Gemeinschaftsraum

Der Zugang in die festungsartige Verwahrungsanstalt sind nur Priestern und anderen Geistlichen gestattet, denn hier sind geistig Verwirrte untergebracht. Besucher verboten!
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Dienstag 19. Februar 2008, 19:25

Die Pfleger kamen immer näher und die Hände um ihre Schlagstöcke zuckten schon verräterisch. Sie standen deutlich unter Adrenalin und der wachsende innere Impuls ihre Macht zu demonstrieren und zuzuschlagen, sorgte dafür, dass sie in stetiger Alarmbereitschaft blieben und nicht daran dachten, ihre Knüppel zu senken. Langsam setzten sie einen Fuss vor den anderen und kamen unaufhaltsam noch näher. Man konnte sie bereits atmen hören. Angespannt waren sie. Dies spürte man.

Der eine Pfleger welcher Kazel erst den Terminzettel ungerührt entrissen hatte, streckte ihm eben diesen wieder entgegen. „Hier, dies ist eurer.“ Diese Pfleger hier mochten in mancher Hinsicht machtmissbrauchende Bastarde sein, aber Diebe schienen sie jedoch offensichtlich nicht zu sein. Schliesslich war der Zettel Kazels Eigentum.

<i> "Ich hab doch schon mit ihr gesprochen. Deshalb steh ich hier auf dem Gang. Sie und ich wollten zur Reichsklinik. Es eilt. Dr. Sinal ist in Gefahr, nur ich kann ihr helfen!"</i> Die beiden Männer starrten Kazel an. Dann sich gegenseitig. Für einen Augenblick herrschte auf dem Gang absolute Stille, nur Kazels schnauben war leise zu hören. Schliesslich lächelte einer der Pfleger und setzte eine beschwichtigende Miene auf. „Keine Bange, Doktor Legler wird bestimmt gleich wiederkommen, ich glaube kaum dass sie die Anstalt im Moment verlassen wird, schliesslich ist sie im Dienst und trägt zur Zeit die Verantwortung über die Patienten dieser Station.“ Der andere Pfleger nickte zustimmen.

Viele Irre hielten sich für den alleinigen Auserwählten für die Rettung der Welt oder deren Chefärzte. Der Patient verschaffte durch das Festklammern an den Gitterstäben seiner Entschlossenheit hier raus zu kommen den nötigen körperlichen Ausdruck. Die Pfleger seufzten. Sie würden ihn wohl doch überwältigen müssen. Es war… anstrengend für sie, schliesslich brauchte dieser Kerl nach erfolgreicher Medikation dann ständige Überwachung.

<i> "Muss ich erst erneut wiederholen, wer Landria Sinal etwas antun möchte?</i> Die beiden Pfleger runzelten simultan ihre Stirn. Sie hatten ja das überstürzte Aufbrechen der Ärztin mitbekommen… sie blieben stehen und sahen ihn erwartungsvoll an. <i>Muss ich erst auf ein Neues sagen, dass nur ich weiß, wie sie es anstellen wird und wie man es verhindern und Landria warnen kann?“</i> Kazel pokerte hoch. „Ihr wisst doch gar nichts, ihr wollt nur hier raus! Mutmaste der eine Pfleger. Da fiel der Name. Morticia… wer kannte die Mörderin schon nicht in Pelgar? Die Pfleger schwiegen Kazel eine Weile an. Dann zuckte der eine mit den Schultern. „Dies kann jeder sagen.“ Meinte er nüchtern. „Wie will sie es denn tun?“ Fragte er aus reiner Neugieren, weil er erfahren wollte welchen Mordplan der Irre ihnen nun servieren würde.

Sie registrierten den Ernst in Kazels Augen. Den funkelte in praktisch jedem Verrückten, schliesslich war die verrückte Welt, ihre Realität. „Nun? Gebt ihr uns einen Tipp?“ Fragte der eine Unschuldig während der andere bereits grinste.

"Ja reden wir bei einer Tasse Tee im Aufenthaltsraum darüber." Meinte er schmunzelnd.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 21. Februar 2008, 14:42

Mit vor Aufregung beinahe zum Zerreißen angespannten Muskeln stand Kazel am Gittertor und hielt sich daran fest. Das kalte Metall zwischen seinen Fingern wirkte beruhigend auf das sonst so hitzige Gemüt des Mischlings. Trotzdem fand er keine seelische Ruhe. <b>Landria...</b> Er sorgte sich wahrlich aufrichtig um die Doktorin, ohne sich wirklich bewusst zu sein, dass diese Sorge ihren Ursprung in einer Gehirnmanipulation hatte.
Mit verbissener Miene stand er vor seinem versperrten Fluchtweg. Nein, kein Fluchtweg mehr. Durch diesen käme er niemals hinaus. Und zu allem Überfluss glaubten die Pfleger ihm auch nicht, im Gegenteil. Amüsiert und dennoch ebenso angespannt wie Kazel es war, machten sie sich über ihn lustig. Vor allem, dass sie es mit Beschwichtigung versuchten, ließ Kazel zornig die Hände zu Fäusten ballen. Der Terminzettel, den er zurückerhalten hatte, knüllte sich geräuschvoll zwischen seinen Fingern.

<i>"Keine Bange, Doktor Legler wird bestimmt gleich wiederkommen, ich glaube kaum, dass sie die Anstalt im Moment verlassen wird, schließlich ist sie im Dienst und trägt zur Zeit die Verantwortung über die Patienten dieser Station."</i>
Dies versetzte Kazel einen innerlichen Schreck, der sich nach außen hin jedoch nur zeigte, indem seine Hände wieder locker und den Zettel auf den Gangboden fallen ließen. Er starrte die Pfleger an. Dann drehte er sich erneut zum Gitter um, spähte den Gang hinunter. Wiederholte die Warnung, dass Landria in Gefahr war. Sein Atem kam stoßweise, keuchend. Er krallte sich so fest an den Gitterstäben der Tür fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

<i>"Ihr wisst doch gar nichts, Ihr wollt nur hier raus!"</i> <b>Wie recht du doch hast.</b> Kazel antwortete nicht, starrte nur weiter den Gang auf der anderen Seite der Tür entlang. Er hoffte inständig, dass Dr. Legler das Haus verlassen hatte. Er konnte nur hoffen, dass seine Aussagen sie so sehr beschäftigten, dass sie wenigstens allein zur Reichsklinik lief. "Bitte", murmelte er ihr ein Flehen hinterher.
Derweil genossen es die Pfleger wohl nur allzu sehr, Kazel weiterhin zu verspotten. <i>"Wie will sie es denn tun? Nun? Gebt Ihr uns einen Tipp?"
"Ja, reden wir bei einer Tasse Tee im Aufenthaltsraum darüber."</i>

Kazels ernste Augen fixierten die beiden Wächter und dann ... wurden sie etwas weicher. Resignierter. Es hatte keinen Sinn, wie keine seiner Handlungen hier drin bisher Sinn gemacht hatten. Irgendwie, und bei der Erkenntnis fühlte Kazel sich nicht gerade wohl, vermisste er Robertus. Der hatte ihm wenigstens mit gespielter Ernsthaftigkeit das Gefühl gegeben, dass man ihm glaubte. Es war seltsam für den Mischling, festzustellen, wie sehr er sich nach all den einsamen Jahren plötzlich nach anderen sehnte. (Wobei, auf diese beiden Pfleger hier konnte er getrost verzichten.)

Ein letztes Mal wandte er sich der Gittertür zur, vielleicht in seiner Bewegung etwas zu schnell und unberechenbar, denn er hörte ganz deutlich, dass die Pfleger die Luft mit gewisser Angriffsbereitschaft und sehr zischend einsogen. Doch er wollte nicht fliehen, nicht mehr. Es hatte ja doch keinen Sinn.
"DR. LEGLER, BEI MANTHALA, GEHT ZUR REICHSKLINIK UND HELFT LANDRIA, VERDAMMT!", brüllte er in den Gang hinein, laut und ungehalten. Dann beruhigte er sich, kehrte in diese resignierte Phase zurück. Wie viele für ihn untypische Verhaltensmuster hatte er in Burgstein nun schon an den Tag gelegt? Er wusste es nicht mehr. Wie lange war er überhaupt schon hier? Er hatte es vergessen. Nur ein Gedanke kam ihm derzeit in Erinnerung. Er sah mehrere bittende Gesichter, eines ganz vorn. Nicht schön, aber mindestens so sorgenvoll wie sein eigenes. Dazu hörte er ihre Stimme, welche ihm schon mehrfach einen Schauer über den Rücken gejagt hatte. Kazel Gedanken galten Babs und überhaupt der ganzen Gruppe Verrückter seiner Station. All jenen, die sich um Dr. Sinal sorgten und in Kazel einen Weg gesehen hatten, nach ihr sehen zu können.
<b>Du hast sie enttäuscht. <i>Was geht mich das an?</i> Es quält dich ... <i>Ja...</i></b> Schlaff hingen seine Arme links und rechts des Torsos. Langsam drehte sich der Mischling um, schaute die Pfleger nicht an, als er sprach: "Nicht in den Aufenthaltsraum. Ich ... will in meine Zelle zurück."
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Montag 25. Februar 2008, 23:08

Kazels Brüllen verhallte im endlos wirkenden Gang der Klinik. Ungehört. Nun nicht ganz, denn der Wächter von vorhin streckte kurz erschrocken seinen Kopf um die Ecke und prüfte nach ob der Besitzer dieser soeben erklungenen Stimme noch brav hinter den geschlossenen Gittern stand. Da er dies tat, ging er wieder seinen Runden nach. Er konnte nicht verstehen wie Pfleger ihren Beruf in diesem Haus ausführen konnten. Natürlich verdienten auch diese sehr viel Geld aber sie waren im Gegensatz zu den schwer Bewaffneten und gepanzerten Wachen stets an der Front und hatten weniger Mittel um einzugreifen. Sie konnten sich die Patienten nicht so auf Distanz halten wie die Söldner. Ein Kerl wie Kazel konnte schliesslich – so schmächtig er auch gebaut sein mochte – doch ziemlich Angst machen. Einen Wahnkranken zu schlagen hat ja auch nichts wirklich ehrbares an sich. Schliesslich ist er doch ein Schutzbedürftiger, ein Patient… ein kranker Mensch dem geholfen werden sollte. Er weiss doch nicht was er tut… nein… der Wächter war froh… Wächter zu sein.

Die Pfleger runzelten gleichzeitig die Stirn als der Verrückte sich nun doch noch dazu entschied einzulenken und sich freiwillig zu ergeben und von der Stange wegzubewegen. <b>Wunderbar heute endlich mal keine blauen Flecken nach dem Dienst.</b> Dachte einer der beiden.

Weiss Faldor welche Gedanken den Kerl geritten haben mochten dass er nun resignierte.

Doch jetzt, wo Dr. Legler – stellvertretende Chefärztin der Klinik Burgstein gerade auf rettender Mission ihrer Vorgesetzten war… (dies war wohl ein offensichtlicher Beweis für die komplexe Welt des Gesundheitswesen) funktionierte die geschlossene Akutabteilung unter stellvertretender Aufsicht des stellvertretenden Stellvertreters der stellvertretenden Chefärztin Dr. Legler namentlich Dr. Memeratio oder auch von den Patienten furchtvoll: „Der Einläufer“ genannt.

Diesen bekam Kazel auch früher zu Gesicht als ihm wohl lieb war. Der Arzt war ein hagerer gross gewachsener Mann der gerade mit auffallend kleinen Schritten und hinter dem Rücken gefalteten Händen… dabei immer den Zeigefinger der rechten Hand auf seinem Daumen reibend … dem Gang entlang geschlendert kam. Er trug seinen langen schneeweissen Kittel der wahrlich nur seiner sein konnte, denn mit dickem edlen Faden und bestimmt mit sehr viel Liebe verbundenen Zeitaufwand seiner Ehegattin, war der Schriftzug: „Prof. Dr. Memeratio eingenäht worden.

Dieser Dr. Memeratio war sicherlich nicht mehr gerade der jüngste Mediziner Celcias. Vermutlich hatte er den Lebenszenit schon längstens hinter sich gelassen und schaute nun mit stiller Genugtuung auf lange Jahre der Erfahrung mit Einläufen bei Psychiatriepatienten zurück deren Wirksamkeit er verbissen vertrat auch wenn die neueren Generationen von Medizinern schon längstens daran zweifelten. Waren sie doch alles nur Banausen, ging schliesslich nichts über eine gründliche Reinigung des Körpers. Schliesslich lehrte schon der weise alte Aristipopeles über die Wichtigkeit des Gleichgewichts aller Körpersäfte… und da bei den Irren ja so viel… Unrat aus dem Munde kam, musste sich einfach zu viel davon in ihrem Körper befinden…
Da der Mensch ja dazu neigte immer wieder… neuen… Unrat zu produzieren war es eine pure Selbstverständlichkeit dass Einlaufkuren gemacht werden mussten, so einfach war dies doch.
Zumindest wenn man Memeratios Überzeugung folgte… über die grosse Zahl der Zustandsstagnierung bei seinen Behandlungsmethoden schwieg man sich natürlich respektvoll aus.

Zurück zu der Person Memeratio selbst schliesslich verdient auch diese eine ausführliche Beschreibung.

Seine schütteren ergrauten Haare bedeckten nur noch die Stellen über seinen viel zu gross wirkenden Ohren. Die Stirn der angeblichen Weisheit zog sich bei Memeratio somit bis in den Nacken und als hätte so viel Wissen in diesem Schädel nicht genug Platz gehabt residierte am Scheitel eine dicke braune Warze auf welcher sich ein einzelnes Haar stolz emporreckte und bei jedem Schritt des alten Mannes mitwippte. Ein wahrer Blickfang der schon bei manch eindringlichem Gespräch für gewisse Ablenkung beim Patienten sorgte, welche natürlich ausschliesslich dessen Krankheit zugerechnet wurde. Unter halb der Warze zogen sich gewaltige Stirnrunzeln über die ganze obere Front des Gesichtes. Ihm war anzusehen, dass er Zeiten seines Lebens sehr oft… nachgedacht hatte. Die leicht buschigen grauen Augenbrauen wirkten dabei schon fast väterlich. Doch dieses Gütige wurde durch Wangenknochen wett gemacht die so ausgeformt waren, dass sie todbringende Klippen bildeten für Tränen welche suizidale Absichten hegten, dazu verdammt irgendwo im Kittel des Arztes ihre letzte Ruhe zu finden. Memeratio weinte nämlich viel… den er ertrug die trockene Luft der Klinik nicht, was ihm immer wieder die Feuchtigkeit in die blauen Augen trieb. Nicht sonderlich schön geputzt und mit einigen Haarschuppen bedeckt thronte eine dicke Hornbrille auf der knubbeligen Nase des Psychiaters die dessen Augen viel grösser Wirken liessen.

<i> "Nicht in den Aufenthaltsraum. Ich ... will in meine Zelle zurück."</i> „Tztztztztztz“ Machte der Arzt seufzend und schüttelte den Kopf als er auf die Pfleger und den Patienten zugelaufen kam. Er hob seinen knochigen Zeigefinger und machte eine mahnende Geste. „Wer das Sozialverhalten von Tieren betrachtet weiss…“ Begann er ungerührt dessen ob man ihm überhaupt zuhören wollte oder nicht.. „Dass der Rückzug von den eigenen Artgenossen die Überlebenschancen des einzelnen Individuum um ein vielfaches dezimiert.“

Er rückte seine Brille zurück. Grinste zufrieden ab seinem eigenen Kurzreferat. Die Pfleger starrten einander irritiert an. „Ich glaube er meint er sollte nicht in die Zelle zurück.“ Flüsterte der eine dem anderen zu weil sie genau wussten, dass der Herr Professor nicht mehr so gut hörte. „Ja… das könnte sein.“ Bestätigte der andere. „Wenn du keinen verfluchten Einlauf willst geh lieber in den Aufenthaltsraum.“ Hauchte der Pfleger dem Irren zu. Hier hegten sie immer Mitleid mit den Patienten.

Der Arzt musterte den Patienten .Er kannte ihn nicht war er doch soeben auf die Abteilung gekommen. „Na los mein Junge… geh zum Rudel zurück. Husch husch. Übe dort dein Sozialverhalten damit du wieder in die grosse Herde entlassen werden kannst“ Meinte er breit lächelnd.

Dr. Memeratio war in der Psychiatrie definitiv am richtigen Ort... aber in der falschen Position.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 27. Februar 2008, 23:47

Kazel schritt zwischen den beiden Pflegern, den Kopf gesenkt und die Schultern hängen lassend. Er sorgte sich immer noch, hoffte, das Dr. Legler den ernst der Lage begriff – und ihn bald nachkommen lassen würde. <b>Sie muss mich einfach holen oder eben Vana ausschalten. Ob man sie ... tötet?</b> Da meldete sich doch tatsächlich Kazels Gewissen seit langem einmal wieder. Es sickerte wie stetiger Tropfen durch Gestein, zunächst langsam, aber je mehr Zeit verstrich, desto besser bahnte es sich seinen Weg. Und plötzlich wurde dem Mischling klar ... <b>ich hab sie verraten, obwohl sie mich aus diesem Käfig geholt hat!</b>

Wenn man einen Blick in Kazels Kopf hätte werfen können, so fände man dort derzeit kaum überblickbares Chaos. Gedanken häuften sich zu schwankenden Türmen, einige waren eingestürzt. Zum Beispiel jener, der Shantih gewidmet war. Unter ihm war Kazels Zuneigung, seine Liebe für diese Frau begraben und unerreichbar. Stattdessen hatte Landria ein Baugerüst über diesen eingestürzten Gedankenberg errichtet. Ein starkes und stabiles Gerüst, das nicht schwankte. An diesem Gerüst hingen neue Gedanken, blutig und mordlüstern.
Doch auf diese Gedanken konzentrierte er sich derzeit nicht. Werfen wir einen Blick auf andere Stapel und Türme. Derer gab es weitere zwei, die in beidseitigem Konkurrenzkampf standen. Auf einem hockte sein Gewissen, man könnte es als einen kleinen Kazel bezeichnen. Auf dem anderen hockte ... eine Gewiss<i>heit</i>, dass dieser Gedankenstapel viel von den beiden Wesen der Vana/Morticia wusste.
Ja, mit dieser ebenfalls eine Mischlingsperson beschäftigten sich beide aufgetürmten Gedankenberge. Der des Gewissens erinnerte Kazel gerade daran, dass es Vana gab. Ohne sie wäre er nicht aus dem Käfig gelangt. Sie hatte ihn in die Taverne gebracht und dafür gesorgt, dass man seine Füße behandelt hatte. Vana war es gewesen, die ihn in die Abwässer geschmuggelt hatte, um der pelgarischen Wache zu entkommen.
Der andere Gedankenberg aber erinnerte ihn an ihr zweites Gesicht. An Morticia, die sagenhafte Mörderin, deren Geschichten selbst er schon einmal in Morgeria vernommen hatte. An Morticia, die ... Landria ausschalten wollten. Die Doktorin hatte es ihm doch selbst gesagt. Morticia wollte das Licht zerstören.
<i><b>Aber sie hat mir geholfen ... ich hab sie verraten.</i> Sie wird Landria töten!</b>

Kazel keuchte. Die Pfleger mochten es als Reaktion auf den herannahenden Mann missverstehen, der doch eine mehr als unübliche Erscheinung darstellte. Allein das einzelne Haar, welches aus einer Warze wuchs und mit jedem Schritt fröhlich wippte, ließ den Respekt schwinden, dem man diesem Mann wohl zuschreiben sollte. Er schaute aus wie eine Lachfigur, aber Kazel bemerkte ihn gar nicht.
Oh, wie sehr hätte es ihn im Grunde geärgert und aufgeregt, dass er so unaufmerksam geworden war. Seine Anspannungen hatte er zwar immer noch nicht verloren, aber seine Wachsamkeit schien sich in Burgstein in nichts aufzulösen.

