Das Anwesen der Familie Belyal Sinth

Sämtliche Straßen Andunies sind gepflastert und von schönen kleinen Häusern gesäumt. Meist Fachwerkhäuser, aber auch mal eine prächtige kleine Villa. Nur die ärmeren Bezirke der Bettler und Halunken sollte man meiden.
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Thomas Mercer
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Re: Das Anwesen der Familie Belyal Sinth

Beitrag von Thomas Mercer » Montag 3. Dezember 2018, 10:51

„Kinder sind etwas Erstaunliches... „...sie haben noch keine Angst vor dem Leben. Sie leben es einfach.“ Thomas schloss seine Augen und nickte nur. Sein Herz verkrampfte sich. Louisa hatte es schön gehabt damals bei ihnen. Sie waren eine glückliche Familie gewesen, oder? Damals, als die Welt noch nicht aus den Fugen geraten war. Sie alle drei hatten den Krieg überlebt, doch seine kleine Tochter hatte den höchsten Preis bezahlen müssen. Hatte sie das? Er wusste ja im Grunde nur über sein eigenes Schicksal wirklich bescheid. Weder konnte er erahnen, was seiner Tochter alles widerfahren war, noch wusste er es von seiner Frau. Nun waren sie sich so nah und doch würden sie sich nicht wiedersehen. Es war schwierig für ihn, diesen Gedanken zu akzeptieren. Er warf einen letzten Blick zurück auf das Anwesen von Amandins Schwester, ehe er die Villa seiner Herrin betrat und wie von selbst in sein Atelier wandelte.

Er trat vor sein Werkstück, streichelte sanft den Stein und lehnte für einige Minuten seine Stirn daran und tat einfach nichts. Er lauschte dem Schweigen des Steins, bis sein Herz ebenfalls schwieg und wieder dumpf im Takt zu schlagen begann, ohne sich zu verkrampfen.
Der Steinmetz betrachtete die neuen Werkzeuge, studierte jede Kante, jede Eigenschaft mit seinen Händen, ehe er sie gegen seinen Stein richtete und mit der Arbeit weitermachte. Die Bewegungen, die einzelnen Schläge, der Winkel in dem er die Werkzeuge führen musste, all das lag ihm schon lange im Blut, war schon lange in seine DNA aufgegangen und so konnte er für einige Zeit einfach bei sich und dem Stein sein, ohne einen konkreten Gedanken fassen zu müssen.

Diese Ruhe, diese Leere war das Einzige, was ihm im Moment etwas Trost verschaffte. Die Zeit verrann, der Tag musste allmählich der Nacht weichen. Thomas wäre wohl noch lange nicht aus seiner Trance aufgewacht, wenn Amandin nicht an ihn herangetreten und ihn beobachtet hätte. Er registrierte ihre Präsenz, noch ehe sie ihre Hände um ihren Körper geschlungen hatte. Er hielt inne, und obwohl sie nicht beieinander standen, glaubte er ihren Herzschlag dicht an seiner Brust zu spüren. Oder hallten da nur seine Hammerschläge nach, die seine angestrengte Muskulatur leicht zum Vibrieren brachte?

Thomas wurde sich seiner Körperlichkeit plötzlich schlagartig bewusst. Er spürte seine Erschöpfung, spürte seinen Kummer und seine Verzweiflung. Der Hammer drohte ihm aus der Hand zu entgleiten, doch Amandin war schneller als er. Sie trat an ihn heran und nahm ihn fest in die Arme, so dass er nicht nachgeben konnte und aufrecht stehen blieb. Er stiess einen tiefen Seufzer auf, als ihr Körper gegen seinen prallte und er erwiderte ihre Umarmung mit seinen mächtigen Pranken. Er atmete schwer gegen ihre Schulter, unfähig etwas zu sagen, unfähig Tränen zu vergiessen. Er war einfach nur da.

Er liess sich ohne Worte in sein Gemach führen und umsorgen und trotz ihren Zärtlichkeiten hatte er mühe loszulassen und sich seiner Erschöpfung hinzugeben. Erst nach einer ganzen Weile übermannte ihn der Schlaf dennoch und er kam etwas zur Ruhe. Mitten in der Nacht wachte er auf. War es ein zu heftiger Herzschlag gewesen? Ein Geräusch? Ein Gedanke? Er wusste es nicht. Verwirrt musste er sich erst seiner Situation bewusst werden. Er befand sich in seinem Zimmer, alleine. Neben ihm im Kissen, konnte er noch leicht den Abdruck von Amandins Körper erkennen und sofort vermisste er ihn und ihre Präsenz. Er erhob sich und trat an den Splitter von Rumpel heran. Vorsichtig strich er mit seinem Finger darüber. Die Ruhe, welche dieser Stein ausstrahlte, beruhigte ihn. Er merkte dem Splitter an, dass Ruhe etwas Ungewohntes für ihn war und somit auch für seine Besitzerin. Endlich hatte sie diese erhalten, wo sie doch so dringend nötig war. Der Stein beruhigte ihn und ein leiser Hauch der Zuversicht streifte seine Seele. Louisa war bei ihrer Mutter. Serunda hatte Wort gehalten, da war er sich sicher. Splitter würde nicht lügen.

Doch eine andere Präsenz erregte seine Aufmerksamkeit und er folgte dem subtilen Ruf bis in sein Atelier. Schweigend stand er im Türeingang und betrachtete die eigentümliche Szene, die so mysteriös wie wunderschön war. Im Nachtlicht konnte er nur schwach Amandins Silhouette erkennen. Es war, als wäre sie selbst zur Statue geworden. Ihre Haut schimmerte seidig und silbern im Licht der Sterne. Der Anblick reizte ihn, wie ihre Anwesenheit ihn ohnehin stets reizte.

Er konnte sie nicht verstehen und er wusste nicht genau, ob es sich um einen beschwörenden Gesang oder gar um ein Gebet handelte. Das einzige was er zweifelsfrei vernahm, war die Magie in ihren Worten, die in ihrem Körper wiederhalte und auf den Altarstein ausstrahlte.
Er trat etwas näher, ohne sie jedoch zu stören. Sie hatte ihn gerufen, davon war er überzeugt. Sie würde sich seiner Präsenz ebenso bewusst sein, wie er ihrer. Sie waren miteinander verbunden und er war ihrem Ruf gefolgt. Amandin konnte sich seiner Loyalität nach wie vor sicher sein. Es war ein Ruf gewesen, der an Amant gerichtet war und hier stand er. Bereit seiner Herrin, seiner Geliebten zu dienen und zu folgen, wohin immer sie ihn befahl.

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Re: Das Anwesen der Familie Belyal Sinth

Beitrag von Erzähler » Dienstag 4. Dezember 2018, 17:37

Im Nachtlicht konnte er nur schwach Amandins Silhouette erkennen. Es war, als wäre sie selbst zur Statue geworden. Ihre Haut schimmerte seidig und silbern im Licht der Sterne. Der Anblick reizte ihn, wie ihre Anwesenheit ihn ohnehin stets reizte. Er konnte die leise gesungenen Worte nicht verstehen. Das einzige was er zweifelsfrei vernahm, war die Magie in ihren Worten, die in ihrem Körper widerhallte und auf den Altarstein ausstrahlte. Thomas trat etwas näher, ohne sie jedoch zu stören. Sie hatte ihn gerufen, davon war er überzeugt. Sie würde sich seiner Präsenz ebenso bewusst sein, wie er ihrer. Sie waren miteinander verbunden und er war ihrem Ruf gefolgt. Amandin konnte sich seiner Loyalität nach wie vor sicher sein. Es war ein Ruf gewesen, der an Amant gerichtet war und hier stand er. Bereit seiner Herrin, seiner Geliebten zu dienen und zu folgen, wohin immer sie ihn befahl. Der Singsang klang weich und schön, fremdartig und doch vertraut auch in ihm wieder, als müsste er verstehen, was der Sinn dahinter war. Thomas sah wie ein Arm seiner Herrin sich langsam in seine Richtung streckte und ihn zu sich rief. Er folgte und ergriff ohne Zögern ihre Hand.
Ein heftiges Summen raste in seinen Körper und er ging instinktiv neben ihr auf die Knie. Wie zum Gebet kniete er neben dem Altarstein, auf dem sie lag und sang. Er hielt ihre Hand und verstärkte die Wirkung noch mit der zweiten. Noch stärker würde er die Verbundenheit nur spüren, wenn er ihre Hand auf sein Gesicht legen würde.
Die Energie die von ihr zu ihm, von ihm zu ihr floss, summte in jeder Ader, in jeder Zelle, in jedem Gedanken und befreite von allem was nicht dazu gehörte. Es war, als würde Amandin sich mit ihm verschmelzen und vielleicht flammte kurz sein Selbsterhaltungstrieb auf . Was wenn er sich in ihr auflösen würde? Aber für solche Gedanken war hier kein Raum. Sie teilten ihre Energie. Amandin steuerte zwar das Ganze, aber Amants Mächte, seine tiefe Verbundenheit zum Element der Erde, seine angeborene Begabung, ja sogar jene versteckten Ressourcen, von denen er noch nichts ahnte, alles floss aus ihm heraus und durch seine Herrin zu ihm zurück. Er verlor nichts, er war in einem Prozess des Wandels, den Amandin steuerte. Dabei war von ihrer Emotionalität jedoch absolut nichts zu fühlen. Es war als ob er an einem Damm vorbei glitt, der ihn vor der Last und Gewalt der dahinter liegenden Massen schützte. Der Fluss riss ihn einfach mit... veränderte ihn... Oder war es der Stein der sich verwandelte? Nicht er? Es war nicht leicht zu denken und Veränderung fiel Steinen schwer, also gab Amandin, also gab auch er, dass was sich in ihm im Fluss befand und der Quell stetiger Veränderung mit sich brachte =
Blut.

