Krankenzimmer C14

Nicht zu verwechseln mit der Heil und Irrenanstalt, ist das große Reichshospital von Pelgar, welches hauptsächlich für die Streitkräfte bestimmt ist, jedoch in einem eigens angebauten Siechenhaus auch Zivilisten aufnimmt.
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Re: Krankenzimmer C14

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 18. März 2009, 23:13

Der eine der beiden gepanzerten Soldaten, nämlich jener der die Türe eingebrochen hatte, hielt sich die Schulter. Offenbar hatte er sich doch vor Augen der Schwester Waltraut ziemlich angestrengt um eine gute Figur abzugeben. Nichts mochte wohl einem Mann peinlicher sein als wenn er bei einem Stärkebeweis versagte. Es war doch interessant dass solche zwischenmenschliche Subgeschichten auch noch vonstatten gingen wenn schreckliches geschehen war. Ein Indiz dafür dass die Welt dazu verdammt war sich einfach immer weiter zu drehen –egal was geschah. Nur das Individuum selbst konnte in diesem System starr werden und verblassen… so wie dies bei Shantih irgendwann geschehen würde. Jetzt noch nicht aber es brauchte im Vergleich zum alter Celcias eine lächerliche Anzahl von Jahren um ihre Existenz vergessen machen zu lassen. Dies war ein Schicksal mit welchem sich jeder auf seine Weise arrangieren musste. Einige haben dabei keine Mühe einfach von der Welt zu scheiden wie sie geboren worden waren. Andere hingegen streben ein Leben lang dem Ziel entgegen nie sterben zu müssen. Das sind Helden… oder Schurken doch in ihrem Antrieb sind sie gleich: Sie wollen möglichst etwas grosses, noch nie dagewesenes oder so überwältigendes/schockierendes tun, dass an sie gedacht wird.

Welche Dimensionen so was „schockierendes“ haben musste um länger als ein paar Jahre in den Köfpen der Celcianern verankert sein zu können zeigte sich anhand kleiner Beispiele. So schlimm Kazels Tat auch war sie würde eingehen als eine von vielen schrecklichen Geschehnisse in der Stadt. Er würde sich damit keinen Namen machen. Er selbst würde gar irgendwann vergessen gehen… doch konnte dies ein Trost sein? Wohl kaum. Die tragik seiner Geschichte könnte sich höchstens durch einen Barden im Gedächtnis der Zeit manifestieren indem man besang welch schreckliches Unglück einem jungen sich im Grunde liebenden Paar zugestossen war. Doch noch bleibt offen wie das Stück oder das Lied des Kazel Tenebrées endet.
Zurück von der Ausschweifung der Welt zu jenem Mann der zum Mörder geworden war.

Es herrschte ein gewaltiger Sumpf widersprüchlicher Emotionen im Raum welche von Angst, zur Anspannung bis hin über Wut und Verzweiflung so ziemlich alles beinhaltete was ein gutes Magengeschwür nähren könnte.

Jener Söldner der noch immer sein wohlpoliertes Schwert auf den straffälligen Verrückten gerichtet hielt verstärkte seinen Griff um den Knauf noch mehr als Kazel sich endlich zu ihm umdrehte. Ihre Blicke trafen sich kurz. Angst war auch in den Augen des Söldners zu lesen. Diese hatte jeder, egal für wie furchtlos er sich verkaufte. Ein Soldat der keine Angst mehr kannte war schneller tot als jeder ungeübte Waffenjunge. Doch in ihm ruhte auch eine beinahe schon beängstigende disziplinierte Entschlossenheit dafür zu sorgen dass dieser Mörder jenen Rau in dem er sich gerade befand nicht ohne Festnahme verlassen würde. Das Privileg der Freiheit, hatte sich der Mischling definitiv verspielt.

Vielleicht stellte sich der Soldat bereits heimlich vor wie Kazel aufs Rad gespannt wurde um in der gleissenden Sonne die letzten Atemzüge seines schändlich gewordenen Lebens zu tun… und wenn man bedachte welch Grauen er ahnte – denn das Entsetzen der Anwesenden unten bei der Leiche war bis nach oben zu hören – war seine Wut und sein Wunsch nach Vergeltung sicherlich verständlich .

