Das Anwesen der Familie van Ikari
- Azura
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- Moderator des Spielers: Kazel Tenebrée
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- Rasse: Mensch/Elf
- Sprachen: Garmisch
Sendli - Beruf: adelige Tochter
- Fähigkeiten: Lesen und schreiben
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Wassermagie unausgebildet/ungefördert - Lebensenergie:
- Geld: 0D, 0L, 0F
- Ausrüstung: das, was sie am Leib trägt
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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Die Situation war verzwickter, als manch einer sie wohl gesehen hätte. Azura gab auf ihre Weise durchaus ihr Bestes, um voran zu kommen und sich zum Positiven hin zu entwickeln. Doch viel zu vieles war ihr noch fremd und verlief in Bahnen, die sie von sich aus nicht sehen konnte... oder mitunter auch wollte, weil sie dabei anfangs auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Hinzu kamen noch ihr Charakter, der Umstand, dass sie in einem goldenen Käfig trotz allem viel zu viele Vorzüge genossen hatte, und auch ihr Stolz.
Viele Hindernisse, die es zu bewältigen galt und die sehr viel Geduld von den Personen abverlangten, die ernsthaft an einem Umgang mit ihr interessiert waren. Für ihre Eltern wollte sie es besser machen, wollte sich beweisen und ihnen zeigen, dass sie erkannt hatte, wie mühsam sie oftmals sein mochte als Tochter, es ihnen auf ihre Art vergelten. Für Corax wollte sie es ebenfalls, wollte sein Glück und ihm dabei helfen, in der Freiheit Fuß zu fassen, selbst, wenn das bedeuten würde, dass er sie dann verlassen würde. Das waren bereits drei Personen, von denen sie noch wenige Wochen zuvor lediglich erwartet hätte, dass sie um sie kreisten und ausschließlich nach ihren Wünschen richteten. Auch für ihre Göttin wollte die junge Frau sich bemühen, doch war diese ein eigenes Kapitel für sich.
Für mehr... nun, da wäre vermutlich durchaus noch Platz für Freundschaften. Doch wie sahen solche aus, solch wahre Freundschaften, die nicht nur aus Lug und Schmeichelei bestünden? Die aus ebenbürtigen Partnern bestünden, die einander zur Seite stünden und verziehen, wenn man Fehler machte? Die einem halfen, die Größe zu entwickeln, sich für eigene Verfehlungen zu entschuldigen? Azura kannte so etwas nicht.
Und was ihren leiblichen Vater betraf, da hatte sie auch sehr viel kaputt gemacht, ohne im Vorfeld zu ahnen, welche Wellen das schlagen könnte. Inzwischen bereute sie einen Gutteil davon durchaus und hätte auch den Willen dazu entwickeln können, es auf ihre Weise wieder zu kitten. Aber er entzog sich ihr ebenso wieder und sie hatte vorerst keine Möglichkeit etwas daran zu ändern.
Das nagte an ihr und dennoch bemühte sie sich soweit um Haltung, dass sie ihre Konzentration auf ihren Raben richten konnte. Er hatte sie um etwas gebeten und das wollte sie ihm nicht verwehren. Dieses Mal ging es um ihn und ihre Gefühle für ihn waren stark genug, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse dafür hintan stellen wollte, auch nach dem, was inzwischen vorgefallen war. Trotzdem fühlte sie sich befangen und der Fund auf dem Weg machte es nicht besser.
Als sie es schließlich nicht mehr aushielt, versuchte sie, die Stimmung zwischen ihnen ein wenig zu lockern. Etwas, das ihr früher viel leichter gefallen war. Jetzt hingegen war es schlichtweg zu... persönlich, als dass sie es mit einem lockeren Witz oder einer ablenkenden Bemerkung hätte kitten können. Dennoch schaffte sie es, ihm ein kleines Lächeln zu entlocken, das ihr Herz vor Freude einen kleinen Hüpfer machen ließ. Aber es vertrieb ihre Scheu ihm gegenüber nicht, ihre Vorsicht, um keinen weiteren Graben zwischen ihnen aufzureißen.
Was ihr nicht zu gelingen schien, wie seine nächste Frage ihr bewies. Mitten in ihrer Suche erstarrte sie und sah mit ehrlichem Schrecken im Blick zu ihm hin. Dann hatte sie es mit einem Mal eilig, vor ihn zu treten und ihm nahe zu sein, ja, sogar seine Hände zu ergreifen und an ihre Brust zu drücken, damit er ihrern Herzschlag spüren konnte. Ihre Augen wurden leicht feucht, während die durch die vielen Tränen vorhin noch fleckige Haut ihrer Wangen sich rötete, und trotzdem hatte sie die Kraft, seinen Blick zu suchen, sollte er sich ihr nicht verschließen. "Du bist umwerfend. Lass dir von niemandem etwas anderes einreden!", hauchte sie voller Ehrlichkeit und einer Wärme, die von ihren Gefühlen für ihn rührte.
Noch einen langen und zugleich viel zu kurzen Moment stand sie so da und wollte nichts weiter als seine Nähe genießen, aber dann war sie es, die das Ganze wieder auflöste. Vielleicht, wenn sie es nicht vollkommen vermasselte, hätten sie danach noch Zeit, um einfach beisammen zu stehen und nichts weiter zu tun, als einander zu halten. Doch jetzt ging es darum, sich zu beeilen, damit Corax endlich zu seinen Wurzeln finden könnte.
Also zog sie ihn in das Toilettezimmer ihrer Mutter und hoffte darauf, dort zu finden, was sie benötigte. Ihr Gefühl trog sie nicht, sodass sie ihren Begleiter auf den Hocker drückte und alsbald einen Kamm in seine Hand drücken konnte. Bei seinem Protest lächelte sie leicht und strich liebevoll wie ein Hauch über sein Haar. "Doch.", erwiderte sie schlicht und widmete sich dann der Auswahl für ihre Garderobe.
Das war etwas einfacher, denn sie hatte ja seine Kleiderwahl als Anhaltspunkt, was dazu passen würde, und sie besaß mehr Erfahrung darin, für sich selbst etwas Angemessenes zu finden. Als sie es hatte und sich in ihrer Unterwäsche befand, zögerte sie und wandte sich an Corax. Sollte er Hilfe brauchen, würde sie sich zuerst um seine Frisur kümmern.
Er allerdings schien das ganz gut alleine hinzukriegen, sodass sie sich ihrer Kleidung widmen konnte und überlegte, bei welchen Teilen sie seine Finger benötigen würde. Bei der Korsage auf jeden Fall, denn die Schnürung verlief seitlich und auch beim Oberteil, dessen Häkchenverschluss sich im Rücken befand. Den Rock hingegen würde sie noch allein schaffen, auch die kleine Krinoline darunter, um den richtigen Wurf zu garantieren, sollte zu schaffen sein. Sie wollte gerade danach greifen, um zu kontrollieren, ob sie keine schadhafte Stelle, die problematisch werden könnte, übersehen hätte, als er aufstand.
Eine Bewegung, die sie im Augenwinkel wahrnehmen konnte, und weswegen sie innehielt, um fragend zu ihm zu sehen. Ihr Rabe hingegen... er blickte sie nur stumm an. Azura wurde sich ihres unziemlichen Aussehens in Unterwäsche bewusst, im Gegensatz zu seiner noblen Erscheinung, und obwohl sie beide schon ganz andere Dinge angestellt hatten, röteten sich ihre Wangen. Und als er noch immer nichts weiter tat, wurde es zu einem unangenehmen Brennen, das sie dazu brachte, mit ihren Armen die empfundene Blöße zu bedecken, ihre Augen auf den Boden zu richten und die Schultern leicht hochzuziehen. "Stimmt etwas nicht?", hauchte sie unbehaglich und fing an, sich für ihr Aussehen zu schämen.
Endlich sprach er zu ihr und seine Worte halfen ihr, sich ein wenig wieder zu fangen. Ja, sie konnte sogar ein kleines Lächeln zeigen. "Ich kenne das...", nuschelte sie, schloss die Augen und atmete tief durch.
Dann hatte sie wieder ausreichend Mut, um ihn anzusehen. "Versuche, dich auf anderes zu konzentrieren, dann wird es leichter.", sprach sie ihm auf ähnliche Weise gut zu wie ihr Stiefvater damals bei ihr, als sie das erste Mal ein hübsches Kleid und vor allem hübsche Schuhe getragen hatte, die mehr gekostet hatten, als ihre Mutter vor ihrer Eheschließung wohl in einem Jahr verdient hatte.
Azura war damals stolz gewesen, so etwas anziehen zu dürfen, es hatte ihr auch gefallen und zugleich war es ungewohnt gewesen, ja, sogar etwas beängstigend, weil sie sich viel zu leicht hätte schmutzig machen können. Vor allem bei den Schuhen, denn früher war sie oft kurzerhand barfuß gelaufen. Oh, was war sie verzweifelt gewesen, als ein bisschen Dreck trotz aller Vorsicht auf ihrer Fußbekleidung gelandet war! Beinahe hätte sie sich gar nicht mehr ins Haus gewagt, aus Angst vor der Schelte, die sie dafür erwartet... und dann erstaunlicherweise nicht bekommen hatte. Stattdessen hatte Alycide ihr einige Mut machende Worte gesagt und dafür gesorgt, dass sie sich leichter in ihre neue Situation hatte einfügen können. Und den Moment verpasst, an dem ihr das zu gut gelungen war...
Lautlos seufzte sie und blinzelte die Erinnerung weg, als eine andere Stimme an ihr Ohr drang, um sie vollständig zurück in die Gegenwart zu holen. Sie sah zu Corax und erneut röteten sich ihre Wangen. "Ein... einen Teil schaffe ich selbst, aber... bei einigen Dingen brauche ich Hilfe.", gestand sie ihm zögerlich und wollte zugleich nicht, dass er wieder in die Rolle des Dieners schlüpfte. Diese Zeit war vorbei... Trotzdem konnte sie es nicht allein, das war ihr bewusst.
Als es schließlich geschafft war, hauchte sie ein verlegenes "Danke" und zupfte noch ein wenig an den Spitzen an den Säumen herum. Obenrum trug sie nun blauen Stoff mit wellenförmiger Zier, einem viereckigen Ausschnitt und Ärmeln, die ihr bis knapp unter die Ellenbogen reichten. Das Oberteil war geformt wie ein Mieder und öffnete sich mittig, als wäre vergessen worden, es gänzlich zu schließen und präsentiere nun auch die Kleidung darunter. Dabei war der hellbraune Stoff mit dem Rankenmuster ein Bestandteil und sollte die Verbindung von Wasser und Natur darstellen. Außerdem war die Spitze eine Möglichkeit, das Ganze unverfänglich aufzuhellen und zugleich dem Dekolleté zu schmeicheln, ohne, dass sie unverschämt viel Haut zeigen musste. Passend dazu "lugte" die Spitze auch an ihren Ärmeln hervor. Zusätzlich für den Eindruck eines Mieders gab es ein braunes Seidenband, das lose an den Rand des blauen Stoffes genäht worden war, als könne es trotz allem diesen zusammen halten. Ihr blauer Rock hingegen wurde nach unten hin dunkler und vermied es dadurch, dass allfällige Schlammspritzer sofort erkennbar wären.
Für gewöhnlich würde ihre Mutter noch Schmuck zu solch einem Ensemble tragen, doch Azura wollte nicht protzig wirken, noch ohne nachgesehen zu haben, was von dem wertvollen Besitz überhaupt noch übrig wäre. Bei diesem Besuch wäre sie lediglich die hübsche Zierde, nett anzusehen, aber nicht im Vordergrund.
Als ihr Ankleiden geschafft war, begab sie sich noch zum Schminktisch ihrer Mutter, um mit wenigen Handgriffen, eine schlichte Hochsteckfrisur zu zaubern, indem sie zwei dickere, seitlich Strähnen nahm und an ihrem Hinterkopf zusammen fasste. Auf diese Weise umspielten zwei dünnere Locken noch immer ihr Gesicht, ohne es verdecken zu können, und im Nacken floss ihre gesamte Fülle herab, um trotz allem ihre Jugendlichkeit und Verfügbarkeit auf dem Heiratsmarkt zu symbolisieren. Und weil es ihr wichtig war, ihre Zugehörigkeit auszudrücken, steckte sie sich als einzigen Schmuck die schwarze Rabenfeder in ihr Haar.
Auf diese Weise hoffte sie, passend gekleidet zu sein, und wandte sich ihm wieder zu. Sie nickte bei seinen Worten und nur kurz flatterten ihre Lider bei der Erwähnung der Sarmaerin. "Die Sachen finden wir unten.", erklärte sie ihm und wollte voraus gehen, um ihm den Weg zu zeigen.
Seine Frage indes ließ sie innehalten und ihn einen Moment lang erstaunt ansehen. Während sie sich noch darüber wunderte, wie er nun darauf kam, schüttelte er bereits den Kopf und wollte das Thema offensichtlich fallen lassen, nachdem er es angefangen hatte. Sie hörte ihm zu und nickte. "Ja, Mama soll sich keine Sorgen machen.", stimmte sie ihm zu und senkte ihren Blick.
Um ihn im nächsten Moment schon wieder anzuheben und mit einem Lächeln auf ihren Raben zu richten. "Ich glaube, du bist selbst das Geschenk.", erwiderte sie, trat zu ihm und drückte aufmunternd seine Hand.
Dann wandte sie sich ab und öffnete ihm die Tür, als Einladung, vor ihr den Raum zu verlassen. Schließlich war dies hier das intimste Reich ihrer Mutter, da wollte sie auch diejenige sein, die es wieder schloss.
Sobald er an ihr jedoch vorbei gehen würde, würde sie nach seiner Hand greifen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn sie hätte ihm etwas Wichtiges mitzuteilen, auch wenn er es selbst abgewiegelt hatte, ehe sie vorhin die Gelegenheit dazu gehabt hatte. "Ja, Corax.", hauchte sie und spürte, wie ihr Herz wild in ihrer Brust klopfte. "Ich vertraue dir voll und ganz."
Nun wäre der geeignete Moment, um ihm die Gegenfrage zu stellen, doch sie tat es nicht. Viel zu groß war ihre Angst vor einer anderslautenden Antwort, als dass sie es über die Lippen gebracht hätte. Stattdessen wollte sie die Tür hinter sich schließen und ihn hinunter führen, um ihm den Regenschutz zu zeigen und ihre Mutter zu informieren.
Viele Hindernisse, die es zu bewältigen galt und die sehr viel Geduld von den Personen abverlangten, die ernsthaft an einem Umgang mit ihr interessiert waren. Für ihre Eltern wollte sie es besser machen, wollte sich beweisen und ihnen zeigen, dass sie erkannt hatte, wie mühsam sie oftmals sein mochte als Tochter, es ihnen auf ihre Art vergelten. Für Corax wollte sie es ebenfalls, wollte sein Glück und ihm dabei helfen, in der Freiheit Fuß zu fassen, selbst, wenn das bedeuten würde, dass er sie dann verlassen würde. Das waren bereits drei Personen, von denen sie noch wenige Wochen zuvor lediglich erwartet hätte, dass sie um sie kreisten und ausschließlich nach ihren Wünschen richteten. Auch für ihre Göttin wollte die junge Frau sich bemühen, doch war diese ein eigenes Kapitel für sich.
Für mehr... nun, da wäre vermutlich durchaus noch Platz für Freundschaften. Doch wie sahen solche aus, solch wahre Freundschaften, die nicht nur aus Lug und Schmeichelei bestünden? Die aus ebenbürtigen Partnern bestünden, die einander zur Seite stünden und verziehen, wenn man Fehler machte? Die einem halfen, die Größe zu entwickeln, sich für eigene Verfehlungen zu entschuldigen? Azura kannte so etwas nicht.
Und was ihren leiblichen Vater betraf, da hatte sie auch sehr viel kaputt gemacht, ohne im Vorfeld zu ahnen, welche Wellen das schlagen könnte. Inzwischen bereute sie einen Gutteil davon durchaus und hätte auch den Willen dazu entwickeln können, es auf ihre Weise wieder zu kitten. Aber er entzog sich ihr ebenso wieder und sie hatte vorerst keine Möglichkeit etwas daran zu ändern.
Das nagte an ihr und dennoch bemühte sie sich soweit um Haltung, dass sie ihre Konzentration auf ihren Raben richten konnte. Er hatte sie um etwas gebeten und das wollte sie ihm nicht verwehren. Dieses Mal ging es um ihn und ihre Gefühle für ihn waren stark genug, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse dafür hintan stellen wollte, auch nach dem, was inzwischen vorgefallen war. Trotzdem fühlte sie sich befangen und der Fund auf dem Weg machte es nicht besser.
Als sie es schließlich nicht mehr aushielt, versuchte sie, die Stimmung zwischen ihnen ein wenig zu lockern. Etwas, das ihr früher viel leichter gefallen war. Jetzt hingegen war es schlichtweg zu... persönlich, als dass sie es mit einem lockeren Witz oder einer ablenkenden Bemerkung hätte kitten können. Dennoch schaffte sie es, ihm ein kleines Lächeln zu entlocken, das ihr Herz vor Freude einen kleinen Hüpfer machen ließ. Aber es vertrieb ihre Scheu ihm gegenüber nicht, ihre Vorsicht, um keinen weiteren Graben zwischen ihnen aufzureißen.
Was ihr nicht zu gelingen schien, wie seine nächste Frage ihr bewies. Mitten in ihrer Suche erstarrte sie und sah mit ehrlichem Schrecken im Blick zu ihm hin. Dann hatte sie es mit einem Mal eilig, vor ihn zu treten und ihm nahe zu sein, ja, sogar seine Hände zu ergreifen und an ihre Brust zu drücken, damit er ihrern Herzschlag spüren konnte. Ihre Augen wurden leicht feucht, während die durch die vielen Tränen vorhin noch fleckige Haut ihrer Wangen sich rötete, und trotzdem hatte sie die Kraft, seinen Blick zu suchen, sollte er sich ihr nicht verschließen. "Du bist umwerfend. Lass dir von niemandem etwas anderes einreden!", hauchte sie voller Ehrlichkeit und einer Wärme, die von ihren Gefühlen für ihn rührte.
Noch einen langen und zugleich viel zu kurzen Moment stand sie so da und wollte nichts weiter als seine Nähe genießen, aber dann war sie es, die das Ganze wieder auflöste. Vielleicht, wenn sie es nicht vollkommen vermasselte, hätten sie danach noch Zeit, um einfach beisammen zu stehen und nichts weiter zu tun, als einander zu halten. Doch jetzt ging es darum, sich zu beeilen, damit Corax endlich zu seinen Wurzeln finden könnte.
Also zog sie ihn in das Toilettezimmer ihrer Mutter und hoffte darauf, dort zu finden, was sie benötigte. Ihr Gefühl trog sie nicht, sodass sie ihren Begleiter auf den Hocker drückte und alsbald einen Kamm in seine Hand drücken konnte. Bei seinem Protest lächelte sie leicht und strich liebevoll wie ein Hauch über sein Haar. "Doch.", erwiderte sie schlicht und widmete sich dann der Auswahl für ihre Garderobe.
Das war etwas einfacher, denn sie hatte ja seine Kleiderwahl als Anhaltspunkt, was dazu passen würde, und sie besaß mehr Erfahrung darin, für sich selbst etwas Angemessenes zu finden. Als sie es hatte und sich in ihrer Unterwäsche befand, zögerte sie und wandte sich an Corax. Sollte er Hilfe brauchen, würde sie sich zuerst um seine Frisur kümmern.
Er allerdings schien das ganz gut alleine hinzukriegen, sodass sie sich ihrer Kleidung widmen konnte und überlegte, bei welchen Teilen sie seine Finger benötigen würde. Bei der Korsage auf jeden Fall, denn die Schnürung verlief seitlich und auch beim Oberteil, dessen Häkchenverschluss sich im Rücken befand. Den Rock hingegen würde sie noch allein schaffen, auch die kleine Krinoline darunter, um den richtigen Wurf zu garantieren, sollte zu schaffen sein. Sie wollte gerade danach greifen, um zu kontrollieren, ob sie keine schadhafte Stelle, die problematisch werden könnte, übersehen hätte, als er aufstand.
Eine Bewegung, die sie im Augenwinkel wahrnehmen konnte, und weswegen sie innehielt, um fragend zu ihm zu sehen. Ihr Rabe hingegen... er blickte sie nur stumm an. Azura wurde sich ihres unziemlichen Aussehens in Unterwäsche bewusst, im Gegensatz zu seiner noblen Erscheinung, und obwohl sie beide schon ganz andere Dinge angestellt hatten, röteten sich ihre Wangen. Und als er noch immer nichts weiter tat, wurde es zu einem unangenehmen Brennen, das sie dazu brachte, mit ihren Armen die empfundene Blöße zu bedecken, ihre Augen auf den Boden zu richten und die Schultern leicht hochzuziehen. "Stimmt etwas nicht?", hauchte sie unbehaglich und fing an, sich für ihr Aussehen zu schämen.
Endlich sprach er zu ihr und seine Worte halfen ihr, sich ein wenig wieder zu fangen. Ja, sie konnte sogar ein kleines Lächeln zeigen. "Ich kenne das...", nuschelte sie, schloss die Augen und atmete tief durch.
Dann hatte sie wieder ausreichend Mut, um ihn anzusehen. "Versuche, dich auf anderes zu konzentrieren, dann wird es leichter.", sprach sie ihm auf ähnliche Weise gut zu wie ihr Stiefvater damals bei ihr, als sie das erste Mal ein hübsches Kleid und vor allem hübsche Schuhe getragen hatte, die mehr gekostet hatten, als ihre Mutter vor ihrer Eheschließung wohl in einem Jahr verdient hatte.
Azura war damals stolz gewesen, so etwas anziehen zu dürfen, es hatte ihr auch gefallen und zugleich war es ungewohnt gewesen, ja, sogar etwas beängstigend, weil sie sich viel zu leicht hätte schmutzig machen können. Vor allem bei den Schuhen, denn früher war sie oft kurzerhand barfuß gelaufen. Oh, was war sie verzweifelt gewesen, als ein bisschen Dreck trotz aller Vorsicht auf ihrer Fußbekleidung gelandet war! Beinahe hätte sie sich gar nicht mehr ins Haus gewagt, aus Angst vor der Schelte, die sie dafür erwartet... und dann erstaunlicherweise nicht bekommen hatte. Stattdessen hatte Alycide ihr einige Mut machende Worte gesagt und dafür gesorgt, dass sie sich leichter in ihre neue Situation hatte einfügen können. Und den Moment verpasst, an dem ihr das zu gut gelungen war...
Lautlos seufzte sie und blinzelte die Erinnerung weg, als eine andere Stimme an ihr Ohr drang, um sie vollständig zurück in die Gegenwart zu holen. Sie sah zu Corax und erneut röteten sich ihre Wangen. "Ein... einen Teil schaffe ich selbst, aber... bei einigen Dingen brauche ich Hilfe.", gestand sie ihm zögerlich und wollte zugleich nicht, dass er wieder in die Rolle des Dieners schlüpfte. Diese Zeit war vorbei... Trotzdem konnte sie es nicht allein, das war ihr bewusst.
Als es schließlich geschafft war, hauchte sie ein verlegenes "Danke" und zupfte noch ein wenig an den Spitzen an den Säumen herum. Obenrum trug sie nun blauen Stoff mit wellenförmiger Zier, einem viereckigen Ausschnitt und Ärmeln, die ihr bis knapp unter die Ellenbogen reichten. Das Oberteil war geformt wie ein Mieder und öffnete sich mittig, als wäre vergessen worden, es gänzlich zu schließen und präsentiere nun auch die Kleidung darunter. Dabei war der hellbraune Stoff mit dem Rankenmuster ein Bestandteil und sollte die Verbindung von Wasser und Natur darstellen. Außerdem war die Spitze eine Möglichkeit, das Ganze unverfänglich aufzuhellen und zugleich dem Dekolleté zu schmeicheln, ohne, dass sie unverschämt viel Haut zeigen musste. Passend dazu "lugte" die Spitze auch an ihren Ärmeln hervor. Zusätzlich für den Eindruck eines Mieders gab es ein braunes Seidenband, das lose an den Rand des blauen Stoffes genäht worden war, als könne es trotz allem diesen zusammen halten. Ihr blauer Rock hingegen wurde nach unten hin dunkler und vermied es dadurch, dass allfällige Schlammspritzer sofort erkennbar wären.
Für gewöhnlich würde ihre Mutter noch Schmuck zu solch einem Ensemble tragen, doch Azura wollte nicht protzig wirken, noch ohne nachgesehen zu haben, was von dem wertvollen Besitz überhaupt noch übrig wäre. Bei diesem Besuch wäre sie lediglich die hübsche Zierde, nett anzusehen, aber nicht im Vordergrund.
Als ihr Ankleiden geschafft war, begab sie sich noch zum Schminktisch ihrer Mutter, um mit wenigen Handgriffen, eine schlichte Hochsteckfrisur zu zaubern, indem sie zwei dickere, seitlich Strähnen nahm und an ihrem Hinterkopf zusammen fasste. Auf diese Weise umspielten zwei dünnere Locken noch immer ihr Gesicht, ohne es verdecken zu können, und im Nacken floss ihre gesamte Fülle herab, um trotz allem ihre Jugendlichkeit und Verfügbarkeit auf dem Heiratsmarkt zu symbolisieren. Und weil es ihr wichtig war, ihre Zugehörigkeit auszudrücken, steckte sie sich als einzigen Schmuck die schwarze Rabenfeder in ihr Haar.
Auf diese Weise hoffte sie, passend gekleidet zu sein, und wandte sich ihm wieder zu. Sie nickte bei seinen Worten und nur kurz flatterten ihre Lider bei der Erwähnung der Sarmaerin. "Die Sachen finden wir unten.", erklärte sie ihm und wollte voraus gehen, um ihm den Weg zu zeigen.
Seine Frage indes ließ sie innehalten und ihn einen Moment lang erstaunt ansehen. Während sie sich noch darüber wunderte, wie er nun darauf kam, schüttelte er bereits den Kopf und wollte das Thema offensichtlich fallen lassen, nachdem er es angefangen hatte. Sie hörte ihm zu und nickte. "Ja, Mama soll sich keine Sorgen machen.", stimmte sie ihm zu und senkte ihren Blick.
Um ihn im nächsten Moment schon wieder anzuheben und mit einem Lächeln auf ihren Raben zu richten. "Ich glaube, du bist selbst das Geschenk.", erwiderte sie, trat zu ihm und drückte aufmunternd seine Hand.
Dann wandte sie sich ab und öffnete ihm die Tür, als Einladung, vor ihr den Raum zu verlassen. Schließlich war dies hier das intimste Reich ihrer Mutter, da wollte sie auch diejenige sein, die es wieder schloss.
Sobald er an ihr jedoch vorbei gehen würde, würde sie nach seiner Hand greifen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn sie hätte ihm etwas Wichtiges mitzuteilen, auch wenn er es selbst abgewiegelt hatte, ehe sie vorhin die Gelegenheit dazu gehabt hatte. "Ja, Corax.", hauchte sie und spürte, wie ihr Herz wild in ihrer Brust klopfte. "Ich vertraue dir voll und ganz."
Nun wäre der geeignete Moment, um ihm die Gegenfrage zu stellen, doch sie tat es nicht. Viel zu groß war ihre Angst vor einer anderslautenden Antwort, als dass sie es über die Lippen gebracht hätte. Stattdessen wollte sie die Tür hinter sich schließen und ihn hinunter führen, um ihm den Regenschutz zu zeigen und ihre Mutter zu informieren.

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Geduld war ein Eisengewicht, das an einem seidenen Faden hing. Wenn der sprichwörtliche Geduldsfaden riss, ließ er sich selbst mit noch so vielen Knoten manchmal nicht wieder reparieren. Denn manchmal waren die Fasern dermaßen überstrapaziert worden, dass sie sogar gebündelt keinen festen Strang mehr bilden konnten. Sie dröselten sich auf, wurden dünner und dünner, zerfaserten regelrecht bei bloßer Berührung.
Bei Azuras Attitüden benötigte es einen immensen Berg an Geduld, denn viel zu oft entstand der Eindruck, dass Entwicklung bei ihr ein Schritt nach vorn und zwei zurück bedeutete. Dieses Phänomen befiel jedes lebende Wesen auf Celcia. Daran ließ sich nichts ändern und es war auch vollkommen legitim. Auch das gehörte zum Entwicklungsprozess hinzu. Der zweite Faktor, welcher nachhaltig am Material - auch dem der Geduld - nagte, um es spröde werden zu lassen, war Zeit. Wenn sich über einen großen Zeitraum Dinge trotz aller Mühen wiederholten und man keine Veränderung feststellte, ging auch die Geduld zu Ende. Manche fanden sich damit ab, hielten an den rissigen Fasern fest und bemerkten bisweilen gar nicht, dass sie sich dadurch nur selbst mit dem Gewicht belasteten, das man mitunter auch loslassen könnte. Andere aber besaßen auch hierfür irgendwann keine Geduld mehr. Sie gaben nicht auf. Sie erkannten einfach nur, dass manche Umstände der Mühe nicht wert waren ... und dann durfte man auch von ihnen nicht länger verlangen, zu kämpfen. Denn manchmal führte es zu nichts. Es gab dieses celcianische Märchen von einem Mann, der auszog, um mit einem Stock gegen Windmühlen zu kämpfen... kaum jemand erinnerte sich an den Namen dieses Mannes, noch weniger, ob er jemals Erfolg hatte. Man kannte von dem Märchen im Grunde nur seinen nahezu sinnlosen Leidensweg. Doch das genügte schon, um vielen eine moralische Lehre zu sein.
Ob Azura lernen würde? Ob es andere Personen mit mehr Geduld in ihrem Leben brauchte oder ob sich irgendwann auch noch der Letzte von ihr abwenden würde? Das würde erneut der Faktor Zeit zeigen müssen. Aktuell war es so, dass einer noch bei ihr war. Corax war geblieben, hatte sie zurück ins Anwesen begleitet und sich von ihr mit Ersatzkleidung ausstatten lassen - auch wenn er sich darin nur bedingt wohl fühlte. Er sprach es an, wehrte sich jedoch nicht dagegen. Schließlich sollte er für das Treffen mit Vater und Bruder vorzeigbar sein und auch Azura selbst wollte sich von ihrer besten Seite zeigen. Sie wollte die noble Zierde am Handgelenk des aus ihrer Sicht nun weitaus nobleren Dunkelelfen sein.
Umso weniger wünschte sie sich, dass er in seine Diener- oder vielmehr alte Sklavenrolle verfiel, als er seinen Platz am Frisiertisch verließ, um sie zu unterstützen. Schon mehr als einmal hatte er es getan. Damals, auf dem Zwergenschiff, hatte er sogar vor ihr gekniet, um ihre Stiefel überzustreifen und dabei diesen typischen Blick nach oben geworfen - die Spur aus Scheu, weil er es wagte, sie überhaupt anzusehen und die Nuance Hoffnung, ein wenig Gunst in ihren Blick zu erhaschen. Damals hatte Azura das etwas verwirrt, denn das Verhalten stand so ganz im Gegensatz zu seiner frechen Art, mit der er sie immer wieder überrumpelt hatte. Sie wollte ihn einfach nicht mehr derart devot sehen ... nein ... unterdrückt. Das war er nicht! Dennoch benötigte sie Hilfe beim Einkleiden, aber das war in Ordnung. Es kam darauf an, wie man darum bat und sich dabei den Helfenden gegenüber gab. Sah man auf sie herab, war man eine Adlige und die helfenden Hände namenlose Diener. Strafte man sie gar mit verachtenden Blicken, so waren es Sklaven. Corax aber stand offenbar wenigstens auf einer Ebene. Er half Azura in das Oberteil, schloss die Bänder und zog das Korsett zusammen. Er musste nicht einmal fragen, wie es zu handhaben war. Zu viele Frauen hatte er in seinem Leben bereits eingekleidet. Wie viele mochten ihm in all der Zeit dafür gedankt haben?
Azura tat es und auch wenn es ihr nur verlegen, sowie leise über die Lippen kam, zuckten seine Ohren. Er fing es auf, nickte, aber in seinen Augen lag kurz ein Hauch aufrichtiger Wärme. Dann jedoch änderte sich etwas. Er schaute sie lang an. Das hatte er auch schon getan, als sie noch in Unterwäsche vor ihm gestanden hatte. Sein Blick war überschattet und verdunkelte die Rubine ein wenig. Er war schön, auch wenn er ernst aussah, aber etwas daran verunsicherte Azura. "Stimmt etwas nicht?", fragte sie daher und riss ihn sichtlich aus dieser Wolke Düsternis, die um ihn herum schwebte. Er blinzelte, fokussierte sich auf sie und die Schatten hatten sich gelöst. Dann lächelte er schwach, schüttelte den Kopf. "Ich hab nur nachgedacht. Im Moment ist alles einfach ... sehr viel", erwiderte er. "Du siehst wundervoll aus."
Wundervoll, aber noch nicht vollkommen. Azura ging nun ihrerseits zum Schminktisch, frisierte ihre Haare, dass ein kleiner Teil davon hochgesteckt war, sie dennoch eine jugendliche Mähne über ihren Rücken fallen ließ, so dass sich das Licht rotgolden auf ihren Strähnen reflektieren konnte. Anschließend steckte sie sich noch die Rabenfeder ins Haar, die zuvor am Ausschnitt ihrer nassen Kleidung befestigt worden war. Farblich passte sie nur bedingt zu ihrem ansonsten eher leichten Kleid - denn ihre Blau- und Brauntöne waren heller - aber ihr war es wichtig, die Nähe zu Corax dadurch noch einmal zu betonen.
"Trägst du nun mein Leid?", fragte er und legte den Kopf schief. Eine Feder allein reichte dabei sicherlich nicht aus. Azura hatte in ihrem Traum Corax gesehen, auf dem dunklen Thron und mit dem langen Umhang aus schwarzen Federn. Selbst jener würde nicht ausreichen. Es wurde Zeit, dass er alles mit Glück aufwog. Es wurde Zeit, dass sie sich auf den Weg machten. Der Rabe aber erinnerte noch einmal, dass man die Hausherrin nicht vergessen sollte. Gewiss würde Aquila wissen wollen, warum ihre Tochter erneut das Anwesen verließ und wohin sie ging. Vielleicht gäbe sie Corax sogar ein passendes Präsent mit auf den Weg? Sie als Adlige kannte sich damit aus, was die Etikette verlangte. Azura hingegen wusste um die richtigeren Worte: "Ich glaube, du bist selbst das Geschenk."
"Meinst du ... jemand Anderes aus dir und meinen Freunden freut sich ... mich zu sehen?" Ihm brach das Herz auf. Tränen glitzerten in seinen Augenwinkeln. Er kämpfte darum, dass sie nun nicht die Wangen herunterliefen, musste sie letztendlich aber fortwischen. Für ihn bedeutete es viel, dass er anderen etwas bedeutete und nicht bloß Sklave, Werkzeug und Spielball für unheimliche Wesen war, die er Zeit seines Lebens als seine Familie angesehen hatte. Nein, er besaß eine richtige und sie kennen zu lernen wurde immer greifbarer.
Azura machte sich mit Corax auf den Weg. Sie öffnete ihm die Tür und gemeinsam verließen sie den Flügel, der ihrer Mutter zugeteilt war. Sie fanden sie nach wie vor im blauen Salon vor, in den Azura sich so gern zurückzog und der von der Plünderung verschont geblieben war. Ausschließlich Aquila van Ikari befand sich noch dort. Madiha, Caleb und Jakub hatten das Haus längst verlassen. Azuras Mutter hatte sich die Zeit genommen, das genutzte Geschirr zusammenzutragen und im Rollwagen unterzubringen. Jetzt saß sie auf den weichen Polstern im Erker und blickte hinaus auf das Regen verhangene Grundstück.
Als ihre Tochter zusammen mit Corax den Salon betrat, wandte sie den Kopf um, so dass die Fenster in ihrem Rücken lagen. Sie hob beide Brauen, denn sie erkannte sehr wohl die Aufmachung, die beide trugen. In ihrem Gesicht fand sich allerdings keine Note von Zorn oder Unmut, nicht einmal als sie Corax betrachtete. "Es steht euch", kommentierte sie und nickte dabei vor allem Azura zu. In ihren Augen lag etwas Fragendes, aber sie stellte keine. Corax jedoch beantwortete, was zwischen ihnen in der Luft hing.
"Azura hat sich etwas beruhigen können ... Herrin. Wir ... wollen meine Famlie aufsuchen."
"Natürlich", nickte Aquila erneut. "Ihr solltet sie nicht warten lassen. Das haben sie offenbar lange genug. Mir kam der Name Faelyn unter die Ohren. Er fiel schon gelegentlich, wenn ich Nahrung auf dem Markt kaufen war. Allerdings riefen ihn Gerüstete mit Feensymbol auf den Wappenröcken. Ihr ... seid hoffentlich nicht in Schwierigkeiten?"
Corax schaute zu Azura herüber, ob sie möglicherweise mehr wusste. Sie hatte ihm den Beutel mit dem Feenwappen gezeigt und er darin das Haus Faelyn erkannt. Wusste sie eventuell noch mehr? Falls ja, wäre nun die Gelegenheit dafür. Man konnte es aber auch einfach herausfinden, indem man sich nun auf den Weg zu jenem Anwesen machte, das Madiha Corax genannt hatte. Früher oder später erfuhren sie schon, wie das Verhältnis zwischen Corax und seiner Familie aussehen würde.
Bei Azuras Attitüden benötigte es einen immensen Berg an Geduld, denn viel zu oft entstand der Eindruck, dass Entwicklung bei ihr ein Schritt nach vorn und zwei zurück bedeutete. Dieses Phänomen befiel jedes lebende Wesen auf Celcia. Daran ließ sich nichts ändern und es war auch vollkommen legitim. Auch das gehörte zum Entwicklungsprozess hinzu. Der zweite Faktor, welcher nachhaltig am Material - auch dem der Geduld - nagte, um es spröde werden zu lassen, war Zeit. Wenn sich über einen großen Zeitraum Dinge trotz aller Mühen wiederholten und man keine Veränderung feststellte, ging auch die Geduld zu Ende. Manche fanden sich damit ab, hielten an den rissigen Fasern fest und bemerkten bisweilen gar nicht, dass sie sich dadurch nur selbst mit dem Gewicht belasteten, das man mitunter auch loslassen könnte. Andere aber besaßen auch hierfür irgendwann keine Geduld mehr. Sie gaben nicht auf. Sie erkannten einfach nur, dass manche Umstände der Mühe nicht wert waren ... und dann durfte man auch von ihnen nicht länger verlangen, zu kämpfen. Denn manchmal führte es zu nichts. Es gab dieses celcianische Märchen von einem Mann, der auszog, um mit einem Stock gegen Windmühlen zu kämpfen... kaum jemand erinnerte sich an den Namen dieses Mannes, noch weniger, ob er jemals Erfolg hatte. Man kannte von dem Märchen im Grunde nur seinen nahezu sinnlosen Leidensweg. Doch das genügte schon, um vielen eine moralische Lehre zu sein.
Ob Azura lernen würde? Ob es andere Personen mit mehr Geduld in ihrem Leben brauchte oder ob sich irgendwann auch noch der Letzte von ihr abwenden würde? Das würde erneut der Faktor Zeit zeigen müssen. Aktuell war es so, dass einer noch bei ihr war. Corax war geblieben, hatte sie zurück ins Anwesen begleitet und sich von ihr mit Ersatzkleidung ausstatten lassen - auch wenn er sich darin nur bedingt wohl fühlte. Er sprach es an, wehrte sich jedoch nicht dagegen. Schließlich sollte er für das Treffen mit Vater und Bruder vorzeigbar sein und auch Azura selbst wollte sich von ihrer besten Seite zeigen. Sie wollte die noble Zierde am Handgelenk des aus ihrer Sicht nun weitaus nobleren Dunkelelfen sein.
Umso weniger wünschte sie sich, dass er in seine Diener- oder vielmehr alte Sklavenrolle verfiel, als er seinen Platz am Frisiertisch verließ, um sie zu unterstützen. Schon mehr als einmal hatte er es getan. Damals, auf dem Zwergenschiff, hatte er sogar vor ihr gekniet, um ihre Stiefel überzustreifen und dabei diesen typischen Blick nach oben geworfen - die Spur aus Scheu, weil er es wagte, sie überhaupt anzusehen und die Nuance Hoffnung, ein wenig Gunst in ihren Blick zu erhaschen. Damals hatte Azura das etwas verwirrt, denn das Verhalten stand so ganz im Gegensatz zu seiner frechen Art, mit der er sie immer wieder überrumpelt hatte. Sie wollte ihn einfach nicht mehr derart devot sehen ... nein ... unterdrückt. Das war er nicht! Dennoch benötigte sie Hilfe beim Einkleiden, aber das war in Ordnung. Es kam darauf an, wie man darum bat und sich dabei den Helfenden gegenüber gab. Sah man auf sie herab, war man eine Adlige und die helfenden Hände namenlose Diener. Strafte man sie gar mit verachtenden Blicken, so waren es Sklaven. Corax aber stand offenbar wenigstens auf einer Ebene. Er half Azura in das Oberteil, schloss die Bänder und zog das Korsett zusammen. Er musste nicht einmal fragen, wie es zu handhaben war. Zu viele Frauen hatte er in seinem Leben bereits eingekleidet. Wie viele mochten ihm in all der Zeit dafür gedankt haben?
Azura tat es und auch wenn es ihr nur verlegen, sowie leise über die Lippen kam, zuckten seine Ohren. Er fing es auf, nickte, aber in seinen Augen lag kurz ein Hauch aufrichtiger Wärme. Dann jedoch änderte sich etwas. Er schaute sie lang an. Das hatte er auch schon getan, als sie noch in Unterwäsche vor ihm gestanden hatte. Sein Blick war überschattet und verdunkelte die Rubine ein wenig. Er war schön, auch wenn er ernst aussah, aber etwas daran verunsicherte Azura. "Stimmt etwas nicht?", fragte sie daher und riss ihn sichtlich aus dieser Wolke Düsternis, die um ihn herum schwebte. Er blinzelte, fokussierte sich auf sie und die Schatten hatten sich gelöst. Dann lächelte er schwach, schüttelte den Kopf. "Ich hab nur nachgedacht. Im Moment ist alles einfach ... sehr viel", erwiderte er. "Du siehst wundervoll aus."
Wundervoll, aber noch nicht vollkommen. Azura ging nun ihrerseits zum Schminktisch, frisierte ihre Haare, dass ein kleiner Teil davon hochgesteckt war, sie dennoch eine jugendliche Mähne über ihren Rücken fallen ließ, so dass sich das Licht rotgolden auf ihren Strähnen reflektieren konnte. Anschließend steckte sie sich noch die Rabenfeder ins Haar, die zuvor am Ausschnitt ihrer nassen Kleidung befestigt worden war. Farblich passte sie nur bedingt zu ihrem ansonsten eher leichten Kleid - denn ihre Blau- und Brauntöne waren heller - aber ihr war es wichtig, die Nähe zu Corax dadurch noch einmal zu betonen.
"Trägst du nun mein Leid?", fragte er und legte den Kopf schief. Eine Feder allein reichte dabei sicherlich nicht aus. Azura hatte in ihrem Traum Corax gesehen, auf dem dunklen Thron und mit dem langen Umhang aus schwarzen Federn. Selbst jener würde nicht ausreichen. Es wurde Zeit, dass er alles mit Glück aufwog. Es wurde Zeit, dass sie sich auf den Weg machten. Der Rabe aber erinnerte noch einmal, dass man die Hausherrin nicht vergessen sollte. Gewiss würde Aquila wissen wollen, warum ihre Tochter erneut das Anwesen verließ und wohin sie ging. Vielleicht gäbe sie Corax sogar ein passendes Präsent mit auf den Weg? Sie als Adlige kannte sich damit aus, was die Etikette verlangte. Azura hingegen wusste um die richtigeren Worte: "Ich glaube, du bist selbst das Geschenk."
"Meinst du ... jemand Anderes aus dir und meinen Freunden freut sich ... mich zu sehen?" Ihm brach das Herz auf. Tränen glitzerten in seinen Augenwinkeln. Er kämpfte darum, dass sie nun nicht die Wangen herunterliefen, musste sie letztendlich aber fortwischen. Für ihn bedeutete es viel, dass er anderen etwas bedeutete und nicht bloß Sklave, Werkzeug und Spielball für unheimliche Wesen war, die er Zeit seines Lebens als seine Familie angesehen hatte. Nein, er besaß eine richtige und sie kennen zu lernen wurde immer greifbarer.
Azura machte sich mit Corax auf den Weg. Sie öffnete ihm die Tür und gemeinsam verließen sie den Flügel, der ihrer Mutter zugeteilt war. Sie fanden sie nach wie vor im blauen Salon vor, in den Azura sich so gern zurückzog und der von der Plünderung verschont geblieben war. Ausschließlich Aquila van Ikari befand sich noch dort. Madiha, Caleb und Jakub hatten das Haus längst verlassen. Azuras Mutter hatte sich die Zeit genommen, das genutzte Geschirr zusammenzutragen und im Rollwagen unterzubringen. Jetzt saß sie auf den weichen Polstern im Erker und blickte hinaus auf das Regen verhangene Grundstück.
Als ihre Tochter zusammen mit Corax den Salon betrat, wandte sie den Kopf um, so dass die Fenster in ihrem Rücken lagen. Sie hob beide Brauen, denn sie erkannte sehr wohl die Aufmachung, die beide trugen. In ihrem Gesicht fand sich allerdings keine Note von Zorn oder Unmut, nicht einmal als sie Corax betrachtete. "Es steht euch", kommentierte sie und nickte dabei vor allem Azura zu. In ihren Augen lag etwas Fragendes, aber sie stellte keine. Corax jedoch beantwortete, was zwischen ihnen in der Luft hing.
"Azura hat sich etwas beruhigen können ... Herrin. Wir ... wollen meine Famlie aufsuchen."
"Natürlich", nickte Aquila erneut. "Ihr solltet sie nicht warten lassen. Das haben sie offenbar lange genug. Mir kam der Name Faelyn unter die Ohren. Er fiel schon gelegentlich, wenn ich Nahrung auf dem Markt kaufen war. Allerdings riefen ihn Gerüstete mit Feensymbol auf den Wappenröcken. Ihr ... seid hoffentlich nicht in Schwierigkeiten?"
Corax schaute zu Azura herüber, ob sie möglicherweise mehr wusste. Sie hatte ihm den Beutel mit dem Feenwappen gezeigt und er darin das Haus Faelyn erkannt. Wusste sie eventuell noch mehr? Falls ja, wäre nun die Gelegenheit dafür. Man konnte es aber auch einfach herausfinden, indem man sich nun auf den Weg zu jenem Anwesen machte, das Madiha Corax genannt hatte. Früher oder später erfuhren sie schon, wie das Verhältnis zwischen Corax und seiner Familie aussehen würde.

- Azura
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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Im Gegensatz zu ihrem Raben war sie derartige Kleidung gewohnt und wusste sich normalerweise in jedem Ensemble irgendwie wohlzufühlen. Auch wenn sie normalerweise entweder viel mehr Haut zeigte, um zu glänzen und begehrenswert zu erscheinen, oder so wie zuvor in alltäglichen, zweckmäßigen Schnitten. Jetzt hingegen ging es darum, hübsch zu sein und dennoch nicht zu auffällig, um im Hintergrund bleiben zu können. Das war eine neue Position und sorgte dafür, dass es ihr ähnlich erging wie ihm.
Nicht nur, dass sie ungefragt ein Kleid ihrer Mutter angezogen hatte, um diese Rolle angemessen einnehmen zu können. Nein, sie fühlte sich mit einem Mal irgendwie auch befangen. Denn hier ging es bald darum, einen guten Eindruck zu machen, um neue Bande knüpfen zu können und ihrer Familie zu helfen, indem sie Bedeutung zurück erlangten. Außerdem wollte sie sich gar nicht die Probleme ausmalen, die auf Corax warten würden, würde sie den Ansprüchen seines Vaters nicht genügen. Oder gar, welche Folgen das für sie haben würden, sollte er sich deswegen von ihr abwenden...
Somit musste sie das Beste aus sich machen, was sie alleine zustande brächte, um auf ihre Weise dennoch zu glänzen. Doch sie war nicht vollkommen allein und seine Hände waren geschickt darin, ihr beim Ankleiden zu helfen. Aber es machte sie auch verlegen, weil es ihr vor Augen führte, dass sie selbst dafür Hilfe benötigte. Noch dazu eine, die er früher aus Pflicht heraus getan hatte.
Es war ihr unangenehm und sie fragte sich unwillkürlich, was er inzwischen über sie denken mochte. Vor allem aufgrund der Blicke, die er ihr zuwarf. Obwohl sie befürchtete, es könne zu erneuten Kränkungen kommen, musste die Frage einfach gestellt werden, was mit ihm los war. Oder eher, was mit ihr nicht mehr stimmte, dass er sie derart anstarrte.
Passte ihr das Kleid nicht? Glänzte sie nicht ausreichend, um ihn zu begleiten? War ihr Gesicht zu verquollen und gerötet vom Weinen?! Unsicher wagte sie es kaum, zu ihm hinzusehen, zu diesem stattlichen Mann, der nun auch äußerlich viel besser wirkte, als sie es wohl derzeit vermochte. Vielleicht auch nie wieder nach all dem, was sie erlebt hatte...
Als sie endlich ihren Blick heben konnte, blinzelte er und schenkte ihr ein kleines Lächeln. Leicht nickte sie. "Dieses Gefühl kenne...", wisperte sie.
Dann knickste sie bei seinem Kompliment. "Danke. Ich bemühe mich, dir und dem Hause van Ikari Ehre zu machen.", gestand sie weiterhin mit ungewöhnlich leiser Stimme und ging zu dem Schminktisch, um ihr Erscheinungsbild zu vervollständigen.
Bei ihrer geröteten Haut ließ sich nicht viel machen, denn mit Schminke kannte sie sich zu wenig aus, um sie selbst anlegen zu wollen, und die Zeit wollte sie sich dafür ebenfalls nicht nehmen. Somit baute sie auf die kühlende Wirkung des Regens draußen. Bei ihrem Haar jedoch konnte sie ein bisschen nachhelfen und es zu einer schlichten, aber angemessenen Frisur hochzustecken.
Als sie seine gefundene Feder in der Mähne platzierte, bemerkte er es. Im Spiegel suchte sie seinen Blick, der ihre traurig und zugleich auch entschlossen. "Ich denke nicht, dass ich stark genug dafür bin.", erklärte sie ihm und drehte sich langsam um. "Doch wenn du erlaubst, will ich versuchen, dich zu stützen.", fuhr sie fort und meinte es so, wie sie es sagte.
Daraufhin wollten sie aufbrechen, auch wenn es noch etwas zu klären gab. Wie richtig ihre Worte waren, die für sie der Wahrheit entsprachen, wie sehr sie ihn damit berührte, bemerkte sie erst, als er bereits reagierte. Ein feines, warmes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen und die Erinnerung an die Bilder seiner Entführung traten vor ihr inneres Auge. Daran, wie sehr in diesem kurzen Moment des Entdeckens Eltern gelitten hatten, weil sie ihr Kind geliebt hatten.
Das gab ihr die Kraft, zu ihm zu treten und ihm die Hand auf die Wange zu legen, seinen Blick zu suchen. "Ich glaube, da gibt es viel Hoffnung und den Wunsch, dich sehen zu können, weil du vermisst wirst."
Damit machten sie sich auf den Weg zu ihrer Mutter, um nicht einfach zu verschwinden und ihr neue Sorgen zu bescheren. Dass die Hausherrin ganz allein im Fenstererker saß, ließ die Tochter kurz innehalten und schlucken. Es traf sie, die andere so sehen zu müssen, ohne dem Mann an ihrer Seite, mit dem sie so glücklich gewesen war in den vielen Jahren. Oder wenigstens der ein oder anderen Freundin, die mit ihr die Zeit verbrachte. Allerdings musste sie das jetzt hintan stellen, denn sonst hätte sie versucht sein können, bei Aquila zu bleiben, damit diese nicht derart einsam wäre, anstatt Corax beizustehen, worum er sie gebeten hatte. Trotzdem war es nicht leicht, während sie langsam näher kamen.
Bei den Worten senkte die Jüngere den Blick. "Verzeih', dass wir dich zuvor nicht gefragt haben.", bat sie leise, fast schon kleinlaut. Eigentlich hätte sie tatsächlich im Vorfeld die Erlaubnis eingeholt, ob sie so etwas Bedeutsames wie diese Kleidung tragen dürften, jedoch war ihre Sorge vor einer Ablehnung und der Wunsch, ihren Raben derart nobel gekleidet zu sehen, zu groß gewesen, als dass sie dieses Risiko hätte eingehen wollen.
Als Corax daraufhin das Wort ergriff, presste sie einen Moment lang die Lippen etwas fester aufeinander, dann hatte sie sich wieder gefasst. Soweit sogar, dass sie endlich aufsehen konnte. Leicht schüttelte sie den Kopf. "Nein, keine Schwierigkeiten. Die Gerüsteten sind eher... Begleitung." Zumindest hatte sie diesen Eindruck damals gehabt, als sie an ihrem Lieblingsfleckchen auf den anderen Corax... oder eher seinen Bruder gestoßen war.
Ihr Blick wanderte zu ihrem Raben und in ihren Mundwinkel schlich sich die Ahnung eines kleinen Grinsens. "Bestimmt lässt sich nur so der Bewerberinnen Herr werden.", bemühte sie sich um einen Scherz und ein verstecktes Kompliment, weil dieser andere Dunkelelf schließlich ebenso gut aussah wie das Original.
In diesem Moment fiel ihr ebenfalls der Beutel ein, den sie bei dieser Gelegenheit entdeckt und an sich genommen hatte. "Oh!", entfuhr es ihr und sie machte große Augen. "Ich... ich... ich muss noch schnell etwas holen. Bin gleich wieder da und dann können wir gehen!", wandte sie sich an Corax und ehe sie aufgehalten werden konnte, eilte sie hinaus.
Den Rock mit den Fingern gekonnt gerafft, lief sie die Treppe hoch zu ihrem Zimmer und darin bis zu dem kleinen Wäscheberg, den sie gestern noch getragen hatte. Ungeachtet dessen, dass sie die einzelnen Stücke zu Boden fallen ließ, um schneller fündig werden zu können, wühlte sie in dem Stoff, bis sie einen triumphierenden Laut ausstieß.
Mit einem siegessicheren Funkeln in den Augen hielt sie den Beutel einen Moment lang hoch. Dann warf sie einen Blick hinein und atmete auf, weil sogar der Inhalt unversehrt geblieben zu sein schien. Zufrieden nickte sie sich selbst zu, befestigte den Fund an ihrem Kleid, um im nächsten Atemzug auch schon wieder zurück zu eilen.
Ein wenig außer Atem und mit einem schiefen, entschuldigenden Grinsen gesellte sie sich zurück zu den beiden anderen und sah zu Corax. "So, jetzt bin ich soweit. Gehen wir?"
Nicht nur, dass sie ungefragt ein Kleid ihrer Mutter angezogen hatte, um diese Rolle angemessen einnehmen zu können. Nein, sie fühlte sich mit einem Mal irgendwie auch befangen. Denn hier ging es bald darum, einen guten Eindruck zu machen, um neue Bande knüpfen zu können und ihrer Familie zu helfen, indem sie Bedeutung zurück erlangten. Außerdem wollte sie sich gar nicht die Probleme ausmalen, die auf Corax warten würden, würde sie den Ansprüchen seines Vaters nicht genügen. Oder gar, welche Folgen das für sie haben würden, sollte er sich deswegen von ihr abwenden...
Somit musste sie das Beste aus sich machen, was sie alleine zustande brächte, um auf ihre Weise dennoch zu glänzen. Doch sie war nicht vollkommen allein und seine Hände waren geschickt darin, ihr beim Ankleiden zu helfen. Aber es machte sie auch verlegen, weil es ihr vor Augen führte, dass sie selbst dafür Hilfe benötigte. Noch dazu eine, die er früher aus Pflicht heraus getan hatte.
Es war ihr unangenehm und sie fragte sich unwillkürlich, was er inzwischen über sie denken mochte. Vor allem aufgrund der Blicke, die er ihr zuwarf. Obwohl sie befürchtete, es könne zu erneuten Kränkungen kommen, musste die Frage einfach gestellt werden, was mit ihm los war. Oder eher, was mit ihr nicht mehr stimmte, dass er sie derart anstarrte.
Passte ihr das Kleid nicht? Glänzte sie nicht ausreichend, um ihn zu begleiten? War ihr Gesicht zu verquollen und gerötet vom Weinen?! Unsicher wagte sie es kaum, zu ihm hinzusehen, zu diesem stattlichen Mann, der nun auch äußerlich viel besser wirkte, als sie es wohl derzeit vermochte. Vielleicht auch nie wieder nach all dem, was sie erlebt hatte...
Als sie endlich ihren Blick heben konnte, blinzelte er und schenkte ihr ein kleines Lächeln. Leicht nickte sie. "Dieses Gefühl kenne...", wisperte sie.
Dann knickste sie bei seinem Kompliment. "Danke. Ich bemühe mich, dir und dem Hause van Ikari Ehre zu machen.", gestand sie weiterhin mit ungewöhnlich leiser Stimme und ging zu dem Schminktisch, um ihr Erscheinungsbild zu vervollständigen.
Bei ihrer geröteten Haut ließ sich nicht viel machen, denn mit Schminke kannte sie sich zu wenig aus, um sie selbst anlegen zu wollen, und die Zeit wollte sie sich dafür ebenfalls nicht nehmen. Somit baute sie auf die kühlende Wirkung des Regens draußen. Bei ihrem Haar jedoch konnte sie ein bisschen nachhelfen und es zu einer schlichten, aber angemessenen Frisur hochzustecken.
Als sie seine gefundene Feder in der Mähne platzierte, bemerkte er es. Im Spiegel suchte sie seinen Blick, der ihre traurig und zugleich auch entschlossen. "Ich denke nicht, dass ich stark genug dafür bin.", erklärte sie ihm und drehte sich langsam um. "Doch wenn du erlaubst, will ich versuchen, dich zu stützen.", fuhr sie fort und meinte es so, wie sie es sagte.
Daraufhin wollten sie aufbrechen, auch wenn es noch etwas zu klären gab. Wie richtig ihre Worte waren, die für sie der Wahrheit entsprachen, wie sehr sie ihn damit berührte, bemerkte sie erst, als er bereits reagierte. Ein feines, warmes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen und die Erinnerung an die Bilder seiner Entführung traten vor ihr inneres Auge. Daran, wie sehr in diesem kurzen Moment des Entdeckens Eltern gelitten hatten, weil sie ihr Kind geliebt hatten.
Das gab ihr die Kraft, zu ihm zu treten und ihm die Hand auf die Wange zu legen, seinen Blick zu suchen. "Ich glaube, da gibt es viel Hoffnung und den Wunsch, dich sehen zu können, weil du vermisst wirst."
Damit machten sie sich auf den Weg zu ihrer Mutter, um nicht einfach zu verschwinden und ihr neue Sorgen zu bescheren. Dass die Hausherrin ganz allein im Fenstererker saß, ließ die Tochter kurz innehalten und schlucken. Es traf sie, die andere so sehen zu müssen, ohne dem Mann an ihrer Seite, mit dem sie so glücklich gewesen war in den vielen Jahren. Oder wenigstens der ein oder anderen Freundin, die mit ihr die Zeit verbrachte. Allerdings musste sie das jetzt hintan stellen, denn sonst hätte sie versucht sein können, bei Aquila zu bleiben, damit diese nicht derart einsam wäre, anstatt Corax beizustehen, worum er sie gebeten hatte. Trotzdem war es nicht leicht, während sie langsam näher kamen.
Bei den Worten senkte die Jüngere den Blick. "Verzeih', dass wir dich zuvor nicht gefragt haben.", bat sie leise, fast schon kleinlaut. Eigentlich hätte sie tatsächlich im Vorfeld die Erlaubnis eingeholt, ob sie so etwas Bedeutsames wie diese Kleidung tragen dürften, jedoch war ihre Sorge vor einer Ablehnung und der Wunsch, ihren Raben derart nobel gekleidet zu sehen, zu groß gewesen, als dass sie dieses Risiko hätte eingehen wollen.
Als Corax daraufhin das Wort ergriff, presste sie einen Moment lang die Lippen etwas fester aufeinander, dann hatte sie sich wieder gefasst. Soweit sogar, dass sie endlich aufsehen konnte. Leicht schüttelte sie den Kopf. "Nein, keine Schwierigkeiten. Die Gerüsteten sind eher... Begleitung." Zumindest hatte sie diesen Eindruck damals gehabt, als sie an ihrem Lieblingsfleckchen auf den anderen Corax... oder eher seinen Bruder gestoßen war.
Ihr Blick wanderte zu ihrem Raben und in ihren Mundwinkel schlich sich die Ahnung eines kleinen Grinsens. "Bestimmt lässt sich nur so der Bewerberinnen Herr werden.", bemühte sie sich um einen Scherz und ein verstecktes Kompliment, weil dieser andere Dunkelelf schließlich ebenso gut aussah wie das Original.
In diesem Moment fiel ihr ebenfalls der Beutel ein, den sie bei dieser Gelegenheit entdeckt und an sich genommen hatte. "Oh!", entfuhr es ihr und sie machte große Augen. "Ich... ich... ich muss noch schnell etwas holen. Bin gleich wieder da und dann können wir gehen!", wandte sie sich an Corax und ehe sie aufgehalten werden konnte, eilte sie hinaus.
Den Rock mit den Fingern gekonnt gerafft, lief sie die Treppe hoch zu ihrem Zimmer und darin bis zu dem kleinen Wäscheberg, den sie gestern noch getragen hatte. Ungeachtet dessen, dass sie die einzelnen Stücke zu Boden fallen ließ, um schneller fündig werden zu können, wühlte sie in dem Stoff, bis sie einen triumphierenden Laut ausstieß.
Mit einem siegessicheren Funkeln in den Augen hielt sie den Beutel einen Moment lang hoch. Dann warf sie einen Blick hinein und atmete auf, weil sogar der Inhalt unversehrt geblieben zu sein schien. Zufrieden nickte sie sich selbst zu, befestigte den Fund an ihrem Kleid, um im nächsten Atemzug auch schon wieder zurück zu eilen.
Ein wenig außer Atem und mit einem schiefen, entschuldigenden Grinsen gesellte sie sich zurück zu den beiden anderen und sah zu Corax. "So, jetzt bin ich soweit. Gehen wir?"