((ooc: 4. Zauber: "Die Verwandlung des Steins" – Von Stein zu Stein verwandelt sich das Element in sich, denn nichts anderes will Stein sein, einzig Stein! Von Alabaster zu Sandstein, von Standstein zu Schiefer, von Schiefer zu Marmor, von Marmor zu Granit, von Granit zu Obsidian... und viele Stufen dazwischen. Je nach Erfahrenheit des Magiers kann er auch Stufen überspringen, doch nur ein Meister würde je versuchen Alabaster in Obsidian zu verwandeln. Auch die Menge des zu veränderten Steins spielt eine große Rolle und verlangt ein Opfer vom Zauberer. Steine mögen keine Veränderung und so muss man ihnen etwas geben, dass sich im Fluss befindet und Veränderung mit sich bringt. = Blutzauber, der in beide Richtungen gleich funktioniert. Auch Obsidian, kann z.B. mit genug Energie in Alabaster verwandelt werden, wenngleich dafür mehrere Zauberer und wahre Massen an Energie aufgebracht werden müssten.))

Das Summen breitete sich in seinem ganzen Sein aus. So schnell wie das Gefühl in ihn gefahren war, so schnell brach es aber auch wieder ab, als Amandin den Kontakt unterbrach. Warm und feucht lief etwas seine Wange hinab, wo er eben noch ihre Hand gespürt hatte. Erst jetzt wurde er sich bewusst, das es so gewesen war. Etwas schwindlig hielt er sich mit beiden Händen am Altarstein fest, der nun im Sternenlicht tief schwarz schimmerte. ...Obsidian.
Der große Klumpen, den Amandin ihm gebracht hatte, genauso wie der Stein für ihre Statur, sie waren aus Sandstein, gewonnen aus der Gegend, doch nun...
Amandin atmete etwas unregelmäßig und Thomas zog sich an der Kante hoch um ihr ins Gesicht sehen zu können. Dunkle Rinnsale zierten ihre Schläfen. Sie hatte aus den Augen geblutet und der Menge nach zu urteilen, nicht gerade wenig. Die Pfütze auf dem Altar unter ihrem Kopf maß mehr als die große Fischplatte, die seine Frau früher an Feiertagen benutzt hatte um Gäste zu bewirten. Das Blut war die vorgefertigten Vertiefungen entlang gelaufen und tropfte an einem Auslass auf den Boden. Noch bevor Thomas seine Sprache wieder fand, sagte Amandin:
„Mir geht es gut. Bitte …“
Sie setzte sich leise stöhnend auf.
„...trag mich rüber. Ich bin nur etwas schwach.“
Natürlich tat er wie geheißen. So verletzlich wie in diesem Augenblick hatte er seine Herrin noch nie erlebt. Selbst mit all ihrer Macht... jetzt gerade, würde selbst ein Kind sie umbringen können. Thomas legte Amandin auf sein Bett und holte seine Schlüssel und den Wasserkrug um ihr beim Säubern ihres Gesichts zu helfen. Eine Weile schwiegen sie noch beide, dann hob sie seine Hand an ihr Gesicht und lächelte.
„Danke.“
Wofür? Er hatte seine Energie mit ihr geteilt und fühlte sich nicht sonderlich müde. Der Schwindel hatte schnell nachgelassen. Sie hatte doch einen mächtigen Zauber in ihm erweckt, den er im Kleinen sicher auch wirken könnte, da war er sich sicher. Splitter war aus Sandstein. Ihn könnte er in Alabaster oder Schiefer verwandeln. Letztendlich war es Amandins Energie, die verbraucht worden war. Schutzlos, hilflos, lag sie da. Ihre Lider hielt sie meist geschlossen. Wenn sie sie öffnete, dann nur blinzelnd und dann sah man ein paar dunkle geplatzte Äderchen. Ihre Hände fühlten sich kühl an und sie brauchte ihn, dass fühlte er in jeder Faser.
„Amant?“
Er rückte näher.
„Halt mich bitte diese Nacht. Ich ertrage jetzt nur dich bei mir. ich hab die Anderen fort geschickt.“
Waren sie wirklich allein im Haus? Wo waren die Anderen jetzt? Drüben bei Serunda vielleicht? Wo auch immer, es war wirklich still, wenn er lauschte. Sonst hörte man immer irgendwo ein Kichern oder andere Laute. Erschöpft sank sie in seine Arme. Sie wirkte so müde, aber Amant wusste, dass es nicht Schlaf war, dass sie brauchte. Was für eine Situation... Er, der Sklave...nein Leibdiener... Er war mit seiner Herrin allein im Haus... Alle waren weg und sie geschwächt. Sie konnte sich nicht wehren, selbst wenn sie wollte. Sie war jedem ausgeliefert, auch ...ihm. Er könnte fliehen...
Als hätte Amandin etwas geahnt, hörte er ihr leises abgehacktes Flüstern;
„Wenn du jetzt gehen würdest... dann müsstest du dich hinter den Ställen ...zur östlichen Tür des Anwesens wenden und den inneren Mauerschatten nutzen... Dort sind die Wächter am unaufmerksamsten, denn sie führt hinter ihren Quartieren entlang. ...Du würdest zum Haus meiner Schwester laufen... Die Kohlenklappe zum Keller hat nur ein kleines Schloss, wäre für dein Werkzeug kein Hindernis... Deine Frau und dein Kind wären jetzt bestimmt schon dort und du könntest mit ihnen versuchen aus der Stadt zu fliehen... Du trägst mein Mahl, sie kennen dein Gesicht. Du bist schlau... Du könntest weit kommen...“
Fantasierte sie? Oder passierte das hier gerade wirklich? Gab sie ihm wirklich „theoretische“ Hinweise, wie er am besten seine Familie befreien konnte? Sich selbst befreien konnte???
„Ich bin so leer...“
Amandin zog seine Decke über sich und atmete lang aus. Was ging in ihrem Kopf vor? War das wahr?

… Aber …

Wollte er gehen?

Das ganze könnte auch auch ein Test sein. Wer wusste schon, was Dunkelelfen so planten?! Oder sie war einfach zu schwach und nicht Herr ihrer Sinne...oder sie war es und liebte ihn tatsächlich so sehr, dass sie ihn glücklich wissen wollte?
Irgendwie fühlte sich dieser Augenblick schicksalshaft an.
Als hätten die Götter, oder wer auch immer den Teppich mit den Fäden, die die Geschicke der Wesen Celcias lenkten, einen Webfehler und es ergab sich hier die Möglichkeit für Thomas seinen vorherbestimmten Weg zu ändern. Ein Scheideweg im Muster des Schicksals.

Natürlich gab es viel zu bedenken! Wie würde das Schicksal seiner Leute auf der Baustelle sich verändern, wenn er ausschied? Was würde mit Amandin geschehen, wenn ihre Macht schwand und ihr sogar Diener davon rannten?
Dem gegenüber stand das Schicksals seiner Tochter und seiner Frau. Ob sie wirklich entkommen konnten? Ob sie wieder eine richtige Familie sein könnten?

Wie ging es jetzt weiter?
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Re: Das Anwesen der Familie Belyal Sinth

Beitrag von Thomas Mercer » Freitag 8. Februar 2019, 20:05

Der kühle Boden empfing seine Knie und es fühlte sich an, als wäre diese Position schon immer für ihn vorgesehen gewesen. Die Präsenz des Altars strahlte etwas ruhiges aus, als würde er die Ordnung der Welt wiederherstellen, wenn er nur hier an seinem angestammten Platz in die Knie ging... Logisch betrachtet konnte es sich dabei aber eigentlich nur um eine Illusion handeln, denn der Altar befand sich noch in am richtigen Ort. Er war schilesslich für den neuen Dunklen Tempel vorgesehen... und doch fühlte es sich für Amant richtig an, hier neben seiner Herrin zu knien.
Magie strömte durch seine Adern, als er ihre Hand berührte. Es breitete sich in ihm aus wie ein reinigendes Feuer und es fühlte sich so an, als würde der Energie seiner Herrin nichts verborgen bleiben. Jeder Zweifel, diese Wanken, jede Unsicherheit würde eine diffuse Störung im Strömungsverhalten der Energie bewirken.
Doch die Magie trat auch in direkten Austausch mit seinem Körper, seiner Seele. Sie zehrte an ihm und nährte ihn gleichermassen. Sie veränderte ihn und konservierte ihn und sie forderten einen Tribut von ihm: Blut.

Plötzlich unterbrach Amandin die Verbindung und der Energiefluss brach von einem Moment auf den anderen ab. Unwillkürlich schnappte Thomas nach Luft, als hätte sie seinen Lebensnerv gekappt. Vorsichtig zog er sich am Altarstein hoch, der das Mondlicht zu absorbieren schien. Dunkel schimmerte nur ganz leicht die glatte Oberfläche des schwarzen Obsidians. Obsidian! Ungläubig fuhr Thomas mit seinen Händen über die Kanten des Steines. So einen Stein hatte er noch nie angefasst. Er fühlte sich an wie Obsidian, doch im Mark des Steines, in seiner Seele glaubte er noch immer die Spuren von Alabaster wahrzunehmen. Dieser Stein, war etwas neues, unmögliches und bisher nie dagewesenes geworden.

Doch das Opfer, welches Amandin dafür hatte erbringen müssen war nicht unerheblich. Thomas hatte die Rinnen nach ihren Anweisungen genau angefertigt, doch nun, wo sie mit ihrem Blut gefüllt waren und ihrem Bestimmungszweck dienten, jagten sie ihm Angst ein. Er musste unweigerlich an die bevorstehenden Rituale denken, bei denen er ihr assistieren würde. Blutmagie! Blutopfer!

Sie so schutzlos und schwach zu sehen weckte die Beschützerinstinkte in ihm. Sofort tat er wie geheissen und hob sie vorsichtig an. Ihr Körper fühlte sich ungewohnt schwer an. Vorsichtig legte er sie auf seinem Bett an und eilte dann sofort los, um eine Schüssel mit Wasser und ein frisches Tuch zu holen. Er halt ihr beim Reinigen und sah sie besorgt an. Sie bedankte sich bei ihm und griff vorsichtig nach seinem Gesicht. Er neigte seinen Kopf etwas und legte sein Gewicht in ihre Hand. Er liebte es, von ihr berührt zu werden.