Babs welche den ersten Blick des Mörders erhielt sah einen Fremden. Eine Person die sie nicht kannte und niemals würde kennenlernen wollen. Es ängstigte sie dass der normalste ihrer Truppe sich gerade als der Verrückteste herausgestellt hatte. Ihr schauderte es bei dem Gedanken was er ihr auch hätte antun können. Sie ekelte sich davor dass sie ihn ja erst immer wieder hatte verführen wollen! Welch Glück hatte das nie geklappt! Vielleicht war dieser Kazel ein Frauentöter. Ein perverser Lüstling der sich daran ergötzte seine Gespielinnen erst sexuell auszubeuten nur um sich dann ihrer zu entledigen wenn sie ihm überdrüssig erschienen .Ja… sogar DAS traute sie ihm plötzlich zu. Sie zweifelte an ihrer eigenen Menschenkenntnis und wurde durch dieses Ereignis in ihrem tiefsten Urvertrauen massiv Verunsichert . Dies alles waren direkte Reaktionen auf Kazels tat, der eigentlich ja nur an sich gedacht hatte und mögliche Konsequenzen blind gegenüber gestanden war und selbst jetzt schien er nur bedingt aus seiner Trance zu erwachen.

„Beweg dich langsam Junge! Ich will deine Hände sehen!“ Der Söldner hörte sich mit jeder Bewegung die Kazel tat angespannter an. „Auf die Knie! AUF DIE KNIE!“ Befahl er doch erhielt keine Reaktion. Stattdessen kam der Mörder ihm näher. „Stopp! Keinen Schritt weiter ich warne dich!“ Doch Kazel hörte den Söldner gar nicht.

Als Kazel meinte man sollte Babs doch aus dem Spiel lassen schaute sie beinahe schon flehentlich zu der völlig verstummten Waltraut. Die Alkoholikerin wollte nichts lieber als gehen. Diesen schrecklichen menschlichen Irrtum einfach hinter sich lassen. Abhauen. Wieder nach Burgstein gehen wo die Welt nicht so Rücksichtlos und Brutal war. Oh wie sehr vermisste sie doch die ruhige Atmosphäre auf Station wo der Einlaufdoktor das schlimmste Problem darstellte.
"Ich muss zu Dr. Landria Sinal. Ich muss sie sprechen, es ist wichtig. Dies oder mein sofortiger Tod." „Du musst gar nichts mehr ausser dein Urteil entgegen nehmen!“ Knurrte der Soldat unwillig und überlegte sich vielleicht sogar für den Bruchteil einer Sekunde ihn tatsächlich abzustechen. Aber nein, dass tat er nicht. Aber er handelte. Ein pelgarischer Söldner war schliesslich dazu ausgebildet zu handeln. Er zog sein Schwert ruckartig zurück drehte es und pfefferte es dem Mörder geradewegs mit dem Knauf voran ins Gesicht. Selbst Schwester Waltraut zuckte anhand dieser plötzlichen Brutalität zusammen. Nicht aus Mitleid mit dem Mörder – oh gewiss nicht – ihrer Meinung nach hätte man ihn auch gleich Hinrichten können – nein eher weil der Tag bereits mit Gewalttaten übersättigt war. Es war einfach zu viel.

Die beiden Obhutsmänner nutzten Kazels kurze Benommenheit gezielt aus um ihn zu Boden zu ringen und auf den Bauch zu drücken– was bei seinem geschwächten Zustand nun wirklich nicht mehr schwer war – und der Mischling musste abermals erfahren was es hiess Gefesselt zu werden. Um Kazel ruhig halten zu können kniete sich der eine Söldner auf dessen Nacken, wenn man bedachte was für ein Gewicht so ein ausgerüsteter Mann hatte war die Belastung auf Kazels Körper nicht unerheblich auch wenn der Söldner nicht sein ganzes Gewicht auf das Knie verlegte. Er packte nach Kazels Armen und drehte diese auf den Rücken so dass der Kamerad eine enganliegende Fessel anlegen konnte. Auch an den Füssen machten sie nicht halt und legten auch diese in Ketten. Um zu verunmöglichen dass der Gefangene sich doch irgendwie noch schneller als er sollte fortbewegen konnte wurden die Arm und Fussfesseln so miteinander verbunden dass sich Kazel nicht mehr Bücken konnte ohne sich verrenken zu müssen.

