Platz der Toten

Auf Grandeas Friedhof werden das einfach Volk und der Adel zu gleichen Teilen beigesetzt. Nun gut, der Adel erhält wundervoll gestaltete Grufthäuser, der Rest wird einfach in Erdlöcher geworfen oder erhält vielleicht noch einen kleinen Grabstein.
Antworten
Benutzeravatar
Gestalt
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 667
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:13
Lebensenergie:

Platz der Toten

Beitrag von Gestalt » Freitag 9. November 2012, 22:51

Salar Harlor kommt von: Der südliche Teil Celcias ‹ Das Königreich Grandessa ‹ Die Hauptstadt Grandea ‹ Der Außenring ‹ Die Schenke "Zum Bettler" ‹ Der Weg der Bluthündin - Ein neuer Auftrag

Die Drei erreichten ohne Probleme den Friedhof, Salar verschuf sich einen kurzen Überblick über das Gelände. Selbst auf diesem Todesacker konnte man erkennen, wer arm und wer reich war. Die Toten der Unterschicht Grandeas wurden dicht an dicht begraben, an vielen Gräbern gab es nicht einmal einen Grabstein, geschweige denn ein Kreuz. Meist fand man nur einen kleineren Stein, auf den mit Kohle geschrieben stand: Hier liegt…
Ein ziemlich trauriger Anblick, wie er fand. Doch wenigsten hatten die Angehörigen es sich leisten können, ihren Verstorbenen zu begraben. Viele Tote der Unterschicht wurden meist verbrannt oder es wurde mit ihren leeren Hüllen Handel betrieben.
Bei diesem letzten Gedanken schüttelte Salar angewidert den Kopf, er wusste nur zu gut, wer diese Körper kaufte und wozu. Das einzig Gute daran war, dass die Angehörigen wenigstens Geld bekamen um sich die überteuerten Lebensmittel kaufen zu können. Denn seitdem Grandessa sich mit den Dunkelelfen verbündet hatte, stiegen die Preise für Nahrungsmittel ins Bodenlose.

Die Gräber der Adeligen hoben sich dafür deutlich ab. Sie standen auf einer Erhöhung und die riesigen Familiengrüfte zeigten den Lebenden noch deutlich, dass sie sogar im Tod mehr Geld zur Verfügung hatten als dieser Pöbel, der sich unter ihnen befand.

Die Drei liefen zielsicher genau zu solch einer Gruft. Sie war im Vergleich zu den Angrenzenden, eher schmucklos. Ein grauer Klotz aus Stein, ohne die üblichen Verzierungen, jedenfalls was den hinteren Teil der Gruft betraf, den man von den Armengräbern aus sehen konnte. Die Vorderfront bestand aus weißem Marmor und war eine Flügeltür, doch gab es hier kein Schlüsselloch um diese aufzuschließen. Auf den beiden Türen waren dutzende Verschnörkelungen und Symbole eingraviert und man konnte schnell den Überblick verlieren. Für Salar war dies kein Problem, er wusste worauf man achten musste und drückte auf bestimmte Zeichen, in einem gewissen Zeitraum. Bei dem letzten Symbol, dass das Gleiche war, wie das, welches seine Wachen trugen sprach er drei Wörter. „Ich danke euch!“
Das Symbol fuhr beim Klang seiner Stimme, ein Stück in die Tür hinein. Kurz darauf öffneten sich die beiden Tore nach innen. Das Gruselige an dieser ganzen Sache war, dass sie dabei kein Geräusch von sich gaben. Der Zwergenwächter ging als erster in Gruft, danach folgte Salar Harlor und das Schlusslicht bildete der Muskelberg. Nachdem die Drei im Inneren der Gruft verschwunden waren, schloss sich die Doppeltür genau so geräuschlos, wie sie sich vorher geöffnet hatte.