Amant? Sein Name, von ihr gehaucht bereitete ihm eine Gänsehaut. „Halt mich bitte diese Nacht. Ich ertrage jetzt nur dich bei mir. ich hab die Anderen fort geschickt.“ Er legte sich zu ihr aufs Bett und schmiegte sich an ihren Rücken. Sie war ganz ausgekühlt. Er schlang seine mächtige Arme um sie und hoffte, dass seine Körperwärme bald auf sie abstrahlen und sie aufheizen würde. Sie hatte verdammt viel Blut verloren! Erst als sie ihm offenbarte, dass sie diese Nacht ganz alleine wahren, wurde er sich der Stille im Haus gewahr. Sonst hörte man oft irgendwo ein leises Gekicher, mal ein Stöhnen oder Schritte. Sein Herzschlag beruhigte sich etwas in der Stille und doch überzog ein leises frösteln seinen Nacken und seine Gedanken schweiften ab. Was wäre wenn...

Als hätte Amandin seine Gedanken gelesen, sprach sie ihn darauf an: „Wenn du jetzt gehen würdest... dann müsstest du dich hinter den Ställen ...zur östlichen Tür des Anwesens wenden und den inneren Mauerschatten nutzen... Dort sind die Wächter am unaufmerksamsten, denn sie führt hinter ihren Quartieren entlang.» Er schnaubte. Trotz machte sich in ihm breit. Amant mochte es nicht, wenn seine Loyalität so offen in Frage gestellt wurde. Thomas hatte den Gedanken doch kaum entwickelt gehabt, ihn nicht einmal selbst ganz in ein plausibles Szenario gefasst!

»Du würdest zum Haus meiner Schwester laufen... Die Kohlenklappe zum Keller hat nur ein kleines Schloss, wäre für dein Werkzeug kein Hindernis... Deine Frau und dein Kind wären jetzt bestimmt schon dort und du könntest mit ihnen versuchen aus der Stadt zu fliehen... Du trägst mein Mahl, sie kennen dein Gesicht. Du bist schlau... Du könntest weit kommen...“ Ja, sie würden weit kommen. Aber niemals weit genug. Die ganze Welt gehörte dem Dunklen Herrscher. Es würde kein Ort für ihn und seine Familie geben, wo sie sich verstecken konnten... und wenn doch, dann würde ihnen ein hartes Leben im Untergrund bevorstehen... und die Rache der Dunklen Herrscher würde furchtbar sein, wenn sie abermals in Gefangenschaft geraten würde. Ausserdem konnte er es nicht Leugnen. Amandin hatte sich ihm gegenüber unentbehrlich gemacht. Er begehrte sie, er wollte sie, er wollte stets in ihrer Nähe sein, ihre Aufmerksam und ihre Gunst geniessen. Sie war wie eine heimtückische Droge, ohne die er nicht mehr sein konnte. Seit sie in sein Leben getreten war, dachte er weniger an seine Familie und Freunde. Obwohl er wusste, dass dort vor einiger Tage offenbar ein Unfall geschehen war, hatte er nicht darauf insistiert zu Erfahren was passiert ist. Er war nicht dort gewesen. Amandin hatte ihn ganz für sich eingenommen... und er wollte es nicht anders haben.

Was für ein Vater würde er seine Tochter sein, und was für ein Mann seiner Frau. Wenn er doch zergehen würde aus Sehnsucht nach seiner Herrin? Nicht umsonst hatte Amandin ihn neu getauft, ihn mit einem neuen Namen versehen. Er hatte sich verändert. Sie hatte ihn verändert... doch gleichzeitig fürchtete er sich ab seiner eigenen Naivität. Er hatte sich nie gefragt, ob hinter all diesen Vorgängen nicht auch einfach eine Strategie steckte. Er hatte seine Empfindungen als Liebe interpretiert, doch was war, wenn es sich um Manipulation handelte? Wenn sie ihn tatsächlich ganz subtil vergiftete und letztlich ins Verderben stürtzte, um ihn all seiner Energie zu berauben? Vielleicht sollte er wirklich die Hände in die Füsse nehmen und von hier verschwinden, so weit ihn seine Beine tragen mochten!

Ach was! Wie wichtig er sich nahm! Sie war doch jetzt schon viel mächtiger als er war! Undankbar, das war er! Nicht in der Lage, sein eigenes Glück richtig zu fassen und zu begreifen! Beth hatte hier eine neue Familie gefunden...mit einem neuen Mann an ihrer Seite und ihrer Tochter. Sie alle waren sicher und standen unter Amandins Schutz. Nicht einmal in der magischen Stadt Zyranus, mit den mächtigen Mauern würde er sich selbst so sicher fühlen wie hier. Mehr Glück vom Schicksal herauszufordern wäre dreist und unangebracht. Angesichts des vorherrschenden Leides auf dieser Welt war es ihm und seiner Familie gut ergangen! Wahrlich gut! Lysanthor sei Dank! Oder Faldor?

Amandin sei Dank!
Amandin sei Dank!

Und wie würde er es ihr Danken? Durch eine Flucht? Indem er sich einfach aus dem Staub machte und alle ihre Bemühungen vernichtete? Nicht nur das, vielleicht würde er sie selbst sogar in Schwierigkeiten bringen. Eine Faldorpriesterin, die nicht einmal ihren Leibsklaven halten konnte... sowas konnte in der Dunkelelfischen Gesellschaft für den Verlust des Gesichtes sorgen... und ein solcher Verlust war tödlich, wenn man bedachte, welch mächtige Feinde Amandin um sich scharte. Nein...er würde nicht von ihrer Seite weichen! Er konnte nicht. Er wollte nicht. Es sollte nicht so sein. Er hatte seine Familie erst durch seine Passivität und Untätigkeit in die Gefangenschaft gebracht, nun wollte er nicht riskieren, dass sie nun aufgrund eines falschen Aktionismus ihr Leben lassen mussten.

«Und dann würden wir alle sterben.» Brummte er leise. Er hielt eine ganze Weile inne. Ich bin so leer. Entgegnete ihm seine Herrin. Ihre Kraftlosigkeit beängstigte ihn. Auch die Tatsache, dass sie ihn praktisch proaktiv zur Flucht aufgefordert hatte, jetzt in diesem Moment der Schwäche, beunruhigte ihn. Hatte sie Angst? Wusste sie um eine Wahrheit, die ihm bisher verborgen geblieben war? Wollte sie den Lauf vorbestimmten Lauf ihres Schicksals verhindern? Wollte sie ihn retten? Ihn laufen lassen? War dies ein letzter Versuch, das Rad umzuschwenken? Er spürte instinktiv, dass diese Nacht wichtig war. Doch er vermochte die Zeichen nicht recht zu deuten. Er verharrte im Dunklen, lauschte ihrem Atem und dachte über ihre Worte nach, die so untypisch für sie gewesen waren. Es war nicht die selbst- und pflichtbewusste Amandin, die da zu ihm gesprochen hatte. Sondern die schwache, verletzte Amandin.

Allmählich breitete sich in ihm eine unheimliche Gewissheit aus. Was, wenn Amandin sich tatsächlich gerade gegen ihr Schicksal sträubte? Er horchte in sich hinein. Er spürte die Abwesenheit ihrer Energie in seiner Seele und Körper...und doch hatte der Strom furchen hinterlassen. Furchen die Schmerzten, die wieder gefüllt sein wollten mit ihrer Präsenz. Er brauchte sie. Er wollte sie. Sie war das Ambrosia, das ihn nährte und unendlich werden liess. Deshalb begehrte er sie. Es war nicht nur Lust, es war Hunger, reiner Überlebensinstinkt.

Wussten sie beide nicht tief in ihrem innersten, dass sie sich gegenseitig mit ihrer Magie verzehren würden? Dass ihre einzigartige Symbiose letztlich nur in eine finale Richtung führte? Wenn sie in ihrer Treue ihr Schicksal besiegeln würden? Sie hatte Alabaster in Obsidian verwandelt, einen schwarzen Stein, mit einer weissen Seele geschaffen. Doch der Preis dafür war Blut gewesen. Ihr Blut.

«Wenn ich bei Dir bleibe, werden wir sterben, nicht wahr?» Brach es plötzlich leise aus ihm hinaus. Vorsichtig drehte er sie zu sich um und sah sie an. Wusste sie etwas, was er nicht wusste? Hatte sie doch eine versteckte Agenda, die sein Schicksal betraf? Was hielt die Zukunft für sie beide bereit? Konnte Amant der Moment ihrer Schwäche dazu nutzen, um Dinge zu erfahren, die sie sonst kontrolliert vor ihm verbergen konnte? Oder deutete er die Zeichen falsch? War es vielleicht ein fataler Irrtum zu glauben, dass das Schicksal eines Sklaven tatsächlich mit jenem einer Faldorpriesterin verknüpft sein konnte?

Eins war er sich sicher. Er baute einen Tempel mit einem Opferaltar in seinem Zentrum...doch er wusste noch nicht wer geopfert werden sollte und zu welchem Zweck...