Genau das aber verunsicherte Kazel unbewusst immer mehr. Er wollte nicht mehr. Er hatte alles versucht. Er wollte nur noch in seine Zelle und darauf warten, dass Dr. Legler ihn holte – oder jemand ihm mitteilte, dass Landria wohlauf sei. Erst dann würde er sich wieder auf persönliche Dinge wie Shantihs Auslöschung konzentrieren.
Derzeit verlor sich aber seine Konzentration völlig. Dr. Memeratio lenkte ihn mit seinem Seufzen ab. Kazel schaute auf und ... starrte auf das wippende Haar.

<i>"Wer das Sozialverhalten von Tieren betrachtet, weiß dass der Rückzug von den eigenen Artgenossen die Überlebenschancen des einzelnen Individuum um ein vielfaches dezimiert."</i>

Kazel keuchte erneut. <b>Tiere?! Hält der die Verrückten ... und mich ... für ... Tiere?!?!</b> "T-Tiere ...", wiederholte Kazel mit kratzig trockener Kehle. Er starrte nun die Brille an, doch nicht lange. Dieses seltsame Haar lenkte zu sehr vom übrigen Dr. Memeratio ab. Ein Wächter flüsterte ihm zu, dass es wohl besser sei, auf den Doktor zu hören – wenn Kazel keinen Einlauf riskieren wollte.
Da riss der Mischlings-Elf den Kopf herum und starrte den Pfleger an. <b>EINLAUF?!</b> Nein, das wollte er sicher nicht. Ganz sicher nicht! Wer wollte dies schon? Vermutlich sorgte Memeratio genau mit dieser Methode für den nötigen Respekt, den er durch sein lachhaftes Äußeres verlor.

<i>"Na los, mein Junge ... geh zum Rudel zurück. Husch husch."</i> Kazels Kopf wirbelte erneut herum. Er schaute jetzt sicher ähnlich wie der Eh-Eh-Mann oder Kapitän Jack, wenn er duschen musste. "Rudel!?", wiederholte er, entschied sich aber dafür, doch den Aufenthaltsraum aufzusuchen. Allein schon deshalb, weil er keinen Einlauf wollte. So seufzte er und wandte sich an einen der Pfleger: "Na schön. Gemeinschaftsraum." Und ohne eine Aufforderung abzuwarten schlurfte er voraus, steuerte selbigen Raum an, in dem wohl die anderen Irren noch warteten – ja inzwischen zählte er sich irgendwie dazu – und ohne auch nur einen von diesen Mitverrückten anzuschauen, setzte sich Kazel in eine Ecke. Schweigend. Ruhig. Ohne Ärger zu machen oder Landria helfen zu können.
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. März 2008, 00:16

Der Psychiater musterte seinen Patienten eindringlich. „Er sieht etwas blass aus.“ Meint er schliesslich – ohne dass man sich sicher sein konnte ob er nun mit den Wächtern, Kazel, oder sich selbst sprach. „Vielleicht wird er von einem Darmleiden heimgesucht? Oder aber er nimmt Nährstoffe nicht gut auf.“ Machte der Mann seine Gedanken hörbar. Ob seine Umgebung Interesse an seinen diagnostischen Denkprozesse hatte war… nichtig – genau - nicht von primärer Bedeutung, zumindest nicht für ihn. Er war der Doktor, wenn dieser Sprach hatten ohnehin alle zuzuhören. So ist es. So war es. Und so würde es immer sein. Ob nun in der Vergangenheit, der Gegenwart, der Zukunft oder allen Dimensionen die noch entdeckt werden würden. Der Arzt war der Gott in weiss und somit Magnet aller menschlicher Aufmerksamkeit. Dr. Memeratio musste sich bei dieser Tatsache, dass er sich in den glorreichen Stand eben so bedeutungsvoller Männer – natürlich gab es auch Frauen doch dies war eher… ein Akt der Gnade um die Weiblichkeit nicht zu versauern – einreihen konnte gerührt ein Tränchen von seinem Augenwinkel wischen. Natürlich mit einem weissen Taschentuch welches ebenfalls mit gleichem goldigen Faden „Dr. Memeratio“ draufgestickt war. So erhielten wohl selbst die Popel des Doktor einen würdigen Platz zum verweilen. Ordentlich faltete der Mann sein Taschentuch zusammen – presste also seine nasalen Erzeugnisse fest auf den Stoff und steckte es in seine Kitteltasche. Klopfte zufrieden darauf als würde er einen Schatz wieder sicher in der dafür vorgesehenen Truhe wissen.

Dann machte er kehrt und ging voraus. Ohne ein weiteres Wort zu sagen. Die Wächter starrten ihm nach. Es war deutlich zu sehen was ihre Augen da fixierten.

Schräg links, dann quer rechts, dann vorn dann hinten, dies war das übliche Wippmuster von Dr. Memeratios Warzenhaar. Welches nun munter in eben erwähntem Takt herumtänzelte als der Arzt voranschritt und sich zum Gemeinschaftsraum aufmachte. Wieder hielt er in alter Psychiatermanier seine Hände hinter dem Rücken gefaltet und drehte seine Daumen.

„Na los Kazel.“ Brummte der eine und zeigte zum Korridor. Doch der Patient verstand schon vorher und schlurfte bereits voraus. Er wirkte geknickt und resigniert, wie so viele Insassen Burgsteins, ja welch leben konnten sie diesen armen Seelen auch noch bieten? Eines hinter dicken Mauern mit regelmässigen Duschaktionen und frischen Broten zum Frühstück. Eine Welt welche vermutlich eine solche Ödnis mit sich brachte was die Insassen wohl nur dazu verleitete sich tiefer in ihre Scheinwelt zurückzuziehen.

Überraschenderweise hockten die anderen Irren eher… brav… im Gemeinschaftsraum noch immer am Frühstückstisch. Die Stimmung war deutlich gedrückt, kein Wunder, hatte schliesslich bereits der letzte mitgekriegt, dass „der Einläufer“ zugegen war. Jeder der irgendwie negativ… oder prinzipiell auffiel, lief Gefahr einen eben solchen verpasst zu kriegen… und darauf, konnte nun wirklich jeder hier verzichten.

Der Arzt selbst hielt die Ruhe welche allein seine Anwesenheit auf die Abteilung brachte für einen Beweis dafür, dass seine Einlauftherapie positive Wirkung auf das Verhalten seiner Patienten hatte und sie so, durch die Entfernung aller angestauten… Fäkalien, den Geist rein und ruhig machte. Dass nackte Unlust dahinter steckte einen Einlauf zu kriegen – soweit dachte der Mediziner nicht.

Die um den Tisch versammelten Patienten konzentrierten sich auf ihr Essen. Einzig die Alte befand sich nicht mehr unter ihnen. Keine leeren blauen Augen die so traurig guckten. Der Dicke strich sich gerade sein viertes Brot, während der Eh Eh Mann sein zweites gerade vom Boden aufhob, weil es ihm Runter gefallen war. Kapitän Jack versenkte gerade eine Armada von Brotstückchen in seinem Kaffee als befände er sich in einer grossen Seeschlacht und Babs… die sass neben dem Brotauflesenden Eh Eh Mann und war die erste welche aufblickte.
Lag so etwas wie ein hoffnungsvoller Schimmer in ihren vom Alkohol getrübten über Tränensäcken eingefassten Augen? Und schwand dieser nicht schlagartig als sie Kazels Gesichtsausdruck vernahm?

Die Wärter liessen von ihm ab. Und gingen mit Dr. Memeratio ins Stationszimmer um zu raportieren. Bereits die Körperliche Abwesenheit des Arztes, lockerte die allgemeine Stimmung im Raum. Die Insassen waren demnach unter sich. Babs winkte Kazel heran. „Komm her Süsser… und erzähl.“ Meinte sie mit ihrer rauchigen Stimme. Dabei wirkte sie nicht im geringsten Anzüglich… sondern eher besorgt. Auch der Dicke schaute kurz auf. Biss dann gierig in sein Brot. Der Eh Eh Mann pustete gerade Staub von dem seinigen und biss ebenfalls hastig hinein. Wenn er ass… sah es in etwa so aus wie ein eifriger Biber der an einem Baumstamm nagte.

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Kazel Tenebrée
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 2. März 2008, 13:15

<i>"Er sieht etwas blass aus."</i> Kazel reagierte nicht, aber innerlich meldeten sich alle Alarmglocken. Hoffentlich meinte dieser komische Doktor nicht ihn! Auf einen Einlauf konnte er gut und gern verzichten!
Wenn dieser Kerl auch sich auch nur mit einem solchen Ding näherte, würde Kazel türmen, egal wie. Das ließe er ja nun garnicht mit sich machen, niemals. Aber er hatte Glück. Es blieb bei einem Schreck und dem Doktor folgend machten sich Kazel und die beiden Pfleger ebenfalls auf zum Gemeinschaftsraum. Dort ließ man ihn in Ruhe – wenigstens von Seiten des Personals aus. Die Pfleger und Dr. Memeratio verschwand schon bald in einem der Räume.

Kazel hatte sich irgendwo auf den Boden gehockt und gegen eine Wand gelehnt. Er mied den Blick der Verrückten, die sich bislang garnicht mehr so verrückt gezeigt hatten. Brav saßen sie alle am Esstisch und vertilgten, was man ihnen vorsetzte mehr oder weniger ordentlich. Der Eh Eh-Mann machte den Eindruck eines Kleinkindes und spielte offenbar lieber mit seinem Essen anstatt es zu sich zu nehmen. Kein Wunder ließ er immer wieder einmal einen Teil fallen und musste sich dann umständlich runterbeugen, um es wieder aufzuheben. Zeigte dies nicht, dass er nicht ganz so bescheuert sein konnte wie die Pfleger und Ärzte offenbar gaubten? Ein vollkommen Irrer würde das Essen doch einfach liegen lassen, es war aus seiner Welt in die Realität gefallen, die so vielen Wahnsinnigen aus irgendeinem Grund nicht gefiel.

Kazel machte sich darüber keine Gedanken. Er fühlte sich auf seltsame Weise elend, wenn er zu häufig an diese armen Irren dachte. Vor allem jetzt, da sie scheinbar alle auf ihn gezählt hatten.
Der Mischling seufzte. <b>Na, plage ich dich schon wieder? <i>Sei still!</i> Aber, aber, du Idiot! Zurecht hast du ein schlechtes Gewissen. Setz dich nächstes Mal durch und lass dich mitnehmen! <i>Wenn es ein nächstes Mal geben wird ...</i></b>

Er schaute kurz auf. Ja, <i>wenn</i> ... Es war bedrückend. Ebenso fühlte es sich an, Babs, Eh Eh-Mann, den Dicken, Jack und Erdilin zu sehen. Mutter Ruviera war nicht mehr anwesend. Vermutlich hatte man sie in ihre Zelle gebracht. Ob sie wahrgenommen hatte, was hier Schreckliches passiert war? Kümmerte sie der Zustand von Landria überhaupt? War die Elfe in diesen traurigen blauen Augen auch ein Licht oder schaute Mutter Rurviera ebenso durch sie hindurch wie durch alle anderen?

Andere Augen musterten Kazel. Babs schaute ihn an – hoffnungsvoll. Ein kurzer Moment, in dem sich sein Blick mit dem ihren traf und aus ihren rötlich unterlaufenen Augen tropfte die Hoffnung wie aus einem undichten Eimer.
Irgendwo ... tat es weh.

Wieder seufzte Kazel.
<i>"Komm her, Süßer ... und erzähl."</i> Sollte er wirklich hinüber kommen? Sollte er aufstehen und sich ... Verrückten anvertrauen?! Er machte dies doch nicht einmal bei "normalen" Leuten. Bei niemandem mehr. Er hatte versucht Shantih zu vertrauen. Sie hatte ihn hintergangen. Er vertraute auf die pelgarischen Wachen, dass sie Recht von Unrecht würden unterscheiden können – dafür verurteilte man ihm zum Tode. Er hatte Bronko vertraut – der ihn an diese Anstalt ausgeliefert hatte. Und bei Vana wusste er nicht so genau, inwieweit eine legendäre Mörderin vertrauensselig war. <b>Sicher nicht viel weiter als bei dir und du bist höchstens ein legendärer Trottel.</b>

Eigentlich hätte er aus all diesen schlechten Erfahrungen lernen müssen. Eigentlich hätte er nun an seine Wand gelehnt sitzen bleiben und einfach abwarten müssen. <b>Aber Landria konnte ich immer vertrauen ...</b> Sein Hoffnungsschimmer.
Er stand auf. Schlurfte an den Tisch heran und ließ sich neben Babs nieder. Neben Babs! Freiwillig!!!
Die Ellenbogen auf den Tisch abgestützt und Augen und Stirn in die Hände vergraben hockte Kazel da, atmete mehrmals tief durch, ehe er mit trockener Kehle sprach: "Dr. Legler ist zur Klinik unterwegs. Ich glaube, sie hat mich ernst genommen, aber ... wie ihr seht ... hat sie mich nicht <i>mit</i>genommen." Kazel verfiel für eine Weile in Schweigen. Dann: "Wie lange seid ihr schon hier drin und ... kam jemals jemand wieder aus diesem Irrengefängnis heraus?"
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Dienstag 4. März 2008, 22:32

Babs lächelte mütterlich als Kazel langsam heranschlurfte und sich neben sie hockte. Der Eh Eh Mann klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und leckte anschliessend den mit Bodendreck beschmutzten goldig glänzenden Honig von seinem Brot. Ihm zumindest schien es zu schmecken. In der Welt wo ganz andere Dinge von Wichtigkeit waren, störte wohl ein Staubklumpen im eigenen Essen nicht sonderlich und auch wenn… hier waren genug Ärzte die wohl bei jedem wehwehchen sogleich reagieren würden.

Würde der Mann jedoch nochmals auf Kazels Schultern klopfen wollen müsste sich der resignierte Mischling wohl auf eine sehr klebrige Angelegenheit gefasst machen, denn der Irre half mit seinen Händen dem nach, was nicht automatisch den Weg in seinen Mund fand.

Babs rutschte näher. Der Dicke beobachtete Kazel kauend. „Isst du dein Frühstück noch?“ Eine sehr unpassende Frage aber für den Mann offenbar von grosser Wichtigkeit. Schon die ganze Zeit hatte er nämlich auf Kazels beinahe unangerührtes Morgenessen gestiert.

Kapitän Jack versenkte gerade das Flagschiff der Brotflotte. „Bei Mast und Schotbruch musst du auch immer ans Fressen denken Matrose?! Auf hoher See gäbe es nur Zwieback für dich! ZWIEBACK ZWIEBACK ZWIEBACK VON MORGEN BIS AM ABEND HARR HARR HARR. Und vielleicht einmal die saftigen Schenkel einer Frau wenn du es dir leisten kannst! Und Fische! Fische bis du aus dem Maul stinkst davon, dass du mehr für die Schenkel bezahlen musst! HARR HARR HARR.“ Er linst dabei zu Babs hinüber welche ihm mit ihren langen geschwungenen Wimpern zuklimperte. Der Kapitän grinste vor sich her und angelte nach den versunkenen Schätzen in seinem Kaffee welcher er dann hinausfischte und hinunterschlürfte.

Babs rückte weiter vor.

Was war eigentlich mit Erdilin? Ja dieser seltsame Verrückte der irgendwie komisch war aber nicht Verrückt wirkte? War er im Getümmel der anderen Personen die weit auffälligere Charakterzüge an den Tag legten einfach untergegangen? Vielleicht… seine wachsamen Augen beobachteten Kazel und Babs von der Dunkheit aus. Er lehnte an der Wand, die Arme verschränkt und wirkte… niedergeschlagen, ähnlich wie Kazel. Doch aus welchem Grund? Er rieb sich müde wirkend seine linke Schläfe.

Babs rückte vor. So dass sie Kazel schon förmlich riechen konnte – obwohl er nicht stank, nicht so wie Kapitän Jack einen Tag vor dem Duschtermin. Sie schnupperte. <i> . Legler ist zur Klinik unterwegs. Ich glaube, sie hat mich ernst genommen, aber ... wie ihr seht ... hat sie mich nicht mitgenommen."</i> „Oooch armer Schutzritter.“ Hauchte sie mitfühlend und drückte ihn herzlich und bestimmt ohhhhne Hintergedanken an ihre nicht mehr so pralle Brust und begann über seine Haare zu streicheln.

„Armes Armes Baby…“ Hauchte sie immer wieder. <i> "Wie lange seid ihr schon hier drin und ... kam jemals jemand wieder aus diesem Irrengefängnis heraus?" </i> Babs blicke ihn überrascht an. „Dies hier ist doch kein Gefängnis mein lieber!“ Sie tätschelte seinen Kopf. Senkte ihre Stimme. Ihre Lippen berührten sein Ohr. „Solange das was ich brauche rein kommt, muss ich nicht nach draussen, hier ist es immer warm, es gibt regelmässig zu Essen, ich muss nicht arbeiten und mich nicht davor fürchten verprügelt oder ausgeraubt zu werden. Hier ist es nicht schlecht. Ausser Dr. Memeratio hat Dienst.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 5. März 2008, 19:46

Kazel zuckte zusammen und warf dem Eh Eh-Mann einen bösen Blick zu, als dieser ihm auf die Schulter klopfte. "Lass das!", fauchte er und im selben Moment, da er den Blick des Irren sah, tat es ihm leid. Der konnte ja nicht wissen, dass Kazel nicht zu jenen gehörte, die sich gern anpacken ließen – schon gar nicht an Schultern und Rücken. Und der Eh Eh-Mann sollte auch nie den Grund dafür erfahren. Er würde es wohl sowieso nicht begreifen. Aber was er begriff, war, dass Kazel ihn gerade seelisch angegriffen hatte – und offenbar verletzte es ihn. "Tut mir leid", brachte der Mischling hervor. So seltsam es wohl nicht nur ihm selbst, sondern jedem anderen mit klarem Verstand erschien, hier bei den Verrückten war es für Kazel viel einfacher, sich zu entschuldigen. Unter anderen Umständen hätte er dies wohl nicht getan, aber hier ... niemand verurteilte ihn.