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Corax war noble Kleidung nicht fremd. Es kam in seinem Leben bisher nur nicht vor, dass er sie am Leib trug, anstatt über dem Arm, während er darauf wartete, seine Herrschaft einkleiden zu dürfen. Nicht bei jedem Herren, dem er hatte dienen müssen, war edle Kleidung vorausgesetzt. Als Küchenjunge unter herrischer Orkhand gab es nur die Kochschürze, speckige Hemden und eine nach Essensresten stinkende Hose und alles hatte Corax nach einem harten Tag eher aus- statt anziehen müssen. An diese Momente seines Lebens erinnerte er sich nur ungern zurück.
Als Sklave der morgerianischen Schneiderin jedoch hatte er viel über Kleidung gelernt, durfte teilweise sogar Kleinigkeiten selbst nähen, aber auch dort hatte er seine Werke niemals tragen dürfen. Jetzt solche noble Mode an sich selbst zu sehen fühlte sich für ihn mehr als ungewohnt an. Entsprechend steif nahm er mit Azura zusammen den Weg zu deren Mutter. Nach wie vor wirkte er schweigsam und ein wenig in sich gekehrt. Auch Azura schien nicht ganz sie selbst. Als hätte sie all ihr Selbstvertrauen im blauen Salon mit ihrem Ausbruch gegenüber ihren Gästen ausgelassen, sprach sie nun eher leise. Corax nahm ihr fast schon scheues Verhalten zur Kenntnis. Es schien ihn aber nur noch nachdenklicher zu machen, ebenso wie ihre Worte. Sie wollte ihm und dem Hause van Ikari Ehre machen. Er presste die Lippen aufeinander, dass sie eine schmale und etwas hellere Linie auf seiner dunklen Haut bildeten. Doch nach wie vor schwieg er. Es gab reichlich nachzudenken. Jetzt jedoch sollte er sich erst einmal auf das Bevorstehende konzentrieren: das Treffen mit seiner Familie.
Auch Aquila van Ikari riet ihm dazu, als er zusammen mit Azura erneut den blauen Salon betrat, wo die Hausherrin nunmehr allein saß. In Azura rief es sofort Mitleid herbei. Sie sollte nicht allein hier sitzen. Jemand fehlte. Ihr Vater fehlte - Alycide van Ikari. Sie mussten ihn unbedingt aus seiner Notlage befreien! Nach wie vor war sie entschlossen dazu. Sie würde nicht hier zurückbleiben und die Füße still halten. Das konnte ihr keiner ausreden. Aber ehe erneut ihr Trotz hochkochen könnte, lenkte ihre Mutter die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Aufmachung beider. Sie musterte zunächst Corax, dann Azura. Natürlich erkannte sie die eigene Kleidung und auch die ihres Gatten sofort. Eine der fein gepflegten Brauen vollführte einen fragenden Bogen.
"Verzeih, dass wir dich zuvor nicht gefragt haben."
Aquila schüttelte minimal den Kopf. "Es steht euch beiden gut zu Gesicht", erwiderte sie und erteilte somit die indirekte Absolution. Auch sie wusste, dass man einem Adelshaus nicht in Lumpen unter die Augen treten konnte, verlorener Sohn hin oder her. Da hatten Mutter und Tochter ähnlich anerzogene Ansprüche entwickelt. "Nehmt euch aber wenigstens einen Schirm mit." Sie seufzte aus. "Venthas Laune bessert sich wahrlich nicht mehr." Die Hausherrin erhob sich, faltete ihre Hände vor dem Schoß. "Da die Dinge nun sind wie sie sind, mache ich es offiziell." Sie räusperte sich. "Das Haus van Ikari heißt jegliche Mitglieder des Hauses Faelyn, sowie deren Untergebene in seinen Wänden Willkommen - so ... spärlich sie aktuell auch sein mögen." Ihr Blick huschte noch einmal zu Azura. "Erinnerst du dich an unser Versteck für den Hausschlüssel? Der dritte Stein neben der Treppe? Ich werde ihn dort erneut hinterlegen, damit du jederzeit herein kannst. Meistens bin ich ja zu Hause, aber bald werde ich die Nahrungsvorräte aufstocken müssen." Sie sagte es nicht, aber man sah ihr Geldsorgen an. Offenbar waren eher finanzielle Mitel geplündert worden als Alltagsgegenstände, doch das machte das Überleben nicht leichter. Ohne ihren Ziehvater schlief auch der Handel und selbst wenn Alycide hier wäre, würde es nun als Menschen schwierig werden. Darum müsste Aquila sich ebenfalls alsbald kümmern. Vielleicht brachte sie zusammen mit Azura mehr neuen Mut dafür auf. Immerhin war nun ein Familienmitglied mehr zu ihr zurückgekehrt.
Doch gerade, als ihr diese Gedanken durch den Sinn schwirrten, verschwand ihre Tochter. Sie entschuldigte sich und eilte kurz zurück in ihr Zimmer. Es war unaufgeräumt und der süßlich schwere Geruch ihrer vergangenen Nacht mit Corax hing noch immer in der Luft. Sie suchte den Beutel mit dem Wappen des Hauses Faelyn, den sie gefunden hatte. Jenen wollte sie unbedingt mitnehmen. Ein kurzer Blick hinein offenbarte ihr nicht viel. Der Beutel war schon bei seinem Fund nahezu leer gewesen. Ein paar welke Blumen aus ihrem Lieblingspark lagen darin zusammen mit den Phiolen mit den leuchtenden Flüssigkeiten, sowie kleine Reste von wohl duftenden Kräutern. Auf der Innenseite des Stoffbeutels glitzerte es silbrig, als hätte sich etwas Staub in die Maschen verfangen. Mehr fand sich darin jedoch nicht. Es genügte. Sie könnte sicher Eindruck schinden, wenn sie das Hab und Gut zurückbrachte, das Corax' Bruder offenbar verloren hatte. So ausgestattet kehrte sie zu ihrem Raben zurück und beide machten sich mit einem letzten Abschied für Aquila fertig, das Heim zu verlassen, um jenes con Corax' Familie aufzusuchen.
Weiter bei Das Anwesen der Faelyns
Als Sklave der morgerianischen Schneiderin jedoch hatte er viel über Kleidung gelernt, durfte teilweise sogar Kleinigkeiten selbst nähen, aber auch dort hatte er seine Werke niemals tragen dürfen. Jetzt solche noble Mode an sich selbst zu sehen fühlte sich für ihn mehr als ungewohnt an. Entsprechend steif nahm er mit Azura zusammen den Weg zu deren Mutter. Nach wie vor wirkte er schweigsam und ein wenig in sich gekehrt. Auch Azura schien nicht ganz sie selbst. Als hätte sie all ihr Selbstvertrauen im blauen Salon mit ihrem Ausbruch gegenüber ihren Gästen ausgelassen, sprach sie nun eher leise. Corax nahm ihr fast schon scheues Verhalten zur Kenntnis. Es schien ihn aber nur noch nachdenklicher zu machen, ebenso wie ihre Worte. Sie wollte ihm und dem Hause van Ikari Ehre machen. Er presste die Lippen aufeinander, dass sie eine schmale und etwas hellere Linie auf seiner dunklen Haut bildeten. Doch nach wie vor schwieg er. Es gab reichlich nachzudenken. Jetzt jedoch sollte er sich erst einmal auf das Bevorstehende konzentrieren: das Treffen mit seiner Familie.
Auch Aquila van Ikari riet ihm dazu, als er zusammen mit Azura erneut den blauen Salon betrat, wo die Hausherrin nunmehr allein saß. In Azura rief es sofort Mitleid herbei. Sie sollte nicht allein hier sitzen. Jemand fehlte. Ihr Vater fehlte - Alycide van Ikari. Sie mussten ihn unbedingt aus seiner Notlage befreien! Nach wie vor war sie entschlossen dazu. Sie würde nicht hier zurückbleiben und die Füße still halten. Das konnte ihr keiner ausreden. Aber ehe erneut ihr Trotz hochkochen könnte, lenkte ihre Mutter die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Aufmachung beider. Sie musterte zunächst Corax, dann Azura. Natürlich erkannte sie die eigene Kleidung und auch die ihres Gatten sofort. Eine der fein gepflegten Brauen vollführte einen fragenden Bogen.
"Verzeih, dass wir dich zuvor nicht gefragt haben."
Aquila schüttelte minimal den Kopf. "Es steht euch beiden gut zu Gesicht", erwiderte sie und erteilte somit die indirekte Absolution. Auch sie wusste, dass man einem Adelshaus nicht in Lumpen unter die Augen treten konnte, verlorener Sohn hin oder her. Da hatten Mutter und Tochter ähnlich anerzogene Ansprüche entwickelt. "Nehmt euch aber wenigstens einen Schirm mit." Sie seufzte aus. "Venthas Laune bessert sich wahrlich nicht mehr." Die Hausherrin erhob sich, faltete ihre Hände vor dem Schoß. "Da die Dinge nun sind wie sie sind, mache ich es offiziell." Sie räusperte sich. "Das Haus van Ikari heißt jegliche Mitglieder des Hauses Faelyn, sowie deren Untergebene in seinen Wänden Willkommen - so ... spärlich sie aktuell auch sein mögen." Ihr Blick huschte noch einmal zu Azura. "Erinnerst du dich an unser Versteck für den Hausschlüssel? Der dritte Stein neben der Treppe? Ich werde ihn dort erneut hinterlegen, damit du jederzeit herein kannst. Meistens bin ich ja zu Hause, aber bald werde ich die Nahrungsvorräte aufstocken müssen." Sie sagte es nicht, aber man sah ihr Geldsorgen an. Offenbar waren eher finanzielle Mitel geplündert worden als Alltagsgegenstände, doch das machte das Überleben nicht leichter. Ohne ihren Ziehvater schlief auch der Handel und selbst wenn Alycide hier wäre, würde es nun als Menschen schwierig werden. Darum müsste Aquila sich ebenfalls alsbald kümmern. Vielleicht brachte sie zusammen mit Azura mehr neuen Mut dafür auf. Immerhin war nun ein Familienmitglied mehr zu ihr zurückgekehrt.
Doch gerade, als ihr diese Gedanken durch den Sinn schwirrten, verschwand ihre Tochter. Sie entschuldigte sich und eilte kurz zurück in ihr Zimmer. Es war unaufgeräumt und der süßlich schwere Geruch ihrer vergangenen Nacht mit Corax hing noch immer in der Luft. Sie suchte den Beutel mit dem Wappen des Hauses Faelyn, den sie gefunden hatte. Jenen wollte sie unbedingt mitnehmen. Ein kurzer Blick hinein offenbarte ihr nicht viel. Der Beutel war schon bei seinem Fund nahezu leer gewesen. Ein paar welke Blumen aus ihrem Lieblingspark lagen darin zusammen mit den Phiolen mit den leuchtenden Flüssigkeiten, sowie kleine Reste von wohl duftenden Kräutern. Auf der Innenseite des Stoffbeutels glitzerte es silbrig, als hätte sich etwas Staub in die Maschen verfangen. Mehr fand sich darin jedoch nicht. Es genügte. Sie könnte sicher Eindruck schinden, wenn sie das Hab und Gut zurückbrachte, das Corax' Bruder offenbar verloren hatte. So ausgestattet kehrte sie zu ihrem Raben zurück und beide machten sich mit einem letzten Abschied für Aquila fertig, das Heim zu verlassen, um jenes con Corax' Familie aufzusuchen.
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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Azura kommt von Das Anwesen der Faelyns
Azura musste sich nicht die Mühe machen, durch die langsam trocknenden Straßen Andunies zu flanieren. In ihren aktuellen Schuhen hätten da auch früher oder später die Zehen gedrückt. Für längere "Märsche" waren Damenschuhe nun einmal nicht geschaffen. Doch Emmyth zeigte, dass die Faelyns sich jegliche Bequemlichkeit leisten konnten. Vor dem Anwesen wartete eine Kutsche, die trotz ihrer Kastenform Eleganz ausstrahlte. Die Kabine bot Platz für vier Personen, dennoch nahm Emmyth nicht gegenüber, sondern neben Azura einen Sitz ein. Ein goblinischer Sklave half der Andunierin beim Einsteigen, schloss die Türen und wies dem Menschen auf dem Kutschbock an, die Peitsche knallen zu lassen. Unter ihrem einzigartigen Geräusch setzten die beiden vorgespannten Pferde sich in Bewegung.
Wenn man die violetten Vohänge an den Fenstern beiseite schob und in eine extra dafür vorgesehene Verankerung einhakte, konnte man einen Blick hinaus werfen. Azura kannte ihre Heimatstadt zwar in diesem Teil nahezu auswendig, dennoch bot der Anblick etwas Beruhigendes. Denn sie sah, dass Andunie nicht allzu zunter der dunkelelfischen Eroberung litt wie befürchtet. Zumindest machte es nach außen hin den Anschein. Denn nach wie vor hatten die Menschen gerade hinter den Kulissen so gut wie alles verloren. Sie waren ihres Status beraubt worden. Viele adlige Familien gab es so nicht mehr wie sie es kannte. Denn sie sah durch das Fenster der Kutsche, dass das Anwesen ihrer einstigen Bekannten, Berenice von Almspitz, nicht mehr im Besitz ihrer Familie lag. Sie konnte Dunkelelfen sehen, die auf der Terrasse Tee tranken, durch den Garten schlenderten und die Springbrunnen beobachteten. Banner, die alles waren, außer andunisch, flatterten von entsprechenden Halterungen. Und auch auf den Straßen erkannte sie nur noch wenige Menschen, die adrett gekleidet schlenderten, während der männliche Galan einen Schirm oder für die Angebetete vorgesehene Geschenke trug. Es waren Dunkelelfen, die gemeinsam und meist von Wachen ihresgleichen begleitet über das Pflaster schritten. Wenn sie Menschen unter ihnen erkannte, so handelte es sich um Mägde, Pagen oder gar jemanden, den sie beim Stehlen erwischt hatten und der soeben auf öffentlicher Straße eine Hand abgeschlagen bekam. Vielleicht lief doch nicht alles so gut für Andunie wie sie glaubte. Wie man sie wohl während der Feierlichkeit im Anwesen der Faelyns behandeln würde?
Emmyth legte ungeniert seine Hand auf Azuras. "Was du vorhin sagtest...", begann er und zog dann den Vorhang wieder zu, um Privatsphäre zu schaffen. "Du wirst dem Haus Faelyn keine Schande bereiten. Ich habe auch nicht vor, dich in die Schatten zu stellen, selbst wenn die Geladenen für die Gespräche an mich herantreten. Du wirst sie führen - mit mir zusammen und als Vertreterin meines Bruders. Die Verlobte hat da mehr zu sagen, auch wenn sie ein Mensch ist." Sein Mundwinkel zuckte empor, während sein rubinroter Blick an ihr herauf- und wieder hinabwanderte, bis er sich in ihren Augen verfing. Emmyth neigte sich unter einem Schmunzeln nach vorn. "Außerdem ... kann nichts, was du sagst oder tust, schändlich sein", raunte er ihr zu. Seine Lippen berührten fast die ihren. Es fehlte nichts weiter als eine Überwindung.
Mit einem Seufzen zog er sich zurück, wandte sich ab und auch seine Hand landete wieder im eigenen Schoß. "Es ist unglaublich, dass mein Bruder dich nicht den ganzen Tag über hemmungslos besteigt. Ich kann kaum an mich halten." Er räusperte sich, nachdem er feststellte, dass er diese Worte viel zu laut ausgesprochen hatte. Die übrige Fahrt verhielt er sich allerdings sittsam. Schließlich konnten sie beide unmöglich zerzaust und im Parfum einer wilden Liebelei an der Pforte der van Ikaris erscheinen. Denn dorthin war die Kutsche unterwegs.
Sie hielt auf dem Weg und knapp vor der Eingangspforte. Dieses Mal musste der Kutscher selbst absteigen und die Tür öffnen. Emmyth entsieg der Kabine zuerst, damit er Azura anschließend eine helfende Hand reichen konnte. "Die Geschenke, Diener!", forderte der Zweitgeborene der Faelyns auf. Der Kutscher trat an die Rückseite, öffnete dort einen Hubraum und zweierlei Dinge heraus: zum einen einen gewaltigen Strauß aus wunderschönen, hellblauen Hortensien, dunkleren Hyazinthen, die in kleinen Trauben wie Perlen von ihren Stängeln herab hingen, sowie Rosen in einem sanften Pink. Den Strauß reichte er an Emmyth weiter, gefolgt von einer rechteckigen Schachtel, die in violetten Samt gekleidet war. Auch hierauf prangte das faelyn'sche Feenwappen. Leidlich schaute Emmyth darauf herab. "Jetzt habe ich extra einen guten Wein herausgesucht und du sagtest mir, es wäre nichts Wertvolles hier. Nun denn, ich hoffe, deine Mutter weiß die Geste zu schätzen." Da er beide Hände voll hatte, konnte er Azura nun nicht zur Tür geleiten und der Kutscher machte kein so gutes Bild, als dass er sich dafür eignete. Er blieb auf seinem Bock zurück, wartete, bis die Hausherrin abgeholt wäre, damit man für die letzten Vorbereitungen zum Anwesen der Faelyns zurückfahren könnte.
"Wärst du so freundlich, den Türklopfer zu bedienen, Teuerste?", fragte Emmyth als er und Azura vor dem Eingang standen. Doch es war gar nicht nötig. Schon öffnete sich jene Pforte und ihre Mutter stand in der Tür. Es würde lange Zeit wohl keinen Diener geben, der ihr diese Aufgabe abnähme. Dennoch strahlte Aquila van Ikari wie immer eine gewisse Stärke aus. Selbst jetzt, da sie nur ein schlichtes Tagesgewand trug, keinen Schmuck, abgesehen von zwei runde Perlen an den Ohren und ihr Haar sichtlich mit Mühe hochgesteckt hatte. Hier und da hingen einige Strähnen herab. Sie ließ es sich nicht anmerken, musterte erst mit sichtbarer Erleichterung ihre Tochter, dann Emmyth.
"Du warst also mit deinem Liebhaber einkaufen und hast dein Gemüt dadurch beruhigt", kommentierte sie. "Es hat Euch gut getan, Corax. Ihr seht bedeutend frischer aus, wenn Ihr mir dieses Kompliment erlaubt." Sie knickste und trat beiseite, damit beide herein konnten. Erst im Haus und nachdem Aquila die Tür geschlossen hatte, fiel eine Spur des Scheins ab, den man nach außen wahrte. Sie zog Azura stumm in ihre Arme und hielt sie.
Emmyth betrachtete das Ganze, ohne dem einen Vorwurf zu machen. Doch dann räusperte er sich. "Ihr verwechselt mich mit meinem älteren Bruder, Verehrteste. Ich bin nicht Corax, sondern Emmyth Faelyn. Es ist mir ein großes Vergnügen, die Mutter dieser charmanten jungen Dame kennen lernen zu dürfen." Er verneigte sich formvollendet und reichte Aquila dann zunächst den Strauß. Sie nahm ihn etwas perplex entgegen, überspielte die nicht ganz sittsame Zuschaustellung familiärer Verhältnisse zwischen ihr und Azura und stellte die Blumen dann in eine der wenigen leeren Vasen, die noch im Anwesen heil geblieben waren. "Ihr seht Eurem Bruder zum Verwechseln ähnlich", entgegnete sie, warf Azura einen Blick zu. "Wo steckt der Mann, der dein Herz erobert hat?"
Auch Emmyth schaute Azura an. Die Frage ging schließlich an sie. Er seufzte tonlos, ansonsten kam ihm aber nichts über die Lippen. Doch sie allein ahnte, wie gern er selbst dieser Mann sein wollen würde. Zumindest schien es immer klarer zu werden.
Azura musste sich nicht die Mühe machen, durch die langsam trocknenden Straßen Andunies zu flanieren. In ihren aktuellen Schuhen hätten da auch früher oder später die Zehen gedrückt. Für längere "Märsche" waren Damenschuhe nun einmal nicht geschaffen. Doch Emmyth zeigte, dass die Faelyns sich jegliche Bequemlichkeit leisten konnten. Vor dem Anwesen wartete eine Kutsche, die trotz ihrer Kastenform Eleganz ausstrahlte. Die Kabine bot Platz für vier Personen, dennoch nahm Emmyth nicht gegenüber, sondern neben Azura einen Sitz ein. Ein goblinischer Sklave half der Andunierin beim Einsteigen, schloss die Türen und wies dem Menschen auf dem Kutschbock an, die Peitsche knallen zu lassen. Unter ihrem einzigartigen Geräusch setzten die beiden vorgespannten Pferde sich in Bewegung.
Wenn man die violetten Vohänge an den Fenstern beiseite schob und in eine extra dafür vorgesehene Verankerung einhakte, konnte man einen Blick hinaus werfen. Azura kannte ihre Heimatstadt zwar in diesem Teil nahezu auswendig, dennoch bot der Anblick etwas Beruhigendes. Denn sie sah, dass Andunie nicht allzu zunter der dunkelelfischen Eroberung litt wie befürchtet. Zumindest machte es nach außen hin den Anschein. Denn nach wie vor hatten die Menschen gerade hinter den Kulissen so gut wie alles verloren. Sie waren ihres Status beraubt worden. Viele adlige Familien gab es so nicht mehr wie sie es kannte. Denn sie sah durch das Fenster der Kutsche, dass das Anwesen ihrer einstigen Bekannten, Berenice von Almspitz, nicht mehr im Besitz ihrer Familie lag. Sie konnte Dunkelelfen sehen, die auf der Terrasse Tee tranken, durch den Garten schlenderten und die Springbrunnen beobachteten. Banner, die alles waren, außer andunisch, flatterten von entsprechenden Halterungen. Und auch auf den Straßen erkannte sie nur noch wenige Menschen, die adrett gekleidet schlenderten, während der männliche Galan einen Schirm oder für die Angebetete vorgesehene Geschenke trug. Es waren Dunkelelfen, die gemeinsam und meist von Wachen ihresgleichen begleitet über das Pflaster schritten. Wenn sie Menschen unter ihnen erkannte, so handelte es sich um Mägde, Pagen oder gar jemanden, den sie beim Stehlen erwischt hatten und der soeben auf öffentlicher Straße eine Hand abgeschlagen bekam. Vielleicht lief doch nicht alles so gut für Andunie wie sie glaubte. Wie man sie wohl während der Feierlichkeit im Anwesen der Faelyns behandeln würde?
Emmyth legte ungeniert seine Hand auf Azuras. "Was du vorhin sagtest...", begann er und zog dann den Vorhang wieder zu, um Privatsphäre zu schaffen. "Du wirst dem Haus Faelyn keine Schande bereiten. Ich habe auch nicht vor, dich in die Schatten zu stellen, selbst wenn die Geladenen für die Gespräche an mich herantreten. Du wirst sie führen - mit mir zusammen und als Vertreterin meines Bruders. Die Verlobte hat da mehr zu sagen, auch wenn sie ein Mensch ist." Sein Mundwinkel zuckte empor, während sein rubinroter Blick an ihr herauf- und wieder hinabwanderte, bis er sich in ihren Augen verfing. Emmyth neigte sich unter einem Schmunzeln nach vorn. "Außerdem ... kann nichts, was du sagst oder tust, schändlich sein", raunte er ihr zu. Seine Lippen berührten fast die ihren. Es fehlte nichts weiter als eine Überwindung.
Mit einem Seufzen zog er sich zurück, wandte sich ab und auch seine Hand landete wieder im eigenen Schoß. "Es ist unglaublich, dass mein Bruder dich nicht den ganzen Tag über hemmungslos besteigt. Ich kann kaum an mich halten." Er räusperte sich, nachdem er feststellte, dass er diese Worte viel zu laut ausgesprochen hatte. Die übrige Fahrt verhielt er sich allerdings sittsam. Schließlich konnten sie beide unmöglich zerzaust und im Parfum einer wilden Liebelei an der Pforte der van Ikaris erscheinen. Denn dorthin war die Kutsche unterwegs.
Sie hielt auf dem Weg und knapp vor der Eingangspforte. Dieses Mal musste der Kutscher selbst absteigen und die Tür öffnen. Emmyth entsieg der Kabine zuerst, damit er Azura anschließend eine helfende Hand reichen konnte. "Die Geschenke, Diener!", forderte der Zweitgeborene der Faelyns auf. Der Kutscher trat an die Rückseite, öffnete dort einen Hubraum und zweierlei Dinge heraus: zum einen einen gewaltigen Strauß aus wunderschönen, hellblauen Hortensien, dunkleren Hyazinthen, die in kleinen Trauben wie Perlen von ihren Stängeln herab hingen, sowie Rosen in einem sanften Pink. Den Strauß reichte er an Emmyth weiter, gefolgt von einer rechteckigen Schachtel, die in violetten Samt gekleidet war. Auch hierauf prangte das faelyn'sche Feenwappen. Leidlich schaute Emmyth darauf herab. "Jetzt habe ich extra einen guten Wein herausgesucht und du sagtest mir, es wäre nichts Wertvolles hier. Nun denn, ich hoffe, deine Mutter weiß die Geste zu schätzen." Da er beide Hände voll hatte, konnte er Azura nun nicht zur Tür geleiten und der Kutscher machte kein so gutes Bild, als dass er sich dafür eignete. Er blieb auf seinem Bock zurück, wartete, bis die Hausherrin abgeholt wäre, damit man für die letzten Vorbereitungen zum Anwesen der Faelyns zurückfahren könnte.
"Wärst du so freundlich, den Türklopfer zu bedienen, Teuerste?", fragte Emmyth als er und Azura vor dem Eingang standen. Doch es war gar nicht nötig. Schon öffnete sich jene Pforte und ihre Mutter stand in der Tür. Es würde lange Zeit wohl keinen Diener geben, der ihr diese Aufgabe abnähme. Dennoch strahlte Aquila van Ikari wie immer eine gewisse Stärke aus. Selbst jetzt, da sie nur ein schlichtes Tagesgewand trug, keinen Schmuck, abgesehen von zwei runde Perlen an den Ohren und ihr Haar sichtlich mit Mühe hochgesteckt hatte. Hier und da hingen einige Strähnen herab. Sie ließ es sich nicht anmerken, musterte erst mit sichtbarer Erleichterung ihre Tochter, dann Emmyth.
"Du warst also mit deinem Liebhaber einkaufen und hast dein Gemüt dadurch beruhigt", kommentierte sie. "Es hat Euch gut getan, Corax. Ihr seht bedeutend frischer aus, wenn Ihr mir dieses Kompliment erlaubt." Sie knickste und trat beiseite, damit beide herein konnten. Erst im Haus und nachdem Aquila die Tür geschlossen hatte, fiel eine Spur des Scheins ab, den man nach außen wahrte. Sie zog Azura stumm in ihre Arme und hielt sie.
Emmyth betrachtete das Ganze, ohne dem einen Vorwurf zu machen. Doch dann räusperte er sich. "Ihr verwechselt mich mit meinem älteren Bruder, Verehrteste. Ich bin nicht Corax, sondern Emmyth Faelyn. Es ist mir ein großes Vergnügen, die Mutter dieser charmanten jungen Dame kennen lernen zu dürfen." Er verneigte sich formvollendet und reichte Aquila dann zunächst den Strauß. Sie nahm ihn etwas perplex entgegen, überspielte die nicht ganz sittsame Zuschaustellung familiärer Verhältnisse zwischen ihr und Azura und stellte die Blumen dann in eine der wenigen leeren Vasen, die noch im Anwesen heil geblieben waren. "Ihr seht Eurem Bruder zum Verwechseln ähnlich", entgegnete sie, warf Azura einen Blick zu. "Wo steckt der Mann, der dein Herz erobert hat?"
Auch Emmyth schaute Azura an. Die Frage ging schließlich an sie. Er seufzte tonlos, ansonsten kam ihm aber nichts über die Lippen. Doch sie allein ahnte, wie gern er selbst dieser Mann sein wollen würde. Zumindest schien es immer klarer zu werden.

- Azura
- Spieler-Charakter
- Beiträge: 462
- Registriert: Freitag 15. April 2011, 20:33
- Moderator des Spielers: Kazel Tenebrée
- Steckbrief: Zum Steckbrief
- Rasse: Mensch/Elf
- Sprachen: Garmisch
Sendli - Beruf: adelige Tochter
- Fähigkeiten: Lesen und schreiben
sich präsentieren
Wassermagie unausgebildet/ungefördert - Lebensenergie:
- Geld: 0D, 0L, 0F
- Ausrüstung: das, was sie am Leib trägt
- Zum Vorzeigen: [br][/br]
Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Die junge Frau fühlte sich wohl bei Emmyth und es schmeichelte ihr, wie sehr er ihr seine Zuneigung und sein Begehren zeigte. Zum Teil konnte sie das sogar erwidern. Aber es gab eine große Barriere und die konnte, noch wollte sie überwinden. Denn trotz der großen Ähnlichkeit, die sie mitunter vergessen lassen könnte, dass es sich hierbei um den jüngeren Bruder handelte, er war nun einmal nicht Corax. Dieser hatte ihr Herz gestohlen und diesem fühlte sie sich letzten Endes auch zugehörig. Unerheblich davon, dass die Rollen wohl vertauscht wären, wäre ihr Rabe nicht der Erste der Beiden gewesen, der sie gefunden hätte.
Das machte es nicht gerade einfacher mit ihrem inneren Chaos, sodass sie sich lieber umso mehr in die Planung für das Fest stürzte. Gemeinsam mit ihm erschien alles so... unkompliziert, so routiniert, so... machbar. Es beflügelte sie, wie er ihr Aufmerksamkeit schenkte, sie ernst nahm und ihr das Gefühl gab, nicht zu versagen, nur, weil ihr noch in vielem die Erfahrung fehlte. Zwar war das Ausrichten eine Feierlichkeit generell Frauensache und es hatte durchaus zu ihrer Erziehung gehört, ihr die wichtigsten Aspekte darin zu vermitteln, aber noch nie hatte sie eine solche veranstaltet. Geschweige denn in diesem Ausmaß, mit diesen zu erwartenden Gästen und erst recht nicht mit diesem bedeutsamen Grund! Doch anstatt sich davon einschüchtern zu lassen, wirkte es bei ihm so, als würde es ihr gelingen... gemeinsam mit Emmyth an ihrer Seite!
Dennoch kannte sie in diesem Punkt ihre Grenzen... oder zumindest jene ihres eigenen Mutes, wenn schon nicht jene in finanziellem Sinne, woran sie wiederum überhaupt nicht dachte. Somit war es ihr auch wichtig, ihre Mutter mit ins Boot zu holen, sich auf ihre Stärke und ihr Wissen stützen zu können.
Zuvor konnte sie allerdings vieles selbst und ohne Hilfe erledigen, sodass sie später Aquila bereits den Boden bereitet hätte, wenn diese das Zepter übernehmen sollte. Ein wichtiger Frauenbereich war naturgemäß die Küche. Während Emmyth sich also um die Einladungen kümmerte, begab Azura sich in dieses bedeutende Reich und kreierte eine Speisenabfolge, die möglichst viele verschiedene, schmackhafte Handelsgüter beinhalten sollte.
Dabei verbrachte sie auch etwas Zeit mit dieser Goblinfrau, die ihr schon am Vortag auf eine sympathische Art und Weise aufgefallen war. Irgendwie erinnerte sie die junge Frau an eine ehemalige Bedienstete ihrer Mutter, ein Unikat, das sehr zum Bedauern der Tochter des Hauses ihren verdienten Lebensabend bei der eigenen Familie hatte verbringen wollen. Ob sie sich gut bei ihrer Nichte und deren Haushalt zurecht gefunden hatte? Und ob sie überhaupt noch lebte? Azura wusste es nicht, aber ihr kam der Gedanke, sich einmal bei ihrer Mutter zu erkundigen. Vielleicht wüsste diese ja mehr.
Auf diese Weise verging die Zeit äußerst geschäftig und dennoch wurde es irgendwie nicht weniger. Ihr Kopf war voll mit Ideen und Dingen, die sie noch erledigen musste, dass sie nicht einmal richtig zuhörte und sich merkte, wie Emmyth beim Frühstück auf ihren Vorschlag bezüglich seines Vaters reagiert hatte. Aber würde sie überhaupt die Zeit erhalten, am Nachmittag sich ein wenig zu dem alten Dunkelelf zu setzen? Vielleicht, wenn ihr Haar gemacht werden würde. Nur... wäre er dann eigentlich wach oder würde sie ihn nur um seinen Schlaf bringen? Nun ja, darüber könnte sie sich später noch Gedanken machen, schließlich war zuvor noch gefühlt unendlich viel anderes zu erledigen!
Gerade als sie sich um die Musik des Abends kümmerte, erschien der junge Faelyn wieder bei ihr und zeigte sich äußerst adrett gekleidet. So sehr, dass sie gar nicht anders konnte, als sich ihm voll und ganz zu widmen. Während sie ihm einen winzig kleinen Fussel wegzupfte, meinte sie scherzend:"Ich verstehe wirklich nicht, wie du dich vor all den jungen Mädchen und reifen Frauen retten kannst!" Grinsend sah sie zu ihm hoch und zwinkerte ihm zu. "Wie machst du das nur, dass sie dir nicht die Tür einrennen und dich schon in den Hafen der Ehe geschleppt haben?" Sie machte einen halben Schritt zurück und nickte zufrieden, als wäre es allein ihr Werk, dass er nun so fein aussah.
Daraufhin lenkte er sie gekonnt ab mit seinem Mitbringsel und dem Grund für sein äußeres Erscheinungsbild. Damit konnte er sie wahrlich überraschen, was sie ihm gegenüber auch vertrauensvoll eingestand. Bei seiner Reaktion konnte sie nicht anders, als ihn tadelnd gegen den Oberarm zu tippen und eine beleidigte Miene aufzusetzen. "Hör auf, mich so zu nennen, da fühle ich mich richtig altbacken!", beschwerte sie sich halbherzig, konnte allerdings auch bei sich eine körperliche Reaktion nicht verbergen.
Während über seinen Blick ein flüchtiger Schatten huschte, da sie den ihren senken und ihre Wangen röteten sich leicht. Noch immer nagte dieser leise Zweifel in ihr, den ihr Gegenüber mit seiner einfachen Frage gesät hatte. Zugleich jedoch waren da noch ganz viele andere Empfindungen allein schon mit dieser Möglichkeit empfunden, über die sie sich absolut nicht im Klaren war.
Umso dankbarer war sie für den Schmuck, mit dem er sie abzulenken verstand. Das Geschmeide war wirklich wunderschön und erlesen, dass es ihr eine Freude sein würde, es am Abend zu tragen. Bei der Brosche hingegen kamen ihr Zweifel. Natürlich war auch diese ein Augenschmauß, keine Frage, und es ehrte sie, dass er ihr das Wappen der Faelyns zu tragen anbot. Es war nur eine gewisse Unsicherheit in ihr, ob sie tatsächlich das Recht dazu hätte, es zu tragen. Schließlich war sie im Prinzip nicht von adeligem Blut, war das uneheliche Kind einer einfachen Bürgerin, die dank der Liebe den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft hatte. Hinzu kam, dass Corax sie nicht direkt um ihre Hand gefragt hatte und dass sie es nicht einmal geschafft hatte, ihm körperlich treu zu bleiben. Stattdessen hatte sie sich auch von dem zweiten Bruder verführen lassen... oder ihn verführt, je nachdem, wie man es sehen wollte, und begehrte, wenn sie ehrlich wäre, wahrhaftig beide. Hatte sie somit diese Privileg nicht gleich mehrfach eigentlich verwirkt?
Und dennoch stand sie hier und rang mit sich... und gab schließlich nach. Trotzdem war sie unsicher und fühlte, wie ihr das Herz wie wild pochte, als Emmyth ihr die Brosche schon jetzt ansteckte, ihr zeigte, wo er das Wappen seiner Familie an ihr am Abend würde sehen wollen. Sie sah an sich herab und konnte es kaum glauben. Ihr war, als wäre dies ein Traum und sie würde bald daraus aufwachen.
Seufzend hob sie die leicht zitternden Finger an und strich noch einmal über das fremde Wappen an ihrer Kleidung. "Solange haben meine Eltern darauf gewartet... und jetzt...?", wisperte sie und schluckte schwer. In diesem Moment drang Emmyths Stimme zu ihr durch und ihre Wangen färbten sich tiefrot.
Sie konnte ihn vor Verlegenheit, weil sie sich flüchtig selbst vergessen hatte, nicht ansehen, als sie sich bei ihm einhakte. "Verzeih...", nuschelte sie in sich hinein und ließ sich hinaus führen.
Die frische Luft tat ihr gut und als sie beide in der geschlossenen Kutsche saßen, glaubte Azura, sich wieder gefangen zu haben. Als die Pferde anzogen und es in vertrauter Weise ruckelte, beugte sie sich etwas vor, zupfte an dem Vorhang und betrachtete ein wenig die vorbei ziehende Aussicht. Dabei konzentrierte sie sich unbewusst mehr auf die Anwesen, denn auf die Passanten, wollte ihre Augen vor den deutlichen Spuren der Übernahme durch die Dunklen und die Enteignung der Menschen verschließen.
Schließlich sank sie mit einem leisen Seufzer zurück. "So sehr ich Ventha auch verehre und den Regen liebe... manchmal ist es auch schön, wenn sie andere Gegenden als Andunie mit ihren Segen beehrt.", meinte sie und schenkte Emmyth ein schiefes Lächeln.
Doch erst jetzt, als sie ihn ansah, wurde sie sich dessen bewusst, dass er sich nicht höflich ihr gegenüber gesetzt hatte, obwohl der Platz dazu vorhanden gewesen wäre. Nein, er befand sich direkt neben ihr und sie konnte ihn deutlich wahrnehmen, seinen angenehm parfümierten Duft, seine Wärme, seine Stärke. Es kribbelte leicht in ihrem Schoß und ihre Atmung wurde eine Spur tiefer, als wolle ihr Körper bei jedem Luftholen die Brust instinktiv betont heraus strecken, um seinen Blick darauf zu lenken. Immer wieder berührten sie zwangsläufig einander, mit der Schulter, dem Arm, dem Bein. Das dämmrige Licht im Inneren der Kutsche, schließlich sollte nicht jeder Neugierige hinein sehen können, tat sein Übriges zusammen mit der wärmer werdenden Luft.
Als er dann auch noch seine Hand auf die ihre legte, zuckte sie leicht zusammen und schluckte schwer, leckte sich mehrfach die Lippen. Was würde jetzt kommen? Was hatte er vor? Würde sie dem widerstehen können? Und... wäre der Weg lange genug dafür?!
Doch anstatt ihre unausgesprochene, wachsende Sehnsucht zu nähren, sprach er etwas gänzlich anderes an. Etwas, das auf andere Weise ihre Unruhe zu stärken verstand. Leise seufzend ließ sie den Kopf hängen und schüttelte ihn leicht. "Du verstehst nicht...", hauchte sie beinahe lautlos und wollte noch fortfahren, sich erklären, als er das für sie schon übernahm.
Abrupt ruckte ihr Kopf hoch und aus großen, runden Augen sah sie ihn fast schon entsetzt an. "Ich?", stieß sie fassungslos hervor. "A... aber... aber... ich habe doch absolut keine Ahnung davon!" Ihre Wangen röteten sich erneut und seufzend lehnte sie den Kopf gegen seine Schulter. "Weißt du, Emmyth... wir sind uns eindeutig sehr ähnlich. So wie du wollte ich immer nur das Vergnügen, keine Verantwortung."
Ein weiterer, tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust und mischte sich mit dem kurzen Lachen, das sie nicht zurück halten konnte. "Eigentlich sollten wir beide uns gegen Corax verbrüdern, nicht ihr zwei gegen mich.", spielte sie auf die letzte Nacht an. Als ihr das bewusst wurde und noch mehr Erinnerungen hochzusteigen drohten, räusperte sie sich vernehmlich und schüttelte den Kopf, als könne sie auf diese Weise die Bilder abschütteln.
Sein Raunen machte es ihr nicht gerade einfacher und als sie wieder zu ihm hochsah... stockte ihr regelrecht der Atem, so nah waren seine Lippen plötzlich. Nur ein paar Millimeter fehlten, ein kleiner Ruck nur, von der Kutsche oder ihr selbst verursacht, und schon würden sie...
Sein Seufzen mischte sich mit dem ihren, als er sich zurück zog und ihr auch noch seine Hand nahm. Beinahe war sie versucht, sie sich wieder zu holen, als er seine Gedanken schon laut aussprach und ihr damit eine Brücke schuf, wie sie die Stimmung der Sehnsucht wieder heben könnte. Zumindest wollte sie es versuchen. Ihre Brauen hoben sich leicht pikiert an und ihre Lippen kräuselten sich zu einem spöttischen Lächeln. "Besteigen, also bitte! Ich bin doch keine läufige Hündin oder Stute! Auch wenn ich zugeben muss, dass ich dich gerne zureite.", neckte sie ihn und konnte nicht anders, als einen Moment lang betont auf seinen Schritt zu sehen. Was sie hingegen unbewusst tat, war, sich die Lippen zu lecken in Erinnerung an seinen Geschmack, der sich dann trotz aller Ähnlichkeit deutlich zu dem ihres Raben unterschieden hatte.
Dann sah sie wieder zu ihm auf und stippte gegen seine Nasenspitze. "Ich will begehrt werden, umgarnt, verwöhnt und vor allem..." Sie beugte sich näher zu ihm und schenkte ihm einen tiefen Blick. "... verführt!", raunte sie und musste einfach mit dem Feuer spielen, indem sie merklich seinen Oberschenkel entlang strich. Nur erlöste sie ihn nicht, indem sie auch seinen Speer erreichte, sondern zog sich direkt davor zurück. Auch wenn es ihr schwer fiel, war ihr ebenso klar, dass sie beide sich ihrer Leidenschaft nun nicht hingeben durften.
Mit einem leidenden Seufzer lehnte sie sich zurück. "Ich fürchte nur, du musst noch länger an dich halten.", murmelte sie und erinnerte sich nur ungern an den Moment, in dem ihre Mutter sie und Corax... entdeckt hatte, gefolgt von ihrem leiblichen Vater... Nein, das war einfach zu peinlich gewesen!
Um sich davon abzulenken und um kein peinliches Schweigen entstehen zu lassen, versuchte sie, das Gespräch zwischen ihnen in eine andere Richtung zu lenken. "Sag mal, hast du diesem Schneider eigentlich schon öfters Aufträge gegeben? Er wirkte so... so zerstreut, hat nur meine Maße genommen und nicht wirklich auf meine Vorstellungen reagiert. Oder es lag an der frühen Stunde...", meinte sie und sah ihn fragend an, ob er mehr dazu wusste und ob er überhaupt auf ihren Vorschlag eingehen wollen würde.
Schließlich verging auch der Rest der Fahrt und sie erreichten das Anwesen der van Ikaris. Sie ließ sich von dem jungen Faelyn hinaus helfen und strich ihre Röcke glatt, während der Diener das Mitgebrachte heraus holte. Blinzelnd sah sie zu den Blumen und dann auf die kleine Schachtel, die auch dazu zu gehören schien. Er schien es falsch zu verstehen, wie sie seinen Worten entnahm.
Sie zauberten der Andunierin ein Schmunzeln auf die Lippen und sie konnte nicht anders, sie musste ihm einfach die Hand auf den Unterarm legen. "Nur, weil er bei uns nichts Besonderes ist und gefühlt jeder seinen eigenen Jahrgang herstellt, heißt das nicht, dass wir einen guten Tropfen davon nicht zu schätzen wissen.", beschwichtigte sie ihn und hätte ihm gerne einen geschwisterlichen Kuss auf die Wange gehaucht. Nur befürchtete sie, dass er schnell genug wäre, um diese Situation anders zu nutzen und sie zu schwach wäre, um ihm zu widerstehen. Und weil sie nicht sicher war, ob sie nicht längst bemerkt worden waren und beobachtet wurden. Nein, es war besser, eine gewisse Vertrautheit zu zeigen, die nun einmal zwischen ihnen herrschte nach der letzten Nacht, aber bei weitem nicht zu intim zu werden.
Stattdessen zeigte sie ihm ein warmes Lächeln und übernahm es wie selbstverständlich, ihm den Weg zur Eingangstür zu zeigen, ohne sich bei ihm unterzuhaken. So lang war er nicht und als sie das Ziel erreicht hatten, hatten sie erneut beide denselben Gedanken. Nur, dass es gar nicht erst soweit kam, dass sie nach ihrem Nicken zur Tat schreiten konnte. Schon wurde die Tür von innen geöffnet und ihre Mutter stand da.
Azura lächelte sie an, trotz der beherrschten Miene, die zur Schau getragen wurde. Diese schüchterte sie nicht ein, denn sie bezog diese nicht auf sich, sondern auf ihren Begleiter. Trotzdem färbten sich ihre Wangen ein wenig bei der kurzen Musterung. Ob Aquila auffallen würde, dass sie zu wenig Schlaf bekommen hatte? Oder dass ihr Haar zu vielen Zöpfen geflochten war, wie so oft, wenn sie am Abend ein Fest hatte besuchen wollen? Nach all den organisatorischen Dingen, die sie hatte erledigen müssen, war sie sich nicht mehr sicher, was genau sie ihrer Mutter als Vorbereitung geschrieben hatte und was sie ihr lieber aus Rücksichtnahme persönlich sagen wollte.
Statt einer richtigen Begrüßung kamen der Hausherrin hingegen Worte über die Lippen, als wären sie nicht fast einen ganzen Tag getrennt gewesen. "Ähm...", kam es ihr ein wenig unbeholfen über die Lippen und sie schenkte Emmyth ein schiefes, entschuldigendes Grinsen, als Aquila derselbe Fehler unterlief wie ihr damals im Park. Aber sie war sich nicht sicher, wer von ihnen beiden dieses Missverständnis am besten aufklären sollte. Das konnte ihre Mutter nutzen, um sie herein zu bitten.
Ehe die junge Frau sichs versah, wurde sie in eine schützende, klammernde Umarmung gezogen. Überrumpelt ließ sie es geschehen und war noch nicht soweit, sich dagegen zu sträuben, als Emmyth durch sein Räuspern auf sich aufmerksam machte und seinerseits für eine Erklärung sorgte. Das nutzte sie, um sich sanft und so unauffällig wie möglich zu befreien, und ein feines, spöttisches Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. "Außerdem war ich nicht einkaufen, Mama. Du kennst mich doch! Hätte ich das getan, hätte Emmyth jetzt um ein Vielfaches mehr zu tragen!", scherzte sie, als ihre Mutter den Strauß entgegen nahm. Während dieser zu einer Vase in der Nähe gebracht wurde, konnte Azura nicht anders, als ihrem Begleiter in einem Anflug von Kindlichkeit frech die Zunge zu zeigen.
Dann hatte sie sich wieder im Griff und konnte sich auf die Zunge beißen beim Thema Ähnlichkeit. Um im nächsten Moment hingegen leicht zusammen zu zucken. Mit einem Mal fühlte sie sich unwohl, weil sie von beiden Anwesenden direkt angesehen wurde und ihr aufging, dass sie sich nicht im Geringsten überlegt hatte, wie viel Wahrheit sie ihrer Mutter erzählen wollte. Nun, dann musste sie eben darauf vertrauen, diese Offenbarung auch ohne Plan gut hinzubekommen.
"Mama, deswegen bin ich hier.", begann sie und griff nach den Händen der Hausherrin, um sie sanft zu drücken. Ebenso sanft war das Lächeln auf ihren Lippen. "Wir haben gestern viel..." Ihr Blick wanderte flüchtig zu dem jungen Faelyn, dann hatte sie sich wieder im Griff und konzentrierte sich auf Aquila. "... geredet und einen Entschluss gefasst.", vollendete sie den Satz.
"Corax ist aufgebrochen, um vor Ort heraus zu finden, wie wir Vater befreien und heimbringen können, während wir... also unsere und seine Familie zusammen ein Fest ausrichten und auf diese Weise unterstützen. Aus diesem Grund sind wir jetzt hier." Ihr Griff wurde ein wenig fester, sie kam ihrer Mutter minimal näher und sah ihr ehrlich bittend in die Augen. "Mama, ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer das für dich ist, aber... würdest du uns begleiten? Ich... ich brauche dich, dich und deinen Rat dabei, dein Verhandlungsgeschick. Wir sind beide eingeladen, uns im Haus der Faelyns aufzuhalten und uns auf den heutigen Abend vorzubereiten. Kommst du mit mir... mit uns? Sei versichert, es wird uns dort nichts zustoßen!"
Sie hielt inne und spürte, wie ihr Herz heftig in ihrer Brust klopfte. Hatte sie genug gesagt oder müsste sie mehr ins Detail gehen? Würde ihre Mutter gleich einwilligen oder wäre es besser, unter vier Augen mit ihr zu sprechen? Innerlich angespannt versuchte sie, im Blick von der Hausherrin heraus zu lesen, wie die erste Antwort ausfallen würde, noch immer die Hände mit ihren umschlossen.
Das machte es nicht gerade einfacher mit ihrem inneren Chaos, sodass sie sich lieber umso mehr in die Planung für das Fest stürzte. Gemeinsam mit ihm erschien alles so... unkompliziert, so routiniert, so... machbar. Es beflügelte sie, wie er ihr Aufmerksamkeit schenkte, sie ernst nahm und ihr das Gefühl gab, nicht zu versagen, nur, weil ihr noch in vielem die Erfahrung fehlte. Zwar war das Ausrichten eine Feierlichkeit generell Frauensache und es hatte durchaus zu ihrer Erziehung gehört, ihr die wichtigsten Aspekte darin zu vermitteln, aber noch nie hatte sie eine solche veranstaltet. Geschweige denn in diesem Ausmaß, mit diesen zu erwartenden Gästen und erst recht nicht mit diesem bedeutsamen Grund! Doch anstatt sich davon einschüchtern zu lassen, wirkte es bei ihm so, als würde es ihr gelingen... gemeinsam mit Emmyth an ihrer Seite!
Dennoch kannte sie in diesem Punkt ihre Grenzen... oder zumindest jene ihres eigenen Mutes, wenn schon nicht jene in finanziellem Sinne, woran sie wiederum überhaupt nicht dachte. Somit war es ihr auch wichtig, ihre Mutter mit ins Boot zu holen, sich auf ihre Stärke und ihr Wissen stützen zu können.
Zuvor konnte sie allerdings vieles selbst und ohne Hilfe erledigen, sodass sie später Aquila bereits den Boden bereitet hätte, wenn diese das Zepter übernehmen sollte. Ein wichtiger Frauenbereich war naturgemäß die Küche. Während Emmyth sich also um die Einladungen kümmerte, begab Azura sich in dieses bedeutende Reich und kreierte eine Speisenabfolge, die möglichst viele verschiedene, schmackhafte Handelsgüter beinhalten sollte.
Dabei verbrachte sie auch etwas Zeit mit dieser Goblinfrau, die ihr schon am Vortag auf eine sympathische Art und Weise aufgefallen war. Irgendwie erinnerte sie die junge Frau an eine ehemalige Bedienstete ihrer Mutter, ein Unikat, das sehr zum Bedauern der Tochter des Hauses ihren verdienten Lebensabend bei der eigenen Familie hatte verbringen wollen. Ob sie sich gut bei ihrer Nichte und deren Haushalt zurecht gefunden hatte? Und ob sie überhaupt noch lebte? Azura wusste es nicht, aber ihr kam der Gedanke, sich einmal bei ihrer Mutter zu erkundigen. Vielleicht wüsste diese ja mehr.
Auf diese Weise verging die Zeit äußerst geschäftig und dennoch wurde es irgendwie nicht weniger. Ihr Kopf war voll mit Ideen und Dingen, die sie noch erledigen musste, dass sie nicht einmal richtig zuhörte und sich merkte, wie Emmyth beim Frühstück auf ihren Vorschlag bezüglich seines Vaters reagiert hatte. Aber würde sie überhaupt die Zeit erhalten, am Nachmittag sich ein wenig zu dem alten Dunkelelf zu setzen? Vielleicht, wenn ihr Haar gemacht werden würde. Nur... wäre er dann eigentlich wach oder würde sie ihn nur um seinen Schlaf bringen? Nun ja, darüber könnte sie sich später noch Gedanken machen, schließlich war zuvor noch gefühlt unendlich viel anderes zu erledigen!
Gerade als sie sich um die Musik des Abends kümmerte, erschien der junge Faelyn wieder bei ihr und zeigte sich äußerst adrett gekleidet. So sehr, dass sie gar nicht anders konnte, als sich ihm voll und ganz zu widmen. Während sie ihm einen winzig kleinen Fussel wegzupfte, meinte sie scherzend:"Ich verstehe wirklich nicht, wie du dich vor all den jungen Mädchen und reifen Frauen retten kannst!" Grinsend sah sie zu ihm hoch und zwinkerte ihm zu. "Wie machst du das nur, dass sie dir nicht die Tür einrennen und dich schon in den Hafen der Ehe geschleppt haben?" Sie machte einen halben Schritt zurück und nickte zufrieden, als wäre es allein ihr Werk, dass er nun so fein aussah.
Daraufhin lenkte er sie gekonnt ab mit seinem Mitbringsel und dem Grund für sein äußeres Erscheinungsbild. Damit konnte er sie wahrlich überraschen, was sie ihm gegenüber auch vertrauensvoll eingestand. Bei seiner Reaktion konnte sie nicht anders, als ihn tadelnd gegen den Oberarm zu tippen und eine beleidigte Miene aufzusetzen. "Hör auf, mich so zu nennen, da fühle ich mich richtig altbacken!", beschwerte sie sich halbherzig, konnte allerdings auch bei sich eine körperliche Reaktion nicht verbergen.
Während über seinen Blick ein flüchtiger Schatten huschte, da sie den ihren senken und ihre Wangen röteten sich leicht. Noch immer nagte dieser leise Zweifel in ihr, den ihr Gegenüber mit seiner einfachen Frage gesät hatte. Zugleich jedoch waren da noch ganz viele andere Empfindungen allein schon mit dieser Möglichkeit empfunden, über die sie sich absolut nicht im Klaren war.
Umso dankbarer war sie für den Schmuck, mit dem er sie abzulenken verstand. Das Geschmeide war wirklich wunderschön und erlesen, dass es ihr eine Freude sein würde, es am Abend zu tragen. Bei der Brosche hingegen kamen ihr Zweifel. Natürlich war auch diese ein Augenschmauß, keine Frage, und es ehrte sie, dass er ihr das Wappen der Faelyns zu tragen anbot. Es war nur eine gewisse Unsicherheit in ihr, ob sie tatsächlich das Recht dazu hätte, es zu tragen. Schließlich war sie im Prinzip nicht von adeligem Blut, war das uneheliche Kind einer einfachen Bürgerin, die dank der Liebe den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft hatte. Hinzu kam, dass Corax sie nicht direkt um ihre Hand gefragt hatte und dass sie es nicht einmal geschafft hatte, ihm körperlich treu zu bleiben. Stattdessen hatte sie sich auch von dem zweiten Bruder verführen lassen... oder ihn verführt, je nachdem, wie man es sehen wollte, und begehrte, wenn sie ehrlich wäre, wahrhaftig beide. Hatte sie somit diese Privileg nicht gleich mehrfach eigentlich verwirkt?
Und dennoch stand sie hier und rang mit sich... und gab schließlich nach. Trotzdem war sie unsicher und fühlte, wie ihr das Herz wie wild pochte, als Emmyth ihr die Brosche schon jetzt ansteckte, ihr zeigte, wo er das Wappen seiner Familie an ihr am Abend würde sehen wollen. Sie sah an sich herab und konnte es kaum glauben. Ihr war, als wäre dies ein Traum und sie würde bald daraus aufwachen.
Seufzend hob sie die leicht zitternden Finger an und strich noch einmal über das fremde Wappen an ihrer Kleidung. "Solange haben meine Eltern darauf gewartet... und jetzt...?", wisperte sie und schluckte schwer. In diesem Moment drang Emmyths Stimme zu ihr durch und ihre Wangen färbten sich tiefrot.
Sie konnte ihn vor Verlegenheit, weil sie sich flüchtig selbst vergessen hatte, nicht ansehen, als sie sich bei ihm einhakte. "Verzeih...", nuschelte sie in sich hinein und ließ sich hinaus führen.
Die frische Luft tat ihr gut und als sie beide in der geschlossenen Kutsche saßen, glaubte Azura, sich wieder gefangen zu haben. Als die Pferde anzogen und es in vertrauter Weise ruckelte, beugte sie sich etwas vor, zupfte an dem Vorhang und betrachtete ein wenig die vorbei ziehende Aussicht. Dabei konzentrierte sie sich unbewusst mehr auf die Anwesen, denn auf die Passanten, wollte ihre Augen vor den deutlichen Spuren der Übernahme durch die Dunklen und die Enteignung der Menschen verschließen.
Schließlich sank sie mit einem leisen Seufzer zurück. "So sehr ich Ventha auch verehre und den Regen liebe... manchmal ist es auch schön, wenn sie andere Gegenden als Andunie mit ihren Segen beehrt.", meinte sie und schenkte Emmyth ein schiefes Lächeln.
Doch erst jetzt, als sie ihn ansah, wurde sie sich dessen bewusst, dass er sich nicht höflich ihr gegenüber gesetzt hatte, obwohl der Platz dazu vorhanden gewesen wäre. Nein, er befand sich direkt neben ihr und sie konnte ihn deutlich wahrnehmen, seinen angenehm parfümierten Duft, seine Wärme, seine Stärke. Es kribbelte leicht in ihrem Schoß und ihre Atmung wurde eine Spur tiefer, als wolle ihr Körper bei jedem Luftholen die Brust instinktiv betont heraus strecken, um seinen Blick darauf zu lenken. Immer wieder berührten sie zwangsläufig einander, mit der Schulter, dem Arm, dem Bein. Das dämmrige Licht im Inneren der Kutsche, schließlich sollte nicht jeder Neugierige hinein sehen können, tat sein Übriges zusammen mit der wärmer werdenden Luft.
Als er dann auch noch seine Hand auf die ihre legte, zuckte sie leicht zusammen und schluckte schwer, leckte sich mehrfach die Lippen. Was würde jetzt kommen? Was hatte er vor? Würde sie dem widerstehen können? Und... wäre der Weg lange genug dafür?!
Doch anstatt ihre unausgesprochene, wachsende Sehnsucht zu nähren, sprach er etwas gänzlich anderes an. Etwas, das auf andere Weise ihre Unruhe zu stärken verstand. Leise seufzend ließ sie den Kopf hängen und schüttelte ihn leicht. "Du verstehst nicht...", hauchte sie beinahe lautlos und wollte noch fortfahren, sich erklären, als er das für sie schon übernahm.
Abrupt ruckte ihr Kopf hoch und aus großen, runden Augen sah sie ihn fast schon entsetzt an. "Ich?", stieß sie fassungslos hervor. "A... aber... aber... ich habe doch absolut keine Ahnung davon!" Ihre Wangen röteten sich erneut und seufzend lehnte sie den Kopf gegen seine Schulter. "Weißt du, Emmyth... wir sind uns eindeutig sehr ähnlich. So wie du wollte ich immer nur das Vergnügen, keine Verantwortung."
Ein weiterer, tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust und mischte sich mit dem kurzen Lachen, das sie nicht zurück halten konnte. "Eigentlich sollten wir beide uns gegen Corax verbrüdern, nicht ihr zwei gegen mich.", spielte sie auf die letzte Nacht an. Als ihr das bewusst wurde und noch mehr Erinnerungen hochzusteigen drohten, räusperte sie sich vernehmlich und schüttelte den Kopf, als könne sie auf diese Weise die Bilder abschütteln.
Sein Raunen machte es ihr nicht gerade einfacher und als sie wieder zu ihm hochsah... stockte ihr regelrecht der Atem, so nah waren seine Lippen plötzlich. Nur ein paar Millimeter fehlten, ein kleiner Ruck nur, von der Kutsche oder ihr selbst verursacht, und schon würden sie...
Sein Seufzen mischte sich mit dem ihren, als er sich zurück zog und ihr auch noch seine Hand nahm. Beinahe war sie versucht, sie sich wieder zu holen, als er seine Gedanken schon laut aussprach und ihr damit eine Brücke schuf, wie sie die Stimmung der Sehnsucht wieder heben könnte. Zumindest wollte sie es versuchen. Ihre Brauen hoben sich leicht pikiert an und ihre Lippen kräuselten sich zu einem spöttischen Lächeln. "Besteigen, also bitte! Ich bin doch keine läufige Hündin oder Stute! Auch wenn ich zugeben muss, dass ich dich gerne zureite.", neckte sie ihn und konnte nicht anders, als einen Moment lang betont auf seinen Schritt zu sehen. Was sie hingegen unbewusst tat, war, sich die Lippen zu lecken in Erinnerung an seinen Geschmack, der sich dann trotz aller Ähnlichkeit deutlich zu dem ihres Raben unterschieden hatte.
Dann sah sie wieder zu ihm auf und stippte gegen seine Nasenspitze. "Ich will begehrt werden, umgarnt, verwöhnt und vor allem..." Sie beugte sich näher zu ihm und schenkte ihm einen tiefen Blick. "... verführt!", raunte sie und musste einfach mit dem Feuer spielen, indem sie merklich seinen Oberschenkel entlang strich. Nur erlöste sie ihn nicht, indem sie auch seinen Speer erreichte, sondern zog sich direkt davor zurück. Auch wenn es ihr schwer fiel, war ihr ebenso klar, dass sie beide sich ihrer Leidenschaft nun nicht hingeben durften.
Mit einem leidenden Seufzer lehnte sie sich zurück. "Ich fürchte nur, du musst noch länger an dich halten.", murmelte sie und erinnerte sich nur ungern an den Moment, in dem ihre Mutter sie und Corax... entdeckt hatte, gefolgt von ihrem leiblichen Vater... Nein, das war einfach zu peinlich gewesen!
Um sich davon abzulenken und um kein peinliches Schweigen entstehen zu lassen, versuchte sie, das Gespräch zwischen ihnen in eine andere Richtung zu lenken. "Sag mal, hast du diesem Schneider eigentlich schon öfters Aufträge gegeben? Er wirkte so... so zerstreut, hat nur meine Maße genommen und nicht wirklich auf meine Vorstellungen reagiert. Oder es lag an der frühen Stunde...", meinte sie und sah ihn fragend an, ob er mehr dazu wusste und ob er überhaupt auf ihren Vorschlag eingehen wollen würde.
Schließlich verging auch der Rest der Fahrt und sie erreichten das Anwesen der van Ikaris. Sie ließ sich von dem jungen Faelyn hinaus helfen und strich ihre Röcke glatt, während der Diener das Mitgebrachte heraus holte. Blinzelnd sah sie zu den Blumen und dann auf die kleine Schachtel, die auch dazu zu gehören schien. Er schien es falsch zu verstehen, wie sie seinen Worten entnahm.
Sie zauberten der Andunierin ein Schmunzeln auf die Lippen und sie konnte nicht anders, sie musste ihm einfach die Hand auf den Unterarm legen. "Nur, weil er bei uns nichts Besonderes ist und gefühlt jeder seinen eigenen Jahrgang herstellt, heißt das nicht, dass wir einen guten Tropfen davon nicht zu schätzen wissen.", beschwichtigte sie ihn und hätte ihm gerne einen geschwisterlichen Kuss auf die Wange gehaucht. Nur befürchtete sie, dass er schnell genug wäre, um diese Situation anders zu nutzen und sie zu schwach wäre, um ihm zu widerstehen. Und weil sie nicht sicher war, ob sie nicht längst bemerkt worden waren und beobachtet wurden. Nein, es war besser, eine gewisse Vertrautheit zu zeigen, die nun einmal zwischen ihnen herrschte nach der letzten Nacht, aber bei weitem nicht zu intim zu werden.
Stattdessen zeigte sie ihm ein warmes Lächeln und übernahm es wie selbstverständlich, ihm den Weg zur Eingangstür zu zeigen, ohne sich bei ihm unterzuhaken. So lang war er nicht und als sie das Ziel erreicht hatten, hatten sie erneut beide denselben Gedanken. Nur, dass es gar nicht erst soweit kam, dass sie nach ihrem Nicken zur Tat schreiten konnte. Schon wurde die Tür von innen geöffnet und ihre Mutter stand da.
Azura lächelte sie an, trotz der beherrschten Miene, die zur Schau getragen wurde. Diese schüchterte sie nicht ein, denn sie bezog diese nicht auf sich, sondern auf ihren Begleiter. Trotzdem färbten sich ihre Wangen ein wenig bei der kurzen Musterung. Ob Aquila auffallen würde, dass sie zu wenig Schlaf bekommen hatte? Oder dass ihr Haar zu vielen Zöpfen geflochten war, wie so oft, wenn sie am Abend ein Fest hatte besuchen wollen? Nach all den organisatorischen Dingen, die sie hatte erledigen müssen, war sie sich nicht mehr sicher, was genau sie ihrer Mutter als Vorbereitung geschrieben hatte und was sie ihr lieber aus Rücksichtnahme persönlich sagen wollte.
Statt einer richtigen Begrüßung kamen der Hausherrin hingegen Worte über die Lippen, als wären sie nicht fast einen ganzen Tag getrennt gewesen. "Ähm...", kam es ihr ein wenig unbeholfen über die Lippen und sie schenkte Emmyth ein schiefes, entschuldigendes Grinsen, als Aquila derselbe Fehler unterlief wie ihr damals im Park. Aber sie war sich nicht sicher, wer von ihnen beiden dieses Missverständnis am besten aufklären sollte. Das konnte ihre Mutter nutzen, um sie herein zu bitten.
Ehe die junge Frau sichs versah, wurde sie in eine schützende, klammernde Umarmung gezogen. Überrumpelt ließ sie es geschehen und war noch nicht soweit, sich dagegen zu sträuben, als Emmyth durch sein Räuspern auf sich aufmerksam machte und seinerseits für eine Erklärung sorgte. Das nutzte sie, um sich sanft und so unauffällig wie möglich zu befreien, und ein feines, spöttisches Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. "Außerdem war ich nicht einkaufen, Mama. Du kennst mich doch! Hätte ich das getan, hätte Emmyth jetzt um ein Vielfaches mehr zu tragen!", scherzte sie, als ihre Mutter den Strauß entgegen nahm. Während dieser zu einer Vase in der Nähe gebracht wurde, konnte Azura nicht anders, als ihrem Begleiter in einem Anflug von Kindlichkeit frech die Zunge zu zeigen.
Dann hatte sie sich wieder im Griff und konnte sich auf die Zunge beißen beim Thema Ähnlichkeit. Um im nächsten Moment hingegen leicht zusammen zu zucken. Mit einem Mal fühlte sie sich unwohl, weil sie von beiden Anwesenden direkt angesehen wurde und ihr aufging, dass sie sich nicht im Geringsten überlegt hatte, wie viel Wahrheit sie ihrer Mutter erzählen wollte. Nun, dann musste sie eben darauf vertrauen, diese Offenbarung auch ohne Plan gut hinzubekommen.
"Mama, deswegen bin ich hier.", begann sie und griff nach den Händen der Hausherrin, um sie sanft zu drücken. Ebenso sanft war das Lächeln auf ihren Lippen. "Wir haben gestern viel..." Ihr Blick wanderte flüchtig zu dem jungen Faelyn, dann hatte sie sich wieder im Griff und konzentrierte sich auf Aquila. "... geredet und einen Entschluss gefasst.", vollendete sie den Satz.
"Corax ist aufgebrochen, um vor Ort heraus zu finden, wie wir Vater befreien und heimbringen können, während wir... also unsere und seine Familie zusammen ein Fest ausrichten und auf diese Weise unterstützen. Aus diesem Grund sind wir jetzt hier." Ihr Griff wurde ein wenig fester, sie kam ihrer Mutter minimal näher und sah ihr ehrlich bittend in die Augen. "Mama, ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer das für dich ist, aber... würdest du uns begleiten? Ich... ich brauche dich, dich und deinen Rat dabei, dein Verhandlungsgeschick. Wir sind beide eingeladen, uns im Haus der Faelyns aufzuhalten und uns auf den heutigen Abend vorzubereiten. Kommst du mit mir... mit uns? Sei versichert, es wird uns dort nichts zustoßen!"
Sie hielt inne und spürte, wie ihr Herz heftig in ihrer Brust klopfte. Hatte sie genug gesagt oder müsste sie mehr ins Detail gehen? Würde ihre Mutter gleich einwilligen oder wäre es besser, unter vier Augen mit ihr zu sprechen? Innerlich angespannt versuchte sie, im Blick von der Hausherrin heraus zu lesen, wie die erste Antwort ausfallen würde, noch immer die Hände mit ihren umschlossen.