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Re: Das Anwesen der Familie Belyal Sinth

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Februar 2019, 17:31

"Und dann würden wir alle sterben."
Brummte Thomas leise. Er hielt eine ganze Weile inne.
"Ich bin so leer."
, entgegnete ihm seine Herrin. Ihre Kraftlosigkeit beängstigte ihn. Auch die Tatsache, dass sie ihn praktisch proaktiv zur Flucht aufgefordert hatte, jetzt in diesem Moment der Schwäche, beunruhigte ihn. Hatte sie Angst? Wusste sie um eine Wahrheit, die ihm bisher verborgen geblieben war? Wollte sie den Lauf vorbestimmten Lauf ihres Schicksals verhindern? Wollte sie ihn retten? Ihn laufen lassen? War dies ein letzter Versuch, das Rad umzuschwenken? Er spürte instinktiv, dass diese Nacht wichtig war. Doch er vermochte die Zeichen nicht recht zu deuten. Er verharrte im Dunklen, lauschte ihrem Atem und dachte über ihre Worte nach, die so untypisch für sie gewesen waren. Es war nicht die selbst- und pflichtbewusste Amandin, die da zu ihm gesprochen hatte. Sondern die schwache, verletzte Amandin.
Allmählich breitete sich in ihm eine unheimliche Gewissheit aus. Was, wenn Amandin sich tatsächlich gerade gegen ihr Schicksal sträubte? Er horchte in sich hinein. Er spürte die Abwesenheit ihrer Energie in seiner Seele und Körper...und doch hatte der Strom Furchen hinterlassen. Furchen die schmerzten, die wieder gefüllt sein wollten mit ihrer Präsenz. Er brauchte sie. Er wollte sie. Sie war das Ambrosia, das ihn nährte und unendlich werden ließ. Deshalb begehrte er sie. Es war nicht nur Lust, es war Hunger, reiner Überlebensinstinkt.
Wussten sie beide nicht tief in ihrem innersten, dass sie sich gegenseitig mit ihrer Magie verzehren würden? Dass ihre einzigartige Symbiose letztlich nur in eine finale Richtung führte? Wenn sie in ihrer Treue ihr Schicksal besiegeln würden? Sie hatte Alabaster in Obsidian verwandelt, einen schwarzen Stein, mit einer weißen Seele geschaffen. Doch der Preis dafür war Blut gewesen. Ihr Blut.
"Wenn ich bei Dir bleibe, werden wir sterben, nicht wahr?"
, brach es plötzlich leise aus ihm hinaus. Vorsichtig drehte er sie zu sich um und sah sie an.
Das Dunkel in ihren Augen war matt und ihre innere Glut brannte nicht so hell wie sonst. Aber es lag eine stille Gewissheit in ihrem Blick, die er unmöglich falsch verstehen konnte. Sie sah ihn einfach nur an. Ihre Lippen bebten, bevor sie leise Worte hauchten:
"Ich tue alles...damit dieser Gedanke ...nicht zur Wahrheit wird."
Ja, sie wusste um etwas, dass ihr beider Schicksal miteinander verwob. Selbst wenn es ein fataler Irrtum war zu glauben, dass das Schicksal eines Sklaven tatsächlich mit jenem einer Faldorpriesterin verknüpft sein konnte, so glaubte SIE daran!
Und mit einem war Thomas sich sicher. Er baute einen Tempel mit einem Opferaltar in seinem Zentrum, doch er wusste noch nicht wer geopfert werden sollte und zu welchem Zweck und wenn er dieses Geheimnis lüften wollte, so war sein Weg klar vorgezeichnet. Dann würde er an Amandins Seite verweilen und jeden Schritt mit ihr gemeinsam gehen, zu jedwedem Ende.


Die Stille im Haus war umfassend und hüllte sie ein. Amants starken Arme hielten den geschwächten Leib seiner Herrin, seiner Sonne die ihm Energie gab, um die er kreiste. Amandin schlief ein und ihre Finger ruhten auf seinem Herzen. Langsam kehrte das Leben in ihren Körper zurück, als sie an seiner Seite schlief und er über sie wachte.
Die Zeit rann dahin und Amant verließ seine Herrin nur um die notwendigsten Bedürfnisse zu befriedigen. Er sorgte für sie, wenn sie kurz die Augen aufschlug und gab ihr Wasser. Sie sprachen nicht mehr und Amandin schien dankbar zu sein. Die Nacht wurde zum Tag und als das Anwesen langsam wieder zum Leben erwachte, da tat es auch Amandin. Noch lag sie still in seinen Armen, aber ihre Wärme war wieder zurück gekehrt und ihre Finger spielten mit Thomas Bart, als es an der Tür klopfte.
Das jemand klopfte und nicht einfach eintrat, ließ darauf schließen, dass es sich um etwas wichtiges handeln musste.
Obsidian steckte nach Amants Antwort den Kopf herein und das erste Mal in Thomas Leben, sah er eine Falte auf der makellosen Stirn des Dunkelelfen.
„Verzeiht die Störung, Herrin. Es ist wichtig.“
Amandin setzte sich an Thomas Seite auf und ließ sich sogar von ihm den Rücken stützen. Ihr langjähriger Freund trat auf ihr Handzeichen näher an das Bett und kniete sich vor sie.
„Es ist ein Brief aus der Heimat angekommen. Da ich das Siegel kenne... seht selbst.“
Obsidian überreichte Amandin ein gerolltes Dokument mit einem Siegel darauf. Amants Geliebte zog die Brauen leicht zusammen und öffnete es sofort an Ort und Stelle. Die Schrift war ordentlich und zeigte wenig Schnörkel. Nachdenklich fuhr sie mit den Fingerspitzen über das Papier, als lese sie aus den Lettern mehr als nur den Sinn der bloßen Worte. Sie las den Brief einmal still, dann ein zweites Mal, erst dann las sie tatsächlich die ersten Zeilen in Lerium und stockte dann...
**Geschätzte Herrin Amadin Belyal Sinth,
ich ersuche Euch mit einer Bitte unter dem Deckmantel des freundschaftlichen Bündnisses des Hauses Rasverath und Euch...**

Sie sah zu Amant und dann zu Obsidian.
„Ich glaube hier schreibt ein guter alter Freund unter falscher Flagge. Es muss wichtig sein, wenn er es wagt seinen Herrn so zu unterwandern.“
Obsidian nickte und schien tatsächlich aufgeregt zu sein, denn seine Fäuste arbeiteten auf der weichen Matratze.
„Ich werde für Thomas übersetzen, denn ich werde seine Hilfe brauchen.“
Obsidian nickte zustimmend und Amandin sah in Thomas vielleicht ein wenig verdutztes Gesicht. Dann las sie in Celcianischer Sprache vor:
**Geschätzte Herrin Amadin Belyal Sinth,
ich ersuche Euch mit einer Bitte unter dem Deckmantel des freundschaftlichen Bündnisses des Hauses Rasverath und Euch. Ein uns beiden nur allzu bekanntes Haus, dessen Namen ich an dieser Stelle unmöglich ausschreiben kann wagt es, sich mit einem Geschenk am großen Debut-Abend meiner selbst einzuschmeicheln.
Wir erkennen natürlich, dass es sich um einen Versuch handelt, das geschätzte Haus Rasverath und vor allem mich in meiner Person als gefeierter Offizier zu beleidigen. Wie meine Spione herausfinden konnten, soll dem Nachfolger unseres Hauses - meine Wenigkeit - eine Statue meiner selbst aus reinem Obsidian präsentiert werden. Natürlich dient dieses Geschenk blankem Hohn! Größer als ich soll mein schwarzes Ebenbild sein und mich in einer lächerlich peinlichen Pose darstellen.
Ich weiß um Eure Fähigkeiten, mit jeglichem Gestein umzugehen und bitte Euch um einen Gefallen. Ich bitte Euch um eine Möglichkeit, das Obsidian - wenn auch nur für kurze Dauer - in ein leicht zu formendes Material wandeln zu können. Meine Spione werden somit die Statue vor ihrer Präsentation in eine andere Pose setzen, um den Hohn auf unser beider verfeindetes Haus zurückzuwerfen.
Erwartet eine außerordentliche Gegenleistung nach Überbringung. Und eilt Euch mit der Fertigstellung oder einer schriftlichen Absage, die Zeit drängt.
In verbindlichem Dank und mit dem dunklen Herrscher zur Ehr',
Rhiven Rasverath, dritter Sohn und aktueller Erbe des Hauses Rasverath, Morgeria**

Einen Moment schwiegen die beiden Dunkelelfen und sahen einander nur vielsagend an. Dann nickte Obsidian ein paar mal schnell und sprach mit unwillkürlich gesenkter Stimme weiter, als würde die Wahrheit hinter seinen Worten sonst gefährliche Züge annehmen können:
„Er ist es. Rhiven selbst hätte ganz andere Worte verwand. Ich bin mir nicht sicher, wozu er diese Bitte vorträgt, aber es muss von enormer Wichtigkeit sein! Sieh hier...“
Er wies auf einzelne Worte und Textpassagen und erkannte dort wohl vertraute Worte, Formulierungen und Schriftformen, die sonst wohl niemand bemerkt hätte.
„Unser ...alter Freund...“
Dabei lächelte er verschmitzt.
„...Er bittet um Hilfe. Der erwähnte Zauber ist wohl der eigentliche Kern. Das ganze drum herum, kann wahr sein, oder auch nicht. ...Könnt ihr ihm helfen?“
Obsidian sah seine Herrin fast flehentlich an und sie legte ihm beruhigend die Hand in vertrauter Geste an die Wange. Es war vielleicht ein bisschen seltsam, die beiden zu beobachten, aber Amant fühlte keine Eifersucht. Ganz im Gegenteil...
„Sorge dich nicht, mein schwarzer Obsidian... Ich habe schon härtere Steine zum erweichen gebracht und außerdem...“
Amandin lächelte zu Amants Gesicht hinauf und schmiegte sich an seine Schulter. Auch Obsidian sah kurz zu Amant hoch, als erwarteten nun beide von ihm irgendetwas. Thomas war vielleicht noch etwas verwirrt, also sprach sie nahtlos weiter:
„... außerdem haben wir jetzt Hilfe.“
Damit war dann wohl er gemeint.
„Obsidian, bitte bereite mein Labor vor. Ich brauche auch etwas zu essen... etwas süßes vielleicht. Amant wird mir helfen, aber ich bin gerade etwas schwach...“
„Natürlich! ...“
Obsidian küsste kurz und schnell die Knöchel der Hand seiner Herrin und stand dann auf.
„...und ...Danke!“
Amandin lächelte, als ihr Sicherheitschef hinaus ging, lehnte sich wieder an Amants breite Brust und murmelte:
„Ich mach ihn so gerne glücklich...“
Dann setzte sie sich etwas munterer auf und hielt Thomas Hände.
„Mein Liebster, das alles muss verwirrend für dich sein. Warte... also, wo fang ich an... der Schreiber des Briefs, Basalt war hier sein Name, ist ein ehemaliger Diener aus meinem Haus... so wie du oder eher so wie Obsidian. Die beiden waren viele Jahre eng befreundet, bevor er uns verließ um seinen Dienst in einem anderen Haus aufzunehmen. Das Haus Rasverath ist dadurch zu einem wichtigen Verbündeten für mich geworden und jetzt da sie um Hilfe bitten, werden wir das natürlich tun. Der Zauber den er wünscht, der ist nicht ganz einfach herzustellen, aber mit dir...“
Sie strich ihm über die nackte Brust.
„..mit dir, sollte es gehen und wenn du Basalt hilfst, dann hast du in Obsidian einen Freund fürs Leben.“
Amandin schmunzelte und zwinkerte.
„...die beiden waren lange ein Paar, musst du wissen. Und zusammen waren sie einfach...“
Sie biss sich auf die Unterlippe und verdrehte genüsslich die Augen, was Amant nun doch vielleicht einen kleinen grünen Stich versetzte. Aber hier ging es um die Vergangenheit und nicht die Gegenwart. Im Hier und Jetzt war er der härteste aller Steine auf Amandins Spielbrett. Sie nun wieder so fröhlich und voller Tatendrang zu sehen, dass ließ ihn aufatmen. Sie rutschte nah an ihn heran, als hätte sie das kurze Aufwallen gefühlt und ließ ihre Hand zwischen seine Beine gleiten. Sofort war sich Amant sicher, dass er wirklich der Härteste war.
„Der Zauber, den ich dir beibringen werde, der ist sehr praktisch... wenn man ...zum Beispiel irgendwo einbrechen will und keine Spuren hinterlassen möchte.“
Dann wirkte sie etwas nachdenklich.
„...Das Basalt als Ausgangsmaterial Obsidian erwähnt,...das macht die Sache schwierig, aber nicht unlösbar.“
Ihre Finger an der Innenseite seine Schenkel, lenkte sein Blut und seine Aufmerksamkeit langsam aber sicher in vollständig andere Bereiche.
„Ich möchte, dass du diesen Zauber anfertigst... und ich werde dich leiten...aber dafür brauch ich ein bisschen Energie von dir...“
Wie sie gedachte an eben jene zu gelangen, war Amant bestimmt klar. Langsam krabbelte sie auf seinen Schoß, bis sie rittlings auf ihm saß und langsam ihre Hüften wiegte.
„...mein Liebster Diamant....“
, hauchte sie und rieb ihre Stirn an seiner. So nah konnte er auch wieder die glühende Lava in ihrem Innern erkennen, wie sie langsam aber zielstrebig an die Oberfläche drängte. Sie flüsterte kaum hörbar:
„Liebe mich...“
Dann versank die Welt um sie herum in flirrender Hitze, vernebelnden Rauch und dem Stöhnen der Erde, wenn Leidenschaft aus ihr heraus bricht.