In erster Linie Babs nicht, im Gegenteil. Die kam immer näher und dies war Kazel nun doch mehr als unangenehm. Vorsichtig rückte er mit seinem Stuhl ein Stück weiter herüber, näher an den noch immer seifig duftenden Jack herüber.
<i>"Isst du dein Frühstück noch?"</i> Kazel schaute auf und über den Tisch. Der Dicke stierte seine bislang unangerührte Mahlzeit an. Da lag es noch, das Brötchen. Dazu eine Scheibe Käse und ein Stück Wurst. Klein geschnittene Apfelstücke durften für eine gesunde Kost nicht fehlen. Kazel nahm sich ein Apfelstückchen und schob es sich in den Mund. Dann rückte er das Tablett mit seinem Frühstück quer über den Tisch zum Dicken hinüber, ehe dieser sich noch heftiger mit Jack in die Haare bekam. "Iss du den Rest", meinte er nur. Es war ihm gleich, Hunger hatte er nicht wirklich. Noch immer machte sich der Mischling Sorgen und dies würde so bleiben, bis er erfuhr, ob Landria in Sicherheit war.

So bemerkte Kazel zu spät – oh, wie er inzwischen Leid war, so unaufmerksam zu sein! –, dass Babs immer näher gerückt war. Sie nutzte die Gelegenheit und zog Kazel in ihre Arme, strich ihm durchs Haar und wagte einen Versuch, ihn auf beruhigende Weise aufzumuntern. <i>"Oooch, armer Schutzritter."</i>
Kazel versank an ihrer Brust ... ungewollt. Er war sogar zu überrascht, um sich zu wehren, so hing er einen Moment lang reglos an diesen weichen, hängenden ... Polstern. Er schluckte.

"Sch...utzritter?" So war er noch von niemandem genannt worden. <b>"Idiot" bist du eher gewöhnt, nicht wahr, Idiot?</b>
Kazel hätte es nie für möglich gehalten, aber ... er wurde etwas ruhiger. Auch als Babs meinte, dass dies kein Gefängnis sei und die Vorteile eines "Heimes" dieser Art erklärte. Ja, es stimmte. Man kümmerte sich hier um sie. Die Irren hatten Schlafplätze und wurden auch nahrungstechnisch versorgt. "Vermisst du nicht, was draußen auf dich warten könnte?" Er erinnerte sich an den nächtlichen Sternenhimmel und den Mond; seine letzten Gefährten vor jedem erholsamen Schlaf, den er in der Stillen Ebene gehabt hatte. Die letzten, die ihm eine gute Nacht wünschten. Er vermisste sie. An Luziver oder Shantih dachte er erst garnicht.
<i>"Hier ist es nicht schlecht. Außer, Dr. Memeratio hat Dienst."</i>
"Er ... <i>hat</i> Dienst", meinte Kazel. Dann gewann er endlich seine Kraft zurück, dieses Gefühl des Überrumpeltseins schwand. Mit sanftem Druck löste er sich von Babs. "Ich hab keinen Schnaps für dich und trösten könntest du mich auch nicht. Es sei denn, du wüsstest, wie ich hier schnell heraus komme."

Natürlich würde Babs es nicht wissen. <b>Wäre sie sonst hier?</b> Allein dieser Gedanke unterschied Kazel wohl von den anderen am Tisch. Allein dieser Gedanke bewies vielleicht, dass er nicht wirklich zu ihnen gehörte.
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Freitag 7. März 2008, 22:41

Grosse erschrockene Augen schauten Kazel an als dieser den Eh –Eh Mann anfauchte. Er zuckte sichtlich zusammen wie dort als der Dicke ihn angeflucht hatte. Dieser Mann musste sich wohl mit vielen Fehltritten in seinem Leben herumschlagen die immer wieder offen gelegt werden weil die Leute natürlich dementsprechend auf sein Verhalten reagierten. Sie ekelten sich wenn er das Brot vom Boden auflas, störten sich daran wenn er sein Glas ausleert, rollen mit den Augen wenn er Probleme hat sein Hemd anzuziehen oder aber er sich verkehrt ins Bett legte. Ein Mensch wie er wäre in der Welt da draussen hoffnungslos verloren. Er würde wohl zum Narren gemacht werden und verspottet und gedemütigt und gescholten. Ein Leben im Dreck. Dies wurde ihm hier erspart wo über so manches wunderliche Verhalten… nicht ignoriert nein… aber in gewissem Masse toleriert wurde. Denn hier lachte niemand über das Schicksal der Patienten. Höchstens sie selbst ab und an.

Der Eh Eh Mann schaute seine Hand an die er vorsichtig zurückzog… und putzte diese schliesslich an seinen Kleidern ab als meinte er Kazel sei wütend geworden weil sie vielleicht dreckig sein könnte. „Ehhh..“ Seufzte er und blickte traurig. Es schien ihm leid zu tun. Er hatte aufmuntern wollen und nicht ihn wütend machen. Eines hatten die meisten Irren gemeinsam. Ihre Gefühlswelt konnten sie eindrücklich mit ihren Gesten ausdrücken doch meist blickte man dennoch nicht ganz hinein, wie bei Mama Ruvriera die eine solch tiefe aber unbekannte Traurigkeit ausstrahlte. So klar und doch unfassbar, dass man sich eben wie Kazel schon gemerkt hatte, darin verlor.

Babs blickte Kazel durchdringend an. Für sie war der Eh-Eh Mann wie ein kleiner Sohn den sie behütete, daher gefiel ihr gar nicht wie der Elfenmischling mit ihm umgesprungen war. Ausserdem war sie irgendwie auch… schockiert, hatte sie den schmächtigen verschwiegenen Mann eigentlich als zarte Seele eingeschätzt.

Erdilin beobachtete die Szene aus der Ferne und wirkte… ähnlich bedrückt wie der Angefauchte der nervös einen Schritt von Kazel weg gemacht hatte. Er senkte seine Haupt. Schien sich zu schämen.

<i> "Tut mir leid"</i>

Der Eh-Eh-Mann blickte auf. Seine Finger schabten über die Hand welche Kazels Schulter berührt hatte. Er streichelte sie. Seine Blicke trafen jene des Mischlings. Niemand wusste was in dem Kopf dieses Irren vorgehen mochte, wie viel von der Welt er überhaupt verstand… doch er schien verzeihen zu können und nicht Nachtragend zu sein. Denn seine Mundwinkel verzogen sich zu einem versöhnlichen Lächeln. „EH!“ Meinte er deutlich erleichtert und nickte Kazel zu.

Die Welt schien wieder in Ordnung zu sein. Nun lächelte auch Erdilin wieder.

Dem Dicken schien die zwischensequenz völlig egal gewesen zu sein, denn seine ungeteilte Aufmerksamkeit richtete sich gerade auf Kazels Frühstück welches er nun zugesprochen bekan. Er zögerte nicht sich über den Tisch zu beugen und das Tablett in empfang zu nehmen. Gierig begann er Butter aufs Brot zu schmieren und hastig zu essen. Von Genuss konnte nicht die Rede sein, nein der Dicke schlang eher.

<i> "Sch...utzritter?"</i> Babs lächelte. „Natürlich. Weisst du, nur weil diese pelgarischen Wächtersöhne meinen sie seien Tugendhaft und Rein da sie eine glänzende Rüstung tragen, macht sie dies vielleicht Formell zu Rittern…aber…“ Sie tippte auf Kazels Herz.“ Nur wer ein gutes und fürsorgliches Herz in sich trägt, kann sich wahrlich Schutzritter nennen. Du sorgst dich um Landria und du willst sie beschützen niemand zweifelt daran. Das ist sehr schön.“ Sie strich ihm über den Brustkorb nach unten zum Bauch. „Du bist ein wundervoller Mensch… mit einem tollen Körper.“ Raunte sie. Nun bekam man wohl eine Ahnung was Babs vorhatte.

<i> "Vermisst du nicht, was draußen auf dich warten könnte?"</i> Sie kicherte ihre erstaunlich kundige Hand die im Gegensatz zu ihrem restlichen Körper sehr geschmeidig war rutschte unter seinen Hosenbund. „Solange ich meinen Schnaps und Männer wie dich kriege mangelt mir doch an nichts.“ Hauchte sie auf seine Frage und begann mit einer kleinen massierenden Dienstleistung welche den anderen durch den Tisch verborgen blieb. Doch lange konnte sie dies nicht nutzen den Kazel löste sich sogleich von ihr. Sie zog einen Schmollmund, verschränkte ihre Arme und lehnte sich zurück. Blickte Kazel an.

<i> "Ich hab keinen Schnaps für dich und trösten könntest du mich auch nicht. Es sei denn, du wüsstest, wie ich hier schnell heraus komme."</i> Oh welch verschmitztes Grinsen sich über ihr aufgedunsenes Gesicht erstreckte. „Natürlich weiss ich dies… .aber… was willst du mir dafür geben?“ Sie schielte zu ihrem Ausschnitt. Sie schien da was zu wissen.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 10. März 2008, 13:38

Der Eh-Eh-Mann verzieh ihm, gab dies nicht nur mit hochgezogenen Mundwinkeln und einem freundschaftlichen Lächeln bekannt, sondern auch noch mit einem seiner typischen EHs. Der Irre schien selbst erleichtert, dass es nicht bei gedrückter Laune und einem Streit blieb. Er nickte Kazel zu, welcher das Nicken zögerlich erwiderte.
Diese Szene stimmte den Mischling nachdenklich. Ausgerechnet hier, in einem Haus des Wahnsinns und der verworrenen Gedankengänge, an einem Ort der Verrücktheit, fand man noch ehrlich gemeinte Gesten des Verzeihens und war froh darüber. In Morgeria gab es nicht einmal eine Beschreibung für diesen Begriff. Da wurde nicht verziehen, da wurde getötet.
In der Einsamkeit der Stillen Ebene musste man sich höchstens selbst einmal verzeihen und das kam selten vor (üblicherweise rechtfertigte man sich höchstens vor sich selbst).
In Pelgar, der celcianischen Hauptstadt, wurde wohl nur Nichtdunkelelfen verziehen. Alle anderen, auch mutmaßliche Komplizen des dunklen Volkes, landeten im Kerker, während der Unverzeihliche zum Tode verurteilt wurde.
Nur hier, in dieser festungsgleichen Anstalt, unter Außenseitern – weil sie anders dachten und handelten als die Gesellschaft oder seltsam aussahen, wenn sie ständig sabberten – hier existierte noch dieses Gefühl von Reue und Verständnis gegenüber dem, der sie zeigte. Kazel atmete aus. Seufzte. Es missfiel ihm, aber er musste es sich eingestehen: bei derlei Behandlung, den Gesten und Worten, die man ihm schenkte, fühlte er sich ... wohl. Wohler sogar noch als bei Landria, die ihm nur aufgezeigt hatte, wer an seinem Schicksal Schuld trug und wer für sie alle gefährlich sein konnte.

Unter den Verrückten gab es dies nicht. Zwar sorgten sie sich ebenso wie er um das Licht der Anstalt Burgstein, doch das war es auch schon. Höchstens noch Dr. Memeratio konnte Gefahr ihrer Welt werden.
Dennoch ... Kazel fehlte die Freiheit. Er fühlte sich vielleicht unter den Anwesenden recht wohl, aber nicht an dem Ort, an dem sie sich befanden. Flüchtig warf er einen Blick zur Decke. Steinig und kahl war sie. Alt ... Kein Himmel, keine Sterne ... er vermisste beides.

Zum Glück gab es da noch Babs. ob Kazel selbst es als Glück bezeichnen würde, blieb unbeantwortet, doch wenigstens lenkte ihre Plauderei ihn von seiner Sehnsucht ab.
Fragend schaute er sie an. Sie gab ihm wohl gern sonderbare Spitznamen. <i>"Natürlich. Weiß du, nur weil diese pelgarischen Wächtersöhne meinen, sie seien tugendhaft und rein, da sie eine glänzende Rüstung tragen, macht sie dies vielleicht formell zu Rittern ... aber .. Nur wer ein gutes und fürsorgliches Herz in sich trägt, kann sich wahrlich Schutzritter nennen."</i>
Kazel lächelte – bitter. "Dann bin ich keiner." War sein Herz doch nur noch ein kleines, abgestorbenes, schwarzes Ding. Ungeliebt, hintergangen, herausgerissen, getreten und weggeworfen. Ein solches Herz konnte keine Fürsorge mehr empfinden, so dachte er.
<i>"Du sorgst dich um Landria und du willst sie beschützen, niemand zweifelt daran. Das ist sehr schön."</i> Kazel stieß ein flaches Keuchen aus. Babs berührte seinen Körper mit solcher Routine und ohne jegliche Scheu, dass es ihm die Nackenhärchen aufrichtete. Eine Gänsehaut breitete sich auf seinen Unterarmen aus und er lehnte sich etwas zurück, um der wandernden Hand zu entkommen. "Du sorgst dich auch um sie. Ihr alle", versuchte er das Gespräch fortzuführen, um Babs von ihrem Erkundungshang abzulenken. Ein Schweißtropfen perlte auf Kazels Stirn.

<i>"Du bist ein wundervoller Mensch ... mit einem tollen Körper."</i> Zischend sog er die Luft ein, war vollkommen angespannt – und spürte, wie ihm Hitze und Röte zugleich in die Wangen schoss. Jegliche Gefühle für das andere Geschlecht – selbst wenn es sich von der Erscheinung her nur um Frauen wie Babs handelte – konnte er noch nie verbergen. Dafür hatte Kazel zu wenig Erfahrungen gemacht. Es ärgerte ihn, dass sein Körper ihn in solchen Situationen einfach hängen ließ.
"Ich bin kein Mensch ...", brachte er flach atmend hervor. Babs kam ihm für seine Verhältnisse schon wieder viel zu nahe. Soeben schob sie ihre Finger unter seinen Hosenbund. Kazel erstarrte.

<i>"Solange ich meinen Schnaps und Männer wie dich kriege, mangelt es mir doch an nichts."</i> <b>Hilfe!</b> "Männer ... wie ... m-mich?!" Er rutschte ein Stück auf seinem Platz zurück, doch kam nicht sehr weit. Kapitän Jacks Ellenbogen rammte sich ihm ins Kreuz und Kazel keuchte auf, rutschte dennoch weiter zurück. Lieber einen spitzen Ellenbogen im Rücken als eine Babs an seine intimsten Stelle. Er schluckte.
Babs hingegen zeigte sich schmollend, verschränkte die Arme.

Er versuchte, ihr die letzte Hoffnung zu nehmen, seinen Körper besitzen zu können. Er offenbarte ihr, dass er keinen Schnaps besaß und selbst wenn sie trösten wollte, würde sie es nicht können – nicht mit ihren Händen oder .... Kazel schauderte ... mit mehr. Lediglich aus Burgstein zu entkommen, wäre ein Wunsch, den sich Kazel nur zu gern erfüllen ließe. Umso weiter riss er die Augen auf, als Babs ihm diesbezüglich antwortete und ein Grinsen an den Tag legte, welches erahnen ließ, dass sie ohne des Alkohol vielleicht sogar einmal ansehnlich gewesen war.

<i>"Natürlich weiß ich dies ... aber ... was willst du mir dafür geben?"</i>
"Du WEISST einen Weg hier raus?!" Kazel konnte es nicht glauben. Diese Irre wusste einen Ausweg und sprach es so selbstverständlich aus, als könne sie nun einfach zu Dr. Memeratio gehen und ihn in Kenntnis setzen, dass sie ginge – und niemand würde sie aufhalten.
Kazel beugte sich vor, packte Babs an den Schultern, schaute sie an – bereits jetzt so dankbar wie er sonst keinen Menschen in seinem Leben angesehen hatte – und drückte sie an sich. Er umarmte sie fast schon innig und für einen kurzen Moment war es ihm egal, ob ihre Finger nun über seine Narben am Rücken fuhren oder wieder die Stelle unterhalb seines Hosenbundes fanden. Doch dann klärten sich seine Gedanken wieder. Babs würde ihr Wissen nicht ohne Gegenleistung herausrücken. Was konnte er ihr schon geben? <b>Nein, nicht das!</b>
Kazel dachte fieberhaft nach. Sie musste sich doch noch etwas Anderes wünschen. Er schaute sich um, sah den Dicken sein Frühstück verputzen und den Eh-Eh-Mann erneut sein Glas umwerfen. Da kam ihm eine Idee.

"Ich hole euch alle hier heraus. Ich nehme euch mit!", hauchte er Babs ins Ohr, löste dann die Umarmung auf und erhob sich. "Wir hauen ab. Wir alle. Babs zeigt uns den Weg und ich nehme euch mit. Wir könnten einander helfen und nie wieder wäret ihr Gefangene dieser Festung."
Seine Worte hinterließen anscheinend wenig Begeisterung, so begann Kazel, auf jeden einzelnen einzureden. Sie mussten doch zu locken sein, seine kleine <i>persönliche Armee aus Irren</i>.
"Jack, draußen müsstest du dich nie wieder waschen lassen – es sei denn, du willst es. Vielleicht könntest du dir auch ein Schiff beschaffen. Dein eigenes Schiff, Käpt'n. Und du ... äh ... mein dicker Freund, könntest von Schankhaus zu Schankhaus ziehen und essen, soviel du willst. Sämtliche Speisen Celcias lägen dir zu Füßen. Nicht immer nur Brot, auf das der Eh-Eh-Mann sein Wasser ausschüttet." Sogleich drehte er sich um. "Eh-Eh-Mann ... du könntest zeigen, was in dir steckt. Oder eine Sprachschule besuchen, damit du dich richtig verständigen kannst oder ..." Wieder wandte sich Kazel um, schaute Babs an. "Oder du eröffnest mit Babs eine kleine Schenke. Die beste Taverne Celcias. Ihr könnt Schnaps brennen, habt stets nette Leute um euch herum und niemand zwingt euch zu Dingen, die ihr nicht tun wollt."