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Sie hatte es im Scherz zu ihm gesagt, dass Azura nicht verstand, warum Emmyth noch immer in keiner Beziehung steckte. Auf dem Weg zu ihrer Mutter hin konnte sie ihn erneut mustern, als er versuchte, sein inneres Begehren zu beherrschen. Seine Augen glühten, mehr noch als bei Corax. In den Rubinen brannte ein Feuer, das freigelassen und über sie herfallen wollte. Er riss sich zusammen, nur seine eigenne MAuern bröckelten, denn er hatte inzwischen erfahren, wie sich körperliche Freuden anfühlten. Er rang darum, der Gesellschaft keinen Grund zu bieten, über ihn hinter erhobener Hand zu tuschen. Das machte ihn nur noch attraktiver, da in seinen Blick ein gewisser Ernst trat, der Azura auch an Corax erinnerte. Corax blickte viel zu oft zu ernst, owbohl er auch anders konnte. Meist steckte dann jedoch eine sarkastische Note in seinem Schmunzeln oder dem Funkeln seiner Augen. Emmyth lachte offener, wenn auch gelegentlich gekünstelt, doch das konnte sie ebenfalls. Sie waren beide darin erzogen worden. Wenn es jedoch aufrichtig war, so gab Emmyth sich ganz dieser Emotion hin und wirkte durchaus heiter, gelöst von allen Problemen, die seinen Bruder nicht plagten. Es war auf eine gewisse Weise angenehm und leicht, an der Seite des Jüngeren zu sitzen. Doch auch Azura kämpfte. Immerhin pochte ihr Schoß schon wieder und auf dem Weg zu ihrer Mutter wirbelten Gedankenspiele in ihrem Kopf umher, die alle passionierte Unzucht beinhalteten, abgesehen von der Frage, ob sich derartige Verruchtheit in so kurzer Zeit umsetzen ließe.
Um sich abzulenken, hakte Azura wegen des Schneiders nach, der zwar ihre Maße genommen, bei den Äußerungen ihrer Wünsche aber nicht so konzentriert zugehört hatte wie sie es gewohnt war. Er hatte sich nicht einmal Notizen gemacht!
"Sag mal, hast du diesem Schneider eigentlich schon öfters Aufträge gegeben? Er wirkte so ... so zerstreut, hat nur meine Maße genommen und nicht wirklich auf meine Vorstellungen reagiert. Oder es lag an der frühen Stunde..."
"Nein, er hatte Angst. Ich habe ihm mit Worten aufgezeigt, was ihm blüht, wenn er bis nachher nicht mit seiner Arbeit fertig ist", erwiderte Emmyth. Seine Worte von früher, ihm womöglich die Hand abhacken zu lassen, schienen nicht nur dahin gesagt. Auch das musste Azura wohl lernen, denn Corax wies hin und wieder ähnlich unheimliche Verhaltenszüge auf. Beide waren letztendlich Dunkelelfen, erzogen von einer Kultur in einer düsteren Stadt. Natürlich trafen sie drastischere Entscheidungen - einige, an die eine Andunierin nicht im Traum dachte, aber sie musste sich auch selten mit einer Klinge in der Hand den Weg an die Spitze kämpfen. Ob es für Corax und Emmyth hier eine bessere Zukunft gäbe? Eine, in der sie weniger Gewalt würden anwenden müssen, wenn man ihnen nur aufzeigte, dass es auch anders ging? Wenn man ... allen Dunkelelfen zeigte, dass so viel Brutalität überhaupt nicht nötig war und andere sogar gern arbeiteten, gerade wenn man ihnen keine Angst um ihr Leben machte?
Das Grübeln half, das Azura und Emmyth von ihren triebhaften Gedanken abrückten und sie nicht in die Tat umzusetzen. So erreichte die Kutsche das Anwesen der van Ikari, ohne dass deren Insassen sich erneut ihren Trieben hingegen hatten. Azura würde schon noch auf ihre Kosten kommen - später. Jetzt galt es, Wichtigeres zu besprechen. Vor allem aber musste sie ihre Mutter überzeugen, an der Feierlichkeit teilzunehmen. Allein - das ahnte sie - würde sie es zwischen all den geladenen, adligen Dunkelelfen nicht überstehen. Sie könnte kaum ihren Standpunkt klar machen und dass sie einbezogen werden sollte, hatte Emmyth schon angedeutet. In morgerianischen Kreisen schienen Frauen bei Festivitäten nicht auf die Tanzfläche oder in einen Salon tuschelnder Schnattergänse ihresgleichen verbannt zu werden. Offenbar könnte auch sie aktiv Einfluss nehmen. Und wenn sie es könnte, dann müsste ihrer Mutter diese Chance ebenfalls gegeben werden. Gerade ihr, die doch wusste, mit entsprechenden Worten umzugehen. Sie würde ihren Gatten höchstselbst aus Kosral heraus beorden können, wenn sie es richtig anstellte und wenn sie nur mitspielte.
Im ersten Moment aber wirkte Aquila van Ikari nicht begeistert. Sie versteckte es hinter falscher Höflichkeit, die sie Emmyth entgegenbrachte, weil sie zunächst glaubte, er sei Corax. Als dieses Missverständnis jedoch aus der Welt geschafft war, drang ihre Ablehnung häppchenweise durch die aufgesetzte Miene hindurch. Zumindest Azura konnte ihr ansehen, dass Aquila sich am liebsten wieder zurückgezogen hätte. Der Mutter fiel es schwer, hinzunehmen, dass ihr Kind nicht nur mit einem, sondern mit gleich zwei identisch wirkenden Dunkelelfen verkehrte. Oh, wenn sie wüsste, wie gut diese Formulierung passte! Besser war es, sie ahnte nichts und so ließ Azura ihr auch keine Gelegenheit, es herauszufinden. Aber sie schenkte ihr ebenso wenig die Chance, zu verschwinden.
Außerdem hatte Azura ihr doch rasch einige Worte geschrieben. Waren diese etwa noch nicht angekommen? Hatte Aquila das Schreiben ignoriert? Oder prüfte sie nur, obwohl ihr doch sehr wohl klar war, dass ihre Tochter sie zu einer Festivität einladen wollte? Prüfte sie, ob es ein Fest in Anwesenheit dieses Dunkelelfen war? Es wurde Zeit, dass Azura mit offenen Karten spielte. Sie musste ihre Mutter einweihen, alles andere wäre nicht gerecht gewesen. Aquila hatte bereits gezeigt, was sie vom dunklen Volk hielt und es war angesichts ihrer eigens gemachten Erfahrungen nachvollziehbar. Doch ihre Tochter brauchte sie, an ihrer Seite!
Ehe sie jedoch die ernsten Themen aufgreifen konnte, ging es nach einer rührenden Umarmung seitens ihrer Mutter zu ein wenig Geplänkel über. Die Stimung aufzulockern war keine schlechte Idee und Aquila ging sogar darauf ein. "Außerdem war ich nicht einkaufen, Mama. Du kennst mich doch! Hätte ich das getan, hätte Emmyth jetzt um ein Vielfaches mehr zu tragen!"
"Und würde aufgrund der Schulden am Hungertuch nagen", setzte die Ältere van Ikari hinterher. Sie zwinkerte kurz, schickte Emmyth einen längeren Blick und brachte den geschenkten Strauß Blumen dann zu einer Vase. Die Gelegenheit nutzte Azura, um Emmyth die Zunge herauszustrecken. Was Corax vielleicht mit einem Augenrollen quittiert hätte, zeigte sich bei seinem jüngeren Bruder als Erwiderung. Emmyth war sich zum Herumalbern nicht zu fein. Seine Zunge wirkte so hell vor dem dunklen Gesicht. Er streckte sie Azura nicht nur heraus, sondern neigte sich auch in ihre Richtung, um leise zu raunen: "Ich wollte dir nur nochmal zeigen, wie groß sie ist. Damit du dich erinnerst, wieviel sie mit einem Schwung aus dir herausschlecken kann." Er und Corax waren eindeutig Brüder, denn auch Emmyth machte es Spaß, sie hin und wieder zu necken! Groß kontern konnte die Andunierin jedoch nicht, denn jetzt ging es doch ans Eingemachte. Dass sie das alle noch im Hausflur besprachen, unterstrich die Dringlichkeit. Denn auch eine Azura zog Komfort vor und hätte es sich wohl lieber in einem Salon gemütlich gemacht, ehe sie so schwere Themen angesprochen hätte. Aber es war wichtig und sie konnte nicht länger damit hinter den Berg halten.
Sie ergriff die Hände ihrer Mutter. Aquila stutzte, musterte ihr Kind nun mit geweckter Aufmerksamkeit. Sie spürte, dass sich ein Sturm anbahnte, trotz des Lächelns, dem sie entgegenblickte.
"Wir haben gestern viel... geredet und einen Entschluss gefasst."
"Du bist schwanger", versuchte Aquila die Botschaft zu erraten. Denn auch sie hatte den Blick zu Emmyth herüber gesehen. Dieses Mal war er es, der von Worten überrumpelt wurde. Seine Augen weiteten sich und Röte schoss ihm in die Wangen. Er japste sogar, weil er die höflich neutrale Maske ob dieser Nachricht nicht aufrecht erhalten konnte. "W-was?!", kiekste er mit einer deutlich höheren Stimme und schüttelte den Kopf. "N-nicht doch!"
Aquila beruhigte seine Reaktion. Sie hatte ihrem Glauben nach nun nihts zu befürchten. Nicht, dass es sie unglücklich stimmen würde, endlich Großmutter zu werden, aber auch sie hielt sich da lieber an die traditionelle Reihenfolge: Werbung, Ehe, Kindersegen. Uneheliche Kinder waren ein Skandal im Adel und es hatte Alycide van Ikari viele Beziehungen, Gefallen und Worte gekostet, dass man Azura überhaupt als sein legitimes Erbe anerkannte. Zwar war er es nicht, der einfach ein Kind in die Welt gesetzt hatte, ohne die Frau vorab zu ehelichen, aber er nahm sie nun einmal in seine Welt auf. Die eigentliche Schande lag jedoch bei Aquila ... der Lüsternen, dem Flittchen! Ja, das hatte sie sich hinter vorgehaltener Hand aufschnappen müssen. Sie und ihr Gatte hatten lange gekämpft, damit dieser Frau mit Respekt begegnet wurde. Keine andere ahnte, was es bedeutete, eine Schwangerschaft außerhalb einer Ehe zu führen. Das wollte sie ihrer eigenen Tochter ersparen. Glücklicherweise schien es keinen Anlass in diese Richtung zu geben. Oder hatten Corax' oder gar Emmyths Bemühungen bereits Früchte getragen? Azura fühlte sich noch nicht anders, aber vielleicht zeigte sich in der Zukunft noch das Ausmaß ihrer wilden Nächte.
"Corax ist aufgebrochen, um vor Ort herauszufinden, wie wir Vater befreien und heimbringen können, während wir..." Sie konnte ihren Satz noch nicht einmal beenden, da schoss sich Aquilas Blick wieder auf die Tochter ein. "Er will ... er hat ... allein...? Dieser Dunkelelf?" Sie wirkte überrascht, aber auch ... berührt. So viel Schlechtes, was sie über die Eroberer Andunie dachte und sagte, so vieles, was sie ihr angetan hatten ... und dann tauchte Corax auf, hatte zwar ihre Tochter im Kinderbett bestiegen, aber auch für sie gekocht und wollte nun auf eigene Faust ihren Gatten retten. Das ließ sie nicht unberührt. Gut, dass Azura ihre Hände hielt. Aquila brauchte nun eine Stütze. Sie klammerte sich regelrecht an die Finger ihres Kinders, um nicht einzuknicken, denn ihre Knie wurden ihr weich. Dabei war die eigentlich erschreckende Nachricht für sie noch nicht gekommen.
"Mama, ich kann mir nicht vorstellen wie schwer das für dich ist, aber ... würdest du uns begleiten? Ich ... ich brauche dich, dich und deinen Rat dabei, dein Verhandlungsgeschick." Die Mutter starrte Azura an. Offenbar verstand sie nicht ganz. Angesichts der Information, dass Corax ihren Mann retten wollte und sich bereits aufgemacht hatte, war es ihr vollkommen entgangen, dass sie sich selbst zwar nicht nach Kosral, wohl aber auch in eine dunkelelfische Höhle der Löwen begeben sollte. "Wir sind beide eingeladen, uns im Haus der Faelyns aufzuhalten und uns auf den heutigen Abend vorzubereiten. Kommst du mit mir ... mit uns? Sei versichert, es wird und dort nichts zustoßen!"
Aquila blinzelte. Sie schaute ihre Tochter an, anschließend Emmyth. "Und ... Euer Bruder ist es, der sich nun auf eine Rettungsmission begeben hat, meinen in Gefangenschaft genommenen Gatten zu befreien? Er ist allein unterwegs?"
Emmyth nickte. "Wir möchten ihn so gut unterstützen wie es uns vermag. Das gelingt nur über Beziehungen und diese erhalten wir nur über geschickt gesetzte Gespräche, Verehrteste."
Aquila schaute zu Azura zurück. Sie atmete durch. Dann zog sie ihr Kind an den Händen mit sich. Sie ließ diese nicht los. Azura hatte keine andere Wahl als mitzukommen. Glücklicherweise folgte Emmyth ebenfalls, bis sie sich alle in jenem Musikzimmer wiederfanden, in dem Mutter und Tochter bereits einmal geprochen hatten. Es war wohl der noch am besten vorzeigbare Raum. Das große Wohnzimmer für einen Plausch mit Gästen musste durch Corax und andere Dunkelelfen vollkommen ruiniert worden sein.
Aquila van Ikari ließ sich auf das Sofa nieder und erst dort entließ sie ihr Kind aus ihrem Griff. Reichlich unelegant stützte sie die Stirn in beide Hände, vorgebeugt wie eine gegrämte Frau. Sie ließ jegliche Etikette fahren. "Du verlangst von mir mehr als du ahnst", sprach sie ihre Tochter vollkommen vertraulich an, ohne darauf zu achten, dass Emmyth ebenfalls anwesend war. Um auf sich aufmerksam zu machen, schloss dieser die Tür hinter sich. Aquila aber kümmerte es nicht. Sie seufzte: "Aber ich habe wohl keine Wahl. Ich schulde es dieser Familie. Den Faelyns, nicht wahr?" Sie schaute auf, direkt in Emmyth Augen, die so rot waren wie jene des Mannes, der ihren eigenen befreien wollte. "Was ist mit Kjet.... was ist mit meinem Verflossenen und Madiha? Wollten sie sich nicht darum kümmern?"
"Mein Bruder übernimmt alles, um andere zu schützen", warf Emmyth ein. "Und Ihr schuldet uns nichts, werte Frau. Es ist ihm wohl eine Herzensangelegenheit, Eurer Tochter zuliebe", setzte er noch nach mit einem Blick zu Azura, der verdeutlichte, dass er seinen Bruder verstand. Vielleicht, weil auch er schon bereit wäre, einige Morde für diese Frau zu begehen. "Es ist eine Einladung zu einem Fest. Ihr sollt Eurer Tochter ein Halt sein. Ansonsten wünsche ich, dass Ihr es einfach genießt. Ja, es dient vordergründig dem Zweck der Kontaktaufnahme, um Beizehungen zu knüpen. Letztendlich aber soll es auch den Geist ein wenig befreien. Ich sehe doch, wie sehr Ihr gelitten habt und vielleicht glaubt Ihr, es wäre unangebracht, nun zu feiern, aber genau das ist notwendig. Ihr müsst Euch eine Weile fallen lassen können, um wieder Kraft zu haben. Seht es als Entschädigung für all das, was Euch widerfahren ist."
Aquila starrte den jüngsten Faelyn an. Auch er wusste, mit Worten umzugehen, denn seine trafen sie direkt ins Herz. Ihre Augen schwammen und ehe erste Tränen verräterisch über ihre Wangen laufen konnten, wandte sie den Blick wieder ab, um sich zu fangen. Sie brauchte eine Weile, bis ihre Stimme kräftig genug für eine Antwort war. Dann nickte sie. "In Ordnung. Ich werde dir zur Seite stehen, Azura." Sie betrachtete ihr Kind ... und lächelte schwach. "Ich versuchte, es zu genießen. Wir müssen stark bleiben, wir beide." Doch dann legte sie Hand auf jene ihrer Tochter. "Aber ich werde nicht die Verhandlungen führen. Dein Vater hatte Pläne für dich und du musst dich vorbereiten, falls du jemals sein Erbe annehmen willst. Du musst lernen, Gespräche zu führen, die zu unseren Gunsten ausfallen. Ich werde an deiner Seite bleiben, dich leiten und einen Fauxpas versuchen, abzuwenden. Aber sprechen müssen wirst du."
"Ich bin ja auch noch da", fügte Emmyth an. Er ließ beiden Frauen einen höflichen Raum und drängte sich nicht auf. Er blieb gar bei der Tür stehen. Dennoch wollte er, dass Azura wusste, dass sie sich auch auf ihn verlassen konnte.
Um sich abzulenken, hakte Azura wegen des Schneiders nach, der zwar ihre Maße genommen, bei den Äußerungen ihrer Wünsche aber nicht so konzentriert zugehört hatte wie sie es gewohnt war. Er hatte sich nicht einmal Notizen gemacht!
"Sag mal, hast du diesem Schneider eigentlich schon öfters Aufträge gegeben? Er wirkte so ... so zerstreut, hat nur meine Maße genommen und nicht wirklich auf meine Vorstellungen reagiert. Oder es lag an der frühen Stunde..."
"Nein, er hatte Angst. Ich habe ihm mit Worten aufgezeigt, was ihm blüht, wenn er bis nachher nicht mit seiner Arbeit fertig ist", erwiderte Emmyth. Seine Worte von früher, ihm womöglich die Hand abhacken zu lassen, schienen nicht nur dahin gesagt. Auch das musste Azura wohl lernen, denn Corax wies hin und wieder ähnlich unheimliche Verhaltenszüge auf. Beide waren letztendlich Dunkelelfen, erzogen von einer Kultur in einer düsteren Stadt. Natürlich trafen sie drastischere Entscheidungen - einige, an die eine Andunierin nicht im Traum dachte, aber sie musste sich auch selten mit einer Klinge in der Hand den Weg an die Spitze kämpfen. Ob es für Corax und Emmyth hier eine bessere Zukunft gäbe? Eine, in der sie weniger Gewalt würden anwenden müssen, wenn man ihnen nur aufzeigte, dass es auch anders ging? Wenn man ... allen Dunkelelfen zeigte, dass so viel Brutalität überhaupt nicht nötig war und andere sogar gern arbeiteten, gerade wenn man ihnen keine Angst um ihr Leben machte?
Das Grübeln half, das Azura und Emmyth von ihren triebhaften Gedanken abrückten und sie nicht in die Tat umzusetzen. So erreichte die Kutsche das Anwesen der van Ikari, ohne dass deren Insassen sich erneut ihren Trieben hingegen hatten. Azura würde schon noch auf ihre Kosten kommen - später. Jetzt galt es, Wichtigeres zu besprechen. Vor allem aber musste sie ihre Mutter überzeugen, an der Feierlichkeit teilzunehmen. Allein - das ahnte sie - würde sie es zwischen all den geladenen, adligen Dunkelelfen nicht überstehen. Sie könnte kaum ihren Standpunkt klar machen und dass sie einbezogen werden sollte, hatte Emmyth schon angedeutet. In morgerianischen Kreisen schienen Frauen bei Festivitäten nicht auf die Tanzfläche oder in einen Salon tuschelnder Schnattergänse ihresgleichen verbannt zu werden. Offenbar könnte auch sie aktiv Einfluss nehmen. Und wenn sie es könnte, dann müsste ihrer Mutter diese Chance ebenfalls gegeben werden. Gerade ihr, die doch wusste, mit entsprechenden Worten umzugehen. Sie würde ihren Gatten höchstselbst aus Kosral heraus beorden können, wenn sie es richtig anstellte und wenn sie nur mitspielte.
Im ersten Moment aber wirkte Aquila van Ikari nicht begeistert. Sie versteckte es hinter falscher Höflichkeit, die sie Emmyth entgegenbrachte, weil sie zunächst glaubte, er sei Corax. Als dieses Missverständnis jedoch aus der Welt geschafft war, drang ihre Ablehnung häppchenweise durch die aufgesetzte Miene hindurch. Zumindest Azura konnte ihr ansehen, dass Aquila sich am liebsten wieder zurückgezogen hätte. Der Mutter fiel es schwer, hinzunehmen, dass ihr Kind nicht nur mit einem, sondern mit gleich zwei identisch wirkenden Dunkelelfen verkehrte. Oh, wenn sie wüsste, wie gut diese Formulierung passte! Besser war es, sie ahnte nichts und so ließ Azura ihr auch keine Gelegenheit, es herauszufinden. Aber sie schenkte ihr ebenso wenig die Chance, zu verschwinden.
Außerdem hatte Azura ihr doch rasch einige Worte geschrieben. Waren diese etwa noch nicht angekommen? Hatte Aquila das Schreiben ignoriert? Oder prüfte sie nur, obwohl ihr doch sehr wohl klar war, dass ihre Tochter sie zu einer Festivität einladen wollte? Prüfte sie, ob es ein Fest in Anwesenheit dieses Dunkelelfen war? Es wurde Zeit, dass Azura mit offenen Karten spielte. Sie musste ihre Mutter einweihen, alles andere wäre nicht gerecht gewesen. Aquila hatte bereits gezeigt, was sie vom dunklen Volk hielt und es war angesichts ihrer eigens gemachten Erfahrungen nachvollziehbar. Doch ihre Tochter brauchte sie, an ihrer Seite!
Ehe sie jedoch die ernsten Themen aufgreifen konnte, ging es nach einer rührenden Umarmung seitens ihrer Mutter zu ein wenig Geplänkel über. Die Stimung aufzulockern war keine schlechte Idee und Aquila ging sogar darauf ein. "Außerdem war ich nicht einkaufen, Mama. Du kennst mich doch! Hätte ich das getan, hätte Emmyth jetzt um ein Vielfaches mehr zu tragen!"
"Und würde aufgrund der Schulden am Hungertuch nagen", setzte die Ältere van Ikari hinterher. Sie zwinkerte kurz, schickte Emmyth einen längeren Blick und brachte den geschenkten Strauß Blumen dann zu einer Vase. Die Gelegenheit nutzte Azura, um Emmyth die Zunge herauszustrecken. Was Corax vielleicht mit einem Augenrollen quittiert hätte, zeigte sich bei seinem jüngeren Bruder als Erwiderung. Emmyth war sich zum Herumalbern nicht zu fein. Seine Zunge wirkte so hell vor dem dunklen Gesicht. Er streckte sie Azura nicht nur heraus, sondern neigte sich auch in ihre Richtung, um leise zu raunen: "Ich wollte dir nur nochmal zeigen, wie groß sie ist. Damit du dich erinnerst, wieviel sie mit einem Schwung aus dir herausschlecken kann." Er und Corax waren eindeutig Brüder, denn auch Emmyth machte es Spaß, sie hin und wieder zu necken! Groß kontern konnte die Andunierin jedoch nicht, denn jetzt ging es doch ans Eingemachte. Dass sie das alle noch im Hausflur besprachen, unterstrich die Dringlichkeit. Denn auch eine Azura zog Komfort vor und hätte es sich wohl lieber in einem Salon gemütlich gemacht, ehe sie so schwere Themen angesprochen hätte. Aber es war wichtig und sie konnte nicht länger damit hinter den Berg halten.
Sie ergriff die Hände ihrer Mutter. Aquila stutzte, musterte ihr Kind nun mit geweckter Aufmerksamkeit. Sie spürte, dass sich ein Sturm anbahnte, trotz des Lächelns, dem sie entgegenblickte.
"Wir haben gestern viel... geredet und einen Entschluss gefasst."
"Du bist schwanger", versuchte Aquila die Botschaft zu erraten. Denn auch sie hatte den Blick zu Emmyth herüber gesehen. Dieses Mal war er es, der von Worten überrumpelt wurde. Seine Augen weiteten sich und Röte schoss ihm in die Wangen. Er japste sogar, weil er die höflich neutrale Maske ob dieser Nachricht nicht aufrecht erhalten konnte. "W-was?!", kiekste er mit einer deutlich höheren Stimme und schüttelte den Kopf. "N-nicht doch!"
Aquila beruhigte seine Reaktion. Sie hatte ihrem Glauben nach nun nihts zu befürchten. Nicht, dass es sie unglücklich stimmen würde, endlich Großmutter zu werden, aber auch sie hielt sich da lieber an die traditionelle Reihenfolge: Werbung, Ehe, Kindersegen. Uneheliche Kinder waren ein Skandal im Adel und es hatte Alycide van Ikari viele Beziehungen, Gefallen und Worte gekostet, dass man Azura überhaupt als sein legitimes Erbe anerkannte. Zwar war er es nicht, der einfach ein Kind in die Welt gesetzt hatte, ohne die Frau vorab zu ehelichen, aber er nahm sie nun einmal in seine Welt auf. Die eigentliche Schande lag jedoch bei Aquila ... der Lüsternen, dem Flittchen! Ja, das hatte sie sich hinter vorgehaltener Hand aufschnappen müssen. Sie und ihr Gatte hatten lange gekämpft, damit dieser Frau mit Respekt begegnet wurde. Keine andere ahnte, was es bedeutete, eine Schwangerschaft außerhalb einer Ehe zu führen. Das wollte sie ihrer eigenen Tochter ersparen. Glücklicherweise schien es keinen Anlass in diese Richtung zu geben. Oder hatten Corax' oder gar Emmyths Bemühungen bereits Früchte getragen? Azura fühlte sich noch nicht anders, aber vielleicht zeigte sich in der Zukunft noch das Ausmaß ihrer wilden Nächte.
"Corax ist aufgebrochen, um vor Ort herauszufinden, wie wir Vater befreien und heimbringen können, während wir..." Sie konnte ihren Satz noch nicht einmal beenden, da schoss sich Aquilas Blick wieder auf die Tochter ein. "Er will ... er hat ... allein...? Dieser Dunkelelf?" Sie wirkte überrascht, aber auch ... berührt. So viel Schlechtes, was sie über die Eroberer Andunie dachte und sagte, so vieles, was sie ihr angetan hatten ... und dann tauchte Corax auf, hatte zwar ihre Tochter im Kinderbett bestiegen, aber auch für sie gekocht und wollte nun auf eigene Faust ihren Gatten retten. Das ließ sie nicht unberührt. Gut, dass Azura ihre Hände hielt. Aquila brauchte nun eine Stütze. Sie klammerte sich regelrecht an die Finger ihres Kinders, um nicht einzuknicken, denn ihre Knie wurden ihr weich. Dabei war die eigentlich erschreckende Nachricht für sie noch nicht gekommen.
"Mama, ich kann mir nicht vorstellen wie schwer das für dich ist, aber ... würdest du uns begleiten? Ich ... ich brauche dich, dich und deinen Rat dabei, dein Verhandlungsgeschick." Die Mutter starrte Azura an. Offenbar verstand sie nicht ganz. Angesichts der Information, dass Corax ihren Mann retten wollte und sich bereits aufgemacht hatte, war es ihr vollkommen entgangen, dass sie sich selbst zwar nicht nach Kosral, wohl aber auch in eine dunkelelfische Höhle der Löwen begeben sollte. "Wir sind beide eingeladen, uns im Haus der Faelyns aufzuhalten und uns auf den heutigen Abend vorzubereiten. Kommst du mit mir ... mit uns? Sei versichert, es wird und dort nichts zustoßen!"
Aquila blinzelte. Sie schaute ihre Tochter an, anschließend Emmyth. "Und ... Euer Bruder ist es, der sich nun auf eine Rettungsmission begeben hat, meinen in Gefangenschaft genommenen Gatten zu befreien? Er ist allein unterwegs?"
Emmyth nickte. "Wir möchten ihn so gut unterstützen wie es uns vermag. Das gelingt nur über Beziehungen und diese erhalten wir nur über geschickt gesetzte Gespräche, Verehrteste."
Aquila schaute zu Azura zurück. Sie atmete durch. Dann zog sie ihr Kind an den Händen mit sich. Sie ließ diese nicht los. Azura hatte keine andere Wahl als mitzukommen. Glücklicherweise folgte Emmyth ebenfalls, bis sie sich alle in jenem Musikzimmer wiederfanden, in dem Mutter und Tochter bereits einmal geprochen hatten. Es war wohl der noch am besten vorzeigbare Raum. Das große Wohnzimmer für einen Plausch mit Gästen musste durch Corax und andere Dunkelelfen vollkommen ruiniert worden sein.
Aquila van Ikari ließ sich auf das Sofa nieder und erst dort entließ sie ihr Kind aus ihrem Griff. Reichlich unelegant stützte sie die Stirn in beide Hände, vorgebeugt wie eine gegrämte Frau. Sie ließ jegliche Etikette fahren. "Du verlangst von mir mehr als du ahnst", sprach sie ihre Tochter vollkommen vertraulich an, ohne darauf zu achten, dass Emmyth ebenfalls anwesend war. Um auf sich aufmerksam zu machen, schloss dieser die Tür hinter sich. Aquila aber kümmerte es nicht. Sie seufzte: "Aber ich habe wohl keine Wahl. Ich schulde es dieser Familie. Den Faelyns, nicht wahr?" Sie schaute auf, direkt in Emmyth Augen, die so rot waren wie jene des Mannes, der ihren eigenen befreien wollte. "Was ist mit Kjet.... was ist mit meinem Verflossenen und Madiha? Wollten sie sich nicht darum kümmern?"
"Mein Bruder übernimmt alles, um andere zu schützen", warf Emmyth ein. "Und Ihr schuldet uns nichts, werte Frau. Es ist ihm wohl eine Herzensangelegenheit, Eurer Tochter zuliebe", setzte er noch nach mit einem Blick zu Azura, der verdeutlichte, dass er seinen Bruder verstand. Vielleicht, weil auch er schon bereit wäre, einige Morde für diese Frau zu begehen. "Es ist eine Einladung zu einem Fest. Ihr sollt Eurer Tochter ein Halt sein. Ansonsten wünsche ich, dass Ihr es einfach genießt. Ja, es dient vordergründig dem Zweck der Kontaktaufnahme, um Beizehungen zu knüpen. Letztendlich aber soll es auch den Geist ein wenig befreien. Ich sehe doch, wie sehr Ihr gelitten habt und vielleicht glaubt Ihr, es wäre unangebracht, nun zu feiern, aber genau das ist notwendig. Ihr müsst Euch eine Weile fallen lassen können, um wieder Kraft zu haben. Seht es als Entschädigung für all das, was Euch widerfahren ist."
Aquila starrte den jüngsten Faelyn an. Auch er wusste, mit Worten umzugehen, denn seine trafen sie direkt ins Herz. Ihre Augen schwammen und ehe erste Tränen verräterisch über ihre Wangen laufen konnten, wandte sie den Blick wieder ab, um sich zu fangen. Sie brauchte eine Weile, bis ihre Stimme kräftig genug für eine Antwort war. Dann nickte sie. "In Ordnung. Ich werde dir zur Seite stehen, Azura." Sie betrachtete ihr Kind ... und lächelte schwach. "Ich versuchte, es zu genießen. Wir müssen stark bleiben, wir beide." Doch dann legte sie Hand auf jene ihrer Tochter. "Aber ich werde nicht die Verhandlungen führen. Dein Vater hatte Pläne für dich und du musst dich vorbereiten, falls du jemals sein Erbe annehmen willst. Du musst lernen, Gespräche zu führen, die zu unseren Gunsten ausfallen. Ich werde an deiner Seite bleiben, dich leiten und einen Fauxpas versuchen, abzuwenden. Aber sprechen müssen wirst du."
"Ich bin ja auch noch da", fügte Emmyth an. Er ließ beiden Frauen einen höflichen Raum und drängte sich nicht auf. Er blieb gar bei der Tür stehen. Dennoch wollte er, dass Azura wusste, dass sie sich auch auf ihn verlassen konnte.

- Azura
- Spieler-Charakter
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- Registriert: Freitag 15. April 2011, 20:33
- Moderator des Spielers: Kazel Tenebrée
- Steckbrief: Zum Steckbrief
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- Sprachen: Garmisch
Sendli - Beruf: adelige Tochter
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Wassermagie unausgebildet/ungefördert - Lebensenergie:
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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Er war attraktiv, das konnte sie nicht bestreiten. Schon vor wenigen Abenden im Park, als sie noch eine wandelnde Leiche gewesen war, war er ihr aufgefallen. Damals hatte sie seine Ähnlichkeit zu Corax verwirrt und sie hatte gedacht, es wäre ihr Rabe. Inzwischen wusste sie es besser. Trotzdem konnte sie nicht verhehlen, dass er sie anzog, wahrscheinlich sogar mehr, als gut für sie wäre. Ihr Herz gehörte einem anderen und dennoch... war es möglich, dass es groß genug wäre, um Platz für zwei darin zu bieten, so, wie ihr Schoß?
Es war verwerflich, einer Dame absolut unangemessen und irgendwie auch... verkommen. Ob es sie genau deswegen dermaßen faszinierte? Oder lag es daran, dass Emmyth ihr zeigte, was sein älterer Bruder hätte haben können, wenn er nicht als Säugling entführt worden wäre? Dass der Jüngere jene Saiten besaß, die sie an dem anderen vermisste... oder vermissen könnte, weil sie sich dessen noch gar nicht bewusst war?
Azura wusste es nicht. Ihr war nur klar, dass sie sich längst auf ihn gestürzt hätte, um das zweite Frühstück des Tages einzunehmen, wenn nicht Wichtigeres hätte erledigt werden müssen. Wenn sie Corax nicht in Gefahr wähnen würde und alles daran setzen wollte, seinen knackigen Hintern zu retten, ehe er ihn sich verbrennen konnte! Doch es war schwer, vor allem bei dem für sie erkennbar unterdrückten Feuer in den Augen ihres derzeitigen Begleiters.
Es lockte und vor allem reizte es sie, auszuloten, was er benötigte, um lichterloh zu brennen. Oh, wenn sie doch nur ein paar Stunden bis zu ihrem Zuhause in der Kutsche verbringen müssten! Aber so, innerhalb von Andunies gehobenem Viertel, war der Weg nicht lange genug. Das war ihr auch bewusst.
Ebenso wie manch anderes, unter anderem das Verhalten des Schneiders, das sie ansprach. Emmyths Erwiderung ließ sie schlucken und dämpfte erst einmal die Begierde. Ein wenig blass wurde sie um die Nase und suchte nicht länger den direkten Körperkontakt zu ihm. Ja, sie sah sogar aus dem Spalt der Vorhänge hinaus ins Tageslicht und dachte nach.
Nur bedauerlicherweise nicht darüber, was sie ihrer Mutter sagen und wie sie diese überreden wollte, sie zu begleiten, sondern darüber, ob sie sich jemals daran gewöhnen würde, welch eine Bedrohung von den Faelyn-Brüdern ausging. Wie brutal sie voller Selbstverständlichkeit dachten. Ob sie daran etwas ändern, es abschwächen könnte. Und... ob sich das auch irgendwann gegen sie richten würde und sie eigentlich Angst haben müsste vor ihnen, fliehen sollte, solange sie es noch konnte. Wobei sie sich nicht völlig sicher war, ob ihr letzteres tatsächlich noch möglich wäre.
Auf diese Weise war sie vollkommen unvorbereitet, als sie ihr Ziel erreicht hatten und ihre Mutter höchstselbst die Tür öffnete. Aber vorerst ging es auch noch nicht ums Eingemachte, sondern sie wurden begrüßt und wie erwartet, wurde Emmyth für seinen Bruder gehalten. Zumindest dieser Sachverhalt konnte rasch richtig gestellt werden.
Azura konnte der Hausherrin ansehen, wie unwohl diese sich fühlte, und es war keine angenehme Erkenntnis. Trotzdem war es wichtig, dass Aquila blieb, sich alles anhörte und am Ende mit ihnen käme. Somit mussten sie alle da durch. Und um es ihnen etwas leichter zu machen, versuchte die junge Frau, die Stimmung ein wenig zu lockern, was ihre Mutter auch aufgriff.
Prompt machte Azura eine gekonnte Unschuldsmiene. "Hungertuch? Ach was, gewiss nicht beim ersten Einkauf!", wiegelte sie betont unschuldig ab und schenkte der Älteren ein Wimpernklimpern.
Um den nächsten Moment, in dem die Hausherrin abgelenkt war, zu nutzen und Emmyth kindlich die Zunge zu zeigen. Seine Reaktion darauf kam... überraschend. Denn während ihr Rabe gewiss den ernsten, abgeklärten Erwachsenen gemimt hätte, stieg dessen Bruder frech darauf ein und zeigte ihr dasselbe Körperteil. Nur auffälliger, weil in starkem Kontrast zu seiner dunklen Haut, und auch weiter heraus gestreckt. Als wäre das noch nicht genug, beugte er sich zu ihr und raunte ihr Worte entgegen, die sie scharf die Luft einsaugen ließ.
Den einen Moment, den sie noch hatte, bis Aquila fertig wäre, verschlug es ihr zwar die Sprache, aber dafür sprach ihr Blick Bände, dass er das zurück gezahlt bekäme. Wie, das wusste sie noch nicht, jedoch würde sie es sich gewiss merken und er sollte sich nichts darauf einbilden. Schon bei Corax hatte sie stets ein Duell aufgenommen, da würde sie bei seinem Bruder definitiv keine Rücksicht auf dessen Unerfahrenheit nehmen und ihn schonen. Oh ja, ihr würde schon etwas einfallen und er würde seine Frechheit noch bereuen! Wenngleich auf eine Art und Weise, die hoffentlich zu weiteren derartigen Schandtaten führen würde... Denn es machte ja irgendwie auch Spaß und spornte zu noch mehr an.
Jetzt allerdings galt es erst einmal, ihre Mutter einzuweihen in die Pläne für den heutigen Abend. Also griff sie nach deren Händen und bereute, sich nicht konkrete Gedanken zu dem Kommenden gemacht zu haben. Stattdessen musste sie auf ihren eigenen Instinkt und darauf vertrauen, die richtigen Worte spontan zu finden. Dass ihr das anfangs nicht gelang, davon zeugte die Reaktion. Es waren drei Worte, die einschlugen wie eine Bombe.
Azura fuhr wie unter einem Peitschenhieb zusammen und wurde röter als eine reife Tomate aus dem südlichen Jorsa. "Mama!", entkam es ihr keuchend und am liebsten wäre sie im Boden versunken. Wäre der Anlass nicht dermaßen wichtig gewesen... sie wäre womöglich vor dieser unangenehmen, peinlichen Situation geflohen. Das konnte sie zwar nicht, aber ihr Griff wurde dennoch lockerer und sie musste den Blick abwenden. "So schnell geht so was doch gar nicht.", nuschelte sie in sich hinein und merkte nicht, dass sie dabei ins Garmische verfiel.
Indes war auch Emmyth hinter ihr hörbar entsetzt, so sehr, dass die junge Frau ein weiteres Mal stutzte. Corax hatte gestern im Salon diesen Einwand von ihr nicht sonderlich beachtet, sie stattdessen sehr rasch und ziemlich erfolgreich von dieser Sorge abgelenkt. Nur... was, wenn in dieser Nacht etwas entstanden wäre? Würde sie das schon merken können? Würde sie jemals sagen können, wer dann der Vater wäre?
Unter ihren gesenkten Wimpern schielte sie zu Emmyth hinüber. Was würde er dazu sagen und was ihr Rabe? Was und wie viel wollten diese Brüder an ihr teilen? Was wollte sie? Und außerdem... war es überhaupt möglich, dass in dieser Nacht etwas passiert war, über ihre gemeinsame, ausgiebige Lust hinaus? Oder würde sich so etwas bei ihnen sowieso nie einstellen? Die junge Frau wusste viel zu wenig darüber.
Hinzu kam, dass sie selbst schon eine Mischung aus Mensch und Elfe war, wie ihr vor wenigen Tagen erst mitgeteilt worden war. Konnte da eine weitere Rasse überhaupt noch etwas erschaffen oder wäre das dann ein Zuviel an Kreuzung? Viel zu viele Möglichkeiten und Fragen kreisten hinter ihrer Stirn, die ihr obendrein unangenehm waren, sodass sie beschloss, sich davon schleunigst selbst abzulenken.
Dabei ahnte sie nur bedingt die Sorgen ihrer Mutter, genährt von deren Erfahrungen, von denen sie einen Großteil gar nicht mitbekommen hatte. Oder zumindest nicht auf diese Weise, während sie selbst als Bastard durchaus sich mehr hatte behaupten müssen als andere. Allerdings hatte sie es nie derart bedrohlich wahrgenommen, das es sie davon abgehalten hätte, ihren Leidenschaften endlich nachgehen zu wollen.
Obendrein gab es nun wirklich wichtigeres zu bereden und diesen Faden griff sie nun wieder auf, nachdem sie tief durchgeatmet hatte, die Finger schloss sie wieder fester um diejenigen ihrer Mutter. Erneut sprach sie frei von der Leber weg und erreichte ein weiteres Mal eine Reaktion, die sie so nicht hatte provozieren wollen. Scheinbar hatte sie in der letzten Nacht zu wenig geschlafen, so sehr ließ ihr Feingefühl einer Konversation sie im Stich.
Jedoch musste sie ihr Vorhaben auch vorbringen, weswegen sie lediglich auf das Nachhaken nickte und ansonsten nicht mit ihren Worten innehielt, um diese Information sacken zu lassen. Lediglich die Hände, welche die ihren fest drückten, hielt sie unbeirrt fest und auch ihr Lächeln konnte sie beibehalten. Zumindest großteils, denn während sie fortfuhr, zeigte sich ihre Unsicherheit immer mehr, weil sie sich davor fürchtete, ihrer Mutter mehr mit ihrer Bitte abzuverlangen, als diese geben könnte.
Schlussendlich hatte sie es geschafft und hielt mit bebendem Herzen die Luft an, gespannt auf eine erste Reaktion seitens der Hausherrin. Diese schien noch nicht alles begriffen zu haben, denn sie wandte sich an Emmyth und wirkte... ungläubig. Azura seufzte lautlos und drehte ebenfalls den Kopf, um den Dunkelelfen aus dem Augenwinkel ansehen zu können. Wenigstens er schien sich mehr Gedanken über mögliche Szenarien gemacht zu haben als sie, wofür sie ihm im Stillen dankbar war.
So griff sie seinen Faden auf und nickte. "Wir wollen helfen, damit beide rasch zurück sind.", bekräftigte sie. Dann senkte sie den Blick und murmelte in sich hinein:"Und damit ich ihm eigenhändig den Hals umdrehen kann."
Sie war noch immer voller widerstreitender Gefühle darüber, dass Corax allein losgezogen war, doch sie hatte vor allem Angst. Angst um ihn und davor, was wäre, wenn er nicht zurück käme. Hätte sie ihre Hände aus den Fingern ihrer Mutter befreien können, hätte sie nach der Perle gegriffen, die sie gekonnt im Inneren ihres Mieders verborgen nahe an ihrem Herzen trug in der abergläubischen Ansicht, er könne dadurch auch über die Entfernung hinweg ihre Wärme und ihre Liebe für ihn spüren. Als sie diese zuletzt angesehen hatte, war sie unverändert hell gewesen. Hoffentlich hatte sich daran nichts geändert!
Ehe sie jedoch in ihre eigene emotionale Welt versinken konnte, holte die Realität ohne Erbarmen ein, indem ihre Mutter plötzlich an ihr zog und sie gezwungenermaßen folgen musste. Über die Schulter hinweg warf sie Emmyth einen leicht verwirrten Blick zu, als würde er diese Frau sein Lebtag schon kennen und nicht sie. Dann musste sie nach vorne sehen, um nicht zu stolpern und zu straucheln.
Aquila führte ihre Gäste zum vertrauten Musikzimmer und darin bis zum Sofa, auf dem sich Mutter und Tochter zusammen niederließen. Erst jetzt löste sich der Griff und mit einem Mal zeigte die Hausherrin Schwäche, indem sie die Maske fallen ließ und sich in für ihresgleichen intimer Weise vorbeugte. "Mama!", wisperte Azura erschrocken, denn sie hatte den Dunkelelfen keineswegs vergessen.
Sie selbst hatte ein ganz anderes Verhältnis zu ihm und würde ihm gegenüber ebenfalls diese ehrliche Seite zeigen können, wenn es soweit käme. Aber sie sorgte sich um Aquila und darum, dass, wenn diese sich dessen bewusst werden würde, es ihr dann mehr als unangenehm wäre. In dieser Hinsicht also wollte sie ihre Mutter ein wenig schützen und wusste zugleich nicht wie.
Doch die Ältere blieb in ihrer Haltung und ihre Worte ließen auch die Tochter unruhig werden. Sie senkte den Blick, faltete die Hände in ihrem Schoß und seufzte tief. "Es tut mir leid...", wisperte sie mit ungewöhnlich dünnem Stimmchen.
Hatte sie zu viel erbeten? War sie zu ungeschickt gewesen? Nur... wie anders hätte sie es angehen können? Wie sollte sie es allein an diesem Abend schaffen, so vollkommen ohne wirklichen Wissen über das Potential ihrer Familie?
Im Gegensatz zu ihr fand die Hausherrin früher die Sprache zurück und Azura... hörte zu. Sie versuchte es, so gut sie es konnte, und blickte dabei stumm auf ihre ineinander verschlugenen Finger. Lediglich bei der Erwähnung ihres Erzeugers und der Sarmaerin presste sie die Lippen fester aufeinander und ihr Griff wurde härter. Doch sie ließ kein Wort über ihre Lippen dringen, kämpfte wahrlich um Zurückhaltung, weil anderes ihr wichtiger war.
Emmyths Stimme drang letzten Endes aber zu ihr durch und seine Worte halfen auch ihr, sich allmählich zu entspannen. Während ihre Finger sich lockerten, fand sie sogar die Kraft, ihre Kopf zu drehen und zu ihm zu sehen, ihn zu beobachten... und sogar fein zu lächeln. Das hatte er gut gemacht, das war auch ihr klar, ohne dafür zu ihrer Mutter blicken zu müssen, und sie fühlte... ja, was? Stolz? Wärme? Dankbarkeit? Es war wohl eine Mischung daraus.
Auf jeden Fall trat danach Stille ein, so auffällig, dass die junge Frau sich doch zu einer Reaktion bemüßigt fühlte. Zuerst deutete sie dem jungen Faelyn ein Nicken an, um daraufhin sich der Hausherrin zu zuwenden und ihre Hand warm auf die der anderen zu legen. "Mama, ich weiß nicht, wie viel dieser Abend, dieses Fest bringt, wie viel wir damit erreichen können. Aber es ist allemal besser, als nichts zu tun und nur zu warten. Meinst du nicht?", fragte sie leise und sanft, wollte an den Tatendrang von Aquila appelieren, von dem sie selbst so viel abbekommen hatte, ohne ihn oftmals wirklich zügeln zu können.
Da bemerkte sie die verräterischen Tränen glitzern und griff in die verborgene Tasche an ihrem Rock. Verstohlen, um die Würde ihrer Mutter nicht unnötig zu kränken, schummelte sie ein kleines, sauberes Tuch in deren Finger, um ihr daraufhin Zeit zu geben, sich wieder fassen zu können. Währenddessen blieb sie nahe bei ihr sitzen, ohne sie weiter zu bedrängen, denn das würde nichts helfen, sondern im Gegenteil so einiges zunichte machen können.
Trotzdem wurde ihr die Zeit lang und sie fing an, ihren Blick schweifen zu lassen, auf der Suche nach etwas, mit dem sie die bedrückte Stimmung heben könnte. Obwohl sie es nicht bewusst geplant hatte, blieben ihre Augen an der Kredenz hängen, die es in diesem Raum gab, und ihr kam eine Idee. Immerhin wusste Azura darum, dass, für jeden unerwarteten Besuch, naturgemäß in den Besuchsräumen stets ein paar saubere Gläser zur Verfügung standen, für den Fall der Fälle. So natürlich auch hier, im Musikzimmer, verborgen eben in diesem Möbelstück.
Noch ehe ihre Mutter soweit war, sah die junge Frau zu Emmyth und versuchte ihm stumm sowie unauffällig zu signalisieren, dass er ihnen Wein einschenken könnte, um die Zeit zu überbrücken, jenen Wein, den er als zweites Geschenk mitgebracht hatte. Corax wäre sich dafür nicht zu schade gewesen, nachdem er sogar für die beiden Frauen schon gekocht hatte. Doch wie stünde es um seinen jüngeren Bruder? Manchmal gab es intime Zusammenkünfte, auch unter Freunden, in denen keine Dienerschaft erwünscht war, sodass solche Handgriffe selbst gemacht werden mussten. So hatte sie es zumindest bei ihrem Stiefvater erlebt. Wie allerdings war es im Hause Faelyn gehandhabt worden?
Bevor sie jedoch zu sehen bekam, ob er begriffen hatte, reagierte endlich ihre Mutter. Sofort lag Azuras Fokus auf ihr und unwillkürlich hielt sie den Atem an, weil sie spürte, dass nun ein wichtiger Moment auf sie wartete. Aquila nickte und stimmte zu!
Ihrer Tochter fiel ein wahrer Felsbrocken vom Herzen und sie atmete hörbar aus. "Danke!", hauchte sie erleichtert und begann zu strahlen. Nicht so sehr, weil sie ihren Willen bekommen hatte, sondern weil sie froh darüber war, nicht allein auf dieses Fest gehen zu müssen. Ja, Emmyth wäre an ihrer Seite und sie konnte sich gut vorstellen, dass er sie vor allen Gefahren beschützen wollen würde. Aber auch er war wie sie noch sehr grün hinter den Ohren und hatte vom Handel genauso wenig Erfahrung.
Ihre Mutter dagegen... fuhr fort und der jungen Frau entglitten ihre Gesichtszüge. "Was? A... aber... aber ich...", stammelte sie überrumpelt und blickte zu dem Dunkelelfen. Dieser versicherte ihr auch seine Unterstützung, wofür sie ihm dankbar war.
Und dennoch... Sorge schoss in ihr hoch, dieser Anforderung nicht gewachsen zu sein, gefolgt von Angst, anstatt einer Hilfe eine Bedrohung darzustellen, indem sie alles verderben könnte. Ihr Kopf ruckte zurück zu der Hausherrin, die noch immer ihre Hand hielt, als wolle sie das Kind vor einer neuerlichen Flucht abhalten. Tatsächlich war Azura im ersten Atemzug nach fliehen zumute. Sie fühlte sich in eine Position katapultiert, der sie schlichtweg nicht gewachsen war, für die sie nicht vorbereitet worden war, weil... weil ihr nie der Sinn nach dieser Ernsthaftigkeit und dem Sinnvollen gestanden hatte.
Mit weit geöffneten Augen und unsicher flackerndem Blick sah sie ihre Mutter an und jetzt war sie es, die einen äußerst intimen Einblick hinter die Maske bot. "Mama, ich kann das nicht! Ich... ich weiß viel zu wenig darüber! Ich kenne Vaters Kontakte nicht, ich weiß nicht, womit er immer gehandelt hat, nur, dass ihr mich zu den Amazonen schicken wolltet." Nun griff sie mit ihrer freien Hand ebenfalls nach Aquila und der Ausdruck in ihren Augen wurde flehend. "Mama, du bist hier die Händlerin. Du hast die Erfahrung und das Wissen und all das! Du..." In einer gewissen Art von Selbstironie huschte ein schiefes Grinsen über ihre Lippen. "Du bist die Erwachsene.", gestand sie und spürte, wie ihre Wangen rot wurden, als ihr bewusst wurde, mit welcher Erkenntnis für sie das verbunden war.
Auch musste sie die Lider senken, konnte ihrer Mutter nicht länger in die Augen sehen. "Wer würde mich schon ernst nehmen...?", kam es ihr zum Abschluss noch leise und durchaus gequält über die Lippen.
Es mochte ja sein, dass sie wusste, wie man ein Fest plante, welche Speisen es zu kredenzen galt und zu welcher Musikfolge wie getanzt werden konnte. Sie wusste um die andunischen Familien und welche man zusammen setzen durfte oder eben nicht. Ihr war klar, wie sie sich am besten kleidete und bis vor wenigen Monaten ebenso, welche Schnitte und Farben gerade in Mode waren. Aber darüber hinaus?
Nein, wenn Azura ehrlich zu sich selbst war und das war in dieser Situation gerade der Fall, musste sie zugeben, dass ihr Wissen äußerst große Lücken aufwies. So viele, dass ihre Angst, bei diesem wichtigen Anlass zu versagen und dadurch eine Gefahr für ihren Liebsten und ihren Stiefvater darzustellen, viel zu groß war, als dass sich Stolz über das Vertrauen der Anwesenden in sie hätte bilden und ihre Brust schwellen lassen können.
Es war verwerflich, einer Dame absolut unangemessen und irgendwie auch... verkommen. Ob es sie genau deswegen dermaßen faszinierte? Oder lag es daran, dass Emmyth ihr zeigte, was sein älterer Bruder hätte haben können, wenn er nicht als Säugling entführt worden wäre? Dass der Jüngere jene Saiten besaß, die sie an dem anderen vermisste... oder vermissen könnte, weil sie sich dessen noch gar nicht bewusst war?
Azura wusste es nicht. Ihr war nur klar, dass sie sich längst auf ihn gestürzt hätte, um das zweite Frühstück des Tages einzunehmen, wenn nicht Wichtigeres hätte erledigt werden müssen. Wenn sie Corax nicht in Gefahr wähnen würde und alles daran setzen wollte, seinen knackigen Hintern zu retten, ehe er ihn sich verbrennen konnte! Doch es war schwer, vor allem bei dem für sie erkennbar unterdrückten Feuer in den Augen ihres derzeitigen Begleiters.
Es lockte und vor allem reizte es sie, auszuloten, was er benötigte, um lichterloh zu brennen. Oh, wenn sie doch nur ein paar Stunden bis zu ihrem Zuhause in der Kutsche verbringen müssten! Aber so, innerhalb von Andunies gehobenem Viertel, war der Weg nicht lange genug. Das war ihr auch bewusst.
Ebenso wie manch anderes, unter anderem das Verhalten des Schneiders, das sie ansprach. Emmyths Erwiderung ließ sie schlucken und dämpfte erst einmal die Begierde. Ein wenig blass wurde sie um die Nase und suchte nicht länger den direkten Körperkontakt zu ihm. Ja, sie sah sogar aus dem Spalt der Vorhänge hinaus ins Tageslicht und dachte nach.
Nur bedauerlicherweise nicht darüber, was sie ihrer Mutter sagen und wie sie diese überreden wollte, sie zu begleiten, sondern darüber, ob sie sich jemals daran gewöhnen würde, welch eine Bedrohung von den Faelyn-Brüdern ausging. Wie brutal sie voller Selbstverständlichkeit dachten. Ob sie daran etwas ändern, es abschwächen könnte. Und... ob sich das auch irgendwann gegen sie richten würde und sie eigentlich Angst haben müsste vor ihnen, fliehen sollte, solange sie es noch konnte. Wobei sie sich nicht völlig sicher war, ob ihr letzteres tatsächlich noch möglich wäre.
Auf diese Weise war sie vollkommen unvorbereitet, als sie ihr Ziel erreicht hatten und ihre Mutter höchstselbst die Tür öffnete. Aber vorerst ging es auch noch nicht ums Eingemachte, sondern sie wurden begrüßt und wie erwartet, wurde Emmyth für seinen Bruder gehalten. Zumindest dieser Sachverhalt konnte rasch richtig gestellt werden.
Azura konnte der Hausherrin ansehen, wie unwohl diese sich fühlte, und es war keine angenehme Erkenntnis. Trotzdem war es wichtig, dass Aquila blieb, sich alles anhörte und am Ende mit ihnen käme. Somit mussten sie alle da durch. Und um es ihnen etwas leichter zu machen, versuchte die junge Frau, die Stimmung ein wenig zu lockern, was ihre Mutter auch aufgriff.
Prompt machte Azura eine gekonnte Unschuldsmiene. "Hungertuch? Ach was, gewiss nicht beim ersten Einkauf!", wiegelte sie betont unschuldig ab und schenkte der Älteren ein Wimpernklimpern.
Um den nächsten Moment, in dem die Hausherrin abgelenkt war, zu nutzen und Emmyth kindlich die Zunge zu zeigen. Seine Reaktion darauf kam... überraschend. Denn während ihr Rabe gewiss den ernsten, abgeklärten Erwachsenen gemimt hätte, stieg dessen Bruder frech darauf ein und zeigte ihr dasselbe Körperteil. Nur auffälliger, weil in starkem Kontrast zu seiner dunklen Haut, und auch weiter heraus gestreckt. Als wäre das noch nicht genug, beugte er sich zu ihr und raunte ihr Worte entgegen, die sie scharf die Luft einsaugen ließ.
Den einen Moment, den sie noch hatte, bis Aquila fertig wäre, verschlug es ihr zwar die Sprache, aber dafür sprach ihr Blick Bände, dass er das zurück gezahlt bekäme. Wie, das wusste sie noch nicht, jedoch würde sie es sich gewiss merken und er sollte sich nichts darauf einbilden. Schon bei Corax hatte sie stets ein Duell aufgenommen, da würde sie bei seinem Bruder definitiv keine Rücksicht auf dessen Unerfahrenheit nehmen und ihn schonen. Oh ja, ihr würde schon etwas einfallen und er würde seine Frechheit noch bereuen! Wenngleich auf eine Art und Weise, die hoffentlich zu weiteren derartigen Schandtaten führen würde... Denn es machte ja irgendwie auch Spaß und spornte zu noch mehr an.
Jetzt allerdings galt es erst einmal, ihre Mutter einzuweihen in die Pläne für den heutigen Abend. Also griff sie nach deren Händen und bereute, sich nicht konkrete Gedanken zu dem Kommenden gemacht zu haben. Stattdessen musste sie auf ihren eigenen Instinkt und darauf vertrauen, die richtigen Worte spontan zu finden. Dass ihr das anfangs nicht gelang, davon zeugte die Reaktion. Es waren drei Worte, die einschlugen wie eine Bombe.
Azura fuhr wie unter einem Peitschenhieb zusammen und wurde röter als eine reife Tomate aus dem südlichen Jorsa. "Mama!", entkam es ihr keuchend und am liebsten wäre sie im Boden versunken. Wäre der Anlass nicht dermaßen wichtig gewesen... sie wäre womöglich vor dieser unangenehmen, peinlichen Situation geflohen. Das konnte sie zwar nicht, aber ihr Griff wurde dennoch lockerer und sie musste den Blick abwenden. "So schnell geht so was doch gar nicht.", nuschelte sie in sich hinein und merkte nicht, dass sie dabei ins Garmische verfiel.
Indes war auch Emmyth hinter ihr hörbar entsetzt, so sehr, dass die junge Frau ein weiteres Mal stutzte. Corax hatte gestern im Salon diesen Einwand von ihr nicht sonderlich beachtet, sie stattdessen sehr rasch und ziemlich erfolgreich von dieser Sorge abgelenkt. Nur... was, wenn in dieser Nacht etwas entstanden wäre? Würde sie das schon merken können? Würde sie jemals sagen können, wer dann der Vater wäre?
Unter ihren gesenkten Wimpern schielte sie zu Emmyth hinüber. Was würde er dazu sagen und was ihr Rabe? Was und wie viel wollten diese Brüder an ihr teilen? Was wollte sie? Und außerdem... war es überhaupt möglich, dass in dieser Nacht etwas passiert war, über ihre gemeinsame, ausgiebige Lust hinaus? Oder würde sich so etwas bei ihnen sowieso nie einstellen? Die junge Frau wusste viel zu wenig darüber.
Hinzu kam, dass sie selbst schon eine Mischung aus Mensch und Elfe war, wie ihr vor wenigen Tagen erst mitgeteilt worden war. Konnte da eine weitere Rasse überhaupt noch etwas erschaffen oder wäre das dann ein Zuviel an Kreuzung? Viel zu viele Möglichkeiten und Fragen kreisten hinter ihrer Stirn, die ihr obendrein unangenehm waren, sodass sie beschloss, sich davon schleunigst selbst abzulenken.
Dabei ahnte sie nur bedingt die Sorgen ihrer Mutter, genährt von deren Erfahrungen, von denen sie einen Großteil gar nicht mitbekommen hatte. Oder zumindest nicht auf diese Weise, während sie selbst als Bastard durchaus sich mehr hatte behaupten müssen als andere. Allerdings hatte sie es nie derart bedrohlich wahrgenommen, das es sie davon abgehalten hätte, ihren Leidenschaften endlich nachgehen zu wollen.
Obendrein gab es nun wirklich wichtigeres zu bereden und diesen Faden griff sie nun wieder auf, nachdem sie tief durchgeatmet hatte, die Finger schloss sie wieder fester um diejenigen ihrer Mutter. Erneut sprach sie frei von der Leber weg und erreichte ein weiteres Mal eine Reaktion, die sie so nicht hatte provozieren wollen. Scheinbar hatte sie in der letzten Nacht zu wenig geschlafen, so sehr ließ ihr Feingefühl einer Konversation sie im Stich.
Jedoch musste sie ihr Vorhaben auch vorbringen, weswegen sie lediglich auf das Nachhaken nickte und ansonsten nicht mit ihren Worten innehielt, um diese Information sacken zu lassen. Lediglich die Hände, welche die ihren fest drückten, hielt sie unbeirrt fest und auch ihr Lächeln konnte sie beibehalten. Zumindest großteils, denn während sie fortfuhr, zeigte sich ihre Unsicherheit immer mehr, weil sie sich davor fürchtete, ihrer Mutter mehr mit ihrer Bitte abzuverlangen, als diese geben könnte.
Schlussendlich hatte sie es geschafft und hielt mit bebendem Herzen die Luft an, gespannt auf eine erste Reaktion seitens der Hausherrin. Diese schien noch nicht alles begriffen zu haben, denn sie wandte sich an Emmyth und wirkte... ungläubig. Azura seufzte lautlos und drehte ebenfalls den Kopf, um den Dunkelelfen aus dem Augenwinkel ansehen zu können. Wenigstens er schien sich mehr Gedanken über mögliche Szenarien gemacht zu haben als sie, wofür sie ihm im Stillen dankbar war.
So griff sie seinen Faden auf und nickte. "Wir wollen helfen, damit beide rasch zurück sind.", bekräftigte sie. Dann senkte sie den Blick und murmelte in sich hinein:"Und damit ich ihm eigenhändig den Hals umdrehen kann."
Sie war noch immer voller widerstreitender Gefühle darüber, dass Corax allein losgezogen war, doch sie hatte vor allem Angst. Angst um ihn und davor, was wäre, wenn er nicht zurück käme. Hätte sie ihre Hände aus den Fingern ihrer Mutter befreien können, hätte sie nach der Perle gegriffen, die sie gekonnt im Inneren ihres Mieders verborgen nahe an ihrem Herzen trug in der abergläubischen Ansicht, er könne dadurch auch über die Entfernung hinweg ihre Wärme und ihre Liebe für ihn spüren. Als sie diese zuletzt angesehen hatte, war sie unverändert hell gewesen. Hoffentlich hatte sich daran nichts geändert!
Ehe sie jedoch in ihre eigene emotionale Welt versinken konnte, holte die Realität ohne Erbarmen ein, indem ihre Mutter plötzlich an ihr zog und sie gezwungenermaßen folgen musste. Über die Schulter hinweg warf sie Emmyth einen leicht verwirrten Blick zu, als würde er diese Frau sein Lebtag schon kennen und nicht sie. Dann musste sie nach vorne sehen, um nicht zu stolpern und zu straucheln.
Aquila führte ihre Gäste zum vertrauten Musikzimmer und darin bis zum Sofa, auf dem sich Mutter und Tochter zusammen niederließen. Erst jetzt löste sich der Griff und mit einem Mal zeigte die Hausherrin Schwäche, indem sie die Maske fallen ließ und sich in für ihresgleichen intimer Weise vorbeugte. "Mama!", wisperte Azura erschrocken, denn sie hatte den Dunkelelfen keineswegs vergessen.
Sie selbst hatte ein ganz anderes Verhältnis zu ihm und würde ihm gegenüber ebenfalls diese ehrliche Seite zeigen können, wenn es soweit käme. Aber sie sorgte sich um Aquila und darum, dass, wenn diese sich dessen bewusst werden würde, es ihr dann mehr als unangenehm wäre. In dieser Hinsicht also wollte sie ihre Mutter ein wenig schützen und wusste zugleich nicht wie.
Doch die Ältere blieb in ihrer Haltung und ihre Worte ließen auch die Tochter unruhig werden. Sie senkte den Blick, faltete die Hände in ihrem Schoß und seufzte tief. "Es tut mir leid...", wisperte sie mit ungewöhnlich dünnem Stimmchen.
Hatte sie zu viel erbeten? War sie zu ungeschickt gewesen? Nur... wie anders hätte sie es angehen können? Wie sollte sie es allein an diesem Abend schaffen, so vollkommen ohne wirklichen Wissen über das Potential ihrer Familie?
Im Gegensatz zu ihr fand die Hausherrin früher die Sprache zurück und Azura... hörte zu. Sie versuchte es, so gut sie es konnte, und blickte dabei stumm auf ihre ineinander verschlugenen Finger. Lediglich bei der Erwähnung ihres Erzeugers und der Sarmaerin presste sie die Lippen fester aufeinander und ihr Griff wurde härter. Doch sie ließ kein Wort über ihre Lippen dringen, kämpfte wahrlich um Zurückhaltung, weil anderes ihr wichtiger war.
Emmyths Stimme drang letzten Endes aber zu ihr durch und seine Worte halfen auch ihr, sich allmählich zu entspannen. Während ihre Finger sich lockerten, fand sie sogar die Kraft, ihre Kopf zu drehen und zu ihm zu sehen, ihn zu beobachten... und sogar fein zu lächeln. Das hatte er gut gemacht, das war auch ihr klar, ohne dafür zu ihrer Mutter blicken zu müssen, und sie fühlte... ja, was? Stolz? Wärme? Dankbarkeit? Es war wohl eine Mischung daraus.
Auf jeden Fall trat danach Stille ein, so auffällig, dass die junge Frau sich doch zu einer Reaktion bemüßigt fühlte. Zuerst deutete sie dem jungen Faelyn ein Nicken an, um daraufhin sich der Hausherrin zu zuwenden und ihre Hand warm auf die der anderen zu legen. "Mama, ich weiß nicht, wie viel dieser Abend, dieses Fest bringt, wie viel wir damit erreichen können. Aber es ist allemal besser, als nichts zu tun und nur zu warten. Meinst du nicht?", fragte sie leise und sanft, wollte an den Tatendrang von Aquila appelieren, von dem sie selbst so viel abbekommen hatte, ohne ihn oftmals wirklich zügeln zu können.
Da bemerkte sie die verräterischen Tränen glitzern und griff in die verborgene Tasche an ihrem Rock. Verstohlen, um die Würde ihrer Mutter nicht unnötig zu kränken, schummelte sie ein kleines, sauberes Tuch in deren Finger, um ihr daraufhin Zeit zu geben, sich wieder fassen zu können. Währenddessen blieb sie nahe bei ihr sitzen, ohne sie weiter zu bedrängen, denn das würde nichts helfen, sondern im Gegenteil so einiges zunichte machen können.
Trotzdem wurde ihr die Zeit lang und sie fing an, ihren Blick schweifen zu lassen, auf der Suche nach etwas, mit dem sie die bedrückte Stimmung heben könnte. Obwohl sie es nicht bewusst geplant hatte, blieben ihre Augen an der Kredenz hängen, die es in diesem Raum gab, und ihr kam eine Idee. Immerhin wusste Azura darum, dass, für jeden unerwarteten Besuch, naturgemäß in den Besuchsräumen stets ein paar saubere Gläser zur Verfügung standen, für den Fall der Fälle. So natürlich auch hier, im Musikzimmer, verborgen eben in diesem Möbelstück.
Noch ehe ihre Mutter soweit war, sah die junge Frau zu Emmyth und versuchte ihm stumm sowie unauffällig zu signalisieren, dass er ihnen Wein einschenken könnte, um die Zeit zu überbrücken, jenen Wein, den er als zweites Geschenk mitgebracht hatte. Corax wäre sich dafür nicht zu schade gewesen, nachdem er sogar für die beiden Frauen schon gekocht hatte. Doch wie stünde es um seinen jüngeren Bruder? Manchmal gab es intime Zusammenkünfte, auch unter Freunden, in denen keine Dienerschaft erwünscht war, sodass solche Handgriffe selbst gemacht werden mussten. So hatte sie es zumindest bei ihrem Stiefvater erlebt. Wie allerdings war es im Hause Faelyn gehandhabt worden?
Bevor sie jedoch zu sehen bekam, ob er begriffen hatte, reagierte endlich ihre Mutter. Sofort lag Azuras Fokus auf ihr und unwillkürlich hielt sie den Atem an, weil sie spürte, dass nun ein wichtiger Moment auf sie wartete. Aquila nickte und stimmte zu!
Ihrer Tochter fiel ein wahrer Felsbrocken vom Herzen und sie atmete hörbar aus. "Danke!", hauchte sie erleichtert und begann zu strahlen. Nicht so sehr, weil sie ihren Willen bekommen hatte, sondern weil sie froh darüber war, nicht allein auf dieses Fest gehen zu müssen. Ja, Emmyth wäre an ihrer Seite und sie konnte sich gut vorstellen, dass er sie vor allen Gefahren beschützen wollen würde. Aber auch er war wie sie noch sehr grün hinter den Ohren und hatte vom Handel genauso wenig Erfahrung.
Ihre Mutter dagegen... fuhr fort und der jungen Frau entglitten ihre Gesichtszüge. "Was? A... aber... aber ich...", stammelte sie überrumpelt und blickte zu dem Dunkelelfen. Dieser versicherte ihr auch seine Unterstützung, wofür sie ihm dankbar war.
Und dennoch... Sorge schoss in ihr hoch, dieser Anforderung nicht gewachsen zu sein, gefolgt von Angst, anstatt einer Hilfe eine Bedrohung darzustellen, indem sie alles verderben könnte. Ihr Kopf ruckte zurück zu der Hausherrin, die noch immer ihre Hand hielt, als wolle sie das Kind vor einer neuerlichen Flucht abhalten. Tatsächlich war Azura im ersten Atemzug nach fliehen zumute. Sie fühlte sich in eine Position katapultiert, der sie schlichtweg nicht gewachsen war, für die sie nicht vorbereitet worden war, weil... weil ihr nie der Sinn nach dieser Ernsthaftigkeit und dem Sinnvollen gestanden hatte.
Mit weit geöffneten Augen und unsicher flackerndem Blick sah sie ihre Mutter an und jetzt war sie es, die einen äußerst intimen Einblick hinter die Maske bot. "Mama, ich kann das nicht! Ich... ich weiß viel zu wenig darüber! Ich kenne Vaters Kontakte nicht, ich weiß nicht, womit er immer gehandelt hat, nur, dass ihr mich zu den Amazonen schicken wolltet." Nun griff sie mit ihrer freien Hand ebenfalls nach Aquila und der Ausdruck in ihren Augen wurde flehend. "Mama, du bist hier die Händlerin. Du hast die Erfahrung und das Wissen und all das! Du..." In einer gewissen Art von Selbstironie huschte ein schiefes Grinsen über ihre Lippen. "Du bist die Erwachsene.", gestand sie und spürte, wie ihre Wangen rot wurden, als ihr bewusst wurde, mit welcher Erkenntnis für sie das verbunden war.
Auch musste sie die Lider senken, konnte ihrer Mutter nicht länger in die Augen sehen. "Wer würde mich schon ernst nehmen...?", kam es ihr zum Abschluss noch leise und durchaus gequält über die Lippen.
Es mochte ja sein, dass sie wusste, wie man ein Fest plante, welche Speisen es zu kredenzen galt und zu welcher Musikfolge wie getanzt werden konnte. Sie wusste um die andunischen Familien und welche man zusammen setzen durfte oder eben nicht. Ihr war klar, wie sie sich am besten kleidete und bis vor wenigen Monaten ebenso, welche Schnitte und Farben gerade in Mode waren. Aber darüber hinaus?
Nein, wenn Azura ehrlich zu sich selbst war und das war in dieser Situation gerade der Fall, musste sie zugeben, dass ihr Wissen äußerst große Lücken aufwies. So viele, dass ihre Angst, bei diesem wichtigen Anlass zu versagen und dadurch eine Gefahr für ihren Liebsten und ihren Stiefvater darzustellen, viel zu groß war, als dass sich Stolz über das Vertrauen der Anwesenden in sie hätte bilden und ihre Brust schwellen lassen können.