Eine ganze Weile später liefen sie Hand in Hand den Gang hinunter und trafen auf Obsidian der vor dem Labor auf sie wartete. Süßlicher Duft drang ihnen aus der Tür entgegen und nach der körperlich und auch geistigen Aktivität der letzten Stunden, brannte ein Hunger in ihnen beiden, der seinesgleichen suchte. Im Labor war allerlei Gebäck, Wein, eine süße Creme aus Sahne und Honig mit einer gebrannten Kruste, Obst und feinste Pralinen aufgebaut, die als erstes verspeist werden mussten. Bald darauf aber führte Amandin ihren Steinmetz zu einem Tisch auf dem eine Auswahl an Steinen lag. Es waren alles Obsidan-Stücke.
„Such dir einen aus, der sich gut anfühlt. Er muss sich für dich so gut anfühlen, so vertraut und freundschaftlich verbunden, dass du auch spontan ihm vertrauen würdest. Es muss ein Verbündeter in deinem Geist sein. Stell dir vor, du triffst einen alten Freund wieder, der ohne Fragen zu stellen, dir sofort zur Seite stehen würde, mit dir in den Krieg zieht, dich umarmt und dir sein Haus schenkt, dich mit seiner Tochter verlobt....so etwas in der Art. Es kommt nur auf das Gefühl an, die Essenz davon. Wenn du ein Beispiel aus deiner Vergangenheit davon im Kopf hast, kann das hilfreich sein, aber du kannst es dir auch einfach nur vorstellen.“
Ganz so leicht war die Aufgabe dann vielleicht doch nicht, denn selbst wenn Thomas mit so einem durch und durch gutem Gefühl nach einem Stein suchte, so erwiderte nicht jeder Stein gleich dieses Gefühl. Einer der Steine, die er am Anfang wählte, wäre er ein Mensch gewesen, er hätte Thomas sogar eine ziemlich unflätige Geste gezeigt, die am ehesten auf den Hinterhof, unter einen Abort, in der dunkelsten Hafengegend gehört hätte. Es dauerte also eine Weile, während Amandin genüsslich zu ende speiste und Thomas dann letztendlich einen Stein fand, der ihm im Geiste gut gesonnen war.
„Gut... ja, den hätte ich auch gewählt.“
Amandin war zufrieden und streichelte den kleinen Stein. Inzwischen waren sie und Thomas wieder allein und das Essen war von Perlita abgeräumt worden. Amandin saß nackt und wunderschön auf der Bank zwischen ihren Arbeitstischen und klopfte neben sich auf den gepolsterten Sitzt, auf dem Amant ihr schon so viel Freude bereitet hatte. Als er sich neben sie setzte, ergriff sie seine Hand und legte sie auf ihr Herz. Das leichte rhythmische Klopfen ihres Pulses schlug beruhigend gegen seine Hand.
„Was jetzt kommt ist nicht ganz einfach. Du musst vergessen, was ein Stein kann und was er nicht kann. Du darfst nur seine Seele betrachten und musst ihm ganz und gar vertrauen.“
Irgendwie klangen ein paar unausgesprochene Worte in ihm nach:
…, sonst wird es dich töten...
Aber um vollständig vertrauen zu können, war es sicher nicht gut über die Folgen nachzudenken, wenn etwas schief ging. Also konzentrierte sich Amant ganz und gar auf den Herzschlag unter seiner Handfläche und vertraute Amandin, dass sie ihn durch diesen Zauber leiten würde. Das hatte sie schon getan und darin bestand ihre besondere Verbundenheit.
„Wenn du diesen Zauber in ferner Zukunft vielleicht einmal gemeistert hast, dann wirst du nie wieder einen Meißel oder ein anderes Werkzeug benötigen um den Fels zu formen. Er wird sein wie du. Weich und hart, formbar und stark und um so besser du wirst, um so länger wird er seine Form behalten können. ...Jetzt versuchen wir es erst ein mal für ein paar Herzschläge lang... „
Amandin legte den ausgewählten Stein in Amants freie Hand und ihre eigene darüber. Sofort fühlte Thomas das wohl bekannte kribbeln und den Drang seiner Herrin zu folgen. Sie saßen sich mit gespreizten Beinen auf der Bank gegenüber und Amandin schloss ihre Augen. Thomas tat es ihr gleich und ließ sich von dem Gefühl leiten, dass sie in ihn sandte.
„Spüre ihn...fühle ihn...ertaste seine Oberfläche...seine Haut...seine Seele... sein Herzschlag...“
Tatsächlich schien der Stein in Thomas Hand einen kleinen Herzschlag zu haben... sehr undeutlich noch, aber doch....vielleicht nur ein Echo seines eigenen Pulses, aber Amandin hatte gesagt, er müsse vergessen, was sein Stein konnte und was nicht. Also, dieser Stein hatte einen Herzschlag.
„Fühle seine Haut, seine Weichheit, die Stärke seiner Muskeln, die Steifheit seiner Knochen, das weiche Fett und die Wärme... fühle deine Wärme in ihm, fühle dein Leben in ihm...lass nichts zurück. Vertraue ihm. Er vertraut dir!“
Vorsichtig drückten Amandins Finger Thomas Fingerspitzen in den Stein... und dieser gab nach, wie das Fleisch eines Armes und langsam formte sich in seinem Bewusstsein ein fünfter Zauber:

((ooc: 5. Zauber: "Ganz und gar dein!" – Der Zauberer schenkt dem Stein seiner Wahl sein volles Vertrauen und sogar ein kleinen Teil seines Lebens. Dieser geht im Gegenzug eine Art zeitweilig begrenzte, vom Grad des Magiers abhängige Verschmelzung mit dem Zaubernden ein. Unter der Berührung wird selbst der härteste Fels so weich wie der Zauberer selbst. Dies befähigt ihn z.B. sich durch massiven Fels zu bewegen, oder den Stein nach seinem Willen zu formen, jedoch kehrt der Stein nach Ende des Zaubers in seine Ursprungsform zurück. Meister dieses Zaubers können die Veränderung permanent machen, oder gut geübte Magier können so z.B. durch Wände gehen, ohne Spuren zu hinterlassen. Einen Nachteil hat der Zauber jedoch. Solange die Verschmelzung anhält, bleibt Atmung und Herzschlag des Zauberers stehen, weswegen es wichtig ist einen wohl gesonnenen Stein zu finden, der einen auch wieder frei gibt, wenn der Magier den Zauber beendet. Einen einmal so bezauberten Stein kann man auch weiter verarbeiten.))

Deutlich fühlte Thomas die Verbundenheit. Er war der Stein und der Stein war er. Sie teilten sich eine Lebensenergie, wobei die des Steins schwer auf seinem Herzen und seiner Lunge zu lasten begann. Der Drang zu atmen war im Menschen übermächtig, aber einem Stein egal. Doch sein Stein mochte ihn genügend um ihn frei zu geben, als der Drang zu groß wurde. Verdutzt sah Thomas auf den Stein in seiner Hand. Seine Finger waren in das harte Material eingesunken und waren nun darin gefangen. Amandin strich über seine Wange.
„Gleich noch mal.“
Thomas fühlte sein Herz noch etwas holperig schlagen und rang ein paar mal tief nach Luft, aber jetzt, da er wusste wohin die Reise ging, da war sein Wissensdurst geweckt. Amandin legte ihre Hand wieder auf seine, die im Stein gefangen war und sie schlossen wieder die Augen.