Kazel ergriff die Hand der Alkohol-Abhängigen. "Bitte."
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Sonntag 16. März 2008, 00:56

Babs Hände dachten nicht daran Kazels Rücken zu erkunden, jetzt wo sie doch gerade die Schranke seines Hosenbundes durchbrochen hatten. Schliesslich wusste sie, dass die Schätze welche sie anstrebte sich dort unten verbargen und nicht anderswo… sonst währen Elfenmischlinge wohl seltsamer als sie bis anhin geglaubt hatte und so schnell fand ihre Hand auch den besagten Weg – unter seinen Hosenbund als dieser sie so heftig umarmte. Voller Freude… und sie wollte ihm auch noch gewisse Freuden bescheren. Plötzlich starrte er sie an und sie ihn. Beide erstarrten für einen Moment. Ihre Hand noch immer an seiner Männlichkeit ruhend.

Von hinten trat ein leichtes, nervöses stöhnen an Kazels Ohr. Es stammte von Erdilin der sich fester an die Wand drückte und arg ins schwitzen geraten war.

Der Dicke blickte auf. Riss dann seine Augen auf und glotze. „WAS BEI ALLEN SCHWEINSHAXEN TUT IHR DA!“ Ereiferte er sich empört. „HIER vor all diesen Leuten! HIER! Seid ihr denn VERRÜCKT?!“

(Offiziell waren sie dies ja tatsächlich.)
Er deutete auf Erdilin. „Der da wird ja schon ganz spitz davon!“ Dies stimmte wohl nicht ganz, denn egal was der Nachtelf gerade empfand, es schien nicht sonderlich angenehm, wenn auch zugegebenermassen verwirrend… es schien als würde sein Körper nicht seinem Geist gehorchen, wie bei Kazel… doch im Gegensatz zu dem Mischling hatte der seltsame Mann auch noch einen empörten… und gleichzeitig belustigten Ausdruck im Gesicht und er schmunzelte als einige Sekunden… bevor sich der Kapitän erhob.

„Und dein Fetter Kopf Rot wenn du dich so ereiferst fressender Smutje! Hahehehehe“ Lachte Kapitän Jack über seine eigene glanzvolle Bemerkung. Schliesslich musste er ja auch noch seinen Senf beisteuern, schliesslich war er hier der Kapitän dieses Schiffs Namens SS Burgstein.

Babs errötete nun ihrerseits und zog überraschenderweise ihre Hand zurück. „Tut mir leid Kazel.“ Hauchte sie und blickte beschämt zu Boden. Sie wusste ja dass sie sich nur schwer kontrollieren konnte wenn sie Aussicht auf rein gebranntes Witterte. Genau um dies Abzugewöhnen war sie ja eigentlich hier. Doch Kazel machte den Verrückten gerade ein anderes Gedankengut schmackhaft… jenes der betörenden Freiheit, in denen ihnen nicht verwehrt wurde was hier als Krank galt und zu behandeln war.

Irritiert starrte Babs in diese freudigen, dankbaren tintenfarbenen Augen. Irgendwie machte er ihr so Angst. „Eh?!“ Machte der Eh-Eh-Mann unsicher ehe er wieder ein Glas umstiess. Es war unerwähnt, dass der Dicke freilich sich mit vollem Munde ereifern konnte.

<i> "Ich hole euch alle hier heraus. Ich nehme euch mit!"</i> Ihre Pupillen weiteten sich. „Was sagst du da Junge?!“ Hauchte sie noch verwirrter. Nun hatte Kazel wohl gerade seine Irren fünf Minuten.

<i> "Wir hauen ab. Wir alle. Babs zeigt uns den Weg und ich nehme euch mit. Wir könnten einander helfen und nie wieder wäret ihr Gefangene dieser Festung."</i> Er genoss plötzlich ungeteilte… jedoch verwirrte Aufmerksamkeit. „Was?!“ Meinte der Dicke mit reichlich von Brot und Wurst gefüllten Backentaschen. „Häh?! Machte der Käpitän und kratzte sich am Kopf. „Gib genauere Koordinaten durch Navigator!“ Fügte er nicht verstehend hinzu. „Eh?“ War die knappe jedoch nicht minder erstaunte Reaktion des Eh-Eh- Mannes. Selbst Erdilin blickte erstaunt, schwieg jedoch.

Wie hätte wohl Mutter Rurviera angesichts dieser Worte reagiert… vermutlich… leider… gar nicht.

<i> "Jack,“</i> „Kapitän Jack!“ Korrigierte der Alte ihn barsch. „Aye was willst du?“ Meinte er schliesslich und hörte sich die Worte des Mannes an. <i>“Draußen müsstest du dich nie wieder waschen lassen – es sei denn, du willst es. Vielleicht könntest du dir auch ein Schiff beschaffen. Dein eigenes Schiff, Käpt'n.</i> „Hahehehe! Ein SCHIFF! Bei dem fetten Busen Mathildas und Isabellas wenn ich DAS nochmals erleben könnte!“ Schwärmte er begeistert.

<i> Und du ... äh ... mein dicker Freund,</i> „Heinrich.“ Brummte der Dicke. Was eher wie „Hnrch“ tönte, da er wieder mit vollem Munde sprach. <i>“könntest von Schankhaus zu Schankhaus ziehen und essen, soviel du willst. Sämtliche Speisen Celcias lägen dir zu Füßen. Nicht immer nur Brot, auf das der Eh-Eh-Mann sein Wasser ausschüttet."</i> Er runzelte die Stirn. Wie immer schien der Dicke irgendwie eine Spassbremse zu sein. Diesmal schluckte er aber erst bevor er sprach. „Ach und mit wessen Geld soll ich dies Bezahlen mhm?!“ Meinte er bitter.

<i> "Eh-Eh-Mann ... du könntest zeigen, was in dir steckt. Oder eine Sprachschule besuchen, damit du dich richtig verständigen kannst oder ...</i> Wie der Mann wohl hiess? Es wusste es niemand hier. Ob er überhaupt verstand was Kazel sagte? Ab und an reagierte er ja so auf gewisse Aussagen, dass man zumindest annehmen konnte dass er nicht gänzlich dieser Welt entflohen war und sein Sprachunvermögen sich allein auf seinen Ausdruck beschränkte, und nicht das Verstehen andere Miteinschloss.

Diese Vorstellung… alleine da draussen zu sein schien dem Eh-Eh-Mann Angst zu machen. Er machte sich klein. „Ehhhh“ Stiess er missmutig aus.

<i> "Oder du eröffnest mit Babs eine kleine Schenke. Die beste Taverne Celcias. Ihr könnt Schnaps brennen, habt stets nette Leute um euch herum und niemand zwingt euch zu Dingen, die ihr nicht tun wollt."</i> Der Mann blühte plötzlich auf. Dies schien ihm doch besser zu gefallen. Er blickte zu Babs. „EH?!“ Als meinte er: „Würdest du es mit mir tun?“ Babs blickte zu ihrem Schützling hinunter. Lächelte ihm warm zu und nickte.

„Glaubst du es fällt den Pflegern hier nicht auf, wenn plötzlich die ganze Station fehlt mein lieber Freund?“ Schaltete sich Erdilin nun ein. „Ja… und was ist mit Mutter Rurviera… was ist mit ihr?“ Fragte Babs.

Der Plan Kazels hatte durchaus eine Anziehende Wirkung auf die Verrückten, doch er war auch mit einigen Ängsten behaftet die sie nun aussprachen.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 16. März 2008, 16:26

Kazels spitzes Elfenohr zuckte, als er das Stöhnen Erdilins vernahm, doch er konnte derzeit nicht darauf reagieren. All seine Konzentration sammelte sich ... an anderer Stelle. Ihm wurde ungeheuer heiß und er wusste, dass seine Wangen knallrot sein mussten. Vermutlich bemerkten die anderen Verrückten deshalb auch, was Babs gerade im Begriff war zu tun.
Erleichtert atmete Kazel aus, als sie – vom Dicken getadelt – die Hand mit einer Entschuldigung auf den Lippen zurückzog.

Viel wichtiger waren Kazel jedoch die Worte, die sie ihm anschließend darbot. Sie kannte einen Weg hinaus. Und da der Mischling keinerlei Lust hatte, mit Lust an diese Informationen heran zu kommen, versuchte er es bei den Verrückten über das sehnsüchtige Gefühl der Freiheit, das auch in seiner Brust mit jedem Herzschlag pochte und verlangte, erfüllt zu werden.
Das Resultat war ... überraschend.

<i>"Was sagst du da, Junge?!"</i> Er blickte Babs an, so ernst und dennoch aufgeregt, ob der Möglichkeit, die sie ihm mit ihren Worten eröffnet hatte. Er spürte aller Blicke auf sich ruhen, wusste, dass er sie jetzt weiter anstacheln musste. Er musste ihnen dieses Angebot so schmackhaft machen, dass sie nicht mehr lange überlegten und nur noch hier heraus wollten. "Ich sage, was ich denke: Dass man euch alle nicht einsperren und von der Welt da draußen abschotten sollte! Das ist doch kein Leben, hier drin ... mit Dr. Memeratio oder allein in den Zellen, nur ab und zu im Gemeinschaftsraum. Ich sage, auch wir – ihr und ich – verdienen es, das Leben auszukosten. Und dies draußen!"

Er gewann sie, denn zumindest stellten sie sich bereits die Fragen auf ein mögliches Leben außerhalb von Burgsteins Mauern. Es steckte nur eines hinter Kazels Worten: pure Leidenschaft. Er war so lange in Gefangenschaft gewesen und so oft; die Kerker seiner Mutter, Pelgars Gefängnis, die Zelle hier in Burgstein, die Anstalt selbst. Da entflammte wahrlich nur noch Leidenschaft, wenn es die Möglichkeit auf Freiheit gab. Und derzeit war Kazel bereit, all sein Herzblut in eine Flucht zu stecken. Die Wärter, die ihn von der Gittertür bis hierher begleitet hatten, würden wohl ihren Augen nicht trauen. So schnell konnte aus Resignation Begeisterung entstehen. Kazel strahlte eine Euphorie und Entschlossenheit aus, die zum Anstecken einlud.

Nur der Dicke – sein Name war Heinrich – ließ sich nicht von Kazel in den Bann ziehen wie beispielsweise Kapitän Jack, der bereits wohl schon von einer eigenen Flotte träumte. <i>"Ach und mit wessen Geld soll ich dies bezahlen, mhm?!"</i>
Erdilin und Babs warfen weitere Punkte ein, an denen Kazels Plan noch keineswegs als ausgereift bezeichnet werden konnte.
Doch davon ließ sich der Mischling nicht abschrecken. Er wagte sogar einen weiteren Schritt, angetrieben von seiner eigenen Leidenschaft und Begeisterung. "Ich bin vor Jahren aus Morgeria geflohen. Ich wurde verfolgt, aber ich habe es geschafft. Wir müssen nur weit genug weg kommen von dieser Anstalt, dieser Stadt. Sie werden uns nicht suchen, weil sie uns für verrückt und wahnsinnig halten. Menschen wie die Pfleger und die Doktoren glauben doch, dass Verrückte nicht lange auf offener Straße überleben können. Wenn wir nur ... Landria erreichen und in die Klinik kommen, werden wir alle vom Gegenteil überzeugen können. Dann lässt man euch offiziell gehen. Bestimmt. Und vorhin habt ihr auch alle hinter mir gestanden. Wir kommen hier heraus und wir schauen, wie es Landria geht. Wir sind nicht so verrückt wie andere es uns glauben machen wollen!"

Er wandte sich wieder Babs zu. Nie hätte er gedacht, dass diese ausgelaugte, alkoholkranke Frau einmal der Schlüssel zu seiner Freiheit werden würde. Mit leuchtenden Augen schaute er sie an. "Mutter Rurviera nehmen wir natürlich mit und wenn ich sie eigenhändig auf dem Rücken tragen muss", beharrte er. "Bitte, zeig uns jetzt den Weg, solange die Pfleger noch nicht zurück sind."
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Montag 17. März 2008, 01:33

Zweifel keimten auf, doch Kazel versuchte diese mit seiner Leidenschaft im Zaum zu halten. <i> "Ich sage, was ich denke: Dass man euch alle nicht einsperren und von der Welt da draußen abschotten sollte!</i> Babs und der Eh Eh Mann blickten ihn direkt an. Der Dicke senke betroffen sein Haupt und Kapitän Jack hielt seine Augen geschlossen und lauschte den Worten des Elfen als stammten sie von den Sagenumwobenen Sirenen – Amazonen die ihre Beute – einsame Seemänner - mit Lockrufen auf ihre Insel führten um sie ihrer Triebhaftigkeit anschliessend zu strafen. Er liess sich treiben auf dieser Welle von Hoffnung, Leidenschaft und der Aussicht auf diese für ihn so süsslich nach salzigem Meereswasser schmeckenden Freiheit. „Ayeeeeee… „Raunte er sichtlich angetan.

<i>“Das ist doch kein Leben, hier drin ... mit Dr. Memeratio oder allein in den Zellen, nur ab und zu im Gemeinschaftsraum. Ich sage, auch wir – ihr und ich – verdienen es, das Leben auszukosten. Und dies draußen!" </i>

„Eh!“ Protestierte der Eh-Eh-Mann. Wie konnte Kazel dies so bezeichnen, er war noch nicht wirklich lange hier… im Gegensatz zu den anderen die schon Jahre hier verbracht haben mochten! Der Widerstand tat sich wohl deshalb auf, weil der Eh-Eh-Mann offensichtlich nicht all zu unglücklich mit seinem Leben war. Niemand kannte seine Geschichte, seine Hintergründe seine Erlebnisse…

Des Eh-Eh-Mannes Augen wurden glasig als er an die Welt da draussen dachte…

<i>“Der junge Mann war gerade mal im Alter von 28 Jahren. Er war in einem Vorort von Pelgar geboren und war Sohn einer Bauersfamilie. Sein Vater arbeitete hart um die Abgaben an die Stadt stets bezahlen zu können, seine Mutter sorgte als Bäckerin und begabte Näherin für zusätzlichen Verdienst. Der Grosse Wunsch seiner Eltern war es immer gewesen Kinder zu kriegen und so schenkte die Bäckerin ihrem Gatten vier Kinder. Allesamt gesund, und drauf und dran sich prächtig zu entwickeln. Doch dann, als der Eh-Eh-Mann zwei Jahre alt war erreichte ihre Familie eine schreckliche Krankheit, welche mit Fieber und heftigen Kopfschmerzen einhergingen. Seine Geschwister erlagen an der rätselhaften Krankheit und um nicht auch noch ihr letztes Kind zu verlieren, gaben die verzweifelten Eltern ihren letzten Notgroschen für einen Medicus aus der Stadt aus. Dieser nahm sich des Bauernjungen an und diagnostizierte eine seltene Erkrankung der Hirnhäute, an welchem das Kind bestimmt erliegen würde, er bot den weinenden und zutiefst erschütterten Eltern an, dass Kind gleich eigenhändig im nächstem Fluss zu ertränken – um ihm weitere Leiden zu ersparen oder aber… er würde den Jungen zum Studium mitnehmen und seinen Eltern gar die Behandlungskosten zurückerstatten.

Sie gingen den Handel ein und verkauften in ihrer Not ihren Todkranken Sohn an den Medicus, weil die beiden Eltern wussten, dass die Mutter wieder eine Kindesfrucht in sich trug, die Nahrung für den bevorstehenden Winter brauchte. Mit dem Erlös von ihm sollte sein noch ungeborener Bruder also überleben…. Und dieser Handel… sicherte auch seines.

Denn wider erwarten des Mediziners starb der Junge nicht, sondern erholte sich nach zwei Monaten des Fiebers. Doch seine Krankheit hatte teile seines Gehirnes zerfressen, was sich durch eine auffällige Ungeschicklichkeit und Lernschwäche zeigte.

So interessant der Junge auch als Studienobjekt gewesen sein mochte, mit dem verlauf der Jahre wurde er dem Mediziner zu teuer, denn er brauchte viel Zuwendung und wurde auch stets hungriger. So warf er den Jungen auf die Strasse, da er in der Zwischenzeit gar den Namen seiner Eltern vergessen hatte. Nicht so der Junge, dessen einzige Erinnerung an seine frühe Kindheit im Namen seiner Mutter lag. Ehldra. Doch seine Zunge vermochte weder ein l, noch ein d, noch ein r, oder gar ein a zu formen, denn sein Kopf konnte die Leistung solche Wörter motorisch umzusetzen nicht bringen. Allein E und H blieben ihm hold. „EH….“ Wurde zu seinem Ausdruck. Der stetige Ruf nach seiner Familie, seiner Heimat seiner Mutter… wandelte sich schliesslich, im Verlauf der Jahre zur eigenen Sprache.

Wo er auch hinging, so wurde er aufgrund seiner Sprachlosigkeit ausgelacht, verspottet und gar zum Narren gemacht. Die Bürger beschimpften ihn als Dümmling, als Idioten. Gaben ihm – wenn sie mitleid hatten, etwas vom Futter der Hunde ab… und wenn sie es eben nicht hatten, scheuchten sie ihn mit kräftigen Tritten fort. So schlug er sich durch… Tag für Tag…

Halb erfroren lag er eines Wintermorgens am Sockel der Heldenstatue von Jayna Fink. Als ein Lederstiefelpaar welche unter einem schwarzen Mantel hervorlugten, vor ihm stehen blieb. Der sinnliche Duft von Slefa einatmend blickte der junge vor Kälte bibbernde Mann auf und sah in das wohl schönste Gesicht welches er je in seinem Leben gesehen hatte. Feine Hände berührten seine Wangen.

Und die Frau…die damals noch junge Landria Sinal die damals gerade als Assistenzärztin in Burgstein begonnen hatte bot ihm ein neues Zuhause.</i>

Der Eh Eh Mann schüttelte sich, denn dies war nun einige Jahre her. Fünf? Sieben? Zehn Jahre vielleicht?

Und diese Rettung… dieses Zuhause… bezeichnete der Mischling gerade als Lebensunwürdig und sprach vom herrlichen draussen…

Nun mochte man des Eh Eh Mannes Ängste wohl verstehen… die er niemandem Mitteilen konnte. Er senkte seinen Blick. Schaute Babs unsicher an. Er fühlte sich so allein und fürchtete sich vor dem grossen Draussen.

Der Dicke seufzte. Was war mit ihm, dass er solche Einwände erhob?