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Emmyth erwies ein äußerst feinfühliges Händchen im Umgang mit Aquila van Ikari. Dass sie höchstselbst die Tür öffnete, weil das Anwesen keine Dienerschaft mehr vorzuweisen hatte überging er ebenso wie die stürmische Umarmung der Mutter an ihre Tochter. Er hielt sich im Hintergrund, schwieg, aber beobachtete. Und er wusste mit Raffinesse im richtigen Moment kluge Worte zu wählen, die sowohl Aquilas Sorge als auch ihr Misstrauen gegenüber den Dunkelelfen abschwächte. Nun, nicht allen. Pauschal konnte sie das nicht tun, solange ihr Gatte sich im Gewahrsam er Eroberer befand. Aber sie konnte darüber hinwegsehen, dass das Haus Faelyn ebenfalls zu den dunklen Spitzohren gehörte. Das hatte sie bei Corax geschafft und es schien nun auch bei seinem jüngeren Bruder zu gelingen. Denn Aquila van Ikari stimmte zu, an den Festivitäten im Haus Faelyn teilzunehmen. Sie stellte jedoch eine Bedingung: Azura sollte die Verhandlungen führen. Sie sollte es sein, die sprach, Kontakte künpfte und diese festigte. Somit legte Aquila das Schicksal ihres Mannes und Azuras Ziehvater vollkommen in ihre Hände!
Da kam es ihr vermutlich gerade Recht, dass Emmyth ihrer stummen Aufforderung gefolgt war, um die Gläser des bereitgestellten Gedecks zu füllen. Er griff dabei nicht nach dem geschenkten Wein, denn jenen hatte Aquila zusammen mit den Blumen im Hausflur zurückgelassen. Stattdessen bediente er sich bei der Auswahl bereitgestellter Getränke. Bei den meisten handelte es sich um andunischen Apfel- oder Schaumwein verschiedener Jahrgänge, aber Aquila ließ sich seit je her auch stets einen milden Rosé bereitstellen. Sie mochte den lieblichen Duft mehr denn dessen Geschmack, aber es zählte mitunter trotzdem zu ihren Lieblingsgetränken. Emmyth entschied sich auch dafür und so füllte die Gläser bald der lachsrosa Glanz, während sich knapp darüber dessen sanftes Aroma von Holunder ausbreitete. Mit den Gläsern auf einem Tablett trat er an beide Frauen heran, stellte ihnen jeweils ein Getränk auf dem niedrigen Tisch ab und setzte sich anschließend mit leichtem Abstand zu beiden auf einen der Sessel. Er prostete ihnen zu. Aquila erwiderte es mit leichtem Zögern. Letztendlich war die angelernte Etikette der Grund, weshalb sie es überhaupt tat. Azura kämpfte derweil noch immer mit der vor ihr liegenden Bedingung. Ihre Mutter würde an den Festlichkeiten nur teilnehmen, wenn sie - ihre Tochter - die Verhandlungen führte. Daran hatte sie arg zu knabbern, denn auch wenn sie sich stets als den Nabel der Welt gab und diesem auch das höchste Maß an Wissen zuordnete, so wusste doch niemand besser über ihre mangelnden Qualifikationen Bescheid als sie selbst.
"Mama, ich kann das nicht!" Sie starrte ihre Mutter an. Aquila erwiderte den Blick mit verweinten, aber strengen Augen. Sie ruckte das Kinn etwas vor, hob es an. "Du verlangst von mir ebenfalls Dinge, von denen ich behaupten würde, ihnen nicht gewachsen zu sein", konterte sie und Azura würde ihr wohl Recht geben müssen. Sie hatte schon vor dem Gespräch gewusst, was sie sich da wünschte. Aquila würde sich mitten unter die Dunkelelfen begeben und es wäre gewiss nicht leicht für sie. Vielleicht könnte sie es auch nicht so einfach, aber sie zwang sich, weil sie den Nutzen darin sah und es versuchte, es durchzuziehen mit allem Pragmatismus, den sie aufbringen konnte. Natürlich erwartete sie dann auch von ihrem eigen Fleisch und Blut Ähnliches. Azura zweifelte jedoch weiterhin. "Ich ... ich weiß viel zu wenig darüber! Ich kenne Vaters Kontakte nicht, ich weiß nicht, womit er immer gehandelt hat, nur, dass ihr mich zu den Amazonen schicken wolltet."
"Und ich bin sicher, das Vorhaben ist noch nicht vom Tisch, Kind. Er traut es dir zu und gerade die Amazonen sind recht umgänglich - wenn man ihnen eine Handelspartnerin schickt. Außerdem musst du früher oder später anfangen, dich als Kauffrau nützlich zu machen, wenn du die Aufgabe schon keinem Ehemann überlassen kannst." Aquila stach hier mit heißer Messerspitze in eine Wunde, die schon über Jahre offen lag, aber bislang auch ohne jegliche Behandlung nicht weiter aufgerissen war. Nun schien die eigene Mutter entzündliche Fremdkörper darin verteilen zu wollen. Im Grunde aber meinte sie es nur gut. Sie und Alycide hatten sich über Jahre hinweg bemüht, einen Debütantinnenball nach dem anderen zu veranstalten, Galane aus Andunie und aller Welt dorthin einzuladen und ihrer Tochter vorzustellen. Azura hatte mit jedem von ihnen gespielt, sie letztendlich aber abgewiesen und bereits Mode, Musik und Häppchen für den nächsten Ball geplant, ehe der laufende überhaupt beendet war. Es war Teil ihres Lebensstils gewesen und schlussendlich für sie nur kindliches Spiel. Vielleicht hatte sie auch ihre Eltern damit ein wenig ärgern wollen wie es viele ihres damaligen Alters taten. Rebellisches Verhalten gab es auch in Adelskreisen. Emmyth bewies es und der stammte nicht einmal aus Andunie!
Aber wieviel Ernst hinter all der Planung und Durchführung solcher Tanzbälle eigentlich steckte, das mochte ihr jetzt erst bewusst werden. Ihre Eltern hatten ihr einen guten Mann an die Seite stellen wollen. Jemand, der nicht nur das Erbe des eigenen Hauses antrat, sondern auch jenes der van Ikaris aufnahm. Azura hätte ihn beratend unterstützen oder sich aus allem heraushalten können, um sich voll und ganz der Aufzucht des eigenen Nachwuches zu stellen. Sie hätte Freiheiten haben können, deren einziger Preis es gewesen wäre, eine arrangierte Ehe einzugehen. Und Alycide, sowie Aquila waren stets bemüht gewesen, ihr zumindest nicht den hässlichsten, ältesten oder in seiner Erziehung fragwürdigen Tunichtgut von Adelsspross zuzuordnen. Sie hatten genau abgewägt, welcher Kandidat in Frage käme und anfangs sogar darauf geachtet, dass er Azuras Interessen teilte. Sie rechneten nicht mit der großen Liebe auf beiden Seiten, wohl aber mit einer Ehe auf Augenhöhe. Nichts hatte gefruchtet und damit ihr Kind nicht als skandalöse alte Jungfer in Andunies Geschichte einging, war Alycide dazu übergegangen, sie auf eine Karriere als Kauffrau vorzubereiten. Natürlich hatte er sich Zeit gelassen und vieles ohne Azuras Wissen im Hintergrund schon einmal vorbereitet. Schlussendlich bewies seine Entscheidung, sie zu den Amazonen zu schicken, um dort Handel zu treiben jedoch genau, was er für sie vorsah. Es war der letzte Ausweg für eine Frau, die sich an keinen adligen Gatten binden wollte. Und nun schlug ihr Herz für einen Dunkelelfen, dessen Lebensweg den eines Sklaven gegangen war! Zum Glück wusste ihre Mutter über die Details nicht Bescheid. Sie sah nur dessen Bruder - zwar immer noch Dunkelelf, aber von adligem Geblüt. Das war zumindest ein erster Schritt, aber Corax war weder anwesend, noch hatte er bislang um die Hand der van Ikari Tochter gebeten. Also folgte die Mutter zunächst den Plänen ihres Mannes. Azura brauchte einen Karriereweg als Kauffrau, wenn es keinen anderen für sie gäbe. Aquila würde sie nun auch darauf vorbereiten, selbst wenn es hieß, im Kampf um die Rettung ihres Gatten alles von ihrem Kind abhängig zu machen. Wenn Azura scheiterte...
Genau das bereitete der Andunierin größte Sorge. So versuchte sie es ein letztes Mal, an ihre Mutter zu appellieren. "Mama, du bist hier die Händlerin. Du hast die Erfahrung und das Wissen und all das! Du ... Du bist die Erwachsene." Azura versuchte es mit einem selbstironischen Lächeln, aber sie sah es schlichtweg an Aquilas unveränderter Miene abprallen. Außerdem spürte sie die Röte in ihre Wangen steigen. Nichts schien zu helfen. Ihre Mutter rückte nicht von der Bedingung ab. So streng hatte Azura sie noch nie erlebt. Umso deutlicher unterstrich es, worum es bei alldem ging. Aber genau das bereitete ihr ja Bedenken, ganz im Gegensatz zu Aquila. Jene drückte die Hände ihrer Tochter, nachdem sie sich einen letzten Schluck aus dem Glas gegönnt hatte.
"Wer würde mich schon ernst nehmen...?", murmelte Azura in einem Anflug von Unsicherheit und Verzweiflung. Doch Aquila blieb hart. Sie erwiderte sogar recht scharf für ihre Verhältnisse: "Darum geht es doch! Du darfst niemals erwarten, dass sie es tun. Gerade im Adel, wo Frauen ohnehin nur als Zierde gelten. Du musst diesen Männern zeigen, dass hinter jeder ihrer Entscheidungen eine Gattin steht, die alles organisiert und überwacht. Ha, wenn du wüsstest, wieviel dein Vater kaufmännisch unternimmt und wieviel mehr an mir hängen bleibt! Ich führe sämtliche Finanzen, setze die Verträge auf, die er nur unterschreibt! So sieht es aus, Azura. Dich wird auf diesem Fest niemand ernst nehmen. Deshalb musst du dir Gehör verschaffen und genau das erwarte ich nun von dir. Außerdem..." Sowohl ihr Blick als auch ihre Stimme nahmen an Milde zu. Außerdem strich sie mit ihrem Daumen in kreisenden Bewegungen über den Handrücken der Tochter. "Ich bin ja nicht aus der Welt. Ich habe zugesagt, an diesem Fest teilzunehmen. Ich werde natürlich an deiner Seite bleiben. Es wird nicht einmal Verdacht wecken, da ich als deine Mutter natürlich auch Anstandsdame sein werde. Wann immer du strauchelst, kannst du auf mein Wissen und meine Erfahrung zurückgreifen. Ich werde dir schon das eine oder andere zuflüstern." Ihr Blick schweifte ab, hinüber zu Emmyth. Jener hatte sich bisher nicht mehr eingemischt, wohl aber alles sehr aufmerksam beobachtet. Er richtete sich im Sessel auf, als die Augen der Älteren auf ihm ruhten. Das Glas stellte nun auch er beiseite. "Außerdem habe ich den Eindruck, dass ich nicht die einzige Unterstützung sein werde. Gerade gegenüber ... anderen Kulturen brauchen wir jemanden, der sich zwischen ihnen zu bewegen weiß."
"Seid versichert, Verehrteste, dass ich Eure Schönheit von Tochter mit gekonnten Tanzschritten über dieses dunkle Parkett führen werde." Emmyth zwinkerte Azura zu. "Außerdem wird dir kaum jemand wirklich zuhören, wenn du das Kleid trägst, das ich in Auftrag gegeben habe. Sie werden keine Andunierin sehen, die zu ihnen spricht." Aquila hob fragend die Brauen. Neugier packte sie, aber sie hielt sich zurück. Ihre Erfahrung verriet ihr, dass Emmyth noch mit dem Geheimnis herausrücken würde und sie behielt Recht. Er grinste auf. "Sie werden eine Feenkönigin antreffen, die zu verzaubern weiß." Und als er diese Worte aussprache, konnte Azura erneut dieses Feuer in seinen Augen erkennen, dem Begehren innewohnte und das seine Rubine hellrot zum Leuchten brachte.
Da kam es ihr vermutlich gerade Recht, dass Emmyth ihrer stummen Aufforderung gefolgt war, um die Gläser des bereitgestellten Gedecks zu füllen. Er griff dabei nicht nach dem geschenkten Wein, denn jenen hatte Aquila zusammen mit den Blumen im Hausflur zurückgelassen. Stattdessen bediente er sich bei der Auswahl bereitgestellter Getränke. Bei den meisten handelte es sich um andunischen Apfel- oder Schaumwein verschiedener Jahrgänge, aber Aquila ließ sich seit je her auch stets einen milden Rosé bereitstellen. Sie mochte den lieblichen Duft mehr denn dessen Geschmack, aber es zählte mitunter trotzdem zu ihren Lieblingsgetränken. Emmyth entschied sich auch dafür und so füllte die Gläser bald der lachsrosa Glanz, während sich knapp darüber dessen sanftes Aroma von Holunder ausbreitete. Mit den Gläsern auf einem Tablett trat er an beide Frauen heran, stellte ihnen jeweils ein Getränk auf dem niedrigen Tisch ab und setzte sich anschließend mit leichtem Abstand zu beiden auf einen der Sessel. Er prostete ihnen zu. Aquila erwiderte es mit leichtem Zögern. Letztendlich war die angelernte Etikette der Grund, weshalb sie es überhaupt tat. Azura kämpfte derweil noch immer mit der vor ihr liegenden Bedingung. Ihre Mutter würde an den Festlichkeiten nur teilnehmen, wenn sie - ihre Tochter - die Verhandlungen führte. Daran hatte sie arg zu knabbern, denn auch wenn sie sich stets als den Nabel der Welt gab und diesem auch das höchste Maß an Wissen zuordnete, so wusste doch niemand besser über ihre mangelnden Qualifikationen Bescheid als sie selbst.
"Mama, ich kann das nicht!" Sie starrte ihre Mutter an. Aquila erwiderte den Blick mit verweinten, aber strengen Augen. Sie ruckte das Kinn etwas vor, hob es an. "Du verlangst von mir ebenfalls Dinge, von denen ich behaupten würde, ihnen nicht gewachsen zu sein", konterte sie und Azura würde ihr wohl Recht geben müssen. Sie hatte schon vor dem Gespräch gewusst, was sie sich da wünschte. Aquila würde sich mitten unter die Dunkelelfen begeben und es wäre gewiss nicht leicht für sie. Vielleicht könnte sie es auch nicht so einfach, aber sie zwang sich, weil sie den Nutzen darin sah und es versuchte, es durchzuziehen mit allem Pragmatismus, den sie aufbringen konnte. Natürlich erwartete sie dann auch von ihrem eigen Fleisch und Blut Ähnliches. Azura zweifelte jedoch weiterhin. "Ich ... ich weiß viel zu wenig darüber! Ich kenne Vaters Kontakte nicht, ich weiß nicht, womit er immer gehandelt hat, nur, dass ihr mich zu den Amazonen schicken wolltet."
"Und ich bin sicher, das Vorhaben ist noch nicht vom Tisch, Kind. Er traut es dir zu und gerade die Amazonen sind recht umgänglich - wenn man ihnen eine Handelspartnerin schickt. Außerdem musst du früher oder später anfangen, dich als Kauffrau nützlich zu machen, wenn du die Aufgabe schon keinem Ehemann überlassen kannst." Aquila stach hier mit heißer Messerspitze in eine Wunde, die schon über Jahre offen lag, aber bislang auch ohne jegliche Behandlung nicht weiter aufgerissen war. Nun schien die eigene Mutter entzündliche Fremdkörper darin verteilen zu wollen. Im Grunde aber meinte sie es nur gut. Sie und Alycide hatten sich über Jahre hinweg bemüht, einen Debütantinnenball nach dem anderen zu veranstalten, Galane aus Andunie und aller Welt dorthin einzuladen und ihrer Tochter vorzustellen. Azura hatte mit jedem von ihnen gespielt, sie letztendlich aber abgewiesen und bereits Mode, Musik und Häppchen für den nächsten Ball geplant, ehe der laufende überhaupt beendet war. Es war Teil ihres Lebensstils gewesen und schlussendlich für sie nur kindliches Spiel. Vielleicht hatte sie auch ihre Eltern damit ein wenig ärgern wollen wie es viele ihres damaligen Alters taten. Rebellisches Verhalten gab es auch in Adelskreisen. Emmyth bewies es und der stammte nicht einmal aus Andunie!
Aber wieviel Ernst hinter all der Planung und Durchführung solcher Tanzbälle eigentlich steckte, das mochte ihr jetzt erst bewusst werden. Ihre Eltern hatten ihr einen guten Mann an die Seite stellen wollen. Jemand, der nicht nur das Erbe des eigenen Hauses antrat, sondern auch jenes der van Ikaris aufnahm. Azura hätte ihn beratend unterstützen oder sich aus allem heraushalten können, um sich voll und ganz der Aufzucht des eigenen Nachwuches zu stellen. Sie hätte Freiheiten haben können, deren einziger Preis es gewesen wäre, eine arrangierte Ehe einzugehen. Und Alycide, sowie Aquila waren stets bemüht gewesen, ihr zumindest nicht den hässlichsten, ältesten oder in seiner Erziehung fragwürdigen Tunichtgut von Adelsspross zuzuordnen. Sie hatten genau abgewägt, welcher Kandidat in Frage käme und anfangs sogar darauf geachtet, dass er Azuras Interessen teilte. Sie rechneten nicht mit der großen Liebe auf beiden Seiten, wohl aber mit einer Ehe auf Augenhöhe. Nichts hatte gefruchtet und damit ihr Kind nicht als skandalöse alte Jungfer in Andunies Geschichte einging, war Alycide dazu übergegangen, sie auf eine Karriere als Kauffrau vorzubereiten. Natürlich hatte er sich Zeit gelassen und vieles ohne Azuras Wissen im Hintergrund schon einmal vorbereitet. Schlussendlich bewies seine Entscheidung, sie zu den Amazonen zu schicken, um dort Handel zu treiben jedoch genau, was er für sie vorsah. Es war der letzte Ausweg für eine Frau, die sich an keinen adligen Gatten binden wollte. Und nun schlug ihr Herz für einen Dunkelelfen, dessen Lebensweg den eines Sklaven gegangen war! Zum Glück wusste ihre Mutter über die Details nicht Bescheid. Sie sah nur dessen Bruder - zwar immer noch Dunkelelf, aber von adligem Geblüt. Das war zumindest ein erster Schritt, aber Corax war weder anwesend, noch hatte er bislang um die Hand der van Ikari Tochter gebeten. Also folgte die Mutter zunächst den Plänen ihres Mannes. Azura brauchte einen Karriereweg als Kauffrau, wenn es keinen anderen für sie gäbe. Aquila würde sie nun auch darauf vorbereiten, selbst wenn es hieß, im Kampf um die Rettung ihres Gatten alles von ihrem Kind abhängig zu machen. Wenn Azura scheiterte...
Genau das bereitete der Andunierin größte Sorge. So versuchte sie es ein letztes Mal, an ihre Mutter zu appellieren. "Mama, du bist hier die Händlerin. Du hast die Erfahrung und das Wissen und all das! Du ... Du bist die Erwachsene." Azura versuchte es mit einem selbstironischen Lächeln, aber sie sah es schlichtweg an Aquilas unveränderter Miene abprallen. Außerdem spürte sie die Röte in ihre Wangen steigen. Nichts schien zu helfen. Ihre Mutter rückte nicht von der Bedingung ab. So streng hatte Azura sie noch nie erlebt. Umso deutlicher unterstrich es, worum es bei alldem ging. Aber genau das bereitete ihr ja Bedenken, ganz im Gegensatz zu Aquila. Jene drückte die Hände ihrer Tochter, nachdem sie sich einen letzten Schluck aus dem Glas gegönnt hatte.
"Wer würde mich schon ernst nehmen...?", murmelte Azura in einem Anflug von Unsicherheit und Verzweiflung. Doch Aquila blieb hart. Sie erwiderte sogar recht scharf für ihre Verhältnisse: "Darum geht es doch! Du darfst niemals erwarten, dass sie es tun. Gerade im Adel, wo Frauen ohnehin nur als Zierde gelten. Du musst diesen Männern zeigen, dass hinter jeder ihrer Entscheidungen eine Gattin steht, die alles organisiert und überwacht. Ha, wenn du wüsstest, wieviel dein Vater kaufmännisch unternimmt und wieviel mehr an mir hängen bleibt! Ich führe sämtliche Finanzen, setze die Verträge auf, die er nur unterschreibt! So sieht es aus, Azura. Dich wird auf diesem Fest niemand ernst nehmen. Deshalb musst du dir Gehör verschaffen und genau das erwarte ich nun von dir. Außerdem..." Sowohl ihr Blick als auch ihre Stimme nahmen an Milde zu. Außerdem strich sie mit ihrem Daumen in kreisenden Bewegungen über den Handrücken der Tochter. "Ich bin ja nicht aus der Welt. Ich habe zugesagt, an diesem Fest teilzunehmen. Ich werde natürlich an deiner Seite bleiben. Es wird nicht einmal Verdacht wecken, da ich als deine Mutter natürlich auch Anstandsdame sein werde. Wann immer du strauchelst, kannst du auf mein Wissen und meine Erfahrung zurückgreifen. Ich werde dir schon das eine oder andere zuflüstern." Ihr Blick schweifte ab, hinüber zu Emmyth. Jener hatte sich bisher nicht mehr eingemischt, wohl aber alles sehr aufmerksam beobachtet. Er richtete sich im Sessel auf, als die Augen der Älteren auf ihm ruhten. Das Glas stellte nun auch er beiseite. "Außerdem habe ich den Eindruck, dass ich nicht die einzige Unterstützung sein werde. Gerade gegenüber ... anderen Kulturen brauchen wir jemanden, der sich zwischen ihnen zu bewegen weiß."
"Seid versichert, Verehrteste, dass ich Eure Schönheit von Tochter mit gekonnten Tanzschritten über dieses dunkle Parkett führen werde." Emmyth zwinkerte Azura zu. "Außerdem wird dir kaum jemand wirklich zuhören, wenn du das Kleid trägst, das ich in Auftrag gegeben habe. Sie werden keine Andunierin sehen, die zu ihnen spricht." Aquila hob fragend die Brauen. Neugier packte sie, aber sie hielt sich zurück. Ihre Erfahrung verriet ihr, dass Emmyth noch mit dem Geheimnis herausrücken würde und sie behielt Recht. Er grinste auf. "Sie werden eine Feenkönigin antreffen, die zu verzaubern weiß." Und als er diese Worte aussprache, konnte Azura erneut dieses Feuer in seinen Augen erkennen, dem Begehren innewohnte und das seine Rubine hellrot zum Leuchten brachte.

- Azura
- Spieler-Charakter
- Beiträge: 462
- Registriert: Freitag 15. April 2011, 20:33
- Moderator des Spielers: Kazel Tenebrée
- Steckbrief: Zum Steckbrief
- Rasse: Mensch/Elf
- Sprachen: Garmisch
Sendli - Beruf: adelige Tochter
- Fähigkeiten: Lesen und schreiben
sich präsentieren
Wassermagie unausgebildet/ungefördert - Lebensenergie:
- Geld: 0D, 0L, 0F
- Ausrüstung: das, was sie am Leib trägt
- Zum Vorzeigen: [br][/br]
Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Die junge Frau war im Stillen erleichtert und dankbar dafür, dass ihr Begleiter ein gutes Gespür hatte, wie er mit ihrer Mutter zu reden hatte, um sie zu beruhigen. Auch Corax war es gelungen, die Hausherrin von sich zu überzeugen, wenngleich auf andere Art und Weise, doch der Jüngere war es, der es auf Augenhöhe zu tun vermochte.
Ob er sich während all der Vorbereitungen des Vormittags über Gedanken über diese Begegnung gemacht hatte, im Gegensatz zu ihr? Ja, wahrscheinlich, schließlich hatte er sogar an Geschenke gedacht. Auf der anderen Seite hatte er mit Frauen bislang nicht viel zu tun gehabt, vor allem nicht mit potentiellen Schwiegermüttern. Oder etwa doch? Und wann war seine eigene Mutter eigentlich verstorben? Sie hatte ihn bislang noch nicht danach zu fragen gewagt und nun war gleichfalls nicht der rechte Moment dazu.
Ohnehin wurden ihre Gedanken in eine andere Richtung gelenkt, als sie das Musikzimmer erreicht und dort Platz genommen hatten. Zuerst kam es zu einem Erfolg, denn Aquila stimmte dem Festbesuch tatsächlich zu. Deren Tochter fiel ein tonnenschwerer Stein vom Herzen und sie wähnte sich schon in Sicherheit, als die Bedingung dafür folgte, die es für sie in sich hatte.
Schließlich hatte sie es sich anders vorgestellt, dass sie für die Unterhaltung sorgte und diese genießen konnte, während ihre Mutter dank deren Wissen und Erfahrung zu gegebener Zeit die Verhandlungen führen würde. Jetzt hingegen wurde von ihr, der Jüngeren und Unerfahrenen genau diese Position verlangt!
Angst stieg in ihr auf, denn dieser Abend wäre viel zu wichtig, als dass es geeignet wäre für ihren Einstieg. Immerhin ginge es hier darum, einen Beitrag dazu zu leisten, ihren Raben nicht in sein Verderben rennen zu lassen und zugleich ihren Stiefvater zu befreien. Wäre es lediglich ein kleines Handelsbündnis, das sie schließen wollten, dann würde sie es vielleicht wagen. Ebenso wie diese Reise zu den Amazonen, mit der Aussicht darauf, mehrere Gespräche führen zu können, in denen es zu überzeugen ginge. Jedoch... nur dieser eine Abend, inmitten von fast ausschließlich fremden Dunkelelfen, bei dessen Ausgang Leben abhingen und nicht lediglich neue Geschäftsmöglichkeiten? Nein, das war viel zu viel und zu bedeutend, das konnte sie einfach nicht riskieren!
Durch diese innere Aufgewühltheit regaierte sie nur unbewusst darauf, dass Emmyth ihrer stummen Bitte nachgekommen und ihnen eingeschenkt hatte. Sie hatte ihm dankbar zugenickt, sich allerdings kein Glas derweil genommen, geschweige denn, ihm zugeprostet, so, wie es Aquila getan hatte. Stattdessen reagierte sie verzweifelt und versuchte, ihre Mutter von diesem Entschluss abzubringen, indem sie ihr vor Augen führte, dass dies absolut keine gute Idee und sie nicht bereit dazu war. Und je unerbittlicher die Hausherrin blieb, desto größer wurde ihre Verzweiflung.
Ihr war lediglichl im Ansatz klar, wie schwer es der anderen fallen musste, sie überhaupt begleiten zu wollen. Nur mit dem Unterschied, dass sie ihre Mutter bislang stets so gesehen hatte, dass sie immer alles schaffen konnte, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Während sie rasch aufgegeben hatte, wenn es ihr zu schwierig geworden war...
"Aber...", erhob sie schwach und suchte nach Argumenten, um Aquila trotz allem noch umzustimmen. Also erwähnte sie in ungewöhnlicher Einsicht ihre Schwächen und glaubte daran, dass dies zum Erfolg führen würde. Dadurch saß sie einem Irrtum auf, einem, der sogar in einem untypischen Angriff mündete. Einer von jener Art, der ihr Gesicht vor Scham heiß brennen und ihr die Worte fehlen ließ. Ja, sie musste den Blick abwenden, während sie die Lippen fest aufeinander presste, und wagte es nicht einmal zu ihrem Begleiter zu sehen.
Denn es ließ sich nicht leugnen, sie hatte zu einem Gutteil dazu beigetragen, dass sie noch unverheiratet war. Keiner ihrer damaligen Galane war geeignet gewesen, ihr Herz zu erobern und ihren Sinn soweit zu ändern, dass sie mit einer Ehe einverstanden gewesen wäre. Es hatte sie erst ein dunkelelfischer Schuft ent- und verführen müssen, um sie auf diesen Weg zu bringen.
Wobei... war sie tatsächlich inzwischen soweit, heiraten zu wollen? Sie liebte Corax und sie wollte an seiner Seite sein, das Leben mit ihm bestreiten. Doch da war auch die Angst vor dem Verblassen der Gefühle und davor, was die Zukunft bringen würde, sobald er auch rein rechtlich über sie bestimmen dürfte. Und mit Emmyth...? Nein, diese Frage stellte sich gar nicht erst, auch wenn die Anziehung zwischen ihnen ebenfalls unwiderstreitbar bestand. Alles in allem also fühlte sie sich nicht dafür geeignet, den ihr vorgezeichneten Weg zu beschreiten. Obwohl sie in ihrer Erziehung genau in dieser Richtung gedrängt worden war und wusste, dass dies von ihr erwartet wurde. Ob sie als Kauffrau denn tatsächlich geeigneter wäre?
Warum allerdings tat der Messerstoß ihrer Mutter dann so weh? Weil es deutlich machte, wie sehr sie Aquila bislang enttäuscht hatte mit ihrem Eigensinn? Oder weil es vor dem Dunkelelfen offenlegte, dass sie den Vorgaben bislang nicht entsprochen hatte?
Lautlos seufzend griff sie nun doch zu dem Glas mit dem Rosé, von dem sie einen undamenhaft großen Schluck nahm. Kühl und prickelnd lief das süßliche Getränk ihre Kehle hinab und wirkte dennoch nicht entspannend oder erfrischend. Aber er lockerte ein wenig ihre Zunge... oder es lag an der Spitze von vorhin.
Auf jeden Fall hatte sie auch damit keinen Erfolg bei ihrer Mutter und gab es schließlich auf mit einer ehrlichen, eigentlich eher für sich selbst gemurmelten Frage. Ihr Blick richtete sich auf den Rest prickelnder Flüssigkeit in ihrem eleganten Glas und sie wappnete sich innerlich schon gegen die bestimmt unangenehmen Stille, die nun eintreten würde.
Umso mehr erstaunte sie die scharfe Erwiderung der Hausherrin, die nun folgte. Fest presste sie die Lippen aufeinander und spürte, wie sich in ihr Widerstand regen wollte, weil sie es ungerecht empfand, dass die ganze Last auf ihre Schultern gelegt werden sollte. Bis eine Aussage sie davon ablenkte und dafür sorgte, dass sie die Ältere abrupt ansah. "Du? A... aber ich dachte... War Vater vor eurer Eheschließung nicht schon lange Kaufmann? Er hatte so viel Geld und..." Sie verstummte und erneut glühte ihr Gesicht, weil sie beinahe ausgeplaudert hätte, dass sie ein unehelicher, unadeliger Sproß aus der Bürgerschicht war, noch unwürdiger als Partnerin des Hauses Faelyns als sowieso schon.
Seufzend senkte sie ihren Blick wieder, als ihre Mutter endlich von ihrer harten Seite ein wenig abrückte und wieder zugänglicher zu werden schien. Sie spürte die sanfte Bewegung auf ihrem Handrücken und merkte, wie auch ihr eigener Widerstand bröckelte. So wie früher, als sie noch ein Kind gewesen war und etwas absolut nicht hatte einsehen wollen. Es hatte einfach etwas Beruhigendes, wenn ihre Mutter so ihre Hand streichelte und sie auf diese wärmende Weise ihre Nähe spüren ließ. Oh, wie oft hatte sie als kleines Kind hinter dem Stand, verborgen vor den Blicken der Kunden, gehockt und keine Umarmung, dafür aber diese vertraute Hand spüren können, die sie beruhigt und getröstet hatte? Es war viel weniger einengend und dennoch in der Lage, so unendlich viel Halt zu geben...
Indes fuhr die Ältere fort und entlockte ihr noch weitere Seufzer, bis sie sich am Ende auch an Emmyth wandte. Das veranlasste Azura dazu, ebenfalls aufzusehen und den Mut zurück zu finden, den Blick auf ihn zu richten. Genau im rechten Moment, als er ihr zuzwinkerte.
Die junge Frau spürte, wie ihre Wangen sich leicht röteten und ihre Lippen sich zu einem feinen, herausfordernden Lächeln formten. "Mal sehen, wenn du dich passabel anstellst, könntest du ja mit Corax üben. Ich hoffe, ihr Faelyn seid musikalisch!", gab sie leise neckend zurück.
Um im nächsten Moment erneut Skepsis in sich aufsteigen zu spüren, als er fortfuhr. Auch ihre Brauen hoben sich an und hätte sie das Glas nicht in der Hand gehabt, hätte sie die andere ihrer Mutter entzogen und die Arme vor der Brust verschränkt. So konnte sie ihm lediglich mit ihrem Blick signalisieren, dass sie gerade wenig begeistert davon war, dass auch er meinte, dass ihr niemand zuhören würde. Doch er sprach ungerührt weiter und erwähnte erneut die Sache mit der Feenkönigin.
Theatralisch seufzte sie auf und sah beinahe schon leidend in Richtung Decke, weil der eine Faelyn sie als Göttin betitelte und der andere als Feenkönigin. Ganz so, als sei sie ein mythisches Wesen und kein Mensch! Oder Halb-Mensch zumindest... Trotzdem röteten sich ihre Wangen und sie konnte das geschmeichelte, kleine Grinsen nicht unterdrücken.
Nach ein paar wenigen Atemzügen seufzte sie übertrieben und warf ihm einen herausfordernden Blick zu. "Und wie, meinst du, soll ich sie dann davon überzeugen uns zu helfen, wenn sie mir gar nicht erst zuhören? Ich will mit meiner Erscheinung ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen, sie aber nicht von allem, was ich sage, ablenken damit!", erwiderte sie und merkte selbst nicht einmal, dass ihre Mutter darüber triumphieren könnte, weil sie unbewusst zugestanden hatte, dass sie die ihr zugeschriebene Rolle ausfüllen würde.
Als es ihr klar wurde, entrang sich ihr ein weiterer, tiefer Seufzer. Ehe ihr ein Gedanke kam, der sie abrupt eine aufrechte Sitzposition einnehmen ließ, ganz so, als hätte sie einen Stock verschluckt oder ein Korsett umgelegt bekommen, dessen anpassungsfähigen Fischgräten mit harten Knochen ersetzt worden wären. "Mama, wie steht es um Vaters Arbeitszimmer? Weißt du, ob viel von seinen Unterlagen fehlt?", sprudelte es aus ihr heraus.
Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte sie das Glas zurück, erhob sich und wollte zur Tür eilen, um selbst nachzusehen, sollte sie nicht aufgehalten werden. Denn ihr war etwas eingefallen, das ihr auf jeden Fall weiterhelfen würde... oder ihrer Mutter, falls diese sich doch dazu erbarmen würde, die Verhandlungen zu übernehmen. Wie auch immer, diesen Faden durfte sie jetzt nicht verlieren!
Ob er sich während all der Vorbereitungen des Vormittags über Gedanken über diese Begegnung gemacht hatte, im Gegensatz zu ihr? Ja, wahrscheinlich, schließlich hatte er sogar an Geschenke gedacht. Auf der anderen Seite hatte er mit Frauen bislang nicht viel zu tun gehabt, vor allem nicht mit potentiellen Schwiegermüttern. Oder etwa doch? Und wann war seine eigene Mutter eigentlich verstorben? Sie hatte ihn bislang noch nicht danach zu fragen gewagt und nun war gleichfalls nicht der rechte Moment dazu.
Ohnehin wurden ihre Gedanken in eine andere Richtung gelenkt, als sie das Musikzimmer erreicht und dort Platz genommen hatten. Zuerst kam es zu einem Erfolg, denn Aquila stimmte dem Festbesuch tatsächlich zu. Deren Tochter fiel ein tonnenschwerer Stein vom Herzen und sie wähnte sich schon in Sicherheit, als die Bedingung dafür folgte, die es für sie in sich hatte.
Schließlich hatte sie es sich anders vorgestellt, dass sie für die Unterhaltung sorgte und diese genießen konnte, während ihre Mutter dank deren Wissen und Erfahrung zu gegebener Zeit die Verhandlungen führen würde. Jetzt hingegen wurde von ihr, der Jüngeren und Unerfahrenen genau diese Position verlangt!
Angst stieg in ihr auf, denn dieser Abend wäre viel zu wichtig, als dass es geeignet wäre für ihren Einstieg. Immerhin ginge es hier darum, einen Beitrag dazu zu leisten, ihren Raben nicht in sein Verderben rennen zu lassen und zugleich ihren Stiefvater zu befreien. Wäre es lediglich ein kleines Handelsbündnis, das sie schließen wollten, dann würde sie es vielleicht wagen. Ebenso wie diese Reise zu den Amazonen, mit der Aussicht darauf, mehrere Gespräche führen zu können, in denen es zu überzeugen ginge. Jedoch... nur dieser eine Abend, inmitten von fast ausschließlich fremden Dunkelelfen, bei dessen Ausgang Leben abhingen und nicht lediglich neue Geschäftsmöglichkeiten? Nein, das war viel zu viel und zu bedeutend, das konnte sie einfach nicht riskieren!
Durch diese innere Aufgewühltheit regaierte sie nur unbewusst darauf, dass Emmyth ihrer stummen Bitte nachgekommen und ihnen eingeschenkt hatte. Sie hatte ihm dankbar zugenickt, sich allerdings kein Glas derweil genommen, geschweige denn, ihm zugeprostet, so, wie es Aquila getan hatte. Stattdessen reagierte sie verzweifelt und versuchte, ihre Mutter von diesem Entschluss abzubringen, indem sie ihr vor Augen führte, dass dies absolut keine gute Idee und sie nicht bereit dazu war. Und je unerbittlicher die Hausherrin blieb, desto größer wurde ihre Verzweiflung.
Ihr war lediglichl im Ansatz klar, wie schwer es der anderen fallen musste, sie überhaupt begleiten zu wollen. Nur mit dem Unterschied, dass sie ihre Mutter bislang stets so gesehen hatte, dass sie immer alles schaffen konnte, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Während sie rasch aufgegeben hatte, wenn es ihr zu schwierig geworden war...
"Aber...", erhob sie schwach und suchte nach Argumenten, um Aquila trotz allem noch umzustimmen. Also erwähnte sie in ungewöhnlicher Einsicht ihre Schwächen und glaubte daran, dass dies zum Erfolg führen würde. Dadurch saß sie einem Irrtum auf, einem, der sogar in einem untypischen Angriff mündete. Einer von jener Art, der ihr Gesicht vor Scham heiß brennen und ihr die Worte fehlen ließ. Ja, sie musste den Blick abwenden, während sie die Lippen fest aufeinander presste, und wagte es nicht einmal zu ihrem Begleiter zu sehen.
Denn es ließ sich nicht leugnen, sie hatte zu einem Gutteil dazu beigetragen, dass sie noch unverheiratet war. Keiner ihrer damaligen Galane war geeignet gewesen, ihr Herz zu erobern und ihren Sinn soweit zu ändern, dass sie mit einer Ehe einverstanden gewesen wäre. Es hatte sie erst ein dunkelelfischer Schuft ent- und verführen müssen, um sie auf diesen Weg zu bringen.
Wobei... war sie tatsächlich inzwischen soweit, heiraten zu wollen? Sie liebte Corax und sie wollte an seiner Seite sein, das Leben mit ihm bestreiten. Doch da war auch die Angst vor dem Verblassen der Gefühle und davor, was die Zukunft bringen würde, sobald er auch rein rechtlich über sie bestimmen dürfte. Und mit Emmyth...? Nein, diese Frage stellte sich gar nicht erst, auch wenn die Anziehung zwischen ihnen ebenfalls unwiderstreitbar bestand. Alles in allem also fühlte sie sich nicht dafür geeignet, den ihr vorgezeichneten Weg zu beschreiten. Obwohl sie in ihrer Erziehung genau in dieser Richtung gedrängt worden war und wusste, dass dies von ihr erwartet wurde. Ob sie als Kauffrau denn tatsächlich geeigneter wäre?
Warum allerdings tat der Messerstoß ihrer Mutter dann so weh? Weil es deutlich machte, wie sehr sie Aquila bislang enttäuscht hatte mit ihrem Eigensinn? Oder weil es vor dem Dunkelelfen offenlegte, dass sie den Vorgaben bislang nicht entsprochen hatte?
Lautlos seufzend griff sie nun doch zu dem Glas mit dem Rosé, von dem sie einen undamenhaft großen Schluck nahm. Kühl und prickelnd lief das süßliche Getränk ihre Kehle hinab und wirkte dennoch nicht entspannend oder erfrischend. Aber er lockerte ein wenig ihre Zunge... oder es lag an der Spitze von vorhin.
Auf jeden Fall hatte sie auch damit keinen Erfolg bei ihrer Mutter und gab es schließlich auf mit einer ehrlichen, eigentlich eher für sich selbst gemurmelten Frage. Ihr Blick richtete sich auf den Rest prickelnder Flüssigkeit in ihrem eleganten Glas und sie wappnete sich innerlich schon gegen die bestimmt unangenehmen Stille, die nun eintreten würde.
Umso mehr erstaunte sie die scharfe Erwiderung der Hausherrin, die nun folgte. Fest presste sie die Lippen aufeinander und spürte, wie sich in ihr Widerstand regen wollte, weil sie es ungerecht empfand, dass die ganze Last auf ihre Schultern gelegt werden sollte. Bis eine Aussage sie davon ablenkte und dafür sorgte, dass sie die Ältere abrupt ansah. "Du? A... aber ich dachte... War Vater vor eurer Eheschließung nicht schon lange Kaufmann? Er hatte so viel Geld und..." Sie verstummte und erneut glühte ihr Gesicht, weil sie beinahe ausgeplaudert hätte, dass sie ein unehelicher, unadeliger Sproß aus der Bürgerschicht war, noch unwürdiger als Partnerin des Hauses Faelyns als sowieso schon.
Seufzend senkte sie ihren Blick wieder, als ihre Mutter endlich von ihrer harten Seite ein wenig abrückte und wieder zugänglicher zu werden schien. Sie spürte die sanfte Bewegung auf ihrem Handrücken und merkte, wie auch ihr eigener Widerstand bröckelte. So wie früher, als sie noch ein Kind gewesen war und etwas absolut nicht hatte einsehen wollen. Es hatte einfach etwas Beruhigendes, wenn ihre Mutter so ihre Hand streichelte und sie auf diese wärmende Weise ihre Nähe spüren ließ. Oh, wie oft hatte sie als kleines Kind hinter dem Stand, verborgen vor den Blicken der Kunden, gehockt und keine Umarmung, dafür aber diese vertraute Hand spüren können, die sie beruhigt und getröstet hatte? Es war viel weniger einengend und dennoch in der Lage, so unendlich viel Halt zu geben...
Indes fuhr die Ältere fort und entlockte ihr noch weitere Seufzer, bis sie sich am Ende auch an Emmyth wandte. Das veranlasste Azura dazu, ebenfalls aufzusehen und den Mut zurück zu finden, den Blick auf ihn zu richten. Genau im rechten Moment, als er ihr zuzwinkerte.
Die junge Frau spürte, wie ihre Wangen sich leicht röteten und ihre Lippen sich zu einem feinen, herausfordernden Lächeln formten. "Mal sehen, wenn du dich passabel anstellst, könntest du ja mit Corax üben. Ich hoffe, ihr Faelyn seid musikalisch!", gab sie leise neckend zurück.
Um im nächsten Moment erneut Skepsis in sich aufsteigen zu spüren, als er fortfuhr. Auch ihre Brauen hoben sich an und hätte sie das Glas nicht in der Hand gehabt, hätte sie die andere ihrer Mutter entzogen und die Arme vor der Brust verschränkt. So konnte sie ihm lediglich mit ihrem Blick signalisieren, dass sie gerade wenig begeistert davon war, dass auch er meinte, dass ihr niemand zuhören würde. Doch er sprach ungerührt weiter und erwähnte erneut die Sache mit der Feenkönigin.
Theatralisch seufzte sie auf und sah beinahe schon leidend in Richtung Decke, weil der eine Faelyn sie als Göttin betitelte und der andere als Feenkönigin. Ganz so, als sei sie ein mythisches Wesen und kein Mensch! Oder Halb-Mensch zumindest... Trotzdem röteten sich ihre Wangen und sie konnte das geschmeichelte, kleine Grinsen nicht unterdrücken.
Nach ein paar wenigen Atemzügen seufzte sie übertrieben und warf ihm einen herausfordernden Blick zu. "Und wie, meinst du, soll ich sie dann davon überzeugen uns zu helfen, wenn sie mir gar nicht erst zuhören? Ich will mit meiner Erscheinung ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen, sie aber nicht von allem, was ich sage, ablenken damit!", erwiderte sie und merkte selbst nicht einmal, dass ihre Mutter darüber triumphieren könnte, weil sie unbewusst zugestanden hatte, dass sie die ihr zugeschriebene Rolle ausfüllen würde.
Als es ihr klar wurde, entrang sich ihr ein weiterer, tiefer Seufzer. Ehe ihr ein Gedanke kam, der sie abrupt eine aufrechte Sitzposition einnehmen ließ, ganz so, als hätte sie einen Stock verschluckt oder ein Korsett umgelegt bekommen, dessen anpassungsfähigen Fischgräten mit harten Knochen ersetzt worden wären. "Mama, wie steht es um Vaters Arbeitszimmer? Weißt du, ob viel von seinen Unterlagen fehlt?", sprudelte es aus ihr heraus.
Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte sie das Glas zurück, erhob sich und wollte zur Tür eilen, um selbst nachzusehen, sollte sie nicht aufgehalten werden. Denn ihr war etwas eingefallen, das ihr auf jeden Fall weiterhelfen würde... oder ihrer Mutter, falls diese sich doch dazu erbarmen würde, die Verhandlungen zu übernehmen. Wie auch immer, diesen Faden durfte sie jetzt nicht verlieren!

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Dass Aquila van Ikari größere Liebe als mögliche Enttäuschung von ihrer Tochter spürte, wurde eher zwischen den Zeilen deutlich. Sie und auch ihr Mann hatten hingenommen, dass das Kind einen eigenen Kopf besaß und nicht nach den Regeln des andunischen Adels hatte leben wollen. Es wünschte sich dessen Vorteile, schlug die Verpflichtungen aber in den Wind. Statt ein solches Kind nun jedoch zu verstoßen oder mit harten Maßnahmen daran zu erinnern, hatten Alycide und Aquila stets einen Ausweg gesucht, der Azuras Verhalten für die Öffentlichkeit erklären und plausibel darstellen konnte. So musste sie nicht zwangsläufig heiraten, wenn die Eltern eine Erziehung zur Kauffrau vorsahen. Denn dann wäre der Karriereweg der ihre geworden - einer, bei dem für Liebeleien selten Zeit blieb. Das kannte Azura schon von ihrem Vater. Natürlich liebte er Aquila und machte das auch immer wieder deutlich! Aber er war auch oft fort. Eine Handelsreise hier, ein Treffen mit einem potenziellen Partner dort. Die Mutter hatte es akzeptiert und für die Tochter war es normal gewesen, da sie unter jenen Konditionen aufgewachsen war. Sie freute sich damals immer nur auf die Rückkehr des Vaters, weil Alycide natürlich immer ein Geschenk für seine zweitliebste Frau auf der Welt dabei hatte. Der großen Liebe Aquila schenkte er seine Zuneigung und Dankbarkeit, weil sie zurückblieb, um sich um die Finanzen des Hauses zu kümmern. Das hingegen überraschte Azura, als sie nun davon erfuhr.
"Du? A...aber ich dachte ... war Vater vor eurer Eheschließung nicht schon lange Kaufmann? Er hatte so viel Geld und..."
"Natürlich war er das", gluckste Aquila und winkte ab. Dann jedoch schaute sie ihre Tochter ernst an und besann sich. "Eine Ehe ist nicht nur ein Vertrag unter zwei Menschen, um den Rest ihres Lebens gemeinsam in Liebe und Treue miteinander zu verbringen. Es bedeutet auch, dass man freiwillig die Last des anderen auf sich nimmt, um seine Schultern etwas zu erleichtern. Ich war bestrebt, die Schwierigkeiten und Details von Handelsverträgen zu lernen. Alycide zeigte mir alles, was er wusste, damit ich ihm Arbeit abnehmen konnte. Und irgendwann vertraute er mir nicht nur jeglichen Reichtum unseres Hauses an, sondern konnte auch leichten Herzens losziehen, um nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, diesen Reichtum zu wahren. Wie beide sind Kaufleute, Azura. Er hält den Kundenkontakt und ich regle alles im Hintergrund. Hast du wirklich geglaubt, ich sitze den ganzen Tag nur zu Hause, ohne etwas zu tun? Oh, welch langweiliges Leben, du kennst mich doch! Das würde ich nicht aushalten." Sie warf dabei auch Emmyth einen knappen Blick zu und fragte dann: "Ist es bei euch Dunklen ähnlich oder müssen eure Frauen sich damit begnügen, im Hause zu versauern, um auf den Ehemann zu warten, damit sie ihre körperlichen Pflichten erfüllen können?" Ihr Ton wurde schärfer, geprägt von Vorurteilen. Emmyth aber wusste sie, auf charmante Art in die Schranken zu weisen. Er schüttelte sacht den Kopf. "Vielleicht in den sehr konservativen Familien, Verehrteste. Es gibt aber auch genug morgerianische Häuser, in denen Frauen gar mehr zu sagen haben. In jedem Fall ist ein Aufstieg unter Dunkelelfen nicht an das Geschlecht gebunden, sondern ... an die Fähigkeit zu überleben."
Was das bedeutete, konnte Azura deutlich besser nachvollziehen. Sie hatte in Corax' Erinnerungen geblickt und einen Vorgeschmack erhalten, wie die morgerianische Gesellschaft funktionierte. Eine Welt, in der selbst ein Mann versklavt werden konnte und eher Frauen diente als umgekehrt. Eine Welt, in der man sich demütigen, körperlich und geistig misshandeln ließ, nur um das eigene Leben zu behalten. Eine Welt, in der man sein Ansehen verlor, wenn man schändlich von einem Attentäter hingerichtet wurde, aber ebenso aufsteigen konnte, wenn es gelang, die Feinde mit giftiger Klinge ausmerzen zu lassen. Würde Azura in diese Welt einheiraten, stünde sie vor einem Überlebenskampf. Allerdings hätte sie wohl auch mehr Möglichkeiten als nur die Gebärende eines Erben zu werden. Dunkelelfische Frauen schienen sich ihren eigenen Weg zu bahnen. Wichtig war es, sich diesen von niemandem abschneiden zu lassen.
"Wir sind Andunierinnen, beständig und willensstark", hielt plötzlich ihre Mutter dagegen. "Wir wissen, wie man überlebt und zwar in jeder Situation." Ihr Blick kehrte zu Azura zurück. "Beispielsweise auch auf einem Fest unter Feinden." Deshalb sagte sie zu. Sie würde überleben und musste es nun unter Beweis stellen. Sie und Azura, denn von ihrer Tochter erwartete sie nach wie vor, dass jene sich um die gewichtigen Themen kümmerte. Schlimmer noch, Emmyth stimmte ihr zu! Außerdem wiederholte er erneut den Kosenamen, den er sich für Azura ausgesucht hatte: Feenkönigin. Azuras Blick glitt zur Decke. Anstatt sich geschmeichelt zu fühlen, konnte sie nicht ganz begreifen, warum beide Faelyn-Brüder sie mit derart grotesken Titeln schmückten. Für Corax war sie eine Göttin. Dies lag gewiss den Fähigkeiten zugrunde, dass er in ihrer Nähe er selbst sein konnte, vor allem wenn sie auf Tuchfühlung gingen. Bei ihr konnte er sich fallen lassen, genoss es, sich mit ihr zu vereinen. Etwas, das er in all den Jahrzehnten nicht hatte ausleben können. Wie es wohl sein musste, über Hundert Jahre auf Celcia zu verbringen und mit zahlreichen Partnerinnen zu liegen, ohne es auch nur einmal wirklich gemocht zu haben? Für Corax hatte Azura offenbar ein Wunder vollbracht. Es war nachzuvollziehen, warum er sie als Göttin bezeichnete. Aber wie kam Emmyth nur auf den Titel der Feenkönigin? Er wusste nicht einmal, dass Azura magisch begabt war. Darüber hinaus konnte man Wassermagie kaum den Feen zuschreiben. Sie besaßen doch ihre ganz eigenen Fähigkeiten. Er schien es jedoch an ihrer Schönheit zu messen. Dazu konnte Azura nicht viel sagen, denn niemals hatte sie bislang eine Fee zu Gesicht bekommen. Sie konnte nur schlussfolgern, dass jene geflügelten Wesen der Natur offensichtlich ungemein anmutig sein mussten. So sehr, dass ihr bloßer Anblick das Umfeld in ihren Bann schlug und das traf gewiss auch auf sie selbst zu! Dennoch existierte hierbei ein Problem.
"Und wie, meinst du, soll ich sie dann davon überzeugen uns zu helfen, wenn sie mir gar nicht erst zuhören? Ich will mit meiner Erscheinung ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen, sie aber nicht von allem, was ich sage, ablenken damit!"
"Oh, aber darum geht es!" Emmyth klatschte in die Hände. "Der morgerianische Adel ist ein Wespennest. Wir werden auf diesem Fest vermutlich keinen oder nur so wenige von unserer Sache wirklich überzeugen können, dass ich sie an zwei Fingern abzählen könnte."
"Bittere Aussichten", kommentierte Aquila und erhielt ein Nicken seitens des Elfen. Doch dann hob er seinen Zeigefinger empor und meinte: "Es geht darum, sie nach allen Regeln der Kunst auszutricksen. Wir müssen sie umgarnen, ablenken, mit ihnen spielen, bis sie nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. Und dann präsentieren wir ihnen einfach ein Schriftstück zum Unterzeichnen. Ein geschriebener Name ist gleichzusetzen mit einem Vertrag, den man mit Blut besiegelt. Sie werden sich daran halten müssen. Das heißt, wir müssen uns ihre Überzeugung gar nicht sichern, sondern nur ein paar Unterschriften. Andernfalls sind sie Freiwild und das wissen sie. Niemand will der Gejagte sein. Dunkelelfen sind Jäger. Deshalb wird es vor allem am Anfang riskant." Emmyth neigte sich mit einem Lächeln zu Azura herüber. "Aber wenn wir sie genau an jenem Punkt mit etwas Großem abzulenken wissen, wird der Rest ein Kinderspiel. Und deine Schönheit ist groß."
"Eure Komplimente an meine Tochter in allen Ehren, aber wir können uns nicht nur darauf verlassen", entgegnete Aquila skeptisch. Ehe sie sich jedoch den Kopf überhaupt ansatzweise zerbrechen musste, traf Azura ein Geistesblitz. Was immer hinter ihrer Stirn geschehen war, es arbeitete. Jedoch hielt sie es geflissentlich vor den beiden anderen Anwesenden verborgen. Entsprechend verwirrt schauten Emmyth und Aquila drein.
"Mama, wie steht es um Vaters Arbeitszimmer? Weißt du, ob viel von seinen Unterlagen fehlt?"
"Das Arbeitszimmer gleicht einem Schlachtfeld. Jemand hat sämtliche Schubladen und gar Geheimfächer durchwühlt", ließ Aquila die Hoffnung zunächst schwinden. Doch ganz der Redewendung nach starb diese zuletzt. Sie war noch da und sie erhielt neue Kraft, als die Adlige nachsetzte: "Aber du glaubst doch nicht, ich hätte nicht überlegt gehandelt? Dein Vater und ich sind zusammen verreist. Es war also niemand zu Hause, der sich der Unterlagen hätte annehmen können. Folglich habe ich sie mitgeführt, sowie eine Abschrift der wichtigsten Dokumente anfertigen lassen, die in einem Kontor Andunie verwahrt wurden. Der Kontor fiel den Eroberern in die Hände." Sie warf Emmyth einen flüchtigen, aber scharfen Blick zu. Er nahm es stillschweigend hin. "Die Originale befanden sich aber noch in meinem Besitz. Im Arbeitszimmer wirst du sie hingegen nicht finden. Sie liegen..." Jetzt zeigte sich, dass Aquila Emmyth nach wie vor nicht traute. Sie sprachen in seiner Gegenwart zwar recht offen, zeigten ihre Emotionen, aber wenn es um's Geschäft ging, behielt die van Ikari ihre Geheimnisse. so flüsterte sie ihrer Tochter rasch zu, wo sie die Unterlagen finden könnte, und zwar alle. Die Frage blieb, was genau sie in ihnen suchte. Das wusste nur Azura allein. "Du wirst uns deine Pläne hoffentlich darlegen, sobald du die Schriftstücke gesichtet hast", erwartete ihre Mutter. Mit einem Wink deutete sie an, dass ihr Kind ihr Vorhaben nun in die Tat umsetzen konnte. "Ich bleibe hier und sorge dafür, dass es unserem ... Gast nicht langweilig wird."
"Wie bitte? In Eurer Gegenwart, Verehrteste? Aber nicht doch!"
"Ihr wisst Euch auszudrücken, Emmyth Faelyn. Ich schätze das." Aquila prostete dem Dunkelelfen zu und er erwiderte es. Beide wüssten sich zu beschäftigen, würden sich wohl weiter beschnuppern, während Azura sich aufmachte, die Dokumente zu holen oder nur anzuschauen und das wichtigste mitzunehmen. Sie würde sie finden und zwar sehr akkurat versteckt, organisatorisch perfekt zusammengestellt und sogar mit Notizen in der Handschrift ihrer Mutter versehen. Aquila van Ikari hatte nicht gelogen, als sie erwähnte, sich um die Finanzen des Hauses zu kümmern. Die meisten Handelsverträge hatte zwar ihr Ziehvater ausgemacht, aber selbst hier zeigte sich das organisatorische Talent ihrer Mutter. Azura sollte keine Schwierigkeiten haben, zu finden, wonach sie suchte. Vorausgesetzt, es existierte überhaupt. Wichtiger aber wäre, ob und inwieweit es bei dem Abend helfen könnte, der auch immer näher zu rücken schien.
"Du? A...aber ich dachte ... war Vater vor eurer Eheschließung nicht schon lange Kaufmann? Er hatte so viel Geld und..."
"Natürlich war er das", gluckste Aquila und winkte ab. Dann jedoch schaute sie ihre Tochter ernst an und besann sich. "Eine Ehe ist nicht nur ein Vertrag unter zwei Menschen, um den Rest ihres Lebens gemeinsam in Liebe und Treue miteinander zu verbringen. Es bedeutet auch, dass man freiwillig die Last des anderen auf sich nimmt, um seine Schultern etwas zu erleichtern. Ich war bestrebt, die Schwierigkeiten und Details von Handelsverträgen zu lernen. Alycide zeigte mir alles, was er wusste, damit ich ihm Arbeit abnehmen konnte. Und irgendwann vertraute er mir nicht nur jeglichen Reichtum unseres Hauses an, sondern konnte auch leichten Herzens losziehen, um nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, diesen Reichtum zu wahren. Wie beide sind Kaufleute, Azura. Er hält den Kundenkontakt und ich regle alles im Hintergrund. Hast du wirklich geglaubt, ich sitze den ganzen Tag nur zu Hause, ohne etwas zu tun? Oh, welch langweiliges Leben, du kennst mich doch! Das würde ich nicht aushalten." Sie warf dabei auch Emmyth einen knappen Blick zu und fragte dann: "Ist es bei euch Dunklen ähnlich oder müssen eure Frauen sich damit begnügen, im Hause zu versauern, um auf den Ehemann zu warten, damit sie ihre körperlichen Pflichten erfüllen können?" Ihr Ton wurde schärfer, geprägt von Vorurteilen. Emmyth aber wusste sie, auf charmante Art in die Schranken zu weisen. Er schüttelte sacht den Kopf. "Vielleicht in den sehr konservativen Familien, Verehrteste. Es gibt aber auch genug morgerianische Häuser, in denen Frauen gar mehr zu sagen haben. In jedem Fall ist ein Aufstieg unter Dunkelelfen nicht an das Geschlecht gebunden, sondern ... an die Fähigkeit zu überleben."
Was das bedeutete, konnte Azura deutlich besser nachvollziehen. Sie hatte in Corax' Erinnerungen geblickt und einen Vorgeschmack erhalten, wie die morgerianische Gesellschaft funktionierte. Eine Welt, in der selbst ein Mann versklavt werden konnte und eher Frauen diente als umgekehrt. Eine Welt, in der man sich demütigen, körperlich und geistig misshandeln ließ, nur um das eigene Leben zu behalten. Eine Welt, in der man sein Ansehen verlor, wenn man schändlich von einem Attentäter hingerichtet wurde, aber ebenso aufsteigen konnte, wenn es gelang, die Feinde mit giftiger Klinge ausmerzen zu lassen. Würde Azura in diese Welt einheiraten, stünde sie vor einem Überlebenskampf. Allerdings hätte sie wohl auch mehr Möglichkeiten als nur die Gebärende eines Erben zu werden. Dunkelelfische Frauen schienen sich ihren eigenen Weg zu bahnen. Wichtig war es, sich diesen von niemandem abschneiden zu lassen.
"Wir sind Andunierinnen, beständig und willensstark", hielt plötzlich ihre Mutter dagegen. "Wir wissen, wie man überlebt und zwar in jeder Situation." Ihr Blick kehrte zu Azura zurück. "Beispielsweise auch auf einem Fest unter Feinden." Deshalb sagte sie zu. Sie würde überleben und musste es nun unter Beweis stellen. Sie und Azura, denn von ihrer Tochter erwartete sie nach wie vor, dass jene sich um die gewichtigen Themen kümmerte. Schlimmer noch, Emmyth stimmte ihr zu! Außerdem wiederholte er erneut den Kosenamen, den er sich für Azura ausgesucht hatte: Feenkönigin. Azuras Blick glitt zur Decke. Anstatt sich geschmeichelt zu fühlen, konnte sie nicht ganz begreifen, warum beide Faelyn-Brüder sie mit derart grotesken Titeln schmückten. Für Corax war sie eine Göttin. Dies lag gewiss den Fähigkeiten zugrunde, dass er in ihrer Nähe er selbst sein konnte, vor allem wenn sie auf Tuchfühlung gingen. Bei ihr konnte er sich fallen lassen, genoss es, sich mit ihr zu vereinen. Etwas, das er in all den Jahrzehnten nicht hatte ausleben können. Wie es wohl sein musste, über Hundert Jahre auf Celcia zu verbringen und mit zahlreichen Partnerinnen zu liegen, ohne es auch nur einmal wirklich gemocht zu haben? Für Corax hatte Azura offenbar ein Wunder vollbracht. Es war nachzuvollziehen, warum er sie als Göttin bezeichnete. Aber wie kam Emmyth nur auf den Titel der Feenkönigin? Er wusste nicht einmal, dass Azura magisch begabt war. Darüber hinaus konnte man Wassermagie kaum den Feen zuschreiben. Sie besaßen doch ihre ganz eigenen Fähigkeiten. Er schien es jedoch an ihrer Schönheit zu messen. Dazu konnte Azura nicht viel sagen, denn niemals hatte sie bislang eine Fee zu Gesicht bekommen. Sie konnte nur schlussfolgern, dass jene geflügelten Wesen der Natur offensichtlich ungemein anmutig sein mussten. So sehr, dass ihr bloßer Anblick das Umfeld in ihren Bann schlug und das traf gewiss auch auf sie selbst zu! Dennoch existierte hierbei ein Problem.
"Und wie, meinst du, soll ich sie dann davon überzeugen uns zu helfen, wenn sie mir gar nicht erst zuhören? Ich will mit meiner Erscheinung ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen, sie aber nicht von allem, was ich sage, ablenken damit!"
"Oh, aber darum geht es!" Emmyth klatschte in die Hände. "Der morgerianische Adel ist ein Wespennest. Wir werden auf diesem Fest vermutlich keinen oder nur so wenige von unserer Sache wirklich überzeugen können, dass ich sie an zwei Fingern abzählen könnte."
"Bittere Aussichten", kommentierte Aquila und erhielt ein Nicken seitens des Elfen. Doch dann hob er seinen Zeigefinger empor und meinte: "Es geht darum, sie nach allen Regeln der Kunst auszutricksen. Wir müssen sie umgarnen, ablenken, mit ihnen spielen, bis sie nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. Und dann präsentieren wir ihnen einfach ein Schriftstück zum Unterzeichnen. Ein geschriebener Name ist gleichzusetzen mit einem Vertrag, den man mit Blut besiegelt. Sie werden sich daran halten müssen. Das heißt, wir müssen uns ihre Überzeugung gar nicht sichern, sondern nur ein paar Unterschriften. Andernfalls sind sie Freiwild und das wissen sie. Niemand will der Gejagte sein. Dunkelelfen sind Jäger. Deshalb wird es vor allem am Anfang riskant." Emmyth neigte sich mit einem Lächeln zu Azura herüber. "Aber wenn wir sie genau an jenem Punkt mit etwas Großem abzulenken wissen, wird der Rest ein Kinderspiel. Und deine Schönheit ist groß."
"Eure Komplimente an meine Tochter in allen Ehren, aber wir können uns nicht nur darauf verlassen", entgegnete Aquila skeptisch. Ehe sie sich jedoch den Kopf überhaupt ansatzweise zerbrechen musste, traf Azura ein Geistesblitz. Was immer hinter ihrer Stirn geschehen war, es arbeitete. Jedoch hielt sie es geflissentlich vor den beiden anderen Anwesenden verborgen. Entsprechend verwirrt schauten Emmyth und Aquila drein.
"Mama, wie steht es um Vaters Arbeitszimmer? Weißt du, ob viel von seinen Unterlagen fehlt?"
"Das Arbeitszimmer gleicht einem Schlachtfeld. Jemand hat sämtliche Schubladen und gar Geheimfächer durchwühlt", ließ Aquila die Hoffnung zunächst schwinden. Doch ganz der Redewendung nach starb diese zuletzt. Sie war noch da und sie erhielt neue Kraft, als die Adlige nachsetzte: "Aber du glaubst doch nicht, ich hätte nicht überlegt gehandelt? Dein Vater und ich sind zusammen verreist. Es war also niemand zu Hause, der sich der Unterlagen hätte annehmen können. Folglich habe ich sie mitgeführt, sowie eine Abschrift der wichtigsten Dokumente anfertigen lassen, die in einem Kontor Andunie verwahrt wurden. Der Kontor fiel den Eroberern in die Hände." Sie warf Emmyth einen flüchtigen, aber scharfen Blick zu. Er nahm es stillschweigend hin. "Die Originale befanden sich aber noch in meinem Besitz. Im Arbeitszimmer wirst du sie hingegen nicht finden. Sie liegen..." Jetzt zeigte sich, dass Aquila Emmyth nach wie vor nicht traute. Sie sprachen in seiner Gegenwart zwar recht offen, zeigten ihre Emotionen, aber wenn es um's Geschäft ging, behielt die van Ikari ihre Geheimnisse. so flüsterte sie ihrer Tochter rasch zu, wo sie die Unterlagen finden könnte, und zwar alle. Die Frage blieb, was genau sie in ihnen suchte. Das wusste nur Azura allein. "Du wirst uns deine Pläne hoffentlich darlegen, sobald du die Schriftstücke gesichtet hast", erwartete ihre Mutter. Mit einem Wink deutete sie an, dass ihr Kind ihr Vorhaben nun in die Tat umsetzen konnte. "Ich bleibe hier und sorge dafür, dass es unserem ... Gast nicht langweilig wird."
"Wie bitte? In Eurer Gegenwart, Verehrteste? Aber nicht doch!"
"Ihr wisst Euch auszudrücken, Emmyth Faelyn. Ich schätze das." Aquila prostete dem Dunkelelfen zu und er erwiderte es. Beide wüssten sich zu beschäftigen, würden sich wohl weiter beschnuppern, während Azura sich aufmachte, die Dokumente zu holen oder nur anzuschauen und das wichtigste mitzunehmen. Sie würde sie finden und zwar sehr akkurat versteckt, organisatorisch perfekt zusammengestellt und sogar mit Notizen in der Handschrift ihrer Mutter versehen. Aquila van Ikari hatte nicht gelogen, als sie erwähnte, sich um die Finanzen des Hauses zu kümmern. Die meisten Handelsverträge hatte zwar ihr Ziehvater ausgemacht, aber selbst hier zeigte sich das organisatorische Talent ihrer Mutter. Azura sollte keine Schwierigkeiten haben, zu finden, wonach sie suchte. Vorausgesetzt, es existierte überhaupt. Wichtiger aber wäre, ob und inwieweit es bei dem Abend helfen könnte, der auch immer näher zu rücken schien.