„Du brauchst keinen Doktor mehr.“ Knurrte der eine und man beschloss kurzerhand ihn abzuführen. Dabei trug man ihn durch die Gänge indem man einfach unter seinen Achseln einhackte und ihn anhob. Die Söldner sprachen wenig mit ihm. Eigentlich gar nichts. Niemand wollte mit dem Mörder irgendwas zu tun haben. Es war Schwester Waltraut welche nochmals die Frage stellte die alle insgeheim beschäftigte. Sie lies es nicht zu dass man sie einfach im Gang stehen liess und folgte den Männern. Sie überholte sie gar und stellte sich ihnen in den Weg so dass die Soldaten anhielten. Die Oberschwester starrte Kazel entgegen mit einem solch durchdringenden Blick der jedes Kind zum Weinen gebracht hätte vor Angst. „Schaut mich an! Schaut mich an Patient und sagt mir warum? Sagt mir warum euer kranker Geist über die Vernunft gesiegt hat! Sagt mir warum ihr so schwach seid um euch von eurer eigenen Krankheit bereitwillig besiegen zu lassen! SAGT ES MIR!“ Brüllte sie ihm entgegen und verpasste ihm eine wuchtige Ohrfeige. „Ich bin nicht dazu hier angestellt dass in MEINER SCHICHT gemordet wird! Das ist NICHT mein Beruf! Elendiger! Möge Lysanthor sin Schwert über euch senken und richten wie er es für gerecht hält.“ Knurrte sie nur verständnislos. „UND jetzt sagt es mir! Ehe weiche ich nicht von dieser Stelle!“

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Re: Krankenzimmer C14

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 22. März 2009, 23:29

Wo in den Augen des Söldners eine Spur von Angst zu erkennen war, so herrschte in denen Kazels derzeit die ruhige See. Das Tintenfarbene war dem Meerblau jedoch noch nicht gewichen. Er starrte dunkel und trotzdem mit gleichbleibender Genugtuung. Er hatte seinen Auftrag erfüllt. Shantih war tot.
Doch ja, auch er hatte Angst. Sie wurde unterdrückt. Es gab Wichtigeres als seine Furcht. Landriaaaa... Kazel sog die Luft ein. Seine Hände hielt er auf Höhe seiner Schultern, machte keine Anstalten, sich den Befehlen jener zu widersetzen, die ihn für seine Tat vermutlich einsperren und zum Tode verurteilen würden. Schon wieder ... Ein Lächeln umschmeichelte seine Mundwinkel, es war kaum zu sehen.
Im Hintergrund, unterhalb des Fensters, drangen Schreckensschreie zu ihnen hinauf. Es schienen immer wieder Unbeteiligte das Grauen von Shantihs entstelltem und leblosen Körper zu entdecken. Welch brutales Ende hatte sie nur ereilt!

