich die Klinke der Tür langsam nach unten bewegte, machte sie sich zu allem bereit. Am meisten fürchtete sie sich davor, dass der Hund oder das Tier als erstes durch die Tür gestürzt kam und den beiden Eindringlingen anzeigte, wo sie sich versteckte. Ohne Überraschungsmoment würde sie allein keine echte Chance gegen zwei Gegner haben.

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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. September 2015, 10:20

Miriels Befürchtung, dass der Hund oder das Tier als erstes durch die Tür gestürzt kam und den beiden Eindringlingen anzeigte, wo sie sich versteckte bewahrheitete sich sofort. Ein großer weißer Wolf stürzte in den scheinbar leeren Hof, hielt seine Nase ein oder zwei Sekunden lang an den Boden geheftet. Er lief kurz hin und her, nieste an einer entfernteren Stelle wo die Engoben und Glasuren gelagert worden waren und fand dann zielsicher die frische Fährte. Gleich einem Jagdhund zeigte er ihre Position hinter der Tür an. Seine Augen funkelten und seine Rute zuckte leicht, als unterdrückte er eine weitere sehr viel stärkere Emotion.
Die leise Stimme klang hinter der Ecke:
„..M..Miriel?“
, zittrig und unsicher.

Eáráne konnte durch den Spalt ihren Wolf sehen und einen Teil des dahinter liegenden Geländes. Der Hof war leer. Einzig das Tier und war das lebenden sichtbare Wesen hier. Hier gab es sonst nur tote Gegenstände, wie den Brennofen, das alte teilweise zerstörte Mobiliar und die dünne allgegenwärtige Ascheschicht, die jeden Vorsprung bedeckte. Ihr gegenüber in vier Schritt Entfernung stand Wolf und zeigte etwas an. Dabei starrte er links neben die Tür.

Für den Betrachter unsichtbar, verbarg sich Miriel hinter der Tür und unter einer verstecken Bodenklappe anderthalb weitere Person. Nada war auf Miriel Aufforderung hin schnell dort hinein verschwunden und hielt Toireasa in ihrem Arm. Im hintersten Winkel des Kellers war es finsterer als im Harax und die Kisten boten ein gutes Versteck. Dort war sie hinein gekrochen und hatte das Kind zwischen ihren wunden Bauch und ihre Oberschenkel geklemmt. Kauernd warteten sie auf ihr Schicksal. Dieser Tag war mehr als nur ungewöhnlich gewesen. Alles war so schnell gegangen. Erst hatte Nadeka die ehemalige Besitzerin ihres Versteckes kennen gelernt und dann hatte diese ihr sogar ihr Kind anvertraut, als die Gefahr zu groß wurde. Wenn sie jetzt vom dunklen Volk entdeckt wurde, dann würde sie nicht noch einmal zulassen, dass die Finsteren ein Kind in ihre Hände bekamen. Lieber würde sie es töten. Sie hatte ihre Hand sanft auf ihr Gesicht gelegt, damit kein Laut sie verriet. Das Mädchen stemmte sanft ihre winzigen Füße in ihren Bauch. Der Schmerz ließ sie zusammen zucken, aber kein Laut kam über ihre Lippen. Leise zu sein war jetzt überlebenswichtig, denn Elfen hatten spitze Ohren! Sie erinnerte sich ihrer Worte zu Miriel: “Ich verspreche es. Was immer auch geschieht, ich werde eure Kleine mit meinem Leben beschützen.“ Ja, sie meinte es ernst! Ich werde nicht zulassen, dass du ein Opfer Faldors wirst!
Ihr Augen waren starr auf den kleinen Schädel direkt vor ihr gerichtet, während ihre freie Hand das kleine Köpfchen streichelte.
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Re: Miriel Lefays Töpferwerkstatt

Beitrag von Erzähler » Samstag 28. November 2015, 17:25

(Doppelpost aufgrund des Ausscheidens eines Spielers)