- Azura
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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Die Tochter des Hauses, das einzige Kind, das den Namen van Ikari würde weiter führen können, hatte ein anderes Zeitgefühl besessen als ihre Eltern. Für sie hätte es noch lange so wie bis zu dem Überfall auf ihre Heimat weitergehen können, mit viel Zerstreuung und Bällen und Koketterie, ohne ernsthafte Bande zu knüpfen. Ohne zu viele Gedanken daran verschwenden zu wollen, dass sie immer mehr zur alten Jungfer zu werden gedroht hatte. Das hatte sie schlichtweg nicht wahrhaben wollen, auch nicht, wenn mal wieder ihr Geburtstag pompös gefeiert worden war.
Somit hatte sie sich bislang auch nicht damit beschäftigt, was mit ihr werden sollte, sollte sie niemals heiraten. Ihre Eltern hingegen waren in der Hinsicht bereits reifer gewesen, hatten die Optionen scheinbar durchdacht und die Weichen für einen anderen Weg gestellt, den sie stattdessen beschreiten könnte... oder sollte.
Für sie hingegen war allein diese Möglichkeit noch sehr neu, da sie die Zusammenhänge in ihrer Ausbildung nicht hatte sehen wollen. Und nun war sie hier und sollte in wenigen Stunden auf einem Fest das Unmögliche erreichen, um Geliebten und Vater zu retten. Der Druck war groß und lastete schwer auf ihren Schultern, nährte die Angst in ihr, nicht gut genug zu sein.
Erst recht, als sie erfuhr, dass ihre Mutter in der Ehe diejenige gewesen war, die im Hintergrund alles für den Hausherrn vorbereitet und am Laufen gehalten hatte. Vieles davon hatte sie nie mitbekommen und sich auch wenig Gedanken darum gemacht, was Aquila den lieben langen Tag trieb. Wenn es mal Besuch gegeben hatte, hatte sie schlichtweg angenommen, dass es um andere, gesellschaftliche Themen gegangen war. Umso erstaunter reagierte sie und schien damit die Hausherrin zu erheitern. Auch wenn sie es nicht sonderlich lange zeigte, was sie mehr als schade fand.
Als ihre Mutter danach jedoch fortfuhr, konnte sich Azura ein leises Schnauben nicht verkneifen. Auch wenn sie gerne Romantik in ihrem Leben hätte und von der wahren Liebe träumen wollte, war sie in der Hinsicht pragmatisch genug, um etwas bereits zu wissen. "Mama, wir wissen beide, dass eine Ehe oft nur ein schriftlicher Vertrag ist. Mit Liebe oder gar Treue hat das sehr wenig zu tun.", erwiderte sie ruhig.
Erst im Nachhinein wurde ihr ein Aspekt diesbezüglich bewusst und ließ ihr Herz einen unsanften Satz machen. Zwar röteten sich ihre Wangen diesmal nicht, allerdings musste sie sich mit viel Kraft dazu zwingen, nicht zu Emmyth zu sehen, der sie dazu gebracht hatte, ebenfalls kein Ausbund an Treue zu sein. Und dabei war sie noch nicht einmal offiziell verlobt...
Wie gut, dass die Hausherrin indes fortfuhr und vom Umfang ihres Ehelebens erzählte. Wobei sie auch einen Aspekt aufwarf, der ihrer Tochter half, sich innerlich wieder zu besinnen. Mit einem feinen, frechen Lächeln murmelte sie laut genug, dass sie auch gehört werden würde:"Oh, und ich dachte immer, du findest Erfüllung darin, den ganzen Tag mit diesen edlen Stickereien zu verbringen, die ich unbedingt auch erlernen sollte."
Schließlich wandte sich an Aquila an den Gast und nun war es auch an Azura, ihn neugierig ansehen zu können, ohne sich dabei unanständig fühlen zu müssen, weil sie es derart direkt tat. Anfangs legte sie den Kopf schief und ihre Augenbrauen hoben sich leicht an, als er erwähnte, in manchen Häusern würden Frauen das Sagen haben. Oh, das würde ihr sicherlich gefallen!
Nur leider bog Emmyth dann in eine Richtung ab, die ihr anderes ins Gedächtnis rief. Lautlos seufzte sie auf und senkte betrübt den Blick, um einige Momente lang auf den Rock ihres Kleides zu starren, der locker ihre Beine umschmeichelte. Erinnerungen an grauenhafte Bilder, die einst zum Leben und Alltag ihres Raben gehört hatten, wollten in ihr hochsteigen.
Unwillkürlich griff sie nach dem Ausschnitt ihres Oberteils, worin innen die kleine Tasche sorgfältig die kostbare Perle verbarg. Fühlte sie sich noch gleich an oder hatte sie sich verändert? Beinahe wäre sie versucht gewesen, sie heraus zu holen, doch unterließ sie es vorerst lieber. Sie wollte ihrer Mutter nicht noch mehr Fragen beantworten müssen, sondern sich darauf fokussieren, was ihr am Abend bevorstehen sollte. Was aber die knappe Schilderung des Dunkelelfen für ihre eigene Zukunft mit einer möglichen Eheschließung bedeuten könnte, darüber wollte sie noch weniger nachdenken.
Aquilas Stimme unterbrach ihre Gedanken. Schon wollte sie nicken, da schaffte es die andere, ihre Wangen nun trotz allem zum Erröten zu bringen. Warum konnte es nicht viel einfacher sein und sie lediglich tanzen und lachen zu brauchen? Anscheinend wäre ihr der Genuss des Festes nicht wirklich vergönnt, obwohl sie dennoch darauf baute, zumindest einen Tanz voller Leichtigkeit und Beschwingtheit mit Emmyth vollführen zu können. Mit hoffentlich keinem zu starkem schlechten Gewissen Corax gegenüber, weil sie sich amüsierte, während er...
Ein weiteres lautloses Seufzen kam ihr über die Lippen und sie bemühte sich zur Konzentration. Es gab schließlich anderes zu klären! Denn wie sollte sie auch nur mit einem jener Dunkelelfen am heutigen Abend verhandeln, wenn dessen Verstand gar nicht aufnahmefähig dafür wäre aufgrund ihrer optischen Erscheinung?
Emmyths Worte ließen ihre Brauen deutlich in die Höhe wandern, doch sie unterbrach ihn nicht. Das überließ sie ihrer Mutter, sodass sie zwischen den Beiden fragend hin und her sah. Endlich erklärte der Dunkle mehr von seinem Vorhaben, das ihr eigentlich hätte zusagen müssen. Immerhin ginge es dabei darum, zu glänzen und zu bezaubern, nicht wirklich zu verhandeln oder gar zu überzeugen. Sie könnte das tun, was sie auch früher stets getan und so genossen hatte, im Mittelpunkt stehen und ganz auf ihre Schönheit reduziert werden, während sie anderen den Kopf verdrehte.
Nur... wieso fühlte es sich so... so... falsch an? Fast schon so, als... als wäre ihr die andere Option lieber, obwohl ihr diese so viel größere Angst einjagte. "Du willst sie reinlegen. Ist dir klar, was du damit alles riskierst?", fragte sie skeptisch und deutete ein Kopfschütteln an. Nein, das kam ihr nicht wie der richtige Weg vor.
Außerdem... Wie weit müsste sie gehen, um zu umgarnen, abzulenken und mit den Gästen zu spielen? Früher hatte sie das jeden Abend getan und die Galane hatten ihr hinterher geschmachtet. Das waren allerdings Menschen gewesen, Andunier größtenteils, kaum älter als sie selbst und voller Drang danach, derjenige zu sein, der sie erobern dürfte. Bei Dunkelelfen hingegen und vor allem jetzt, nachdem sie neben den Freuden auch manch anderen Moment kennen gelernt hatte, der ihr gefährlich werden konnte? Nein, sie fühlte sich nicht wohl dabei und noch weniger, wenn sie sich nicht anderweitig vorbereitete.
Ihre Mutter erwartete von ihr, dass sie sich wie eine Kauffrau verhielt. Nun, das würde sie höchstens spielen können. Jedoch bedeutete das nicht, dass sie sich nicht Mühe geben würde, wenigstens dieses eine Mal, trotz der großen Angst in ihr. Was dazu führte, dass sie nach einer Lösung suchte und diese in einer Erinnerung fand.
Plötzlich und ohne länger auf das bisherige Thema eingehen zu wollen, fuhr sie in die Höhe und wollte so rasch wie möglich zu den wichtigen Unterlagen ihres Vaters eilen. Noch mitten im ersten Schritt brachte ihre Mutter sie mit der Wahrheit zum Innehalten. Ehe sie aber mehr als leise seufzen konnte, fuhr die Hausherrin fort.
Azura drehte sich ihr wieder zu und lauschte aufmerksam. Hin und wieder zuckten ihre Lippen leicht amüsiert, doch sie war zu sehr auf ihr Ziel aus, als dass sie sich davon abbringen und auf andere Pfade führen lassen wollte. Also unterließ sie jedes unnütze Wort. Lediglich bei dem Raunen des Verstecks gab sie einen leisen, belustigten Laut von sich. Dann aber nickte sie. "Werde ich.", versprach sie Aquila lächelnd.
Daraufhin sah sie mit einer ähnlichen Strenge wie für gewöhnlich ihre Mutter zu Emmyth. "Ich vertraue dir und sollte ich auch nur ein Wort der Klage hören, ziehe ich dir die Ohren lang. Danach berichte ich es deinem Bruder, der sie dir sicher noch länger ziehen wird!", mahnte sie ihn, während es in ihren Augen funkelte. Einen Teil meinte sie schließlich ernst, denn sie wollte daran glauben, dass der Hausherrin in Anwesenheit des jungen Faelyns nichts zustoßen würde. Das mit den Ohren hingegen... Nein, das war eine Neckerei, die er hoffentlich als solche auch erkennen würde.
Um sich allerdings nicht länger aufhalten zu lassen, eilte sie nun hinaus und hinauf in den ersten Stock, in das Ankleidezimmer ihrer Mutter. Dieses war schließlich bereits von den Plünderern durchsucht und der offensichtlichen Kostbarkeiten beraubt worden. Hierher würde bei einem neuerlichen Überfall wohl kaum noch jemand mehr als einen Blick hinein werfen. Außerdem wies dieser Raum einige gut verborgene Geheimfächer in den Wänden auf. Ideal also, um darin wichtige Dokumente zu verstecken. Doch bevor Azura sich auf die konkrete Suche machte, schloss sie die Tür sorgfältig hinter sich ab und holte erst einmal die Perle aus der kleinen Tasche ihres Korsetts heraus. Gut umschlossen hielt sie ihre Finger, spürte, wie ihr das Herz regelrecht zu zerspringen drohte, und wagte es dennoch nicht, einen Blick zu riskieren.
Ginge es Corax gut? Oder hatte sich sein Geschenk bereits verfärbt? Durfte sie überhaupt nachsehen und sich womöglich durch die Antwort lähmen lassen?! Die junge Frau zögerte eine gefühlte Ewigkeit lang, dann ließ sie die Perle ungesehen zurück in ihr Versteck nahe ihres Herzens zurück gleiten. Nein, sie musste sich konzentrieren und vertrauen. Das fiel ihr nicht leicht, aber sie zwang sich dazu und konnte sich mit den Dokumenten ablenken.
Das erste der beiden Geheimfächer war rasch gefunden, doch in dieser Sammlung fand sie nicht, was sie suchte. Also musste sie auch das zweite Versteck öffnen. Dieses war etwas schwieriger auszumachen, vor allem, weil der Verschluss ein wenig klemmte und dadurch täuschte, sich leichter übersehen ließ. Am Ende aber war Azura hartnäckiger und stieß einen leisen Jubelschrei aus, als sie fand, woran sie sich erinnert hatte. Die restlichen Pergamente und Papiere räumte sie sorgfältig zurück, ehe sie sich mit ihrem kleinen Schatz auf den Hocker sinken ließ.
Sie rollte das teure, gut gepflegte Pergament auf und prompt schossen ihr die Tränen in die Augen aufgrund der aufsteigenden Erinnerung. Wie alt mochte sie damals gewesen sein, als sie dieses Dokument das erste Mal entdeckt hatte? Sechs, sieben... oder doch erst fünf? Auf jeden Fall war es noch nicht lange her gewesen, dass ihre Eltern geheiratet ahtten, und das kleine Mädchen hatte mit Begeisterung sämtliche Räume in diesem Anwesen erkundet. So war sie auch in das Arbeitszimmer ihres Vaters gelangt und hatte, unabsichtlich, ein ziemliches Chaos angerichtet.
Verzweifelt und sogar etwas ängstlich wegen seiner Reaktion, hatte sie still weinend inmitten all der Papiere gesessen, mit ihrer alten Stoffpuppe im Arm, und hatte mit ihr darüber geredet, dass sie es schon irgendwie allein draußen in der weiten Welt schaffen würden, weil sie ja sowieso hinaus geschmissen werden würden. Doch als Alycide gekommen war, hatte er ob ihres verheulten Gesichts auf die Standpauke verzichtet und ihr stattdessen klar gemacht, wie sie es wieder gut machen konnte. Also hatte sie, mit seiner Hilfe, alles wieder in Ordnung gebracht und das einzige Mal in ihrem Leben zusammen geräumt, ohne Diener dafür herum zu scheuchen. Dabei war sie auch auf diese seltsame Zeichnung gestoßen, die sie nun wieder in der Hand hielt.
Als eine Träne sie am Kinn kitzelte und daraufhin herab fiel, kehrte sie in die Gegenwart zurück. Rasch lenkte sie den Tropfen Salzwasser um, damit das Pergament nicht beschädigt wurde. Daraufhin wischte sie sich schniefend mit dem Handrücken über die Augen, schloss diese und atmete tief durch.
Sich selbst zunickend, rollte sie das Dokument ein, straffte ihre Haltung und machte sich auf den Rückweg zum Musikzimmer. Was sie darin wohl vorfinden würde?
Somit hatte sie sich bislang auch nicht damit beschäftigt, was mit ihr werden sollte, sollte sie niemals heiraten. Ihre Eltern hingegen waren in der Hinsicht bereits reifer gewesen, hatten die Optionen scheinbar durchdacht und die Weichen für einen anderen Weg gestellt, den sie stattdessen beschreiten könnte... oder sollte.
Für sie hingegen war allein diese Möglichkeit noch sehr neu, da sie die Zusammenhänge in ihrer Ausbildung nicht hatte sehen wollen. Und nun war sie hier und sollte in wenigen Stunden auf einem Fest das Unmögliche erreichen, um Geliebten und Vater zu retten. Der Druck war groß und lastete schwer auf ihren Schultern, nährte die Angst in ihr, nicht gut genug zu sein.
Erst recht, als sie erfuhr, dass ihre Mutter in der Ehe diejenige gewesen war, die im Hintergrund alles für den Hausherrn vorbereitet und am Laufen gehalten hatte. Vieles davon hatte sie nie mitbekommen und sich auch wenig Gedanken darum gemacht, was Aquila den lieben langen Tag trieb. Wenn es mal Besuch gegeben hatte, hatte sie schlichtweg angenommen, dass es um andere, gesellschaftliche Themen gegangen war. Umso erstaunter reagierte sie und schien damit die Hausherrin zu erheitern. Auch wenn sie es nicht sonderlich lange zeigte, was sie mehr als schade fand.
Als ihre Mutter danach jedoch fortfuhr, konnte sich Azura ein leises Schnauben nicht verkneifen. Auch wenn sie gerne Romantik in ihrem Leben hätte und von der wahren Liebe träumen wollte, war sie in der Hinsicht pragmatisch genug, um etwas bereits zu wissen. "Mama, wir wissen beide, dass eine Ehe oft nur ein schriftlicher Vertrag ist. Mit Liebe oder gar Treue hat das sehr wenig zu tun.", erwiderte sie ruhig.
Erst im Nachhinein wurde ihr ein Aspekt diesbezüglich bewusst und ließ ihr Herz einen unsanften Satz machen. Zwar röteten sich ihre Wangen diesmal nicht, allerdings musste sie sich mit viel Kraft dazu zwingen, nicht zu Emmyth zu sehen, der sie dazu gebracht hatte, ebenfalls kein Ausbund an Treue zu sein. Und dabei war sie noch nicht einmal offiziell verlobt...
Wie gut, dass die Hausherrin indes fortfuhr und vom Umfang ihres Ehelebens erzählte. Wobei sie auch einen Aspekt aufwarf, der ihrer Tochter half, sich innerlich wieder zu besinnen. Mit einem feinen, frechen Lächeln murmelte sie laut genug, dass sie auch gehört werden würde:"Oh, und ich dachte immer, du findest Erfüllung darin, den ganzen Tag mit diesen edlen Stickereien zu verbringen, die ich unbedingt auch erlernen sollte."
Schließlich wandte sich an Aquila an den Gast und nun war es auch an Azura, ihn neugierig ansehen zu können, ohne sich dabei unanständig fühlen zu müssen, weil sie es derart direkt tat. Anfangs legte sie den Kopf schief und ihre Augenbrauen hoben sich leicht an, als er erwähnte, in manchen Häusern würden Frauen das Sagen haben. Oh, das würde ihr sicherlich gefallen!
Nur leider bog Emmyth dann in eine Richtung ab, die ihr anderes ins Gedächtnis rief. Lautlos seufzte sie auf und senkte betrübt den Blick, um einige Momente lang auf den Rock ihres Kleides zu starren, der locker ihre Beine umschmeichelte. Erinnerungen an grauenhafte Bilder, die einst zum Leben und Alltag ihres Raben gehört hatten, wollten in ihr hochsteigen.
Unwillkürlich griff sie nach dem Ausschnitt ihres Oberteils, worin innen die kleine Tasche sorgfältig die kostbare Perle verbarg. Fühlte sie sich noch gleich an oder hatte sie sich verändert? Beinahe wäre sie versucht gewesen, sie heraus zu holen, doch unterließ sie es vorerst lieber. Sie wollte ihrer Mutter nicht noch mehr Fragen beantworten müssen, sondern sich darauf fokussieren, was ihr am Abend bevorstehen sollte. Was aber die knappe Schilderung des Dunkelelfen für ihre eigene Zukunft mit einer möglichen Eheschließung bedeuten könnte, darüber wollte sie noch weniger nachdenken.
Aquilas Stimme unterbrach ihre Gedanken. Schon wollte sie nicken, da schaffte es die andere, ihre Wangen nun trotz allem zum Erröten zu bringen. Warum konnte es nicht viel einfacher sein und sie lediglich tanzen und lachen zu brauchen? Anscheinend wäre ihr der Genuss des Festes nicht wirklich vergönnt, obwohl sie dennoch darauf baute, zumindest einen Tanz voller Leichtigkeit und Beschwingtheit mit Emmyth vollführen zu können. Mit hoffentlich keinem zu starkem schlechten Gewissen Corax gegenüber, weil sie sich amüsierte, während er...
Ein weiteres lautloses Seufzen kam ihr über die Lippen und sie bemühte sich zur Konzentration. Es gab schließlich anderes zu klären! Denn wie sollte sie auch nur mit einem jener Dunkelelfen am heutigen Abend verhandeln, wenn dessen Verstand gar nicht aufnahmefähig dafür wäre aufgrund ihrer optischen Erscheinung?
Emmyths Worte ließen ihre Brauen deutlich in die Höhe wandern, doch sie unterbrach ihn nicht. Das überließ sie ihrer Mutter, sodass sie zwischen den Beiden fragend hin und her sah. Endlich erklärte der Dunkle mehr von seinem Vorhaben, das ihr eigentlich hätte zusagen müssen. Immerhin ginge es dabei darum, zu glänzen und zu bezaubern, nicht wirklich zu verhandeln oder gar zu überzeugen. Sie könnte das tun, was sie auch früher stets getan und so genossen hatte, im Mittelpunkt stehen und ganz auf ihre Schönheit reduziert werden, während sie anderen den Kopf verdrehte.
Nur... wieso fühlte es sich so... so... falsch an? Fast schon so, als... als wäre ihr die andere Option lieber, obwohl ihr diese so viel größere Angst einjagte. "Du willst sie reinlegen. Ist dir klar, was du damit alles riskierst?", fragte sie skeptisch und deutete ein Kopfschütteln an. Nein, das kam ihr nicht wie der richtige Weg vor.
Außerdem... Wie weit müsste sie gehen, um zu umgarnen, abzulenken und mit den Gästen zu spielen? Früher hatte sie das jeden Abend getan und die Galane hatten ihr hinterher geschmachtet. Das waren allerdings Menschen gewesen, Andunier größtenteils, kaum älter als sie selbst und voller Drang danach, derjenige zu sein, der sie erobern dürfte. Bei Dunkelelfen hingegen und vor allem jetzt, nachdem sie neben den Freuden auch manch anderen Moment kennen gelernt hatte, der ihr gefährlich werden konnte? Nein, sie fühlte sich nicht wohl dabei und noch weniger, wenn sie sich nicht anderweitig vorbereitete.
Ihre Mutter erwartete von ihr, dass sie sich wie eine Kauffrau verhielt. Nun, das würde sie höchstens spielen können. Jedoch bedeutete das nicht, dass sie sich nicht Mühe geben würde, wenigstens dieses eine Mal, trotz der großen Angst in ihr. Was dazu führte, dass sie nach einer Lösung suchte und diese in einer Erinnerung fand.
Plötzlich und ohne länger auf das bisherige Thema eingehen zu wollen, fuhr sie in die Höhe und wollte so rasch wie möglich zu den wichtigen Unterlagen ihres Vaters eilen. Noch mitten im ersten Schritt brachte ihre Mutter sie mit der Wahrheit zum Innehalten. Ehe sie aber mehr als leise seufzen konnte, fuhr die Hausherrin fort.
Azura drehte sich ihr wieder zu und lauschte aufmerksam. Hin und wieder zuckten ihre Lippen leicht amüsiert, doch sie war zu sehr auf ihr Ziel aus, als dass sie sich davon abbringen und auf andere Pfade führen lassen wollte. Also unterließ sie jedes unnütze Wort. Lediglich bei dem Raunen des Verstecks gab sie einen leisen, belustigten Laut von sich. Dann aber nickte sie. "Werde ich.", versprach sie Aquila lächelnd.
Daraufhin sah sie mit einer ähnlichen Strenge wie für gewöhnlich ihre Mutter zu Emmyth. "Ich vertraue dir und sollte ich auch nur ein Wort der Klage hören, ziehe ich dir die Ohren lang. Danach berichte ich es deinem Bruder, der sie dir sicher noch länger ziehen wird!", mahnte sie ihn, während es in ihren Augen funkelte. Einen Teil meinte sie schließlich ernst, denn sie wollte daran glauben, dass der Hausherrin in Anwesenheit des jungen Faelyns nichts zustoßen würde. Das mit den Ohren hingegen... Nein, das war eine Neckerei, die er hoffentlich als solche auch erkennen würde.
Um sich allerdings nicht länger aufhalten zu lassen, eilte sie nun hinaus und hinauf in den ersten Stock, in das Ankleidezimmer ihrer Mutter. Dieses war schließlich bereits von den Plünderern durchsucht und der offensichtlichen Kostbarkeiten beraubt worden. Hierher würde bei einem neuerlichen Überfall wohl kaum noch jemand mehr als einen Blick hinein werfen. Außerdem wies dieser Raum einige gut verborgene Geheimfächer in den Wänden auf. Ideal also, um darin wichtige Dokumente zu verstecken. Doch bevor Azura sich auf die konkrete Suche machte, schloss sie die Tür sorgfältig hinter sich ab und holte erst einmal die Perle aus der kleinen Tasche ihres Korsetts heraus. Gut umschlossen hielt sie ihre Finger, spürte, wie ihr das Herz regelrecht zu zerspringen drohte, und wagte es dennoch nicht, einen Blick zu riskieren.
Ginge es Corax gut? Oder hatte sich sein Geschenk bereits verfärbt? Durfte sie überhaupt nachsehen und sich womöglich durch die Antwort lähmen lassen?! Die junge Frau zögerte eine gefühlte Ewigkeit lang, dann ließ sie die Perle ungesehen zurück in ihr Versteck nahe ihres Herzens zurück gleiten. Nein, sie musste sich konzentrieren und vertrauen. Das fiel ihr nicht leicht, aber sie zwang sich dazu und konnte sich mit den Dokumenten ablenken.
Das erste der beiden Geheimfächer war rasch gefunden, doch in dieser Sammlung fand sie nicht, was sie suchte. Also musste sie auch das zweite Versteck öffnen. Dieses war etwas schwieriger auszumachen, vor allem, weil der Verschluss ein wenig klemmte und dadurch täuschte, sich leichter übersehen ließ. Am Ende aber war Azura hartnäckiger und stieß einen leisen Jubelschrei aus, als sie fand, woran sie sich erinnert hatte. Die restlichen Pergamente und Papiere räumte sie sorgfältig zurück, ehe sie sich mit ihrem kleinen Schatz auf den Hocker sinken ließ.
Sie rollte das teure, gut gepflegte Pergament auf und prompt schossen ihr die Tränen in die Augen aufgrund der aufsteigenden Erinnerung. Wie alt mochte sie damals gewesen sein, als sie dieses Dokument das erste Mal entdeckt hatte? Sechs, sieben... oder doch erst fünf? Auf jeden Fall war es noch nicht lange her gewesen, dass ihre Eltern geheiratet ahtten, und das kleine Mädchen hatte mit Begeisterung sämtliche Räume in diesem Anwesen erkundet. So war sie auch in das Arbeitszimmer ihres Vaters gelangt und hatte, unabsichtlich, ein ziemliches Chaos angerichtet.
Verzweifelt und sogar etwas ängstlich wegen seiner Reaktion, hatte sie still weinend inmitten all der Papiere gesessen, mit ihrer alten Stoffpuppe im Arm, und hatte mit ihr darüber geredet, dass sie es schon irgendwie allein draußen in der weiten Welt schaffen würden, weil sie ja sowieso hinaus geschmissen werden würden. Doch als Alycide gekommen war, hatte er ob ihres verheulten Gesichts auf die Standpauke verzichtet und ihr stattdessen klar gemacht, wie sie es wieder gut machen konnte. Also hatte sie, mit seiner Hilfe, alles wieder in Ordnung gebracht und das einzige Mal in ihrem Leben zusammen geräumt, ohne Diener dafür herum zu scheuchen. Dabei war sie auch auf diese seltsame Zeichnung gestoßen, die sie nun wieder in der Hand hielt.
Als eine Träne sie am Kinn kitzelte und daraufhin herab fiel, kehrte sie in die Gegenwart zurück. Rasch lenkte sie den Tropfen Salzwasser um, damit das Pergament nicht beschädigt wurde. Daraufhin wischte sie sich schniefend mit dem Handrücken über die Augen, schloss diese und atmete tief durch.
Sich selbst zunickend, rollte sie das Dokument ein, straffte ihre Haltung und machte sich auf den Rückweg zum Musikzimmer. Was sie darin wohl vorfinden würde?

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Als Kind von Adligen aufzuwachsen bedeutete nicht nur, in Reichtum und Luxus schwelgen zu dürfen. Viel zu oft passierte es, dass mit sämtlichen Privilegien auch eine verwöhnte Erziehung daher kam, die an Selbstständigkeit in jedweder Hinsicht mangelte. Als die dunklen Völker Andunie belagerten und schlussendlich eroberten wäre Azura nicht in der Lage gewesen, nach einer Flucht in die Wildnis allein zu überleben. Weder hätte sie für sich ein Lager oder eine Feuerstelle bauen können, noch darüber etwas kochen, das ihr den Magen füllte. Vielleicht wäre sie beim Sammeln von Pilzen sogar an eine giftige Sorte geraten und hätte auf andere Art und Weise ihr Leben beendet als durch ein dunkelelfisches Schwert. Als Adlige musste man sich darüber allerdings grundlegend keine Gedanken machen. Dafür hatten Eltern und vielleicht sogar Großeltern schließlich reichlich geschuftet. Nämlich, damit Nachkommen sich nicht mehr die Hände schmutzig machen mussten, sondern Dienstboten und Mägde für unliebsame Arbeiten anstellten. Das konnte man nachvollziehen. Von Pflichten befreite es den Nachwuchs allerdings nicht. Es sei denn, er war derart verwöhnt aufgezogen worden, dass man ihm auch gewisse Denkweisen nicht hatte angedeihen lassen. Auf Azura traf das leider zu, was im Grunde recht seltsam war. Denn sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter hatten sich bemüht, ihr einen sorgfältigen Grundstein an Bildung zu schenken, damit sie eines Tages ihre Pflichten würde ehrbar aufnehmen können. Nur hatte man ob vieler verschiedener Faktoren wohl vergessen, sie an diese Pflichten zu erinnern oder zumindest darauf hinzuweisen, dass irgendwann der Tag käme, da auch sie würde mit anpacken müssen. Vielleicht nicht direkt physisch, aber im Geiste und wäre es nur aus dem Hintergrund heraus, so wie ihre Mutter es bezüglich der Finanzen und organisatorischen Arbeiten für das Haus van Ikari erledigte. Am Ende blieb zu sagen, dass Azuras Kindheit und Jugend ein weni zu wohlbehütet gestaltet worden war. Man hatte zu viele Abstriche gemacht und zu oft Augen zugedrückt. Herausgekommen war eine junge Frau, die nun inmitten einer andunischen Veränderung plötzlich vor mehrere Probleme gestellt worden war. Zu ihrem Glück rückten dann übliche Dinge wie eine Ehe oder einen alternativen Karriereweg umzusetzen etwas in den Hintergrund. Azura musste sich jetzt noch nicht entscheiden, aber sie hatte endlich einen Blick auf eine Zukunft erhalten, die auch oder gerade sie betraf. Würde sie weiterhin dem gemütlichen Müßiggang des Adels folgen, wäre es mit ihrem Titel bald vorbei. Ohnehin fürchtete sie ja bereits, jemandem wie Corax - oder auch Emmyth? - nicht zu genügen. Eigentlich müsste sie sich mehr anstrengen als andere. Sie tat es inzwischen, aber auf ihre Weise. Sie wollte Corax unterstützen, der ihren Vater retten würde. Anschließend ginge die Unterstützung wohl auf Alycide über, denn der Kaufmann würde sich unter Dunkelelfen eine neue Basis schaffen müssen, in der er trotz seiner menschlichen Herkunft anerkannt wäre. Sicher gelänge es ihm. Alycide van Ikari war ein Fuchs und wusste zu verhandeln. Doch dazu musste er erst einmal nach Hause zurück gelangen.
Er würde sich glücklich schätzen können, dass seine Gattin bis dahin alles am Laufen hielt. Wieviel Aquila eigentlich den lieben langen Tag so erledigte, erkannte Azura erst jetzt. Die Einladungen zu Gebäck und Tee mit Frauen anderer Häuser waren also nicht nur zum Austausch von Klatsch gedacht. Großteilig wohl doch! Es kam gewiss auf die Gäste an, aber ihre Mutter würde stets auch hinter den Schleier aus Tratsch blicken. Sie filterte die interessanten Dinge heraus, die sie auf der geschäftlichen Ebene nutzen könnte. Im Grunde war es genau das, was Azura jetzt plante.
"Oh, und ich dachte immer, du findest Erfüllung darin, den ganzen Tag mit diesen edlen Stickereien zu verbringen, die ich unbedingt auch erlernen sollte." Es war als Scherz gedacht, doch Aquila warf ihrer Tochter einen eher ernsten Blick zu. "Ich halte es immer noch für angebracht, dass du es erlernst. Qualitativ hochwertige Stickereien lassen die Konkurrenz vor Neid erblassen. Du verbesserst deine Fingerfertigkeit und nicht zuletzt ... hilft es, sich ein wenig zu zerstreuen nach einem anstrengenden Tag." Jetzt lächelte sie wieder warm. Azura wusste, dass die Stickerei für ihre Mutter bedeutsam geworden war. Sie war ihr nicht nur ein Hobby, sondern auch der Ruhepunkt nach vielerlei Dingen, die ihr Kopfzerbrechen bereiteten. Gerade, wenn Alycide wieder unterwegs war, zog Aquila sich täglich mindestens eine Stunde zurück, um zu sticken. Dass Azura es ähnlich getan hatte, nur mit weitaus weniger damenhaften Freizeitbeschäftigungen hatte die Mutter nie so gesehen. Für sie war die Jagd nun einmal nicht interessant und die Falken-Voliere stets ein Ort, in dem das "Flattervieh" Schmutz und Federn ließ. Davon hielt sie sich fern - auch ein Grund mehr, warum gerade Azura ihre Jagdfalken so geliebt hatte. Bei ihnen fand sie Ruhe, blieb ungestört, weil Aquila sich nicht in die Nähe des übergroßen Vogelkäfigs wagte. Und nun hatte Azura gar keinen Falken mehr. Nun konnte sie nicht mehr auf die Jagd ausreiten. Vorerst nicht. Die guten Zeiten würden zurückkehren, aber sie musste jetzt darum kämpfen. Zum Glück war sie nicht allein. Aquila stünde ihr zur Seite, auch wenn sie der Tochter vorrangig das Feld überlassen wollte. Aber sie hatte auch noch Emmyth. Jener erklärte, welche Rolle Frauen in der morgerianischen Gesellschaft durchaus einnehmen konnten und dass Azura diese Rolle ausfüllen sollte - mit allem, was oberflächliche Ablenkung zu bieten hätte. Es würde ihr die Verhandlungen in jedem Fall erleichtern, wenn sie den anderen Dunklen derart den Kopf verdrehte, dass sie verzaubert alles abnickten, was sie ihnen darbot. Dennoch beschlich sie ein ungutes Gefühl bei diesem Plan.
"Du willst sie reinlegen. Ist dir klar, was du damit alles riskierst?", fragte sie Emmyth unter einem leichten Kopfschütteln. Er erwiderte ihren Blick mit einem rubinhaften Funkeln. Dann lachte er amüsiert, ohne sie zu verspotten. "Es ist köstlich, wie ehrbar du die meinen hältst", gluckste er. "Morgerianischer Adel ist geprägt von Ränkespielen mit allerlei Tricksereien. Wenn du mit der Annahm verhandelst, ein jeder potenzielle Partner wäre aufrichtig, hast du verloren. Sie alle werden lügen und mit ihren gezinkten Karten spielen. Darauf müssen auch wir uns vorbereiten." Er hob einen Finger an. "Überlass das mir! Ich weiß mit ihnen umzugehen. Merke dir nur eines: Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es genau das nicht. Der Haraxdämon steckt immer im Detail."
"Was für eine treffende und zugleich unangenehme Redewendung", kommentierte Aquila. "Dämonen möchte ich nun wirklich nicht auch noch einbeziehen."
"Wir arbeiten mit anderen Mitteln", versicherte Emmyth ihr und beruhigte sie auf seine charmant sanftmütige Art. Er verstand es wirklich gut, mit Aquila umzugehen. Sie schien ihm bisweilen auch weniger abgeneigt als selbst Corax. Aber sie wusste auch noch nicht, dass er mit ihrem Kind ebenfalls schon Unzucht getrieben hatte ... oh und wie! Azura aber wollte der Mutter nicht nur Enttäuschungen darlegen oder darüber schweigen. Sie wollte sich nützlich machen, gerade weil offenbar alle auf sie zählten. So strengte sie sich an und hatte letztendlich sogar einen kleinen Geistesblitz. Mit wenigen Worten ließ sie Emmyth und Aquila zurück, erbat sich etwas Geduld und hakte nach, ob sie noch an die Unterlagen ihres Vaters herankäme, die ihre Mutter wohl über Jahre so organisatorisch gepflegt hatte. Sie wurde mit Hoffnung beschenkt, denn Aquila schien alles Wichtige gerettet zu haben und klärte sie schnell auf, wo sie die Sachen finden könnte. So ließ Azura Gast und Gastgeberin vorerst zurück, um sich auf die Suche zu begeben.
Nur eine neckische Warnung an Emmyth ließ sie nicht nicht entgehen: "Ich vertraue dir und sollte ich auch nur ein Wort der Klage hören, ziehe ich dir die Ohren lang. Danach berichte ich es deinem Bruder, der sie dir sicher noch länger ziehen wird!"
"Foltert mich nur - beide", erwiderte Emmyth unter einem Grinsen und ließ Azura ziehen. Kaum war sie aus dem Raum, wandte er Aquila seine Aufmerksamkeit zu. Vor allem, weil ihr Blick musternd auf ihm lag. "Meine Tochter hat offensichtlich eine Schwäche für nachtfarbene Haut und Rubine", bemerkte sie, "aber wie steht es hierbei mit Euch?"
"Ich habe eine Schwäche für Feen", erwiderte Emmyth und schaute noch einmal flüchtig zur Tür hin. Azura aber war längst verschwunden. Eiligen Schrittes erreichte sie das Ankleidezimmer ihrer Mutter, schloss hinter sich ab und atmete zunächst einmal durch. Doch dann ergriff sie dieses Drängen, das sie schon zuvor im Musikzimmer überkommen hatte. Sie konnte ihm nicht länger widerstehen, nun, da sie allein war. So holte sie das Beutelchen hervor, in dem Corax' Perle sicher verwahrt war. Sie schnürte es auf und holte das Kleinod heraus. Aber sie betrachtete es nicht, hielt es nur sehr lange von ihren Fingern umschlossen. Die Oberfläche fühlte sich glatt an wie zuvor und auch ein wenig kühl. Das hatten Perlen so an sich. Vielleicht war also alles in Ordnung? Ein kleiner Blick könnte genügen, um sich zu versichern. Azura widerstand dem Drang. Zu groß war die Sorge, etwas Anderes als das milchige Weiß der Kostbarkeit vorzufinden und sie durfte sich nun nicht ablenken lassen. So kehrte die Perle zurück in ihr Versteck, ohne dass sie dem Drängen gänzlich nachgegeben hatte. Stattdessen untersuchte sie nun die Geheimfächer nach ihrem Öffnungsmechanismen. Eindringlinge würden so ihre Probleme damit haben, nicht jedoch die Tochter des Hauses. Zwar hatte Azura ihre halbe Jugend damit verbracht, die Fächer überhaupt zu finden, aber eines war im Grunde so leicht zu öffnen wie das andere, wenn man den Dreh erst einmal heraus hatte. So gelangte sie schnell an die sorgsam verborgenen Unterlagen. Schon durchstöberte sie jene, konnte nur schwerlich gegen die Tränen ankämpfen, als sie sah, wonach sie offenbar gesucht hatte. Es erinnerte sie an ein Erlebnis aus der Vergangenheit, das Alycide souverän und mit dem nötigen väterlichen Feingefühl gemeistert hatte, um Azuras kindliches Herz zu gewinnen. Jetzt schmerzte dieses Herz, weil der Mann, der ihr zum Vater geworden war, noch immer in Gefahr schwebte. So hielt sie sich nicht lange damit auf, in jenen Erinnerungen zu schwelgen, sondern zu handeln. Rasch rollte sie das teure Pergament zusammen, um damit ins Musikzimmer zurückzukehren. Dort erwartete sie eine seltsame Szene.
Vor lauter Aufregung oder eben weil es ihr eigenes Heim war, vergaß Azura ein höfliches Anklopfen, sondern betrat den Salon einfach. Dabei unterbrach sie ein gedämpftes Gespräch zwischen Aquila und Emmyth. Ihre Mutter saß noch immer auf dem Sofa, doch war sie nach vorn bis an die Kante gerutscht. Emmyth hingegen war vor ihr auf ein Knie gefallen und schloss die Hand soeben um eine Kleinigkeit, die er von Aquila erhalten hatte. Schnell schwand das, was immer was war, in der inneren Brusttasche seiner Weste. Er räusperte sich, als hätte Azura ihn soeben in flagranti erwischt. Dann erhob er sich und glättete seinen Kragen. Aquila musterte ihn dabei, anschließend ihre Tochter. Sie überging sie Szenerei einfach, indem sie fragte: "Bist du fündig geworden? Ohja, ich sehe es." Sie nickte in Richtung der Pergamentrolle. "Wärst du nun so freundlich, uns in deine Idee einzuweihen. Die Zeit rinnt uns allen davon und Emmyth sprach mich soeben darauf an, dass das Einkleiden mehrere Stunden in Anspruch nähme."
"Auch das deine", wies er Azura darauf hin und lächelte weitaus strahlender als sie ihn bislang erlebt hatte. Irgendetwas hatte im gehörig die Stimmung gehoben, dabei war ihm doch gar kein weiterer Ritt unter Azuras kräftigen Schenkeln vergönnt worden.
Er würde sich glücklich schätzen können, dass seine Gattin bis dahin alles am Laufen hielt. Wieviel Aquila eigentlich den lieben langen Tag so erledigte, erkannte Azura erst jetzt. Die Einladungen zu Gebäck und Tee mit Frauen anderer Häuser waren also nicht nur zum Austausch von Klatsch gedacht. Großteilig wohl doch! Es kam gewiss auf die Gäste an, aber ihre Mutter würde stets auch hinter den Schleier aus Tratsch blicken. Sie filterte die interessanten Dinge heraus, die sie auf der geschäftlichen Ebene nutzen könnte. Im Grunde war es genau das, was Azura jetzt plante.
"Oh, und ich dachte immer, du findest Erfüllung darin, den ganzen Tag mit diesen edlen Stickereien zu verbringen, die ich unbedingt auch erlernen sollte." Es war als Scherz gedacht, doch Aquila warf ihrer Tochter einen eher ernsten Blick zu. "Ich halte es immer noch für angebracht, dass du es erlernst. Qualitativ hochwertige Stickereien lassen die Konkurrenz vor Neid erblassen. Du verbesserst deine Fingerfertigkeit und nicht zuletzt ... hilft es, sich ein wenig zu zerstreuen nach einem anstrengenden Tag." Jetzt lächelte sie wieder warm. Azura wusste, dass die Stickerei für ihre Mutter bedeutsam geworden war. Sie war ihr nicht nur ein Hobby, sondern auch der Ruhepunkt nach vielerlei Dingen, die ihr Kopfzerbrechen bereiteten. Gerade, wenn Alycide wieder unterwegs war, zog Aquila sich täglich mindestens eine Stunde zurück, um zu sticken. Dass Azura es ähnlich getan hatte, nur mit weitaus weniger damenhaften Freizeitbeschäftigungen hatte die Mutter nie so gesehen. Für sie war die Jagd nun einmal nicht interessant und die Falken-Voliere stets ein Ort, in dem das "Flattervieh" Schmutz und Federn ließ. Davon hielt sie sich fern - auch ein Grund mehr, warum gerade Azura ihre Jagdfalken so geliebt hatte. Bei ihnen fand sie Ruhe, blieb ungestört, weil Aquila sich nicht in die Nähe des übergroßen Vogelkäfigs wagte. Und nun hatte Azura gar keinen Falken mehr. Nun konnte sie nicht mehr auf die Jagd ausreiten. Vorerst nicht. Die guten Zeiten würden zurückkehren, aber sie musste jetzt darum kämpfen. Zum Glück war sie nicht allein. Aquila stünde ihr zur Seite, auch wenn sie der Tochter vorrangig das Feld überlassen wollte. Aber sie hatte auch noch Emmyth. Jener erklärte, welche Rolle Frauen in der morgerianischen Gesellschaft durchaus einnehmen konnten und dass Azura diese Rolle ausfüllen sollte - mit allem, was oberflächliche Ablenkung zu bieten hätte. Es würde ihr die Verhandlungen in jedem Fall erleichtern, wenn sie den anderen Dunklen derart den Kopf verdrehte, dass sie verzaubert alles abnickten, was sie ihnen darbot. Dennoch beschlich sie ein ungutes Gefühl bei diesem Plan.
"Du willst sie reinlegen. Ist dir klar, was du damit alles riskierst?", fragte sie Emmyth unter einem leichten Kopfschütteln. Er erwiderte ihren Blick mit einem rubinhaften Funkeln. Dann lachte er amüsiert, ohne sie zu verspotten. "Es ist köstlich, wie ehrbar du die meinen hältst", gluckste er. "Morgerianischer Adel ist geprägt von Ränkespielen mit allerlei Tricksereien. Wenn du mit der Annahm verhandelst, ein jeder potenzielle Partner wäre aufrichtig, hast du verloren. Sie alle werden lügen und mit ihren gezinkten Karten spielen. Darauf müssen auch wir uns vorbereiten." Er hob einen Finger an. "Überlass das mir! Ich weiß mit ihnen umzugehen. Merke dir nur eines: Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es genau das nicht. Der Haraxdämon steckt immer im Detail."
"Was für eine treffende und zugleich unangenehme Redewendung", kommentierte Aquila. "Dämonen möchte ich nun wirklich nicht auch noch einbeziehen."
"Wir arbeiten mit anderen Mitteln", versicherte Emmyth ihr und beruhigte sie auf seine charmant sanftmütige Art. Er verstand es wirklich gut, mit Aquila umzugehen. Sie schien ihm bisweilen auch weniger abgeneigt als selbst Corax. Aber sie wusste auch noch nicht, dass er mit ihrem Kind ebenfalls schon Unzucht getrieben hatte ... oh und wie! Azura aber wollte der Mutter nicht nur Enttäuschungen darlegen oder darüber schweigen. Sie wollte sich nützlich machen, gerade weil offenbar alle auf sie zählten. So strengte sie sich an und hatte letztendlich sogar einen kleinen Geistesblitz. Mit wenigen Worten ließ sie Emmyth und Aquila zurück, erbat sich etwas Geduld und hakte nach, ob sie noch an die Unterlagen ihres Vaters herankäme, die ihre Mutter wohl über Jahre so organisatorisch gepflegt hatte. Sie wurde mit Hoffnung beschenkt, denn Aquila schien alles Wichtige gerettet zu haben und klärte sie schnell auf, wo sie die Sachen finden könnte. So ließ Azura Gast und Gastgeberin vorerst zurück, um sich auf die Suche zu begeben.
Nur eine neckische Warnung an Emmyth ließ sie nicht nicht entgehen: "Ich vertraue dir und sollte ich auch nur ein Wort der Klage hören, ziehe ich dir die Ohren lang. Danach berichte ich es deinem Bruder, der sie dir sicher noch länger ziehen wird!"
"Foltert mich nur - beide", erwiderte Emmyth unter einem Grinsen und ließ Azura ziehen. Kaum war sie aus dem Raum, wandte er Aquila seine Aufmerksamkeit zu. Vor allem, weil ihr Blick musternd auf ihm lag. "Meine Tochter hat offensichtlich eine Schwäche für nachtfarbene Haut und Rubine", bemerkte sie, "aber wie steht es hierbei mit Euch?"
"Ich habe eine Schwäche für Feen", erwiderte Emmyth und schaute noch einmal flüchtig zur Tür hin. Azura aber war längst verschwunden. Eiligen Schrittes erreichte sie das Ankleidezimmer ihrer Mutter, schloss hinter sich ab und atmete zunächst einmal durch. Doch dann ergriff sie dieses Drängen, das sie schon zuvor im Musikzimmer überkommen hatte. Sie konnte ihm nicht länger widerstehen, nun, da sie allein war. So holte sie das Beutelchen hervor, in dem Corax' Perle sicher verwahrt war. Sie schnürte es auf und holte das Kleinod heraus. Aber sie betrachtete es nicht, hielt es nur sehr lange von ihren Fingern umschlossen. Die Oberfläche fühlte sich glatt an wie zuvor und auch ein wenig kühl. Das hatten Perlen so an sich. Vielleicht war also alles in Ordnung? Ein kleiner Blick könnte genügen, um sich zu versichern. Azura widerstand dem Drang. Zu groß war die Sorge, etwas Anderes als das milchige Weiß der Kostbarkeit vorzufinden und sie durfte sich nun nicht ablenken lassen. So kehrte die Perle zurück in ihr Versteck, ohne dass sie dem Drängen gänzlich nachgegeben hatte. Stattdessen untersuchte sie nun die Geheimfächer nach ihrem Öffnungsmechanismen. Eindringlinge würden so ihre Probleme damit haben, nicht jedoch die Tochter des Hauses. Zwar hatte Azura ihre halbe Jugend damit verbracht, die Fächer überhaupt zu finden, aber eines war im Grunde so leicht zu öffnen wie das andere, wenn man den Dreh erst einmal heraus hatte. So gelangte sie schnell an die sorgsam verborgenen Unterlagen. Schon durchstöberte sie jene, konnte nur schwerlich gegen die Tränen ankämpfen, als sie sah, wonach sie offenbar gesucht hatte. Es erinnerte sie an ein Erlebnis aus der Vergangenheit, das Alycide souverän und mit dem nötigen väterlichen Feingefühl gemeistert hatte, um Azuras kindliches Herz zu gewinnen. Jetzt schmerzte dieses Herz, weil der Mann, der ihr zum Vater geworden war, noch immer in Gefahr schwebte. So hielt sie sich nicht lange damit auf, in jenen Erinnerungen zu schwelgen, sondern zu handeln. Rasch rollte sie das teure Pergament zusammen, um damit ins Musikzimmer zurückzukehren. Dort erwartete sie eine seltsame Szene.
Vor lauter Aufregung oder eben weil es ihr eigenes Heim war, vergaß Azura ein höfliches Anklopfen, sondern betrat den Salon einfach. Dabei unterbrach sie ein gedämpftes Gespräch zwischen Aquila und Emmyth. Ihre Mutter saß noch immer auf dem Sofa, doch war sie nach vorn bis an die Kante gerutscht. Emmyth hingegen war vor ihr auf ein Knie gefallen und schloss die Hand soeben um eine Kleinigkeit, die er von Aquila erhalten hatte. Schnell schwand das, was immer was war, in der inneren Brusttasche seiner Weste. Er räusperte sich, als hätte Azura ihn soeben in flagranti erwischt. Dann erhob er sich und glättete seinen Kragen. Aquila musterte ihn dabei, anschließend ihre Tochter. Sie überging sie Szenerei einfach, indem sie fragte: "Bist du fündig geworden? Ohja, ich sehe es." Sie nickte in Richtung der Pergamentrolle. "Wärst du nun so freundlich, uns in deine Idee einzuweihen. Die Zeit rinnt uns allen davon und Emmyth sprach mich soeben darauf an, dass das Einkleiden mehrere Stunden in Anspruch nähme."
"Auch das deine", wies er Azura darauf hin und lächelte weitaus strahlender als sie ihn bislang erlebt hatte. Irgendetwas hatte im gehörig die Stimmung gehoben, dabei war ihm doch gar kein weiterer Ritt unter Azuras kräftigen Schenkeln vergönnt worden.