Kazel schaute zu Babs herüber. Plötzlich war sie wieder da. Irgendwie wurde ihm dies jetzt erst klar. Sie hatte es gesehen, sie hatte ihn dabei gesehen. Den Anführer ihrer kleinen Truppe, die der Mischlings-Elf trotz seines geheimen Auftrages aufrichtig hatte in die Freiheit führen wollen. Er hatte ihnen ein Leben jenseits der Mauern von Burgstein schenken wollen. Ja, dies war wohl zeitgleich sein einziger ehrlicher Wunsch gewesen. Er hatte ihnen etwas ermöglichen wollen. All diese Träume zerplatzten nun. Kazel sah es an Babs' angewidertem Blick.
Sie hatte seine Tat gesehen ... und nun hasste sie ihn. Er schluckte. Es tat ihm leid und doch sagte er kein Sterbenswort.
"Auf die Knie! AUF DIE KNIE!" Kazel folgte dem Befehl nicht. Aber seine Augen wanderten zurück zu dem Söldner. er wirkte sehr angespannt, vielleicht kannte er den Mörder bereits. Diesen kleinen Bastard, der seit seinem ersten Eintreffen in Pelgar Probleme bereitet hatte, wenngleich sie nicht groß genug waren, um in die Geschichte eingehen zu können. Kazel hatte einen pelgarischen Bürger bestohlen - zumindest hielt man ihm dies fälschlicherweise vor -, er war mit einem Ork geflohen, hatte sich somit seinem Urteil widersetzt und war nach erneuter Gefangennahme und Verurteilung dem Tod auf dem Richtplatz entwichen. Er hatte für Aufruhr in Burgstein gesorgt und nun ... war wegen diesem Kerl ein Mensch ums Leben gekommen. Wer wäre ihm gegenüber dann nicht angespannt?
Kazel machte einen Schritt auf das Schwert des Söldners zu, gab seine Bedingungen bekannt. Tod oder Landria, keine anderen Alternativen.
"Du musst gar nichts mehr, außer dein Urteil entgegen nehmen!" "Ihr bringt mich also nicht zu ihr", entgegnete Kazel sachlich. Nun, Landria würde es erfahren. Sie würde davon hören, dass Shantih in der Reichsklinik ihren Tod gefunden hatte. Und sie würde wissen, wer es war, durch den ihr Lebenslicht frühzeitig ausgelöscht worden war! "Dann lasst dem Urteil Taten folgen. Ich kenne es bereits." Kazel war im Begriff, sich einfach in die Schwertspitze hinein zu stürzen. Was hielt ihn denn noch am Leben? Er hatte seinen Auftrag ausgeführt. Das Ende wäre dasselbe. Landrias Manipulation hatte sein Schicksal damals bereits besiegelt. Er sollte anschließend ebenfalls sterben. Er sollte am Wissen, seine Geliebte getötet zu haben, zergehen. Doch noch war er aus seiner Manipulation nicht ganz erwacht. Er steckte in der Schwebe. Er wusste, dass sie tot war ... doch sein Bewusstsein gab noch nicht bekannt, dass er manipuliert worden war. Noch nicht.
Wie gut, sollte es mit Kazel Tenebrée, Mischlings-Elf und Mörder, nicht so enden wie er es geplant hatte. Der Söldner besaß einen eigenen Willen und war gewitzt genug, sich nicht auch das Mördermal aufzubrennen. Gekonnt drehte er die Waffe in Händen und verpasste Kazel dann mit dem Knauf einen heftigen Hieb ins Gesicht. Überrascht und vom Schlag erwischt taumelte Kazel rückwärts, strauchelte und fiel den beiden Soldaten sozusagen bereitwillig in die Arme.
Sie drückten ihn sogleich zu Boden ... einer kniete sich auf ihn. Dies war der Moment der Besinnung.

"AAAAAAAARRRRRGGGHHHHH!!!!" Unsäglicher Schmerz ging durch seinen Rücken. Gewaltiges Gewicht auf seinen sterngewitterförmigen Narben strömte durch seinen gesamten Kreislauf, durch jede Faser seines Körpers bis tief hinein in sein Denken. Dort zersprangen Erinnerungen, Befehle und ja ... auch Manipulationen. Sein Gewissen schoss durch seinen Geist, ritt auf den Schmerzen und schrie all das in sein Sein, was er so lange ohne jegliche Regung hingenommen hatte. Shantih hat dich niemals betrogen! Alles Illusionen ... alles Lug und Trug ... du hast dir das eingebildet, aber ... warum? Warum?! WARUM hast du sie umgebracht?! ... Umgebracht ... Tod ... sie ist tot ... ermordet. Ich hab es getan. Ich hab sie aus dem Fenster gestoßen ... Manthala, ich hab sie umgebracht!!!!!
"NEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIHHHHHHHHHHHHNNNNNN!!!" Kazel krächzte mehr als dass er schrie. Er riss seine Augen auf, die von Tränen geflutet wurden. Das Tintenblau floss aus, zurück blieb entsetzte Leere. Was hatte er getan?
"Waruuuuuuhm?" Er verstand sich selbst nicht. Wie hatte das passieren können. Er liebte sie doch! Er liebte sie und nur sie. Und Shantih hat dich auch geliebt ... immer. Kazel keuchte, weinte verzweifelt. Was hatte er nur angerichtet?!