Eáránë Fëfalas stand zögernd hinter der Tür. Sie hatte die Hand schon erhoben um die Tür weiter auf zu drücken. Ihr Wolf hatte etwas angezeigt und gerade als sie einen Schritt nach vorne machen wollte, legte sich die Hand ihres Begleiters auf ihre Schulter. Sie sah sich um und sah in dem Gesicht des Spions eine stille Warnung. Er hielt den Zeigefinger an die Lippen, eine allumfassende Geste, dass sie ruhig sein mussten. Sie hatte sich ganz nach vorne konzentriert, aber nun hörte sie es auch. Von draußen waren entfernt Stimmen zu hören und der kratzenden und grunzenden Geräusche nach handelte es sich um sich nähernde Orks. Die Hand auf ihrer Schulter zog sie sanft, aber bestimmt nach hinten und um die Wand herum. Neben ihnen stakte der Rest einer Mauer in die Höhe und Eáránë duckte sich dahinter. Wenn der Trupp auch nur einen Elfen bei sich hatte, könnte ein Winseln ihres Wolfes sie verraten und wenn es nur Orks waren, standen ihre Chancen auch nicht rosig. Die Nasen dieser Monster waren fast so gut wie die der Wölfe, das kam bei ihnen auf den Clan an, dem sie angehörten. Still harrten sie der Dinge die da kamen und hofften, dass sie einfach weiter zogen. Durch einen schmalen Riss im Mauerwerk kamen die ersten beiden in Sicht. Es waren riesenhafte Krieger und beide hatten sehr stark grün gefärbte Haut die sich straff über gewaltige Muskelberge spannte. Sie trugen lederne Rüstungen in den Farben des dunklen Volks und waren somit als offizielle Patrouille der neuen Stadtwache zu erkennen. Bei beiden viel sofort eine seltsame Bemalung auf der Stirn auf. Sie hatten ein blutrotes Mal erhalten, dass ihre breiten Schädel zierte, wie ein Siegel eines Bürokraten, das ihnen eine Funktion aufgedrückt hatte. Die nächsten zwei marschierten ins schmale Sichtfeld. Auch sie trugen das Mal. Dahinter kam ein Dunkelelf in langen Roben, reitend auf einem Warg und hinter ihm noch vier weitere Orks die wohl seine Bewacher waren. Sie waren schon vorbei und Eáráne wollte gerade aufatmen, als ein Grunzen den Trupp stehen blieben ließ. Das resignierende leise Schnaufen neben ihr, zeigte um so deutlicher, dass sie aufgeflogen waren. Es brauchte nur einen Herzschlag als die dunkelelfische Stimme erklang und einen Befehl bellte.
Ein weiterer Herzschlag und man hörte das schnelle Stampfen ihrer Füße näherkommen. Eáráne wusste zwar nicht mit Bestimmtheit, ob sich ihre Freundin Miriel auf diesem Hinterhof verborgen hielt, aber sie war sich doch so sicher, dass ihr Wolf sonst anders reagiert hätte. Binnen Sekunden musste sie eine einfache Entscheidung treffen. Konnte sie zulassen, dass Miriel und ihr Kind ebenfalls entdeckt wurde? Auf ihren Kopf waren Preise ausgesetzt und die dunklen Mächte gierten nach ihrem Blut. Sie musste die Flucht nach vorne antreten, sie weg locken. Ein Blickwechsel mit ihrem Begleiter und es reichte, dass er verstanden hatte. Ihr Entschluss gefiel ihm nicht wirklich aber ihre Flucht von hier war ohnehin die bessere Variante, als sich einfach zu ergeben. Beide erhoben sich synchron und sprinteten aus der Haupttür hinaus. Das überraschte und kampflustige Grollen ihrer Verfolger war weithin zu hören. Die Orks hatten ein Beute und nahmen die Verfolgung auf. Der Dunkelelf ritt auf seinem Warg mit wehenden Gewändern hinterher.

Fast wäre es zu einem Wiedersehen gekommen, doch das einzige was Miriel blieb, war der leise Nachklang einer sanften Stimme und vielleicht, wenn sie mutig genug war, ein Blick auf eine mutig flüchtende Freundin, die die Aufmerksamkeit von sechs Orks und ihrem dunkelelfischen Anführer auf sich zog. Noch stand der weiße Wolf bei ihr in greifbarer Nähe. Seine Herrin sprintete behände durch die Ruinen der Stadt und sein Instinkt befahl ihm ihr zu folgen, was seinen sicheren Tod bedeutete. Orks fraßen gerne Hunde. Ein Wolf wäre eine hübsche Bereicherung für ihren Speiseplan. Einzig die gewaltigen Warge hatten einen Nutzen für diese Monster. Eine weitere Eingebung schlich sich vielleicht in Miriels Gedanken. Wenn Eáráne vielleicht es irgendwie schaffte zu überleben, dann könnte Miriel sie vielleicht später finden, oder zumindest ihre Fährte mit Hilfe des Wolfes wieder finden.
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