- Azura
- Spieler-Charakter
- Beiträge: 462
- Registriert: Freitag 15. April 2011, 20:33
- Moderator des Spielers: Kazel Tenebrée
- Steckbrief: Zum Steckbrief
- Rasse: Mensch/Elf
- Sprachen: Garmisch
Sendli - Beruf: adelige Tochter
- Fähigkeiten: Lesen und schreiben
sich präsentieren
Wassermagie unausgebildet/ungefördert - Lebensenergie:
- Geld: 0D, 0L, 0F
- Ausrüstung: das, was sie am Leib trägt
- Zum Vorzeigen: [br][/br]
Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Die junge Frau hatte nie ihren Status als Einzelkind aufgeben und lernen müssen, auch einmal zurück zu stecken. Stattdessen hatte sie ihren Stiefvater gekonnt um den Finger wickeln können und die Erwachsenen hatten den Moment verpasst, an dem ihre Nachsicht und Hoffnung auf alleinige Besserung mit den Jahren einer Veränderung bedurft hätten. So war Azura verwöhnt und verzogen worden, hatte sich in ihrem Heranwachsen so viele Freiheiten heraus genommen, wie es ihrem Stand und Geschlecht nur möglich gewesen war, und all das sehr genossen.
Nach ihrem Dafürhalten hätte es auch noch länger so weiter gehen können, ungeachtet dessen, dass unter der scheinbar zufriedenen Oberfläche sich allmählich eine gewisse Leere auszubreiten begonnen hatte. Langsam, aber sicher hatte ihr bisheriges Dasein sie zu langweilen begonnen, weil sie schlichtweg keine Aufgabe gefunden oder vorgesetzt bekommen hatte, mit der sie sich ernsthaft hätte beschäftigen müssen. Eine, bei der sie sich hätte beweisen und an der sie hätte wachsen können.
Dieser für sie gewöhnliche Alltag hatte sich erst durch ihre Entführung geändert und nun taten sich für sie einige neue Möglichkeiten auf. Solche, vor denen sie jedoch auch Angst hatte, denn durch die fehlenden Herausforderungen hatte sie sich bislang nicht in dieser Hinsicht beweisen müssen. Sie konnte nicht auf Erfolge zurück blicken, die ihr Selbstbewusstsein auf gesunde Weise hätten nähren können.
Stattdessen musste sie die Courage erst zwangsläufig hervor holen, denn in Hinblick auf die Sturheit kam sie ganz nach ihrer Mutter. Was wiederum bedeutete, dass mehr als ein kurzer Versuch, um sie umzustimmen, nicht notwendig und vielmehr vergeudete Liebesmühe wäre. Und tatsächlich, Azura fügte sich und würde ihre Rolle einnehmen, so gut sie es vermochte.
Sobald sie das allerdings für sich akzeptiert hatte, fing es hinter ihrer Stirn bereits zu arbeiten an, denn ihr war sehr deutlich bewusst, um was es bei der ganzen Sache ging. Das konnte sie nicht halbherzig machen, da musste sie sich voll und ganz damit befassen, ohne Ablenkung, obwohl sie bestimmt ausreichend davon hätte finden können. Während ihre Gedanken noch den ein oder anderen losen Zwirn zu fassen bekommen wollten, um ihn zu einem kräftigeren Faden zusammen zwirbeln zu können, erfuhr sie immer mehr neue Dinge aus dem Alltag ihrer Mutter, den sie bislang vollkommen anders erlebt hatte.
Scherzend wollte sie darauf hinweisen und gleichzeitig sich darüber beschweren, das sie selbst dazu angehalten gewesen war, auf edlen Stoffen kostbare Fäden zu versticken. Eine Tätigkeit, die ihr niemals wirklich gelegen war, weder in Hinsicht auf Interesse, noch auf Talent. Wie oft war ihr da was gerissen oder hatte sie ein Loch in das Material gestochen, von den oftmaligen Auftrennungen und Wiederholungen ganz zu schweigen! Nein, für sie bedeutete zu sticken vor allem eines: Frust.
Ihre Mutter hingegen liebte es und das gönnte sie der Älteren auch. Nur konnte sie es eben nicht nachvollziehen, ebenso wenig wie Aquila wiederum ihre Vorliebe für diese bezaubernden Jagdfalken.
Oh, wie gern war sie bei ihrer Volière gesessen und hatte dort Stunden verbracht, das Plätschern des nahe stehenden Brunnens im Ohr, mal in die Beobachtung ihres Vogels versunken, mal mit einem Büchlein in den Händen. Ja, tatsächlich, wenn es ums Lesen ging, konnte Azura durchaus ausreichend Energie und Konzentration aufbringen, um sich einem Buch zu widmen von Anfang bis zum Ende.
Und dann erst ihre Jagdausritte! Sie hatte diese Zeit nicht nur genossen, sie hatte es wahrlich geliebt. Dabei war es ihr nicht um die Beute gegangen, dieses blutige Geschäft hatte ihr nie behagt und wenn, dann hatte sie es hauptsächlich auf kleinere Tierchen abgesehen gehabt, die am Ende sowieso ihr erfolgreicher Falke erhalten hatte als Belohnung. Nein, vielmehr hatten ihr diese Ritte das Gefühl eines Ausbruchs aus den Fesseln des Alltags vermittelt. Sie mochte ohne einer harten, elterlichen Hand aufgewachsen und verwöhnt worden sein. Das bedeutete jedoch bei weitem nicht, dass sie frei zu tun und lassen gewesen war, wonach ihr der Sinn stand.
Nur, wenn sie im vollen Galopp über die Ebene vor der Stadt geprescht war oder sehnsüchtig ihrem Begleiter nachgesehen hatte, wie dieser sich in die Höhe schraubte und seine Beute ausmachte, hatte sie sich frei gefühlt. Aber das hatte sie der Hausherrin natürlich niemals anvertraut, denn sie selbst hatte nur im Ansatz begriffen, woher das kommen mochte. Noch heute war sie sich dessen nicht wirklich bewusst, weil sie es ohnehin vermied, darüber nachzudenken. Lediglich der Wunsch nach einer neuerlichen Jagd oder einem Ausritt, dessen war sie sich durchaus bewusst.
Der kleine Ausflug mit Emmyth am gestrigen Tag hatte dieses Bedürfnis nur kurzfristig befriedigen können. Leise seufzend verdrängte sie die Erinnerung daran und deutete ein Kopfschütteln an. „Mama, was das betrifft, muss ich dich wirklich enttäuschen. Ich werde keinen Stoff mehr mit einer Nadel malträtieren.“, erwiderte sie mit einem schiefen Grinsen.
Daraufhin kamen sie zum eigentlichen Anliegen des Tages und die Schilderung ihres Begleiters gefiel ihr nicht. Womöglich lag es daran, dass sie eben keine Erfahrung und keine wirkliche Ausbildung als Händlerin besaß, aber sie mochte es nicht so recht, mit vollem Bewusstsein und reinster Absicht andere herein zu legen. Es war ein Unterschied, ob sie mit einem Galan schäkerte und ihm die ein oder andere Hoffnung machte, ohne sie tatsächlich zu erfüllen, oder ob sie mögliche zukünftige Geschäftspartner zu Garantien verführte, die das Leben anderer retten sollten.
Emmyth schien sie damit zu amüsieren und als er lachte, hoben sich ihre Augenbrauen zweifelnd an. Bei seinem Glucksen musste auch sie unwillkürlich schmunzeln und konnte sich nicht verkneifen, einzuwerfen:„Ach, sollte ich an ehrbaren Absichten gewisser Dunkelelfen zu zweifeln beginnen?“
Daraufhin biss sie sich allerdings auf die Zunge. Ihre Mutter würde diese Worte hoffentlich rein auf Corax beziehen, doch sie beide wüssten, dass diese genauso gut dessen Bruder gelten mochten. Tatsächlich war Azura sich nicht ganz sicher, an wen von beiden sie ihre Aussage gerichtet hatte. Deswegen und um sich nicht noch weiter in den Schlamassel ziehen zu lassen, beschloss sie, erst einmal zu schweigen und zu zuhören.
Indes kam ihr endlich der rettende Einfall und dieser musste umgesetzt werden, am besten sofort und ohne jegliche weitere Verzögerung. Und trotzdem konnte sie sich eine kleine, spitze und zugleich herausfordernde Bemerkung an Emmyth nicht verkneifen. Seine Reaktion, vor allem sein spitzbübisches Grinsen, ließ ihre Wangen erröten und ihr Herz wild hüpfen, sodass sie beinahe schon fluchtartig den Raum verließ.
Draußen musste sie sich erst einmal fassen, ehe sie ihr eigentliches Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Wenigstens war dieses ablenkend und vereinnahmend genug, um ihren Kopf soweit zu klären, dass sie keine Zeit vertrödelte, nachdem sie beschlossen hatte, selbst die Perle nicht zu betrachten und ihre Sorge um ihren Raben nicht unnötig zu erhöhen. Lediglich kurz musste sie innehalten, als eine Erinnerung sich in den Vordergrund drängte und ihre Gefühle erneut durcheinander wirbelte.
Als sie sich wieder gefangen hatte, war sie umso entschlossener, ihre Idee und diesen Abend so gut wie möglich zu nutzen. Entsprechend beeilte sie sich und hielt sich nicht mit Höflichkeiten wie einem schlichten Anklopfen und Abwarten auf Beachtung auf, noch dazu, weil sie ihre Mutter nicht zu lange mit dem Dunklen allein lassen wollte. Zu sehr würde sie in wenigen Stunden noch zu leiden haben und Haltung wahren müssen, da wollte sie rasch wieder bei ihr sein.
Als die junge Frau allerdings das Musikzimmer betrat, wurde sie Zeugin einer durchaus… merkwürdigen Szenerie, in der die Hausherrin vorgebeugt auf dem Sofa saß, der zweitgeborene Sohn des Hauses Faelyn vor ihr auf den Knien und etwas erhaltend, das er vor ihren Blicken sorgsam verbarg, als er es einsteckte. Azuras Augenbrauen hoben sich dezent an, während sie ihre Lippen flüchtig fester aufeinander presste. Ohne es zu wollen oder gar zu begreifen, schoss eine kleine, stechende Flamme der Eifersucht in ihr hoch.
Ihre Mutter war schließlich immer noch eine schöne Frau, trotz ihres reiferen Alters, und die Ähnlichkeit zwischen ihnen beiden war nicht zu leugnen. Obwohl es keinen Zweifel an der Treue von Aquilas Herzen geben konnte, wie stand es um jenes ihres Gastes? Musste sie sich Sorgen darum machen? Durfte sie das überhaupt?! Was sollte sie generell von diesem Anblick halten? Was war während ihrer Abwesenheit in diesem Raum vorgefallen?!
Als Emmyth sich räusperte, richtete sich ihr Blick einen Moment lang direkt auf sein Antlitz, während er sich benahm, als hätte sie etwas zu sehen bekommen, was sie nicht erfahren sollte. Ihre Mutter dagegen verhielt sich, als wäre nichts geschehen, sodass die Jüngere beschloss, sich den Dunklen später unter vier Augen vorzuknöpfen. Oh, und sie würde schon noch herausfinden, was sie hier verpasst hatte, selbst, wenn das bedeutete, seine Brusttasche persönlich zu plündern!
Jetzt hingegen musste sie sich zusammen reißen, sodass sie sich einen Ruck gab und zu den Beiden trat, mit der Rolle in ihrer Hand. Die Hausherrin war es, die das Wort ergriff, und sie nickte dazu, ließ sich wieder auf das Sofa sinken und wollte gerade selbst das Pergament öffnen.
Doch die Bemerkungen über die Zeit des Ankleidens ließen sie innehalten. Mit beinahe schon kühler, aber vor allem beherrschter Miene sah sie zu Emmyth hin. Im Gegensatz dazu klang ihre Stimme ein kleines bisschen zu spitz, als sie erwiderte:“Ach, tut es das?“
Im nächsten Moment winkte sie schon wieder ab und wollte sich darauf nun nicht einlassen, weil sie selbst hören konnte, dass sie nicht Herrin ihres Tonfalls war. Das könnten sie klären, wenn sie unter sich wären, ohne ihrer Mutter, die von dieser Menage à trois definitiv nichts erfahren sollte!
Also rollte sie endlich das Pergament auf und präsentierte es zuerst Aquila, um es dann ein wenig zu senken und so auch ihrem Gegenüber einen Blick darauf zu gewähren. „Das ist ein Handelsbaum… so hat es Vater zumindest immer genannt, in Anlehnung an den Stammbaum.“, erklärte sie und sah zu ihrer Mutter hinüber. „Mama, du kennst das hier sicher. Hier sind alle Familien mit ihren wichtigsten Gütern und Kontakten aufgelistet, wie sie bis vor kurzem gewesen sind. Ich dachte mir…“
Nun röteten sich ihre Wangen wieder und die Eifersuchtsflamme wurde kleiner, ohne gänzlich verlöschen, musste anderen Gefühlen Platz gewähren. „Nun ja, ich dachte, wenn es schon an mir liegt, den Festgästen die Verbindungen zu Anduniern schmackhaft zu machen, schadet es nicht, wenn ich vorher etwas mehr darüber weiß, welche Möglichkeiten wir überhaupt haben, über welche Waren sich handeln lässt und womit wir uns in die Nesseln setzen würden.“
Mit jedem Wort wurde sie leiser und die Unsicherheit größer, bis sie schließlich verstummte und mit den Schultern zuckte. Den Blick fest auf den Handelsbaum, auf dieses faszinierende, informative Gebilde gerichtet, wartete sie auf das Urteil der anderen, ob diese Idee überhaupt zu etwas taugen würde.
Nach ihrem Dafürhalten hätte es auch noch länger so weiter gehen können, ungeachtet dessen, dass unter der scheinbar zufriedenen Oberfläche sich allmählich eine gewisse Leere auszubreiten begonnen hatte. Langsam, aber sicher hatte ihr bisheriges Dasein sie zu langweilen begonnen, weil sie schlichtweg keine Aufgabe gefunden oder vorgesetzt bekommen hatte, mit der sie sich ernsthaft hätte beschäftigen müssen. Eine, bei der sie sich hätte beweisen und an der sie hätte wachsen können.
Dieser für sie gewöhnliche Alltag hatte sich erst durch ihre Entführung geändert und nun taten sich für sie einige neue Möglichkeiten auf. Solche, vor denen sie jedoch auch Angst hatte, denn durch die fehlenden Herausforderungen hatte sie sich bislang nicht in dieser Hinsicht beweisen müssen. Sie konnte nicht auf Erfolge zurück blicken, die ihr Selbstbewusstsein auf gesunde Weise hätten nähren können.
Stattdessen musste sie die Courage erst zwangsläufig hervor holen, denn in Hinblick auf die Sturheit kam sie ganz nach ihrer Mutter. Was wiederum bedeutete, dass mehr als ein kurzer Versuch, um sie umzustimmen, nicht notwendig und vielmehr vergeudete Liebesmühe wäre. Und tatsächlich, Azura fügte sich und würde ihre Rolle einnehmen, so gut sie es vermochte.
Sobald sie das allerdings für sich akzeptiert hatte, fing es hinter ihrer Stirn bereits zu arbeiten an, denn ihr war sehr deutlich bewusst, um was es bei der ganzen Sache ging. Das konnte sie nicht halbherzig machen, da musste sie sich voll und ganz damit befassen, ohne Ablenkung, obwohl sie bestimmt ausreichend davon hätte finden können. Während ihre Gedanken noch den ein oder anderen losen Zwirn zu fassen bekommen wollten, um ihn zu einem kräftigeren Faden zusammen zwirbeln zu können, erfuhr sie immer mehr neue Dinge aus dem Alltag ihrer Mutter, den sie bislang vollkommen anders erlebt hatte.
Scherzend wollte sie darauf hinweisen und gleichzeitig sich darüber beschweren, das sie selbst dazu angehalten gewesen war, auf edlen Stoffen kostbare Fäden zu versticken. Eine Tätigkeit, die ihr niemals wirklich gelegen war, weder in Hinsicht auf Interesse, noch auf Talent. Wie oft war ihr da was gerissen oder hatte sie ein Loch in das Material gestochen, von den oftmaligen Auftrennungen und Wiederholungen ganz zu schweigen! Nein, für sie bedeutete zu sticken vor allem eines: Frust.
Ihre Mutter hingegen liebte es und das gönnte sie der Älteren auch. Nur konnte sie es eben nicht nachvollziehen, ebenso wenig wie Aquila wiederum ihre Vorliebe für diese bezaubernden Jagdfalken.
Oh, wie gern war sie bei ihrer Volière gesessen und hatte dort Stunden verbracht, das Plätschern des nahe stehenden Brunnens im Ohr, mal in die Beobachtung ihres Vogels versunken, mal mit einem Büchlein in den Händen. Ja, tatsächlich, wenn es ums Lesen ging, konnte Azura durchaus ausreichend Energie und Konzentration aufbringen, um sich einem Buch zu widmen von Anfang bis zum Ende.
Und dann erst ihre Jagdausritte! Sie hatte diese Zeit nicht nur genossen, sie hatte es wahrlich geliebt. Dabei war es ihr nicht um die Beute gegangen, dieses blutige Geschäft hatte ihr nie behagt und wenn, dann hatte sie es hauptsächlich auf kleinere Tierchen abgesehen gehabt, die am Ende sowieso ihr erfolgreicher Falke erhalten hatte als Belohnung. Nein, vielmehr hatten ihr diese Ritte das Gefühl eines Ausbruchs aus den Fesseln des Alltags vermittelt. Sie mochte ohne einer harten, elterlichen Hand aufgewachsen und verwöhnt worden sein. Das bedeutete jedoch bei weitem nicht, dass sie frei zu tun und lassen gewesen war, wonach ihr der Sinn stand.
Nur, wenn sie im vollen Galopp über die Ebene vor der Stadt geprescht war oder sehnsüchtig ihrem Begleiter nachgesehen hatte, wie dieser sich in die Höhe schraubte und seine Beute ausmachte, hatte sie sich frei gefühlt. Aber das hatte sie der Hausherrin natürlich niemals anvertraut, denn sie selbst hatte nur im Ansatz begriffen, woher das kommen mochte. Noch heute war sie sich dessen nicht wirklich bewusst, weil sie es ohnehin vermied, darüber nachzudenken. Lediglich der Wunsch nach einer neuerlichen Jagd oder einem Ausritt, dessen war sie sich durchaus bewusst.
Der kleine Ausflug mit Emmyth am gestrigen Tag hatte dieses Bedürfnis nur kurzfristig befriedigen können. Leise seufzend verdrängte sie die Erinnerung daran und deutete ein Kopfschütteln an. „Mama, was das betrifft, muss ich dich wirklich enttäuschen. Ich werde keinen Stoff mehr mit einer Nadel malträtieren.“, erwiderte sie mit einem schiefen Grinsen.
Daraufhin kamen sie zum eigentlichen Anliegen des Tages und die Schilderung ihres Begleiters gefiel ihr nicht. Womöglich lag es daran, dass sie eben keine Erfahrung und keine wirkliche Ausbildung als Händlerin besaß, aber sie mochte es nicht so recht, mit vollem Bewusstsein und reinster Absicht andere herein zu legen. Es war ein Unterschied, ob sie mit einem Galan schäkerte und ihm die ein oder andere Hoffnung machte, ohne sie tatsächlich zu erfüllen, oder ob sie mögliche zukünftige Geschäftspartner zu Garantien verführte, die das Leben anderer retten sollten.
Emmyth schien sie damit zu amüsieren und als er lachte, hoben sich ihre Augenbrauen zweifelnd an. Bei seinem Glucksen musste auch sie unwillkürlich schmunzeln und konnte sich nicht verkneifen, einzuwerfen:„Ach, sollte ich an ehrbaren Absichten gewisser Dunkelelfen zu zweifeln beginnen?“
Daraufhin biss sie sich allerdings auf die Zunge. Ihre Mutter würde diese Worte hoffentlich rein auf Corax beziehen, doch sie beide wüssten, dass diese genauso gut dessen Bruder gelten mochten. Tatsächlich war Azura sich nicht ganz sicher, an wen von beiden sie ihre Aussage gerichtet hatte. Deswegen und um sich nicht noch weiter in den Schlamassel ziehen zu lassen, beschloss sie, erst einmal zu schweigen und zu zuhören.
Indes kam ihr endlich der rettende Einfall und dieser musste umgesetzt werden, am besten sofort und ohne jegliche weitere Verzögerung. Und trotzdem konnte sie sich eine kleine, spitze und zugleich herausfordernde Bemerkung an Emmyth nicht verkneifen. Seine Reaktion, vor allem sein spitzbübisches Grinsen, ließ ihre Wangen erröten und ihr Herz wild hüpfen, sodass sie beinahe schon fluchtartig den Raum verließ.
Draußen musste sie sich erst einmal fassen, ehe sie ihr eigentliches Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Wenigstens war dieses ablenkend und vereinnahmend genug, um ihren Kopf soweit zu klären, dass sie keine Zeit vertrödelte, nachdem sie beschlossen hatte, selbst die Perle nicht zu betrachten und ihre Sorge um ihren Raben nicht unnötig zu erhöhen. Lediglich kurz musste sie innehalten, als eine Erinnerung sich in den Vordergrund drängte und ihre Gefühle erneut durcheinander wirbelte.
Als sie sich wieder gefangen hatte, war sie umso entschlossener, ihre Idee und diesen Abend so gut wie möglich zu nutzen. Entsprechend beeilte sie sich und hielt sich nicht mit Höflichkeiten wie einem schlichten Anklopfen und Abwarten auf Beachtung auf, noch dazu, weil sie ihre Mutter nicht zu lange mit dem Dunklen allein lassen wollte. Zu sehr würde sie in wenigen Stunden noch zu leiden haben und Haltung wahren müssen, da wollte sie rasch wieder bei ihr sein.
Als die junge Frau allerdings das Musikzimmer betrat, wurde sie Zeugin einer durchaus… merkwürdigen Szenerie, in der die Hausherrin vorgebeugt auf dem Sofa saß, der zweitgeborene Sohn des Hauses Faelyn vor ihr auf den Knien und etwas erhaltend, das er vor ihren Blicken sorgsam verbarg, als er es einsteckte. Azuras Augenbrauen hoben sich dezent an, während sie ihre Lippen flüchtig fester aufeinander presste. Ohne es zu wollen oder gar zu begreifen, schoss eine kleine, stechende Flamme der Eifersucht in ihr hoch.
Ihre Mutter war schließlich immer noch eine schöne Frau, trotz ihres reiferen Alters, und die Ähnlichkeit zwischen ihnen beiden war nicht zu leugnen. Obwohl es keinen Zweifel an der Treue von Aquilas Herzen geben konnte, wie stand es um jenes ihres Gastes? Musste sie sich Sorgen darum machen? Durfte sie das überhaupt?! Was sollte sie generell von diesem Anblick halten? Was war während ihrer Abwesenheit in diesem Raum vorgefallen?!
Als Emmyth sich räusperte, richtete sich ihr Blick einen Moment lang direkt auf sein Antlitz, während er sich benahm, als hätte sie etwas zu sehen bekommen, was sie nicht erfahren sollte. Ihre Mutter dagegen verhielt sich, als wäre nichts geschehen, sodass die Jüngere beschloss, sich den Dunklen später unter vier Augen vorzuknöpfen. Oh, und sie würde schon noch herausfinden, was sie hier verpasst hatte, selbst, wenn das bedeutete, seine Brusttasche persönlich zu plündern!
Jetzt hingegen musste sie sich zusammen reißen, sodass sie sich einen Ruck gab und zu den Beiden trat, mit der Rolle in ihrer Hand. Die Hausherrin war es, die das Wort ergriff, und sie nickte dazu, ließ sich wieder auf das Sofa sinken und wollte gerade selbst das Pergament öffnen.
Doch die Bemerkungen über die Zeit des Ankleidens ließen sie innehalten. Mit beinahe schon kühler, aber vor allem beherrschter Miene sah sie zu Emmyth hin. Im Gegensatz dazu klang ihre Stimme ein kleines bisschen zu spitz, als sie erwiderte:“Ach, tut es das?“
Im nächsten Moment winkte sie schon wieder ab und wollte sich darauf nun nicht einlassen, weil sie selbst hören konnte, dass sie nicht Herrin ihres Tonfalls war. Das könnten sie klären, wenn sie unter sich wären, ohne ihrer Mutter, die von dieser Menage à trois definitiv nichts erfahren sollte!
Also rollte sie endlich das Pergament auf und präsentierte es zuerst Aquila, um es dann ein wenig zu senken und so auch ihrem Gegenüber einen Blick darauf zu gewähren. „Das ist ein Handelsbaum… so hat es Vater zumindest immer genannt, in Anlehnung an den Stammbaum.“, erklärte sie und sah zu ihrer Mutter hinüber. „Mama, du kennst das hier sicher. Hier sind alle Familien mit ihren wichtigsten Gütern und Kontakten aufgelistet, wie sie bis vor kurzem gewesen sind. Ich dachte mir…“
Nun röteten sich ihre Wangen wieder und die Eifersuchtsflamme wurde kleiner, ohne gänzlich verlöschen, musste anderen Gefühlen Platz gewähren. „Nun ja, ich dachte, wenn es schon an mir liegt, den Festgästen die Verbindungen zu Anduniern schmackhaft zu machen, schadet es nicht, wenn ich vorher etwas mehr darüber weiß, welche Möglichkeiten wir überhaupt haben, über welche Waren sich handeln lässt und womit wir uns in die Nesseln setzen würden.“
Mit jedem Wort wurde sie leiser und die Unsicherheit größer, bis sie schließlich verstummte und mit den Schultern zuckte. Den Blick fest auf den Handelsbaum, auf dieses faszinierende, informative Gebilde gerichtet, wartete sie auf das Urteil der anderen, ob diese Idee überhaupt zu etwas taugen würde.

- Erzähler
- Nicht-Spieler-Charakter
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- Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Azura war sich nicht sicher, wie sie das Gesehene einordnen sollte. An der Treue und Liebe ihrer Mutter zu ihrem Ziehvater Alycide van Ikari besaß sie keinen Zweifel, aber warum hatte Emmyth dann vor ihr gekniet? Eifersucht flammte in ihr auf und sie spürte es tief in ihrem Kern, mehr weil die Magie des Wasser darum wie ein Schild auf Abstand kreiste, um dem Feuer genug Freiraum zu geben. Gleichzeitig aber würde sie es schützen. Sie schützte selbst ihre Eifersucht, wo Azura doch noch nicht einmal wusste, dass es sie auf dieser Ebene traf, als ihr Blick an Emmyth entlang wanderte? Er machte einen leicht ertappten Eindruck, gleichzeitig strahlte er bis über beide Spitzohren und konnte es kaum verbergen. Hingegen hatte er den Gegenstand sehr gut verborgen - erst in der Handfläche, nun in der inneren Brusttasche seiner Brokatweste. Sie würde sich merken, dass es da noch etwas zu besprechen gäbe. Nun aber bewegten sie andere Prioritäten und auch ihre Mutter kam darauf zu sprechen. Azura war nicht umsonst verschwunden! Sie hatte eine Pergamentrolle mitgebracht, die sie nun beiden präsentierte. Dazu wurde der kleine Kaffeetisch zwischen den sitzmöäbeln freigeräumt. Anschließend breitete man das Schriftstück sorgsam darauf aus. Aquila verteilte die Teetassen und die Kanne neu, so dass sie die Ecke des Pergaments beschwerten und man freie Hand hatte, einen Blick auf das zu werfen, was Azura offenbar einen Geistesblitz beschert hatte.
"Das ist ein Handelsbaum ... so hat Vater es zumindest immer genannt, in Anlehnung an den Stammbaum. Mama, du kennst das hier sicher. Hier ains alle Familien mit ihren wichtigsten Gütern und Kontakten aufgelistet, wie sie bis vor kurzem gewesen sind." Die Hausherrin nickte: "Es war die Idee eines seiner Partner, die von nicht wenigen Kaufleuten in Andunie übernommen wurde." Anschließend überließ sie erneut Azura das Wort, damit sie ihre Pläne weiter ausführen konnte. "Nun ja, ich dachte, wenn es schon an mir liegt, den Festgästen die Verbindungen zu Anduniern schmackhaft zu machen, schadet es nicht, wenn ich vorher etwas mehr darüber weiß, welche Möglichkeiten wir überhaupt haben, über welche Waren sich handeln lässt und womit wir uns in die Nesseln setzen würden."
Aquila nickte erneut. Sie hatte erfasst, worauf ihre Tochter hinaus wollte. Ehe sie jedoch eine Anmerkung dazu machen konnte, mischte Emmyth sich ein. Sein mitleidiger Blick heftete sich an Azura. Er stämmte die Hände locker in seine Hüften und schüttelte unter aufrichtigem Bedauern den Kopf. "Das wird so nicht funktionieren, fürchte ich." Dann trat er näher an den Kaffeetisch heran, beäugte die wie ein Stammbaum aufgezeichnete Struktur auf dem Pergament jedoch kaum. Schließlich seufzte er und im Anflug einer offenbar unüberlegten Spur von Zuneigung, die er so nicht der Öffentlichkeit präsentieren sollte, schob sich seine Hand unter Azuras Kinn. Er hob es sanft an. Nun fehlte nur noch ein aufmunternder Kuss, aber diesen verkniff er sich. Doch Emmyth Blick sprach Bände. Es war ihm nicht Recht, ihre Pläne auf diese Weise zertrümmern zu müssen und es traf ihn, der Überbringer der schlechten Nachricht zu sein. "Die meisten andunischen Kaufleute sind, wie wir wissen, in Gewalt der Dunkelelfen. Meinesgleichen verwahrt die wichtigsten offenbar in Kosral - wie Euren Gatten, Verehrteste van Ikari." Aquila nickte ein drittes Mal. Jetzt seufzte auch sie, aber vor Kummer. "Das bedeutet im Folgeschluss", setzte Emmyth seine Ausführungen fort, "dass die Dunklen, die sie gefangennehmen ließen, ihre Häuser und Wertsachen übernahmen, auch über deren Geschäftsbeziehungen verfügen werden. Sicherlich reißen einige ab, weil man ... mit ... uns dunklem Abschaum nicht verhandeln will." Er spitzte brüskiert die Lippen. "Es werden dennoch genug Verträge fortgesetzt werden, allein schon, weil den ausländischen Händlern ihre Geschäfte nicht verlorengehen wollen. Der kleine Vorteil, einige wenige Vertragspartner zu halten, indem man die andunischen Kaufleute aus Kosral holen und sie die Im- und Exporte fortführen lässt, sehe ich kaum. Das wird meinesgleichen auch in deren Gefangenschaft gelingen ... mit ... den entsprechenden Mitteln."
Jetzt stöhnte Aquila voller Angst auf, griff sich ans Herz und schluchzte. Sie wollte gar nicht wissen, welche Methoden die Dunkelelfen sich bedienen mochten, um Alycide dazu zu nötigen, gewisse Vertragsgeschäfte auch außerhalb seines sicheren Heims aufrecht zu erhalten. Sie wären sicherlich nicht zimperlich. Aquila van Ikari wurde ein wenig blass um die Nase. Zum Glück saß sie noch auf dem Sofa. Sie fächelte sich Luft zu, um sich zu beruhigen. Inzwischen stellte Emmyth sich dicht neben Azura. Er legte ihr kurz und ungesehen von der geplagten Mutter die Hand um den Körper, drückte sie an sich und schenkte ihr einen tröstenden Blick. Dann löste er sich auch schon wieder, damit offenbar bloß kein weiterer Verdacht entstünde. Die Geste seiner Finger unter ihrem Kinn war schon verräterisch genug gewesen. Doch Aquila dachte nicht daran, auf diese Entwicklungen einzugehen. Sie hatte sich gefasst und sah nun zu beiden auf.
"Emmyth, Ihr habt Recht. Die Idee meiner Tochter ist allerdings dennoch sehr gut. Wir müssen das Pferd nur von hinten aufspannen." Sie beugte sich vor und tippte mit der Fingerspitze auf das Wappen, das auf dem Bildnis an oberster Stelle stand. Es war das ihres eigenen Hauses, van Ikari. Von dort gingen zahlreiche Zweige zu anderen Handelsfamilien und Adligen, die allesamt auf dem Papier verzeichnet waren. Azura erkannte einige anhand ihrer Wappen, die sie bei Besuchen oder Tanzbällen immer mal wieder gesehen haben mochte. Manche waren ihr jedoch vollkommen fremd. Vor allem jene, die ihrerseits über mehrmals verzweigte Linien zwischen den Wappen zurück zu den van Ikaris führten. Dann schaute sie zu Azura auf, ohne dabei den Kopf groß zu heben. Ihre Augen stachen hell zur Tochter und darin loderte der störrische Kampfgeist, sich jetzt nicht unterkriegen lassen zu wollen. "Dein Vater handelt mit vielen Kontakten jenseits von Andunie. Sarma, das Königreich Jorsan, das weit entlegende Santros ... und immer wieder hatte er versucht, auch eine Handelsbeziehung zu Xytras aufzubauen. Es misslang bisweilen, denn die Amazonen dulden keinen andunischen Mann, der die Verhandlungen führt. Je nach Region sehen die Waren unterschiedlich aus. Gegen andunische Stoffe, den klassischen Apfelwein, aber auch eine reiche Apfelernte an sich erhielten wir Feigen, Datteln und Produkte aus diesen Früchten von der Insel Belfa. Das Königreich handelte mit Kaffeebohnen, Edelhölzern aus dem Urwald Kapayu und Kunst. Santros ist der jüngste Handelspartner deines Vaters und aufgrund der hohen Entfernung nicht oft anreisbar, aber es lohnt sich. Für unseren Wein und unser neuestes Luxusgut - ausgebildete Jagdfalken! - erwerben wir verarbeiteten santronischen Schmuck, Parfum und erneut edle Stoffe." Sie schaute Azura lange an. Vielleicht erinnerte sich das Kind noch daran, dass ihr Vater von einer seiner Reisen nicht nur einen Flakon lieblich duftenden Parfums für sie mitgebracht hatte, sondern auch das ausladende Ballkleid mit der Silbermaske, die man an einem filigranen Stiel hatte halten können. Dazu der edle Fächer mit durchsetzten Silberfäden und die Ohrringe in Form kleiner Delfine, die Azura so liebte.
Aquila tippe erneut auf das Papier, dieses Mal aber auf verschiedene Wappen am Rand. "Das hier sind unsere Vorteile. Mein Gatte, Alycide, besitzt sehr gute Kontakte zu zwei Sultanen in Sarma, sowie einige Kleinhändler dort. Die sollten aber nicht weiter von Belang sein. Sultan Khasib Ashref steht in bester Beziehung. Beide handeln mit Alkoholischem. Der Sultan ist ohnehin an jeglicher Luxusware interessiert, durchaus auch ... Frauen." Sie warf nun Emmyth einen Blick zu. "Die Dunkelelfen halten sich Sklaven. Etwas, das mein Mann missbiligt, aber wenn wir ihnen schmackhaft machen, dass sie einen interessierten Kontakt in Sarma haben könnten..." Ihr Finger fuhr zu einem Wappen, das reicher verziert war als die meisten anderen. "Herzog Markwardt von Trutzingen, der Schwager der Königs von Jorsan." Aquila ließ diese Information sacken. "Kontakte zum jorsanischen Königshaus sind nahezu unbezahlbar und Herzog von Trutzingen exportiert nur zu gern seine Edelhölzer nach Andunie. Mein Mann verkauft sie dort an andere andunische kaufleute, die eben keinen solchen Beziehungsstatus zu Jorsan besitzen. Es fällt für uns genug ab, dass sich das Geschäft mehr als lohnt. Jorsan dürfte unser bestes Argument sein, vor allem weil der Herzog von Trutzingen bereits Interesse an dir geäußert hat, Azura." Aus Aquilas Gesicht konnte die Tochter herauslesen, dass ihr diese Information nicht die liebste war. "Sein Sohn Andrias ist mit gerade einmal zehn Jahren deutlich zu jung für dich. Dennoch werden potenzielle Ehepartner bereits abgesucht wie das Weidegras von den Schafen. Alycide hält ihn hin, dementiert eine mögliche Hochzeit aber auch nicht, doch du brauchst dir bislang keine Sorgen zu machen. Das Balg ist wahrlich unliebsam. Ich bezweifle, dass er dich je ehelichen wird. Der König selbst hingegen ist ebenfalls noch frei..." Ihre Augen wanderten über Azura, huschten dann hinüber zu Emmyth, dessen Miene undeutbar geworden war. Nur seine Augen weiteten sich einen Deut, vielleicht aber auch ob der Nachricht, dass die van Ikaris Kontakte zum jorsanischen Königshaus besaßen. Aquila lächelte plötzlich und schüttelte sacht den Kopf und auch Emmyth schien sich daraufhin zu entspannen. "Es wird nicht passieren", wiederholte sie. "Aber das muss niemand erfahren, der darauf sepkuliert, Jorsan zum Handelspartner zu bekommen." Sie zeigte auf ein letztes Wappen. Azura gefiel es vielleicht am besten, denn die silbrigen Wellen auf blauem Grund waren Ventha bildlich näher als andere. "Das Haus Da Silvienne, santronischer Adel. Es bringt eine Vielzahl an Söhnen hervor und alle werden in der Seefahrt ausgebildet. Die Töchter aber sind interessanter. Sie lassen Schmuck herstellen, suchen Optik und Edelsteine dabei aus. Sie haben ein Händchen für kostbare Silbergüter und Alycide weiß das. Manches Kleinod soll sogar mit Magie versehen sein, was es nur noch wertvoller macht, vielleicht auch in dunkelelfischen Augen, die sich mit einem schützenden Amulett absichern wollen."
Aquila van Ikari atmete aus. Dann lehnte sie sich auf dem Sofa zurück, ohne dabei ihre antrainierte Eleganz zu verlieren. Gerade jetzt strahlte sie etwas aus, von dem sie immer gehofft hatte, es würde auf ihre Tochter übergehen. Sie wirkte stark, trotz aller Umstände. Sie ließ sich nicht unterkriegen, niemals! Und sie blieb dabei unsagbar schön. Emmyth musterte sie. "Ich habe so eine Ahnung, in welche Richtung es führt", meinte er und wandte sich dann Azura zu. "Du wirst die wichtigsten Gäste des Festes davon überzeugen müssen, dass nur dein Vater die großen Handelsbeziehungen weiterführen kann. Vor allem aber, dass die Kontakte es merken würden, wenn er sich anders ausdrückt. Das bedeutet, er darf nicht genötigt werden, sondern braucht freien Spielraum. Das Haus Faelyn würde ihm diesen geben."
"Wenn das Haus Faelyn nach außen hin uns van Ikaris ... beaufsichtigt, damit wir keinen Hilferuf nach außen senden, stärken wir auch eine Verbindung zwischen uns", stimmte Aquila zu. Plötzlich richtete sie sich direkt an Azura. "Das wäre auch in deinem Sinn, nicht wahr? Du musst dich jetzt nur noch entscheiden, welchen Handelspartner wird als Hauptargument einsetzen wollen. Bis zum Fest musst du so viele Informationen wie möglich über den jeweiligen lernen, um sie nutzen zu können. Bei den anderen beiden greife ich dir unter die Arme. Alle drei Familien nun komplett zu durchleuchten, dafür reicht die Zeit gewiss nicht aus."
Hinweisstütze: Die möglichen Handelspartner
"Das ist ein Handelsbaum ... so hat Vater es zumindest immer genannt, in Anlehnung an den Stammbaum. Mama, du kennst das hier sicher. Hier ains alle Familien mit ihren wichtigsten Gütern und Kontakten aufgelistet, wie sie bis vor kurzem gewesen sind." Die Hausherrin nickte: "Es war die Idee eines seiner Partner, die von nicht wenigen Kaufleuten in Andunie übernommen wurde." Anschließend überließ sie erneut Azura das Wort, damit sie ihre Pläne weiter ausführen konnte. "Nun ja, ich dachte, wenn es schon an mir liegt, den Festgästen die Verbindungen zu Anduniern schmackhaft zu machen, schadet es nicht, wenn ich vorher etwas mehr darüber weiß, welche Möglichkeiten wir überhaupt haben, über welche Waren sich handeln lässt und womit wir uns in die Nesseln setzen würden."
Aquila nickte erneut. Sie hatte erfasst, worauf ihre Tochter hinaus wollte. Ehe sie jedoch eine Anmerkung dazu machen konnte, mischte Emmyth sich ein. Sein mitleidiger Blick heftete sich an Azura. Er stämmte die Hände locker in seine Hüften und schüttelte unter aufrichtigem Bedauern den Kopf. "Das wird so nicht funktionieren, fürchte ich." Dann trat er näher an den Kaffeetisch heran, beäugte die wie ein Stammbaum aufgezeichnete Struktur auf dem Pergament jedoch kaum. Schließlich seufzte er und im Anflug einer offenbar unüberlegten Spur von Zuneigung, die er so nicht der Öffentlichkeit präsentieren sollte, schob sich seine Hand unter Azuras Kinn. Er hob es sanft an. Nun fehlte nur noch ein aufmunternder Kuss, aber diesen verkniff er sich. Doch Emmyth Blick sprach Bände. Es war ihm nicht Recht, ihre Pläne auf diese Weise zertrümmern zu müssen und es traf ihn, der Überbringer der schlechten Nachricht zu sein. "Die meisten andunischen Kaufleute sind, wie wir wissen, in Gewalt der Dunkelelfen. Meinesgleichen verwahrt die wichtigsten offenbar in Kosral - wie Euren Gatten, Verehrteste van Ikari." Aquila nickte ein drittes Mal. Jetzt seufzte auch sie, aber vor Kummer. "Das bedeutet im Folgeschluss", setzte Emmyth seine Ausführungen fort, "dass die Dunklen, die sie gefangennehmen ließen, ihre Häuser und Wertsachen übernahmen, auch über deren Geschäftsbeziehungen verfügen werden. Sicherlich reißen einige ab, weil man ... mit ... uns dunklem Abschaum nicht verhandeln will." Er spitzte brüskiert die Lippen. "Es werden dennoch genug Verträge fortgesetzt werden, allein schon, weil den ausländischen Händlern ihre Geschäfte nicht verlorengehen wollen. Der kleine Vorteil, einige wenige Vertragspartner zu halten, indem man die andunischen Kaufleute aus Kosral holen und sie die Im- und Exporte fortführen lässt, sehe ich kaum. Das wird meinesgleichen auch in deren Gefangenschaft gelingen ... mit ... den entsprechenden Mitteln."
Jetzt stöhnte Aquila voller Angst auf, griff sich ans Herz und schluchzte. Sie wollte gar nicht wissen, welche Methoden die Dunkelelfen sich bedienen mochten, um Alycide dazu zu nötigen, gewisse Vertragsgeschäfte auch außerhalb seines sicheren Heims aufrecht zu erhalten. Sie wären sicherlich nicht zimperlich. Aquila van Ikari wurde ein wenig blass um die Nase. Zum Glück saß sie noch auf dem Sofa. Sie fächelte sich Luft zu, um sich zu beruhigen. Inzwischen stellte Emmyth sich dicht neben Azura. Er legte ihr kurz und ungesehen von der geplagten Mutter die Hand um den Körper, drückte sie an sich und schenkte ihr einen tröstenden Blick. Dann löste er sich auch schon wieder, damit offenbar bloß kein weiterer Verdacht entstünde. Die Geste seiner Finger unter ihrem Kinn war schon verräterisch genug gewesen. Doch Aquila dachte nicht daran, auf diese Entwicklungen einzugehen. Sie hatte sich gefasst und sah nun zu beiden auf.
"Emmyth, Ihr habt Recht. Die Idee meiner Tochter ist allerdings dennoch sehr gut. Wir müssen das Pferd nur von hinten aufspannen." Sie beugte sich vor und tippte mit der Fingerspitze auf das Wappen, das auf dem Bildnis an oberster Stelle stand. Es war das ihres eigenen Hauses, van Ikari. Von dort gingen zahlreiche Zweige zu anderen Handelsfamilien und Adligen, die allesamt auf dem Papier verzeichnet waren. Azura erkannte einige anhand ihrer Wappen, die sie bei Besuchen oder Tanzbällen immer mal wieder gesehen haben mochte. Manche waren ihr jedoch vollkommen fremd. Vor allem jene, die ihrerseits über mehrmals verzweigte Linien zwischen den Wappen zurück zu den van Ikaris führten. Dann schaute sie zu Azura auf, ohne dabei den Kopf groß zu heben. Ihre Augen stachen hell zur Tochter und darin loderte der störrische Kampfgeist, sich jetzt nicht unterkriegen lassen zu wollen. "Dein Vater handelt mit vielen Kontakten jenseits von Andunie. Sarma, das Königreich Jorsan, das weit entlegende Santros ... und immer wieder hatte er versucht, auch eine Handelsbeziehung zu Xytras aufzubauen. Es misslang bisweilen, denn die Amazonen dulden keinen andunischen Mann, der die Verhandlungen führt. Je nach Region sehen die Waren unterschiedlich aus. Gegen andunische Stoffe, den klassischen Apfelwein, aber auch eine reiche Apfelernte an sich erhielten wir Feigen, Datteln und Produkte aus diesen Früchten von der Insel Belfa. Das Königreich handelte mit Kaffeebohnen, Edelhölzern aus dem Urwald Kapayu und Kunst. Santros ist der jüngste Handelspartner deines Vaters und aufgrund der hohen Entfernung nicht oft anreisbar, aber es lohnt sich. Für unseren Wein und unser neuestes Luxusgut - ausgebildete Jagdfalken! - erwerben wir verarbeiteten santronischen Schmuck, Parfum und erneut edle Stoffe." Sie schaute Azura lange an. Vielleicht erinnerte sich das Kind noch daran, dass ihr Vater von einer seiner Reisen nicht nur einen Flakon lieblich duftenden Parfums für sie mitgebracht hatte, sondern auch das ausladende Ballkleid mit der Silbermaske, die man an einem filigranen Stiel hatte halten können. Dazu der edle Fächer mit durchsetzten Silberfäden und die Ohrringe in Form kleiner Delfine, die Azura so liebte.
Aquila tippe erneut auf das Papier, dieses Mal aber auf verschiedene Wappen am Rand. "Das hier sind unsere Vorteile. Mein Gatte, Alycide, besitzt sehr gute Kontakte zu zwei Sultanen in Sarma, sowie einige Kleinhändler dort. Die sollten aber nicht weiter von Belang sein. Sultan Khasib Ashref steht in bester Beziehung. Beide handeln mit Alkoholischem. Der Sultan ist ohnehin an jeglicher Luxusware interessiert, durchaus auch ... Frauen." Sie warf nun Emmyth einen Blick zu. "Die Dunkelelfen halten sich Sklaven. Etwas, das mein Mann missbiligt, aber wenn wir ihnen schmackhaft machen, dass sie einen interessierten Kontakt in Sarma haben könnten..." Ihr Finger fuhr zu einem Wappen, das reicher verziert war als die meisten anderen. "Herzog Markwardt von Trutzingen, der Schwager der Königs von Jorsan." Aquila ließ diese Information sacken. "Kontakte zum jorsanischen Königshaus sind nahezu unbezahlbar und Herzog von Trutzingen exportiert nur zu gern seine Edelhölzer nach Andunie. Mein Mann verkauft sie dort an andere andunische kaufleute, die eben keinen solchen Beziehungsstatus zu Jorsan besitzen. Es fällt für uns genug ab, dass sich das Geschäft mehr als lohnt. Jorsan dürfte unser bestes Argument sein, vor allem weil der Herzog von Trutzingen bereits Interesse an dir geäußert hat, Azura." Aus Aquilas Gesicht konnte die Tochter herauslesen, dass ihr diese Information nicht die liebste war. "Sein Sohn Andrias ist mit gerade einmal zehn Jahren deutlich zu jung für dich. Dennoch werden potenzielle Ehepartner bereits abgesucht wie das Weidegras von den Schafen. Alycide hält ihn hin, dementiert eine mögliche Hochzeit aber auch nicht, doch du brauchst dir bislang keine Sorgen zu machen. Das Balg ist wahrlich unliebsam. Ich bezweifle, dass er dich je ehelichen wird. Der König selbst hingegen ist ebenfalls noch frei..." Ihre Augen wanderten über Azura, huschten dann hinüber zu Emmyth, dessen Miene undeutbar geworden war. Nur seine Augen weiteten sich einen Deut, vielleicht aber auch ob der Nachricht, dass die van Ikaris Kontakte zum jorsanischen Königshaus besaßen. Aquila lächelte plötzlich und schüttelte sacht den Kopf und auch Emmyth schien sich daraufhin zu entspannen. "Es wird nicht passieren", wiederholte sie. "Aber das muss niemand erfahren, der darauf sepkuliert, Jorsan zum Handelspartner zu bekommen." Sie zeigte auf ein letztes Wappen. Azura gefiel es vielleicht am besten, denn die silbrigen Wellen auf blauem Grund waren Ventha bildlich näher als andere. "Das Haus Da Silvienne, santronischer Adel. Es bringt eine Vielzahl an Söhnen hervor und alle werden in der Seefahrt ausgebildet. Die Töchter aber sind interessanter. Sie lassen Schmuck herstellen, suchen Optik und Edelsteine dabei aus. Sie haben ein Händchen für kostbare Silbergüter und Alycide weiß das. Manches Kleinod soll sogar mit Magie versehen sein, was es nur noch wertvoller macht, vielleicht auch in dunkelelfischen Augen, die sich mit einem schützenden Amulett absichern wollen."
Aquila van Ikari atmete aus. Dann lehnte sie sich auf dem Sofa zurück, ohne dabei ihre antrainierte Eleganz zu verlieren. Gerade jetzt strahlte sie etwas aus, von dem sie immer gehofft hatte, es würde auf ihre Tochter übergehen. Sie wirkte stark, trotz aller Umstände. Sie ließ sich nicht unterkriegen, niemals! Und sie blieb dabei unsagbar schön. Emmyth musterte sie. "Ich habe so eine Ahnung, in welche Richtung es führt", meinte er und wandte sich dann Azura zu. "Du wirst die wichtigsten Gäste des Festes davon überzeugen müssen, dass nur dein Vater die großen Handelsbeziehungen weiterführen kann. Vor allem aber, dass die Kontakte es merken würden, wenn er sich anders ausdrückt. Das bedeutet, er darf nicht genötigt werden, sondern braucht freien Spielraum. Das Haus Faelyn würde ihm diesen geben."
"Wenn das Haus Faelyn nach außen hin uns van Ikaris ... beaufsichtigt, damit wir keinen Hilferuf nach außen senden, stärken wir auch eine Verbindung zwischen uns", stimmte Aquila zu. Plötzlich richtete sie sich direkt an Azura. "Das wäre auch in deinem Sinn, nicht wahr? Du musst dich jetzt nur noch entscheiden, welchen Handelspartner wird als Hauptargument einsetzen wollen. Bis zum Fest musst du so viele Informationen wie möglich über den jeweiligen lernen, um sie nutzen zu können. Bei den anderen beiden greife ich dir unter die Arme. Alle drei Familien nun komplett zu durchleuchten, dafür reicht die Zeit gewiss nicht aus."
Hinweisstütze: Die möglichen Handelspartner
- Sultan Khasib Ashraf, Sarma - handelt mit Feigen-/Dattelschnaps und Sklaven
- Herzog Markwardt von Trutzingen, Königreich Jorsan - handelt mit Edelhölzern und Kunstwerken
- Adelshaus Da Silvienne, Santros - handelt mit Silberschmuck

- Azura
- Spieler-Charakter
- Beiträge: 462
- Registriert: Freitag 15. April 2011, 20:33
- Moderator des Spielers: Kazel Tenebrée
- Steckbrief: Zum Steckbrief
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sich präsentieren
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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Der jungen Frau war durchaus bewusst, dass sie im Prinzip keinen noch so kleinen Anspruch auf Emmyth und seine Treue hatte und dass ihre Mutter in der Hinsicht ein Ausbund an Tugendhaftigkeit war, abgesehen von den ehrlichen Gefühlen Alycide van Ikaris gegenüber. Und dennoch bohrte sich dieser Stachel in ihr Innerstes bei dem Anblick, der sie in dem Raum erwartete, als sie zurück kehrte.
Es waren nicht nur seine Haltung, die Nähe und offensichtliche Vertrautheit zwichen ihnen, die sie störten. Auch der Umstand, dass hier definitiv etwas vor ihr verborgen werden sollte, wurmte sie und gab ihr das Wissen, dass sie später noch einen Moment zu zweit mit dem Dunklen suchen musste, um höchstpersönlich in diese Tasche greifen zu können. Nun allerdings ging es um anderes, ebenfalls Wichtiges und bis auf den Umstand, dass sie ihn ihre Pikiertheit spüren ließ, erwähnte auch sie das Gesehene mit keinem Wort... vorerst!
Stattdessen kam sie zurück und breitete den Handelsbaum auf dem Tischchen aus, an den sie sich erinnert hatte und der ihnen hoffentlich eine Hilfe sein könnte. Zumindest glaubte sie fest daran, dass dem so wäre! Nach dem, was sie vor kurzem erfahren hatte, nahm sie an, dass Aquila ebenfalls wusste, worum es sich bei diesem Schriftstück handelte und was es darstellen sollte. Doch für Emmyth musste sie es erklären, obwohl es sie eine leichte Überwindung kostete und einiges an Beherrschung, um ruhig und sachlich dabei zu klingen. Später, sagte sie sich, könnte sie es ihn noch immer spüren lassen, dass er sie verärgert... und gekränkt hatte. Jetzt ging es indes um ihren Vater und ihren Raben!
Also riss sie sich zusammen und führte aus, was ihr in den Sinn gekommen war. Ihre Mutter schien zu verstehen und während sie selbst schon die saubere, schöne Handschrift zu lesen begann, war es der Gast, der ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen begann. Seine Stimme ließ sie zu ihm hochsehen, die Augenbrauen angehoben.
"Wieso nicht? Es sieht nach viel aus, aber es ist nicht unmöglich, um ein paar Waren herauszufiltern und sie anpreisen zu können am Abend.", verteidigte sie ihren Einfall und ging davon aus, dass er an ihrer Lernfähigkeit zweifelte. Wenn er sie gekannt hätte, dann wäre das vermutlich berechtigt gewesen, schließlich hatte sie oft diesen Eindruck erweckt... ja, erwecken wollen, weil der Unterricht sie gelangweilt hatte. Oder vermutete er es, weil sie eine Frau war, ungeschult im Handel? So oder so, allein diese Option spornte bereits ihren Trotz an, ihm genau das Gegenteil zu beweisen und sich richtig hinein zu arbeiten, um bei diesem Ball mehr zu sein als nur die schöne Zierde, die alle betören sollte, wie er sie haben wollte.
Als sie nicht sofort eine Antwort erhielt, winkte sie leicht ab und senkte ihren Blick wieder. "Wart's nur ab!", beharrte sie und suchte nach einer Strategie, wie sie diesen Handelsbaum schnell und effizient entschlüsseln konnte, ohne sich aufgrund der Fülle an Informationen zu verzetteln.
Der Dunkle hingegen ließ sich auf diese Weise nicht überzeugen, denn er trat näher. Sie spürte es mehr, als sie es sah und noch mehr, als sie zugeben wollte. Sofort stieg ihr sein Duft in die Nase, fühlte sie seine Wärme, auch vor seiner Berührung, und musste ihr Herz ermahnen, mit dem Stolpern aufzuhören und ordentlich zu schlagen. Sein Seufzen sorgte dafür, dass sie die Lippen einen Moment lang fester aufeinander presste und erst recht die Augen auf das Pergament geheftet belassen wollte.
Da er jedoch sich die Freiheit nahm, sie am Kinn zu berühren und mit Sanftheit dazu verleitete, den Kopf anzuheben und ihn anzusehen, hatte sie nun die Wahl. Sie könnte sich ihm entziehen, ihn brüskieren und zugleich noch deutlicher machen, dass sie einander vertrauter waren, als sie es sein sollten. Was erlaubte er sich überhaupt, ihr dermaßen nahe zu kommen im Beisein ihrer Mutter? Was sollte die Hausherrin nur von ihr denken?! Oder sie folgte diesem Weg, den er sie führte, und sah ihn an.
Die junge Frau entschied sich für letzteres und war sich nicht sicher, ob dies richtig gewesen war. Seine Nähe, sein Blick, wenngleich etwas bedauernd, und seine Lippen, so nah und zugleich so fern, ließen ihr Herz einen weiteren Satz machen und ihre Wangen röteten sich. Ein Kuss wäre jetzt wahrlich so verlockend, so verboten und... so dermaßen verräterisch, dass er sich hoffentlich rechtzeitig besinnen würde! Denn sie war sich nicht gänzlich sicher, ob sie das könnte...
Allerdings hatte er tatsächlich anderes im Sinn und fuhr mit seiner Ansicht fort, die zeigte, dass sie ihn vorhin wohl falsch verstanden hatte. Doch während er damit ihre Mutter schreckte und ihr Kummer bereitete, schien die Tochter beinahe schon etwas... abgebrühter. Sie ließ den Sinn dahinter mit all den damit verbundenen Vorstellungen nicht an sich heran, verweigerte diesen Möglichkeiten und Bildern den Zutritt zu ihrem Denken.
Stattdessen erwiderte sie fest den Blick aus diesen rubinroten Augen und war mehr denn je entschlossen, sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen. "Und trotzdem gibt es Verbindungen, die erst im Aufbau sind oder für die persönliche Kontakte notwendig sind. Das können sie nicht übernehmen, das müssen wir Andunier selbst tun, weil uns die Türen geöffnet werden!", hielt sie dagegen und fühlte regelrecht, wie sich ein weiterer Gedanke in ihrem Hinterkopf zu formen begann. Noch nicht greifbar, aber wachsend. Sie müsste nur noch kurz warten, da war sie sich sicher, dann könnte sie ihn zu fassen bekommen.
Es war ihr schon fast gelungen, als eine Berührung sie ablenkte. Leise sog sie die Luft ein, als sie den Arm und den leichten Druck spürte. Ihre erblassten Wangen färbten sich sofort wieder und ihr Blick ging zurück zu Emmyth, nachdem er zuvor schon wieder zu dem Handelsbaum gewandert war, kaum, dass er ihr Kinn losgelassen hatte. Die Versuchung war groß, sich seufzend an ihn zu lehnen und für einen Moment das Vergessen in seinen Armen zu suchen. Aber das durfte sie jetzt nicht. Sie musste stark bleiben, ganz wie ihre Mutter, und sie musste nachdenken.
Da war es gut, dass er die Berührung kurz hielt und auch Aquila sich wieder fasste. Nun war sie es, die ihre Gedanken mitteilte und die junge Frau in ein Wechselbad der Gefühle warf. Zuerst presste sie die Zähne fest aufeinander und starrte störrisch zu Boden, als dem Dunklen Recht gegeben wurde. Das würde bedeuten, ihr Einfall war nutzlos und unangebracht, absolut nicht hilfreich und sie hätte gezeigt, dass sie dazu nicht zu gebrauchen wäre.
Dann jedoch fuhr die Hausherrin fort und verwirrte die Jüngere, sodass sie blinzelnd zu ihr hinsah. "Wie meinst du das?", fragte sie direkt und spürte, wie sich ein neues Gefühl ihrer bemächtigen wollte. Stolz. Nicht jener, den sie oft zur Schau getragen hatte, wenn sie mit erhobenem Haupt in Gesellschaft gewesen war und alle nach ihrer Pfeife hatte tanzen lassen. Sondern ein anderer, ein warmer Stolz, ausgelöst dadurch, dass sie womöglich etwas richtig gemacht und ihren Beitrag zu etwas geleistet hatte, das ihr sehr am Herzen lag.
Azura kam näher zu ihrer Mutter und erhob sich sogar von dem Sofa, um einen besseren Überblick über das gesamte Schriftstück zu haben, während Aquila die verschiedenen Wappen entlang fuhr, einige davon bekannt, andere weniger. Dann sprach die Ältere weiter und sie nickte wortlos dazu, als Zeichen, dass sie folgen konnte. Während sie lauschte, spürte sie zwar noch immer die Anwesenheit des jungen Faelyns in ihrer Nähe, aber ihre Konzentration war auf den Handelsbaum und die Informationen gerichtet.
Als ihre Mutter einzelne Waren aufzählte, nickte sie erneut. "Ja, Andunie hat viel zu bieten.", murmelte sie in sich hinein und bedachte dabei nicht die Zweideutigkeit ihrer Worte. Sie hatte es auch nicht darauf angelegt. Stattdessen musterte sie die Verbindungen zwischen den Wappen erneut.
Welche davon die Jüngste ihres Vaters war, hatte sie nicht gewusst, ehe ihre Mutter es nicht erwähnt hatte. Dafür jedoch seufzte sie leise bei der Erwähnung und nickte. Ja, auch in ihr stiegen Erinnerungen hoch, wenngleich nicht sofort an die Waren, die im Gegenzug nach Andunie gekommen waren. Viel eher dachte sie an ihren eigenen Jagdfalken, der hoffentlich unversehrt seine Freiheit genießen konnte. Unwillkürlich hob sich ihr Blick und richtete sich gedankenverloren auf das Fenster, als könne sie dahinter direkt die Volière sehen... oder ihren gefiederten Freund. Einige Atemzüge lang verblieb sie so, ehe sie blinzelnd in die Gegenwart zurück kehrte, ein Kopfschütteln über sich selbst andeutete und sich wieder konzentrierte.
Aquila erwähnte in der Zwischenzeit einen Kontakt, bei dem es in Azuras Hinterstübchen klingelte. Ihre Augenbrauen hoben sich leicht an und sie machte eine nachdenkliche Miene. "Hm... aber hat Vater nicht Probleme mit Sarma gehabt in letzter Zeit? Ich bilde mir ein, etwas in diese Richtung gehört zu haben...", murmelte sie, konnte sich allerdings nicht mehr genau erinnern. Außerdem war es lediglich ein Gesprächsfetzen gewesen, zufällig aufgeschnappt im Vorbeigehen auf dem Weg zu einer weiteren Einladung des fröhlichen Müßiggangs. Ihre Mutter fuhr fort und widmete sich einem weiteren Partner.
Die junge Frau hörte zu, während sie sich das Wappen besah und versuchte, einzuprägen. Solange, bis ein Aspekt zur Beziehung fiel, der sie aus dem Konzept brachte. "Was?", entkam es ihr scharf und ihr Kopf ruckte zu ihrer Mutter, die sie schon beschwichtigte. Interesse an ihr für eine Heirat mit... einem zehnjährigen Knirps? Ernsthaft?!
Doch es kam noch heftiger und diesmal fiel auch ihre Reaktion stärker aus. Bei der Andeutung an eine Verbindung zwischen ihr und dem König von Jorsa wurde sie kalkweiß. "Bitte was?!", kiekste sie und vor Schreck wurde auch ihre Magie aktiv. Plötzlich gab es kleine Geysire aus Gläsern, Tassen und Kannen, sofern diese Flüssigkeiten enthielten. Wobei wie durch ein Wunder kein einziger Tropfen den Handelsbaum verunzierte. Sollte überhaupt einer in die Nähe des Pergaments kommen, würde ihre Magie ihn mitten in der Flugbahn umlenken, absolut unbewusst, aber allein aufgrund der Bedeutung, die dieses Schriftstück für sie hatte. Für sämtliche anderen potentielle Ziele hingegen galt das nicht.
Azura nahm kaum wahr, ob und wie groß die Bescherung wäre, die sie vielleicht angerichtet hatte. Sie starrte noch immer ihre Mutter geschockt an und konnte nicht glauben, was diese soeben angedeutet hatte. Sie, ein unehelicher Bastard aus der Mittelschicht, nur dank Heirat dem Namen nach adelig, könnte eine Königsbraut werden?! Das, was für viele ein Märchen, ein wahrgewordener Traum gewesen wäre, war für die junge Frau in diesem Moment schlichtweg... schockierend.
So sehr, dass sie dem Rest des Gespräches beinahe nicht mehr folgen konnte, obwohl es wichtig gewesen wäre. Santros, ja... das Wappen, hübsch, Söhne, zahlreich, Schmuck, magisch. Soweit so gut, das wäre sicherlich nicht verkehrt zu bedenken. Aber... ein König?! Was sollte ein König ausgerechnet von ihr wollen?!
Die Stimme des Dunklen holte sie ein wenig aus ihrem Gemütszustand. Trotzdem konnte sie auch seinen Worten keine rechte Aufmerksamkeit schenken, sah ihn blinzelnd an. "I... ich soll... ich...", stammelte sie, ohne einen vollständigen Satz zustande zu bringen.
Da mischte sich auch ihre Mutter wieder ein. Ihr Kopf fuhr herum. "In... in meinem... Sinn...?", murmelte sie verständnislos und schaffte es schlichtweg nicht, das Gehörte soweit zu verarbeiten, um sich auf das Folgende wirklich konzentrieren zu können. Einfach, weil es wichtig war und weil die Zeit knapp war.
Stattdessen wurde sie unruhig, sah zwischen den Beiden hin und her, ohne zu einem wirklichen Sinn des Gesagten zu kommen, während es hinter ihrer Stirn unangenehm und immer schmerzhafter zu stechen begann. Azura kniff sich in die Nasenwurzel, um dem etwas entgegen zu setzen, und schloss die Augen. Aber es half nicht, im Gegenteil, es fühlte sich an, als würde dieser Kopfschmerz immer stärker werden.
Mit einem Laut der Frustration stand sie auf und hätte beinahe mit ihrem Schwung die Teekanne umgeworfen, als sie sich von der Sitzgruppe löste und vor das Fenster trat, um davor unruhig hin- und herzulaufen. Dabei murmelte sie immer wieder vor sich hin:"Der Schwager des Königs... der König selbst..." Und schüttelte mehrfach den Kopf dabei.
Bis sie plötzlich innehielt und ihre Mutter ansah. "Warum sagt ihr mir so etwas nicht? Ich meine... das... diese Möglichkeit, die ihr habt... die... die... Bei Ventha, woher wissen die überhaupt von mir? Was wissen die von mir? Ich meine, Mama! Das hätte ich doch wissen müssen! Ich meine... ich... ich..." Die aufbrausende Kraft verblasste und erneut schüttelte sie den Kopf.
Ihr Blick wandte sich ab und sie starrte wieder auf das Fenster, fast schon mit dem stillen Wunsch, ihre Volière und ihre ehemaligen Falken wenigstens sehen zu können. "Was wollen die denn von einer wie mir...?", wisperte sie schließlich und spürte wieder diese Unsicherheit in sich aufsteigen aufgrund ihrer Herkunft.
Auch wenn ihre Mutter derart vorteilhaft geheiratet hatte, ihr Stiefvater wie sein eigenes Kind betrachtete und großgezogen hatte, sie offiziell adelig war und einen... nein, zwei adelige Liebhaber hatte, sie war und blieb in Wahrheit ein Bastard mit keinem einzigen Tröpfchen blauen Blutes in sich. Die Unsicherheit in ihr wurde stärker und drohte auch, ihr bis vor kurzem noch vorhandene Entschlossenheit sowie Zuversicht zu überlagern, ihr den Mut und die Kraft zu nehmen, das Wagnis dieses Abends tatsächlich eingehen und bewältigen zu können.
Es waren nicht nur seine Haltung, die Nähe und offensichtliche Vertrautheit zwichen ihnen, die sie störten. Auch der Umstand, dass hier definitiv etwas vor ihr verborgen werden sollte, wurmte sie und gab ihr das Wissen, dass sie später noch einen Moment zu zweit mit dem Dunklen suchen musste, um höchstpersönlich in diese Tasche greifen zu können. Nun allerdings ging es um anderes, ebenfalls Wichtiges und bis auf den Umstand, dass sie ihn ihre Pikiertheit spüren ließ, erwähnte auch sie das Gesehene mit keinem Wort... vorerst!
Stattdessen kam sie zurück und breitete den Handelsbaum auf dem Tischchen aus, an den sie sich erinnert hatte und der ihnen hoffentlich eine Hilfe sein könnte. Zumindest glaubte sie fest daran, dass dem so wäre! Nach dem, was sie vor kurzem erfahren hatte, nahm sie an, dass Aquila ebenfalls wusste, worum es sich bei diesem Schriftstück handelte und was es darstellen sollte. Doch für Emmyth musste sie es erklären, obwohl es sie eine leichte Überwindung kostete und einiges an Beherrschung, um ruhig und sachlich dabei zu klingen. Später, sagte sie sich, könnte sie es ihn noch immer spüren lassen, dass er sie verärgert... und gekränkt hatte. Jetzt ging es indes um ihren Vater und ihren Raben!
Also riss sie sich zusammen und führte aus, was ihr in den Sinn gekommen war. Ihre Mutter schien zu verstehen und während sie selbst schon die saubere, schöne Handschrift zu lesen begann, war es der Gast, der ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen begann. Seine Stimme ließ sie zu ihm hochsehen, die Augenbrauen angehoben.
"Wieso nicht? Es sieht nach viel aus, aber es ist nicht unmöglich, um ein paar Waren herauszufiltern und sie anpreisen zu können am Abend.", verteidigte sie ihren Einfall und ging davon aus, dass er an ihrer Lernfähigkeit zweifelte. Wenn er sie gekannt hätte, dann wäre das vermutlich berechtigt gewesen, schließlich hatte sie oft diesen Eindruck erweckt... ja, erwecken wollen, weil der Unterricht sie gelangweilt hatte. Oder vermutete er es, weil sie eine Frau war, ungeschult im Handel? So oder so, allein diese Option spornte bereits ihren Trotz an, ihm genau das Gegenteil zu beweisen und sich richtig hinein zu arbeiten, um bei diesem Ball mehr zu sein als nur die schöne Zierde, die alle betören sollte, wie er sie haben wollte.
Als sie nicht sofort eine Antwort erhielt, winkte sie leicht ab und senkte ihren Blick wieder. "Wart's nur ab!", beharrte sie und suchte nach einer Strategie, wie sie diesen Handelsbaum schnell und effizient entschlüsseln konnte, ohne sich aufgrund der Fülle an Informationen zu verzetteln.
Der Dunkle hingegen ließ sich auf diese Weise nicht überzeugen, denn er trat näher. Sie spürte es mehr, als sie es sah und noch mehr, als sie zugeben wollte. Sofort stieg ihr sein Duft in die Nase, fühlte sie seine Wärme, auch vor seiner Berührung, und musste ihr Herz ermahnen, mit dem Stolpern aufzuhören und ordentlich zu schlagen. Sein Seufzen sorgte dafür, dass sie die Lippen einen Moment lang fester aufeinander presste und erst recht die Augen auf das Pergament geheftet belassen wollte.
Da er jedoch sich die Freiheit nahm, sie am Kinn zu berühren und mit Sanftheit dazu verleitete, den Kopf anzuheben und ihn anzusehen, hatte sie nun die Wahl. Sie könnte sich ihm entziehen, ihn brüskieren und zugleich noch deutlicher machen, dass sie einander vertrauter waren, als sie es sein sollten. Was erlaubte er sich überhaupt, ihr dermaßen nahe zu kommen im Beisein ihrer Mutter? Was sollte die Hausherrin nur von ihr denken?! Oder sie folgte diesem Weg, den er sie führte, und sah ihn an.
Die junge Frau entschied sich für letzteres und war sich nicht sicher, ob dies richtig gewesen war. Seine Nähe, sein Blick, wenngleich etwas bedauernd, und seine Lippen, so nah und zugleich so fern, ließen ihr Herz einen weiteren Satz machen und ihre Wangen röteten sich. Ein Kuss wäre jetzt wahrlich so verlockend, so verboten und... so dermaßen verräterisch, dass er sich hoffentlich rechtzeitig besinnen würde! Denn sie war sich nicht gänzlich sicher, ob sie das könnte...
Allerdings hatte er tatsächlich anderes im Sinn und fuhr mit seiner Ansicht fort, die zeigte, dass sie ihn vorhin wohl falsch verstanden hatte. Doch während er damit ihre Mutter schreckte und ihr Kummer bereitete, schien die Tochter beinahe schon etwas... abgebrühter. Sie ließ den Sinn dahinter mit all den damit verbundenen Vorstellungen nicht an sich heran, verweigerte diesen Möglichkeiten und Bildern den Zutritt zu ihrem Denken.
Stattdessen erwiderte sie fest den Blick aus diesen rubinroten Augen und war mehr denn je entschlossen, sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen. "Und trotzdem gibt es Verbindungen, die erst im Aufbau sind oder für die persönliche Kontakte notwendig sind. Das können sie nicht übernehmen, das müssen wir Andunier selbst tun, weil uns die Türen geöffnet werden!", hielt sie dagegen und fühlte regelrecht, wie sich ein weiterer Gedanke in ihrem Hinterkopf zu formen begann. Noch nicht greifbar, aber wachsend. Sie müsste nur noch kurz warten, da war sie sich sicher, dann könnte sie ihn zu fassen bekommen.
Es war ihr schon fast gelungen, als eine Berührung sie ablenkte. Leise sog sie die Luft ein, als sie den Arm und den leichten Druck spürte. Ihre erblassten Wangen färbten sich sofort wieder und ihr Blick ging zurück zu Emmyth, nachdem er zuvor schon wieder zu dem Handelsbaum gewandert war, kaum, dass er ihr Kinn losgelassen hatte. Die Versuchung war groß, sich seufzend an ihn zu lehnen und für einen Moment das Vergessen in seinen Armen zu suchen. Aber das durfte sie jetzt nicht. Sie musste stark bleiben, ganz wie ihre Mutter, und sie musste nachdenken.
Da war es gut, dass er die Berührung kurz hielt und auch Aquila sich wieder fasste. Nun war sie es, die ihre Gedanken mitteilte und die junge Frau in ein Wechselbad der Gefühle warf. Zuerst presste sie die Zähne fest aufeinander und starrte störrisch zu Boden, als dem Dunklen Recht gegeben wurde. Das würde bedeuten, ihr Einfall war nutzlos und unangebracht, absolut nicht hilfreich und sie hätte gezeigt, dass sie dazu nicht zu gebrauchen wäre.
Dann jedoch fuhr die Hausherrin fort und verwirrte die Jüngere, sodass sie blinzelnd zu ihr hinsah. "Wie meinst du das?", fragte sie direkt und spürte, wie sich ein neues Gefühl ihrer bemächtigen wollte. Stolz. Nicht jener, den sie oft zur Schau getragen hatte, wenn sie mit erhobenem Haupt in Gesellschaft gewesen war und alle nach ihrer Pfeife hatte tanzen lassen. Sondern ein anderer, ein warmer Stolz, ausgelöst dadurch, dass sie womöglich etwas richtig gemacht und ihren Beitrag zu etwas geleistet hatte, das ihr sehr am Herzen lag.
Azura kam näher zu ihrer Mutter und erhob sich sogar von dem Sofa, um einen besseren Überblick über das gesamte Schriftstück zu haben, während Aquila die verschiedenen Wappen entlang fuhr, einige davon bekannt, andere weniger. Dann sprach die Ältere weiter und sie nickte wortlos dazu, als Zeichen, dass sie folgen konnte. Während sie lauschte, spürte sie zwar noch immer die Anwesenheit des jungen Faelyns in ihrer Nähe, aber ihre Konzentration war auf den Handelsbaum und die Informationen gerichtet.
Als ihre Mutter einzelne Waren aufzählte, nickte sie erneut. "Ja, Andunie hat viel zu bieten.", murmelte sie in sich hinein und bedachte dabei nicht die Zweideutigkeit ihrer Worte. Sie hatte es auch nicht darauf angelegt. Stattdessen musterte sie die Verbindungen zwischen den Wappen erneut.
Welche davon die Jüngste ihres Vaters war, hatte sie nicht gewusst, ehe ihre Mutter es nicht erwähnt hatte. Dafür jedoch seufzte sie leise bei der Erwähnung und nickte. Ja, auch in ihr stiegen Erinnerungen hoch, wenngleich nicht sofort an die Waren, die im Gegenzug nach Andunie gekommen waren. Viel eher dachte sie an ihren eigenen Jagdfalken, der hoffentlich unversehrt seine Freiheit genießen konnte. Unwillkürlich hob sich ihr Blick und richtete sich gedankenverloren auf das Fenster, als könne sie dahinter direkt die Volière sehen... oder ihren gefiederten Freund. Einige Atemzüge lang verblieb sie so, ehe sie blinzelnd in die Gegenwart zurück kehrte, ein Kopfschütteln über sich selbst andeutete und sich wieder konzentrierte.
Aquila erwähnte in der Zwischenzeit einen Kontakt, bei dem es in Azuras Hinterstübchen klingelte. Ihre Augenbrauen hoben sich leicht an und sie machte eine nachdenkliche Miene. "Hm... aber hat Vater nicht Probleme mit Sarma gehabt in letzter Zeit? Ich bilde mir ein, etwas in diese Richtung gehört zu haben...", murmelte sie, konnte sich allerdings nicht mehr genau erinnern. Außerdem war es lediglich ein Gesprächsfetzen gewesen, zufällig aufgeschnappt im Vorbeigehen auf dem Weg zu einer weiteren Einladung des fröhlichen Müßiggangs. Ihre Mutter fuhr fort und widmete sich einem weiteren Partner.
Die junge Frau hörte zu, während sie sich das Wappen besah und versuchte, einzuprägen. Solange, bis ein Aspekt zur Beziehung fiel, der sie aus dem Konzept brachte. "Was?", entkam es ihr scharf und ihr Kopf ruckte zu ihrer Mutter, die sie schon beschwichtigte. Interesse an ihr für eine Heirat mit... einem zehnjährigen Knirps? Ernsthaft?!
Doch es kam noch heftiger und diesmal fiel auch ihre Reaktion stärker aus. Bei der Andeutung an eine Verbindung zwischen ihr und dem König von Jorsa wurde sie kalkweiß. "Bitte was?!", kiekste sie und vor Schreck wurde auch ihre Magie aktiv. Plötzlich gab es kleine Geysire aus Gläsern, Tassen und Kannen, sofern diese Flüssigkeiten enthielten. Wobei wie durch ein Wunder kein einziger Tropfen den Handelsbaum verunzierte. Sollte überhaupt einer in die Nähe des Pergaments kommen, würde ihre Magie ihn mitten in der Flugbahn umlenken, absolut unbewusst, aber allein aufgrund der Bedeutung, die dieses Schriftstück für sie hatte. Für sämtliche anderen potentielle Ziele hingegen galt das nicht.
Azura nahm kaum wahr, ob und wie groß die Bescherung wäre, die sie vielleicht angerichtet hatte. Sie starrte noch immer ihre Mutter geschockt an und konnte nicht glauben, was diese soeben angedeutet hatte. Sie, ein unehelicher Bastard aus der Mittelschicht, nur dank Heirat dem Namen nach adelig, könnte eine Königsbraut werden?! Das, was für viele ein Märchen, ein wahrgewordener Traum gewesen wäre, war für die junge Frau in diesem Moment schlichtweg... schockierend.
So sehr, dass sie dem Rest des Gespräches beinahe nicht mehr folgen konnte, obwohl es wichtig gewesen wäre. Santros, ja... das Wappen, hübsch, Söhne, zahlreich, Schmuck, magisch. Soweit so gut, das wäre sicherlich nicht verkehrt zu bedenken. Aber... ein König?! Was sollte ein König ausgerechnet von ihr wollen?!
Die Stimme des Dunklen holte sie ein wenig aus ihrem Gemütszustand. Trotzdem konnte sie auch seinen Worten keine rechte Aufmerksamkeit schenken, sah ihn blinzelnd an. "I... ich soll... ich...", stammelte sie, ohne einen vollständigen Satz zustande zu bringen.
Da mischte sich auch ihre Mutter wieder ein. Ihr Kopf fuhr herum. "In... in meinem... Sinn...?", murmelte sie verständnislos und schaffte es schlichtweg nicht, das Gehörte soweit zu verarbeiten, um sich auf das Folgende wirklich konzentrieren zu können. Einfach, weil es wichtig war und weil die Zeit knapp war.
Stattdessen wurde sie unruhig, sah zwischen den Beiden hin und her, ohne zu einem wirklichen Sinn des Gesagten zu kommen, während es hinter ihrer Stirn unangenehm und immer schmerzhafter zu stechen begann. Azura kniff sich in die Nasenwurzel, um dem etwas entgegen zu setzen, und schloss die Augen. Aber es half nicht, im Gegenteil, es fühlte sich an, als würde dieser Kopfschmerz immer stärker werden.
Mit einem Laut der Frustration stand sie auf und hätte beinahe mit ihrem Schwung die Teekanne umgeworfen, als sie sich von der Sitzgruppe löste und vor das Fenster trat, um davor unruhig hin- und herzulaufen. Dabei murmelte sie immer wieder vor sich hin:"Der Schwager des Königs... der König selbst..." Und schüttelte mehrfach den Kopf dabei.
Bis sie plötzlich innehielt und ihre Mutter ansah. "Warum sagt ihr mir so etwas nicht? Ich meine... das... diese Möglichkeit, die ihr habt... die... die... Bei Ventha, woher wissen die überhaupt von mir? Was wissen die von mir? Ich meine, Mama! Das hätte ich doch wissen müssen! Ich meine... ich... ich..." Die aufbrausende Kraft verblasste und erneut schüttelte sie den Kopf.
Ihr Blick wandte sich ab und sie starrte wieder auf das Fenster, fast schon mit dem stillen Wunsch, ihre Volière und ihre ehemaligen Falken wenigstens sehen zu können. "Was wollen die denn von einer wie mir...?", wisperte sie schließlich und spürte wieder diese Unsicherheit in sich aufsteigen aufgrund ihrer Herkunft.
Auch wenn ihre Mutter derart vorteilhaft geheiratet hatte, ihr Stiefvater wie sein eigenes Kind betrachtete und großgezogen hatte, sie offiziell adelig war und einen... nein, zwei adelige Liebhaber hatte, sie war und blieb in Wahrheit ein Bastard mit keinem einzigen Tröpfchen blauen Blutes in sich. Die Unsicherheit in ihr wurde stärker und drohte auch, ihr bis vor kurzem noch vorhandene Entschlossenheit sowie Zuversicht zu überlagern, ihr den Mut und die Kraft zu nehmen, das Wagnis dieses Abends tatsächlich eingehen und bewältigen zu können.