Der Schmerz betäubte ihn. Doch es handelte sich nicht um jenen, der durch den Druck auf seine Narben ausgelöst worden war. Sein Herz schrie vor Pein und ließ ihn all seine Glieder anspannen. Ein neuer Zitteranfall kündigte sich an, aber Kazel konnte sich kaum bewegen. Die Arme waren auf den Rücken gedreht und gefesselt worden. Auch die Knöchel lagen in Ketten.
"Du brauchst keinen Doktor mehr." Diese Aussage stimmte nicht ganz. Kazels Finger zitterten, er biss die Zähne und kniff die Augen zusammen. Noch immer strömten ihm Tränen übers Gesicht. Kein Verstecken der Gefühlen mehr, diese Zeiten waren vorbei. Ebenso wie die Zeiten mit Shantih.

Man schaffte ihn weg; Kazel, den Mörder. Er ließ den Kopf hängen, keuchte immer wieder. "Landria", krächzte er mit trockener Kehle. Er brauchte sie jetzt. Sie musste ihm helfen. Sie musste ihm sagen, warum er das getan hatte. Sie war doch sein Licht, sie hatte ihm schon einmal geholfen!!! Noch immer erkannte der Elf nicht, dass sie die Wurzel allen Übels darstellte.
Plötzlich blieb die Gruppe stehen. Kazels tränenverschwommener Blick hing an einem Paar Schuhe, das unmöglich einem weiteren Söldner gehören konnte. Kazel schnaufte den Schuhen entgegen. Er wollte jetzt nicht reden und nicht gucken. Er wollte gar nichts mehr ... nur noch ... Shantih ... komm zur mir zurück! Er konnte kaum selbst aufrecht stehen, das merkten die Wachen sicherlich am ehesten. Sie mussten ihn halten, damit er nicht an Ort und Stelle einfach zusammenklappte.
"Schaut mich an! Schaut mich an, Patient, und sagt mir, warum? Sagt mir, warum Euer kranker Geist über die Vernunft gesiegt hat! Sagt mir, warum Ihr so schwach seid, um Euch von Eurer eigenen Krankheit bereitwillig besiegen zu lassen! SAGT ES MIR!"
Er hob den Blick. Seine Wangen waren tränennass. Seine Augen zeigten Verzweiflung. Er erkannte Waltrauds Gesicht. Und dann erkannte er ihre Hand, die saftig gegen seine Wange schlug. Es riss ihm den Kopf zur Seite und entlockte ihm ein geplagtes Aufkeuchen. Aber es schmerzte ihn nicht. Was konnte denn noch über die Qualen in seinem Herzen hinausgehen? Diese Stationsschwester konnte gar nicht so fest zuschlagen, um dies zu überbieten.
Wie gern hätte Kazel es ihr gesagt. Oh, wenn er es doch nur selbst gewusst hätte. Dies machte Shantihs Tod noch unerträglicher. Es gab keinen Grund. Die manipulativ eingearbeitete Erinnerung, sie habe sich dem Kommandanten Pelgars hingegeben, war wie weggeblasen. Zurück blieb lediglich das Wissen, dass er es getan hatte. Er, Kazel, hatte die Frau umgebracht, die er über alles geliebt hatte. Bedingungslos und aufrichtig geliebt! Genauso wie sie ihn.
Er schüttelte den Kopf, wand sich in den Armen seiner Wächter.