<i>Heinrich van Töbels war sein voller Name. Der letzte Sprössling einer alten Adelsfamilie. Gebürtiger Andunier und ehemaliger Weingutbesitzer, des bekannten andusischen Apfelweins dessen Ursprungsfrucht, noch immer das Wappen seiner Familie zierte. Dass Heinrich so viel ass war lediglich eine Nebenwirkung von einer starken Salzhaltigen Pastille, welche von Dr. Sinal „Substanzia Lithia.“ Genannt wurde. Der Grund für seinen Sozialen zerfall stellte nämlich… sein eigener Arbeitseifer dar. Heinrich van Töbels war immer ein eher ruhiger, zurückgezogener Mann gewesen, bis sich sein Verhalten plötzlich schlagartig änderte. Er wurde gesellig, war erfolgreich, schaffte sich viele Freunde und galt gar als eines der grössten Geschäftsgenies Anduniens… doch dann stieg seine Spekulationsgier über den Gesunden Rahmen hinaus, er riskante Geschäfte abzuschliessen, schlief kaum noch, schrieb dutzende Dokumente, stellte die Waghalsigsten Weinformeln her und setzte alles daran sie zu verwirklichen. Investierte sein ganzes Vermögen in die Herstellung eines neuen Apfelweine – und scheiterte kläglich. Als ihm sein Verlust bewusst wurde, stürzte er in eine tiefe Depression, seine geliebte Ehefrau begann ihn plötzlich anzuwidern und er begann an seiner Zeugungsfähigkeit zu zweifeln. Obwohl seine Frau ihn liebte und ihm treu sein wollte, verliess er sie kurzerhand, fristete ein tristes da sein in Melancholie, während seine Diener sein Vermögen retteten und das Weingut allmählich wieder in die schwarzen Zahlen brachte. Alles schien sich zum guten zu wenden, bis er wieder diesen Drang zum Grossen verspürte. Plötzlich strotzte er nur so von Energie und binnen weniger Wochen wurde er wieder zu dem Geselligen und oft gesehenen Geschäftsmann. Doch er unterlag einer fürchterlichen Enthemmung. Er begann viele Liebeleien. Begann die Frauen von Einflussreichen Geschäftspartnern zu bedrängen und investierte Gelder die er gar nicht besass. Diesmal konnte das Weingut nicht gerettet werden und er musste um seine Schulden zu bezahlen es schweren Herzens an die Stadt Andunie abtreten. Wieder folgte auf die Manie die Depression und das tragische Schicksal nahm seinen Lauf. Beim versuch sich zu erhängen wurde er von seinem treuen Butler Bernhard gerade noch erwischt… und daraufhin auf diskretes Anraten durch Dr. Wagner – einem engen Freund der Familie an die Klinik Burgstein verwiesen. </i>

Wieder seufzte der Mann und drückte sich nochmals zwei Scheiben Brot rein. Er hatte so viele Reichtümer besessen… und nun wusste er noch nicht einmal mehr, mit was er ein verdammtes Brot hier in dieser Stadt zahlen sollte… auch sein Wunsch nach Freiheit… schien nur bedingt.

Erreichten seine Worte den Tatsächlich niemanden? Nun…

Ein Philosoph pelgars und ebenfalls bereits verstorbener Insasse Burgsteins, dessen Weisheit leider nicht genügt hatte, dass sein Namen nicht im Verlaufe der Zeit in Vergessenheit geraten war, sagte einst über das Wesen eines Menschen, der Sinnbildlich für alle anderen Stand, folgendes aus aus:

<i>…„Gibt es nicht den von Manthala gesegneten Urtraum im Herzen eines jeden Menschen? Hört, ich sah eine Frau vor mir stehen, deren Körper und Geist wie erstarrt wirkte, obwohl ihr Herz noch ruhelos und gleichmässig zugleich schlug. Ich sah in ihre tiefen blauen Augen und verlor mich mit dem Blick auf einem kleinen Schiff voller Sehnsucht welches auf einem Meer aus Leere trieb, irgendwo tief in ihrem Inneren verborgen… Es war so als schien ihr Wille schon längst gebrochen und so sehr mich diese unendlich weiten Augen faszinierten – so sehr bedrückten sie mich auch, denn ich sah immer wieder wie dieses Schiff aus Sehnsucht, von der Leere verschluckt wurde.

Ich sann lange über diese Frau nach… und da stiess ich auf die Existenz des Urtraums, der innerste Wunsch eines Menschen… und ich verstand, dass wenn ich den Körper und den Geist aus der Erstarrung lösen möchte, erst ihr Herz berühren musste. Denn warum sollte sich eine Hand bewegen, wenn sie doch nur in Leere ertränkt?“…</i>

Weise Worte eines Mannes, die nie über die Mauern Burgsteins hinaus gelangt waren. Nur eine wusste über die Existenz dieser Gedanken bescheid. Eine Insassin. Mit tiefblauen Augen, die so traurig wirkten – weil sie den Blick auf ihr in Leere treibendes Schiffchen aus Sehnsucht preisgab.

Mutter Rurviera.

Die Alkoholikerin lächelte kehlig und winkte ab. Strich Kazel kurz über die Wange und seufzte dann. „So schnell geht dies natürlich nicht mein Lie….“ Babs brach mitten im Satz ab. Erstaunen machte sich in ihrem Gesicht breit.

Sie war da.

Niemand hatte sie in den Gesellschaftsraum begleitet. Niemand hatte ihre Anwesenheit bis anhin bemerkt, stand sie doch unscheinbar in ihrem schwarzen Kleid im Torbogen des Eingangs in die Gemeinschaftshalle.

Ihr Körper schien sich von ihrer Erstarrung gelöst zu haben… ihr Geist… schien einen Willen in die Welt zu tragen… Ein Herz war berührt worden. Die Alte blickte Kazel direkt an…

… und lächelte. Lächelte ihn an. Dankbare Augen aus azurblau. Das Schiffchen aus Sehnsucht, bekam Rückenwind.

Erdilin lächelte vor geteiltem Glück still vor sich hin und hielt sich noch immer an die Wand gepresst.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 19. März 2008, 20:23

Noch immer gab es Protest. Nicht alle waren von Kazels Plänen begeistert. Kapitän Jack hatte er wohl für sich gewonnen. Zufrieden raunend und mit geschlossenen Augen hockte dieser da und lauschte. Der Eh Eh-Mann aber stieß sein Unbehagen eindringlich aus und sein Blick war auf Kazel gerichtet.
Der Mischling kannte seine Geschichte nicht und auch nicht die der anderen. Dennoch maßte er sich an, hier von Gefangenschaft zu sprechen. Vielleicht war einer der Insassen auch freiwillig hier, wer konnte das schon wissen? Kazel jedenfalls nicht. Der Bengel zählte wohl zu den jüngsten unter der kleinen Gruppe Verrückter. Er hatte doch gar keine Ahnung, was es für einige bedeutete, dass man sich hier um sie kümmerte – sie vor diesem schrecklichen Draußen beschützte, in dem sie sich doch nicht zurechtfinden würden. Kazel war viel zu kurz hier, um auch nur im Ansatz zu ahnen, wie wohl sich hier einige fühlten.
Wenigstens der Eh-Eh-Mann hatte hier eine gewisse Geborgenheit kennen gelernt, nicht zuletzt, weil sich Babs beinahe rührend um ihn sorgte.

"Ich will nicht hier drin bleiben. Hinter Mauern." <b>Kerkermauern und Gitter ...</b> Kazel schauderte. Zugleich aber fühlte er sich auch nicht mehr so wohl, die Verrückten von seinem Plan überzeugen zu wollen. <b>Ja, nutze sie nur weiter aus. Wir beide wissen, dass du sie stehen lässt, sobald du raus bist. Du rennst dann zu Landria und anschließend suchst du nach einem Messer und nach Shantih. <i>Ich ...</i> Gib's zu. Du missbrauchst das Vertrauen dieser armseligen Irren, die hinter dir Aufstellung genommen hatten.</b> Kazel biss sich auf die Unterlippe. Sein Gewissen, seine innere Stimme, hatte da garnicht so unrecht. Er nutzte sie aus, zu seinem eigenen Vorteil ... und es war ihm gleich, wenn er nur hier herauskäme. <b>Kazel Tenebrée, Idiot und Anführer der Wahnsinnigen!</b> "Sei still", knurrte er leise. Es gefiel ihm nicht, dass sein Gewissen in letzter Zeit so moralisch auf ihn einsprach. Eigentlich müssten sie beide ein Team sein.

Da berührte etwas seine Wange. Kazel schaute auf. Es war Babs. Ihre Blicke trafen sich. "Wir sollten gehen", wiederholte Kazel. Wenn er sie jetzt nicht dazu drängte, würde Babs ihm wohl niemals mehr den Weg in die Freiheit zeigen. Aber zu Kazels Schrecken, begann sie zu sprechen: <i>"So schnell geht dies natürlich nicht, mein Lie..."</i> Sie unterbrach sich und starrte an ihm vorbei. Verwirrt drehte der Mischling den Kopf. Doch wo Babs mit Staunen auf Mutter Rurviera schaute, da strahlten Kazels Tintenaugen ihr entgegen. Denn er nahm wahr, dass sich ihr trauriger Blick geändert hatte. Er schwamm in Hoffnung.

Dann lächelte sie.

Kazel ließ Babs' Hand los und trat an Mutter Rurviera heran. Sie wäre wohl die einzige hier im Raum, bei der es ihm wirklich einen Stich versetzen würde, sie außerhalb dieser Mauern einfach stehen zu lassen. Er erwiderte ihr Lächeln – zumindest dies hatte er in Burgstein gelernt. Lächeln, Lachen – wenn auch in den meisten Fällen die Freude dahinter stand, sich an seiner ehemaligen Geliebten zu rächen. Und an Luziver.
"Wer hierbleiben will, soll eben hierbleiben. ich zwinge euch nicht, es war nur eine Idee. Ich jedenfalls bin nicht gern von einer Welt ausgeschlossen, in der nachts der Mond grüßt oder ich vor dem Enschlafen die Sterne zählen kann. Eine Welt, in der ich entscheiden kann und niemand mich aufgrund meiner Entscheidungen verspottet oder verachtet. Wenn doch, kann ich mich umdrehen und gehen." <b><i>Oder morden.</i> Oh, du hast dich verändert, mein Freund. <i>Halt die Klappe!</i></b>
"Babs ... zeig Mutter Rurviera und mir den Weg nach draußen. Und bei Dr. Memeratios Einläufen, es ist mir verdammt nochmal egal, ob es lang dauert. Du wirst dafür sorgen, dass es schnell geht. Du kannst das doch!"
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Samstag 22. März 2008, 00:58

<i> "Sei still"</i> Knurrte der Mischlingself mehr zu sich selbst als an die anwesenden Personen. Der Eh-Eh Mann runzelte die Stirn und sah Babs fragend an. Die zuckte nur mit den Schultern. Der Dicke seufzte. „Der ist irr, was solls?“ Der Eh-Eh Mann blickte Kazel wieder an. Nickte schliesslich – und lachte. Oh nein er verspottete Kazel nicht, es war eher ein freundschaftliches Lachen gewesen. Unter den Narren mochte eben normal sein was unter den Normalen als närrisch betitelt wurde. Die Irren waren in jener Hinsicht – sofern sie unter ihresgleichen waren, wahrlich frei, denn der Anspruch ans „normale“ existierte nicht. Man tat eben das, was man gerade glaubte tun zu wollen/müssen/sollen.

<i> "Wir sollten gehen",</i> Sie legte ihm ihren Finger auf die Lippen. „Ich weiss mein Süsser, ich weiss, dass du es SEHR eilig hast… aber… nun ja… weisst du das Gras wächst auch nicht schneller wenn man daran zieht. Ein guter Plan braucht… Reifezeit und wir büchsen hier ja nicht aus einem Schuppen sondern aus einer Irrenanstalt aus. „Aaallsooo…“ Weiter kam sie fürs erste nicht. Denn der Kerl der es vor wenigen Sekunden gerade ach so eilig hatte – vertrödelte wertvolle Ausbruchszeit mit… rumstarren. „Ach wenn DU trödelst geht’s wohl in Ordnung was?!“ Schnaubte Babs. Doch dann schwieg auch sie… und zollte Mutter Rurvieras Zauber, welchen ihr Lächeln in dem Gemeinschaftraum entbrannte den nötigen Respekt. Dies war ihr Moment und sollte durch nichts gestört werden. Hier keimte Hoffnung auf, das wertvollste Gut… eines Irren, dass doch so spärlich vorkam in einem Haus wie diesem. Wo der Mond der im entfernten Himmelszelt schien ein stiller Wächter war, der das Volk von den Insassen zu schützen schien und sein Schatten auf die Klinik fallen liess, auf das die ungeliebten Seelen der Gesellschaft… im Dunklen in Vergessenheit geraten mögen.

Es war keine Fürsorge der Reichshauptstadt, die sich durch die Mitfinanzierung einer Anstalt wie Burgstein zeigte… mitnichten! Es war das bestreben die Stadt „sauber“ zu halten, von jeglichen Störenfriede, deren man sich nicht einfach mittels einem Henker entledigen konnte.

<i> "Wer hierbleiben will, soll eben hierbleiben. ich zwinge euch nicht, es war nur eine Idee. Ich jedenfalls bin nicht gern von einer Welt ausgeschlossen, in der nachts der Mond grüßt oder ich vor dem Enschlafen die Sterne zählen kann.“</i> Babs schlug die Hände aufeinander. „Oh du kleiner Romantiker duuuu!“ Sagte sie verzückt. „Wie gerne würde ich mit einer guten Flasche Sprit die Nacht neben… oder auf… oder unter dir verbringen!“ Spann sie Kazels – für ihn zumindest nicht mehr romantische Szenerie weiter.

<i>“Eine Welt, in der ich entscheiden kann und niemand mich aufgrund meiner Entscheidungen verspottet oder verachtet. Wenn doch, kann ich mich umdrehen und gehen."</i> Erdilin gesellte sich zu der Gruppe. Er lächelte. „Hört sich nach Freiheit an, was du hier beschreibst.“ Meinte er leise. Und klopfte Kapitän Jack auf die Schultern. Der nickte eifrig. „AARRRR!! Was versteht ihr schon von Freiheit! Auf der hohen See zu treiben mit einem anständigen Schiff und Matrosen die eifrig schuften und der Gewissheit keine Grenzen erfahren zu müssen, weil man dort hinreist wo die See einem hinschickt… DAS liebe Landratte ist Freiheit! HARR HARR HARR!“ Doch dann verstummte er. „Wäre da nicht die verdammte grandessanische Hoheitsflotte die das Gefühl hat die Gewässer des Süd-Ostens für sich zu beanspruchen. Arrr! Deren Admiral würde ich am liebsten Kielholen lassen! ARRRRRR!“ Grollte der alte Seebär. Der Dicke lachte. „Ja… aber statt den Admiral hast du einen verdammten Deckbesen kielholen lassen, weil er nicht ordentlich schrubbte und hast so in deinen Männern die Besorgnis über deinen Geisteszustand geweckt Kapitän.“ „PHA! Das war ein verdammter getarnter Spion der Hoheitsflotte! Ich hab dies… an seiner Statur sofort erkannt! Diese… dörren Spachtel. Das mit dem schrubben war doch nur ein Vorwand… man wusste schliesslich nie ob unter der Mannschaft nicht NOCH ein Spion war! Der sollte nicht ahnen, dass ICH sie durchschaue! HARR HARR HARR!“ Kapitän Jack… schien nicht mehr ganz bei der Sache zu sein.

Gerade die aufmerksamsten Gesellen waren sie ja nicht. Sich zu konzentrieren fiel wohl beinahe allen von ihnen Schwer. Dem Dicken, weil er stetig an das Essen denken musste, Babs weil ihr Hirn schon so vom Alkohol zerfressen war, dass ihr das Denken ohnehin manchmal schwer fiel, der Eh Eh Mann dem es nicht möglich war jegliche Rückfrage zu stellen, Kapitän Jäck der so wirr dachte und Erdilin… dessen Gedankengänge ebenfalls… beeinflusst wurden. Vielleicht konnte Mutter Rurviera sich konzentrieren – dies wusste man trotz ihres Lächelns nicht. Sie hielt ihren Blick auf den Mischling gerichtet.

<i> "Babs ... zeig Mutter Rurviera und mir den Weg nach draußen. Und bei Dr. Memeratios Einläufen, es ist mir verdammt nochmal egal, ob es lang dauert. Du wirst dafür sorgen, dass es schnell geht. Du kannst das doch!“</i> Die Angesprochene wurde blass. „Äh… natürlich… ja…“ Babs Art zu planen war etwas… ineffektiv. Eigentlich hatte sie geplant ihn mit ihrem „Plan“ zu verführen. Was dann auch schon das Ende des ganzen Gedankengangs darstellte. Nun aber musste sie wirklich… die ganze Gruppe aus Burgstein bringen. „Ich…“ Die Pfleger verschafften ihn unwissend etwas Nachdenkzeit. Denn sie kamen aus dem Rapportzimmer heraus. Einer von ihnen schob einen kleinen fahrbaren Tisch mit hochfrequentigen quietschenden Rädchen über den Steinboden. Das Tischchen wurde von einem weissen Tuch überdeckt worunter sich die Konturen mehrerer nicht definierbarer Gegenstände abzeichneten.

Voller Tatendrang und stolz wippte das einzelne Haar auf Dr. Memeratios berühmter Warze herum als der alte Arzt ebenfalls aus dem Rapportzimmer schritt, die Insassen musternd.

Die Irren blickten auf. Starrten das Tischchen an – und jeder wusste was sich darunter verbarg. Dr. Memeratios patentierte Einlaufmischungen – in der Jumbopackung transportiert.

„Guten Tag die Damen und Herren.“ Grüsste der Doktor freundlich. „Aufgrund der Abwesenheit von Frau Doktor Sinal und Frau Doktor Legler werde ich mich für die nächste Zeit um sie kümmern… und möchte euch deshalb bitten, sich für die heutige Visite in ihre Zimmer zurückzuziehen.“ Hinter dem Arzt tauchten noch einige Wächter auf, die sicherlich „behilflich“ sein würden, wenn einer der Insassen sein Zimmer – aus welchen Gründen auch immer – nicht gleich finden würde.