Der nächste Versuch war von Erfolg gekrönt. Als Thomas dieses Mal die Augen öffnete, war aus dem unförmigen Stein eine nahezu perfekte Kugel geworden, die noch gut 20 Herzschläge lang ihre Form hielt und dann sich wieder zurück verwandelte in ihre Ausgangsform. Thomas Kreislauf litt etwas bei den Versuchen, aber er war ein starker großer Mann, der auf ein paar Atemzüge gern verzichten konnte zugunsten seiner Magie. Später nahm Amandin ihm seinen Stein ab und Thomas fühlte fast körperlich den Verlust. Dafür zeigte sie ihm etwas neues:
„Hier... sieh zu.“
Sie legte den Stein unter eine Presse und zerdrückte ihn zu kleinen Kieseln. Diese kamen dann in einen Mörser und wurden zu einem Pulver zerrieben.
„Wenn man jetzt noch etwas Blut opfert, kann sogar ein Fremder die Magie in ihm nutzen.“
Sie lächelte, schnitt sich in den Unterarm und ließ etwas Blut in den Staub tropfen. Nachdem sie das ganze zu einer cremigen Masse zerrieben hatte, trug sie eine winzige Menge auf ihre Hand auf. Dann ging sie zu dem Tisch mit den Obsidian-Stücken und tauchte ihren Zeigefinger in einen der größeren Felsbrocken.
„Mit Blutmagie kann man einige Zauber, die sonst nur auf dich selbst wirken auch auf andere übertragen. Und das brauchen wir um unseren fernen Freund zu helfen. Bist du bereit noch einen Stein zu erwählen und etwas Zauberstaub herzustellen?“
Thomas fühlte sich durchaus noch kräftig genug.
„Willst du das für einen Fremden tun? Bzw. für Obsidian...oder mich? Du musst nicht. Ich würde es auch selbst tun, aber ich bin noch etwas geschwächt und ich habe das Gefühl, die Zeit drängt bei unserem Freund.“

So oder so, an diesem Abend wurde ein kleines Päckchen mit einem undefinierbaren schwarzen Pulver auf die Reise geschickt. Das Begleitschreiben enthielt nur den Hinweis:
**Purpurne Flüsse bringen 20 Schläge Veränderung.**
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Re: Gestrandet in Andunie

Beitrag von Thomas Mercer » Samstag 12. Oktober 2019, 17:43

"Ich tue alles...damit dieser Gedanke ...nicht zur Wahrheit wird." Ihre wispernden Worte hallten in seinem Geist nach. Er glaubte ihr. Er vertraute ihr – und gleichzeitig schämte er sich für sein Vertrauen, denn damit legte er ihr eine ungeheuerliche Bürde auf. Er seufzte und schloss sie fester in seine Arme, versuchte ihr Halt zu geben und sie zu stärken. Sie ruhte in seinen Armen und es schien, als ob ihr Körper bei jedem Atemzug noch etwas näher an den seinen rückte, als wollte Amandin gänzlich mit ihm verschmelzen.... genau so wie sie es mit den Gesteinen getan hatte, genau so wie sie es tat, wenn sie sich liebten und sie sich von seinen Energien nährte – nur diesmal auf einer ganz substanziellen Ebene.
Thomas wich ihr nicht von der Seite. Er wachte über seine Herrin und doch kümmerte er sich auch um seine eigenen grundlegenden Bedürfnisse. Er musste dies tun. Er musste stark sein, bereit sein für alle Herausforderungen, die da auch sie zukommen würden. Er konnte seine Herrin nicht belasten, indem er selbst Schwäche zeigte. Himmel, was hatte er ihr mit seiner Familie nur zugemutet! Er hatte sie so viel Kraft gekostet!
Still horchte er in die Nacht hinein. Lauschte dem Schweigen der Steine. Auch sie nahmen sich zurück, gönnten ihrer Herrin Ruhe und Erholung. Frieden kehrte ein und Thomas fühlte sich plötzlich wieder ruhig und mit jeder Stunde die verging, spürte er wie die Energie in seine Herrin zurückkehrte. Irgendwann wurde er jäh durch ein Klopfen an der Tür aus seinem Trancezustand geweckt.

«Herein» Murmelte Amant etwas heiser. Vorsichtig drückte er seine Herrin, die ebenfalls erwachte und Obsidian entgegenblickte, der soeben seinen Kopf in die Tür gestreckt hatte. Sie beide setzten sich im Bett auf, als ihr treuer Diener hereintrat und sich vor seiner Herrin niederkniete.
Amant stützte seine Herrin und legte einen Arm um sie, als wollte er sie weiterhin wärmen. Bisher war es noch nicht oft vorgekommen, dass er ihr auch bei solch wichtigen geschäftlichen Angelegenheiten beiseite stand.

„Es ist ein Brief aus der Heimat angekommen. Da ich das Siegel kenne... seht selbst.“ Amant musterte die Briefrolle argwöhnisch. Sofort registrierte er, wie sich die Muskulatur seiner Herrin anspannte. Die Anwesenheit dieses Dokument schien Amandin zu überraschen und zwar definitiv nicht im positiven Sinne. Das war beunruhigend. Sie las den Brief konzentriert durch, mehrmals, bis sie einige Stelle davon in ihrer Muttersprache rezitierte. Amant verstand kein einziges Wort und Leirum klang für einen Aussenstehenden per se beunruhigend und bedrohlich.
„Ich glaube hier schreibt ein guter alter Freund unter falscher Flagge. Es muss wichtig sein, wenn er es wagt seinen Herrn so zu unterwandern.“ Thomas konnte nicht ganz folgen. Bisher war er nie ganz direkt ins politische Intrigenspiel seiner Herrin integriert gewesen. Er tauschte einen kurzen, unruhigen Blick mit Obsidian aus, ehe seine Herrin sich wieder direkt an ihn wandte und den Brief für ihn übersetzte. Amant sog ihre Worte in sich aus, versuchte sich die politische Dimension und die möglichen Konsequenzen einer Einmischung auszumalen, doch er scheiterte schon bei der Vorstellung. Er wusste zu wenig über die dunkelelfischen Sitten und er konnte auch nicht einschätzen, wer dieser Erbe des Hauses Rasverath sein sollte, der nun als Vorschub diente für einen geheimnisvollen Freund. Wer war dieser Freund und von wem wurde er offenbar bedroht? Fragen über Fragen. Zumindest Obsidian und Amandin schienen Bescheid zu wissen und das war das Entscheidende.
Thomas war sich nicht ganz sicher, welche Rolle er bei der ganzen Sache spielen sollte. Er konnte nur vermuten, dass für den geforderten Zauber sehr viel magische Energie vonnöten sein würde. War er selbst mächtig genug für solch einen Zauber oder brauchte Amandin ihn als Energiespender?
„...Er bittet um Hilfe. Der erwähnte Zauber ist wohl der eigentliche Kern. Das ganze drum herum, kann wahr sein, oder auch nicht. ...Könnt ihr ihm helfen?“ Also stimmte die Geschichte möglicherweise gar nicht? Ging es nicht um ein Geschenk? Ging es nicht um eine Demütigung? Amant konnte nicht folgen was genau die Absicht des geheimnisvollen Freundes war und wofür er den Zauber genau nutzen wollte.
„Sorge dich nicht, mein schwarzer Obsidian... Ich habe schon härtere Steine zum erweichen gebracht und außerdem...“ Bezog sich dieser geforderte Zauber wirklich auf einen Zauber, wie sich Amant dies gerade vorstellte oder benutzte der Schreiber eine Metapher? Ging es wirklich um eine wahrhaftige Statue, oder war mit Zauber vielleicht auch die Fähigkeit von Amandin gemeint, Leute für sich einzunehmen und um den Finger zu wickeln? Aber welche Rolle sollte Thomas denn in einem solchen Zusammenhang spielen? Mit jeder Andeutung, taten sich neue Fragen bei ihm auf. Ausserdem registrierte er die emotionale Beteiligung von Obsidian. Der Freund schien ihm viel zu bedeuten.
Plötzlich ruhten sowohl die Blicke des Kriegers wie auch jene seiner Herrin auf ihn und Amant fühlte sich seltsam ertappt. Er hatte das Gefühl, etwas ganz Grundsätzliches nicht mitgeschnitten zu haben. Eine gewisse Nervosität lag in seinen Augen – dabei hatte er sich doch vor wenigen Stunden gerade noch vorgenommen ab jetzt besonders stark zu sein!

„... außerdem haben wir jetzt Hilfe.“ Amant schluckte leer und nickte. Er war sicherlich bereits zu helfen...er wusste nur nicht, auf was genau er sich da gerade einlassen würde.
„Obsidian, bitte bereite mein Labor vor. Ich brauche auch etwas zu essen... etwas süßes vielleicht. Amant wird mir helfen, aber ich bin gerade etwas schwach...“ Plötzlich kam neue Energie ins Zimmer. Die Stimmung hellte sich auf. Aufbruch lag in der Luft – als würde es ihr Spass machen, was immer ihnen bevorstand. Das machte Amant nur noch konfuser. Osbidian schien überglücklich zu sein, küsste die Knöchel seiner Herrin und machte sich sofort an seine Aufgaben.

„ „Ich mach ihn so gerne glücklich...“ Amant nickte nur und sah sie weiterhin fragend an. Seine Herrin erbarmte sich ihm und klärte ihn endlich auf. Seine Nackenhaare stellten sich auf, als sie ihm über die Brust strich und er erinnerte sich nur zu gerne an seinen letzten Aufenthalt im Labor... der ja für ihn ziemlich prickelnd gewesen war. Er war jeder Zeit bereit wieder...ganzen Körpereinsatz zu leisten... Er schmunzelte verschmitzt und nickte.
„..mit dir, sollte es gehen und wenn du Basalt hilfst, dann hast du in Obsidian einen Freund fürs Leben.“ «Wenn es in meiner Macht steht, will ich helfen, Herrin!»
„...die beiden waren lange ein Paar, musst du wissen. Und zusammen waren sie einfach...“ Amant bis sich auf die Zähne. Er mochte Amandin ihre Freude gönnen doch der Stachel der Eifersucht traf ihn dennoch. Ihm gefiel besonders die Betonung auf «waren». Damit konnte er sich mit dieser Aussage versöhnen. Amant gönnte seine Herrin wohlige Erinnerungen von Herzen. Ohnehin beflügelte es ihn, sie so voller Tatendrang zu sehen. Das ganze Leben war wieder in ihren Körper zurückgekehrt und sie war hier, bei ihm. Bei ihrem härtesten Stein auf dem Spielbrett.
Sie überrumpelte ihn völlig, als sie sich näher an ihn heran schmiegte und ihre Hand zielgerichtet zwischen seine Beine führte. Er zuckte zusammen, als sie seinen Körper berührte. Noch immer hatte er sich nicht auf diesen einfachen und unmittelbaren Zugriff auf die intimsten Stellen gewöhnt. Umso empfänglicher reagierte aber sein Körper.