Kazel konnte nicht sprechen. "I....ch.... rgh ...." Er atmete mehrmals durch. Wieder rannen die Tränen. Endlich gelang es ihm im Flüsterton zu krächzen wie ein heiserer Rabe: "Warum." Er wusste es doch selbst nicht. Er konnte nur vermuten. Vielleicht ...
"Es lief von Anfang an schief. Es ist ... keine Krankheit ... sondern ein Fluch. Mein Schicksal." Müde hob er den Kopf, um Schwester Waltraud mit allem Ernst anzusehen, den er in diesem verzweifelten, bitteren Moment aufbringen konnte. Flehend, wie ein geschlagener Sklave nach jahrelanger Peinigung durch seinen Herrn, bat er wispernd: "Erlöst mich."
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Re: Krankenzimmer C14

Beitrag von Stadtwache » Sonntag 5. April 2009, 18:46

Der Söldner ahnte ja nicht welchen Pein er in Kazel auslöste als er sich auf dessen zernarbten und empfindlichen Rücken kniete. Doch nun würden es genau diese Narben sein die ihm die Wahrheit offenbarten. Eine schreckliche Wahrheit deren Erkenntnis für Shantih zu spät kam. „RUHIG BURSCHE!“ Knurrte der Söldner nervös als sein Gefangener plötzlich aufbrüllte.

"Waruuuuuuhm?"
„Weil ich kein Richter bin und nicht über dich urteilen kann!“ Antworte ihm der Ordnungshüter welcher sich offenbar von seiner Frage angesprochen fühlte. „Ja… warum.“ Hauchte Babs leise, so leise dass ihre Stimme im Eifer des Gefechts verloren ging. „Er krampft!“ Beschwerte sich Schwester Waltraut ohne jedoch auch nur ansatzweise zu Handeln. Sie verharrte und überliess den Verbrecher seiner eigenen Krankheit. So blieb Kazel nichts anderes übrig als ihn im festen Griff der Stadtwache zu überstehen die unbarmherzig gegen die zuckenden Muskeln drückten. Sobald die Söldner einigermassen davon überzeugt waren dass der schlimmste Teil des Krampfes überwunden war zerrten sie den Mischlingselfen auf die Beine und schleiften ihn kurzerhand durch die Gänge. Schwester Waltraut lief mit und in einigen Abständen auch Babs. Während die aufbrausende Schwester sich an der Truppe vorbeidrückte blieb die Alkoholikerin mit gebührendem Abstand zurück. Sie wollte keine Nähe mehr zu Kazel haben… er machte ihr Angst.

Waltraut stellte den Mörder und konfrontierte ihn direkt mit ihren Fragen. Sie starrte ihm entgegen ihre Augen klar und stechend. Sie blickte nicht unbedingt vorwurfsvoll sondern nur verständnislos. Aber seine Tränen erzürnten sie und waren der Ausschlag warum sie ihm eine Ohrfeige verpasste. Wie konnte er es wagen jetzt über seine Tat zu heulen?
"Es lief von Anfang an schief. Es ist ... keine Krankheit ... sondern ein Fluch. Mein Schicksal."“ Du bist dein eigener Fluch und jener deiner Freunde!“ Knurrte Waltraut und drehte sich von ihm ab. Sie schritt durch den Gang und verschwand alsbald. So schnell würde Kazel Waltraut wohl nicht mehr sehen - wenn er es überhaupt jemals noch tun würde. Babs stand an die Wand gelehnt abseits von der kleinen Gruppe und hörte zu. „Das… stimmt nicht…“ Hauchte sie leise und ungehört. Ob ihre Freundschaft doch stärker sein würde als ihre Angst? Kazel würde dringend Leute um sich brauchen die trotz allem noch zu ihm hielten. Doch würden diese das wirklich noch können?

„Erlöst mich.“ Man ignorierte seine Bitte und schleppte ihn durch die Gänge. Vorbei an anderen Patienten und Pfleger. Vorbei an Ärzten und Besuchern. Ein unheilvolles Schweigen schien über der ganzen Klinik zu liegen als hätte sich der Schrecken dieser Tat bereits über das ganze Gebäude verbreitet. Babs folgte noch immer, doch noch ehe Kazel gemeinsam mit den Söldnern den Ausgang erreichten war sie verschwunden.

Die Soldaten schwiegen. Man lehnte sich bei der Reichsklinik eine Kutsche aus die eigentlich für den Transport von unruhigen Patienten verwendet wurden, genau mit so einer war er ja schon von Burgstein hierher gefahren worden. Nun wurde er wieder in einen trostlosen Karren gehoben welches nur ein kleines vergittertes Fenster besass aus welchen man sehen konnte. Der noch junge Tag brach gerade an und die ersten orangen Sonnenstrahlen erhellten die Türme der Stadtmauer. Einer der Söldner hatte sich zum Kutschner gesetzt. Der andere blieb neben Kazel und beobachtete ihn stumm. Er hatte ja schon vieles gesehen. Aber DAS verstand er nun wirklich nicht.