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Was Emmyth wirklich über Azuras Verhandlungsgeschick dachte, blieb ihr verschlossen. Dass er allerdings an ihrem Lerneifer zweifelte, obwohl es vollkommen zu Recht gewesen wäre angesichts der vielen mit Tagträumen gefüllten Stunden im Einzelunterricht, zeigte sich, als er Azura unter das Kinn griff, damit sie ihn anschauen konnte. In seinen Augen lag Bedauern. Es war jedoch nicht mit dem verächtlichen Hohn gespickt, den andere ihr zuwarfen, wenn sie einmal die Zusammenhänge nicht verstand. Es wirkte ... aufrichtig. Er war selbst unglücklich darüber, dass ihr Geistesblitz nur ein knappes Flackern am Himmel der Hoffnung hatte sein sollen. Denn er wusste im Gegensatz zu Azura nur zu gut, dass die wenigstens Handelsbeziehungen wirklich darunter leiden würden, dass Andunie vom dunklen Volk erobert worden war. Solange die Kaufleute der Heimat noch lebten und in Gefangenschaft die Korrespondenzen durchführen konnten, würden sie fortgesetzt. Azura hätte keinen argumentativen Vorteil, solange die Händler, Kontorverwalter oder Kaufleute wie ihr Ziehvater nicht in ihrer eigenen Obhut wären. Und das war nicht der Fall. Ihr Plan schien zum Scheitern verurteilt.
Glücklicherweise sah ihre Mutter es anders. Als sie sich in das Gespräch einmischte, nachdem sie selbst sich ob all der unterschwelligen Nachrichten wieder gefangen hatte, konnte sie nicht nur Azuras Idee wieder mit Hoffnung füllen, sondern das Herz ihrer Tochter auch mit Stolz. Echtem Stolz darüber, dass ihr Vorhaben Früchte tragen könnte wie die knorpeligen Bäume auf den Plantagen vor der Stadt. Auf diese Weise angespornt kontentrierte sich die Andunierin wieder auf den Handelsbaum. Sie verfolgte den schlanken Finger ihrer Mutter, der die nicht heimatlichen Wappen zeigte. Sie lauschte ihren Ausführungen und versuchte, so viel wie möglich davon zu beherzigen. Hier ging es schließlich um die Freiheit ihres Vaters und die Unterstützung ihres ausgeflogenen Raben. Azura fand einen Bezug, ganz im Gegensatz zum üblichen Lernstoff ihres Alltags. Damit hatte sie nie etwas anfangen können. Jetzt aber besaß das dargebrachte Wissen Bedeutung, so dass sie es aufmerksam in sich aufsog. Allerdings nahmen ihre Bemühungen ein jähes Ende, als Aquila ihr offenbarte, dass sie statt einer Ehe mit einem zehnjährigen Adelsbengel auch eine Hochzeit mit einem ledigen König nicht ausschloss. Das brachte Azura gehörig aus dem Konzept, so dass sie kaum mehr zuhören konnte. Ihre Gedanken rasten, aber nicht nur das. Vor Aufregung verlor sie die Kontrolle über ihre Magie, so dass sich zumindest der wassermagische Part verselbstständigte. Schon schossen jegliche Quellen an Flüssigkeit im Raum wie kleine Geysire empor, spritzten in alle Richtungen und verteilen nicht nur Wasser auf ihre Umgebung.
In ihrem Schreck bekam Azura nicht einmal die überraschten Schreie der anderen Anwesenden mit. Ihre Mutter quiekte nicht wenig anders als sie und wich vor einem Schwall Tee aus der nahe stehenden Kanne zurück. Sie bekam lediglich wenige Spritzer ab. Emmyth entkam der unvermittelten Attacke nicht. Er stand zudem relativ zentral, so dass sämtliche Flüssigkeiten sich an ihm geradezu austoben konnten. Schon klatschte der Großteil des Tee-Schwalls direkt auf seine Hose, dass er ob der Temperatur aufsprang und einen wahrlich uneleganten Tanz veranstaltete. Dabei klopfte er sich auf den Hosenstoff, als könnte er so die Hitze des Tees abkülen. Wenigstens ging nichts in Flammen auf, aber selbst da halfen andere Liquide. Wasser aus einigen blumenlosen Vasen schleuderte sich selbst wie eine Peitsche durch die Luft und mit einem spritzigen Knall platschte alles über dem Dunkelelfen hernieder, dass sein kohlrabenschwarzes Haar in seidig nassen Strähnen bis auf seine Schultern herab hing und auch dort alles voll tropfte. Zu guter letzt flog ihm eine Salve aus Schaumweintropfen entgegen, die die Ärmel seiner Bluse und auch die Brokatweste sprenkelten, bis man annehmen konnte, er habe sich ein alkoholisches Duftwässerchen gegönnt.
"Faldorische Blutscheiße!", fluchte er und konnte froh sein, dass sowohl Aquila als auch Azura kein, respektive nicht genug Lerium verstanden. Dass ihn der feuchte Angriff ärgerte, ließ sich aber nicht bestreiten. Die Hausherrin griff sofort nach einer Serviette - dem einzigen, womit Emmyth sich wenigstens etwas abtupfen könnte. "Verzeiht", keuchte sie. "Meine Tochter wurde mit Venthas Gabe gesegnet, beherrscht sie allerdings nicht. Es kommt auch nur in Ausnahmefällen vor." Sie reichte ihm die Serviette und Emmyth wischte sich damit zunächst über das Gesicht. Anschließend strich er sich die klatschnassen Strähnen aus der Stirn.
"Ausnahmefälle?", hakte er mit einem knurrigen Unterton in der Stimme nach. Aquila nickte. Sie versuchte, ihn zu beschwichtigen und die Situation zu retten. "Ja, beispielsweise, wenn sie etwas entsetzt wie..." Die Blicke beider glitten zu der jüngeren Andunierin herüber, aber Azura war noch immer in ihrem Schock gefangen. Nur langsam wurde ihr bewusst, was ihre Mutter offenbar nicht ganz ausschloss, gäbe es eine passende Gelegenheit. Vor allem aber verstand sie nicht, wie es überhaupt sein konnte, dass sie zu einer potenziellen Heiratskandidatin für einen König auserkoren würde. Adlige, ja. Solange diese nichts von ihrer wenig blaublütigen Vergangenheit erfuhren und weiterhin annahmen, sie sei ein Spross des noblen Alycide van Ikari. Aber ein König? Ein richtiger König, der über einen Landstrich regierte und mindestens so viele Untertanen haben musste wie Diener ... oder Soldaten. Ein König, dem man einen Erben schenken könnte, um sich so einen Eintrag in dessen Stammbaum zu sichern. Ein König mit Einfluss, Macht, Reichtum und einer Zukunft, die Azura nicht einmal zu träumen wagte.
Mit den Gedanken vollkommen bei sich huschte sie zu den großen Fenstern herüber. Ihr Blick glitt hinaus, während sie versuchte, das schmerzhafte Stechen hinter ihren Schläfen durch einen Kniff in die Nasenwurzel zu verbannen. Rastlos stakte sie vor der Fensterfront entlang, während Aquila und Emmyth sie beobachteten. Die Mutter wirkte ein wenig besorgt. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ihre Tochter die Information derart aus dem Konzept brachte. Noch wusste sie auch nicht, wie sie Azura wieder zur Räson rufen sollte. Schließlich konnte ihr Kind nichts dafür, dass die unausgebildete Magie sich hin und wieder zeigte. Aquila war es ja lieber, wenn es gar nicht erst geschah, denn dann musste sie sich nicht sorgen, dass Azura dadurch erneut Schaden nehmen könnte.
Emmyth hingegen blickte drein, als hätte ihn vor allem das saure Wasser einiger Zitrusfrüchte getroffen und zwar direkt in den Mund. Seine Augen engten sich, je länger er Azura vor den Fenstern herumtigern sah und sein Ausdruck nahm eine gewisse Bitterkeit an.
"Der Schwager des Königs ... der König selbst ..." Als sie schließlich herumfuhr, zuckte Aquila knapp zusammen. Emmyth faltete hingegen seine Hände im Steiß und versuchte, so würdevoll wie möglich auszusehen. Seine Miene verschloss sich, wurde undeutbar, abgesehen davon, dass seine Rubinaugen mit einer gewissen Enttäuschung funkelten. Azuras Fokus aber lag nach wie vor auf der schockierenden Nachricht von eben. Sie wandte sich an ihre Mutter. "Warum sagt ihr mir so etwas nicht? Ich meine ... das ... diese Möglichkeit, die ihr habt ... die ... die ... Bei Ventha, woher wissen die überhaupt von mir? Was wissen die von mir? Ich meine, Mama! Das hätte ich doch wissen müssen! Ich meine ... ich ... ich..."
"Ich entschuldige mich für die knappe Einmischung, aber es wäre wohl besser, wenn ich zum Faelyn-Anwesen zurückkehre. So durchnässt wie ich bin, muss ich Zeit für ein Bad aufbringen."
Aquila zuckte erneut und blickte dann Emmyth an. Er war den Flüssigkeiten im Raum wahrlich zum Opfer gefallen. Sie nickte. "Besteht die Mögichkeit, dass Ihr noch einige Minuten auf uns warten würdet? Dann kommen Azura und ich gern sofort mit. Ihr spracht davon, dass wir uns noch umkleiden müssen."
"Ich warte draußen bei der Kutsche und lasse sie gleich vorfahren", erwiderte Emmyth knapp. Dann verneigte er sich höflich vor der Hausherrin. Angesichts seines Zustands sah es etwas albern aus. Schließlich warf er auch Azura noch einen Blick zu. "Die Braut eines Königs ... natürlich..."
"Es wird sich klären", schenkte Aquila ihm letzte Worte und schüttelte sanft den Kopf. Emmyth aber wandte sich bereits ab, um das Musikzimmer zu verlassen. Mit jedem Schritt hinterließ er kleine Pfützen aus Tee, Wasser und Wein auf dem Boden. Die Tür schloss sich leise hinter ihm, so dass Aquilas Seufzen geradezu krachend wirkte. Doch wie immer hielt sie sich nicht mit zu vielen Emotionen auf, sondern packte die Gelegenheit beim Schopfe. Schließlich musste sie Azura über einige Dinge aufklären. Ihre Tochter hatte immerhin gefragt. So wandte sie sich ihr zu, schüttelte erneut den Kopf. "Das ist ja nun reichlich schief gelaufen. Ich fürchte, wir müssen dir noch einen Lehrmeister aus der Wasserakademie holen, der dich wenigstens so weit unterrichtet, dass du diese ... Unpässlichkeit erfolgreich verdrängt halten kannst." Aquila van Ikari räusperte sich. "Denn auf diese Weise würde weder der Schwager eines Königs, noch ein König oder ... Dunkle, an denen du offensichtlich einen Narren gefressen hast, an eine Ehe denken." Sie ließ die Worte in einer Kunstpause sacken, in der sie langsam auf Azura zukam. Schließlich griff sie nach deren Händen, befühlte sie prüfend, als suchte sie nach Verletzungen. Als sie keine fand, entwich ihr zum wiederholten Mal an diesem Tag ein Seufzen. Dieses Mal klang es allerdings erleichtert.
"Jorsans König, Richard der III., weiß überhaupt nichts von dir. Sein Schwager ist es, dem dein Vater und ich brieflich einmal mitteilten, dass wir eine Tochter im heiratsfähigen Alter hätten. Daraufhin wirkte er ganz entzückt von der Idee, ein Bündnis für seinen Sohn einzuläuten. Seinen ... zehnjährigen Sohn." Auch hier legte sie eine knappe Pause ein. "Das wird nicht passieren, Azura. Aber sowohl Alycide als auch ich haben überlegt, ob wir dir die Chance ermöglichen sollten, nach Jorsan zu reisen. Unter dem Deckmantel, sich den Sprössling von Trutzingen einmal zu betrachten, während du bei Festivitäten vielleicht doch noch dem König auffallen könntest. Deine ... Zukunft wäre gesichert mit einem solchen Gatten. Allerdings..." Und jetzt löste sie sich wieder von ihrer Tochter, um sich halb umzudrehen und gen Tür zu schauen. "Deine Präferenzen liegen bei dunklen Spitzohren wie mir scheint. Auch mit dem Bruder des Mannes, der dir die Ehre genommen hat, scheinst du dich gut zu verstehen. Du ... schmiedest Bündnisse. Das ist gut und ich schätze, wenn du einen Faelyn liebst, muss ich akzeptieren, dass dunkelelfisches Blut dich in Wallung bringt." Sie schaute über die Schulter zurück. "Es ist doch noch so? Du hast aufrichtiges Interesse an dem Haus Faelyn? Du ... erwägst es wenigstens endlich, dich zu binden? An Corax? An Emmyth? Nun, beide bmeühen sich zumindest und gerade unser jüngster Gast bewies überraschend bessere Manieren als ich sie von so manch andunischem Höfling kenne."
Sie trat wieder an den Tisch heran, rieb sich die filigranen Finger und tastete dann das Pergament des Handelsbaums ab. "Sehr gut, wenigstens das ist unversehrt geblieben. Auf welchen Handelspartner sollen wir uns konzentrieren? Du musst jetzt eine Entscheidung treffen, damit ich schnell noch einige Dinge zusammenpacken kann. Ich möchte Emmyth nicht warten lassen."
Glücklicherweise sah ihre Mutter es anders. Als sie sich in das Gespräch einmischte, nachdem sie selbst sich ob all der unterschwelligen Nachrichten wieder gefangen hatte, konnte sie nicht nur Azuras Idee wieder mit Hoffnung füllen, sondern das Herz ihrer Tochter auch mit Stolz. Echtem Stolz darüber, dass ihr Vorhaben Früchte tragen könnte wie die knorpeligen Bäume auf den Plantagen vor der Stadt. Auf diese Weise angespornt kontentrierte sich die Andunierin wieder auf den Handelsbaum. Sie verfolgte den schlanken Finger ihrer Mutter, der die nicht heimatlichen Wappen zeigte. Sie lauschte ihren Ausführungen und versuchte, so viel wie möglich davon zu beherzigen. Hier ging es schließlich um die Freiheit ihres Vaters und die Unterstützung ihres ausgeflogenen Raben. Azura fand einen Bezug, ganz im Gegensatz zum üblichen Lernstoff ihres Alltags. Damit hatte sie nie etwas anfangen können. Jetzt aber besaß das dargebrachte Wissen Bedeutung, so dass sie es aufmerksam in sich aufsog. Allerdings nahmen ihre Bemühungen ein jähes Ende, als Aquila ihr offenbarte, dass sie statt einer Ehe mit einem zehnjährigen Adelsbengel auch eine Hochzeit mit einem ledigen König nicht ausschloss. Das brachte Azura gehörig aus dem Konzept, so dass sie kaum mehr zuhören konnte. Ihre Gedanken rasten, aber nicht nur das. Vor Aufregung verlor sie die Kontrolle über ihre Magie, so dass sich zumindest der wassermagische Part verselbstständigte. Schon schossen jegliche Quellen an Flüssigkeit im Raum wie kleine Geysire empor, spritzten in alle Richtungen und verteilen nicht nur Wasser auf ihre Umgebung.
In ihrem Schreck bekam Azura nicht einmal die überraschten Schreie der anderen Anwesenden mit. Ihre Mutter quiekte nicht wenig anders als sie und wich vor einem Schwall Tee aus der nahe stehenden Kanne zurück. Sie bekam lediglich wenige Spritzer ab. Emmyth entkam der unvermittelten Attacke nicht. Er stand zudem relativ zentral, so dass sämtliche Flüssigkeiten sich an ihm geradezu austoben konnten. Schon klatschte der Großteil des Tee-Schwalls direkt auf seine Hose, dass er ob der Temperatur aufsprang und einen wahrlich uneleganten Tanz veranstaltete. Dabei klopfte er sich auf den Hosenstoff, als könnte er so die Hitze des Tees abkülen. Wenigstens ging nichts in Flammen auf, aber selbst da halfen andere Liquide. Wasser aus einigen blumenlosen Vasen schleuderte sich selbst wie eine Peitsche durch die Luft und mit einem spritzigen Knall platschte alles über dem Dunkelelfen hernieder, dass sein kohlrabenschwarzes Haar in seidig nassen Strähnen bis auf seine Schultern herab hing und auch dort alles voll tropfte. Zu guter letzt flog ihm eine Salve aus Schaumweintropfen entgegen, die die Ärmel seiner Bluse und auch die Brokatweste sprenkelten, bis man annehmen konnte, er habe sich ein alkoholisches Duftwässerchen gegönnt.
"Faldorische Blutscheiße!", fluchte er und konnte froh sein, dass sowohl Aquila als auch Azura kein, respektive nicht genug Lerium verstanden. Dass ihn der feuchte Angriff ärgerte, ließ sich aber nicht bestreiten. Die Hausherrin griff sofort nach einer Serviette - dem einzigen, womit Emmyth sich wenigstens etwas abtupfen könnte. "Verzeiht", keuchte sie. "Meine Tochter wurde mit Venthas Gabe gesegnet, beherrscht sie allerdings nicht. Es kommt auch nur in Ausnahmefällen vor." Sie reichte ihm die Serviette und Emmyth wischte sich damit zunächst über das Gesicht. Anschließend strich er sich die klatschnassen Strähnen aus der Stirn.
"Ausnahmefälle?", hakte er mit einem knurrigen Unterton in der Stimme nach. Aquila nickte. Sie versuchte, ihn zu beschwichtigen und die Situation zu retten. "Ja, beispielsweise, wenn sie etwas entsetzt wie..." Die Blicke beider glitten zu der jüngeren Andunierin herüber, aber Azura war noch immer in ihrem Schock gefangen. Nur langsam wurde ihr bewusst, was ihre Mutter offenbar nicht ganz ausschloss, gäbe es eine passende Gelegenheit. Vor allem aber verstand sie nicht, wie es überhaupt sein konnte, dass sie zu einer potenziellen Heiratskandidatin für einen König auserkoren würde. Adlige, ja. Solange diese nichts von ihrer wenig blaublütigen Vergangenheit erfuhren und weiterhin annahmen, sie sei ein Spross des noblen Alycide van Ikari. Aber ein König? Ein richtiger König, der über einen Landstrich regierte und mindestens so viele Untertanen haben musste wie Diener ... oder Soldaten. Ein König, dem man einen Erben schenken könnte, um sich so einen Eintrag in dessen Stammbaum zu sichern. Ein König mit Einfluss, Macht, Reichtum und einer Zukunft, die Azura nicht einmal zu träumen wagte.
Mit den Gedanken vollkommen bei sich huschte sie zu den großen Fenstern herüber. Ihr Blick glitt hinaus, während sie versuchte, das schmerzhafte Stechen hinter ihren Schläfen durch einen Kniff in die Nasenwurzel zu verbannen. Rastlos stakte sie vor der Fensterfront entlang, während Aquila und Emmyth sie beobachteten. Die Mutter wirkte ein wenig besorgt. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ihre Tochter die Information derart aus dem Konzept brachte. Noch wusste sie auch nicht, wie sie Azura wieder zur Räson rufen sollte. Schließlich konnte ihr Kind nichts dafür, dass die unausgebildete Magie sich hin und wieder zeigte. Aquila war es ja lieber, wenn es gar nicht erst geschah, denn dann musste sie sich nicht sorgen, dass Azura dadurch erneut Schaden nehmen könnte.
Emmyth hingegen blickte drein, als hätte ihn vor allem das saure Wasser einiger Zitrusfrüchte getroffen und zwar direkt in den Mund. Seine Augen engten sich, je länger er Azura vor den Fenstern herumtigern sah und sein Ausdruck nahm eine gewisse Bitterkeit an.
"Der Schwager des Königs ... der König selbst ..." Als sie schließlich herumfuhr, zuckte Aquila knapp zusammen. Emmyth faltete hingegen seine Hände im Steiß und versuchte, so würdevoll wie möglich auszusehen. Seine Miene verschloss sich, wurde undeutbar, abgesehen davon, dass seine Rubinaugen mit einer gewissen Enttäuschung funkelten. Azuras Fokus aber lag nach wie vor auf der schockierenden Nachricht von eben. Sie wandte sich an ihre Mutter. "Warum sagt ihr mir so etwas nicht? Ich meine ... das ... diese Möglichkeit, die ihr habt ... die ... die ... Bei Ventha, woher wissen die überhaupt von mir? Was wissen die von mir? Ich meine, Mama! Das hätte ich doch wissen müssen! Ich meine ... ich ... ich..."
"Ich entschuldige mich für die knappe Einmischung, aber es wäre wohl besser, wenn ich zum Faelyn-Anwesen zurückkehre. So durchnässt wie ich bin, muss ich Zeit für ein Bad aufbringen."
Aquila zuckte erneut und blickte dann Emmyth an. Er war den Flüssigkeiten im Raum wahrlich zum Opfer gefallen. Sie nickte. "Besteht die Mögichkeit, dass Ihr noch einige Minuten auf uns warten würdet? Dann kommen Azura und ich gern sofort mit. Ihr spracht davon, dass wir uns noch umkleiden müssen."
"Ich warte draußen bei der Kutsche und lasse sie gleich vorfahren", erwiderte Emmyth knapp. Dann verneigte er sich höflich vor der Hausherrin. Angesichts seines Zustands sah es etwas albern aus. Schließlich warf er auch Azura noch einen Blick zu. "Die Braut eines Königs ... natürlich..."
"Es wird sich klären", schenkte Aquila ihm letzte Worte und schüttelte sanft den Kopf. Emmyth aber wandte sich bereits ab, um das Musikzimmer zu verlassen. Mit jedem Schritt hinterließ er kleine Pfützen aus Tee, Wasser und Wein auf dem Boden. Die Tür schloss sich leise hinter ihm, so dass Aquilas Seufzen geradezu krachend wirkte. Doch wie immer hielt sie sich nicht mit zu vielen Emotionen auf, sondern packte die Gelegenheit beim Schopfe. Schließlich musste sie Azura über einige Dinge aufklären. Ihre Tochter hatte immerhin gefragt. So wandte sie sich ihr zu, schüttelte erneut den Kopf. "Das ist ja nun reichlich schief gelaufen. Ich fürchte, wir müssen dir noch einen Lehrmeister aus der Wasserakademie holen, der dich wenigstens so weit unterrichtet, dass du diese ... Unpässlichkeit erfolgreich verdrängt halten kannst." Aquila van Ikari räusperte sich. "Denn auf diese Weise würde weder der Schwager eines Königs, noch ein König oder ... Dunkle, an denen du offensichtlich einen Narren gefressen hast, an eine Ehe denken." Sie ließ die Worte in einer Kunstpause sacken, in der sie langsam auf Azura zukam. Schließlich griff sie nach deren Händen, befühlte sie prüfend, als suchte sie nach Verletzungen. Als sie keine fand, entwich ihr zum wiederholten Mal an diesem Tag ein Seufzen. Dieses Mal klang es allerdings erleichtert.
"Jorsans König, Richard der III., weiß überhaupt nichts von dir. Sein Schwager ist es, dem dein Vater und ich brieflich einmal mitteilten, dass wir eine Tochter im heiratsfähigen Alter hätten. Daraufhin wirkte er ganz entzückt von der Idee, ein Bündnis für seinen Sohn einzuläuten. Seinen ... zehnjährigen Sohn." Auch hier legte sie eine knappe Pause ein. "Das wird nicht passieren, Azura. Aber sowohl Alycide als auch ich haben überlegt, ob wir dir die Chance ermöglichen sollten, nach Jorsan zu reisen. Unter dem Deckmantel, sich den Sprössling von Trutzingen einmal zu betrachten, während du bei Festivitäten vielleicht doch noch dem König auffallen könntest. Deine ... Zukunft wäre gesichert mit einem solchen Gatten. Allerdings..." Und jetzt löste sie sich wieder von ihrer Tochter, um sich halb umzudrehen und gen Tür zu schauen. "Deine Präferenzen liegen bei dunklen Spitzohren wie mir scheint. Auch mit dem Bruder des Mannes, der dir die Ehre genommen hat, scheinst du dich gut zu verstehen. Du ... schmiedest Bündnisse. Das ist gut und ich schätze, wenn du einen Faelyn liebst, muss ich akzeptieren, dass dunkelelfisches Blut dich in Wallung bringt." Sie schaute über die Schulter zurück. "Es ist doch noch so? Du hast aufrichtiges Interesse an dem Haus Faelyn? Du ... erwägst es wenigstens endlich, dich zu binden? An Corax? An Emmyth? Nun, beide bmeühen sich zumindest und gerade unser jüngster Gast bewies überraschend bessere Manieren als ich sie von so manch andunischem Höfling kenne."
Sie trat wieder an den Tisch heran, rieb sich die filigranen Finger und tastete dann das Pergament des Handelsbaums ab. "Sehr gut, wenigstens das ist unversehrt geblieben. Auf welchen Handelspartner sollen wir uns konzentrieren? Du musst jetzt eine Entscheidung treffen, damit ich schnell noch einige Dinge zusammenpacken kann. Ich möchte Emmyth nicht warten lassen."

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Die junge Frau war so lange Zeit über abgeschottet gegenüber der Wirklichkeit gewesen. Nicht, weil sie es hatte sein müssen, trotz ihres Geschlechts und ihrer Position als unverheiratetes Adelstöchterchen, sondern weil sie es gar nicht anders hatte haben wollen. Es war natürlich viel leichter und angenehmer, wenn man den lieben langen Tag nur tun und lassen konnte, was man wollte. Nun wäre mehr als ausreichend Zeit dafür gewesen, diesen Umstand zu bereuen. Doch sie kam gar nicht erst dazu, denn sie musste zusehen, die verbliebenen Stunden sinnbringend zu füllen.
Dennoch wurmte es sie, dass ihr Einfall nicht zum Ziel führen oder wenigstens dazu beitragen könnte, diesem näher zu kommen. Da half ihr auch das Bedauern in Emmyths Blick wenig. Das bedeutete allerdings bei weitem nicht, dass sie deswegen sofort würde aufgeben wollen. Eine Spur Trotz ließ ihre Augen funkeln.
Was wusste er denn darüber? Ja, er kannte seinesgleichen und als Mann hatte er vermutlich viel mehr Einblick in die Gepflogenheiten, obwohl er selbst behauptet hatte, ihr ähnlich kein rechtes Interesse bislang daran gehabt zu haben. Sie jedoch war in einer der Handelsstädte schlechthin aufgewachsen, hatte oft genug auf Festen Wortfetzen aufgeschnappt, die sie jetzt lediglich aus ihrem Gedächtnis kramen müsste. Also würde sie das doch irgendwie schaffen können... müssen!
Da mischte sich auch ihre Mutter ein und offenbarte, dass ihre Idee tatsächlich zu etwas nutze war, nicht nur in ihren Augen, weil ihr zumindest das gelingen sollte. Stolz breitete sich warm in ihr aus und gab ihr ein bislang unbekanntes, wohliges Gefühl, als dieser Einfall... diese Leistung von ihr gewürdigt wurde von jemandem, der definitiv Erfahrung dazu besaß.
Nickend und konzentriert folgte sie den Ausführungen von Aquila, solange bis das Thema auf mögliche Heiratspartner für sie kam. Es war eher nebenbei erwähnt und dennoch schlug es mit der Wucht eines Tsunamis auf sie ein. Ohne es bewusst zu tun, führte ihre Magie zu einer kleinen Explosion, die sie nicht kontrollieren konnte. Ob sie ebenfalls etwas von den Flüssigkeiten abbekam oder nicht, nahm sie nicht wahr. Noch weniger begriff sie, wie ihre beiden Gesprächspartner reagierten. Ihre Mutter quiekte und entkam dem Großteil der Attacke, während der Dunkle mit voller Wucht erwischt wurde.
Ob es an der schwelenden Eifersucht lag oder war es lediglich Zufall? Wenn sie darauf angesprochen worden wäre und es überhaupt mitbekommen hätte, hätte sie es nicht zu sagen gewusst. Möglich wäre beides...
Jedenfalls war sie noch völlig in ihrer eigenen Fassungslosigkeit gefangen, als sie aufsprang und vor der Fensterfront auf und ab tigerte. Eigentlich hätte es sie als Ehre auffassen müssen, dass sie überhaupt eine derartige Möglichkeit bekommen könnte. Bis zu ihrer Entführung hätte sie es auch völlig anders gesehen, hätte sich darin durchaus zu aalen und anzugeben gewusst, solange, bis sie eine entsprechende Reise hätte antreten müssen. Jetzt hingegen...
War ihr Selbstbewusstsein tatsächlich dermaßen geschrumpft, dass sie nur entsetzt darüber sein konnte? Wo war ihr anerzogener adeliger Stolz hin, dass sie stattdessen sofort an ihre unverhältnismäßige Herkunft dachte? Daran, dass diese Rolle sie heillos überfordern und erdrücken würde, anstatt ihr die Chancen zum Aufblühen zu geben? War es nicht das Ziel jeder adeligen Familie, diese höchste aller Positionen zu erreichen? Sie hingegen erschreckte es und dabei dachte sie noch nicht einmal an ihre Gefühle für ihren dunklen Prinzen... und seinen edlen Bruder.
Denn diese wären das nächste große Hindernis in Bezug auf eine königliche Verbindung. Oder lag es an eben diesen Beiden? Die Befürchtung, durch ihre Herkunft nicht gut genug zu sein, war ihr schließlich nicht mehr vollkommen neu, erst recht, seit Corax seine Familie gefunden hatte. Voller Verzweiflung und Verständnislosigkeit stammelte sie vor sich hin und schüttelte immer wieder den Kopf. Bis sie soweit war, ihre Mutter direkt anzusehen und herum zu stammeln.
Wie von weit her drang daraufhin die Stimme des Faelyn-Sprosses zu ihr durch und ließ sie innehalten. Blinzelnd richteten sich ihre Augen auf ihn und erst jetzt nahm sie sein derangiertes Äußeres wahr. Erneut blinzelte sie und musterte ihn, konnte nicht sofort einen Zusammenhang zwischen ihrem kleinen, magischen Ausbruch und diesem Ergebnis herstellen. Noch weniger erkannte sie, was genau zu diesem Stimmungsumschwung geführt haben mochte.
"Aber...", hauchte sie und sah zuerst die Tür, danach ihre Mutter fragend an, die beinahe schon überlaut seufzte. Sie hob ihre Augenbrauen und blickte noch einmal zu der Tür, als erwartete sie, er könne wieder zurück kommen. Was war nur los? Was war mit ihm passiert? Sollte sie ihm nachgehen?
Aquilas Stimme verhinderte eine Entscheidung ihrerseits und die Worte waren dazu angetan, ihr Feuer auf der kleinen Insel etwas zu nähren, anstatt es zu dimmen. "Unpässlichkeit? Was willst du damit jetzt wieder sagen?", schoss sie schon etwas leidenschaftlicher zurück, als wäre sie nicht noch vor wenigen Herzschlägen beinahe sprachlos vor Überraschung gewesen.
Da wurde bereits nach ihren Händen gegriffen und diese augenscheinlich begutachtet. Azuras Wangen röteten sich ein wenig, obwohl sie sich seit den letzten unzüchtigen Spielen, die sie durchaus auch außerhalb ihres Körpers befleckt hatten, gründlich gewaschen hatte. "Mama!", protestierte sie und hätte der anderen die Finger entzogen, wenn diese nicht schon zufrieden und erleichtert wieder losgelassen hätte. Schon spürte sie den Drang, ein weiteres Mal zur Tür zu sehen und darauf zu bauen, dass er ausgerechnet jetzt trotz seiner sauren Miene zurückkehren würde.
Aber die Hausherrin fuhr bereits fort und erinnerte sie daran, was überhaupt erst der Auslöser für ihren kleinen Ausbruch gewesen war. "Mei... meine... Zukunft...", wisperte sie und erneut drohte ihr die Kehle eng zu werden. Sie umarmte sich selbst und blickte betreten zu Boden.
Als ob sie eine geeignete Partie für einen König... oder einem von dessen näher stehenden Verwandten wäre, unabhängig davon, dass dies ein zehnjähriger Knirps wäre! Nicht nur wegen ihrer gewöhnlichen Herkunft, nein, auch aus einem anderen Grund. Schon bei einem Adeligen war der Nachwuchs von großer Bedeutung, doch da wäre ein ausbleibender Sohn noch weitaus eher verkraftbar als bei einem König. Zumindest wüsste sie nicht, dass es in Jorsa auch eine weibliche Thronfolge geben könnte! Und nachdem ihre eigene Mutter lediglich ein Mädchen geboren hatte... Würde ihr denn etwas anderes gelingen? Wäre sie überhaupt fähig dazu, einem Jungen das Leben zu schenken? Und wenn nicht, was dann...?
Langsam ließ sie die Luft aus ihren Lungen entweichen, als Aquila einen anderen Punkt ansprach. Einen, der sie aufhorchen ließ. Sie errötete bis in die Haarspitzen und ihre eigene Umarmung wurde noch enger, als müsse sie sich vor dieser Erkenntnis aus einem anderen Mund schützen. "Ich... ich...", stammelte sie und fühlte, wie ihre Kraft nachließ. Aufgrund der Nähe ließ sie sich auf eine der Fensterbänke sinken, anstatt zu dem besudelten Sofa zurück zu kehren.
Geschwächt sanken ihre Arme herab und ihre Hände legten sich in ihren Schoß, worin sie ihre Finger verschränkte. Ihr Blick folgte der Bewegung und starrte darauf. "Ja, sie bemühen sich, aber...", murmelte sie, während ihre Augen verräterisch zu brennen begannen. Mehrfach musste sie schlucken und sich die Lippen lecken. Dieselbe Angst, die sie bei einer Verbindung mit einem Hochadeligen hätte, kroch nun mit eisigkalten Fingern ihr Rückgrat hoch.
Mit Verzweiflung im Blick hob sie diesen und sah zu ihrer Mutter hin. "Verstehst du's nicht? Es geht nicht um meine Entscheidung. Ich bin einfach nicht gut genug! Jetzt finden sie mich schön, aber wie lange noch? Wie lange noch schön genug, um mich heiraten zu wollen? Ich..." Ihre Stimme brach und schniefend wischte sie sich mit einer wenig damenhaften, beinahe schon ärgerlichen Handbewegung die Nase, während sie trotzig zur Seite sah. "Sobald sie wissen, dass ich nichts weiter als ein Bastard bin, werden sie nur noch drüber lachen, dass sie mich heiraten könnten.", brach es aus ihr heraus. Sie atmete tief aus und ballte die Hände zu Fäusten. "Egal, ob König, zehnjähriger Bengel..." Ihre feste Stimme wurde wieder leiser und zittriger. "... oder Faelyn."
Schon wieder stach es hinter ihrer Stirn schmerzhaft und sie griff sich ein weiteres Mal auf die Nasenwurzel, um dem etwas entgegen zu setzen, egal, ob es half oder nicht. Dann straffte sie ihre Schultern, fuhr sich übers Gesicht und kämpfte sich wieder hoch. Das musste warten, anderes war wichtiger. Ihr Vater, ihr Rabe... und dessen Bruder.
Langsam trat sie näher an den Handelsbaum heran und seufzte leise. Sie sollte sich entscheiden? Aber für wen? Azura versuchte, rasch eine Antwort zu finden, doch es wollte ihr nicht gelingen.
Schließlich gab sie mit einem knappen Kopfschütteln auf. "Ich brauche mehr Zeit, zumindest die Fahrt zurück.", erklärte sie seufzend und sah ihre Mutter wieder an. "Nimm' für jede Möglichkeit etwas mit. So... haben wir zur Not noch etwas in der Hinterhand.", meinte sie und schaute wieder zur Tür.
Noch immer hatte sie sich nicht mehr geöffnet und die junge Frau war sich nicht sicher, was das für sie bedeutete. Doch auch darüber durfte sie nun nicht nachdenken, sondern musste sich endlich konzentrieren. Wenn es nur nicht so schwer gewesen wäre!
Mit einer gewissen Willensanstrengung wandte sie den Blick ab und der Hausherrin zu. "Ich suche in meinem Zimmer nach etwas Herzeigbarem aus Santros. Vielleicht ist nicht alles geplündert worden.", schlug sie vor und würde das auch in die Tat umsetzen wollen, sollte Aquila sie nicht zurück halten.
Dennoch wurmte es sie, dass ihr Einfall nicht zum Ziel führen oder wenigstens dazu beitragen könnte, diesem näher zu kommen. Da half ihr auch das Bedauern in Emmyths Blick wenig. Das bedeutete allerdings bei weitem nicht, dass sie deswegen sofort würde aufgeben wollen. Eine Spur Trotz ließ ihre Augen funkeln.
Was wusste er denn darüber? Ja, er kannte seinesgleichen und als Mann hatte er vermutlich viel mehr Einblick in die Gepflogenheiten, obwohl er selbst behauptet hatte, ihr ähnlich kein rechtes Interesse bislang daran gehabt zu haben. Sie jedoch war in einer der Handelsstädte schlechthin aufgewachsen, hatte oft genug auf Festen Wortfetzen aufgeschnappt, die sie jetzt lediglich aus ihrem Gedächtnis kramen müsste. Also würde sie das doch irgendwie schaffen können... müssen!
Da mischte sich auch ihre Mutter ein und offenbarte, dass ihre Idee tatsächlich zu etwas nutze war, nicht nur in ihren Augen, weil ihr zumindest das gelingen sollte. Stolz breitete sich warm in ihr aus und gab ihr ein bislang unbekanntes, wohliges Gefühl, als dieser Einfall... diese Leistung von ihr gewürdigt wurde von jemandem, der definitiv Erfahrung dazu besaß.
Nickend und konzentriert folgte sie den Ausführungen von Aquila, solange bis das Thema auf mögliche Heiratspartner für sie kam. Es war eher nebenbei erwähnt und dennoch schlug es mit der Wucht eines Tsunamis auf sie ein. Ohne es bewusst zu tun, führte ihre Magie zu einer kleinen Explosion, die sie nicht kontrollieren konnte. Ob sie ebenfalls etwas von den Flüssigkeiten abbekam oder nicht, nahm sie nicht wahr. Noch weniger begriff sie, wie ihre beiden Gesprächspartner reagierten. Ihre Mutter quiekte und entkam dem Großteil der Attacke, während der Dunkle mit voller Wucht erwischt wurde.
Ob es an der schwelenden Eifersucht lag oder war es lediglich Zufall? Wenn sie darauf angesprochen worden wäre und es überhaupt mitbekommen hätte, hätte sie es nicht zu sagen gewusst. Möglich wäre beides...
Jedenfalls war sie noch völlig in ihrer eigenen Fassungslosigkeit gefangen, als sie aufsprang und vor der Fensterfront auf und ab tigerte. Eigentlich hätte es sie als Ehre auffassen müssen, dass sie überhaupt eine derartige Möglichkeit bekommen könnte. Bis zu ihrer Entführung hätte sie es auch völlig anders gesehen, hätte sich darin durchaus zu aalen und anzugeben gewusst, solange, bis sie eine entsprechende Reise hätte antreten müssen. Jetzt hingegen...
War ihr Selbstbewusstsein tatsächlich dermaßen geschrumpft, dass sie nur entsetzt darüber sein konnte? Wo war ihr anerzogener adeliger Stolz hin, dass sie stattdessen sofort an ihre unverhältnismäßige Herkunft dachte? Daran, dass diese Rolle sie heillos überfordern und erdrücken würde, anstatt ihr die Chancen zum Aufblühen zu geben? War es nicht das Ziel jeder adeligen Familie, diese höchste aller Positionen zu erreichen? Sie hingegen erschreckte es und dabei dachte sie noch nicht einmal an ihre Gefühle für ihren dunklen Prinzen... und seinen edlen Bruder.
Denn diese wären das nächste große Hindernis in Bezug auf eine königliche Verbindung. Oder lag es an eben diesen Beiden? Die Befürchtung, durch ihre Herkunft nicht gut genug zu sein, war ihr schließlich nicht mehr vollkommen neu, erst recht, seit Corax seine Familie gefunden hatte. Voller Verzweiflung und Verständnislosigkeit stammelte sie vor sich hin und schüttelte immer wieder den Kopf. Bis sie soweit war, ihre Mutter direkt anzusehen und herum zu stammeln.
Wie von weit her drang daraufhin die Stimme des Faelyn-Sprosses zu ihr durch und ließ sie innehalten. Blinzelnd richteten sich ihre Augen auf ihn und erst jetzt nahm sie sein derangiertes Äußeres wahr. Erneut blinzelte sie und musterte ihn, konnte nicht sofort einen Zusammenhang zwischen ihrem kleinen, magischen Ausbruch und diesem Ergebnis herstellen. Noch weniger erkannte sie, was genau zu diesem Stimmungsumschwung geführt haben mochte.
"Aber...", hauchte sie und sah zuerst die Tür, danach ihre Mutter fragend an, die beinahe schon überlaut seufzte. Sie hob ihre Augenbrauen und blickte noch einmal zu der Tür, als erwartete sie, er könne wieder zurück kommen. Was war nur los? Was war mit ihm passiert? Sollte sie ihm nachgehen?
Aquilas Stimme verhinderte eine Entscheidung ihrerseits und die Worte waren dazu angetan, ihr Feuer auf der kleinen Insel etwas zu nähren, anstatt es zu dimmen. "Unpässlichkeit? Was willst du damit jetzt wieder sagen?", schoss sie schon etwas leidenschaftlicher zurück, als wäre sie nicht noch vor wenigen Herzschlägen beinahe sprachlos vor Überraschung gewesen.
Da wurde bereits nach ihren Händen gegriffen und diese augenscheinlich begutachtet. Azuras Wangen röteten sich ein wenig, obwohl sie sich seit den letzten unzüchtigen Spielen, die sie durchaus auch außerhalb ihres Körpers befleckt hatten, gründlich gewaschen hatte. "Mama!", protestierte sie und hätte der anderen die Finger entzogen, wenn diese nicht schon zufrieden und erleichtert wieder losgelassen hätte. Schon spürte sie den Drang, ein weiteres Mal zur Tür zu sehen und darauf zu bauen, dass er ausgerechnet jetzt trotz seiner sauren Miene zurückkehren würde.
Aber die Hausherrin fuhr bereits fort und erinnerte sie daran, was überhaupt erst der Auslöser für ihren kleinen Ausbruch gewesen war. "Mei... meine... Zukunft...", wisperte sie und erneut drohte ihr die Kehle eng zu werden. Sie umarmte sich selbst und blickte betreten zu Boden.
Als ob sie eine geeignete Partie für einen König... oder einem von dessen näher stehenden Verwandten wäre, unabhängig davon, dass dies ein zehnjähriger Knirps wäre! Nicht nur wegen ihrer gewöhnlichen Herkunft, nein, auch aus einem anderen Grund. Schon bei einem Adeligen war der Nachwuchs von großer Bedeutung, doch da wäre ein ausbleibender Sohn noch weitaus eher verkraftbar als bei einem König. Zumindest wüsste sie nicht, dass es in Jorsa auch eine weibliche Thronfolge geben könnte! Und nachdem ihre eigene Mutter lediglich ein Mädchen geboren hatte... Würde ihr denn etwas anderes gelingen? Wäre sie überhaupt fähig dazu, einem Jungen das Leben zu schenken? Und wenn nicht, was dann...?
Langsam ließ sie die Luft aus ihren Lungen entweichen, als Aquila einen anderen Punkt ansprach. Einen, der sie aufhorchen ließ. Sie errötete bis in die Haarspitzen und ihre eigene Umarmung wurde noch enger, als müsse sie sich vor dieser Erkenntnis aus einem anderen Mund schützen. "Ich... ich...", stammelte sie und fühlte, wie ihre Kraft nachließ. Aufgrund der Nähe ließ sie sich auf eine der Fensterbänke sinken, anstatt zu dem besudelten Sofa zurück zu kehren.
Geschwächt sanken ihre Arme herab und ihre Hände legten sich in ihren Schoß, worin sie ihre Finger verschränkte. Ihr Blick folgte der Bewegung und starrte darauf. "Ja, sie bemühen sich, aber...", murmelte sie, während ihre Augen verräterisch zu brennen begannen. Mehrfach musste sie schlucken und sich die Lippen lecken. Dieselbe Angst, die sie bei einer Verbindung mit einem Hochadeligen hätte, kroch nun mit eisigkalten Fingern ihr Rückgrat hoch.
Mit Verzweiflung im Blick hob sie diesen und sah zu ihrer Mutter hin. "Verstehst du's nicht? Es geht nicht um meine Entscheidung. Ich bin einfach nicht gut genug! Jetzt finden sie mich schön, aber wie lange noch? Wie lange noch schön genug, um mich heiraten zu wollen? Ich..." Ihre Stimme brach und schniefend wischte sie sich mit einer wenig damenhaften, beinahe schon ärgerlichen Handbewegung die Nase, während sie trotzig zur Seite sah. "Sobald sie wissen, dass ich nichts weiter als ein Bastard bin, werden sie nur noch drüber lachen, dass sie mich heiraten könnten.", brach es aus ihr heraus. Sie atmete tief aus und ballte die Hände zu Fäusten. "Egal, ob König, zehnjähriger Bengel..." Ihre feste Stimme wurde wieder leiser und zittriger. "... oder Faelyn."
Schon wieder stach es hinter ihrer Stirn schmerzhaft und sie griff sich ein weiteres Mal auf die Nasenwurzel, um dem etwas entgegen zu setzen, egal, ob es half oder nicht. Dann straffte sie ihre Schultern, fuhr sich übers Gesicht und kämpfte sich wieder hoch. Das musste warten, anderes war wichtiger. Ihr Vater, ihr Rabe... und dessen Bruder.
Langsam trat sie näher an den Handelsbaum heran und seufzte leise. Sie sollte sich entscheiden? Aber für wen? Azura versuchte, rasch eine Antwort zu finden, doch es wollte ihr nicht gelingen.
Schließlich gab sie mit einem knappen Kopfschütteln auf. "Ich brauche mehr Zeit, zumindest die Fahrt zurück.", erklärte sie seufzend und sah ihre Mutter wieder an. "Nimm' für jede Möglichkeit etwas mit. So... haben wir zur Not noch etwas in der Hinterhand.", meinte sie und schaute wieder zur Tür.
Noch immer hatte sie sich nicht mehr geöffnet und die junge Frau war sich nicht sicher, was das für sie bedeutete. Doch auch darüber durfte sie nun nicht nachdenken, sondern musste sich endlich konzentrieren. Wenn es nur nicht so schwer gewesen wäre!
Mit einer gewissen Willensanstrengung wandte sie den Blick ab und der Hausherrin zu. "Ich suche in meinem Zimmer nach etwas Herzeigbarem aus Santros. Vielleicht ist nicht alles geplündert worden.", schlug sie vor und würde das auch in die Tat umsetzen wollen, sollte Aquila sie nicht zurück halten.

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Azuras Magie entwickelte sich, wenn auch nicht unbedingt in eine Richtung, in der sie sie besser zu handhaben lernte. Was sie inzwischen gelernt hatte, war, dass neben ihrer wogenden Begabung von Venthas Segen auch ein feuriger Kern in ihrem Inneren wohnte. Den Unterricht bei ihrem biologischen Vater hatte sie ausgeschlossen und nun streifte er irgendwo mit Madiha umher, so dass sie es vorerst auch nicht nachholen könnte. Beide würden nicht ihren Ziehvater Alycide van Ikari retten. Der Grund waren weder Verweigerung noch Verrat. Kjetell'o und Madiha ließen sie nicht im Stich. Beide hatten sich bisweilen gewissenhaft gezeigt und gerade die junge Sarmaerin war mehr als bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen. Sie wäre nach Kosral gereist, um sich dem Risiko einer Rettungsmission auszusetzen. Dass sie diesem Schicksal nun offenbar entkam, war Corax' Verschulden. Laut der Nachricht seiner an Azura zurückgelassenen Perle würde er diese Pflicht übernehmen. Nein, er hatte sie bereits übernommen! Ob er schon weit gekommen wäre? Azura wusste, dass man den Wald Neldoreth von Andunie aus nicht einmal mit einem Pferd innerhalb eines Tages erreichen konnte. Vielleicht wäre es möglich, das Fischerdorf am Fluss Ilfar gerade so vor Sonnenuntergang zu erreichen. Dann aber riskierte man, sein Reittier zum letzten Mal nutzen zu können. Ob ihr Rabe Dank seiner magischen Fähigkeiten in er Lage wäre, schneller an einem Zielort anzukommen? Was das betraf, konnte sie nur spekulieren, denn allzu intensiv hatte Azura sich nie mit Corax' Befähigung beschäftigt. Sie wusste bis jetzt ja noch nicht einmal, ob er nun ein Grau- oder Buntschelm war ... oder nicht doch ganz anders magisch veranlagt. Was sie selbst betraf, kannte sie ja auch noch immer nicht alle Hintergründe, kleinen Details oder gar, wie man mit ihnen umgehen musste, dass ein Fauxpas wie eben in ihrem Elternhaus nicht passierte.
Sie hatte jegliche Wasserquellen im Raum in sprudelde Geysire verwandelt und das größte Opfer dieses Missgeschicks war Emmyth Faelyn geworden. Pitschnass und mit etwas im Blick, das Azura nicht vollkommen deuten konnte, hatte er das Musikzimmer verlassen, um die Kutsche vorfahren zu lassen. Er würde dort auf sie und ihre Mutter warten. Azura hoffte noch, dass er zurückkehrte, aber insgeheim musste sie sich wohl fragen, warum sie das dachte. Emmyth hatte keinen Grund und ohnehin schon zum Aufbruch gedrängt. Sein Fokus lag auf dem bevorstehenden Fest. Azuras hingegen kämpfte noch immer mit dem Umstand, dass ihre Eltern durchaus eine Ehe mit einem König für sie erwägt hatten.
Sie umarmte sich selbst, als das Thema noch einmal aufkam. Doch Aquila sah es offenbar nicht als verwerflich, ihre Tochter in Erwägung zu ziehen. Sie ignorierte den Umstand einfach, dass Azura nicht von blauem Geblüt war und somit unter keinen Umständen einem König den Hof machen könnte. Sie sah lediglich die Möglichkeiten. Da gab es den Schwager eines ledigen Königs, der seinen Zehnjährigen an eine Braut verschachern wollte und durch die Kontakte Alycides eben auf eine mutmaßliche Adelstochter aufmerksam geworden war. Warum die Chance also nicht beim Schopf ergreifen, ihn als Vorwand zu nutzen, dem König selbst nahe zu kommen? Aquila dachte schon immer in pragmatischeren Richtungen als andere. Sie sah keine Verbindung zwischen ihrer Tochter und einem Bengel, der vermutlich noch lieber mit einem Holzschwert spielte als sein fleischgewordenes Exemplar selbst nutzen zu wollen. Ein König jedoch ... besaß die Pflicht, einen Erben - möglichst männlich - zu zeugen, um seine Blutlinie nicht austrocknen zu lassen. Er brauchte eine Frau! Er brauchte eine Braut! Und wenn bisweilen keine in seiner eigenen Heimat ihm hatte den Kopf verdrehen können, warum sollten Azuras Chancen dann schlecht stehen? Sie war gut darin, das konnte Aquila aus eigener Erfahrung sagen. Wie oft waren schon Galane fast unter Tränen zu ihr gekommen, um sie zu bitten, doch noch einmal ein Treffen mit der schönen Azura zu arrangieren? Wie oft hatte sie diese jungen Männer abweisen müssen, weil sie genau wusste, dass ihr Kind nur mit ihnen spielte. Sie blieb pragmatisch, versuchte es weiter und wusste, eines Tages stellte sich schon ein Erfolg ein. Dass er nun in Form des Hauses Faelyn an ihre Tür klopfte, damit hatte sie eindeutig nicht gerechnet. Ebenso wenig hatte sie aber auch mit der Eroberung ihrer Heimat rechnen können. Ebenso wenig schloss sie nun weiterhin eine Verbindung zu einem König aus. Aquila hielt sich einfach alles offen und zog an der richtigen Strippe, sobald sich eine Gelegenheit ergab. Das hatte sie immer getan, folglich wich sie von diesem Pfad nun auch nicht ab.
Azura sah in diese Richtung keinerlei Silberstreifen am Horizont, weder in Bezug von König Richard dem III. zu Jorsan noch in Hinsicht auf die Faelyns. Dabei schloss sie nicht einmal mehr Emmyth aus, wenn sie ehrlich mit sich selbst sein wollte. Sie überlegte ja bereits jetzt, ob in adligen Kreisen auch eine Dreiecksbeziehung möglich war. Sie war immerhin Aquila van Ikaris Tochter und als solche besaß sie eigene Strippen und Wege, die sie sich ihrerseits offenhielt. Im Gegensatz zu ihrer Mutter besaß sie allerdings große Selbstzweifel.
"Verstehst du's nicht? Es geht nicht um meine Entscheidung. Ich bin einfach nicht gut genug! Jetzt finden sie mich schön, aber wie lange noch? Wie lange noch schön genug, um mich heiraten zu wollen?"
"Du bist Azura van Ikari, jetzt schön genug", erwiderte ihre Mutter ungerührt, denn sie glaubte sehr wohl daran, dass ihre Tochter mehr als ausreichend war. "Wenn du die Gelegenheit nicht verstreichen lässt, wirst du gebunden sein und kannst dann alt und hässlich wie deine Mutter werden." Sie wartete kurz auf eine Reaktion, nur um dann triumphal zu lächeln. Aquila war fernab dieser Umschreibungen. Ja, sie war in die Jahre gekommen und versuchte nicht einmal mehr, sich die kleinen Falten weg zu schminken. Aber sie alterte auf eine Weise, die ihr gut zu Gesicht stand. Hatte Azura es nicht eben noch selbst sehen dürfen, als Emmyth vor ihr auf ein Knie gesunken war, als wollte er ihr gleich ein Minnelied singen? Sie war noch immer attraktiv genug und Alycide hatte sie schließlich ebenfalls nicht des Hauses verbannt. Denn Azura übersah hierbei einen wichtigen Faktor. "Liebe macht blind", gab Aquila ihr einen schlichten Hinweis darauf. Es stimmte. Wer verliebt war, für den würde der oder die Angebetete immer die schönste Person auf Celcia sein. Und Corax liebte sie doch! Er hatte es oft genug gesagt. Emmyth begehrte sie, da bestand kein Zweifel mehr. Vielleicht entwickelte sich auch noch mehr, wenn Azura an die Reise in der Kutsche zurückdachte oder den Kuss, der der einzige zwischen ihnen beiden bleiben sollte. Nur beim König konnte sie sich wirklich nicht sicher sein, aber wollte sie ihn überhaupt in Erwägung ziehen? War sie nicht bereits glücklich genug mit dem, was sie haben könnte? Liebte sie denn? Waren die Männer für sie denn gut genug?
Während sie ein wenig über das Ganze nachdachte, drängte ihre Mutter plötzlich. Sie hatten viel zu viel Zeit mit dem Gespräch um LIebeleien verschwendet. Da blieb kaum noch ein Atemzug, sich um den eigentlichen Kern zu kümmern. Sie zeigte erneut auf den Handelsbaum, bat ihre Tochter darum, sich hier und jetzt für einen Kontakt hinter den fremdländischen Wappen zu entscheiden, damit sie argumentativ vor den Dunkelelfen beim Fest würde glänzen können. Dass Azura vage blieb und sich alles offen hielt, ließ Aquila dieses Mal seufzen. Denn dieser Pfad funktionierte nicht immer. Manchmal musste man eben Entscheidungen treffen. Sie blickte Azura mit leichter Missbilligung an, als diese darum bat, für jeden Kontakt Informationen mitzunehmen, die sie bis zum Fest lernen sollte.
"Wie stellst du dir das vor? Soll ich die ganze Bibliothek in die Faelyn-Kutsche packen?" Aquila schüttelte den Kopf. "Ich entscheide nun für dich - ein einziges und ein letztes Mal, Kind. Ab sofort kannst du dich nicht mehr so heraus mogeln." Für welchen Kontakt Aquila sich nun jedoch ausrichtete, sagte sie nicht. Sie besah sich noch einmal knapp den Handelsbaum, schaute über die Wappen derer von Trutzingen, da Silvienne und Ashraf. Schließlich rollte sie das Pergament zusammen. Sie wirkte fast schon aufbruchsbereit. Es fehlten nur noch einige Unterlagen.
"Ich suche in meinem Zimmer nach etwas Herzeigbarem aus Santros. Vielleicht ist nicht alles geplündert worden."
"Santros also?" Aquila hob die Brauen, nickte jedoch. Sie ließ ihre Tochter ziehen. Sofern Azura irgendwo in ihrem Raum noch ein Geheimversteck für das eine oder andere Schmuckstück besaß, würde sie fündig werden. Die Chancen standen gut. Als Corax sie damals entführt hatte, war ihm keine Gelegenheit geblieben, ihre eigenen vier Wände zu plündern und die anderen Dunkelelfen sahen diesen Teil des Anwesens dann offenbar schon als abgegrast an. Womit auch immer Azura zurückkehrte, Aquila fackelte daraufhin nicht mehr lange. Ihr schien es bereits unangenehm zu sein, Emmyth so lange warten zu lassen.
Sie selbst hatte aber auch einige Dinge zusammengekramt und wenn es sich bei dem Inhalt der großen Tasche und dem dicken Wälzer unter dem Arm nur um einen der Kontakte handelte, könnte Azura vielleicht begreifen, warum die Mutter nicht einsah, das Dreifache davon mitzuschleppen. Gemeinsam verließen sie das Haus van Ikari. Vor dem Eingang stand die Kutsche schon bereit. Emmyth hockte allerdings vorn auf dem Bock, auch wenn er nicht die Zügel hielt. Jemand hatte ihm eine Decke übergeworfen, damit er in seinen durchnässten Sachen nicht fror. Das musste der Kutscher gewesen sein, der sich nun verpflichtet sah, für die Damen die Tür zur Kutschenkabine zu öffnen. Er half Aquila auch, die Unterlagen hinten in einem Fach der Kutsche zu verstauen. Die Frau lehnte ab.
Wenig später saßen Mutter und Tochter einander gegenüber, während das Gefährt durch Andunies Straßen rollte. Aquila musterte ihre Tochter unentwegt. Sie hatte Azura den Wälzer sofort auf die Beine gelegt, sobald sie in der Kutsche saßen, eine Seite aufgeschlagen und gefordert, dass sie lesen sollte. Falls Azura sich aufmerksam mit dem Text beschäftigte, fand sie sich sofort in einem großen Stammbaum wieder, an dessen Ende tatsächlich ein Sohn namens Richard stand. Richard von Jorsan, der dritte im Stammbaum mit diesem Namen. Der Platz neben ihm für den Eintrag einer Ehegattin war offen. Dafür füllten die übrigen Zweige des selbstgezeichneten Baumes zahlreiche Namen aus, dass einem davon schwindlig werden konnte. Aquila hatte sich also für Jorsan entschieden.
Auf weiteren Seiten fanden sich gesammelte Informationen und Notizen zu Markwardt von Trutzingen, seiner Gattin Lliris und dem gemeinsamen Sohn Andrias. Aquila hatte so viel wie möglich vermerkt. So standen dort sogar Notizen zu Größe und Gewicht des Sprosses bei dessen Geburt. Er war ein blonder Bengel, der offenbar durch einen angeborenen Eogismus auffiel, den man ihm zuschrieb, weil er Einzelkind war. Mit dem jüngsten Bruder des Königs - seinem Onkel - verstand er sich ausgesprochen schlecht. Hingegen sollte Andrias wohl Mamas Liebling sein, der jeglichen Wunsch von den Lippen abgelesen bekam. Ein verwöhntes Balg eben. Kein Wunder, dass Markwardt von Trutzingen derart verzweifelt nach einer Partie für den Jungen suchte.
Es gab aber auch ein paar Informationen zu König Richard dem III. zu Jorsan. So könnte Azura erfahren, dass seine ganze Familie bereits versuchte, ihm eine angemessene Frau an die Seite zu stellen. Er habe sich aber nie auf eine Ehe konzentrieren können. Sein Herz galt der Verteidigung des eigenen Königreichs vor dem mit ihm in Fehde stehenden Königreich Grandessa. Die jüngsten Eintragungen auf den hinteren Seiten beinhalteten, dass Grandessa Verstärkung "von dunkler Seite" erhalten habe und der König nun umso mehr zu kämpfen hätte, sein Reich nicht zu verlieren.
"Du wirst dir all das bis zum Fest einprägen müssen. Am besten liest du auch in dem Buch, während man dich ankleidet", riet Aquila. Sie sah die Dringlichkeit der Lage und daher auch die Notwendigkeit, an ihre Tochter zu appellieren. Dennoch fragte sie plötzlich: "Wärst du überhaupt daran interessiert, dich bei König Richard dem III. einzuschmeicheln? Oder hast du dein Herz bereits verschrieben? An einen der Faelyns? An wen eigentlich? So ganz bin ich mir gar nicht sicher im Moment."
Sie hatte jegliche Wasserquellen im Raum in sprudelde Geysire verwandelt und das größte Opfer dieses Missgeschicks war Emmyth Faelyn geworden. Pitschnass und mit etwas im Blick, das Azura nicht vollkommen deuten konnte, hatte er das Musikzimmer verlassen, um die Kutsche vorfahren zu lassen. Er würde dort auf sie und ihre Mutter warten. Azura hoffte noch, dass er zurückkehrte, aber insgeheim musste sie sich wohl fragen, warum sie das dachte. Emmyth hatte keinen Grund und ohnehin schon zum Aufbruch gedrängt. Sein Fokus lag auf dem bevorstehenden Fest. Azuras hingegen kämpfte noch immer mit dem Umstand, dass ihre Eltern durchaus eine Ehe mit einem König für sie erwägt hatten.
Sie umarmte sich selbst, als das Thema noch einmal aufkam. Doch Aquila sah es offenbar nicht als verwerflich, ihre Tochter in Erwägung zu ziehen. Sie ignorierte den Umstand einfach, dass Azura nicht von blauem Geblüt war und somit unter keinen Umständen einem König den Hof machen könnte. Sie sah lediglich die Möglichkeiten. Da gab es den Schwager eines ledigen Königs, der seinen Zehnjährigen an eine Braut verschachern wollte und durch die Kontakte Alycides eben auf eine mutmaßliche Adelstochter aufmerksam geworden war. Warum die Chance also nicht beim Schopf ergreifen, ihn als Vorwand zu nutzen, dem König selbst nahe zu kommen? Aquila dachte schon immer in pragmatischeren Richtungen als andere. Sie sah keine Verbindung zwischen ihrer Tochter und einem Bengel, der vermutlich noch lieber mit einem Holzschwert spielte als sein fleischgewordenes Exemplar selbst nutzen zu wollen. Ein König jedoch ... besaß die Pflicht, einen Erben - möglichst männlich - zu zeugen, um seine Blutlinie nicht austrocknen zu lassen. Er brauchte eine Frau! Er brauchte eine Braut! Und wenn bisweilen keine in seiner eigenen Heimat ihm hatte den Kopf verdrehen können, warum sollten Azuras Chancen dann schlecht stehen? Sie war gut darin, das konnte Aquila aus eigener Erfahrung sagen. Wie oft waren schon Galane fast unter Tränen zu ihr gekommen, um sie zu bitten, doch noch einmal ein Treffen mit der schönen Azura zu arrangieren? Wie oft hatte sie diese jungen Männer abweisen müssen, weil sie genau wusste, dass ihr Kind nur mit ihnen spielte. Sie blieb pragmatisch, versuchte es weiter und wusste, eines Tages stellte sich schon ein Erfolg ein. Dass er nun in Form des Hauses Faelyn an ihre Tür klopfte, damit hatte sie eindeutig nicht gerechnet. Ebenso wenig hatte sie aber auch mit der Eroberung ihrer Heimat rechnen können. Ebenso wenig schloss sie nun weiterhin eine Verbindung zu einem König aus. Aquila hielt sich einfach alles offen und zog an der richtigen Strippe, sobald sich eine Gelegenheit ergab. Das hatte sie immer getan, folglich wich sie von diesem Pfad nun auch nicht ab.
Azura sah in diese Richtung keinerlei Silberstreifen am Horizont, weder in Bezug von König Richard dem III. zu Jorsan noch in Hinsicht auf die Faelyns. Dabei schloss sie nicht einmal mehr Emmyth aus, wenn sie ehrlich mit sich selbst sein wollte. Sie überlegte ja bereits jetzt, ob in adligen Kreisen auch eine Dreiecksbeziehung möglich war. Sie war immerhin Aquila van Ikaris Tochter und als solche besaß sie eigene Strippen und Wege, die sie sich ihrerseits offenhielt. Im Gegensatz zu ihrer Mutter besaß sie allerdings große Selbstzweifel.
"Verstehst du's nicht? Es geht nicht um meine Entscheidung. Ich bin einfach nicht gut genug! Jetzt finden sie mich schön, aber wie lange noch? Wie lange noch schön genug, um mich heiraten zu wollen?"
"Du bist Azura van Ikari, jetzt schön genug", erwiderte ihre Mutter ungerührt, denn sie glaubte sehr wohl daran, dass ihre Tochter mehr als ausreichend war. "Wenn du die Gelegenheit nicht verstreichen lässt, wirst du gebunden sein und kannst dann alt und hässlich wie deine Mutter werden." Sie wartete kurz auf eine Reaktion, nur um dann triumphal zu lächeln. Aquila war fernab dieser Umschreibungen. Ja, sie war in die Jahre gekommen und versuchte nicht einmal mehr, sich die kleinen Falten weg zu schminken. Aber sie alterte auf eine Weise, die ihr gut zu Gesicht stand. Hatte Azura es nicht eben noch selbst sehen dürfen, als Emmyth vor ihr auf ein Knie gesunken war, als wollte er ihr gleich ein Minnelied singen? Sie war noch immer attraktiv genug und Alycide hatte sie schließlich ebenfalls nicht des Hauses verbannt. Denn Azura übersah hierbei einen wichtigen Faktor. "Liebe macht blind", gab Aquila ihr einen schlichten Hinweis darauf. Es stimmte. Wer verliebt war, für den würde der oder die Angebetete immer die schönste Person auf Celcia sein. Und Corax liebte sie doch! Er hatte es oft genug gesagt. Emmyth begehrte sie, da bestand kein Zweifel mehr. Vielleicht entwickelte sich auch noch mehr, wenn Azura an die Reise in der Kutsche zurückdachte oder den Kuss, der der einzige zwischen ihnen beiden bleiben sollte. Nur beim König konnte sie sich wirklich nicht sicher sein, aber wollte sie ihn überhaupt in Erwägung ziehen? War sie nicht bereits glücklich genug mit dem, was sie haben könnte? Liebte sie denn? Waren die Männer für sie denn gut genug?
Während sie ein wenig über das Ganze nachdachte, drängte ihre Mutter plötzlich. Sie hatten viel zu viel Zeit mit dem Gespräch um LIebeleien verschwendet. Da blieb kaum noch ein Atemzug, sich um den eigentlichen Kern zu kümmern. Sie zeigte erneut auf den Handelsbaum, bat ihre Tochter darum, sich hier und jetzt für einen Kontakt hinter den fremdländischen Wappen zu entscheiden, damit sie argumentativ vor den Dunkelelfen beim Fest würde glänzen können. Dass Azura vage blieb und sich alles offen hielt, ließ Aquila dieses Mal seufzen. Denn dieser Pfad funktionierte nicht immer. Manchmal musste man eben Entscheidungen treffen. Sie blickte Azura mit leichter Missbilligung an, als diese darum bat, für jeden Kontakt Informationen mitzunehmen, die sie bis zum Fest lernen sollte.
"Wie stellst du dir das vor? Soll ich die ganze Bibliothek in die Faelyn-Kutsche packen?" Aquila schüttelte den Kopf. "Ich entscheide nun für dich - ein einziges und ein letztes Mal, Kind. Ab sofort kannst du dich nicht mehr so heraus mogeln." Für welchen Kontakt Aquila sich nun jedoch ausrichtete, sagte sie nicht. Sie besah sich noch einmal knapp den Handelsbaum, schaute über die Wappen derer von Trutzingen, da Silvienne und Ashraf. Schließlich rollte sie das Pergament zusammen. Sie wirkte fast schon aufbruchsbereit. Es fehlten nur noch einige Unterlagen.
"Ich suche in meinem Zimmer nach etwas Herzeigbarem aus Santros. Vielleicht ist nicht alles geplündert worden."
"Santros also?" Aquila hob die Brauen, nickte jedoch. Sie ließ ihre Tochter ziehen. Sofern Azura irgendwo in ihrem Raum noch ein Geheimversteck für das eine oder andere Schmuckstück besaß, würde sie fündig werden. Die Chancen standen gut. Als Corax sie damals entführt hatte, war ihm keine Gelegenheit geblieben, ihre eigenen vier Wände zu plündern und die anderen Dunkelelfen sahen diesen Teil des Anwesens dann offenbar schon als abgegrast an. Womit auch immer Azura zurückkehrte, Aquila fackelte daraufhin nicht mehr lange. Ihr schien es bereits unangenehm zu sein, Emmyth so lange warten zu lassen.
Sie selbst hatte aber auch einige Dinge zusammengekramt und wenn es sich bei dem Inhalt der großen Tasche und dem dicken Wälzer unter dem Arm nur um einen der Kontakte handelte, könnte Azura vielleicht begreifen, warum die Mutter nicht einsah, das Dreifache davon mitzuschleppen. Gemeinsam verließen sie das Haus van Ikari. Vor dem Eingang stand die Kutsche schon bereit. Emmyth hockte allerdings vorn auf dem Bock, auch wenn er nicht die Zügel hielt. Jemand hatte ihm eine Decke übergeworfen, damit er in seinen durchnässten Sachen nicht fror. Das musste der Kutscher gewesen sein, der sich nun verpflichtet sah, für die Damen die Tür zur Kutschenkabine zu öffnen. Er half Aquila auch, die Unterlagen hinten in einem Fach der Kutsche zu verstauen. Die Frau lehnte ab.
Wenig später saßen Mutter und Tochter einander gegenüber, während das Gefährt durch Andunies Straßen rollte. Aquila musterte ihre Tochter unentwegt. Sie hatte Azura den Wälzer sofort auf die Beine gelegt, sobald sie in der Kutsche saßen, eine Seite aufgeschlagen und gefordert, dass sie lesen sollte. Falls Azura sich aufmerksam mit dem Text beschäftigte, fand sie sich sofort in einem großen Stammbaum wieder, an dessen Ende tatsächlich ein Sohn namens Richard stand. Richard von Jorsan, der dritte im Stammbaum mit diesem Namen. Der Platz neben ihm für den Eintrag einer Ehegattin war offen. Dafür füllten die übrigen Zweige des selbstgezeichneten Baumes zahlreiche Namen aus, dass einem davon schwindlig werden konnte. Aquila hatte sich also für Jorsan entschieden.
Auf weiteren Seiten fanden sich gesammelte Informationen und Notizen zu Markwardt von Trutzingen, seiner Gattin Lliris und dem gemeinsamen Sohn Andrias. Aquila hatte so viel wie möglich vermerkt. So standen dort sogar Notizen zu Größe und Gewicht des Sprosses bei dessen Geburt. Er war ein blonder Bengel, der offenbar durch einen angeborenen Eogismus auffiel, den man ihm zuschrieb, weil er Einzelkind war. Mit dem jüngsten Bruder des Königs - seinem Onkel - verstand er sich ausgesprochen schlecht. Hingegen sollte Andrias wohl Mamas Liebling sein, der jeglichen Wunsch von den Lippen abgelesen bekam. Ein verwöhntes Balg eben. Kein Wunder, dass Markwardt von Trutzingen derart verzweifelt nach einer Partie für den Jungen suchte.
Es gab aber auch ein paar Informationen zu König Richard dem III. zu Jorsan. So könnte Azura erfahren, dass seine ganze Familie bereits versuchte, ihm eine angemessene Frau an die Seite zu stellen. Er habe sich aber nie auf eine Ehe konzentrieren können. Sein Herz galt der Verteidigung des eigenen Königreichs vor dem mit ihm in Fehde stehenden Königreich Grandessa. Die jüngsten Eintragungen auf den hinteren Seiten beinhalteten, dass Grandessa Verstärkung "von dunkler Seite" erhalten habe und der König nun umso mehr zu kämpfen hätte, sein Reich nicht zu verlieren.
"Du wirst dir all das bis zum Fest einprägen müssen. Am besten liest du auch in dem Buch, während man dich ankleidet", riet Aquila. Sie sah die Dringlichkeit der Lage und daher auch die Notwendigkeit, an ihre Tochter zu appellieren. Dennoch fragte sie plötzlich: "Wärst du überhaupt daran interessiert, dich bei König Richard dem III. einzuschmeicheln? Oder hast du dein Herz bereits verschrieben? An einen der Faelyns? An wen eigentlich? So ganz bin ich mir gar nicht sicher im Moment."