Babs kam offenbar beim Anblick des Tischchens eine Idee. Sie gesellte sich rasch zu Kazel. „Stiel… einen Einlaufbeutel… zwei Darmrohre... eine Gleitcreme... und einen Handschuh! Aber unaufällig!... irgendwie!“ Flüsterte sie ihm zu. Wenn man schon so oft einen Einlauf gekriegt hatte wie die Insassen wusste man wohl inzwischen genau was sich alles auf dem Tischchen befand Für was Babs diese Dinge jedoch brauchte... dies blieb vorerst ihr Geheimnis.„Wir treffen uns danach… in der Dusche.“ Flüsterte sie verschwörerisch und teilte dies auch den anderen mit diese nickten. Dann gab sie verdeckt dem Kapitän ein Zeichen. Dieser fing an zu lachen… zog sich innert weniger Sekunden splitternackt aus – und sprang auf den Tisch. „HAAAAARRRRR HARRRR HARR auf hoher See hab ich immer gut geschissen ich brauch dieses Zeug nicht!“

Dr. Memeratios Kopf verfärbte sich Blutrot. „Nun ich sehe DIESER Patient möchte offensichtlich prioritär behandelt werden!“ Die Wächter stürmten auf den Kapitän los – das übliche Katz und Maus spiel begann. Babs wandte sich dem Arzt zu. „Ach Herr Dokor… ich habe da ein seltsames Leiden von dem ich euch so schnell wie möglich berichten möchte.“ Lenkte sie ihn ab – und da kriegte der Dicke auch noch plötzlich einen „Ohnmachtsanfall“ worauf die Pfleger helfend zu ihm eilten mit ihnen auch der Arzt, der Babs achtlos stehen liess. Der Tisch… blieb unbeachtet.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 22. März 2008, 15:09

Babs' Blick traf den Kazels fragend. Kein Wunder, hatte der Mischlingself sie doch soeben ziemlich plötzlich und grundlos angefahren – und dabei doch gar nicht Babs gemeint, sondern sich selbst. Seine eigenen, wirren Gedanken, sein Gewissen.
<i>"Der ist irr, was solls?"</i> <b>Deutlich weniger irr als ihr Bekloppten!</b>, dachte Kazel, sprach es aber nicht aus. Noch immer schien er etwas hin und hergerissen, wusste nicht, ob er die Verrückten nun nur als Mittel zum Zweck nutzte – oder inzwischen doch gewisse Sympathie für sie empfand.
Der Eh-Eh-Mann schien ihn ganz offensichtlich zu mögen, denn er lachte fröhlich vor sich hin.

Babs hingegen mochte Kazel wohl nur, wenn die Aussicht auf Alkohol herrschte – oder darauf, seinen Körper in Besitz zu nehmen. Reagierte sie etwa so schnippig auf seine Trödelei, weil er sich zu ... Mutter Rurviera umdrehte und sie anlächelte?! War Babs in gewisser verrückter Hinsicht eifersüchtig auf die Uralte mit dem traurigen Blick? Nein, nicht traurig, derzeit nicht. Sie schaute so hoffnungsvoll, so strahlend. Ihre meerblauen Augen luden ein, sich darin zu verlieren und die gleiche Hoffnung zu spüren wie sie.
Schließlich konnte sich aber sogar Kazel von ihrem Blick lösen. Es wurde – seiner Meinung nach – auch höchste Zeit. Wer wusste schon, wie lange Dr. Memeratio und die Pfleger fortbleiben würden? Irgendwie behagte es Kazel ganz und garnicht an den Doktor zu denken. <b>Einläufe ...</b> Er zuckte unwillkürlich zusammen. Oh, seine Körperkontrollen waren in diesem Gebäude so verkümmert. Er reagierte auf alles, ohne es zu wollen, sogar auf Gedanken. Allein aus diesem Grund schon wünschte er sich, die Anstalt und ganz Pelgar hinter sich lassen zu können. Nun, doch letzteren Teil des Wunsches würde er sich erst nach Shantihs Tod erfüllen. Ob er auch Jagd auf Luziver machen sollte? <b>Sicher, auch sie verdient den Tod. Aber wenn sie immer noch in Pelgar ist, muss ich mich hüten.</b>

<i>„Oh du kleiner Romantiker duuuu! Wie gerne würde ich mit einer guten Flasche Sprit die Nacht neben… oder auf… oder unter dir verbringen!“</i> Kazel wandte sich um. Diese Aussage sorgte wirklich für Ablenkung! Er starrte Babs einen Moment lang mehr als angewidert – nein, eher verängstigt – an. "Ich ..." Mehr brachte er nicht heraus. Sie würde es sich wohl auch gern mit ihm gemütlich machen, selbst wenn Kazel Anti-Alkoholiker wäre. Ihm schauderte.
Wie gut, dass Erdilin wie aus dem Nichts auftauchte und die peinliche Szene unterbrach. Ja, Kazel hatte ihn vorher garnicht bemerkt. Für ihn war Erdilin erst jetzt anwesend. Das Gespräch glitt jedoch durch seine Worte schnell aus der geplanten Bahn. Stattdessen erfuhr man den Grund für Kapitän Jacks Aufenthalt in Burgstein. Er hatte doch tatsächlich einen Besen Kielholen lassen! <b>Ich bin umgeben von Wahnsinnigen! – Ja, und du führst sie an, um aus der Anstalt zu fliehen, König der Irren.</b> Kazel schnaubte. Er musste die Sache hier endlich ins Rollen bringen, sonst würde garnichts mehr passieren. Die Verrückten zeigten sich viel zu unkonzentriert.

So wandte er sich schon deutlich genervter an Babs, verlangte gar, dass sie endlich ihren Ausweg präsentierte. <i>"Äh ... natürlich ... ja ..."</i>, antwortete Babs, was für einen weiteren Blick von Seiten des Mischlings sorgte. Er befürchtete endlich, dass ihr so hoch gerühmter Fluchtweg nichts weiter als eine List war, um ihn in ihre Arme zu lenken. <b>Großartig!</b>

Und dann tauchten plötzlich die Pfleger auf. Schlimmer hätte es wohl nicht mehr kommen können. Nun war es für einen Fluchtversuch zu spät. Dr. Memeratio hypnotisierte alle mit seinem wippenden Haar, zugleich aber erstarrten die meisten wohl wegen des fahrbaren Tischchens. Alle bis auf Kazel selbst wussten, was unter dem Tuch lag, doch auch er ahnte Unheil herannahen.

<i>"Guten Tag, die Damen und Herren. Aufgrund der Abwesenheit von Frau Doktor Sinal und Frau Doktor Legler werde ich mich für die nächste Zeit um sie kümmern ... und möchte euch deshalb bitten, sich für die heutige Visite in ihre Zimmer zurückzuziehen."</i> Kazel schluckte. Visite ... allein ... mit <i>diesem</i> Kerl! Diesem Männchen mit dem wippenden Haar, der Brille und den ... Einläufen!
Er wagte nicht sich zu rühren. Er wollte nicht in seine Zelle, auf keinen Fall und unter keinen Umständen. Das konnte sich dieser Arzt abschminken. In Kazel wuchs eine Mauer des Widerstandes, deren Fundament aus Angst vor medizinischen Geräten im hinteren Teil seines Körpers bestand.

Oh, Kazel hätte Babs küssen können, für das Chaos, das sie allerdings kurz darauf einleitete. War dies ihr Fluchtplan? Nun, es war ein Plan. Er nickte ob ihrer Worte und versuchte, sich die Liste der Dinge einzuprägen, die er vom Tisch stibitzen sollte. Gut gesagt, wo sollte er die denn so lange verstecken? Man bräuchte ihn ja nur abzutasten und schon würden sich die Sachen erklopfen lassen. Kazel überlegte fieberhaft, während das Tohuwabohu bereits seinen Lauf nahm.
Kapitän Jack riss sich ohne jegliche Scheu die Kleidung vom Leib, sprang auf den Tisch und präsentierte lachend seinen ... Schiffsmast. Zur selben Zeit versuchte es Babs mit ihrer erfolglosen Verführungskunst bei Dr. Memeratio. Der aber ließ sich vielmehr vom Ohnmachtsanfall des Dicken beeindrucken und eilte dann mit den Pflegern quer durch den Raum. Aus den Augenwinkeln schaute Kazel ihnen zu, packte dann den Eh-Eh-Mann und zog ihn mit sich zum fahrbaren Tischchen.
"Was immer ich gleich zu dir sage, ich meine es nicht so", zischte er ihm so leise zu, wie es derzeit möglich war, damit der Eh-Eh-Mann ihn dennoch verstehen konnte. Dann erreichte Kazel das Tischchen und zog das Tuch mit einer einzigen Bewegungen herunter. Es kamen eine Menge Dinge zum Vorschein. Unangenehm aussehende Dinge. Für einen Moment stand Kazel einfach nur da, doch schließlich fasste er sich ein Herz und griff einfach zu. Er schnappte sich einen Einlaufbeutel, zwei Röhren, von denen er hoffte, dass es die gewünschten Darmrohre waren, eine kleine Tube mit Gleitcreme und sogar ein ganzes Paar Handschuhe. Dies alles rollte er in das Tuch ein, bis er ein gut geknotetes Bündel hatte und warf es dann auf einen der Stühle zu – genauer gesagt, versuchte Kazel, das Bündel unter den Stuhl zu bekommen. Zugleich stieß er mit einem kräftigen Tritt das fahrbare Tischchen um.

"Du IDIOT! Kannst du nicht aufpassen? Nein, erspar dir deine Entschuldigung. Ist sowieso nur wieder ein EHHHH!!!", keifte er den Eh-Eh-Mann an und hoffte, dieser wäre zumindest klar genug im Kopf, um sich Kazels gespielten Wutausbruch nicht zu Herzen zu nehmen.
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Montag 24. März 2008, 23:25

In der Nervenheilanstalt ging es zu und her wie im Irrenhaus. Nein, selbst für ein solches war der Tumult der gerade herrschte ebenfalls ungewöhnlich. Seid die Neuen Patienten hier eingetroffen sind, ist die Welt der Pfleger und ihrer Patienten völlig aus den Fugen geraten. Patientinnen wurden belästigt, Chefärztinnen fielen Attentate zum Opfer. Assistenzärztinnen wurden kurzerhand befördert und rasten dann durch die Klinik um vor einem erneuten Mordanschlag zu warnen… und Dr. Memeratio konnte nicht einmal in Ruhe seine Einläufe tätigen.

Wahrlich chaotisch! Das ganze fand nun einen erneuten Höhepunkt als auch noch der Irrenaufstand losbrach – ohne dass sich die Pflegenden dessen bewusst waren, hielten sie den durcheinander doch nur für ein erneutes Produkt einer unglaublichen Aneinanderreihung von seltsamen und durchaus besorgniserregenden Zufällen.

Der Stolze und seine Männlichkeit zur Schau stellende Kapitän Jack entschloss sich dazu reiss aus zu nehmen und flüchtete vom Tisch runter durch den Gemeinschaftsraum – einen der Pfleger im Nacken haltend den der andere musst als Verstärkung zum drehen des Dicken herhalten. Dieser gab sich noch immer schwer und fern von jeglichem Bewusstsein, so dass sich die Pfleger in sorge um dessen Gesundheit sich abmühten ihn auf die Seite zu legen um so, wenigstens seine Atemwege – die im Moment nüchtern betrachtet überhaupt nicht gefährdet waren – frei zu halten, während Dr. Memeratio noch immer kopfschüttelnd nach dem Puls des Mannes tastete – was aufgrund des alleinigen Umfang dieses Handgelenks sich nicht gerade als leicht herausstellte. Schliesslich musste einiges an Fett hoch gedrückt werden, wenn immer das Herz einen Schlag ausführte.

Philosophen mochten darüber sinnieren ob es denn fair war vom Leben, dass diesem faszinierenden Geflecht von Muskeln, eine solche Knochen – Arbeit aufgetragen wurde.

Der Arzt begann nun die dicken Backen des „Ohnmächtigen“ zu tätscheln. „Aufwachen hee!“ Ein stämmiger Pfleger war von nöten der dem Dicken die Beine hoch lagerte zur Anregung seines nicht gestörten Kreislaufes. Mutter Rurviera war die Einzige welche anscheinend unbeeindruckt in dem ganzen Getummel stehen blieb und einfach nur aus einem vergitterten Fenster – in die Freiheit schaute. Ihr lächeln jedoch war dem gleichen Ausdruckslosen Gesicht gewichen, welches man so gut bei ihr kannte. Vielleicht wollte sie nicht verraten, dass etwas aussergewöhnliches geplant wurde? Vielleicht war dies aber auch nur ein heller Moment für die Frau gewesen, welcher nun wieder in dem Meer der Ausdruckslosigkeit versank?

Plötzlich schepperte es auch noch gewaltig als Kazel – jedoch den Eh Eh Mann beschuldigend – das Tischchen umschmiss. „Herrschaftszeiten was ist nur los heut!“ Ereifert sich der alte Arzt. „AAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRR!“ Gerade flitzte der noch immer Nackte Kapitän an ihm vorbei, dass das kennzeichnende Haar des Arztes nur noch unruhig herumwirbeln konnte. Das Bündel welches Kazel warf flog ungesehen durch den Raum jedoch erreichte es sein Ziel nicht gänzlich. Es schlitterte noch ein wenig auf dem Boden entlang ehe es genau vor einem bequemen Stoffsessel zur Ruhe kam. Klar sichtbar für jedermann.

Der Eh Eh Mann wurde blass als die Pfleger, durch das Scheppern des Metalls auf dem Boden aufgeschreckt, zu ihm hoch starrten und ihn strafend ansahen. Bisher hatte der Kerl doch immer die Finger von solchen Dingen gelassen! Warum glaubt er ausgerechnet heute danach grabschen zu müssen!

Offenbar waren auch die Wachen durch den Lärm angelockt worden. Denn plötzlich stürmte eine bewaffnete Verstärkung von sechs Mann den Gemeinschaftsraum. Nun war der Spass wohl endgültig zu ende. Zwei der Männer schleppten eiligst eine Trage herbei auf welche der Dicke ächzend gehievt wurde. Man trug ihn ins Zimmer. Das Leinentuch welches um die Trage gespannt war wölbte sich gefährlich nach unten als man den Mann fort trug. Der nackte Kapitän wurde schnell gefasst nachdem man ihm eine echte Lanze entgegenstreckte, worauf er sich sofort seinem Schicksal ergab und ebenfalls in die Zelle geführt wurde. „Der kriegt den ersten Einlauf heute!“ Meinte Dr. Memeratio verärgert. Kapitän hatte also seinen Darminhalt für die Truppe geopfert. Man möge es ihm danken.

Babs, Mutter Rurviera und Erdilin verhielten sich im Gegensatz zu den anderen absolut ruhig und kooperativ. Traten sofort zur Seite. Schliesslich war ihr Manöver getan. Der Eh Eh Mann wurde ebenfalls ins Zimmer geschubst, Mutter Rurviera sanft in ihres Begleitet und die anderen inklusive Kazel dazu aufgefordert es ebenfalls zu tun.

Da die Instrumente bereits mit dem Boden in Kontakt gekommen waren, konnten sie heute natürlich ohne auskochung nicht mehr verwendet werden. Daher warfen sie alle in eine Tonne – ohne gross zu merken dass was fehlte und räumten das Zeug weg. Sie richteten lediglich einen Einlauf für den Nackedei neu an. „Das kommt dabei raus wenn man Frauen zu Ärzten macht!“ Schnaubte der Doktor vor sich her, der dieses Verhalten der Irren natürlich auf eine gründlich falsche Medikation zurückführte.

Zwei der Pfleger und der Arzt verschwanden im Zimmer des Seebärs. Die Wachen blieben noch immer zurück. „Na wird’s bald ab in die Zelle mit euch!“ Forderte er die kleine übrig gebliebene Gruppe erneut auf. Es waren nur noch Erdilin, Babs und Kazel da. Babs sah was auch Kazel schmerzlich bemerkt haben musste – das noch immer verräterische Bündel. Sie nickte dem Elfen kaum merklich zu. Dann trat sie auf die Wächter zu. Schaute sie an. Und hob kurzerhand ich Oberteil an und zeigte den Männern dass sie eine Frau war. Offenbar schien diese Form der Freizügigkeit ein häufig angewandtes Mittel zur Ablenkung zu sein.

Verdutzt starrten die Wächter Babs an. „Um Himmels Willen bedeckt euch!“ Krächzte der einte.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 25. März 2008, 09:02

Das war ausnahmsweise einmal ein Chaos, das Kazel gefiel. Die Pfleger waren vollauf mit Kapitän Jack und dem Dicken beschäftigt, sie bekamen nichts vom weiteren Plan der Verrückten mit. Vermutlich wollten sie dies auch garnicht. In ihren Augen erschien es doch als reine Zeitverschwendung, wenn ein Irrer von einem "Plan" erzählte. Sicherlich traute keiner vom Personal dieser Anstalt ihnen zu, dass sie überhaupt annähernd etwas wie einen Fluchtversuch planen konnten. Und dennoch befanden sich Kazel, Babs und die anderen derzeit vollends in Phase 1 – ohne dass diese vorher gründlich geplant worden war.

Aber sie besaßen wenig Zeit. Jack wurde bereits mit einer Lanze bedroht und aufgefordert, in seine Zelle zu gehen. Er würde definitiv heute noch einen Einlauf verpasst kriegen. Armer Jack, aber er kannte die Prozedur wohl und hatte sicherlich bereits geahnt, was auf ihn zukommen würde. Für die Freiheit war der nackte Kapitän wohl bereit, eine Darmentleerung auf künstliche Art und Weise in Kauf zu nehmen.

Unterdessen hatte Kazel bemerkt, dass sein Wurf des Bündels nicht ganz so geglückt war. Statt unter einem Stuhl oder dem Tisch zu landen, waren die gestohlenen Sachen direkt vor einem der Sessel zum liegen gekommen. <b>Verdammt, auch das Werfen scheine ich hier drinnen verlernt zu haben!</b> Nun gut, ein Bündel war auch kein Dolch oder Wurfstern. Mit derlei Geschossen kannte sich der Mischling ja ziemlich gut aus. Jetzt hieß es jedoch, vom Bündel abzulenken. Die Pfleger durften es nicht entdecken und wieder einsacken – allein schon um Jacks Opfer nicht umsonst gewesen sein zu lassen, mussten die Irren es einfach packen.

Noch während Kazel eifrig nachdachte und der Eh-Eh-Mann mit bösen Blicken von Seiten der Wächter in seine Zelle gebracht wurde – <b>Er wird sicher auch bestraft, nur weil du ihn angeschrien hast, für deine Tat! <i>Mir hätte man solch ein ungeschicktes Verhalten nicht abgenommen!</i> Jaja, zum Wohle des Ganzen! <i>Ach, sei still!</i></b> – entschloss sich Babs, zu handeln. Genauer gesagt, sie präsentierte urplötzlich Dinge, die wahrlich niemand sehen wollte. Indem sie ihr Oberteil hob und einen ausholenden Blick auf die Dehnbarkeit von Haut und die Konsequenz der Schwerkraft schaubildlich darstellte, achtete erst einmal niemand mehr auf Kazel oder Erdilin – jene, die von der Chaostruppe noch übrig waren. Aber auch der Mischling erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde. <b>Wenn die mich rumgekriegt ... bei Manthala, ich will gar nicht daran denken!</b> Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, doch dies war die nötige Reaktion seinen Körpers, die ihn wieder in die Realität zurück beförderte. Kazel sah seine möglich einzige Chance gekommen. Vorsichtig, doch zügig schlich er zum Tisch und den Sesseln hinüber. Das Bündel dort zu verstecken, brächte keinen Vorteil, sie mussten es nachher irgendwie in die Duschen befördern.