„Auf Mord einer Schutzbedürftigen wie es deine Freundin als Patientin war… steht bei uns das Rad.“ Bemerkte er. Der Wagen holperte leicht so dass es die beiden immer wieder leicht schüttelte. Der Soldat fesselte Kazel an eine kleine Seitenstange und zog sich schliesslich den Helm aus um sich den Schweiss von der Stirn zu wischen.
„Glaubst du wirklich dass du im Tod Erlösung findest?“ Es war keine hämische Frage, sondern eine ehrliche.

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Re: Krankenzimmer C14

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 5. April 2009, 20:08

Es musste wirklich ein Fluch sein. Eine andere Erklärung gab es nicht. Aber Kazel suchte auch nicht nach weiteren Optionen, hatte schließlich auch keinen Sinn. Nichts mehr hatte Sinn, seine Shantih war fort. Für immer und durch seine Hand. Er schluckte, denn es schnürte ihm die Kehle zu.
"Du bist dein eigener Fluch und jener deiner Freunde!" Die Schwester wandte sich ab. Ihre ausladenden Schritte hallten wie urteilende Paukenschläge durch den Gang. Kazel ließ wieder den Kopf hängen. Sie hätte Recht behalten, beinahe. Wenn er noch Freunde besessen hätte.
Die Tränen versiegten, der Mischling hatte sich ausgeheult. Da war nichts mehr, was kam und doch hätte er am liebsten bis in alle Ewigkeiten um Shantihs Verlust und seine Tat geweint. Warum, formten seine Lippen tonlos, während die Wachen ihn durch die Korridore schleppten.

Niemand ging auf sein Flehen ein. Warum auch? Den Tod hast du nicht verdient, Mörder! Sämtliche Muskeln spannten sich an und lösten sich wieder. Kazel besaß keine Kraft mehr, nicht einmal für ein geistiges Streitgespräch mit seinem Gewissen. Dieses aber kam wohl erst richtig in Fahrt.
Erst deinen Vater, jetzt deine Geliebte ... du würdest noch mehr Leute umbringen, wenn sie dir nur näher stünden. Gut, haben sich die Irren von dir abgewandt! Gut, ist Luziver nicht mehr in deiner Nähe! Wen hätte es als nächsten erwischt?

Kazel bekam kaum mit, was man mit ihm anstellte. Er hob auch nicht den Blick, er wehrte sich nicht. Es war vorbei. Er hatte alles verloren, bis auf sein jämmerliches Leben. Was war es denn noch wert, ohne Shantih?
Jemand setzte ihn auf einen Platz in einer Kutsche. Der Sitzt quietschte. Durch ein vergittertes Fenster wanderten die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Tages ins Innere der Kutsche. Der Wächter, welcher sich mit Kazel ins Innere begab, befestigte seine Handfesselung soeben an einer stabilen Stange und nahm den Helm ab.

"Auf Mord einer Schutzbedürftigen wie es deine Freundin" - bei diesem Wort zuckte Kazel schmerzlich berührt zusammen - "als Patientin war ... steht bei uns das Rad." Er nickte oder hatte sich sein Kopf nur bewegt aufgrund des holprigen Untergrundes, den die Kutsche soeben befuhr? Der Mischling sagte nicht.
"Glaubst du wirklich, dass du im Tod Erlösung findest?" Schweigen war die Antwort. Nein. Kazels Blick wanderte zum Fenster. Da draußen ging das Leben weiter. Viele Leben, die nicht einmal im Ansatz wussten, was geschehen war. Leben, die nicht wussten, dass Shantih hatte sterben müssen. Wer würde noch an sie denken, wenn Kazel erst einmal seiner gerechten Strafe zum Opfer gefallen war? Gerechte Strafe ... Er hätte sich vor vielen Jahren in Morgeria den Dolch in die eigene Brust rammen sollen.
Kazel ging nicht auf die Frage des Wächters ein. Warum sollte er auch noch antworten? Es hat doch nichts mehr Sinn. Nach einer Weile hob er aber trotzdem kurz den Kopf. Sein Blick ... so leer wie der eines gebrochenen Mannes. "Bitte, stellt ihr einen Grabstein auf." Das war alles, was Kazel noch heraus brachte. Nichts Anderes zählte mehr und sämtliche weiteren Worte wären Verschwendung gewesen.
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Re: Krankenzimmer C14