„Der Zauber, den ich dir beibringen werde, der ist sehr praktisch... wenn man ...zum Beispiel irgendwo einbrechen will und keine Spuren hinterlassen möchte...Das Basalt als Ausgangsmaterial Obsidian erwähnt,...das macht die Sache schwierig, aber nicht unlösbar. Das alles klang für ihn noch immer etwas kryptisch und Amandins Hand trug nicht gerade dazu bei, dass Amant rationaler denken konnte. Seine Atmung wurde tiefer und er legte seinen Kopf leicht in den Nacken und schloss kurz die Augen, ehe er sie wieder ansah. Er wusste, dass sie es liebte seine Reaktionen auf ihre Berührungen zu beobachten. War mit Obsidian wirklich das Gestein gemeint...oder der Sicherheitschef?
Er kam nicht dazu, seinen Gedanken weiterzuspinnen, denn Amandin drückte ihn sanft ins Bett zurück und setzte sich auf ihn.
„Ich möchte, dass du diesen Zauber anfertigst... und ich werde dich leiten...aber dafür brauch ich ein bisschen Energie von dir...“ Es war das letzte, was sein Verstand noch wahrnahm. Danach regierte die Lust und seine ganze Existenz reduzierte sich auf die Empfindungen seines Körpers, von dem Amandin ein bisschen Energie forderte.

Einige Zeit später begaben sich die Zwei zum Labor. Ein süsser Geruch lag in der Luft und nach der Stillung der Fleischeslust kam nun auch der Hunger. Amant stand zwar eher der Sinn nach Schweinshaxen und sonstigen deftigen Speisen – Amandin forderte nämlich jeweils doch ziemlich viel Energie von ihm, in allen Beziehungen – aber Süssspeisen würden ebenfalls ihren Zweck erfüllen. Schliesslich wurde er an einen Tisch mit Obsidianen geführt – es ging also offenbar wirklich um Steine im wortwörtlichen Sinne – und er sollte ein Wahl treffen und «seinen» Stein küren.
Stell dir vor, du triffst einen alten Freund wieder, der ohne Fragen zu stellen, dir sofort zur Seite stehen würde, mit dir in den Krieg zieht, dich umarmt und dir sein Haus schenkt, dich mit seiner Tochter verlobt....so etwas in der Art. Thomas wähnte sich für einen kurzen Moment zurück auf dem Bauplatz. Seine Freunde! Wie wenig hatte er an sie gedacht! Wie es ihnen wohl ging? Geison... er wäre ein solcher Freund! Verdammt er vermisste sogar Rasmussen, obwohl der manchmal ein echtes Arsch sein konnte. Er blickte auf die Steine nieder und da lagen sie, seine Bautruppe. Zuerst wählte er den Meisterstein – Rasmussen, doch dieser dachte gar nicht daran sich auf ihn einzulassen und sich gegebenenfalls sogar unterzuordnen. Typisch Steinmetzmeister! Die waren für jeden Hahnenkampf zu haben. Aber Rasmussen war durchaus auch ein verdammt fähiger Steinmetz, sie sprachen dieselbe Sprache, deshalb hatte er ihn gewählt. Aber vielleicht ging er die Sache falsch an. Er brauchte keinen Stein der ihm ebenbürtig war, sondern einer der ihn ergänzte.

Seine Wahl fiel auf den Architektenstein: Geison. Irgendwie beruhigte es ihn, dass seine Herrin diese Wahl auch getroffen hatte. Bei ihrem ersten Zusammentreffen hatte sie sich noch argwöhnisch gegenüber Geison gezeigt. Aber vielleicht erkannte sie inzwischen seinen Wert. Zumindest tätschelte sie gerade zufrieden den Geisonstein – was schon einmal ein Anfang war. Er setzte sich neben sie und lauschte ihren Worten. Dem Stein vertrauen. Blindlings. Nichts geringeres erwartete sie von ihm. Das klang banal, doch in ihren Worten schwang auch etwas Bedrohliches mit.
…, sonst wird es dich töten... Was wenn er nicht am Vertrauen, sondern an seinen festgefahrenen Vorstellungen von Steinen scheiterte? Er wusste ganz genau was sie konnten und was nicht, wie sie sich formen liessen und wie nicht. Er hatte Steine sein Leben lang studiert – all das musste er nun aufgeben? Sie legte den Stein in seine Hand. Ihr Herzschlag leitete ihn an. Amant schloss seine Augen. Nie mehr einen Meissel benutzen? Unmöglich! Nein...Möglich! Ihn alleine durch seine Macht formen? Un... MÖGLICH!

„Spüre ihn...fühle ihn...ertaste seine Oberfläche...seine Haut...seine Seele... sein Herzschlag...“ Wie sollte dies nur gehen wo doch ein Stein keine.... doch dann fühlte er es. Er fühlte das Pulsieren und er merkte auf welchen Weg er sich begeben musste, um den Zauber wirken zu können. Sein Verstand musste weichen und er musste sich ganz auf seine Sinne verlassen – auf seinen Körper. Ds war ja nichts neues, schliesslich hatte er immer seinen Händen vertraut. Sie hatten den Stein geformt, nicht sein Verstand...und plötzlich gab der Stein unter seinen Fingern nach. So wie seine Finger in den Stein eindrangen, drang der Stein in seinen Körper ein. Drückte auf sein Herz, lähmte seine Lungen...bis sie anfingen zu brennen und seine Überlebensinstinkte überhandnahmen. «Verzeih mir». Keuchte Thomas stumm und es war eine bitte an seinen Freund Geison.... und der Stein vergab ihm und gab seine Lungen frei. Keuchend schnappte er nach Luft und für einen Moment wurde er von den Erstickungsängsten geflutet. Es dauerte ein paar Sekunden bis er sich beruhigte und sein Herzschlag sich wieder normalisierte. Erst jetzt registrierte er, dass es wirklich passiert war. Seine Finger waren wirklich in den Obsidian eingedrungen!

Es war möglich! Er hatte es soeben getan! „Gleich noch mal.“ Er sah seine Herrin an und dann wieder auf den Stein. Was für ein Potenzial weckte sie da gerade in ihm? Sein Ehrgeiz wurde geweckt und seine Leidenschaft. Er liebte es Steine zu Formen und hier tat er es auf eine solche substanzielle Art, wie er es noch nie zu vor in seinem Leben getan hatte! Mit dieser Magie...war er auf dem Weg zur wahren Perfektion! Perfektion! Diese generierte er in Form einer Kugel. Doch die Perfektion war nicht von Dauer, nach einigen Herzschlägen nahm der Stein wieder seine ursprüngliche Form an. Thomas liebte ihn. Er wollte diesen Stein nicht mehr missen, doch Amandin griff ein und nahm ihn weg. Abermals erlebte der Steinmetz den Verlust seines Freundes, der so nah war und doch unerreichbar für ihn. Das machte ihn sichtlich betroffen.

Er beobachtete seine Herrin dabei, wie sie seinen Stein nahm und diesen zerdrückte und daraus ein Pulver herstellte. Er verzog sein Gesicht, als sie sich in den Unterarm schnitt. Er mochte es nicht, wenn sie sich verletzte und er litt unter dem Verlust seines Steines. Er beobachtete, wie sie ihre Finger in den Felsen tauchte. Nun sollte er selbst das Pulver für diesen Freund herstellen. Es war eine grosse Verantwortung, die sie ihm da übertrug und gleichzeitig auch eine grosse Geste ihres Vertrauens. Er nickte. Er tat es für sie und für Obsidian. Beide waren ihm sehr ans Herz gewachsen.
Nur welchen Stein sollte er diesmal wählen? Louisa? Beth? Nein... zu belastet die Beziehung, zu gross die Angst, dass sie ihn nicht loslassen würden. Baptiste? Sein Schützling. Sein Schüler. Baptiste sollte es sein. Es gehörte zur natürlichen Beziehung zwischen Meisterund Schüler, dass letzterer dereinst in die Welt entlassen werden würde, um in die Dienste anderer gestellt zu werden. Er würde dem geheimnisvollen Freund sein Baptistestein schicken. Sein grösstes Talent.

Er nickte Amandin zu und liess sich das genau Vorgehen nochmals erklären. Er fühlte sich kräftig genug den Zauber nochmals zu wirken. Zumal er ja Stärke zeigen wollte. Also war dies sicherlich nicht der Moment um zu kneifen. Er wollte helfen, wollte sie beide glücklich machen. Vorsichtig wählte er einen neuen Stein. Strich über seine Oberfläche. Küsste ihn väterlich. «Ich schicke dich auf eine Reise...mein Schüler... ich lass dich gehen.» Hauchte er und vollzog das Ritual. Er verband sich mit dem Stein... und spürte alsbald sein Gewicht auf seinem Herzen und seinen Lungen. Ich geb dich frei, mein Schüler. Geh in die Welt und mach deinen Meister stolz. Trau dich, spann deine Flügel auf und geh!