Also entschloss sich Kazel, es nun doch mitzunehmen. Aber wie? Eilig packte er es aus und schob sich die Einzelteile seiner Beute in die Hosenbeine oder unter das Hemd. Er hatte lange nichts mehr sehr Nahrhaftes gegessen und die Kleidung hing ihm – nun vorteilhaft – von den Schultern. Es war genug Platz, die Sachen unauffällig zu verstauen, so hoffte er zumindest. In seiner Zelle musste er dann rasch ein geeignetes Versteck dafür finden.

Gerade schob er eine der Darmröhren in sein linkes Hosenbein, da wurden sie erneut aufgefordert, ihre Zellen aufzusuchen. Dieses Mal klang es schon wesentlich ernster. Die Pfleger zeigten nicht mehr allzu viel Verständnis. Vermutlich würden sie ihre Patienten schlussendlich dazu zwingen, ihrer Bitte Folge zu leisten.
Kazel hob beschwichtigend die Arme – wie ein Gefangener! – und trat langsam in den Gang zurück, der zu den Zellen führte. "Schon gut, schon gut. Wir gehen ja schon", meinte er, drehte sich um und spazierte voran. Er wusste nicht, wo die Duschen lagen. Gern hätte er die Sachen dort schon einmal untergebracht, aber Kazel vermutete, da hätte er einem anderen Gang vom Gemeinschaftsraum aus folgen müssen. So schlenderte er gemächlich an den bereits geschlossenen Türen vorbei. Von irgendwoher drangen Kapitän Jacks Versuche, sich gegen einen Einlauf zu wehren. Kazel ... zeigte betroffenes Mitgefühl, indem er kurz stehenblieb und an den Mann dachte. Da fiel ihm eine Nische auf. Derer gab es viele hier in Burgstein. Dort standen, hinter Gitter Halterungen für Kerzenständer. Sie befanden sich wohl deshalb in abgetrennten Bereichen und nicht als Fackeln an den Wänden, damit die Verrückten sich nicht verletzen konnten. Kazel näherte sich der Nische und ... schüttelte seine Hosenbeine aus. Aus dem Hemd klaubte er die Handschuhe, legte sie rasch über die Gegenstände und schob alles dicht ans Gitter. Jetzt konnte er nur hoffen, die Pfleger würden den kleinen Haufen nicht entdecken.

Zeit, dass auch Kazel für Ablenkung sorgte. Er tat noch ein paar Schritte in den Gang und blieb dann vor einer der Türen stehen. Hoffentlich befand sich dahinter kein Insasse. Er wollte seine ... Mitverrückten nicht erschrecken.
Energisch klopfte er gegen die Tür und rief wie von Sinnen: "DR. LEGLER! IHR MÜSST IN DIE KLINIK! LANDRIA BRAUCHT HILFE!!!!" Wie ein Wahnsinniger lachte er vor sich hin und klopfte nur umso wilder gegen das Holz.
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Montag 31. März 2008, 13:57

„ZIEHT SOFORT EUER… KLEID… RUNTER!“ Stammelte einer der Wächter nervös noch immer auf Babs „Augen“ starrend. Natürlich Lust konnte lähmend sein – genau so auch Schock. In diesem Fall konnte man stark von der Annahme ausgehen, dass bei dem Pelgarer eher letzteres zutraf. Es gab dinge im Leben, die wollte selbst ein einsamer Wachmann nicht berühren und Babs Brüste gehörten definitiv dazu. Eigentlich ein trauriger Aspekt, dass Babs so bewusst ihre… verborgene Hässlichkeit einsetzen zu vermochte, wenn man bedenkt dass sie einst sicherlich eine ansehnliche Frau gewesen war. Ob die Reaktion der Männer einer Frau wie ihr nicht irgendwo tief in ihrem Innern schmerzte?

Nun zumindest jetzt im Moment hatte Babs definitiv keine Zeit dafür und bei ihrer fortschreitenden Alkoholkrankheit war die Wahrscheinlichkeit sogar gross, dass dieses Ereignis für sie bald in Vergessenheit geraten könnte. Dies war vermutlich der Segen, einer Demenz.

Die Frau schien nicht einmal daran zu denken die Wächter von ihrem schockierenden Anblick zu erlösen, so dass diese sich gezwungen sahen ein – nicht zuzugreifen. Sie stürmten auf Babs zu, einer packte ihre Arme und drehte sie auf den Rücken während der andere den stoffigen Augenschutz wieder über ihre Hautsäcke stülpte, auffallend darauf bedacht nichts zu berühren was nicht berührt werden sollte. Wenn auch ziemlich hartnäckig wollte. Vermutlich musste der reine Sex mit dieser Frau dennoch ziemlich gut sein, hätte sonst ein Kapitän Jack so befriedigt ausgesehen nach Babs Besuch?

Nun was oben Geschichte war musste ja nicht automatisch heissen dass es unten genau so kläglich zu und herging.

Kazel schauderte und dies zurecht, mit ihm auch Erdilin. Ob er gerade das gleiche gedacht hatte? Bestimmt hatte sie auch ihm deutliche Avancen gemacht, schliesslich sah der Nachtelf – trotz seiner rasseneigenen Blässe ziemlich ansprechend aus. Zumindest schien er das gleiche zu Fühlen, denn auch er schüttelte sich. Ehe er sich dann ruhig und artig in seine Zelle begab. Erdilin schien ein gewisses Talent dafür zu haben, stets anwesend und doch nicht beachtet zu sein.

Babs wurde gepackt und in ihre Zelle geschleift, dies ermöglichte Kazel sein weiteres Vorgehen. Der Dicke zog noch immer die Aufmerksamkeit der verbliebenen Pfleger und dem Haarwarzenträger auf sich.

„BEIM KLABAUTERMANN DASS IST ABER EINE ZIEMLICH DICKE BERTA!“ Drangen entsetzte Laute aus Kapitän Jacks… Koje. Erstaunlicherweise führte der Dr. Memeratio seine patentierten Einläufe nicht selbst durch sondern überliess diesen schmutzigenTeil seiner Therapie… den Pflegekräften.

Weitere Pfleger kehrten – ohne Babs von ihrer Zelle zurück und konzentrierten sich nun auf Kazel und Erdilin die soweit keinen Ärger zu machen schienen… bis…

<i> "DR. LEGLER! IHR MÜSST IN DIE KLINIK! LANDRIA BRAUCHT HILFE!!!!"</i> „Heee der tickt dort hinten aus!“ Keifte einer der Angestellten und zog seinen Kollegen mit. Auch die beiden Wächter die im Moment nichts für den Dicken tun konnten erhoben sich und stürmten auf Kazel zu. „Beruhige dich Mann!“ Doch sie selbst waren dermassen angespannt, dass sie auch ruhiges zureden bis auch diesen einen Satz gänzlich verzichteten. „Zieht die Spritze auf der erhält zwei Milligramm Slefainjektat!“ Ordnete der Haarwarzenträger an und schnaubte nervös. Tätschelte weiter den Dicken. „Der Simuliert doch nur!“ Brummte er schliesslich vor sich her was er zu Recht dachte.

Die Wächter stürzten sich auf Kazel. Er wurde ziemlich grob Gepackt und zu Boden befördert. Man verrenkte ihm die Arme auf den Rücken. Drückte seinen Kopf auf den Boden und fixierten ihn so. „Willst du nun Ruhig sein verdammt noch mal!“ Kläffte ihn einer der Pfleger an der seinem Kopf am nächsten war.

Die Lage schien wieder unter Kontrolle. Der Dicke liess sich aus seinem seltsamen Ohnmachtsanfall wecken als man ihm ein bestrichenes Honigbrot um die Nase strich. Babs, Erdilin und Kapitän Jack waren versorgt. Kazel überwältigt… und Mutter Rurviera? Sie stand vor ihrer Zelle und guckte. Ausdruckslos. Wie fast immer.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 31. März 2008, 21:23

In einer Anstalt für verrückt gehalten zu werden stellte sich als wesentlich einfacher heraus als wenn man versuchte, gewissen Respekt zu erlangen. Im Grunde brauchte man nur gegen irgendetwas hämmern, ein wenig zu sabbern und wild drauflos zu brüllen – oder sich auszuziehen wie es Babs soeben geradezu heroisch demonstriert hatte. Kazel schaute kurz in den Gemeinschaftsraum. Zum Glück stand Babs ihm mit dem Rücken zugewandt da, aber er lächelte – schon wieder. <b>Sie ist unglaublich.</b> Aber auch die anderen Irren lobte der Mischling im Stillen. Was Jack und der Dicke an Chaos angerichtet hatten, war einfach fantastisch und sogar an den Eh-Eh-Mann dachte er, der sich so brav hatte beschimpfen lassen.

Hoffentlich würde es auch bis zum Ende ihres Planes so gut laufen. Jetzt jedoch sorgte Kazel seinerseits für Ablenkung. Er hatte sich für ein Verhaltensmuster entschieden, das zumindest in den Augen der Pfleger schon auf ihn bezogen als vertraut gezählt wurde. Er rief lauthals nach Dr. Leger und sorgte sich um Landria.

Die erwartete Reaktion der Pfleger kam prompt. Inzwischen brüllte aber auch Kapitän Jack wild herum. Offenbar musste er da die für Orks vorgesehene Version eines Einlaufes über sich ergehen lassen. Welch glorreiches Opfer ... für ein bisschen Hoffnung auf Freiheit.
Auch Kazel wäre wohl bereit gewesen, es einzugehen. Vielleicht würde es gar auch noch so weit kommen, denn schon stürmten die Pfleger herbei und rangen ihn nieder – ja, sie mussten ziemlich mit ihm kämpfen. Kazel war kein guter Schläger, aber er wand sich doch immer wieder durch die Arme der beiden hindurch.

"Argh, nein! LAAAAAAAAANDRIA!", kreischte er die ganze Anstalt zusammen. Schließlich musste es authentisch genug herüber kommen und vor allem sollte es von dem Beutel ablenken, der da vor dem Gitter in der Nische lag. Kazel schaute nicht einmal flüchtig dorthin zurück, aus Angst, dieser winzige Blick könnte alles zunichte machen. So rangelte er nur noch eine Weile mit den Pflegern weiter, bis diese es schließlich schafften, ihn zu bezwingen. Mit einem dumpfen "Uff!" landete er am Boden und wurde eingehend auf den Teppich gedrückt. Wenigstens Teppich, keine kalten Steine. Irgendwie erweckte diese Lage Erinnerungen an Kerkeraufenthalte und so konnte Kazel nicht umhin, dass er am ganzen Leib zitterte.

<i>"Beruhige dich, Mann!"</i>, hörte er einen der Pfleger auf ihn einreden, aber es blieb bei diesem einen Satz, der ihn wieder in seinen alten Zustand versetzen sollte. Ja, Kazel konnte Beruhigung jetzt wahrlich gebrauchen, denn langsam wurde aus Täuschung ernst. Und das nur weil sie ihn festhielten. Er dachte an den Kommandanten und die pelgarischen Soldaten, die ihn unbarmherzig in die Verliese geschleift hatten. Dunkle Zellen erschienen vor seinen Augen und für einen Moment durchlebte er wie schon so oft Vergangenes.

Kazel wand sich, jetzt konnte er sich nicht mehr beruhigen. Jetzt nicht mehr. "Sh...n...", ächzte er und japste wild, rang nach Luft. Hatte er soeben wirklich <i>diesen</i> Namen gesagt? Sein klares Denken löste sich auf, verwandelte sich in verzweifelte Angst. "Lannn...", brachte er noch mit verdrehten Augen hervor, ehe Schwärze ihn endlich fand und in ihre seligen Arme zog. Weich, gedankenverloren, friedliche Stille.

<i>"Willst du nun ruhig sein, verdammt noch mal!"</i> Er gehorchte. Kazels Glieder erschlafften, die Panik löste sich aus seinen verkrampften Muskeln. Bewusstlosigkeit stellte sich ein.

Eine Spritze war jetzt wohl nicht mehr nötig.
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Montag 7. April 2008, 12:17

Schwärze umspielte den Mischling und nahm ihn mit ausgebreiteten Armen in Empfang. Umhüllte mit diesem Schauer der Gefühllosigkeit und lullte ihn damit ein. Die Stimmen der Pfleger wirkten immer entfernter und schliesslich verstummten sie. Der Druck der auf seinen Körper ausgeübt wurde… war nicht mehr gespürt. Auch nicht wie man ihn später bewegte. Das Licht fehlte in diesem Geflecht aus Schwarz. Landria war nicht da um ihm dem Weg zu geleiten. Denn sie steckte in grösster Gefahr. Vana würde sie wohl bereits erreicht haben, oder war Dr. Legler schneller gewesen?

Gar nichts. Selbst Träume mieden ihn. Der Moment gehörte einfach nur der Schwärze als wäre es Manthalas dunkelste Nacht die ihn barg.

Als seine Sinne wiederkehrten starrte sein Blick nicht wie bereits gewohnt auf eine der 453 Kacheln an der Decke – sondern zu der eher ernüchternd wirkenden dunklen Steinwand. Er lag Seitlich. Jegliche versuche sich zu bewegen brachte nur minimalen erfolg mit sich.

Er fühlte sich seltsam leicht. Hatte jedoch leichte Bauch… und… Hinternschmerzen?! HINTERNSCHMERZEN?!

Was haben die nur getan?!

Die Antwort war so einfach wie auch zu erwarten, jedoch zu schrecklich um wirklich wahr sein zu können – doch leider war es bereits zur Tatsache geworden, wenn auch von Kazel – was bestimmt sein Glück war – nicht gespürt.
Denn Dr. Memeratio hatte seine Visite vor etwa zwanzig Minuten beendet und eine volle Nachtschüssel hatte auch das stinkende jedoch erwünschte Ergebnis geliefert. Kazel hatte ebenfalls den braunen... oder bei Dunkelelfen vielleicht schwarz? Bei Mischling eine Mischform? Wollte man das so genau wissen? Wohl eher nicht... Tribut für den Aufstand bezahlt. Welch Schmach… doch wollte man nicht weiter daran Denken zu was die Pfleger sonst noch alles fähig gewesen wären hätten sie Kazels Bewusstlosigkeit noch schamloser ausgenutzt.

Zwei geschlagene Stunden – doch Kazel mochte es viel länger erscheinen – geschah einfach nichts. Kein Laut drang von aussen nach innen, was auch nicht verwunderlich war, schliesslich hatte man alle Patienten zur Reizabschirmung – wie sie es nannten – in die Zellen verfrachtet. Ruhe und Ordnung herrschte somit auf den leeren Gängen und im leeren Gemeinschaftsraum.

Das einzige was an seiner Zelle anders war als gewohnt, war der Geruch in dem Raum. Man hatte einen heissen Stein in der Nähe des Bettes gelegt auf welchem ein paar harzige Tröpfchen klebten und einen angenehmen Duft nach Rosen und frischen Zitrusblättern verströmten, so dass es sichtlich einlud einmal tief durchzuatmen – was wohl kurz nach Dr. Memeratios Verordnung bestimmt nicht der Fall gewesen war.

Das Schloss seiner Zellentüre wurde gedreht und zwei – ihm nur vom sehen bekannte Pfleger traten hinein. Musterten ihren Patienten. Der eine der Pfleger hiess Toni, war etwa 1.75m gross, kräftig gebaut und hatte bereits im zarten alter von 35 durch kompletten Haarausfall einen Kahlkopf erworben. Seine blauen Augen musterten Kazels Gesicht. Der Kollege – Claudius, war gerade mal 1.69m Gross hatte einen deutlichen Bierbauch und war auch ein paar Jahre älter als sein werter Kollege – dafür besass er im Verhältnis eher zu viel Haare. Seine Unterarme schienen so als wären sie mit einem wahren Pelz bewachsen.

„Ah ihr seid endlich aufgewacht“ Meinte Toni zufrieden. „Ihr habt uns da ja ganz schön arbeit bereitet. Habt ihr immer noch das dringende Bedürfnis herumzutoben und nach Dr. Sinal zu schreien?“ Wollte er direkt wissen. Doch ehe er die Antwort vernahm fügte er noch hinzu. „Diesbezüglich habe ich eine gute Neuigkeit für euch. Ich habe gerade vernommen, dass es Dr. Sinal soweit besser geht, dass sie zum Morgigen Therapiegespräch erscheinen wird.“ Er lächelte. Dies musste doch eine gute Nachricht für den Patienten sein.

Er musterte ihn genauer. „Ich werde euch nun losschnallen. Ihr dürft zurück in den Aufenthaltsraum, wenn ihr euch aber nicht zu benehmen wisst werden wir euch ruhig stellen und euch für den Rest dieser Woche in diesem Zimmer behalten.“

Meinte er ernst ehe er seinem Kollegen zunickte der ihm daraufhin half die Schnallen an Kazels Bett zu lösen. Ehe sie ihm aufhalfen und ihn in den Gemeinschaftsraum begleiteten.

Dort befand sich im Moment nur der Eh Eh Mann der in einer Ecke hockte und vor sich hinbrütete. Er blickte auf als die Pfleger mit Kazel erschienen. „Eh!“ Grüsste er müde.l An seinen glasigen Augen erkannte man dass er offenbar unter irgendwelchen ruhigstellenden Medikamenten stand.

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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 8. April 2008, 13:17

Wenn man bewusstlos war, dann ähnelte es dem Schlaf. Es herrschte lediglich ein Unterschied: Träume suchten dich nicht heim. Die Schwärze jedoch blieb die gleiche.
Kazel genoss sie, sie Finsternis. Dass sein Licht – Landria – diese Schwärze nicht erhellte, störte ihn derzeit nicht. Garnichts kümmerte ihn. Er befand sich in einem Dämmerzustand. Nicht mehr ganz schlafend, aber auch noch nicht wach. Er nahm lediglich wahr, dass dieser Zustand existierte und es nur ein winziger Schritt ins Wachsein, in die Realität, war. Diesen Schritt wollte er nicht gehen. Dünn woben sich die Erinnerungen durch sein Denken und machten ihm klar, dass in der Realität unschöne Dinge auf ihn warteten. Er wollte sich nicht mit ihnen beschäftigen, jetzt nicht. Doch je länger er döste, desto mehr drängten sich ihm diese Erinnerungen auf, formten sich zu Träumen. Ehe das geschehen konnte, ehe er von Zellentrakten, oberteilfreien Babs' und Einläufen träumen könnte, erwachte Kazel – und fand sich liegend in einem kühlen Raum wieder.