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 8. April 2009, 19:14

Der Söldner der mit ihm im Wagen sass hiess Gerdolon. Er war 28 Jahre alt und diente schon seit 7 Jahren in der pelgarischen Armee. Schon früh hatte er sich für den Wachdienst gemeldet weil er lieber für Recht und Ordnung innerhalb der sicheren Stadtmauern sorgte als irgendwo in den Vorposten stationiert zu werden. Manchmal, in Momenten wie diesen wo er Schwerverbrecher zum Gefängnis transportieren musste, kamen ihm zweifel ab seiner Entscheidung auf. Er würde sich selbst als Menschenfreund bezeichnen, ganz anders als sein Kamerad Orlos der vorne beim Kutschner sass, dieser Kerl war schon fast ein fanatischer Ordnungshüter der am liebsten jeder Schandfleck aus der Stadt ausmerzen würde. Dieben sollte man nicht nur die Daumen brechen sondern ihnen gleich die Hand abschlagen. So dachte der Mann ungefähr. Kazel hatte wohl Glück sass Gerdolon bei ihm und nicht sein Kamerad.
„Ihr seid nicht besonders gesprächig Gefangener.“ Murmelte der Söldner seufzend. Die Fahrt könnte über 15 Minuten dauern. Dass war eine lange Zeit wenn man sie schweigend verbringen musste. "Bitte, stellt ihr einen Grabstein auf." Der Soldat runzelte die Stirn. „Junge, du wirst über deinen eigenen Grabstein entscheiden können aber bestimmt nicht über jenen deiner Opfer!“ Meinte er bestimmt. Was hatte diese Kerl auch für seltsame Vorstellungen? Vielleicht war dies eine erste seltsame Regung von Reue, was wusste er schon davon.
Gerdolon lehnte sich im Wagen zurück und musterte Kazel dabei wie dieser aus dem Fenster starrte. Sollte er doch. Schon bald würde er nur noch den Himmel über sich sehen und die Aasgeier die um ihn kreisen. Er schüttelte den Kopf und blickte auf seine eisenbeschlagenen Stiefel. Es geschah einige Zeit lang nichts. „Hooohhhww!“ Hörte man Dumpf von Aussen. Der Karren wurde abgebremst. Der Söldner runzelte irritiert die Stirn. „Geh mal weg da!“ Er drückte Kazel zur Seite und sah aus dem Gitterfenster. „Warum zu Höll…“ Weiter kam er nicht. Kazel konnte nur noch ein schmatzendes Geräusch hören und dann stürzte Gerdolon auch schon leblos auf den Boden. Einen Dolch tief im Auge stecken habend. Am Fenster blitzte kurz das Metall eines Helmes auf doch die Gestalt verschwand, stumm und schnell wieder. Der Soldat röchelte noch. Rührte sich aber kaum noch sondern stöhnte nur schmerzverzerrt vor sich her. Kazel konnte den schwerverletzten Söldner nicht erreichen dafür reichte seine Fessel nicht. Der Wagen setzte sich wieder in Bewegung und machte einige Meter weiter eine scharfe Rechtskurve. Offenbar wechselte der Transporter schlagartig die Route. „Arhggh… über..gh.f.f.allrhr.h..“ Krächzte der Söldner gequält und fasste sich mit zittriger Hand gegen den Dolch. „Ouhghgh… bei Lysanthor!“ Panik durchzog den Mann.
Wer war den wahnsinnig genug einen Gefangenentransport mitten in der Nacht im Zentrum Pelgars zu entführen?

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Re: Krankenzimmer C14

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 8. April 2009, 21:34

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