- Azura
- Spieler-Charakter
- Beiträge: 462
- Registriert: Freitag 15. April 2011, 20:33
- Moderator des Spielers: Kazel Tenebrée
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- Rasse: Mensch/Elf
- Sprachen: Garmisch
Sendli - Beruf: adelige Tochter
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sich präsentieren
Wassermagie unausgebildet/ungefördert - Lebensenergie:
- Geld: 0D, 0L, 0F
- Ausrüstung: das, was sie am Leib trägt
- Zum Vorzeigen: [br][/br]
Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
Ein Lehrer für Wassermagie wäre gewiss das Richtige für sie. Ob sie ihm jedoch mehr Aufmerksamkeit schenken würde als all jenen, die es bereits in den vergangenen Jahren versucht hatten? Vielleicht, schließlich hatte sie bisher stets Sehnsucht danach gehabt, endlich in der Akademie lernen und mit ihrem Element umgehen zu dürfen.
Doch war würde dann mit dem kleinen Feuerkern passieren? Würde er sich wieder sträuben oder könnte sie ihn weiterhin auf jene Art schützen wie seit ihrer Entdeckung? Und was, wenn sie diesen ebenfalls schulen würde?
Konnte man das denn, zwei Arten von Magie beherrschen, noch dazu jene, die der Gegensatz zum jeweils anderen waren? Wenn ja… wäre auch sie dazu in der Lage oder wäre es ihr schlichtweg zu anstrengend?
Im Moment gab es so viele Möglichkeiten zur Beschäftigung wie noch nie für sie und sie müsste sich wahrscheinlich für einen Weg entscheiden. Oder zumindest dafür, welche Chance sie zuerst ergriff, um sich danach erst den anderen im nächsten Schritt zu widmen.
Aber das hatte trotz allem jetzt ein wenig Zeit. Zuerst war dieser Abend wichtig, schließlich ging es nun nicht mehr um ihren Stiefvater, sondern ebenso um ihren Raben. Darum, dass sie beide unversehrt zu ihnen nach Andunie zurück kehrten.
Wie weit Corax bereits gekommen sein mochte? Hatte er sich ein Pferd genommen oder war mit einem Wagen mitgefahren, war er zu Fuß gegangen oder hatte er sich verwandelt und war geflogen? Wenn sie nur mit ihm hätte reden können! Doch sie wagte es nicht einmal, die Perle hervor zu holen und anzusehen, aus Angst, dass eine Veränderung daran sie lähmen würde. Also musste sie aufrecht bleiben und weiter machen, durfte nicht aufgeben.
Wenn es nur nicht ständig irgendwelche Ablenkungen gegeben hätte! So wie jetzt, da sie gleich mit zweien davon zurecht kommen musste.
Auf der einen Seite der Schreck darüber, welch hochtrabende Verbindung ihre Mutter einzufädeln begonnen hatte. Sie, das uneheliche Kind aus der Bürgerschicht, sollte an die Seite eines Königs treten! Allerdings löste dieser Gedanke, diese Option, Angst und Unsicherheit in ihr aus, anstatt dass sie sich darüber freute oder gar davon zu träumen wagen würde. Ja, sie war noch nicht einmal bis zu der Frage gelangt, wie dieser König überhaupt aussehen würde und welches Alter er hätte. Nur, weil sein Neffe noch ein Knirps war, hatte das noch lange nichts zu bedeuten.
Denn die andere Ablenkung hatte den Raum in einer alles anderen als guten Stimmung verlassen und Azura wusste nicht, was sie davon halten sollte. Erst allmählich dämmerte es ihr, dass sie für seinen derangierten Zustand verantwortlich sein könnte, obwohl auch diese Erkenntnis dauerte, bis sie durch die Überraschung und die damit zusammenhängenden Empfindungen durchdringen konnte.
War er deswegen so wütend gewesen? Sie hatte das nicht mit Absicht getan! Oder glaubte er das? Nahm er womöglich an, dass sie ihn hatte demütigen wollen, um ihn zu verjagen…? Bei Ventha, hoffentlich nicht! Sich hatte sich lediglich erschreckt und…
Nein, sie musste sich konzentrieren und nachher einen Weg finden, um mit ihm zu reden. Sofern er ihr überhaupt zuhören würde, solange er schmollte. Ein Zustand, der vermutlich länger anhalten würde. Zumindest bei ihr wäre es so und nachdem er ihr schon ein paar Mal mit seinem Verhalten den Spiegel vorgehalten hatte, ging sie davon aus, dass er in dieser Situation in etwa so reagieren würde, wie sie es getan hätte. Was ihr alles andere als Mut machte…
Ja, sie war sogar verzweifelt genug, um sich ihrer Mutter auf eine Weise zu öffnen, die sie sich schon lange nicht mehr erlaubt hatte. Sie formulierte ihre größte Angst und stieß gefühlt auf wenig Verständnis.
Im Gegenteil, Aquila zeigte ihr die nüchternen Möglichkeiten auf, die ihr jetzt zur Verfügung standen. Warum reichte ihr das nicht? Ja, die Ältere hatte recht damit und dennoch…
Nach einem leisen Schnauben und einem bezeichnenden Blick protestierte sie, wie sicherlich erwartet:„Du bist weder das eine, noch das andere!“ Doch daraufhin seufzte sie gequält und sah wieder hinaus aus dem Fenster. „Und wenn ich ihn mit der Zeit langweile? Ihm nicht mehr schön genug bin?“, murmelte sie in sich hinein und wusste selbst in diesem Moment nicht genau, wen sie damit meinte.
Bei Corax hatte sie sich das schon des Öfteren gefragt, schließlich hatte er ihr Herz für sich gewonnen und besaß zugleich so viel mehr Erfahrung und Wissen als sie. Wie könnte sie ihm da je das Wasser reichen? Wie ihn mit der Zeit noch freudig überraschen können, um ihre Beziehung… lebendig und frisch zu halten?
Bei Emmyth hingegen war es umgekehrt, da hatte sie schon ein paar Dinge mehr ausprobiert als er. Aber wie lange würde das wiederum reichen? Er war aufgewachsen wie sie, sie schienen sich recht ähnlich zu sein, und das bedeutete… er wäre vermutlich ebenso flatterhaft wie sie. Wie lange würde es bei ihm dauern, bis er sich anderweitig umsähe?
Und der König, dieser Richard? Der hatte ein ganzes Königreich, das ihn unterhalten könnte, lauter frische, junge Frauen, die er sich holen könnte, ohne sich darum scheren zu müssen, wie es seiner möglichen Braut damit ginge. So jemand würde noch weniger sich damit zufrieden geben, ausschließlich an ihrer Seite zu bleiben, sollte er sich jemals für sie entscheiden.
Nur… was war eigentlich mit ihr selbst? Sie hatte jetzt schon so schnell ihre Treue gebrochen, sich nach anderen Männern umgesehen… Wie könnte sie eine Ehe eingehen und darum wissen, dass ihre Verpflichtung noch viel stärker ausfallen würde dadurch als derzeit? Was sie tat… wie könnte sie verlangen, dass der Mann an ihrer Seite nicht gleichwertig handeln würde? Wie sollte sie sich selbst genügend zügeln können, wenn es ihr nicht einmal in der kurzen, gemeinsamen Zeit gelang? Oder lag es an der Ähnlichkeit der beiden Brüder, die es ihr so schwer machte, sich zu entscheiden?
Azura wollte alles haben, was sie begehrte, und bislang hatte sie es auch bekommen. Doch nun ging es nicht mehr um Kleinigkeiten, um materielle Dinge, sondern um Gefühle und um eine gemeinsame Zukunft, um Verpflichtungen und Aufgaben. Da wurde es allmählich Zeit, dass sie beständiger wurde. Ob sie das überhaupt könnte?
Die Stimme der Hausherrin mit ihrer Erkenntnis holte sie aus ihren Gedanken zurück. Abrupt sah sie die andere wieder an und wirkte einen Atemzug lang ehrlich erschrocken.
Dann schüttelte sie leicht den Kopf. „Du klingst so abgebrüht.“, bemerkte sie und biss sich auf die Zunge, um nicht noch mehr dazu zu äußern. Die Ehe ihrer Eltern war glücklich gewesen, sie waren einander in Liebe und Respekt zugeneigt, darauf hatte sie immer vertrauen können. Wie kam es, dass ihre Mutter dieses Glück erleben durfte nach all den Schwierigkeiten aus der Zeit davor, und dennoch derart kühl über dieses Thema für andere reden konnte?
Leicht schüttelte sie den Kopf und wollte das Thema damit lieber auf sich beruhen lassen. Außerdem wanderten ihre Gedanken bereits wieder zu ihrem Raben und ihre Hand hob sich wie von allein, um sich auf ihr Dekolleté zu legen, dort, wo eine geheime, kleine Tasche im Inneren ihres Ausschnitts die Perle verwahrte. Wo er inzwischen sein mochte…?
Erneut war es ihre Mutter, die sie vor zu langer Grübelei bewahrte und eine Entscheidung verlangte. Etwas, das die junge Frau ihr nicht geben konnte… oder eher wollte, denn eigentlich hatte sie diese schon getroffen. Nur…
Gescholten wie ein kleines Kind ließ sie den Kopf hängen und murmelte in sich hinein:„Eigentlich wollte ich, dass Emmyth es auch hört.“ Denn das würde ihn versöhnlicher stimmen, oder? Dann könnte er mit ihnen gemeinsam überlegen, ob diese Wahl die richtige wäre. Seine Einschätzung war ihr wichtig, auch wenn er zuvor ihre Bemühung eher als nicht zielführend abgetan hatte. Und weil sie tief in sich wollte, dass er selbst erkannte, in welche Richtung ihre Entscheidung fallen würde.
Ihre Mutter schien jedoch keine Rücksicht darauf nehmen zu wollen und traf eine eigene Wahl. Welche, teilte sie der Jüngeren nicht mit. Diese allerdings hatte schon einen weiteren Gedanken und wollte diesen lieber in die Tat umsetzen, als noch weiter herum zu trödeln. „Ja, Santros.“, erwiderte sie kurz und verließ dann den Raum.
Kaum konnte sie den Flur entlang sehen, suchte ihr Blick nach der dunklen Gestalt, die sie zu finden hoffte. Allerdings war der jüngere Faelyn, wie angekündigt, nicht zu sehen, sodass sie mit einem Seufzen und allein in ihr eigenes Zimmer ging.
Dort wirkte alles noch so, wie sie es zuletzt verlassen hatte, sogar die Luft roch abgestanden und war Zeuge von dem, was hier geschehen war. Offenbar hatte ihre Mutter diesen Raum nicht mehr für sich genutzt, nachdem sie und Corax die Stunden miteinander verbracht hatten. Einen Moment lang drohte die Erinnerung daran sie zu vereinnahmen und dazu zu verführen, trotz allen Vorsatzes die Perle heraus zu holen und zu betrachten.
Dann riss sie sich zusammen und deutete ein Kopfschütteln an. Entschlossen ging sie zu dem Kamin, zur dessen von der Tür abgewandten Seite. Für gewöhnlich hatte sie ihren Schmuck und die Geschenke nicht in Geheimfächer abgelegt. Wozu auch? Sie hatte keinen Grund dafür gehabt, etwas zu verstecken, das ihr Vater ihr geschenkt oder das sie zu Festen getragen hatte. Ganz zu schweigen davon, dass vieles davon viel zu voluminös für eine kleine, geheime Nische gewesen wäre.
Doch es gab das ein oder andere Kleinod und Zettelchen, das sie dann trotz allem versteckt hatte. Nicht von Anfang an, aber nachdem sie das Geheimfach neben dem Kamin einmal gefunden hatte, hatte es sich allmählich gefüllt. Mit ein paar kleinen Briefchen, die ihre geheimsten Gedanken enthielten, und noch ein paar anderen Kleinigkeiten.
Als sie es nun ertastete und öffnete, atmete sie hörbar auf und merkte erst im Nachhinein, wie groß ihre Befürchtung gewesen war, den Inhalt nicht mehr vorfinden zu können. Jedoch schien alles so zu sein, wie es beim letzten Mal gewesen war.
Nun hob sie behutsam das dünne Stoffband an, mit dem sie das hübsche Silberkettchen mit den Delphinen aus Santros zugedeckt hatte. Vorsichtig nahm sie das Schmuckstück heraus und strich mit den Fingerspitzen darüber. Es war eine wunderschöne, filigrane Arbeit von einer Meisterin, ohne Zweifel. Und es wäre durchaus vorzeigbar, sollte ein Beweis für den Sinn einer Verbindung nach Santros gefordert werden.
Da es so dünn und sie sehr heikel darauf war, ließ sie es zu der Perle in das Täschchen gleiten und würde es dort transportieren. Daraufhin erhob sie sich und wollte das Fach schon schließen, als ihr Blick auf dem Stoffband hängen blieb. Es stammte ebenfalls aus Santros, war aus feinster Seide und hatte die Farbe ihrer Augen. Kurzentschlossen holte sie es heraus und würde es mitnehmen.
Wenig später traf sie vor der Eingangstür ihre Mutter, die in der Zeit nicht untätig geblieben war. Die Tasche und das dicke Buch sorgten dafür, dass Azura die Augenbraue skeptisch anhob. „Also, ich hoffe, das soll ich nicht alles lesen und auch noch lernen. Dann könnte der Ball frühestens nächsten Monat stattfinden!“, entrüstete sie sich und folgte der Hausherrin zur Kutsche.
Da sie sich hinter der Älteren hielt, konnte sie an deren Schulter unbemerkt vorbei spähen und entdeckte Emmyth auf dem Kutschbock. Dort hockte er und hatte sich in eine vermutlich kratzige Decke gehüllt. Die junge Frau schluckte und senkte einen Moment lang den Blick, während sie das Seufzen unterdrückte. Der Griff um das Band, das sie verborgen in ihrer Hand trug, wurde etwas fester.
Nein, sie befürchtete bei seinem Anblick umso mehr, er würde nicht mit ihr sobald wieder reden. Dafür war ihre eigene Entschlossenheit noch größer, übertönte die Sorge in ihrem Inneren.
Da ihre Mutter vorausging und obendrein Gepäck hatte, war sie die erste, der in die Kutsche geholfen werden sollte. Diese Gelegenheit ließ Azura sich nicht entgehen. Zwischen Kutschbock und Kabinentür stehend spähte sie zu dem jüngeren Faelyn hin und öffnete den Mund, um seinen Namen zu wispern, damit sie seine Aufmerksamkeit erhalten könnte.
Kurz davor allerdings hielt sie inne, schlug die Augen nieder und seufzte leise. Nein, das hätte vermutlich jetzt keinen Sinn und würde vielleicht auch noch Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Etwas, das sie vermeiden wollte.
Also änderte sie ihr Vorhaben, spähte zu Aquila, die gerade dabei war, endlich einzusteigen, während ihr der Kutscher half. Gut, der ideale Moment! Unbemerkt machte sie den halben Schritt zum Bock hin und schummelte das Band neben Emmyth hin. Dabei stupsten ihre Fingerspitzen seinen Oberschenkel, wobei sie nicht zu sagen wusste, ob sie es mit Absicht getan hatte oder es ein Versehen war.
Jedenfalls pochte ihr Herz wie wild, als sie im nächsten Atemzug zur offenen Tür trat und sich ebenfalls hinein helfen ließ. Es war schwer, ruhig zu bleiben und nicht nach ihm zu sehen, ob und wie er darauf reagieren würde. Würde er die Geste zu schätzen wissen? Würde er sie verstehen? Oder würde er sie schmähen, weil er noch immer schmollte?
Nun, ihre Mutter drängte ihr den dicken Wälzer auf, noch ehe sie richtig anfuhren, und zwang sie damit, ihre Gedanken darauf zu richten. Mit einem unterdrückten Seufzen senkte sie den Blick… und runzelte die Stirn.
„Mama…?“, fragte sie zweifelnd und schüttelte leicht den Kopf bei dem Anblick des königlichen Stammbaums. Schon erhielt sie den Rat, die restliche Zeit bis zum Fest ausschließlich mit diesem Buch zu nutzen.
„Aber… ich wollte Santros…“, nuschelte sie und blickte in einer Mischung aus Neugier und Qual wieder auf den Stammbaum, verfolgte einige Linien und versuchte, sich Namen und Wappen zu merken. Dinge, die sie schon oft gelernt hatte und die ihr somit leichter fallen sollten.
Seufzend blätterte sie weiter und stieß auf eine Anmerkung, die sie stutzig machte. „Mama? Hier steht, dass Grandessa sich den Dunklen annähert. Jorsa ist nicht gerade ein Verbündeter. Wäre es da überhaupt klug, wenn wir mit dieser Verbindung daher kommen…?“, versuchte sie eine Ausrede zu finden, eben nicht jene Entscheidung zu treffen, die Aquila offenbar hören wollte. Oder wie sollte sie die unvermittelte Frage verstehen?
Seufzend sah sie langsam auf und wandte den Blick lieber nachdenklich aus dem Fenster. Ihr Herz war vergeben, auf jeden Fall! Corax war der Mann ihrer Träume und dessen war sie sich inzwischen auch bewusst. Aber da war auch noch Emmyth, der ihren Sinn genauso zu verwirren begonnen hatte. Und die Aussicht auf einen König… von dem sie nichts wusste, außer ein paar Familienverzweigungen und all dem, das sie auf den Seiten des Wälzers lesen könnte.
„Sie sind beide besonders…“, seufzte sie schließlich und war sich nicht einmal bewusst darüber, dass sie ihre Gedanken laut ausgesprochen hatte. Und es stimmte ja auch! Nur… wie sollte sie sich da entscheiden können?
Ein weiteres Seufzen entrang sich ihrer Kehle, während sie mit der Hand wieder auf ihr Dekolleté legte.
Doch war würde dann mit dem kleinen Feuerkern passieren? Würde er sich wieder sträuben oder könnte sie ihn weiterhin auf jene Art schützen wie seit ihrer Entdeckung? Und was, wenn sie diesen ebenfalls schulen würde?
Konnte man das denn, zwei Arten von Magie beherrschen, noch dazu jene, die der Gegensatz zum jeweils anderen waren? Wenn ja… wäre auch sie dazu in der Lage oder wäre es ihr schlichtweg zu anstrengend?
Im Moment gab es so viele Möglichkeiten zur Beschäftigung wie noch nie für sie und sie müsste sich wahrscheinlich für einen Weg entscheiden. Oder zumindest dafür, welche Chance sie zuerst ergriff, um sich danach erst den anderen im nächsten Schritt zu widmen.
Aber das hatte trotz allem jetzt ein wenig Zeit. Zuerst war dieser Abend wichtig, schließlich ging es nun nicht mehr um ihren Stiefvater, sondern ebenso um ihren Raben. Darum, dass sie beide unversehrt zu ihnen nach Andunie zurück kehrten.
Wie weit Corax bereits gekommen sein mochte? Hatte er sich ein Pferd genommen oder war mit einem Wagen mitgefahren, war er zu Fuß gegangen oder hatte er sich verwandelt und war geflogen? Wenn sie nur mit ihm hätte reden können! Doch sie wagte es nicht einmal, die Perle hervor zu holen und anzusehen, aus Angst, dass eine Veränderung daran sie lähmen würde. Also musste sie aufrecht bleiben und weiter machen, durfte nicht aufgeben.
Wenn es nur nicht ständig irgendwelche Ablenkungen gegeben hätte! So wie jetzt, da sie gleich mit zweien davon zurecht kommen musste.
Auf der einen Seite der Schreck darüber, welch hochtrabende Verbindung ihre Mutter einzufädeln begonnen hatte. Sie, das uneheliche Kind aus der Bürgerschicht, sollte an die Seite eines Königs treten! Allerdings löste dieser Gedanke, diese Option, Angst und Unsicherheit in ihr aus, anstatt dass sie sich darüber freute oder gar davon zu träumen wagen würde. Ja, sie war noch nicht einmal bis zu der Frage gelangt, wie dieser König überhaupt aussehen würde und welches Alter er hätte. Nur, weil sein Neffe noch ein Knirps war, hatte das noch lange nichts zu bedeuten.
Denn die andere Ablenkung hatte den Raum in einer alles anderen als guten Stimmung verlassen und Azura wusste nicht, was sie davon halten sollte. Erst allmählich dämmerte es ihr, dass sie für seinen derangierten Zustand verantwortlich sein könnte, obwohl auch diese Erkenntnis dauerte, bis sie durch die Überraschung und die damit zusammenhängenden Empfindungen durchdringen konnte.
War er deswegen so wütend gewesen? Sie hatte das nicht mit Absicht getan! Oder glaubte er das? Nahm er womöglich an, dass sie ihn hatte demütigen wollen, um ihn zu verjagen…? Bei Ventha, hoffentlich nicht! Sich hatte sich lediglich erschreckt und…
Nein, sie musste sich konzentrieren und nachher einen Weg finden, um mit ihm zu reden. Sofern er ihr überhaupt zuhören würde, solange er schmollte. Ein Zustand, der vermutlich länger anhalten würde. Zumindest bei ihr wäre es so und nachdem er ihr schon ein paar Mal mit seinem Verhalten den Spiegel vorgehalten hatte, ging sie davon aus, dass er in dieser Situation in etwa so reagieren würde, wie sie es getan hätte. Was ihr alles andere als Mut machte…
Ja, sie war sogar verzweifelt genug, um sich ihrer Mutter auf eine Weise zu öffnen, die sie sich schon lange nicht mehr erlaubt hatte. Sie formulierte ihre größte Angst und stieß gefühlt auf wenig Verständnis.
Im Gegenteil, Aquila zeigte ihr die nüchternen Möglichkeiten auf, die ihr jetzt zur Verfügung standen. Warum reichte ihr das nicht? Ja, die Ältere hatte recht damit und dennoch…
Nach einem leisen Schnauben und einem bezeichnenden Blick protestierte sie, wie sicherlich erwartet:„Du bist weder das eine, noch das andere!“ Doch daraufhin seufzte sie gequält und sah wieder hinaus aus dem Fenster. „Und wenn ich ihn mit der Zeit langweile? Ihm nicht mehr schön genug bin?“, murmelte sie in sich hinein und wusste selbst in diesem Moment nicht genau, wen sie damit meinte.
Bei Corax hatte sie sich das schon des Öfteren gefragt, schließlich hatte er ihr Herz für sich gewonnen und besaß zugleich so viel mehr Erfahrung und Wissen als sie. Wie könnte sie ihm da je das Wasser reichen? Wie ihn mit der Zeit noch freudig überraschen können, um ihre Beziehung… lebendig und frisch zu halten?
Bei Emmyth hingegen war es umgekehrt, da hatte sie schon ein paar Dinge mehr ausprobiert als er. Aber wie lange würde das wiederum reichen? Er war aufgewachsen wie sie, sie schienen sich recht ähnlich zu sein, und das bedeutete… er wäre vermutlich ebenso flatterhaft wie sie. Wie lange würde es bei ihm dauern, bis er sich anderweitig umsähe?
Und der König, dieser Richard? Der hatte ein ganzes Königreich, das ihn unterhalten könnte, lauter frische, junge Frauen, die er sich holen könnte, ohne sich darum scheren zu müssen, wie es seiner möglichen Braut damit ginge. So jemand würde noch weniger sich damit zufrieden geben, ausschließlich an ihrer Seite zu bleiben, sollte er sich jemals für sie entscheiden.
Nur… was war eigentlich mit ihr selbst? Sie hatte jetzt schon so schnell ihre Treue gebrochen, sich nach anderen Männern umgesehen… Wie könnte sie eine Ehe eingehen und darum wissen, dass ihre Verpflichtung noch viel stärker ausfallen würde dadurch als derzeit? Was sie tat… wie könnte sie verlangen, dass der Mann an ihrer Seite nicht gleichwertig handeln würde? Wie sollte sie sich selbst genügend zügeln können, wenn es ihr nicht einmal in der kurzen, gemeinsamen Zeit gelang? Oder lag es an der Ähnlichkeit der beiden Brüder, die es ihr so schwer machte, sich zu entscheiden?
Azura wollte alles haben, was sie begehrte, und bislang hatte sie es auch bekommen. Doch nun ging es nicht mehr um Kleinigkeiten, um materielle Dinge, sondern um Gefühle und um eine gemeinsame Zukunft, um Verpflichtungen und Aufgaben. Da wurde es allmählich Zeit, dass sie beständiger wurde. Ob sie das überhaupt könnte?
Die Stimme der Hausherrin mit ihrer Erkenntnis holte sie aus ihren Gedanken zurück. Abrupt sah sie die andere wieder an und wirkte einen Atemzug lang ehrlich erschrocken.
Dann schüttelte sie leicht den Kopf. „Du klingst so abgebrüht.“, bemerkte sie und biss sich auf die Zunge, um nicht noch mehr dazu zu äußern. Die Ehe ihrer Eltern war glücklich gewesen, sie waren einander in Liebe und Respekt zugeneigt, darauf hatte sie immer vertrauen können. Wie kam es, dass ihre Mutter dieses Glück erleben durfte nach all den Schwierigkeiten aus der Zeit davor, und dennoch derart kühl über dieses Thema für andere reden konnte?
Leicht schüttelte sie den Kopf und wollte das Thema damit lieber auf sich beruhen lassen. Außerdem wanderten ihre Gedanken bereits wieder zu ihrem Raben und ihre Hand hob sich wie von allein, um sich auf ihr Dekolleté zu legen, dort, wo eine geheime, kleine Tasche im Inneren ihres Ausschnitts die Perle verwahrte. Wo er inzwischen sein mochte…?
Erneut war es ihre Mutter, die sie vor zu langer Grübelei bewahrte und eine Entscheidung verlangte. Etwas, das die junge Frau ihr nicht geben konnte… oder eher wollte, denn eigentlich hatte sie diese schon getroffen. Nur…
Gescholten wie ein kleines Kind ließ sie den Kopf hängen und murmelte in sich hinein:„Eigentlich wollte ich, dass Emmyth es auch hört.“ Denn das würde ihn versöhnlicher stimmen, oder? Dann könnte er mit ihnen gemeinsam überlegen, ob diese Wahl die richtige wäre. Seine Einschätzung war ihr wichtig, auch wenn er zuvor ihre Bemühung eher als nicht zielführend abgetan hatte. Und weil sie tief in sich wollte, dass er selbst erkannte, in welche Richtung ihre Entscheidung fallen würde.
Ihre Mutter schien jedoch keine Rücksicht darauf nehmen zu wollen und traf eine eigene Wahl. Welche, teilte sie der Jüngeren nicht mit. Diese allerdings hatte schon einen weiteren Gedanken und wollte diesen lieber in die Tat umsetzen, als noch weiter herum zu trödeln. „Ja, Santros.“, erwiderte sie kurz und verließ dann den Raum.
Kaum konnte sie den Flur entlang sehen, suchte ihr Blick nach der dunklen Gestalt, die sie zu finden hoffte. Allerdings war der jüngere Faelyn, wie angekündigt, nicht zu sehen, sodass sie mit einem Seufzen und allein in ihr eigenes Zimmer ging.
Dort wirkte alles noch so, wie sie es zuletzt verlassen hatte, sogar die Luft roch abgestanden und war Zeuge von dem, was hier geschehen war. Offenbar hatte ihre Mutter diesen Raum nicht mehr für sich genutzt, nachdem sie und Corax die Stunden miteinander verbracht hatten. Einen Moment lang drohte die Erinnerung daran sie zu vereinnahmen und dazu zu verführen, trotz allen Vorsatzes die Perle heraus zu holen und zu betrachten.
Dann riss sie sich zusammen und deutete ein Kopfschütteln an. Entschlossen ging sie zu dem Kamin, zur dessen von der Tür abgewandten Seite. Für gewöhnlich hatte sie ihren Schmuck und die Geschenke nicht in Geheimfächer abgelegt. Wozu auch? Sie hatte keinen Grund dafür gehabt, etwas zu verstecken, das ihr Vater ihr geschenkt oder das sie zu Festen getragen hatte. Ganz zu schweigen davon, dass vieles davon viel zu voluminös für eine kleine, geheime Nische gewesen wäre.
Doch es gab das ein oder andere Kleinod und Zettelchen, das sie dann trotz allem versteckt hatte. Nicht von Anfang an, aber nachdem sie das Geheimfach neben dem Kamin einmal gefunden hatte, hatte es sich allmählich gefüllt. Mit ein paar kleinen Briefchen, die ihre geheimsten Gedanken enthielten, und noch ein paar anderen Kleinigkeiten.
Als sie es nun ertastete und öffnete, atmete sie hörbar auf und merkte erst im Nachhinein, wie groß ihre Befürchtung gewesen war, den Inhalt nicht mehr vorfinden zu können. Jedoch schien alles so zu sein, wie es beim letzten Mal gewesen war.
Nun hob sie behutsam das dünne Stoffband an, mit dem sie das hübsche Silberkettchen mit den Delphinen aus Santros zugedeckt hatte. Vorsichtig nahm sie das Schmuckstück heraus und strich mit den Fingerspitzen darüber. Es war eine wunderschöne, filigrane Arbeit von einer Meisterin, ohne Zweifel. Und es wäre durchaus vorzeigbar, sollte ein Beweis für den Sinn einer Verbindung nach Santros gefordert werden.
Da es so dünn und sie sehr heikel darauf war, ließ sie es zu der Perle in das Täschchen gleiten und würde es dort transportieren. Daraufhin erhob sie sich und wollte das Fach schon schließen, als ihr Blick auf dem Stoffband hängen blieb. Es stammte ebenfalls aus Santros, war aus feinster Seide und hatte die Farbe ihrer Augen. Kurzentschlossen holte sie es heraus und würde es mitnehmen.
Wenig später traf sie vor der Eingangstür ihre Mutter, die in der Zeit nicht untätig geblieben war. Die Tasche und das dicke Buch sorgten dafür, dass Azura die Augenbraue skeptisch anhob. „Also, ich hoffe, das soll ich nicht alles lesen und auch noch lernen. Dann könnte der Ball frühestens nächsten Monat stattfinden!“, entrüstete sie sich und folgte der Hausherrin zur Kutsche.
Da sie sich hinter der Älteren hielt, konnte sie an deren Schulter unbemerkt vorbei spähen und entdeckte Emmyth auf dem Kutschbock. Dort hockte er und hatte sich in eine vermutlich kratzige Decke gehüllt. Die junge Frau schluckte und senkte einen Moment lang den Blick, während sie das Seufzen unterdrückte. Der Griff um das Band, das sie verborgen in ihrer Hand trug, wurde etwas fester.
Nein, sie befürchtete bei seinem Anblick umso mehr, er würde nicht mit ihr sobald wieder reden. Dafür war ihre eigene Entschlossenheit noch größer, übertönte die Sorge in ihrem Inneren.
Da ihre Mutter vorausging und obendrein Gepäck hatte, war sie die erste, der in die Kutsche geholfen werden sollte. Diese Gelegenheit ließ Azura sich nicht entgehen. Zwischen Kutschbock und Kabinentür stehend spähte sie zu dem jüngeren Faelyn hin und öffnete den Mund, um seinen Namen zu wispern, damit sie seine Aufmerksamkeit erhalten könnte.
Kurz davor allerdings hielt sie inne, schlug die Augen nieder und seufzte leise. Nein, das hätte vermutlich jetzt keinen Sinn und würde vielleicht auch noch Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Etwas, das sie vermeiden wollte.
Also änderte sie ihr Vorhaben, spähte zu Aquila, die gerade dabei war, endlich einzusteigen, während ihr der Kutscher half. Gut, der ideale Moment! Unbemerkt machte sie den halben Schritt zum Bock hin und schummelte das Band neben Emmyth hin. Dabei stupsten ihre Fingerspitzen seinen Oberschenkel, wobei sie nicht zu sagen wusste, ob sie es mit Absicht getan hatte oder es ein Versehen war.
Jedenfalls pochte ihr Herz wie wild, als sie im nächsten Atemzug zur offenen Tür trat und sich ebenfalls hinein helfen ließ. Es war schwer, ruhig zu bleiben und nicht nach ihm zu sehen, ob und wie er darauf reagieren würde. Würde er die Geste zu schätzen wissen? Würde er sie verstehen? Oder würde er sie schmähen, weil er noch immer schmollte?
Nun, ihre Mutter drängte ihr den dicken Wälzer auf, noch ehe sie richtig anfuhren, und zwang sie damit, ihre Gedanken darauf zu richten. Mit einem unterdrückten Seufzen senkte sie den Blick… und runzelte die Stirn.
„Mama…?“, fragte sie zweifelnd und schüttelte leicht den Kopf bei dem Anblick des königlichen Stammbaums. Schon erhielt sie den Rat, die restliche Zeit bis zum Fest ausschließlich mit diesem Buch zu nutzen.
„Aber… ich wollte Santros…“, nuschelte sie und blickte in einer Mischung aus Neugier und Qual wieder auf den Stammbaum, verfolgte einige Linien und versuchte, sich Namen und Wappen zu merken. Dinge, die sie schon oft gelernt hatte und die ihr somit leichter fallen sollten.
Seufzend blätterte sie weiter und stieß auf eine Anmerkung, die sie stutzig machte. „Mama? Hier steht, dass Grandessa sich den Dunklen annähert. Jorsa ist nicht gerade ein Verbündeter. Wäre es da überhaupt klug, wenn wir mit dieser Verbindung daher kommen…?“, versuchte sie eine Ausrede zu finden, eben nicht jene Entscheidung zu treffen, die Aquila offenbar hören wollte. Oder wie sollte sie die unvermittelte Frage verstehen?
Seufzend sah sie langsam auf und wandte den Blick lieber nachdenklich aus dem Fenster. Ihr Herz war vergeben, auf jeden Fall! Corax war der Mann ihrer Träume und dessen war sie sich inzwischen auch bewusst. Aber da war auch noch Emmyth, der ihren Sinn genauso zu verwirren begonnen hatte. Und die Aussicht auf einen König… von dem sie nichts wusste, außer ein paar Familienverzweigungen und all dem, das sie auf den Seiten des Wälzers lesen könnte.
„Sie sind beide besonders…“, seufzte sie schließlich und war sich nicht einmal bewusst darüber, dass sie ihre Gedanken laut ausgesprochen hatte. Und es stimmte ja auch! Nur… wie sollte sie sich da entscheiden können?
Ein weiteres Seufzen entrang sich ihrer Kehle, während sie mit der Hand wieder auf ihr Dekolleté legte.

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Re: Das Anwesen der Familie van Ikari
"Du bist weder das eine noch das andere!", protestierte Azura auf die Anmerkung ihrer Mutter hin, alt und hässlich geworden zu sein. Natürlich meinte Aquila das nicht ernst. Es war ein Versuch, die Sorge ihrer Tochter mit einer Spur Humor zu nehmen und so leichter vertreiben zu können. Aber es half nicht. "Und wenn ich ihn mit der Zeit langweile? Ihm nicht mehr schön genug bin?"
Aquila unterdrückte ein neuerliches Seufzen. Sie wusste ja nur zu gut, in welcher Welt sie ihr Kind hatte aufwachsen lassen. Hier zählte für so viele nur das Oberflächliche. Es war der Preis, den man für Wohlstand und Ansehen zahlen musste. Echte Werte galt es, im engsten Kreis zu bewahren - dem einzigen, der in diesem Leben echt sein mochte. Aber genau darum ging es. Dieser Kreis sollte mit anderen Dingen bewahrt werden als dem, was man sah. Die Ältere stellte sich hinter Azura, legte ihr eine Hand auf die Schulter und drückte leicht. "Du hast Recht", sprach sie. "Schönheit vergeht mit der Zeit und gewiss stellt sich auch ein Alltag unter Ehepartnern ein, der einst anziehende, aufregende Eigenschaften zur Routine verkommen lässt. Umso wichtiger ist es, dich selbst durch Tugenden und Taten interessant zu machen, auf die dein Partner nicht mehr verzichten möchte. Dabei meine ich nicht, dass du ihm reichlich Kinder in die Welt setzen sollst. Denk an deinen Vater! Ich habe mir, wie schon erwähnt, einige Dinge angeeignet, die er im Grunde ebenfalls beherrscht. Ich kümmere mich um die Finanzen, das Organisatorische. Natürlich könnte Alycide dies alles selbst tun, aber es entlastet ihn enorm, wenn er weiß, dass er die Pflichten an mich abgeben kann. Außerdem..." Und drehte Aquila ihre Tochter zu sich, schaute ihr suchend in die Augen. "Glaubst du denn wirklich, Liebe wäre ebenfalls so oberflächlich, dass die bloße optische Veränderung und Alltagsroutine sie schmälern könnte?" Sie schüttelte den Kopf. "Dann musst du noch einiges darüber lernen ... vielleicht mit dem richtigen Mann an deiner Seite." Daraufhin ließ sie das Thema wieder fallen. Zeit blieb ohnehin noch kaum und angesichts von Azuras Unentschlossenheit, sich für einen der drei Kontakte zu entscheiden, musste Aquila nun schnell machen. Während Azura sich santronischen Schmuck aus ihrem Zimmer holte, übersah ihre Mutter hierbei den Hinweis, dass die Entscheidung eigentlich schon gefallen war. Sie verstaute Informationen zum Königreich Jorsan, dem König selbst und seiner Familie. Es war reichlich und wer wusste schon, wieviel sie noch hätte mitschleppen müssen, wenn sie plötzlich auch noch santronische Unterlagen eingepackt hätte. Sie wollte es ja nicht einmal im Kasten der Kutsche verstauen, was ihren Einstieg in die Kabine etwas ausdehnte. Das gab Azura Zeit genug, einen flüchtigen Blick hinauf zum Kutschbock zu werfen.
Emmyth saß dort, eingepackt in eine Wolldecke, die tatsächlich die Vermutung anstellen ließ, ob sie wirklich so angenehm für die Haut wäre. Sie sah kratzig aus, glich eher einer Pferdedecke, aber es war allemal besser, als sich nun eine Erkältung einzufangen. Wenigstens machte Emmyth noch keinen fiebrigen Eindruck. Zumindest glänzten weder Stirn noch Augen. Letzteres kreuzten sich mit Azuras verstohlenem Blick. Er schaute sie an und für den Moment schien die Zeit still zu stehen. Es lag keine Wut in seinen Rubinen, die denen seines Bruders so sehr glichen. Dennoch konnte Azura aus der übrigen Miene durchaus Emotionen herauslesen. Wenn sie erwartet hatte, ihn schmollend vorzufinden, wurde sie überrascht. Nein, Emmyth machte eher einen bekümmerten Eindruck. Wie konnte ein Dunkelelf, der dermaßen traurig dreinschaute, trotz allem eine so attraktive Ausstrahlung besitzen?!
Unter dem Deckmantel des Zufalls schob Azura ihm das Band unter, welches sie bislang in der Hand verborgen gehalten hatte. Dabei berührten ihre Finger tatsächlich ganz flüchtig seinen Schenkel, aber es reichte aus, dass er reagierte. Immerhin schaute er immer noch auf sie herab. Die Bewegung war schnell und lautlos, wie ein Schatten. Schon umfasste er Azuras Hand, verflocht seine Finger offen mit den ihren, um sie daran zu hindern, sich zu lösen. Emmyth drückte leicht, ähnlich ihrer Mutter vorhin. Sein Daumen strich nun über ihren zarten Handrücken. Hoffnung flammte in seinem Blick auf, ehe er sie vertrieb und den Kopf drehte. Er ließ Azuras Finger unter einem unterdrückten Seufzen los, schob die eigene Hand wieder unter die Kratzdecke und murmelte: "Wir müssen los."
Wie auf's Stichwort erschien nun auch der Kutscher. Er musterte Azura fragend und half auch ihr anschließend in die Kabine. Dann schloss er dessen Tür, erklomm den Bock, griff nach den Zügeln und wenige Augenblicke später setzte die Kutsche sich in Bewegung. Unter dem Klappern der Pferdehufe, sowie dem hölzernen Rattern des Gefährts selbst verließ sie das Grundstück. Wenig später klapperte es lauter, als die Räder durch die gepflasterten Straßen rollten. Draußen herrschte der neue Alltag, an den sowohl das dunkle Volk als auch die Andunier sich langsam zu gewöhnen schienen. Azura hatte keinen Blick dafür und auch ihre Mutter konzentrierte sich auf Anderes. Sie hatte diesen dicken Wälzer über Jorsans Königreich auf die Knie ihrer Tochter gelegt und erwartete, dass sie wenigstens einen längeren Blick hinein warf.
"Aber ... ich wollte Santros..."
"Das habe ich nicht deutlich genug heraus gehört. Du musst entschlossener auftreten, Liebes. Denk daran, du bist eine van Ikari. Wir sind selbstbewusste Handelspartner, galante schöne Frauen und von adligem Geblüt." Sie warf Azura einen eindringlichen Blick zu. Wenn Aquila so schaute, bestand nicht der Hauch eines Zweifels, dass gerade der letzte Part ihrer Aussage eine absolute Lüge war. Sie fügte sich in keine Rolle ein, die sie versuchte zu wahren. Nein, sie lebte die Lüge inzwischen so sehr, dass sie zur Wahrheit wurde. Wenn du daran glaubst, wird es wahr. Das hatte Corax Azura immer wieder gesagt. Er meinte es in Bezug auf seine Illusionen, aber auch hier konnten diese Worte nun Wirkung zeigen. Aquila lebte diese Illusion der Adligen so sehr, dass es für sie Wahrheit geworden war und das musste so sein, damit auch alle anderen es für nichts als das hielten. Sie war adlig, so lange sie sich authentisch so gab. Wenn es Azura beim Fest gelang, diese Haltung zu vermitteln, würde sie nicht nur ihre Zweifel ob ihrer eigenen Herkunft ablegen können, sondern gewiss auch die Dunklen überzeugen, auf ihre Argumente mit Wohlwollen einzugehen. Nur warum hatte Aquila sich jetzt für sie ausgerechnet für Jorsan entschieden?
"Mama? Hier steht, dass Grandessa sich den Dunklen annähert. Jorsa ist nicht gerade ein Verbündeter. Wäre es da überhaupt klug, wenn wir mit dieser Verbindung daherkommen...?"
Aquila beäugte kurz die Seite, auf der Azuras Finger ruhte. Sie brauchte nicht einmal kopfüber zu lesen, um den Inhalt zu kennen. Sie hatte den Wälzer offensichtlich sehr aufmerksam studiert. Nun, viele Notizen stammten auch aus ihrer Feder. Sie wusste, was sie geschrieben hatte. "Grandessa und das dunkle Volk haben sich zusammengetan. Ich hörte, sie ziehen sogar gegen das magische Zyranus, um diese Stadt ebenfalls zu unterwerfen. Grandessas König soll auf diese Bedingung eingegangen sein, weil er sich durch die dunkle Verstärkung erhofft, das Königreich Jorsan nun endlich zu erobern." Sie nickte. "Ja, beide Reiche sind verfeindet und es macht den Anschein, dass Jorsan somit auch Feind der Dunkelelfen sein müsste. Doch dem ist nicht so. Sie sind wie angeheuerte Söldner, werden Grandessa aussaugen und zu ihrem Vorteil nutzen wie sie es mit unserem schönen Andunie bereits tun. Es widerstrebt mir, ein anderes Reich ähnlich anzubieten, aber es muss wohl sein. Für die Sicherheit deines Vaters! Nun denn ... stell dir vor, wie das Interesse der Dunklen steigt, wenn du es bist, die Kontakte zu Jorsan hat, hinein bis ins Königshaus! Ganz gleich, ob sie dadurch ein Bündnis schmieden oder darauf abzielen, dass Jorsan und Grandessa sich annähern ... vielleicht verraten sie den anderen König auch. Ich würde es den Spitzohren zutrauen." Ihre Miene nahm kurz einen säuerlichen Ausdruck an. Dann beherrschte Aquila sich von Neuem. Sie versuchte, so neutral wie möglich zu bleiben, wobei ihr Blick auch kurz hinter Azura fiel. Dort befand sich eine kleine Luke. Man konnte sie von beiden Seiten öffnen, um bei Bedarf dem Kutscher oder umgekehrt den Insassen etwas mitzuteilen. Gerade war die Luke geschlossen, aber wer wusste schon, wie gut ein Elf hören konnte? Aquila ahnte es nicht, dämpfte aber ihre Stimme etwas. "Auf jeden Fall könntest du einen Vorteil für die dunklen Völker herausschlagen, wenn du als Mittlerin auftrittst. Vielleicht wollen sie Jorsan über dich auch infiltrieren. Wir werden sehen. Es ist in jedem Fall der interessantere Ort und somit besser gewählt als Santros. Auch für dich, falls der jorsanische König tatsächlich ebenfalls Interesse entwickelt." Daraufhin hakte Aquila noch in eine andere Richtung nach. Natürlich waren ihr die letzten Tage aufgefallen. Oh, den Morgen würde sie gewiss nicht vergessen, als sie Azura und Corax zusammen im Kindbett der Tochter entdeckt hatte! Und ihr war gewiss auch die Art und Weise ausgefallen, wie Azura mit Emmyth umging. Eine Mutter bemerkte so etwas. Deshalb fragte sie nun auch nach der Beziehung zu beiden Elfen und wie die Interessen ihrer Tochter denn stünden. Es missfiel ihr wohl nach wie vor, dass es so engen Kontakt zu Dunkelelfen gab, aber auch wenn sie nach außen hin einen abgebrühten, pragmatischen Eindruck machte, würde sie ihrem Kind keine Steine in den Weg legen, wenn sich Liebe entwickelte. Doch hierzu musste sie Aufschluss haben, sich sicher sein. Denn Azura war ihr einziges Kind!
Jene aber konnte sich wie schon bei der Entscheidung um die Kontaktreiche nicht festlegen. Ihre Antwort auf die Frage, ob und an welchen Faelyn sie ihr Herz möglicherweise verloren haben mochte, konnte sie sich weder fest für Corax noch Emmyth entscheiden. Wie auch, nach der letzten gemeinsamen Nacht, deren bloße Erinnerung ihren Schoß wohl schon zum pochen bringen musste? Beide Brüder waren für sie auf ihre Weise wichtig. Beide begehrte sie. Aber liebte sie diese auch und wenn ja, wen von beiden intensiv genug, um an eine Zukunft mit ihm zu denken? Oder wäre ein Triangel möglich? Eine Beizehung zu dritt, wenn auch nur im Geheimen? Könnte sie nicht gar eine Ehe mit einem König eingehen, falls es sich ergab und dennoch ihre dunkelelfischen Liebhaber besitzen? Bei einem Mann wies niemand auf Umtriebe mit anderen Gespielinnen hin. Dürfte sich eine Königin dieses Privileg herausnehmen?
"Sie sind beide besonders...", seufzte Azura schließlich. Nein, sie konnte sich nicht festlegen, noch nicht. Dazu waren zu viele Faktoren ungeklärt. Vor allem jener, dass sie noch einmal mit Emmyth sprechen wollte. Mit ihm sprechen musste! Die Gelegenheit ergab sich nur nicht sofort.
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Aquila unterdrückte ein neuerliches Seufzen. Sie wusste ja nur zu gut, in welcher Welt sie ihr Kind hatte aufwachsen lassen. Hier zählte für so viele nur das Oberflächliche. Es war der Preis, den man für Wohlstand und Ansehen zahlen musste. Echte Werte galt es, im engsten Kreis zu bewahren - dem einzigen, der in diesem Leben echt sein mochte. Aber genau darum ging es. Dieser Kreis sollte mit anderen Dingen bewahrt werden als dem, was man sah. Die Ältere stellte sich hinter Azura, legte ihr eine Hand auf die Schulter und drückte leicht. "Du hast Recht", sprach sie. "Schönheit vergeht mit der Zeit und gewiss stellt sich auch ein Alltag unter Ehepartnern ein, der einst anziehende, aufregende Eigenschaften zur Routine verkommen lässt. Umso wichtiger ist es, dich selbst durch Tugenden und Taten interessant zu machen, auf die dein Partner nicht mehr verzichten möchte. Dabei meine ich nicht, dass du ihm reichlich Kinder in die Welt setzen sollst. Denk an deinen Vater! Ich habe mir, wie schon erwähnt, einige Dinge angeeignet, die er im Grunde ebenfalls beherrscht. Ich kümmere mich um die Finanzen, das Organisatorische. Natürlich könnte Alycide dies alles selbst tun, aber es entlastet ihn enorm, wenn er weiß, dass er die Pflichten an mich abgeben kann. Außerdem..." Und drehte Aquila ihre Tochter zu sich, schaute ihr suchend in die Augen. "Glaubst du denn wirklich, Liebe wäre ebenfalls so oberflächlich, dass die bloße optische Veränderung und Alltagsroutine sie schmälern könnte?" Sie schüttelte den Kopf. "Dann musst du noch einiges darüber lernen ... vielleicht mit dem richtigen Mann an deiner Seite." Daraufhin ließ sie das Thema wieder fallen. Zeit blieb ohnehin noch kaum und angesichts von Azuras Unentschlossenheit, sich für einen der drei Kontakte zu entscheiden, musste Aquila nun schnell machen. Während Azura sich santronischen Schmuck aus ihrem Zimmer holte, übersah ihre Mutter hierbei den Hinweis, dass die Entscheidung eigentlich schon gefallen war. Sie verstaute Informationen zum Königreich Jorsan, dem König selbst und seiner Familie. Es war reichlich und wer wusste schon, wieviel sie noch hätte mitschleppen müssen, wenn sie plötzlich auch noch santronische Unterlagen eingepackt hätte. Sie wollte es ja nicht einmal im Kasten der Kutsche verstauen, was ihren Einstieg in die Kabine etwas ausdehnte. Das gab Azura Zeit genug, einen flüchtigen Blick hinauf zum Kutschbock zu werfen.
Emmyth saß dort, eingepackt in eine Wolldecke, die tatsächlich die Vermutung anstellen ließ, ob sie wirklich so angenehm für die Haut wäre. Sie sah kratzig aus, glich eher einer Pferdedecke, aber es war allemal besser, als sich nun eine Erkältung einzufangen. Wenigstens machte Emmyth noch keinen fiebrigen Eindruck. Zumindest glänzten weder Stirn noch Augen. Letzteres kreuzten sich mit Azuras verstohlenem Blick. Er schaute sie an und für den Moment schien die Zeit still zu stehen. Es lag keine Wut in seinen Rubinen, die denen seines Bruders so sehr glichen. Dennoch konnte Azura aus der übrigen Miene durchaus Emotionen herauslesen. Wenn sie erwartet hatte, ihn schmollend vorzufinden, wurde sie überrascht. Nein, Emmyth machte eher einen bekümmerten Eindruck. Wie konnte ein Dunkelelf, der dermaßen traurig dreinschaute, trotz allem eine so attraktive Ausstrahlung besitzen?!
Unter dem Deckmantel des Zufalls schob Azura ihm das Band unter, welches sie bislang in der Hand verborgen gehalten hatte. Dabei berührten ihre Finger tatsächlich ganz flüchtig seinen Schenkel, aber es reichte aus, dass er reagierte. Immerhin schaute er immer noch auf sie herab. Die Bewegung war schnell und lautlos, wie ein Schatten. Schon umfasste er Azuras Hand, verflocht seine Finger offen mit den ihren, um sie daran zu hindern, sich zu lösen. Emmyth drückte leicht, ähnlich ihrer Mutter vorhin. Sein Daumen strich nun über ihren zarten Handrücken. Hoffnung flammte in seinem Blick auf, ehe er sie vertrieb und den Kopf drehte. Er ließ Azuras Finger unter einem unterdrückten Seufzen los, schob die eigene Hand wieder unter die Kratzdecke und murmelte: "Wir müssen los."
Wie auf's Stichwort erschien nun auch der Kutscher. Er musterte Azura fragend und half auch ihr anschließend in die Kabine. Dann schloss er dessen Tür, erklomm den Bock, griff nach den Zügeln und wenige Augenblicke später setzte die Kutsche sich in Bewegung. Unter dem Klappern der Pferdehufe, sowie dem hölzernen Rattern des Gefährts selbst verließ sie das Grundstück. Wenig später klapperte es lauter, als die Räder durch die gepflasterten Straßen rollten. Draußen herrschte der neue Alltag, an den sowohl das dunkle Volk als auch die Andunier sich langsam zu gewöhnen schienen. Azura hatte keinen Blick dafür und auch ihre Mutter konzentrierte sich auf Anderes. Sie hatte diesen dicken Wälzer über Jorsans Königreich auf die Knie ihrer Tochter gelegt und erwartete, dass sie wenigstens einen längeren Blick hinein warf.
"Aber ... ich wollte Santros..."
"Das habe ich nicht deutlich genug heraus gehört. Du musst entschlossener auftreten, Liebes. Denk daran, du bist eine van Ikari. Wir sind selbstbewusste Handelspartner, galante schöne Frauen und von adligem Geblüt." Sie warf Azura einen eindringlichen Blick zu. Wenn Aquila so schaute, bestand nicht der Hauch eines Zweifels, dass gerade der letzte Part ihrer Aussage eine absolute Lüge war. Sie fügte sich in keine Rolle ein, die sie versuchte zu wahren. Nein, sie lebte die Lüge inzwischen so sehr, dass sie zur Wahrheit wurde. Wenn du daran glaubst, wird es wahr. Das hatte Corax Azura immer wieder gesagt. Er meinte es in Bezug auf seine Illusionen, aber auch hier konnten diese Worte nun Wirkung zeigen. Aquila lebte diese Illusion der Adligen so sehr, dass es für sie Wahrheit geworden war und das musste so sein, damit auch alle anderen es für nichts als das hielten. Sie war adlig, so lange sie sich authentisch so gab. Wenn es Azura beim Fest gelang, diese Haltung zu vermitteln, würde sie nicht nur ihre Zweifel ob ihrer eigenen Herkunft ablegen können, sondern gewiss auch die Dunklen überzeugen, auf ihre Argumente mit Wohlwollen einzugehen. Nur warum hatte Aquila sich jetzt für sie ausgerechnet für Jorsan entschieden?
"Mama? Hier steht, dass Grandessa sich den Dunklen annähert. Jorsa ist nicht gerade ein Verbündeter. Wäre es da überhaupt klug, wenn wir mit dieser Verbindung daherkommen...?"
Aquila beäugte kurz die Seite, auf der Azuras Finger ruhte. Sie brauchte nicht einmal kopfüber zu lesen, um den Inhalt zu kennen. Sie hatte den Wälzer offensichtlich sehr aufmerksam studiert. Nun, viele Notizen stammten auch aus ihrer Feder. Sie wusste, was sie geschrieben hatte. "Grandessa und das dunkle Volk haben sich zusammengetan. Ich hörte, sie ziehen sogar gegen das magische Zyranus, um diese Stadt ebenfalls zu unterwerfen. Grandessas König soll auf diese Bedingung eingegangen sein, weil er sich durch die dunkle Verstärkung erhofft, das Königreich Jorsan nun endlich zu erobern." Sie nickte. "Ja, beide Reiche sind verfeindet und es macht den Anschein, dass Jorsan somit auch Feind der Dunkelelfen sein müsste. Doch dem ist nicht so. Sie sind wie angeheuerte Söldner, werden Grandessa aussaugen und zu ihrem Vorteil nutzen wie sie es mit unserem schönen Andunie bereits tun. Es widerstrebt mir, ein anderes Reich ähnlich anzubieten, aber es muss wohl sein. Für die Sicherheit deines Vaters! Nun denn ... stell dir vor, wie das Interesse der Dunklen steigt, wenn du es bist, die Kontakte zu Jorsan hat, hinein bis ins Königshaus! Ganz gleich, ob sie dadurch ein Bündnis schmieden oder darauf abzielen, dass Jorsan und Grandessa sich annähern ... vielleicht verraten sie den anderen König auch. Ich würde es den Spitzohren zutrauen." Ihre Miene nahm kurz einen säuerlichen Ausdruck an. Dann beherrschte Aquila sich von Neuem. Sie versuchte, so neutral wie möglich zu bleiben, wobei ihr Blick auch kurz hinter Azura fiel. Dort befand sich eine kleine Luke. Man konnte sie von beiden Seiten öffnen, um bei Bedarf dem Kutscher oder umgekehrt den Insassen etwas mitzuteilen. Gerade war die Luke geschlossen, aber wer wusste schon, wie gut ein Elf hören konnte? Aquila ahnte es nicht, dämpfte aber ihre Stimme etwas. "Auf jeden Fall könntest du einen Vorteil für die dunklen Völker herausschlagen, wenn du als Mittlerin auftrittst. Vielleicht wollen sie Jorsan über dich auch infiltrieren. Wir werden sehen. Es ist in jedem Fall der interessantere Ort und somit besser gewählt als Santros. Auch für dich, falls der jorsanische König tatsächlich ebenfalls Interesse entwickelt." Daraufhin hakte Aquila noch in eine andere Richtung nach. Natürlich waren ihr die letzten Tage aufgefallen. Oh, den Morgen würde sie gewiss nicht vergessen, als sie Azura und Corax zusammen im Kindbett der Tochter entdeckt hatte! Und ihr war gewiss auch die Art und Weise ausgefallen, wie Azura mit Emmyth umging. Eine Mutter bemerkte so etwas. Deshalb fragte sie nun auch nach der Beziehung zu beiden Elfen und wie die Interessen ihrer Tochter denn stünden. Es missfiel ihr wohl nach wie vor, dass es so engen Kontakt zu Dunkelelfen gab, aber auch wenn sie nach außen hin einen abgebrühten, pragmatischen Eindruck machte, würde sie ihrem Kind keine Steine in den Weg legen, wenn sich Liebe entwickelte. Doch hierzu musste sie Aufschluss haben, sich sicher sein. Denn Azura war ihr einziges Kind!
Jene aber konnte sich wie schon bei der Entscheidung um die Kontaktreiche nicht festlegen. Ihre Antwort auf die Frage, ob und an welchen Faelyn sie ihr Herz möglicherweise verloren haben mochte, konnte sie sich weder fest für Corax noch Emmyth entscheiden. Wie auch, nach der letzten gemeinsamen Nacht, deren bloße Erinnerung ihren Schoß wohl schon zum pochen bringen musste? Beide Brüder waren für sie auf ihre Weise wichtig. Beide begehrte sie. Aber liebte sie diese auch und wenn ja, wen von beiden intensiv genug, um an eine Zukunft mit ihm zu denken? Oder wäre ein Triangel möglich? Eine Beizehung zu dritt, wenn auch nur im Geheimen? Könnte sie nicht gar eine Ehe mit einem König eingehen, falls es sich ergab und dennoch ihre dunkelelfischen Liebhaber besitzen? Bei einem Mann wies niemand auf Umtriebe mit anderen Gespielinnen hin. Dürfte sich eine Königin dieses Privileg herausnehmen?
"Sie sind beide besonders...", seufzte Azura schließlich. Nein, sie konnte sich nicht festlegen, noch nicht. Dazu waren zu viele Faktoren ungeklärt. Vor allem jener, dass sie noch einmal mit Emmyth sprechen wollte. Mit ihm sprechen musste! Die Gelegenheit ergab sich nur nicht sofort.
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