Kazel schaute die Wand an, versuchte, sich an die letzten Ereignisse zu erinnern. Welch Glück für ihn, blieben diese Erinnerungen größtenteils leer. Erst als er den Schmerz verspürte, der sein Zentrum im Rektalbereich besaß, starrte er die Wand an. Und er war froh, sich nicht erinnern zu müssen. <b>Gar nicht erst darüber nachdenken!</b>, gemahnte er sich im Stillen und schaffte es so, aufkommender Panik zu entgehen.
Vielleicht half auch der beruhigende Zitrus- und Rosenduft, der in der Zelle vorherrschte. Kazel lag stumm, begann aus Langeweile die Dreckpartikel der Gesteinsmauer zu zählen. Irgendwie lenkte es ab und so musste er nicht über den Schmerz und seinen Ursprung nachdenken.

Schließlich zuckten seine Elfenohren zusammen, als ein metallenes Krächzen kundtat, dass jemand die Zellentür aufschloss. Zwei Pfleger betraten den kleinen Raum. Kazel hatte sie schon einmal gesehen, aber ein Irrer fragte natürlich nicht nach Namen.
<i>"Ah, Ihr seid endlich aufgewacht."</i> Kazel nickte. <i>"Ihr habt uns da ja ganz schön Arbeit bereitet. Habt Ihr immer noch das dringende Bedürfnis, herum zu tiben und nach Dr. Sinal zu schreien?"</i>
Die Erinnerungen kehrten zurück. Kazel fiel ein, dass er durch den Gang gesprungen und lauthals Landrias Namen gekreischt hatte, bis die Pfleger ihn wie zwei Rammböcke zu Boden geworfen und überwältigt hatten. Doch das was nur Nebensache. Siedend heiß brannte sich ein Bild vor sein inneres Auge. Ein kleines Bündel, welches in einer Nische des Ganges lag und darauf wartete, dass er – Kazel – es in die Duschen bringen würde. Babs verließ sich auf ihn. Hoffentlich befand sich das Bündel noch an seinem Platz.

<i>"Diesbezüglich habe ich eine gute Neuigkeit für Euch. Ich habe gerade vernommen, dass es Dr. Sinal soweit besser geht, dass sie zum morgigen Therapiegespräch erscheinen wird."</i>
"Ich glaube Euch nicht", antwortete Kazel ein wenig forsch. "Ihr wollt mich hier nur ruhig halten." Allerdings machte er auch keine Anstalten, einen weiteren Tobsuchtsanfalle zu bekommen. Er lag für verrückte Verhältnisse überraschend friedlich da. Denn Kazel zwang sich, ruhig zu bleiben. Wenn Landria morgen wieder hier in der Anstalt wäre, würde er vielleicht bereits fort sein. Es ging in Ordnung, wenn er sie vorerst nicht mehr sag. Er brauchte nur zu wissen, dass es ihr gut ging. Wenn er sie nicht in der Klinik auffand, würde er dies wissen. Kazel musste aus Burgstein heraus und seine Aufgabe erfüllen. Er musste Shantih suchen, erst dann fände er die Ruhe, hierher zurück zu kehren – zu Landria.
War dies nicht bereits wahnsinniges Denken? War Kazel nicht schon in einem Stadium der Verrücktheit? Er wollte aus der Anstalt fliehen, um seine einst Geliebte zu töten – vielleicht auch noch Luziver, wenn diese sich noch immer in Shantihs Nähe befand – und dann wollte er brav nach Burgstein zurückkommen. Nicht frei sein. Keine Sterne am Nachthimmel sehen. Landrias Therapie-Methoden zeigten noch immer vollen Erfolg.

<i>"Ich werde Euch nun losschnallen. Ihr dürft zurück in den Aufenthaltsraum, wenn Ihr Euch aber nicht zu benehmen wisst, werden wir Euch ruhig stellen und Euch für den Rest dieser Woche in diesem Zimmer behalten."</i> Sie meinten es ernst, der Klang ihrer Stimmen verriet es. "Ich habe verstanden", gab Kazel zurück und versuchte, ebenso ernst und nicht-verwirrt zu klingen.

Sie lösten tatsächlich seine Fesseln und man führte ihn in den Gemeinschaftsraum. Bis auf den Eh Eh-Mann, der mit glasigen Augen in einer Ecke saß und ihn nur matt lächelnd grüßte, war niemand anwesend.
Zeit, um den Plan weiter voran zu treiben. "Wo sind denn alle?", fragte Kazel den glatzköpfigen Wächter und fügte nach kurzem Zögern mit gespielter Sehnsucht hinzu: "Wo ist Babs?" Er trat zum Eh Eh-Mann hinüber, hockte sich neben ihn und machte ein trauriges, recht beleidigtes Gesicht. "Sie wollte mit mir duschen, hat sie versprochen." Verärgert zupfte er seinem Hemdsaum herum. "Und Jack wollte mir segeln beibringen! Außerdem hat der Dicke mein Brot gegessen." Er plapperte drauf los, wie man es von einem rational denkenden Kazel keineswegs gewohnt war. Ohne Pause wiederholte er sich und machte ein immer betreteneres Gesicht. Schließlich schaute er dem Pfleger direkt in die Augen, suchte die Konfrontation. "Nicht einmal Mutter Rurviera ist hier. Mit dem da kann ich mich doch nicht unterhalten. Eh ... Eh eh eeehhhh!", äffte er den Eh Eh Mann nach. Ihm machte Kazel es ja wirklich nicht leicht. Den armen Kerl traf es nun einmal immer wieder. Opfer des Plans. Der Mischling konnte nur hoffen, dass der Eh Eh-Mann es ihm nicht allzu übel nahm – wobei ihn auch nicht einmal dies sonderlich gestört hätte.

Sie waren hier drinnen doch alle verrückt, die Pfleger und vor allem Dr. "Einlauf" Memeratio nicht ausgeschlossen.
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 10. April 2008, 12:53

<i> "Ich glaube Euch nicht"</i> Der Pfleger zuckte mit den Schultern. „Ihr werdet es schon sehen.“ Meinte er ruhig. <i>"Ihr wollt mich hier nur ruhig halten."</i> Der ältere Pfleger lachte. „Jungchen, wenn wir dich Ruhig halten wollten hätten wir da wirklich effektivere Möglichkeiten.“ Meinte er schliesslich und Kazel musste wohl wissen, was da gemeint war. Es war spitz lang und tat weh.

Sie schnallten ihn zügig los und führten ihn in den Gemeinschaftsraum wo nur ein sichtlich benebelter Eh – Eh Mann hockte und sich trüb in eine Ecke drückte. <i> "Wo sind denn alle?"</i> Der jüngere Pfleger schaute Kazel an. „In ihren Zimmern.“ Antwortete er knapp.

<i> "Wo ist Babs?"</i> „In ihrem Zimmer. Angezogen und ruhig.“ Meinte der ältere düster. „und da wird sie auch bleiben für den Rest des Tages.“ Offensichtlich hatte die aktuelle Schicht mehr als genug gesehen von Babs.

<i> "Sie wollte mit mir duschen, hat sie versprochen."</i> Beide Pfleger runzelten die Stirn. Es war klar dass es nicht gerne gesehen war wenn sich Verrückte vermehrten und so wurde im Grunde auch darauf geschaut, dass getrennt geduscht wurde. Sie wechselten einige angewiderte Blicke untereinander und beschlossen Stillschweigend die beiden Turteltäubchen im Auge zu behalten. Der Eh-Eh Mann hockte still neben Kazel und lauschte ihm müde. Die Medikamente welche man ihm verabreicht hatte mussten eine stark dämpfende Wirkung haben.

<i> "Und Jack wollte mir segeln beibringen! Außerdem hat der Dicke mein Brot gegessen."</i> „Nun benimm dich.“ Knurrte einer der Wächter. Kazel musste wohl aufpassen es nicht zu übertreiben. Wie viel Verrücktheit mochte der Gemeinschaftsraum vertragen war die Frage und wie viel Rationalität machte ihn schon wieder verdächtig? Eine stetige Gratwanderung.

<i> "Nicht einmal Mutter Rurviera ist hier. Mit dem da kann ich mich doch nicht unterhalten. Eh ... Eh eh eeehhhh!"</i> Diesmal traf es den Patienten neben ihm tief, denn durch die Medikamente hatte er nicht das Bewusstsein, dass es sich um eine Finte gegen die Pfleger handeln könnte. Ausserdem tat es weh wenn man immer wieder auf dem offensichtlichsten Problem eines Menschen herumhackte. Während Kazel sich eine Ohrfeige des älteren Pflegers einhandelte welche ihn wieder zur Vernunft bringen sollte, begann der Eh Eh Mann zu weinen und verdrückte sich wankend aus dem Gemeinschaftsraum um sich in seinem Zimmer zu verstecken.

„Noch ein Wort und wir schnallen dich für den Rest der Woche fest!“ Knurrt der jüngere Pfleger. Schnaubend schritten sie davon, liessen Kazel allein. Der Gemeinschaftsraum wirkte – jetzt wo niemand da war. Gespenstisch.

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Kazel Tenebrée
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 12. April 2008, 13:04

Sie beantworteten Kazels Fragen kurz und knapp – und unfreundlich. Diese Pfleger waren entweder jene von der leicht reizbaren Sorte oder aber sie schienen noch genervt von dem Irren-Chaos zu sein. Vielleicht hatten sie auch ... <b>diese Einläufe ... nein, lieber nicht dran denken!</b> durchgeführt. Kazel schauderte erneut. Wie gut, war er bewusstlos gewesen. Eine solche Erfahrung bei vollem Verstand hätte ihn selbigen vielleicht gekostet? So stellte er kurzzeitig eine Überlegung auf. Waren alle Insassen vielleicht einmal rational denkend gewesen und erst durch Dr. Memeratios unangenehme Methoden in die Wahnsinnigkeit abgerutscht? Er hoffte, er irrte sich. Denn das könnte bedeuten, dass er hier schneller heraus musste als er es selbst bislang geplant hatte. Memeratio war der Feind, welcher wie ein immer währender Schatten vorherrschte. Er konnte jederzeit auftauchen und ihn in den Wahnsinn ... <i>einlaufen</i> lassen.

Für Kazel stand es nun mehr fest denn je. Er war zu allem entschlossen und schien nur noch einen Gedanken zu besitzen. <b>Raus, raus, raus, raus, raus ...</b> Irgendwie verrückt. Beängstigend.
Doch auch motivierend. Kazel verfolgte weiterhin seine Pläne, auf Kosten jener, die eigentlich daran beteiligt sein sollten. Auf Kosten des Eh-Eh-Mannes. Jener schien den Plan dahinter nicht mehr zu sehen, denn er begann zu weinen. <b>Das müssen die Drogen sein, er hat doch sonst immer einen recht vernünftigen Eindruck gemacht bis auf seine Sprachprobleme! Verdammt!!!</b>
Und schon setzte es eine Ohrfeige. Der Eh Eh Mann verdrückte sich weinend in seine Zelle. Etwas in Kazels Brust schmerzte einen Moment lang stärker als seine brennende Wange. <b><i>Ja, ich bin es, dein verkrüppeltes, schwarzes Herz. Noch nicht ganz verloren, denn es tut weh. Du hast dem armen Kerl wehgetan – wie <u>sie</u> dich verletzt hat.</i> Sei still! Es ... manchmal müssen Opfer gebracht werden! <i>Aber noch bist du nicht draußen. Ein sinnloses Opfer.</i> SEI STILL!</b>

Kazel krümmte sich zusammen und knurrte leise. Er focht eine heftige Diskussion im Kopf aus. Die perfekte Verrückten-Tarnung. So würden die Pfleger es ihm wohl wirklich abkaufen. Kazel lehnte gegen der Wand, drehte sich jedoch auf die Seite. Der Stein im Rücken schmerzte auf den Narben.

<i>"Noch ein Wort und wir schnallen dich für den Rest der Woche fest!"</i>, knurrte man ihm entgegen, ehe die Pfleger sich abwandten und irgendwo in den Gängen verschwanden. Sie ließen ihn einfach hier zurück. Allein.
"Wort", keifte Kazel ihnen leise aber trotzig nach und war's zufrieden, wirklich das letzte Wort gehabt zu haben.
Dann bemerkte er seine derzeitige Lage. Allein. Zurückgelassen. Der Mischling richtete sich auf und sah sich um. Waren diese Pfleger wirklich so naiv? Glaubten sie, er würde jetzt artig hier sitzen bleiben? Vielleicht ...

Vorsichtig erhob er sich und stapfte durch den Gemeinschafstraum. Seine Schritte waren das einzige, was er vernahm – nebst üblichen Anstaltsgeräuschen. Irgendwo wimmerte immer jemand.
Kazel täuschte Interesse für die Regale hier vor, in denen Bücher für die Insassen standen. Jemand hatte die Seiten und Ecken mit etwas verklebt, dass sie nicht spitz oder scharfkantig blieben. Keine potenziellen Waffen. <b>Verdammt.</b>
Er schritt weiter, näherte sich einem der Gänge. Hier hinein war Babs vorhin verschwunden. Kazel schritt weiter, in den Gang, in dem er überwältigt worden war. Er spähte hinein und entdeckte niemanden. Vielleicht versteckte sich jemand in den schattigen Nischen, aber dieser Gedanke wäre Anläufer zu Paranoia. Kazel schlich in den Gang und zu seiner persönlichen Nische. Hoffentlich war das Bündel nicht entdeckt worden. Er ging in die Hocke und suchte den Boden nach den gestohlenen Gegenständen ab.
Inzwischen überlegte er fieberhaft, wie er Babs aus ihrer Zelle holen und mit ihr die Duschräume auffinden konnte.
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Re: Gemeinschaftsraum

Beitrag von Erzähler » Samstag 19. April 2008, 23:56

In den Regalen des Irrenhauses gab es – wenn sich ein Irrer tatsächlich mal die Zeit nahm die Titel der Werke zu lesen – durchaus interessante Literatur zu schmökern:

<i>„Dr. Memeratios 25 Methoden zur rektalen Selbstreinigung mit Farbstichen zur bildlichen Darstellung der Ausführung.“</i>
<i>Die Wege ins Unterbewusstsein – oder welchen Sinn macht Unsinn?</i>
<i>Die Tragik des Geistesmüden und Debilen – in humorvollen Versen.</i>
<i>Die Königin, der Narr und dessen Therapeut – ein fantasievoller Roman</i>
<i>100 Möglichkeiten Kartoffeln zuzubereiten. Von der einfachen Hausmannskost bis zum Königsmahl</i>
<i>Partipfahl – der junge Kelchsritter</i>
<i>Moorwittchen und die sieben Eiszäpfchen.</i>
<i> Die Kunst des Kots – von einem anonymen Latrinenputzer verfasst.</i>
<i>Ode an die breite Frau der Heilerkraft – ein Bittschreiben an die Liebe.</i>
<i>Räuber Hosenrotz</i>

… und natürlich diverse Exemplare über Drachen. Pelgars Verkaufsschlager Nummer eins zur Zeit der Auferstehung eben jener Flatterviecher mit wahrhaftigem Sodbrennen. Kurzum eine durchaus erlesene Wahl mit einem gesunden Gleichgewicht an schwerer Fachliteratur und leichter Sagen.

Aber auch wenn man vielleicht mit einigen Bildnissen solcher dicken Bänder ein gewisses Mass an Leiden auslösen konnte – als effektive Waffe im brachialem Sinne waren die abgestumpften Bänder wohl nicht zu gebrauchen, dafür hatte das einfallsreiche Personal bereits gesorgt, vermutlich aufgrund einschlägiger Erfahrung. So minimierte sich Kazels Interesse für die Bücher schlagartig.

Die Station wirkte so leer und still wie sie nun war unreal und geisterhaft. Einzig das leise Knistern der Fackeln war zu hören und dumpfe Stimmen der Pfleger in ihrem Stationszimmer. Sie lachten. Offensichtlich machten sie gerade Pause – oder Scherze über die Patienten.

Er näherte sich der Nische in welcher er doch sein Päckchen vermutete und tatsächlich lag es noch immer da. Griffbereit und vielleicht der seltsamste Schlüssel in die Freiheit welcher Kazel je gesehen haben mochte. Doch noch fehlte sein Ausbruchsteam. Es war ohnehin fraglich ob noch alle mitmachen würden nach der Reaktion des Eh-Eh-Manns zu urteilen war zumindest dieser nicht mehr ganz vom Plan überzeugt.

Manchmal wurde gar Kazel mit einem bescheidenen Grad an Glück beschenkt. Auch Pech hatte eben manchmal pech und so ging es ihm wohl durch die Lappen seinem Lieblingsopfer nochmals einen Stock zwischen die Beine zu werfen. Dafür erlitt eben jenes Schicksal einer der Wachhabenden der sich soeben verstolperte und durch die masse und dem Gewicht seiner Eisenrüstung scheppernd zu Boden knallte. Kazel konnte es weit entfernt sogar hören. Während sich bei Kazel gerade ein Problem von selbst löste den Babs… kam ganz einfach aus ihrem Zimmer hinausgelaufen. Haben sie die Frau doch nicht angeschnallt? Nun vermutlich hatten sie sich gar nicht getraut sie weiter anzufassen als nötig… man könnte ja noch was treffen was man NICHT wollte. Etwas zu spüren kriegte was einem NICHT anregte und etwas weiteres sehen was man NICHT wieder aus dem Kopf brachte ohne diesen zu zerschmettern.

Sie blickte Kazel entgegen und lächelte. „Du hast es!“ Meinte sie und deutete auf das Bündel. „Geh schon in die Duschräume ich hole die anderen!“ Säuselte sie übermütig und voller Tatendrang und rannte beinahe mit wippender Weiblichkeit an ihm vorbei. Natürlich… die Zimmer von angeschnallten Patienten wurden nicht immer abgeschlossen, schliesslich konnten die ja schlecht raus.

„Wir müssen uns eilen bevor sie mit ihrer Sitzung fertig sind!“ Meinte Babs weiter. „Hol du den Eh-Eh-Mann und den Dicken! Während ich mich um unser Kapitänchen und die alte Mutti kümmere sowie den Nachtelfen!“

Ausgerechnet er musste also zum Eh Eh Mann und diesen da rausholen... in seinen privates Zimmer eindringen in welches er sich doch wegen ihm verdrückt hatte...

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