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Re: Das Anwesen der Familie Belyal Sinth

Beitrag von Erzähler » Dienstag 15. Oktober 2019, 09:28

Nun sollte er also selbst das Pulver für diesen fernen Freund herstellen. Es war eine große Verantwortung, die sie ihm da übertrugen wurde und gleichzeitig auch eine große Geste ihres Vertrauens. Er nickte. Er tat es für sie und für Obsidian. Beide waren ihm sehr ans Herz gewachsen.
Nur welchen Stein sollte er diesmal wählen? Louisa? Beth? Nein... zu belastet die Beziehung, zu groß die Angst, dass sie ihn nicht loslassen würden. Baptiste?
Sein Schützling.
Sein Schüler.
Baptiste sollte es sein! Es gehörte zur natürlichen Beziehung zwischen Meister und Schüler, dass letzterer dereinst in die Welt entlassen werden würde, um in die Dienste anderer gestellt zu werden. Er würde dem geheimnisvollen Freund sein Baptistestein schicken. Sein größtes Talent.
Er nickte Amandin zu und ließ sich das genau Vorgehen nochmals erklären. Er fühlte sich kräftig genug den Zauber nochmals zu wirken. Zumal er ja Stärke zeigen wollte. Also war dies sicherlich nicht der Moment um zu kneifen. Er wollte helfen, wollte sie beide glücklich machen. Sie und auch Obsidian. Vorsichtig wählte er einen neuen Stein. Strich über seine Oberfläche. Küsste ihn väterlich.
„Ich schicke dich auf eine Reise...mein Schüler... ich lass dich gehen.“
, hauchte er und vollzog das Ritual. Er verband sich mit dem Stein... und spürte alsbald sein Gewicht auf seinem Herzen und seinen Lungen. Er hielt es so lange aus, wie er konnte, doch dann musste er sich lösen um keinen bleibenden Schaden seiner Gesundheit zu riskieren. Amandin leitete ihn durch diesen Zauber und rief seine Seele wieder zu sich zurück. Thomas löste sich von seinem „Baptistestein“ mit dem Gedanken:
Ich geb dich frei, mein Schüler. Geh in die Welt und mach deinen Meister stolz. Trau dich, spann deine Flügel auf und geh!
Der Nachhall eines Gefühls echote in seinem Kopf, als er den Zauber wirkte. Es war das Gefühl, dass der Stein seinen Meister stolz machen wollte, nur mit dem Flügelvergleich war etwas Verwirrung in den Zauber geraten. Aber Thomas würde wissen, wenn der Zauber erfolgreich ausgelöst wurde, dieses Versprechen gab ihn sein Baptistestein.
Amant vollendete die Prozedur in dem er den Stein zerrieb und dann den Staub in einen winzig kleinen Beutel füllte, der fest verschlossen wurde. Mit ein paar Tropfen Blut des Anwenders würde der Zauber aktiv werden und die Macht darin konnte sich übertragen. Ein Zauber, der sogar Obsidian weich wie Pudding werden ließ um dann nach wenigen Atemzügen in seine starre Form zurück zu kehren. Während der weichen Phase, da könnte man jedoch selbst diesem harten Gestein eine neue Form geben. Thomas verstand auch jetzt, was Amandin gemeint hatte, als sie davon sprach, dass dieser Zauber auch eine gute Möglichkeit war um z.B. unbemerkt irgendwo einzudringen. Selbst eine Schatulle aus Obsidian würde dieser Magie nicht stand halten, die auf so grundlegender Ebene das Material für einen gewissen Zeitraum veränderte.
Thomas hatte einen neuen Zauber kennen gelernt. Er konnte ihn zwar noch nicht ganz alleine wirken, da er noch ein bisschen über seinen Fähigkeiten lag, aber mit Amandin zusammen gelang es und er fühlte, wie man einen Stein erweichte. Damit öffneten sich ganz neue Wege. Wenn er weiter fleißig mit ihr trainierte, dann würde er durch sie schnell zu einem starken Magier der Erdmagie werden.

((ooc: 5ter Zauber: "Ganz und gar dein!" – Der Zauberer schenkt dem Stein seiner Wahl sein volles Vertrauen und sogar ein kleinen Teil seines Lebens (Energiereicher Zauber). Dieser geht im Gegenzug eine Art zeitweilig begrenzte, vom Grad des Magiers abhängige Verschmelzung mit dem Zaubernden ein. Unter der Berührung wird selbst der härteste Fels so weich wie Pudding. Dies befähigt den Magier z.B. sich durch massiven Fels zu bewegen, oder den Stein nach seinem Willen zu formen, jedoch kehrt der Stein nach Ende des Zaubers in seine Ursprungs-härte zurück. Meister dieses Zaubers können die Veränderung permanent machen, oder gut geübte Magier können so z.B. durch Wände gehen, ohne Spuren zu hinterlassen. Einen Nachteil hat der Zauber jedoch. Solange die Verschmelzung anhält, bleibt Atmung und Herzschlag des Zauberers stehen, weswegen es wichtig ist, sich so schnell wie möglich hindurch zu bewegen und einen wohl gesonnenen Stein zu finden, der einen auch wieder frei gibt, wenn der Zauber endet. - Einen einmal so bezauberten Stein kann man auch weiter verarbeiten und z.B. zu einem Pulver zerreiben, dann mit dem Blut einer dritten Person mischen und so kann die Magie auf einen anderen Stein übertragen werden. Maximale Zauberdauer: 2 min, sonst verbleiben körperlich irreversible Schäden.))

Als Thomas mit allem fertig war, sah er müde auf zu Amandin, die hinter ihm stand und seine Schultern streichelte.
„Ich bin stolz auf dich. - Und ich danke dir. Unser Freund Basalt wird sicher etwas großes damit bewirkten.“
Auch Obsidian, der etwas abseits stand und mitgefiebert hatte, nickte Amant zu und unausgesprochenes lag zwischen den beiden Männern. Thomas wusste, er hatte bei dem Dunkelelfen jetzt etwas gut UND er war in seinem Ansehen gestiegen. Obsidian reichte ihm wie einem gleichgestellten Krieger die Hand und Thomas bekam seinen Unterarm zu fassen.
„Das bedeutet mir viel!“
, sagte er kurz angebunden und entschuldigte sich dann eilig, um den kleinen Zauberbeutel mit dem Pulver, zusammen mit ein paar Zeilen von Amandin an das Haus Resverath zu schicken.

Thomas/Amant und seine Herrin waren wieder allein und kaum, da die Anspannung von ihnen abfiel, da fühlten sie wohl beide eine steinerne Müdigkeit über sie herein brechen. Gut, dass Obsidian vorgesorgt hatte und gleich hier im Labor eine gemütliche Ecke mit Decken und Kissen ausgestattet hatte. Amandin wankte nur noch müde auf die Kissen zu, ließ sich fallen, steckte die Arme suchend nach ihrem Amant aus, zog ihn hinter sich und sie schliefen aneinander gekuschelt ein. Ein großer und ein kleiner Löffel.



Thomas wusste nicht wie lange er geschlafen hatte, aber sein Schädel brummte, als hätte sich ein ganzes Gebirge darin manifestiert. Er hörte eine leise weibliche Stimme zwischen dem dumpfen Brummen, das seine Ohren von sich gaben:
„Du musst trinken! Viel Wasser, damit dein Blut wieder fließen kann!“
Ah – Rubin kümmerte sich um ihn.
„Los komm schon, du großer Kerl! Setzt dich auf, damit ich dir das hier einflößen kann...“
Ihre kleine Hand zerrte an seiner Schulter und mühsam half Thomas mit in eine halbwegs aufrechte Position zu gelangen. Rubin drückte ihren Arm in seinen Rücken und eine Tasse an seine Lippen. Das Gebräu, dass er da trinken musste, war mal wieder ekelhaft, … aber es half!
Nach zwei gewürgten Schlucken wurde es besser und der Druck in seinem Schädel ließ nach. Auch die Schwere in seinen Beinen und Armen linderte der Trank und bald kam er wieder allein auf die Beine. Um den grässlichen Geschmack im Mund wieder los zu werden gab es ein deftiges Frühstück mit Rührei, knusprigem Speck und dunklem Brot. Dazu gab es noch ein schwarzes Getränk, dass Thomas nicht kannte. Es war ein wenig bitter, aber weckte die Lebensgeister. Rubin leistete ihm derweil Gesellschaft und kontrollierte noch ein paar Mal seine Gesichtsfarbe, ließ ihn die Zunge raus strecken und fühlte seinen Herzschlag.
„Gut... Du erholst dich schnell. Bist ja auch ein großer Kerl.“
Sie lachte und sprach grinsend weiter, als freute sie sich über etwas, das jetzt kommen sollte.
„Amandin lässt dir etwas ausrichten. Sie musste weg und hat dir heute – also genauer gesagt und beiden – FREI gegeben!!!“
Rubin grinste über das ganze Gesicht. Sie war eine hübsche Frau und auch wenn sie schon etwas älter war, so hatte das fröhliche Funkeln in ihren Augen seinen Reiz. Mit Mitte 40 hatte sie noch erstaunlich straffe Haut und durchaus volle weibliche Kurven. Eine Frau wie sie konnte sicher auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück greifen und wusste wie man das Blut eines Mannes in Wallung brachte. Aber Rubin hielt sich bei Amant immer zurück. Sie waren mehr Freunde, wenn gleich er bei der Orgie auch sie beglückt hatte, ...erinnerte er sich dunkel. Trotzdem war sie in ihrer Rolle hier im Haus, doch eher eine Mutter. Sie kümmerte sich um alle und sorgte für jeden. Ihre Zuneigung hatte etwas warmes, nicht die heiße Glut die von Amandin ausging. Das hier war anders, weicher, langsamer und gemütlicher.
„Wir dürfen heute machen was wir wollen. Es gibt nur eine Regel! Wir müssen es gemeinsam tun. Hihihi.“
Amandin war wirklich schlau. Rubin würde natürlich auf Amant aufpassen, dass er nicht in Schwierigkeiten geriet. Sie war eine der erfahrensten Personen in ihrem Haushalt.
„Sie hat mir auch gesagt, dass du vielleicht gern dir die Baustelle ansehen würdest... DAZU hätte ich auch Lust. Du kannst aber auch andere Vorschläge machen. Wenn wir uns einig sind, dann können wir alles machen.“
Sie lächelte breit.
„Also – Was würdest du gerne machen?“
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