Eine Zeit lang stand Salar einfach nur still in der Dunkelheit und schien in Gedanken versunken zu sein. Seine beiden Wächter warteten still auf ihr Zeichen. Stille war das perfekte Wort, um das Gefühl zu beschreiben was einem in dieser Gruft beschlich. Das Einzige, was man hören konnte, war die eigene Atmung, ansonsten herrschte einfach nur Stille. Doch genau diese Stille wurde durch das Schnippen von Salar Harlor unterbrochen und der Zwergenmann zog eine Fackel aus der Wandhalterung. Zweimal musste er die Feuersteine aneinander schlagen damit der lichtbringende Funke übersprang. Doch als der Funke das getränkte Öltuch erreichte, brannte die Fackel lichterloh. Der Muskelberg nahm auch eine Fackel von der gegenüberliegenden Wand und entzündete sie an der schon brennenden Fackel vom Zwerg. Die Gruft wurde durch das Licht der Fackel erhellt und verdrängte die Dunkelheit. Jetzt erst konnte man die Ausmaße dieses Mausoleums erkennen. Die Decke war hoch genug damit der Größere der Wächter, mit seinen knapp zwei Metern, bequem mit der Fackel in der Hand stehen konnte. Zur Linken und zur Rechten befanden sich dutzende weiße Marmorsärge, die in der Wand eingelassen waren. Das Interessante war, das die Familiennamen sich unterschieden. Diese Gruft wurde wohl nicht nur von einer reichen Familie benutzt. Sondern von Hunderten, denn die Särge standen übereinander und in der Mitte der Gruft befand sich eine Treppe und selbst beim Gang hinab konnte man Särge sehen.
Salar ging diese Treppe alleine hinab, seine beiden Wächter warteten oben auf ihn. Er selbst hatte sich auch eine Fackel genommen und ging in stiller Andacht an die Verstorbenen, die Treppe weiter hinab.
Als er unten angekommen war, glich dieser Raum den anderen wie ein Ei dem anderen. Nur das es hier zwei Ausnahmen gab. Zum einen gab es eine Wand in der sich nur ein Sarg befand und zum anderen war dieser Raum noch nicht annähernd so sehr gefüllt wie der Obere. Salar ging zu diesen einem Sarg, der Name darauf war nicht zu lesen und der Mann streichelte mit den Fingerspitzen vorsichtig über den Deckel. Eine Weile starrte er ihn nur still an, bis er das Quieken einer Ratte hörte. Dieses Geräusch kam aus einem Loch in der Wand, die sich gegenüber dem einzelnen Sarg befand. Der Puppenspieler lief ohne Umschweife auf das Loch zu und ging in die Knie. Seine Hand streckte er dabei aus, in der sich ein kleines Stück Möhre befand. Es dauerte nicht lange und eine pechschwarze Ratte kam zum Vorschein. Sie war ein Stück größer als ihre Verwandten, doch passte sie noch bequem in die Hand. Der kleine Nager ging auch sofort ohne Umschweife zu der Hand von Salar und hüpfte auf diese.
Er selbst stand nun wieder auf und streichelte die Ratte mit seiner freien Hand. Die Fackel hatte er kurz zuvor in die Wandhalterung bei dem Loch gesteckt.
Der kleine Nager hielt das Stück Rübe in ihren kleinen Pfoten und knabberte daran. Salar gab ein paar schnatternde Geräusche von sich und die Ratte schien ihm zuzuhören, nachdem sie aufgefressen hatte, quiekte sie zustimmend. Auf dem Gesicht von Rikkas Auftraggeber entstand wieder einmal ein kurzes Lächeln, nur sah es bei seiner jetzigen Gestalt nicht ansatzweise so gut aus. Er nahm den Brief, den ihm die junge Frau gegeben hatte, und befestigte ihn mit einem Stück Bindfaden am Körper der Ratte. Diese ließ das alles über sich ergehen und als das Schreiben befestigt war, sprang sie von der Hand und verschwand in dem Loch, aus dem sie gekommen war.
Bild

Antworten

Zurück zu „Der Friedhof“